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Die Offenbarungen des Karma
GA 120

17 Mai 1910, Hanover

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.

[ 2 ] Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir — wie sich zeigen wird — die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksalsfragen für den Menschen beschlossen finden?

[ 3 ] Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern — ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes —, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christliche Weltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auftauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Automaten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden — wenn auch nicht immer mit einem großen Verständnis —, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelenleben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der Tiere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.

[ 4 ] Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung, daß die Tiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie in vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem IchBewußtsein heraus zu einem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitliche Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal — wenn wir so sagen dürfen — das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen, daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind.

[ 5 ] Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen, wenn wir das, was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen — ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.

[ 6 ] Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim Tiere von einer solchen Wiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Iode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Außerlich — rein materialistisch betrachtet — nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen dem Tierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.

[ 7 ] Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die 'Fiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! — Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunstfertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heranreicht.

[ 8 ] Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mitbringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seine Weltanschauung gewinnen muß, viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.

[ 9 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen — und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. — Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichen Geschicklichkeiten mit ins Dasein trägt, während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat, was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.

[ 10 ] Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben. Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.

[ 11 ] Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erdendasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.

[ 12 ] Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche Organisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. — Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war damals alles enthalten, was heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.

[ 13 ] Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! — Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. — Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden. Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzustellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.

[ 14 ] Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchen Weise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?

[ 15 ] Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem ÄÄtherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheitlichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte — und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge stattfinden.

[ 16 ] So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wir wissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischen Verkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwättsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisse Wesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, nämlich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. — Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen gehandelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.

[ 17 ] Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander. Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. — So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten — ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.

[ 18 ] Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? — so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärtsschreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt, mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben. Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. — Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. — So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die Tiere, Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.

[ 19 ] Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden. Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben emporsteigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.

[ 20 ] Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.

[ 21 ] Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. Die Mondenkräfte mußten erst herausgehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte, Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. — Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?

[ 22 ] Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen, diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen menschlichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten, Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.

[ 23 ] Während dieses ganzen Vorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter der Gattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GatrungsSeelenhaftigkeit.

[ 24 ] Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen, welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach — bis in die atlantische Zeit hinein — wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht’ Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.

[ 25 ] Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen des tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jene Wesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.

[ 26 ] Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond herausgegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hineinwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. — Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?

[ 27 ] Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen. Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf einließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehengeblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hatten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.

[ 28 ] So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organiisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.

[ 29 ] Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt: Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? — Durch uns selber sind sie heruntergekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden. Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraustreten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. — Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildern. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.

[ 30 ] Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! — Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.

[ 31 ] Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen. Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie mußten mit uns die Erdenschicksale teilen — konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondausrritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! -— Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!

[ 32 ] So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe,da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht losbekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.

[ 33 ] Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt. Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden erdulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen — und uns die Überwindung genommen!

[ 34 ] Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. — Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten — indem er sie eben aufgegessen hat.

[ 35 ] Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zusammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt. Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen der Weltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben, wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er — in bewußter Weise — auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! — Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.

[ 36 ] So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.