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The Rudolf Steiner Archive

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The Christ Impulse
and the Development of Self-Awareness
GA 116

8 May 1910, Berlin

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Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Am achten Mai, dem heutigen Tage, begehen wir als Theosophische Gesellschaft den Weißen Lotus-Tag, den man in der äußeren Welt, so wie sie ihre Bezeichnungen heute hat, als den Todestag bezeichnet der Anregerin jener geistigen Strömung, innerhalb welcher wir stehen. Uns liegt es näher, eine andere Bezeichnung für diese unsere Festlichkeit des heutigen Tages zu wählen, jene Bezeichnung, die aus unseren Erkenntnissen der geistigen Welt hergenommen ist und die etwa heißen müßte, der Übergang von einer Wirksamkeit innerhalb des physischen Planes zu einer anderen Wirksamkeit innerhalb der geistigen Welten. Denn uns ist es ja wohl eine nicht nur innigste Überzeugung im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern eine immer mehr aufgehende Erkenntnis, daß wir es zu tun haben bei dem, was in der Außenwelt der Tod genannt wird, mit dem Übergang von einer Arbeit, einer Wirksamkeit, welche angeregt ist durch die Eindrücke der äußeren physischen Welt, zu einer solchen Wirksamkeit, welche angeregt ist unmittelbar aus der geistigen Welt. Und indem wir uns heute erinnern an die große Anregerin A. P. Blavatsky und an diejenigen, welche als führende Persönlichkeiten heute auch schon hinübergegangen sind in dieses geistige Reich, wollen wir insbesondere versuchen, uns eine Vorstellung davon zu bilden, wie wir selbst unsere geistige Bewegung halten, damit sie vorstellen kann eine Fortsetzung jener Wirksamkeit, welche die Gründerin vollbracht hat auf dem physischen Plan bis zu ihrem Abgang von demselben, eine Fortsetzung dieser Wirksamkeit auf der einen Seite, aber auch eine Möglichkeit dafür, daß diese Begründerin aus den geistigen Welten heraus fortwirken kann in unserer Gegenwart und in die Zukunft hinein.

[ 1 ] Am achten Mai, dem heutigen Tage, begehen wir als Theosophische Gesellschaft den Weißen Lotus-Tag, den man in der äußeren Welt, so wie sie ihre Bezeichnungen heute hat, als den Todestag bezeichnet der Anregerin jener geistigen Strömung, innerhalb welcher wir stehen. Uns liegt es näher, eine andere Bezeichnung für diese unsere Festlichkeit des heutigen Tages zu wählen, jene Bezeichnung, die aus unseren Erkenntnissen der geistigen Welt hergenommen ist und die etwa heißen müßte, der Übergang von einer Wirksamkeit innerhalb des physischen Planes zu einer anderen Wirksamkeit innerhalb der geistigen Welten. Denn uns ist es ja wohl eine nicht nur innigste Überzeugung im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern eine immer mehr aufgehende Erkenntnis, daß wir es zu tun haben bei dem, was in der Außenwelt der Tod genannt wird, mit dem Übergang von einer Arbeit, einer Wirksamkeit, welche angeregt ist durch die Eindrücke der äußeren physischen Welt, zu einer solchen Wirksamkeit, welche angeregt ist unmittelbar aus der geistigen Welt. Und indem wir uns heute erinnern an die große Anregerin A. P. Blavatsky und an diejenigen, welche als führende Persönlichkeiten heute auch schon hinübergegangen sind in dieses geistige Reich, wollen wir insbesondere versuchen, uns eine Vorstellung davon zu bilden, wie wir selbst unsere geistige Bewegung halten, damit sie vorstellen kann eine Fortsetzung jener Wirksamkeit, welche die Gründerin vollbracht hat auf dem physischen Plan bis zu ihrem Abgang von demselben, eine Fortsetzung dieser Wirksamkeit auf der einen Seite, aber auch eine Möglichkeit dafür, daß diese Begründerin aus den geistigen Welten heraus fortwirken kann in unserer Gegenwart und in die Zukunft hinein.

[ 2 ] An einem solchen Tage ziemt es sich wohl, daß wir gewissermaßen unterbrechen die Art und Weise, wie wir uns sonst in diesen Versammlungen den geisteswissenschaftlichen Betrachtungen und dem spirituellen Leben hingeben, und daß wir gleichsam eine Art Gewissenserforschung vornehmen, eine Art Rückschau auf das, was uns aus der theosophischen Bewegung heraus deren Wesen und deren Pflichten vor Augen führen kann, was uns auf der anderen Seite in einer Art von Vorschau vor Augen führen soll, was in der Zukunft diese theosophische Bewegung sein soll, was wir zu tun, was wir zu lassen haben.

[ 2 ] An einem solchen Tage ziemt es sich wohl, daß wir gewissermaßen unterbrechen die Art und Weise, wie wir uns sonst in diesen Versammlungen den geisteswissenschaftlichen Betrachtungen und dem spirituellen Leben hingeben, und daß wir gleichsam eine Art Gewissenserforschung vornehmen, eine Art Rückschau auf das, was uns aus der theosophischen Bewegung heraus deren Wesen und deren Pflichten vor Augen führen kann, was uns auf der anderen Seite in einer Art von Vorschau vor Augen führen soll, was in der Zukunft diese theosophische Bewegung sein soll, was wir zu tun, was wir zu lassen haben.

[ 3 ] Durch ganz besondere Umstände, durch gewisse geschichtliche Notwendigkeiten ist in der neueren Zeit das ins Leben gerufen worden, was wir als theosophische Bewegung behandeln. Sie wissen, daß es sich dabei nicht wie bei manchen anderen geistigen oder sonstigen Bewegungen oder Vereinigungen darum handelt, daß eine oder mehrere Persönlichkeiten diese oder jene Ideale sich vorsetzen, und weil sie für diese Ideale gerade aus den Bedingungen ihres Gemütes, ihres Herzens heraus begeistert sind, nun versuchen, andere Menschen auch dafür zu begeistern, um Vereine, Gesellschaften zu begründen und diese Ideale, für die sie persönlich entflammt sind, in Wirklichkeit umzusetzen. In dieser Weise dürfen wir die theosophische Bewegung, wenn wir sie richtig verstehen, nicht auffassen. Wir werden sie nur dann richtig verstehen, wenn wir sie auffassen als geschichtliche Notwendigkeit unseres gegenwärtigen Lebens, als etwas, was, gleichgültig, wie die Menschen darüber empfinden und fühlen mögen, kommen mußte, weil es sozusagen im Schoße der Zeit lag und geboren werden mußte. Als was kann denn diese theosophische Bewegung aufgefaßt werden? Aufgefaßst kann sie werden als ein Heruntersteigen, ein neues Heruntersteigen von geistigem Leben, von geistiger Weisheit und geistigen Kräften aus den übersinnlichen Welten in die sinnlich-physische Welt. Solches Heruntersteigen von geistigem Leben, geistiger Weisheit und geistigen Kräften mußte ja und wird in der Zukunft immer wieder geschehen müssen zur Fortentwickelung der Menschheit. Es kann natürlich heute nicht die Aufgabe sein, auf alle die einzelnen großen Impulse hinzuweisen, durch welche geistiges Leben heruntergeflossen ist aus den übersinnlichen Welten, damit sozusagen das altgewordene Seelenleben der Menschheit erneuert wurde. Das ist im Laufe der Zeit öfter geschehen. Nur auf einiges soll hingewiesen werden.

[ 3 ] Durch ganz besondere Umstände, durch gewisse geschichtliche Notwendigkeiten ist in der neueren Zeit das ins Leben gerufen worden, was wir als theosophische Bewegung behandeln. Sie wissen, daß es sich dabei nicht wie bei manchen anderen geistigen oder sonstigen Bewegungen oder Vereinigungen darum handelt, daß eine oder mehrere Persönlichkeiten diese oder jene Ideale sich vorsetzen, und weil sie für diese Ideale gerade aus den Bedingungen ihres Gemütes, ihres Herzens heraus begeistert sind, nun versuchen, andere Menschen auch dafür zu begeistern, um Vereine, Gesellschaften zu begründen und diese Ideale, für die sie persönlich entflammt sind, in Wirklichkeit umzusetzen. In dieser Weise dürfen wir die theosophische Bewegung, wenn wir sie richtig verstehen, nicht auffassen. Wir werden sie nur dann richtig verstehen, wenn wir sie auffassen als geschichtliche Notwendigkeit unseres gegenwärtigen Lebens, als etwas, was, gleichgültig, wie die Menschen darüber empfinden und fühlen mögen, kommen mußte, weil es sozusagen im Schoße der Zeit lag und geboren werden mußte. Als was kann denn diese theosophische Bewegung aufgefaßt werden? Aufgefaßst kann sie werden als ein Heruntersteigen, ein neues Heruntersteigen von geistigem Leben, von geistiger Weisheit und geistigen Kräften aus den übersinnlichen Welten in die sinnlich-physische Welt. Solches Heruntersteigen von geistigem Leben, geistiger Weisheit und geistigen Kräften mußte ja und wird in der Zukunft immer wieder geschehen müssen zur Fortentwickelung der Menschheit. Es kann natürlich heute nicht die Aufgabe sein, auf alle die einzelnen großen Impulse hinzuweisen, durch welche geistiges Leben heruntergeflossen ist aus den übersinnlichen Welten, damit sozusagen das altgewordene Seelenleben der Menschheit erneuert wurde. Das ist im Laufe der Zeit öfter geschehen. Nur auf einiges soll hingewiesen werden.

[ 4 ] In urferner Vergangenheit, nicht lange nachdem die große atlantische Katastrophe hereingebrochen war, die sich in den Überlieferungen der verschiedenen Völker als die Sintflutsage erhalten hat, da hat jener Impuls stattgefunden, den wir bezeichnen können als das Einfließen geistigen Lebens in die Menschheitsentwickelung durch die alten heiligen Rishis. Dann haben wir jenen anderen Strom geistigen Lebens, der herunterfließt in die Menschheitsbewegung durch den großen Zarathustra oder Zoroaster. Dann finden wir einen andern solchen Strom geistigen Lebens in dem, was dem alt-israelitischen Volke in der Moses-Offenbarung zugekommen ist. Und endlich haben wir den größten Impuls, das gewaltigste Hineinfließen übersinnlichen Lebens in die sinnliche Welt durch die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde. Der gewaltigste Impuls ist dies gegenüber aller Vergangenheit und, wie wir auch hervorgehoben haben, gegenüber aller Zukunft der Erdenentwickelung. Aber ebenso ist betont worden, daß immer neue Impulse kommen müssen, daß neues geistiges Leben und eine neue Art, das alte geistige Leben aufzufassen, einströmen muß in die Menschheitsentwickelung. Denn sonst würde der Baum der Menschheitsentwickelung, der grünen muß, wenn die Menschheit ihr Ziel der Entwickelung erreichen soll, dürr werden und absterben. Die gewaltige Christus-Lebenswelle, die eingeflossen ist in die menschliche Entwickelung, muß immer besser und besser begriffen werden durch neue geistige Impulse, die in unser Erdenleben einfließen.

[ 4 ] In urferner Vergangenheit, nicht lange nachdem die große atlantische Katastrophe hereingebrochen war, die sich in den Überlieferungen der verschiedenen Völker als die Sintflutsage erhalten hat, da hat jener Impuls stattgefunden, den wir bezeichnen können als das Einfließen geistigen Lebens in die Menschheitsentwickelung durch die alten heiligen Rishis. Dann haben wir jenen anderen Strom geistigen Lebens, der herunterfließt in die Menschheitsbewegung durch den großen Zarathustra oder Zoroaster. Dann finden wir einen andern solchen Strom geistigen Lebens in dem, was dem alt-israelitischen Volke in der Moses-Offenbarung zugekommen ist. Und endlich haben wir den größten Impuls, das gewaltigste Hineinfließen übersinnlichen Lebens in die sinnliche Welt durch die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde. Der gewaltigste Impuls ist dies gegenüber aller Vergangenheit und, wie wir auch hervorgehoben haben, gegenüber aller Zukunft der Erdenentwickelung. Aber ebenso ist betont worden, daß immer neue Impulse kommen müssen, daß neues geistiges Leben und eine neue Art, das alte geistige Leben aufzufassen, einströmen muß in die Menschheitsentwickelung. Denn sonst würde der Baum der Menschheitsentwickelung, der grünen muß, wenn die Menschheit ihr Ziel der Entwickelung erreichen soll, dürr werden und absterben. Die gewaltige Christus-Lebenswelle, die eingeflossen ist in die menschliche Entwickelung, muß immer besser und besser begriffen werden durch neue geistige Impulse, die in unser Erdenleben einfließen.

[ 5 ] Als nun unser Zeitalter heranrückte, unser 19. Jahrhundert, da war für die Menschheitsentwickelung wieder eine Zeit gekommen, welche einen neuen Einschlag, einen neuen Lebensimpuls forderte. Wieder mußten herunterfließen aus den übersinnlichen Welten in unsere sinnliche Welt hinein neue Anregungen, neue Offenbarungen. Das war eine Notwendigkeit, die man hätte empfinden sollen auf der Erde selber, die man aber namentlich empfand in jenen Regionen, von denen die Lenkung allen Erdenlebens ausgeht in den geistigen Regionen. Es wäre nur kurzsichtige menschliche Betrachtung, wenn man sich etwa sagen wollte: Ach, wozu immer neues Einfließen von ganz neuen Wahrheitsarten? Wozu immer neue Erkenntnisse und neue Lebensimpulse? Was im Christentum zum Beispiel gegeben ist, das ist ja gegeben, und das könnte einfach in der gleichen Weise fortleben!

[ 5 ] Als nun unser Zeitalter heranrückte, unser 19. Jahrhundert, da war für die Menschheitsentwickelung wieder eine Zeit gekommen, welche einen neuen Einschlag, einen neuen Lebensimpuls forderte. Wieder mußten herunterfließen aus den übersinnlichen Welten in unsere sinnliche Welt hinein neue Anregungen, neue Offenbarungen. Das war eine Notwendigkeit, die man hätte empfinden sollen auf der Erde selber, die man aber namentlich empfand in jenen Regionen, von denen die Lenkung allen Erdenlebens ausgeht in den geistigen Regionen. Es wäre nur kurzsichtige menschliche Betrachtung, wenn man sich etwa sagen wollte: Ach, wozu immer neues Einfließen von ganz neuen Wahrheitsarten? Wozu immer neue Erkenntnisse und neue Lebensimpulse? Was im Christentum zum Beispiel gegeben ist, das ist ja gegeben, und das könnte einfach in der gleichen Weise fortleben!

[ 6 ] Diese Betrachtungsweise wäre vor einem höheren Gesichtspunkt eine eminent egoistische. Das ist sie wirklich! Und daß sich solche egoistische Betrachtungsweise gerade bei denjenigen Menschen heute so häufig geltend macht, welche glauben, recht fromm und religlös zu sein, das ist um so mehr ein Beweis dafür, daß es eine Auffrischung des geistigen Lebens bedarf. Wie oft hören wir heute die Redensart: Wozu die neuen geistigen Strömungen? Wir haben die alten Überlieferungen, was uns durch die geschichtlichen Zeiten herauf erhalten worden ist, lassen wir uns das nicht verderben durch dasjenige, was die wissen wollen, die nur immer vorgeben, alles besser zu wissen! — Das ist ein egoistischer Ausdruck der menschlichen Seele. Nur wissen die nicht, welche ihn tun, daß er ein so eminent egoistischer ist. Denn die ihn tun, wollen gleichsam nur für die Bedürfnisse der eigenen Seele sorgen. Sie fühlen in sich selber: Wir sind ja zufrieden mit dem, was wir haben! — Und nun stellen sie das Dogma, das furchtbare Gewissensdogma auf: Wenn wir zufrieden sind in unserer Art, dann müssen die, welche von uns lernen sollen, die unsere Nachkommen sind, in gleicher Art zufrieden sein wie wir. Alles muß nach unserem Herzen, nach unserem Wissen gehen! — das ist eine Redensart, die man in der äußeren Welt sehr, sehr oft hört. Und es ist nicht bloß Engigkeit der Seele, es ist etwas, was verknüpft ist mit dem, was eben gekennzeichnet worden ist als ein egoistischer Zug dieser Menschenseele. Und im religiösen Leben können unter der Maske der Frömmigkeit die Seelen vielleicht gerade am alleregoistischsten sein.

[ 6 ] Diese Betrachtungsweise wäre vor einem höheren Gesichtspunkt eine eminent egoistische. Das ist sie wirklich! Und daß sich solche egoistische Betrachtungsweise gerade bei denjenigen Menschen heute so häufig geltend macht, welche glauben, recht fromm und religlös zu sein, das ist um so mehr ein Beweis dafür, daß es eine Auffrischung des geistigen Lebens bedarf. Wie oft hören wir heute die Redensart: Wozu die neuen geistigen Strömungen? Wir haben die alten Überlieferungen, was uns durch die geschichtlichen Zeiten herauf erhalten worden ist, lassen wir uns das nicht verderben durch dasjenige, was die wissen wollen, die nur immer vorgeben, alles besser zu wissen! — Das ist ein egoistischer Ausdruck der menschlichen Seele. Nur wissen die nicht, welche ihn tun, daß er ein so eminent egoistischer ist. Denn die ihn tun, wollen gleichsam nur für die Bedürfnisse der eigenen Seele sorgen. Sie fühlen in sich selber: Wir sind ja zufrieden mit dem, was wir haben! — Und nun stellen sie das Dogma, das furchtbare Gewissensdogma auf: Wenn wir zufrieden sind in unserer Art, dann müssen die, welche von uns lernen sollen, die unsere Nachkommen sind, in gleicher Art zufrieden sein wie wir. Alles muß nach unserem Herzen, nach unserem Wissen gehen! — das ist eine Redensart, die man in der äußeren Welt sehr, sehr oft hört. Und es ist nicht bloß Engigkeit der Seele, es ist etwas, was verknüpft ist mit dem, was eben gekennzeichnet worden ist als ein egoistischer Zug dieser Menschenseele. Und im religiösen Leben können unter der Maske der Frömmigkeit die Seelen vielleicht gerade am alleregoistischsten sein.

[ 7 ] Ein Blick in unsere Umwelt, wenn wir ihn mit Verständnis tun wollen, könnte gerade jene Menschen, denen es ernst ist mit der geistigen Entwickelung der Menschheit, das eine lehren: daß die Menschenseele sich entwickelt, und daß immer mehr und mehr von jener Art und Weise abbröckelt, wie man durch Jahrhunderte hindurch den Blick hingelenkt hat gerade auf den größten Impuls der Menschheitsentwickelung, auf den Christus-Impuls. Ich erwähne sonst nicht gern zeitgenössische Dinge, weil das, was heute im äußeren geistigen Leben geschieht, wirklich zumeist zu unbedeutend ist, als daß? es dem ernsten Betrachter tiefere Seiten ansprechen könnte. Aber dem Zeitbetrachter sollte es dennoch eine Gewissensfrage sein, was vielfach heute im geistigen Leben geschieht. Man konnte in den letzten Wochen zum Beispiel in Berlin fast vor keiner Anschlagsäule vorbeigehen, ohne darauf die Ankündigung eines Vortrages oder einer Versammlung zu finden mit dem Thema: Hat Jesus gelebt? Sie alle wissen vielleicht, daß die Anregung zu dieser Diskussion, die in den weitesten Kreisen gepflogen worden ist, zum Teil mit recht radikalen Waffen, gegeben hat die Anschauung eines deutschen Philosophie-Professors — eines Schülers des Verfassers der «Philosophie des Unbewußten», Eduard von Hartmann -— des Professors Dr. Arthur Drews, und besonders dessen Buch «Die Christus-Mythe». Was in diesem Buche zu finden ist, das ist dann weiter bekanntgeworden durch einen Vortrag des Professors Drews, der hier in Berlin gehalten worden ist unter dem Titel «Hat Jesus gelebt?»

[ 7 ] Ein Blick in unsere Umwelt, wenn wir ihn mit Verständnis tun wollen, könnte gerade jene Menschen, denen es ernst ist mit der geistigen Entwickelung der Menschheit, das eine lehren: daß die Menschenseele sich entwickelt, und daß immer mehr und mehr von jener Art und Weise abbröckelt, wie man durch Jahrhunderte hindurch den Blick hingelenkt hat gerade auf den größten Impuls der Menschheitsentwickelung, auf den Christus-Impuls. Ich erwähne sonst nicht gern zeitgenössische Dinge, weil das, was heute im äußeren geistigen Leben geschieht, wirklich zumeist zu unbedeutend ist, als daß? es dem ernsten Betrachter tiefere Seiten ansprechen könnte. Aber dem Zeitbetrachter sollte es dennoch eine Gewissensfrage sein, was vielfach heute im geistigen Leben geschieht. Man konnte in den letzten Wochen zum Beispiel in Berlin fast vor keiner Anschlagsäule vorbeigehen, ohne darauf die Ankündigung eines Vortrages oder einer Versammlung zu finden mit dem Thema: Hat Jesus gelebt? Sie alle wissen vielleicht, daß die Anregung zu dieser Diskussion, die in den weitesten Kreisen gepflogen worden ist, zum Teil mit recht radikalen Waffen, gegeben hat die Anschauung eines deutschen Philosophie-Professors — eines Schülers des Verfassers der «Philosophie des Unbewußten», Eduard von Hartmann -— des Professors Dr. Arthur Drews, und besonders dessen Buch «Die Christus-Mythe». Was in diesem Buche zu finden ist, das ist dann weiter bekanntgeworden durch einen Vortrag des Professors Drews, der hier in Berlin gehalten worden ist unter dem Titel «Hat Jesus gelebt?»

[ 8 ] Nun kann es heute natürlich nicht meine Aufgabe sein, auf die Einzelheiten der Drewsschen Betrachtungen einzugehen. Ich will nur einige Hauptgedanken vor Ihre Seele hinstellen. Der Verfasser der «Christus-Mythe», also ein moderner Philosoph, der in Anspruch nimmt, die Wissenschaft und das Denken unserer Zeit in sich zu tragen, nimmt die einzelnen Urkunden durch, aus denen man geschichtlich feststellen will, daß eine gewisse Persönlichkeit, die den Namen Jesus von Nazareth getragen hat, im Beginne unserer christlichen Zeitrechnung gelebt hat. Und er versucht aus dem, was die Kritik, was die Wissenschaft ihrerseits festgestellt hat, etwas zusammenzustellen, was sich ihm dann etwa so ergibt, daß er sagt: Sind etwa die einzelnen Evangelien historische Urkunden, aus denen man beweisen kann, daß Jesus wirklich gelebt hat? — Und er nimmt nun alles, was moderne Theologie von dieser oder jener Seite geboren hat, und versucht zu zeigen, daß keines der Evangelien eine historische Urkunde sein könne, und daß man nicht beweisen könne aus den Evangelien, daß Jesus gelebt hat. Und da versucht er zu zeigen, daß auch alle anderen Nachrichten rein geschichtlicher Art, die die Menschen haben, unmaßgeblich sind, so daß aus ihnen nicht geschlossen werden könne auf einen historischen Jesus.

[ 8 ] Nun kann es heute natürlich nicht meine Aufgabe sein, auf die Einzelheiten der Drewsschen Betrachtungen einzugehen. Ich will nur einige Hauptgedanken vor Ihre Seele hinstellen. Der Verfasser der «Christus-Mythe», also ein moderner Philosoph, der in Anspruch nimmt, die Wissenschaft und das Denken unserer Zeit in sich zu tragen, nimmt die einzelnen Urkunden durch, aus denen man geschichtlich feststellen will, daß eine gewisse Persönlichkeit, die den Namen Jesus von Nazareth getragen hat, im Beginne unserer christlichen Zeitrechnung gelebt hat. Und er versucht aus dem, was die Kritik, was die Wissenschaft ihrerseits festgestellt hat, etwas zusammenzustellen, was sich ihm dann etwa so ergibt, daß er sagt: Sind etwa die einzelnen Evangelien historische Urkunden, aus denen man beweisen kann, daß Jesus wirklich gelebt hat? — Und er nimmt nun alles, was moderne Theologie von dieser oder jener Seite geboren hat, und versucht zu zeigen, daß keines der Evangelien eine historische Urkunde sein könne, und daß man nicht beweisen könne aus den Evangelien, daß Jesus gelebt hat. Und da versucht er zu zeigen, daß auch alle anderen Nachrichten rein geschichtlicher Art, die die Menschen haben, unmaßgeblich sind, so daß aus ihnen nicht geschlossen werden könne auf einen historischen Jesus.

[ 9 ] Nun weiß jeder, der die Dinge kennt, daß, rein äußerlich betrachtet, diese Betrachtungsweise des Professors Drews ja viel für sich hat und gerade wie eine Art Resultat moderner theologischer Kritik auftritt. Auf die Einzelheiten will ich mich dabei nicht einlassen. Denn gerade darauf kommt es an, daß in unserer Zeit die Behauptung aufgestellt werden kann von jemandem, der die Wissenschaftlichkeit von der philosophischen Seite in sich zu tragen meint, daß er sagt: Es gibt keine historischen Dokumente, aus denen man nachweisen kann, daß Jesus gelebt hat; die historischen Dokumente, aus denen man das beweisen will, sind alle nicht maßgebend. -— Woran sich nun Drews hält und alle, die mit ihm gehen, das ist das, was wir von dem Apostel Paulus haben. Es gibt sogar schon neuere Menschen, die auch die Echtheit der gesamten Paulus-Briefe bezweifeln, aber da der Verfasser der «Christus-Mythe» nicht so weit geht, brauchen wir uns auch nicht dabei aufzuhalten. Über Paulus sagt Drews nun folgendes: Paulus ging nicht aus von einer etwaigen persönlichen Bekanntschaft mit dem Jesus von Nazareth, sondern von dem, was er als Offenbarung gehabt hat in dem Ereignis von Damaskus. — Wir wissen, daß das absolut wahr ist. Nun kommt aber Drews zu folgender Anschauung. Was bildete sich nun Paulus für einen Christus-Begriff? Er bildete sich den Begriff eines rein geistigen Christus, der in jeder Menschenseele sozusagen wohnen kann und sich in jeder Menschenseele nach und nach verwirklichen kann. Aber nirgends gäbe es für Paulus eine Notwendigkeit, diesen Christus, den er als ein rein geistiges Wesen ansieht, gegenwärtig zu haben in dem, was ein doch nicht historisch nachweisbarer Jesus gewesen wäre. Daher könnte man sagen: Ob ein historischer Jesus gelebt hat oder nicht, das weiß man nicht; das Christus-Bild des Paulus ist ein rein geistiges, eine reine Idee, die nur etwas wiedergibt, was in jeder Menschenseele als ein Vervollkommnungsimpuls, als eine Art Gott im Menschen leben kann. - Nun weist der Verfasser der «Christus-Mythe» weiter darauf hin, daß gewisse Vorstellungen, ähnlich wie die des Christus Jesus der Christen auch schon vorher vorhanden waren als eine Art vorchristlicher Jesus, und bei verschiedenen orientalischen Völkern weist er den Messias-Begriff nach. Dadurch sieht sich Drews doch genötigt, sich zu fragen: Wodurch unterscheidet sich denn eigentlich die Idee des Christus — von der sich auch in seinem Sinne nicht leugnen läßt, daß Paulus sie gehabt hat —, wodurch unterscheidet sich dieses Bild des Christus in Kopf und Herz des Paulus von dem, was man als Messias-Begriff schon vorher gehabt hat? Und da sagt Drews: Die Menschen vor Paulus haben ein ChristusBild eines Gottes, ein Messias-Bild eines Gottes gehabt, der nicht wahrhaft Mensch geworden ist, der nicht bis zur individuellen Menschlichkeit hinuntergestiegen ist. Sie haben sozusagen in ihren verschiedenen Festen, Mysterien und so weiter wie einen symbolischen Vorgang gefeiert: Leiden, Tod und Auferstehung; aber das haben sie nicht gehabt, daß ein einzelner Mensch auf der physischen Erde wirklich Leiden, Tod und Auferstehung durchgemacht hätte. Das war also gleichsam eine allgemeine Idee. Und nun fragt sich der Verfasser der «Christus-Mythe»: Worinnen besteht nun das Neue bei Paulus? Wie hat Paulus selber die Idee des Christus fortgebildet?

[ 9 ] Nun weiß jeder, der die Dinge kennt, daß, rein äußerlich betrachtet, diese Betrachtungsweise des Professors Drews ja viel für sich hat und gerade wie eine Art Resultat moderner theologischer Kritik auftritt. Auf die Einzelheiten will ich mich dabei nicht einlassen. Denn gerade darauf kommt es an, daß in unserer Zeit die Behauptung aufgestellt werden kann von jemandem, der die Wissenschaftlichkeit von der philosophischen Seite in sich zu tragen meint, daß er sagt: Es gibt keine historischen Dokumente, aus denen man nachweisen kann, daß Jesus gelebt hat; die historischen Dokumente, aus denen man das beweisen will, sind alle nicht maßgebend. -— Woran sich nun Drews hält und alle, die mit ihm gehen, das ist das, was wir von dem Apostel Paulus haben. Es gibt sogar schon neuere Menschen, die auch die Echtheit der gesamten Paulus-Briefe bezweifeln, aber da der Verfasser der «Christus-Mythe» nicht so weit geht, brauchen wir uns auch nicht dabei aufzuhalten. Über Paulus sagt Drews nun folgendes: Paulus ging nicht aus von einer etwaigen persönlichen Bekanntschaft mit dem Jesus von Nazareth, sondern von dem, was er als Offenbarung gehabt hat in dem Ereignis von Damaskus. — Wir wissen, daß das absolut wahr ist. Nun kommt aber Drews zu folgender Anschauung. Was bildete sich nun Paulus für einen Christus-Begriff? Er bildete sich den Begriff eines rein geistigen Christus, der in jeder Menschenseele sozusagen wohnen kann und sich in jeder Menschenseele nach und nach verwirklichen kann. Aber nirgends gäbe es für Paulus eine Notwendigkeit, diesen Christus, den er als ein rein geistiges Wesen ansieht, gegenwärtig zu haben in dem, was ein doch nicht historisch nachweisbarer Jesus gewesen wäre. Daher könnte man sagen: Ob ein historischer Jesus gelebt hat oder nicht, das weiß man nicht; das Christus-Bild des Paulus ist ein rein geistiges, eine reine Idee, die nur etwas wiedergibt, was in jeder Menschenseele als ein Vervollkommnungsimpuls, als eine Art Gott im Menschen leben kann. - Nun weist der Verfasser der «Christus-Mythe» weiter darauf hin, daß gewisse Vorstellungen, ähnlich wie die des Christus Jesus der Christen auch schon vorher vorhanden waren als eine Art vorchristlicher Jesus, und bei verschiedenen orientalischen Völkern weist er den Messias-Begriff nach. Dadurch sieht sich Drews doch genötigt, sich zu fragen: Wodurch unterscheidet sich denn eigentlich die Idee des Christus — von der sich auch in seinem Sinne nicht leugnen läßt, daß Paulus sie gehabt hat —, wodurch unterscheidet sich dieses Bild des Christus in Kopf und Herz des Paulus von dem, was man als Messias-Begriff schon vorher gehabt hat? Und da sagt Drews: Die Menschen vor Paulus haben ein ChristusBild eines Gottes, ein Messias-Bild eines Gottes gehabt, der nicht wahrhaft Mensch geworden ist, der nicht bis zur individuellen Menschlichkeit hinuntergestiegen ist. Sie haben sozusagen in ihren verschiedenen Festen, Mysterien und so weiter wie einen symbolischen Vorgang gefeiert: Leiden, Tod und Auferstehung; aber das haben sie nicht gehabt, daß ein einzelner Mensch auf der physischen Erde wirklich Leiden, Tod und Auferstehung durchgemacht hätte. Das war also gleichsam eine allgemeine Idee. Und nun fragt sich der Verfasser der «Christus-Mythe»: Worinnen besteht nun das Neue bei Paulus? Wie hat Paulus selber die Idee des Christus fortgebildet?

[ 10 ] Da sagt nun Drews selber: Das ist der Fortschritt, den Paulus gemacht hat gegenüber dem Früheren, daß er sich nicht bloß vorstellte einen allgemeinen, in den höheren Regionen schwebenden Gott, sondern einen Gott, der individueller Mensch geworden ist. — Also ich bitte noch einmal darauf zu achten: Im Sinne des Verfassers der «Christus-Mythe» stellt sich Paulus einen Christus vor, der wirklich individueller Mensch geworden ist. Aber jetzt kommt das höchst eigentümliche: Paulus sollte jetzt bei der Idee bloß stehengeblieben sein, das heißt, Paulus sollte die Idee eines Christus, der wirklich Mensch geworden ist, gefaßt haben, aber dieser Christus als Mensch sollte für Paulus nicht existiert haben! Paulus sollte sich gesagt haben: Die höchste Idee ist die, daß ein Gott, ein Christus, nicht nur in den höheren Regionen schwebt, sondern daß er heruntergestiegen ist auf die Erde und Mensch geworden ist; er habe aber jetzt nicht im Sinne gehabt, daß dieser Christus wirklich auf der Erde in einem Menschen gelebt habe — das heißt: Der Verfasser der «Christus-My the» schiebt dem Paulus einen Christus-Begriff zu, der in sich selber ein Hohn ist auf jedes gesunde Denken. Paulus sollte gesagt haben: Der Christus muß wirklich ein individueller Mensch gewesen sein, aber ich leugne, trotzdem ich ihn predige, daß dieser Christus historisch gelebt hat!

[ 10 ] Da sagt nun Drews selber: Das ist der Fortschritt, den Paulus gemacht hat gegenüber dem Früheren, daß er sich nicht bloß vorstellte einen allgemeinen, in den höheren Regionen schwebenden Gott, sondern einen Gott, der individueller Mensch geworden ist. — Also ich bitte noch einmal darauf zu achten: Im Sinne des Verfassers der «Christus-Mythe» stellt sich Paulus einen Christus vor, der wirklich individueller Mensch geworden ist. Aber jetzt kommt das höchst eigentümliche: Paulus sollte jetzt bei der Idee bloß stehengeblieben sein, das heißt, Paulus sollte die Idee eines Christus, der wirklich Mensch geworden ist, gefaßt haben, aber dieser Christus als Mensch sollte für Paulus nicht existiert haben! Paulus sollte sich gesagt haben: Die höchste Idee ist die, daß ein Gott, ein Christus, nicht nur in den höheren Regionen schwebt, sondern daß er heruntergestiegen ist auf die Erde und Mensch geworden ist; er habe aber jetzt nicht im Sinne gehabt, daß dieser Christus wirklich auf der Erde in einem Menschen gelebt habe — das heißt: Der Verfasser der «Christus-My the» schiebt dem Paulus einen Christus-Begriff zu, der in sich selber ein Hohn ist auf jedes gesunde Denken. Paulus sollte gesagt haben: Der Christus muß wirklich ein individueller Mensch gewesen sein, aber ich leugne, trotzdem ich ihn predige, daß dieser Christus historisch gelebt hat!

[ 11 ] Das ist der Kernpunkt der Sache, worum es sich handelt, und der sich uns darstellt nicht als etwas, wozu man viel theologisch-kritische Gelehrsamkeit brauchte, um ihn zu widerlegen, sondern da kann der Verfasser der «Christus-Mythe» durchaus als Philosoph angefaßt werden. Denn dieser Christus-Begriff ist auch nur philosophisch gefaßt, unmöglich. Der paulinische Christus-Begriff, wenn man ihn nur im Sinne von Drews nimmt, kann gar nicht bestehen, ohne daß der historische Jesus angenommen wird. So fordert also dieses Buch von Drews selber die Existenz eines historischen Jesus. Es kann also heute in den weitesten Kreisen ein Buch als ernste wissenschaftliche Arbeit angesehen werden, das in seinem Mittelpunkt einen solchen Widerspruch hat, daß es aller inneren Logik Hohn spricht! Es ist möglich, daß heute das menschliche Denken solche krummen Wege nimmt! Woher kommt das? Wer sich klar werden wollte über die Entwickelung der Menschheit, der sollte sich diese Frage beantworten: Woher kommt das?

[ 11 ] Das ist der Kernpunkt der Sache, worum es sich handelt, und der sich uns darstellt nicht als etwas, wozu man viel theologisch-kritische Gelehrsamkeit brauchte, um ihn zu widerlegen, sondern da kann der Verfasser der «Christus-Mythe» durchaus als Philosoph angefaßt werden. Denn dieser Christus-Begriff ist auch nur philosophisch gefaßt, unmöglich. Der paulinische Christus-Begriff, wenn man ihn nur im Sinne von Drews nimmt, kann gar nicht bestehen, ohne daß der historische Jesus angenommen wird. So fordert also dieses Buch von Drews selber die Existenz eines historischen Jesus. Es kann also heute in den weitesten Kreisen ein Buch als ernste wissenschaftliche Arbeit angesehen werden, das in seinem Mittelpunkt einen solchen Widerspruch hat, daß es aller inneren Logik Hohn spricht! Es ist möglich, daß heute das menschliche Denken solche krummen Wege nimmt! Woher kommt das? Wer sich klar werden wollte über die Entwickelung der Menschheit, der sollte sich diese Frage beantworten: Woher kommt das?

[ 12 ] Das kommt daher, daß über dasjenige, was die Menschen in diesem oder jenem Zeitalter glauben oder denken, zuletzt nicht ihre Logik entscheidet, sondern ihre Empfindungen und Gefühle, das heißt, was sie glauben und denken möchten. Und es liegt im tiefsten Zug gerade derjenigen, welche den Christus-Begriff für das kommende Zeitalter vorbereiten, daß sie aus ihrem Herzen heraus alles ausschließen wollen, was in äußeren Urkunden enthalten ist, dabei-aber auch wieder den Drang haben, alles durch äußere Dokumente beweisen zu wollen. Diese Urkunden aber verlieren, wenn man sie rein materiell betrachtet, nach einer bestimmten Zeit ihren Wert. Die Zeit wird kommen und gerade so, wie sie kam für Homer und heute schon da ist für Shakespeare, so wird sie für Goethe kommen, daß man wird nachzuweisen versuchen, daß ein historischer Goethe niemals existiert hat. Historische Urkunden, rein materiell gefaßt, müssen ihren Wert mit der Zeit verlieren. Was ist also notwendig, da wir heute bereits in einem Zeitalter stehen, welches in seinen besten Vertretern so denken kann, daß aus einem Drange des Herzens heraus das Ziel entsteht, den historischen Christus wegzuleugnen? Was ist notwendig als ein neuer Einschlag des geistigen Lebens? — Die Möglichkeit ist notwendig, auf geistige Art den historischen Jesus zu begreifen.

[ 12 ] Das kommt daher, daß über dasjenige, was die Menschen in diesem oder jenem Zeitalter glauben oder denken, zuletzt nicht ihre Logik entscheidet, sondern ihre Empfindungen und Gefühle, das heißt, was sie glauben und denken möchten. Und es liegt im tiefsten Zug gerade derjenigen, welche den Christus-Begriff für das kommende Zeitalter vorbereiten, daß sie aus ihrem Herzen heraus alles ausschließen wollen, was in äußeren Urkunden enthalten ist, dabei-aber auch wieder den Drang haben, alles durch äußere Dokumente beweisen zu wollen. Diese Urkunden aber verlieren, wenn man sie rein materiell betrachtet, nach einer bestimmten Zeit ihren Wert. Die Zeit wird kommen und gerade so, wie sie kam für Homer und heute schon da ist für Shakespeare, so wird sie für Goethe kommen, daß man wird nachzuweisen versuchen, daß ein historischer Goethe niemals existiert hat. Historische Urkunden, rein materiell gefaßt, müssen ihren Wert mit der Zeit verlieren. Was ist also notwendig, da wir heute bereits in einem Zeitalter stehen, welches in seinen besten Vertretern so denken kann, daß aus einem Drange des Herzens heraus das Ziel entsteht, den historischen Christus wegzuleugnen? Was ist notwendig als ein neuer Einschlag des geistigen Lebens? — Die Möglichkeit ist notwendig, auf geistige Art den historischen Jesus zu begreifen.

[ 13 ] Was ist ein anderer Ausdruck für diese Tatsache?

[ 13 ] Was ist ein anderer Ausdruck für diese Tatsache?

[ 14 ] Daß Paulus von dem Ereignis von Damaskus ausgegangen ist, wissen wir alle. Und wir wissen auch, daß das für ihn die große Offenbarung war, während alles, was er hören konnte in Jerusalem, als unmittelbare Nachrichten auf dem physischen Plan, nicht geeignet war, aus einem Saulus einen Paulus zu machen. Was ihn überzeugte, das war die Offenbarung von Damaskus aus den geistigen Welten heraus. Erst dadurch ist das Christentum wirklich entstanden und daraus hat Paulus die Kraft geschöpft, den Christus zu verkündigen. Aber hat er daraus die bloße abstrakte Idee gewonnen, die in sich widerspruchsvoll ist? Nein! Sondern aus dem, was er in den geistigen Welten gesehen hat, hatte er die Überzeugung gewonnen, daß der Christus auf der Erde gelebt, gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. «Wäre Christus nicht auferstanden, so wäre meine Lehre nichtig!» das hat Paulus mit Recht gesprochen. Er hat aus den geistigen Welten heraus nicht bloß die Idee des Christus bekommen, sondern die Wirklichkeit von dem Christus, der auf Golgatha gestorben ist. Für ihn war damit der Beweis geliefert für den historischen Jesus.

[ 14 ] Daß Paulus von dem Ereignis von Damaskus ausgegangen ist, wissen wir alle. Und wir wissen auch, daß das für ihn die große Offenbarung war, während alles, was er hören konnte in Jerusalem, als unmittelbare Nachrichten auf dem physischen Plan, nicht geeignet war, aus einem Saulus einen Paulus zu machen. Was ihn überzeugte, das war die Offenbarung von Damaskus aus den geistigen Welten heraus. Erst dadurch ist das Christentum wirklich entstanden und daraus hat Paulus die Kraft geschöpft, den Christus zu verkündigen. Aber hat er daraus die bloße abstrakte Idee gewonnen, die in sich widerspruchsvoll ist? Nein! Sondern aus dem, was er in den geistigen Welten gesehen hat, hatte er die Überzeugung gewonnen, daß der Christus auf der Erde gelebt, gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. «Wäre Christus nicht auferstanden, so wäre meine Lehre nichtig!» das hat Paulus mit Recht gesprochen. Er hat aus den geistigen Welten heraus nicht bloß die Idee des Christus bekommen, sondern die Wirklichkeit von dem Christus, der auf Golgatha gestorben ist. Für ihn war damit der Beweis geliefert für den historischen Jesus.

[ 15 ] Rückt nun die Zeit heran, wo durch den Materialismus des Zeitalters die historischen Urkunden ihren Wert verlieren und jeder mit leichter Mühe zeigen kann, daß sie für die Kritik so brüchig werden, daß man auf äußere historische Art nichts beweisen kann, was ist dann notwendig? Dann müssen die Menschen erkennen lernen, daß man den Christus als historischen Jesus auch ohne historische Urkunden erkennen kann dadurch, daß sich das Ereignis von Damaskus für jeden Menschen durch Schulung, oder sogar in der nächsten Zukunft für die ganze Menschheit, erneuern kann, so daß es dadurch möglich ist, eine Überzeugung von dem historischen Jesus zu gewinnen. Das ist die neue Art, die in die Welt kommen muß, diesen Weg zu finden zu dem historischen Jesus. Denn ob Tatsachen, die geschehen sind, richtig oder unrichtig sind, darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß sie da sind. Nicht darauf kommt es an, daß ein Buch wie «Die Christus-Mythe» diese oder jene Irrtümer enthält, sondern, daß es geschrieben werden konnte. Das zeigt, daß wir ganz andere Methoden notwendig haben, damit der Christus der Menschheit erhalten bleibt und wiedergefunden werden kann. Wer an die Menschheit denkt und an ihre Bedürfnisse und an die Art, wie die Menschenseele sich äußert, der wird sich nicht auf den Standpunkt stellen: Was gehen mich die Menschen alle an, die anders denken? Ich habe meine Überzeugung, für mich genügt das! - Die meisten ahnen gar nicht, was für ein furchtbarer Egoismus gerade darinnen liegt.

[ 15 ] Rückt nun die Zeit heran, wo durch den Materialismus des Zeitalters die historischen Urkunden ihren Wert verlieren und jeder mit leichter Mühe zeigen kann, daß sie für die Kritik so brüchig werden, daß man auf äußere historische Art nichts beweisen kann, was ist dann notwendig? Dann müssen die Menschen erkennen lernen, daß man den Christus als historischen Jesus auch ohne historische Urkunden erkennen kann dadurch, daß sich das Ereignis von Damaskus für jeden Menschen durch Schulung, oder sogar in der nächsten Zukunft für die ganze Menschheit, erneuern kann, so daß es dadurch möglich ist, eine Überzeugung von dem historischen Jesus zu gewinnen. Das ist die neue Art, die in die Welt kommen muß, diesen Weg zu finden zu dem historischen Jesus. Denn ob Tatsachen, die geschehen sind, richtig oder unrichtig sind, darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß sie da sind. Nicht darauf kommt es an, daß ein Buch wie «Die Christus-Mythe» diese oder jene Irrtümer enthält, sondern, daß es geschrieben werden konnte. Das zeigt, daß wir ganz andere Methoden notwendig haben, damit der Christus der Menschheit erhalten bleibt und wiedergefunden werden kann. Wer an die Menschheit denkt und an ihre Bedürfnisse und an die Art, wie die Menschenseele sich äußert, der wird sich nicht auf den Standpunkt stellen: Was gehen mich die Menschen alle an, die anders denken? Ich habe meine Überzeugung, für mich genügt das! - Die meisten ahnen gar nicht, was für ein furchtbarer Egoismus gerade darinnen liegt.

[ 16 ] Es war nicht irgendeine äußere Idee, ein äußeres Ideal oder eine persönliche Liebhaberei, daß eine Bewegung entstand, durch welche die Menschen lernen sollten, daß es möglich ist, einen Weg in die geistige Welt hinauf zu finden, und daß unter dem, was dort zu finden ist, auch der Christus gefunden werden kann, sondern aus einer Notwendigkeit heraus ist diese Bewegung entstanden. Diese Notwendigkeit stellte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ein, und ihr entsprechend sollten die Möglichkeiten herunterfließen aus den geistigen Welten in die physische Welt, durch welche die Menschen fähig werden, die geistige Wahrheit auf eine neue Art und Weise zu gewinnen, weil die alte abgestorben war. Und wie haben wir im Laufe dieses Winters gesehen, wie fruchtbar sich dieser Weg erweist!

[ 16 ] Es war nicht irgendeine äußere Idee, ein äußeres Ideal oder eine persönliche Liebhaberei, daß eine Bewegung entstand, durch welche die Menschen lernen sollten, daß es möglich ist, einen Weg in die geistige Welt hinauf zu finden, und daß unter dem, was dort zu finden ist, auch der Christus gefunden werden kann, sondern aus einer Notwendigkeit heraus ist diese Bewegung entstanden. Diese Notwendigkeit stellte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts ein, und ihr entsprechend sollten die Möglichkeiten herunterfließen aus den geistigen Welten in die physische Welt, durch welche die Menschen fähig werden, die geistige Wahrheit auf eine neue Art und Weise zu gewinnen, weil die alte abgestorben war. Und wie haben wir im Laufe dieses Winters gesehen, wie fruchtbar sich dieser Weg erweist!

[ 17 ] Wir haben es immer wieder betont: Das erste, was wir zu tun haben innerhalb unserer Bewegung, ist nicht, zu fußen auf irgendeiner Urkunde oder einem äußeren Dokument, sondern zuerst zu fragen: Was gibt uns das hellseherische Bewußtsein, wenn wir hinaufsteigen in die geistigen Welten? Was sagt das unabhängige geistige Bewußtsein, wenn durch irgendeine Katastrophe alle historischen Hinweise auf den historischen Jesus, auf die Evangelien und auch auf die Paulus-Briefe verlorengegangen wären? Was sagt der Weg, der jeden Tag und jede Stunde angetreten werden kann, von den geistigen Welten? Er sagt: Du findest in den geistigen Welten den Christus, und wenn du auch nichts historisch davon weißt, daß der Christus auf der Erde da war in der Zeit, wo unsere Zeitrechnung beginnt! Das ist die Tatsache, die durch eine Erneuerung des Ereignisses von Damaskus immer wieder festgestellt werden kann: Es gibt einen ursprünglichen Beweis für die historische Persönlichkeit des Jesus von Nazareth! Und wie nicht bloß an der Schultafel für einen Schüler gesagt wird: Du mußt glauben, daß die drei Winkel eines Dreiecks 180 Grad sind, “weil irgendwann im Altertum ein Mensch das einmal festgestellt hat! — sondern wie wir ihm heute beweisen können, daß die drei Winkel eines Dreiecks 180 Grad betragen, so zeigen wir heute aus dem geistigen Bewußtsein heraus, daß der Christus nicht nur immer da war, sondern daß der historische Jesus gefunden werden kann in den geistigen Welten, daß er eine Realität ist und gerade eine Realität für die Zeit, die uns überliefert worden ist.

[ 17 ] Wir haben es immer wieder betont: Das erste, was wir zu tun haben innerhalb unserer Bewegung, ist nicht, zu fußen auf irgendeiner Urkunde oder einem äußeren Dokument, sondern zuerst zu fragen: Was gibt uns das hellseherische Bewußtsein, wenn wir hinaufsteigen in die geistigen Welten? Was sagt das unabhängige geistige Bewußtsein, wenn durch irgendeine Katastrophe alle historischen Hinweise auf den historischen Jesus, auf die Evangelien und auch auf die Paulus-Briefe verlorengegangen wären? Was sagt der Weg, der jeden Tag und jede Stunde angetreten werden kann, von den geistigen Welten? Er sagt: Du findest in den geistigen Welten den Christus, und wenn du auch nichts historisch davon weißt, daß der Christus auf der Erde da war in der Zeit, wo unsere Zeitrechnung beginnt! Das ist die Tatsache, die durch eine Erneuerung des Ereignisses von Damaskus immer wieder festgestellt werden kann: Es gibt einen ursprünglichen Beweis für die historische Persönlichkeit des Jesus von Nazareth! Und wie nicht bloß an der Schultafel für einen Schüler gesagt wird: Du mußt glauben, daß die drei Winkel eines Dreiecks 180 Grad sind, “weil irgendwann im Altertum ein Mensch das einmal festgestellt hat! — sondern wie wir ihm heute beweisen können, daß die drei Winkel eines Dreiecks 180 Grad betragen, so zeigen wir heute aus dem geistigen Bewußtsein heraus, daß der Christus nicht nur immer da war, sondern daß der historische Jesus gefunden werden kann in den geistigen Welten, daß er eine Realität ist und gerade eine Realität für die Zeit, die uns überliefert worden ist.

[ 18 ] Dann gingen wir weiter und zeigten, wie dasjenige, was wir durch geistige Erkenntnis ohne die Evangelien festgestellt haben, sich wiederfindet in den Evangelien. Und jetzt empfinden wir für die Evangelien jene hohe Achtung und Schätzung, die durch nichts überboten werden kann, weil wir in ihnen wiederfinden, was wir unabhängig von den Evangelien in den geistigen Welten gefunden haben, und wir wissen Jetzt: Also müssen sie aus denselben Quellen übersinnlicher Erleuchtung hervorgegangen sein, aus denen wir heute schöpfen, müssen Urkunden aus den geistigen Welten sein.

[ 18 ] Dann gingen wir weiter und zeigten, wie dasjenige, was wir durch geistige Erkenntnis ohne die Evangelien festgestellt haben, sich wiederfindet in den Evangelien. Und jetzt empfinden wir für die Evangelien jene hohe Achtung und Schätzung, die durch nichts überboten werden kann, weil wir in ihnen wiederfinden, was wir unabhängig von den Evangelien in den geistigen Welten gefunden haben, und wir wissen Jetzt: Also müssen sie aus denselben Quellen übersinnlicher Erleuchtung hervorgegangen sein, aus denen wir heute schöpfen, müssen Urkunden aus den geistigen Welten sein.

[ 19 ] Daß eine solche Betrachtung überhaupt möglich ist, daß also geistiges Leben einrückt in menschliche Wissenschaftlichkeit, das ist der Sinn dessen, was wir theosophische Bewegung nennen. Und damit das, was geschehen mußte, geschehen konnte, dazu mußte die Anregung gegeben werden durch die Theosophische Gesellschaft. Das ist die eine Seite der Sache. Die andere Seite ist die, daß diese Anregung gerade hineinfallen mußte in eine Zeit, die dafür am wenigsten reif war. Das zeigt sich gerade daran, daß heute, nachdem die theosophische Bewegung bereits dreißig Jahre in der Welt ist, noch immer das Lied fortdauert von dem «unhistorischen Jesus» und so weiter. Wieviel weiß man denn heute außerhalb unserer Bewegung, daß es möglich ist, den historischen Jesus ganz anders zu finden, als durch die äußeren Urkunden? Man setzt fort, was man im 19. Jahrhundert getan hat: die Autorität der religiösen Urkunden zu untergraben. So war die Notwendigkeit, daß diese neue Möglichkeit der Menschheit gegeben werden mußte, die denkbar größte, und auf der anderen Seite waren die Vorbereitungen der Menschen, um diese Offenbarungen entgegenzunehmen, die denkbar geringsten. Oder glauben Sie vielleicht, daß die Menschen, daß die Philosophen von heute dafür besonders reif gewesen wären? Wie weit die Philosophen am Anfange des 20. Jahrhunderts sind, sehen Sie an der Idee, welche sie über den Christus des Paulus fassen. Wer das wissenschaftliche Leben kennt, der weiß, daß dieses wissenschaftliche Leben zwar eine hohe und letzte Konsequenz dessen ist, was sich seit Jahrhunderten als Materialismus vorbereitet hat, daß es zwar behauptet, über den Materialismus hinauszuwollen, daß aber dasjenige, was sich als Denkweise im Materialismus zeigt, nichts weiter ist als etwas Absterbendes. Wissenschaft, wie sie heute existiert, ist zwar eine reife Frucht, aber eine solche Frucht, die das Schicksal jeder reifen Frucht hat: daß sie anfängt abzusterben. An dieser Wissenschaft kann niemand finden, der sie versteht, daß sie einen neuen Trieb hervorbringen könnte zur Erneuerung ihrer Denkungs- und Beweisart.

[ 19 ] Daß eine solche Betrachtung überhaupt möglich ist, daß also geistiges Leben einrückt in menschliche Wissenschaftlichkeit, das ist der Sinn dessen, was wir theosophische Bewegung nennen. Und damit das, was geschehen mußte, geschehen konnte, dazu mußte die Anregung gegeben werden durch die Theosophische Gesellschaft. Das ist die eine Seite der Sache. Die andere Seite ist die, daß diese Anregung gerade hineinfallen mußte in eine Zeit, die dafür am wenigsten reif war. Das zeigt sich gerade daran, daß heute, nachdem die theosophische Bewegung bereits dreißig Jahre in der Welt ist, noch immer das Lied fortdauert von dem «unhistorischen Jesus» und so weiter. Wieviel weiß man denn heute außerhalb unserer Bewegung, daß es möglich ist, den historischen Jesus ganz anders zu finden, als durch die äußeren Urkunden? Man setzt fort, was man im 19. Jahrhundert getan hat: die Autorität der religiösen Urkunden zu untergraben. So war die Notwendigkeit, daß diese neue Möglichkeit der Menschheit gegeben werden mußte, die denkbar größte, und auf der anderen Seite waren die Vorbereitungen der Menschen, um diese Offenbarungen entgegenzunehmen, die denkbar geringsten. Oder glauben Sie vielleicht, daß die Menschen, daß die Philosophen von heute dafür besonders reif gewesen wären? Wie weit die Philosophen am Anfange des 20. Jahrhunderts sind, sehen Sie an der Idee, welche sie über den Christus des Paulus fassen. Wer das wissenschaftliche Leben kennt, der weiß, daß dieses wissenschaftliche Leben zwar eine hohe und letzte Konsequenz dessen ist, was sich seit Jahrhunderten als Materialismus vorbereitet hat, daß es zwar behauptet, über den Materialismus hinauszuwollen, daß aber dasjenige, was sich als Denkweise im Materialismus zeigt, nichts weiter ist als etwas Absterbendes. Wissenschaft, wie sie heute existiert, ist zwar eine reife Frucht, aber eine solche Frucht, die das Schicksal jeder reifen Frucht hat: daß sie anfängt abzusterben. An dieser Wissenschaft kann niemand finden, der sie versteht, daß sie einen neuen Trieb hervorbringen könnte zur Erneuerung ihrer Denkungs- und Beweisart.

[ 20 ] Wenn wir das bedenken, dann werden wir jetzt, ganz abgesehen von allem übrigen, begreifen das Gewicht der Anregung, das gekommen ist von H. P. Blavatsky, ganz gleichgültig, wie wir zu denken haben über die Einzelheiten ihres Lebens und ihrer Fähigkeiten. Sie war das Instrument, um die Anregung zu geben, und sie erwies sich immerhin als ein geeignetes Instrument dafür. Und wir sind als Mitglieder der theosophischen Bewegung, wenn wir an einem solchen Tage uns mit einer solchen Festlichkeit befassen, in einer ganz besonderen Lage. Wir feiern ein ganz persönliches Fest, das auf ein Persönliches hinweist. Nun ist der Autoritätsglaube schon in der äußeren Welt etwas sehr Gefährliches; er ist aber deshalb dort nicht so gefährlich, weil Eifersucht, Neid und so weiter eine so große Rolle spielen, daß, selbst wenn Verehrung von einzelnen Persönlichkeiten sich äußerlich geltend macht in ziemlich starkem Weihrauchstreuen, doch Egoismus und Neid den Leuten im Nacken sitzen. Aber in der theosophischen Bewegung ist die Gefahr des Schadens alles Persönlichkeitskultus und alles Autoritätsglaubens eine außerordentlich große. Daher sind wir in einer ganz besonderen Lage, wenn wir ein Fest feiern, das einer Persönlichkeit geweiht ist. Und wir sind nicht nur aus den Gewohnheiten der Zeit heraus, sondern aus der Sache heraus in einer besonderen Schwierigkeit, weil die Offenbarungen aus den höheren Welten immer den Umweg über die Persönlichkeit nehmen müssen. Persönlichkeiten müssen die Träger sein für die Offenbarungen, und dennoch sollen wir uns hüten, die Persönlichkeiten mit den Offenbarungen zu vermischen. Wir müssen die Offenbarungen empfangen durch Vermittelungen der Persönlichkeiten. Wie nahe liegt die Frage, die immer wieder auftritt: Ist die Persönlichkeit glaubhaft? Was hat sie alles getan an diesem oder jenem Tage, was mit unseren Begriffen gar nicht stimmt! Kann man also glauben an diese Sache?

[ 20 ] Wenn wir das bedenken, dann werden wir jetzt, ganz abgesehen von allem übrigen, begreifen das Gewicht der Anregung, das gekommen ist von H. P. Blavatsky, ganz gleichgültig, wie wir zu denken haben über die Einzelheiten ihres Lebens und ihrer Fähigkeiten. Sie war das Instrument, um die Anregung zu geben, und sie erwies sich immerhin als ein geeignetes Instrument dafür. Und wir sind als Mitglieder der theosophischen Bewegung, wenn wir an einem solchen Tage uns mit einer solchen Festlichkeit befassen, in einer ganz besonderen Lage. Wir feiern ein ganz persönliches Fest, das auf ein Persönliches hinweist. Nun ist der Autoritätsglaube schon in der äußeren Welt etwas sehr Gefährliches; er ist aber deshalb dort nicht so gefährlich, weil Eifersucht, Neid und so weiter eine so große Rolle spielen, daß, selbst wenn Verehrung von einzelnen Persönlichkeiten sich äußerlich geltend macht in ziemlich starkem Weihrauchstreuen, doch Egoismus und Neid den Leuten im Nacken sitzen. Aber in der theosophischen Bewegung ist die Gefahr des Schadens alles Persönlichkeitskultus und alles Autoritätsglaubens eine außerordentlich große. Daher sind wir in einer ganz besonderen Lage, wenn wir ein Fest feiern, das einer Persönlichkeit geweiht ist. Und wir sind nicht nur aus den Gewohnheiten der Zeit heraus, sondern aus der Sache heraus in einer besonderen Schwierigkeit, weil die Offenbarungen aus den höheren Welten immer den Umweg über die Persönlichkeit nehmen müssen. Persönlichkeiten müssen die Träger sein für die Offenbarungen, und dennoch sollen wir uns hüten, die Persönlichkeiten mit den Offenbarungen zu vermischen. Wir müssen die Offenbarungen empfangen durch Vermittelungen der Persönlichkeiten. Wie nahe liegt die Frage, die immer wieder auftritt: Ist die Persönlichkeit glaubhaft? Was hat sie alles getan an diesem oder jenem Tage, was mit unseren Begriffen gar nicht stimmt! Kann man also glauben an diese Sache?

[ 21 ] Das entspricht einem gewissen Hang unserer Zeit, den man charakterisieren könnte als einen gewissen Mangel in der Hingabe an die Wahrheit. Wie oft kann man es heute erleben, daß sich die Leute einverstanden erklären mit dem Wirken einer Persönlichkeit vielleicht von Jahrzehnten: das gefällt ihnen ganz gut, da sind sie zu bequem, um irgend etwas zu prüfen. Wenn sich dann aber vielleicht nach Jahrzehnten herausstellt, daß das Privatleben dieser Persönlichkeit dieses oder jenes aufweist, wo man vielleicht einhaken kann, dann fällt diese Persönlichkeit dahin. Ob das nun berechtigt ist oder nicht, darauf kommt es gar nicht an, sondern darauf, daß man ein Gefühl dafür bekommen soll, daß die Persönlichkeit zwar der Weg ist, durch welchen geistiges Leben zu uns kommt, daß wir aber die Verpflichtung haben, selbst zu prüfen, und zwar an der Wahrheit die Persönlichkeit zu prüfen, und nicht die Wahrheit an der Persönlichkeit! Gerade den Persönlichkeiten gegenüber in unserer theosophischen Bewegung müssen wir uns immer so verhalten. Und wir verehren sie im Grunde genommen am besten, wenn wir sie nicht mit Autoritätsglauben behängen, wie man das so gern tun möchte, denn wir wissen, daß die Wirksamkeit einer verstorbenen Persönlichkeit nach dem Tode nur verlegt ist in die geistige Welt. Es ist berechtigt zu sagen: Die Wirksamkeit von H. P. Blavatsky dauert fort, und wir können innerhalb dessen, wozu sie die Anregung gegeben hat, diese Wirksamkeit entweder fördern oder beeinträchtigen. Wir beeinträchtigen diese Wirksamkeit am allermeisten dann, wenn wir der Blavatsky blind glauben, wenn wir schwören auf das, was sie gedacht hat, als sie auf dem physischen Plan wandelte, wenn wir glauben wollten, wie sie vielleicht gerade geglaubt hat, und ihr mit einer blinden Autorität entgegenkommen. Und wir fördern und verehren sie am allermeisten, wenn wir uns bewußt sind: Sie hat die Anregung gegeben zu einer tiefsten, in der Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung begründeten Bewegung. Wir schreiben ihr dieses Verdienst zu und sehen ein, daß diese Bewegung kommen mußte. Aber es sind Jahre seitdem verflossen, und wir wollen uns dieser Anregung würdig erweisen, indem wir sagen: Was angeregt worden ist, das muß weitergebildet werden. -— Wir sehen ein: Durch diesen Kopf mußte die Anregung gehen. Wir stecken unsere Nase nicht in die Privatverhältnisse von H. P. Blavatsky, insbesondere nicht am heutigen Tage. Wir wissen, was die Anregung bedeutet, aber wir wissen auch, daß die Anregung dasjenige, was geschehen soll, nur in der unvollkommensten Weise darstellen kann. Und wenn wir das betrachten, was im letzten Winter vor unsere Seele getreten ist, so müssen wir sagen: Was H. P. Blavatsky angeregt hat, ist zwar etwas tief Einschneidendes; aber was hat alles Frau Blavatsky durch ihre erste Tat nicht tun können? — Was jetzt erst in dieser Stunde bewiesen worden ist: Die Notwendigkeit der theosophischen Bewegung für das Christus-Erlebnis, das ist etwas, was der Blavatsky ganz verschlossen war. Ihr oblag es, hinzuweisen auf den Wahrheitskern in den Religionen der arischen Völker; vollständig verschlossen war es ihr, die alt- und neutestamentlichen Offenbarungen zu verstehen. Wir verehren das, was die Persönlichkeit positiv geleistet hat, und blicken nicht auf das, was sie nicht konnte und was ihr verschlossen war und was wir eben hinzufügen müssen. Wer sich durch H.P. Blavatsky anregen läßt und weitergehen will, als sie selbst gegangen ist, der wird sich sagen: Wenn die Anregung, die H.P. Blavatsky gegeben hat, in der theosophischen Bewegung weitergeführt wird, dann wird man dazu kommen, das Christus-Ereignis zu begreifen.

[ 21 ] Das entspricht einem gewissen Hang unserer Zeit, den man charakterisieren könnte als einen gewissen Mangel in der Hingabe an die Wahrheit. Wie oft kann man es heute erleben, daß sich die Leute einverstanden erklären mit dem Wirken einer Persönlichkeit vielleicht von Jahrzehnten: das gefällt ihnen ganz gut, da sind sie zu bequem, um irgend etwas zu prüfen. Wenn sich dann aber vielleicht nach Jahrzehnten herausstellt, daß das Privatleben dieser Persönlichkeit dieses oder jenes aufweist, wo man vielleicht einhaken kann, dann fällt diese Persönlichkeit dahin. Ob das nun berechtigt ist oder nicht, darauf kommt es gar nicht an, sondern darauf, daß man ein Gefühl dafür bekommen soll, daß die Persönlichkeit zwar der Weg ist, durch welchen geistiges Leben zu uns kommt, daß wir aber die Verpflichtung haben, selbst zu prüfen, und zwar an der Wahrheit die Persönlichkeit zu prüfen, und nicht die Wahrheit an der Persönlichkeit! Gerade den Persönlichkeiten gegenüber in unserer theosophischen Bewegung müssen wir uns immer so verhalten. Und wir verehren sie im Grunde genommen am besten, wenn wir sie nicht mit Autoritätsglauben behängen, wie man das so gern tun möchte, denn wir wissen, daß die Wirksamkeit einer verstorbenen Persönlichkeit nach dem Tode nur verlegt ist in die geistige Welt. Es ist berechtigt zu sagen: Die Wirksamkeit von H. P. Blavatsky dauert fort, und wir können innerhalb dessen, wozu sie die Anregung gegeben hat, diese Wirksamkeit entweder fördern oder beeinträchtigen. Wir beeinträchtigen diese Wirksamkeit am allermeisten dann, wenn wir der Blavatsky blind glauben, wenn wir schwören auf das, was sie gedacht hat, als sie auf dem physischen Plan wandelte, wenn wir glauben wollten, wie sie vielleicht gerade geglaubt hat, und ihr mit einer blinden Autorität entgegenkommen. Und wir fördern und verehren sie am allermeisten, wenn wir uns bewußt sind: Sie hat die Anregung gegeben zu einer tiefsten, in der Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung begründeten Bewegung. Wir schreiben ihr dieses Verdienst zu und sehen ein, daß diese Bewegung kommen mußte. Aber es sind Jahre seitdem verflossen, und wir wollen uns dieser Anregung würdig erweisen, indem wir sagen: Was angeregt worden ist, das muß weitergebildet werden. -— Wir sehen ein: Durch diesen Kopf mußte die Anregung gehen. Wir stecken unsere Nase nicht in die Privatverhältnisse von H. P. Blavatsky, insbesondere nicht am heutigen Tage. Wir wissen, was die Anregung bedeutet, aber wir wissen auch, daß die Anregung dasjenige, was geschehen soll, nur in der unvollkommensten Weise darstellen kann. Und wenn wir das betrachten, was im letzten Winter vor unsere Seele getreten ist, so müssen wir sagen: Was H. P. Blavatsky angeregt hat, ist zwar etwas tief Einschneidendes; aber was hat alles Frau Blavatsky durch ihre erste Tat nicht tun können? — Was jetzt erst in dieser Stunde bewiesen worden ist: Die Notwendigkeit der theosophischen Bewegung für das Christus-Erlebnis, das ist etwas, was der Blavatsky ganz verschlossen war. Ihr oblag es, hinzuweisen auf den Wahrheitskern in den Religionen der arischen Völker; vollständig verschlossen war es ihr, die alt- und neutestamentlichen Offenbarungen zu verstehen. Wir verehren das, was die Persönlichkeit positiv geleistet hat, und blicken nicht auf das, was sie nicht konnte und was ihr verschlossen war und was wir eben hinzufügen müssen. Wer sich durch H.P. Blavatsky anregen läßt und weitergehen will, als sie selbst gegangen ist, der wird sich sagen: Wenn die Anregung, die H.P. Blavatsky gegeben hat, in der theosophischen Bewegung weitergeführt wird, dann wird man dazu kommen, das Christus-Ereignis zu begreifen.

[ 22 ] Das aber war gerade der Mangel der ersten theosophischen Bewegung, daß das alttestamentliche und neutestamentliche religiöse und geistige Leben nicht begriffen werden konnte. Daher ist im Grunde alles schief, was in dieser ersten Anregung darüber enthalten ist. Und die theosophische Bewegung hat die Aufgabe, das wieder gut zu machen und dasjenige, was in den ersten Anregungen überhaupt nicht enthalten war, hinzuzufügen. Wenn wir diese Tatsache in uns heute fühlen, ist sie zugleich eine Anforderung an unser theosophisches Gewissen.

[ 22 ] Das aber war gerade der Mangel der ersten theosophischen Bewegung, daß das alttestamentliche und neutestamentliche religiöse und geistige Leben nicht begriffen werden konnte. Daher ist im Grunde alles schief, was in dieser ersten Anregung darüber enthalten ist. Und die theosophische Bewegung hat die Aufgabe, das wieder gut zu machen und dasjenige, was in den ersten Anregungen überhaupt nicht enthalten war, hinzuzufügen. Wenn wir diese Tatsache in uns heute fühlen, ist sie zugleich eine Anforderung an unser theosophisches Gewissen.

[ 23 ] So sehen wir gerade in H. P. Blavatsky die Bringerin einer Art von Morgenröte eines neuen Lichtes. Aber was würde dieses Licht nützen, wenn es nicht das Allerwichtigste, was die Menschheit gehabt hat, beleuchten wollte? Eine Theosophie, welche nicht die Mittel hat, das Christentum zu begreifen, ist für die gegenwärtige Kultur absolut wertlos. Wenn sie aber doch das Instrument ist, um das Christentum zu begreifen, dann haben wir das Instrument in der richtigen Weise zu benutzen. Was machen wir denn, wenn wir dies nicht tun, was eben charakterisiert worden ist, wenn wir nicht die Anregung von H. P. Blavatsky benutzen, um das Christentum zu begreifen? Dann hemmen wir die Wirksamkeit des Geistes der Blavatsky in unserer Zeit! Alles ist doch in Entwickelung, also auch der Geist der Blavatsky. Und dieser Geist wirkt heute in der geistigen Welt, daß die theosophische Bewegung vorschreitet. Wenn wir uns aber vor H. P. Blavatsky hinstellen mit den Büchern, die sie geschrieben hat, und sagen: Mit deinen eigenen Werken richten wir dir einen Hügel auf! Du mußt stehenbleiben bei dem, was du getan hast im physischen Leben! — wer ist es denn dann, der den Geist der Blavatsky zu einem erdgebundenen macht, der ihn dazu verurteilt, daß er nicht hinübergehen kann über das, was er auf der Erde gestiftet hat? Wir selber wären das! Dadurch aber ehren und anerkennen wir H. P. Blavatsky, wenn wir über sie hinausgehen, wie sie über das hinausgegangen ist, was vor ihr war, so lange uns die Gnade der Weltenentwickelung geistige Offenbarungen aus der geistigen Welt geben kann.

[ 23 ] So sehen wir gerade in H. P. Blavatsky die Bringerin einer Art von Morgenröte eines neuen Lichtes. Aber was würde dieses Licht nützen, wenn es nicht das Allerwichtigste, was die Menschheit gehabt hat, beleuchten wollte? Eine Theosophie, welche nicht die Mittel hat, das Christentum zu begreifen, ist für die gegenwärtige Kultur absolut wertlos. Wenn sie aber doch das Instrument ist, um das Christentum zu begreifen, dann haben wir das Instrument in der richtigen Weise zu benutzen. Was machen wir denn, wenn wir dies nicht tun, was eben charakterisiert worden ist, wenn wir nicht die Anregung von H. P. Blavatsky benutzen, um das Christentum zu begreifen? Dann hemmen wir die Wirksamkeit des Geistes der Blavatsky in unserer Zeit! Alles ist doch in Entwickelung, also auch der Geist der Blavatsky. Und dieser Geist wirkt heute in der geistigen Welt, daß die theosophische Bewegung vorschreitet. Wenn wir uns aber vor H. P. Blavatsky hinstellen mit den Büchern, die sie geschrieben hat, und sagen: Mit deinen eigenen Werken richten wir dir einen Hügel auf! Du mußt stehenbleiben bei dem, was du getan hast im physischen Leben! — wer ist es denn dann, der den Geist der Blavatsky zu einem erdgebundenen macht, der ihn dazu verurteilt, daß er nicht hinübergehen kann über das, was er auf der Erde gestiftet hat? Wir selber wären das! Dadurch aber ehren und anerkennen wir H. P. Blavatsky, wenn wir über sie hinausgehen, wie sie über das hinausgegangen ist, was vor ihr war, so lange uns die Gnade der Weltenentwickelung geistige Offenbarungen aus der geistigen Welt geben kann.

[ 24 ] Das wollen wir heute als eine Gewissensfrage vor unsere Seelen hintreten lassen, und das ist schließlich am allermeisten auch im Sinne desjenigen Zeitgenossen, der jetzt auch schon in die geistige Welt eingegangen ist, H. S. Olcotts, des ersten Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft. Das wollen wir uns heute ganz besonders in die Seele schreiben! Denn gerade durch die Nichterkenntnis des lebendigen theosophischen Lebens sind auch alle Schattenseiten der theosophischen Bewegung entstanden: Würde die theosophische Bewegung ihre ursprünglichen großen Impulse mit heiligem Gewissen ungeschwächt fortführen, so würde sie durch ihre Kraft alles leicht aus dem Felde schlagen können, was an verderblichen Einschlägen im Laufe der Zeit bereits aufgetreten ist und was ganz gewiß noch auftreten wird. Das aber müssen wir auch ernstlich tun: die Impulse lebendig fortbilden. Heute aber sehen wir an vielen Orten, wo Theosophen zu wirken meinen, daß sie sich ganz besonders behaglich fühlen, wenn sie sagen: Wir tun jetzt etwas, was uns die äußere Wissenschaft auch bestätigt! — Wie lieb ist es manchen führenden Theosophen, wenn sie hinweisen können, wie die Religionsforscher auch das bestätigen, was aus der geistigen Welt herausgekommen ist, und gar nicht beachten sie, daß gerade die ungeistige Art der Vergleichung der religiösen Urkunden überwunden werden sollte. Da berührt sich zum Beispiel Theosophie sogar hart mit dem, was absterbend war und zur Leugnung des historischen Jesus geführt hat, und da ist sogar eine gewisse Verwandtschaft mit diesen Dingen vorhanden. Ursprünglich hat Theosophie den historischen Jesus auch nur gelten lassen wie die anderen Religionsstifter. Es ist der Blavatsky nicht eingefallen, den historischen Jesus zu leugnen. Sie hat ihn zwar in der Zeit um hundert Jahre hinausgeschoben, was allerdings ein Irrtum ist, sie hat ihn also nicht geleugnet, aber sie hat auch das Wesen des Christus Jesus nicht erkannt. Sie hat zwar die Anregung gegeben, daß in der von ihr eingeleiteten Bewegung das Wesen des Christus einmal erkannt werden kann, hat es aber selbst nicht tun können. Da berührt sich der erste Zustand der theosophischen Bewegung höchst merkwürdig mit dem, was die Leugner des historischen Jesus heute tun.

[ 24 ] Das wollen wir heute als eine Gewissensfrage vor unsere Seelen hintreten lassen, und das ist schließlich am allermeisten auch im Sinne desjenigen Zeitgenossen, der jetzt auch schon in die geistige Welt eingegangen ist, H. S. Olcotts, des ersten Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft. Das wollen wir uns heute ganz besonders in die Seele schreiben! Denn gerade durch die Nichterkenntnis des lebendigen theosophischen Lebens sind auch alle Schattenseiten der theosophischen Bewegung entstanden: Würde die theosophische Bewegung ihre ursprünglichen großen Impulse mit heiligem Gewissen ungeschwächt fortführen, so würde sie durch ihre Kraft alles leicht aus dem Felde schlagen können, was an verderblichen Einschlägen im Laufe der Zeit bereits aufgetreten ist und was ganz gewiß noch auftreten wird. Das aber müssen wir auch ernstlich tun: die Impulse lebendig fortbilden. Heute aber sehen wir an vielen Orten, wo Theosophen zu wirken meinen, daß sie sich ganz besonders behaglich fühlen, wenn sie sagen: Wir tun jetzt etwas, was uns die äußere Wissenschaft auch bestätigt! — Wie lieb ist es manchen führenden Theosophen, wenn sie hinweisen können, wie die Religionsforscher auch das bestätigen, was aus der geistigen Welt herausgekommen ist, und gar nicht beachten sie, daß gerade die ungeistige Art der Vergleichung der religiösen Urkunden überwunden werden sollte. Da berührt sich zum Beispiel Theosophie sogar hart mit dem, was absterbend war und zur Leugnung des historischen Jesus geführt hat, und da ist sogar eine gewisse Verwandtschaft mit diesen Dingen vorhanden. Ursprünglich hat Theosophie den historischen Jesus auch nur gelten lassen wie die anderen Religionsstifter. Es ist der Blavatsky nicht eingefallen, den historischen Jesus zu leugnen. Sie hat ihn zwar in der Zeit um hundert Jahre hinausgeschoben, was allerdings ein Irrtum ist, sie hat ihn also nicht geleugnet, aber sie hat auch das Wesen des Christus Jesus nicht erkannt. Sie hat zwar die Anregung gegeben, daß in der von ihr eingeleiteten Bewegung das Wesen des Christus einmal erkannt werden kann, hat es aber selbst nicht tun können. Da berührt sich der erste Zustand der theosophischen Bewegung höchst merkwürdig mit dem, was die Leugner des historischen Jesus heute tun.

[ 25 ] So wird heute zum Beispiel von Professor Drews darauf hingewiesen, daß man die Vorgänge, welche dem Ereignis von Golgatha vorangehen, auch in der alten Götter-Erklärung findet, so zum Beispiel in den Kulten des Adonis oder 'Tammuz. Da zeigt sich ein leidender Gottesheld, ein sterbender Gottesheld, ein auferstehender Gottesheld und so weiter. Es wird immer verglichen, was da und dort religiöse Überlieferung ist und dann wird geschlossen: Es wird euch erzählt von einem leidenden, sterbenden und auferstehenden Jesus von Nazareth, der der Christus war, aber ihr seht, daß das die anderen Völker auch feierten an Adonis, an Tammuz und so weiter. Überall wird hingewiesen auf die Ähnlichkeit dieser oder jener alten Götterfigur mit dem, was in den Vorgängen von Palästina beschrieben wird.

[ 25 ] So wird heute zum Beispiel von Professor Drews darauf hingewiesen, daß man die Vorgänge, welche dem Ereignis von Golgatha vorangehen, auch in der alten Götter-Erklärung findet, so zum Beispiel in den Kulten des Adonis oder 'Tammuz. Da zeigt sich ein leidender Gottesheld, ein sterbender Gottesheld, ein auferstehender Gottesheld und so weiter. Es wird immer verglichen, was da und dort religiöse Überlieferung ist und dann wird geschlossen: Es wird euch erzählt von einem leidenden, sterbenden und auferstehenden Jesus von Nazareth, der der Christus war, aber ihr seht, daß das die anderen Völker auch feierten an Adonis, an Tammuz und so weiter. Überall wird hingewiesen auf die Ähnlichkeit dieser oder jener alten Götterfigur mit dem, was in den Vorgängen von Palästina beschrieben wird.

[ 26 ] Das ist im weiten Umfange im Grunde auch in der theosophischen Bewegung getrieben worden. Man sieht gar nicht heute bei dieser Religionsvergleichung, daß damit gar nichts gesagt ist, wenn man vergleicht Adonis oder Tammuz mit den Ereignissen von Palästina. Ich will Ihnen nur durch einen Vergleich einmal vor die Seele führen, wo der Irrtum einer solchen Religionsvergleichung liegt. Äußerlich kann sie absolut richtig sein, aber dennoch ist sie einem gewaltigen Irrtum unterworfen. Nehmen Sie an, es gibt eine Uniform irgendeines Beamten, der, sagen wir, im Jahre 1910 lebte. Die Uniform, welche dieser Beamte im Jahre 1910 trägt, stellt zu gleicher Zeit die äußere Art seiner Tätigkeit dar, seines Amtes. Und nehmen wir weiter an, im Jahre 1930 steckte ein anderer Mensch, der ganz anders ist, in derselben Uniform. Aber nicht auf die Uniform, sondern auf die Individualität kommt es dabei an, wie ein Mensch seine Arbeit verrichtet. Jetzt aber denken wir uns, im Jahre 2090 käme ein Geschichtsforscher, der etwa sagte: Es wird berichtet, daß es im Jahre 1910 einen Menschen gab, der diesen Rock, dieses Beinkleid und diese Weste angehabt hat. Im Jahre 1930 aber sehe ich auch den gleichen Rock, dieselbe Weste und dieselben Beinkleider, also sehen wir, daß sich Rock, Beinkleid und Weste fortgepflanzt haben, und daß wir beide Male eigentlich dasselbe Wesen vor uns haben!

[ 26 ] Das ist im weiten Umfange im Grunde auch in der theosophischen Bewegung getrieben worden. Man sieht gar nicht heute bei dieser Religionsvergleichung, daß damit gar nichts gesagt ist, wenn man vergleicht Adonis oder Tammuz mit den Ereignissen von Palästina. Ich will Ihnen nur durch einen Vergleich einmal vor die Seele führen, wo der Irrtum einer solchen Religionsvergleichung liegt. Äußerlich kann sie absolut richtig sein, aber dennoch ist sie einem gewaltigen Irrtum unterworfen. Nehmen Sie an, es gibt eine Uniform irgendeines Beamten, der, sagen wir, im Jahre 1910 lebte. Die Uniform, welche dieser Beamte im Jahre 1910 trägt, stellt zu gleicher Zeit die äußere Art seiner Tätigkeit dar, seines Amtes. Und nehmen wir weiter an, im Jahre 1930 steckte ein anderer Mensch, der ganz anders ist, in derselben Uniform. Aber nicht auf die Uniform, sondern auf die Individualität kommt es dabei an, wie ein Mensch seine Arbeit verrichtet. Jetzt aber denken wir uns, im Jahre 2090 käme ein Geschichtsforscher, der etwa sagte: Es wird berichtet, daß es im Jahre 1910 einen Menschen gab, der diesen Rock, dieses Beinkleid und diese Weste angehabt hat. Im Jahre 1930 aber sehe ich auch den gleichen Rock, dieselbe Weste und dieselben Beinkleider, also sehen wir, daß sich Rock, Beinkleid und Weste fortgepflanzt haben, und daß wir beide Male eigentlich dasselbe Wesen vor uns haben!

[ 27 ] Ein solcher Schluß ist natürlich töricht. Aber es ist nicht gescheiter, wenn man sagt: Wir nehmen die vorderasiatischen Religionen und sehen da, wie in Adonis oder Tammuz Leiden, Sterben und Auferstehung dargestellt wird; dasselbe finden wir beim Christus auch! — Darauf kommt es aber nicht an, daß Leiden, Sterben und Auferstehen dargestellt wird, sondern darauf, wer auferstanden ist! Leiden, Tod und Auferstehung ist die Uniform in der weltgeschichtlichen Entwickelung, und wir dürfen nicht auf die Uniform, die uns in den Legenden entgegentritt, hinweisen, sondern auf die Individualitäten, welche darinnenstecken. Gewiß haben sich die Individualitäten, damit die Menschen sie begreifen, in derselben Weise gezeigt, haben sozusagen «Christus-Taten» vollbracht, welche zeigen sollten: Er kann auch die Taten verrichten, die einmal ein Tammuz zum Beispiel hat. — Aber es war immer eine andere Wesenheit hinter diesen Taten. Daher ist alle Religionsvergleichung, daß zum Beispiel die Siegfried-Gestalt übereinstimmt mit der Baldur-Gestalt, die BaldurGestalt mit der Tammuz-Gestalt und so weiter, nur ein Zeichen dafür, daß gewisse Formen der Legenden und Mythen bei diesen und jenen Völkern vorkommen. Das ist nicht mehr wert, als wenn man, um die Menschen kennenzulernen, zeigen würde, wie sich eine bestimmte Uniformgattung bei einem bestimmten Amte wiederfindet. Das ist der fundamentale Irrtum, der überall grassiert und der zum Beispiel auch in der theosophischen Bewegung grassieren kann, und der nichts anderes ist, als eine Konsequenz materialistischer Denkgewohnheiten.

[ 27 ] Ein solcher Schluß ist natürlich töricht. Aber es ist nicht gescheiter, wenn man sagt: Wir nehmen die vorderasiatischen Religionen und sehen da, wie in Adonis oder Tammuz Leiden, Sterben und Auferstehung dargestellt wird; dasselbe finden wir beim Christus auch! — Darauf kommt es aber nicht an, daß Leiden, Sterben und Auferstehen dargestellt wird, sondern darauf, wer auferstanden ist! Leiden, Tod und Auferstehung ist die Uniform in der weltgeschichtlichen Entwickelung, und wir dürfen nicht auf die Uniform, die uns in den Legenden entgegentritt, hinweisen, sondern auf die Individualitäten, welche darinnenstecken. Gewiß haben sich die Individualitäten, damit die Menschen sie begreifen, in derselben Weise gezeigt, haben sozusagen «Christus-Taten» vollbracht, welche zeigen sollten: Er kann auch die Taten verrichten, die einmal ein Tammuz zum Beispiel hat. — Aber es war immer eine andere Wesenheit hinter diesen Taten. Daher ist alle Religionsvergleichung, daß zum Beispiel die Siegfried-Gestalt übereinstimmt mit der Baldur-Gestalt, die BaldurGestalt mit der Tammuz-Gestalt und so weiter, nur ein Zeichen dafür, daß gewisse Formen der Legenden und Mythen bei diesen und jenen Völkern vorkommen. Das ist nicht mehr wert, als wenn man, um die Menschen kennenzulernen, zeigen würde, wie sich eine bestimmte Uniformgattung bei einem bestimmten Amte wiederfindet. Das ist der fundamentale Irrtum, der überall grassiert und der zum Beispiel auch in der theosophischen Bewegung grassieren kann, und der nichts anderes ist, als eine Konsequenz materialistischer Denkgewohnheiten.

[ 28 ] Nur dann wird das Testament der Blavatsky erfüllt werden, wenn die theosophische Bewegung fähig ist, das Leben des Geistes in sich zu pflegen und zu bewahren, wenn auf den Geist gesehen wird, der sich nicht durch Bücher, die jemand geschrieben hat, sondern durch das lebendige Leben immerfort zeigt. Geist soll bei uns gepflegt werden. Nicht Bücher wollen wir bloß studieren, die vor Jahrhunderten geschrieben worden sind, sondern lebendig fortentwickeln, was uns als Geist gegeben ist. Und wir wollen etwas sein wie eine Vereinigung von Menschen, die nicht bloß glauben an Bücher und Menschen, sondern an den lebendigen Geist, und die nicht bloß davon sprechen, daß H. P. Blavatsky abgegangen ist vom physischen Plan und nach ihrem Tode weiter lebt, sondern die so weit lebendig glauben an das, was durch die Theosophie offenbart worden ist, daß sie selbst durch ihre eigene Wesenheit auf dem physischen Plan kein Hemmnis sein können für das übersinnliche Fortwirken des Geistes der Blavatsky. Nur dann werden wir der theosophischen Bewegung etwas sein, wenn wir so denken über H.P. Blavatsky, und nur dann wird H. P. Blavatsky etwas sein können für die theosophische Bewegung, wenn solche Menschen auf Erden existieren, die so denken können. Aber dazu ist notwendig, daß weiter geistig geforscht wird, und daß man vor allen Dingen glaubt an das, was besonders in dem letzten öffentlichen Vortrag erwähnt worden ist: daß die Menschheit im Fortschreiten begriffen ist, und daß wirklich so etwas in die Geschichte eingetreten ist zur Zeit des Christus Jesus wie das Gewissen, und daß solche Dinge entstehen und eine Bedeutung haben für die ganze Entwickelung. Das Gewissen ist etwas, was zu einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten ist. Das Gewissen war früher etwas anderes, und es wird wieder etwas anderes werden, nachdem die Menschenseelen im Lichte des Gewissens sich eine Weile entwickelt haben werden. Wie das Gewissen sich verändern wird in der Zukunft, darauf haben wir auch schon hingewiesen.

[ 28 ] Nur dann wird das Testament der Blavatsky erfüllt werden, wenn die theosophische Bewegung fähig ist, das Leben des Geistes in sich zu pflegen und zu bewahren, wenn auf den Geist gesehen wird, der sich nicht durch Bücher, die jemand geschrieben hat, sondern durch das lebendige Leben immerfort zeigt. Geist soll bei uns gepflegt werden. Nicht Bücher wollen wir bloß studieren, die vor Jahrhunderten geschrieben worden sind, sondern lebendig fortentwickeln, was uns als Geist gegeben ist. Und wir wollen etwas sein wie eine Vereinigung von Menschen, die nicht bloß glauben an Bücher und Menschen, sondern an den lebendigen Geist, und die nicht bloß davon sprechen, daß H. P. Blavatsky abgegangen ist vom physischen Plan und nach ihrem Tode weiter lebt, sondern die so weit lebendig glauben an das, was durch die Theosophie offenbart worden ist, daß sie selbst durch ihre eigene Wesenheit auf dem physischen Plan kein Hemmnis sein können für das übersinnliche Fortwirken des Geistes der Blavatsky. Nur dann werden wir der theosophischen Bewegung etwas sein, wenn wir so denken über H.P. Blavatsky, und nur dann wird H. P. Blavatsky etwas sein können für die theosophische Bewegung, wenn solche Menschen auf Erden existieren, die so denken können. Aber dazu ist notwendig, daß weiter geistig geforscht wird, und daß man vor allen Dingen glaubt an das, was besonders in dem letzten öffentlichen Vortrag erwähnt worden ist: daß die Menschheit im Fortschreiten begriffen ist, und daß wirklich so etwas in die Geschichte eingetreten ist zur Zeit des Christus Jesus wie das Gewissen, und daß solche Dinge entstehen und eine Bedeutung haben für die ganze Entwickelung. Das Gewissen ist etwas, was zu einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten ist. Das Gewissen war früher etwas anderes, und es wird wieder etwas anderes werden, nachdem die Menschenseelen im Lichte des Gewissens sich eine Weile entwickelt haben werden. Wie das Gewissen sich verändern wird in der Zukunft, darauf haben wir auch schon hingewiesen.

[ 29 ] Parallel gehen wird mit dem Auftreten des Ereignisses von Damaskus bei einer großen Anzahl Menschen im Laufe des 20. Jahrhunderts so etwas, daß die Menschen lernen werden, wenn sie irgendeine Tat im Leben getan haben, aufzuschauen von dieser Tat. Sie werden bedächtiger werden, werden ein innerliches Bild haben von der Tat — zunächst wenige, dann immer mehr und mehr im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende. Nachdem die Menschen etwas getan haben werden, wird das Bild da sein. Sie werden zunächst nicht wissen, was das ist. Die aber Geisteswissenschaft kennengelernt haben, werden sich sagen: Hier habe ich ein Bild! Das ist kein Traum, gar kein Traum, es ist ein Bild dessen, was mir die karmische Erfüllung dieser Tat zeigt, die ich eben getan habe. Das wird einmal geschehen als Erfüllung, als karmischer Ausgleich dessen, was ich eben getan habe! — Das wird im 20. Jahrhundert beginnen. Da wird sich für den Menschen hinzuentwickeln die Fähigkeit, daß er ein Bild hat von einer ganz fernen, noch nicht geschehenen Tat. Das wird sich zeigen als ein inneres Gegenbild seiner Tat, als die karmische Erfüllung, die einmal eintreten wird. Der Mensch wird sich dann sagen: Jetzt habe ich dies getan. Nun wird mir gezeigt, was ich zum Ausgleich tun muß, und was mich immer zurückhalten würde in der Vervollkommnung, wenn ich den Ausgleich nicht vollbringen würde. -— Da wird Karma nicht eine bloße Theorie mehr sein, sondern es wird dieses charakterisierte innere Bild erfahren werden.

[ 29 ] Parallel gehen wird mit dem Auftreten des Ereignisses von Damaskus bei einer großen Anzahl Menschen im Laufe des 20. Jahrhunderts so etwas, daß die Menschen lernen werden, wenn sie irgendeine Tat im Leben getan haben, aufzuschauen von dieser Tat. Sie werden bedächtiger werden, werden ein innerliches Bild haben von der Tat — zunächst wenige, dann immer mehr und mehr im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende. Nachdem die Menschen etwas getan haben werden, wird das Bild da sein. Sie werden zunächst nicht wissen, was das ist. Die aber Geisteswissenschaft kennengelernt haben, werden sich sagen: Hier habe ich ein Bild! Das ist kein Traum, gar kein Traum, es ist ein Bild dessen, was mir die karmische Erfüllung dieser Tat zeigt, die ich eben getan habe. Das wird einmal geschehen als Erfüllung, als karmischer Ausgleich dessen, was ich eben getan habe! — Das wird im 20. Jahrhundert beginnen. Da wird sich für den Menschen hinzuentwickeln die Fähigkeit, daß er ein Bild hat von einer ganz fernen, noch nicht geschehenen Tat. Das wird sich zeigen als ein inneres Gegenbild seiner Tat, als die karmische Erfüllung, die einmal eintreten wird. Der Mensch wird sich dann sagen: Jetzt habe ich dies getan. Nun wird mir gezeigt, was ich zum Ausgleich tun muß, und was mich immer zurückhalten würde in der Vervollkommnung, wenn ich den Ausgleich nicht vollbringen würde. -— Da wird Karma nicht eine bloße Theorie mehr sein, sondern es wird dieses charakterisierte innere Bild erfahren werden.

[ 30 ] Solche Fähigkeiten treten nach und nach immer mehr auf. Neue Fähigkeiten entwickeln sich, aber die alten Fähigkeiten sind die Keime für die neuen. Wovon werden es denn die Menschen haben, daß sich das karmische Bild zeigen wird? Davon werden sie es haben, daß die Seele eine gewisse Zeit im Lichte des Gewissens gestanden hat! Das ist ja das Wichtige für die Seele: nicht daß dieses oder jenes äußere Physische erlebt wird, sondern daß die Seele dadurch vollkommener wird. Durch das Gewissen bereitet sich die Seele zu demjenigen vor, was jetzt charakterisiert worden ist. Und je mehr die Menschen gegangen sein werden durch Inkarnationen, wo sie besonders das Gewissen ausgebildet haben, je mehr sie dieses Gewissen in sich pflegen werden, desto mehr werden sie tun, um jene höhere Fähigkeit zu haben, die ihnen im geistigen Schauen selber jene Gottesstimme wieder vorführt, welche die Menschen früher einmal in anderer Weise gehabt haben. Äschylos stellte noch einen solchen Orest dar, der vor sich hatte, was seine schlimmen Taten bewirkten. Orest muß noch ansehen, wie die Wirkung seiner Taten in die Außenwelt hinausgestellt ist. Die neue Fähigkeit, welche sich für die Seele entwickelt, ist eine solche, daß der Mensch in Bildern sehen wird die Wirkung seiner Taten für die Zukunft. Das ist das Neue. Die Entwickelung verläuft immer zyklisch, immer kreisförmig, und was die Menschheit an dem alten Schauen besessen hat, das stellt sich in erneuerter Weise auch wieder ein.

[ 30 ] Solche Fähigkeiten treten nach und nach immer mehr auf. Neue Fähigkeiten entwickeln sich, aber die alten Fähigkeiten sind die Keime für die neuen. Wovon werden es denn die Menschen haben, daß sich das karmische Bild zeigen wird? Davon werden sie es haben, daß die Seele eine gewisse Zeit im Lichte des Gewissens gestanden hat! Das ist ja das Wichtige für die Seele: nicht daß dieses oder jenes äußere Physische erlebt wird, sondern daß die Seele dadurch vollkommener wird. Durch das Gewissen bereitet sich die Seele zu demjenigen vor, was jetzt charakterisiert worden ist. Und je mehr die Menschen gegangen sein werden durch Inkarnationen, wo sie besonders das Gewissen ausgebildet haben, je mehr sie dieses Gewissen in sich pflegen werden, desto mehr werden sie tun, um jene höhere Fähigkeit zu haben, die ihnen im geistigen Schauen selber jene Gottesstimme wieder vorführt, welche die Menschen früher einmal in anderer Weise gehabt haben. Äschylos stellte noch einen solchen Orest dar, der vor sich hatte, was seine schlimmen Taten bewirkten. Orest muß noch ansehen, wie die Wirkung seiner Taten in die Außenwelt hinausgestellt ist. Die neue Fähigkeit, welche sich für die Seele entwickelt, ist eine solche, daß der Mensch in Bildern sehen wird die Wirkung seiner Taten für die Zukunft. Das ist das Neue. Die Entwickelung verläuft immer zyklisch, immer kreisförmig, und was die Menschheit an dem alten Schauen besessen hat, das stellt sich in erneuerter Weise auch wieder ein.

[ 31 ] So bereiten wir uns durch die Erkenntnisse der geistigen Welt vor, daß wir wirklich in einer richtigen Weise in der nächsten Inkarnation aufwachen, und dadurch arbeiten wir auch in der Weise, daß auch für die Menschen, die unsere Nachkommen sind, im entsprechenden Maße gesorgt ist. Dadurch ist die Geistesforschung in ihrem inneren Grunde eine unegoistische Richtung, weil sie nicht fragt, was dem einzelnen frommt, sondern wodurch der Fortschritt der ganzen Menschheit bewirkt wird.

[ 31 ] So bereiten wir uns durch die Erkenntnisse der geistigen Welt vor, daß wir wirklich in einer richtigen Weise in der nächsten Inkarnation aufwachen, und dadurch arbeiten wir auch in der Weise, daß auch für die Menschen, die unsere Nachkommen sind, im entsprechenden Maße gesorgt ist. Dadurch ist die Geistesforschung in ihrem inneren Grunde eine unegoistische Richtung, weil sie nicht fragt, was dem einzelnen frommt, sondern wodurch der Fortschritt der ganzen Menschheit bewirkt wird.

[ 32 ] Wir haben nun zweimal gefragt: Was ist das Gewissen? Jetzt haben wir auch gefragt: Was wird aus dem Gewissen, das sich heute entwikkelt? Wie stellt sich das Gewissen dar, wenn wir es betrachten als einen Samen in der Zeit, welche die Menschheit jetzt durchmacht? Was wird aus dem, was das Gewissen als Keim bewirkt? — Diese charakterisierten höheren Fähigkeiten werden daraus! Das ist das Wichtige, daß wir an die Entwickelung der Seele von Inkarnation zu Inkarnation, von Zeitalter zu Zeitalter glauben. Das lernen wir, indem wir das wirkliche Christentum verstehen lernen. Und da haben wir von Paulus noch sehr viel zu lernen. Sehen Sie sich bei allen orientalischen Religionen um, auch beim Buddhismus, Sie finden die Lehre: Die äußere Welt ist Maja. — Gewiß ist sie das, aber das wird im Orient als eine absolute Wahrheit hingestellt. Paulus weiß diese Wahrheit auch, sie ist wahrhaftig bei ihm genügend betont. Aber etwas anderes ist bei Paulus noch betont, nämlich dies: Wohl sieht der Mensch nicht Wahrheit, wenn er hinausschaut mit seinen Augen, er sieht nicht die Wirklichkeit, wenn er in das schaut, was draußen ist. Warum nicht? Weil er sich selbst bei seinem Herunterstieg in die Materie die äußere Wirklichkeit zur Illusion umgegossen hat! Der Mensch ist es selbst, der die äußere Welt durch seine Tat zur Illusion gemacht hat! Nennen Sie es nun mit der Bibel «Sündenfall» oder sonstwie, was bewirkt, daß ihm die äußere Welt jetzt als eine Illusion erscheint. Den «Göttern» gibt die orientalische Religionslehre die Schuld, daß dem Menschen die Welt als Maja erscheint. Schlag’ an deine eigene Brust! — so sagt Paulus —, du bist heruntergestiegen und hast deine eigene Anschauung so getrübt, daß Farbe und Ton nicht wirklich als ein Geistiges erscheinen. Du glaubst, daß Farbe und Ton etwas ist, was materiell für sich da ist? Maja ist es! Du hast es selbst zur Maja gemacht. Du Mensch, du mußt dich selbst davon wieder erlösen. Du mußt dir das, was du verwirkt hast, wieder aneignen! Du bist heruntergestiegen in die Materie, und jetzt mußt du dich selbst wieder davon erlösen, davon befreien, aber nicht in der Weise, wie es Buddha sagt: Bezwinge den Drang nach Dasein! Nein! du mußt das Dasein der Erde in ihrer Wirklichkeit sehen. Was du selber zur Maja gemacht hast, das mußt du wieder richtig machen in dir. Und das kannst du, indem du die Christus-Kraft in dich aufnimmst, die dir die äußere Welt in ihrer Wirklichkeit zeigt!

[ 32 ] Wir haben nun zweimal gefragt: Was ist das Gewissen? Jetzt haben wir auch gefragt: Was wird aus dem Gewissen, das sich heute entwikkelt? Wie stellt sich das Gewissen dar, wenn wir es betrachten als einen Samen in der Zeit, welche die Menschheit jetzt durchmacht? Was wird aus dem, was das Gewissen als Keim bewirkt? — Diese charakterisierten höheren Fähigkeiten werden daraus! Das ist das Wichtige, daß wir an die Entwickelung der Seele von Inkarnation zu Inkarnation, von Zeitalter zu Zeitalter glauben. Das lernen wir, indem wir das wirkliche Christentum verstehen lernen. Und da haben wir von Paulus noch sehr viel zu lernen. Sehen Sie sich bei allen orientalischen Religionen um, auch beim Buddhismus, Sie finden die Lehre: Die äußere Welt ist Maja. — Gewiß ist sie das, aber das wird im Orient als eine absolute Wahrheit hingestellt. Paulus weiß diese Wahrheit auch, sie ist wahrhaftig bei ihm genügend betont. Aber etwas anderes ist bei Paulus noch betont, nämlich dies: Wohl sieht der Mensch nicht Wahrheit, wenn er hinausschaut mit seinen Augen, er sieht nicht die Wirklichkeit, wenn er in das schaut, was draußen ist. Warum nicht? Weil er sich selbst bei seinem Herunterstieg in die Materie die äußere Wirklichkeit zur Illusion umgegossen hat! Der Mensch ist es selbst, der die äußere Welt durch seine Tat zur Illusion gemacht hat! Nennen Sie es nun mit der Bibel «Sündenfall» oder sonstwie, was bewirkt, daß ihm die äußere Welt jetzt als eine Illusion erscheint. Den «Göttern» gibt die orientalische Religionslehre die Schuld, daß dem Menschen die Welt als Maja erscheint. Schlag’ an deine eigene Brust! — so sagt Paulus —, du bist heruntergestiegen und hast deine eigene Anschauung so getrübt, daß Farbe und Ton nicht wirklich als ein Geistiges erscheinen. Du glaubst, daß Farbe und Ton etwas ist, was materiell für sich da ist? Maja ist es! Du hast es selbst zur Maja gemacht. Du Mensch, du mußt dich selbst davon wieder erlösen. Du mußt dir das, was du verwirkt hast, wieder aneignen! Du bist heruntergestiegen in die Materie, und jetzt mußt du dich selbst wieder davon erlösen, davon befreien, aber nicht in der Weise, wie es Buddha sagt: Bezwinge den Drang nach Dasein! Nein! du mußt das Dasein der Erde in ihrer Wirklichkeit sehen. Was du selber zur Maja gemacht hast, das mußt du wieder richtig machen in dir. Und das kannst du, indem du die Christus-Kraft in dich aufnimmst, die dir die äußere Welt in ihrer Wirklichkeit zeigt!

[ 33 ] Darin liegt ein großer Impuls westländischen Lebens, ein neuer Zug, und der ist noch lange nicht auf den einzelnen Gebieten durchgeführt. Was weiß heute die Welt davon, daß auf einem Gebiete sogar versucht worden ist, sozusagen im Sinne des Paulus, eine Erkenntnistheorie zu schaffen? Eine solche Erkenntnistheorie könnte nicht im kantischen Sinne sagen: Das Ding an sich ist etwas Unbegreifliches —, sondern sie könnte nur sagen: Es liegt an dir, Mensch, du bewirkst durch das, was du jetzt bist, eine unrichtige Wirklichkeit. Du mußt selbst einen inneren Prozeß durchmachen. Dann verwandelt sich dir Maja in Wahrheit, in die geistige Wirklichkeit! — In diesem Sinne die Erkenntnistheorie auf paulinische Basis zu stellen, war die Aufgabe meiner beiden Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Die Philosophie der Freiheit». Diese beiden Bücher stellen sich hinein in das, was die große Errungenschaft der paulinischen Auffassung vom Menschen ist in der westländischen Welt. Daher sind diese Bücher auch so wenig verstanden worden, höchstens in einigen Kreisen, weil sie voraussetzen gerade die ganzen Impulse, welche in der Bewegung für Geisteswissenschaft zum Ausdruck gekommen sind. Im Kleinsten muß sich das Größte zeigen!

[ 33 ] Darin liegt ein großer Impuls westländischen Lebens, ein neuer Zug, und der ist noch lange nicht auf den einzelnen Gebieten durchgeführt. Was weiß heute die Welt davon, daß auf einem Gebiete sogar versucht worden ist, sozusagen im Sinne des Paulus, eine Erkenntnistheorie zu schaffen? Eine solche Erkenntnistheorie könnte nicht im kantischen Sinne sagen: Das Ding an sich ist etwas Unbegreifliches —, sondern sie könnte nur sagen: Es liegt an dir, Mensch, du bewirkst durch das, was du jetzt bist, eine unrichtige Wirklichkeit. Du mußt selbst einen inneren Prozeß durchmachen. Dann verwandelt sich dir Maja in Wahrheit, in die geistige Wirklichkeit! — In diesem Sinne die Erkenntnistheorie auf paulinische Basis zu stellen, war die Aufgabe meiner beiden Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Die Philosophie der Freiheit». Diese beiden Bücher stellen sich hinein in das, was die große Errungenschaft der paulinischen Auffassung vom Menschen ist in der westländischen Welt. Daher sind diese Bücher auch so wenig verstanden worden, höchstens in einigen Kreisen, weil sie voraussetzen gerade die ganzen Impulse, welche in der Bewegung für Geisteswissenschaft zum Ausdruck gekommen sind. Im Kleinsten muß sich das Größte zeigen!

[ 34 ] Durch solche Betrachtungen, die uns von unserer engen Menschlichkeit emporheben und uns zeigen, wie wir in unserer kleinen alltäglichen Arbeit anknüpfen können an das, was uns von Stufe zu Stufe, von Leben zu Leben immer mehr hineinführt in das geistige Dasein, durch solche Betrachtungen werden wir zu rechten Theosophen. Und wir dürfen uns einer solchen Betrachtung gerade hingeben an einem Tage, der gewidmet ist einer Persönlichkeit, die eine Anregung gegeben hat zu einer Bewegung, die immer weiter und weiter leben wird, die nicht für einen Menschen eine graue Theorie bleiben soll, sondern die Lebenssaft in sich haben soll, damit der Baum immer von neuem grünen wird, den wir den Baum der theosophischen Weltanschauung nennen.

[ 34 ] Durch solche Betrachtungen, die uns von unserer engen Menschlichkeit emporheben und uns zeigen, wie wir in unserer kleinen alltäglichen Arbeit anknüpfen können an das, was uns von Stufe zu Stufe, von Leben zu Leben immer mehr hineinführt in das geistige Dasein, durch solche Betrachtungen werden wir zu rechten Theosophen. Und wir dürfen uns einer solchen Betrachtung gerade hingeben an einem Tage, der gewidmet ist einer Persönlichkeit, die eine Anregung gegeben hat zu einer Bewegung, die immer weiter und weiter leben wird, die nicht für einen Menschen eine graue Theorie bleiben soll, sondern die Lebenssaft in sich haben soll, damit der Baum immer von neuem grünen wird, den wir den Baum der theosophischen Weltanschauung nennen.

[ 35 ] Aus diesem Geiste heraus wollen wir es versuchen, uns geeignet zu machen, einen Boden zu bereiten in unserer Bewegung, der die Impulse der Blavatsky nicht hemmt und zurückhält, sondern zu immer weiterer Entfaltung fördert.

[ 35 ] Aus diesem Geiste heraus wollen wir es versuchen, uns geeignet zu machen, einen Boden zu bereiten in unserer Bewegung, der die Impulse der Blavatsky nicht hemmt und zurückhält, sondern zu immer weiterer Entfaltung fördert.