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The Rudolf Steiner Archive

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The Mission of Individual Folk-souls
in their Connection with Germanic-Norse Mythology
GA 121

8 February 1918, Berlin

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Eine Vorrede

Preface

Nachträglich geschrieben zu diesen vor mehr als sieben Jahren gehaltenen Vorträgen

Not translated

[ 1 ] In diesen Vorträgen, die im Juni 1910 in Christiania gehalten worden sind, habe ich den Versuch gewagt, die Psychologie der Völkerentwikkelung zu zeichnen. Als Grundlage der Betrachtung hat gedient, was ich über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft (in meinen Büchern «Theosophie», «Geheimwissenschaft», «Vom Menschenrätsel», «Von Seelenrätseln» und anderen) dargestellt habe. Ich durfte auf dieser Grundlage aufbauen, weil meine Zuhörer bekannt waren mit der wissenschaftlichen Anschauung, die in meinen Büchern gekennzeichnet wird. Es kommt aber zu diesem äußeren Grund für die Wahl des Gesichtspunktes noch ein innerer. Für eine wirkliche Psychologie der Völkercharaktere kann die anthropologische, ethnographische, selbst die historische Betrachtung der gewöhnlichen Wissenschaft keine ausreichende Grundlegung geben. Man kommt mit dem von dieser Wissenschaft Gebotenen nicht weiter als man mit der Anatomie und Physiologie kommt für eine Erkenntnis des Seelenlebens des Menschen. Wie man bei dem einzelnen Menschen vom Leibe zur Seele fortschreiten muß, wenn man sein inneres Leben kennen lernen will, so muß man für die Völkercharaktere zu dem ihnen zugrunde liegenden Seelisch-Geistigen vordringen, wenn man eine wirkliche Erkenntnis derselben anstrebt. Dieses Seelisch-Geistige ist aber nicht ein bloßes Zusammenwirken der Einzel-Seelen der Menschen, sondern es ist ein diesen übergeordnetes Seelisch-Geistiges. Ein solches zu betrachten, ist der gegenwärtigen Wissenschaft ganz ungewohnt. Vor ihrem Forum ist es paradox von Volksseelen als von wirklichen Wesenheiten zu sprechen, wie man vom wirklichen Denken, Fühlen und Wollen des einzelnen Menschen spricht. Und ebenso paradox ist es vor diesem Forum, die Völker-Entwickelung auf der Erde in Zusammenhang zu bringen mit den Kräften der Himmelskörper des Weltraumes. Man braucht aber, um die Sache nicht mehr paradox zu finden, sich nur zu erinnern, daß niemand die Kräfte, welche eine Magnetnadel in der Nord-Süd-Richtung einstellen, innerhalb der Magnetnadel selbst suchen wird. Er schreibt sie der Wirkung des Erdmagnetismus zu. Er sucht die Gründe für dieRichtung der Nadel im Kosmos. Wird man also nicht die Gründe für die Entwickelung von Volkscharakteren, Volkswanderungen usw. außerhalb der Volkszusammenhänge im Kosmos suchen dürfen? Von der anthroposophischen Anschauung ganz abgesehen, für die höhere geistige Wesenheiten eine Wirklichkeit sind, kommt für den Inhalt dieser Vorträge noch ein ganz anderes in Betracht. Dieser Inhalt legt allerdings eine höhere geistige Wirklichkeit der Völker-Entwickelung zugrunde, und er sucht die Kräfte, welche dieser Entwickelung die Richtungen geben, in einer solchen Wirklichkeit. Allein die Betrachtung steigt dann herab zu den Tatsachen, die im Leben der Völker zutage treten. Und da zeigt es sich, daß diese Tatsachen durch diese Grundlegung verständlich werden. Man kann dadurch die Lebensverhältnisse der einzelnen Völker sowohl, wie auch ihre gegenseitigen Beziehungen durchschauen, während es ohne eine solche Grundlegung ein wahres Erkennen auf diesem Gebiete nicht gibt. Man muß entweder auf eine Völkerpsychologie verzichten, oder man muß für sie eine Grundlegung in einer geistigen Wirklichkeit suchen.

[ 1 ] In these lectures, which were given in Christiania (Oslo) in June 1910, I ventured to give a sketch of the psychology of the development of peoples. The lectures are based upon the teachings of Anthroposophy which can be found in my books Theosophy, Occult Science—an Outline, Riddles of Man, Riddles of the Soul,1Riddles of Man was not yet (1970) published in English. A translation of a section of Riddles of the Soul is published with the main title of The Case for Anthroposophy, with an Introduction by Owen Barfield. etc. I was able to build upon this foundation because my hearers were familiar with the scientific views which are presented in my publications. That is the external reason for the choice of my point of view; there is however a further reason, an inner reason. The orthodox study of anthropology, ethnology, or even history cannot provide an adequate framework for a true psychology of the various folk characters. Neither the information provided by orthodox science, nor the study of anatomy and physiology suffice for an understanding of the psychic life of man. If we wish to understand the inner life of an individual we must study the soul as well as the body, and if we desire to gain real insight into national characteristics we must explore the psychic and spiritual element underlying them. This psychic and spiritual element, however, reflects not merely the activity of individual human souls working in concert, but has its origin in a higher order. The higher spiritual element is a province in which modern science is a total stranger. Before the bar of science it is paradoxical to speak of Folk Souls as real entities in the sense that we speak of the reality of thinking, feeling and willing in individual human beings; and it is equally paradoxical to relate the evolution of peoples on Earth to the forces of the heavenly bodies in space. But the matter ceases to be paradoxical if we recall that one does not look for the forces which determine the north-south direction of a magnetic needle in the needle itself. One attributes the deflection of the needle to the effect of the Earth's magnetic field but looks to the Cosmos for the causes of this deflection. Shall we not therefore have to seek the reasons for the development of folk characters, folk migrations, etc. in the Cosmos outside the peoples themselves? Apart from the anthroposophical view which considers higher spiritual Beings to be a reality, a totally new element is introduced into these lectures which sees a higher spiritual reality behind the evolution of peoples and seeks the forces which direct this evolution in this spiritual reality. We then investigate the facts which are manifested in the life of the peoples and we find that these facts become intelligible on this basis. The conditions in the life of the various peoples, as well as their mutual relationships, can thus be clearly understood, whereas without this basis there can be no true understanding of this approach. Either one must seek a basis for the psychology of peoples in a spiritual reality or one must abandon such a psychology in toto.

[ 2 ] Ich habe mich nicht gescheut, für die höheren geistigen Wesenheiten die Namen anzuwenden, welche in den ersten christlichen Jahrhunderten üblich waren. Der Orientale würde andere Namen wählen. Doch wenn man auch heute das Anwenden solcher Namen wenig «wissenschaftlich» finden kann, so scheint es mir doch richtig, vor solcher Anwendung nicht zurückzuschrecken; erstens wird dadurch dem christlichen Grundcharakter unserer abendländischen Kultur Rechnung getragen, zweitens ist dadurch doch noch eher eine Verständigung möglich, als wenn völlig neue Namen gewählt würden, oder wenn orientalische Bezeichnungen übernommen würden, deren wahrer Inhalt doch nur demjenigen gegenwärtig sein kann, der in dem entsprechenden Kulturzusammenhang seelisch darinnen steht. Mir schwebt doch die Möglichkeit vor, daß derjenige, welcher in diese geistigen Zusammenhänge eindringen will, sich, wenn er die Sache als solche nicht ablehnt, an Namen wie Engel, Erzengel, Throne usw. ebensowenig stoßen wird, wie er dies in der physischen Wissenschaft gegenüber Benennungen wie positive und negative Elektrizität, Magnetismus, polarisiertes Licht usw. tut.

[ 2 ] I have not hesitated to use the traditional names of the early centuries of Christianity to describe the higher spiritual Beings. An Oriental would choose other names. Nevertheless, although the use of this terminology may be regarded as rather unscientific today, there seems to be no reason to fight shy of it. In the first place, we thereby acknowledge the essentially Christian character of our Western civilization, and secondly, if entirely new names were chosen, or if an oriental terminology were adopted whose real meaning could only be fully comprehended by one who is spiritually at home in that civilization, we should be in danger of misapprehension. It seems to me that whoever wishes to investigate these spiritual relationships, assuming he does not reject our whole approach, will not object to names such as Angels, Archangels, Thrones, etc. any more than physical science objects to terms such as positive and negative electricity, magnetism, polarized light, etc.

[ 3 ] Wer den Inhalt dieser Vorträge zusammenhält mit den schmerzlichen Prüfungen der Kulturmenschheit in diesen Tagen, der wird finden können, daß das damals Gesagte manches Licht verbreitet über jetzt Geschehendes. Hielte ich diese Vorträge jetzt, so könnte man glauben, daß der augenblickliche Stand der Weltereignisse solche Betrachtungen herausforderte. So steht zum Beispiel auf Seite 3 des ersten Vortrages: «Es ist... von einer ganz besonderen Wichtigkeit..., daß gerade in unserer Zeit in unbefangenster Weise auch gesprochen wird über dasjenige, was wir die Mission der einzelnen Volksseelen der Menschheit nennen..., weil die nächsten Schicksale der Menschheit in einem viel höheren Grade als das bisher der Fall war, die Menschen zu einer gemeinsamen Menschheitsmission zusammenführen werden. Zu dieser gemeinsamen Mission werden aber die einzelnen Volksangehörigen nur dann ihren entsprechenden freien, konkreten Beitrag liefern können, wenn sie vor allen Dingen ein Verständnis haben für ihr Volkstum, ein Verständnis für dasjenige, was man nennen kann Selbsterkenntnis des Volkstums.› » Die Zeiten sind wohl nun da, in denen die Schicksale der Menschheit selber lehren, daß in einer solchen Anschauung Wahrheit ist.

[ 3 ] Whoever relates the content of my earlier lectures to the painful trials of mankind at the present time will find that what I then said throws a flood of light upon what is taking place now. (February 1918.) Were I to give these lectures now you could well imagine that in the light of the present world-situation these earlier investigations were a necessity. Thus for example on page 23 of the first lecture you will find the following passage: “ ... we have every reason, especially at the present time, to speak quite impartially about the mission of the individual Folk Souls. Just as it was justifiable to maintain complete silence about their mission hitherto, so it is in order today to begin to speak of this mission. This is particularly important because the destiny of mankind in the near future will bring men together in far greater measure than has hitherto been the case in order to fulfil a mission common to all mankind. But the members of the individual peoples will only be able to offer their proper, free and positive contributions if they have, above all, an understanding of their ethnic origin, an understanding for what we might call ‘the self-knowledge of the folk’. ” No doubt the time has now come when the fate of humanity itself demonstrates the truth of this view.

[ 4 ] Vielleicht ist gerade das Thema von den «Volksseelen» ein solches, das zeigt, wie geistige Betrachtung, die auf die wirkliche übersinnliche Wesenheit des Daseins geht, zugleich die wahrhaft praktische Lebensanschauung gibt, die Licht wirft auch auf die einzelnsten Fragen des Lebens. Eine Lebensbetrachtung, die für die Entwickelung und das Wesen der Völker nur solche Vorstellungen gebraucht, die für die Naturwissenschaft mit Recht geltend gemacht werden, kann das nicht. Diese mechanistisch-physische Wissenschaft hat ihr Großes geleistet in der Hervorbringung mechanisch-physikalisch-chemischer Kulturmittel; für die Kulturmittel des geistigen Lebens der Menschheit bedarf es einer auf das Geistige hingeordneten Wissenschaft. Unsere Zeit bedarf einer solchen Wissenschaft.

[ 4 ] Perhaps it is precisely the theme of the “Folk Souls” which shows how spiritual investigation which penetrates into the super-sensible reality of existence provides at the same time a practical view of life which also throws light upon the most diverse problems of life.m This is not possible for a view of life which only uses such concepts as are valid in the sphere of natural science in order to describe the nature and development of peoples. This mechanistic-physical science has been highly successful in exploiting the mechanical, physical and chemical resources for the benefit of civilization; but in order to promote the spiritual life of mankind we need a science which is spiritually orientated. Such a science is the first demand of our age.

Berlin, 8. Februar 1918.
Rudolf Steiner