Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130
17 June 1912, Hamburg
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Esoteric Christianity and the Spiritual Guidance of Humanity, tr. SOL
19. Zur Einweihung des Christian-Rosenkreutz-Zweiges
19. On the Inauguration of the Christian Rosenkreutz Branch
[ 1 ] Wir sind hier versammelt, um den Segen derjenigen spirituellen Mächte zu erbitten, welche über unserer theosophischen Bewegung stehen, den Segen für eine Arbeitsgruppe, welche sich zu innigster Befriedigung eine Arbeitsstätte geschaffen, die durch die mannigfaltigsten Symbole die Impulse unseres Wollens ausdrückt: nämlich der Ergebung an die spirituellen Mächte, den Willen, ihnen in der rechten Weise zu dienen. Viel Arbeit des Geistes und der Seele ist verwendet worden, um diese Räume würdig auszustatten. Die Mitglieder werden umgeben von diesen Symbolen stets den richtigen Antrieb für ihre Arbeit erhalten; diejenigen aber, die herbeigeeilt sind, um die Eröffnung mitzuerleben, werden eine bleibende Erinnerung mitnehmen, so auch diejenigen, welche immerfort, um kräftigende Antriebe hierher zu senden, im Geiste verbunden sind mit denen, die sich hier eine Arbeitsstätte gesucht haben.
[ 1 ] We are gathered here to seek the blessing of those spiritual powers that preside over our Theosophical Movement—a blessing for a working group that, to its deepest satisfaction, has created a place of work which, through the most varied symbols, expresses the impulses of our will: namely, submission to the spiritual powers and the will to serve them in the right way. Much work of the mind and soul has been devoted to fitting out these rooms with dignity. Surrounded by these symbols, the members will always receive the right inspiration for their work; but those who have hurried here to witness the opening will take away a lasting memory, as will those who, in order to send invigorating inspiration here, are constantly connected in spirit with those who have sought a place of work here.
[ 2 ] Innerhalb einer solchen Strömung zu stehen, wie unsere theosophische Bewegung es ist, müssen wir als eine Gnade spiritueller Mächte betrachten, denn in die Zukunft hinein ist diese theosophische Bewegung eine Notwendigkeit, und wir dürfen zuerst in dieser Strömung stehen, die einfließen muss in die zukünftige Menschheitsentwicklung, wenn sie nicht vertrocknen, verdorren soll. Man sieht als Okkultist, dass eine solche Befruchtung unumgänglich ist. Und dass gerade wir uns verpflichtet fühlen dürfen, bei dieser Befruchtung hilfreiche Hand zu leisten, das wollen wir als eine Gnade betrachten.
[ 2 ] To be part of a movement such as our Theosophical Society, we must regard it as a blessing from spiritual powers, for in the future this Theosophical Society is a necessity, and we must be the first to stand within this current, which must flow into the future development of humanity if it is not to wither and die. As occultists, we see that such fertilization is inevitable. And the fact that we, in particular, may feel obligated to lend a helping hand in this fertilization—let us regard that as a blessing.
[ 3 ] Die Zeit zwischen dem sechzehnten und neunzehnten Jahrhundert brachte die Wellen des Materialismus, der auch eine Notwendigkeit ist, wenn er auch nur Segnungen bringen konnte, die für die physische Welt notwendig sind. Nur wenige unter den führenden Geistern der neueren Zeit konnten verstehen, dass aus den notwendigen, aber auch hinabziehenden Banden des Materialismus wieder ein Aufstieg ersprießen muss.
[ 3 ] The period between the sixteenth and nineteenth centuries brought waves of materialism, which is also a necessity, even if it could only bring blessings that are essential to the physical world. Few among the leading minds of modern times have been able to understand that from the necessary, yet also dragging, bonds of materialism, a new ascent must spring forth.
[ 4 ] Die theosophische Bewegung ist die Ausgießung von spirituellen Kräften und Wahrheiten aus höheren Welten herunter. Wissen sollten die Menschen wieder Dinge, welche seit Jahrtausenden überdeckt waren.
[ 4 ] The Theosophical Movement is the outpouring of spiritual forces and truths from higher worlds. People should once again come to know things that have been hidden for millennia.
[ 5 ] Wenn wir prüfen wollen, wie die Bewegung beschaffen ist, in der wir stehen, so können wir das bedeutsamste Kennzeichen herausfinden. Es ist, wie wenn der schönste und echteste Menschheitsgeist in ihr gewirkt hätte, denn drei Punkte, in der richtigen Weise gefühlt, geben sogleich die Vorstellung, dass es sich um etwas handelt, was ganz im Sinne der Forderungen unserer Zeit ist. Diese drei Punkte sagen nichts Geringeres, als dass eine spirituelle Bewegung in die Welt geleitet werden soll, an der jeder Mensch teilhaben kann. Die allgemein menschlichste Strömung ist charakterisiert, wenn es heißt: Es bildet diese Gesellschaft den Kern einer allgemein menschlichen Verbrüderung — und so weiter. Das sagt nichts Geringeres als: Auf der Erde kann es keinen Menschen geben, der nicht Mitglied dieser Gesellschaft werden könnte. - Über die Erde hin aber sind verbreitet die mannigfaltigsten Bekenntnisse und Philosophien. Diese können nicht alle Irrtümer sein. Wer das behauptete, würde die weise Weltenlenkung anklagen. Es kann also sich nur darum handeln, den objektiven Kern aller Weltanschauungen zu suchen, der zu gegenseitigem Verständnis führt. Als etwas wie eine Devise ist hervorgewachsen aus diesen Prinzipien der Satz: «Keine Religion steht höher als die Wahrheit.» Das Streben nach der Wahrheit kann alle Menschen zusammenführen, denn sie wird das gegenseitige Verständnis fördern. Dann ist im Grunde der dritte Grundsatz schon da. Aber man könnte sagen, die Materialisten seien von der Gesellschaft doch ausgeschlossen. Sie sind es nur dann, wenn ihnen ihr materialistischer Glaube höher steht als das Suchen nach den Kräften, die allen Erscheinungen zugrunde liegen. Nicht wir schließen den Materialisten aus, denn keiner, der ernstlich suchen wollte, ist stehen geblieben auf dem materialistischen Standpunkt. Er schließt sich also nur selber aus, weil er nicht suchen will nach der Wahrheit. Unsere Bewegung bedarf keiner anderen Grundsätze, denn wenn alles richtig aufgefasst wird, kann es keinerlei Missbrauch und Ausartung innerhalb der theosophischen Bewegung geben, denn cs wird in ihr zusammengefasst das große Ideal von Seelenharmonie und Seelenfrieden. Machen wir es uns klar, wie Frieden und Harmonie über die Welt hingetragen werden kann.
[ 5 ] If we wish to examine the nature of the movement in which we find ourselves, we can identify its most significant characteristic. It is as if the most beautiful and genuine spirit of humanity had worked within it, for three points, when felt in the right way, immediately convey the idea that this is something entirely in line with the demands of our time. These three points say nothing less than that a spiritual movement is to be brought into the world in which every human being can participate. The most universally human current is characterized by the statement: This society forms the core of a universal human brotherhood—and so on. This says nothing less than: There can be no human being on Earth who could not become a member of this society. Yet the most diverse creeds and philosophies are spread across the Earth. These cannot all be errors. Anyone who claimed that would be accusing the wise governance of the world. It can therefore only be a matter of seeking the objective core of all worldviews, which leads to mutual understanding. As something of a motto, the statement “No religion stands higher than the truth” has emerged from these principles. The pursuit of truth can bring all people together, for it will foster mutual understanding. Then, in essence, the third principle is already there. But one might say that materialists are, after all, excluded from society. They are so only if their materialistic belief is held higher than the search for the forces underlying all phenomena. We do not exclude the materialist, for no one who seriously sought would have remained at the materialistic standpoint. So they exclude themselves, because they do not want to seek the truth. Our movement needs no other principles, for if everything is understood correctly, there can be no abuse or degeneration within the Theosophical Movement, since it embodies the great ideal of soul harmony and soul peace. Let us make it clear to ourselves how peace and harmony can be carried throughout the world.
[ 6 ] Der Christ, der nicht Theosoph geworden ist, wird wenig Verständnis haben für das, was den Buddhisten erhebt zu den höheren Welten. Der Christ aber, der Theosoph wurde, muss sich bemühen, ihn zu verstehen, er empfindet es als Pflicht auf Grund der Leitsätze der theosophischen Bewegung, die er anerkennt. Und es wird dem Christen klar, dass das Leben des Gautama Buddha auf Erden etwas bedeutet hat, wenn er weiß, dass ein Mensch unzählige Verkörperungen durchgemacht haben muss, ehe er zum Buddha werden kann. Der Buddhist weiß, dass Buddha nach der Erlangung der Buddha-Würde nicht mehr wiederzukehren braucht auf die Erde. In Kristiania ist auf die Mission des Gautama Buddha hingedeutet worden. Es wurde gezeigt, wie diese Seele eine besondere Aufgabe auf dem Mars zu lösen hat. Der Buddha hat auf der Erde die Vorstufe durchgemacht, um unter den Marsmenschen eine ähnliche Rolle zu spielen wie der Christus auf Erden - nicht durch eine Art Mysterium von Golgatha, nicht durch das Hindurchgehen durch einen Tod, denn die Marsmenschen haben andere Lebensbedingungen als die Erdenmenschen. Dem Okkultisten ist es also klar, dass der Glaube der Buddhisten, dass der Gautama Buddha nicht in einem physischen Leibe auf die Erde wiederzukchren braucht, seine volle Begründung hat. Wir bekämpfen also nicht mehr ihre Überzeugung, das, was ihrem Herzen so naheliegt, sondern wollen ihnen tiefstes Interesse entgegenbringen.
[ 6 ] A Christian who has not become a Theosophist will have little understanding of what elevates Buddhists to the higher worlds. A Christian who has become a Theosophist, however, must strive to understand them; he feels it is his duty based on the principles of the Theosophical Movement, which he acknowledges. And it becomes clear to the Christian that the life of Gautama Buddha on Earth had meaning when he realizes that a human being must have undergone countless incarnations before becoming a Buddha. The Buddhist knows that after attaining Buddhahood, the Buddha need not return to Earth. In Kristiania, reference has been made to the mission of Gautama Buddha. It has been shown how this soul has a special task to fulfill on Mars. The Buddha underwent the preliminary stage on Earth in order to play a role among the Martians similar to that of the Christ on Earth—not through a kind of Golgotha mystery, not through passing through death, for the Martians have different living conditions than Earthlings. It is therefore clear to the occultist that the Buddhist belief that Gautama Buddha does not need to return to Earth in a physical body is fully justified. We therefore no longer oppose their conviction, that which is so close to their hearts, but wish to show them our deepest interest.
[ 7 ] Wenn der Buddhist Theosoph geworden ist, so lernt er erkennen, was dem Christen das Heiligste ist. Er erkennt, dass in der Tatsache des Durchgehens einer gewissen Persönlichkeit durch den physischen Tod ein Weltmysterium ruht, dass der Christus aus höheren Welten heruntergestiegen ist zu einer einmaligen Inkarnation, um daraufhin nie wieder in einen physischen Leib zu kommen. Er beginnt zu verstehen, dass dies Mysterium der Ausgleich ist des Kampfes zwischen Christus und Luzifer. Wenn der Buddhist dies durch die Theosophie lernt, so sagt er sich: Ich verstehe, was der Christ im tiefsten Sinne meint, ich verstehe die einmalige Inkarnation des Christus und sehe, dass der Christus vorher nicht auf der Erde war, ehe er durch den Jesus von Nazareth einen Körper fand.
[ 7 ] When the Buddhist becomes a Theosophist, he learns to recognize what is most sacred to the Christian. He recognizes that a world mystery lies in the fact that a certain personality passes through physical death, that Christ descended from higher worlds for a single incarnation, never to enter a physical body again. He begins to understand that this mystery is the resolution of the struggle between Christ and Lucifer. When the Buddhist learns this through Theosophy, he says to himself: I understand what the Christian means in the deepest sense; I understand the unique incarnation of the Christ and see that the Christ was not on Earth before he found a body through Jesus of Nazareth.
[ 8 ] Wenn wir uns den betonten Grundsätzen hingeben, so lernen wir besonders etwas, was einer gewissen Furcht, die man häufig bei Christen findet, gerade entgegengesetzt ist. Der Ängstliche glaubt nämlich leicht, sein Bekenntnis verliere an Glanz, wenn auch die Vorzüge der anderen beleuchtet werden. Gerade einen höheren Glanz erhält das christliche Bekenntnis, wenn man okkultistisch die einzelnen Religionsbekenntnisse durchdringt. Wer so ängstlich besorgt ist, dass sein Bekenntnis verlieren könnte, wenn es neben den buddhistischen Glauben hingestellt wird, der sollte sich erinnern, dass es für den christlichen Theologen noch manche ungelöste Fragen gibt, dass es zum Beispiel noch eine wichtige Frage ist, ob die Menschen, die vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben, auch teilhaben an der Erlösung. Nimmt aber der Christ hinzu, was der Buddhist weiß, so sieht er, dass es dieselben Seelen sind, die schon vor der Erscheinung des Christus in einem Körper lebten und nach dem Mysterium immer wieder auf die Erde zurückkommen. Nun könnte man fragen: Wie ist es denn aber mit der Buddha-Seele, die sechshundert Jahre vor Christi zum letzten Male inkarniert war und nicht wieder zurückkam?
[ 8 ] If we devote ourselves to the principles emphasized here, we will learn something that is the very opposite of a certain fear often found among Christians. The fearful person is quick to believe that his own creed loses its luster when the merits of others are also highlighted. The Christian creed, in fact, gains even greater luster when one examines the individual religious creeds from an occult perspective. Anyone who is so anxiously concerned that their faith might lose its luster when placed alongside the Buddhist faith should remember that there are still many unresolved questions for the Christian theologian—for example, whether people who lived before the Mystery of Golgotha also share in salvation. But if the Christian adds to his understanding what the Buddhist knows, he sees that these are the same souls who lived in a body even before the appearance of Christ and who, after the Mystery, return to Earth again and again. Now one might ask: But what about the Buddha-soul, who incarnated for the last time six hundred years before Christ and did not return?
[ 9 ] Auch da wird uns durch die okkulte Forschung eine befriedigende Antwort zuteil. Es wird uns gezeigt, dass der Buddha ein Vorausgesandter war, der, einer höheren Hierarchie angehörend, mit den Venusmenschen heruntergeschickt wurde, sodass man von einer Sendung des Buddha zur Vorbereitung für den Christus mit Recht sprechen darf. Man kann von jeder Religion aus jede andere verstehen, wenn keine egoistisch die andere tyrannisieren will. Ein orthodoxer Buddhist könnte ja einmal seinen Buddha über alle anderen Wesen erheben wollen, was allerdings kein wirklicher Buddhist tun würde. Wenn jemand fanatisch sein wollte im Sinne eines beschränkten Buddhismus, so könnte er lehren, dass es kein anderes Wesen geben kann, das nicht wieder als Mensch auf die Erde zurückzukehren braucht, außer dem Buddha, er müsse also der Höchste sein. Damit würde dem Buddhismus ein unendlicher Vorsprung eingeräumt gegenüber dem Christentum, dann setzte man dieses an die zweite Stelle. Dann würde die eine Religion durch die andere bekämpft. Das aber wäre eine untheosophische Tat. Denn die Theosophie ist da, Frieden über die Erde zu verbreiten, durch Verständnis und Studium der gleichen Wahrheiten zu der Erkenntnis der Wichtigkeit einer jeden zu führen. Darum seien wir eingedenk, dass wir unsere Grundsätze nicht nur mit dem Munde bekennen und dann ins Gegenteil verkehren dürfen.
[ 9 ] Here, too, occult research provides us with a satisfactory answer. We are shown that the Buddha was a forerunner who, belonging to a higher hierarchy, was sent down with the Venusian beings, so that one may rightly speak of the Buddha’s mission as a preparation for the Christ. One can understand every other religion from the perspective of any given one, provided that no one seeks to tyrannize the others out of selfishness. An orthodox Buddhist might indeed wish to elevate his Buddha above all other beings, though no true Buddhist would do so. If someone were to be fanatical in the sense of a narrow-minded Buddhism, they might teach that there can be no other being who does not need to return to Earth as a human being except the Buddha, and that he must therefore be the Supreme One. This would grant Buddhism an infinite advantage over Christianity, placing the latter in second place. Then one religion would be fought against by the other. But that would be an untheosophical act. For Theosophy is here to spread peace across the earth, to lead to the realization of the importance of each through the understanding and study of the same truths. Therefore, let us bear in mind that we must not merely profess our principles with our lips and then turn them into their opposite.
[ 10 ] Es muss uns die Überzeugung überkommen, dass die Begründung einer Arbeitsgruppe nicht nur etwas ist, worüber wir froh sein dürfen, sondern dass damit eine hohe Verpflichtung erwächst und besonders dann, wenn es unternommen wird, jenen Namen der Gründung beizulegen, der dem edlen Märtyrer gehört, der durch seine Art des Wirkens mehr erduldet hat und in die Zukunft hinein zu erdulden haben wird als je ein Mensch. Ich sage: ein Mensch -, denn was der Christus litt, das hat ein Gott gelitten. Das hängt zusammen mit den großen Gefahren, welche die Wahrheit in der Zukunft durchzumachen haben wird. Wenn wir uns auf den Namen «Christian Rosenkreutz» taufen, so müssen wir uns vor die Seele stellen, dass es schwer ist, gerade dieses Bündnis zu halten. Wir geloben eine Treue, zu der wir vielleicht nicht stark genug sein werden. Trotzdem soll es niemandem verwehrt sein, diese Treue in seiner Seele zu pflegen, eine Treue, die es notwendig macht, dass wir unsere Zukunft in einer bestimmten Richtung in die Hand nehmen. Wenn wir uns zu irgendetwas, was schon da ist, so hingezogen fühlen, dass wir es zu unserem eigenen Arbeitsfeld machen, so appellieren wir an die Mächte des schon erstarkten Idealismus. Begründen wir aber irgendetwas Neues, so steht hinter uns der Freund alles Separatismus, aller überirdischen Selbstigkeit: Dem Luzifer erwächst eine neue Hoffnung bei jeder neuen Gründung. Nicht so, wenn wir uns an etwas Altes anschließen. Darum wehe uns, wenn wir nicht des Wortes gewärtig sind: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.»Wir können ihn aber auch immer von unserem Kragen entfernen, wenn wir guten Willens sind.
[ 10 ] We must be convinced that the establishment of a working group is not merely something to be glad about, but that it entails a great responsibility—especially when we choose to name this initiative after the noble martyr who, through his manner of working, has endured more and will have to endure more in the future than any other human being. I say: a human being—for what Christ suffered, a God suffered. This is connected to the great dangers that the truth will have to endure in the future. When we take the name “Christian Rosenkreutz,” we must be fully aware that it is difficult to uphold this very covenant. We vow a loyalty for which we may not be strong enough. Nevertheless, no one should be denied the right to nurture this loyalty in their soul—a loyalty that necessitates our taking our future into our own hands in a specific direction. If we feel so drawn to something that already exists that we make it our own field of work, we appeal to the powers of idealism that has already gained strength. But if we establish something new, the friend of all separatism, of all supernatural self-centeredness, stands behind us: with every new foundation, a new hope arises for Lucifer. Not so when we join something old. Therefore, woe to us if we do not heed the saying: “The little people never sense the devil, even if he had them by the collar.” But we can always remove him from our collar if we are of good will.
[ 11 ] Ein großer, aber gefährlicher Moment ist es, wenn wir die Gründung verbinden mit einem Namen, den ein so großer Märtyrer trug. Sich selber müssen die Begründer das Gelöbnis ablegen, das Wagnis nicht leicht zu nehmen, sondern mit aller Treue und mit aller Kraft festzuhalten, was sie gelobt haben. Mit einer jeden Gründung theosophischer Arbeitsgruppen übernimmt man eine schwere Verantwortung. Wenn man beachtet, wie wenig noch verstanden wurde der Impuls, der durch Christian Rosenkreutz gegeben wurde, so wird man ermessen können, dass ungeheure Schwierigkeiten gerade denjenigen erwachsen werden, die ihm zu folgen gesonnen sind.
[ 11 ] It is a momentous yet perilous occasion when we link the founding of this group to the name borne by such a great martyr. The founders themselves must take a vow not to treat this undertaking lightly, but to uphold what they have pledged with all their loyalty and strength. With every founding of a theosophical working group, one takes on a heavy responsibility. When one considers how little has yet been understood of the impulse given by Christian Rosenkreutz, one can appreciate that immense difficulties will arise precisely for those who are determined to follow him.
[ 12 ] Keiner widerspricht den Orientalen, wenn sie vom MaitreyaBuddha in ihrer Weise sprechen. Wenn aber einmal über die Erde hin gefunden werden wird das Prinzip des Christentums, das im Grunde in den drei Prinzipien der Theosophischen Gesellschaft ruht, dann werden sich starke Mächte erheben, die Irrtum auf Irrtum häufen werden. Zu Christian Rosenkreutz werden diejenigen gehören, welche ihm Treue halten können.
[ 12 ] No one contradicts the Orientals when they speak of the Maitreya Buddha in their own way. But once the principle of Christianity—which is essentially rooted in the three principles of the Theosophical Society—is established throughout the world, powerful forces will rise up that will pile error upon error. Those who can remain faithful to him will belong to Christian Rosenkreutz.
[ 13 ] Wir sehen schon in unserer Zeit, wie schwierig das Verständnis des Christentums ist und wie wenig guter Wille vorhanden ist, den Kern des Christentums zu fassen. Die Prinzipien, die wie gute Sterne innerhalb der theosophischen Bewegung walten und heute charakterisiert worden sind, werden beitragen sowohl zu einer Vertiefung, wie zu einer Aufrüttelung der Lauen. Es ist notwendig, das Verantwortlichkeitsgefühl zu wecken. Uns gerade damit stark zu durchdringen, das soll die Aufgabe an dieser Stelle sein. Auch im engsten Raume werden noch mancherlei Prüfungen an Euch herantreten!
[ 13 ] Even in our own time, we can see how difficult it is to understand Christianity and how little willingness there is to grasp its essence. The principles that guide the Theosophical Movement like guiding stars and have been defined today will contribute both to a deepening of understanding and to a stirring of the lukewarm. It is necessary to awaken a sense of responsibility. To deeply instill this within ourselves—that should be our task at this point. Even in the smallest of spaces, many trials will still come your way!
[ 14 ] In dem Augenblicke, wo nur der Name des Christian Rosenkreutz genannt wird, vertritt man den Grundsatz: Keine Religion sei uns höher als das Streben nach Wahrheit. - Christian Rosenkreutz verlangt nie irgendwelchen Personenkultus und sieht darauf, dass die Lehren dem Verstande nahegebracht und eingesehen werden. Nic fordert seine Lehre blinden Glauben an die Meister. Gebrauchen wir erst unsere eigenen Kräfte, dann wird sich schon die Möglichkeit ergeben, durch die Wahrheit die Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen zu erkennen. Von keinem wird von vorneherein der Glaube an sie verlangt, denn dann würde der Glaube an die Meister höher stehen als die Wahrheit. Wenn jemals etwas wie der unbedingte Glaube an einen Meister verlangt werden würde, wären schon die Grundsätze der Theosophischen Gesellschaft durchbrochen.
[ 14 ] The moment the name Christian Rosenkreutz is mentioned, the principle is upheld: no religion is higher to us than the pursuit of truth. - Christian Rosenkreutz never demands any kind of personality cult and ensures that the teachings are made accessible to the intellect and understood. Nic does not demand blind faith in the Masters. If we first use our own powers, then the opportunity will arise to recognize, through truth, the Masters of wisdom and the harmony of the senses. No one is required to believe in them from the outset, for then belief in the Masters would take precedence over the truth. If anything like unconditional belief in a Master were ever demanded, the principles of the Theosophical Society would already have been violated.
[ 15 ] Man kann erkennen, ob irgendetwas wahr oder nicht wahr ist, was aus okkulten Quellen stammt, wenn man auf gewisse Methoden achtet. Es wäre zum Beispiel ein Leichtes gewesen bei der Herausgabe des Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» zu schreiben: Diese Lehren sind gegeben unter Inspiration und so weiter, sie stammen vom Meister und ähnliches. - Durchbrochen ist aber das Prinzip der theosophischen Bewegung, wenn der Schreiber nicht die Verantwortung für das Geschriebene trägt. Wenn irgendwo behauptet würde, ein Buch sei ohne Verantwortung des Verfassers geschrieben, so könnt Ihr wissen, dass hier keine Wahrheit, sondern luziferisch-ahrimanische Täuschung ist. Das gestatten heute die Meister nicht, dass der Schreiber die Verantwortung von sich weist, darum ist es Pflicht, stets seine Vernunft zurate zu ziehen und nichts auf Autorität hin für wahr zu halten. Viel bequemer ist es natürlich, auf Personenkultus zu schwören, denn die Vernunft muss man sich erarbeiten. Nur die, welche prüfend dem gegenüberstehen, was aus den geistigen Welten gegeben wird, können Christian Rosenkreutz die Treue halten. Darum habt im Auge, dass hier eine Arbeitsgruppe errichtet wird, die Treue halten will - über die Persönlichkeit hinaus, die als jeweiliger Lehrer berufen ist - dem Grundsatze, umzugießen in menschlich Begreifbares das, was aus den spirituellen Welten durch den Christus herunterfließt.
[ 15 ] One can determine whether something originating from occult sources is true or false by paying attention to certain methods. For example, it would have been easy, when publishing the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, to write: These teachings are given under inspiration and so on; they come from the Master and the like. — However, the principle of the Theosophical Movement is violated if the writer does not take responsibility for what is written. If it were claimed anywhere that a book was written without the author’s responsibility, you can be certain that there is no truth here, but rather Luciferic-Ahrimanic deception. The Masters do not permit this today—that the writer should shirk responsibility—therefore it is a duty to always consult one’s reason and not to accept anything as true merely on the basis of authority. It is, of course, much more convenient to swear by a cult of personality, for reason must be earned. Only those who approach what is given from the spiritual worlds with a critical eye can remain faithful to Christian Rosenkreutz. Therefore, bear in mind that a working group is being established here that intends to remain faithful—beyond the personality appointed as the respective teacher—to the principle of translating into humanly comprehensible terms that which flows down from the spiritual worlds through the Christ.
[ 16 ] Wenn Ihr Euch gelobt, so zu denken und zu streben, dann darf ich in dieser Stunde herunterrufen den Segen der spirituellen Wesenheiten, an die wir nicht zu glauben brauchen, wenn wir uns auch in ihrer Strömung wissen. Es mögen walten hier die guten Geister und segnen diese Arbeit, sie, von deren Dasein ich so überzeugt bin wie von dem Dasein aller, die hier sitzen im physischen Leibe. Damit sei auch diese Arbeitsstätte eingeweiht. Was in gutem Geiste theosophische Arbeit zustande bringt, das wird in der Lage sein, die sonst unfehlbar über das Christentum hereinbrechende Finsternis zu verhüten. Es mögen walten die Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen.
[ 16 ] If you vow to think and strive in this way, then I may call down upon us at this hour the blessing of the spiritual beings, in whom we need not believe, even as we know ourselves to be part of their current. May the good spirits reign here and bless this work—those whose existence I am as convinced of as I am of the existence of all who sit here in physical bodies. With this, may this place of work also be consecrated. That which brings about theosophical work in a good spirit will be able to avert the darkness that would otherwise inevitably descend upon Christianity. May the Masters of Wisdom and of the Harmony of Feelings reign here.
