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Introduction to the Basics of Theosophy
GA 111

31 March 1909, Rome

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32. Einführung in die Theosophie VII

32. Einführung in die Theosophie VII

[ 1 ] Langsam und allmählich wird sich dasjenige entwickeln, was im Keime auf Golgatha sich vollzog. Mit diesem Mysterium wurde die Brücke geschlagen von der Vergangenheit zur Zukunft hin: Das Seelenleben der Menschheit wurde ganz umgewandelt. Dieses kommt besonders deutlich zum Ausdruck in zwei großen Geistern, die den Weg für das Christentum vorbereiteten: Augustinus und Thomas von Aquino. Um sie richtig zu verstehen, ist es notwendig, einen Blick auf das alte Mysterienwesen zu werfen, wo das Höchste, das an Wissen erreicht werden konnte, gelehrt wurde. Ohne diesen Blick ist es unmöglich, gründlich solche eigenartigen Persönlichkeiten zu verstehen. Wie wir wissen, gab es bei allen Völkern sogenannte Mysterien. Hier werden wir nur ihre Grundzüge besprechen. Die Mysterien waren Einrichtungen, die sowohl Kirche wie Schule in sich einschlossen. Was dort zuerst erteilt wurde, war die Lehre von dem Ursprung der Schöpfung und seiner Fortsetzung, aber keine öde Lehre wie die moderne Schöpfungslehre, sondern eine Erkenntnis, die bis an das hellsichtige Erschauen geführt wurde. In den wahren Mysterien gab es keine Trennung zwischen Glauben und Erkenntnis. Sie teilten sich in höhere und niedere Mysterien. In den Letzteren wurde in großartigen Bildern die Evolution der Erde beschrieben, sodass alles von Kunst und Schönheit getränkt und durchdrungen war. Kunst, Religion und Erkenntnis wurden alle aus derselben Quelle geschöpft.

[ 1 ] Langsam und allmählich wird sich dasjenige entwickeln, was im Keime auf Golgatha sich vollzog. Mit diesem Mysterium wurde die Brücke geschlagen von der Vergangenheit zur Zukunft hin: Das Seelenleben der Menschheit wurde ganz umgewandelt. Dieses kommt besonders deutlich zum Ausdruck in zwei großen Geistern, die den Weg für das Christentum vorbereiteten: Augustinus und Thomas von Aquino. Um sie richtig zu verstehen, ist es notwendig, einen Blick auf das alte Mysterienwesen zu werfen, wo das Höchste, das an Wissen erreicht werden konnte, gelehrt wurde. Ohne diesen Blick ist es unmöglich, gründlich solche eigenartigen Persönlichkeiten zu verstehen. Wie wir wissen, gab es bei allen Völkern sogenannte Mysterien. Hier werden wir nur ihre Grundzüge besprechen. Die Mysterien waren Einrichtungen, die sowohl Kirche wie Schule in sich einschlossen. Was dort zuerst erteilt wurde, war die Lehre von dem Ursprung der Schöpfung und seiner Fortsetzung, aber keine öde Lehre wie die moderne Schöpfungslehre, sondern eine Erkenntnis, die bis an das hellsichtige Erschauen geführt wurde. In den wahren Mysterien gab es keine Trennung zwischen Glauben und Erkenntnis. Sie teilten sich in höhere und niedere Mysterien. In den Letzteren wurde in großartigen Bildern die Evolution der Erde beschrieben, sodass alles von Kunst und Schönheit getränkt und durchdrungen war. Kunst, Religion und Erkenntnis wurden alle aus derselben Quelle geschöpft.

[ 2 ] Derjenige, der noch höher kommen wollte, bekam elementare und allgemeine Übungen. Was wir heute theosophisches Wissen nennen, war damals nur die Vorbereitung. Daran wurden Übungen geknüpft wie diejenigen, die wir in den vorigen Vorträgen beschrieben haben, obwohl in anderer Art, nicht christlich oder rosenkreuzerisch. Lange Jahre hindurch wurde auf diese Weise der Astralleib organisiert. Dann geschah Folgendes, was aber heute wegen der geänderten Verhältnisse nicht mehr notwendig ist: Als der Hierophant sah, dass der Astralleib genügend reif geworden war, wurde der Einzuweihende dreieinhalb Tage lang in einen todähnlichen Zustand gebracht wie der Leib des Lazarus. Bei dieser Gelegenheit wurde auch sein Ätherleib fast ganz aus dem physischen Leib zusammen mit den anderen höheren Leibern entfernt. In diesen dreieinhalb Tagen hatte der Diszipel die Vision der geistigen Welt. Er wurde erleuchtet, konnte bis in die höchsten Regionen gelangen und alles schauen, was sich auf Vergangenheit und Zukunft bezieht. Waren die dreieinhalb Tage vorüber, dann wurde der Diszipel aufgeweckt, und dann konnte er erzählen, was in den Höhen geschieht. Er hatte schauen können, wie der führende Geist unserer Evolution, der Christus, einmal ebenfalls demselben Prozess unterliegen und dreieinhalb Tage lang im Grabe liegen würde. Durch diese Tatsache wurden die Mysterien eine geschichtliche Wirklichkeit. Das Mysterium von Golgatha war der Höhepunkt desjenigen, was in den niederen Mysterien stattfand. In ihm wurde zu wirklicher Tatsache dasjenige, was vorher nur eine Ahnung war. Mit den Übungen der Imagination und so weiter hatte das Ich des Schülers seinen Astralleib umgewandelt; durch das Mysterium von Golgatha aber wurde auch sein Ätherleib umgewandelt. So viel, als von dem Astralleib umgewandelt war, wurde zum Manas, Geistselbst - der eigentliche Geist -, das höhere Ich. So viel, als vom Ätherleib umgewandelt wird, bildet das Budhi, Lebensgeist. Danach versucht der Schüler, auch seinen physischen Leib umzuwandeln, wodurch Atma entsteht - Atma = Atmung -, weil in Wirklichkeit die Umwandlung des physischen Leibes durch besondere Atmungsübungen geschieht. Nur durch die Entstehung von Budhi kann der Mensch den Christus als geistige Wesenheit erkennen und schauen.

[ 2 ] Derjenige, der noch höher kommen wollte, bekam elementare und allgemeine Übungen. Was wir heute theosophisches Wissen nennen, war damals nur die Vorbereitung. Daran wurden Übungen geknüpft wie diejenigen, die wir in den vorigen Vorträgen beschrieben haben, obwohl in anderer Art, nicht christlich oder rosenkreuzerisch. Lange Jahre hindurch wurde auf diese Weise der Astralleib organisiert. Dann geschah Folgendes, was aber heute wegen der geänderten Verhältnisse nicht mehr notwendig ist: Als der Hierophant sah, dass der Astralleib genügend reif geworden war, wurde der Einzuweihende dreieinhalb Tage lang in einen todähnlichen Zustand gebracht wie der Leib des Lazarus. Bei dieser Gelegenheit wurde auch sein Ätherleib fast ganz aus dem physischen Leib zusammen mit den anderen höheren Leibern entfernt. In diesen dreieinhalb Tagen hatte der Diszipel die Vision der geistigen Welt. Er wurde erleuchtet, konnte bis in die höchsten Regionen gelangen und alles schauen, was sich auf Vergangenheit und Zukunft bezieht. Waren die dreieinhalb Tage vorüber, dann wurde der Diszipel aufgeweckt, und dann konnte er erzählen, was in den Höhen geschieht. Er hatte schauen können, wie der führende Geist unserer Evolution, der Christus, einmal ebenfalls demselben Prozess unterliegen und dreieinhalb Tage lang im Grabe liegen würde. Durch diese Tatsache wurden die Mysterien eine geschichtliche Wirklichkeit. Das Mysterium von Golgatha war der Höhepunkt desjenigen, was in den niederen Mysterien stattfand. In ihm wurde zu wirklicher Tatsache dasjenige, was vorher nur eine Ahnung war. Mit den Übungen der Imagination und so weiter hatte das Ich des Schülers seinen Astralleib umgewandelt; durch das Mysterium von Golgatha aber wurde auch sein Ätherleib umgewandelt. So viel, als von dem Astralleib umgewandelt war, wurde zum Manas, Geistselbst - der eigentliche Geist -, das höhere Ich. So viel, als vom Ätherleib umgewandelt wird, bildet das Budhi, Lebensgeist. Danach versucht der Schüler, auch seinen physischen Leib umzuwandeln, wodurch Atma entsteht - Atma = Atmung -, weil in Wirklichkeit die Umwandlung des physischen Leibes durch besondere Atmungsübungen geschieht. Nur durch die Entstehung von Budhi kann der Mensch den Christus als geistige Wesenheit erkennen und schauen.

[ 3 ] Warum musste der Astralleib erst entfernt werden? Weil er, wenn er mit dem physischen Leibe verbunden geblieben wäre, nicht die Kraft gehabt hätte, Eindrücke in den Ätherleib einzuprägen. Der Christus aber hat uns von dieser Probe der dreieinhalb Tage befreit, und durch ihn sind auch die oben genannten Übungen möglich geworden ohne die Hineinmischung des Hierophanten. Das erste Beispiel davon haben wir in Saulus, als er Paulus wurde. In dem, was mit ihm auf dem Wege nach Damaskus geschah, müssen wir etwas Ähnliches wie die Einweihung sehen. Die wenigen Augenblicke genügten bei ihm, weil er im vorhergehenden Leben die Reife erlangt hatte. Die Verbindungspunkte mit dem, was man in vorhergehenden Inkarnationen gelernt hat, können getrennt sein durch Zwischenzeiten von einigen Inkarnationen, können aber auch erst spät in einem Leben erscheinen.

[ 3 ] Warum musste der Astralleib erst entfernt werden? Weil er, wenn er mit dem physischen Leibe verbunden geblieben wäre, nicht die Kraft gehabt hätte, Eindrücke in den Ätherleib einzuprägen. Der Christus aber hat uns von dieser Probe der dreieinhalb Tage befreit, und durch ihn sind auch die oben genannten Übungen möglich geworden ohne die Hineinmischung des Hierophanten. Das erste Beispiel davon haben wir in Saulus, als er Paulus wurde. In dem, was mit ihm auf dem Wege nach Damaskus geschah, müssen wir etwas Ähnliches wie die Einweihung sehen. Die wenigen Augenblicke genügten bei ihm, weil er im vorhergehenden Leben die Reife erlangt hatte. Die Verbindungspunkte mit dem, was man in vorhergehenden Inkarnationen gelernt hat, können getrennt sein durch Zwischenzeiten von einigen Inkarnationen, können aber auch erst spät in einem Leben erscheinen.

[ 4 ] Dies macht es begreiflich, warum die Bekehrung von Saulus, das heißt das Sich-Verbinden mit seiner vorhergehenden Entwicklung, in einem verhältnismäßig reifen Alter stattfand. Dazu kommt, dass Paulus sich nicht bis in die höheren Welten zu erheben brauchte, um den Christus zu schauen, wie das für einen anderen Eingeweihten in der vorchristlichen Zeit notwendig gewesen wäre. Christus war fortan auf der Erde, intim verbunden mit dem Astralleib der Erde. Ein hellsehender Beobachter, der von einem andern Stern aus hätte beobachten können, hätte die große Umwandlung gesehen, die durch das Mysterium von Golgatha hervorgebracht wurde. Früher musste man alles in den Mysterien lernen und begreifen, um Erkenntnis zu erlangen. Jetzt vollziehen sich die Sachen anders, und Beweise davon sind Augustinus und Thomas von Aquino. Vor ihrer Zeit wäre es nutzlos gewesen, über die geistigen Hierarchien zu diskutieren, weil niemand, der nicht eingeweiht war, sie schauen konnte. Diese Unfähigkeit zum Schauen war der Tatsache zuzuschreiben, dass schon sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung die Mysterien aufgehört hatten und die Einweihungen nicht mehr stattfanden. An Stelle der wahren Mysterien kamen die Schulen der Philosophie, und an Stelle der Einweihung wurde die Philosophie gesetzt. Diese war aber nicht immer so ein abstraktes System, wie es die heutige ist, sie war im Gegenteil - besonders im Anfang — eine mehr oder weniger vollkommene Reminiszenz an die Mysterien. Aristoteles ist der Letzte, von dem wir eine solche Philosophie haben; in ihm aber ist der Nachklang von den Mysterien schon auf das geringste Maß zurückgebracht. Nach Aristoteles kam es sogar so weit, dass ganz vergessen wurde, dass jede Philosophie auf die Weisheit der Mysterien zurückzuführen ist. Später haben wir nur noch eine Einfiltrierung von abstrakten Begriffen, so etwas wie ein Strohdach. Der erste Schritt vorwärts wird durch das Mysterium von Golgatha gekennzeichnet. Bis dahin waren die menschlichen Fähigkeiten wenig entwickelt, zum Beispiel die Vernunft. Der Mensch konnte keine Fortschritte machen, weil sein Verstand an die Sinnesorgane gebunden war. Es sollte die Zeit kommen, in der sein Verstand sich unabhängig entwickeln konnte. Denn mit dem bloßen Verstand hätte man nicht begreifen können, was sich auf Golgatha vollzog. Als aber der Christus die sinnliche Welt verließ, entstanden unzählige Wiederholungen von seinem Äther- und Astralleibe, die dazu bestimmt waren, hineinverwoben zu werden in die Leiber derjenigen, die geeignet waren, das Christentum zu verbreiten. Einer von diesen war Augustinus, der, als er beim Hinuntersteigen zum physischen Dasein, um sich wiederum zu verkörpern, sich einen neuen Ätherleib bilden wollte, eben in seinen Ätherleib eine von diesen Wiederholungen des Ätherleibes des Christus hineinverwoben bekam. So kam er dazu, in sich selbst die Quellen von seiner Lehre über die wahre Form der christlichen Mystik zu finden. Aber weil er nur den Ätherleib des Christus in sich hatte, war sein Ich dem Irrtum unterworfen, und er konnte ein Spielball der Leidenschaften werden. So entwickelte Augustinus sein Ich, verfiel aber auch in Irrtümer und machte alle Stadien des Zweifels in Bezug auf die Lehre Christi durch. Es war bei ihm wie ein höherer Materialismus; denn auch damals bestand schon der Fehler, alles vermaterialisieren zu wollen. Nur derjenige, der sich davon befreit, versteht die Dinge des Geistes. Als dann endlich Augustinus das Christentum fand in den Worten des Johannes und des Paulus, da fing in ihm der Ätherleib des Christus zu wirken an. Er spricht nämlich nicht von dem physischen Leib, sondern von dem Ätherleib, der dasselbe ist wie das, was er ‹Soma› nennt. Er spricht von dem Astralleib als der ‹Sin›, und von dem Ich sagt er, dass es sich in ihm erheben kann durch die Reinigung. Die Umwandlung des Astralleibes nennt er ‹das Ergreifen der Wahrheit› und die vom Ätherleib nennt er ‹das Sich-Erfreuen und Genießen der geistigen Dinge›. Und von dem höchsten Grad der Vergeistigung spricht er als von der «Vision». Die Schriften des Augustinus sind uns eine gute Vorbereitung, weil in ihnen die innere Entwicklung des Mystikers dargestellt wird. Der Augenblick, in dem er in die geistige Welt gelangt, ist deutlich zu erkennen. Augustinus ist der beste Dolmetscher der Paulusbriefe.

[ 4 ] Dies macht es begreiflich, warum die Bekehrung von Saulus, das heißt das Sich-Verbinden mit seiner vorhergehenden Entwicklung, in einem verhältnismäßig reifen Alter stattfand. Dazu kommt, dass Paulus sich nicht bis in die höheren Welten zu erheben brauchte, um den Christus zu schauen, wie das für einen anderen Eingeweihten in der vorchristlichen Zeit notwendig gewesen wäre. Christus war fortan auf der Erde, intim verbunden mit dem Astralleib der Erde. Ein hellsehender Beobachter, der von einem andern Stern aus hätte beobachten können, hätte die große Umwandlung gesehen, die durch das Mysterium von Golgatha hervorgebracht wurde. Früher musste man alles in den Mysterien lernen und begreifen, um Erkenntnis zu erlangen. Jetzt vollziehen sich die Sachen anders, und Beweise davon sind Augustinus und Thomas von Aquino. Vor ihrer Zeit wäre es nutzlos gewesen, über die geistigen Hierarchien zu diskutieren, weil niemand, der nicht eingeweiht war, sie schauen konnte. Diese Unfähigkeit zum Schauen war der Tatsache zuzuschreiben, dass schon sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung die Mysterien aufgehört hatten und die Einweihungen nicht mehr stattfanden. An Stelle der wahren Mysterien kamen die Schulen der Philosophie, und an Stelle der Einweihung wurde die Philosophie gesetzt. Diese war aber nicht immer so ein abstraktes System, wie es die heutige ist, sie war im Gegenteil - besonders im Anfang — eine mehr oder weniger vollkommene Reminiszenz an die Mysterien. Aristoteles ist der Letzte, von dem wir eine solche Philosophie haben; in ihm aber ist der Nachklang von den Mysterien schon auf das geringste Maß zurückgebracht. Nach Aristoteles kam es sogar so weit, dass ganz vergessen wurde, dass jede Philosophie auf die Weisheit der Mysterien zurückzuführen ist. Später haben wir nur noch eine Einfiltrierung von abstrakten Begriffen, so etwas wie ein Strohdach. Der erste Schritt vorwärts wird durch das Mysterium von Golgatha gekennzeichnet. Bis dahin waren die menschlichen Fähigkeiten wenig entwickelt, zum Beispiel die Vernunft. Der Mensch konnte keine Fortschritte machen, weil sein Verstand an die Sinnesorgane gebunden war. Es sollte die Zeit kommen, in der sein Verstand sich unabhängig entwickeln konnte. Denn mit dem bloßen Verstand hätte man nicht begreifen können, was sich auf Golgatha vollzog. Als aber der Christus die sinnliche Welt verließ, entstanden unzählige Wiederholungen von seinem Äther- und Astralleibe, die dazu bestimmt waren, hineinverwoben zu werden in die Leiber derjenigen, die geeignet waren, das Christentum zu verbreiten. Einer von diesen war Augustinus, der, als er beim Hinuntersteigen zum physischen Dasein, um sich wiederum zu verkörpern, sich einen neuen Ätherleib bilden wollte, eben in seinen Ätherleib eine von diesen Wiederholungen des Ätherleibes des Christus hineinverwoben bekam. So kam er dazu, in sich selbst die Quellen von seiner Lehre über die wahre Form der christlichen Mystik zu finden. Aber weil er nur den Ätherleib des Christus in sich hatte, war sein Ich dem Irrtum unterworfen, und er konnte ein Spielball der Leidenschaften werden. So entwickelte Augustinus sein Ich, verfiel aber auch in Irrtümer und machte alle Stadien des Zweifels in Bezug auf die Lehre Christi durch. Es war bei ihm wie ein höherer Materialismus; denn auch damals bestand schon der Fehler, alles vermaterialisieren zu wollen. Nur derjenige, der sich davon befreit, versteht die Dinge des Geistes. Als dann endlich Augustinus das Christentum fand in den Worten des Johannes und des Paulus, da fing in ihm der Ätherleib des Christus zu wirken an. Er spricht nämlich nicht von dem physischen Leib, sondern von dem Ätherleib, der dasselbe ist wie das, was er ‹Soma› nennt. Er spricht von dem Astralleib als der ‹Sin›, und von dem Ich sagt er, dass es sich in ihm erheben kann durch die Reinigung. Die Umwandlung des Astralleibes nennt er ‹das Ergreifen der Wahrheit› und die vom Ätherleib nennt er ‹das Sich-Erfreuen und Genießen der geistigen Dinge›. Und von dem höchsten Grad der Vergeistigung spricht er als von der «Vision». Die Schriften des Augustinus sind uns eine gute Vorbereitung, weil in ihnen die innere Entwicklung des Mystikers dargestellt wird. Der Augenblick, in dem er in die geistige Welt gelangt, ist deutlich zu erkennen. Augustinus ist der beste Dolmetscher der Paulusbriefe.

[ 5 ] Nehmen wir jetzt den anderen großen Vertreter des Christentums: Thomas von Aquino. Vergleichen wir ihn mit Augustinus, so sehen wir, dass er nicht wie dieser in Irrtümer befangen war und dass er seit den Kinderjahren weder Zweifel noch Unglauben gekannt hatte, weil Urteil und Überzeugung ihren Sitz haben im Astralleib, und er in seinem eigenen Astralleib einverwoben bekommen hatte den des Christus. Eine Einpflanzung irgendeines Prinzips in einen Menschenleib kann nur stattfinden, wenn eine äußere Tatsache den natürlichen Lauf der Dinge ändert. Als Thomas nämlich noch ein Kind war, schlug der Blitz in seiner Nähe ein und tötete sein Schwesterchen. Dieses physische Ereignis - nur scheinbar physisch — machte ihn geeignet, in seinem Astralleib denjenigen des Christus zu empfangen.

[ 5 ] Nehmen wir jetzt den anderen großen Vertreter des Christentums: Thomas von Aquino. Vergleichen wir ihn mit Augustinus, so sehen wir, dass er nicht wie dieser in Irrtümer befangen war und dass er seit den Kinderjahren weder Zweifel noch Unglauben gekannt hatte, weil Urteil und Überzeugung ihren Sitz haben im Astralleib, und er in seinem eigenen Astralleib einverwoben bekommen hatte den des Christus. Eine Einpflanzung irgendeines Prinzips in einen Menschenleib kann nur stattfinden, wenn eine äußere Tatsache den natürlichen Lauf der Dinge ändert. Als Thomas nämlich noch ein Kind war, schlug der Blitz in seiner Nähe ein und tötete sein Schwesterchen. Dieses physische Ereignis - nur scheinbar physisch — machte ihn geeignet, in seinem Astralleib denjenigen des Christus zu empfangen.

[ 6 ] Der Thomismus fällt zusammen mit der Zeit, in der der menschliche Verstand, wie wir ihn kennen, sich bildete. Der stärkste Impuls zu dieser Bildung kam vom Arabismus, der eine wirkliche intellektuelle Wissenschaft war, während dagegen die alten Weisen wussten, wodurch es kam, dass sie direkt schauen konnten. Für die Verarbeitung der neuen Philosophie war Aristoteles gut zu gebrauchen, da er schon die Verstandesarbeit der Mysterienweisheit vorgezogen hatte. Letztere verschwand dann vollkommen mit dem Arabismus, der nur eine reine Verstandesspekulation war. Sie bringt einen höchstens zum Pantheismus der Begriffe - rationalistisch; sie kommt aber nicht weiter als bis zu diesem Gedanken eines einheitlichen Ganzen. Thomas nahm die intellektuelle Wissenschaft auf, die ihm zugänglich war, ließ aber unverändert das Offenbarungswissen und bediente sich der Dialektik, um es zu begreifen. Im Neuen Testament ist alles enthalten, sodass Thomas demjenigen, was da auseinandergesetzt wird, nur die feingeschliffene Wissenschaft hinzuzufügen brauchte. Die Scholastik, die heutzutage so wenig geschätzt wird, machte diese intellektuelle Wissenschaft möglich, ebenso das Sich-wieder-bis-zum-göttlichen-Gedanken-Erheben durch eine fortschreitende Dialektik. Scholastik kommt vom griechischen ‹scole›, [bedeutet also Anmerkung], was irrtümlich übersetzt wurde in ‹scuola› = Schule. Das scholastische System ist das vollkommenste logische Gewebe. Auf diese Weise finden wir in Thomas aufs Neue gedacht die vorschöpflichen göttlichen Gedanken, frei von Irrtum und Täuschung, wie sie nur gedacht werden konnten in einer Klosterzelle, weit entfernt von dem Lärm der Welt. Der Mensch der Welt beeilt sich zu verstehen, sich schnell eine Auffassung zu eigen zu machen und alles zu vereinfachen. Aber die Gottheit ist nicht so einfach! Mit Thomas von Aquino erhebt sich der menschliche Gedanke. Er ist nicht weniger Mystiker als Scholastiker. Er konnte nämlich solche Beschreibungen geben, weil er die geistigen Hierarchien sah, so wie sie der Seher Dionysius der Areopagite uns gegeben hat, und in seinen langen nächtlichen Meditationen vor dem Altar konnte er die schwersten Probleme lösen. So finden sich in ihm vereinigt der Mystiker und ein Denker so hell wie ein Diamant und nicht von den Sinnen beeinträchtigt.

[ 6 ] Der Thomismus fällt zusammen mit der Zeit, in der der menschliche Verstand, wie wir ihn kennen, sich bildete. Der stärkste Impuls zu dieser Bildung kam vom Arabismus, der eine wirkliche intellektuelle Wissenschaft war, während dagegen die alten Weisen wussten, wodurch es kam, dass sie direkt schauen konnten. Für die Verarbeitung der neuen Philosophie war Aristoteles gut zu gebrauchen, da er schon die Verstandesarbeit der Mysterienweisheit vorgezogen hatte. Letztere verschwand dann vollkommen mit dem Arabismus, der nur eine reine Verstandesspekulation war. Sie bringt einen höchstens zum Pantheismus der Begriffe - rationalistisch; sie kommt aber nicht weiter als bis zu diesem Gedanken eines einheitlichen Ganzen. Thomas nahm die intellektuelle Wissenschaft auf, die ihm zugänglich war, ließ aber unverändert das Offenbarungswissen und bediente sich der Dialektik, um es zu begreifen. Im Neuen Testament ist alles enthalten, sodass Thomas demjenigen, was da auseinandergesetzt wird, nur die feingeschliffene Wissenschaft hinzuzufügen brauchte. Die Scholastik, die heutzutage so wenig geschätzt wird, machte diese intellektuelle Wissenschaft möglich, ebenso das Sich-wieder-bis-zum-göttlichen-Gedanken-Erheben durch eine fortschreitende Dialektik. Scholastik kommt vom griechischen ‹scole›, [bedeutet also Anmerkung], was irrtümlich übersetzt wurde in ‹scuola› = Schule. Das scholastische System ist das vollkommenste logische Gewebe. Auf diese Weise finden wir in Thomas aufs Neue gedacht die vorschöpflichen göttlichen Gedanken, frei von Irrtum und Täuschung, wie sie nur gedacht werden konnten in einer Klosterzelle, weit entfernt von dem Lärm der Welt. Der Mensch der Welt beeilt sich zu verstehen, sich schnell eine Auffassung zu eigen zu machen und alles zu vereinfachen. Aber die Gottheit ist nicht so einfach! Mit Thomas von Aquino erhebt sich der menschliche Gedanke. Er ist nicht weniger Mystiker als Scholastiker. Er konnte nämlich solche Beschreibungen geben, weil er die geistigen Hierarchien sah, so wie sie der Seher Dionysius der Areopagite uns gegeben hat, und in seinen langen nächtlichen Meditationen vor dem Altar konnte er die schwersten Probleme lösen. So finden sich in ihm vereinigt der Mystiker und ein Denker so hell wie ein Diamant und nicht von den Sinnen beeinträchtigt.

[ 7 ] Nach ihm gab es keine Vermehrung der Begriffe mehr. Sogar der Begriff der Evolution findet sich schon bei Aristoteles und vielleicht sogar besser beschrieben. Wir haben schon gesagt, wie sich im Neuen Testament alles findet. Es enthält nämlich den Keim des Mystizismus, und wir haben gesehen, wie dieser Keim gereift ist und wie unendlich viele Schätze aus den Evangelien herausgegraben worden sind. Heutzutage haben wir die Theosophie, später werden andere geistige Wellen kommen und neue Schätze in den Evangelien wiedergefunden werden. In der Offenbarung des Johannes schließt sich die Zukunft der Erde ab.

[ 7 ] Nach ihm gab es keine Vermehrung der Begriffe mehr. Sogar der Begriff der Evolution findet sich schon bei Aristoteles und vielleicht sogar besser beschrieben. Wir haben schon gesagt, wie sich im Neuen Testament alles findet. Es enthält nämlich den Keim des Mystizismus, und wir haben gesehen, wie dieser Keim gereift ist und wie unendlich viele Schätze aus den Evangelien herausgegraben worden sind. Heutzutage haben wir die Theosophie, später werden andere geistige Wellen kommen und neue Schätze in den Evangelien wiedergefunden werden. In der Offenbarung des Johannes schließt sich die Zukunft der Erde ab.

[ 8 ] Heute habe ich Ihnen zeigen wollen, wie die Freiwerdung des Intellekts die erste Stufe war des Christentums. Dies ist nur wie ein Blatt, aber an der mächtigen Pflanze des Christentums werden noch neue Blätter entstehen, eines nach dem anderen. Die Blüte wird die Gesamtschönheit der Erde sein, durch das Christentum erneuert; die Frucht wird sein die neue Welt, für die die heutige Erde die Vorbereitung ist. Christus lässt sich finden von demjenigen, der ihn sucht, wie er lehrte, wie er noch lehrt und immer lehren wird bis ans Ende.

[ 8 ] Heute habe ich Ihnen zeigen wollen, wie die Freiwerdung des Intellekts die erste Stufe war des Christentums. Dies ist nur wie ein Blatt, aber an der mächtigen Pflanze des Christentums werden noch neue Blätter entstehen, eines nach dem anderen. Die Blüte wird die Gesamtschönheit der Erde sein, durch das Christentum erneuert; die Frucht wird sein die neue Welt, für die die heutige Erde die Vorbereitung ist. Christus lässt sich finden von demjenigen, der ihn sucht, wie er lehrte, wie er noch lehrt und immer lehren wird bis ans Ende.