The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119
31 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Es war notwendig, an die programmäßigen zehn Vorträge am heutigen Abend noch einen elften anzureihen aus dem Grunde, weil zu diesem oder jenem angeschlagenen Thema heute noch das eine oder das andere hinzuzufügen sein wird. Sie werden es ja verspürt haben, daß man über die angeschlagenen Fragen nicht nur wochen-, sondern monatelang, ja jahrelang jeden Abend sprechen müßte, wenn man sie nach allen Seiten hin wirklich ausführen wollte. Es handelt sich aber in der Gegenwart mit Bezug auf die theosophischen Verkündigungen weniger darum, daß der ganze Umfang geisteswissenschaftlicher Erkenntnis da oder dort gleich vorgetragen wird — das kann ja nicht sein —, sondern vielmehr darum, daß Anregungen gegeben werden. Dies macht ja allerdings notwendig, daß appelliert wird von Anfang an nicht allein an das Verständnis, obwohl das in erster Linie der Fall sein muß, sondern daß noch an etwas anderes appelliert wird. Es muß immer wiederum und wiederum betont werden, weil es zum Lebensnerv der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis in der Gegenwart gehört, daß alles das, was durch geisteswissenschaftliche Forschungen aus den höheren Welten heruntergetragen wird, begriffen, verstanden werden kann mit den Ideen, mit den Vorstellungen, die sich heute der Mensch draußen in der physischen Welt, im Leben innerhalb der physischen Welt aneignen kann. Es gibt nichts aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, was nicht auf diese Art verstanden werden könnte.
[ 1 ] It was necessary to add an eleventh lecture to the ten scheduled for this evening because there will be one or two additional points to add regarding this or that topic discussed today. You will have sensed that one would have to speak on the issues raised not just for weeks, but for months, even years, every evening, if one were to truly explore them from every angle. However, with regard to theosophical teachings at the present time, the point is not so much that the entire scope of spiritual scientific knowledge be presented here or there all at once—which is, of course, impossible—but rather that inspiration be provided. This does, of course, necessitate that from the very beginning we appeal not only to the intellect, although that must be the primary focus, but that we also appeal to something else. It must be emphasized again and again, because it is part of the lifeblood of spiritual scientific knowledge today, that everything brought down from the higher worlds through spiritual scientific research can be grasped and understood using the ideas and concepts that human beings can acquire today out in the physical world, in life within the physical world. There is nothing in spiritual scientific knowledge that cannot be understood in this way.
[ 2 ] Allein es ist wirklich gegenüber den großen Fragen, welche auf diesem Gebiete angeschlagen werden müssen, oftmals notwendig, daß, um zum vollen Verständnis zu kommen, ein langer, schwieriger Weg eingeschlagen wird. Man braucht aus dem Umfange der Begriffe und Ideen, die man gegenwärtig haben kann, so ziemlich alles, wenn man auf vernunftgemäße Art die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse durchdringen will, so daß man sich sagen kann: Vielleicht kann ich heute noch nicht selbst durch mein eigenes hellsichtiges Geistesauge hinaufdringen in die übersinnlichen Welten; aber alles das, was mir aus diesen Welten verkündet wird, kann ich vernunftgemäß verständlich finden. — Das wäre möglich, kann aber nicht von jedem augenblicklich ausgeführt werden. Nicht jeder, dem heute aus seiner Sehnsucht, aus seinen Idealen heraus die geisteswissenschaftliche Verkündigung notwendig ist, ist auch in der Lage, den schweren Vernunftweg zu gehen, der hiermit angedeutet worden ist. Und daher kann derjenige, welcher von geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen spricht, nicht immer voraussetzen, daß alle seine Darstellungen so unmittelbar in jedem Augenblick geprüft werden an der Vernunft. Dafür muß er eine andere Voraussetzung machen, nämlich, daß in einer jeden menschlichen Seele nicht nur diejenigen Fähigkeiten und Kräfte vorhanden sind, welche durch lange, lange Zeiträume erworben und heute bis zu einer gewissen Vollendung gebracht worden sind. Zu solchen Fähigkeiten gehört ja gewiß das, was wir die menschliche Vernunft, den menschlichen Intellekt nennen. Aber die Geisteswissenschaft weiß, daß es eine Zukunft dieses Intellektes nicht gibt. Andere Fähigkeiten, wie das Denken des Herzens, werden sich in der menschlichen Seele bei dem Wandel der Menschheit in der Zukunft entwickeln. Neue Fähigkeiten, heute noch ungeahnte Fähigkeiten werden sich entwickeln. Das aber, was wir Intellekt, was wir Vernunft nennen, das ist auf einem gewissen Höhepunkt angelangt, das wird zwar als eine Frucht der gegenwärtigen Entwickelung der Zukunft der Menschenseele einverleibt werden, aber die Geisteswissenschaft weiß, einer Höherentwickelung über ihren gegenwärtigen Standpunkt hinaus ist die Vernunft nicht fähig. — Neben solchen Fähigkeiten der Menschenseele, welche wir heute so antreffen, daß sie uns auf des Menschen Vergangenheit hinweisen, wo sie sich von kleinen, unvollkommenen Anfängen heraus bis zu ihrer heutigen Höhe entwickelt haben, stehen andere Fähigkeiten, auf die wir gleichsam prophetisch haben hinweisen können, welche sich aber erst in der Zukunft in ihrer Vollendung zeigen werden. Aber wie das, was heute vollendet ist, in unvollkommenen Anfängen sich gezeigt hat lange, lange vor unserer Zeit, so sind heute schon gleichsam im Keim vorhanden die Zukunftsfähigkeiten der menschlichen Seele. Manches von dem, was in der Zukunft hell aufleuchten wird, ist in der menschlichen Seele schon heute im Keim vorhanden. Und namentlich dürfen wir sagen: Wenn auch heute noch nicht aktiv viele Menschen aus der Logik des Herzens heraus Erkenntnisse erwerben können, so ist bei zahlreichen Menschen heute doch schon vorhanden die erste Anlage zu dieser zukünftigen Logik des Herzens. Es ist ein ursprüngliches Gefühl, ein natürlicher Wahrheitssinn vorhanden für das, was durch Logik des Herzens erst in der Zukunft wird vollständig begriffen werden können.
[ 2 ] However, when it comes to the major questions that must be addressed in this field, it is often necessary to embark on a long and difficult path in order to arrive at a full understanding. One needs to draw upon virtually the entire range of concepts and ideas currently available if one wishes to penetrate the insights of spiritual science in a rational manner, so that one can say: Perhaps I cannot yet penetrate the supersensible worlds through my own clairvoyant spiritual eye; but I can find everything that is revealed to me from these worlds to be rationally comprehensible. — That would be possible, but cannot be accomplished by everyone at once. Not everyone for whom the spiritual-scientific message is necessary today, out of their longing and their ideals, is also in a position to walk the arduous path of reason that has been indicated here. And therefore, the one who speaks of spiritual scientific insights cannot always assume that all his descriptions are tested against reason so immediately at every moment. Instead, he must make a different assumption, namely, that within every human soul there exist not only those abilities and powers that have been acquired over long, long periods of time and brought to a certain degree of perfection today. Such faculties certainly include what we call human reason, the human intellect. But spiritual science knows that there is no future for this intellect. Other faculties, such as the thinking of the heart, will develop in the human soul as humanity evolves in the future. New abilities, abilities as yet unimagined today, will develop. But what we call the intellect, what we call reason, has reached a certain peak; it will indeed be incorporated into the future of the human soul as a fruit of present-day development, but spiritual science knows that reason is not capable of further development beyond its present stage. — Alongside such capacities of the human soul, which we encounter today in a way that points us to humanity’s past—where they have developed from small, imperfect beginnings to their present height—there are other capacities to which we have been able to point, as it were, prophetically, but which will only reveal themselves in their fullness in the future. But just as what is perfected today manifested itself in imperfect beginnings long, long before our time, so too are the future capacities of the human soul already present today, as it were, in embryonic form. Much of what will shine brightly in the future is already present in the human soul today in embryonic form. And we may say specifically: Even if many people today are not yet able to actively gain insights through the logic of the heart, the first seeds of this future logic of the heart are already present in numerous people today. There is a primal feeling, a natural sense of truth, for what will only be fully understood in the future through the logic of the heart.
[ 3 ] Neben seinem Appell an die Vernunft richtet sich der Geistesforscher an diese heute in den Herzen schlummernden Empfindungskräfte für die Wahrheit. Er setzt voraus, daß die menschliche Seele nicht auf Irrtum und Unwahrheit, sondern auf Wahrheit organisiert ist und daß sie den Wahrheiten, die aus den höheren Welten heruntergeholt werden, unmittelbar empfindungsgemäß zustimmen kann. Mit anderen Worten, die Wahrheit über die höheren Welten kann von zahlreichen Herzen gefühlt werden, bevor sie verstanden wird. Es gibt ja einen Beweis dafür, daß Seelen mit einem solchen Sinn für die Wahrheit vorhanden sind. Der äußere Beweis ist, daß eine große Anzahl von Menschen sich heute unbefriedigt fühlt von dem, was äußeres Erkennen ihnen darbieten kann gegenüber den großen Fragen des Daseins und mit sehnsüchtiger Seele Antwort suchend auf diese Daseinsfragen an die Geisteswissenschaft herankommen. Es sind Menschen, die nicht nach sogenannten Beweisen suchen, sondern deren schlummernde höhere Fähigkeiten Ja sagen zu den Mitteilungen der Geisteswissenschaft, auch wenn sie das nur fühlen und empfinden durch ihren natürlichen Wahrheitssinn, was sie erst später verstehen werden.
[ 3 ] In addition to appealing to reason, the spiritual researcher addresses those powers of perception for the truth that lie dormant in people’s hearts today. He assumes that the human soul is organized not around error and untruth, but around truth, and that it can immediately affirm, through its own perception, the truths brought down from the higher worlds. In other words, the truth about the higher worlds can be felt by many hearts before it is understood. There is, in fact, proof that souls with such a sense of truth exist. The external proof is that a large number of people today feel unsatisfied with what external knowledge can offer them regarding the great questions of existence and, with a longing soul seeking answers to these questions of existence, turn to spiritual science. These are people who do not seek so-called proofs, but whose dormant higher faculties say “yes” to the messages of spiritual science, even if they only feel and sense through their natural sense of truth what they will only come to understand later.
[ 4 ] So appelliert im Grunde genommen der Geistesforscher in einem viel intensiveren Maße unmittelbar an die menschliche Seele als ein anderer Forscher der Gegenwart. Ein anderer Forscher der Gegenwart sucht zur Anerkennung seiner Wahrheiten zu zwingen, indem er Experimente vorführt, mathematische Beweise gibt und dergleichen, so daß die Zuhörer gar nicht anders können als das zugeben, was er vorbringt. In einer anderen Lage ist der Geistesforscher. Er muß an viel intimere Seiten der menschlichen Seele appellieren. Er ist heute noch nicht in der Lage, in derselben Weise Beweise herbeizuschaffen, wie es die anderen Wissenschaftler tun. Er weiß aber, daß derselbe Wahrheitssinn, der in seinem Herzen ruht, in den Herzen aller Menschen vorhanden ist und daß diese Menschen ihm zustimmen können, auch wenn sie noch nicht alles verstehen, was er ihnen mitzuteilen hat. So appelliert er an den natürlichen Wahrheitssinn der menschlichen Herzen, und er stellt alles in das freie Ermessen der menschlichen Seelen, ob sie ihm zustimmen wollen oder nicht. Er überredet nicht durch das, was er zur Darstellung bringt, sondern er ist der Meinung, daß dasjenige, was in ihm lebt, in jeder Menschenseele lebt. Er weiß, daß er die Anregung zu geben hat für etwas, was aus jeder Seele von selbst hervorkeimen kann und soll. So versucht der Geistesforscher nur auszusprechen die Wahrheiten, die eine jede Seele, wenn sie sich nur genügend Zeit lassen könnte, aus sich selber heraus erleben könnte. Weil wir Menschen aber aufeinander angewiesen sind, so sollen wir zusammen dasjenige suchen, was wir auf geistigem Felde finden können. Der Geisteslehrer betrachtet die Verbreitung der Geisteswissenschaft so, daß einer Gruppe von Suchern Anregungen gegeben werden, die dann bei weiterer gegenseitiger Unterstützung in allen strebenden Zuhörern früher oder später als eigene Erlebnisse aufsprießen können.
[ 4 ] In essence, the spiritual researcher appeals directly to the human soul to a much greater degree than other contemporary researchers. Other contemporary researchers seek to compel acceptance of their truths by presenting experiments, providing mathematical proofs, and the like, so that their audience has no choice but to acknowledge what they present. The spiritual researcher is in a different position. He must appeal to much more intimate aspects of the human soul. He is not yet in a position today to produce evidence in the same way that other scientists do. But he knows that the same sense of truth that dwells in his heart is present in the hearts of all people, and that these people can agree with him even if they do not yet understand everything he has to share with them. Thus, he appeals to the natural sense of truth in human hearts, and he leaves everything to the free judgment of human souls as to whether they wish to agree with him or not. He does not persuade through what he presents, but rather believes that what lives within him lives in every human soul. He knows that he must provide the inspiration for something that can and should spring forth from every soul on its own. Thus, the spiritual researcher seeks only to articulate the truths that every soul, if only it could allow itself sufficient time, could experience from within itself. But because we humans depend on one another, we should seek together what we can find in the spiritual realm. The spiritual teacher views the dissemination of spiritual science in such a way that a group of seekers is given inspiration, which, with further mutual support, can sooner or later sprout as their own experiences in all striving listeners.
[ 5 ] Wenn wir dies ins Auge fassen, dann werden wir erst mancherlei von dem, was in den vorhergehenden Tagen hier in diesen Vorträgen gesagt worden ist, im richtigen Lichte erblicken. Es ist manches von dem, was da vorgebracht worden ist, so zu nehmen wie ein Appell an jede Seele, daß sie suchen möge, ob sie nicht in sich die Möglichkeit findet, wenn sie nur sich selbst versteht, zu demselben zu kommen, was hier gesagt worden ist. Daher wird manches so gesagt, daß darauf gerechnet wird: Nicht gleich kann das Verständnis da sein, sondern erst dann, wenn die Anregungen ins Herz versenkt werden, darin weiterkeimen und als Früchte darin wirksam werden. In diesem Sinne sollen zu den vorhergehenden Vorträgen heute noch einige Ergänzungen gegeben werden.
[ 5 ] If we take this into account, only then will we begin to see much of what has been said here in these lectures over the past few days in the proper light. Much of what has been presented here is to be taken as an appeal to every soul to seek within itself whether it might find the possibility—if only it understands itself—to arrive at what has been said here. That is why some things are said in such a way that it is anticipated: understanding cannot be immediate, but only comes when the impulses are sunk into the heart, continue to germinate there, and bear fruit within it. In this sense, a few additions to the previous lectures will be given today.
[ 6 ] Wir sind gestern dazu gekommen, etwas zu besprechen, was sich dem hellsichtigen Auge darbietet als Erlebnis: daß unser Erdenzustand der Folgezustand einer Entwickelung ist, daß unsere Erde sich aus einem anderen planetarischen Zustand entwickelt hat, den wir den alten Mond nennen, der nichts mit unserem heutigen Mond zu tun hat. Und dann haben wir das besprochen, was das hellsichtige Auge prophetisch sieht, das Hervorgehen eines neuen Planeten aus dem, was unsere Erde ist, nachdem die Erde durch einen Dämmerungszustand, ein Pralaya, einen Zustand der Verdunkelung hindurchgegangen ist, das Verwandeln der Erde in den Jupiterzustand, der wiederum nichts mit dem heutigen Jupiter zu tun hat, sondern der eine zukünftige Verkörperung unserer Erde ist, die Jupiter genannt wird. Daß die Erde aufeinanderfolgende Verkörperungen durchmacht, geradeso wie man mit dem hellsichtigen Auge den Menschen von Verkörperung zu Verkörperung gehen sieht, das habe ich versucht, begreiflich zu machen.
[ 6 ] Yesterday we had the opportunity to discuss something that presents itself to the clairvoyant eye as an experience: that our present state on Earth is the result of a process of evolution, that our Earth developed from another planetary state, which we call the ancient Moon, and which has nothing to do with our present-day Moon. And then we discussed what the clairvoyant eye sees prophetically: the emergence of a new planet from what is our Earth, after the Earth has passed through a twilight state, a Pralaya, a state of darkening—the transformation of the Earth into the Jupiter state, which in turn has nothing to do with today’s Jupiter, but is a future incarnation of our Earth called Jupiter. That the Earth undergoes successive incarnations, just as one sees with the clairvoyant eye the human being passing from incarnation to incarnation—that is what I have tried to make comprehensible.
[ 7 ] Wenn wir nun diesen eingeschlagenen Gedankengang weiter fortsetzen, so wollen wir wiederum als Leitlinie haben, daß wir das, was die Geistesforschung uns darbietet, in solche Begriffe kleiden, die der gewöhnlichen Vernunft verständlich sind. Wir konnten gestern zurückgehen bis zu dem alten Mondenzustand der Erde, auf dem, wie wir gesehen haben, alles anders gewesen sein muß. Nun kann ja die Frage entstehen: Ist denn dieser andere planetarische Zustand, dieser alte Mond, auch wiederum aus einem anderen hervorgegangen? Hat unsere Erde nicht vielleicht auch andere, noch frühere Verkörperungen gehabt? — Diese Frage sich vorzulegen ist auf diesem Standpunkt unserer Betrachtung ja ganz naturgemäß. Um uns aber eine Antwort geben zu können, werden wir etwas weiter ausholen müssen. Wir werden zunächst uns erinnern müssen, wie der Mensch in seinem täglichen Leben abwechselt zwischen Wach- und Schlafzustand. Das war ja wie eine Art Leitfaden, der uns durch die ganze Reihe von Vorträgen hindurchgeführt hat, daß wir uns berufen haben auf diese Abwechselung des Wach- und Schlafzustandes. Wir wissen, daß der wachende Mensch den physischen, den ätherischen, den astralischen Leib und das Ich hat, und wir wissen, daß im Schlafzustande im Bette liegenbleiben der physische Leib und der Äther- oder Lebensleib des Menschen und daß herausgehen in eine geistige Welt, in den Makrokosmos hinein der astralische Leib und das Ich des Menschen. So ist der Mensch im Schlafzustande gleichsam in zwei Wesenheiten gespalten. Das eine Glied ist das, was sichtbar zurückbleibt in der physischen Welt als physischer Leib, mit dem, was zwar unsichtbar ist, aber doch vorhanden sein muß, dem Äther- oder Lebensleib; das zweite ist ein unsichtbares, ein übersinnliches Glied der menschlichen Wesenheit, bestehend aus dem Astralleib und dem Ich. Dieses letztere Glied der menschlichen Wesenheit kann natürlich die äußere Forschung nicht verfolgen. Es zeigt sich nur, wenn das hellsichtige Bewußtsein auf den schlafenden Menschen hinschaut.
[ 7 ] If we now continue along this line of thought, let us again take as our guiding principle that we should express what spiritual research offers us in terms that are comprehensible to ordinary reason. Yesterday we were able to go back to the Earth’s ancient lunar state, in which, as we have seen, everything must have been different. Now the question may arise: Did this other planetary state, this ancient moon, itself emerge from another? Might our Earth not have had other, even earlier incarnations? — From our current point of view, it is quite natural to pose this question. But in order to give ourselves an answer, we will have to go a little further back. We must first recall how the human being alternates in daily life between the waking and sleeping states. This has, in fact, served as a kind of guiding thread leading us through the entire series of lectures, as we have referred to this alternation of the waking and sleeping states. We know that the waking human being possesses the physical, the etheric, and the astral bodies, as well as the ego, and we know that during the state of sleep, the physical body and the etheric or life body remain in bed, while the astral body and the ego go out into a spiritual world, into the macrocosm. Thus, in the state of sleep, the human being is, as it were, split into two entities. The first part is that which remains visibly in the physical world as the physical body, together with that which, though invisible, must nevertheless exist—the etheric or life body; the second is an invisible, a supersensible part of the human being, consisting of the astral body and the I. This latter aspect of the human being cannot, of course, be investigated by external means. It reveals itself only when the clairvoyant consciousness looks upon the sleeping person.
[ 8 ] Nun fragen wir uns: Gibt es denn nicht auch noch etwas in der äußeren Welt, was in einer gewissen Weise sich gleichartig erweist dem, was vom Menschen in der Nacht im Bette liegenbleibt, mit anderen Worten: was physischen Leib und Äther- oder Lebensleib hat? — Wir wissen, daß der physische Leib des Menschen sogleich ganz anderen Gesetzen folgt, wenn er von seinem Ätherleib verlassen ist. Da folgt er rein physikalischen und chemischen Gesetzen; da aber zerfällt er. Der treue Kämpfer von der Geburt bis zum Tod, der verhindert, daß der physische Menschenleib zerfällt, das ist der Äther- oder Lebensleib. Nun hat aber der Mensch das, was wir sein Leben nennen, gemeinschaftlich nicht nur mit den Tieren, sondern er hat es gemeinschaftlich auch mit der gesamten Pflanzenwelt. Wenn wir den Blick hinausrichten auf unsere Umgebung in der physischen Welt, so bemerken wir rings um uns herum die Pflanzenwelt. Eine Pflanze, die uns entgegentritt, zeigt sich uns als ein Wesen, das nicht bloß den physikalischen und chemischen Gesetzen folgt; diesen folgt sie erst im Momente ihres Absterbens. Physikalischen und chemischen Gesetzen folgt nur das mineralische Reich. Dem physischen Leib schreiben wir zunächst nur die Gesetze des mineralischen Reiches zu. Aber dieser physische Leib ist durchsetzt und durchzogen von einer höheren Gesetzmäßigkeit, die dem Ätheroder Lebensleibe eigen ist und die ihn erst im Tode verläßt; daher verfällt der physische Leib dann den bloß physikalischen und chemischen Gesetzen.
[ 8 ] Now let us ask ourselves: Is there not also something in the outer world that, in a certain sense, proves to be similar to what remains of a human being lying in bed at night—in other words, something that has a physical body and an etheric or life body? — We know that the human physical body immediately follows entirely different laws when it is separated from its etheric body. There it follows purely physical and chemical laws; but there it decays. The faithful warrior from birth to death, who prevents the human physical body from decaying, is the etheric or life body. Now, however, human beings share what we call life not only with animals, but also with the entire plant world. When we cast our gaze out upon our surroundings in the physical world, we notice the plant world all around us. A plant that meets our gaze reveals itself to us as a being that does not merely follow physical and chemical laws; it follows these only at the moment of its death. Only the mineral kingdom follows physical and chemical laws. At first, we attribute only the laws of the mineral kingdom to the physical body. But this physical body is permeated and interwoven with a higher order of laws that is inherent to the etheric or life body and that leaves it only at death; therefore, the physical body then falls subject to the purely physical and chemical laws.
[ 9 ] So also sehen wir den Menschen in bezug auf das Äußere, das im Schlafzustand in der physischen Welt zurückbleibt, aus physischem und Äther- oder Lebensleib bestehend. Auch die Pflanzenwelt besteht aus physischem Leib und Äther- oder Lebensleib. Wir finden es deshalb leicht begreiflich, wenn der Geistesforscher sagt: Den physischen und den Ätherleib hat der Mensch gemeinsam mit den Pflanzen. Dennoch zeigt sich ein gewaltiger Unterschied zwischen Mensch und Pflanze, denn beim Menschen sind die beiden Leiber noch durchdrungen vom Astralleib und vom Ich. Die Pflanze trägt in sich nur den physischen und Äther- oder Lebensleib. Der Mensch muß uns auch äußerlich anders gegenübertreten als die Pflanze, weil er zu seinem physischen und Äther- oder Lebensleib noch, diese durchsetzend und durchprägend, seinen Astralleib und sein Ich hat. So also steht der Mensch sozusagen mitten unter den Wesen der Pflanzenwelt, ist in bezug auf die zwei unteren Glieder seiner Wesenheit, physischen und Äther- oder Lebensleib, den Pflanzen ähnlich, erhebt sich aber über die bloße Pflanzennatur, indem er in der Pflanzennatur seines Wesens noch einen Astralleib und ein Ich eingegliedert hat. Wir sind mit der Pflanze also nur insofern verwandt, als diese es nur bis zur Ausbildung unserer zwei niederen Glieder gebracht hat. Aber wir sehen uns innerhalb der Erdenwelt, so wie wir sind, ganz abhängig von der Pflanzenwelt. Der Mensch ist physisch ganz von der Pflanzenwelt abhängig. Er kann, das wissen Sie ja, für seine Leiblichkeit der tierischen Natur ganz entraten. Er braucht, wenn er nicht will, sich nicht von Tierischem zu ernähren, aber er braucht die Pflanzenwelt schon, damit sein physischer Leib leben kann. Er braucht die Pflanzennatur. Der physische Leib des Menschen setzt voraus den physischen Leib der Pflanze. Das eine kann ohne das andere nicht sein. Der physische Menschenleib, wie er uns heute entgegentritt, kann nicht sein, kann gar nicht bestehen, ohne daß er um sich herum hat ein Reich der Pflanzen, das ihm sein gegenwärtiger Planet gebiert.
[ 9 ] Thus, we see the human being, in terms of the outer form that remains in the physical world during sleep, as consisting of a physical body and an etheric or life body. The plant world, too, consists of a physical body and an etheric or life body. We therefore find it easy to understand when the spiritual researcher says: Human beings share the physical and etheric bodies with plants. Nevertheless, there is a vast difference between human beings and plants, for in human beings these two bodies are further permeated by the astral body and the ego. The plant contains within itself only the physical and etheric or life body. Human beings must also appear different to us externally than plants do, because in addition to their physical and etheric or life bodies, they possess an astral body and an ego that permeate and shape these bodies. Thus, so to speak, the human being stands in the midst of the beings of the plant world; in terms of the two lower members of his being—the physical and etheric or life bodies—he is similar to plants, but he rises above mere plant nature by having incorporated an astral body and an ego into the plant nature of his being. We are thus related to the plant only insofar as the plant has developed only as far as our two lower members. But within the earthly world, as we are, we find ourselves entirely dependent on the plant world. Human beings are physically entirely dependent on the plant world. As you know, they can, for the sake of their physical existence, completely renounce the animal realm. They do not need to feed on animal matter if they do not wish to, but they do need the plant world so that their physical body can live. They need the plant realm. The physical body of the human being presupposes the physical body of the plant. One cannot exist without the other. The physical human body, as it appears to us today, cannot exist, cannot possibly exist, without having around it a realm of plants that its present planet brings forth.
[ 10 ] Wenn wir dies beachten, so werden wir schon ein wenig weitergeführt in unseren Betrachtungen. Wir können jetzt sagen: Sehen wir uns einmal den Menschen an, der da in den Schlafzustand übergeht. Der Mensch kann dies tun ganz unabhängig von irgendwelcher äußeren Konstellation von Sonne und Erde. Der Mensch kann jede Stunde des Tages oder auch in der Nacht schlafen, ohne vom Stand der Sonne abhängig zu sein. Gerade wenn die Sonne ihre Strahlen der Erde entzieht, dann schläft der Mensch am besten. Er kann, auch wenn die Sonne nicht scheint, seinen Zusammenhang zwischen physischem Leib und Ätherleib aufrechterhalten.
[ 10 ] If we keep this in mind, our reflections will take us a step further. We can now say: Let us take a look at the person who is falling asleep. A person can do this entirely independently of any external alignment of the sun and the earth. A person can sleep at any hour of the day or even at night without being dependent on the position of the sun. It is precisely when the sun withdraws its rays from the earth that a person sleeps best. Even when the sun is not shining, a person can maintain the connection between their physical body and their etheric body.
[ 11 ] Sehen wir uns nach dem entsprechenden Vorgang in der Pflanzenwelt um, so sehen wir, daß für die Pflanzenwelt die Sache ganz anders ist als für den Menschen. Der Mensch kann, wie wir gesehen haben, den Zusammenhalt seines physischen Leibes und Äther- oder Lebensleibes unabhängig von der Einwirkung der Sonnenstrahlen aufrechterhalten, gleichgültig, wie sich die Sonne zur Erde verhält. Das kann die Pflanze nicht. Die Pflanze empfängt ihre Kräfte unmittelbar aus denen der Sonne und ist von dieser ganz abhängig. Die Pflanze lebt und erstirbt mit dem Jahreslaufe der Sonne, was ja schon der oberflächlichen Beobachtung zum Beispiel bei krautartigen Pflanzen auffällt. Doch auch bei sogenannten Dauerpflanzen, Bäumen und dergleichen, welche überwintern, wissen wir, daß sie diesen Zusammenhang mit der Sonne einhalten, der gerade das Wesen des Pflanzlichen ausmacht; sie verlieren mit der hinsterbenden Natur im Herbst ihre Blätter und nur der verholzte Teil bleibt zurück, aus dem dann im Frühling neue Triebe hervorsprießen. Die Pflanze stirbt also im Herbste ganz oder zum größten Teil ab, das heißt, ihr ätherischer Leib zieht sich aus dem physischen Leibe heraus, holt sich im Winter neue Kräfte, und wenn die Sonne im Frühling die Kraft ihrer wärmenden und leuchtenden Strahlen neu gewinnt, dann keimt das Pflanzenleben neu auf, dann erwacht gleichsam das Pflanzenleben. Wenn die Sonne im Herbst ihre wärmende und leuchtende Kraft verliert, dann geht das frische Pflanzenleben zu einer Art von Ruhezustand über. Und auch bei den Dauerpflanzen sehen wir ja, wie sie zur Winterszeit sich dem Zustand des Absterbens nähern. Das eigentliche Leben der Pflanze erstirbt im Winter und wacht im Frühling wieder auf, um im Sommer zur höchsten Entfaltung zu kommen. Es ist das also ein Erwachen und Sterben im gleichen Rhythmus wie der Erdenumlauf um die Sonne. Es muß die Pflanze gegen den Herbst zu annähernd in einen Zustand übergehen, in den der Mensch allein übergeht, wenn er dem Tode entgegengeht.
[ 11 ] If we look at the corresponding process in the plant world, we see that things are quite different for plants than they are for humans. As we have seen, humans can maintain the cohesion of their physical body and etheric or life body independently of the influence of the sun’s rays, regardless of the sun’s position relative to the Earth. Plants cannot do this. The plant derives its powers directly from the sun and is entirely dependent on it. The plant lives and dies with the annual course of the sun, a fact that is already apparent from superficial observation, for example in herbaceous plants. Yet even in the case of so-called perennial plants, trees, and the like, which overwinter, we know that they maintain this connection with the sun, which constitutes the very essence of the plant kingdom; they lose their leaves in the fall as nature dies back, and only the woody part remains, from which new shoots then sprout in the spring. The plant thus dies off completely or for the most part in the fall; that is, its ethereal body withdraws from the physical body, gathers new strength during the winter, and when the sun regains the power of its warming and radiant rays in the spring, plant life sprouts anew—it awakens, as it were. When the sun loses its warming and luminous power in the fall, the fresh plant life transitions into a sort of dormant state. And even with perennial plants, we see how they approach a state of dying off during the winter. The plant’s actual life dies off in the winter and awakens again in the spring, reaching its fullest development in the summer. This is thus an awakening and dying in the same rhythm as the Earth’s orbit around the sun. Toward autumn, the plant must transition into a state similar to that which a human being alone enters when facing death.
[ 12 ] Es ist also ein anderer Zusammenhalt zwischen dem physischen und dem Äther- oder Lebensleib in der Pflanze als beim Menschen. Die Pflanze ist in bezug auf diesen Zusammenhang abhängig von der Lage der Sonne zur Erde; der Mensch hat sich unabhängig davon gemacht, er stirbt nicht jeden Herbst ab, sein ätherischer Leib zieht sich nicht während des Winters aus dem physischen Leibe heraus, er bleibt während des ganzen irdischen Lebens darin. Dafür gehen sein astralischer Leib und sein Ich täglich während des Schlafens heraus und wieder hinein und erneuern so die Kräfte des Ätherleibes. Wenn wir das betrachten, was vom Menschen im Schlafe auf dem Ruhelager liegt, so sehen wir den Teil seiner Wesenheit, der so aufgebaut ist wie die Pflanze. Das zeigt uns, wie wir als Menschen wären, wenn wir es nicht dazu gebracht hätten, unserer Pflanzennatur Astralleib und Ich einzufügen. Die Pflanze stellt uns einen Teil unseres eigenen Wesens vor Augen. Aber der Mensch ist doch wesentlich verschieden von der Pflanze. Er ist zwar im Schlafe in bezug auf das Sichtbare in den Zustand einer lebenden Pflanze gesunken, aber weil er Astralleib und Ich hat, die an ihm arbeiten, braucht er das periodische Herabsinken der Pflanze zu einem unterpflanzlichen Zustande nicht mitzumachen. Dieser Unterschied macht das menschliche Leben erst möglich, denn weil die Pflanze auf einer tieferen Stufe steht, kann sich der Mensch aus ihr seinen Leib aufbauen. Ohne die Pflanze könnte der Mensch nicht leben. Daher muß es uns begreiflich sein, daß nicht nur eine physische Beziehung zwischen dem Menschen und der Pflanzenwelt besteht, sondern auch eine moralisch-geistige.
[ 12 ] Thus, the relationship between the physical body and the etheric or life body is different in plants than it is in humans. In this regard, the plant is dependent on the position of the sun relative to the earth; the human being has made himself independent of this; he does not die off every autumn, his etheric body does not withdraw from the physical body during the winter, but remains within it throughout his entire earthly life. Instead, his astral body and his ego go out and back in daily during sleep, thereby renewing the forces of the etheric body. When we look at what lies on the bed of rest in the human being during sleep, we see the part of his being that is structured like the plant. This shows us what we as human beings would be like if we had not managed to incorporate an astral body and an ego into our plant nature. The plant presents us with a part of our own being. But the human being is, after all, essentially different from the plant. Although in sleep, in terms of the visible, he has sunk into the state of a living plant, because he has an astral body and an I working within him, he does not need to undergo the plant’s periodic descent into a sub-plant state. This difference is what makes human life possible in the first place, for because the plant stands on a lower level, the human being can build his body from it. Without the plant, the human being could not live. Therefore, we must understand that there is not only a physical relationship between the human being and the plant world, but also a moral-spiritual one.
[ 13 ] Wenn der Mensch sich seinem natürlichen gesunden Gefühl überläßt, dann kann er diese moralisch-geistige Beziehung zur Pflanzen welt sehr bald bemerken. Nicht nur, daß der Mensch die Pflanze zur Nahrung braucht, er braucht die Pflanzenwelt auch für sein Inneres. Er braucht die Pflanzenwelt, die ihn umgibt, um solche Gefühle und solche Empfindungen in sich zu tragen, die zu seinem seelischen Leben notwendig sind. Der Mensch braucht auch die Eindrücke der Pflanzenwelt hier auf dem physischen Plan, wenn er frisch und gesund in seinem seelischen Leben sein will. Das ist etwas, was nicht genug betont werden kann, denn es zeigt sich sehr bald in der menschlichen Seele als Mangel, wenn sie sich abschließt von dem frischen, belebenden Eindruck der Pflanzenwelt. Derjenige Mensch, der meinetwillen durch das Wohnen in einer großen Stadt in einer gewissen Beziehung abgeschnitten ist von dem unmittelbaren Verhältnis zur Pflanzenwelt, wird dem Tieferblickenden immer einen gewissen Mangel seiner Seele zeigen, und es ist im Grunde genommen durchaus richtig, daß die Seele Schaden nimmt, wenn sie verliert die unmittelbare Freude, die unmittelbare Lust, den Zusammenhalt mit der Pflanzenwelt, mit demjenigen, was die vegetative Natur draußen ist. Neben all den Schattenseiten der modernen Kultur, die sich vorzugsweise in Großstädten entwickelt, muß auch diese stehen, daß wir durch unser Stadtleben abgeschlossen sind von dem unmittelbaren Zusammensein mit der belebenden Pflanzenwelt. Wir wissen, daß es heute schon Menschen gibt, die so aufwachsen, daß sie kaum ein Haferkorn von einem Weizenkorn unterscheiden können. Aber es gehört zur gesunden menschlichen Seelenentwickelung, so sonderbar es klingt, daß man ein Haferkorn von einem Weizenkorn unterscheiden kann. Es ist das symbolisch gesprochen, aber es ist doch etwas damit gesagt. Und man muß mit Bedauern eine Perspektive der Zukunft vor sich sehen, die den Menschen ganz entfernen könnte von dem unmittelbaren Eindruck der Pflanzenwelt. Der Mensch braucht die Pflanzenwelt.
[ 13 ] When a person allows themselves to be guided by their natural, healthy instincts, they can very quickly perceive this moral and spiritual connection to the plant world. Not only does a person need plants for food, but they also need the plant world for their inner life. They need the plant world that surrounds them in order to nurture within themselves the feelings and sensations that are essential to their spiritual life. Human beings also need the impressions of the plant world here on the physical plane if they wish to be fresh and healthy in their spiritual life. This is something that cannot be emphasized enough, for it very soon manifests as a deficiency in the human soul when it shuts itself off from the fresh, invigorating impressions of the plant world. The person who, for my sake, is in a certain sense cut off from a direct relationship with the plant world by living in a large city will always reveal a certain deficiency in their soul to the deeper observer, and it is, in fact, quite true that the soul suffers harm when it loses the direct joy, the direct delight, the connection with the plant world, with that which is the vegetative nature out there. Alongside all the downsides of modern culture, which develops primarily in large cities, there is also the fact that our urban life cuts us off from direct communion with the life-giving plant world. We know that there are already people today who grow up in such a way that they can hardly distinguish a grain of oats from a grain of wheat. But it is part of healthy human soul development, strange as it may sound, to be able to distinguish a grain of oats from a grain of wheat. This is speaking symbolically, but there is still something to be said for it. And one must view with regret a future prospect that could completely remove people from the direct experience of the plant world. Human beings need the plant world.
[ 14 ] Wie tief dieser Zusammenhang begründet ist, kann uns folgendes zeigen: Der heutige Mensch könnte ja nicht ein immer schlafender Mensch sein. Es ist ein Mensch heute nicht denkbar, der fortwährend schläft; er könnte als solcher nicht leben. Der heutige Mensch ist nur so denkbar, daß sein physischer und ätherischer Leib im Wachzustand von Astralleib und Ich erfüllt sind. Die gehören zur ganzen Menschennatur. Wir wissen auch, daß der Mensch, um ein Bewußtsein von der äußeren physischen Welt zu erlangen, untertauchen muß mit seinem Ich und Astralleib in den physischen und Ätherleib. Der Mensch hat ja im Schlafzustand, wenn er mit seinem Ich und Astralleib in seiner geistigen Heimat ist, für die äußere Welt kein Bewußtsein. Er fängt erst an, ein Bewußtsein zu entwickeln, wenn er in den physischen und ätherischen Leib untertaucht. Wir müssen also sagen: Auf der einen Seite ist der Mensch, wie er auf seiner heutigen Entwickelungsstufe vor uns steht, in seiner Form nicht denkbar, wenn er nicht Astralleib und Ich hätte, auf der anderen Seite könnte der Mensch aber kein Ichbewußtsein und keine Gefühls- und Willensimpulse entwickeln, wenn er nicht als Grundlage den physischen und Ätherleib hätte. Der Mensch braucht also für sein Innenleben als Grundlage den physischen und ätherischen Leib. Daraus geht schon hervor, daß diese die Voraussetzung sind für die Entwickelung von Astralleib und Ich. Physischer Leib und Ätherleib müssen zuerst da sein beim Menschen, dann erst können Astralleib und Ich einziehen.
[ 14 ] The following example illustrates just how deeply rooted this connection is: Modern humans could not possibly be people who are always asleep. It is inconceivable today that a human being could sleep continuously; they could not survive as such. Modern humans can only be conceived of in such a way that, when awake, their physical and etheric bodies are filled by the astral body and the ego. These are integral to the whole of human nature. We also know that in order to gain consciousness of the external physical world, a human being must immerse their ego and astral body into the physical and etheric bodies. For in the state of sleep, when the human being is in his spiritual home with his ego and astral body, he has no consciousness of the external world. He only begins to develop consciousness when he immerses himself in the physical and etheric bodies. We must therefore say: On the one hand, human beings, as they stand before us at their present stage of development, are inconceivable in their form if they did not have an astral body and an ego; on the other hand, however, human beings could not develop ego-consciousness or impulses of feeling and will if they did not have the physical and etheric bodies as a foundation. Human beings therefore need the physical and etheric bodies as a foundation for their inner life. It follows from this that these are the prerequisites for the development of the astral body and the ego. The physical and etheric bodies must first be present in the human being; only then can the astral body and the ego take up residence.
[ 15 ] So werden wir also nicht nur zurückgewiesen in die Zeiten des Mondenzustandes der Erde, wo der Mensch eine ganz andere Form hatte als heute, sondern wir werden zurückgewiesen in Zeiten, in denen der Mensch überhaupt noch nicht Astralleib und Ich, sondern nur einen physischen und Äther- oder Lebensleib hatte. Erst mußten aufgebaut werden aus dem Makrokosmos heraus der menschliche physische und Ätherleib, dann konnten sie die Voraussetzung, die Grundlage bilden für den Astralleib und das Ich. In einer urfernen Vergangenheit mußte einmal geschehen, was heute jeden Morgen geschieht. Wie jeden Morgen aus der geistigen Welt heraus Ich und Astralleib den physischen Leib und Äther- oder Lebensleib beziehen, so mußten einmal zuerst aus der geistigen Welt Ich und Astralleib kommen und vorfinden den physischen und den Ätherleib. Ehe der Mensch das werden konnte, was er heute mit seinen höheren Gliedern ist, mußte ihm aus dem Weltenganzen heraus ohne sein Zutun durch Kräfte und Wesenheiten anderer, höherer Art als er selbst es ist, sein physischer und Ätherleib zubereitet werden.
[ 15 ] Thus, we are not only taken back to the time when the Earth was in its lunar state, when human beings had a form quite different from today’s, but we are taken back to times when human beings did not yet possess an astral body or an “I” at all, but only a physical body and an etheric or life body. First, the human physical and etheric bodies had to be built up from the macrocosm; only then could they form the prerequisite, the foundation, for the astral body and the I. In a distant past, what happens every morning today had to happen once. Just as every morning the ego and astral body enter the physical body and the etheric or life body from the spiritual world, so once upon a time the ego and astral body had to come first from the spiritual world and find the physical and etheric bodies already there. Before human beings could become what they are today with their higher members, their physical and etheric bodies had to be prepared for them from the whole of the cosmos, without their own intervention, by forces and beings of a higher order than themselves.
[ 16 ] Nun aber fragen wir uns: Wenn dem Menschen sein physischer und Ätherleib zubereitet worden sind, bevor sein Astralleib und Ich überhaupt in dieser Welt zur Entwickelung kommen konnten, so mußte der Mensch zuerst mit einer Art von Pflanzennatur entwickelt werden, bevor er seine höhere Natur erhalten hat. Der Mensch mußte zuerst da sein als eine Art von Pflanzenwesen; das mußte seiner höheren Natur vorangehen. Wir werden also zurückgewiesen auf eine frühere Zeit der Menschheitsentwickelung, wo der Mensch wie eine Art von Pflanzenwesen aus dem Makrokosmos heraus gebildet worden ist. Heute sehen wir die Pflanzenwelt, die um uns herum ist, nur dann mit dem rechten Blick an, wenn wir uns sagen: Diese Pflanzenwelt, die wir heute grünend und sprießend und sprossend um uns herum haben, zeigt uns in der Gegenwart etwas von der Natur, die wir selbst einmal hatten, bevor wir dasjenige bekommen haben, wodurch wir irren konnten, wodurch wir überhaupt zum Bösen kommen konnten. Die Pflanzenwelt zeigt uns unsere eigene menschliche Wesenheit in ihrer ursprünglichen Reinheit, wie sie in ferner Urzeit war, als sie noch nicht von Trieben, Begierden und Leidenschaften durchzogen war.
[ 16 ] But now let us ask ourselves: If the human being’s physical and etheric bodies were prepared before his astral body and I could even begin to develop in this world, then the human being must first have developed as a kind of plant-like being before receiving his higher nature. The human being must first have existed as a kind of plant-like being; this had to precede his higher nature. We are thus led back to an earlier period of human development, when human beings were formed from the macrocosm as a kind of plant-like being. Today we view the plant world around us with the right perspective only when we say to ourselves: This plant world, which we have around us today, greening, sprouting, and budding, shows us in the present something of the nature we ourselves once had, before we acquired that which enabled us to err, that which led us to evil in the first place. The plant world shows us our own human being in its original purity, as it was in distant primeval times, when it was not yet permeated by drives, desires, and passions.
[ 17 ] Wenn wir aber danebenstellen, daß unsere menschliche Pflanzennatur, so wie sie heute ist, unabhängig ist von der Stellung der Sonne zur Erde, während die heutigen Pflanzen abhängig sind von der Sonne, im Frühjahr aufsprießen und im Herbst absterben, so müssen wir sagen: Solche Pflanzen können wir niemals gewesen sein. In diese Art von Pflanzen, die wir gewesen sind, mußte einziehen können ein Astralleib und Ich. In unsere heutigen Pflanzen kann kein Astralleib und Ich einziehen. Dadurch unterscheidet sich eben die menschliche Pflanzennatur von der Natur der heutigen Pflanzen, daß des Menschen physischer und ätherischer Leib unabhängig sind von der Stellung der Sonne zur Erde. Der Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Leibe beim Menschen muß unter ganz anderen planetarischen Verhältnissen entstanden sein, als bei den heutigen Pflanzen.
[ 17 ] But if we consider that our human plant nature, as it is today, is independent of the position of the sun relative to the earth, whereas today’s plants are dependent on the sun, sprouting in the spring and dying in the fall, then we must say: We could never have been such plants. An astral body and an I must have been able to enter into this kind of plant that we once were. No astral body and ego can enter our present-day plants. This is precisely what distinguishes human plant nature from the nature of present-day plants: the human physical and etheric bodies are independent of the position of the sun relative to the earth. The connection between the physical and etheric bodies in humans must have arisen under entirely different planetary conditions than in present-day plants.
[ 18 ] Diese anderen Verhältnisse werden wir verstehen können, wenn wir noch das Folgende überlegen. Wir wissen also, daß der menschliche Zusammenhang von physischem Leib und Ätherleib unabhängig ist von der Stellung der Sonne zur Erde. Ist er aber auch unabhängig von den Sonnenwirkungen überhaupt? Das ist er nicht, denn ohne die Sonnenwirkungen könnten physischer und Ätherleib des Menschen nicht bestehen.
[ 18 ] We will be able to understand these other relationships if we consider the following. We know, then, that the connection between the human physical body and the etheric body is independent of the position of the Sun relative to the Earth. But is it also independent of the Sun’s effects in general? It is not, for without the Sun’s effects, the human physical and etheric bodies could not exist.
[ 19 ] Wenn die Sonne nicht immer ihre Wirkungen auf der Erde zurücklassen würde, dann würde sich auf der Erde kein Mensch entwickeln können. Der Mensch ist in seinem Wesen dennoch abhängig von der Sonnenwirkung, aber er ist unabhängig von der Stellung der Sonne zur Erde. Die Sonne läßt ja immer Wirkungen zurück. Wir wissen, wenn die Sonne ihre unmittelbare, erwärmende Kraft der Erde entzieht, dann hört sie deshalb nicht auf, diese erwärmende Kraft zum Segen und Heil der Erde zurückzulassen. Wenn Sie hinausgehen auf das Land, dann werden Sie finden, daß dort im Herbst tiefe Gruben geschaufelt werden, in die die Kartoffeln hineingelegt werden; dann werden sie zugedeckt und halten sich, weil die erwärmende Kraft der Sonne, die sich im Sommer über die Erdoberfläche ergießt, sich zurückzieht in das Erdinnere. Diese erwärmende Kraft bleibt unter der Oberfläche bis zu einer gewissen Tiefe vorhanden. Die Erde bewahrt sich die erwärmende Kraft der Sonne den Winter hindurch, auch wenn die Sonne selber sich zurückgezogen hat. Wenn Sie Ihren Ofen mit Kohlen heizen, so haben Sie diese Kohlen aus dem Innern der Erde genommen. Wodurch sind diese Kohlen entstanden? Dadurch, daß einstmals in fernen Zeiten Pflanzen von der Erde bedeckt wurden. Diese Pflanzen sind unter dem Einfluß von Sonnenlicht und Sonnenwärme entstanden. Was Sonnenlicht und Sonnenwärme getan haben, das ist in den Kohlen erhalten, und mit ihnen holt man Sonnenlicht und -wärme längst vergangener Zeiten wieder aus der Erde heraus. So hat unsere Erde auch dann Sonne in sich, wenn durch die Stellung der Sonne zur Erde die äußere Einwirkung längst aufgehört hat. Unsere heutigen Pflanzen haben in ihrem sprießenden und sprossenden Leben etwas, was nur durch die Stellung der Sonne zur Erde unmittelbar bewirkt wird. Alles, was auf der Erde lebt, braucht die Sonne; und die Erde bewahrt das, was sie von der Sonne empfängt, über die Winterszeit hinüber auf; sie ist voll von Sonnenwirkung. Die Wirkung der Sonne bleibt sozusagen immer in der Erde darin, und wenn durch die Stellung der Sonne die Erde nicht mehr unmittelbar erwärmt wird, so ist doch die konservierte Sonnenwärme noch da und wirkt auf die auf der Erde lebenden Geschöpfe. Ohne diese würden auch der physische und ätherische Leib des Menschen nicht bestehen können. Nehmen Sie den Menschen nur ein Stück von der Erde weg, so würde er nicht bestehen können. Er braucht das ganze, die Erde mit der darin enthaltenen Sonnenwirkung. Unter den heutigen Verhältnissen unseres Sonnensystems erzeugt unsere Erde also nicht unmittelbar jenen Zusammenhang von physischem und Ätherleib, den wir am Menschen sehen, sondern nur jenen, den wir an der Pflanze sehen. Der menschliche Zusammenhang von physischem und Ätherleib muß heute auf indirekte Weise zustande kommen, Aber der Mensch braucht, damit er überhaupt bestehen kann, die in der Erde konservierte Sonnenwirkung. Darum werden wir es begreiflich finden, daß in einem früheren planetarischen Dasein es einmal möglich gewesen sein muß, daß der menschliche physische und ätherische Leib sich herausbildeten, so wie heute auf der Erde die Pflanzennatur sich unmittelbar herausbildet. Wie heute die Pflanze ein Kind der Erde ist, so muß einstmals der physische und Ätherleib das Kind eines früheren planetarischen Zustandes der Erde gewesen sein. Unter den heutigen Verhältnissen könnte das nicht sein. Also mußten andere Verhältnisse bestanden haben. Geisteswissenschaft weist uns auf diese anderen Verhältnisse hin, indem sie uns zeigt, daß dem alten Mondenzustand noch ein anderer planetarischer Zustand der Erde vorangegangen ist, den wir mit Recht den alten Sonnenzustand der Erde nennen. Die Erde ist hervorgegangen aus dem alten Mondenzustand und dieser wiederum aus dem alten Sonnenzustand. Wie aber muß dieser alte Sonnenzustand gewesen sein? Er konnte nicht so gewesen sein, daß die Sonne von außen schien; denn da hätte sich der Mensch nicht seinen physischen Leib und ätherischen Leib entwickeln können, da hätten sich Pflanzen der heutigen Art entwickelt. Es durfte also von außen keine Sonnenwirkung kommen. Aber ohne Sonnenwirkung konnte der Mensch den physischen und Ätherleib nicht ausbilden. Es mußte dasjenige, was heute als Sonnenwirkung teilweise in der Erde konserviert ist, ganz aus der Erde selber herauskommen. Die Erde mußte die Wirkungen selber erzeugen, die heute die Sonne erzeugt. Das aber heißt, sie mußte selbst Sonne sein. Wenn wir also einen früheren Zustand unseres Planeten aufsuchen, so können wir nur einen solchen finden, wo die Sonne nicht von außen schien. Die Sonnenwirkungen mußten aus der Erde selber kommen.
[ 19 ] If the sun did not always leave its effects on Earth, no human being could develop on Earth. Human beings are, in their very nature, dependent on the sun’s influence, yet they are independent of the sun’s position relative to Earth. After all, the sun always leaves its effects behind. We know that when the sun withdraws its immediate, warming power from the Earth, it does not cease to leave behind this warming power for the blessing and healing of the Earth. If you go out into the countryside, you will find that in the fall deep pits are dug there, into which the potatoes are placed; then they are covered and keep well because the warming power of the sun, which pours over the Earth’s surface in summer, withdraws into the Earth’s interior. This warming power remains present beneath the surface down to a certain depth. The earth preserves the sun’s warming power throughout the winter, even after the sun itself has withdrawn. When you heat your stove with coal, you have taken this coal from the earth’s interior. How did this coal come into being? Through the fact that, in times long past, plants were covered by the earth. These plants arose under the influence of sunlight and solar heat. What sunlight and solar heat have done is preserved in the coal, and through it we extract sunlight and heat from long-past times from the earth once again. Thus, our earth still contains the sun within it even when, due to the sun’s position relative to the earth, its external influence has long since ceased. Our plants today have something in their sprouting and growing life that is brought about directly only by the position of the sun relative to the earth. Everything that lives on earth needs the sun; and the earth preserves what it receives from the sun through the winter season; it is full of the sun’s influence. The sun’s influence, so to speak, always remains within the Earth, and even when the Earth is no longer directly warmed by the sun’s position, the stored solar heat is still there and acts upon the creatures living on Earth. Without this, even the physical and etheric bodies of human beings could not exist. If you were to remove the human being even a little way from the Earth, he would not be able to exist. He needs the whole—the Earth with the sun’s influence contained within it. Under the present conditions of our solar system, our Earth therefore does not directly produce that connection between the physical and etheric bodies that we see in human beings, but only that which we see in plants. The human connection between the physical and etheric bodies must come about indirectly today. But in order for the human being to exist at all, they need the solar influence preserved in the Earth. That is why we will find it understandable that in an earlier planetary existence it must once have been possible for the human physical and etheric bodies to develop, just as plant life develops directly on Earth today. Just as the plant is a child of the Earth today, so must the physical and etheric bodies once have been the children of an earlier planetary state of the Earth. Under present conditions, this could not be the case. Therefore, different conditions must have existed. Spiritual science points us to these other conditions by showing us that the ancient lunar state of the Earth was preceded by yet another planetary state, which we rightly call the ancient solar state of the Earth. The Earth emerged from the ancient lunar state, and this, in turn, from the ancient solar state. But what must this ancient solar state have been like? It could not have been such that the sun shone from the outside; for then human beings could not have developed their physical and etheric bodies, and plants of the kind we have today would have developed. So no solar influence could have come from the outside. But without solar influence, human beings could not have developed the physical and etheric bodies. That which is today partially preserved in the Earth as the sun’s influence had to come entirely from the Earth itself. The Earth had to produce the effects itself that the sun produces today. But that means it had to be the sun itself. So when we look for an earlier state of our planet, we can only find one in which the sun did not shine from outside. The sun’s influences had to come from the Earth itself.
[ 20 ] So werden Sie begreiflich finden, daß die Geisteswissenschaft den dem alten Mondenzustand vorangegangenen Zustand den Sonnenzustand der Erde nennt. Das hellsehende Auge zeigt dem Geistesforscher, daß die Erde damals selber ein leuchtendes, wärmendes Wesen war. Damals konnten sich noch nicht Pflanzen im heutigen Sinne bilden, aber es konnte sich der Zusammenhang des physischen und ätherischen Leibes des Menschen bilden.
[ 20 ] You will therefore understand that spiritual science refers to the state that preceded the Earth’s ancient lunar phase as its solar phase. The clairvoyant eye reveals to the spiritual researcher that the Earth itself was then a luminous, warming being. At that time, plants as we know them today could not yet form, but the connection between the human physical and etheric bodies was able to develop.
[ 21 ] Nun liegt es nahe, daß jemand sagt: Wenn die Erde Sonne war und der Mensch nur physischen und Ätherleib hatte, dann hätte er doch verbrennen müssen. — Ja, selbstverständlich, wenn der physische Leib des Menschen so gewesen wäre, wie er heute ist! Aber damals war der physische Leib des Menschen anders, als er heute ist. Der physische Leib des Menschen konnte natürlich nicht seine heutigen festen Bestandteile haben; die würden in einem Sonnenzustand nicht existieren können. Der Mensch konnte auch keine flüssigen Bestandteile haben, denn nicht einmal unser heutiges Wasser konnte in einem solchen Weltkörper bestehen. Aber der luftförmige oder gasförmige Zustand war schon möglich, und erst recht war der Wärmezustand möglich. Wir werden also zurückgeführt zu einer alten planetarischen Verkörperung unserer Erde, in der wir den Menschen vorgebildet finden im physischen und Ätherleib, aber unter ganz anderen Verhältnissen. Es war dazumal so, daß Festes und Flüssiges noch nicht vorhanden waren, daß nur die Anlage zum Physischen gegeben war in einem Juftförmigen und feurigen Zustand. Zu dem, was der Mensch heute ist, ist er erst geworden nach der Umwandlung der alten Sonne, beziehungsweise des alten Mondes, in die heutige Erde. Der Mensch der damaligen Zeit war angepaßt an diesen planetarischen Vorgänger unserer gegenwärtigen Erde. Nun können Sie sich aber denken, daß in jener Zeit nicht nur die Erde, sondern das gesamte Sonnensystem anders gewesen sein muß als heute, denn eines bedingt das andere. Was wir heute Wasser oder das Flüssige nennen, war dazumal noch nicht vorhanden, auch nicht das Feste, Erdige, sondern es war nur Wärme, Feuriges und Luftförmiges vorhanden. Da kommen wir also zu einem Zustande unseres Sonnensystems, der sich wesentlich anders zeigt als unser heutiges Sonnensystem und der auch ganz andere Gesetze haben mußte als unser heutiger Erdenkörper.
[ 21 ] Now it stands to reason that someone might say: If the Earth was a sun and human beings had only physical and etheric bodies, then they would surely have burned up. — Yes, of course, if the human physical body had been as it is today! But back then, the human physical body was different from what it is today. Of course, the human physical body could not have had the solid components it has today; those could not exist in a solar state. Nor could the human being have had liquid components, for not even our present-day water could exist in such a celestial body. But the gaseous state was already possible, and the state of heat was certainly possible. We are thus led back to an ancient planetary incarnation of our Earth, in which we find the human being already formed in physical and etheric bodies, but under entirely different conditions. At that time, solids and liquids did not yet exist; only the potential for the physical was present in a fluid and fiery state. Human beings only became what they are today after the transformation of the ancient Sun—or rather, the ancient Moon—into the present-day Earth. The human beings of that time were adapted to this planetary predecessor of our present Earth. Now, however, you can imagine that in those days not only the Earth but the entire solar system must have been different from today, for one thing determines the other. What we today call water or the liquid state did not yet exist back then, nor did the solid, earthy state; rather, only heat, fire, and air existed. We thus arrive at a state of our solar system that appears fundamentally different from our present-day solar system and that must also have been governed by laws entirely different from those of our present-day Earth.
[ 22 ] Nun möchte ich noch kurz darauf hinweisen, daß dieser Zustand, den wir jetzt als den Sonnenzustand unserer Erde bezeichnet haben, nun wiederum einen anderen, [noch früheren] Zustand voraussetzt. Im Sonnenzustand haben wir bereits einen Zusammenhang zwischen dem physischen Leib, der aus Wärme und Luft bestand, und dem ätherischen Leib. Es kann der physische Leib [auf dieser Stufe] nicht ohne seinen Ätherleib bestehen, aber auch der Ätherleib muß, wenn er Bestand haben will, zur Grundlage einen physischen Leib haben. Der Mensch mußte also auf der alten Sonne bereits einen physischen Leib vorfinden, das heißt, der physische Leib muß noch früher gebildet worden sein, ehe er diesen seinen Zusammenhang mit dem Ätherleib finden konnte. Da werden wir auf eine noch frühere planetarische Verkörperung unserer Erde hingewiesen. Geradeso, wie wir das Physische bis zum luftförmigen, gasförmigen Zustand verdünnt haben während des Sonnenzustandes der Erde, so kommen wir nun zu einer weiteren Verdünnung des Physischen, zu einem Zustand, der überhaupt nur noch aus Wärme bestand. Diese Wärme müssen wir als das erste Physische ansehen, und das ganze damalige Sonnensystem müssen wir uns angepaßt denken diesem ersten planetarischen Zustand, dem Wärme- oder Feuerzustand unserer Erde.
[ 22 ] Now I would like to briefly point out that this state, which we have just referred to as the solar state of our Earth, in turn presupposes another, [even earlier] state. In the solar state, we already have a connection between the physical body—which consisted of heat and air—and the etheric body. The physical body cannot exist [at this stage] without its etheric body, but the etheric body, too, must have a physical body as its foundation if it is to endure. Human beings must therefore have already found a physical body on the ancient Sun; that is to say, the physical body must have been formed even earlier, before it could establish this connection with the etheric body. This points us to an even earlier planetary incarnation of our Earth. Just as we have diluted the physical down to the airy, gaseous state during the Earth’s solar phase, so now we come to a further dilution of the physical, to a state consisting entirely of heat. We must regard this heat as the first physical substance, and we must conceive of the entire solar system of that time as having been adapted to this first planetary state, the heat or fire state of our Earth.
[ 23 ] Dem hellseherischen Bewußtsein zeigt sich nun in der Tat, daß unsere Entwickelung zurückgeht auf ein ursprüngliches bloßes Wärmesystem. Wir nennen dieses Wärmesystem den alten Saturn. Der hellseherischen Beobachtung zeigt sich das als unmittelbares Erlebnis, aber wir haben gesehen, daß wir auch vernunftmäßig zu einem solchen Zustand zurückgehen können. Wir haben betont, daß wir, sobald wir zu einem solchen anderen System wie zum Beispiel einem Wärmesystem kommen, uns alles entsprechend angepaßt vorstellen müssen an die andersartigen Verhältnisse, so wie wir das auch schon gesehen haben, als wir über die elementarische Welt gesprochen haben. Wir müssen uns also einen anderen Begriff der Wärme aneignen. Unser heutiges Feuer können Sie sich ja nicht denken, ohne daß die anderen drei Zustände, der gasförmige, der flüssige und der feste auch vorhanden sind; unser heutiges Feuer ist gar nicht anders möglich. Es wird uns also begreiflich erscheinen, daß das Feuer des alten Saturn etwas wesentlich anderes war als unser heutiges Feuer. Alles verändert und verwandelt sich mit den Verhältnissen. Das heutige Feuer ist brennendes Gas oder irgendein anderer brennender Körper. Aber Gas oder andere Körper waren noch nicht vorhanden auf dem alten Saturn. Dort war eine frei sich darbietende Wärme vorhanden; damit war der Raum ausgefüllt. Diese Wärme bietet sich uns dar wie etwas Seelisches. Was wir heute Wärme nennen, das empfinden wir, wenn wir zum Beispiel den Finger etwas Feurigem entgegenhalten. Aber dazumal war das Feurige nicht so, daß man ihm etwas entgegenhalten konnte; es war als den Raum durchdringende Wärme vorhanden. Wir können uns von einer solchen Wärme nur so eine Vorstellung machen, wenn wir von dem äußeren Begriff der Wärme zu dem gehen, was wir seelische Wärme nennen. Wenn ein Mensch erglüht durch Liebe, Begeisterung oder durch Hinstreben nach einem hohen Ideal, dann wird er seelisch warm. Das kann wirken bis in das Physische hinein, dann wird er auch physisch warm, das heißt, das Blut wird warm und zirkuliert anders als vorher. Dem feineren Beobachter wird wahrnehmbar, daß das, was uns als seelische Wärme erscheint, wärmend wirkt bis in unser Physisches hinein. Solche Wärme, wie sie zum Vorschein kommt, wenn Geistiges in der menschlichen Natur wirkt, solche Wärme müssen wir suchen bei der ersten planetarischen Verkörperung unserer Erde. Sie ist aus dem Makrokosmos durch das Wirken des Geistigen zustande gekommen, so wie wir erwarmen können durch GeistigSeelisches. So war der erste planetarische Zustand unserer Erde ein Wärmezustand, weil Geistiges aus dem Makrokosmos seine «Wärme» zusammenwirkte.
[ 23 ] Clairvoyant consciousness now indeed reveals that our evolution traces back to an original system consisting solely of heat. We call this heat system “Old Saturn.” To the clairvoyant observer, this appears as a direct experience, but we have seen that we can also reason our way back to such a state. We have emphasized that as soon as we arrive at a different system, such as a thermal system, we must conceive of everything in a way that is adapted to the different conditions, just as we have already seen when we spoke of the elemental world. We must therefore adopt a different concept of heat. You cannot conceive of our present-day fire without the other three states—the gaseous, the liquid, and the solid—also being present; our present-day fire is simply not possible otherwise. It will therefore seem understandable to us that the fire of ancient Saturn was something essentially different from our present-day fire. Everything changes and transforms with the circumstances. Today’s fire is burning gas or some other burning body. But gas or other bodies did not yet exist on ancient Saturn. There was a freely present warmth; it filled the space. This warmth presents itself to us as something spiritual. What we call warmth today is what we feel, for example, when we hold our finger up to something fiery. But back then, the fiery element was not such that one could hold anything against it; it existed as heat permeating space. We can only form a conception of such heat by moving from the external concept of heat to what we call soul warmth. When a person glows with love, enthusiasm, or the pursuit of a high ideal, they become warm in their soul. This can extend into the physical realm, so that they also become physically warm—that is, the blood warms and circulates differently than before. The keen observer will perceive that what appears to us as soul warmth has a warming effect that extends into our physical being. Such warmth, as it comes to light when the spiritual works within human nature, is the kind of warmth we must seek in the first planetary incarnation of our Earth. It came into being from the macrocosm through the working of the spiritual, just as we can warm ourselves through the spiritual-soul. Thus, the first planetary state of our Earth was a state of warmth, because the spiritual from the macrocosm worked together to create its “warmth.”
[ 24 ] Wenn in der äußeren Welt eine Wärmeerscheinung auftritt, fragen wir: Wie ist das geschehen? — Wenn aber der Mensch warm wird durch den Eindruck eines Geistig-Seelischen, so wäre es töricht zu fragen, warum er warm geworden ist. Daß der Mensch warm werden kann durch Begeisterung für ein hohes Ideal, kann nur der verstehen, der es nacherleben kann; wer das nicht kann, versteht es nicht. Man muß einen solchen Vorgang innerlich verstehen, nur durch äußere Erklärungen verstehen wir nichts. Sehen Sie sich die Welt draußen an, sie versteht nicht, daß es Menschen gibt, die für das Ideal der Theosophie sich innerlich erwärmen können. Sie können das selbst nicht und sagen dann: Diese Theosophen sind rechte Narren; mich läßt das ganz kalt, wofür sie sich begeistern! — Diese Menschen können nicht dasselbe erleben. Wenn sie dasselbe erleben könnten, würden sie aufhören mit fragen.
[ 24 ] When a phenomenon of warmth occurs in the external world, we ask: How did that happen? — But when a person feels warmth as a result of a spiritual-soul impression, it would be foolish to ask why they have become warm. Only those who can relive the experience can understand how a person can feel warmth through enthusiasm for a lofty ideal; those who cannot do so will not understand it. One must understand such a process inwardly; external explanations alone do not help us understand anything. Look at the world outside; it does not understand that there are people who can be inwardly moved by the ideal of Theosophy. They cannot do this themselves and then say: These Theosophists are complete fools; I am completely indifferent to what they are enthusiastic about! — These people cannot experience the same thing. If they could experience the same thing, they would stop asking.
[ 25 ] Was haben wir also nötig, wenn wir zum Wärmezustand des Saturn zurückgehen? Wie können wir seine Wärme begreifen? Nur dadurch, daß wir sagen: Aus dem Geist heraus ist seine Wärme entstanden. — Wenn wir bis zum Saturnzustand zurückgehen, hört alles Materielle auf, wir begreifen dann das unmittelbare Herausgeborenwerden des Physischen aus dem Geistigen. Wir verstehen den Ursprung unseres Erdenwerdens, wenn wir zum Geiste zurückgehen, nicht zu einem Weltennebel, sondern wenn wir zurückgehen zu dem Geist und uns vorstellen, wie durch das Zusammenwirken von Geistern, von geistigen Wesenheiten, der Anfang unserer Erdenbildung entstanden ist.
[ 25 ] So what do we need if we go back to Saturn’s state of warmth? How can we comprehend its warmth? Only by saying: Its warmth arose from the spirit. — When we go back to the Saturn state, all that is material ceases to exist; we then comprehend the direct emergence of the physical from the spiritual. We understand the origin of our becoming Earth when we go back to the Spirit—not to a cosmic nebula—but when we go back to the Spirit and imagine how, through the interaction of spirits, of spiritual beings, the beginning of our Earth’s formation came into being.
[ 26 ] Wenn Sie das ins Auge fassen, dann wird Ihnen verständlich sein, wie in meinem Buch «Die Geheimwissenschaft im Umrif®» das Saturndasein erklärt wird. Da wird gesagt, daß gewisse Geister, die man die Geister des Willens nennt, zuerst, gleichsam durch ein großes Opfer, ihr eigenes Wesen hinströmten. Mit ihnen wirkten zusammen die Geister der Weisheit, die Geister der Bewegung und noch andere geistige Wesenheiten. Ich habe dort beschrieben, wie diese Geister zusammenströmen lassen ihre Taten im Makrokosmos und wie durch dieses Zusammenströmen der Taten geistiger Wesenheiten der Saturn entsteht. Da sehen wir, wie uns das Forschen zu der Entstehung des Physischen aus dem Geistigen führt. Und weil wir es hier zu tun haben mit Taten von Wesenheiten aus höheren Welten, so muß das Fragen nach den Ursachen an diesem Punkte aufhören. Wenn wir beim Geistigen angekommen sind, wenn wir die geistigen Wesenheiten schauen, die uns entgegentreten, dann können wir nicht in derselben Weise nach dem Warum fragen wie vorher. Nur ein Abstraktling kann das Warum-Fragen immer weiter fortsetzen; er kann zum Beispiel, wenn er Wagenfurchen auf der Straße sieht, fragen: Warum sind die Furchen da? — Weil Räder sie gegraben haben. — Warum haben Räder sie gegraben? Weil da eine Kutsche gefahren ist. — Warum ist die Kutsche da gefahren? — Weil sie einen Menschen fahren mußte. — Wer war der Mensch? — Der und der. — Warum ist er gefahren? — Nun kommen wir zu dem Entschluß dieses Menschen, und das ist das letzte, wonach wir fragen können, darüber kann man mit dem Warum-Fragen nicht hinausgehen. So ist es auch bei der Darstellung der großen Weltzusammenhänge; wir kommen an den Punkt, wo das Fragen aufhört, weil wir zu den Wesenheiten kommen.
[ 26 ] If you consider this, you will understand how the nature of Saturn is explained in my book *The Secret Science in the Umrif®*. It states that certain spirits, known as the spirits of the will, first poured out their own essence, as it were, through a great sacrifice. Working together with them were the spirits of wisdom, the spirits of movement, and other spiritual beings. I have described there how these spirits converge, how their actions manifest in the macrocosm, and how Saturn arises through this convergence of the actions of spiritual beings. There we see how our inquiry leads us to the origin of the physical from the spiritual. And because we are dealing here with the actions of beings from higher worlds, the questioning of causes must cease at this point. When we have arrived at the spiritual, when we behold the spiritual beings who meet us, then we cannot ask “why” in the same way as before. Only an abstract thinker can keep asking “why” indefinitely; for example, when seeing wheel ruts on the road, he might ask: Why are the ruts there? — Because wheels dug them. — Why did wheels dig them? Because a carriage drove there. — Why did the carriage drive there? — Because it had to carry a person. — Who was that person? — So-and-so. — Why was he traveling? — Now we come to that person’s decision, and that is the last thing we can ask about; we cannot go beyond that with the “why” questions. The same applies to the description of the great interconnections of the world; we reach the point where the questioning stops, because we arrive at the essences.
[ 27 ] Damit ist an einem Beispiel gezeigt worden, wie die von der Geisteswissenschaft dargestellten Tatsachen ganz logisch auseinander folgen und vernunftgemäß zu verstehen sind. Dies ist nun allerdings der Weg des Geistesforschers nicht. Der Geistesforscher baut sich nicht ein System von logischen Folgerungen auf, sondern er schildert das, was er real vor sich sieht. Er schaut zurück zum Sonnenund Saturndasein, er kann beschreiben, wie die Erde im Sonnenzustand war. Aber die Dinge müssen auch so dargestellt werden, daß sie für den gegenwärtigen Intellekt annehmbar sind. Sie haben gesehen, daß man oft weit ausholen und die Dinge von weit her zusammentragen muß, wenn man dieses Verständnis erwecken will. Wenn man alles berücksichtigt, was an Tatsachen aus aller Welt zusammengetragen werden kann, dann würden Sie sehen, daß das, was die Geisteswissenschaft behauptet, durch äußere Tatsachen bewahrheitet werden kann. Man muß nur imstande sein, genügend Tatsachen zusammenzutragen.
[ 27 ] This example has shown how the facts presented by spiritual science follow one another in a completely logical manner and can be understood rationally. However, this is not the path taken by the spiritual researcher. The spiritual researcher does not construct a system of logical deductions, but rather describes what he actually sees before him. He looks back to the solar and Saturn states; he can describe what the Earth was like in its solar state. But these things must also be presented in a way that is acceptable to the present-day intellect. You have seen that one often has to take a broad view and gather facts from far and wide if one wishes to awaken this understanding. If one takes into account all the facts that can be gathered from around the world, then you would see that what spiritual science asserts can be verified by external facts. One must only be able to gather sufficient facts.
[ 28 ] So haben wir gesehen, wie in ferner Vergangenheit das, was aus dem Makrokosmos ausgeflossen ist, in den Mikrokosmos hineingezogen ist. Wir haben gesehen, wie der Mensch selber sich vorbereitet hat durch lange, lange Zeiten hindurch vom Saturn zur Sonne und zum Mond zu dem, was im Erdendasein seinen vorläufigen Abschluß gefunden hat. Zum Schluß soll nun noch auf einiges hingewiesen werden, das sich auf die Zukunft bezieht. Gibt es etwas im Menschen, was in die Zukunft weist? Hat der Mensch etwas an sich, was später weiter ausgebildet werden wird? — Wir sahen im gestrigen Vortrage, daß das Herz ein älteres Organ ist, denn schon im Mondenzustande war es vorhanden, wenn auch in anderer Gestalt, es wurde dann umgewandelt im Erdenzustande zu dem, was es jetzt ist. Wenn wir einen früheren Mondenmenschen hellsehend betrachten, so können wir wahrnehmen, daß er etwas hat, was die Anlage zu dem jetzigen Herzen war. Wie die Pflanzenblüte in der Keimanlage die Frucht in sich trägt, so trug das Mondenherz gleichsam das Erdenherz in sich. In gleicher Weise sieht nun der dazu Befähigte im heutigen Menschen gewisse Organe, welche noch unvollkommen gebildet sind — obwohl sie dem gewöhnlichen Menschen vollkommen erscheinen —, die dazu bestimmt sind, zu höherer Vollkommenheit heranzuwachsen und in der Zukunft eine weit bedeutendere Rolle zu spielen, um dadurch den jetzigen Menschen zum künftigen Jupitermenschen werden zu lassen. Zu diesen Organen gehört der menschliche Kehlkopf, der in der jetzigen Zeit nicht mehr als ein Keimorgan ist. Vom Standpunkt der Geisteswissenschaft ist der Kehlkopf weiter von seiner Vollkommenheit entfernt als manche anderen Organe. Wenn wir den Kehlkopf betrachten in seinem Verhältnis zur Lunge, so können wir sagen, er setzt in einer gewissen Weise die Lunge voraus, er entwickelt sich beim Menschen auf Grund des Lungendaseins. Aber wir sehen zugleich, daß der Mensch in bezug auf das, was er in seinem Kehlkopf hervorbringt, auf einer unvollkommenen Stufe steht. Was macht denn des Menschen Vollkommenheit aus? Wo liegt heute, im gegenwärtigen Zustand der Menschheitsentwickelung, die größte menschliche Vollkommenheit? Sie liegt darin, daß der Mensch in der Lage ist, sich ein Ich zu nennen. Alles, was dem Menschen die Möglichkeit gibt, sich ein Ich zu nennen, gibt ihm seine Menschenwürde, setzt ihn über die anderen Wesenheiten. Eine Individualität ist der Mensch, und die einzelnen Organe des Menschen sind um so vollkommener, je mehr sie das leisten, was mit dem Ich verbunden bleibt, das von Verkörperung zu Verkörperung geht und die Früchte jedes einzelnen Lebens mitnimmt. Das ist aber in bezug auf den Kehlkopf nur in geringem Maße der Fall. Wenn Sie zurückschauen könnten in Ihre früheren Inkarnationen und sich inkarniert finden zum Beispiel innerhalb der griechisch-lateinischen Zeit, innerhalb der ägyptisch-chaldäischen Zeit, innerhalb der altpersischen Zeit, innerhalb der altindischen Zeit, so finden Sie sich immer andere Sprachen sprechend; es ist also die Sprache als Produkt unseres Kehlkopfes noch nicht individualisiert. Die Sprache ist nicht etwas, was das Ich sich so einverleiben kann, daß der Mensch sie von Inkarnation zu Inkarnation mitnehmen könnte. Wenn der Mensch in einer Inkarnation durch ein Volk gegangen ist, in einer folgenden Inkarnation durch ein anderes Volk, so muß er sich jedesmal in einem anderen Sprachidiom ausdrücken. Die Sprache ist weit weniger innig mit dem Ich verbunden als das Denken. Wir haben die Sprache gemeinsam mit anderen Menschen. Wir werden durch die Geburt in eine Sprachform hineingeboren. Der Mensch ist in bezug auf die Sprache noch ganz gruppenseelenhaft. Dennoch ist die Sprache etwas, in dem sich unser Inneres, in dem sich der Geist ausdrückt. Sie ist die Fähigkeit des Menschen, durch die Konfiguration der Worte in den Laut, in den Ton hinein die Seelenempfindungen und die Gedanken zu tragen. So daß uns in unserem Kehlkopf ein Organ gegeben ist, durch das wir mit unserer Individualität eingereiht sind in ein Geistgewirktes, aber nicht in etwas, was wir selber gemacht haben. Wenn die Sprache nicht ein Geistgewirktes wäre, könnte sich nicht Geist in ihr ausdrücken; wenn der Kehlkopf nicht den geistgegebenen Ton ergreifen könnte, so könnte das Innere der Menschenseele sich nicht durch Gesang zum Ausdruck bringen. Der Kehlkopf ist ein Organ, welches Geistwirkungen zum Ausdruck bringt, aber nicht individuelle Geistwirkungen. Dem Geistesforscher zeigt sich der Kehlkopf als ein Organ, durch das der Mensch sich einer Gruppenseele einordnet, das sich noch nicht zur Individualität erheben kann, das aber auf dem Wege ist, individuelle Wirkungen des Menschen aufzunehmen. Der Mensch wird seinen Kehlkopf in der Zukunft so umarbeiten, daß er ganz Individuelles auch durch den Kehlkopf zum Ausdruck bringen kann. Das ist gleichsam eine prophetische Vordeutung. Der Kehlkopf ist ein Keimorgan, das sich in der Zukunft umbilden wird. Wenn wir dies beachten, dann werden wir es begreiflich finden, daß die Sprache für den heutigen Menschen etwas aus Gnade Gegebenes ist, über das er keine Macht hat, in das er erst hineinwachsen muß mit seiner Individualität. So wie wir mit unserer Ichheit in uns selber stehen, so wurzeln wir mit unserem Kehlkopf im Makrokosmos, aus dem uns die Kräfte zuströmen, die uns zu sprechenden Wesen machen.
[ 28 ] Thus we have seen how, in the distant past, that which flowed out from the macrocosm was drawn into the microcosm. We have seen how human beings themselves prepared themselves over long, long ages—from Saturn to the Sun and the Moon—for what has found its provisional conclusion in earthly existence. Finally, we shall now point out a few things that pertain to the future. Is there anything in human beings that points toward the future? Do human beings possess something that will be further developed later on? — In yesterday’s lecture, we saw that the heart is an older organ, for it was already present in the lunar stage, albeit in a different form; it was then transformed in the Earth stage into what it is now. If we look at an earlier Lunar human being through clairvoyance, we can perceive that he has something that was the germ of the present-day heart. Just as the plant blossom carries the fruit within its germ, so the Lunar heart carried, as it were, the Earth heart within itself. In the same way, those with the necessary ability can now see in modern humans certain organs that are still imperfectly formed—although they appear perfect to the ordinary person—which are destined to grow toward higher perfection and to play a far more significant role in the future, thereby enabling modern humans to become the future Jupiter-men. Among these organs is the human larynx, which in the present age is no more than a rudimentary organ. From the standpoint of spiritual science, the larynx is further from its perfection than many other organs. When we consider the larynx in relation to the lungs, we can say that it presupposes the lungs in a certain way; it develops in human beings on the basis of the existence of the lungs. But we see at the same time that, in terms of what the human being produces in his larynx, he stands on an imperfect level. What, then, constitutes human perfection? Where does the greatest human perfection lie today, in the present state of human development? It lies in the fact that the human being is able to call himself an “I.” Everything that gives human beings the ability to call themselves an “I” bestows upon them their human dignity and sets them above other beings. Human beings are individual beings, and the individual organs of the human being are all the more perfect the more they accomplish that which remains connected to the “I” that passes from incarnation to incarnation and carries with it the fruits of each individual life. But this is only true to a small extent with regard to the larynx. If you could look back at your past incarnations and find yourself incarnated, for example, during the Greco-Roman era, the Egyptian-Chaldean era, the ancient Persian era, or the ancient Indian era, you would find yourself speaking different languages each time; thus, language, as a product of our larynx, has not yet become individualized. Language is not something that the ego can assimilate in such a way that a person could carry it from one incarnation to the next. If a person has lived among one people in one incarnation and among another people in a subsequent incarnation, they must express themselves in a different linguistic idiom each time. Language is far less intimately connected with the ego than thinking. We share language with other human beings. We are born into a linguistic form at birth. In terms of language, the human being is still entirely group-soul-like. Nevertheless, language is something in which our inner self, in which the spirit, expresses itself. It is the human being’s ability to convey soul feelings and thoughts through the configuration of words into sound and tone. Thus, we are given an organ in our larynx through which we, with our individuality, are integrated into something spirit-created, but not into something we have made ourselves. If language were not spirit-created, the spirit could not express itself through it; if the larynx could not take up the spirit-given tone, the inner life of the human soul could not express itself through singing. The larynx is an organ that expresses spiritual influences, but not individual spiritual influences. To the spiritual researcher, the larynx appears as an organ through which the human being aligns with a group soul—an organ that cannot yet rise to individuality, but which is on the path to taking on the individual effects of the human being. In the future, human beings will transform their larynx in such a way that they can express the wholly individual through the larynx as well. This is, as it were, a prophetic foreshadowing. The larynx is a germinal organ that will be transformed in the future. If we bear this in mind, we will find it understandable that language is, for modern human beings, something granted by grace, over which they have no power, into which they must first grow with their individuality. Just as we stand within ourselves with our sense of self, so do we root ourselves in the macrocosm with our larynx, from which the forces flow to us that make us speaking beings.
[ 29 ] Im Herzen hat der Mensch ein Organ, durch das er schon selbständig zum Menschen geworden ist. Mit ihm ist verbunden ein im Menschenkörper abgeschlossener Kreislauf des Blutes als Ausdruck des Ich. Durch unseren Kehlkopf machen uns die höheren Wesenheiten des Makrokosmos zum Menschen. Wenn wir in einer neuen Verkörperung in den Mikrokosmos hineinwachsen, so wachsen wir hinein in eine Organisation, deren Mittelpunkt das Herz ist; aber wir wachsen nicht nur in den Mikrokosmos hinein, sondern diese Leiblichkeit wird durch den Makrokosmos fortwährend weitergebildet. Durch unseren Kehlkopf strömt aus dem Makrokosmos das herein, was höchster Geistesausdruck ist. So stehen wir mit dem Makrokosmos in Verbindung, daß wir nicht nur Wirkungen empfangen, sondern auch Wirkungen zurückgeben, auch wenn wir noch keine individuelle Macht über das haben, in das wir hineingeboren werden. In den Volksgeist werden wir hineingeboren, darüber haben wir keine individuelle Macht. Daher entspricht es einer großen Wahrheit, wenn in der Bibel gleich am Anfang gesagt wird, daß der Mensch mit seinem Erdenwerden bis zu dem Zeitpunkt warten mußte, da ihm aufgebaut werden konnte die Krönung seiner Atmungsorgane, der Kehlkopf, von dem Göttlich-Geistigen selber: Und Gott hauchte dem Menschen ein den lebendigen Odem, und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. — Mit diesen Worten wird hingedeutet auf den Moment, wo das Göttlich-Geistige eingeatmet wird aus dem Makrokosmos. Mit dem Herzen ist das Menschliche im Zusammenhang, mit dem Kehlkopf das Göttliche.
[ 29 ] In the heart, human beings have an organ through which they have already become human beings in their own right. Connected to it is a circulatory system within the human body that is self-contained, serving as an expression of the “I.” Through our larynx, the higher beings of the macrocosm make us human. When we grow into the microcosm in a new incarnation, we grow into an organism whose center is the heart; but we do not merely grow into the microcosm—this physicality is continually shaped by the macrocosm. Through our larynx, that which is the highest expression of the spirit flows in from the macrocosm. Thus we are connected to the macrocosm in such a way that we not only receive effects but also give effects back, even though we have no individual power over that into which we are born. We are born into the national spirit; over this we have no individual power. Therefore, it corresponds to a great truth when the Bible states right at the beginning that human beings, upon becoming earthly, had to wait until the moment when the crown of their respiratory organs—the larynx—could be built up by the Divine-Spiritual itself: “And God breathed into the man the breath of life, and so the man became a living being.” — These words point to the moment when the Divine-Spiritual is inhaled from the macrocosm. The human is connected to the heart, the Divine to the larynx.
[ 30 ] Indem der Mensch mit den Lungen atmet und seine Atmungsvorgänge umgestalten kann zu jenen Konfigurationen, die durch den Kehlkopf bewirkt werden, Sprache und Gesang, ist ihm etwas gegeben, was höchster Ausbildung fähig ist. Daher ist es wohl begründet, wenn dasjenige, was die Krönung sein wird, wenn der Mensch sich höher und höher entwickelt, in der orientalischen Theosophie «Atma» genannt wird. Das Wort «Atma» hat die gleiche Wurzel wie «Atmen». Atma oder Geistesmensch ist das höchste Glied, das der Mensch in der Zukunft einmal ausbilden wird. Er muß aber die Ausbildung des Atma oder Geistesmenschen selbst bewirken, der heute erst in der Anlage vorhanden ist. Er muß mitarbeiten an dem, was sich als modifizierter Atmungsprozeß darlebt in Sprache und Gesang. Das steht erst im Anfang und wird sich immer weiter und weiter entwickeln und immer weitere Kreise umfassen.
[ 30 ] Because human beings breathe with their lungs and can transform their breathing processes into the configurations produced by the larynx—speech and song—they are endowed with something capable of the highest development. It is therefore well-founded that what will be the crowning achievement as human beings develop higher and higher is called “Atma” in Eastern theosophy. The word “Atma” shares the same root as “breathing.” Atma, or the spiritual human being, is the highest stage that humanity will one day develop in the future. However, he must himself bring about the development of the Atma or spiritual human being, which today exists only in potential. He must cooperate in what manifests as a modified breathing process in speech and song. This is only in its infancy and will continue to develop further and further, encompassing ever wider spheres.
[ 31 ] Wenn wir das bedenken, dann werden wir sagen: Sobald der Mensch in sachgemäßer Weise eingreifen kann in seinen Atmungsprozeß, so wird das eine höhere Einwirkung sein als alle anderen. Aber weil es sich hier um hohe geistige Kräfte handelt, für die der Mensch mit seiner gegenwärtigen Konstitution noch nicht reif ist, so ist es klar, daß dabei auch am leichtesten Unheil hervorgerufen werden kann. Wenn also unter den verschiedenen Übungen, die der Mensch vornehmen kann, um sich zu vervollkommnen, auch solche sind, die den Atem regeln, so ist es wichtig, bei solchen Übungen die allergrößte Sorgfalt zu verwenden, und der Lehrer muß dem Schüler gegenüber die größtmögliche Verantwortung empfinden. Denn die göttlich-geistigen Wesenheiten selber waren es, welche aus ihrer Weisheit heraus den Atmungsprozeß modifizierten, um den Menschen aus einer niederen Stufe zu einem sprachbegabten Wesen zu machen, und sie mußten, weil der Mensch dazu nicht reif ist, die Sprache nicht in die Willkür seiner Individualität stellen, sondern sie mußten sie außerhalb derselben stellen. Alle Atemübungen bedeuten also ein Einwirken auf eine höhere Sphäre, und wir müssen uns klar darüber sein, daß damit die größte Verantwortung verbunden sein muß.
[ 31 ] When we consider this, we will say: As soon as a person is able to intervene appropriately in their breathing process, this will have a greater effect than any other. But because this involves high spiritual forces for which human beings, in their present state, are not yet ready, it is clear that harm can very easily be caused in the process. So if, among the various exercises a person can perform to perfect themselves, there are also those that regulate the breath, it is important to exercise the utmost care in such exercises, and the teacher must feel the greatest possible responsibility toward the student. For it was the divine-spiritual beings themselves who, out of their wisdom, modified the breathing process to transform human beings from a lower stage into beings capable of speech; and because human beings are not yet ready for this, they could not place speech within the arbitrary will of the individual, but had to place it outside of it. All breathing exercises thus involve an influence on a higher sphere, and we must be clear that this entails the greatest responsibility.
[ 32 ] Leider werden heute vielfach leichtfertige Anweisungen auf diesem Gebiete gegeben, und wer diese Dinge versteht, blickt mit Grauen darauf, daß zahlreiche Menschen sich heute mit Atemübungen abgeben, ohne genügende Vorbereitung vorgenommen zu haben. Dem Geistesforscher erscheinen sie wie Kinder, die mit dem Feuer spielen. Niemand soll glauben, daß äußere anatomische Kenntnisse und physische Rücksichten dazu fähig machen, über das Atmen Vorschriften zu geben. Der wahre Lehrer auf diesem Gebiete weiß: Wenn man in den Atmungsprozeß bewußt eingreift, so appelliert man an das Göttlich-Geistige in der menschlichen Natur. Und weil das der Fall ist, können die Gesetze dazu nur aus dem höchsten heute erreichbaren geistigen Erkennen herausgeholt werden. Anweisungen über Eingriffe in den Atmungsprozeß können daher nur einem solchen Lehrer anvertraut werden, von dem die allergrößte Sorgfalt und Vorsicht erwartet werden kann. In unserer Zeit, wo man sich so wenig bewußt ist, daß allem Materiellen ein Geistiges zugrunde liegt, wird man auch leichten Herzens glauben, diese oder jene Atemübungen vorschreiben zu können. Wenn man aber weiß, daß allem Physischen ein Geistiges zugrunde liegt, dann wird man auch zu der Erkenntnis kommen, daß zu den edelsten Offenbarungen des Geistigen im Physischen die Modifikation des menschlichen Atmungsprozesses gehört und daß das Eingreifen in den Atmungsprozeß nur verbunden sein kann mit einer Stimmung der Seele, die wie eine gebetartige ist. Wer in den Atmungsprozeß eingreifen will, darf dies nur tun aus der Erkenntnis heraus, daß dem Schüler Erkenntnis Gebet wird, daß er sich erfüllt mit tiefer Andacht. Anders sollten überhaupt nicht Anweisungen gegeben werden für diese verantwortungsvollsten Dinge. Der Erkennende wird ein Andächtiger, der sich erfüllt mit der Gnade derjenigen Wesenheiten, denen wir uns zwar nähern, zu denen wir aber heute noch hinaufsehen müssen, weil sie ihre Weisheit heruntersenden aus Höhen des Makrokosmos, die höher sind, als wir mit unserem gewöhnlichen Wissen erfassen können. Das ist es, was sich ergibt aus der Geisteswissenschaft als ein letztes Resultat, daß sie ausklingt wie ein selbstverständliches Gebet:
[ 32 ] Unfortunately, thoughtless instructions are often given in this field today, and those who understand these matters look on with horror as countless people engage in breathing exercises without having prepared themselves adequately. To the spiritual researcher, they appear like children playing with fire. No one should believe that external anatomical knowledge and physical considerations qualify one to give instructions on breathing. The true teacher in this field knows: When one consciously intervenes in the breathing process, one appeals to the divine-spiritual aspect of human nature. And because this is the case, the laws governing it can only be derived from the highest spiritual knowledge attainable today. Instructions regarding interventions in the breathing process can therefore only be entrusted to a teacher from whom the utmost care and caution can be expected. In our time, when people are so little aware that everything material is based on the spiritual, they will also readily believe that they can prescribe this or that breathing exercise. But if one knows that everything physical is based on the spiritual, then one will also come to realize that the modification of the human breathing process belongs to the noblest manifestations of the spiritual in the physical, and that intervention in the breathing process can only be connected with a state of mind that is like a prayer. Anyone who wishes to intervene in the breathing process may do so only out of the realization that for the student, knowledge becomes prayer, that he is filled with deep devotion. Otherwise, instructions should not be given at all for these most responsible matters. The one who gains knowledge becomes a devout person, filled with the grace of those beings whom we are indeed approaching, but to whom we must still look up today, because they send down their wisdom from heights of the macrocosm that are higher than we can grasp with our ordinary knowledge. This is what emerges from spiritual science as its ultimate result, that it concludes like a natural prayer:
Gottes schützender segnender Strahl
Erfülle meine wachsende Seele,
Daß sie ergreifen kann
Stärkende Kräfte allüberall.
Geloben will sie sich,
Der Liebe Macht in sich
Lebensvoll zu erwecken,
Und sehen so Gottes Kraft
Auf ihrem Lebenspfade
Und wirken in Gottes Sinn
Mit allem, was sie hat.
God’s protective, blessing ray
Fill my growing soul,
So that it may embrace
Strengthening powers everywhere.
It vows to
Awaken the power of love within itself
With all its vitality,
And thus see God’s power
On its life’s path
And work in God’s spirit
With all that it has.
[ 33 ] Geisteswissenschaft soll den ganzen Menschen in die höheren Welten führen, nicht nur den denkenden, sondern auch den fühlenden und den wollenden Menschen. Wir können über die Welt nachdenken, aber wenn wir nur denken, bleiben wir bei aller Erkenntnis kalt und gleichgültig. Vielmehr sollen die Erkenntnisse der höheren Welten in uns Gefühle auslösen, und je höher der Mensch befähigt ist hinaufzublicken, um so tiefer erwachen in ihm die Impulse des Fühlens, die Impulse zum Handeln, die Impulse dazu, den großen Ideen, welche uns aus den geistigen Welten herunterleuchten, nachzuleben. Wir werden andächtig, betend; das Fühlen wird andächtig, das Wollen gottinnig, wenn wir der geistigen Erkenntnis folgen. Denn wer die Wahrheit so erkennt, daß er sie fühlt, der wird dabei nicht stehenbleiben, er wird ganz von selbst, ohne jeden Zwang, auch das wollen und tun, was er für richtig und wahr erkannt hat. Und das ist der Prüfstein. Wer nur als Geisteserkennender dasteht, aber trotzdem gleichgültig ist in seinem Fühlen und Wollen, auf den hätte die Geisteswissenschaft nicht in der richtigen Weise gewirkt. Geisteswissenschaft hat ihren Prüfstein darin, daß die Erkenntnis ausklingt in andächtige Stimmung und daß der Mensch in seinen Willen aufnimmt und handelnd erfüllt, was er als richtig erkannt hat. Wo die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft in diesem Sinne wirken, da geht wahrhaftig im Menschen eine Geistessonne auf, die ihn von innen durchwärmt und durchleuchtet.
[ 33 ] Spiritual science is meant to lead the whole human being into the higher worlds—not only the thinking human being, but also the feeling and willing human being. We can reflect on the world, but if we merely think, we remain cold and indifferent despite all our knowledge. Rather, the insights of the higher worlds should awaken feelings within us, and the higher a person is able to look up, the more deeply the impulses of feeling, the impulses to act, and the impulses to live out the great ideas that shine down upon us from the spiritual worlds are awakened within them. We become devout, prayerful; feeling becomes devout, will becomes godlike, when we follow spiritual knowledge. For whoever recognizes the truth in such a way that he feels it will not stop there; he will, quite of his own accord, without any compulsion, also will and do what he has recognized as right and true. And that is the touchstone. Whoever stands merely as one who recognizes the spirit, yet remains indifferent in their feeling and willing, upon whom spiritual science has not worked in the right way. Spiritual science has its touchstone in the fact that the insight resonates into a devotional mood and that the human being takes into his will and fulfills through action what he has recognized as right. Where the insights of spiritual science work in this sense, a spiritual sun truly rises within the human being, warming and illuminating him from within.
[ 34 ] Deshalb aber auch, weil geistige Erkenntnisse in die Herzen aufgenommen werden müssen, ist es natürlich, daß diese geistigen Erkenntnisse heute durch unsere Kultur rinnen auf dem Wege des Zusammenschlusses der Menschen zu Vereinigungen, zur Vergesellschaftung der Menschen. Käme es auf die Erkenntnisse allein an, so könnte der Mensch auch Einsiedler sein. Folgt aber aus den Erkenntnissen, daß Herz und Gefühl mitsprechen, dann fühlt der Mensch sich auch zu anderen Menschen hingezogen. Daher ist geistige Erkenntnis etwas die Menschen Einendes, und es ist nur natürlich und begreiflich, daß der unwillkürliche Drang besteht, daß Menschen, welche den gleichen Trieb, die gleiche Sehnsucht, die gleiche Liebe zu geisteswissenschaftlichen Ideen und Idealen haben, sich zusammenfinden, sich zu Gesellschaften vereinigen, deren Mitglieder hier und dort, wo auch immer sie sein mögen, stets diese hohen geistigen Ziele in einem warmfühlenden Herzen tragen. Das schließt ein Großes und Weittragendes in sich, wenn Geisteswissenschaft in dieser Weise sich ausbreitet, daß sie Menschen zusammenführt, denen es vermöge ihrer Innigkeit des Fühlens und Wollens wie von selbst so ergeht, daß sie verwandte Seelen anziehen. Wo können wir in der Welt des gesellschaftlichen Chaos Menschen finden, mit denen wir uns verwandt fühlen? Wie zerstückelt ist die Welt heute in bezug auf die Menschen! Da sitzen die Menschen zusammen in Büros oder in Werkstätten oder in der Fabrik und verrichten die gleiche Arbeit. Und doch, wie weit können ihre Seelen voneinander entfernt sein! Wir können Seite an Seite mit einem andern Menschen sitzen, und die Lebensverhältnisse sind so kompliziert, daß wir einander nicht verstehen. Wenn wir aber irgendwohin kommen und wissen, da gibt es Menschen, welche das Heiligste, das wir verehren in unserer Seele, auch verehren, dann haben wir das Recht anzunehmen, daß sie in ihrem Innern etwas haben, was mit dem tiefsten Inneren unserer eigenen Seele verwandt ist. Wenn wir uns zusammenschließen mit solchen Menschen, die dasjenige, was wir das Heiligste nennen, auch für sich das Heiligste nennen, die in ihrer Seele dasselbe Licht und dieselbe Liebe tragen wie wir, dann können uns die Menschen, die wir sonst gar nicht kennen, als die äußeren Träger einer inneren Wesenheit erscheinen, die wir kennen. Dann wissen wir, daß es Verwandte im Geiste geben kann.
[ 34 ] But precisely because spiritual insights must be taken to heart, it is only natural that these insights should flow through our culture today, leading to the coming together of people in communities and to the socialization of humanity. If it were a matter of insights alone, a person could just as well be a hermit. But if these insights lead to the heart and feelings having a say, then people also feel drawn to others. Therefore, spiritual insight is something that unites people, and it is only natural and understandable that there is an involuntary urge for people who share the same impulse, the same longing, the same love for spiritual scientific ideas and ideals to come together, to unite in societies whose members, wherever they may be, always carry these high spiritual goals in a warm-hearted spirit. There is something great and far-reaching in this when spiritual science spreads in such a way that it brings people together who, by virtue of the depth of their feeling and will, find themselves naturally attracting kindred spirits. Where in this world of social chaos can we find people with whom we feel a kinship? How fragmented the world is today in terms of human relationships! People sit together in offices or workshops or factories, doing the same work. And yet, how far apart their souls can be! We can sit side by side with another person, and yet life’s circumstances are so complicated that we do not understand one another. But when we come to a place where we know there are people who also revere what we hold most sacred in our souls, then we have the right to assume that they possess within themselves something akin to the deepest core of our own souls. When we unite with such people—who also call that which we call the most sacred the most sacred for themselves, who carry the same light and the same love in their souls as we do—then people whom we otherwise do not know at all can appear to us as the outward bearers of an inner being that we know. Then we know that there can be kindred spirits.
[ 35 ] Überall, wo wir hinkommen und die Bewegung sich ausbreitet unter Menschen, die dasselbe Licht und dieselbe Liebe in sich tragen wie wir, werden sich mit uns verwandte Seelen zusammenfinden, die sich zu den gleichen Idealen bekennen. Damit ist etwas Ungeheures gesagt, daß die Erkenntnis, die wir aus Geisteshöhen heruntertragen und in die Seelen einfließen lassen, die Menschen wandelt, daß sie sie zu anderen Menschen macht, daß auch in solchen Seelen, die vielleicht früher Tag für Tag, Jahr für Jahr teilnahmslos nebeneinander dahingelebt haben, der Keim der Liebe und des Mitfühlens und der Erwärmung für Ideale aufsprießt und aus den ehemals kalten, nüchternen Menschen warmfühlende Menschheitsfreunde macht. Wir sprechen, indem wir Erkenntnis verbreiten, nicht nur über das, was Weisheit der höheren Welten ist, sondern auch über das, was in dieser Erkenntnis an Liebe wirkt von Menschenseele zu Menschenseele. Das ist der wahre Weg, in praktischer Weise eine Bruderschaft der Menschen anzubahnen. Niemals kann ein solches Ziel durch Programme oder durch Predigen von Liebe erreicht werden, auch nicht durch Theoretisieren über Brüderlichkeit oder durch Anregungen zu Mildtätigkeit und dergleichen. Wo sich aber Menschen zusammenschließen, die Verwandte im Geiste sind, die sich angezogen fühlen von den gleichen Idealen und die dasselbe heilig halten, was auch unser Heiligstes ist, da können wir eine menschliche Bruderschaft begründen.
[ 35 ] Wherever we go and the movement spreads among people who carry within themselves the same light and love as we do, kindred spirits who share our ideals will come together with us. This says something tremendous: that the insight we bring down from spiritual heights and allow to flow into souls transforms people, that it makes them different people, that even in those souls that perhaps once lived day after day, year after year, lived on indifferently side by side, the seed of love, compassion, and enthusiasm for ideals will sprout, transforming the formerly cold, sober people into warm-hearted friends of humanity. In spreading this knowledge, we speak not only of what constitutes the wisdom of the higher worlds, but also of the love that works through this knowledge from one human soul to another. This is the true way to practically initiate a brotherhood among humanity. Such a goal can never be achieved through programs or by preaching love, nor through theorizing about brotherhood or by encouraging charity and the like. But where people come together who are kindred in spirit, who are drawn to the same ideals, and who hold sacred what is also our most sacred, there we can establish a human brotherhood.
[ 36 ] So soll der heute zu Ende gehende Vortragszyklus — und im Grunde genommen jeder Vortrag — nicht als etwas betrachtet werden, aus dem die Menschenseelen nur Wissen schöpfen und ihre Erkenntnisse bereichern, sondern er soll bewirken, daß aus den Erkenntnissen ganz unvermerkt ein warmes Gefühl aufsteigt für die hohen Ideale der Menschheit und für die Notwendigkeit, die Menschen zusammenzuschmieden im Geiste der Brüderlichkeit. Je mehr wir in solchen Vorträgen lernen an Erkenntnissen, um so mehr sollten wir dazu kommen, die Menschen auch liebzugewinnen, anzufachen das Feuer der Liebe und mitzuwirken, die Menschen dem hohen Menschheitsideal der Brüderlichkeit zuzuführen.
[ 36 ] Thus, the lecture series that is coming to a close today—and, in essence, every lecture—should not be viewed as something from which human souls merely draw knowledge and enrich their understanding, but rather it should have the effect of quietly stirring up, from these insights, a warm feeling for the high ideals of humanity and for the necessity of uniting people in the spirit of brotherhood. The more we learn in such lectures, the more we should come to love people, to kindle the fire of love, and to help lead people toward the lofty human ideal of brotherhood.
[ 37 ] In diesem Sinne sollten auch diese Vorträge gehalten sein. Wir haben versucht, aus manchmal recht entlegenen Gebieten her dasjenige zusammenzutragen, was uns Verständnis geben soll über die Welt und unser Dasein, das herunter kommt aus dem Geistigen. Nur indem man zum Geiste emporsteigt, findet man das wahre innere Wesen des Menschen. Wahre Menschenliebe wurzelt im Geistigen. Solche Gefühle der Liebe finden sich sicher ein, wo die Menschen durch die Geisteswissenschaft zum Geistigen aufsteigen, denn die Geisteswissenschaft belebt, erwärmt und erleuchtet die Menschen. Wo sie richtig verkündet und richtig aufgenommen wird, da wird sie stets solche Impulse geben, die eine wahre Logik des Herzens vorbereiten. Die Logik des Denkens ist vereinbar mit dem stärksten Egoismus. Die Logik des Herzens ist imstande, allmählich allen Egoismus zu überwinden und alle Menschen zu Teilnehmern einer Menschengemeinschaft zu machen. Erst wenn die geistigen Wahrheiten uns durchdrungen haben mit Lebenswärme, haben wir die Impulse der Geisteswissenschaft richtig verstanden. Dann verlassen wir einen solchen Vortragszyklus nicht nur mit Bereicherung an Erkenntnissen, sondern er wird jedem einzelnen die Seelenwärme so erhöhen, daß diese Seelenwärmeüberfließen und auf das ganze Leben wirken kann. Möge einiges von diesem Ideal erreicht worden sein. In einem solchen Zyklus kann freilich — auch wenn er noch so lange dauert — nur weniges gegeben werden, nur ein wenig Feuer vielleicht angefacht werden. Aber es wäre doch schön, annehmen zu dürfen, daß die hier aufgetauchte Seelenwärme nicht wieder erkalten werde, daß noch Spuren von ihr oder sogar ein erfreuliches Anwachsen zu finden sein wer den, wenn wir das nächste Mal uns hier wiederum zusammenfinden werden. Bis dahin rufe ich Ihnen zu: Auf Wiedersehn!
[ 37 ] These lectures should also be presented in this spirit. We have attempted to gather, from fields that are sometimes quite remote, those insights that are meant to give us an understanding of the world and our existence—insights that descend from the spiritual realm. Only by rising to the spiritual realm can one discover the true inner essence of the human being. True love for humanity is rooted in the spiritual realm. Such feelings of love are sure to arise where people ascend to the spiritual through spiritual science, for spiritual science enlivens, warms, and enlightens people. Where it is properly proclaimed and properly received, it will always provide the impulses that prepare the way for a true logic of the heart. The logic of thought is compatible with the strongest egoism. The logic of the heart is capable of gradually overcoming all egoism and making all people participants in a human community. Only when spiritual truths have permeated us with the warmth of life have we truly understood the impulses of spiritual science. Then we will leave such a lecture series not only enriched with knowledge, but it will also increase the warmth of the soul in each individual to such an extent that this warmth of the soul can overflow and influence the whole of life. May some of this ideal have been achieved. In such a series, of course—no matter how long it lasts—only a little can be given, perhaps only a small fire kindled. But it would be nice to assume that the warmth of the soul that has emerged here will not grow cold again, that traces of it—or even a welcome growth—will still be found when we gather here again next time. Until then, I call out to you: Goodbye!
