Makrokosmos und Mikrokosmos
Die große und die kleine Welt Seelenfragen, Lebensfragen, Geistesfragen
GA 119
30 März 1910, Wien
Zehnter Vortrag
[ ] Es war mein Bestreben in diesen Vorträgen, diejenigen Erkenntnisse, welche gegenwärtig aus Gründen, die in der Entwickelung der Menschheit liegen, verkündet werden sollen, in gewissem Sinn von einer andern Seite her zu zeigen, als sie gezeigt werden zum Beispiel in den Büchern, die Sie über diesen Gegenstand erhalten können. Ich wollte diese Erkenntnisse vom Gesichtspunkt des unmittelbareren Erlebens aus beleuchten, und gerade dadurch steht ja wohl zu hoffen, daß durch die Durchtränkung der sonst gegebenen Wahrheiten mit den unmittelbaren Tatsachen des Bewußtseins manches wiederum in neuer Art sich für diesen oder jenen aufklärt. Allerdings wird derjenige, welcher nur diese Vorträge gehört und sich noch weniger mit dem Gegenstand beschäftigt hat, eine wichtige Ergänzung des hier Gesagten in meinen Büchern, zum Beispiel in der soeben erschienenen «Geheimwissenschaft» oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», finden können. Es ist nach den Ausführungen des gestrigen Vortrages ja begreiflich, daß man, sobald man überhaupt die höheren Welten zu schildern beginnt, das von verschiedenen Gesichtspunkten aus tun kann. Haben wir doch gesehen, von wieviel verschiedenen Gesichtspunkten aus unser eigenes Ich uns erscheint, sobald wir es durch das Betreten der höheren Welten von außen her sehen.
[ ] Ich möchte nun in gewisser Beziehung dabei bleiben, diese Schilderung mehr von innen heraus zu gestalten und deshalb anknüpfen an das, was wir gestern gesagt haben über die Logik des Herzens im Gegensatz zu dem, was man im äußeren Leben kennt als die Logik des Kopfes oder des Verstandes. Wir konnten schon aus dem gestrigen Vortrag entnehmen, daß uns die Logik des Herzens in der menschlichen Entwickelung zweimal entgegentreten kann. Sie kann uns entgegentreten in derjenigen Entwickelungsform, in der das, was das Herz denkt, noch nicht durchzogen ist von der Logik des Verstandes, der Logik des Kopfes. Wir haben darauf hingewiesen, daß es heute noch Menschen gibt, welche durchaus es sogar gerne ablehnen möchten, sich mit der Logik des Verstandes zu beschäftigen und dasjenige, was sie als wahr fühlen und empfinden, umzusetzen in Begriffe und in Ideen. Ganz wird es diesen Zustand der menschlichen Entwickelung in unserer heutigen Gegenwart nicht mehr geben; es kann ihn nicht mehr geben. Denn wo Sie auch Umschau halten würden unter den gegenwärtigen Menschen, Sie werden überall, auch da, wo noch fast ganz aus den unmittelbaren Eindrücken des Herzens heraus geurteilt wird, wenigstens einige Begriffe und Ideen des Verstandes finden. Wenn wir eine Entwickelungsstufe finden wollten, die den Verstand noch ganz ausschließt, dann würden wir schon weit zurückgehen müssen in der Entwickelung der Menschheit und würden dann eine Vorstufe unserer gegenwärtigen menschlichen Entwickelung finden. Es kann also gesagt werden, daß sich aus der Natur des Geschilderten von selbst ergibt, daß unsere heutige Entwickelungsstufe auf eine frühere hinweist, in der aus einem Unterbewußtsein heraus, aus einem noch nicht vom Verstand durchtränkten Bewußtsein heraus das Herz urteilte. Heute leben wir in einer Zeit, in welcher dieses ursprüngliche Urteil des Herzens, diese ursprüngliche Logik des Herzens durchzogen ist von Begriffen und Ideen, kurz von dem, was wir Logik des Verstandes nennen. Und wenn wir alles ins Auge fassen, was wir gestern gesagt haben und bedenken, daß der Mensch sich entwickeln kann, so dürfen wir von unserer gegenwärtigen Entwickelungsstufe aus hinweisen auf eine zukünftige Entwickelungsstufe, welche heute angestrebt wird von einzelnen wenigen, welche aus ihrem gegenwärtigen Bewußtsein heraus die Sehnsucht, den Trieb haben, in einer gewissen Weise die Zukunft vorauszunehmen. Auf einen Zukunftszustand der Menschheit können wir hinblicken, welchen die Menschheit zeigen wird so, daß Logik des Herzens in vollem Umfang wiederum vorhanden sein wird, das heißt, daß der Mensch wiederum imstande sein wird, aus der Unmittelbarkeit seines Fühlens heraus die Wahrheit zu schauen. Aber er wird dann aufgenommen haben die Entwickelungsstufe, die er zwischen diesen beiden durchgemacht hat, die Stufe der Logik, des Verstandes. So daß wir sagen können: Wir gehen jetzt — die gesamte Menschheit — durch die Entwickelungsstufe des Verstandes, des Kopfes hindurch, um auf einer höheren Stufe dasjenige wiederum zu erreichen, was auf einer niederen Stufe schon erreicht war: die Logik des Herzens. — Während auf der niederen Stufe diese Logik des Herzens nicht durchglüht und durchleuchtet war von dem, was der Mensch sich durch seinen Verstand aneignet, wird die Logik des Herzens auf einer höheren Stufe durchtränkt, durchglüht, durchleuchtet sein von dem, was er auf der jetzigen Stufe der Entwickelung durch Begriffe, durch Ideen erworben hat.
[ ] So haben wir also drei Entwickelungsstufen des Menschen vor uns: eine vor unserer Gegenwart liegend, eine als die unserer Gegenwart und eine zukünftige Entwickelungsstufe. Und wir sehen daraus auch den Sinn der Entwickelung, daß dem auf einer früheren Stufe Errungenen Neues hinzugefügt wird. Neues wird also einverleibt dem Alten, welches in die Zukunft hinübergelebt werden soll.
[ ] Aber wir können uns noch genauer unterrichten, gerade aus den Erfahrungen derjenigen heraus, die heute schon in gewisser Weise das erreicht haben, was gestern als erreichbar geschildert worden ist: eine Art von höherem Bewußtseinszustand, durch den sie hellseherisch hineinsehen können in die höheren Welten. Sie können ja leicht begreifen, daß von einer solchen Umwandlung nicht nur die Denkkraft betroffen ist, sondern daß auch andere Seelenkräfte andere Formen annehmen werden, wenn sich die Denkkraft verändert.
[ ] Wir haben uns also etwa zu fragen: Wenn nun jemand durch die geisteswissenschaftliche Schulung zu einer höheren Stufe des Erkennens sich hinaufarbeitet, wenn er fortschreitet von der Logik des Kopfes, des Verstandes, zu der Logik des Herzens, vom Denken des Kopfes zum Denken des Herzens, ändern sich dann auch die andern Fähigkeiten der Seele? — Nehmen wir irgendeine Fähigkeit heraus wir können ja diese Dinge, die so kompliziert sind, nur an Beispielen erläutern —, nehmen wir als Beispiel das Gedächtnis. Das Gedächtnis ist eine Seelenkraft, wie das Denken eine Seelenkraft ist. Das Denken ändert sich; es wird von einem Denken des Kopfes zu einem Denken des Herzens, wenn der Geistesschüler sich vorwärtsentwickelt. Wie ist es denn nun mit dem Gedächtnis? Das Gedächtnis tritt uns ja im gewöhnlichen Leben beim normalen Bewußtsein in folgender Weise entgegen: Der Mensch hat zunächst ein Bewußtsein des Gegenwärtigen. Er sieht die Dinge, die ihn in der Gegenwart im Raume umgeben, er macht seine Wahrnehmungen, macht sich daraus seine Vorstellungen. Alles das kann er seinem Bewußtsein einverleiben. Aber der Mensch kann auch ein Bewußtsein haben von dem, was räumlich vorhanden war, aber zeitlich getrennt ist. Dessen wird er sich durch das Gedächtnis bewußt; durch das Gedächtnis schreitet der Mensch aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurück. Wenn Sie sich an etwas erinnern, was Sie gestern erlebt haben, so schauen Sie in der Zeit zurück. Sie schauen etwas, was jetzt nicht mehr in Ihrer Umgebung ist, was aber einmal in Ihrer Umgebung war. Jeder, der das Gedächtnis nach dieser Richtung hin prüft, merkt, daß das Gedächtnis nicht an den Raum gebunden ist wie das Gegenwartsbewußtsein, sondern das Gedächtnis ist an die Zeit gebunden. Wenn wir mit unserem Gedächtnis tätig sind, schauen wir in der Zeit rückwärts. Diese Art der Bewußtseinstätigkeit ändert sich nun für den Geistesschüler ganz gewaltig.
[ ] Nun muß ich ausdrücklich bemerken, daß ja der Geistesforscher selbstverständlich nicht in jedem Moment seines Lebens seine höheren Fähigkeiten anzuwenden braucht. Er hat sie, aber er setzt sie nur dann in Tätigkeit, wenn er forschen will in den höheren Welten. Wenn er in den höheren Welten forscht, dann geht sein Kopfdenken in das Denken des Herzens über. Aber für die gewöhnlichen Tageserlebnisse braucht der Geistesforscher natürlich diese Seelenfähigkeiten nicht, mit denen er sich in das höhere Bewußtsein versetzt; im Alltagsleben denkt er geradeso wie andere Menschen auch. Es ist also ein Sich-versetzen-Können von einem normalen in einen übernormalen Bewußtseinszustand, dessen der Geistesforscher fähig sein muß. Das müssen wir uns immer vorhalten. Wir dürfen nicht sagen, der Geistesforscher müsse immer die Merkmale [des höheren Bewußtseins] zeigen, die geschildert worden sind.
[ ] Das Gedächtnis des Geistesforschers nun ändert sich in all den Fällen, wo er in dem Bewußtseinszustand ist, mit dem er in der geistigen Welt forscht so, daß er in der geistigen Welt durch eine ähnliche Fähigkeit wahrnimmt, wie sie das gewöhnliche Gedächtnis ist, nur daß er nun nicht zeitlich wahrnimmt, sondern räumlich. Es ist eine vollständige Verwandlung, die mit dem Gedächtnis vorgeht. Während der Mensch, wenn er im gewöhnlichen Bewußtsein sich an etwas erinnern will, was er gestern erlebt hat, in der Zeit zurückblickt und die Ereignisse von gestern gleichsam heraufzuholen sucht, ist es beim Fortschreiten in der geistigen Erkenntnis des Geistesschülers so, daß er das Vergangene gleichzeitig mit dem Gegenwärtigen erlebt, nur räumlich von ihm getrennt, etwa so, wie wenn man hier steht und durch die Türe in den Raum nebenan schaut. Es ist also so, daß die gestrigen Ereignisse gleichzeitig im Raume dastehen, nur wie durch eine Entfernung von den heutigen Ereignissen getrennt; und dasjenige, was in der Zeit weiter zurückliegt, ist nur im Raume entsprechend weiter entfernt als das Gegenwärtige. Man kann also sagen: Für den Geistesforscher treten die sonst für das Gedächtnis in der Zeitform hintereinander erscheinenden Ereignisse nebeneinander auf, und er muß gleichsam von einem Ereignis zum andern wandern.
[ ] Sie werden erkennen, wenn Sie genau durchdenken, was schon in den vorhergehenden Vorträgen gesagt worden ist, daf das jetzt Auseinandergesetzte ganz gut übereinstimmt mit dem früher Gesagten. Es wurde gesagt, daß man sich in der geistigen Welt mit den Dingen und Wesenheiten vereinigen muß. Wenn diese Dinge und Wesenheiten nun in der Zeit fern von einem liegen, dann muß man zu ihnen hingehen, um sich mit ihnen zu vereinigen. Man muß zurückgehen, man muß die Zeitenlinie abschreiten wie eine Linie im Raum, um sich mit den Wesen und Dingen vereinigen zu können. Man kann sagen, daß sich in bezug auf die Seelenfähigkeit des Gedächtnisses die Zeit zu einer Art von Raum verwandelt, sobald man die geistige Welt betritt. Also das Gedächtnis ist für den Geistesschüler eine wesentlich neue Fähigkeit geworden. Er sieht ein vergangenes Ereignis so, wie wenn es in der Gegenwart noch da wäre, und er beurteilt die Zeit, die vergangen ist, nach der Distanz, in der es getrennt von ihm ist. So daß Sie daraus entnehmen können, daß die Vergangenheit für den Geistesschüler sich hinstellt wie etwas, was räumlich nebeneinander steht. Es ist tatsächlich, wenn diese Form des Gedächtnisses errungen ist, das Forschen in der Vergangenheit wie ein Ablesen der stehengebliebenen Ereignisse. Man nennt dieses Ablesen der stehengebliebenen Ereignisse das Lesen in der AkashaChronik. Es ist eine Welt, in der die Zeit zum Raum geworden ist. Wie man unsere Welt, in der wir leben, als die physische Welt bezeichnet, so kann man die Welt, in der die Zeit zum Raum geworden ist, als die Akasha-Welt bezeichnen. Das verändert die ganze innere Seelenverfassung des echten, wahren Mystikers, denn was im gewöhnlichen Leben Zeit genannt wird, gibt es hier gar nicht mehr in dieser Form.
[ ] Es ist gerade an diesem Beispiel in einer wunderschönen Weise zu erkennen, wie die Dinge, wenn man sie subtil von ihrem wahren Gesichtspunkt aus betrachtet, wunderbar im Einklang stehen. Denken Sie einmal, was aus dem Menschen im gewöhnlichen Leben würde, wenn er sein Denken nicht mit seinem Gedächtnis in Einklang bringen könnte, wenn er seine Logik des Verstandes in Widerspruch fände mit dem, was sein Gedächtnis sagt. Sie können sich einen solchen Fall leicht konstruieren. Denken Sie einmal, Sie würden vor sich haben irgendein Dokument, das meinetwillen das Datum vom 26. März trägt. Das ist eine Wahrnehmung, die Sie in Ihrem Gegenwartsbewußtsein haben. Aber Sie waren dabei, als das Ereignis stattgefunden hat, das in diesem Dokument aufgeschrieben ist, Sie gehen die Tage zurück, und Ihr Gedächtnis sagt Ihnen, es muß einen Tag früher gewesen sein. Da haben Sie sozusagen einen grobklotzigen Fall, wo Ihr Gegenwartsbewußtsein mit Ihrem Gedächtnisbewußtsein in Widerspruch gerät. Solche Fälle können in der Regel in der physischen Welt sehr leicht korrigiert werden. Viel schwieriger ist es in der geistigen Welt, einen Irrtum zu korrigieren, denn man kann durch die eigene Natur selbst Irrtümer in die geistige Welt hineintragen. In der physischen Welt ist im allgemeinen ein Irrtum des Denkens nicht gar so schlimm, denn die äußeren Verhältnisse der physischen Welt korrigieren die Irrtümer von selbst. Wenn jemand zum Beispiel, sagen wir, der Straße nicht gehörige Aufmerksamkeit zuwendet, wenn er vergißt, daß er die rechte Straße nehmen muß, um nach Hause zu kommen, und stattdessen die linke Straße nimmt, so wird er den Irrtum bald einsehen. Also auf dem physischen Plan ist ein Irrtum nicht gar so schlimm. Aber auf dem geistigen Plan haben wir so bequeme Korrekturen der Irrtümer nicht; da muß man in sich die Sicherheit haben, um solche Fehler zu vermeiden. Da muß man die sorgfältigste Vorbereitung darauf verwenden, daß man diese Sicherheit bekommt. Ein Irrtum in der geistigen Welt würde viel teurer zu stehen kommen, ein einziger Fehler würde einen ins Bodenlose hineinführen können. Es muß ein bestimmter Einklang bestehen zwischen der Logik des Herzens und dieser eben beschriebenen Art des Gedächtnisses, geradeso wie ein Einklang besteht zwischen der Logik des Kopfes und dem Gedächtnis des gewöhnlichen Bewußtseins.
[ ] Nun ist aber durch die Art, wie wir uns nach den Angaben der Geisteswissenschaft höherentwickeln, eine Garantie gegeben, daß ein solcher Einklang besteht. Und hier kommen wir zu einem Satz, den der Geistesschüler eigentlich immer beherzigen soll: daß alles äußere Physische eigentlich nur dann verstanden wird, wenn es nicht direkt genommen wird, sondern als Gleichnis eines Übersinnlichen, eines Geistigen aufgefaßt wird. In der Tat haben wir ein physisches Werkzeug für unsere Logik des Kopfes in unserem Gehirn. Das ist ja etwas, was ein jeder durch die gewöhnliche Wissenschaft wissen kann. In derselben Weise können wir allerdings nicht sagen, daf3 wir an unserem physischen Herzen ein Werkzeug haben für die Logik des Herzens. Denn die Logik des Herzens ist etwas viel Geistigeres als die Logik des Kopfes, und unser Herz ist nicht in demselben Grade physisches Organ für das Denken des Herzens, wie unser Gehirn physisches Organ ist für das Denken des Verstandes. Aber ein Gleichnis liegt uns in gewisser Weise doch in unserem physischen Herzsystem vor. Wenn nämlich das Denken des Herzens die "Zeit in den Raum verwandelt, so muß man in dem Augenblick, wo man in die geistige Welt eindringt, eigentlich mit seinem ganzen Wesen fortwährend herumwandern, muß in einem fortwährenden Kreislauf begriffen sein. Das ist auch entschieden die Empfindung, welche derjenige hat, der von dem gewöhnlichen Gedächtnis zu dem höheren Gedächtnis des Geistesforschers hinaufsteigt. Während der Mensch mit dem gewöhnlichen Gedächtnis glaubt, in der Gegenwart festzustehen und zurückzublicken auf die Vergangenheit, hat der Geistesforscher das innere Erlebnis, daß er in der Zeit zurück spazierengeht, daß er die Zeit abschreitet. Und dieses Bewußtsein drückt sich äußerlich aus in dem Erleben unseres Blutsystems, das auch in einer fortwährenden Bewegung sein muß, wenn wir überhaupt leben wollen. In unserem Blute machen wir fortwährend die Bewegung vom Herzen durch den Körper und wiederum zurück. Der Kreislauf des Blutes gibt Ihnen das Bild einer Bewegung. Das Blut ist in einer fortwährenden Bewegung, so daß also dasjenige, was zum Herzen gehört, eigentlich in einer fortwährenden Bewegung ist. Was zum Kopf gehört, das werden Sie nicht in einer entsprechenden fortwährenden Bewegung finden. Die Teile des Gehirns bleiben immer an dem Ort, wo sie sind, so daß in der Tat das Gehirn ein physisches Gleichnis ist für dasjenige Bewußtsein, das im Raum sich abspielt. Das rinnende Blut, der Saft des Herzens, ist in seiner Zirkulation ein Bild der Beweglichkeit des Herzdenkens des Geistesforschers. So ist ein jegliches Physisches ein Gleichnis für das entsprechende Geistige. Das ist in der Tat eine außerordentlich interessante Tatsache, daß wir in unserem Blutsystem ein Bild haben von gewissen Fähigkeiten des Geistesforschers und auch von den Welten, in denen der Geistesforscher sich bewegt.
[ ] So also blicken wir, indem wir aufsteigen zu dem Begreifen eines höheren Bewußtseins, förmlich in einen anderen Raum hinein, in einen Raum, den das gewöhnliche Bewußtsein gar nicht kennt, in einen Raum, der dann entstehen würde, wenn der Zeitenfluß immer gerinnen würde. Denken Sie: Wenn Sie dasjenige vor sich haben wollten, was Sie gestern erlebt haben, dann müßte ein Augenblick dessen, was gestern erlebt worden ist, wie erstarrt sein. Im nächsten Augenblick ist die ganze Welt schon wieder anders; der Augenblick, der jetzt ist und schon wieder nicht ist, müßte sozusagen wie in einer Moment-Photographie festgehalten werden. Jeder Augenblick müßte so festgehalten werden, und dann müßten diese aufeinanderfolgenden Photographien nebeneinander im Raum aufgestellt werden. Dann hätten Sie das, was der Geistesforscher tatsächlich lebendig vor sich hat. Nicht nur den gewöhnlichen Raum hat er vor sich, sondern einen Raum, der ganz anderer Natur ist. Ein solcher Raum unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Raum, in dem wir gewöhnlich leben. Sie können unmöglich in dem gewöhnlichen Raum ein Abbild des geistigen Raumes entwerfen. Denn wenn Sie den physischen Raum nehmen und versuchen, irgendwohin eine Linie zu ziehen, so können Sie diese Linie nur innerhalb dieses Raumes ziehen. Sie kommen gar nicht über diesen Raum hinaus. Sie können also dasjenige, was der Geistesforscher im geistigen Raum durchschreitet, gar nicht in den gewöhnlichen Raum hineinzeichnen. Dem Geistesforscher wird die Zeit zum Raum, in dem er von einem Punkt zum andern Punkt schreitet.
[ ] Sie sehen also, daß das gewöhnliche Bewußtsein im Raum eingeschlossen ist; es kann gar nicht heraus. Aber der Geistesforscher kommt dennoch heraus. Er weiß, wie er sich zu bewegen hat, wenn er zum Beispiel zu Ereignissen kommen will, die meinetwillen vier oder fünf Tage vorher stattgefunden haben. Er geht durch die Bilder der Ereignisse der letzten vier oder fünf Tage zurück, wie auf einer Linie. Diese Linie ist so beschaffen, daß sie weder zweidimensional gezeichnet, noch dreidimensional im Raume dargestellt werden kann. Sie ist überhaupt für das gewöhnliche Bewußtsein nicht vorstellbar, denn das gewöhnliche Bewußtsein kann aus dem dreidimensionalen Raum nicht heraus. Der Geistesforscher bewegt sich aber aus dem gewöhnlichen Raum heraus und betritt einen Raum, der eine weitere, eine im wahren Sinne vierte Dimension hat. Der Raum, den der Geistesforscher betritt, wenn er das neue Gedächtnis bekommt, hat eine Dimension mehr als der gewöhnliche Raum; das ist eine Dimension, die Sie im physischen Raum nicht finden können. Daher müssen wir davon sprechen, daß der Geistesforscher in dem Augenblick, wo er dieses höhere Gedächtnis bekommt, aus den drei Dimensionen des Raumes heraustritt. Wir haben nun nicht nur darauf hingedeutet, daß ein solcher Begriff vom vierdimensionalen Raum denkbar ist, sondern daß es eine ganz bestimmte Fähigkeit gibt, nämlich das höhere Gedächtnis des Menschen, für welche dieser vierdimensionale Raum eine Wirklichkeit ist.
[ ] Eine jede Sache hat in gewisser Beziehung auch ihre Kehrseite, und diese Kehrseite ist auch bei der Entwickelung jener Seelenfähigkeit vorhanden, welche eben geschildert worden ist. Wenn nun jemand Anleitungen bekommt, sich in die höheren Welten hinaufzuentwickeln, so liegt ihm als Ziel vor Augen, dieses geistige Raumgedächtnis zu erlangen. Aber wenn Sie eine solche Entwickelung durchmachen oder sich erzählen lassen von anderen, welche eine solche Entwickelung begonnen haben, werden Sie erfahren, daß solche Leute vielleicht klagen, wenn sie die Sache noch nicht durchschauen — denn wenn sie sie durchschauen, so klagen sie nicht, sondern betrachten die Sache als etwas ganz Natürliches —: Früher habe ich ein so ausgezeichnetes Gedächtnis gehabt, und seit ich begonnen habe, mich vorzubereiten, hat mein Gedächtnis nachgelassen. — Das ist etwas, was einem ganz richtigen Erlebnis entspricht. Das gewöhnliche Gedächtnis erleidet in der Tat bei dieser Stufe der Entwickelung zunächst eine Einbuße. Das ist eine Erfahrung, die durchgemacht werden kann. Wer das weiß, der wird sich keine Skrupel darüber machen, denn er weiß ja, daß er gerade dann einen vollkräftigen Ersatz dafür erhält, wenn er fast an der Grenze sein könnte, wo die Sache gefährlich werden könnte. Gerade da wird er bemerken, daß er einen Ersatz bekommt für das Gedächtnis. Er wird es zwar sehr schwer haben, wenn er sich erinnern soll an etwas, was er gestern erlebt hat, dafür aber wird er den Ersatz bekommen, daß ein Bild vor seiner Seele auftritt. In diesem Bild stehen lebendig da vor dem geistigen Auge die Ereignisse, die er erlebt hat; es drängen sich seinem Bewußtsein in Bildern diese vergangenen Tatsachen auf. Und das ist ein viel treueres, sichereres Gedächtnis als dasjenige, welches man gewöhnlich hat im Leben. Daher können Sie wohl auch hören von solchen, die eine gewisse Entwickelung durchgemacht haben, daß sie durch eine Art von Verdunkelung ihres Gedächtnisses gegangen sind und daß sie dann wieder eine Aufhellung dieses Gedächtnisses in neuer Form bekommen haben. Und dieses neue Gedächtnis ist sehr merkwürdig, weil es die vergangenen Dinge bildhaft vor Augen stellt. Dieses Gedächtnis ist besser als das gewöhnliche Gedächtnis, denn das gewöhnliche Gedächtnis hat einen großen Mangel: es zeigt die Dinge sehr schattenhaft und abgeblaßt, und die Einzelheiten gehen verloren. Für das Gedächtnis aber, das sie wie in Raumbildern hinstellt, tauchen die Einzelheiten wieder auf. Da schattiert sich und nuanciert sich alles, und die Treue des Gedächtnisses nimmt ungeheuer zu.
[ ] So also sehen wir auftreten eine neue Seelenfähigkeit, die allerdings jetzt nicht wie die Erinnerung, wie die Gedankenerinnerung, die Vorstellungserinnerung an Verflossenes dasteht, sondern die dasteht wie das Anschauen des Verflossenen. Wir sehen eine neue Seelenfähigkeit auftauchen; aber wir sehen zwischen dem, was heute dieser Seelenfähigkeit entspricht, und dem, was diese Seelenfähigkeit werden kann, etwas wie eine Art von Verdunkelung der entsprechenden Fähigkeit. Um das neue Gedächtnis zu bekommen, nimmt das alte in gewisser Weise ab, verdunkelt sich. Dann kommt das neue immer mehr und mehr in Aufschwung. Es liegt also etwas wie eine Verdunkelung zwischen den zwei Seelenfähigkeiten. Wir haben also jetzt gleichsam drei Seelenzustände des Gedächtnisses zu unterscheiden: den des gewöhnlichen Gedächtnisses, das einen bestimmten Grad von Treue haben kann, dann eine Art von Verdunkelung, dann ein Wiederaufleuchten des Gedächtnisses in einer neuen Form. Man nennt nun den Zustand, der eine solche Seelenfähigkeit auf ihrer Höhe zeigt, mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie ein «Manvantara», und bei demjenigen Zustand, wo eine Verdunkelung eintritt, sprechen wir von einem «Pralaya». Zunächst haben wir ein starkes Gedächtnis, ein Manvantara, dann tritt eine Verdunkelung desselben ein, ein Pralaya des Gedächtnisses, und danach wieder ein Manvantara, wo die Fähigkeit des Gedächtnisses auf einer höheren Stufe wieder auftritt.
[ ] Wenn wir uns nun erinnern an dasjenige, was über die menschliche Entwickelung gesagt worden ist, so können wir hinweisen darauf, daß der Mensch in früheren Zeiten eine Art Logik des Herzens schon hatte, daß er in der Gegenwart durchgeht durch die Logik des Verstandes und daß in der Zukunft ihm wieder eigen sein wird eine Logik des Herzens, die wie eine Frucht der Logik des Verstandes sein wird. Dann muß aber auch in jenem früheren Zustande den Seelenfähigkeiten des Menschen etwas Ähnliches entsprochen haben wie dasjenige, was in der Zukunft mit der Logik des Herzens wiedererlangt werden wird. Wir haben also nicht nur zurückgewiesen auf den alten Zustand der Seele, in dem das Denken des Verstandes noch nicht vorhanden war, sondern auch auf etwas, was dem eben geschilderten höheren Gedächtnis ähnlich ist, nur auf einer unteren Stufe. Es war mit dem Urzustand des Denkens verknüpft eine Art von Gedächtnis, das in Bildern schaute, geradeso wie mit dem zukünftigen Zustand der Menschheit verknüpft sein muß ein Gedächtnis, das in Bildern schaut. Und jetzt können Sie sich das Wesen eines ursprünglichen Menschen geradezu vorstellen. Er hat nicht so gedacht wie der heutige Mensch, denn das Denken in Begriffen ist erst später erworben worden. Er hatte die Logik des Herzens nicht durchleuchtet von Vernunft und Wissenschaft im heutigen Sinne. Damit war aber verbunden eine Art von Raumgedächtnis, so daß die Zeit zum Raum geworden ist. Heute muß der Mensch, wenn er zurückschauen will in vergangene Zeiten, sein Gedächtnis anstrengen, soweit es reicht. Wo es nicht reicht, muß er Dokumente zur Hand nehmen und darin forschen. Sie wissen, wie die Vergangenheit heute erforscht wird. Ste wird erforscht aus dem, was sich im einzelnen menschlichen Gedächtnis erhalten hat, erforscht aus dem, was Völker in ihrer Tradition noch erhalten haben, und aus dem, was in steinernen Dokumenten, zum Beispiel in Denkmälern und so weiter, aufbewahrt ist; und wenn wir weiter zurückgehen, aus dem, was meinetwillen da ist an Knochenresten, Muschelschalen, an Steinen, welche ihre Verwendung heute noch in ihrem Aussehen zeigen. All das weist uns auf frühere Stufen der Entwickelung hin. Kurz, alles, was da ist, wird durchforscht, damit man auf diese Weise ein Bild bekommt von der Vergangenheit. Man muß durchaus den Standpunkt der Gegenwart nehmen und von da aus sich die Vergangenheit rekonstruieren.
[ ] Wir sehen jetzt in einen Urzustand der Menschheit hinein, wo das nicht so war, wo der Mensch das Vergangene wie ein Gegenwärtiges raumhaft, bildhaft vor sich hatte. Und damit haben wir eine Art von Erklärung für eine frühere Art der menschlichen Seelenverfassung. Der Mensch hat früher seinen Ursprung nicht zu erforschen gebraucht, sondern er hat ihn sehen können. Je nach dem Grade seiner Entwickelung hat er mehr oder weniger weit in die Vergangenheit zurückschauen können. Und indem er darauf zurückgeschaut hat, hat er dasjenige gesehen, aus dem er selber hervorgegangen war. Daraus können wir uns erklären die Pietät, mit der der Mensch zurückgeblickt hat in die Vergangenheit, und das unmittelbare Wissen, das der Mensch von der Vergangenheit hatte.
[ ] Nun müssen wir, nachdem wir uns diese drei aufeinanderfolgenden Zustände der Menschheit vor die Seele gestellt haben, etwas genauer in das Wesen des Menschen hineinblicken, wenn wir weiterkommen wollen im Verständnis der menschlichen Entwickelung. So wie der Mensch heute ist, so ist er ja, das kann uns schon eine äußere physische Beobachtung lehren, erst geworden, so war er nicht immer. Er hat sich notwendigerweise aus anderen Zuständen, aus anderen Formen seines Daseins zum gegenwärtigen Zustand fortgebildet. In bezug auf das Seelische haben wir an einen früheren Zustand erinnert, weil wir erkennen konnten, daß er ähnlich ist einem Zustand, den der Mensch in der Zukunft erringen wird, wenn er durchgegangen ist durch die Kraft des menschlichen Denkens.
[ ] Wenn Sie sich nun vor Augen halten, was gestern und vorgestern gesagt worden ist, daß der Mensch in seinem gegenwärtigen Zustand die Methoden, die der geistige Lehrer ihm an die Hand gibt, auf seine Seele anwenden kann, um sich weiter zu entwickeln, so müssen Sie sich sagen: Es wäre undenkbar, daß man das auf einer früheren Stufe gekonnt hätte. Es wäre undenkbar, daß? man sich aus einem früheren Zustand gleich in den zukünftigen Zustand hätte umwandeln können. Das wurde ja gerade so streng betont, daß man erst die Früchte des gegenwärtigen Zustandes in seine Seele hereinnehmen muß, um zu höheren Stufen emporzusteigen. Fs kann keine Stufe der menschlichen Entwickelung übersprungen werden; es muß eine jede Stufe überschritten werden. Es mußte also der Mensch, damit seine Entwickelung in der Zukunft möglich gemacht wird, damit er jemals schreiten kann zu dem, was wir uns als so bedeutsames Ideal vor Augen gestellt haben, zu seiner gegenwärtigen Stufe erst herangebildet werden. Ehe der Mensch zur höheren Logik des Herzens kommt, muß er die Logik des Kopfes ausbilden. Diese hat ihr Werkzeug im Gehirn und Rückenmark. Wir haben nun gesehen, daß Gehirn und Rückenmark herausgebilder worden sind aus denjenigen Kräften, die wir gefunden haben im Vernunftreich, die uns also aus dem Vernunftreich zugeflossen sind. Alles andere ist zurückgestoßen worden, und einfließen gelassen wurde nur dasjenige, was an Kräften in dem Vernunftreich ist, damit dieser Wunderbau unseres Gehirnes in unserem Innern gebildet werden konnte. So daß wir sagen können: Es ist das menschliche Gehirn dadurch möglich geworden, daß der Mensch fähig geworden ist, auszuschließen von der Gehirnbildung alle andern Reiche und nur hineinfließen zu lassen das Vernunftreich. — Wie aber das menschliche Gehirn da sein muß, wenn der Mensch sich weiterentwickeln will, um zu der Zukunftsstufe des Herzensdenkens vorzuschreiten, deren Organ aus den Kräften des Urbilderreiches heraus gebildet wird, so können Sie sich leicht denken, daß auch vorher etwas da sein mußte, bevor aus dem Vernunftreich das Gehirn sich bilden konnte. Geradeso wie wir Jetzt arbeiten müssen auf der Grundlage unseres Gehirns, wenn wir uns in höhere Reiche hinaufarbeiten wollen, so mußte vorher aus anderen Reichen heraus die Grundlage der Arbeit des Vernunftreiches geleitet werden. Das heißt, wie unsere Weiterentwickelung voraussetzt die Logik des Verstandes mit seinem Werkzeug, dem Gehirn, so setzt das Werkzeug des Gehirns die Arbeit des Vernunftreiches voraus, und dieses setzt wiederum eine andere Grundlage voraus, eine Arbeit, die von dem nächstniederen Reiche.
[ ] Wir sehen damit auf etwas zurück, was wir begreifen können als ein Sich-Heraufentwickeln von einer früheren Stufe, wo noch nicht das Vernunftreich einfloß in den Menschen, sondern wo das geistige Reich einfloß, wie wir beschrieben haben, als das Vernunftreich an ihm noch gar nicht tätig war. Wir blicken in eine Zukunft, wo aus dem Urbilderreich dem Menschen Kräfte zuströmen. Wir blicken auf die Gegenwart, wo aus dem Vernunftreich dem Menschen das Gehirn sich formte. Und wir blicken auf eine Vergangenheit, wo aus dem geistigen Reich heraus dem Menschen geformt wurde dasjenige, was der früheren Entwickelungsstufe als Grundlage entsprach. Wir werden das leicht verständlich finden können, wenn wir alles das sinngemäß anwenden, was wir gesagt haben.
[ ] Unser Gehirn ist herausgebildet aus dem Vernunftreich. Und wir haben gefunden, daß die Logik des Herzens der Logik des Verstandes, die nur möglich ist durch die Taten des Vernunftreiches, voranging. Daraus wird es uns begreiflich erscheinen, daß aus jenem geistigen Reich heraus auf einer Vorstufe für den Menschen sein gegenwärtiges Herz gebildet worden ist. Dieses gegenwärtige Herz steht ja in der Tat in einer engen Beziehung zu dem, was die nicht bewußte Logik des Herzens ist. Die zukünftige höhere Logik des Herzens ist natürlich viel geistiger. Aber die gewöhnliche Logik des Herzens, die noch nicht von dem Verstand angekränkelt ist, die hat in der Tat im physischen Herzen eine Art Ausdrucksmittel, wie die Vernunft im physischen Gehirn ein Ausdrucksmittel hat. Wenn der Mensch irgend etwas als schön, als wahr, als groß, als herrlich, als gut ansieht, nicht durch Überlegung, nicht durch kalte, nüchterne Verstandesüberlegung, sondern wenn er unmittelbar, ohne Verstandesüberlegung herantritt an ein Schönes, an ein Wahres, an ein Gutes, dann wird er schon an dem Höherschlagen des Herzens seine Zustimmung zu dem betreffenden Schönen, Wahren, Guten bemerken. Unser Herz schlägt wirklich anders gegenüber dem Schönen, Herrlichen, Großen, Guten als gegenüber dem Verderblichen, Bösen, Häßlichen, Niederen. Da ist etwas in dieser ursprünglichen Logik des Herzens, was genannt werden kann ein unmittelbares Miterleben. Wenn diese Logik des Herzens, die im Unterbewußtsein verläuft, mit einer deutlicheren Sprache auftritt, so zeigt auch schon das Herz mit seiner Blutbewegung ganz deutlich, wie es ein Ausdruck ist der Logik des Herzens. Wir können sehen, wie ein wiederholter Schmerz über irgendeinen Verlust, der uns immer wieder vor Augen steht, unmittelbar in uns etwas auslösen kann, das, was sich dann in der ganzen Leiblichkeit ausdrückt, vielleicht sogar bis zum Dahinsiechen der Leiblichkeit.
[ ] So werden wir es begreiflich finden, daß ebenso, wie unser Gehirn herausgebildet ist aus dem Vernunftreich, wie unser zukünftiiges vergeistigtes Herz gebildet werden muß aus dem Reich der Urbilder, so unser gegenwärtiges Herz herausgebildet ist aus dem geistigen Reiche. Unser Herz also zeigt sich uns damit als ein Organ, das uns auf diejenige Grundlage im Menschen hinweist, die schon da sein mußte, bevor das Organ seines Denkens gebildet worden ist. Was heute im Kopf des Menschen da ist, das Gehirn, das konnte erst gebildet werden, nachdem das menschliche Herz geschaffen war. Da sehen Sie auf etwas, was Ihnen einen ganz veränderten Begriff geben kann von dem menschlichen Leib, von der äußeren menschlichen Leiblichkeit. So wie die Organe nebeneinander stehen im Raum, so weisen sie uns darauf hin, daß sie nicht gleichwertig sind, sondern daß das Gehirn eine spätere Bildung ist als das Herz. Das Herz ist ein älteres Organ. Das Herz mußte zuerst in gewisser Weise ausgebildet gewesen sein, dann konnte sich erst auf der Grundlage des Herzens als weitere Bildung das Gehirn eingliedern. Was sich uns da zeigt, das ist etwas außerordentlich Interessantes. Es zeigt sich uns nämlich, daß wir, wenn wir zwei Organe nebeneinander haben, ganz fehl gehen, wenn wir sie als gleichwertig annehmen. Wir gehen nur dann richtig, wenn wir sagen: Dieses Gehirn ist eine jüngere Bildung, das Herz ist eine ältere Bildung. — Wir müssen, um den Ursprung des Herzens zu finden, in ältere Zeiten zurückblicken, als wenn wir den Ursprung des Gehirns begreifen wollen.
[ ] Nun hört aber ein Organ ja nicht auf, sich zu entwickeln, wenn ein anderes da ist. Wir können also sagen: Das Herz mußte früher dagewesen sein als das Gehirn. Aber als das Gehirn entstand und sich entwickelte, entwickelte sich auch das Herz weiter, es bildete sich um. — So daß also das Herz, so wie es jetzt ist, zwei Verwandlungen zeigt und das Gehirn nur eine einzige. Das Herz begreifen wir also nicht dadurch, daß wir es einfach im Raum neben das Gehirn hinstellen, sondern wir begreifen es nur dann, wenn wir es als ein älteres Organ auffassen als das Gehirn. Wer einfach das Herz neben das Gehirn des Menschen im Raum hinstellt, der gleicht einem Menschen, der einen vierzigjährigen Mann neben einem fünzehnjährigen Jüngling sieht und sagt: Die stehen nebeneinander, also betrachte ich sie auch zusammen und mache mir eine Vorstellung von der Art, wie sie beschaffen sind, indem ich sie ganz genau nebeneinander betrachte. Ein solcher Mensch würde natürlich eine Torheit begehen, wenn er die beiden nach gleichen Entwickelungsprinzipien klassifizieren wollte; denn um den Fünfzehnjährigen zu begreifen, muß er fünfzehn Jahre Entwickelung berücksichtigen, und bei dem Vierzigjährigen muß er vierzig Jahre Entwickelung voraussetzen. Man würde einen Menschen als einen Toren ansehen, der nicht einsehen würde, daß er sich vielleicht fragen könnte: Ist der fünfzehnjährige Jüngling nicht etwa der Sohn des vierzigjährigen Mannes? Wird mir nicht manches erklärbar, wenn ich ihn als dessen Sprößling betrachte? — Es wäre eine Torheit, das nicht in Betracht zu ziehen. Aber auf dem Standpunkt dieser Torheit steht die heutige Anatomie. Sie weiß nichts davon, daß man die Organe des menschlichen Leibes nicht einfach nebeneinander betrachten darf, sondern daß man sie verschieden betrachten muß, weil sie auf verschiedenen Entwickelungssiufen stehen, und daß man das Gehirn neben dem Herzen nur dann richtig verstehen wird, wenn man das Gehirn als jüngere Bildung, das Herz als ältere Bildung auffaßt. Und solange nicht eine solche Anatomie kommen wird, die die verschiedenen Organe nicht einfach als im Raum nebeneinanderstehend betrachtet, sondern sie betrachtet in ihrer Wertigkeit als jüngere oder als ältere Bildung, so lange wird man von der wahren Wesenheit des Menschen überhaupt nicht viel verstehen.
[ ] So sehen wir also, daß die geisteswissenschaftliche Methode den Schlüssel zum Verständnis dieser Organe liefern muß, das die gewöhnliche Wissenschaft nicht zeigt. Nur wer eine wirkliche Entwickelung durchmacht, um in die höheren Welten aufzusteigen, gelangt zu wahrer Erkenntnis der Organe; durch das gewöhnliche Kombinieren wird eigentlich gar nichts Besonderes erreicht. Wer nur äußerlich kombiniert, kann auf gar keinen grünen Zweig kommen, denn von außen kann man es den Organen wirklich nicht ansehen, welches das ältere und welches das jüngere Organ ist. Nur derjenige Mensch, der das geistige Raumgedächtnis erringt, lernt, diese Dinge zu unterscheiden. Wenn er mit seinem Raumgedächtnis zurückgeht, dann braucht er nicht so weit zu gehen, um das Gehirn in seinem Anfang zu finden. Viel weiter muß er gehen, um das Herz in seinem Anfang zu finden. Und wenn man dann mit den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft die betreffenden Dinge in der physischen Welt aufsucht, dann findet man sie in der physischen Welt bestätigt. Man wird in der Tat den Organismus des Menschen erst dann richtig verstehen, wenn man ihn geisteswissenschaftlich erklärt.
[ ] Nun werden wir uns erinnern, daß wir gesagt haben: Zwischen der Seelenfähigkeit, die im gewöhnlichen normalen Bewußtsein als Gedächtnis auftritt, und der neuen Fähigkeit des Raumgedächtnisses liegt eine Verdunkelung, etwas wie eine Art Auslöschung des Gedächtnisses. Der Geistesforscher findet nun entsprechend diesem Manvantara- und Pralayazustand des Gedächtnisses etwas Ähnliches in der ganzen Entwickelung. Wenn wir uns zum Beispiel Herz und Gehirn eines Menschen vorstellen, so wie sie heute in der physischen Leiblichkeit nebeneinander sind, so finden wir, daß das Herz und das Gehirn sich eine Weile nebeneinander entwickelt haben. Gehen wir weiter zurück, so kommen wir an den Anfang der Gehirnbildung. Dieser ist aber nicht der Anfang der Herzbildung. Wir müssen viel weiter zurückgehen, zu einer Stufe, wo das Herz noch nicht mit dem Gehirn in Verbindung gestanden hat, wo noch nicht heruntergeflossen sind die Kräfte des Vernunftreiches, sondern bloß die Kräfte des geistigen Reiches. $o daß wir unterscheiden können einen Zustand des Menschen, wo herunterfließen als höchste Kräfte in seine Wesenheit herein die Kräfte des geistigen Reiches, dann einen Zustand, wo hereinfließen in sein Wesen auch die Kräfte des Vernunftreiches. Zwischen diesen zwei Zuständen liegt etwas wie ein Pralaya im großen, das heißt, es verdunkelt sich die ganze menschliche Entwickelung und tritt dann in neuer Weise auf. Wir blicken zurück von dem gegenwärtigen Menschen, der Herz und Gehirn hat, zu einem früheren Menschen, der noch nicht das Gehirn hatte, der ein Herzmensch war; aber wir müssen, wenn wir vom gegenwärtigen Menschen zurückkommen wollen auf diesen Herzmenschen, ein Pralaya durchpassieren, in dem die äußere menschliche Existenz ausgelöscht war. Und wenn einstmals in der Zukunft der höhere Zustand, den heute der geistige Forscher im Geiste erreichen kann, so erreicht sein wird, daß er sich auch äußerlich leiblich ausdrückt, dann haben wir wiederum einen anderen Zustand des Menschen. Denn Sie können sich ja denken, daß der Mensch, der ein Gehirn hat, anders aussieht als derjenige, dessen Organisation sich im Herzen ausdrückt. Der Herzmensch muß äußerlich anders ausschauen als der Gehirnmensch. Aber heute kann der Geistesforscher seine körperliche Gestalt noch nicht ändern. Wenn ein Gott herniedersteigt, so muß er in einem heutigen Menschenleibe auftreten. So daß dasjenige, was heute zu erreichen ist durch geistige Entwickelung, zunächst in den unsichtbaren Gliedern erreicht wird; in einem zukünftigen Zustand der Menschheit wird sich die Veränderung auch im physischen Leibe ausdrücken. Das heißt, wir müssen uns vorstellen, daß der Mensch in der Zukunft auch äußerlich ganz anders aussehen wird. Er wird sein Gehirn und sein Herz ganz umgewandelt haben, und er wird ein neues Organ zu dem Gehirn dazu gebildet haben. Und wie heute das Gehirn über dem Herzen sich wölbt, so wird ein solches zukünftiges Organ wiederum in einem bestimmten Verhältnis zum Gehirn stehen. Aber zwischen dem gegenwärtigen Zustand des Menschen und seiner zukünftigen Form liegt wiederum ein solches Pralaya, das heißt, der gegen wärtige Zustand der Menschheitsexistenz muß äußerlich physisch ausgelöscht werden, und ein neuer Zustand muß folgen.
[ ] So haben wir hinweisen können auf drei aufeinanderfolgende Menschheitszustände, von denen der erste so war, daß der Mensch ein Herzmensch war, wo alles auf das Herz bezogen war, wie heute alles auf das Gehirn bezogen ist; und wir haben daraus entstehen gefunden den gegenwärtigen Menschen; und wir können eine Ahnung bekommen von einem zukünftigen Menschen, der ein bewußter Herzensmensch sein wird. Wenn wir den heutigen Menschen betrachten, so müssen wir sagen, so wie er heute in seiner physischen Form mit seinem gesamten Organismus vor uns steht, so kann er nur auf dieser Erde in ihrer jetzigen Gestalt sein. Wer den Menschen im Zusammenhang mit dem ganzen Erdendasein betrachtet, der wird sagen: Der Mensch ist so, wie die ganze Erde ist, denn er hängt mit allen Kräften, mit allen Eigenschaften und Verhältnissen der Erde eng zusammen. — Denken Sie sich die Erde nur ein wenig verändert, so würde der Mensch in seiner heutigen Form darauf nicht leben können. Wären zum Beispiel die chemische Zusammensetzung des Wassers und die Volumenverhältnisse der Luft nicht so, wie sie sind, wäre der Luftdruck stärker oder schwächer, so müßte die menschliche Form ganz anders sein. Das heißt, wir können uns einen heutigen Menschen nicht als physische Leiblichkeit denken, ohne uns die ganze Erde so zu denken, wie sie ist.
[ ] Wenn wir also hinweisen auf einen früheren Zustand des Menschen, den früheren Herzensmenschen, wie wir ihn geschildert haben, dann müssen wir uns ihn mit einem anderen planetarischen Zustand verbunden denken. Und wenn wir auf den zukünftigen Menschen hinweisen, der einmal das haben wird, was der Geistesforscher heute hat, so müssen wir uns ihn wiederum mit einem anderen planetarischen Zustand verbunden denken, nicht auf unserer jetzigen Erde. Wir müssen, wenn wir uns überhaupt zurechtfinden wollen, etwas wie eine Art Ariadnefaden haben. Wir müssen uns vorstellen, daß, ebenso wie der Mensch sich aus einem früheren Zustand entwickelt hat, sich auch die ganze Erde entwickelt hat, daß also unsere jetzige Erde zurück weist auf einen früheren planetarischen Zustand, aus dem sie sich nach und nach entwickelt hat, und hinweist auf einen zukünftigen planetarischen Zustand, zu dem sie sich hin entwickeln wird. Und zwischen diesen Zuständen liegt jeweils ein Pralaya, ein Verdunkelungszustand. Den Zustand, aus dem sich die Erde entwickelt hat, wo der Mensch jene frühere Form erhalten konnte, von der wir gesprochen haben, nennen wir den alten Mondzustand der Erde, und wir bezeichnen denjenigen Zustand, in den sich die Erde verwandeln wird, wenn der Mensch eine neue Form haben wird, als den Jupiterzustand. Das heißt, wir kommen zu drei aufeinanderfolgenden Zuständen der Erde selber. Wir können sagen: Die Erde hat sich aus dem alten Mond zur Erde entwickelt und wird sich zu einem Jupiter entwickeln.
[ ] Nun müssen Sie sich aber vorstellen, daß diese Verwandlungen nur dadurch geschehen können, daß sich alle Verhältnisse ändern. Die Veränderungen im Menschen konnten nur dadurch geschehen, daß sich alle Verhältnisse geändert haben. Während des alten Mondzustandes strömten in das Menschenreich nur die Kräfte aus dem geistigen Reich, während auf der heutigen Erde uns die Kräfte aus dem Vernunftreich zuströmen, und auf dem Jupiter werden einströmen die Kräfte aus dem Reich der Urbilder. Es leben diese drei Zustände unter ganz verschiedenen Einflüssen aus den geistigen Welten heraus.
[ ] Jetzt haben wir schon gleichsam an einem Zipfel dasjenige gezeigt, was unsere Schulwissenschaft nicht finden kann. Ich habe schon gesagt, wie unsere Schulwissenschaft an einem rotierenden Öltropfen klarmachen will, wie ein Planetensystem entsteht. Nach diesem Versuch, den man in den Schulen macht, wo man durch einen Öltropfen eine Kartenscheibe durchschiebt und mit einer Nadel den Öltropfen zum Rotieren bringt, müßte ein aufgeweckter Junge eigentlich sagen: Aber da müßte auch draußen im Weltall ein riesiger Herr Lehrer stehen und den Weltennebel herumdrehen. Nur weil man den Jungen abgewöhnt hat, solche Fragen zu stellen, beruhigen sie sich bei der Äußerung des Lehrers. Jetzt aber haben wir wenigstens eine Vorstellung davon, wie ein Planet entsteht aus einer vorhergehenden Form. Wir haben zwar keinen Lehrer, der einen Öltropfen in Rotation bringt, aber wir haben gewisse Weltenwesen sehen können, die aus verschiedenen geistigen Reichen herunterwirken. Wir haben sehen können, wie aus dem geistigen Reich heraus der alte Mond gebildet wird, wie der alte Mond umgebildet wird dadurch, daß aus höheren Welten Kräfte eingreifen, und wie dann aus einer noch höheren Welt Kräfte eingreifen werden. Jetzt sehen wir das Geistige im Physischen am Werk.
[ ] Nun habe ich Ihnen geschildert, daß der Mensch so, wie er heute ist, nicht sein könnte, ohne daß er im Einklang stünde mit alledem, was unsere heutige Erde ist. Es muß entsprechen die Bildung des Menschen der Bildung der ganzen Erde, so wie die Bildung der ganzen Erde der Bildung des Menschen entsprechen muß. Nun können Sie sich denken, daß unsere heutige Erde, so, wie sie ist, gar nicht anders möglich ist als in gewisser Entfernung von der Sonne und in gewissem Zusammenhang mit den Planeten. Denken Sie sich im Sonnensystem irgend etwas verschoben, so würde alles ganz anders sein, und der Mensch mit. Wenn wir also zurück zu einem früheren Planeten gehen, zum alten Mond, so muß der in einem ganz anders angeordneten System gewesen sein als die jetzige Erde. Also änderte sich durch das Eingreifen der Wesenheiten des Vernunftreiches nicht nur unsere Erde, sondern unser ganzes Sonnensystem wurde ein anderes, als sich der alte Mond in die jetzige Erde umwandelte.
[ ] So sehen wir, daß in der Tat ein Faden gefunden werden kann, der uns von der Umwandlung des Menschen, des Mikrokosmos, der kleinen Welt ausgehend, zu der Umwandlung des ganzen Makrokosmos, der großen Welt führt. Wir sehen am Werk die verschiedenen Reiche, wie sie den Makrokosmos und den Mikrokosmos umgestalten; es sind die gleichen Wesenheiten, die an beiden tätig sind. Wenn wir zurückblicken in die Zeit vor unserem jetzigen Sonnensystem, so kommen wir zunächst zu einer Art Verdunkelung. Äußerlich sieht dies so aus, als ob es eine Art Gasnebel wäre, aber an diesem Gasnebel arbeiten fortwährend Wesenheiten aus den geistigen Reichen. Davor blicken wir auf ein noch früheres System, aus dem unser jetziges Sonnensystem hervorgegangen ist. Wenn wir noch weiter und immer weiter rückwärts schreiten, so kommen wir endlich zu einem Zustand, der ganz anders ist als der heutige, der dem heutigen so unähnlich ist, daß diesem Zustand gegenüber das gewöhnliche Fragen aufhört. Wir müssen lernen, anders zu fragen, wenn wir zu diesen ganz anderen Zuständen der Welt kommen. Warum fragen wir eigentlich? Wir fragen, weil unser Verstand in einer gewissen Weise beschaffen ist. Aber wir haben gesehen, unser Verstand hat sich selbst erst mit unserem Gehirn gebildet. Unsere Verstandesfragen haben also gar keinen Sinn mehr, wenn wir in solche Zustände kommen, wo unser Gehirn noch nicht gebildet war. In den Welten, die erst die Grundlage der Verstandeswelt bilden, hat das Fragen nach den Begriffen des Verstandes keinen Sinn; da müssen wir zu anderen Mitteln des Erforschens, des Erkennens gehen, als zu denen, die uns der Verstand gibt. Diejenigen Menschen, die allerdings nicht weiter sehen, als ihre Nase reicht, die werden in der Tat glauben, daß man mit der gewöhnlichen Form des Fragens die ganze Welt abfragen kann. Das kann man aber nicht, sondern man muß sich klar sein darüber, daß man ein jegliches Ding nur in seiner Art erfragen kann. Für die Welt, die der unseren vorangegangen ist, werden wir nur zurechtkommen können, wenn wir in uns diejenigen Kräfte anregen, die im Denken des Herzens zum Ausdruck kommen.
[ ] Wir sehen also, daß der Mensch sich sogar in bezug auf seine Fragenneugierde ändern muß. Und obwohl wir nicht so unhöflich zu sein brauchen wie der Mann, der denen, die gefragt haben, was der liebe Gott gemacht habe in der Zeit, bevor er die Welt erschaffen habe, darauf gesagt hat, er hätte Ruten geschnitten, um die unnützen Frager zu bestrafen, so ist aber in einer solchen Antwort doch in gewisser Weise ein Hinweis darauf gegeben, daß der Mensch sich auch in bezug auf seine Art zu fragen ändern muß, wenn er zu Erkenntnissen der höheren Welten aufsteigen will.
