Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107
27 April 1909, Berlin
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Spiritual-Scientific Anthropology, tr. SOL
Siebzehnter Vortrag
Seventeenth Lecture
[ 1 ] Wir haben im Verlaufe dieses Winters eine ganze Reihe von geisteswissenschaftlichen Betrachtungen angestellt, die alle von einer bestimmten Absicht durchdrungen waren, von der Absicht, uns den Menschen in seinem ganzen Wesen immer näher und näher zu bringen. Von den verschiedensten Seiten her haben wir das große Menschenrätsel betrachtet. Heute soll es unsere Aufgabe sein, über etwas recht Alltägliches zu sprechen. Aber vielleicht gerade dadurch, daß wir einmal an etwas recht Alltägliches anknüpfen, wird sich uns zeigen, wie die Rätsel des Lebens im Grunde genommen auf Schritt und Tritt uns begegnen können, wie wir sie nur fassen sollen, um durch ihre Bewältigung in die Tiefen der Weltordnung hineinzuschauen. Denn das Geistige und das Höchste überhaupt ist nicht irgendwo in einer unbekannten Ferne zu suchen, sondern es offenbart sich uns im Alleralltäglichsten. Im Kleinsten können wir das Größte suchen, wenn wir es nur verstehen. Und deshalb sei heute in den Zyklus unserer diesjährigen Wintervorträge einverleibt eine Betrachtung über das alltägliche Thema des Lachens und des Weinens vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus.
[ 1 ] Over the course of this winter, we have engaged in a whole series of spiritual scientific considerations, all of which were imbued with a specific intention: to bring us ever closer to the human being in his or her entire being. We have examined the great mystery of the human being from a wide variety of angles. Today, our task is to talk about something quite ordinary. But perhaps it is precisely by taking up something quite ordinary that we will see how the mysteries of life can encounter us at every turn, how we can grasp them in order to look into the depths of the world order by overcoming them. For the spiritual and the highest in general are not to be sought somewhere in an unknown distance, but reveal themselves to us in the most everyday things. We can seek the greatest in the smallest things, if only we understand them. And that is why today's lecture in this year's winter lecture series includes a consideration of the everyday topics of laughter and tears from a spiritual scientific point of view.
[ 2 ] Lachen und Weinen sind gewiß im Menschenleben ganz alltägliche Dinge. Ein Verständnis dieser Erscheinungen im tieferen Sinne kann aber nur die Geisteswissenschaft geben, und zwar aus dem Grunde, weil nur die Geisteswissenschaft hineinführen kann in des Menschen tiefste Wesenheit, in jenen Teil des Menschen, durch den er sich erst deutlich abhebt von den anderen Reichen, die ihn auf diesem Erdenrund umgeben. Gerade dadurch, daß der Mensch auf diesem Erdenrund den größten und den intensivsten Anteil an der Göttlichkeit erlangt hat, ragt er ja hinaus über seine irdischen Mitgeschöpfe. Daher wird auch nur ein Wissen und eine Erkenntnis, die sich zum Geistigen erheben, des Menschen Wesenheit wirklich ergründen können. Lachen und Weinen sollten nur einmal richtig gewürdigt und beobachtet werden, denn sie allein sind schon geeignet, das Vorurteil hinwegzuräumen, das den Menschen seiner Wesenheit nach gar zu nahe dem Tiere bringen möchte. Es mag von jener Denkungsart, die so gern den Menschen möglichst nahe der Tierheit bringen möchte, noch so sehr betont werden, daß wir in den mancherlei Verrichtungen der Tiere eine hohe Intelligenz finden, eine Intelligenz, die oft weit dasjenige sogar an Sicherheit übertrifft, was der Mensch durch seinen Verstand hervorbringt. Das wundert den Geisteswissenschafter gar nicht besonders. Denn er weiß, wenn das Tier eine intelligente Tätigkeit vollführt, daß diese nicht von dem Individuellen des Tieres herrührt, sondern von der Gruppenseele. Es ist natürlich sehr schwierig, den Begriff der Gruppenseele für die äußere Beobachtung begreiflich zu machen, zur Überzeugung zu bringen, wenn es auch durchaus nicht unmöglich ist. Aber eines sollte eben beobachtet werden, denn es ist einer jeden äußeren Beobachtung zugänglich, wenn man sie nur umfänglich genug machen will: Das Tier weint nicht und lacht nicht. Gewiß, es werden sich auch da wieder Menschen finden, welche behaupten, auch das Tier lache, auch das Tier weine. Aber man kann solchen Menschen eben nicht helfen, die sich nun einmal keinen Begriff davon verschaffen wollen, was eigentlich Lachen und Weinen ist, und die, weil sie nicht wissen, was Lachen und Weinen ist, es auch dem Tiere zuschreiben. Der wirkliche Seelenbeobachter weiß, daß es das Tier nicht zum Weinen, sondern höchstens zum Heulen, und nicht zum Lachen, sondern nur zum Grinsen bringen kann. Diesen Unterschied müssen wir ins Auge fassen, zwischen Heulen und Weinen und zwischen Grinsen und Lachen. Wir müssen bis zu sehr bedeutsamen Ereignissen zurückgehen, wenn wir ein Licht werfen wollen auf das, was die eigentliche Natur von Lachen und Weinen ausmacht.
[ 2 ] Laughter and tears are certainly everyday occurrences in human life. However, only spiritual science can provide a deeper understanding of these phenomena, because only spiritual science can lead us into the deepest essence of the human being, into that part of the human being through which he clearly distinguishes himself from the other realms that surround him on this earth. It is precisely because human beings have attained the greatest and most intense share of divinity on this earth that they rise above their earthly fellow creatures. Therefore, only knowledge and insight that rise to the spiritual can truly fathom the essence of human beings. Laughter and tears should be properly appreciated and observed, for they alone are capable of dispelling the prejudice that would have us believe that human beings are, in their essence, very close to animals. Those who like to bring humans as close as possible to animality may emphasize that we find a high intelligence in the various activities of animals, an intelligence that often far exceeds even the certainty that humans produce through their intellect. This does not particularly surprise the spiritual scientist. For he knows that when an animal performs an intelligent action, this does not originate from the individual animal, but from the group soul. It is, of course, very difficult to make the concept of the group soul comprehensible to external observation, to convince people of its existence, even if it is by no means impossible. But one thing should be observed, because it is accessible to any external observation, if one is willing to make it comprehensive enough: Animals do not cry or laugh. Certainly, there will always be people who claim that animals laugh and cry. But one cannot help such people who do not want to understand what laughter and crying actually are, and who, because they do not know what laughter and crying are, attribute them to animals. The true observer of the soul knows that animals cannot cry, but at most howl, and cannot laugh, but only grin. We must bear in mind this difference between howling and crying, and between grinning and laughing. We must go back to very significant events if we want to shed light on what constitutes the true nature of laughter and crying.
[ 3 ] Es ist aus Vorträgen, die an verschiedenen Orten, auch in Berlin, gehalten worden sind, namentlich aus dem Vortrag über die Natur der Temperamente, erinnerlich, daß man im Menschenleben zweierlei Strömungen zu unterscheiden hat: die eine Strömung, die alles das an menschlichen Eigenschaften und Merkmalen umfaßt, was man durch Vererbung erhält von seinen Eltern und anderen Vorfahren und was wiederum vererbt werden kann auf die Nachkommen. Die andere Strömung setzt sich zusammen aus den Eigenschaften und Merkmalen, die der Mensch dadurch hat, daß er mit einer Individualität ins Dasein tritt. Sie umgibt sich mit den vererbten Merkmalen nur wie mit einer Hülle; ihre Eigenschaften und Merkmale stammen her aus den verflossenen Lebensläufen des Menschen, aus den vorhergehenden Inkarnationen.
[ 3 ] From lectures given in various places, including Berlin, notably from the lecture on the nature of temperaments, it is memorable that two currents must be distinguished in human life: one current that encompasses all human characteristics and traits that are inherited from parents and other ancestors and that can in turn be passed on to descendants. The other current is composed of the qualities and characteristics that human beings have because they enter existence with an individuality. It surrounds the inherited characteristics only as if with a shell; its qualities and characteristics originate from the past lives of human beings, from previous incarnations.
[ 4 ] Der Mensch ist also im wesentlichen eine Zweiheit: Seine eine Natur ererbt er von seinen Vätern, seine andere Natur bringt er sich mit aus seinen früheren Verkörperungen. So unterscheiden wir den eigentlichen Wesenskern des Menschen, der von Leben zu Leben geht, von Inkarnation zu Inkarnation, und alles das, was den Menschen umhüllt, was sich um seinen Wesenskern herum anlegt und was aus den vererbten Merkmalen besteht. Nun ist zwar durchaus vor des Menschen Geburt der eigentliche individuelle Wesenskern, der von Inkarnation zu Inkarnation geht, mit dem Menschen als physischem Wesen schon verbunden, so daß man nicht etwa glauben darf, daß, wenn ein Mensch einmal geboren ist, seine Individualität unter normalen Umständen noch ausgetauscht werden könnte. Es ist die Individualität vor der Geburt bereits mit dem Menschenleibe verbunden.
[ 4 ] Human beings are therefore essentially dual: they inherit one nature from their fathers, and bring the other nature with them from their previous incarnations. We thus distinguish between the actual core of a human being, which passes from life to life, from incarnation to incarnation, and everything that surrounds the human being, that forms around the core of their being and consists of inherited characteristics. Now, before a human being is born, the actual individual core of their being, which passes from incarnation to incarnation, is already connected with the human being as a physical being, so that one must not believe that, once a human being is born, their individuality can still be exchanged under normal circumstances. Individuality is already connected with the human body before birth.
[ 5 ] Aber etwas anderes ist es, wann dieser Wesenskern, diese Individualität des Menschen anfangen kann, an dem Menschen zu arbeiten, an dem Menschen zu gestalten. Wenn also das Kind geboren ist, so ist bereits in dem Kinde, wie gesagt, der individuelle Wesenskern. Aber er kann vor der Geburt als solcher nicht dasjenige geltend machen, nicht das zur Wirkung bringen, was er im letzten Leben oder überhaupt in den verflossenen Leben, sich als Fähigkeiten angeeignet hat; er muß warten bis nach der Geburt. So daß wir sagen können: Vor der Geburt sind tätig am Menschen die Ursachen für alle diejenigen Merkmale und Eigenschaften, die zu den vererbten gehören, die wir erben können von Vater, Mutter und den anderen Vorfahren. - Obwohl, wie gesagt, des Menschen Wesenskern bei alledem schon dabei ist, so kann er doch erst in das ganze Getriebe eingreifen, wenn das Kind zur Welt gekommen ist.
[ 5 ] But it is something else when this core essence, this individuality of the human being, can begin to work on the human being, to shape the human being. So when the child is born, the individual core essence is already present in the child, as I have said. But before birth, it cannot assert itself as such, cannot bring into effect what it has acquired as abilities in its last life or in past lives; it must wait until after birth. So we can say that before birth, the causes of all those characteristics and qualities that belong to our inheritance, which we can inherit from our father, mother, and other ancestors, are active in the human being. Although, as we have said, the core of a person's being is already present in all of this, it cannot intervene in the whole mechanism until the child is born.
[ 6 ] Dann, wenn das Kind sozusagen das Licht der Welt erblickt hat, beginnt dieser individuelle Wesenskern des Menschen den Organis mus umzugestalten; natürlich versteht sich das unter allgemeinen Verhältnissen, in Ausnahmefällen ist es wieder anders. Da arbeitet er sich das Gehirn und die anderen Organe so um, daß sie Werkzeuge werden können dieses individuellen Wesenskernes. Deshalb sehen wir, wie das Kind bei seiner Geburt mehr diejenigen Eigenschaften an sich trägt, die es durch Vererbung erlangt hat, und wie dann immer mehr und mehr die individuellen Eigenschaften sich hineinarbeiten in das Allgemeine des Organismus. Wenn wir sprechen wollen von einer Arbeit der Individualität an dem Organismus vor der Geburt, so würde das in ein ganz anderes Kapitel gehören. Wir können zum Beispiel auch davon sprechen, daß schon das Aussuchen des Elternpaares eine Arbeit der Individualität wäre. Aber auch dies ist im Grunde genommen ja eine Arbeit von außen. Alles Arbeiten vor der Geburt wäre von seiten des individuellen Wesenskernes ein Arbeiten von außen durch Vermittlung zum Beispiel der Mutter und so weiter. Aber das eigentliche Arbeiten des individuellen Wesenskernes an dem Organismus selbst beginnt eben erst, wenn das Kind das Licht der Welt erblickt hat. Deshalb, weil es so ist, kann auch dieses eigentlich Menschliche, das Individuelle, erst nach der Geburt im Menschen allmählich seinen Ausdruck finden.
[ 6 ] Then, when the child has, so to speak, seen the light of day, this individual core of the person's being begins to transform the organism; this is, of course, under normal circumstances; in exceptional cases, it is different. It works on the brain and other organs so that they can become tools of this individual core essence. This is why we see that at birth, the child has more of the characteristics it has acquired through heredity, and then more and more of the individual characteristics work their way into the general nature of the organism. If we want to talk about the work of individuality on the organism before birth, that would belong in a completely different chapter. We could also say, for example, that even the selection of the parents is a work of individuality. But this, too, is basically a work from outside. All work before birth would be work from outside on the part of the individual core of being, through the mediation of the mother, for example, and so on. But the actual work of the individual core of being on the organism itself only begins when the child sees the light of day. Because this is so, it is only after birth that this truly human, individual aspect can gradually find expression in the human being.
[ 7 ] Das Kind hat deshalb zunächst noch gewisse Eigenschaften mit der Tierheit gemeinsam, und das sind ja gerade solche Eigenschaften, die ihren Ausdruck in dem finden, was wir heute besprechen wollen, im Lachen und Weinen. In der allerersten Zeit nach der Geburt kann das Kind im wirklichen Sinne des Wortes nicht lachen und weinen. In der Regel ist es erst der vierzigste Tag nach der Geburt, wo das Kind zur Träne kommt, und dann auch zum Lächeln, weil dasjenige, was sich aus den früheren Leben hinübergelebt hat, da erst arbeitet, von da ab sich erst hineinsenkt in das Innere des Leiblichen und von da ab das Leibliche zu seinem Ausdruck macht. Gerade das ist es, was dem Menschen seine Erhabenheit über das Tier gibt, daß wir beim Tiere nicht sagen können, eine individuelle Seele zieht sich von Inkarnation zu Inkarnation. Was dem Tier zugrunde liegt, das ist die Gruppenseele, und wir können nicht sagen, was individuell beim Tiere ist, verkörpere sich wieder. Es zieht sich zurück in die Gruppenseele und wird etwas, was nur in der Gruppenseele des Tieres weiterlebt. Beim Menschen nur bleibt erhalten, was er sich in der einen Inkarnation erarbeitet hat, und das geht dann, wenn der Mensch durch das Devachan gegangen ist, in eine neue Inkarnation ein. In dieser neuen Inkarnation arbeitet es den Organismus allmählich um, so daß er nicht nur ein Ausdruck der Eigentümlichkeiten seiner physischen Vorfahren ist, sondern daß er ein Ausdruck wird für die individuellen Anlagen, Talente und so weiter.
[ 7 ] The child therefore initially shares certain characteristics with animals, and these are precisely the characteristics that find expression in what we want to discuss today: laughing and crying. In the very first period after birth, the child cannot laugh or cry in the true sense of the word. As a rule, it is only on the fortieth day after birth that the child begins to shed tears and then to smile, because what has been carried over from previous lives only begins to work at that point, only then does it sink into the inner body and from then on express itself through the body. This is precisely what gives humans their superiority over animals, that we cannot say of animals that an individual soul moves from incarnation to incarnation. What underlies the animal is the group soul, and we cannot say what is individual in the animal will reincarnate. It withdraws into the group soul and becomes something that lives on only in the group soul of the animal. In humans, only what they have worked out in one incarnation remains, and this then enters into a new incarnation when the human being has passed through the Devachan. In this new incarnation, it gradually transforms the organism so that it is not only an expression of the characteristics of its physical ancestors, but becomes an expression of the individual predispositions, talents, and so on.
[ 8 ] Nun ist es gerade die Tätigkeit des Ich in dem Organismus, welche bei einem Wesen, wie es der Mensch ist, Lachen und Weinen hervorruft. Nur bei einem Wesen, das sein Ich innerlich hat, bei dem das Ich also nicht Gruppen-Ich ist wie beim Tier, sondern innerlich im Organismus sitzt, ist Lachen und Weinen möglich. Denn Lachen und Weinen ist eben nichts anderes als ein feiner, ein intimer Ausdruck der Ichheit in der Leiblichkeit. Was geschieht zum Beispiel, wenn der Mensch weint? Weinen kann nur dann entstehen, wenn das Ich sich in irgendeiner Beziehung schwach fühlt gegenüber dem, was es in der Außenwelt umgibt. Wenn das Ich nicht im Organismus ist, also wenn es nicht individuell ist, dann kann das Sich-schwachFühlen gegenüber der Außenwelt nicht eintreten. Der Mensch als der Besitzer einer Ichheit fühlt einen gewissen Mißklang, eine gewisse Disharmonie in seinem Verhältnis zur Außenwelt. Und dieses Fühlen der Disharmonie kommt zum Ausdruck dadurch, daß er sich dagegen wehrt, daß er sozusagen ausgleichen will. Wie gleicht er aus? Dadurch, daß sein Ich den astralischen Leib zusammenzieht. Wir können sagen: In der Trauer, die sich im Weinen auslebt, fühlt sich das Ich in einer gewissen Disharmonie mit der Außenwelt, die es dadurch auszugleichen sucht, daß es den astralischen Leib in sich selber zusammenzieht, seine Kräfte gleichsam zusammenpreßt. - Das ist der geistige Vorgang, der dem Weinen zugrunde liegt. Nehmen Sie zum Beispiel das Weinen als einen Ausdruck der Trauer. Trauer müßte man in jedem einzelnen Falle genau betrachten, wenn man auf ihren Grund kommen will. Trauer ist zum Beispiel der Ausdruck des Verlassenseins von etwas, mit dem man bisher zusammen war. Das harmonische Verhältnis des Ich zur Außenwelt würde vorhanden sein, wenn dasjenige, was wir verloren haben, noch da wäre. Die Disharmonie tritt ein, wenn wir etwas verloren haben und das Ich sich verlassen fühlt. Nun zicht das Ich die Kräfte seines astralischen Leibes zusammen, drückt gleichsam den astralischen Leib zusammen, um sich zu wehren gegen sein Verlassensein. Das ist der Ausdruck einer Trauer, die zum Weinen führt, daß das Ich, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, den astralischen Leib, das dritte Glied, in seinen Kräften zusammenzieht.
[ 8 ] Now it is precisely the activity of the I in the organism that causes laughter and crying in a being such as the human being. Only in a being that has its I within itself, in which the I is not a group I as in animals, but is located within the organism, is laughter and crying possible. For laughter and crying are nothing other than a subtle, intimate expression of the ego in physicality. What happens, for example, when a person cries? Crying can only arise when the ego feels weak in some way in relation to what surrounds it in the external world. If the ego is not in the organism, that is, if it is not individual, then the feeling of weakness toward the outside world cannot arise. The human being, as the possessor of an ego, feels a certain discord, a certain disharmony in his relationship to the outside world. And this feeling of disharmony is expressed by his resistance to it, by his desire to compensate, so to speak. How does he compensate? By contracting his astral body. We can say that in grief, which is expressed in crying, the ego feels a certain disharmony with the outside world, which it seeks to compensate for by contracting the astral body within itself, pressing its forces together, as it were. This is the spiritual process underlying crying. Take crying as an expression of grief, for example. Grief must be examined closely in each individual case if we want to get to the bottom of it. Grief is, for example, the expression of being abandoned by something with which we have been together until now. The harmonious relationship between the ego and the outside world would exist if what we have lost were still there. Disharmony arises when we have lost something and the ego feels abandoned. Now the ego gathers the forces of its astral body, compresses the astral body, as it were, in order to defend itself against its abandonment. This is the expression of a grief that leads to crying, in which the ego, the fourth member of the human being, draws together the powers of the astral body, the third member.
[ 9 ] Was ist das Lachen? Das Lachen ist etwas, dem der entgegengesetzte Vorgang zugrunde liegt. Das Ich sucht den astralischen Leib in einer gewissen Weise schlaff werden zu lassen, seine Kräfte mehr in die Breite gehen zu lassen, ihn auszudehnen. Während durch das Zusammenziehen der weinerliche Zustand hervorgerufen wird, wird durch das Erschlaffenlassen, durch das Ausdehnen des astralischen Leibes das Lachen herbeigeführt. Das ist der geistige Befund. Jedesmal, wenn Weinen vorliegt, kann das hellseherische Bewußtsein konstatieren ein Zusammenpressen des astralischen Leibes durch das Ich. Jedesmal, wenn Lachen vorliegt, kommt ein Ausdehnen, wie ein Breiterwerden, ein Bauchigerwerden des astralischen Leibes zustande durch das Ich. Nur dadurch, daß das Ich innerhalb der menschlichen Wesenheit tätig ist, daß es nicht als Gruppen-Ich von außen wirkt, kommt Lachen und Weinen zustande. Weil nun das Ich erst nach und nach in dem Kinde anfängt tätig zu sein, weil bei der Geburt das Ich eigentlich noch nicht tätig ist, noch nicht sozusagen die Fäden ergriffen hat, die von innen aus den Organismus dirigieren, deshalb kann das Kind in den ersten Tagen nicht lachen und nicht weinen, sondern lernt es erst in dem Maße, als das Ich Herr wird über die inneren Fäden, die zuerst im astralischen Leibe tätig sind. Und weil wiederum alles das, was geistig ist, beim Menschen seinen Ausdruck findet in der Leiblichkeit, weil die Leiblichkeit eben nur die Physiognomie der Geistigkeit, der verdichtete Geist ist, so drükken sich diese Eigenschaften, die jetzt geschildert worden sind, eben auch in leiblichen Vorgängen aus. Und wir lernen diese leiblichen Vorgänge verstehen aus dem Geiste heraus, wenn wir uns folgendes klarmachen.
[ 9 ] What is laughter? Laughter is something based on the opposite process. The ego seeks to make the astral body slack in a certain way, to let its forces spread out more, to expand it. While the state of crying is caused by contraction, laughter is brought about by allowing the astral body to relax and expand. This is the spiritual finding. Whenever crying occurs, clairvoyant consciousness can observe a compression of the astral body by the ego. Every time there is laughter, the astral body expands, becomes broader and more distended through the ego. It is only because the ego is active within the human being, and does not act from outside as a group ego, that laughter and crying occur. Because the ego only gradually begins to be active in the child, because at birth the ego is not yet active, has not yet, so to speak, taken hold of the threads that direct the organism from within, the child cannot laugh or cry in the first few days, but only learns to do so to the extent that the ego gains control over the inner threads that are initially active in the astral body. And because everything that is spiritual finds expression in the physical body, because the physical body is only the physiognomy of the spirit, the condensed spirit, these qualities that have now been described are also expressed in physical processes. And we learn to understand these physical processes from the spirit when we realize the following.
[ 10 ] Das Tier hat eine Gruppenseele, wir können auch sagen ein Gruppen-Ich. Durch dieses Gruppen-Ich wird ihm seine Form aufgeprägt. Warum hat denn das Tier eine so bestimmte, in sich selbst abgeschlossene Form? Weil ihm aus der astralischen Welt heraus diese Form aufgeprägt wird und weil es diese Form dann im wesentlichen so beibehalten muß. Beim Menschen ist eine Form vorhanden, die wie wir öfter betont haben - gleichsam alle anderen Tierformen in sich begreift in harmonischer Abgeschlossenheit. Aber diese ganze harmonische Menschenform, die physische Menschenleiblichkeit, muß in sich beweglicher sein als die tierische Leiblichkeit. Sie darf nicht so in der Form erstarrt sein wie die tierische Leiblichkeit. Wir können das ja schon an der beweglichen Physiognomie des Menschen sehen. Sehen Sie sich die im Grunde genommen unbewegliche Physiognomie des Tieres an, wie sie Ihnen entgegentritt in ihrer Starrheit. Und sehen Sie sich dagegen die bewegliche Menschenform an mit ihren Änderungen in den Gesten, in der Physiognomie und so weiter. Sie werden sich daraus sagen können, daß der Mensch innerhalb der Grenzen, die ihm allerdings angewiesen sind, eine gewisse Beweglichkeit hat, daß es ihm überlassen worden ist in einer gewissen Weise, selber die Form sich aufzuprägen dadurch, daß sein Ich in ihm wohnt. Es wird nicht leicht jemandem einfallen, anders als höchstens vergleichsweise davon zu sprechen, daß in demselben Maße wie beim Menschen die Intelligenz im Antlitze eines Hundes oder eines Papageien individuell ausgedrückt ist. Im allgemeinen ja, aber nicht individuell, weil beim Hunde, bei Papageien, Löwen oder Elefanten eben der allgemeine Charakter überwiegt. Beim Menschen finden wir den individuellen Charakter in seinem Gesicht geschrieben. Und wir sehen, wie sich seine besondere individuelle Seele immer mehr und mehr plastisch ausbildet in seiner Physiognomie, besonders in dem, was in seiner Physiognomie beweglich ist. Dem Menschen ist diese Beweglichkeit geblieben, weil sich der Mensch selbst seine Form von innen geben kann. Es ist die Erhabenheit des Menschen gegenüber den anderen Reichen, daß er an sich bilden und formen kann.
[ 10 ] Animals have a group soul, or we could also say a group ego. This group ego imprints its form upon them. Why do animals have such a definite, self-contained form? Because this form is imprinted upon them from the astral world and because they must essentially retain this form. In humans, there is a form which, as we have often emphasized, encompasses all other animal forms in harmonious wholeness. But this whole harmonious human form, the physical human body, must be more mobile than the animal body. It must not be frozen in form like the animal body. We can already see this in the mobile physiognomy of the human being. Look at the basically immobile physiognomy of the animal, how it confronts you in its rigidity. And contrast this with the mobile human form with its changes in gestures, physiognomy, and so on. You will be able to tell from this that human beings have a certain mobility within the limits that are, of course, imposed on them, that they have been left free in a certain way to shape themselves by means of the ego that dwells within them. It will not be easy for anyone to think of anything other than a comparative statement that intelligence is expressed individually in the face of a dog or a parrot to the same extent as in humans. In general, yes, but not individually, because in dogs, parrots, lions, or elephants, it is the general character that predominates. In humans, we find the individual character written on their faces. And we see how their particular individual soul becomes more and more plastic in their physiognomy, especially in what is mobile in their physiognomy. This mobility has remained with humans because humans can give themselves their form from within. It is the sublimity of humans over other realms that they can form and shape themselves.
[ 11 ] In dem Augenblick, wo der Mensch durch sein Ich das allgemeine Verhältnis der Kräfte in seinem astralischen Leibe ändert, da tritt das auch leiblich in dem Ausdruck seiner Physiognomie zutage. Der gewöhnliche Gesichtsausdruck, die gewöhnliche Anspannung der Muskeln, die der Mensch vom Morgen bis zum Abend hat, müssen sich ändern, wenn das Ich eine Änderung in den Kräften des astralischen Leibes vornimmt. Wenn das Ich den astralischen Leib, statt ihn in der gewöhnlichen Spannung zu halten, schlaff werden läßt, ihn ausdehnt, dann wird er auch mit geringeren Kräften auf den Ätherleib und den physischen Leib wirken, und die Folge davon ist, daß gewisse Muskeln, welche bei dem gewöhnlichen Kräfteverhältnis diese oder jene Lage haben, eine andere Lage einnehmen. Wenn daher bei einem gewissen Gemütsausdruck der astralische Leib schlaffer gemacht wird vom Ich, so müssen gewisse Muskeln eine andere Spannung haben als im gewöhnlichen Lebensverlauf. Daher ist im Lachen eben nichts anderes gegeben als der physische Ausdruck, der physiognomische Ausdruck jenes Schlaffwerdens des astralischen Leibes, das durch das Ich selber eintritt. Der astralische Leib ist es, der von innen heraus unter dem Einfluß des Ich die Muskeln des Menschen in jene Lagen bringt, daß sie den Tagesausdruck haben. Läßt der astralische Leib seine Spannkraft nach, so dehnen sich die Muskeln aus und der Ausdruck des Lachens tritt ein. Das Lachen ist unmittelbar ein Ausdruck des innerlichen Arbeitens des Ich an dem astralischen Leibe. Wenn der astralische Leib zusammengepreßt wird vom Ich unter dem Eindrucke der Trauer, dann setzt sich dieses Zusammenpressen in den physischen Leib hinein fort, und die Folge davon ist nichts anderes als das Sezernieren, das Absondern der Tränen, die in gewisser Beziehung wie ein Abfluß des Blutes sind unter dem Einfluß des zusammengepreßten astralischen Leibes. So sind die Vorgänge. Daher kann nur ein Wesen lachen und weinen, das imstande ist, in seine Wesenheit hinein das individuelle Ich aufzunehmen und durch dieses individuelle Ich in sich selber zu wirken. Da also beginnt die Individualität des Ich, wo das Wesen imstande wird, die Kräfte des astralischen Leibes von innen heraus entweder mehr anzuspannen oder schlaffer werden zu lassen. Jedesmal dann, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen, der uns anlächelt oder der da weint, stehen wir mit diesen Tatsachen dem Beweise gegenüber von der Erhabenheit des Menschen über das Tier. Denn im astralischen Leibe des Tieres arbeitet das Ich von außen. Daher können alle Spannungsverhältnisse des tierischen astralischen Leibes auch nur von außen bewirkt werden, und es kann nicht das Innerliche in einem solchen Dasein nach außen sich abformen, wie es beim Lachen und Weinen zum Ausdruck kommt.
[ 11 ] The moment the human being changes the general relationship of forces in their astral body through their ego, this also becomes physically apparent in the expression of their physiognomy. The ordinary facial expression, the ordinary tension of the muscles that the human being has from morning to evening, must change when the ego brings about a change in the forces of the astral body. When the ego, instead of keeping the astral body in its usual tension, allows it to become slack and expands it, then it will also act with less force on the etheric body and the physical body, and the result is that certain muscles, which in the usual balance of forces have this or that position, take on a different position. Therefore, when the astral body is made more relaxed by the ego during a certain expression of the mood, certain muscles must have a different tension than in the normal course of life. Thus, laughter is nothing more than the physical expression, the physiognomic expression of this relaxation of the astral body, which is brought about by the ego itself. It is the astral body that, under the influence of the ego, brings the muscles of the human being into those positions from within that give them their daily expression. When the astral body relaxes its tension, the muscles expand and the expression of laughter appears. Laughter is directly an expression of the inner work of the ego on the astral body. When the astral body is compressed by the ego under the influence of grief, this compression continues into the physical body, and the result is nothing other than the secretion of tears, which in a certain sense are like a discharge of blood under the influence of the compressed astral body. Such are the processes. Therefore, only a being that is capable of taking the individual ego into its essence and acting within itself through this individual ego can laugh and cry. Thus, the individuality of the I begins where the being becomes capable of either tensing or relaxing the forces of the astral body from within. Every time we stand before a person who smiles at us or who is crying, we are confronted with these facts, which prove the superiority of humans over animals. For in the astral body of the animal, the I works from outside. Therefore, all tensions in the animal astral body can only be caused from outside, and what is inside such an existence cannot be expressed outwardly, as is the case with laughter and crying.
[ 12 ] Aber es zeigt sich uns noch viel mehr am Vorgange des Lachens und Weinens, wenn wir den Atmungsprozeß des Lachenden und des Weinenden beobachten. Da zeigt sich uns in aller Tiefe, was hier vorliegt. Wenn Sie das Atmen des Weinenden beobachten, so werden Sie sehen, es besteht im wesentlichen in einem langen Ausatmen und in einem kurzen Einatmen. Umgekehrt ist es beim Lachen: Einem kurzen Ausatmen entspricht ein langes Einatmen. Also der Atmungsprozeß ist etwas, was sich ändert beim Menschen unter dem Einfluß jener Vorgänge, welche wir eben jetzt beschrieben haben. Und Sie brauchen nur ein wenig mit Ihrer Phantasie nachzudenken, so werden sich Ihnen leicht die Gründe ergeben, warum dies so sein muß.
[ 12 ] But we see even more in the process of laughing and crying when we observe the breathing process of the person laughing and the person crying. There we see in all its depth what is going on here. If you observe the breathing of the person crying, you will see that it consists essentially of a long exhalation and a short inhalation. The opposite is true when laughing: a short exhalation corresponds to a long inhalation. So the breathing process is something that changes in humans under the influence of the processes we have just described. And you only need to think about it a little with your imagination, and the reasons why this must be so will easily become apparent to you.
[ 13 ] In dem Prozeß des Weinens wird der astralische Leib durch das Ich zusammengezogen, zusammengedrückt. Die Folge davon ist wie ein Auspressen der Atemluft: ein langes Ausatmen. Beim Prozeß des Lachens ist ein Erschlaffen des astralischen Leibes vorhanden. Da ist es gerade so, wie wenn Sie aus irgendeinem Raum die Luft auspumpen, die Luft verdünnen, da pfeift die Luft hinein. So ist es bei dem langen Einatmen unter dem Einflusse des Lachens. Da sehen wir gleichsam in der Veränderung des Atmungsprozesses das Ich wirksam innerhalb des astralischen Leibes. Das, was beim Tier außerhalb ist, das Gruppen-Ich, belauschen wir in seiner Wirksamkeit beim Menschen, indem wir sehen, wie bei dieser eigentümlichen Tätigkeit auch der Atmungsprozeß anders wird. Deshalb wollen wir einmal diesen Vorgang in seiner universellen Bedeutung hinstellen.
[ 13 ] In the process of crying, the astral body is contracted and compressed by the ego. The result is like squeezing out the air: a long exhalation. In the process of laughing, there is a relaxation of the astral body. It is just as if you were pumping the air out of a room, thinning the air, and the air whistles in. This is what happens during the long inhalation under the influence of laughter. We see, as it were, the I working within the astral body in the change in the breathing process. What is outside in animals, the group I, we observe in its activity in humans by seeing how the breathing process also changes during this peculiar activity. Let us therefore consider this process in its universal significance.
[ 14 ] Wir können sagen: Beim Tier liegt ein Atmungsprozeß vor, der sozusagen streng von außen geregelt ist, der dem inneren individuellen Ich in der heute geschilderten Beziehung nicht unterliegt. Das, was den Atmungsprozeß unterhält, was ihn eigentlich regelt, das nannte man zum Beispiel in der alttestamentlichen Geheimlehre die «Nephesch». Das ist in Wahrheit das, was man die «tierische Seele» nennt. Also was beim Tier ein Gruppen-Ich ist, das ist die Nephesch. Und in der Bibel heißt es ganz richtig: Und der Gott blies - oder hauchte - dem Menschen die Nephesch - die tierische Seele - ein, und der Mensch ward eine lebendige Seele in sich selber. - Dies versteht man natürlich sehr häufig falsch, weil man in unserer Zeit solche tiefen Schriften nicht lesen kann, denn man liest einseitig. Wenn zum Beispiel dasteht: Und der Gott hauchte dem Menschen die Nephesch ein, die tierische Seele -, so heißt das nicht, er schuf sie in diesem Moment, sondern sie war schon da. Daß sie vorher nicht da war, das steht nicht da. Sie war vorhanden, äußerlich. Und was der Gott tat, war, daß er das, was vorher als Gruppenseele äußerlich vorhanden war, dem Menschen in das Innere verlegte. Das ist das Wesentliche, daß man einen solchen Ausdruck in seiner wirklichen Gründlichkeit versteht. Man könnte fragen: Was entstand denn dadurch, daß die Nephesch in das menschliche Innere verlegt wurde? Dadurch wurde es möglich, daß der Mensch jene Erhabenheit über das Tier erlangte, die es ihm möglich machte, sein Ich innerlich tätig zu entfalten, zu lachen und zu weinen und damit Freude und Schmerz in der Weise zu erleben, daß sie an ihm selber arbeiten.
[ 14 ] We can say that in animals there is a breathing process that is strictly regulated from outside, so to speak, and is not subject to the inner individual I in the relationship described today. What sustains the breathing process, what actually regulates it, was called, for example, the “nephesh” in the secret teachings of the Old Testament. This is in truth what is called the “animal soul.” So what is a group ego in animals is the nephesh. And the Bible says quite correctly: And God breathed—or breathed into—the nephesh—the animal soul—into man, and man became a living soul in himself. This is, of course, very often misunderstood because in our time we are unable to read such profound writings, for we read in a one-sided manner. When it says, for example, “And God breathed into the man the nephesh, the animal soul,” this does not mean that He created it at that moment, but that it was already there. It does not say that it was not there before. It was present, externally. And what God did was to transfer what was previously present externally as a group soul into the inner being of man. It is essential to understand such an expression in its true depth. One might ask: What came into being as a result of the nephesh being transferred into the inner being of man? This made it possible for human beings to attain that superiority over animals which enabled them to develop their inner self, to laugh and cry, and thus to experience joy and pain in such a way that they work on them.
[ 15 ] Da kommen wir zu der bedeutsamen Wirkung, welche Schmerz und Freude im Leben haben. Hätte der Mensch sein Ich nicht in sich, dann könnte er Schmerz und Freude nicht innerlich erleben, sondern diese Schmerzen und Freuden müßten wesenlos an ihm vorüberziehen. Da er aber sein Ich in sich hat und von innen heraus seinen astralischen Leib und damit seine ganze Leiblichkeit bearbeiten kann, so werden Schmerz und Freude zu wirkenden Kräften an ihm selber. Was wir in einer Inkarnation als Schmerz und Freude erleben, das einverleiben wir uns, das tragen wir hinüber in die andere Inkarnation, das wirkt und schafft an uns. Daher könnte man sagen: Schmerz und Freude wurden zu schöpferischen Weltenkräften in dem Augenblick, wo der Mensch weinen und lachen lernte, das heißt, in dem Augenblick, wo des Menschen Ich in sein Inneres verlegt worden ist. - Hier haben wir etwas Alltägliches: Weinen und Lachen. Aber wir verstehen es nicht, wenn wir nicht wissen, wie es sich mit dem eigentlichen geistigen Teil des Menschen verhält, was sich eigentlich da abspielt zwischen dem Ich und dem astralischen Leib, wenn der Mensch weint oder lacht.
[ 15 ] This brings us to the significant effect that pain and joy have in life. If human beings did not have their ego within themselves, they would not be able to experience pain and joy inwardly, but these pains and joys would pass by them without substance. But since they have their ego within themselves and can work on their astral body and thus their entire physicality from within, pain and joy become forces that act upon them. What we experience as pain and joy in one incarnation, we incorporate into ourselves, we carry over into the next incarnation, and it works and creates in us. Therefore, one could say that pain and joy became creative forces in the world at the moment when human beings learned to cry and laugh, that is, at the moment when the human ego was transferred into the inner being. Here we have something everyday: crying and laughing. But we do not understand it if we do not know how the actual spiritual part of the human being works, what actually happens between the I and the astral body when a person cries or laughs.
[ 16 ] Nun aber ist das, was den Menschen bildet, in einer fortwährenden Entwicklung begriffen. Daß der Mensch lachen und weinen kann im allgemeinen, das kommt davon her, daß er von seinem Ich aus an seinem astralischen Leib arbeiten kann. Das ist gewiß richtig. Aber auf der anderen Seite waren des Menschen physischer Leib und auch der Ätherleib eben schon veranlagt zu einem Arbeiten des Ich in seinem Inneren, als der Mensch in die erste irdische Inkarnation eintrat. Der Mensch konnte es. Wenn man ein individuelles Ich in ein Pferd hineinpressen könnte, so würde es sich da höchst unglücklich fühlen, weil es gar nichts machen könnte, weil es da keinen Ausdruck finden könnte für die individuelle Arbeit des Ich. Denken Sie sich ein individuelles Ich in einem Pferde. Das individuelle Ich würde arbeiten wollen an dem astralischen Leib des Pferdes, ihn zusammenziehen ‚oder ihn ausdehnen wollen und so weiter. Aber wenn ein astralischer Leib mit einem physischen Leib und einem Ätherleib verbunden ist, so bilden der physische und der Ätherleib, wenn sie sich nicht den Formen des astralischen Leibes anpassen können, ein furchtbares Hindernis. Man kämpft da wie gegen eine Mauer. Das Ich in der Pferdenatur würde zusammenziehen wollen den astralischen Leib, physischer Leib und Ätherleib würden aber nicht mitgehen, und die Folge wäre, daß das Pferd wahnsinnig würde unter dem Nichtmitgehen des physischen Leibes und des Ätherleibes. Der Mensch mußte zu einer solchen Tätigkeit von vornherein veranlagt werden. Das war nur dadurch zu machen, daß er von Anfang an einen solchen physischen Leib erlangte, der wirklich ein Instrument für ein Ich werden konnte und nach und nach beherrscht werden konnte durch das Ich. Daher kann auch folgendes eintreten: Der physische Leib und der Ätherleib können in sich beweglich sein, sozusagen richtige Ich-Träger, aber das Ich kann sehr unentwickelt sein, kann noch nicht die richtige Herrschaft ausüben über physischen Leib und Ätherleib. Das kann man daran schen, daß sich physischer Leib und Ätherleib wie eine Hülle für das Ich ausnehmen, aber doch nicht so, daß sie ein vollständiger Ausdruck des Ich sind. Das ist der Fall bei solchen Menschen, deren Lachen und Weinen unwillkürlich eintritt, die bei jeder Gelegenheit meckern und die Lachmuskeln nicht in ihrer Gewalt haben. Die zeigen dadurch ihre höhere Menschlichkeit im physischen Leibe und Ätherleibe, aber auch zu gleicher Zeit, daß sie ihre Menschlichkeit noch nicht unter die Gewalt des Ich gebracht haben. Daher wirkt das meckernde Lachen so unangenehm. Es zeigt, daß der Mensch durch das, wofür er nichts kann, höher steht als durch das, wofür er schon etwas kann. Immer wirkt es besonders fatal, wenn ein Wesen sich nicht auf der Höhe dessen erweist, was ihm geworden ist von außen. So sind auch Lachen und Weinen in einer gewissen Beziehung durchaus der Ausdruck der menschlichen Egoität, was auch schon daraus hervorgeht, daß sie nur dadurch entstehen können, daß das Ich in der menschlichen Wesenheit wohnt. Weinen kann ein Ausdruck des furchtbarsten Egoismus sein, denn Weinen ist in einer gewissen Weise nur zu häufig eine Art innerlicher Wollust. Der Mensch, der sich verlassen fühlt, zieht mit seinem Ich den astralischen Leib zusammen. Er sucht sich innerlich stark zu machen, weil er sich äußerlich schwach fühlt. Und er fühlt dann diese innerliche Stärke dadurch, daß er etwas kann, nämlich die Tränen hervorbringen. Und immer ist ein gewisses Gefühl der Befriedigung - ob man es sich nun gesteht oder nicht gesteht - mit dem Hervorbringen der Tränen verbunden. Wie unter gewissen anderen Verhältnissen eine Art Befriedigung hervorgerufen wird, wenn einer einen Stuhl zerschlägt, so ist beim Tränenvergießen häufig nichts anderes vorhanden als die Wollust des innerlichen Hervorbringens, die Wollust in der Maske der Tränen, wenn der Mensch es sich auch nicht zum Bewußtsein bringt.
[ 16 ] Now, however, what constitutes the human being is in a state of continuous development. The fact that human beings can laugh and cry in general comes from the fact that they can work on their astral body from their ego. That is certainly true. But on the other hand, the physical body and also the etheric body of the human being were already predisposed to the work of the I within them when the human being entered the first earthly incarnation. The human being was capable of it. If one could press an individual I into a horse, it would feel extremely unhappy there because it could do nothing, because it could find no expression for the individual work of the I. Imagine an individual ego in a horse. The individual ego would want to work on the horse's astral body, contract it or expand it, and so on. But when an astral body is connected to a physical body and an etheric body, the physical and etheric bodies form a terrible obstacle if they cannot adapt to the forms of the astral body. It is like fighting against a wall. The self in the horse's nature would want to contract the astral body, but the physical body and etheric body would not go along with it, and the result would be that the horse would go mad because the physical body and etheric body would not go along with it. Human beings had to be predisposed to such activity from the outset. This could only be achieved by acquiring a physical body from the outset that could truly become an instrument for the ego and could gradually be controlled by the ego. Therefore, the following can also occur: The physical body and the etheric body can be mobile in themselves, so to speak, true carriers of the I, but the I can be very undeveloped, unable to exercise proper control over the physical body and the etheric body. This can be seen in the fact that the physical body and the etheric body appear as a shell for the I, but not in such a way that they are a complete expression of the I. This is the case with people whose laughter and crying occur involuntarily, who complain at every opportunity and have no control over their laughing muscles. In this way, they show their higher humanity in the physical body and etheric body, but at the same time they show that they have not yet brought their humanity under the control of the ego. This is why grumbling laughter is so unpleasant. It shows that a person is higher through what they cannot help than through what they can already do. It always seems particularly fatal when a being does not prove itself equal to what has been given to it from outside. Thus, laughter and crying are, in a certain sense, expressions of human egoism, which is already evident from the fact that they can only arise because the ego dwells in the human being. Crying can be an expression of the most terrible egoism, for crying is, in a certain sense, all too often a kind of inner lust. The person who feels abandoned draws his astral body together with his ego. He seeks to make himself strong inwardly because he feels weak outwardly. And he then feels this inner strength through the fact that he can do something, namely produce tears. And there is always a certain feeling of satisfaction—whether one admits it or not—associated with the production of tears. Just as under certain other circumstances a kind of satisfaction is produced when someone smashes a chair, so when tears are shed there is often nothing more than the lust of inner production, the lust masked by tears, even if the person is not aware of it.
[ 17 ] Daß das Lachen in einer gewissen Weise ein Ausdruck der Egoität ist, der Ichheit, das mag daraus hervorgehen, daß eigentlich das Lachen, wenn Sie es wirklich verfolgen, immer darauf zurückzuführen ist, daß der Mensch sich erhaben fühlt über seine Umgebung und über das, was in seiner Umgebung geschieht. Warum lacht der Mensch? Er lacht immer dann, wenn er sich über das stellt, was er beobachtet. Diesen Satz können Sie immer bewahrheitet finden. Ob Sie über sich selbst oder über einen anderen lachen, im Grunde genommen ist Ihr Ich so, daß es sich erhaben fühlt über etwas. Und in diesem Sich-erhaben-Fühlen dehnt es die Kräfte seines astralischen Leibes aus, macht sich breiter, plustert sich auf. Das ist es, genau genommen, was wirklich dem Lachen zugrunde liegt. Deshalb kann das Lachen so gesund sein, und man darf nicht in abstracto alle Egoität, dieses Sich-Aufplustern, verdammen, denn das Lachen kann sehr gesund sein, wenn es den Menschen stärkt in seinem Selbstgefühl, wenn es berechtigt ist, wenn es den Menschen über sich hinausführt. Wenn Sie irgend etwas sehen an Ihrer Umgebung, an sich und anderen, was eigentlich ein Unsinn ist, da ist es ein Erhabensein über den Unsinn, was sich da abspielt und Sie zum Lachen bringt. Es muß das eintreten, daß der Mensch sich erhaben fühlt über irgend etwas in seiner Umgebung, und das bringt das Ich dadurch zum Ausdruck, daß es den astralischen Leib ausdehnt.
[ 17 ] That laughter is in a certain way an expression of egoism, of selfhood, may be seen from the fact that, if you really follow it, laughter can always be traced back to the fact that a person feels superior to his surroundings and to what is happening in his surroundings. Why does a person laugh? He always laughs when he places himself above what he observes. You will always find this statement to be true. Whether you laugh at yourself or at someone else, your ego is basically such that it feels superior to something. And in this feeling of superiority, it expands the powers of its astral body, broadens itself, puffs itself up. That is, strictly speaking, what really underlies laughter. That is why laughter can be so healthy, and one must not condemn all egoism, this puffing oneself up, in the abstract, because laughter can be very healthy if it strengthens people's self-esteem, if it is justified, if it leads people beyond themselves. When you see something in your environment, in yourself or in others, that is actually nonsense, there is a sense of sublimity above the nonsense that is going on and makes you laugh. It must happen that the human being feels sublimated above something in his environment, and the ego expresses this by expanding the astral body.
[ 18 ] Wenn Sie im Atmungsprozeß das verstehen, was wir uns eben begreiflich zu machen versuchten in dem Satz: Und der Gott hauchte dem Menschen die Nephesch ein, und der Mensch ward eine lebende Seele -, so werden Sie auch den Zusammenhang spüren mit dem, was Lachen und Weinen ist, denn Sie wissen, daß unter Lachen und Weinen sich der Atmungsprozeß selber im Menschen verändert. Damit haben wir gezeigt, wie wirklich die alleralltäglichsten Dinge nur begriffen werden können, wenn vom Geistigen ausgegangen wird. Dadurch nur können wir Lachen und Weinen verstehen, daß wir den Zusammenhang der vier Glieder der menschlichen Wesenheit verstehen. Denken Sie einmal, daß in den Zeiten, in denen man in gewisser Beziehung noch hellseherische Traditionen hatte und zu gleicher Zeit das Vermögen, aus einer Phantasie, aus einer richtigen Imagination heraus die Götter zu verbildlichen, daß man damals die Götter darstellte als heitere Wesenheiten, deren hauptsächlichste Eigenschaft die Heiterkeit, das Lachende in gewisser Beziehung war. Und nicht umsonst hat man denjenigen Gebieten des Weltendaseins, in denen vorzugsweise etwas wie eine übertriebene Egoität herrscht, Heulen und Zähneklappern zugeschrieben. Weshalb? Weil das Lachen auf der einen Seite ein Sich-Erheben bedeutet, ein Hinausführen des Ich über die Umgebung, also den Sieg des Oberen über das Untere, während das Weinen ein Sich-Ducken bedeutet, ein Sich-Zurückziehen vor dem Äußeren, ein Kleinerwerden und ein Sich-verlassen-Fühlen der Egoität, ein Sich-auf-sich-selbst-Zurückziehen. So ergreifend die Trauer im Menschenleben ist, weil wir wissen, daß diese Trauer besiegt wird und besiegt werden muß, so viel anders, nicht ergreifend, sondern hoffnungslos, erscheinen Trauer und Weinen in derjenigen Welt, in der sie nicht mehr besiegt werden können. Da erscheinen sie als der Ausdruck der Verdammnis, des In-die-Finsternis-gestoßenWerdens.
[ 18 ] If you understand in the breathing process what we have just tried to make clear in the sentence: “And God breathed into the man the breath of life, and the man became a living soul,” then you will also feel the connection with what laughter and crying are, because you know that laughter and crying change the breathing process itself in the human being. We have thus shown how even the most everyday things can only be understood when we start from the spiritual. Only by understanding the connection between the four members of the human being can we understand laughter and crying. Just think that in times when people still had certain clairvoyant traditions and at the same time the ability to visualize the gods out of their imagination, out of a true imagination, they depicted the gods as cheerful beings whose main characteristic was cheerfulness, laughter in a certain sense. And it is not without reason that howling and gnashing of teeth were attributed to those regions of the world where something like exaggerated egoism prevails. Why? Because laughter, on the one hand, means rising above oneself, lifting the ego above its surroundings, i.e., the victory of the higher over the lower, while crying means crouching down, withdrawing from the outside world, becoming small and feeling abandoned by the ego, withdrawing into oneself. As moving as grief is in human life, because we know that this grief will be overcome and must be overcome, grief and crying appear very different, not moving but hopeless, in a world where they can no longer be overcome. There they appear as the expression of damnation, of being cast into darkness.
[ 19 ] Diese Empfindungen, die uns überkommen können, wenn wir im großen betrachten, was sich als Arbeit des Ich an sich selber am Menschenausprägt, müssen wir wohl beachten und sie bis in ihre intimen Gestaltungen hinein verfolgen. Dann haben wir so manches begriffen, was uns im Laufe der Zeiten entgegentritt. Wir müssen ein Bewußtsein dafür haben, daß hinter der physischen Welt eine geistige ist und daß das, was uns im Menschenleben abwechselnd erscheint als Lachen und als Weinen, wenn es uns getrennt von ihm entgegentritt, uns dann erscheint als die lichte Heiterkeit des Himmels auf der einen Seite und auf der anderen Seite als die finstere, bittere Traurigkeit der Hölle. Diese beiden Seiten liegen unserer mittleren Welt durchaus zugrunde, und wir müssen unsere mittlere Welt dadurch verstehen, daß sie ihre Kräfte aus diesen beiden Reichen herleitet.
[ 19 ] We must pay close attention to these feelings that can overcome us when we consider in a broader sense what emerges as the work of the ego on itself in human beings, and we must follow them into their most intimate forms. Then we will have understood many things that we encounter in the course of time. We must be aware that behind the physical world there is a spiritual world, and that what appears to us in human life as laughter and tears, when we encounter it separately, appears to us on the one hand as the bright cheerfulness of heaven and on the other as the dark, bitter sadness of hell. These two sides are absolutely fundamental to our middle world, and we must understand our middle world by recognizing that it derives its powers from these two realms.
[ 20 ] Wir werden noch mancherlei in bezug auf das Wesen des Menschen kennenlernen. Aber ich möchte sagen, eines der intimsten Kapitel über dieses Menschenwesen ist das vom Lachen und Weinen, trotzdem Lachen und Weinen so alltägliche Tätigkeiten sind. Das Tier lacht nicht und weint nicht, weil es nicht den Tropfen der Gottheit in sich hat, den der Mensch in seiner Ichheit trägt. Und wir können sagen, wenn der Mensch beginnt, in seinem Lebenslauf zu lächeln und zu weinen, so kann das für den, der die große Schrift der Natur zu lesen versteht, ein Beweis dafür sein, daß wirklich innerlich im Menschen ein Göttliches lebt, daß, wenn der Mensch lacht, der Gott in ihm wirksam ist, der ihn zu erheben versucht über alles Niedrige. Denn eine Erhebung ist das Lächeln und das Lachen. Und daß, wenn der Mensch weint, es auf der anderen Seite wiederum der Gott ist, der ihn ermahnt, daß dieses Ich sich verlieren könnte, wenn es sich nicht in sich selber stärken würde gegen alles Schwachwerden und Sich-verlassen-Fühlen. Der Gott im Menschen ist es, welcher der Seele seine Mahnungen erteilt im Lachen und im Weinen. Daher, man möchte sagen, das bitterböse Gefühl, das den überkommt, der das Leben versteht, wenn er unnötig weinen sieht. Denn unnötiges Weinen verrät, daß, anstatt mit der Umwelt zu leben und zu fühlen, die Wollust, im eigenen Ich zu sein, eine zu große ist. Aber auch herbe ist die Empfindung, die einen solchen Weltenversteher befallen kann, wenn er das sonst im gesunden Lachen sich ausdrückende Erheben des Ich über seine Umgebung als Selbstzweck, als Lachen über alles mögliche, als hämisches Aburteilen bei jemandem findet. Denn dann sagt sich der Betreffende: Wenn das Ich nicht alles mitnimmt, was es aus der Umgebung herausziehen kann, wenn es nicht leben will mit der Umgebung, sondern unbegründet seine Ichheit über die Umgebung erhebt, dann wird diese Ichheit nicht die nötige Schwere haben, Schwere nach aufwärts, die man sich nur dadurch suchen kann, daß man aus seiner Umgebung alles herauszieht, was herauszuziehen ist für die Entwicklung des Ich. Und dann wird das Ich zurückfallen, wird sich nicht erheben können. Gerade das schöne Maß zwischen Schmerz und Freude ist es, was zur menschlichen Entwicklung so ungeheuer beitragen kann. Wenn Schmerz und Freude an der Umwelt ihre Berechtigung haben, nicht im eigenen Inneren liegen, wenn das Ich gerade zwischen Schmerz und Freude fortwährend das rechte Verhältnis zur Umwelt herstellen will, dann werden Schmerz und Freude rechte Entwicklungsfaktoren für den Menschen sein können.
[ 20 ] We will learn many more things about the nature of human beings. But I would like to say that one of the most intimate chapters on this human being is that of laughter and crying, even though laughter and crying are such everyday activities. Animals do not laugh or cry because they do not have the drop of divinity within them that human beings carry in their ego. And we can say that when a human being begins to smile and cry in the course of his life, this can be proof for those who know how to read the great script of nature that something divine truly lives within the human being, that when a human being laughs, the God within him is at work, trying to lift him above all that is base. For smiling and laughing are an elevation. And that when a person cries, it is God who admonishes them that this self could be lost if it does not strengthen itself against all weakness and feelings of abandonment. It is the God in man who gives the soul its admonitions in laughter and in tears. Hence, one might say, the bitter feeling that overwhelms those who understand life when they see unnecessary crying. For unnecessary crying betrays that, instead of living and feeling with the environment, the lust to be in one's own self is too great. But the feeling that can overcome someone who understands the world in this way is also harsh when they find the elevation of the ego above its surroundings, which is otherwise expressed in healthy laughter, as an end in itself, as laughter at everything possible, as malicious judgment of someone else. For then the person concerned says to himself: if the ego does not take everything it can extract from its surroundings, if it does not want to live with its surroundings but instead elevates its ego above them without justification, then this ego will not have the necessary weight, the upward weight that can only be sought by extracting everything from one's surroundings that can be extracted for the development of the ego. And then the ego will fall back, will not be able to rise. It is precisely this beautiful balance between pain and joy that can contribute so enormously to human development. When pain and joy have their justification in the environment and do not lie within oneself, when the ego continually seeks to establish the right relationship with the environment between pain and joy, then pain and joy can be right factors in human development.
[ 21 ] Große Dichter finden daher häufig so schöne Worte für jenen Schmerz und für jene Freude, die nicht irgendwie in einer Überhebung oder in einem In-sich-Zusammengepreßtsein des Ich wurzeln, sondern die ihre Ursache haben in dem Verhältnis zwischen Ich und Umwelt, das von außen her aus dem Gleichgewicht gebracht wurde und das nur erklärlich macht, warum der Mensch lacht, warum der Mensch weint. Wir können es verstehen, weil wir schen, es ist in der Außenwelt, durch die Außenwelt das Verhältnis zwischen Ich und Außenwelt gestört. Also muß der Mensch lachen oder weinen, während - wenn es nur im Menschen liegt - wir nicht verstehen können, warum der Mensch lacht oder weint, da es dann immer unbegründeter Egoismus ist. Daher wirkt es so schön, wenn Homer von Andromache sagt, als sie unter dem zweifachen Eindruck steht der Sorge um ihren Gemahl und der Sorge um ihren Säugling: «Sie konnte lachend weinen!» Das ist ein wunderbarer Ausdruck, man möchte sagen, für etwas Normales im Weinen. Nicht ihretwillen lacht sie, nicht ihretwillen weint sie. Es ist das richtige Verhältnis da zur Außenwelt, wenn sie zu sorgen hat auf der einen Seite um den Gemahl, auf der anderen Seite um ihr Kind. Und hier haben wir das Verhältnis zwischen Lachen und Weinen, daß sie sich die Waagschale halten: lächelnd weinen - weinend lachen. Das ist oft auch der Ausdruck beim naiven Kinde, dessen Ich noch nicht so stark in sich verhärtet ist wie später beim erwachsenen Menschen, so daß es noch weinend lachen und lachend weinen kann. Und es ist wiederum die Tatsache beim Weisen: Wer sein Ich so weit überwunden hat, daß er nicht in sich die Gründe zum Lachen und Weinen sucht, sondern sie in der Außenwelt findet, daß er auch wieder lachend weinen und weinend lachen kann. Jawohl, in dem, was tagtäglich an uns vorbeigeht, haben wir, wenn wir es verstehen, den vollen Ausdruck des Geistigen. Lachen und Weinen sind etwas, was wir im höchsten Sinne die Physiognomie des Göttlichen im Menschen nennen können.
[ 21 ] Great poets therefore often find such beautiful words for that pain and that joy which are not somehow rooted in arrogance or in the ego being compressed within itself, but which have their cause in the relationship between the ego and the environment, which has been thrown out of balance from outside and which alone explains why human beings laugh and why they cry. We can understand this because we know that it is in the external world, through the external world, that the relationship between the ego and the external world is disturbed. So humans must laugh or cry, whereas if it were only within humans, we would not be able to understand why humans laugh or cry, since it would then always be unfounded egoism. That is why it is so beautiful when Homer says of Andromache, when she is under the double impression of worry for her husband and worry for her infant: “She could laugh and cry!” This is a wonderful expression, one might say, for something normal in crying. She does not laugh for her own sake, she does not cry for her own sake. There is a proper relationship to the outside world when she has to worry about her husband on the one hand and her child on the other. And here we have the relationship between laughter and crying, which balance each other out: smiling while crying – crying while laughing. This is often also the expression of a naive child, whose ego is not yet as hardened as it later becomes in adults, so that they can still laugh while crying and cry while laughing. And it is again the case with the wise: those who have overcome their ego to such an extent that they do not seek the reasons for laughing and crying within themselves, but find them in the outside world, can also laugh while crying and cry while laughing. Yes, in what passes us by every day, if we understand it, we have the full expression of the spiritual. Laughter and crying are something that we can call, in the highest sense, the physiognomy of the divine in human beings.
