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Initiation from Eternity and the Present
GA 138

25 August 1912, Munich

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Erster Vortrag

Lecture One

[ 1 ] Am Beginne unseres Münchner Vortragszyklus sei es mir auch diesmal wie in den letzten Jahren gestattet, die erste Vortragsstunde zu einer Art von Einleitung zu benutzen für dasjenige, was an den folgenden Tagen vorzubringen sein wird.

[ 1 ] As in recent years at the beginning of our Munich lecture course, may I be allowed to use this first lecture as a kind of introduction to what we are going to deal with in the coming days.

[ 2 ] Der erste Gedanke, der sich Ihnen am Beginne unseres Zyklus aufdrängen mag, wird vielleicht doch mit demjenigen zusammenhängen, womit wir gerade diesen Münchner Zyklus nun schon seit einigen Jahren einleiten durften: mit unseren theosophisch-künstlerischen Aufführungen. Und wenn ich selbst den Gedanken hier äußern darf, der mir bei dieser Gelegenheit vor die Seele tritt, so ist es der, daß es mich selbst mit der allertiefsten Befriedigung erfüllt, daß wir — sowohl das vorige Jahr wie auch dieses Mal — diese Aufführungen eröffnen durften mit der Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis. Und ich sage es und möchte es ganz besonders deutlich gesagt haben, daß dies mir gelegentlich dieses Münchner Vortragszyklus die allergrößte Befriedigung gewährt. Vielleicht, da wir uns in diesem Jahre wieder eines stärkeren Besuches erfreuen dürfen, als das in den verflossenen Jahren der Fall war, wird es auch nicht unnötig sein, einige Worte bei dieser Gelegenheit zu wiederholen, die ich mir schon öfter gerade hier in München auszusprechen gestattete.

[ 2 ] It may well be that the first thought that occurs to you at the beginning of this cycle should refer to what for several years has been the introduction to these Munich lectures, that is, our artistic dramatic productions. If I may be allowed to give expression to the thought that comes before my own soul on this occasion, it is that it gives me the deepest satisfaction to see how, this year as well as last, we have been able to open these productions with a reconstruction of the Mystery of Eleusis. Seeing that this year we have the pleasure of a still larger audience than before, perhaps it will not be superfluous to repeat a few words I have already spoken here in Munich.

[ 3 ] Was mit diesem Mysterium von Eleusis verbunden ist, das hängt ja recht innig mit dem Streben zusammen, das wir hier in den mitteleuropäischen Gegenden seit Jahren als theosophisches Streben das unsrige nennen. Wir begannen — vor einem recht kleinen Kreis, von dem jetzt eigentlich nur noch wenige, recht wenige der theosophischen Bewegung treu geblieben sind — in Berlin vor Jahren, gerade anknüpfend an alles, was für die theosophische Bewegung von unserem hochverehrten Edouard Schuré geleistet worden ist durch die Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis und die Darstellung der Einweihung, der Initiationsprinzipien der verschiedensten Zeiten und Völker, mit diesem sozusagen eine Art von Introduktion dieser unserer theosophischen Bewegung. Und jetzt, da wir seit Jahren hier in München so manches an Szenischem vorführen durften von dem, was aus Edouard Schurés Seele hervorgegangen ist, dürfen wir das, was wir zu tun vermocht haben, wie eine Art Besiegelung desjenigen auffassen, was für einen kleineren Kreis von uns sich an Gefühlen, an Empfindungen und Gedanken gerade an diesen Ausgangspunkt unseres Strebens gebunden hat. Und soll ich charakterisieren, was sich daran gebunden hat, so möchte ich sagen: Es floß aus der rein spirituellen Art, aus der keusch-spirituellen Art, in welcher diese Dinge vor unsere Seele hintraten, eine innere Zuversicht, ein inneres Vertrauen, das dahin ging, daß wir uns sagen konnten: wenn wir diese Empfindungen, diese Gefühle mit dem, was sonst in unserer Seele lebt für das theosophische Streben, in uns einfließen lassen, so dürfen wir hoffen, daß uns einiges wenigstens gelingen wird. Das sagten uns damals, als wir begannen, die Dinge selbst; das sagte uns ihre ernste, ihre tief in das spirituelle Wesen eindringende Art, und das sagten uns die Jahre, die seit jener Zeit verflossen sind.

[ 3 ] All that is bound up with the Eleusinian Mystery is intimately connected with what we call our anthroposophical striving. We began with quite a small circle of which only a few have remained faithful to the movement. We began years ago in Berlin, actually connecting the representation of initiation and initiation principles of the various epochs and races to all that has been accomplished for the Anthroposophical Movement by our revered friend Edouard Schuré with regard to the reconstruction of the Eleusinian Mystery. It was with all this that we made a kind of introduction to this movement of ours. Now that for some years past we have been able to give dramatic productions of what has issued from Edouard Schuré's soul, we have been able to stamp a kind of impression of the feelings, sentiments and thoughts that, for rather a smaller circle of us, have formed themselves around this starting point of our movement. If I am to define all this, I should say that an inner confidence, an inner faith, flowed out of the spiritual purity and chastity of the way in which these things entered our souls. So that we might say that if we allow these sentiments and feelings to flow into us, together with all that we feel in our souls with regard to our anthroposophical striving, we can at least hope for some measure of success. This is what the things themselves told us in the beginning, what they told us by the deep and serious way they penetrated into the spiritual, and what the years that have since passed have also told us.

[ 4 ] Welchen Glauben konnten wir damals im Beginne und dann im Verlaufe der letzten Jahre haben?

[ 4 ] What belief were we able to hold at the beginning, and later in the course of the recent years?

[ 5 ] Die Wichtigkeit des Augenblickes — ich meine des Augenblickes in welthistorischer Beziehung — in der Entwickelung der Menschheit konnte einem vor die Seele treten; und vor die Seele treten konnte einem der Gedanke, daß es ganz gesetzmäßig ist in der Evolution der Menschheit, daß in unserer Gegenwart neue Kräfte und gerade Kräfte des spirituellen Lebens in die Menschenseelen hereinwollen, wenn diese sich aufrechterhalten wollen gegenüber dem, was die Gegenwart und die allernächste Zukunft von dem Innern dieser Menschenseelen verlangen werden. Ich darf an etwas Persönliches — das mir aber nichts Persönliches ist — anknüpfen, indem ich diese Gedanken ausspreche. Jahre vorher, bevor wir mit unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung begannen, hatte ich öfter Gelegenheit, über mancherlei geistige Angelegenheiten mit dem ja inzwischen in die höheren Welten eingegangenen deutschen Kunsthistoriker Herman Grimm zu sprechen. Auf Spaziergängen von Weimar nach Tiefurt oder auch in Berlin wurde mancher Gedanke ausgesprochen über die Anforderungen des Geisteslebens unserer Zeit und über die Anforderungen dessen, was notwendig ist für unsere Zeit gemäß der Natur, wie sich die Menschheit im Laufe der europäischen Entwickelung ihre Ziele gesucht hat und sich in ihrem Seelenleben hat zurechtfinden wollen. Ein Gedanke kam immer wieder zum Vorschein, wenn man mit diesem an allem Geistesleben des Abendlandes so interessierten Herman Grimm sprach: wie im Grunde genommen die europäische Menschheit zurückblicken kann auf eine Anzahl von Jahrhunderten oder auch auf die letzten zwei Jahrtausende so, daß der europäische Mensch, wenn er in seine Seele schaut, wenn er die Bedürfnisse seiner Seele prüft und sich fragt: Was kann ich verstehen, was ist mir begreiflich von dem Menschlichen, das da vorgeht und das ich brauche für das eigene Seelenleben? — sich sagen kann: Wie unverständlich auch manches sein mag in bezug auf Einzelheiten des Lebens, irgendwo kann ich anknüpfen an das, was ich selber erlebe, wenn ich die neuen Zeiten mir geschichtlich vor die Seele treten lasse. Ja, auch jene Verwicklungen, die bestanden haben im römischen Kaiserreich, die zur Zeit Cäsars oder auch noch während der republikanischen römischen Zeit vorhanden waren, erscheinen, möchte man sagen, verständlich dem europäischen Bewußtsein der neueren Zeit. Man findet sich zurecht, wenn man diese Seelen verstehen will, wenn auch das, was sie fühlen und denken, oftmals weit abliegt von dem, was der gegenwärtige Mensch fühlen und denken kann. Ganz anders aber werden die Dinge, wenn die Seele zurückblickt ins alte Griechenland. Und nur wenn man nicht tief genug geht, wenn man es nicht tief genug nimmt mit dem, was man menschliches Verständnis nennen will, kann man sagen, daß einem als moderner Mensch das Griechentum ebenso verständlich sein kann wie etwa das Römertum und die folgenden Zeiten. Es beginnt, wenn man rückschreitend ins Griechentum hineinkommt und auf seine Seele wirken läßt, was aus den geschichtlichen Urkunden überliefert ist, etwas Unverständliches. Und ich möchte das Wort wiederholen als ein durchaus klares und verständliches, das Herman Grimm öfter gebraucht hat: Ein solcher Mensch wie Alkibiades ist der reine Märchenfürst, verglichen mit Cäsar oder mit denen, die zur Zeit Cäsars gelebt haben. Ganz anders erscheint da griechisches Leben, erscheint Menschliches und Göttliches miteinander verbunden, ganz anders erscheint das Leben des Alltags und das, was man das Hereinleuchten von Göttlichem in das Leben des Alltages nennen kann; ganz anders erscheint das ganze Seelenleben, das auf dem Boden des alten Griechenlandes lebte. Auffällig werden die Dinge insbesondere, wenn man jene Gestalten auf die Seele wirken läßt, welche im Grunde genommen viel lebendiger in der modernen Seele als die Gestalten, von denen die Geschichte erzählt, werden können, wenn man die Gestalten eines Homer, eines Äschylos oder eines Sophokles auf sich wirken läßt.

[ 5 ] It was the importance of the moment in the evolution of humanity—I mean the moment in relation to world history—that was able to arise before the soul. The idea could arise that it was quite in accordance with the laws of human evolution that in our present age new forces, and particularly forces of spiritual life, should wish to enter the souls of men if they were to hold their own in face of what the present and immediate future may demand of their inmost being. In giving voice to this thought, may I be allowed to refer to something personal, which is, nevertheless, by no means personal to me. Years ago, before we started our movement, I often had occasion to speak about all kinds of spiritual matters with the German art historian, Herman Grimm, who, as you know, has since passed into higher worlds. In our walks together from Weimar to Tiefurt, or around Berlin, a good deal was said about the demands of the spiritual life in our time relative to nature; how humanity has sought its goal during the course of European evolution and has tried to find harmony in its soul life. There was one thought that kept coming to the fore in conversation with Herman Grimm, who was so deeply interested in all the spiritual life of the West. When we go to the root of the matter, this one thought was how the European man can look back over a number of centuries, or over the last 2000 years, how the European can look back in such a way that when he probes into his own soul and examines its needs and asks himself, “What can I understand, what is comprehensible to me in human affairs that transpired then that I need for my own life of soul?” He can then answer, “However many of the details of life at that time may be incomprehensible, somewhere there is a link with what I myself experience, if I let the new age pass historically before my soul.” Even the complications that arose in the Roman Empire at the time of Caesar, or in the still more remote time of Republican Rome, appear comprehensible to European consciousness today. We find our bearings when we try to understand the souls of those times, even though in many respects they may be far removed from what present day man can feel or think. But when the soul looks back into ancient Greece it becomes quite a different matter. It is only if we do not go sufficiently deep into things with what we call our human understanding that we, as modern men, can say that the days of ancient Greece may be as easily understood as Roman times or as the times that followed. When in going back we come to ancient Greece and let the historical records of it work on our souls, we begin to meet with what is incomprehensible. I should like to repeat, as something clear and easily understood, what Herman Grimm often used to say, “A man like Alcibiades is a mere prince in a fairy story compared with Caesar or with those who lived in Caesar's day.” Greek life appears in quite a different light, and human and divine bear a different relation to each other. Everyday life and all that might be called the divine enlightenment of everyday life seems quite different. The whole life of soul existing on the soil of ancient Greece seems entirely different. These things become particularly striking when we let those personalities work on our souls who can in truth become far more living in the modern soul than the people of whom history relates—those personalities we find in the works of Homer, Aeschylus or Sophocles.

[ 6 ] Wenn man von einem solchen Gedanken ausgeht, kann man schon aus alledem, was die gegenwärtige Bildung ergibt, sich sagen: Je weiter man in der Menschheitsentwickelung zurückgeht, desto mehr erscheint der Mensch unmittelbar angeknüpft an ein Übersinnliches, das hereinleuchtet in seine Seele, das da wirkt in seiner Seele, denn der Anfang eines ganz neuen Menschentumes offenbart sich schon, wenn man sich nicht oberflächlich, sondern gründlich der griechischen Seele naht. Daher erscheint auch etwas ganz Besonderes, wenn man die Literaturwerke geschichtlicher Art, die im Laufe der europäischen Bildung entstanden sind, auf sich wirken läßt. Wie über etwas, was sie bewältigt haben, schreiben die Geschichtsschreiber über die verschiedenen Zeiten bis zurück in die römische Zeit. Wo Sie einen Geschichtsschreiber aufschlagen, werden Sie finden, daß er imstande sein wird, Gefühle und Empfindungen seiner Gegenwart bis ins alte Römertum hinein zu benutzen, um lebendig, gerundet die Gestalten zu machen, die er darstellt. Der bloßen Geschichtsschreibung — versuchen Sie einmal von diesem Gedanken ausgehend die Sache wirklich durchzugehen —, auch wo die besten Geschichtsschreiber wirken, werden die griechischen Gestalten, selbst noch der späteren griechischen Zeit, wie Silhouetten, wie Schattenbilder. Sie können nicht lebendig werden. Oder wer, der ein echtes Gefühl hat für einen Menschen, der mit seinen Füßen auf dem Boden steht, könnte behaupten, daß es je in Wahrheit einem Geschichtsschreiber gelungen ist, einen Lykurg oder einen Alkibiades so auf die Beine zu stellen, wie dies zum Beispiel gegenüber dem Cäsar der Fall sein kann? Geheimnisvoll erscheint die griechische Seele, wenn man zurückblickt in die Zeiten des Griechentums. Geheimnisvoll erscheint sie dem Blick, der sie nur mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erfassen will. Und nur der empfindet richtig, der dieses Geheimnisvolle empfindet. Da kann man wohl die Frage aufwerfen: Wie würde eine griechische Seele gegenüber so manchem gefühlt haben, was der modernen Seele voll empfindlich, voll verständlich ist?

[ 6 ] Starting from such a thought, the results of our modern culture will certainly enable us to say that the further back we go in human evolution, the more does man appear to be directly connected with the super-sensible and all that radiates into and works within his soul. For we can already perceive the beginning of a quite new humanity when, not superficially but fundamentally, we get near the soul of the Greek. Something quite special appears, too, when we allow the historical works of literature that have arisen in the course of European civilization to work upon us. The historians write about the various ages back into Roman times as of something they have grasped and mastered. When you open a history book, you will find that the writer, when desiring to give life and form to the personalities he is representing, is able to apply the feelings and sentiments of his own age as far back as ancient Rome. In purely historical writings, even among the best historians, Greek figures, even those of the later Greek period, are like silhouettes, shadow-pictures that cannot come to life. How could anyone with genuine feeling for what it means for a man to have his feet firmly on the ground, maintain that any historian has really succeeded in thus planting Lycurgus or Alcibiades on their feet, as can be done in the case of Caesar. The Greek soul appears full of mystery when we look back into Grecian times, or so it appears to the man who merely tries to grasp it with his ordinary consciousness. Those who feel this mystery have the right feeling.

[ 7 ] Nehmen wir eine frühe griechische Seele. Versuchen wir mit mancherlei von dem, was doch jetzt schon die Geisteswissenschaft an die Hand gibt, uns in diese griechische Seele hineinzufühlen. Da fragt man sich dann: Was würde die griechische Seele zu der Gestalt, der Darstellung des Sündenfalles, des Verlaufes und der Darstellung der alten Geschichte gesagt haben, die der späteren europäischen Seele so begreiflich sind? Die Paradiesesgeschichte, alles, was die späteren Zeiten als das Alte Testament in sich aufnahmen, es wäre der griechischen Seele recht fremd gewesen, so fremd, wie den bloß modernen Menschen die griechische Seele selber bleibt. Die Versuchung im Paradies, die Adam- und Eva-Geschichte, wie sie zum Beispiel im Mittelalter oder noch in der neuen Zeit lebten, man kann sie sich nicht in die griechische Seele so hineindenken, daß diese griechische Seele die Sache voll verstände, so verstände, daß man es, wenn man tiefer in die Sache geht, etwa Verständnis nennen kann. Daher ist es aber auch für uns notwendig, daß wir sozusagen unsere Seele erst zubereiten, um diese ganz andersartige Zeit wieder für uns verständlich zu machen. Wenn man solche Gedanken hegt, dann empfindet man so recht, was im Grunde genommen unsere allerneueste Zeit uns’ gebracht hat.

[ 7 ] In this connection we may well ask how a Greek soul would have felt with respect to many things that are fully comprehensible to the modern soul. Let us consider an early Greek soul. Let us try by means of much that spiritual science gives us to feel our way into this soul. What would the Greek souls have said to the image, the old traditional story, that is so easily comprehended by the later European soul the story of the Fall, the old story of Paradise, and all that later ages received as the Old Testament. This would have been absolutely foreign to the Greek soul, as foreign as the Greek soul itself is to modern man. You cannot think the story of the temptation in Paradise, the story of Adam and Eve, into the Greek soul, so that it would be fully understood there as it lived for instance in the Middle Ages and on even into modern times. Therefore, it is first necessary even for us to prepare our own souls before we can understand that age, so different from our own.

[ 8 ] Als am letzten Sonntag nach der letzten Szene des «Mysteriums von Eleusis» der Vorhang niederging, mußte ich denken, wie dankbar wir sein dürfen, daß wir in unserer Gegenwart in der Lage sind, das Auge und die Seele hinrichten zu können auf den Verlauf von Vorgängen, welche uns diese griechische Seele in ihrem Fühlen und Erleben zeigen, und außerdem für das Anschauen dieser Vorgänge Seelen im Zuschauerraume zu haben, die sich denken können, daß in der Evolution der Menschheit über die Erde hin die menschliche Seele von Epoche zu Epoche andere Formen angenommen hat, ganz anders die Umgebung und das eigene Leben empfinden gelernt hat. Wir haben uns die Jahre hindurch bemüht, verstehen zu lernen, wie die menschlichen Seelen im Anbeginn der Erdenentwickelung leben mußten, als die äußere Leiblichkeit und damit das innere Seelenleben ein ganz anderes waren als später. Wir haben uns bemüht verstehen zu lernen, wie die Menschenseelen lebten in der atlantischen Zeit und in der nachatlantischen Zeit, und haben dadurch die Möglichkeit gewonnen zu sagen: Oh, die Menschenseele, wie mannigfaltig hat sie sich in uns ausgelebt! Die Seele, die in jedem von uns ist und immer wieder durch Inkarnationen und Inkarnationen hindurchgegangen ist, nicht um dasselbe zu erleben, sondern um immer wieder und wieder anderes zu erleben — wie mannigfaltig hat sie sich ausgelebt! Und so mag es uns denn gelingen, da unten zu sitzen im Zuschauerraum und einmal zu vergessen, was uns in unserer Zeit unmittelbar bewegen muß, und unbefangen und objektiv aufzunehmen, was die Seelen eben seelisch in ganz anderen Zeiten ihr eigen nannten. Wir brauchen nicht unseren Verstand in Bewegung zu setzen, wir brauchen uns nur unserem unmittelbaren Empfinden hinzugeben, dann zeigt sich uns schon, daß die Vorgänge, die sich da abspielen in dem rekonstruierten Mysterium von Eleusis, alles das zwar in sich haben, was die Seelen von den dunkelsten Lebensuntergründen bis hinauf zu den Geisteslichtern, von den Schmerzen bis zu den Seligkeiten durchlebten, aber dies auf mannigfaltige Art im Laufe der Zeit erlebten. Und dann erhält man vielleicht ganz naiv und unbefangen — aber dafür vielleicht um so sicherer — ein Gefühl davon, was der Grieche empfand, wenn Namen ausgesprochen wurden, Vorstellungen angeregt wurden wie Demeter, Persephone, Dionysos. Man erhält vielleicht die Möglichkeit, daß ganze Welten aus dem Innern der Seele vor uns hintreten, wenn diese Vorstellungen in uns angeregt werden.

[ 8 ] It is when we cherish thoughts like these that we first begin to have a real sense of what it is that our present moment has brought us. Last Sunday when the curtain went down after the last scene of the Eleusinian Mystery, I could not help thinking how thankful we may be that we are able today to turn our eyes and minds to the course of events that show us the Greek soul in its life of feeling and experience. Moreover, that we are able to fill the auditorium with those who can imagine how, in the course of man's evolution on earth from epoch to epoch, the human soul has assumed different forms, and how it has learned to experience in different ways its environment and its own life. For many years we have been striving to understand the life that human souls had to live in the beginning of earthly evolution when the external body, and with it the inner soul life, were quite different from what they afterward became. We have been striving to understand how the human soul lived in Atlantean times, how it lived in post-Atlantean times, and we have grown to realise in what manifold ways the soul has lived and experienced itself within us. The soul that is in each one of us, the soul that has passed through one incarnation after another, not in order to experience the same things over again but to keep on having fresh experiences—in what various ways its life has been lived! So it is possible for us to sit in this auditorium, and to forget the things directly affecting us in this age in order to absorb objectively and dispassionately what was peculiar to souls of a different age. We need not set our understanding to work; we need only give ourselves up to immediate feeling to see that the events enacted in the reconstructed Eleusinian Mystery contain within them all that man's soul lived through from the darkest depths of life up to the light of the spirit, from deep sorrow to heights of bliss, experienced, however, in various ways in the course of time. Then we may get a simple and unprejudiced, but perhaps all the more certain, feeling of what the Greeks felt when such names were spoken, such images awakened, as those of Demeter, Persephone, and Dionysos. It may be possible for whole worlds to arise before us from within the soul when these images are awakened.

[ 9 ] Als Menschen finden wir uns innerhalb der äußeren physischen Welt. Wir lernen sie kennen durch unsere Sinne, durch die Erlebnisse unserer Seele und durch das, was wir mit unserem Verstande und unserer Vernunft erleben können. In einer ganz bestimmten Weise fühlen wir heute gewissermaßen unabhängig unsere Seele von dem äußeren Leben der uns umgebenden Natur und alles dessen, was sich in der Natur verbirgt. Wie der Mensch demgegenüber heute empfindet, das drückt sich wieder aus in einer Art, wie die griechische Seele nicht hätte empfinden können. Das Entfremdetwerden gegenüber der Natur, das Betonen, daß man die Sinneswelt verlassen müsse, um in die spirituellen Welten hinaufzudringen, wäre dem Griechen noch nicht verständlich gewesen. Aber in seiner Art fühlte er, wie es einen bedeutsamen Unterschied, eine bedeutsame Trennung gibt zwischen dem, was man in dem menschlichen Innern nennen kann den Geist, und was man nennen kann die Seele. Das sind ja Worte für das menschliche Erleben, zwei verschiedene Gebiete zunächst und hart aneinanderstoßend: Seelisches und Geistiges.

[ 9 ] As human beings we find ourselves in the external physical world. We learn to know it through our physical senses, through the experiences of our soul, and through what we experience with our understanding and with our reason. We feel today, in quite a distinct way, that our soul is in a measure independent of the external life of surrounding nature, and of all that is concealed in it. The Greeks could never have felt this in the way man feels it today. At that time they never could have understood this estrangement from nature, this emphasis on the need of forsaking the world of the senses in order to press on into spiritual worlds. But in his own way the Greek felt a significant difference, a significant cleft, between what may be called the spirit in man and what may be called the soul. For the things of the soul and the things of the spirit are the expressions we use for human experience, and are two spheres closely impinging on one another.

[ 10 ] Richten wir den Blick hin auf die Szene gleich im Beginn der Aufführung: Demeter, in stolzer geistiger Keuschheit vor Persephone stehend, sie mahnend, nicht zu genießen von den Früchten, die Eros geben kann. Wir richten das Auge hin auf diese Demeter. Alles, was der Mensch geistig nennt, wovon er sich sagt, er ist seiner teilhaftig als Geist, das erblickt er in der Demeter. Aber er erblickt auch, wie innerhalb der Erdenwelt dieses Geistige verbunden ist mit dem Sinnlichsten, mit dem Materiellsten. Demeter, die Göttin, die Hervorbringerin der Feldfrüchte und Vorsteherin der äußeren Einrichtungen und sittlichen Ordnungen der Menschheit — als Menschengeist, keusch und stolz gegenüber vielem, was sonst auch im Menschen lebt, aber innig verbunden mit der äußeren Sinneswelt, diese durchdringend, so steht Demeter vor uns. Persephone tritt sogleich vor das innere Auge hin als etwas, das uns in unserer Seele wachruft die Vorstellung des menschlich Seelischen, verbunden mit alledem, womit der Mensch in seinem individuellen Dasein dadurch verbunden ist, daß er mit seiner Seele eben in den Erdenleiden und Erdenfreuden drinnensteht. Verbunden mit all dem, was die Erdenleiden und Erdenfreuden durchzuckt, muß sich die Seele fühlen, wenn sie sich vorstellen will, was in Persephone lebt. Ganz Seele — Persephone, ganz Menschengeist — Demeter. Und wenn wir dann den Verlauf des Mysteriums von Eleusis auf uns wirken lassen, wenn die Grundtöne, die gleich beim allerersten Gespräch zwischen Demeter und Persephone angeschlagen werden, weiter in uns klingen und sich verschlingen und sich finden und dann endlich zu der Gestalt des Dionysos herankommen — wie findet sich da der ganze Mensch selber in Dionysos, wie findet sich dasjenige, was in uns lebendig wird gegenüber der Demeter und Persephone, zugleich in Dionysos! Und wir sehen in der letzten Szene ein Streben der Seele der Menschheit nach Harmonisierung ihres Seelischen mit dem Geistigen: das ganze dionysische Spiel — aus dem Lebensdunkel zum Geisteslicht hinauf!

[ 10 ] Let us turn to the scene at the very beginning. Demeter stands in her proud spiritual chastity before Persephone, warning her not to taste the fruits that Eros can give. We turn our gaze to Demeter and see in her all that man calls spiritual, everything as he says in which “he as spirit has part.” But man also sees that in the realm of the earth all that is spiritual is bound up with all that has most to do with the senses and is the most material. Demeter, the Goddess, who brings forth the fruits of the earth and presides over the external and moral ordering of mankind—Demeter, human spirit, chaste and proud in face of much that generally lives in men, but inwardly bound up with and permeating the external world of the senses—it is thus that Demeter stands before us. Persephone appears before our inward vision as something that awakens an image of the human soul principle in our soul. It is connected with all that concerns man's individual existence as he stands there with his soul in the midst of earthly joys and sorrows. If it would picture what lives in Persephone, the soul must feel its connection with all that pulsates through earthly joys and sorrows. Persephone is all soul, Demeter all human spirit. If we then allow the course of the Eleusinian Mystery to work upon us, if the basic tones struck in the very first dialogue between Demeter and Persephone go on resounding in us, become intermingled and then clear, finally leading up to the figure of Dionysos—then, how the whole human being is to be found in Dionysos! How all that becomes living in us when we confront Demeter and Persephone lives again in Dionysos! Then, in the last scene, we see man's soul striving toward harmony of soul and spirit. The whole Dionysian play becomes a striving out of the darkness of life into the light of the spirit.

[ 11 ] Ich kommentiere nicht und möchte nicht ein künstlerisches Werk zerpflücken, ich möchte nur die Empfindungen, die über intime Seelengeheimnisse im Menschen aufgehen können, in Worte bringen, wenn sich der Mensch dem Mysterium von Eleusis gegenübergestellt sieht. Niemals wird es mir einfallen zu sagen, in Demeter sei personifiziert oder symbolisiert eine ursprüngliche Form des Menschengeistes und in Persephone die menschliche Seele. Das hieße dem Plastischen des Kunstwerkes Gewalt antun, steife Verstandesbegriffe anwenden gegenüber dem, was im Kunstwerke lebt, wie Menschen oder sonstige Wesen selber lebendig leben. Aber was man empfinden darf, was man empfinden kann über Seelengeheimnisse, das darf man sagen.

[ 11 ] I have no wish to be a commentator nor to pull to pieces a work of art. I only wish to put into words the feelings that can arise in man with regard to the most intimate secrets of his soul when confronted with the Eleusinian Mystery. I should never think of saying that Demeter was the personification or symbol of a primal form of the human spirit, or that Persephone symbolised the human soul. That would be an insult to the plastic, living nature of a work of art. That would mean applying rigid concepts of the intellect to all that lives in a work of art that is just as living as man or any other living being. But what we may and can feel about the secrets of the soul—of that we may speak.

[ 12 ] Und jetzt stellen wir einmal vor uns hin zwei Bilder. Stellen wir das spätere europäische Bewußtsein vor unsere Seele hin, das erst jetzt in unserer Gegenwart beginnt sich aufzulösen und lechzen wird nach denjenigen Formen, die ihm in Wahrheit die Theosophie weist, wie es durch die Jahrhunderte gewirkt hat: diese europäische Seele, die Lebensrätsel empfand, wenn ihr vorgestellt wurde, wie der Mensch, der erste Mensch da stand — Mann, Weib — in unendlichem Abstand von seinem Gotte, den er fürchten mußte, hörend die verlockende Stimme einer Wesenheit, fremd der eigenen Menschenseele. Woher kommt diese Wesenheit? Was ist sie? Wie ist sie verwandt mit dem eigenen Seelischen? Kaum denkt die europäische Seele, das europäische Bewußtsein daran, sich darüber aufzuklären. Sie nimmt hin die Fremdheit des Luzifer, sie begnügt sich damit zu wissen, daß von ihm die Erkenntnis, aber auch die Verführungsstimme ausgegangen ist. Und wie tönen dann wie aus Weltenfernen heraus die Worte, die das göttliche Strafgericht verhängt nach der Verführung! Wie sind sie schon durch ihre Fassung geeignet, die Seele gar nicht dazu aufzurufen, sich zu fragen: Wo lebt das, was da draußen im Makrokosmos durch die Räume klingt, in dem eigensten intimsten Seelenleben? Man versuche empfindend das, was als der Paradiesesvorgang vorgestellt werden kann, bildlich darzustellen; man versuche zu empfinden, wie unnatürlich es wäre, die entsprechenden Gestalten, mit denen man es dabei zu tun hat, in rein menschlichen Formen darzustellen. Und jetzt versuche man sich vorzustellen, wie selbstverständlich es ist, daß da, wo von intimsten, tiefsten Seelenangelegenheiten der Griechen gesprochen wird, die menschliche Gestalt der Demeter, die menschliche Gestalt der Persephone, selbst die menschliche Gestalt des Dionysos oder des Zeus vor unseren Augen steht! Man versuche daraus zu empfinden, wie unendlich nahe der griechischen Seele dasjenige lag, was zugleich durch den Makrokosmos geht!

[ 12 ] Now let us set two pictures before ourselves. Let us picture the later European consciousness that is now beginning to free itself and that henceforth will thirst after the forms revealed by the truths of spiritual science. Let us picture this European consciousness as it has been working through the centuries, this European soul that felt the riddle of life on being told how the first human being was there (man and woman), so far removed from the God he had come to fear, and upon hearing the alluring voice of a being strange to him, to his own human soul. Whence did this being come? What is it? How is it related to man's own soul being? The European soul, the European consciousness, hardly attempts any explanation. It accepts the strangeness of Lucifer, and it suffices it to know that from Lucifer came knowledge, but also the voice of temptation. And the words decreeing the divine judgement after the temptation—how they resound as from infinite cosmic space! How little they are suited by their very setting to draw this question from the soul: “Where can I find in the most intimate life of my own soul what is resounding through the wide spaces of the macrocosm?” Try to imagine the drama of Paradise as a living picture. Try to feel inwardly how unnatural it would be to represent the figures in the drama in purely human form. On the other hand, now try to imagine how, in speaking of the deepest and most intimate concerns of the Greek soul, it is a foregone conclusion that you should have before you the human figure of Demeter, the human figure of Persephone, even that of Dionysos or of Zeus! Try from this to experience how infinitely near to the Greek soul came all that permeated the macrocosm!

[ 13 ] Es braucht nur ein Wort ausgesprochen zu werden, um das zu charakterisieren, worum es sich dabei handelt. Einfach, ganz einfach kann dieses Wort ausgesprochen sein. Man braucht nur zu sagen: Bevor durch unseren hochverehrten Edouard Schure das Mysterium von Eleusis nicht rekonstruiert war, so wie wir es jetzt sehen können, war es eben nicht da. Und jetzt haben wir es! Man braucht nur zu empfinden, was in diesen beiden Sätzen liegt, dann ist alles gesagt. Es handelt sich gegenüber dieser Sache um etwas, was meiner Empfindung nach alles triviale Aussprechen eines Dankgefühles überragt. Damit ist aber hingewiesen auf die ganze Bedeutung, welche diese Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis für das moderne spirituelle Leben hat. Dann aber mag sich auch manche Seele gestehen, daß alles, was mit diesem Mysterium von Eleusis zusammenhängt und was in bezug auf die historische Wiedererweckung der Initiationsprinzipien der verschiedenen Epochen durch denselben Autor geschehen ist, etwas ist, woraufhin bestimmt ist das Tiefste, das Intimste der europäischen Seelennatur. Und eine Verpflichtung liegt vor, eine Verpflichtung heilig ernster Art für jeden, der es aufrichtig und ernst mit dem spirituellen Leben meint, gerade diese Art hineinzutragen in das moderne Seelenleben.

[ 13 ] We can characterise this in a few words. All that we need say is that before the Eleusinian Mystery was reconstructed by Edouard Schuré it simply did not exist in the form in which we can now see it. But now we have it! We need only feel what is contained in these two statements to grasp the whole significance of the matter. This to my mind transcends all mere trivial expressions of gratitude because we have also pointed to the whole significance that this reconstruction of the Eleusinian Mystery has for modern spiritual life. All that is connected with the Mystery of Eleusis, and all that has been achieved by the author in the historical re-awakening of the principles of initiation in the various epochs, corresponds to what is deepest and most intimate in the European soul. Everyone who takes spiritual life in a sincere and earnest way is under an obligation of a sacred, serious kind to carry precisely this kind of attitude into the present life of the soul.

[ 14 ] Meine lieben Freunde! Sie können viel den Leuten draußen in der Welt sprechen von allerlei theosophischen Dingen; es kann auch sein, daß die Leute von einem solchen Sprechen befriedigt erscheinen können. Wenn man aber in die Tiefen der Seelen hineinzublikken vermag, dann weiß man, wessen die Seelen bedürftig sind, wie notwendig es ist, ihnen das zu geben, dessen sie sich vielleicht nicht bewußt sind, was sie aber in ihren tiefsten Herzensgründen wahrhaftig verlangen! Solche Gefühle waren es, die meine Seele durchdrangen, als wir am letzten Sonntag den Vorhang heruntergehen sahen nach der letzten Szene des «Mysteriums von Eleusis». Und wenn man so empfinden möchte dasjenige, was sich abgespielt hat, dann lebt in diesem Empfinden selber so viel, daß man ihm Fruchtbarkeit und Wirkenskraft für das Leben zugesteht. Und wenn wir diese Fruchtbarkeit, diese Wirksamkeit in den letzten Jahren an so manchem sahen, dann dürfen wir auch leicht hinwegkommen über manches andere, was heute nicht hierhergehört, was sich aber hemmend dieser Fruchtbarkeit, dieser Wirksamkeit entgegenstellt und vielleicht noch mehr entgegenstellen wird, als dies in den verflossenen Jahren der Fall war. Und daß ich selber etwa nicht allein dastehe mit diesem Empfinden, das konnten mich die Wochen lehren, welche unseren Münchner Aufführungen vorangingen. Sie sehen ja in den ersten Tagen, in denen Sie im Beginne unserer Münchner Zeit diesen Mysterienaufführungen gegenüberstehen, eine Anzahl der Freunde von der Bühne herab, und da Sie ja alle wohl diejenigen kennen, die Sie da sehen, so brauche ich, was ich ja wahrhaftig tun würde, hier nicht die Namen aller einzelnen Ihnen anzuführen. Aber das wohl darf ich sagen: daß wir alle, die wir hier sitzen, warmes Dankgefühl gegenüber denjenigen empfinden dürfen, die sich wochenlang mit Hingebung — denn das ist notwendig, wenn es auch oftmals nicht so aussieht —, mit Hingebung aller ihrer Kräfte widmen dem Studium und dem Durchdringen der Gestalten, die sie darzustellen haben. Und in allen denen, die Sie selber auf der Bühne sehen, lebt das Bewußtsein, daß sie Diener sind der spirituellen Welt, daß in unserer Zeit die Notwendigkeit besteht, der allgemeinen Menschenkultur spirituelle Werte zuzuführen, und daß alles versucht werden muß, um diese spirituellen Werte der allgemeinen Menschenkultur zuzuführen. Verehrung gegenüber den spirituellen Angelegenheiten läßt die Mitspielenden so manches, was die Vorbereitungen für die Aufführungen erfordern, gern ertragen. Das darf einmal gesagt werden aus dem Grunde, weil es ja mit unserer ganzen Sache zusammenhängt und weil wahrhaftig die Anstrengungen zu große sind, als daß gerade nur etwa Ehrgeiz oder Eitelkeit, sich von der Bühne herab betrachten zu lassen, die einzelnen dahin führen würde, sich zu Darstellern der betreffenden Gestalten zu machen. Mit besonderem Danke müssen wir aber derer gedenken, die sozusagen hinter den Kulissen, aber vielleicht viel sichtbarer noch als die einzelnen Darsteller, in opferwilliger, hingebungsvoller Art nun schon seit Jahren ihr Können und ihr Streben — besonders ihr Können, was noch mehr ist als ihr Streben — in den Dienst gerade dieser Sache stellen. Wir dürfen es wie eine Art inneres Karma gerade unserer Bewegung ansehen, daß wir in der Lage sind, eine Persönlichkeit zu haben, welche alles, was das Bühnenbild erfordert in bezug auf sagen wir Umhüllungen und Kleidungen, in bezug auf die Kostüme der Darsteller, wenn ich dieses triviale, mir abscheulich klingende Wort aus der allgemeinen Bühnensprache gebrauchen will, in einer solchen Weise besorgt, daß es nicht nur den Intentionen, die mir selber am Herzen liegen, entspricht, sondern auch getragen ist von wahrer Spiritualität. Wir dürfen es als ein günstiges Karma unserer Bewegung innerhalb Mitteleuropas betrachten, eine solche Persönlichkeit unter uns zu haben. Und daß dieses Karma tiefer begründet ist, das zeigt sich auch darin, daß dieselbe Persönlichkeit in so ausgezeichneter Art mitwirken konnte bei allem, was zum Beispiel für unsern «Kalender» in den letzten Monaten hat geschehen können, der ja wie alle unsere Unternehmungen dem großen Ziele dienen soll; so daß gewiß in erster Linie bei denjenigen, die nicht nur als Darsteller, sondern auch in dem Ganzen in hervorragender Weise mitwirken, der Name des Fräulein von Eckardtstein genannt werden darf. Dann darf ich mit innigstem Dankgefühl gedenken und möchte dieses Dankgefühl in Ihren Herzen mit anregen auch für unsere hingebungsvollen Maler Volckert, Linde, Haß und in diesem Jahre auch Steglich aus Kopenhagen. Ich möchte es anregen in Ihren Herzen, weil wahrhaftig etwas dazu gehört, aus den spirituellen Tiefen heraus etwas anzustreben, daß für das Auge äußerlich da ist, was uns vor der Seele steht. Und viele müssen, weil es zu viele sind, ungenannt bleiben. Ja, wenn so ein Bühnenbild dasteht, dann merkt man nicht, daß dafür — vielleicht nur für die letzte Zurichtung außerdem dasjenige, was der Maler zugerichtet hat in einem Raume, der viel größer ist als dieser Saal hier, ausgespannt sein muß und daß vierzig bis fünfzig Personen auf dem Boden herumkriechen müssen, um überhaupt das alles an Ort und Stelle zu bringen, wohin es gehört. Eine solche Verpflichtung übernehmen gern unsere Freunde; sie kriechen gern auf dem Boden herum, um alles anzunähen, was angenäht werden muß, und was dann vielleicht nur für wenige Minuten von der Bühne herab sichtbar erscheint. Warum sage ich das alles?

[ 14 ] My dear friends, you may talk a great deal with people outside in the world about all manner of things concerning anthroposophy, and some may even seem to find satisfaction in such conversation. But when one is able to look into the depths of the soul, one knows that the soul needs to be given, though perhaps unconsciously, what it truly desires in the innermost recesses of the heart. It was feelings such as these that filled my soul last Sunday when we saw the curtain fall on the last scene of the Mystery of Eleusis, and the weeks preceding our Munich performance showed me that I was not alone in these feelings. All of us sitting here may feel the warmest gratitude toward those who for weeks past have been sacrificing themselves to the work of studying and entering into the personalities they had to represent. The consciousness lives in all those whom you have actually seen on the stage that they are servants of the spiritual world, and that it is necessary in our age that every effort be made to introduce spiritual values into the general culture of mankind. Reverence for spiritual things enabled the players gladly to bear much that preparations for the performances demands. We must also remember with special thanks those who have for years been working behind the scenes, though perhaps even more visibly than the individual players. They have devoted their efforts, and especially their ability, which is more than their efforts, to the service of this particular task. We may regard it as a kind of inner karma of our movement that we are able to have among us one who provides all that the scenes require in the way of drapery and clothing for the players, and who does it all in such a manner that it is not only in keeping with the intentions that I have at heart but is also accompanied by true spirituality. We may take it as a favourable karma of our movement in Central Europe that we have such a personality among us. That this karma has a yet deeper foundation, we can see from the fact that the same person was able to co-operate so successfully in all that has been done, for instance, for our Calendar during the past months. Like all our undertakings it is to serve the great purpose. So that first among those who were able to collaborate in such an outstanding manner, not only as players but in the whole of our work, we may mention Fraulein von Eckardstein. Then I think with deepest gratitude, and I should like to evoke this gratitude in your hearts, too, of our self-sacrificing painters, Volkert, Linde, Hass and this year Steglich of Copenhagen, as well. And many must remain unnamed for they are too numerous.

[ 15 ] Vielleicht erscheint es manchem höchst unnötig, dies zu sagen. Theosophie aber besteht nicht bloß in Theorien und Prophetien. Theosophie besteht in der hingebungsvollen Opferwilligkeit für das, was unsere Zeit von uns fordert, auch dann, wenn wir unmittelbar selbst diese Forderungen nur dann erfüllen, wenn wir einmal viele Tage lang auf dem Boden herumrutschen müssen, um das in Ordnung zu bringen, was dann in uns sich beleben kann im Anblick, was lebendig sein soll in unserer Seele, damit diese Seele mit den Anforderungen der modernen Zeit fertig werden kann. Ein Gefühl dafür soll erregt werden, daß von wirklicher menschlicher Arbeit der Kern ausgeht für jenes spirituelle Leben, das der Zukunft der Menschen auch notwendig ist. Dann, wenn man solches fühlt, wird man auch immer mehr und mehr verstehen, wie zusammenwachsen müssen die Seelen derer, die sich 'Theosophen nennen wollen, in gemeinsamen, ernsten und würdigen Zielen im konkreten unmittelbaren Arbeiten. Denn wert ist vor allen Dingen das, was der einzelne tut, was der einzelne schafft, was der einzelne bereit ist, an Opfern zu bringen! Und wert ist das, was der einzelne sich erwirbt an Ertragsamkeit für Enttäuschungen. Hier an diesem Orte und in unserer mitteleuropäischen geisteswissenschaftlichen Bewegung darf es gesagt werden: Es haben diejenigen, deren Karma es ist, ein wenig sozusagen zusammenzuhalten die Fäden, die wir brauchen für die Bildung des spirituellen Kernes, wahrhaftig in den letzten Zeiten nicht wenige Enttäuschungen erlebt. Aber mag manches Wort über solche Enttäuschungen gefallen sein, eines ist noch nicht gefallen, und wir möchten es erbitten von den spirituellen Mächten, die hinter unserer Bewegung stehen und sie anfeuern, daß dieses Wort nicht zu fallen braucht, ein Wort: daß unsere lieben Mitarbeiter erlahmen möchten. Solange sie ihre Hände regen, solange sie ihre Gedanken regen, können wir uns für unsere geistige Bewegung sagen: Sie wollen! Und solange sie wollen werden, gleichgültig, ob sich das Gedeihen auf den ersten Tag zeigt oder erst nach Jahrhunderten, solange sie wollen werden, solange werden sie im rechten Sinne des Wortes Theosophen sein! Fühlen wir uns in diesem Wollen, das auch Enttäuschungen ertragen kann, in wahrer, arbeitsamer Liebe zusammen, dann werden wir arbeiten können. Dann wird daraus entspringen dasjenige, was der Menschheit in ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe notwendig ist. Mögen unsere Kräfte schwach sein, wir können keine stärkeren bringen als wir haben. Eines können wir aber; seit Monaten betonen wir dieses eine, und ich mußte in diesen Tagen dieses einen gedenken. Es gab Zwischentage zwischen unseren Aufführungen; viele unserer Freunde waren vom Morgen bis zum Abend bei den Generalproben beschäftigt. Unser lieber Dr. Unger hatte Ihnen in diesen Tagen hier in München Vorträge gehalten. Es war für mich etwas tief Erfreuliches, Beseligendes, als unser lieber Freund, der Direktor Sellin, gestern morgen zu mir kam, voller Begeisterung über diese beiden Vorträge des Dr. Unger, und mir hinter den Kulissen das Wort sagte: «Eine Bewegung, die solche begeisterte Vertreter vor der Öffentlichkeit hat, geht nicht zugrunde!» Denn worüber darf ich mich selber gestatten Sie mir dieses aufrichtige, ehrliche Wort — am allermeisten freuen, wenn gerade so etwas vorkommen kann? Ich kann mich am meisten freuen über die selbständige Kraft, über die durchaus selbständige Art, wie hier eine Menschenpersönlichkeit aus sich heraus, frei, ohne sich unmittelbar nur an dasjenige zu halten, was ich selber aussprechen kann, die Sache aus sich heraus nach ihren eigenen Fähigkeiten begründet! Wer selbst selbständig wirken will, wird nichts freudiger, aufrichtiger begrüßen, als wenn eine selbständige Persönlichkeit neben ihm Schulter an Schulter steht und dasjenige gibt, was sie zu geben in der Lage ist, nachdem sie erkannt hat, daß es sich zum Ganzen fügen kann. Eine Festesfreude war es mir, als Direktor Sellin kam und — ich möchte sagen wie aus kindlichem Herzen heraus, denn es stellte sich so dar — seine volle Begeisterung aussprach über das, was er gehört hatte. Ich darf es Ihnen sagen und weiß, daß es mir doch eine große Anzahl glauben werden, daß ich die innigste Freude habe über solche Selbständigkeit, über ein solches individuelles Wirken, und daß dies die Wahrheit ist. Wenige Zeiten vorher bekam ich einen Brief, der ungefähr sagte, daß es notwendig wäre, mancherlei zu tun innerhalb der deutschen theosophischen Bewegung, weil ja doch sonst niemand zu Worte komme als der, welcher wortgetreu das nachsprechen mag, was ich selbst sage. So ist oftmals die Darstellung draußen in der Welt von dem, was die Wahrheit ist! Nicht Kritik soll geübt werden an einem solchen Wort, das objektiv eine Unrichtigkeit im straffsten Sinne des Wortes enthält, auch nicht ein Tadel oder eine Strafe soll darin liegen. Man kann nur Mitleid haben mit einem solchen Wort. Aber das andere, was für uns positiv sein kann, muß immer wieder und wieder betont werden: Fühlen wir uns verpflichtet zur Wahrhaftigkeit, zur Prüfung dessen, was ist! Und fühlen wir es uns verboten, über irgend etwas zu sprechen, bevor wir es kennengelernt haben, bevor wir auf dasselbe eingegangen sind! Sonst gibt es keinen Segen in einer okkulten Entwickelung, in einer okkulten Bestrebung. Wahrheit und Wahrhaftigkeit — das ist oberstes Gesetz. Was nützen alle Prophetien, was nützen alle Charakteristiken übersinnlicher Tatsachen, wenn sie nicht getaucht sind in das Bad ehrlichster, aufrichtigster Wahrhaftigkeit! Sie mögen manches von dem Orte, von dem ich zu Ihnen sprechen darf, an diesen oder jenen geisteswissenschaftlichen Wahrheiten entgegennehmen; am allerliebsten ist es mir aber, wenn Sie hier dieses Wort entgegennehmen, daß es mein eigenstes, innerstes Bestreben Ihnen gegenüber immer sein wird, über nichts zu sprechen, als worüber ich sprechen darf im Sinne ehrlichster Wahrhaftigkeit, und daß ich den Segen einer okkulten Bewegung in nichts anderem sehen kann als in dem Sich-Verpflichtetfühlen zur Wahrhaftigkeit! Mag es unseren Wünschen zuwider sein, mag es entgegen sein dem, was unser Ehrgeiz, unsere Eitelkeit verlangen, mag es manchem in unserer Seele zuwider sein, mag es uns zuwider sein, irgendeiner Autorität uns zu unterwerfen — das kann richtig sein. Einer Autorität sollen wir uns freiwillig und willig unterwerfen: der Autorität der Wahrhaftigkeit, so daß alles, was wir leisten können - nicht nur in dem, was wir sagen, sondern auch in dem, was wir tun, was wir im einzelnen tun - durchdrungen sei von Wahrhaftigkeit. Das suchen Sie auch in dem, was wir in unseren theosophisch-künstlerischen Bestrebungen vor Ihre Augen stellten. Versuchen Sie es zu finden, und vielleicht werden Sie sehen, daß wir auch manches nicht erreichten, aber eines werden Sie sehen: daß es unser Bestreben ist, das, was wir tun, zu tauchen in die Sphäre und in die Atmosphäre der Wahrhaftigkeit, daß wir es uns verbieten, von Toleranz zu sprechen, wenn diese Toleranz nicht auch wahrhaftig da ist, wenn wir sie nicht auch wahrhaftig üben. Denn das, daß man den andern intolerant nennt, macht die Toleranz nicht aus; daß man etwas anderes von jemandem erzählt, als er vertritt, das macht die Toleranz nicht aus; daß man immer betont, man sei tolerant, das macht die Toleranz nicht aus. Wenn man aber wahrhaftig ist, dann kennt man seinen Wert, dann weiß man auch, wie weit man gehen darf. Und ist man ein Diener der Wahrhaftigkeit, dann ist man selbstverständlich tolerant.

[ 15 ] My dear friends, anthroposophy does not consist merely in theories and prophecies. It consists in the will to sacrifice oneself for the demands of the present age. A feeling for this ought to be awakened so that by real human work the seed may be planted for the spiritual life that is so necessary for the future of mankind. If such is our feeling, we shall understand better and better how those who would call themselves anthroposophists must grow together in the concrete and immediate working together toward worthy and serious aims. First in value is what the individual does, what the individual creates and all that he is prepared to bring as his own offering. Here, perhaps, I may speak of the following. There were free days between our performances when many of our friends were busy rehearsing from morning to night, and on those days Dr. Unger gave lectures here in Munich. It was a source of deep satisfaction to me when our good managing director, Sellin, came to me behind the scenes yesterday morning full of enthusiasm for Dr. Unger's two lectures with the remark, “A movement with such inspired representatives does not come to naught.” What is it that gives me such great pleasure in such an occurrence? Allow me to say this quite honestly and sincerely. It is the independent force, the absolutely independent way in which a human personality is here presenting the matter out of himself, quite freely, by means of his own faculties, without limiting himself to what I myself would say. To one who himself wishes to work independently, nothing can give truer joy than to find someone else who is independent, shoulder to shoulder with him, giving out according to his own ability once he has recognised that it fits into the whole. A short while ago I received a letter practically saying that much needed to be done within the German anthroposophical movement if anyone was ever to do anything but repeat quite literally what has been said by me. The way truth is represented out in the world is often like that. I do not want to criticise this remark that objectively contains what is untrue in the strictest sense of the word. I do not mention it in order to blame or condemn. But the other side, which is for us the positive side, must be repeatedly emphasised. Let us feel bound to truthfulness, to the testing of what is. Let us feel that we must never speak of any matter until we have learned about it, until we have gone into it. Otherwise, there can be no blessing in occult development, in occult striving. Truth and truthfulness! That is the first and foremost law. What is the good of any prophet, of any description of super-sensible facts, if they are not permeated by honest and sincere truthfulness. From the place from which I speak to you, it may be that you will accept many things that I have to say, but it will please me best if you accept them out of the conviction that it will always be my own deepest endeavour toward you to make no statements except those that can be made with the most candid truthfulness, since I can see no blessing for any occult movement unless one is dedicated to the truth! It may be contrary to what we desire, contrary to the demands of our ambition or our vanity, contrary to many other things in our soul; it may be against the grain to submit ourselves to any kind of authority, but all the same it may be right. For there is one authority to which we should submit ourselves willingly and of our own free will, and that is the authority of truth, so that all we can achieve, not only in what we say but also in what we do, in all our individual deeds, may be permeated by truthfulness. You must also look for that truthfulness in what is put before you in our anthroposophical artistic and dramatic efforts. Try to find it, and although you may realise that there are some things we have failed to attain, you will see that we have striven to permeate all that we do by an atmosphere of truthfulness. We have tried never to let ourselves speak of “tolerance” if tolerance is not really there and if we do not really practice it. Calling others intolerant does not constitute tolerance; to relate something of someone that is not what he represents does not constitute tolerance; to stress continually that one should “be tolerant” does not constitute tolerance. But if one is truthful one knows one's own value and how far one may go. If we are servants of the truth, it will follow as a matter of course that we shall be tolerant.

[ 16 ] In einleitender Weise durften wohl auch solche Worte gesprochen werden, obwohl es sonst nicht meine Art ist, auf allerlei Mahnungen und Ermahnungen einzugehen. Aber wie sollten denn nicht gerade bei einer solchen Gelegenheit diese Worte sich dem Herzen loslösen, die aufmerksam machen möchten, wie wir aus innig verwandtem Impuls heraus in der Lage waren, diese Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis in gewisser Beziehung immer wieder und wieder zu etwas zu machen, woran wir anknüpfen. Wir wollten zu den europäischen Seelen ehrlich und aufrichtig, wahrhaftig sein und wollten im Sinne der Wahrhaftigkeit suchen, wonach die europäische Seele lechzt. Was oftmals das Tiefste ist, erkundet sich zuletzt in den einfachsten Worten, formuliert sich zuletzt in den einfachsten Worten. Lernen wir aus ehrlicher, aufrichtiger Überzeugung von dem, was der Zeit not tut, erkennen, was es für eine Tat war, aus den dunklen Geistestiefen heraus, die gerade dann beginnen, wenn wir vom Römertum ins Griechentum kommen, dieses Mysterium von Eleusis wiederzuerschaffen. Fühlen wir, was es heißt: Bevor das Mysterium von Eleusis durch unsern hochverehrten Edouard Schuré nicht geschaffen war, war es nicht da, und jetzt ist es da! Wir haben es und dürfen auf es bauen, und damit auf die alleinige Art, wie wahrhaftiges Griechentum vor unsere Seele hintreten kann, daß sie darauf hinschauen kann. Wenn wir das empfinden, fühlen wir die Bedeutung dessen - womit wir diese unsere Münchner Unternehmungen eröffnen dürfen - in diesem Jahre wie im vorigen. Dann dürfen wir es jeder einzelnen hier befindlichen Seele überlassen, mit welcher Herzlichkeit - von der ich sicher bin, daß sie bei vielen eine innige sein wird - sie der Gedanke erfüllt, daß der Schöpfer dieser Rekonstruktion des Mysteriums von Eleusis unter uns gerade während dieser Münchner Zeit weilt.

[ 16 ] We may well speak of these things by way of introduction, although it is not generally my custom to enter into all manner of warnings and admonitions. But, on such an occasion as this, how could these words not flow forth from the heart, these words that would point out how, from an inwardly associated impulse, we were able gradually to make this reconstruction of the Mystery of Eleusis in a certain respect into something from which we may start. We wished to be open and honest with European souls, we wished to be truthful, seeking with a sense of truthfulness for what the European soul is thirsting. The deepest thoughts are often revealed in the simplest words, formulated in the simplest language. Let us learn, with an honest and sincere conviction of the needs of our age, to recognise what a deed it was to recreate the Eleusinian Mystery out of the dark spiritual depths, which begin just at the point where we go back from ancient Rome to ancient Greece. We may then leave it to each individual soul here present to rejoice in the thought as I am sure many will, very deeply—that the creator of this reconstruction of the Mystery of Eleusis is with us during our time in Munich.