Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
13 November 1908, Munich
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Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen, 3rd ed.
15. Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels
15. Das Bilden von Begriffen und die Kategorienlehre Hegels
[ 1 ] Diese Vorträge über Philosophie, von denen der heutige einer ist, betrachten Sie durchaus nur als Episode, als Einschiebsel. Sie sind da, um sozusagen eine Verbindungsbrücke zu bauen zwischen der anthroposophischen Weltbetrachtung und der rein philosophischen. Ich möchte gerade den heutigen Vortrag so gestalten, daß Sie durch einzelne an die Ausführungen angefügte Bemerkungen werden sehen können, wie die Brücke zu schlagen ist zwischen Philosophie und Anthroposophie, und wie gewisse philosophische Erkenntnisse und Begriffe dem Anthroposophen eigentlich dann, wenn er in die Praxis hineintritt, wichtig werden können. Gleich vorausgeschickt sei etwas, was uns nützlich sein wird, um überhaupt das ganze philosophische Begriffsgebäude in einer richtigen Weise in ein Verhältnis zu bringen zu dem, was uns durch übersinnliche Erfahrung als Mitteilung auf dem Wege der Anthroposophie zukommt.
[ 1 ] Diese Vorträge über Philosophie, von denen der heutige einer ist, betrachten Sie durchaus nur als Episode, als Einschiebsel. Sie sind da, um sozusagen eine Verbindungsbrücke zu bauen zwischen der anthroposophischen Weltbetrachtung und der rein philosophischen. Ich möchte gerade den heutigen Vortrag so gestalten, daß Sie durch einzelne an die Ausführungen angefügte Bemerkungen werden sehen können, wie die Brücke zu schlagen ist zwischen Philosophie und Anthroposophie, und wie gewisse philosophische Erkenntnisse und Begriffe dem Anthroposophen eigentlich dann, wenn er in die Praxis hineintritt, wichtig werden können. Gleich vorausgeschickt sei etwas, was uns nützlich sein wird, um überhaupt das ganze philosophische Begriffsgebäude in einer richtigen Weise in ein Verhältnis zu bringen zu dem, was uns durch übersinnliche Erfahrung als Mitteilung auf dem Wege der Anthroposophie zukommt.
[ 2 ] Sie haben, gewissermaßen als Vorbereitung zu den heutigen Ausführungen, die Vorträge über elementare Logik hören können, die von mir während der Generalversammlungszeit gehalten worden sind, und viele von Ihnen haben ja eine gute Vorbereitung durch den Kurs, den unser lieber Herr Walther über Erkenntnistheorie und philosophisches Denken abgehalten hat. Das Denken haben wir da erkannt als das Vermögen, mit einer Begriffstechnik sich der Welt gegenüberzustellen, wir haben es in gewisser Beziehung da charakterisiert, wo wir versuchten, eine Idee zu bekommen von der rein formalen Logik. Wir haben da gesehen, wie wir erst dann vom wirklichen Denken sprechen, wenn dieses in Begriffen abläuft, und wir haben damals streng unterschieden zwischen der Wahrnehmung, der Vorstellung und dem Begriff. Wenn solche Unterscheidung denen, die sonst sehr gern und mit Hingebung an anthroposophischen Auseinandersetzungen teilnehmen, schwierig vorkommen sollte, so soll doch zunächst bedacht werden, daß auf dem Boden der Anthroposophie das erwachsen muß, was wir als Verpflichtung zu einem strengen seelischen Arbeiten erkennen müssen, das sich nicht mit zufällig aufgelesenen Begriffen zufriedenstellt, sondern aufsteigen will zu scharfen und energischen Begriffskonturen.
[ 2 ] Sie haben, gewissermaßen als Vorbereitung zu den heutigen Ausführungen, die Vorträge über elementare Logik hören können, die von mir während der Generalversammlungszeit gehalten worden sind, und viele von Ihnen haben ja eine gute Vorbereitung durch den Kurs, den unser lieber Herr Walther über Erkenntnistheorie und philosophisches Denken abgehalten hat. Das Denken haben wir da erkannt als das Vermögen, mit einer Begriffstechnik sich der Welt gegenüberzustellen, wir haben es in gewisser Beziehung da charakterisiert, wo wir versuchten, eine Idee zu bekommen von der rein formalen Logik. Wir haben da gesehen, wie wir erst dann vom wirklichen Denken sprechen, wenn dieses in Begriffen abläuft, und wir haben damals streng unterschieden zwischen der Wahrnehmung, der Vorstellung und dem Begriff. Wenn solche Unterscheidung denen, die sonst sehr gern und mit Hingebung an anthroposophischen Auseinandersetzungen teilnehmen, schwierig vorkommen sollte, so soll doch zunächst bedacht werden, daß auf dem Boden der Anthroposophie das erwachsen muß, was wir als Verpflichtung zu einem strengen seelischen Arbeiten erkennen müssen, das sich nicht mit zufällig aufgelesenen Begriffen zufriedenstellt, sondern aufsteigen will zu scharfen und energischen Begriffskonturen.
[ 3 ] Wir haben den Begriff selber als etwas kennengelernt, was rein innerhalb unseres Geistes selbst konstruiert wird, und wir haben uns klar gemacht, daß diese Begriffskonstruktion eine Realität, eine Wahrheit ist, daß alle philosophischen Erörterungen auf halbem, vielleicht auf einem viertel Wege stehenbleiben, die in dem Begriff nur eine durch Abstraktion entstehende Abschattierung dessen sehen, was wir als Vorstellung gewinnen. Der Begriff ist etwas, was nicht aus der Vorstellung durch Abstraktion gewonnen wird, sondern der Begriff ist etwas - und das wurde an mathematischen Figuren, am Begriff des Kreises und dem des Dreiecks klargemacht -, das in innerlicher Konstruktion gewonnen wird.
[ 3 ] Wir haben den Begriff selber als etwas kennengelernt, was rein innerhalb unseres Geistes selbst konstruiert wird, und wir haben uns klar gemacht, daß diese Begriffskonstruktion eine Realität, eine Wahrheit ist, daß alle philosophischen Erörterungen auf halbem, vielleicht auf einem viertel Wege stehenbleiben, die in dem Begriff nur eine durch Abstraktion entstehende Abschattierung dessen sehen, was wir als Vorstellung gewinnen. Der Begriff ist etwas, was nicht aus der Vorstellung durch Abstraktion gewonnen wird, sondern der Begriff ist etwas - und das wurde an mathematischen Figuren, am Begriff des Kreises und dem des Dreiecks klargemacht -, das in innerlicher Konstruktion gewonnen wird.
[ 4 ] Um nun ein Bild zu bekommen von der Natur des Begriffes und des Begriffssystems, des Organismus unserer Begriffe, stellen wir uns einmal vor, welches Verhältnis diese Begriffswelt einnimmt auf der einen Seite zu der um uns ausgebreiteten Welt des sinnlich Wahrgenommenen, und auf der anderen Seite zu der Wirklichkeit, die durch übersinnliche Beobachtung uns in der Anthroposophie zukommt. Sie können sich das Gefüge, das Netz von Begriffen, das der Mensch hat - von den mathematischen Größen und Zahlenbegriffen angefangen bis zu den komplizierten Begriffen, mit denen Goethe in seiner «Metamorphose» einen Anfang gemacht hat, die aber in unserer abendländischen Kultur noch ganz in den Anfängen ruhen -, Sie können sich dieses ganze Begriffsnetz wie eine Tafel vorstellen, die die Grenze bildet zwischen der sinnlichen Welt auf der einen und der geistigen Welt auf der anderen Seite. So also können wir uns gerade durch das Begriffsnetz begrenzt denken: auf der einen Seite die Sphäre der übersinnlichen und auf der anderen Seite die Sphäre der sinnlichen Wirklichkeit.
[ 4 ] Um nun ein Bild zu bekommen von der Natur des Begriffes und des Begriffssystems, des Organismus unserer Begriffe, stellen wir uns einmal vor, welches Verhältnis diese Begriffswelt einnimmt auf der einen Seite zu der um uns ausgebreiteten Welt des sinnlich Wahrgenommenen, und auf der anderen Seite zu der Wirklichkeit, die durch übersinnliche Beobachtung uns in der Anthroposophie zukommt. Sie können sich das Gefüge, das Netz von Begriffen, das der Mensch hat - von den mathematischen Größen und Zahlenbegriffen angefangen bis zu den komplizierten Begriffen, mit denen Goethe in seiner «Metamorphose» einen Anfang gemacht hat, die aber in unserer abendländischen Kultur noch ganz in den Anfängen ruhen -, Sie können sich dieses ganze Begriffsnetz wie eine Tafel vorstellen, die die Grenze bildet zwischen der sinnlichen Welt auf der einen und der geistigen Welt auf der anderen Seite. So also können wir uns gerade durch das Begriffsnetz begrenzt denken: auf der einen Seite die Sphäre der übersinnlichen und auf der anderen Seite die Sphäre der sinnlichen Wirklichkeit.
[ 5 ] Wenn der Mensch als sinnlicher Beobachter der Dinge sein Auge oder seine anderen Wahrnehmungsorgane bloß richten würde auf die äußere Umwelt, so würde er bloß Vorstellungen erleben. Es war das gezeigt worden an dem Beispiel: Wenn ein Mensch so weit hinausfahren würde auf ein Meer, daß er um sich nichts anderes sieht als die Meeresoberfläche und eine scheinbare Himmelshalbkugel, gestützt auf diese Meeresoberfläche, dann würde er den Kreis, den er als Horizontlinie um sich hat, durch äußere Wahrnehmung gewonnen haben; er würde die Vorstellung des Kreises sich durch äußere Wahrnehmung gebildet haben. Wenn er dagegen keine solche äußere Wahrnehmung hat, sich bloß im Geiste jenes Bild konstruiert, das entsteht, wenn alle Punkte einer Linie, von einem festen Punkte, dem Mittelpunkte, gleich weit entfernt sind, dann hat er - im Gegensatz zur Vorstellung - den Begriff des Kreises. So könnten wir auch andere mathematische Begriffe, zum Beispiel den Begriff des Quadrats, des Dreiecks, des Vierkants, der Ellipse, der Hyperbel und so weiter innerlich konstruieren. Wir könnten noch weiter gehen, und wir könnten uns endlich erheben zu einer wirklichen Erkenntnis der Goetheschen Morphologie, zu den Begriffen der Organik, zum Urtier, zur Urpflanze, deren Begriffe ebenso entstanden sind wie der Begriff des Kreises, und die - wie Goethe sagt ebenso angewendet werden können, wie die mathematischen Formeln.
[ 5 ] Wenn der Mensch als sinnlicher Beobachter der Dinge sein Auge oder seine anderen Wahrnehmungsorgane bloß richten würde auf die äußere Umwelt, so würde er bloß Vorstellungen erleben. Es war das gezeigt worden an dem Beispiel: Wenn ein Mensch so weit hinausfahren würde auf ein Meer, daß er um sich nichts anderes sieht als die Meeresoberfläche und eine scheinbare Himmelshalbkugel, gestützt auf diese Meeresoberfläche, dann würde er den Kreis, den er als Horizontlinie um sich hat, durch äußere Wahrnehmung gewonnen haben; er würde die Vorstellung des Kreises sich durch äußere Wahrnehmung gebildet haben. Wenn er dagegen keine solche äußere Wahrnehmung hat, sich bloß im Geiste jenes Bild konstruiert, das entsteht, wenn alle Punkte einer Linie, von einem festen Punkte, dem Mittelpunkte, gleich weit entfernt sind, dann hat er - im Gegensatz zur Vorstellung - den Begriff des Kreises. So könnten wir auch andere mathematische Begriffe, zum Beispiel den Begriff des Quadrats, des Dreiecks, des Vierkants, der Ellipse, der Hyperbel und so weiter innerlich konstruieren. Wir könnten noch weiter gehen, und wir könnten uns endlich erheben zu einer wirklichen Erkenntnis der Goetheschen Morphologie, zu den Begriffen der Organik, zum Urtier, zur Urpflanze, deren Begriffe ebenso entstanden sind wie der Begriff des Kreises, und die - wie Goethe sagt ebenso angewendet werden können, wie die mathematischen Formeln.
[ 6 ] Wenn der Mensch so an die sinnliche Wirklichkeit herantritt, wird er finden, daß diese sinnliche Wirklichkeit übereinstimmt mit dem, was er sich als Begriff konstruiert hat. Er kann zum Beispiel finden, daß sein innerlich konstruierter Begriff des Kreises zusammenfällt mit dem Kreis, der sich der sinnlichen Beobachtung ergibt durch das Hinausfahren aufs Meer. Er fängt dann an zu verstehen, was sich ihm in der Wahrnehmung darbietet im Vergleich zu dem, was er sich selbst als Begriff gebildet hat. Begriffe werden also nicht durch Wahrnehmung gewonnen. Das ist ein Vorurteil, das heute sehr verbreitet ist. Begriffe werden gewonnen durch innerliche Konstruktion. Der Begriff ist sozusagen dasjenige, wozu der Mensch kommt, gerade wenn er absieht von aller äußeren, sinnlichen Wirklichkeit. Und nun kann er zusammenwirken lassen, was er innerlich konstruiert hat, mit dem, was sich ihm äußerlich als sinnliche Wirklichkeit darstellt. Damit hätten wir fixiert die Stellung des Begriffsnetzes zu der äuReren, sinnlichen Wirklichkeit. Jetzt aber müssen wir uns auch fragen: Wie ist die Stellung unseres Begriffsnetzes zu der übersinnlichen Wirklichkeit? - Zunächst ist es nicht anders als bei der sinnlichen Wirklichkeit. Wenn jemand - durch die öfters hier besprochenen Methoden des Hellsehens - sich die übersinnliche Wirklichkeit eröffnet und nun mit seinen Begriffen an diese Wirklichkeit herantritt, so wird er ebenso dieses Begriffsnetz zusammenfallend finden mit der übersinnlichen Wirklichkeit. Genau ebenso werden die übersinnlichen Tatsachen und Wesen, nur von der anderen Seite her, auf sein Begriffsnetz wirken, und er wird es damit zusammenfallend finden. So daß wir sagen können: Es werfen gewissermaßen die übersinnlichen Wirklichkeiten ihre Strahlen auf das Begriffsnetz, wie auf der anderen Seite die sinnliche Wirklichkeit dies tut. Am Begriffsnetz treffen sich sinnliche und übersinnliche Wirklichkeit.
[ 6 ] Wenn der Mensch so an die sinnliche Wirklichkeit herantritt, wird er finden, daß diese sinnliche Wirklichkeit übereinstimmt mit dem, was er sich als Begriff konstruiert hat. Er kann zum Beispiel finden, daß sein innerlich konstruierter Begriff des Kreises zusammenfällt mit dem Kreis, der sich der sinnlichen Beobachtung ergibt durch das Hinausfahren aufs Meer. Er fängt dann an zu verstehen, was sich ihm in der Wahrnehmung darbietet im Vergleich zu dem, was er sich selbst als Begriff gebildet hat. Begriffe werden also nicht durch Wahrnehmung gewonnen. Das ist ein Vorurteil, das heute sehr verbreitet ist. Begriffe werden gewonnen durch innerliche Konstruktion. Der Begriff ist sozusagen dasjenige, wozu der Mensch kommt, gerade wenn er absieht von aller äußeren, sinnlichen Wirklichkeit. Und nun kann er zusammenwirken lassen, was er innerlich konstruiert hat, mit dem, was sich ihm äußerlich als sinnliche Wirklichkeit darstellt. Damit hätten wir fixiert die Stellung des Begriffsnetzes zu der äuReren, sinnlichen Wirklichkeit. Jetzt aber müssen wir uns auch fragen: Wie ist die Stellung unseres Begriffsnetzes zu der übersinnlichen Wirklichkeit? - Zunächst ist es nicht anders als bei der sinnlichen Wirklichkeit. Wenn jemand - durch die öfters hier besprochenen Methoden des Hellsehens - sich die übersinnliche Wirklichkeit eröffnet und nun mit seinen Begriffen an diese Wirklichkeit herantritt, so wird er ebenso dieses Begriffsnetz zusammenfallend finden mit der übersinnlichen Wirklichkeit. Genau ebenso werden die übersinnlichen Tatsachen und Wesen, nur von der anderen Seite her, auf sein Begriffsnetz wirken, und er wird es damit zusammenfallend finden. So daß wir sagen können: Es werfen gewissermaßen die übersinnlichen Wirklichkeiten ihre Strahlen auf das Begriffsnetz, wie auf der anderen Seite die sinnliche Wirklichkeit dies tut. Am Begriffsnetz treffen sich sinnliche und übersinnliche Wirklichkeit.
[ 7 ] Damit haben wir noch nicht die Frage beantwortet, woher in unserer Seele das Begriffsnetz selber kommt. Diese Frage wollen wir heute sozusagen als Tatsache hinstellen, denn die Antwort auf diese Frage kann sich eigentlich nur durch geduldiges Verfolgen des logisch-metaphysischen Weges ergeben, den wir, wenn wir diese Vorträge fortsetzen können, vielleicht noch zusammen gehen können. Wir werden dann immer mehr und mehr in die übersinnliche Realität hineinkommen. Heute wollen wir uns durch ein Bild klarmachen, woher dieses Begriffsnetz, von dem der Mensch weiß, daß er es gewissermaßen im Geiste innerlich spinnt - gestatten Sie den Ausdruck -, woher dieses Begriffsnetz eigentlich stammt. Wir können es uns am besten dadurch klarmachen, wenn wir uns das Bild eines Schattens, der an die Wand geworfen wird, vorstellen. Wenn Sie sehen, daß die Hand ein Schattenbild an die Wand wirft, so werden Sie sagen: Wenn die Hand nicht da wäre, so würde auch das Schattenbild nicht entstehen. Das Schattenbild ist seinem Urbilde ähnlich, aber es hat eine besondere Eigentümlichkeit, es ist eigentlich nichts! Denn gerade weil die Hand das Licht abhält, dadurch, daß an die Stelle des Lichtes das Nicht-Licht tritt, dadurch entsteht das Schattenbild. Also durch Auslöschung das Lichtes durch die Hand entsteht das Schattenbild. Genau ebenso entstehen unsere Begriffe in Wirklichkeit. Wir meinen nur, daß wir sie aus uns herausspinnen. Sie entstehen dadurch, daß hinter unserer denkenden Seele die übersinnliche Wirklichkeit steht und auf diese Seele ihre Schattenbilder wirft. Und der Begriff ist eigentlich nichts anderes als das Auslöschen der übersinnlichen Wirklichkeit auf der Wand unserer Seele. Und weil unsere Begriffe den Urbildern der übersinnlichen Welt ähnlich sind - wie das Schattenbild der Hand seinem Urbilde ähnlich ist -, darum sind die Begriffe etwas, was im Menschen eine Ahnung hervorrufen kann von den übersinnlichen Wirklichkeiten. Daß der Mensch meint, das Begriffsnetz aus sich herauszuspinnen, kommt daher, weil er zunächst keine Anschauung hat von dieser übersinnlichen Welt. Aber sie ist da und wirkt, sie wirft ihre Schattenbilder. Wo sie auftrifft auf die Wahrnehmung des Sinnlichen, da entstehen diese Schattenbilder, und die Begriffe sind nichts anderes als diese Schattenbilder. Wir haben also in den Begriffen keine übersinnliche Wirklichkeit, ebensowenig, wie wir im Schattenbilde der Hand die Hand selbst haben, aber wir haben sozusagen Schattenbilder davon. Damit haben wir das Begriffsnetz sozusagen als die Grenze zwischen sinnlicher und übersinnlicher Wirklichkeit definiert, dabei aber erkannt, daß die Begriffe nicht aus der sinnlichen, sondern aus der übersinnlichen Welt in die Seele einströmen. So ist die Tatsache.
[ 7 ] Damit haben wir noch nicht die Frage beantwortet, woher in unserer Seele das Begriffsnetz selber kommt. Diese Frage wollen wir heute sozusagen als Tatsache hinstellen, denn die Antwort auf diese Frage kann sich eigentlich nur durch geduldiges Verfolgen des logisch-metaphysischen Weges ergeben, den wir, wenn wir diese Vorträge fortsetzen können, vielleicht noch zusammen gehen können. Wir werden dann immer mehr und mehr in die übersinnliche Realität hineinkommen. Heute wollen wir uns durch ein Bild klarmachen, woher dieses Begriffsnetz, von dem der Mensch weiß, daß er es gewissermaßen im Geiste innerlich spinnt - gestatten Sie den Ausdruck -, woher dieses Begriffsnetz eigentlich stammt. Wir können es uns am besten dadurch klarmachen, wenn wir uns das Bild eines Schattens, der an die Wand geworfen wird, vorstellen. Wenn Sie sehen, daß die Hand ein Schattenbild an die Wand wirft, so werden Sie sagen: Wenn die Hand nicht da wäre, so würde auch das Schattenbild nicht entstehen. Das Schattenbild ist seinem Urbilde ähnlich, aber es hat eine besondere Eigentümlichkeit, es ist eigentlich nichts! Denn gerade weil die Hand das Licht abhält, dadurch, daß an die Stelle des Lichtes das Nicht-Licht tritt, dadurch entsteht das Schattenbild. Also durch Auslöschung das Lichtes durch die Hand entsteht das Schattenbild. Genau ebenso entstehen unsere Begriffe in Wirklichkeit. Wir meinen nur, daß wir sie aus uns herausspinnen. Sie entstehen dadurch, daß hinter unserer denkenden Seele die übersinnliche Wirklichkeit steht und auf diese Seele ihre Schattenbilder wirft. Und der Begriff ist eigentlich nichts anderes als das Auslöschen der übersinnlichen Wirklichkeit auf der Wand unserer Seele. Und weil unsere Begriffe den Urbildern der übersinnlichen Welt ähnlich sind - wie das Schattenbild der Hand seinem Urbilde ähnlich ist -, darum sind die Begriffe etwas, was im Menschen eine Ahnung hervorrufen kann von den übersinnlichen Wirklichkeiten. Daß der Mensch meint, das Begriffsnetz aus sich herauszuspinnen, kommt daher, weil er zunächst keine Anschauung hat von dieser übersinnlichen Welt. Aber sie ist da und wirkt, sie wirft ihre Schattenbilder. Wo sie auftrifft auf die Wahrnehmung des Sinnlichen, da entstehen diese Schattenbilder, und die Begriffe sind nichts anderes als diese Schattenbilder. Wir haben also in den Begriffen keine übersinnliche Wirklichkeit, ebensowenig, wie wir im Schattenbilde der Hand die Hand selbst haben, aber wir haben sozusagen Schattenbilder davon. Damit haben wir das Begriffsnetz sozusagen als die Grenze zwischen sinnlicher und übersinnlicher Wirklichkeit definiert, dabei aber erkannt, daß die Begriffe nicht aus der sinnlichen, sondern aus der übersinnlichen Welt in die Seele einströmen. So ist die Tatsache.
[ 8 ] Nun müssen wir uns fragen: Wie kann der Mensch denn eigentlich zu wirklichen Begriffen kommen, auch wenn er keine Anschauung hat von der übersinnlichen Wirklichkeit? Wenn er bloß die äußere sinnliche Wirklichkeit hätte und sie anschauen würde, würde er bloß zu Vorstellungen kommen, niemals zu Begriffen. Begriffe müssen in der Seele konstruiert werden und hinzukommen zu den Vorstellungen, die die äußere, sinnliche Wirklichkeit gibt. Man kann durchaus in Begriffen leben und doch nicht in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen. Der Seher, der in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen kann, kann aber in der Tat leichter zu einer vollständigen Begriffswelt kommen, weil er die Kräfte kennenlernt, die hereinströmen und die Begriffe hervorrufen. Den geisteswissenschaftlichen Anhaltspunkt zu dem, was ich jetzt einmal philosophisch sage, haben Sie in meinem Buche «Theosophie», wo von dem Devachan gesprochen wird, wo über das devachanische Leben der Schattenbilder genau abgehandelt wird. Der Mensch kommt zu dem Begriffsnetz dadurch, daß er die Begriffe förmlich auf sich herunterströmen läßt. Für den Seher ist es so, daß er zu den Urbildern hinaufschauen kann, da wo die Realität ist. Wie ist es nun für den Menschen möglich, sich ein Begriffsnetz zu schaffen, der [nicht selbst zu der übersinnlichen Wirklichkeit aufschauen kann]? Der größte Teil der Menschen ist ja nur in der Mathematik zu reinen Begriffen gekommen. Die meisten Menschen meinen, daß man nur zu Begriffen kommen könne, wenn man Wahrnehmungen hat, aus diesen Vorstellungsbilder [gewinnt], von der Vorstellung die Wahrnehmung abzieht und dann das Allgemeine, den Begriff, findet, also durch Abstraktion. Das ist natürlich nicht die Entstehung des Begriffs. Selbst denkende Leute sind sich über dieses Bilden des Begriffes im Unklaren.
[ 8 ] Nun müssen wir uns fragen: Wie kann der Mensch denn eigentlich zu wirklichen Begriffen kommen, auch wenn er keine Anschauung hat von der übersinnlichen Wirklichkeit? Wenn er bloß die äußere sinnliche Wirklichkeit hätte und sie anschauen würde, würde er bloß zu Vorstellungen kommen, niemals zu Begriffen. Begriffe müssen in der Seele konstruiert werden und hinzukommen zu den Vorstellungen, die die äußere, sinnliche Wirklichkeit gibt. Man kann durchaus in Begriffen leben und doch nicht in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen. Der Seher, der in die übersinnliche Wirklichkeit hinaufsteigen kann, kann aber in der Tat leichter zu einer vollständigen Begriffswelt kommen, weil er die Kräfte kennenlernt, die hereinströmen und die Begriffe hervorrufen. Den geisteswissenschaftlichen Anhaltspunkt zu dem, was ich jetzt einmal philosophisch sage, haben Sie in meinem Buche «Theosophie», wo von dem Devachan gesprochen wird, wo über das devachanische Leben der Schattenbilder genau abgehandelt wird. Der Mensch kommt zu dem Begriffsnetz dadurch, daß er die Begriffe förmlich auf sich herunterströmen läßt. Für den Seher ist es so, daß er zu den Urbildern hinaufschauen kann, da wo die Realität ist. Wie ist es nun für den Menschen möglich, sich ein Begriffsnetz zu schaffen, der [nicht selbst zu der übersinnlichen Wirklichkeit aufschauen kann]? Der größte Teil der Menschen ist ja nur in der Mathematik zu reinen Begriffen gekommen. Die meisten Menschen meinen, daß man nur zu Begriffen kommen könne, wenn man Wahrnehmungen hat, aus diesen Vorstellungsbilder [gewinnt], von der Vorstellung die Wahrnehmung abzieht und dann das Allgemeine, den Begriff, findet, also durch Abstraktion. Das ist natürlich nicht die Entstehung des Begriffs. Selbst denkende Leute sind sich über dieses Bilden des Begriffes im Unklaren.
[ 9 ] Als ich in meiner «Philosophie der Freiheit» versuchte, die Notwendigkeit des Konstruierens der Begriffe klarzumachen, konnte ich etwas sehr Eigentümliches erleben. Sie finden in meiner «Philosophie der Freiheit» in gegensätzlicher Anlehnung an Spencer ausgeführt, wie es eine ganz ungenügende philosophische Betrachtungsweise ist, wenn man versucht, den Begriff des Begriffes nur von der äußeren, sinnlichen Tatsachenwelt ausgehend zu bilden.
[ 9 ] Als ich in meiner «Philosophie der Freiheit» versuchte, die Notwendigkeit des Konstruierens der Begriffe klarzumachen, konnte ich etwas sehr Eigentümliches erleben. Sie finden in meiner «Philosophie der Freiheit» in gegensätzlicher Anlehnung an Spencer ausgeführt, wie es eine ganz ungenügende philosophische Betrachtungsweise ist, wenn man versucht, den Begriff des Begriffes nur von der äußeren, sinnlichen Tatsachenwelt ausgehend zu bilden.
[ 10 ] «Der Begriff kann nicht aus der Beobachtung gewonnen werden. Das geht schon aus dem Umstande hervor, daß der heranwachsende Mensch sich langsam und allmählich erst die Begriffe zu den Gegenständen bildet, die ihn umgeben. Die Begriffe werden zu der Beobachtung hinzugefügt.
[ 10 ] «Der Begriff kann nicht aus der Beobachtung gewonnen werden. Das geht schon aus dem Umstande hervor, daß der heranwachsende Mensch sich langsam und allmählich erst die Begriffe zu den Gegenständen bildet, die ihn umgeben. Die Begriffe werden zu der Beobachtung hinzugefügt.
[ 11 ] Ein vielgelesener Philosoph der Gegenwart, Herbert Spencer, schildert den geistigen Prozeß, den wir gegenüber der Beobachtung vollziehen, folgendermaßen:
[ 11 ] Ein vielgelesener Philosoph der Gegenwart, Herbert Spencer, schildert den geistigen Prozeß, den wir gegenüber der Beobachtung vollziehen, folgendermaßen:
[ 12 ] «Wenn wir an einem Septembertag durch die Felder wandelnd, wenige Schritte vor uns ein Geräusch hören und an der Seite des Grabens, von dem es herzukommen schien, das Gras in Bewegung sehen, so werden wir wahrscheinlich auf die Stelle losgehen, um zu erfahren, was das Geräusch und die Bewegung hervorbrachte. Bei unserer Annäherung flattert ein Rebhuhn in den Graben, und damit ist unsere Neugierde befriedigt: wir haben, was wir eine Erklärung der Erscheinungen nennen. Diese Erklärung läuft, wohlgemerkt, auf folgendes hinaus: weil wir im Leben unendlich oft erfahren haben, daß eine Störung der ruhigen Lage kleiner Körper die Bewegung anderer zwischen ihnen befindlicher Körper begleitet, und weil wir deshalb die Beziehungen zwischen solchen Störungen und solchen Bewegungen verallgemeinert haben, so halten wir diese besondere Störung für erklärt, sobald wir finden, daß sie ein Beispiel eben dieser Beziehung darbietet.» Genauer besehen stellt sich die Sache ganz anders dar, als sie hier beschrieben ist. Wenn ich ein Geräusch höre, so suche ich zunächst den Begriff für diese Beobachtung. Dieser Begriff erst weist mich über das Geräusch hinaus. Wer nicht weiter nachdenkt, der hört eben das Geräusch und gibt sich damit zufrieden. Durch mein Nachdenken aber ist mir klar, daß ich ein Geräusch als Wirkung aufzufassen habe. Also erst wenn ich den Begriff der Wirkung mit der Wahrnehmung des Geräusches verbinde, werde ich veranlaßt, über die Einzelbeobachtung hinauszugehen und nach der Ursache zu suchen. Der Begriff der Wirkung ruft den der Ursache hervor, und ich suche dann nach dem verursachenden Gegenstande, den ich in der Gestalt des Rebhuhns finde. Diese Begriffe, Ursache und Wirkung, kann ich aber niemals durch bloße Beobachtung, und erstrecke sie sich auf noch so viele Fälle, gewinnen. Die Beobachtung fordert das Denken heraus, und erst dieses ist es, das mir den Weg weist, das einzelne Erlebnis an ein anderes anzuschließen.
[ 12 ] «Wenn wir an einem Septembertag durch die Felder wandelnd, wenige Schritte vor uns ein Geräusch hören und an der Seite des Grabens, von dem es herzukommen schien, das Gras in Bewegung sehen, so werden wir wahrscheinlich auf die Stelle losgehen, um zu erfahren, was das Geräusch und die Bewegung hervorbrachte. Bei unserer Annäherung flattert ein Rebhuhn in den Graben, und damit ist unsere Neugierde befriedigt: wir haben, was wir eine Erklärung der Erscheinungen nennen. Diese Erklärung läuft, wohlgemerkt, auf folgendes hinaus: weil wir im Leben unendlich oft erfahren haben, daß eine Störung der ruhigen Lage kleiner Körper die Bewegung anderer zwischen ihnen befindlicher Körper begleitet, und weil wir deshalb die Beziehungen zwischen solchen Störungen und solchen Bewegungen verallgemeinert haben, so halten wir diese besondere Störung für erklärt, sobald wir finden, daß sie ein Beispiel eben dieser Beziehung darbietet.» Genauer besehen stellt sich die Sache ganz anders dar, als sie hier beschrieben ist. Wenn ich ein Geräusch höre, so suche ich zunächst den Begriff für diese Beobachtung. Dieser Begriff erst weist mich über das Geräusch hinaus. Wer nicht weiter nachdenkt, der hört eben das Geräusch und gibt sich damit zufrieden. Durch mein Nachdenken aber ist mir klar, daß ich ein Geräusch als Wirkung aufzufassen habe. Also erst wenn ich den Begriff der Wirkung mit der Wahrnehmung des Geräusches verbinde, werde ich veranlaßt, über die Einzelbeobachtung hinauszugehen und nach der Ursache zu suchen. Der Begriff der Wirkung ruft den der Ursache hervor, und ich suche dann nach dem verursachenden Gegenstande, den ich in der Gestalt des Rebhuhns finde. Diese Begriffe, Ursache und Wirkung, kann ich aber niemals durch bloße Beobachtung, und erstrecke sie sich auf noch so viele Fälle, gewinnen. Die Beobachtung fordert das Denken heraus, und erst dieses ist es, das mir den Weg weist, das einzelne Erlebnis an ein anderes anzuschließen.
[ 13 ] Wenn man von einer «streng objektiven Wissenschaft» fordert, daß sie ihren Inhalt nur der Beobachtung entnehme, so muß man zugleich fordern, daß sie auf alles Denken verzichte. Denn dieses geht seiner Natur nach über das Beobachtete hinaus.» [«Philosophie der Freiheit» Seite 58/59 der 14. Auflg. 1978]
[ 13 ] Wenn man von einer «streng objektiven Wissenschaft» fordert, daß sie ihren Inhalt nur der Beobachtung entnehme, so muß man zugleich fordern, daß sie auf alles Denken verzichte. Denn dieses geht seiner Natur nach über das Beobachtete hinaus.» [«Philosophie der Freiheit» Seite 58/59 der 14. Auflg. 1978]
[ 14 ] Wenn man den Spencerschen Gedankengang verfolgen würde, so würde man dahin kommen, daß Begriffe nur durch Herauskristallisieren des Allgemeinen aus dem Besonderen der Beobachtungen entstehen. So lange ich mich dem Geräusch gegenüber nur so verhalte, wie Spencer es beschreibt, kann ich gar nicht zu einer Erkennntnis kommen. Es muß noch etwas hinzukommen.
[ 14 ] Wenn man den Spencerschen Gedankengang verfolgen würde, so würde man dahin kommen, daß Begriffe nur durch Herauskristallisieren des Allgemeinen aus dem Besonderen der Beobachtungen entstehen. So lange ich mich dem Geräusch gegenüber nur so verhalte, wie Spencer es beschreibt, kann ich gar nicht zu einer Erkennntnis kommen. Es muß noch etwas hinzukommen.
[ 15 ] Von diesem Buche habe ich damals unter anderem auch ein Autorenexemplar einem sehr bedeutenden Philosophen der Gegenwart verehrt, der mir dann schrieb, er hätte so viel zu sagen über den Inhalt des Buches, daß er dies nicht in einem Brief schreiben wolle, er hätte vielmehr alle seine Bemerkungen an den Rand geschrieben. Bei diesem betreffenden Satz, wo es sich um den Begriff des Geräusches handelt, hat er an den Rand geschrieben: «Das tut der Hase sicher nicht!» - und sandte mir das Buch zurück. Nun handelt es sich aber bei einer solchen Untersuchung ja nicht um die Philosophie des Hasen, sondern um die des Menschen. [Lücke in der Nachschrift.]
[ 15 ] Von diesem Buche habe ich damals unter anderem auch ein Autorenexemplar einem sehr bedeutenden Philosophen der Gegenwart verehrt, der mir dann schrieb, er hätte so viel zu sagen über den Inhalt des Buches, daß er dies nicht in einem Brief schreiben wolle, er hätte vielmehr alle seine Bemerkungen an den Rand geschrieben. Bei diesem betreffenden Satz, wo es sich um den Begriff des Geräusches handelt, hat er an den Rand geschrieben: «Das tut der Hase sicher nicht!» - und sandte mir das Buch zurück. Nun handelt es sich aber bei einer solchen Untersuchung ja nicht um die Philosophie des Hasen, sondern um die des Menschen. [Lücke in der Nachschrift.]
[ 16 ] Wir müssen uns darüber klar werden, daß unsere Seele imstande sein muß, auch dann das Begriffsnetz zu gewinnen, wenn sie nicht in der Lage ist, es aus der unmittelbaren Anschauung der Welt vor sich zu haben. So kann sie es nicht gewinnen, daß sie an äußere Wahrnehmungen und daraus gebildete Vorstellungen sich anlehnt. Niemals würde die Seele zu Begriffen kommen, wenn sie bloß in die äußere Wahrnehmung hinaus den Blick richten und daraus Vorstellungen bilden würde. Die Methoden, auch wenn sie die wissenschaftlichsten Methoden sind, die man anwendet, um durch äußere Erfahrung sich Vorstellungen zu bilden über die Welt, diese Methoden alle können nicht dazu dienen, um in der Menschenseele das Begriffsnetz innerlich selber zu konstruieren.
[ 16 ] Wir müssen uns darüber klar werden, daß unsere Seele imstande sein muß, auch dann das Begriffsnetz zu gewinnen, wenn sie nicht in der Lage ist, es aus der unmittelbaren Anschauung der Welt vor sich zu haben. So kann sie es nicht gewinnen, daß sie an äußere Wahrnehmungen und daraus gebildete Vorstellungen sich anlehnt. Niemals würde die Seele zu Begriffen kommen, wenn sie bloß in die äußere Wahrnehmung hinaus den Blick richten und daraus Vorstellungen bilden würde. Die Methoden, auch wenn sie die wissenschaftlichsten Methoden sind, die man anwendet, um durch äußere Erfahrung sich Vorstellungen zu bilden über die Welt, diese Methoden alle können nicht dazu dienen, um in der Menschenseele das Begriffsnetz innerlich selber zu konstruieren.
[ 17 ] Es muß also eine Methode geben, dieauf der einen Seite unabhängig ist von der äußeren Beobachtung und auf der anderen Seite auch unabhängig ist von der hellseherischen Beobachtung. Denn die Menschenseele soll ja, wie wir voraussetzen, schon Begriffe sich bilden können, bevor sie zum Hellsehen aufsteigt. [Lücke in der Nachschrift.]
[ 17 ] Es muß also eine Methode geben, dieauf der einen Seite unabhängig ist von der äußeren Beobachtung und auf der anderen Seite auch unabhängig ist von der hellseherischen Beobachtung. Denn die Menschenseele soll ja, wie wir voraussetzen, schon Begriffe sich bilden können, bevor sie zum Hellsehen aufsteigt. [Lücke in der Nachschrift.]
[ 18 ] Er bewegt sich also von einem Begriff zum anderen, er bleibt im Felde der Begriffe und kann sich nun vom einen Begriff zum anderen bewegen innerhalb des Begriffsnetzes. Daß das stattfinden kann, daß sich die Seele von einem Begriff zum anderen bewegt, macht notwendig, daß wir eine Methode voraussetzen, die nichts zu tun hat mit der äußeren sinnlichen Beobachtung und nichts mit der hellseherischen Beobachtung, die nur zur Verifizierung dienen soll.
[ 18 ] Er bewegt sich also von einem Begriff zum anderen, er bleibt im Felde der Begriffe und kann sich nun vom einen Begriff zum anderen bewegen innerhalb des Begriffsnetzes. Daß das stattfinden kann, daß sich die Seele von einem Begriff zum anderen bewegt, macht notwendig, daß wir eine Methode voraussetzen, die nichts zu tun hat mit der äußeren sinnlichen Beobachtung und nichts mit der hellseherischen Beobachtung, die nur zur Verifizierung dienen soll.
[ 19 ] Dieses Bewegen in reinen Begriffen nennt man nun im Sinne des großen Philosophen Hegel die «dialektische Methode», wobei der Mensch nur in Begriffen lebt und sich fähig macht, einen Begriff aus dem anderen hervorgehen, gleichsam hervorwachsen zu lassen. So lebt der Mensch in einer Sphäre, in der er absieht von der äußeren, sinnlichen Welt, und wo er absieht von dem, was hinter ihr steht, von der übersinnlichen Welt. Es bewegt sich die Seele von Begriff zu Begriff, und die Kraft, die ihn forttreibt von Begriff zu Begriff, läßt den einen Begriff aus dem anderen hervorgehen. Diese Methode nennt man die dialektische Methode, die Methode des sich selbst bewegenden Begriffes.
[ 19 ] Dieses Bewegen in reinen Begriffen nennt man nun im Sinne des großen Philosophen Hegel die «dialektische Methode», wobei der Mensch nur in Begriffen lebt und sich fähig macht, einen Begriff aus dem anderen hervorgehen, gleichsam hervorwachsen zu lassen. So lebt der Mensch in einer Sphäre, in der er absieht von der äußeren, sinnlichen Welt, und wo er absieht von dem, was hinter ihr steht, von der übersinnlichen Welt. Es bewegt sich die Seele von Begriff zu Begriff, und die Kraft, die ihn forttreibt von Begriff zu Begriff, läßt den einen Begriff aus dem anderen hervorgehen. Diese Methode nennt man die dialektische Methode, die Methode des sich selbst bewegenden Begriffes.
[ 20 ] Damit haben wir hingewiesen auf das, was die Seele tut, indem sie sich in ihrem Begriffsnetz weiterbewegt. Sie spinnt Begriff an Begriff an - wir werden gleich Genaueres uns darunter vorstellen können im Sinne der dialektischen Methode. Diese dialektische Methode führt die Seele von Begriff zu Begriff. Wir werden sehen, daß wir irgendwo ansetzen müssen bei diesen sich selbst fortbewegenden Begriffen, dann aber werden wir weiter von Begriff zu Begriff geführt. Was müßte denn dabei herauskommen? Wenn so die Seele irgendwo anfängt, einen Begriff herauszusetzen, und dann Begriff aus Begriff hervorwachsen läßt, dann würde sie die Summe aller Begriffe konstruieren, sie würde die Summe aller im Weltall sowohl nach unten an die sinnliche Welt als auch nach oben an die übersinnliche Welt angepaßten Begriffe auf diese Weise sich bilden.
[ 20 ] Damit haben wir hingewiesen auf das, was die Seele tut, indem sie sich in ihrem Begriffsnetz weiterbewegt. Sie spinnt Begriff an Begriff an - wir werden gleich Genaueres uns darunter vorstellen können im Sinne der dialektischen Methode. Diese dialektische Methode führt die Seele von Begriff zu Begriff. Wir werden sehen, daß wir irgendwo ansetzen müssen bei diesen sich selbst fortbewegenden Begriffen, dann aber werden wir weiter von Begriff zu Begriff geführt. Was müßte denn dabei herauskommen? Wenn so die Seele irgendwo anfängt, einen Begriff herauszusetzen, und dann Begriff aus Begriff hervorwachsen läßt, dann würde sie die Summe aller Begriffe konstruieren, sie würde die Summe aller im Weltall sowohl nach unten an die sinnliche Welt als auch nach oben an die übersinnliche Welt angepaßten Begriffe auf diese Weise sich bilden.
[ 21 ] Alle solche Begriffe, die durch Sich-selbst-Bewegen, durch Selbsthervorgehen eines Begriffes aus einem anderen gebildet werden und uns darstellen dabei, was sowohl der sinnlichen Welt angepaßt ist wie auch der übersinnlichen Welt, alle solche Begriffe nennt man im weitesten Umfange des Wortes «Kategorien». Kategorien sind also diejenigen Begriffe, welche durch die dialektische Methode, also durch Hervorwachsen eines Begriffes aus dem anderen, gewonnen werden. So ist also im Grunde genommen das ganze Begriffsnetz zusammmengesetzt aus Kategorien. Man könnte ebensogut sagen, alle Begriffe sind Kategorien, wie man sagen könnte, alle Kategorien sind Begriffe. Man ist freilich gewöhnt worden, den Begriff «Kategorien» für die Hauptbegriffe anzuwenden, für die Knotenpunkte, für die wichtigsten, die Stammbegriffe, namentlich weil die formale Logik immer angeknüpft hat an Aristoteles, der [als erster von Kategorien gesprochen und zehn solcher «Knotenpunkte» angegeben hat]. Im strengen Sinne kann man aber die Worte «Begriff» und «Kategorie» wechselweise gebrauchen, so daß wir die Summe aller unserer Begriffe - wenn wir richtige Begriffskonstruktionen vor uns haben, das heißt, wenn die Begriffe innerlich konstruiert und fortgebildet sind durch Selbstbewegung, wenn die Begriffe aus sich selbst herausgewachsen sind - die «Kategorienlehre» nennen können. Und das, was Hegel im ersten Teil seiner Philosophie die «Wissenschaft der Logik» nennt - Logik, von Logos herkommend, was ja auch Begriff heißt -, ist eigentlich eine Kategorienlehre. Wenn wir nur einzelne Begriffe bilden, so haben wir nicht alle Kategorien, wenn wir aber innerlich das Begriffsnetz spinnen, jeden Begriff an die richtige Stelle setzen im Gesamtorganismus der Begriffe, dann haben wir alle Kategorien. Nun hat ja Hegel selber schon gesagt: Wenn man so den ganzen Umfang des Begriffsnetzes feststelle, so habe man darin den Inhalt der Welt, wie er im Gedanken der göttlichen Wesenheit vor der Erschaffung der Welt ist. - Da wir die Begriffe in der Welt darinnen finden, müssen sie ursprünglich hineingelegt worden sein. Wenn wir den Begriffen nachgehen, so finden wir darin die Gedanken der Gottheit. Wenn wir richtig denken in innerlichem [Konstruieren] nach dialektischer Methode, so finden wir im Begriffsinhalt, im Kategorien-Inhalt die Welt.
[ 21 ] Alle solche Begriffe, die durch Sich-selbst-Bewegen, durch Selbsthervorgehen eines Begriffes aus einem anderen gebildet werden und uns darstellen dabei, was sowohl der sinnlichen Welt angepaßt ist wie auch der übersinnlichen Welt, alle solche Begriffe nennt man im weitesten Umfange des Wortes «Kategorien». Kategorien sind also diejenigen Begriffe, welche durch die dialektische Methode, also durch Hervorwachsen eines Begriffes aus dem anderen, gewonnen werden. So ist also im Grunde genommen das ganze Begriffsnetz zusammmengesetzt aus Kategorien. Man könnte ebensogut sagen, alle Begriffe sind Kategorien, wie man sagen könnte, alle Kategorien sind Begriffe. Man ist freilich gewöhnt worden, den Begriff «Kategorien» für die Hauptbegriffe anzuwenden, für die Knotenpunkte, für die wichtigsten, die Stammbegriffe, namentlich weil die formale Logik immer angeknüpft hat an Aristoteles, der [als erster von Kategorien gesprochen und zehn solcher «Knotenpunkte» angegeben hat]. Im strengen Sinne kann man aber die Worte «Begriff» und «Kategorie» wechselweise gebrauchen, so daß wir die Summe aller unserer Begriffe - wenn wir richtige Begriffskonstruktionen vor uns haben, das heißt, wenn die Begriffe innerlich konstruiert und fortgebildet sind durch Selbstbewegung, wenn die Begriffe aus sich selbst herausgewachsen sind - die «Kategorienlehre» nennen können. Und das, was Hegel im ersten Teil seiner Philosophie die «Wissenschaft der Logik» nennt - Logik, von Logos herkommend, was ja auch Begriff heißt -, ist eigentlich eine Kategorienlehre. Wenn wir nur einzelne Begriffe bilden, so haben wir nicht alle Kategorien, wenn wir aber innerlich das Begriffsnetz spinnen, jeden Begriff an die richtige Stelle setzen im Gesamtorganismus der Begriffe, dann haben wir alle Kategorien. Nun hat ja Hegel selber schon gesagt: Wenn man so den ganzen Umfang des Begriffsnetzes feststelle, so habe man darin den Inhalt der Welt, wie er im Gedanken der göttlichen Wesenheit vor der Erschaffung der Welt ist. - Da wir die Begriffe in der Welt darinnen finden, müssen sie ursprünglich hineingelegt worden sein. Wenn wir den Begriffen nachgehen, so finden wir darin die Gedanken der Gottheit. Wenn wir richtig denken in innerlichem [Konstruieren] nach dialektischer Methode, so finden wir im Begriffsinhalt, im Kategorien-Inhalt die Welt.
[ 22 ] Ich kann heute nicht auf die geschichtliche Entwickelung der Kategorienlehre eingehen, wie Aristoteles sie ausgebildet hat und wie Kant sie weiter ausgebildet hat, ich will aber zu dem, wie der große Meister der Kategorienlehre, Hegel, die Begriffslehre ausgebildet hat, etwas sagen. Hegel ist heute vielleicht der am wenigsten verstandene Philosoph. Man erkennt das in der akademischen Literatur; was da über Hegel geschrieben wird, ist geradezu furchtbar. So sagt man heute immer noch, was man schon zu seinen Lebzeiten gesagt hat: er wolle aus den Begriffen heraus die ganze Welt entwickeln. Ein besonders gescheiter Herr war der Leipziger Philosoph Wilhelm Traugott Krug, der eine ganze Bibliothek von philosophischen Schriften geschrieben hat. Er verstand Hegel so, als ob er die Welt aus den Begriffen herausspinnen wolle, zum Beispiel aus dem Begriff die Rose deduzieren, ableiten wolle, aus einer Idee. Da sagte Krug einmal spitz gegen Hegel, er möge doch einmal aus dem Begriff seine Schreibfeder deduzieren. Hegel antwortete: «Herr Krug hat in diesem und zugleich nach anderer Seite hin ganz naiven Sinne einst die Naturphilosophie aufgefordert, das Kunststück zu machen, nur seine Schreibfeder zu deducieren. Man hätte ihm etwa zu dieser Leistung und respectiven Verherrlichung seiner Schreibfeder Hoffnung machen können, wenn dereinst die Wissenschaft so weit vorgeschritten und mit allem Wichtigern im Himmel und auf Erden in der Gegenwart und Vergangenheit im Reinen sey, daß es nichts Wichtigeres mehr zu begreifen gebe.»
[ 22 ] Ich kann heute nicht auf die geschichtliche Entwickelung der Kategorienlehre eingehen, wie Aristoteles sie ausgebildet hat und wie Kant sie weiter ausgebildet hat, ich will aber zu dem, wie der große Meister der Kategorienlehre, Hegel, die Begriffslehre ausgebildet hat, etwas sagen. Hegel ist heute vielleicht der am wenigsten verstandene Philosoph. Man erkennt das in der akademischen Literatur; was da über Hegel geschrieben wird, ist geradezu furchtbar. So sagt man heute immer noch, was man schon zu seinen Lebzeiten gesagt hat: er wolle aus den Begriffen heraus die ganze Welt entwickeln. Ein besonders gescheiter Herr war der Leipziger Philosoph Wilhelm Traugott Krug, der eine ganze Bibliothek von philosophischen Schriften geschrieben hat. Er verstand Hegel so, als ob er die Welt aus den Begriffen herausspinnen wolle, zum Beispiel aus dem Begriff die Rose deduzieren, ableiten wolle, aus einer Idee. Da sagte Krug einmal spitz gegen Hegel, er möge doch einmal aus dem Begriff seine Schreibfeder deduzieren. Hegel antwortete: «Herr Krug hat in diesem und zugleich nach anderer Seite hin ganz naiven Sinne einst die Naturphilosophie aufgefordert, das Kunststück zu machen, nur seine Schreibfeder zu deducieren. Man hätte ihm etwa zu dieser Leistung und respectiven Verherrlichung seiner Schreibfeder Hoffnung machen können, wenn dereinst die Wissenschaft so weit vorgeschritten und mit allem Wichtigern im Himmel und auf Erden in der Gegenwart und Vergangenheit im Reinen sey, daß es nichts Wichtigeres mehr zu begreifen gebe.»
[ 23 ] Es ist für den Anthroposophen außerordentlich wichtig, sich in diese reinen Begriffe hineinzuarbeiten, durch die man von Stufe zu Stufe [das gesamte Begriffsnetz gewinnt]. Es ist außerordentlich nützlich und stellt eine außerordentlich fruchtbare Meditation dar, in den kristallklaren Begriffen Hegels zu leben, es ist ein wichtiges Erziehungsmittel für die Seele. Zugleich ist es ein Erziehungsmittel gegen alle Lässigkeit und Lottrigkeit der Begriffe, die werden gründlich ausgetrieben durch die Hegelsche Dialektik. Wenn man den Geist an der Hegelschen Dialektik trainiert hat, so hat man bei der Lektüre von Büchern moderner Schriftsteller häufig den Eindruck lottriger Begriffe.
[ 23 ] Es ist für den Anthroposophen außerordentlich wichtig, sich in diese reinen Begriffe hineinzuarbeiten, durch die man von Stufe zu Stufe [das gesamte Begriffsnetz gewinnt]. Es ist außerordentlich nützlich und stellt eine außerordentlich fruchtbare Meditation dar, in den kristallklaren Begriffen Hegels zu leben, es ist ein wichtiges Erziehungsmittel für die Seele. Zugleich ist es ein Erziehungsmittel gegen alle Lässigkeit und Lottrigkeit der Begriffe, die werden gründlich ausgetrieben durch die Hegelsche Dialektik. Wenn man den Geist an der Hegelschen Dialektik trainiert hat, so hat man bei der Lektüre von Büchern moderner Schriftsteller häufig den Eindruck lottriger Begriffe.
[ 24 ] Einen Ausgangspunkt muß man freilich haben, man muß bei irgendetwas anfangen. Das muß natürlich nur der einfachste Begriff sein, der den geringsten Inhalt und den größten Umfang hat. Aus der formalen Logik ergibt sich, warum der Inhalt des Begriffs im Gegensatz zum Umfang ist. Der Begriff, der den geringsten Inhalt und den größten Umfang hat, ist der Begriff des Seins. Er ist in der Tat derjenige Begriff, der im ganzen Umkreis unserer Welt anwendbar ist, er hat den größten Umfang und den geringsten Inhalt. Wenn wir vom Sein schlechtweg sprechen, ist nichts ausgesagt von der Art des Seins. Von dem Begriff des Seins geht Hegel aus. Nun frägt es sich: Wie kommt man hinaus über diesen Begriff des Seins? Wir können nicht stehenbleiben bei diesem Begriff, sonst bekommen wir kein Begriffssystem. Wir müssen die Möglichkeit haben, ein Begriffssystem zu gewinnen, indem wir Begriff aus Begriff herauswachsen lassen. Wie finden wir einen Anhaltspunkt dazu? Diesen Anhaltspunkt finden wir eben in der dialektischen Methode, und zwar wenn wir uns darüber klar werden, wie ein jeder Begriff in sich selber noch etwas anderes enthält, als das, als was er zunächst erscheint. Es ist mit dem Begriff wie mit einer Wurzel. Die Wurzel enthält eigentlich die ganze Pflanze, die noch nicht herausgewachsen, sondern noch in ihr drinnen ist. Wenn wir die Wurzel anschauen, haben wir noch nicht alles, was da ist. Die Pflanze selber, die drin ist in der Wurzel, sehen wir nicht. Wenn wir nur mit äußeren Augen die Wurzel anschauen, sehen wir gerade nicht, was die Pflanze aus der Wurzel heraustreibt. So steckt auch in jedem Begriff etwas drin, was aus ihm herauswachsen kann, ebenso wie in der Wurzel etwas steckt, was aus ihr herauswachsen kann, und zwar steckt im Begriff des Seins das Gegenteil, das Nichts drin. Wenn wir den Begriff des Seins fassen, so umfaßt er alles Mögliche, was in der sinnlichen und in der übersinnlichen Welt auftauchen kann. Dadurch, daß er alles umfaßt, umfaßt er zugleich das «Nichts». Das «Nichts» steckt darinnen im «Sein», es sproßt heraus aus dem «Sein». Wenn wir das «Sein» innerlich betrachten, so sehen wir hier schon den Begriff des «Nichts» aus dem Begriff des «Seins» herauswachsen. Wenn wir uns eine Vorstellung von dem Begriff des Nichts machen wollen, so ist das ebenso schwer als es wichtig ist. Viele Leute, auch Philosophen, werden sagen, es sei überhaupt unmöglich, sich von dem Nichts eine Vorstellung zu machen. Das ist aber etwas, was innerhalb der Begriffswelt für den Anthroposophen ungeheuer wichtig ist, und es wird eine Zeit kommen, wenn die Anthroposophie mehr eingehen wird auf die Begriffe, da wird viel davon abhängen, daß gerade der Begriff des «Nichts» in der richtigen Weise gefaßt wird. Es leidet die Theosophie daran, daß der Begriff des «Nichts» unklar gefaßt wird. Deshalb ist ja die Theosophie zu einer Art «Emanationslehre» geworden, [Lücke in der Nachschrift] so als ob das Spätere aus dem Früheren hervorgegangen sei.
[ 24 ] Einen Ausgangspunkt muß man freilich haben, man muß bei irgendetwas anfangen. Das muß natürlich nur der einfachste Begriff sein, der den geringsten Inhalt und den größten Umfang hat. Aus der formalen Logik ergibt sich, warum der Inhalt des Begriffs im Gegensatz zum Umfang ist. Der Begriff, der den geringsten Inhalt und den größten Umfang hat, ist der Begriff des Seins. Er ist in der Tat derjenige Begriff, der im ganzen Umkreis unserer Welt anwendbar ist, er hat den größten Umfang und den geringsten Inhalt. Wenn wir vom Sein schlechtweg sprechen, ist nichts ausgesagt von der Art des Seins. Von dem Begriff des Seins geht Hegel aus. Nun frägt es sich: Wie kommt man hinaus über diesen Begriff des Seins? Wir können nicht stehenbleiben bei diesem Begriff, sonst bekommen wir kein Begriffssystem. Wir müssen die Möglichkeit haben, ein Begriffssystem zu gewinnen, indem wir Begriff aus Begriff herauswachsen lassen. Wie finden wir einen Anhaltspunkt dazu? Diesen Anhaltspunkt finden wir eben in der dialektischen Methode, und zwar wenn wir uns darüber klar werden, wie ein jeder Begriff in sich selber noch etwas anderes enthält, als das, als was er zunächst erscheint. Es ist mit dem Begriff wie mit einer Wurzel. Die Wurzel enthält eigentlich die ganze Pflanze, die noch nicht herausgewachsen, sondern noch in ihr drinnen ist. Wenn wir die Wurzel anschauen, haben wir noch nicht alles, was da ist. Die Pflanze selber, die drin ist in der Wurzel, sehen wir nicht. Wenn wir nur mit äußeren Augen die Wurzel anschauen, sehen wir gerade nicht, was die Pflanze aus der Wurzel heraustreibt. So steckt auch in jedem Begriff etwas drin, was aus ihm herauswachsen kann, ebenso wie in der Wurzel etwas steckt, was aus ihr herauswachsen kann, und zwar steckt im Begriff des Seins das Gegenteil, das Nichts drin. Wenn wir den Begriff des Seins fassen, so umfaßt er alles Mögliche, was in der sinnlichen und in der übersinnlichen Welt auftauchen kann. Dadurch, daß er alles umfaßt, umfaßt er zugleich das «Nichts». Das «Nichts» steckt darinnen im «Sein», es sproßt heraus aus dem «Sein». Wenn wir das «Sein» innerlich betrachten, so sehen wir hier schon den Begriff des «Nichts» aus dem Begriff des «Seins» herauswachsen. Wenn wir uns eine Vorstellung von dem Begriff des Nichts machen wollen, so ist das ebenso schwer als es wichtig ist. Viele Leute, auch Philosophen, werden sagen, es sei überhaupt unmöglich, sich von dem Nichts eine Vorstellung zu machen. Das ist aber etwas, was innerhalb der Begriffswelt für den Anthroposophen ungeheuer wichtig ist, und es wird eine Zeit kommen, wenn die Anthroposophie mehr eingehen wird auf die Begriffe, da wird viel davon abhängen, daß gerade der Begriff des «Nichts» in der richtigen Weise gefaßt wird. Es leidet die Theosophie daran, daß der Begriff des «Nichts» unklar gefaßt wird. Deshalb ist ja die Theosophie zu einer Art «Emanationslehre» geworden, [Lücke in der Nachschrift] so als ob das Spätere aus dem Früheren hervorgegangen sei.
[ 25 ] Denken Sie sich selbst einer äußeren Wirklichkeit gegenübergestellt, zum Beispiel zwei Menschen, und betrachten Sie diese nach einem Gesichtspunkt, der nur von Ihnen selbst abhängt. Und betrachten Sie zum Beispiel zwei Menschen, einen großen und einen kleinen, und denken Sie sich etwas über sie aus, bilden Sie sich einen Begriff, der nie gefaßt worden wäre, wenn Sie ihnen nicht gegenübergetreten wären. Es ist ganz gleich, was Sie sich da über diese beiden Menschen denken, aber der Begriff wäre nicht gefaßt worden, wenn sie Ihnen nicht gegenübergetreten wären. Nehmen wir an, die beiden hätten in Amerika gelebt, dann wären Sie als Europäer ihnen niemals begegnet. Dadurch aber, daß Sie ihnen begegnet sind, ist der Begriff «groß» und «klein» in Ihnen aufgetaucht. Es liegt also nicht an Ihnen, daß sich der Begriff des großen und des kleinen Menschen gebildet hat; Sie werden in sich selbst nichts finden, das zu Ihrem Begriff von «groß» und «klein» hätte führen müssen. Auf der anderen Seite werden Sie die Urgründe, die zu dem Begriff hätten führen müssen, auch in den beiden Menschen nicht finden. Sie mußten erst den beiden Menschen gegenübertreten. So also liegt es nicht an Ihnen, was sich da als Begriff gebildet hat, und es liegt auch nicht an dem großen oder kleinen Menschen; es ist etwas, was rein durch die Beziehung der Dinge zueinander, durch ihre Konstellation herbeigeführt worden ist. Jetzt aber wird dieser Begriff, der aus dem Nichts entstanden ist, ein Faktor, der in Ihnen fortwirkt. Sie können es sich nicht anders denken, als daß dieser Begriff aus dem Nichts durch die Beziehung der Dinge zueinander, durch die Konstellation hervorgehen kann. Aus der Beziehung, aus der Konstellation bildet so eine fortwährende Kraft etwas heraus, was dann fortwirkt. Das heißt, es entsteht ein Etwas aus dem Nichts. Das Nichts ist so durchaus ein reeller Faktor im Weltengeschehen, und Sie können dieses Weltengeschehen nie begreifen, wenn Sie das Nichts in dieser realen Bedeutung nicht erfaßt haben. Sie würden auch den Begriff des «Nirwana» besser verstehen, wenn Sie einen klaren Begriff vom Nichts hätten, wenn Sie einmal über den Begriff des Nichts meditiert hätten, was etwas durchaus Wirksames ist.
[ 25 ] Denken Sie sich selbst einer äußeren Wirklichkeit gegenübergestellt, zum Beispiel zwei Menschen, und betrachten Sie diese nach einem Gesichtspunkt, der nur von Ihnen selbst abhängt. Und betrachten Sie zum Beispiel zwei Menschen, einen großen und einen kleinen, und denken Sie sich etwas über sie aus, bilden Sie sich einen Begriff, der nie gefaßt worden wäre, wenn Sie ihnen nicht gegenübergetreten wären. Es ist ganz gleich, was Sie sich da über diese beiden Menschen denken, aber der Begriff wäre nicht gefaßt worden, wenn sie Ihnen nicht gegenübergetreten wären. Nehmen wir an, die beiden hätten in Amerika gelebt, dann wären Sie als Europäer ihnen niemals begegnet. Dadurch aber, daß Sie ihnen begegnet sind, ist der Begriff «groß» und «klein» in Ihnen aufgetaucht. Es liegt also nicht an Ihnen, daß sich der Begriff des großen und des kleinen Menschen gebildet hat; Sie werden in sich selbst nichts finden, das zu Ihrem Begriff von «groß» und «klein» hätte führen müssen. Auf der anderen Seite werden Sie die Urgründe, die zu dem Begriff hätten führen müssen, auch in den beiden Menschen nicht finden. Sie mußten erst den beiden Menschen gegenübertreten. So also liegt es nicht an Ihnen, was sich da als Begriff gebildet hat, und es liegt auch nicht an dem großen oder kleinen Menschen; es ist etwas, was rein durch die Beziehung der Dinge zueinander, durch ihre Konstellation herbeigeführt worden ist. Jetzt aber wird dieser Begriff, der aus dem Nichts entstanden ist, ein Faktor, der in Ihnen fortwirkt. Sie können es sich nicht anders denken, als daß dieser Begriff aus dem Nichts durch die Beziehung der Dinge zueinander, durch die Konstellation hervorgehen kann. Aus der Beziehung, aus der Konstellation bildet so eine fortwährende Kraft etwas heraus, was dann fortwirkt. Das heißt, es entsteht ein Etwas aus dem Nichts. Das Nichts ist so durchaus ein reeller Faktor im Weltengeschehen, und Sie können dieses Weltengeschehen nie begreifen, wenn Sie das Nichts in dieser realen Bedeutung nicht erfaßt haben. Sie würden auch den Begriff des «Nirwana» besser verstehen, wenn Sie einen klaren Begriff vom Nichts hätten, wenn Sie einmal über den Begriff des Nichts meditiert hätten, was etwas durchaus Wirksames ist.
[ 26 ] Wir haben also aus dem Begriff des Seins den Begriff des Nichts herausgesponnen. Den nächsten Begriff findet man nun dadurch, daß man diese beiden Begriffe miteinander verbindet. Wenn man «Sein» und «Nichtsein» miteinander verbindet, entsteht das «Werden». Das «Werden» ist ein reicherer Begriff, der die beiden anderen schon in sich enthält. «Werden» ist ein fortwährender Übergang von Nichtsein zu Sein, das Vorhergehende vergeht, das Folgende entsteht. So haben Sie in dem Begriff «Werden» das Spiel der beiden Begriffe «Sein» und «Nichts». Von dem Begriff des Werdens ausgehend kommen Sie dann zu dem Begriff «Dasein». Es ist das, was als das Nächste an das Werden sich anschließt: das Starrwerden des Werdens ist das «Dasein», ein abgeschlossenes Werden. Dem «Dasein» muß ein Werden vorangehen. Was haben wir nun davon, wenn wir solche vier Begriffe innerlich uns ausgestaltet und sie so gewonnen haben? Wir haben sehr viel davon. Wir denken nun bei dem Begriff des Werdens nichts anderes, als was wir hier als Inhalt das Begriffs kennengelernt haben. Wir müssen alles ausschließen, was nicht zu dem Begriff gehört. Wer richtig dialektisch geschult ist, der hat, wenn von «Werden» gesprochen wird, in diesem Begriff nichts anderes als das Ineinanderspielen von «Sein» und «Nichts». Wenn der dialektisch geschulte Denker vom «Werden» spricht, so ist das ein ebenso bestimmter Begriff, wie wenn er von dem Begriff «Dreieck» spricht. So ist die Dialektik gerade die wunderbarste Zucht des Denkens.
[ 26 ] Wir haben also aus dem Begriff des Seins den Begriff des Nichts herausgesponnen. Den nächsten Begriff findet man nun dadurch, daß man diese beiden Begriffe miteinander verbindet. Wenn man «Sein» und «Nichtsein» miteinander verbindet, entsteht das «Werden». Das «Werden» ist ein reicherer Begriff, der die beiden anderen schon in sich enthält. «Werden» ist ein fortwährender Übergang von Nichtsein zu Sein, das Vorhergehende vergeht, das Folgende entsteht. So haben Sie in dem Begriff «Werden» das Spiel der beiden Begriffe «Sein» und «Nichts». Von dem Begriff des Werdens ausgehend kommen Sie dann zu dem Begriff «Dasein». Es ist das, was als das Nächste an das Werden sich anschließt: das Starrwerden des Werdens ist das «Dasein», ein abgeschlossenes Werden. Dem «Dasein» muß ein Werden vorangehen. Was haben wir nun davon, wenn wir solche vier Begriffe innerlich uns ausgestaltet und sie so gewonnen haben? Wir haben sehr viel davon. Wir denken nun bei dem Begriff des Werdens nichts anderes, als was wir hier als Inhalt das Begriffs kennengelernt haben. Wir müssen alles ausschließen, was nicht zu dem Begriff gehört. Wer richtig dialektisch geschult ist, der hat, wenn von «Werden» gesprochen wird, in diesem Begriff nichts anderes als das Ineinanderspielen von «Sein» und «Nichts». Wenn der dialektisch geschulte Denker vom «Werden» spricht, so ist das ein ebenso bestimmter Begriff, wie wenn er von dem Begriff «Dreieck» spricht. So ist die Dialektik gerade die wunderbarste Zucht des Denkens.
[ 27 ] Sein -> Nichts -> Werden -> Dasein
[ 27 ] Sein -> Nichts -> Werden -> Dasein
[ 28 ] Wir haben hier schon vier aufeinanderfolgende Kategorien ausgebildet, die Kategorien «Sein», «Nichts», «Werden» und «Dasein». Nun könnten wir weitergehen und könnten aus dem Begriff «Dasein» alle möglichen Begriffe heraussprießen lassen, und wir würden ein reichgegliedertes Begriffssystem aus dem Begriff «Dasein» nach der einen Linie erhalten. Wir können aber auch in anderer Weise vorgehen. Das «Sein» läßt Begriffe nach zwei Seiten aus sich herauswachsen. Es ist etwas sehr Fruchtbares. Es ist etwas da, was vor dem Hineinschießen des Seins in die Realität schon da ist. Es ist der reine Gedanke des Seins schon gegeben, bevor das Sein aus dem Gedanken hinausgeschossen ist in die Realität. In dem Augenblick, wo das Sein in sich selbst wird, in sich selbst Inhalt wird, in dem Augenblick müssen wir das, was wir dann erfassen, als das «Wesen» bezeichnen, so daß wir auf diese Weise aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen» gebildet haben. Wir haben also auf der einen Seite aus dem Begriff «Sein» die Begriffe «Nichts», «Werden», «Dasein» gebildet, und auf der anderen Seite aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen».
[ 28 ] Wir haben hier schon vier aufeinanderfolgende Kategorien ausgebildet, die Kategorien «Sein», «Nichts», «Werden» und «Dasein». Nun könnten wir weitergehen und könnten aus dem Begriff «Dasein» alle möglichen Begriffe heraussprießen lassen, und wir würden ein reichgegliedertes Begriffssystem aus dem Begriff «Dasein» nach der einen Linie erhalten. Wir können aber auch in anderer Weise vorgehen. Das «Sein» läßt Begriffe nach zwei Seiten aus sich herauswachsen. Es ist etwas sehr Fruchtbares. Es ist etwas da, was vor dem Hineinschießen des Seins in die Realität schon da ist. Es ist der reine Gedanke des Seins schon gegeben, bevor das Sein aus dem Gedanken hinausgeschossen ist in die Realität. In dem Augenblick, wo das Sein in sich selbst wird, in sich selbst Inhalt wird, in dem Augenblick müssen wir das, was wir dann erfassen, als das «Wesen» bezeichnen, so daß wir auf diese Weise aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen» gebildet haben. Wir haben also auf der einen Seite aus dem Begriff «Sein» die Begriffe «Nichts», «Werden», «Dasein» gebildet, und auf der anderen Seite aus dem Begriff «Sein» den Begriff «Wesen».
[ 29 ] Sein -> Wesen
[ 29 ] Sein -> Wesen
[ 30 ] Das Wesen ist das in sich aufgehaltene Sein, das sich selber durchdringende Sein. Sie bekommen am leichtesten einen Begriff vom «Wesen» einer Sache, wenn Sie nachdenken, was wesentlich und was unwesentlich an der Sache ist. Das Wesen ist das im Inneren arbeitende Sein, daß überhaupt durch Arbeit sich erhärtende Sein. Das bezeichnen wir als das «Wesen». Wir sprechen vom «Wesen» des Menschen, wenn wir seine höheren Glieder mit den niederen zusammen anführen, und wir betrachten den Begriff des «Wesens» als den sich unmittelbar an das «Sein» angliedernden Begriff.
[ 30 ] Das Wesen ist das in sich aufgehaltene Sein, das sich selber durchdringende Sein. Sie bekommen am leichtesten einen Begriff vom «Wesen» einer Sache, wenn Sie nachdenken, was wesentlich und was unwesentlich an der Sache ist. Das Wesen ist das im Inneren arbeitende Sein, daß überhaupt durch Arbeit sich erhärtende Sein. Das bezeichnen wir als das «Wesen». Wir sprechen vom «Wesen» des Menschen, wenn wir seine höheren Glieder mit den niederen zusammen anführen, und wir betrachten den Begriff des «Wesens» als den sich unmittelbar an das «Sein» angliedernden Begriff.
[ 31 ] Aus dem Begriff «Wesen» gewinnen Sie [organisch als nächsten] den Begriff der «Erscheinung», das Sich-nach-außen-hin-Manifestieren, das Gegenteil des «Wesens», das Gegenteil dessen, was das Wesen in sich hat. «Wesen» und «Erscheinung» sind zwei kontradiktorische Begriffe, die sich ähnlich zueinander verhalten wie die Begriffe «Sein» und «Nichts». Wenn wir nun die beiden Begriffe «Wesen» und «Erscheinung» miteinander verbinden, so bekommen wir die Erscheinung, die das Wesen wiederum selbst in sich enthält. [Lücke in der Nachschrift.] Es ist in gewisser Beziehung ein Widerspruch zwischen innerem Wesen und äußerer Erscheinung. Wenn aber inneres Wesen überfließt in Erscheinung, so daß die Erscheinung selbst das Wesen enthält, so sprechen wir von «Wirklichkeit».
[ 31 ] Aus dem Begriff «Wesen» gewinnen Sie [organisch als nächsten] den Begriff der «Erscheinung», das Sich-nach-außen-hin-Manifestieren, das Gegenteil des «Wesens», das Gegenteil dessen, was das Wesen in sich hat. «Wesen» und «Erscheinung» sind zwei kontradiktorische Begriffe, die sich ähnlich zueinander verhalten wie die Begriffe «Sein» und «Nichts». Wenn wir nun die beiden Begriffe «Wesen» und «Erscheinung» miteinander verbinden, so bekommen wir die Erscheinung, die das Wesen wiederum selbst in sich enthält. [Lücke in der Nachschrift.] Es ist in gewisser Beziehung ein Widerspruch zwischen innerem Wesen und äußerer Erscheinung. Wenn aber inneres Wesen überfließt in Erscheinung, so daß die Erscheinung selbst das Wesen enthält, so sprechen wir von «Wirklichkeit».
[ 32 ] Wesen -> Erscheinung -> Wirklichkeit
[ 32 ] Wesen -> Erscheinung -> Wirklichkeit
[ 33 ] Kein dialektisch geschulter Mensch wird vom Begriff der «Wirklichkeit» anders sprechen, als daß er sagt: In dem Begriff der Wirklichkeit lebt Erscheinung, die durchdrungen ist vom Wesen. - Das Zusammenfließen von «Wesen» und «Erscheinung» ergibt den Begriff «Wirklichkeit». So muß also alles Sprechen über die Wirklichkeit durchdrungen sein von jenen Begriffen.1Lückenhafter Text in den Nachschriften, siehe Hinweis.
[ 33 ] Kein dialektisch geschulter Mensch wird vom Begriff der «Wirklichkeit» anders sprechen, als daß er sagt: In dem Begriff der Wirklichkeit lebt Erscheinung, die durchdrungen ist vom Wesen. - Das Zusammenfließen von «Wesen» und «Erscheinung» ergibt den Begriff «Wirklichkeit». So muß also alles Sprechen über die Wirklichkeit durchdrungen sein von jenen Begriffen.1Lückenhafter Text in den Nachschriften, siehe Hinweis.
[ 34 ] Wir können nun noch weitergehen und zu noch reicheren Begriffen aufsteigen. Da kommen wir dazu, zu sagen: «Wesen» ist das «Sein», das in sich selber ist, das in sich selber zu sich gekommen ist, das sich manifestiert hat. - Wenn nun dieses Sein nicht nur sich selber manifestiert, sondern dieses Sein außerdem noch seine Linien hinzieht zu der Umgebung, sozusagen im Innern nicht nur sich selber ausdrückt, sondern noch etwas anderes auszudrücken versucht, dann bekommen wir auf dialektischem Wege den Begriff des «Begriffs» selber. So daß wir aufsteigen vom «Sein» durch das «Wesen» zum «Begriff».
[ 34 ] Wir können nun noch weitergehen und zu noch reicheren Begriffen aufsteigen. Da kommen wir dazu, zu sagen: «Wesen» ist das «Sein», das in sich selber ist, das in sich selber zu sich gekommen ist, das sich manifestiert hat. - Wenn nun dieses Sein nicht nur sich selber manifestiert, sondern dieses Sein außerdem noch seine Linien hinzieht zu der Umgebung, sozusagen im Innern nicht nur sich selber ausdrückt, sondern noch etwas anderes auszudrücken versucht, dann bekommen wir auf dialektischem Wege den Begriff des «Begriffs» selber. So daß wir aufsteigen vom «Sein» durch das «Wesen» zum «Begriff».
[ 35 ] Sein -> Wesen -> Begriff
[ 35 ] Sein -> Wesen -> Begriff
[ 36 ] Erinnern Sie sich jetzt, was ich gesagt habe von dem Begriff aus dem rein Formal-Logischen heraus. Wenn wir unser eigenes «Wesen» betrachten, so gilt das für uns, es waltet in uns. Wenn wir aber den «Begriff» in uns walten lassen, so haben wir etwas in ihm, was nach außen weist und das andere, die Außenwelt, umspannt. So haben wir also durch innere Konstruktion vom «Sein» durch das «Wesen» zum «Begriff» vorschreiten können.
[ 36 ] Erinnern Sie sich jetzt, was ich gesagt habe von dem Begriff aus dem rein Formal-Logischen heraus. Wenn wir unser eigenes «Wesen» betrachten, so gilt das für uns, es waltet in uns. Wenn wir aber den «Begriff» in uns walten lassen, so haben wir etwas in ihm, was nach außen weist und das andere, die Außenwelt, umspannt. So haben wir also durch innere Konstruktion vom «Sein» durch das «Wesen» zum «Begriff» vorschreiten können.
[ 37 ] Sein -> Nichts -> Werden -> Dasein
[ 37 ] Sein -> Nichts -> Werden -> Dasein
[ 38 ] und aus
[ 38 ] und aus
[ 39 ] Wesen -> Erscheinung -> Wirklichkeit
[ 39 ] Wesen -> Erscheinung -> Wirklichkeit
[ 40 ] Wenn wir nun ebenso, wie wir aus haben hervorgehen lassen, weiteres aus dem «Begriff» hervorgehen lassen, so bekommen wir folgendes: Wir haben jetzt gesehen, wie formal-logisch in der Schlußfigur der «Begriff» waltet. Da bleibt der Begriff in sich selber. Jetzt aber kann er aus sich herausgehen, und wir sprechen dann von einem Begriff, der uns die Natur der Dinge wiedergibt. Wir kommen zur «Objektivität». Im Gegensatz zu den subjektiven Begriffen, die der Denktechnik unterliegen, haben wir nun objektive Begriffe. Wie «Erscheinung» zu «Wesen», so verhält sich «Objektivität» zu «Begriffs. Nur dann hat man den Begriff «Objektivität» wirklich erfaßt, wenn man ihn in dieser Weise aus dem «Begriff» hervorgehend denkt. Und nun, wenn wir «Begriff» mit «Objektivität» verbinden, kommen wir zu dem, was ein uns innerlicher Begriff ist, was aber zugleich seine eigene Realität in sich enthält, was zugleich subjektiver Begriff ist und als solcher objektiv ist. Das ist die «Idee». So wie sich die «Wirklichkeit» zur «Erscheinung» verhält, so verhält sich die «Idee» zur «Objektivität».
[ 40 ] Wenn wir nun ebenso, wie wir aus haben hervorgehen lassen, weiteres aus dem «Begriff» hervorgehen lassen, so bekommen wir folgendes: Wir haben jetzt gesehen, wie formal-logisch in der Schlußfigur der «Begriff» waltet. Da bleibt der Begriff in sich selber. Jetzt aber kann er aus sich herausgehen, und wir sprechen dann von einem Begriff, der uns die Natur der Dinge wiedergibt. Wir kommen zur «Objektivität». Im Gegensatz zu den subjektiven Begriffen, die der Denktechnik unterliegen, haben wir nun objektive Begriffe. Wie «Erscheinung» zu «Wesen», so verhält sich «Objektivität» zu «Begriffs. Nur dann hat man den Begriff «Objektivität» wirklich erfaßt, wenn man ihn in dieser Weise aus dem «Begriff» hervorgehend denkt. Und nun, wenn wir «Begriff» mit «Objektivität» verbinden, kommen wir zu dem, was ein uns innerlicher Begriff ist, was aber zugleich seine eigene Realität in sich enthält, was zugleich subjektiver Begriff ist und als solcher objektiv ist. Das ist die «Idee». So wie sich die «Wirklichkeit» zur «Erscheinung» verhält, so verhält sich die «Idee» zur «Objektivität».
[ 41 ] Begriff -> Objektivität -> Idee
[ 41 ] Begriff -> Objektivität -> Idee
[ 42 ] Da haben Sie ein kleines Beispiel, wie wir in der Dialektik Begriffe aus dem Urstammbegriff «Sein» herauswachsen lassen können. Wir hätten so noch viele andere Begriffe aus dem «Sein» herausbilden können.
[ 42 ] Da haben Sie ein kleines Beispiel, wie wir in der Dialektik Begriffe aus dem Urstammbegriff «Sein» herauswachsen lassen können. Wir hätten so noch viele andere Begriffe aus dem «Sein» herausbilden können.
[ 43 ] So sehen wir, wie sich durch die Bewegung der Begriffe diese durchsichtige, diamantklare, kristallene, geistige Begriffswelt ergibt, und daß der Mensch mit dieser an genauen Begriffen geschulten Erkenntnisfähigkeit ausgerüstet erst wieder an die sinnliche Welt herantreten soll. Dann zeigt es sich, wie die in der Dialektik gewonnenen Begriffe sich decken auf der einen Seite mit der sinnlichen und auf der anderen Seite mit der übersinnlichen Wirklichkeit, und wie der Mensch kommt zu der Konkordanz zwischen Begriff und Wirklichkeit, in welcher das wahre Erkennen erst besteht.
[ 43 ] So sehen wir, wie sich durch die Bewegung der Begriffe diese durchsichtige, diamantklare, kristallene, geistige Begriffswelt ergibt, und daß der Mensch mit dieser an genauen Begriffen geschulten Erkenntnisfähigkeit ausgerüstet erst wieder an die sinnliche Welt herantreten soll. Dann zeigt es sich, wie die in der Dialektik gewonnenen Begriffe sich decken auf der einen Seite mit der sinnlichen und auf der anderen Seite mit der übersinnlichen Wirklichkeit, und wie der Mensch kommt zu der Konkordanz zwischen Begriff und Wirklichkeit, in welcher das wahre Erkennen erst besteht.
[ 44 ] Manche Menschen sagen: Da kommen wir in eine Welt, die kalt und frostig ist. Ich möchte deshalb zum Schluß ein kleines Erlebnis erzählen. Ich hatte vor vielen Jahren auch graphische Statik zu studieren, eine sehr abstrakte Wissenschaft ... Es werden da nur in Linien die möglichen Bewegungen und Gleichgewichte verfolgt. Aber ich kannte einen Menschen, der sie mit einer unendlichen Begeisterung vortrug, wenn er an der Tafel eine Linie zog, während die anderen Studenten schliefen und meistens auch der Lehrer schlief. Ich habe schon Leute lyrische Gedichte vortragen hören, die nicht diese Begeisterung hatten. Das sind eben Menschen, die nicht so fühlen können wie Novalis, der die Mathematik ein großes Gedicht nennt. Die Mathematik ist eine Möglichkeit, uns eine Ahnung davon zu geben, wie man die Begriffswelt in schöner Klarheit und hellem Licht fühlen kann.
[ 44 ] Manche Menschen sagen: Da kommen wir in eine Welt, die kalt und frostig ist. Ich möchte deshalb zum Schluß ein kleines Erlebnis erzählen. Ich hatte vor vielen Jahren auch graphische Statik zu studieren, eine sehr abstrakte Wissenschaft ... Es werden da nur in Linien die möglichen Bewegungen und Gleichgewichte verfolgt. Aber ich kannte einen Menschen, der sie mit einer unendlichen Begeisterung vortrug, wenn er an der Tafel eine Linie zog, während die anderen Studenten schliefen und meistens auch der Lehrer schlief. Ich habe schon Leute lyrische Gedichte vortragen hören, die nicht diese Begeisterung hatten. Das sind eben Menschen, die nicht so fühlen können wie Novalis, der die Mathematik ein großes Gedicht nennt. Die Mathematik ist eine Möglichkeit, uns eine Ahnung davon zu geben, wie man die Begriffswelt in schöner Klarheit und hellem Licht fühlen kann.
