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The Rudolf Steiner Archive

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The Mission of Individual Folk-souls
in their Connection with Germanic-Norse Mythology
GA 121

15 June 1918, Oslo

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Neunter Vortrag

9. Loki. Hodur and Baldur. Twilight of the Gods

[ 1 ] Wenn unter Ihnen Zuhörer sind, die den Vortrag von gestern philosophisch analysieren wollten, so könnten Sie vielleicht Schwierigkeiten, scheinbare Schwierigkeiten haben, und zwar aus dem Grunde, weil Sie ja aus früheren Darstellungen, die über ähnliche Themen gegeben worden sind, gehört haben, daß unser gesamter nachatlantischer Zeitraum und eigentlich schon die letzten Zeiten der atlantischen Entwickelung dazu da waren, das menschliche Ich als solches nach und nach zu entwickeln, immer mehr und mehr zur Bewußtheit zu bringen. Im Zusammenhang damit wurde gesagt, daß gewissermaßen die Angehörigen der alten indischen Kultur die allerersten waren, welche, nachdem sie in der alten Atlantis noch durch das in der Menschheit sich findende alte Hellsehen den Einblick in eine geistige Welt hatten, unmittelbar aus diesem Hellsehen heraus in die physische Welt versetzt waren. Sie sahen diese physische Welt so, daß nun die Stimmung über die ganze erste nachatlantische Kulturperiode kam: Dasjenige ist die wahre Wirklichkeit, was hinter uns liegt in der geistigen Welt darinnen. Draußen aber in der Welt ist Maja oder Illusion. Nun wurde gestern auseinandergesetzt — wie es auch den Tatsachen entspricht —, daß die Angehörigen dieser alten indischen Kultur gewissermaßen eine reiche Seelenentwikkelung durchgemacht hatten, und es wurde gesagt, daß sie sie erlangt hatten mehr oder weniger bei schlafendem Ich, das heißt, daß das Ich erst erwacht ist, nachdem diese reife Seelenentwickelung schon erreicht war.

[ 1 ] Those members of the audience who wish to analyse from a philosophical point of view my lecture of yesterday might meet perhaps with difficulties, apparent difficulties, because they will have heard in the course of earlier talks on similar themes that the purpose of our entire post-Atlantean epoch and even of the later stages of Atlantean evolution was to develop gradually the human ego and bring it to fuller consciousness. In this context I have indicated that the members of the ancient Indian civilization who had been able in Atlantis to perceive the spiritual world by means of the old clairvoyance still prevalent at that time were in some respects the very first who experienced an immediate transition from this clairvoyant state to a consciousness of the physical world. Their reaction to this physical world was such that the whole of this post-Atlantean age was pervaded by the feeling that true reality was to be found in the spiritual world, whilst the phenomenal world was merely Maya or illusion. Now I pointed out in our last lecture—and the facts confirm this—that the members of this ancient Indian civilization had to some extent undergone a rich soul-development and that they had achieved this high level whilst their ego was more or less asleep, that is to say, that they only awoke to ego consciousness after they had already reached maturity of soul development.

[ 2 ] Sie könnten sich jetzt vielleicht fragen: Was hat es denn eigentlich für diese indische Bevölkerung in der Zwischenzeit gegeben? Da muß ja sozusagen die indische Bevölkerung in einer ganz anderen Weise diese ganze Seelenentwickelung durchgemacht haben, als die europäische, namentlich die germanische Bevölkerung, die mit dem Ich dabei war, während sich die Fähigkeiten nach und nach entwickelten, die zugesehen hat, wie die göttlich-geistigen Mächte in ihre Seele hereingewirkt haben. Das könnten Sie vielleicht schwer in Einklang bringen mit dem Gesagten, wenn Sie über den gestrigen Vortrag philosophisch denken wollten. Nur für diejenigen, die nicht aus völliger Unbefangenheit, sondern aus einem solchen philosophischen Denken heraus den Vortrag analysieren wollen, muß ich noch etwas in Parenthese zur Aufklärung sagen.

[ 2 ] What, then, was the destiny of these Indian peoples meanwhile? For the Indian peoples must have experienced their entire soul-development in a wholly different manner from the European and especially the Germanic peoples who were ego-conscious whilst their capacities were gradually evolving and who were conscious of the divine-spiritual power working into their souls. You may possibly find it difficult to reconcile my statements in yesterday's lecture if you were to reflect upon that lecture philosophically. For those who wish to analyse that lecture, not from a disinterested point of view, but from a philosophical angle, I must add something in parenthesis by way of explanation.

[ 3 ] Sie werden den scheinbaren Widerspruch sofort auflösen, wenn Sie wie folgt zu Werke gehen, wenn Sie sich sagen: In bezug auf das Ich und seine Erkennbarkeit ist der Mensch in einer ganz anderen Lage als in bezug auf ein jegliches anderes Objekt. Wenn Sie irgendein anderes Objekt erkennen, einen anderen Gegenstand oder ein anderes Wesen als das Ich, dann haben Sie es eigentlich in der Erkenntnistätigkeit immer mit zweierlei zu tun: mit dem Erkenner, der Erkenntniskraft, und mit dem, was erkannt wird. Ob das, was erkannt wird, Mensch, Tier, Baum ‚oder Stein ist, darauf kommt es nicht an für den rein formalen Erkenntnisakt. Anders steht die Sache aber in bezug auf das Ich. Da ist dasjenige, was erkennt, und das, was erkannt wird, ein und dasselbe. Das Bedeutungsvolle ist, daß in der menschlichen Evolution, der menschlichen Entwickelung, diese zwei Dinge auseinanderfallen. Diejenigen, die die reife indische Kultur in der nachatlantischen Periode entwickelt hatten, die entwickelten das Ich subjektiv als ein erkennendes, und dieses subjektive Hinaufheben des Ich auf eine gewisse Höhe innerhalb der menschlichen Seelenkraft kann lange vorhanden sein, ehe der Mensch auch die Fähigkeit erlangt, das Ich objektiv, als Wesenheit, zu schauen. Dagegen entwickelten die Völker Europas verhältnismäßig außerordentlich früh, noch als sie im alten Hellsehen darinnen steckten, das Anschauen des objektiven Ich, das heißt, sie erschauten innerhalb dessen, was sie hellseherisch überschauten, als ein Wesen unter anderen Wesen auch das Ich. Wenn Sie dies genau auseinanderhalten, so werden Sie auch philosophisch, wie mit allen geisteswissenschaftlichen Dingen, zurechtkommen, wenn Sie es nur richtig machen. Man könnte es, wenn man gerade seine Freude an philosophischen Formeln hätte, so ausdrücken: Die indische Kultur stellt eine solche Seele dar, welche eine Hochblüte des subjektiven Ich erlangt, lange bevor die Anschauung des objektiven Ich da war. Die germanisch-europäischen Völker entwikkelten, lange bevor sie sich des eigentlichen inneren Antriebes zum Ich bewußt wurden, die Anschauung des Ich. Sie sahen hellseherisch das Morgenrot des eigenen Ich, das imaginative Bild des Ich. In der Welt, die sie als eine astralische um sich hatten, sahen sie das Ich objektiv längst unter den anderen Wesen, die sie hellseherisch wahrnahmen. — So müssen wir uns den Gegensatz rein formal vorstellen; dann werden wir auch begreifen, daß gerade der europäische Boden dazu berufen war, das Ich des Menschen in einer solchen Weise, wie ich das in bezug auf die Mythologie gestern hervorhob, in Beziehung zu bringen zu den anderen Wesenheiten, den Engeln und Erzengeln.

[ 3 ] The apparent contradiction will resolve itself at once if you recall that cognition of the ego is totally different from other forms of cognition. If the ego “knows” any other object or other human being distinct from itself, then in the act of cognition one is really dealing with two factors, with the knower, the cognizing agent, and the known. In the formal act of cognition it is irrelevant whether that which is known is human being, animal, tree or stone. But it is a different matter when the ego knows itself, for then the knower and the known are one, subject and object of cognition are the same. It is important to realize that in human evolution, in the development of the individual, these two modes of cognition are distinct. Those who had developed the mature Indian culture in the post-Atlantean epoch, developed the ‘I’ subjectively as the knower, a cognizing agent, and this subjective enhancement of the ‘I’ within the human soul may exist for a long time before man acquires the power to see the ‘I’ objectively as an entity. On the other hand, the European peoples developed comparatively early, whilst they still preserved the old clairvoyance, the power to see the ‘I’ objectively, that is to say, in their clairvoyant field of vision they perceived the ‘I’ as an entity amongst other entities. If you distinguish carefully between these modes of perception your philosophical problems will be solved and those of Spiritual Science too, if you approach them in the right way. If you wish me to express it in philosophical terms: the Indian culture exhibits a soul which reached the full flowering of the subjective ‘I’ long before the objective ‘I’ was developed. The Teutonic peoples developed the perception of the ‘I’ long before they became conscious of the real inner striving towards the ‘I’. Clairvoyantly they saw the dawning of their ego in an imaginative picture. In the astral world around them they had long seen the ‘I’ objectively amongst the other beings whom they perceived clairvoyantly. Thus we must conceive of this antithesis in a purely formal manner; then we shall also comprehend why Europe in particular was destined to associate this ‘I’ of man with the other higher Beings, the Angels and Archangels, in the way I pointed out yesterday in relation to mythology.

[ 4 ] Wenn Sie dies ins Auge fassen, so begreifen Sie, daß der europäische Boden dazu bestimmt war, in der verschiedensten Weise dieses Ich auch zu der Welt, die als sinnenfällige Welt vor den Menschensinn trat, in Beziehung zu setzen, und daß das Ich, der eigentliche Wesenskern des Menschen, die verschiedensten Verhältnisse zur Außenwelt eingehen kann. Früher, bevor der Mensch sein Ich schaute, bevor er es wahrnahm, waren dem Menschen diese Verhältnisse durch die höheren Wesen angewiesen, und er selbst konnte dazu nichts tun. Es war ein instinktives Verhältnis, in das er zur Außenwelt gesetzt war. Das ist das Wesentliche in der Entwickelung des Ich, daß es immer mehr und mehr selbst in die Hand nimmt, die Verhältnisse des Ich zur Außenwelt zu gestalten. Im wesentlichen war es die Aufgabe der europäischen Nationen, dieses Verhältnis des Ich zur ganzen Welt in irgendeiner Weise zu gestalten, und die führende Volksseele hatte und hat die Aufgabe, den europäischen Menschen anzuweisen, sein Ich in Beziehung zur Außenwelt und zu den anderen Menschen und zu der Welt der göttlich-geistigen Wesenheiten zu setzen, so daß man im Grunde genommen erst innerhalb der europäischen Kultur anfing, von dem Verhältnisse des Ich-Menschen zum gesamten Universum zu sprechen. Daher der ganz andere Grundton, wenn innerhalb der altindischen Kultur kosmologisch gesprochen wird und wenn innerhalb der europäisch-mythologischen Kultur kosmologisch gesprochen wird. Drüben im Orient ist alles unpersönlich, und vor allen Dingen wird verlangt, unpersönlich zu werden in seinem Erkennen, zu unterdrücken sozusagen das Ich, um aufzugehen in Brahma und um in sich selber Atma zu finden. Es ist also da als eine höchste Forderung diejenige der Unpersönlichkeit. Hier in Europa wird überall mitten hineingestellt in das Menschenleben gerade dieses menschliche Ich, wie es veranlagt ist von Anfang an, und wie es sich nach und nach in der Evolution ausgestaltet. Daher hat man gerade hier in Europa ein ganz besonderes Interesse daran, alles das wirklich im Verhältnis zum Ich zu betrachten, sich alles hellseherisch klarzumachen im Verhältnis zum Ich, was an dieser Entwickelung des Ich im Erdendasein einen Anteil hatte.

[ 4 ] If you bear this in mind you will realize that Europe was destined to relate the ego in a multiplicity of ways to the world perceptible to the senses and that the ego, the fundamental essence of the human being, can enter into the most varied relationship with the external world. Formerly, before man was aware of his ego, before he perceived it, these relationships were determined for him by the higher Beings and he himself remained a passive instrument. His relationship to the external world was a purely instinctive one. The decisive factor in the development of the ego is that it should progressively determine its relationship to the external world. Substantially it was the task of the European nations to determine in some way or other this relation of the ‘I’ to the whole world, and the guiding Folk Soul had, and still has the task of directing European man how to bring his ‘I’ into relation with the external world, with other egos and with the world of spiritual Beings, so that on the whole it was within European civilization that one first began to speak of the relationship of the human ego to the surrounding universe. Hence the completely different atmosphere in the old Indian cosmology from that prevailing in the mythological culture of Europe. In the East everything is impersonal, and, above all one is required to adopt a passive attitude towards knowledge, to suppress the ego in order to become merged in Brahma and to find Atman within oneself. In the East, therefore, the primary objective is to lose one's identity and seek union with the Absolute. In Europe this human ‘I’ occupies a central place in human life in accordance with its original innate tendencies and with its progressive development in the course of evolution. In Europe, therefore, particular attention is given to seeing everything in relation to the ‘I’, to showing clairvoyantly the relationship of the ‘I’ to everything that had participated in the development of the ‘I’ in the course of earthly existence.

[ 5 ] Nun wissen Sie alle, daß an der Entwickelung des Erdenmenschen, der dazu berufen war, nach und nach zu seinem Ich zu kommen, zwei Kräfte von verschiedenen Seiten her Anteil genommen haben. Seit der lemurischen Zeit prägten sich ein dem Innern des Menschen, in seinen Astralleib, diejenigen Kräfte, die wir die luziferischen Kräfte nennen. Von diesen Kräften wissen Sie, daß sie vor allen Dingen ihren Angriffspunkt innerhalb des Menschen dadurch gesucht haben, daß sie sich einschlichen in die menschlichen Begierden, Triebe und Leidenschaften. Dadurch hat sich der Mensch zweierlei errungen: Erstens hat er die Fähigkeit errungen, ein selbständiges, freies Wesen zu werden, in Enthusiasmus zu erglühen für das, was er denkt, fühlt und will, während er sonst für seine eigenen Angelegenheiten von göttlich-geistigen Mächten geführt worden ist. Aber auf der anderen Seite mußte der Mensch gerade durch die luziferischen Mächte in Kauf nehmen, durch Triebe, Begierden und Leidenschaften in das Böse zu verfallen. Luzifer sitzt also in unserem Erdendasein so, daß er seinen Angriffspunkt im menschlichen Innern hat, da, wo das menschliche Astrale spielt. Da ist auch das Ich, wo sich das Astralische eingegliedert hat, von der luziferischen Macht durchsetzt worden. Sprechen wir also von Luzifer, so sprechen wir von dem, was den Menschen tiefer hinuntergesenkt hat in das materielle, sinnliche Dasein, als er ohne diesen Einfluß gekommen wäre. So ist ein Bestes im Menschen: die Freiheit, und ein Verfängliches für die Menschennatur: die Möglichkeit des Bösen, den luziferischen Mächten zu verdanken.

[ 5 ] Now you all know that two opposing forces have participated in the development of terrestrial man who was destined gradually to acquire his ‘I’. Ever since the Lemurian epoch Luciferic forces have imprinted themselves upon the inner being of man, upon his astral body. You know that these forces made man's inner life the focal point of attack by infiltrating into his desires, impulses and passions. In consequence, man benefited in two ways: he was able to become a free and independent being, to be fired with enthusiasm for what he thinks, feels and wills, whereas in relation to his own affairs he was guided by divine spiritual Beings. But on the other hand, through the Luciferic powers, man had to accept the possibility of falling into evil through his passions, emotions and desires. Lucifer, therefore, is omnipresent in our Earth-existence and finds his point of attack in the inner being of man, in the play of the human astral. Where the astral has been integrated with the ego, the ego too has been permeated by the Luciferic power. When therefore we speak of Lucifer, we are speaking of that which has thrust man down deeper into material, sensory existence than would have been the case without that influence. Thus to the Luciferic powers we owe the most precious boon to man, namely, freedom, and, at the same time a dangerous legacy, the possibility of evil.

[ 6 ] Nun wissen wir aber ferner, daß dadurch, daß diese luziferischen Mächte eingegriffen haben in das ganze Gefüge der Menschennatur, später andere Mächte in die Menschennatur hereinkommen konnten, die nicht gekommen wären, wenn Luzifer sich nicht in des Menschen Organisation hineingesetzt hätte. Der Mensch würde die Welt anders sehen, wenn er nicht unterworfen worden wäre dem Einfluß von Luzifer und anderen Wesen, die in dessen Gefolgschaft waren, wenn er nicht noch eine andere Macht an sich hätte herankommen lassen müssen, nachdem er der luziferischen Macht den Zugang möglich gemacht hatte. Ahriman kam von außen heran und schlich sich ein in den großen Umkreis der den Menschen umgebenden Sinnenwelt, so daß also der ahrimanische Einfluß eine Folge des luziferischen Einflusses ist. Der Mensch wird gleichsam von innen ergriffen von Luzifer, und infolge davon wird er ergriffen durch das, was von außen auf ihn wirkt, von Ahriman.

[ 6 ] But we also know that because these Luciferic powers had intervened in the entire constitution of human nature, other powers were able to enter later on, which could not have done so had not Lucifer first invaded the human organism. Man would see the world differently if he had not fallen under the influence of Lucifer and his followers, if he had not been obliged to submit to the influence of another power after he had opened himself to the invasion of a Luciferic power. Ahriman approached from outside and penetrated into the vast arena of the phenomenal world surrounding man, so that the Ahrimanic influence is therefore a consequence of the Luciferic influence. Lucifer, as it were, takes possession of man from within and in consequence he is the victim of Ahriman who works from without.

[ 7 ] Die Geisteswissenschaft aller Zeiten, die wirklich die Tatsachen kennt, spricht auch wirklich von luziferischen und von ahrimanischen Mächten. Nun werden Sie es höchst merkwürdig finden, daß in den Anschauungen der verschiedenen Völker, da wo sich diese Anschauungen mythologisch ausleben, nicht immer in gleicher Weise ein deutliches Bewußtsein vorhanden ist von Luzifer auf der einen Seite und Ahriman auf der anderen Seite. Ein deutliches Bewußtsein davon ist zum Beispiel überall da nicht vorhanden, wo über das Alte Testament herauf, aus der ganzen semitischen Tradition heraus, sich eine religiöse Anschauung bildete. Da hat man nur ein gewisses Bewußtsein von dem luziferischen Einfluß. Das können Sie schon aus der Erzählung des Alten Testamentes von der Schlange entnehmen, die nichts anderes ist als ein Bild für Luzifer. Daraus können Sie entnehmen, daß ein deutliches Bewußtsein vorhanden ist davon, daß Luzifer teilgenommen hat an der Entwickelung. Dieses Bewußtsein ist in allen Traditionen, die verwandt sind mit der Bibel, deutlich vorhanden. Aber das Bewußtsein des ahrimanischen Einflusses ist da nicht in gleicher Weise vorhanden. Nur da ist es vorhanden, wo man geisteswissenschaftlich unterrichtete. Deshalb haben diejenigen, welche die Evangelien geschrieben haben, dies auch berücksichtigt. Sie finden daher, weil zur Zeit der Evangelienschreiber das Wort «Dämon» aus dem Griechischen hergenommen ist, daß im Markus-Evangelium da, wo nicht von der Versuchung des Jesus die Rede ist, von einem «Dämon» gesprochen wird. Da aber, wo von Ahriman die Rede ist, ist das Wort «Satan» gebraucht. Aber wer beachtet den wichtigen Unterschied dieser Bezeichnungen im Markus- und im Matthäus-Evangelium? Im Exoterischen beachtet man solche Feinheiten gar nicht. Bei den äußeren Traditionen ist dieser Unterschied nicht vorhanden.

[ 7 ] The spiritual science of all ages that is familiar with the real facts, speaks of both Luciferic and Ahrimanic powers. It will seem very remarkable to you that the various peoples who express these views in the form of mythology are not always aware of Lucifer and Ahriman to the same extent. For instance, there is no clear awareness of this in a religious conception built up out of the whole Semitic tradition as embodied in the Old Testament. Only a certain consciousness of the Luciferic influence can be found there. You will find evidence for this in the Old Testament account of the Serpent which is simply a picture of Lucifer. And this shows that there was a clear realization that Lucifer played a part in evolution, a realization that is undeniably present in all traditions associated with the Bible. But they do not betray an awareness of the Ahrimanic influence to the same extent; that is only to be found where spiritual science is taught. Therefore the Gospel writers have taken this into account. You will find—for at the time when the Gospels were written the word ‘devil’ or ‘daemon’ was borrowed from the Greek—that St. Mark's Gospel does not speak of the temptation of Jesus, but of a devil tempting Him; but in all references to Ahriman the word Satan is used. But who notices the important difference between these descriptions in the Gospel of St. Mark and that of St. Matthew? Exoterically these fine distinctions are not heeded at all, nor is this difference noted in external traditions.

[ 8 ] Bemerkenswert tritt dieser Unterschied hervor in dem Gegensatz zwischen Indertum und Persertum. Da kommt er in einer gewissen Zeit in ganz auffälliger Weise zum Ausdruck. Das Persertum kennt weniger den luziferischen Einfluß; man sah da mehr den ahrimanischen. Da ist insbesondere der Kampf gegen die Mächte, die uns ein äußeres, falsches Weltbild geben und die uns in Dunkelheit und Finsternis hineinbringen, also dasjenige, was das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt angeht. Vorzugsweise als ein Gegner des Guten und Lichtvollen wird Ahriman genannt. Woher kommt das? Weil in der zweiten nachatlantischen Kulturperiode das menschliche Anschauungsvermögen sich entwickelte mit Bezug auf die Anschauung der Außenwelt. Bedenken Sie, daß Zoroaster darauf ausgeht, den Sonnengeist, den Geist des Lichtes erkenntlich zu machen. Er also muß zuerst darauf hinweisen, daß in diese Welt hineingemischt ist neben dem Geiste des Lichtes der Geist der Finsternis, der unsere Erkenntnis der äußeren Welt trübt. Der Perser richtet sein Hauptaugenmerk darauf, Ahriman zu besiegen und sich mit den Geistern zu verbinden, welche auf diesem Gebiete die großen Mächte, die Lichtvollen sind. Er ist darauf organisiert, sich auf dem Felde, das nach außen liegt, zu betätigen. Daher hat er seine Ahuras oder Asuras. Dagegen ist es für den Angehörigen der persischen Religion eine gefährliche Sache, in die Welt hineinzusteigen, die der Mensch durch das Untertauchen in das eigene Innere erreichen kann; da, wo die luziferischen Mächte verborgen sind, da läßt er sich auch nicht auf die guten Mächte ein. Da hat er eine Gefahr gesehen. Er wendet den Blick nach außen und stellt sich den dunklen Asuras gegenüber die Licht-Asuras vor.

[ 8 ] This difference is very apparent in the contrast between India and Persia and is strikingly illustrated at a certain moment in history. The Persians were less subject to the Luciferic influence than the Ahrimanic. It was in Persia in particular that men wrestled with the powers which give us an external, false Picture of the world and which surround us with the forces of darkness, i.e. that which is concerned with man's relation to the external world. Ahriman is known chiefly as an opponent of the Good and as an enemy of the Light. What is the explanation of this? The explanation is that in the second post-Atlantean epoch man developed his perception of the external world. Remember that the task of Zoroaster was to reveal the Sun Spirit, the Spirit of Light. He has first to show that this world is compounded of Light and the Spirit of Darkness who dims our consciousness of the external world. The Persian aims primarily at the conquest of Ahriman and strives to unite himself with the Children of Light, the Spirits who are here the dominant Powers. He is organized for activity in the external world; hence he has his Ahuras or Asuras. It is, on the other hand, dangerous for the followers of the Persian religion to look inwards, to follow the inward path. Where the Luciferic powers are lurking he will not allow himself to become aware of the good powers which are present there: he senses danger. He directs his gaze outwards and believes the Asuras of Light to be in opposition to the Asuras of Darkness.

[ 9 ] Gerade umgekehrt machen es in dieser Zeit die Inder. Die sind in einer Periode, wo sie versuchen, durch Versenkung in das eigene Innere sich zu erheben, um in die höheren Gebiete zu kommen. Sie sehen darin das Heil, sich mit den Kräften zu verbinden, die gefunden werden auf dem Gebiete des inneren Schauens. Daher betrachten sie es als gefährlich, in die äußere Welt hineinzuschauen, wo sie mit Ahriman zu kämpfen hätten. Die äußere Welt fürchten sie, die betrachten sie als gefährlich. Während die Devas dasjenige waren, was der Perser meidet, werden sie für den Inder dasjenige, was er sucht, dasjenige, auf dessen Feld er sich zu betätigen sucht. Der Perser aber geht von diesem Felde hinweg und meidet das Gebiet, wo vor allen Dingen der Kampf gegen Luzifer ausgefochten wird.

[ 9 ] At this time the Indians pursued exactly the opposite course. They lived in a period when they endeavoured to raise themselves into the higher spheres by inner contemplation. They sought salvation by uniting themselves with the forces of inner vision. It was dangerous; they felt, to look out into the external world where they might have to wrestle with Ahriman. They feared the external world and regarded it as dangerous. Whereas the Persians eschewed the Devas, the Indians looked up to them and wanted to work in their domain. But the Persians turned away and avoided the region where the battle against Lucifer had to be fought.

[ 10 ] Sie können an die verschiedensten Mythologien und Weltanschauungen herangehen, und Sie werden nirgends eine so klare und tiefgehende Anschauung davon finden, daß zweierlei Einflüsse an den Menschen herantreten, wie in der germanisch-nordischen Mythologie. Da der germanisch-nordische Mensch hellseherisch noch schauen konnte, so sah er diese zwei Mächte wirklich und stellte sich zwischen beide hinein. Er sagte sich: Der Mensch, wie er sich entwickelt hat, hat herankommen sehen gewisse Mächte, die in sein Inneres, in seinen Astralleib hereinfahren. Die wirkten aus der Welt, aber auf den Astralleib ein, und er fühlte, weil er berufen war, das Ich, die Selbständigkeit des Menschen auszubilden, nicht bloß die Möglichkeit des Bösen, er fühlte vor allen Dingen in diesen Mächten, die an den Astralleib herankamen, um ihn zur Freiheit und Selbständigkeit zu bringen, das Freiheitliche; man möchte sagen, das empörerische Element fühlte er in diesen Kräften sich offenbaren. Das luziferische Element wurde in derjenigen Macht gefühlt, die sogar noch in den germanisch-nordischen Gebieten an der Herstellung der Rassen beteiligt war, insofern sie dem Menschen äußere Gestalt und Farbe gab und ihn zum selbständigen, in der Welt wirkenden Wesen machte. Zunächst fühlte in seiner hellseherischen Anschauung der germanisch-nordische Mensch den Luzifer als das, was den Menschen zu einem freien Menschen macht, der sich nicht bloß an irgendwelche äußeren Mächte hingeben will, sondern der in sich selber den festen Wesenskern hat und aus sich heraus handeln will.

[ 10 ] Search as you will through the many different mythologies and conceptions of the world, in none of them will you find such a clear and profound awareness of the fact that there are two influences at work on man as in Teutonic mythology. As Nordic man was still clairvoyant, he really saw these two powers and took up a position midway between them. He said to himself in the course of his evolution man has seen the advent of certain powers which penetrated into his inner being and worked upon his astral body; they operated from without. And because he was destined to develop the ‘I’, to achieve independence, he sensed not merely the possibility of evil, but, in these powers which permeated his astral body in order to bring freedom and independence, he felt above all the aspiration to freedom. He felt, one might say, the rebellious element manifesting itself in these forces. He felt the presence of the Luciferic element in the power which in these Scandinavian and Germanic regions even then still participated in the creation of races, in that it gave man his external form and pigmentation and made him an independent, active being in the world. With his clairvoyance Nordic man felt Lucifer to be primarily that which makes man a free being, one who is not prepared to submit passively to random external powers, but is solid and reliant and is determined to act independently. Nordic man felt this Luciferic influence to be beneficial.

[ 11 ] Diesen luziferischen Einfluß empfand der germanisch-nordische Mensch als einen wohltätigen Einfluß. Nun aber wird er gewahr, daß auch noch anderes von diesem Einfluß herkommt. Luzifer verbirgt sich hinter der Loki-Figur, die eine merkwürdig schillernde Gestalt hat. Weil man die Wirklichkeit sah, so sah man, daß man auf Loki zurückführen kann die Gedanken der Freiheit und Selbständigkeit des Menschen. Man wußte aber auch durch das alte Hellsehen, daß dasjenige, was den Menschen immer wieder in seinen Begierden und Handlungen dazu bringt, in seiner ganzen Wesenheit niedriger zu stehen, als wenn er nur an Odin und an die Asen hingegeben wäre, daß das auf den Einfluß des Loki zurückzuführen war. Und nun fühle man vor allen Dingen das Schauerlich-Großartige dieser germanisch-nordischen Mythologie. Man fühlte mit zwingender Richtigkeit das, was erst nach und nach durch die Geisteswissenschaft wieder zum Bewußtsein der Menschen kommen wird.

[ 11 ] But he now realized that something else stemmed from this influence. Lucifer conceals himself behind the figure of Loki who has a remarkably iridescent form. Because Nordic man could perceive the reality, he saw that the thoughts of the freedom and independence of man could be traced to Loki. Through the old clairvoyance, however, he was also aware that that which repeatedly drags man down through his desires and actions and causes him to suffer a greater deterioration of his whole being than would have befallen him had he devoted himself to Odin and the Aesir, is to be attributed to the influence of Loki. And now he felt the awful grandeur of this Teutonic mythology; he felt with passionate conviction that which will only return gradually to the consciousness of man through Spiritual Science.

[ 12 ] Wie wirkt nun der luziferische Einfluß? Er schließt sich in den astralischen Leib ein, wirkt aber dadurch auf alle drei Glieder des Menschen, sowohl auf den Astralleib als auch auf den Ather- und den physischen Leib. Nur Andeutungen kann man heute außerhalb unserer Gesellschaft über diesen Luzifer-Einfluß machen. Was Sie immer mehr verstehen werden, ist, daß der Luzifer-Einfluß sich dreifach geltend macht: im Astralleibe, im ätherischen und im physischen Leibe des Menschen.

[ 12 ] How, then, does the Luciferic influence act? It penetrates into the astral body and thus is able to work upon all the three members of man, upon his astral, etheric and physical bodies. At the present day one can only give indications of this Luciferic influence outside the Anthroposophical Society. What you will come to understand more and more clearly is that the Luciferic influence makes itself felt in three different ways: in the astral body, in the etheric body, and in the physical body of man.

[ 13 ] Im Ätherleibe wird hervorgerufen das, was im Menschen als Trieb zur Unwahrhaftigkeit, zur Lüge wird. Lüge und Unwahrhaftigkeit sind etwas, was über das Innere des Menschen hinausgeht. Im Astralleibe, dem reinen Innern des Menschen, wird das Selbst durchdrungen von dem luziferischen Einfluß, und dieser erscheint dann als Selbstsucht im Menschen. Der Atherleib wird von innen heraus mit dem Triebe, unwahrhaftig zu sein, durchsetzt und dadurch zur Möglichkeit der Lüge bestimmt. Im physischen Leib wird hervorgerufen Krankheit und Tod. Für diejenigen, die an meinem letzten Kursus teilgenommen haben, wird das leicht verständlich sein. Aber hier will ich doch noch einmal darauf hinweisen, daß alles, was im menschlichen physischen Leibe als Krankheit und Tod auftritt, karmisch mit dem verknüpft ist, was wir Juziferischen Einfluß nennen. Wenn wir alles das noch einmal kurz zusammenfassen, so bewirkt Luzifer im Astralleibe: Selbstsucht, im Ätherleibe: Lüge und Unwahrhaftigkeit, im physischen Leibe: Krankheit und Tod. Natürlich werden sich alle materialistisch denkenden Menschen der Gegenwart ungeheuer verwundern, daß in der Geisteswissenschaft Krankheit und Tod auf einen luziferischen Einfluß zurückgeführt werden. Auch das hängt nämlich mit Karma zusammen. An den Menschen träte niemals Krankheit und Tod heran, wenn nicht der luziferische Einfluß stattgefunden hätte. Das ist eben die karmische Auswirkung des luziferischen Einflusses, daß der Mensch tiefer hinuntersteigt in das Physische, und das wird auf der anderen Seite ausgeglichen durch Krankheit und Tod.

[ 13 ] It begets in the etheric body the urge to falsehood and lying. Lies and falsehood are not limited to the inner life of man. In the astral body, the vehicle of man's inner life, the self is permeated with a Luciferic influence which takes the form of selfishness. The etheric body is inwardly motivated by the impulse to be untruthful and is thus disposed to lying. In the physical body the Luciferic influence begets sickness and death. Those who were present at my last series of lectures will easily understand that.1Manifestations of Karma. Eleven lectures given in Hamburg, May 1910 (Rudolf Steiner Press). I should like to emphasize once again that the signs and symptoms of physical death are karmically connected with the Luciferic influence. To recapitulate again briefly: Lucifer begets in the astral body selfishness, in the etheric body lying and falsehood, and in the physical body sickness and death. Of course the materialists of the present day will be greatly surprised to learn that Spiritual Science attributes sickness and death to a Luciferic influence. But this too is connected with Karma. But for the Luciferic influence man would never have known sickness and death. The karmic effect of this influence is that man is more deeply immersed in corporeality and, on the other hand, the penalty for this is sickness and death.

[ 14 ] Wir können daher sagen: Indem der luziferische Einfluß hineinkam in den Menschen, wurden der physische, Ather- und Astralleib von Krankheit und Tod, Lüge und Unwahrhaftigkeit und Selbstsucht ergriffen. — Ich möchte noch darauf aufmerksam machen, daß die heutige materialistische Wissenschaft für den Tod im tierischen und im pflanzlichen Leibe dieselbe Erklärung gibt, wie für den Tod der Menschen. Diese materialistisch denkenden Menschen können nicht begreifen, daß eine äußere Erscheinung ebenso aussehen kann wie eine andere und doch ganz andere Ursachen haben kann.

[ 14 ] We may say that when the Luciferic influence entered into man, the physical, etheric and astral bodies became a prey to sickness and death, lying, falsehood and selfishness. I should like to draw your attention to the fact that the materialistic scientists of today assign death in the human being or in the animal or plant to the same cause. They fail to realize that one external appearance may resemble another and yet may originate from totally different causes.

[ 15 ] Das, was äußerer Tatbestand ist, kann aus ganz verschiedenen Gründen herrühren. So tritt der Tod beim Tiere nicht aus denselben Ursachen ein wie beim Menschen, trotzdem er dieselbe äußere Erscheinung hat. Das sind Dinge, die, wenn man sie erkenntnistheoretisch beweisen wollte, viel zu viel Zeit beanspruchen würden. Im Grunde wollte ich hier nur sagen, daß es mit dem, was die Wissenschaft Kausalität nennt, sehr schief steht. Fehler, die in solchen Unklarheiten wurzeln, werden nämlich fast immer gemacht auf Schritt und Tritt. Denken Sie sich zum Beispiel einmal: Ein Mensch ist aufs Dach hinaufgestiegen, fällt herunter, hat sich eine todbringende Wunde geschlagen und wird tot aufgefunden. Was liegt nun näher, als zu sagen: Der Mensch ist heruntergefallen, hat sich eine todbringende Wunde geschlagen und ist an der Verletzung gestorben. — Es könnte der Fall aber auch ganz anders liegen. Der Mensch könnte ja oben vom Schlage getroffen und tot heruntergefallen sein; die Verwundung könnte durch den Fall eingetreten sein, so daß der Fall äußerlich gerade so läge wie der vorher geschilderte, der Tod aber aus einer ganz anderen Ursache eingetreten wäre. Der Fall ist hier sehr kraß dargestellt, aber die Wissenschaft macht häufig diese Art Fehler. Die äußeren Tatbestände können oft ganz gleich sein, und doch sind die inneren Ursachen vollständig verschieden.

[ 15 ] An external situation may arise from a variety of causes. The death of an animal does not supervene from the same cause as the death of a man, although externally it gives the same impression. It would take too long to provide an epistemological proof of these things. I only wish to state here that the scientific view of causality is sadly mistaken. We meet with mistakes such as these, which arise from muddled thinking, at almost every turn. Imagine the case of a man, who climbs onto a roof, falls down, is mortally injured and is picked up dead. What would be more natural than to say: “The man fell down, was mortally injured and died of his injuries.” But there might have been a totally different explanation. The man might have had a stroke whilst on the roof and have fallen down while already dead. The injuries might have been caused by the fall, so that externally this case might appear the same as the one described before, but death would have supervened from an entirely different cause. This is a very crude example, but scientists are very frequently guilty of this kind of mistake. Externally the real facts may often be exactly the same: the inner causes may be completely different.

[ 16 ] Das wollen wir also einmal einfach als Ergebnis der geisteswissenschaftlichen Forschung hingestellt sein lassen, daß der luziferische Einfluß im Astralleibe: Selbstsucht, im Atherleibe: Lüge und Unwahrhaftigkeit, im physischen Leibe: Krankheit und Tod bewirkt. Was müßte nun die germanisch-nordische Mythologie gesagt haben, wenn sie dem Loki, dem Luzifer, zugeschrieben hätte, daß dieses dreifache Wirken von ihm herkommen kann? Sie mußte sagen: Loki hat drei Sprößlinge. Der erste ist der, welcher Selbstsucht bewirkt. Das ist die Midgardschlange, dasjenige, womit der Einfluß des luziferischen Geistes auf den Astralleib ausgedrückt ist. Das zweite ist das, was in das menschliche Erkennen sich hineinmischt als das Unrichtige. Beim Menschen auf dem physischen Plane sind es die Dinge, die in seinem Geiste leben und mit der Außenwelt nicht übereinstimmen. Da ist es das, was nicht wahr ist. Bei den nordischen Menschen, die noch mehr auf dem Astralplane lebten, lebte sich das, was bei uns abstrakte Lüge ist, gleich als astralische Wesenheit aus und lebte als solche auf dem astralischen Plan. Der Ausdruck für alles, was Verfinsterung, nicht richtiges Sehen ist, ist irgendein tierisches Wesen, hier im Norden hauptsächlich der Fenriswolf. Das ist das zweite, der Einfluß auf den Atherleib von seiten des Loki, der bewirkt, daß der Mensch von innen heraus den Trieb hat, sich zu täuschen, unwahrhaft über die Dinge zu denken, das heißt, es erscheinen ihm die Dinge in der Außenwelt nicht in der richtigen Weise. Das bezeichnet also im Grunde genommen die alte germanisch-nordische Mythologie irgendwie mit einer Wolfsgestalt. Das ist die astrale Figur für die Lüge und alles das, was Unwahrhaftigkeit aus innerem Triebe ist.

[ 16 ] We claim, then, from the results of spiritual-scientific investigation that the Luciferic influence begets in the astral body selfishness, in the etheric body lying and falsehood and in the physical body sickness and death. Now what would the Teutonic mythology have had to say if it had been obliged to ascribe this threefold influence to Loki, to Lucifer? It would have had to say that Loki has three offspring. The first, the one who begets selfishness, is the Midgard Snake through whom is expressed the influence of the Luciferic spirit on the astral body. The second is that which falsifies human knowledge. In man, on the physical plane, this consists in those things of the mind which do not accord with the external world. It is that which has no validity there. To Nordic man who lived more on the astral plane, that which to us is an illusion manifested itself at once as an astral being and lived as such upon the astral plane. The expression for everything that implied darkening of the light of truth, false perspective, was some kind of animal; and here in the North it was chiefly the Fenris Wolf. This second animal is Loki's influence on the etheric body to which man owes his inner inclination to deceive himself, to think incorrectly about things; that is to say, the objects in the external world do not appear to him in true perspective. This was generally expressed in the old Teutonic mythology in the form of a wolf. That is the astral form for lying and falsehood which proceeds from inner impulse.

[ 17 ] Aber hier, wo der Mensch in Beziehung zur äußeren Welt tritt, begegnet sich schon Luzifer mit Ahriman, so daß aller Irrtum, der sich in die Erkenntnis einschleicht — auch in die hellseherische Erkenntnis — alle Illusion und alle Maja, die Folge des Hanges zur Unwahrhaftigkeit ist, der da hineinspielt. In dem Fenriswolf haben wir also die Gestaltung zu sehen, welche der Mensch um sich herum hat dadurch, daß er die Dinge nicht in der wahren Gestalt sieht. Da, wo sich den alten nordischen Menschen irgend etwas von äußerem Licht, von der Wahrheit, verdunkelt, da spricht er von einem Wolfe. Das geht durch das ganze nordische Bewußtsein, und Sie werden finden, daß das Bild bis auf die äußeren Tatsachen überall in diesem Sinne gebraucht wird. Wenn der alte nordische Mensch sich verständlich machen will über das, was er sieht bei einer Sonnenfinsternis — natürlich sah der Mensch zur Zeit des alten Hellsehens noch anders, als heute bei Benutzung des Fernrohres —, so wählte er das Bild des Wolfes, der die Sonne verfolgt und der in dem Momente, wo er sie erreicht, die Sonnenfinsternis bewirkt. Das steht im innersten Einklang mit den Tatsachen. Diese Terminologie gehört mit zu dem Großartigen, ja sogar Schauerlich-Großartigen in der nordischen Mythologie. Ich kann hier nur Andeutungen geben. Wenn wir aber selbst wochenlang über die nordische Mythologie sprechen könnten, so würden Sie sehen, wie das allseitig durchgeführt ist im nordischen mythologischen Vorstellen. Das ist deshalb der Fall, weil die Mythologie ein Ergebnis des alten Hellschertums ist, in das aber das Ich überall hineinspielt.

[ 17 ] Where man is related to the external world Lucifer confronts Ahriman, so that the infiltration of error into his knowledge—even into his clairvoyant knowledge—all illusion and maya, is the consequence of the tendency to falsehood which is active there. The Fenris Wolf represents the configuration surrounding man because he does not see things in their true form. Whenever the ancient Teutons experienced the darkening of the light of truth, they spoke of a wolf. This permeates the whole of Nordic consciousness and you will find that this image is used in this sense even in relation to external facts. When the ancient Teutons wanted to explain what they saw during an eclipse of the Sun—in the epoch of the old clairvoyance of course, man saw very differently from the man of today who uses a telescope—they chose the image of a wolf pursuing the Sun and who, the moment he overtakes it, causes an eclipse. This agrees perfectly with the facts. This terminology is an integral part of the grandeur, that awful grandeur peculiar to Teutonic mythology. I can only give indications here, but if it were possible to speak for weeks on end upon this Teutonic mythology, you would then see how this is universally applied in the representations of Teutonic mythology. This is because Teutonic mythology is a consequence of the old clairvoyance into which the ‘I’ plays everywhere.

[ 18 ] Die materialistischen Menschen von heute werden sagen: Das ist aber doch Aberglaube. Es verfolgt doch kein Wolf die Sonne. Der alte nordische, imaginative Mensch sieht eben in Bildern diese Tatsachen, und ich könnte Ihnen vielleicht viele sogenannte wissenschaftliche Wahrheiten aufzählen, die mehr Einfluß von Ahriman, die größeren Irrtum bergen, als vorhanden ist, wenn man die entsprechende astralische Anschauung beschreibt und sagt: Der Wolf verfolgt die Sonne. — Für den Okkultisten gibt es etwas, was noch in höherem Grad Aberglaube ist. Das ist, daß eine Sonnenfinsternis dadurch entsteht, daß sich der Mond vor die Sonne stellt. Das ist für die äußere Anschauung ganz richtig, ebenso richtig, wie für die astrale Anschauung die Sache vom Wolf richtig ist. Die astrale Anschauung ist sogar richtiger als die, welche Sie in den gegenwärtigen Büchern finden, denn die ist noch mehr dem Irrtum unterworfen. Wenn der Mensch einst an Stelle dieses Außeren den wahren Tatbestand erkennen wird, dann wird er finden, daß der nordische Mythos recht hat. Ich weiß, daß ich für die heutige Anschauung etwas gräßlich Absurdes sage, aber ich weiß auch, daß man an theosophischen Stätten schon so weit ist, daß man darauf hindeuten darf, wo gerade unsere physische Weltanschauung am meisten beeinflußt ist von Maja, Täuschung oder Illusion.

[ 18 ] Materialists of today will reply that this is pure superstition, that there is no wolf in pursuit of the Sun. The old imaginative Nordic man sees these facts in the form of pictures and I could perhaps enumerate many so-called scientific truths which contain more Ahrimanic influence, a greater degree of error, than the corresponding astral perception which describes the wolf in pursuit of the Sun. That an eclipse occurs because the Moon interposes itself between the Earth and the Sun seems to the occultist to betray a mind that is even more superstitious. From the external point of view the explanation of the eclipse is perfectly correct, just as the case of the wolf is perfectly correct from the astral point of view. In fact the astral view is more correct than the one you will find in modern textbooks, which is even more subject to error. If at some future time man is prepared to accept the real facts instead of this external explanation, he will find that the Teutonic myth is correct. I am aware that I am saying something which is ridiculously absurd in the eyes of contemporary man, but I know too that in anthroposophical circles one is already sufficiently advanced to be in a position to show in which respects the physical view of the world is most influenced by maya, deception or illusion.

[ 19 ] Nun kommen wir zum Einfluß von Loki auf den physischen Leib. In dem bewirkt er Krankheit und Tod. Der dritte Sprößling ist also das, was Krankheit und Tod bewirkt. Das ist die Hel. So haben Sie in der Tat in wunderbarer Weise in den Gestalten Hel, Fenriswolf und Midgardschlange den Einfluß des Loki oder Luzifer dargestellt, in der Form, wie ihn das alte Hellsehen, das wir in gewisser Beziehung als traumhaftes Hellsehen bezeichnen können, wahrgenommen hat. Wenn wir die ganze Geschichte von Loki durchgingen, überall würden wir finden, daß diese Dinge bis in die Einzelheiten hinein die Sache vollständig beleuchten.

[ 19 ] Let us now turn to the influence of Loki on the physical body. His third offspring is Hel, who begets sickness and death. Thus the figures Hel, the Fenris Wolf and the Midgard Snake are wonderful representations of the influence of Loki or Lucifer in the form in which his influence was perceived by the old dreamlike clairvoyance. If we were to follow out the whole history of Loki we should everywhere find that these things throw light upon the matter, down to the smallest details. But we must clearly understand that what the clairvoyant sees are not allegories, but real Beings.

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[ 20 ] Dabei müssen wir uns immer klar sein, daß das, was der Hellseher sieht, nicht etwa eine allegorisch-symbolische Bezeichnung ist, sondern daß das Wesenheiten sind. Er sieht Wesenheiten. Nun hat aber der germanisch-nordische Mensch nicht bloß gewußt von seinem Loki, von dem luziferischen Einfluß, sondern auch von dem Einfluß des Ahriman, der von der anderen Seite her kam, und er hat mehr gewußt, nämlich daß das Befallensein von dem ahrimanischen Einfluß eine Folge des Loki-Einflusses ist. Sie müssen sich jetzt in die Zeit versetzen, wo der Mensch noch nicht in äußerer, physischer Anschauung die Welt ansah, sondern sie mit dem alten Hellsehen betrachtete, und da werden Sie finden, daß der betreffende Mythos für dieses Hellsehen ausgebildet ist. Was sagt der Mythos? Lokis Einfluß ist über die Menschen gekommen, was sich ausdrückt in dem Wirken der Midgardschlange, des Fenriswolfes und der Hel. Der Mensch ist so geworden, daß seine Anschauung sein klares, lichtvolles Hineinschauen in die geistige Welt getrübt wurde dadurch, daß der luziferische Einfluß sich immer mehr geltend machte. Der Mensch wechselte in seinem Leben ab in der damaligen Zeit, als diese Anschauung sich ausbildete, zwischen dem Sehen in der geistigen Welt und dem Leben auf dem physischen Plan, wie man im Leben abwechselt zwischen Wachen und Schlafen. Wenn er in die geistige Welt hineinsah, sah er in die Welt, aus der er herausgeboren war. Das ist ja das Wesentliche, daß der Mythos aus dem hellseherischen Bewußtsein heraus entstanden ist. Das menschliche Bewußtsein aber bestand in diesem abwechselnden Hineinschauen und Nichthineinschauen in die geistige Welt. War der Zustand des Traumbewußtseins da, so sah man hinein in die geistige Welt; war der Zustand des Tagwachens da, so war man blind für sie. So wechselte der Zustand zwischen Blindheit und Hineinsehen in die geistige Welt. Es wechselte das Bewußtsein ab, wie ein gewisses Weltenwesen wechselte zwischen dem blinden Hödur und dem in die geistige Welt hineinschauenden, hellsichtigen Baldur.

[ 20 ] Now Nordic man was not only aware of Loki, of the Luciferic influence, but also of the influence of Ahriman which was the polar opposite, and he knew too that involvement in the Ahrimanic influence was a consequence of the Luciferic influence. If you now look back to the time when man did not apprehend the world through sensory perception but contemplated it with the old clairvoyance, you will find that this myth has been developed in response to this clairvoyance. What does the myth say? Man has succumbed to the influence of Loki, and this is expressed in the activity of the Midgard Snake, the Fenris Wolf and Hel. The effect was such that man's perception, his clear, luminous vision into the spiritual world, became dimmed, because the Luciferic influence increasingly asserted itself. At that time, when this view developed, man alternated between a consciousness that was able to see into the spiritual world and a consciousness that was directed to the physical plane, just as we normally alternate between waking and sleeping. When he gazed into the spiritual world he looked into the world out of which he was born. The essential point is that the myth had its source in the clairvoyant consciousness. But human consciousness consisted in this alteration between insight into, and loss of insight into the spiritual world. When man lived in a condition of dreamlike consciousness he saw into the spiritual world. When in a condition of waking consciousness, he was blind to it. Thus he alternated between the conditions of blindness to, and insight into, the spiritual world. His consciousness alternated just as a certain Cosmic Being alternated between the blind Hödur and the clairvoyant Baldur, who could see into the spiritual world.

[ 21 ] Es war der Mensch veranlagt für Baldurs Einfluß, und im Sinne dieses Einflusses wäre der Mensch geworden, wenn er nicht den Loki-Einfluß aufgenommen hätte. Der aber hat bewirkt, daß Hödurs Natur den Sieg über die Baldurnatur davongetragen hat. Das wird ausgedrückt dadurch, daß Loki die Mistel herbeischafft, mit der der blinde Hödur den sehenden Baldur tötet.

[ 21 ] Thus man was predisposed to receive Baldur's influence and he would have developed in accordance with this influence if he had not been subject to Loki's influence. It was Loki's responsibility, however, that the Hodur nature overcame the Baldur nature. This is expressed by Loki bringing the mistletoe, with which the blind Hodur kills Baldur, the one who sees.

[ 22 ] Loki ist also die tötende Macht, wie Luzifer, der den Menschen zu Ahriman getrieben hat. Indem der Mensch hingegeben ist an den blinden Hödur, verlöscht das alte hellsichtige Anschauen. Das ist die Tötung des Baldur. Das empfindet der nordische Mensch, daß nach und nach wirklich verloren gegangen ist das Baldurhafte, das Hineinschauen in die geistige Welt. Es hat der nordische Mensch das Hinschwinden des Hellsehens so empfunden, daß ihm Loki in Baldur die Hellsichtigkeit getötet hat, und was ihm geblieben, ist die Ohnmacht gegenüber dieser Hellsichtigkeit. So ist ein größtes welthistorisches Ereignis, das allmähliche Hinschwinden der alten ungetrübten Erkenntnis, ausgedrückt in dem Baldur-, Hödur- und Loki-Mythos. Auf der einen Seite haben wir also den Loki mit seiner Sippe, den drei Wesenheiten, und auf der anderen Seite den tragischen Akt von der Tötung des Baldur.

[ 22 ] Loki therefore is the destructive power, like Lucifer who drove man into the arms of Ahriman. In so far as man submits to the blind Hodur, the old clairvoyant vision is extinguished. That is the slaying of Baldur. This is felt by Nordic man as the gradual extinction of the Baldur power, the loss of the vision into the spiritual world. Thus, in the loss of clairvoyance, Nordic man felt that by the death of Baldur Loki had extinguished clairvoyance and that henceforth he was powerless to revive this erstwhile clairvoyance. Thus one of the greatest historical events, the gradual loss of the old, unclouded knowledge is expressed in the myth of Baldur, Hödur and Loki. On the one hand, therefore, we have Loki with his kinsmen, the three Beings, and on the other, the tragic slaying of Baldur.

[ 23 ] So haben wir in der nordischen Mythologie gespiegelt das, was wir aus der Geisteswissenschaft herausholen können: den zweifachen Einfluß, den luziferischen und den ahrimanischen. Das ist dasjenige, was Ihnen die Geisteswissenschaft immer als eine Darstellung des hellseherischen Erkennens der alten Zeit darlegen wird und als ein Herausarbeiten des Mythos aus dem alten Hellsehen, das dann zugleich nach und nach dahinschwindet.

[ 23 ] Thus, in Teutonic mythology, is reflected that which we can derive from Spiritual Science: the twofold influence—the Luciferic and the Ahrimanic. It is this which Spiritual Science always seeks to present to you as an illustration of the clairvoyant knowledge of ancient times and as a development of the myth out of the old clairvoyance which then gradually began to disappear.

[ 24 ] Es würde zu weit führen, wollten wir uns auf dieses Gebiet noch weiter einlassen. Aber schon indem ich Ihnen das Prinzipielle gesagt habe, können Sie das Schaurig-Großartige empfinden in diesem Mythos, der nicht seinesgleichen hat, weil keine Mythologie sich so genau an den alten, hellseherischen Tatbestand angepaßt hat. Die griechische Mythologie ist nur die Erinnerung an etwas in der Vorzeit Erlebtes, das in plastischer Weise zum Ausdrucke kommt. Aber eine solche unmittelbare Anknüpfung an die Tatsachen, wie sie in der germanisch-nordischen Mythologie vorliegt, das ist in der griechischen Mythologie nicht vorhanden. Dieselbe ist abgeklärter, die Gestalten erscheinen mit viel gerundeteren Konturen, daher in stark plastischer Weise, haben aber das Elementare des allerursprünglichsten Eindrucks verloren. Etwas vom alten Hellsehen ist dem nordischen Menschen lange geblieben. Dahingeschwunden war das alte Hellsehen der Menschen im übrigen Europa schon lange, als es sich im Norden noch lange bewahrt hat. Nur nach und nach, langsam und allmählich ist in das Blickfeld des Menschen das physische Weltbild allein getreten. So war auch, als das Christentum anfing sich auszubreiten, für die Mehrzahl der Menschen wahr geworden, was sich in der Baldur-Mythe, in dem Tod des Baldur ausdrückt. Es gab aber noch einzelne, die in unmittelbarer Anschauung haben konnten, was die nordischen Menschen hellseherisch erlebten.

[ 24 ] It would take us too far if we were to pursue this subject further. But even in the broad outline I have presented to you, you can feel the awful grandeur of this myth, which is unsurpassed, because no other mythology adheres so closely to the old clairvoyant condition. Greek mythology is only a memory of something experienced in former times, expressed in sculptural form. Greek mythology has no longer that direct association with the facts which one finds in Teutonic mythology. It is more sophisticated, more mature, the figures show more clearly defined, more finished contours, and therefore appear markedly sculptural. They have lost the primitive simplicity of the earliest impressions. The old clairvoyance which had long vanished in the rest of Europe still survived in the North. Only slowly, step by step, has the perspective of man become limited to the picture of the physical world alone. Thus, at the time when Christianity began to spread abroad, that which is expressed in the Baldur myth, in the death of Baldur, had become true for the majority of men. There were, however, still a few who were able to perceive directly what Nordic man experienced clairvoyantly.

[ 25 ] Es war also noch lange ein unmittelbares Anschauen von dieser geistigen Welt vorhanden, und weil das alles so elementar war, so unmittelbar aus der hellseherischen Erfahrung heraus, deshalb blieb auch, als das Christentum schon anfing sich auszubreiten, das Bewußtsein vorhanden, das bei anderen Völkern nicht so stark sein konnte wie bei den alten germanisch-nordischen Menschen. Sie empfanden dann: Es schwindet alles dahin, was wir damals erlebt haben im Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Urheimat. Es schwand dem Norden erst dahin, als der germanisch-nordische Mensch den Trost des Christentums empfing. Das enthielt für ihn aber nicht unmittelbare Anschauung. Er hatte das Schicksal des Baldur viel zu tief gefühlt, als daß er sich hätte trösten können damit, daß ihm ein Gott geboten wurde, der zum physischen Plan heruntergestiegen ist, damit die Menschen, die nur den physischen Plan wahrnehmen können, auch zum Gottesbewußtsein aufzusteigen vermögen. So wiedieMenschenin Vorderasien haben fühlen können die Worte: «Ändert eure Seelenverfassung, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen», konnte man das in den nordischen Gebieten nicht. Drüben, wo Christus erschienen war, da konnte man nur alte Erinnerungen an die Tatsache finden, daß es ein altes Hellsehen einst gegeben hat. Dreitausend Jahre schon währte im Osten das Kali Yuga, das finstere Zeitalter, wo die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die geistige Welt. Aber gesehnt haben sie sich immer nach der geistigen Welt, und immer haben sie erzählt von einer solchen Welt, in die der Mensch geistig hineinschauen konnte, die aber jetzt den Blicken entschwunden ist. Sie haben die geistige Welt in viel fernerer Vergangenheit erlebt, als die Menschen des nordischen Gebietes und haben es nur noch aus der Erinnerung gewußt, daß die geistige Welt einmal zugänglich gewesen ist. Daher konnte man in den vorderasiatischen Gebieten das Wort: «Ändert eure Seelenverfassung, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen» gut verstehen. Man verstand es, wenn gesagt wurde: Die Reiche der Himmel sind herbeigekommen bis in den physischen Plan, seht also hin auf die einzigartige Gestalt, die da im Gebiete des palästinensischen Reiches erscheinen wird, seht auf den Messias, der den Gott in sich enthält, durch den ihr den Zusammenhang mit dem Göttlichen finden werdet, auch wenn ihr euch nicht von dem physischen Plan erheben könnt. Versteht die Gestalt von Palästina, versteht die Christus-Gestalt. — Das ist das tiefe Wort Johannes des Täufers.

[ 25 ] Thus for a long time there still existed the direct perception of the spiritual world, and because it was still so elemental and sprang so directly from clairvoyant experience, there still survived, when Christianity began to spread abroad, this conscious awareness of the spiritual world which was more developed in the Teutonic peoples than in any other. Then they felt that their erstwhile experiences of their original spiritual home were vanishing. And these spiritual experiences were lost when Nordic man received the consolations of Christianity. But Christianity did not offer him any direct vision. He had felt the fate of Baldur much too deeply to be able to console himself for this loss by exchanging Baldur for a God who had descended to the physical plane in order that the children of men who could only perceive on the physical plane, may also be allowed to rise to a consciousness of God. Unlike the peoples of the Near East the Northern peoples were unable to respond to the words: “Change your mental attitude, for the Kingdom of Heaven is at hand!” In Palestine where Christ was born, there existed only long-lost memories of the fact that once upon a time there had been an old clairvoyance. In the East, the Kali Yuga, the Dark Age, had already lasted for three thousand years, when men could no longer see into the spiritual world. But they always yearned for that world and have ever told of a world which man was once able to perceive spiritually. But it was a world which had now vanished from their sight. Hence they had experienced the spiritual world in a much more distant past than the men of the North, and they only knew from memory that the spiritual world had once been within reach. Hence the peoples of Asia Minor could well understand the words: “Change your mental attitude for the Kingdom of Heaven is at hand!” They could understand the words: “The Kingdom of Heaven is nigh unto you even here upon the physical plane. Seek ye therefore the unique figure who will appear in the land of Palestine, seek ye the Messiah, the Incarnation of the Godhead, through whom you too will be able to find your relation to the Divine, even though you cannot raise yourself above the physical plane. Recognize that Figure in Palestine, know the Figure of Christ!” Those were the profound words of John the Baptist.

[ 26 ] Das mußte der nordische Mensch anders empfinden, der noch länger viel mehr erlebt hatte als nur die erinnerungsgemäße Kunde von dem Hineinschauen in die göttlich-geistige Welt. Daher ging ihm ein Gedanke auf von einer ungeheuern, ganz gewaltigen Tragweite, der Gedanke: Dieses Heraustreten auf den physischen Plan, in die physische Welt, das Nichtsehen der göttlich-geistigen Welt, das kann nur eine Zwischenzeit sein. Der Mensch wird das als Schule durchzumachen haben und sehen müssen, was er sich aneignen kann in der physischen Welt. Er braucht diesen Durchgang, er muß also heraustreten aus der geistigen Welt; er muß die Erlebnisse der physischen Welt als Schule durchmachen. Aber gerade dadurch, daß er sie als Schule durchmacht, wird er wieder hineinkommen in die Welt, aus der er herausgetreten ist. Der Baldurblick wird ihn wieder beseelen können. — Mit anderen Worten: Die große Idee, die im Laufe der germanisch-nordischen Entwickelung entsteht, daß die Welt wieder sichtbar werden wird, die geschwunden ist und dem hellseherischen Blick entzogen wurde, bewirkte, daß als Zwischenzeit empfunden wurde das Walten auf dem physischen Plan.

[ 26 ] The Nordic man, of necessity, felt this differently; for a longer period of time he had experienced much more than the mere memory of a vision into the spiritual world. Hence there arose in him a thought of far-reaching importance, namely: this limitation to the outer physical plane, this darkening of spiritual sight, can only be an intermediate time. There must be a period of probation and man will have to discover what the physical world can teach him. This transition is necessary and he must therefore withdraw from the spiritual world. He must undergo the experience of the phenomenal world as a necessary training. But through this period of probation he will find his way back to that world whence he came. The vision of Baldur will be able to ensoul him again. In other words, the great truth which dawned in the course of the evolution of the Teutonic peoples that the world which was lost to clairvoyant vision would again become visible, he owed to the fact that man felt his sojourn on the physical plane to be a time of transition.

[ 27 ] Seine Eingeweihten machten es dem nordischen Menschen begreiflich, daß in der göttlich-geistigen Welt in dieser Zwischenzeit, während er nicht in dieselbe hineinschauen kann, etwas vorgeht, durch das diese göttlich-geistige Welt einst anders ausschauen wird, als er früher gewohnt war, sie zu sehen. Sie machten ihm das begreiflich, in dem sie zu ihm ungefähr so sprachen: Du hast früher in die göttlich-geistige Welt hineingesehen, hast darin den Erzengel der Sprache, den Erzengel der Runen, den Erzengel des Atems, Odin, gesehen und den Engel der Ichheit, den Thor. Du standest mit ihnen in Verbindung, und es wird derjenige, der dazu vorbereitet ist, die Möglichkeit erwerben, wieder in diese geistige Welt hineinzukommen. Dann wird sie aber anders aussehen; andere Mächte werden hinzugetreten sein und dieMachtbereiche und Machtverhältnisse dieser alten geistigen Führer des Menschengeschlechts werden sich verändert haben. Du wirst dann zwar in diese Welt hineinsehen, aber du wirst anderes sehen, als was du bisher erlebt hast.

[ 27 ] The Initiates had taught Nordic man that a change was taking place in the spiritual world during the intermediate time when he had lost the vision of the spiritual world and in consequence it would one day appear transformed. They explained this to him somewhat as follows: “Formerly you looked into the spiritual world and there you saw the Archangel of Speech, the Archangel of the Runes, Odin,2See Appendix. the Archangel of Respiration, and Thor, the Angel of Ego-hood. You were associated with them, and he who is sufficiently prepared will be able to enter the spiritual world again. But it will then appear different; other powers will have been added to it, and the spheres of power and the relationships of power of those old spiritual leaders of the human race will have changed. You will, it is true, see into this world, but you will find it transformed.”

[ 28 ] Dasjenige, was der Mensch dann sehen wird, malten sie ihm als eine Zukunftsvision aus, als jene Zukunftsvision, die einmal vor die menschliche Seele treten wird, wenn der Mensch wieder hineinsehen kann in die geistige Welt und sehen wird, welchesSchicksal die alten Göttergestalten gehabt haben, sehen wird, wie sie mit anderen Mächten in Beziehung traten. Diese Zukunftsvision, wie sie die Eingeweihten geschaut haben, malten sie ihm aus, wo in der Tat dasjenige, was von Luzifer kommt, in gewisser Weise in Kampf getreten sein wird mit dem, was von den Göttern kommt, und sich auch ausleben wird. Diese Zukunftsvision malten die Eingeweihten den Menschen in dem Bilde von der Götterdämmerung aus. Die Götterdämmerung, Ragnarök, ist also das Bild, das die Eingeweihten dem germanisch-nordischen Menschen als Zukunftsbild vor Augen stellten. Und wieder werden wir finden, daß alle Vorgänge, die da als Zukunftsvorgänge dargestellt werden, bis in die Einzelheiten hinein nicht besser, nicht terminologisch richtiger und nicht treffender dargestellt werden könnten, als sie dargestellt worden sind in dem wunderbaren Bilde der Götterdämmerung. Das ist der okkulte Hintergrund des Bildes von der Götterdämmerung.

[ 28 ] What man will then see, the Initiates described to him as a vision of the future—the Vision that will one day appear to man when he is able to see into the spiritual world again, when he will see what has been the destiny of the old Gods and what was their relation to other powers. They described to him this vision of the future as seen by the Initiates when the Luciferic influence will to some extent override that which comes from the Gods and will, in its turn, be overcome. This was their vision of Ragnarok, the Twilight of the Gods. And again we shall see that all the events which were portrayed as future events could not, even down to the smallest details, be portrayed better or more aptly, nor in more fitting terminology than in the wonderful picture of the Twilight of the Gods. That is the occult background to the Saga of the Twilight of the Gods.

[ 29 ] Als was soll sich dann der Mensch sehen? Er soll sich sehen so, daß er alles dasjenige als Entwickelungsursache aufgenommen hat, was aus früheren Zeiten stammt; er soll denkend aufnehmen, was er als Gabe Odins bekommen hat, sich selber aber fühlen als durch die Entwickelung durchgegangen, die dann gefolgt ist. Er soll die Lehren, die Odin in ihn verpflanzt hat, in sich aufnehmen — Odin tritt ihm entgegen als Erzengel. Er soll sich zum Sohne des Odin machen; er soll in den Kampf eintreten, und zwar bald in diesen Kampf eintreten. Das macht der Eingeweihte, der Leiter der esoterischen Schule, besonders dem nordischen Menschen klar, indem er auf das göttlich-geistige Wesen hinweist, das uns so geheimnisvoll erscheint, das eigentlich erst bei der Götterdämmerung eine bestimmte Rolle bekommt, weil es selbst diejenige Macht überwindet, durch die zuerst Odin überwunden wird. Der Rächer des Odin bekommt eine besondere Rolle und spielt sie in der Götterdämmerung. Wenn wir diese Rolle verstehen werden, so wird sich uns der wunderbare Zusammenhang ergeben zwischen den Anlagen des germanisch-nordischen Menschen und dem, was wir uns vorstellen können als die Vision der Zukunft. In wunderbarer Weise, bis in die Einzelheiten genau, ist das alles in der großen Vision von der Götterdämmerung zum Ausdruck gekommen.

[ 29 ] In what light, then, should man see himself? He should see himself as one who has received all that stems from earlier epochs as the origin and cause of his evolution. He should thoughtfully assimilate what he received as a gift from Odin, whilst feeling that he himself has undergone the ensuing evolution. He should receive into himself the teaching implanted in him by Odin. He should fight the good fight without delay. The Initiate, the Leader of the Esoteric School, makes that clear, particularly to Nordic man, by calling our attention to the divine-spiritual Being who appears to us so mysteriously, who in fact first plays a definite part in the Twilight of the Gods because he overcomes even that power by which Odin is at first overcome. In the Twilight of the Gods the role of Odin's avenger is a special role. When we understand this role we shall then perceive the wonderful connection between the native talents of the Teutonic peoples and our conception of our vision of the future. All this is expressed in a wonderful way, down to the smallest details in the mighty vision of the Twilight of the Gods.