Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107
17 June 1909, Berlin
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Spiritual-Scientific Anthropology, tr. SOL
Neunzehnter Vortrag
Nineteenth Lecture
[ 1 ] Heute soll einiges gegeben werden zur Ergänzung der mannigfaltigen okkulten Tatsachen und Ausblicke, die wir in diesem Winter hier gepflegt haben. Es ist oft betont worden, in welcher Weise dasjenige, was wir Geisteswissenschaft nennen, eingreifen soll in das Menschenleben und wie es Leben, Handlung, Tat werden kann. Heute aber sollen einzelne ergänzende Blicke geworfen werden auf die großen Entwicklungsvorgänge des Weltenalls, wie sie sich im Menschen ausdrücken. Und zuerst möchte ich Ihren Blick hinlenken auf eine Tatsache, die Ihnen viel Aufklärung geben kann über das Wesen der Weltentwicklung, wenn Sie sie nur im richtigen Sinne sehen wollen.
[ 1 ] Today I would like to add a few things to supplement the manifold occult facts and perspectives we have cultivated here this winter. It has often been emphasized how what we call spiritual science should intervene in human life and how it can become life, action, deed. Today, however, we will take a few additional looks at the great developmental processes of the universe as they express themselves in human beings. And first I would like to draw your attention to a fact that can shed much light on the nature of world development, if you are willing to see it in the right sense.
[ 2 ] Betrachten Sie einmal den Unterschied der Tier- von der Menschenentwicklung zunächst rein äußerlich. Sie brauchen sich nur ein einziges Wort zu sagen und eine einzige Idee vorzuhalten, so werden Sie bald den Unterschied merken zwischen dem Begriff der tierischen und der menschlichen Entwicklung. Sie brauchen sich nur vorzuhalten das Wort «Erziehung». Eine eigentliche Erziehung ist in der tierischen Welt unmöglich. Man kann ja das Tier bis zu einem gewissen Grade durch Dressur zu solchen Verrichtungen bringen, die abweichen von dem, was dem Tier instinktiv eingeprägt ist, was von vornherein als Anlage in ihm sitzt und sich dann auslebt. Aber man muß wirklich schon sehr weit gehen in bezug auf jenen Enthusiasmus, den man entwickeln kann als ausgesprochener Hundeliebhaber, wenn man hinwegleugnen will den ganz radikalen Unterschied zwischen der menschlichen Erziehung und dem, was wir mit dem Tier vornehmen können. Nun brauchen wir uns nur an eine wichtige Erkenntnis unserer anthroposophischen Weltanschauung zu erinnern und es wird uns auch die Grundlage dieser zunächst oberflächlichen Tatsache anschaulich werden.
[ 2 ] Consider first the difference between animal and human development from a purely external point of view. You need only say a single word and hold a single idea before you will soon notice the difference between the concept of animal and human development. You need only consider the word “education.” True education is impossible in the animal world. Through training, animals can be taught to perform certain tasks that deviate from what is instinctively imprinted in them, what is inherent in them from the outset and then expressed. But one must go very far indeed in the enthusiasm that one can develop as an avowed dog lover if one wants to deny the radical difference between human education and what we can do with animals. Now we need only recall an important insight of our anthroposophical worldview, and the basis of this initially superficial fact will become clear to us.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch sich in sehr komplizierter Weise nach und nach heranentwickelt. Wir haben es wiederholt hervorgehoben, wie der Mensch in den ersten sieben Jahren seines Lebens, bis zum Zahnwechsel, in ganz anderer Art seine Entwicklung zu besorgen hat als später bis zum vierzehnten, dann wieder vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr. Das alles soll heute nur ganz obenhin berührt werden, denn es ist Ihnen schon bekannt. Wir wissen, daß für den, der geisteswissenschaftlich die Dinge betrachtet, eine mehrmalige Geburt des Menschen eintritt.
[ 3 ] We know that human beings develop gradually in a very complicated way. We have repeatedly emphasized how human beings develop in a completely different way during the first seven years of their lives, until they lose their baby teeth, than they do later, until the age of fourteen, and then again from the age of fourteen to twenty-one. We will only touch on this briefly today, as you are already familiar with it. We know that, from a spiritual scientific point of view, human beings are born several times.
[ 4 ] Der Mensch wird geboren in die physische Welt hinein, wenn er den Leib der Mutter verläßt, er streift von sich ab die physische Mutterhülle. Dann aber wissen wir, daß der Mensch, wenn er die physische Mutterhülle abgestreift hat, noch immer eingeschlossen ist in einer anderen, zweiten, ätherischen Mutterhülle. Wenn das Kind so heranwächst bis zum siebenten Jahre, da ist dasjenige, was wir den Ätherleib des Kindes nennen, allseitig umgeben von äußeren Ätherströmungen, die der Umwelt angehören, geradeso wie der physische Leib bis zur Geburt umgeben ist von der physischen Mutterhülle, Und mit dem Zahnwechsel wird hinweggestreift diese Ätherhülle, und dann ist erst der ätherische Leib geboren, mit dem siebenten Jahre. Dann aber ist noch immer der astralische Leib eingehüllt in die astralische Mutterhülle, die abgestreift wird mit der Geschlechtsreife. Danach entwickelt sich der Astralleib des Menschen frei bis zu dem einundzwanzigsten oder zweiundzwanzigsten Jahre, wo das eigentliche Ich des Menschen im Grunde genommen erst geboren wird, wo der Mensch erst zur vollständigen inneren Intensität erwacht, wo aus dem Innern erst dasjenige sich herausarbeitet, was sich als ein Ich entwickelt hat durch die verschiedenen Inkarnationen, die er früher durchgemacht hat.
[ 4 ] Human beings are born into the physical world when they leave their mother's body, shedding the physical mother's shell. But then we know that when the human being has shed the physical mother's shell, he is still enclosed in another, second, etheric mother's shell. When the child grows up to the age of seven, what we call the etheric body of the child is surrounded on all sides by external ether currents that belong to the environment, just as the physical body is surrounded by the physical mother's shell until birth. And with the change of teeth, this etheric shell is shed, and only then is the etheric body born, at the age of seven. But then the astral body is still enveloped in the astral mother's shell, which is shed at puberty. After that, the astral body of the human being develops freely until the age of twenty-one or twenty-two, when the actual I of the human being is basically born, when the human being first awakens to complete inner intensity, when that which has developed as an I through the various incarnations he has undergone in the past emerges from within.
[ 5 ] Für das hellseherische Bewußtsein stellt sich da eine ganz besondere Tatsache heraus. Betrachten Sie einmal ein ganz junges Kind durch ein paar Wochen, vielleicht auch Monate hindurch. Da sehen Sie das Haupt, den Kopf dieses Kindes umgeben von ätherischen, astralischen Strömungen und Kräften. Diese ätherisch-astralischen Strömungen und Kräfte werden aber allmählich undeutlicher und verlieren sich nach einiger Zeit. Was geht da eigentlich vor? Was da vorgeht, können Sie eigentlich schon erschließen ohne hellseherische Beobachtung, aber die hellseherische Beobachtung bestätigt das, was jetzt gesagt wird. Sie können sich sagen, daß das Gehirn des Menschen unmittelbar nach seiner Geburt noch nicht so ist wie später, nach einigen Wochen oder Monaten. Das Kind nimmt zwar die Außenwelt schon wahr, aber in seinem Gehirn ist noch nicht solch ein Instrument gegeben, daß es die äußeren Eindrücke in einer bestimmten Weise miteinander verbinden kann. Da sind einzelne Verbindungsnerven, die von einer zur anderen Gehirnpartie verlaufen und die erst ausgebildet werden, wenn das Kind schon geboren ist. Diese Verbindungsstränge, durch die der Mensch allmählich lernt, das, was er in der Außenwelt sieht, gedanklich zu verknüpfen, werden erst nach und nach ausgebildet, nachdem das Kind schon geboren ist. Ein Kind wird, sagen wir meinetwegen, eine Glocke hören, wird auch die Glocke sehen, aber nicht gleich wird es den Gehör- und Gesichtseindruck verbinden zu dem Urteil: Die Glocke tönt. - Das lernt es erst allmählich, weil die Partie im Gehirn, welche das Instrument ist für die Wahrnehmung des Tones, und die Partie, welche das Instrument ist für die Gesichtswahrnehmung, erst im Laufe des Lebens miteinander verbunden werden. So daß erst dadurch ein Urteil möglich wird und es sagen kann: Das, was ich da sche, ist dasselbe, was auch tönt. - So also werden solche Verbindungsstränge im Gehirn ausgebildet, und diejenigen Kräfte, welche die Verbindungsstränge herausgliedern, sind in den ersten Wochen der kindlichen Entwicklung für den Hellseher zu sehen wie etwas, was das Gehirn noch extra einhüllt. Aber das, was das Gehirn einhüllt, geht hinein in das Gehirn und lebt später im Gehirn drinnen, arbeitet nicht mehr von außen, sondern im Innern des Gehirns. Dieses, was da in den ersten Wochen der kindlichen Entwicklung äußerlich arbeitet, könnte nicht weiter arbeiten an der ganzen Entwicklung des heranwachsenden Menschen, wenn es nicht geschützt wäre durch die verschiedenen Hüllen. Denn wenn das, was ich zuletzt geschildert habe, was da von außen arbeitet und dann hineingeht in das Gehirn, drinnen ist, dann entwickelt es sich unter der schützenden Hülle zuerst des Äther-, dann des astralischen Leibes, und erst mit dem zweiundzwanzigsten Jahre wird das, was da von außen gearbeitet hat, von innen heraus tätig. Was zuerst außer dem Menschen war in den ersten Monaten seines Daseins, was dann hineingeschüpft ist, das wird hüllenlos tätig erst im zwanzigsten bis zweiundzwanzigsten Jahre, da wird es frei, dann entwickelt es die Intensität, die schon erwähnt wurde.
[ 5 ] For clairvoyant consciousness, a very special fact emerges here. Observe a very young child for a few weeks, perhaps even months. You will see the head of this child surrounded by etheric, astral currents and forces. However, these etheric-astral currents and forces gradually become less distinct and disappear after some time. What is actually happening here? You can actually deduce what is happening without clairvoyant observation, but clairvoyant observation confirms what is now being said. You can tell yourself that immediately after birth, the human brain is not yet as it will be later, after a few weeks or months. The child already perceives the outside world, but its brain does not yet have the instrument that enables it to connect external impressions in a certain way. There are individual connecting nerves that run from one part of the brain to another and are only formed after the child is born. These connecting strands, through which humans gradually learn to mentally link what they see in the outside world, are only formed little by little after the child is born. A child will, say, hear a bell and will also see the bell, but it will not immediately connect the auditory and visual impressions to the judgment: The bell is ringing. It learns this only gradually, because the part of the brain that is the instrument for the perception of sound and the part that is the instrument for visual perception are only connected with each other in the course of life. Only then is it possible to make a judgment and say: What I see there is the same thing that sounds. Thus, such connecting strands are formed in the brain, and the forces that differentiate the connecting strands can be seen by the clairvoyant in the first weeks of a child's development as something that still envelops the brain. But what envelops the brain enters the brain and later lives inside the brain, no longer working from outside, but inside the brain. What works externally in the first weeks of a child's development could not continue to work on the entire development of the growing human being if it were not protected by the various envelopes. For if what I have just described, what works from outside and then enters the brain, is inside, then it develops under the protective shell, first of the etheric body, then of the astral body, and only at the age of twenty-two does what has worked from outside become active from within. What was outside the human being in the first months of its existence, what was then poured into it, becomes active without a shell only between the ages of twenty and twenty-two, when it becomes free and then develops the intensity that has already been mentioned.
[ 6 ] Nun betrachten wir jetzt einmal diese menschliche Entwicklung, die so nach und nach vor sich geht. Vergleichen wir sie mit der Entwicklung der Pflanze. Von der Pflanze wissen wir, sie hat hier in der physischen Welt, wo sie zunächst vor uns auftritt, nur ihren physischen und Ätherleib, dagegen hat sie den astralischen Leib um sich herum; aber im Innern nur den physischen und Ätherleib. Die Pflanze schlüpft heraus aus dem Samen, es bildet sich ihr physischer Leib aus und danach entwickelt sich auch ihr Ätherleib nach und nach. Aber die Pflanze hat eben nur noch diesen Ätherleib. Nun haben wir gesehen, daß des Menschen Ätherleib noch immer den astralischen Leib um sich herum hat bis zur Geschlechtsreife und daß dann der astralische Leib des Menschen erst eigentlich geboren wird. Die Pflanze kann aber nach ihrer Geschlechtsreife keinen solchen astralischen Leib gebären, denn sie hat ja keinen. Die notwendige Folge davon ist, daß die Pflanze nichts mehr hat bei der Geschlechtsreife, was nun weiterentwickelt werden soll. Sie hat in der physischen Welt ihre Aufgabe erfüllt, wenn die Geschlechtsreife eintritt. Nachdem sie befruchtet ist, stirbt sie ab. Ja, Sie können beobachten, daß sogar bei gewissen niederen Tieren ein Ähnliches der Fall ist. Sie können beobachten, wie bei niederen Tieren wirklich noch nicht in demselben Maße wie bei höheren Tieren der Astralleib schon ganz hineingezogen ist in den physischen Leib. Niedere Tiere zeichnen sich gerade dadurch aus, daß der astralische Leib noch nicht ganz im physischen Leibe ist. Nehmen Sie die Eintagsfliege; sie entsteht, lebt bis zur Befruchtung, wird befruchtet und stirbt. Warum? Weil das ein Wesen ist, welches ähnlich wie die Pflanze seinen astralischen Leib zum großen Teil außer sich hat und daher nichts mehr entwickeln kann, wenn die Geschlechtsreife eingetreten ist. In einer gewissen Beziehung ähnlich entwickeln sich Mensch, Tier und Pflanze bis zur Geschlechtsreife. Die Pflanze hat nun nichts mehr, was eine Entwicklungsaufgabe hätte in der physischen Welt, sie stirbt nach der Geschlechtsreife. Das Tier hat nun noch den astralischen Leib, aber kein Ich. Das Tier hat also nach der Geschlechtsreife noch einen gewissen Fonds von Entwicklungsmöglichkeit. Der astralische Leib wird frei, und solange der astralische Leib nunmehr frei sich entwickelt, solange die Entwicklungsmöglichkeiten in ihm sind, so lange dauert noch beim höheren Tier nach der Geschlechtsreife die Weiterentwicklung. Nun aber hat der astralische Leib beim Tiere in der physischen Welt kein Ich in sich. Das Ich des Tieres ist ein Gruppen-Ich, es umfaßt immer eine ganze Gruppe und befindet sich in der astralischen Welt als Gruppen-Ich. Dieses Gruppen-Ich in der astralischen Welt hat ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten als das Tier hier in der physischen Welt. Aber das, was das Tier als Astralleib besitzt, hat eine ganz eng umgrenzte Entwicklungsmöglichkeit. Diese Entwicklungsmöglichkeit hat das Tier als Anlage in sich, schon wenn es die Welt betritt. Der Löwe hat etwas, was in seinem astralischen Leib als eine Summe von Trieben, Instinkten und Leidenschaften sich auslebt. Und was da lebt in seinem astralischen Leib an Trieben, Begierden und Leidenschaften, das kann sich ausleben. Das lebt so lange, bis ein Ich geboren werden könnte; aber dies ist nicht da, es ist auf dem Astralplan. Wenn daher das Tier gerade auf der Stufe angekommen ist, wo der Mensch das einundzwanzigste Lebensjahr betritt, da ist seine Entwicklungsmöglichkeit ganz erschöpft. Es ist natürlich die Lebensdauer nach den Verhältnissen verschieden; denn die Tiere werden nicht alle einundzwanzig Jahre alt. Aber das, was eigentlich tierische Entwicklung ist, das lebt der Mensch aus bis zu seinem einundzwanzigsten Jahre, wo das Ich geboren wird. Natürlich dürfen Sie jetzt nicht sagen, daß die menschliche Entwicklung bis zum einundzwanzigsten Jahre eine tierische ist, denn das ist sie nicht, sondern das, was da frei wird mit einundzwanzig Jahren, das ist schon drinnen im Menschen von Anfang an, schon seit der Empfängnis, das wird nun aber frei. Weil also im Menschen von allem Anfang an etwas da ist, was dann vom einundzwanzigsten Jahre an frei wird, deshalb ist der Mensch von Anfang an keine tierische Wesenheit, sondern es arbeitet in ihm von Anfang an dieses Ich, wenn auch unfrei. Und dieses Ich ist es, was eigentlich erzogen werden kann. Denn dieses Ich, mit dem, was es erarbeitet am astralischen, ätherischen und physischen Leib, ist es, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Würde diesem Ich in einer neuen Inkarnation nichts Neues dazugegeben werden, so würde der Mensch bei seinem physischen Tode nichts mitnehmen können aus seinem letzten Leben zwischen Geburt und Tod. Und wenn er nichts mitnehmen könnte, würde er in dem folgenden Leben auf genau derselben Stufe stehen wie im vorigen. Dadurch, daß man den Menschen während seines Lebens eine Entwicklung durchlaufen sieht und dadurch, daß er sich erwirbt, in sich aufnimmt das, was das Tier nicht aufnehmen kann, weil die Entwicklungsmöglichkeit des Tieres mit seinen Anlagen abgeschlossen ist, bereichert er fortwährend sein Ich, dadurch steigt er von Inkarnation zu Inkarnation immer höher und höher. Deshalb, weil der Mensch in sich das Ich trägt, das mit dem einundzwanzigsten Jahre erst geboren wird, aber schon vorher arbeitet, deshalb ist bei ihm eine Erziehung anwendbar, deshalb kann aus ihm noch etwas anderes gemacht werden, als was er seiner Anlage nach war von allem Anfang an. Der Löwe bringt seine Löwennatur mit und lebt sie aus. Der Mensch bringt seine Natur nicht nur als allgemeine Menschen-Gattungsnatur mit, sondern er bringt mit auch das noch, was er schon als Ich erworben hat in der letzten Inkarnation. Das kann aber immer weiter und weiter durch Erziehung und durch das Leben umgewandelt werden, so daß es mit einem neuen Einschlag versehen ist, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht und dann sich vorzubereiten hat für eine neue Inkarnation. Das ist es, was wir festhalten müssen: daß der Mensch neue Entwicklungstatsachen in sich aufnimmt und sich fortwährend bereichert.
[ 6 ] Now let us consider this human development, which takes place gradually. Let us compare it with the development of a plant. We know that here in the physical world, where it first appears before us, a plant has only its physical and etheric bodies, but it has the astral body around it; inside, however, it has only the physical and etheric bodies. The plant emerges from the seed, its physical body forms, and then its etheric body gradually develops. But the plant has only this etheric body. Now we have seen that the human etheric body still has the astral body around it until sexual maturity, and that only then is the human astral body actually born. However, after reaching sexual maturity, the plant cannot give birth to such an astral body, because it does not have one. The necessary consequence of this is that the plant has nothing left at sexual maturity that can be further developed. It has fulfilled its task in the physical world when it reaches sexual maturity. After it is fertilized, it dies. Yes, you can observe that something similar happens even with certain lower animals. You can observe how, in lower animals, the astral body is not yet completely drawn into the physical body to the same extent as in higher animals. Lower animals are characterized precisely by the fact that the astral body is not yet completely within the physical body. Take the mayfly; it comes into being, lives until fertilization, is fertilized, and dies. Why? Because it is a being which, like the plant, has its astral body largely outside itself and therefore can no longer develop once sexual maturity has been reached. In a certain sense, humans, animals, and plants develop similarly until they reach sexual maturity. The plant now has nothing left that requires development in the physical world; it dies after reaching sexual maturity. The animal still has its astral body, but no ego. The animal therefore still has a certain amount of potential for development after reaching sexual maturity. The astral body becomes free, and as long as the astral body continues to develop freely, as long as there are possibilities for development within it, so long does the higher animal continue to develop after reaching sexual maturity. However, the astral body of animals in the physical world does not have an ego within itself. The ego of the animal is a group ego; it always encompasses an entire group and exists in the astral world as a group ego. This group ego in the astral world has completely different possibilities for development than the animal here in the physical world. But what the animal possesses as an astral body has a very narrowly defined possibility for development. The animal has this possibility for development within itself as an inherent capacity as soon as it enters the world. The lion has something that lives out in its astral body as a sum of drives, instincts, and passions. And what lives there in its astral body in the form of drives, desires, and passions can live out. This lives until an ego could be born; but this is not there, it is on the astral plane. Therefore, when the animal has just reached the stage where the human being enters the twenty-first year of life, its potential for development is completely exhausted. Of course, the length of life varies according to circumstances, for animals do not all live to be twenty-one years old. But what is actually animal development is lived out by the human being until the age of twenty-one, when the I is born. Of course, you must not now say that human development up to the age of twenty-one is animal development, for it is not. Rather, what becomes free at the age of twenty-one is already present in the human being from the beginning, from the moment of conception, but now it becomes free. Because there is something in humans from the very beginning that becomes free at the age of twenty-one, humans are not animal beings from the beginning, but rather this ego works within them from the beginning, even if it is not free. And it is this ego that can actually be educated. For it is this I, with what it has worked out in the astral, etheric, and physical bodies, that progresses from incarnation to incarnation. If nothing new were added to this ego in a new incarnation, human beings would be unable to take anything with them from their last life between birth and death when they died physically. And if they could not take anything with them, they would be at exactly the same stage in the following life as in the previous one. Because we see human beings undergoing development during their lives and because they acquire and absorb within themselves what animals cannot absorb, since the animals' potential for development is limited by their predispositions, human beings continually enrich their ego, thereby rising higher and higher from incarnation to incarnation. Because humans carry within themselves the ego, which is only born at the age of twenty-one but is already at work before that, education is applicable to them, and they can be made into something other than what they were from the beginning according to their predispositions. The lion brings its lion nature with it and lives it out. Human beings do not only bring their nature with them as the general nature of the human species, but they also bring with them what they have already acquired as the self in their last incarnation. However, this can be transformed further and further through education and through life, so that it is given a new impact when human beings pass through the gate of death and then have to prepare themselves for a new incarnation. This is what we must hold fast to: that human beings take in new facts of development and continually enrich themselves.
[ 7 ] Nun fragen wir uns: Was geschieht denn da eigentlich, wenn der Mensch sich äußerlich durch solche Entwicklungstatsachen bereichert? Da müssen wir zunächst einmal zu drei sehr wichtigen Begriffen, die nur etwas schwer zu fassen sind, aufsteigen. Und da wir hier in einem Zweige sind, der jahrelang gearbeitet hat, so wird es wohl die Möglichkeit geben, auch zu etwas höheren Begriffen aufzusteigen, die schwieriger zu begreifen sind. Um uns die drei Begriffe zu verschaffen, betrachten Sie zunächst die ganze ausgewachsene Pflanze, nehmen Sie meinetwegen ein Maiglöckchen. Da haben Sie die Pflanze in einer Form vor sich. Dann können Sie aber dieselbe Pflanze noch in einer anderen Form vor sich haben, als kleines Samenkörnchen. Denken Sie, Sie nehmen das Samenkorn, da haben Sie ein ganz kleines Gebilde vor sich. Wenn Sie das vor sich hinlegen, da können Sie sagen: Ja, in dem Samenkorn steckt alles drinnen, was ich später sehe als Wurzel, Stengel, Blätter und Blüten. Ich habe also einmal die Blume vor mir als Samenkorn und dann auch als ausgewachsene Pflanze. Aber ich könnte das Samenkorn nicht vor mir haben, wenn es nicht durch ein vorhergehendes Maiglöckchen hervorgebracht worden wäre. - Doch für das hellseherische Bewußtsein ist noch etwas anderes der Fall. Wenn das hellseherische Bewußtsein das ausgewachsene Maiglöckchen betrachtet, sieht es das physische Maiglöckchen durchzogen von einem Ätherleib, einer Art Lichtströmungsleib, der es von oben bis unten durchzieht. Aber es ist beim Maiglöckchen so, daß der Ätherleib nicht sehr weit herausragt aus diesem physischen Pflanzenleib und sich nicht stark von demselben unterscheidet. Wenn Sie aber das kleine Samenkörnchen des Maiglöckchens nehmen, so finden Sie das physische Samenkorn klein, aber ein wunderschöner Ätherleib gliedert sich ein in dieses Korn, strahlig rings herum, und zwar so, daß an dem einen Ende des Ätherleibes das Samenkorn sitzt, so wie sich bei einem Kometen der Kern zum Schweif verhält. Das physische Samenkorn ist eigentlich nur ein verdichteter Punkt in dem Licht- oder Ätherleib des Maiglöckchens. Wenn der, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, das ausgewachsene Maiglöckchen vor sich hat, dann ist für ihn das Wesen, das zuerst verborgen war, entwickelt. Wenn er das Samenkörnchen vor sich hat, wo das Physische ganz klein und nur das Geistige groß ist, sagt er: Das eigentliche Wesen des Maiglöckchens ist im physischen Samenkorn eingewickelt. So haben wir, wenn wir das Maiglöckchen anschauen, zwei Zustände zu unterscheiden. Ein Zustand ist, wo das ganze Wesen des Maiglöckchens Involution ist: der Same enthält das Wesen eingewickelt, involviert. Indem es herauswächst, geht es in die Evolution über, dann aber schlüpft das ganze Wesen des Maiglöckchens wieder in das werdende, neue Samenkorn hinein. So wechseln Evolution und Involution in der Aufeinanderfolge der Zustände des Wesens einer Pflanze. Während der Evolution verschwindet das Geistige immer mehr und mehr und das Physische wird mächtig, während der Involution wird das Physische immer mehr schwinden, und das Geistige wird mächtiger und mächtiger.
[ 7 ] Now we ask ourselves: What actually happens when human beings enrich themselves outwardly through such facts of development? First of all, we must ascend to three very important concepts that are somewhat difficult to grasp. And since we are in a branch that has been working on this for years, it will probably be possible to ascend to somewhat higher concepts that are more difficult to comprehend. To understand these three concepts, first consider the entire mature plant; take a lily of the valley, for example. There you have the plant in one form. But then you can also have the same plant in another form, as a small seed. Imagine you take the seed and you have a tiny structure in front of you. If you place it in front of you, you can say: Yes, the seed contains everything that I will later see as roots, stems, leaves, and flowers. So I have the flower in front of me as a seed and then also as a fully grown plant. But I could not have the seed in front of me if it had not been produced by a previous lily of the valley. However, for clairvoyant consciousness, something else is also the case. When clairvoyant consciousness looks at the mature lily of the valley, it sees the physical lily of the valley permeated by an etheric body, a kind of light-flowing body that runs through it from top to bottom. But in the case of the lily of the valley, the etheric body does not protrude very far from the physical plant body and does not differ greatly from it. But if you take the tiny seed of the lily of the valley, you will find that the physical seed is small, but a beautiful etheric body is integrated into this seed, radiating around it, in such a way that the seed sits at one end of the etheric body, just as the nucleus of a comet relates to its tail. The physical seed is actually only a condensed point in the light or etheric body of the lily of the valley. When someone who stands on the ground of spiritual science has the fully grown lily of the valley before them, then the essence that was first hidden is developed for them. When they have the seed in front of them, where the physical is very small and only the spiritual is large, they say: The actual essence of the lily of the valley is wrapped up in the physical seed. So when we look at the lily of the valley, we have two states to distinguish. One state is where the entire essence of the lily of the valley is involution: the seed contains the essence wrapped up, involved. As it grows out, it passes into evolution, but then the entire essence of the lily of the valley slips back into the new seed that is coming into being. Thus, evolution and involution alternate in the succession of states of a plant's essence. During evolution, the spiritual disappears more and more and the physical becomes powerful, while during involution, the physical disappears more and more and the spiritual becomes more and more powerful.
[ 8 ] In einer gewissen Beziehung können wir davon sprechen, daß beim Menschen die Evolution und Involution abwechselt, nur noch krasser. Da haben Sie den Menschen vor sich zwischen Geburt und Tod: Ein physischer Leib und ein Ätherleib decken sich als das Physische, das Geistige deckt sich auch in einer gewissen Weise — der Mensch ist als irdisches Menschenwesen evolviert. Wenn Sie aber den Menschen durch die Pforte des Todes gehen sehen - hellseherisch beobachtet -, da läßt er im physischen Leben nicht einmal so viel übrig, wie das Samenkorn eines Maiglöckchens ist, da verschwindet für Sie auch das Physische so vollständig, daß Sie es nicht mehr sehen, und es ist alles in das Geistige hineingewickelt. Der Mensch geht jetzt durch das Devachan, da ist er in seiner Involution in bezug auf seine irdische Wesenheit. Evolution ist zwischen Geburt und Tod, Involution zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in bezug auf die irdische menschliche Wesenheit. Aber es ist nun ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Menschen und der Pflanze. Wir können bei der Pflanze sprechen von Evolution und Involution, aber wir müssen beim Menschen auch noch von einem Dritten sprechen, was dazukommt. Würden wir nicht von einem Dritten sprechen, so würden wir die ganze Entwicklung eines Menschen nicht vollständig umfassen können. Weil die Pflanze immer durch Involution und Evolution geht, deshalb geschieht es, daß jede neue Pflanze eine Wiederholung der alten ist, ganz gleich ist der alten. Es wickelt sich immer das Wesen des Maiglöckchens in das Samenkorn hinein und wieder heraus. Was ist nun aber beim Menschen der Fall?
[ 8 ] In a certain sense, we can say that evolution and involution alternate in human beings, only more starkly. There you have the human being before you between birth and death: a physical body and an etheric body coincide as the physical, the spiritual also coincides in a certain way — the human being has evolved as an earthly human being. But when you see human beings passing through the gate of death — observed clairvoyantly — they do not even leave behind as much of their physical life as the seed of a lily of the valley. The physical disappears so completely that you can no longer see it, and everything is enveloped in the spiritual. Human beings now pass through the Devachan, where they are in involution in relation to their earthly nature. Evolution is between birth and death, involution between death and a new birth in relation to the earthly human nature. But there is now a tremendous difference between humans and plants. We can speak of evolution and involution in relation to plants, but in relation to humans we must also speak of a third factor that comes into play. If we did not speak of a third factor, we would not be able to fully comprehend the entire development of a human being. Because plants always go through involution and evolution, every new plant is a repetition of the old one, exactly the same as the old one. The essence of the lily of the valley always winds itself into the seed and then out again. But what is the case with humans?
[ 9 ] Wir haben gerade erkannt, daß der Mensch neue Elemente der Entwicklungsmöglichkeit während seines Lebens zwischen Geburt und Tod aufnimmt. Da bereichert er sich. Deshalb ist es beim Menschen nicht so wie bei der Pflanze. Des Menschen folgende Evolution auf der Erde ist nicht eine bloße Wiederholung der vorhergehenden, sondern es ist eine Erhöhung seines Daseins damit verknüpft. Das, was der Mensch aufnimmt zwischen der Geburt und dem Tode, das wickelt er auch ein zu dem, was schon früher da war. Und deshalb kommt nicht eine bloße Wiederholung vor, sondern es erscheint dasjenige, was evolviert, auf einer höheren Stufe. Woher kommt eigentlich das, was der Mensch aufnimmt? Wie ist es zu verstehen, daß er etwas Neues bekommt und aufnimmt? Ich bitte jetzt ganz genau zu folgen, wir kommen zu einem allerwichtigsten und auch allerschwierigsten Begriff. Und nicht umsonst sage ich das in einer der letzten Stunden, denn Sie haben den ganzen Sommer Zeit, um darüber nachzudenken. Man soll über solche Begriffe Monate und Jahre nachdenken, denn dann kommt man nach und nach auf die ganze Tiefe, die darin liegt. Woher kommt das, was sich dadem Menschen immerfort einfügt? Wir wollen uns einmal begreiflich machen durch ein einfaches Beispiel, woher das kommt.
[ 9 ] We have just recognized that humans take in new elements of potential development during their lives between birth and death. This enriches them. That is why it is not the same with humans as with plants. The subsequent evolution of humans on Earth is not a mere repetition of what has gone before, but is linked to an elevation of their existence. What humans take in between birth and death is also woven into what was already there before. And that is why there is not a mere repetition, but rather that which evolves appears at a higher level. Where does what man takes in actually come from? How are we to understand that he receives and takes in something new? Please follow me very closely now, for we are coming to one of the most important and also most difficult concepts. And it is not without reason that I am saying this in one of the last lessons, because you have the whole summer to think about it. One should think about such concepts for months and years, because then one gradually comes to understand their full depth. Where does that which is constantly being added to the human being come from? Let us try to understand where it comes from by means of a simple example.
[ 10 ] Nehmen Sie an, Sie hätten einen Menschen vor sich, der zwei anderen gegenübersteht. Nehmen wir alles das, was zur Entwicklung gehört, zusammen. Nehmen wir den einen Menschen, der die zwei anderen betrachtet, vor uns und sagen wir: Er ist durch frühere Inkarnationen hindurchgegangen, er hat das herausentwickelt, was frühere Inkarnationen in ihn hineingelegt haben. Das ist auch bei den beiden anderen Menschen der Fall, die vor ihm stehen. Nehmen wir nun aber an, dieser Mensch sagt sich jetzt folgendes: Der eine Mensch neben dem anderen nimmt sich hier doch sehr schön aus. — Es gefällt ihm, daß gerade diese zwei Menschen nebeneinanderstehen. Ein anderer Mensch brauchte gar nicht dieses Wohlgefallen zu haben. Das Wohlgefallen, das der eine an dem Zusammenstehen hat, das hat gar nichts zu tun mit den Entwicklungsmöglichkeiten der beiden anderen, denn das haben sie sich nicht erworben, daß sie nebeneinanderstehend dem dritten gefallen. Das ist etwas ganz anderes, das hängt allein davon ab, daß er gerade den beiden Menschen gegenübersteht. Sie sehen also, der Mensch bildet sich im Innern das Gefühl der Freude über das Zusammenstehen der beiden, die vor ihm stehen. Dieses Gefühl ist durch gar nichts bedingt, was mit der Entwicklung zusammenhängt. Solche Dinge gibt es in der Welt, die nur dadurch entstehen, daß die Tatsachen zusammengeführt werden. Es handelt sich nicht darum, daß die beiden Menschen durch ihr Karma verbunden sind. Diese Freude, die er daran hat, daß die beiden Nebeneinanderstehenden ihm gefallen, wollen wir in Betracht ziehen.
[ 10 ] Suppose you have a person standing in front of you who is facing two other people. Let us take everything that belongs to development and put it together. Let us take the person who is looking at the other two and say: He has gone through previous incarnations and has developed what previous incarnations have placed within him. This is also the case with the two other people standing in front of him. But now let us assume that this person says to himself: The one person next to the other looks very nice here. — He likes the fact that these two people are standing next to each other. Another person would not necessarily have this pleasure. The pleasure that one person derives from their standing together has nothing to do with the potential for development of the other two, because they have not earned the right to stand next to each other and please the third person. It is something completely different, depending solely on the fact that he is standing opposite these two people. So you see, the person forms an inner feeling of joy at the fact that the two people standing in front of him are standing together. This feeling is not conditioned by anything related to development. There are things in the world that arise simply because facts are brought together. It is not a question of the two people being connected by their karma. Let us consider the joy he feels at liking the two people standing next to him.
[ 11 ] Nehmen wir noch einen anderen Fall. Nehmen wir an, der Mensch stehe hier an einem bestimmten Punkte der Erde und richte seine Blicke in den Himmelsraum hinein. Da sieht er eine gewisse Sternenkonstellation. Würde er fünf Schritte weiter stehen, würde er etwas anderes sehen. Dieses Anschauen ruft in ihm das Gefühl der Freude hervor, die ganz etwas Neues ist. So macht der Mensch eine Summe von Tatsachen durch, die ganz neu sind, die gar nicht durch seine frühere Entwicklung bedingt sind. Alles, was das Maiglöckchen bringt, liegt in der früheren Entwicklung bedingt. Das ist aber nicht der Fall mit dem, was aus der Umgebung auf die Menschenseele wirkt. Der Mensch hat eine ganze Menge Angelegenheiten, die nichts zu tun haben mit einer früheren Entwicklung, sondern die dadurch da sind, daß der Mensch durch gewisse Verhältnisse in Berührung kommt mit der Außenwelt. Aber dadurch, daß der Mensch diese Freude hat, ist sie in ihm etwas geworden, ist sie für ihn ein Erlebnis geworden. Es ist etwas entstanden in der Menschenseele, was durch nichts Früheres bestimmt ist, was aus dem Nichts heraus entstanden ist. Solche Schöpfungen aus dem Nichts entstehen fortwährend in der menschlichen Seele. Es sind die Erlebnisse der Seele, die man nicht durch Tatsachen erlebt, sondern durch Relationen, durch Beziehungen zwischen den Tatsachen, die man sich selber herausbildet. Ich bitte, wohl zu unterscheiden zwischen Erlebnissen, die man aus den Tatsachen, und denjenigen, die man aus den Beziehungen zwischen den Tatsachen hat.
[ 11 ] Let us take another case. Let us assume that a person is standing at a certain point on earth and looking up into the sky. There he sees a certain constellation of stars. If he were to stand five steps further, he would see something different. This sight evokes in him a feeling of joy that is something completely new. In this way, the person experiences a sum of facts that are completely new and not conditioned by his previous development. Everything that the lily of the valley brings is conditioned by previous development. But this is not the case with what affects the human soul from the environment. Human beings have a whole host of concerns that have nothing to do with their previous development, but which exist because they come into contact with the outside world through certain circumstances. But because human beings experience this joy, it has become something within them, it has become an experience for them. Something has arisen in the human soul that is not determined by anything previous, that has arisen out of nothing. Such creations out of nothing arise continually in the human soul. They are the experiences of the soul, which are not experienced through facts, but through relations, through relationships between facts that one forms oneself. I ask you to distinguish carefully between experiences that one has from facts and those that one has from the relationships between facts.
[ 12 ] Das Leben zerfällt wirklich in zwei Teile, die ohne Grenze ineinanderlaufen: in solche Erlebnisse, die streng durch frühere Ursachen, durch Karma bedingt sind, und in solche, die nicht durch Karma bedingt sind, sondern neu in unseren Gesichtskreis hereintreten. Es gibt zum Beispiel ganze Gebiete im menschlichen Leben, die in dieses Kapitel fallen. Nehmen Sie an, Sie hören, irgendwo habe jemand gestohlen. Nun natürlich ist dasjenige, was da geschehen ist, diese ganze Tat also, durch diese oder jene karmischen Vorgänge bedingt. Nehmen wir aber an, Sie wissen bloß vom Diebstahl, kennen nicht den, der gestohlen hat; deshalb ist es doch in der objektiven Welt eine ganz bestimmte Persönlichkeit, die gestohlen hat. Sie wissen aber nichts von ihr. Aber der Dieb kommt nicht zu Ihnen, um zu sagen, «sperrt mich ein, ich habe gestohlen», sondern Sie müssen sich aus allerlei Indizien Tatsachen zusammenstellen, die Ihnen den Beweis liefern können, daß dieser oder jener der Dieb ist. Das, was Sie da für Begriffe durchmachen, hat nichts zu tun mit den objektiven Tatsachen. Das hängt von ganz anderen Dingen ab, auch davon, wie gescheit oder nicht gescheit Sie sind. Das, was Sie sich da zurechtlegen, macht auch nicht, daß das der Dieb ist, sondern es ist ein Vorgang, der ganz in Ihnen abläuft, der sich zugesellt zu dem, was äußerlich da ist. Im Grunde ist alle Logik etwas, was äußerlich zu den Dingen hinzukommt. Und alle Geschmacksurteile, alle Urteile, die wir über das Schöne fällen, sind solche Dinge, die hinzukommen. Fortwährend bereichert also der Mensch sein Leben durch das, was nicht durch vorhergehende Ursachen bedingt ist, was er erlebt dadurch, daß er sich in diese oder jene Beziehung zu den Dingen bringt.
[ 12 ] Life really falls into two parts that merge into each other without a boundary: experiences that are strictly conditioned by previous causes, by karma, and those that are not conditioned by karma but enter our field of vision anew. There are, for example, whole areas of human life that fall into this category. Suppose you hear that someone has stolen something somewhere. Now, of course, what has happened there, the whole deed, is conditioned by this or that karmic process. But let us assume that you only know about the theft and do not know the person who stole; therefore, in the objective world, it is a very specific personality who stole. You know nothing about them. But the thief does not come to you and say, “Lock me up, I have stolen,” but you have to piece together facts from all kinds of clues that can provide you with proof that this or that person is the thief. What you go through in terms of concepts has nothing to do with objective facts. It depends on completely different things, including how clever or not clever you are. What you come up with does not make that person the thief; it is a process that takes place entirely within you, which is added to what is there externally. Basically, all logic is something that is added to things externally. And all judgments of taste, all judgments we make about beauty, are such things that are added. Thus, human beings continually enrich their lives through what is not conditioned by previous causes, through what they experience by placing themselves in this or that relationship to things.
[ 13 ] Wenn wir nun rasch in unseren Gedanken das ganze Menschenleben durchgehen und vor unser Auge treten lassen, wie es sich entwickelt hat durch den alten Saturn, Sonne und Mond bis zu unserer Erdenentwicklung hin, so finden wir, daß auf dem Saturn noch nicht die Rede davon sein konnte, daß der Mensch sich in solcher Weise Beziehungen gegenüberstellen konnte. Da war bloß Notwendigkeit. So war es auf der Sonne und auch auf dem Monde, und wie es auf dem Monde mit dem Menschen war, so ist es heute noch mit dem Tier. Das Tier erlebt nur das, was durch vorhergehende Ursachen bedingt ist. Ganz neue Erlebnisse, die nicht bedingt sind durch vorhergehende Ursachen, hat nur der Mensch. Deshalb ist nur der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes einer Erziehung fähig. Der Mensch allein fügt zu dem, was karmisch bedingt ist, immer Neues hinzu. Erst auf der Erde erlangt der Mensch die Möglichkeit, Neues hinzuzufügen. Auf dem Monde war seine Entwicklung noch nicht so weit, daß er zu dem, was in seiner Anlage war, Neues hätte hinzufügen können. Da stand er, obwohl er kein Tier war, auf der Stufe der tierischen Entwicklung. Er war in dem, was er vornahm, durch äußere Ursachen bedingt. Aber er ist es auch heute, bis zu einem gewissen Grade; denn nur langsam schleichen sich in den Menschen diejenigen Erlebnisse hinein, welche freie Erlebnisse sind. Und sie schleichen sich um so mehr hinein, als der Mensch auf einer hohen Entwicklungsstufe steht. Nehmen Sie die Bilder des Raffael und denken Sie, ein Hund stünde davor. Er sieht das, was objektiv da ist, er sieht das, was sich ergibt aus den Bildern selber, insoferne sie sinnliche Objekte sind. Nehmen Sie aber an, ein Mensch tritt diesen Bildern gegenüber, so sieht dieser etwas ganz anderes darin; er sieht das, was er sich nur bilden kann dadurch, daß er sich in früheren Inkarnationen schon höher entwickelt hat. Und nun nehmen Sie einen genialen Menschen, zum Beispiel einen Goethe; der sieht noch viel mehr, der weiß, was das zu bedeuten hat, warum das eine so und das andere so gezeichnet ist. Je höher der Mensch entwickelt ist, desto mehr sieht er. Also je mehr der Mensch in seiner Seele schon bereichert ist, desto mehr fügt er solche Relationen von Seelenerlebnissen hinzu. Diese werden Eigentum seiner Seele, sie werden das, was in seiner Seele sich ablagert. Das alles ist aber erst seit der Erdenentwicklung mit der Menschheit möglich geworden. Nun geschieht aber folgendes.
[ 13 ] If we now quickly go through the whole of human life in our minds and let it pass before our eyes as it developed through ancient Saturn, the Sun, and the Moon up to our Earth's development, we find that on Saturn there could not yet be any question of human beings being able to relate to each other in this way. There was only necessity. This was the case on the Sun and also on the Moon, and as it was with humans on the Moon, so it is today with animals. Animals experience only what is conditioned by previous causes. Only humans have completely new experiences that are not conditioned by previous causes. Therefore, only humans are capable of education in the truest sense of the word. Human beings alone always add something new to what is karmically conditioned. Only on Earth do human beings gain the ability to add something new. On the Moon, their development was not yet so far advanced that they could add anything new to what was already in their nature. Although they were not animals, they stood at the stage of animal development. They were conditioned by external causes in what they did. But they still are today, to a certain extent, for only slowly do experiences that are free experiences creep into human beings. And they creep in all the more as human beings stand at a higher stage of development. Take Raphael's paintings and imagine a dog standing in front of them. It sees what is objectively there; it sees what emerges from the paintings themselves insofar as they are sensory objects. But suppose a person stands in front of these pictures; he sees something completely different in them; he sees what he can only form because he has already developed to a higher level in previous incarnations. And now take a genius, for example Goethe; he sees much more, he knows what it means, why one thing is drawn this way and another that way. The more highly developed a person is, the more he sees. So the more a person's soul is already enriched, the more he adds such relationships of soul experiences. These become the property of his soul; they become what is deposited in his soul. But all this has only become possible with the development of humanity on Earth. Now the following happens.
[ 14 ] Der Mensch entwickelt sich in seiner Weise durch die folgenden Zeiten. Wir wissen, daß die Erde abgelöst wird von Jupiter, Venus und Vulkan. Während dieser Entwicklung wird beim Menschen die Summe der Erlebnisse, die er also über die früheren Ursachen hinaus erlebt hat, immer größer und größer, sein Inneres wird immer reicher und reicher. Immer weniger Bedeutung wird das haben, was er sich aus alten Ursachen, aus der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit mitgenommen hat. Er entwickelt sich heraus aus früheren Ursachen, er streift das ab. Und wenn der Mensch mit der Erde auf dem Vulkan angelangt sein wird, dann wird er abgestreift haben alles das, was er aufgenommen hat während der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwicklung. Das wird er alles abgeworfen haben.
[ 14 ] Man develops in his own way through the following ages. We know that the Earth is being replaced by Jupiter, Venus, and Vulcan. During this development, the sum of experiences that man has had beyond his earlier causes becomes greater and greater, and his inner life becomes richer and richer. What he has taken with him from earlier causes, from the Saturn, Sun, and Moon ages, will become less and less significant. They develop out of earlier causes, they shed them. And when human beings arrive with the Earth on the volcano, they will have shed everything they absorbed during the Saturn, Sun, and Moon periods. They will have cast off everything.
[ 15 ] Jetzt kommen wir zu einem schwierigen Begriff; er soll durch einen Vergleich erläutert werden. Denken Sie, Sie sitzen in einem Wagen, denken Sie, Sie haben ihn geschenkt bekommen oder geerbt. Sie fahren in diesem Wagen aus. Ein Rad am Wagen wird schadhaft. Sie ersetzen das alte Rad durch ein neues. Jetzt haben Sie den alten Wagen, aber ein neues Rad. Nehmen wir an, nach einiger Zeit wird wieder ein zweites Rad schadhaft, Sie wechseln es aus und haben jetzt den alten Wagen und schon zwei neue Räder. In ähnlicher Weise ersetzen Sie das dritte, vierte Rad und so weiter, und Sie können sich doch leicht vorstellen, daß Sie eines Tages tatsächlich nichts mehr haben von dem alten Wagen, sondern alles durch Neues ersetzt haben. Sie haben nichts mehr von dem, was Sie geerbt oder geschenkt erhalten haben, Sie sitzen wieder da drinnen, aber im Grunde genommen ist es ein ganz neues Fahrzeug. Und jetzt übertragen Sie das auf die menschliche Entwicklung. Während der Saturnzeit hat der Mensch erhalten die Anlage seines physischen Leibes, er hat sie nach und nach ausgebildet, auf der Sonne den Ätherleib, auf dem Monde den Astralleib, auf der Erde das Ich. Er bildet sie nach und nach aus. Aber er entwickelt immer mehr und mehr in diesem Ich, was neue Erlebnisse sind, und streift ab das, was er geerbt hat, was ihm früher gegeben worden ist durch Saturn, Sonne und Mond. Und es wird eine Zeit eintreten - das ist die Zeit der Venusentwicklung -, wo der Mensch alles abgeworfen haben wird, was ihm gegeben haben die Götter auf der Monden-, Sonnen-, Saturn- und der ersten Hälfte der Erdenentwicklung. Alles das wird er abgeworfen haben, wie in unserem Vergleiche die einzelnen Stücke abgeworfen sind von dem Wagen. Und ersetzt hat er alles nach und nach durch das, was er aufgenommen hat aus den Verhältnissen heraus, was vorher nicht da war. Der Mensch wird also nicht auf der Venus ankommen können und sagen: Jetzt ist alles das noch in mir aus der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwicklung - denn das wird er nun schon alles abgestreift haben. Und er wird am Ende seiner Entwicklung noch das an sich tragen, was er nicht erhalten, sondern sich selber erarbeitet hat, was er aus dem Nichts heraus gebildet hat. Da haben Sie das Dritte, was zu Evolution und Involution hinzukommt, da haben Sie die Schöpfung aus dem Nichts. Evolution, Involution und die Schöpfung aus dem Nichts heraus, das ist es, was wir ins Auge fassen müssen, wenn wir die ganze Größe und Majestät menschlicher Entwicklung ins Auge fassen wollen. Und so können wir verstehen, wie uns die Götter erst als Fahrzeug gegeben haben unsere drei Leiber, wie sie nach und nach aufgebaut haben dieses Fahrzeug und dann uns die Fähigkeit gegeben haben, dieses Fahrzeug nach und nach wieder zu überwinden, wie wir wieder Stück für Stück vom Fahrzeug wegwerfen dürfen, weil die Götter uns Stück für Stück zu ihrem Ebenbilde machen wollen, zu dem, was sich sagen kann: Mir ist die Anlage gegeben zu dem, was ich werden soll, aber aus dieser Anlage heraus habe ich mir eine neue Wesenheit geschaffen.
[ 15 ] Now we come to a difficult concept; it will be explained by means of a comparison. Imagine you are sitting in a car, imagine you have been given it as a gift or inherited it. You drive off in this car. A wheel on the car becomes damaged. You replace the old wheel with a new one. Now you have the old car, but a new wheel. Let's assume that after some time a second wheel becomes damaged, you replace it and now you have the old car and two new wheels. In the same way, you replace the third, fourth wheel, and so on, and you can easily imagine that one day you will actually have nothing left of the old car, but have replaced everything with new parts. You have nothing left of what you inherited or received as a gift. You are sitting there again, but basically it is a completely new vehicle. And now transfer this to human development. During the Saturn period, human beings received the structure of their physical body, which they gradually developed: the etheric body on the Sun, the astral body on the Moon, and the ego on Earth. They develop it gradually. But they develop more and more in this ego, which are new experiences, and they shed what they have inherited, what was given to them earlier by Saturn, the Sun, and the Moon. And a time will come—this is the time of Venus development—when human beings will have cast off everything that was given to them by the gods during the Moon, Sun, Saturn, and the first half of Earth development. He will have cast off all of this, just as in our comparison the individual pieces are cast off from the wagon. And he will have gradually replaced everything with what he has taken in from the circumstances, what was not there before. So human beings will not be able to arrive on Venus and say: Now all of this is still in me from the Saturn, Sun, and Moon developments — because they will have already cast all of that off. And at the end of his development, he will still carry within himself what he has not received but has worked out for himself, what he has formed out of nothing. There you have the third thing that is added to evolution and involution: creation out of nothing. Evolution, involution, and creation out of nothing—that is what we must consider if we want to grasp the full greatness and majesty of human development. And so we can understand how the gods first gave us our three bodies as vehicles, how they gradually built up this vehicle and then gave us the ability to gradually overcome it again, how we are allowed to throw away the vehicle piece by piece, because the gods want to make us piece by piece in their image, into what can be said: I have been given the potential to become what I am meant to be, but out of this potential I have created a new being for myself.
[ 16 ] Das, was der Mensch also in einer fernen Zukunft als ein großes wunderbares Ideal erblickt, nicht nur das Bewußtsein seiner selbst zu haben, sondern das Bewußtsein von der Schöpfung seiner selbst zu haben, das haben große, höherstehende Geister schon früher entwickelt. Und das, was der Mensch erst in einer fernen Zukunft erleben wird, das entwickeln gewisse Geister, die an unserer Entwicklung vorher beteiligt waren, schon jetzt in dieser Zeit. Da haben wir gesagt, daß während der Saturnentwicklung die Throne ausgegossen haben dasjenige, was wir nennen die Menschheitssubstanz, und daß hineingegossen haben in diese Menschheitssubstanz die Geister der Persönlichkeit das, was wir die Kräfte der Persönlichkeit nennen. Aber die Geister der Persönlichkeit, die damals mächtig genug waren, ihren Persönlichkeitscharakter einzugießen in diese von den Thronen ausgegossene Substanz, diese Geister sind seitdem höher und höher gestiegen. Heute sind sie so weit, daß sie zu ihrer Weiterentwicklung nicht mehr physische Substanz brauchen. Sie haben auf dem Saturn gebraucht, um überhaupt leben zu können, die physische Saturnsubstanz, die zugleich die Anlage war zur menschlichen Substanz, sie haben auf der Sonne gebraucht die ätherische Substanz, die ausgeflossen ist zum Ätherleib des Menschen, auf dem Monde die astralische Substanz, hier auf der Erde brauchen sie unser Ich. Aber nunmehr werden sie weiterhin brauchen das, was dieses Ich selber ausgestaltet, was der Mensch aus den reinen Verhältnissen Neues schafft, das, was nicht mehr physischer, Äther-, astralischer Leib, nicht mehr Ich als solches ist, sondern was vom Ich ausgeht, was das Ich hervorbringt. Das werden die Geister der Persönlichkeit benutzen, und sie benutzen es schon heute, um darin zu leben. Sie haben auf dem Saturn gelebt in dem, was heute unser physischer Leib ist, auf der Sonne in dem, was heute unser Ätherleib ist, auf dem Monde in dem, was heute unser Astralleib ist. Seit der Mitte der atlantischen Zeit haben sie begonnen zu leben in dem, was die Menschen aus ihrem Ich als ein Höheres hervorbringen können.
[ 16 ] What humans will see in the distant future as a great and wonderful ideal, not only to have consciousness of themselves, but to have consciousness of their own creation, has already been developed by great, higher spirits in the past. And what human beings will only experience in the distant future is already being developed in this time by certain spirits who were involved in our development before. We have said that during the Saturn evolution, the thrones poured out what we call the substance of humanity, and that the spirits of personality poured into this substance of humanity what we call the forces of personality. But the spirits of personality, who were powerful enough at that time to pour their personality character into this substance poured out by the thrones, have since risen higher and higher. Today they have reached the point where they no longer need physical substance for their further development. On Saturn they needed the physical Saturn substance, which was also the basis for human substance, in order to live at all; on the Sun they needed the etheric substance, which flowed out into the etheric body of the human being; on the Moon they needed the astral substance; here on Earth they need our I. But now they will continue to need what this I itself develops, what human beings create from pure conditions, that which is no longer physical, etheric, or astral body, no longer the I as such, but what emanates from the I, what the I brings forth. The spirits of personality will use this, and they are already using it today in order to live in it. They lived on Saturn in what is now our physical body, on the Sun in what is now our etheric body, and on the Moon in what is now our astral body. Since the middle of the Atlantean epoch, they have begun to live in what human beings can bring forth from their ego as something higher.
[ 17 ] Was bringen die Menschen aus ihrem Ich Höheres hervor? Dreierlei. Erstens das, was wir nennen das gesetzmäßige Denken, unser logisches Denken. Es ist etwas, was der Mensch zu den Dingen hinzubringt. Wenn der Mensch nicht bloß in die Außenwelt hinausschaut, nicht bloß beobachtet, wenn er nicht bloß dem Dieb nachläuft, um ihn zu finden, sondern so, daß sich ihm die Gesetzmäßigkeit der Beobachtung ergibt, sich Gedanken macht, die nichts mit dem Dieb zu tun haben, aber doch den Dieb einfangen, dann lebt der Mensch in der Logik, der wahren Logik. Diese Logik ist etwas, was durch den Menschen hinzukommt zu den Dingen. Indem der Mensch sich hingibt dieser wahren Logik, schafft das Ich über sich selbst hinaus.
[ 17 ] What do human beings bring forth from their ego as something higher? Three things. First, what we call lawful thinking, our logical thinking. It is something that human beings bring to things. When human beings do not merely look out into the external world, do not merely observe, when they do not merely run after the thief in order to find him, but in such a way that the lawfulness of observation becomes apparent to them, when they think thoughts that have nothing to do with the thief but nevertheless capture the thief, then human beings live in logic, in true logic. This logic is something that humans add to things. By surrendering to this true logic, the ego transcends itself.
[ 18 ] Das Ich schafft zweitens über sich hinaus, indem es Wohlgefallen und Mißfallen entwickelt an dem Schönen, Erhabenen, Humoristischen, Komischen, kurz an dem, was der Mensch selber hervorbringt. Sagen wir, Sie erblicken draußen in der Welt etwas, was Ihnen dumm vorkommt. Sie lachen darüber. Daß Sie darüber lachen, hängt ganz und gar nicht von Ihrem Karma ab. Es könnte ein Dummer dazukommen, dem könnte gerade das, worüber Sie lachen, gescheit vorkommen. Das ist etwas, was sich aus der eigentümlichen Stellung von Ihnen selbst ergibt. Oder sagen wir, Sie sehen einen Helden, gegen den die Welt anstürmt, der sich zunächst erhält, aber doch zuletzt tragisch zugrunde geht. Das, was Sie da sehen, ist durch Karma bestimmt, was Sie aber als Gefühl der Tragik dabei empfinden, das ist neu.
[ 18 ] Secondly, the ego transcends itself by developing pleasure and displeasure in beauty, the sublime, humor, the comical—in short, in what humans themselves produce. Let's say you see something out in the world that strikes you as stupid. You laugh at it. The fact that you laugh at it has nothing to do with your karma. A stupid person might come along and think that what you are laughing at is clever. That is something that arises from your own unique position. Or let's say you see a hero who is being attacked by the world, who initially holds his own but ultimately meets a tragic end. What you see there is determined by karma, but what you feel as a sense of tragedy is new.
[ 19 ] Denknotwendigkeit ist das erste, Wohlgefallen, Mißfallen ist das zweite. Das dritte ist die Art, wie Sie sich gedrängt fühlen zu handeln unter den Einflüssen von Verhältnissen. Auch das ist nicht bloß karmisch bedingt, wie Sie sich gedrängt fühlen zu handeln, sondern von Ihrem Verhältnis zur Sache. Nehmen wir an, es wären zwei Menschen auf der einen Seite so zueinander gestellt, daß sie durch ihr Karma bestimmt wären, etwas zusammen abzutragen. Aber zugleich sei die Entwicklung des einen weiter vorgeschritten als die des anderen. Der eine, der weiter vorgeschritten ist, wird abtragen, der andere wird sich das für später aufbewahren und wird später abtragen. Der eine wird Herzensgüte entwickeln, der andere wird nicht mitempfinden. Das ist etwas Neues, was zur Entwicklung kommt. Sie dürfen nicht alles als bedingt betrachten, sondern es hängt davon ab, ob wir uns in unseren Handlungen von den Gesetzen der Gerechtigkeit und Billigkeit lenken lassen oder nicht. Es kommen immer neue Dinge dazu in unserer Moralität, in der Art unserer Pflichterfüllung und in unserem moralischen Urteil. In unserem moralischen Urteil insbesondere liegt das Dritte, wodurch der Mensch über sich hinausschreitet, wodurch sich das Ich immer mehr erhöht. Das schafft das Ich in unsere Erdenwelt herein und das geht nicht zugrunde, was so in die Erde hereingeschafft wird. Was die Menschen hereinschaffen von Epoche zu Epoche, von Zeitalter zu Zeitalter an Ergebnissen des logischen Denkens, des ästhetischen Urteilens, der Pflichterfüllung, das bildet einen fortlaufenden Strom, das gibt die Materie und den Stoff ab, in den sich einbetten die Geister der Persönlichkeit in ihrer heutigen Entwicklung.
[ 19 ] Necessity of thought is the first thing, pleasure or displeasure is the second. The third is the way you feel compelled to act under the influence of circumstances. This too is not merely karmically determined, the way you feel compelled to act, but by your relationship to the matter. Let us assume that there are two people on one side who are placed in such a way that they are determined by their karma to work something out together. But at the same time, the development of one is more advanced than that of the other. The one who is more advanced will work it out, the other will save it for later and will work it out later. One will develop kindness of heart, the other will not empathize. This is something new that comes into development. You must not regard everything as conditioned, but it depends on whether or not we allow ourselves to be guided in our actions by the laws of justice and fairness. New things are always being added to our morality, to the way we fulfill our duties, and to our moral judgment. In our moral judgment in particular lies the third element, through which human beings transcend themselves, through which the I is increasingly elevated. The I brings this into our earthly world, and what is brought into the earth in this way does not perish. What human beings bring in from epoch to epoch, from age to age, in the results of logical thinking, aesthetic judgment, and the fulfillment of duty, forms a continuous stream that provides the matter and substance in which the spirits of personality embed themselves in their present development.
[ 20 ] So leben Sie Ihr Leben, so entwickeln Sie sich selber. Und während Sie sich entwickeln, da schauen auf Sie herunter die Geister der Persönlichkeit und fragen Sie fortwährend: Gibst du mir auch etwas, was ich gebrauchen kann zu meiner eigenen Entwicklung? Und je mehr der Mensch an Gedankeninhalt, Gedankenreichtum entwickelt, je mehr er versucht, sein ästhetisches Urteil zu verfeinern, seine Pflicht zu erfüllen über das, was Karma ergibt, hinaus, desto mehr Nahrung haben die Geister der Persönlichkeit, desto mehr opfern wir ihnen hin, desto leibdichter werden diese Geister der Persönlichkeit. Was stellen sie dar, diese Geister der Persönlichkeit? Etwas, was man in der menschlichen Weltanschauung nennt ein Abstraktum: den Zeitgeist, den Geist der verschiedenen Epochen. Für den, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, ist dieser Zeitgeist eine wirkliche Wesenheit. Es schreiten die Zeitgeister, die nichts anderes sind als die Geister der Persönlichkeit, durch die Zeiten. Wenn wir zurückblicken in alte Zeiten, in die indische, persische, chaldäisch-babylonische, griechisch-lateinische bis in unsere Zeit herein, so finden wir, daß sich, abgesehen von den Nationen, abgesehen von allen anderen Verschiedenheiten der Menschen, immer ändert das, was wir den Zeitgeist nennen. Anders dachte und fühlte man vor fünftausend Jahren, anders vor dreitausend Jahren, anders heute. Und das, was da sich wandelt, das sind die Geister der Zeit oder Geister der Persönlichkeit, wenn wir im Sinne der Geisteswissenschaft sprechen. Diese Geister der Persönlichkeit machen eine Entwicklung durch im Übersinnlichen so, wie das Menschengeschlecht eine Entwicklung durchmacht im Sinnlichen. Aber das, was das Menschengeschlecht ins Übersinnliche hinein entwickelt, das ist Speise und Trank für diese Geister der Persönlichkeit, das genießen sie. In einer Zeit, in der die Menschen dahinleben würden ohne Entfaltung eines Gedankenreichtums, ohne Gefallen oder Mißfallen, ohne ein Pflichtgefühl, das hinausgeht über den bloßen karmischen Trieb, in einer solchen Zeit hätten die Geister der Persönlichkeit nichts zu essen, sie würden mager werden. So steht unser Leben in Beziehung zu solchen Wesen, die unsichtbar unser Leben durchweben und durchleben.
[ 20 ] This is how you live your life, this is how you develop yourself. And while you are developing, the spirits of personality look down on you and ask you continually: Are you also giving me something that I can use for my own development? And the more a person develops in terms of thought content and richness of thought, the more he tries to refine his aesthetic judgment and fulfill his duty beyond what karma dictates, the more nourishment the spirits of personality have, the more we sacrifice to them, and the more corporeal these spirits of personality become. What do these spirits of personality represent? Something that in the human worldview is called an abstraction: the spirit of the times, the spirit of different epochs. For those who stand on the ground of spiritual science, this spirit of the times is a real entity. The spirits of the times, which are nothing other than the spirits of personality, stride through the ages. When we look back to ancient times, to the Indian, Persian, Chaldean-Babylonian, Greek-Latin eras, right up to our own time, we find that, apart from the nations, apart from all other differences between human beings, what we call the spirit of the age is always changing. People thought and felt differently five thousand years ago, differently three thousand years ago, and differently today. And what changes are the spirits of the times or spirits of personality, if we speak in the sense of spiritual science. These spirits of personality undergo a development in the supersensible realm, just as the human race undergoes a development in the sensible realm. But what the human race develops into the supersensible is food and drink for these spirits of personality; they enjoy it. At a time when people would live their lives without developing a wealth of ideas, without liking or disliking, without a sense of duty that goes beyond mere karmic impulse, at such a time the spirits of personality would have nothing to eat, they would become emaciated. Thus our life is related to such beings who invisibly weave through and live through our lives.
[ 21 ] Ich sagte Ihnen, daß der Mensch Neues hinzufügt zur Entwicklung, gleichsam zur Involution und Evolution hinzu aus dem Nichts heraus schafft, daß er aber nichts herausschaffen könnte aus dem Nichts, wenn er nicht vorher die Ursachen bekommen hätte, in die er sich hineingelegt hat wie in ein Fahrzeug. In der Saturnentwicklung ist ihm dieses Fahrzeug gegeben worden; Stück für Stück wirft er es über Bord und entwickelt sich in die Zukunft hinein. Er muß aber die Grundlage dazu empfangen haben, und wenn ihm nicht von den Göttern zuerst die Grundlage geschaffen worden wäre, hätte er nichts ausführen können, was aus dem Nichts geschaffen werden kann. Daß die Verhältnisse der Umwelt auf uns so wirken können, daß sie wirklich fruchtbar sind für unsere Weiterentwicklung, das hängt an einem solchen Ereignisse, an einer guten Grundlegung. Denn was ist denn dadurch möglich geworden, daß der Mensch Neues aus den Verhältnissen heraus schaffen kann, daß der Mensch die Beziehungen, in die er hineingestellt ist, zu einer Grundlage machen kann für neue Dinge, die er sich selber schafft, daß der Mensch imstande geworden ist, etwas zu denken, was über die Dinge hinausgeht, die er in der Umwelt erlebt, mehr zu fühlen, als was rein objektiv vor ihm steht? Was ist dadurch geworden, daß der Mensch imstande ist, über sein drängendes Karma hinaus zu wirken und zu leben in der Pflicht der Wahrheit, Billigkeit und Herzensgüte?
[ 21 ] I told you that human beings add something new to development, creating something out of nothing, as it were, in addition to involution and evolution, but that they could not create anything out of nothing if they had not first received the causes into which they have placed themselves, as into a vehicle. In the Saturn evolution, this vehicle was given to them; piece by piece, they throw it overboard and develop into the future. But he must have received the foundation for this, and if the gods had not first created the foundation for him, he would not have been able to accomplish anything that can be created out of nothing. The fact that the conditions of the environment can have such an effect on us that they are truly fruitful for our further development depends on such an event, on a good foundation. For what has become possible through the fact that human beings can create something new out of their circumstances, that they can make the relationships in which they find themselves a foundation for new things that they create themselves, that human beings have become capable of thinking something that goes beyond the things they experience in their environment, of feeling more than what is purely objectively before them? What has come about as a result of human beings being able to work beyond their pressing karma and live in the duty of truth, fairness, and kindness?
[ 22 ] Dadurch, daß der Mensch imstande geworden ist, logisch zu denken, Denknotwendigkeit auszubilden, ist auch die Möglichkeit des Irrtums geschaffen worden. Dadurch, daß der Mensch Gefallen finden kann am Schönen, ist auch die Möglichkeit geschaffen, daß er das Häßliche, das Schmutzige der Weltentwicklung einfügt. Dadurch, daß der Mensch imstande ist, über das bloße Karma den Begriff einer Pflicht sich zu setzen und zu erfüllen über das Karma hinaus, ist auch die Möglichkeit des Bösen, der Pflichtwidrigkeit geschaffen worden. So ist der Mensch dadurch gerade, daß er die Möglichkeit hat, aus den bloßen Verhältnissen heraus zu schaffen, hineinversetzt worden in eine Welt, in der er auch schaffen und weben kann an seinem Geistigen, so daß dieses Geistige voll wird von Irrtum, Häßlichkeit und Bösem. Und es mußte nun nicht nur die Möglichkeit geschaffen werden, daß der Mensch aus diesen Verhältnissen heraus überhaupt schafft, sondern es mußte die Möglichkeit gegeben werden, daß der Mensch aus diesen Verhältnissen heraus durch sein Ringen und Streben allmählich das Richtige, das Schöne schafft, allmählich diejenigen Tugenden schafft, die wirklich weiterführen in der Entwicklung.
[ 22 ] The fact that human beings have become capable of thinking logically and developing the necessity of thought has also created the possibility of error. The fact that human beings can find pleasure in beauty also creates the possibility that they can introduce ugliness and filth into the development of the world. The fact that human beings are capable of setting themselves the concept of duty beyond mere karma and of fulfilling it beyond karma has also created the possibility of evil, of duty-bound wrongdoing. Thus, precisely because human beings have the possibility of creating out of mere circumstances, they have been placed in a world in which they can also create and weave their spiritual life, so that this spiritual life becomes full of error, ugliness, and evil. And it was not only necessary to create the possibility for human beings to create out of these circumstances, but it was also necessary to give them the possibility of gradually creating what is right and beautiful out of these circumstances through their struggles and strivings, gradually creating those virtues that truly lead further in their development.
[ 23 ] Das Schaffen aus Verhältnissen heraus nennt man in der christlichen Esoterik das Schaffen im Geiste. Und das Schaffen aus richtigen, schönen und tugendhaften Verhältnissen heraus nennt man in der christlichen Esoterik den Heiligen Geist. Der Heilige Geist beseligt den Menschen, wenn er imstande ist, aus dem Nichts heraus das Richtige oder Wahre, das Schöne und Gute zu schaffen. Damit aber der Mensch imstande geworden ist, im Sinne dieses Heiligen Geistes zu schaffen, mußte ihm ja erst die Grundlage gegeben werden, wie zu allem Schaffen aus dem Nichts. Diese Grundlage ist ihm gegeben worden durch das Hereintreten des Christus in unsere Evolution. Indem der Mensch auf der Erde das Christus-Ereignis erleben konnte, wurde er fähig, aufzusteigen zum Schaffen im Heiligen Geist. So ist es Christus selbst, welcher die eminenteste, tiefste Grundlage schafft. Wird der Mensch so, daß er feststeht auf dem Boden des ChristusErlebnisses, daß das Christus-Erlebnis der Wagen ist, in den er sich begibt, um sich weiterzuentwickeln, so sendet ihm der Christus den Heiligen Geist, und der Mensch wird fähig, im Sinne der Weiterentwicklung das Richtige, Schöne und Gute zu schaffen.
[ 23 ] In Christian esotericism, creation out of circumstances is called creation in the spirit. And creation out of right, beautiful, and virtuous circumstances is called the Holy Spirit in Christian esotericism. The Holy Spirit blesses man when he is able to create out of nothing that which is right or true, beautiful, and good. But in order for human beings to become capable of creating in the sense of this Holy Spirit, they first had to be given the foundation for all creation out of nothing. This foundation was given to them through the entry of Christ into our evolution. By experiencing the Christ event on earth, human beings became capable of ascending to creation in the Holy Spirit. Thus it is Christ himself who creates the most eminent, deepest foundation. When human beings become so firmly grounded in the Christ experience that the Christ experience is the vehicle in which they embark on their further development, Christ sends them the Holy Spirit, and they become capable of creating what is right, beautiful, and good in the spirit of further development.
[ 24 ] So sehen wir, wie gleichsam als letzter Abschluß dessen, was dem Menschen eingeprägt worden ist durch Saturn, Sonne und Mond, auf der Erde das Christus-Ereignis gekommen ist, welches dem Menschen das Höchste gegeben hat, was ihn fähig macht, in die Perspektive der Zukunft hinein zu leben und immer mehr heraus zu schaffen aus den Verhältnissen, aus dem, was nicht da und nicht dort ist, sondern davon abhängt, wie der Mensch sich stellt zu den Tatsachen seiner Umwelt, was im umfassendsten Sinne der Heilige Geist ist. Das ist wiederum solch ein Aspekt der christlichen Esoterik. Es hängt die christliche Esoterik zusammen mit dem tiefsten Gedanken, den wir haben können von aller Entwicklung, mit dem Gedanken der Schöpfung aus dem Nichts.
[ 24 ] Thus we see how, as if in final conclusion of what has been imprinted on man by Saturn, the Sun, and the Moon, the Christ event came to earth, giving man the highest gift that enables him to live in the perspective of the future and to create more and more out of the circumstances, out of what is not here and there, but depends on how human beings relate to the facts of their environment, which in the most comprehensive sense is the Holy Spirit. This is again such an aspect of Christian esotericism. Christian esotericism is connected with the deepest thought we can have about all development, with the idea of creation out of nothing.
[ 25 ] Deshalb wird auch jede wahre Entwicklungstheorie niemals den Gedanken der Schöpfung aus dem Nichts fallenlassen können. Nehmen wir an, es wäre nur Evolution und Involution, so wäre eine ewige Wiederholung da, wie es bei der Pflanze ist, so würde auf dem Vulkan nur dasjenige da sein, was auf dem Saturn seinen Anfang genommen hat. So aber kommt zur Evolution und Involution die Schöpfung aus dem Nichts hinzu und in die Mitte unserer Entwicklung hinein. Nachdem Saturn, Sonne und Mond vergangen sind, tritt auf die Erde der Christus als das große Bereicherungselement, welches bewirkt, daß auf dem Vulkan etwas ganz Neues da ist, etwas, was noch nicht da war auf dem Saturn. Derjenige, der nur von Evolution und Involution spricht, der wird von der Entwicklung so sprechen, als wenn sich alles nur wiederholen würde wie ein Kreislauf. Solche Kreisläufe aber können nimmermehr die Weltenentwicklung wirklich erklären. Nur wenn wir zur Evolution und Involution diese Schöpfung aus dem Nichts hinzunehmen, die den Verhältnissen, die da sind, Neues einfügt, dann kommen wir zu einem wirklichen Verständnis der Welt.
[ 25 ] That is why no true theory of evolution can ever abandon the idea of creation out of nothing. Let us assume that there were only evolution and involution. Then there would be eternal repetition, as with plants, and only what began on Saturn would exist on the volcano. But in addition to evolution and involution, creation out of nothing comes into the middle of our development. After Saturn, the sun, and the moon have passed, Christ appears on Earth as the great enriching element, which causes something completely new to be present on the volcano, something that was not yet present on Saturn. Those who speak only of evolution and involution will speak of development as if everything were merely repeating itself in a cycle. But such cycles can never truly explain the development of the worlds. Only when we add to evolution and involution this creation out of nothing, which introduces something new into the existing conditions, do we arrive at a true understanding of the world.
[ 26 ] Die niederen Wesenheiten zeigen höchstens einen Anflug von dem, was wir nennen könnten die Schöpfung aus dem Nichts. Ein Maiglöckchen wird immer wieder Maiglöckchen; höchstens könnte der Gärtner von außen etwas hinzufügen, wozu das Maiglöckchen niemals aus sich selbst gekommen wäre. Dann gäbe es etwas, was in bezug auf das Maiglöckchen-Wesen eine Schöpfung aus dem Nichts wäre. Der Mensch aber ist selber imstande, sich einzufügen diese Schöpfung aus dem Nichts. Der Mensch wird aber erst dadurch dazu imstande, daß er sich zu dieser Freiheit des Selbstschaffens durch die freieste Tat, die sein Vorbild werden kann, hinauferhebt. Was ist die freieste Tat? Die freieste Tat ist diese, daß das schöpferische weise Wort unseres Sonnensystems selber in sich beschlossen hat, in einen menschlichen Leib hineinzugehen und an der Erdenentwicklung teilzunehmen durch eine Tat, die in keinem vorhergehenden Karma lag. Als der Christus beschloß, in einen Menschenleib zu gehen, wurde er nicht durch ein vorhergehendes Karma gezwungen, sondern er tat es als eine freie Tat, die lediglich begründet war in der Vorschau zur künftigen Menschheitsentwicklung, die aber vorher noch nie dagewesen war, die zuerst in ihm entstand als ein Gedanke aus dem Nichts heraus, aus der Vorschau. Es ist ein schwerer Gedanke, aber die christliche Esoterik wird das niemals außer acht lassen, und alles beruht darauf, daß man den Gedanken der Schöpfung aus dem Nichts zu Evolution und Involution hinzuzufügen vermag.
[ 26 ] The lower beings show at most a hint of what we might call creation out of nothing. A lily of the valley always becomes a lily of the valley again; at most, the gardener could add something from outside that the lily of the valley would never have produced from itself. Then there would be something that would be a creation out of nothing in relation to the lily of the valley being. But human beings themselves are capable of inserting themselves into this creation out of nothing. However, human beings only become capable of this by rising to this freedom of self-creation through the freest act that can become their model. What is the freest act? The freest act is that the creative, wise Word of our solar system decided within itself to enter into a human body and participate in the development of the earth through an act that was not based on any previous karma. When Christ decided to enter a human body, he was not compelled by any previous karma, but did so as a free act, which was based solely on the foresight of the future development of humanity, which had never existed before, but first arose in him as a thought out of nothing, out of foresight. It is a difficult thought, but Christian esotericism will never disregard it, and everything rests on the ability to add the thought of creation out of nothing to evolution and involution.
[ 27 ] Dann aber, wenn man das vermag, bekommt man auch große Lebensideale, die sich vielleicht nicht über solche Weiten erstrecken, die man als kosmische Weiten bezeichnen kann, sondern die im Grunde ziemlich stark zusammenhängen mit der Frage: Warum vereinigen wir uns zum Beispiel zu einer Anthroposophischen Gesellschaft? Da müssen wir, um das so recht zu verstehen, welches der Sinn einer Anthroposophischen Gesellschaft ist, noch einmal zurückgreifen auf den Gedanken, daß wir für die Geister der Persönlichkeit, für den Zeitgeist arbeiten. Der Mensch, wenn er hereingeboren wird durch die Geburt in diese Welt, wird zunächst durch die mannigfaltigsten Verhältnisse erzogen; diese wirken auf ihn ein und bilden so die erste Vorstufe seiner selbstschöpferischen Tätigkeit. Wenn die Menschen sich nur einmal klar würden darüber, wie das wirklich die Vorstufe ist, wie der Mensch durch seine Geburt an diesen oder jenen Ort hingestellt wird, und daß es tatsächlich wie eine große Suggestion ist, wie die Verhältnisse auf ihn wirken. Versuchen wir uns vorzustellen, wie es ganz anders um einen Menschen bestellt wäre, wenn er statt in Konstantinopel in Rom oder in Frankfurt geboren wäre. Dadurch wäre er in verschiedene Verhältnisse hineingestellt, auch in gewisse religiöse Verhältnisse, unter deren Einwirkung sich bei ihm entwikkelt ein gewisser Fanatismus für den Katholizismus oder Protestantismus. Nun aber nehmen wir an, wenn sich ein kleines Rädchen im karmischen Zusammenhange gedreht hätte und er in Konstantinopel geboren worden wäre, ob er dann nicht auch ein ganz leidlicher Türke geworden wäre? Da haben Sie das Beispiel, wie suggestiv die Verhältnisse der Umgebung auf den Menschen wirken. Es kann aber der Mensch heraustreten aus dem bloß Suggestiven der Verhältnisse und sich vereinigen mit anderen Menschen nach von ihm selbst erwählten und eingesehenen Grundsätzen. Da sagt er sich: Jetzt weiß ich es, warum ich mit anderen Menschen zusammenwirke. Dadurch entstehen, aus dem menschlichen Bewußtsein heraus, solche Gesellschaftsverbände, in denen Material geschaffen wird für die Geister der Zeit, der Persönlichkeit. Nun ist denn ein solcher Verband die Anthroposophische Gesellschaft, wo auf Grundlage der Brüderlichkeit dieser Zusammenhang geschaffen wird. Das heißt nichts anderes, als es schafft ein jeder so an dem Verbande, daß er sich im kleinen aneignet alle die guten Eigenschaften, durch die er ein Abbild wird der ganzen Gesellschaft. Also das, was er entwickelt an Gedanken, Gefühlsreichtum, an Tugenden durch die Gesellschaft, daß er das wie eine Nahrung hinreicht den Geistern der Persönlichkeit. So ist in einer solchen Gesellschaft vereinigt das, was menschliches Zusammenleben schafft, zu gleicher Zeit mit dem Prinzip der Individualität. Jeder einzelne wird durch eine solche Gesellschaft fähig gemacht, das, was er hervorbringt, als Opfer darzubringen den Geistern der Persönlichkeit. Und jeder bereitet sich vor zu jenem Standpunkt, den die Fortgeschrittensten einnehmen, die sich durch Geistesschulung so weit gebracht haben, daß ihnen als Ideal folgendes vorschwebt: Wenn ich denke, denke ich nicht, um mich zu befriedigen, sondern ich denke, damit sich daraus Nahrung schöpfen die Geister der Persönlichkeit. Ich lege dar auf dem Opferaltar der Geister der Persönlichkeit meine besten, meine schönsten Gedanken, und was ich fühle, fühle ich nicht aus einem Egoismus heraus, sondern ich fühle, weil es Nahrung sein soll für die Geister der Persönlichkeit. Und was ich an Tugenden ausüben kann, ich übe es nicht aus, um als das oder jenes zu gelten, sondern um Opfer darzubringen, Nahrung zu schaffen für die Geister der Persönlichkeit. Damit aber haben wir als das Ideal vor uns hingestellt diejenigen, die wir da nennen die Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen. Denn so denken sie und bereiten vor jene Entwicklung des Menschen, die den Menschen immer mehr und mehr dazu bringen wird, Neues und immer Neues zu schaffen und zuletzt eine Welt der Wirkungen zu entwickeln, aus der die alten Ursachen verschwunden sind, aus der ein neues Licht strahlt in die Zukunft hinüber. Die Welt ist nicht unterworfen einer fortwährenden Wandlung, in der sie ganz andere Formen annimmt, sondern das Alte, das vervollkommnet sich, und dieses verbesserte Alte wird der Wagen des Neuen. Dann wird dieser aber abgeworfen, er verschwindet in dem Nichts, damit aus diesem Nichts ein Neues hervorgeht. Das ist der große, gewaltige Gedanke des Fortschritts, daß Neues und immer Neues entstehen kann.
[ 27 ] But then, if one is able to do that, one also gains great ideals in life, which may not extend over such vast distances that they can be called cosmic distances, but which are basically quite closely connected with the question: Why do we unite, for example, in an Anthroposophical Society? In order to understand this properly, to understand what the meaning of an Anthroposophical Society is, we must once again return to the idea that we are working for the spirits of personality, for the spirit of the age. When a human being is born into this world, he is first educated by the most diverse circumstances; these influence him and thus form the first stage of his self-creative activity. If people could only realize how this is really the preliminary stage, how human beings are placed in this or that location through their birth, and that the circumstances actually have a great suggestive effect on them. Let us try to imagine how different a person's life would be if they had been born in Rome or Frankfurt instead of Constantinople. He would have been placed in different circumstances, including certain religious circumstances, under the influence of which he would have developed a certain fanaticism for Catholicism or Protestantism. But now let us suppose that a small cog in the karmic wheel had turned and he had been born in Constantinople. Would he not then have become a quite tolerable Turk? There you have an example of how suggestive the conditions of the environment are for human beings. But human beings can step out of the mere suggestiveness of conditions and unite with other human beings according to principles they themselves have chosen and understood. They say to themselves: Now I know why I work together with other human beings. This gives rise, out of human consciousness, to social associations in which material is created for the spirits of the age, for the personality. Such an association is the Anthroposophical Society, where this connection is created on the basis of brotherhood. This means nothing other than that each individual contributes to the association in such a way that he acquires, in miniature, all the good qualities that make him a reflection of the whole society. Thus, what he develops in terms of thoughts, emotional richness, and virtues through the society, he offers as nourishment to the spirits of the personality. In such a society, what creates human coexistence is united with the principle of individuality. Through such a society, each individual is enabled to offer what he produces as a sacrifice to the spirits of the personality. And everyone prepares themselves for the position occupied by the most advanced, who have advanced so far through spiritual training that they have the following ideal in mind: When I think, I do not think to satisfy myself, but I think so that the spirits of personality may draw nourishment from it. I place my best and most beautiful thoughts on the sacrificial altar of the spirits of personality, and what I feel, I do not feel out of selfishness, but because it is to be nourishment for the spirits of personality. And whatever virtues I can practice, I do not practice in order to be regarded as this or that, but in order to offer sacrifices, to create nourishment for the spirits of personality. In this way, we have set before us as our ideal those whom we call the masters of wisdom and of the harmony of feelings. For this is how they think and prepare the development of human beings, which will lead them more and more to create new things and ultimately to develop a world of effects from which the old causes have disappeared and from which a new light shines into the future. The world is not subject to constant change in which it takes on completely different forms, but rather the old is perfected, and this improved old becomes the vehicle of the new. But then this is discarded, it disappears into nothingness, so that something new can emerge from this nothingness. This is the great, powerful idea of progress, that something new and ever new can arise.
[ 28 ] Aber die Welten sind geschlossen in sich, und Sie haben gerade an dem Beispiel, das ich vorgeführt habe, gesehen, daß deshalb doch von einem wirklichen Zugrundegehen nicht geredet werden kann. Es ist gezeigt worden, wie die Geister der Persönlichkeit auf der einen Seite ihre Wirkung auf den Menschen verlieren, auf der anderen Seite ihre Entwicklung aber wieder aufnehmen, so daß wir es zu tun haben mit einer Welt, die sich immer verjüngt, aber von welcher wir sagen können: Das, was abgestreift wird, das würde verhindern, weiterzuschreiten, und das wird einem anderen gegeben, damit er seinerseits wieder weiterschreiten kann. Niemand soll glauben, etwas in das Nichts versinken lassen zu müssen, weil er die Möglichkeit eingegeben bekommen hat, aus dem Nichts heraus aufzubauen. Das aber, was auf dem Vulkan als ein Neues sich erweisen wird, wird immer neue Formen bilden und das Alte abwerfen, und was abgeworfen wird, wird sich seinen eigenen Weg suchen.
[ 28 ] But the worlds are closed in on themselves, and you have just seen from the example I have given that this is why we cannot speak of a real destruction. It has been shown how the spirits of personality lose their effect on human beings on the one hand, but on the other hand resume their development, so that we are dealing with a world that is constantly rejuvenating itself, but of which we can say: That which is cast off would prevent further progress, and is given to another so that he in turn can continue on his way. No one should believe that they have to let something sink into nothingness because they have been given the opportunity to build something out of nothing. But what will prove to be new on the volcano will always form new shapes and cast off the old, and what is cast off will find its own way.
[ 29 ] Evolution, Involution und Schöpfung aus dem Nichts, das sind die drei Begriffe, durch die wir uns die wahre Entfaltung, die wahre Evolution der Welterscheinungen zurechtlegen sollen. Nur dadurch kommen wir so recht zu Begriffen, die dem Menschen die Welt erklären und ihm Gefühle der Innerlichkeit geben. Denn wenn der Mensch sich sagen müßte, er könnte nichts anderes als das schaffen, was als Ursache in ihm angelegt ist, nur das könnte er als Wirkungen ausleben, so könnte das nicht seine Kräfte stählen und seine Hoffnungen entzünden in demselben Maße, als wenn er sich sagen kann: Ich kann Lebenswerte schaffen und zu dem, was mir als Grundlage gegeben ist, immer Neues hinzufügen; das Alte wird mich durchaus nicht hindern, neue Blüten und Früchte zu schaffen, welche in die Zukunft hinüberleben. - Das ist aber ein Stück von dem, was wir so charakterisieren können, daß wir sagen: Die anthroposophische Weltanschauung schafft dem Menschen Lebenskräfte, Lebenshoffnung, Lebenszuversicht, denn sie zeigt ihm, daß er mitarbeiten kann in der Zukunft an Dingen, die heute nicht nur im Schoße der Ursächlichkeit, sondern im Nichts liegen, sie stellt ihm in Aussicht, daß er, im wahren Sinne des Wortes, vom Geschöpf zum Schöpfer hinarbeitet.
[ 29 ] Evolution, involution, and creation out of nothing—these are the three concepts through which we should understand the true unfolding, the true evolution of world phenomena. Only in this way can we arrive at concepts that explain the world to human beings and give them feelings of inner life. For if human beings had to tell themselves that they could create nothing other than what is inherent in them as a cause, that they could only live out the effects of this, then this would not strengthen their powers and ignite their hopes to the same extent as when they can say to themselves: I can create values worth living for and always add something new to what has been given to me as a foundation; the old will not prevent me from creating new blossoms and fruits that will live on into the future. This is part of what we can characterize by saying: The anthroposophical worldview gives people vitality, hope for life, and confidence in life, because it shows them that they can work in the future on things that today lie not only in the womb of causality but in nothingness; it offers them the prospect that they can, in the true sense of the word, work their way from being creatures to being creators.
