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Initiation from Eternity and the Present
GA 138

28 August 1912, Munich

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Wir brauchen, um zu den Aufgaben dieses kurzen Vortragszyklus zu kommen, solche Vorstellungen, wie wir sie gestern gewonnen haben, und noch einige, die wir eben haben müssen, wenn wir charakterisieren wollen, was vorgestern in dem programmatischen Vortrage angedeutet worden ist.

[ 1 ] To address the objectives of this short lecture series, we need mental images such as those we gained yesterday, as well as a few others that we simply must have if we are to characterize what was hinted at the day before yesterday in the programmatic lecture.

[ 2 ] Sie werden finden, daß überall, wo in der Literatur oder sonstwo von der Initiation gesprochen wird, irgendwie jenes Rätsel berührt wird, das allem Menschlichen so naheliegt: das Rätsel vom Tode. Und Sie werden finden, daß in alledem, was man Berichte nennen könnte, darauf hingewiesen wird, daß der zu Initiserende auf einer gewissen Stufe so etwas in einer etwas anderen Form durchzumachen hat, wie der Durchgang durch die Pforte des Todes es eben ist. Diese Berichte beruhen für den Okkultisten tatsächlich auf Wahrheit. Denn die Erfahrungen, die beim Aufstieg in die geistigen Welten durchzumachen sind, berühren sich mit denselben Erfahrungen, die der Mensch durchzumachen hat beim naturgemäßen Übergange vom Leben im Sinnenleibe zu jenem andersartigen Leben, das in einer ganz anderen Umhüllung stattfindet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn man so recht herankommen will an dasjenige, um was es sich dabei handelt, muß man zuerst fragen: Als was weiß sich denn eigentlich der Mensch im gewöhnlichen Leben? Es ist vielleicht nicht gerade interessant, eine so abstrakte Frage aufzuwerfen, aber zum Verständnis des Initiationsvorganges ist es schon notwendig, diese Frage ins Auge zu fassen: Als was weiß sich denn die Seele?

[ 2 ] You will find that wherever initiation is discussed in literature or elsewhere, the mystery that is so close to everything human is touched upon in some way: the mystery of death. And you will find that in all that might be called accounts, it is pointed out that the initiate, at a certain stage, must undergo something in a somewhat different form than the passage through the gate of death itself. For the occultist, these accounts are indeed based on truth. For the experiences to be undergone during the ascent into the spiritual worlds touch upon the very same experiences that a human being must undergo during the natural transition from life in the physical body to that different kind of life that takes place in a completely different form between death and a new birth. If one wishes to truly grasp what is at stake here, one must first ask: What does the human being actually perceive itself to be in ordinary life? It may not be particularly interesting to raise such an abstract question, but to understand the process of initiation, it is necessary to consider this question: What does the soul perceive itself to be?

[ 3 ] Was sie während des Schlafes ist, das weiß ja die Seele nicht, denn entweder verläuft der Schlaf in Bewußtlosigkeit, oder aber es spielen in den Schlaf herein Träume, die ja erst durch den Okkultismus gedeutet werden müssen, wenn man sie in der richtigen Weise verstehen will. Bei der Frage: Was ist sich der Mensch, was ist seine Seele im gewöhnlichen Sinnensein? — kann also doch nur die Frage des Tageslebens in Betracht kommen. Nun wissen wir, daß zunächst jene Tore da sind, welche wir unsere Sinnesorgane nennen, durch welche die Farben- und Lichtwelt, die Tonwelt, die Geruchwelt, Wärme und Kälte und so weiter in unsere Seele hereinströmen, und was wir im Sinnensein unsere Welt nennen, ist ja im Grunde genommen nur eine Zusammenfassung alles dessen, was eben durch die Tore unserer Sinne einströmt. Dann haben wir das Instrument unseres Verstandes, unserer Empfindungen, unseres Wollens; mit dem verarbeiten wir, was in der äußeren Welt uns entgegentritt. Es treten in unserer Seele auf Begierden, Wünsche, Strebungen, Befriedigungen, Unbefriedigungen, Beseligungen, Enttäuschungen und so weiter, und wenn wir den ganzen Umfang dessen, als was sich der Mensch weiß, eigentlich ins Auge fassen, so ist es alles dieses. Wenn man für das gewöhnliche Leben erkennen will, was Innenwelt ist, so kann man eigentlich nichts anderes anführen als die Summe dessen, was jetzt charakterisiert worden ist. Dabei kann sich der Mensch auch von außen betrachten. Er kann seinen Leib betrachten. Er wird sich durch die mannigfaltigsten Tatsachen, die jetzt nicht im einzelnen ausgeführt zu werden brauchen, bewußt, daß er seinen Leib als sein Werkzeug für das wache Tagesleben während des Lebens zwischen Geburt und Tod anzusehen hat. Es spielen in dieses Leben Sehnsüchte herein, die wir schon berührt haben; es spielt herein die Sehnsucht zu wissen, was der Mensch eigentlich innerhalb der Grenzen von Geburt und Tod ist, die Sehnsucht herauszukommen aus dem, was man das Lebensdunkel nennen könnte. Aber darüber hinaus hat eben der Mensch zunächst nichts, hat zunächst nicht im gewöhnlichen Sinnensein Erlebnisse. Seine Erlebnisse sind eben so, daß die auf- und ablaufenden Triebe, Begierden, Sinnesempfindungen, Vorstellungen, Verstandeskombinationen und so weiter das wache Tagesleben erfüllen. Knüpfen wir nun daran dasjenige an, was uns am Schlusse unseres gestrigen Vortrages entgegengetreten ist.

[ 3 ] The soul does not know what it is during sleep, for either sleep occurs in a state of unconsciousness, or dreams intrude upon it—dreams that must first be interpreted through occultism if one wishes to understand them properly. When asking: What is a human being, what is their soul in ordinary sensory existence? — only the question of daily life can be considered. Now we know that there are, first of all, those gateways we call our sense organs, through which the world of colors and light, the world of sound, the world of smell, warmth and cold, and so on, flow into our soul; and what we call our world in sensory life is, after all, merely a summary of everything that flows in through the gateways of our senses. Then we have the instrument of our intellect, our feelings, and our will; with these we process what confronts us in the outer world. Desires, wishes, aspirations, satisfactions, dissatisfactions, joys, disappointments, and so on arise in our soul, and when we actually take in the full scope of what a human being knows of themselves, it is all of this. If one wishes to recognize, in the context of ordinary life, what the inner world is, one can actually cite nothing other than the sum of what has now been characterized. In doing so, a person can also observe themselves from the outside. They can observe their body. Through the most varied facts—which need not be elaborated upon in detail here—they become aware that they must regard their body as their instrument for waking daily life during the span between birth and death. Longings that we have already touched upon play a role in this life; the longing to know what a human being actually is within the bounds of birth and death plays a role, as does the longing to emerge from what one might call the darkness of life. But beyond that, a human being has nothing at first, has no experiences in the ordinary sense of perception. His experiences are such that the rising and falling drives, desires, sensory perceptions, mental images, intellectual combinations, and so on fill waking daily life. Let us now connect this to what we encountered at the end of yesterday’s lecture.

[ 4 ] Wir haben darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch, wenn er an die Grenze zwischen Sinnensein und Geistessein kommt, seine Vorstellungen ändern muß, wie er zurücklassen muß, was er gedacht hat über häßlich und schön, über wahr und falsch, über gut und böse, weil diese Begriffe eine ganz andere Bedeutung und einen nach ganz anderen Richtungen hin gehenden Wert erhalten, wenn man die geistigen Welten betritt. Daraus schon können wir eine Idee bekommen, wie wir uns wandeln müssen, wenn wir in die geistigen Welten eintreten wollen. Nun, nachdem wir beobachtet haben, als was sich der Mensch weiß im wachen Tagesleben zwischen Geburt und Tod, können wir uns mit Beziehung auf das gestern Gesagte einmal fragen: Was kann der Mensch von alledem, als was er sich so weiß, mitnehmen über die Grenze, wo der Hüter der Schwelle steht? Was kann er von allem, was er an Trieben, Begierden und Leidenschaften im Sinnensein erlebt und erfährt, von seinen Empfindungen und Vorstellungen, von Verstandesbegriffen und Urteilen, die er durchmacht, mit hinübernehmen über die Grenze, wo der Hüter der Schwelle steht? — Ja, es gehört zu den ersten Schritten der Initiation, daß der Mensch erfährt: von alledem, was man so anführen kann, was man selber ist, kann man gar nichts mitnehmen! Und es ist nicht etwa übertrieben oder paradox gesprochen, sondern wörtlich wahr gesprochen, wenn man sagt: Von allem, worüber man eigentlich im Sinnensein reden kann, kann man gar nichts in die geistige Welt mit hinübernehmen, sondern man muß alles zurücklassen an der Grenze, an welcher der Hüter der Schwelle steht.

[ 4 ] We have pointed out how, when a person reaches the boundary between the sensory realm and the spiritual realm, they must change their mental images; how they must leave behind what they have thought about ugly and beautiful, about true and false, about good and evil, because these concepts take on a completely different meaning and a value pointing in entirely different directions when one enters the spiritual worlds. From this alone we can gain an idea of how we must transform ourselves if we wish to enter the spiritual worlds. Now, having observed what a human being knows of themselves in waking daily life between birth and death, we can ask ourselves, in relation to what was said yesterday: What can a human being take with them across the threshold where the Guardian of the Threshold stands, of all that they know of themselves? What can they take with them across the threshold where the Guardian of the Threshold stands—of all the drives, desires, and passions they experience in their sensory existence, of their feelings and mental images, of the intellectual concepts and judgments they go through? — Yes, it is one of the first steps of initiation that a person learns: of all that one can cite as constituting one’s own being, one can take absolutely nothing with them! And it is not an exaggeration or a paradox, but a literal truth, when one says: Of everything one can actually speak of in the sensory realm, one can take absolutely nothing with one into the spiritual world; rather, one must leave everything behind at the threshold where the Guardian of the Threshold stands.

[ 5 ] Aber machen Sie sich nunmehr eines klar: An alledem, was man da als sich weiß im Sinnensein, haftet doch eines, ein höchst Erhebliches daran, und zwar wirklich das, worauf es ankommt bei den Schritten der Initiation. Es haftet daran, daß man das liebt und gern hat und daß man gar nicht einmal auskommt, wenn man den gewöhnlichen, etwas unsympathischen Begriff des Egoismus darauf anwendet. Dadurch ist man nicht fertig, daß man sagt: Der Mensch soll seinen Egoismus ablegen, dann wird er selbstlos hinüberkommen in die Region der geistigen Welt. Das ist, wenn man trivial sprechen darf, leicht gesagt. Aber dieser Egoismus ist in den geheimeren, feineren Gliederungen seines Wesens innig zusammenhängend mit dem, was wir nicht nur egoistisch für wertvoll halten im Leben, sondern für wertvoll halten müssen, weil wir dadurch Mensch sind in der Welt, in der wir uns aufzuhalten haben. Wir sind Menschen dadurch, daß wir zusammenhalten können, was wir erfahren, und daß wir in einer gewissen Weise darüber denken können, daß wir erleben können. Durch das alles sind wir die Menschen, die wir sind. Und was wir Tüchtiges leisten können im gewöhnlichen Sinnensein, leisten wir dadurch, daß wir wertschätzen unsere Fähigkeit, zusammenzuhalten in unserer Persönlichkeit, in unserer Individualität, was wir erleben. Und würden wir das nicht wertschätzen, was wir erleben, so würden wir Faulenzer oder träge Menschen im Leben werden und nichts für die gewöhnliche Welt erreichen. Es wäre daher oberflächlich, zu sagen: Der Egoismus ist unter allen Umständen als etwas Schädliches anzusehen. Denn in seiner feineren Gliederung bedeutet er die Kraft, welche den Menschen vorwärtstreibt in der Welt, in der er nun einmal inkarniert ist. Und dennoch: es muß das alles abgelegt werden, es muß zurückbleiben, muß aus dem einfachen Grunde zurückbleiben, weil es ungeeignet ist für die Welt, die wir betreten müssen. Wie unser Sinnenleib ungeeignet ist für ein Eisenbad von 900°C, so ist das, was wir unser Selbst nennen, mit dem, was wir lieben in der gewöhnlichen Welt, ungeeignet in der geistigen Welt. Und man muß es aus dem Grunde zurücklassen, weil einem etwas Ähnliches passieren würde, wie unserm sinnlichen Leib passieren würde, wenn wir uns in ein Eisenbad von 900°C hineinstürzen würden: wir würden keinen Aufenthalt darin haben können, würden darin zugrunde gehen.

[ 5 ] But let me make one thing clear to you: In all that one experiences as one’s own consciousness, there is one thing that is of the utmost importance—and indeed, it is precisely what matters most in the stages of initiation. What is attached to it is that one loves and cherishes it, and that one cannot even begin to address it by applying the ordinary, somewhat unsympathetic concept of egoism. It is not enough to say: “A person must cast off their egoism, and then they will enter the realm of the spiritual world selflessly.” That is, if one may speak trivially, easier said than done. But this egoism is, in the more secret, finer structures of one’s being, intimately connected with what we not only consider valuable in life out of egoism, but must consider valuable because it is through this that we are human beings in the world in which we must live. We are human beings because we can hold together what we experience and because we can, in a certain way, reflect on the fact that we are able to experience. Through all of this, we are the human beings we are. And whatever we are able to accomplish in ordinary life, we accomplish by valuing our ability to hold together within our personality, within our individuality, what we experience. And if we did not value what we experience, we would become idlers or sluggish people in life and achieve nothing for the ordinary world. It would therefore be superficial to say: Egoism must be regarded as something harmful under all circumstances. For in its finer structure, it signifies the force that drives the human being forward in the world in which he is now incarnated. And yet: all of this must be cast aside; it must be left behind, must be left behind for the simple reason that it is unsuitable for the world we must enter. Just as our physical body is unsuitable for an iron bath at 900°C, so too is what we call our self—along with what we love in the ordinary world—unsuitable for the spiritual world. And one must leave it behind for this reason: because something similar would happen to us as would happen to our physical body if we were to plunge into a bath of molten iron at 900°C—we would not be able to remain in it, we would perish within it.

[ 6 ] Nun wird Ihnen ein Gedanke auftauchen, der ganz selbstverständlich ist, der nur in seiner Tiefe erfaßt und erfühlt werden muß, der Gedanke: Wenn ich nun alles ablege, was ich bin, wovon man überhaupt reden kann im Sinnensein, was bleibt mir denn dann eigentlich? Kann ich denn dann noch selber hineingehen in die geistige Welt, wenn ich mich zuerst ablegen muß? — Das ist es, daß der Mensch nichts von dem, wovon er weiß, daß er es ist, in die übersinnlichen Welten hinein mitnehmen kann, und daß alles, was er in diese Welten hinein mitnehmen kann, etwas ist, wovon er nichts weiß in der gewöhnlichen Welt. Das sind die verborgenen, in den Untergründen der Seele liegenden Daseinselemente, die in dem Menschen drinnenstecken, von denen er nichts weiß. Und die müssen so stark sein, daß der Mensch aus dem, wovon er nichts weiß, in die geistigen Welten das Nötige hineinbringt, wenn er alles das, wovon er weiß, draußen ablegen muß. Um den Gedanken, oder besser gesagt, die Empfindung recht gründlich zu erfassen, verbinden Sie das, was eben gesagt worden ist, mit dem gewöhnlichen Todesgedanken. Es ist nur selbstverständlich für das gewöhnliche Sinnesleben, daß der Mensch alles das, als was er sich bezeichnen kann, liebt. Und weil er nichts weiter von sich weiß, so hat er bei der Unsterblichkeitssehnsucht die Sehnsucht, das zu behalten, was er im Sinnensein liebt. Deshalb kann der Schauer so groß werden und es kann eine Furchterfülltheit eintreten vor der geistigen Welt, weil der Gedanke auftauchen muß: Du gehst in ein wesenloses Unbestimmtes hinein, du weißt nicht, ob du dich darinnen bewahren kannst, denn das, wovon du weißt, geht dir verloren!

[ 6 ] Now a thought will occur to you that is quite natural, one that simply needs to be grasped and felt in its depth: If I were to lay aside everything that I am—everything that can even be spoken of in terms of sentient existence—what would actually remain for me? Can I still enter the spiritual world myself if I must first shed myself? — This is precisely why a human being cannot take anything of what they know themselves to be into the supersensible worlds, and why everything they can take into these worlds is something of which they know nothing in the ordinary world. These are the hidden elements of existence lying in the depths of the soul, which are within the human being, of which he knows nothing. And these must be so strong that the human being brings into the spiritual worlds what is necessary from that of which he knows nothing, when he must lay aside everything of which he is aware. To grasp this thought—or rather, this feeling—thoroughly, connect what has just been said with the ordinary idea of death. It is only natural for ordinary sensory life that a person loves everything that defines who they are. And because they know nothing more about themselves, their longing for immortality is a longing to retain what they love in their sensory existence. That is why the dread can become so great and a sense of fear can arise toward the spiritual world, because the thought must arise: You are entering into a formless, indeterminate realm; you do not know whether you can preserve yourself within it, for that which you know is lost to you!

[ 7 ] Nun gehört es zur Initiation, daß das, was in den verborgenen Untergründen der Seele liegt an Daseinselementen, schon während des Sinneslebens heraufgeholt und zum Bewußtsein gebracht wird. Das geschieht zum Teil durch die Mittel, welche geschildert sind in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», indem aus den Untergründen der Seele Erlebnisse ins Bewußtsein heraufgehoben werden, die gleichsam als ein verdichtetes, verstärktes Seelenleben herauskommen. Und dieses verdichtete, verstärkte Seelenleben, wovon man sonst nichts weiß, kann hinübergehen in die geistige Welt. Daher bereitet man sich durch Meditationen, Konzentrationen, durch das, was im «Hüter der Schwelle» genannt ist das «gedankenkräftige Verhalten der Seele», darauf vor, etwas mit hinüberzunehmen in die geistige Welt, etwas dort drüben sein zu können. Was geschieht denn aber mit dem, was man abgelegt hat?

[ 7 ] Now, part of the initiation process involves bringing up to consciousness, even during the life of the senses, those elements of existence that lie hidden in the depths of the soul. This occurs in part through the methods described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, whereby experiences are raised from the depths of the soul into consciousness, emerging, as it were, as a condensed, intensified soul life. And this condensed, intensified soul life, of which one otherwise knows nothing, can pass over into the spiritual world. Therefore, through meditation, concentration, and what is called in The Guardian of the Threshold the “thought-filled conduct of the soul,” one prepares oneself to take something with one into the spiritual world, to be able to be something there. But what happens to what one has left behind?

[ 8 ] Das ist nun etwas außerordentlich Wichtiges. Zunächst könnte man, wenn man bildhaft, anschaulich schildert, wirklich sagen: Das, wovon man reden kann im Sinnensein, wovon man weiß, das legt man an der Grenze beim Hüter der Schwelle ab, wie wenn man seine Kleider ausziehen und ohne Kleider hinübergehen würde in bezug auf alles Seelische in die geistige Welt. Bildhaft ist das ganz richtig gesprochen. Aber die Initiation macht es notwendig, daß nicht bloß dies geschieht, sondern daß noch etwas anderes geschieht: daß man zwar sein Selbst und alles, was an einem ist, ablegt, aber doch etwas davon mitnimmt, sonst verliert man nämlich allen Zusammenhang mit dem Sein, von dem man einzig und allein früher gewußt hat. Also man muß doch etwas mitnehmen! Wir stehen hier vor einem Widerspruch, der allerdings ein sehr leicht lösbarer ist: daß wir alles zurücklassen sollen und doch von dem Zurückgelassenen etwas mitnehmen sollen. Sie werden es leicht verstehen, wenn ich es vergleiche mit einer Erscheinung des gewöhnlichen Lebens, was es der Seele ist, wenn sie diesen Vorgang durchmacht. Es gibt im Leben auch einen ähnlichen Vorgang, den wir mit diesem anderen, obwohl er viel empfindungskräftiger, viel vehementer ist, vergleichen können. Das ist der Vorgang, wenn wir uns an etwas erinnern, was wir im Leben erlebt haben. Was Sie gestern erlebt haben, das haben Sie zurückgelassen, aber Sie haben es in der Erinnerung mit sich genommen. Darauf kommt es an, daß man sich durch die vorhergehenden Meditationen, Konzentrationen und so weiter bereitgemacht hat, daß man, wenn man über die Schwelle in die geistigen Welten hinüberkommt, die Kraft hat, in einer übersinnlichen Erinnerung festzuhalten, was man zurückgelassen hat. Ist man nicht in der entsprechenden Weise vorbereitet, so hat man diese Kraft nicht, um sich daran zu erinnern. Dann ist man aber für sein Bewußtsein ein Nichts, weil man nichts weiß von sich. Das ist es, daß man sich durch übersinnliche Erinnerung, wenn man in der geistigen Welt drinnensteht, an das erinnert, was man zurückgelassen hat. Sonst kann man nichts mitnehmen als diese Erinnerungen, und daß man sie mitnimmt, das bewahrt einem das, was man nennen könnte die Kontinuität, die Erhaltung des Selbstes. Auch im gewöhnlichen Leben geht einem der Zusammenhang des Bewußtseins und damit das eigentliche Selbst verloren, wenn man Dinge, an die man sich erinnern sollte — sagen wir vieles in unserem Leben —, einfach auslöschen muß aus seinem Bewußtsein und krankhaft vergessen hat. An der fortlaufenden Erinnerung hängt vieles im gewöhnlichen Leben. An der Erinnerung im übersinnlichen Leben — die Erinnerung an das gewöhnliche Leben zu bewahren — hängt alles, was die ersten Schritte der Initiation möglich macht. Diese Erinnerung ist eben möglich, und sie tritt durch die Initiation ein, und von ihr aus können Sie wieder den Faden hinüberziehen nach dem Rätsel des Todes. Wenn der Mensch durch den Tod hindurchgeht, so hat er zwar nicht dieselben Kräfte, die er durch die Initiation erwirbt, aber in gewisser Weise bekommt er Kräfte, wenn er seinen Leib ablegt, indem ihm andere Wesen der übersinnlichen Welt helfen. Er bekommt die Möglichkeit, die Erinnerung für das zu bewahren, was er vergessen hat, indem er seinen Leib abgelegt hat. Und jetzt haben Sie im Realen die Möglichkeit, sich auf die Frage zu antworten: Was bleibt von meinen Seelenerlebnissen, wenn ich durch die Pforte des Todes durchgegangen bin, wie lebt die Seele weiter? Das ist die allerwichtigste Frage. Und Sie haben durch die Erfahrung der Initiierten die Antwort: Die Seele lebt weiter, weil in den tiefen, verborgenen Untergründen der Seele Kräfte sind, die in der Erinnerung festhalten können, was erlebt ist. Unsterblich sein heißt, die Kraft haben, in der Erinnerung das abgelebte, das vergangene Dasein bewahren zu können. Das ist die eigentliche Definition der menschlichen Unsterblichkeit. Durch die Initiation wird der Beweis erbracht, der Erfahrungsbeweis, daß im Menschen Kräfte leben, die [ermöglichen, sich] nach Ablegung des sinnlichen Leibes erinnern [zu] können an alles, was der Mensch im Sinnensein und überhaupt erlebt hat. So bewahrt sich der Mensch selbst durch die Zukunft hindurch, so erlebt er sein früheres Sein als Erinnerungen im zukünftigen Sein. Fühlen Sie die ganze Gewalt des Gedankens, der sich durch die Initiation ergibt und der ausgesprochen werden konnte in den Worten: Das Menschenwesen ist von solcher Art, daß es durch die Kräfte der übersinnlichen Erinnerung sein eigenes Wesen durch zukünftige Zeiten trägt. Wenn Sie diesen Gedanken fühlen, in die Leerheit des Weltenalls hinein ihn fühlen so, daß Sie sich vorstellen die sich selbst durch die Ewigkeiten tragende Seele, dann haben Sie eine viel bessere Definition dessen, was man eine Monade nennt, als sie durch irgendwelche philosophische Begriffe gegeben werden könnte. Denn dann fühlen Sie, was eine Monade, ein in sich geschlossenes, sich selber tragendes Wesen ist. Über diese Dinge sind denn doch nur Vorstellungen zu gewinnen durch die Erfahrungen der Initiation.

[ 8 ] This is something of extraordinary importance. To begin with, if one were to describe it vividly and figuratively, one could truly say: whatever one can speak of in the realm of the senses, whatever one knows, one leaves behind at the threshold with the Guardian of the Threshold, as if one were to take off one’s clothes and cross over into the spiritual world—in regard to everything soul-related—without them. Figuratively speaking, this is quite correct. But initiation makes it necessary that not only this happens, but that something else happens as well: that while one lays aside one’s self and everything that is part of oneself, one nevertheless takes something of it with one; otherwise, one loses all connection with the being of which one previously knew only and exclusively. So one must take something with one after all! We are faced here with a contradiction, which is, however, a very easily resolvable one: that we are to leave everything behind and yet take something of what is left behind with us. You will easily understand it if I compare what it is for the soul when it goes through this process to a phenomenon of ordinary life. There is also a similar process in life that we can compare to this other one, although it is much more intense, much more vehement. This is the process when we recall something we have experienced in life. What you experienced yesterday, you have left behind, but you have taken it with you in your memory. What matters is that through the preceding meditations, concentrations, and so on, one has prepared oneself so that, when crossing the threshold into the spiritual worlds, one has the power to hold fast in a supersensory memory what one has left behind. If one is not prepared in the appropriate way, one does not have this power to remember it. Then, however, one is a nothing in terms of one’s consciousness, because one knows nothing of oneself. This is what it means: that through supersensible memory, when one is within the spiritual world, one recalls what one has left behind. Otherwise, one can take nothing with one except these memories, and the fact that one takes them with one preserves what one might call the continuity, the preservation of the self. Even in ordinary life, the coherence of consciousness—and with it the true self—is lost when one must simply erase from one’s consciousness things one ought to remember—let us say, much of one’s life—and has pathologically forgotten them. Much in ordinary life depends on continuous memory. Everything that makes the first steps of initiation possible depends on memory in the supersensible life—the preservation of the memory of ordinary life. This memory is indeed possible, and it comes about through initiation, and from it you can once again draw the thread across to the mystery of death. When a person passes through death, they do not possess the same powers they acquire through initiation, but in a certain sense they do receive powers when they shed their body, as other beings of the supersensible world assist them. They gain the ability to preserve the memory of what they have forgotten by shedding their body. And now you have the opportunity in reality to answer the question: What remains of my soul experiences once I have passed through the gate of death? How does the soul live on? That is the most important question of all. And through the experience of the initiates, you have the answer: The soul lives on because in the deep, hidden depths of the soul there are forces that can hold fast in memory what has been experienced. To be immortal means to have the power to preserve in memory the life that has been lived, the past existence. That is the true definition of human immortality. Through initiation, the proof is provided—the proof of experience—that forces live within the human being which [enable one] to remember, after shedding the physical body, everything that the human being has experienced in sensory life and in general. Thus the human being preserves itself through the future; thus it experiences its former existence as memories in its future existence. Feel the full power of the thought that arises through initiation and that could be expressed in the words: The human being is of such a nature that, through the powers of supersensible memory, it carries its own being through future times. When you feel this thought—feeling it into the vastness of the universe in such a way that you create a mental image of the soul carrying itself through the ages—then you have a far better definition of what is called a monad than any philosophical concept could provide. For then you feel what a monad is: a self-contained, self-sustaining being. After all, these things can only be grasped as mental images through the experiences of initiation.

[ 9 ] Das ist erst die eine Seite dessen, was ich Ihnen zu schildern habe. Wir müssen die ersten Schritte der Initiation noch genauer betrachten, wenn wir erfühlend zu dem kommen wollen, was uns Vorstellungen über die Initiation geben kann. Nehmen wir an, ein Mensch habe durch gedankenkräftiges Verhalten seiner Seele, oder mit einem Fremdwort: durch Meditation es dahin gebracht, daß er außerhalb seines physischen Leibes wahrnehmen kann, daß er zunächst wahrnehmen kann in seinem elementarischen oder ätherischen Leibe. Erlebt wird dieses Wahrnehmen in jenem Leibe, der enger gebunden ist in seinen einzelnen Teilen an das Gehirn, weniger eng zum Beispiel an die Hände, erlebt wird das Sich-Einfühlen in den elementarischen Leib dadurch, daß man das Gefühl hat: Du weitest dich aus, du wirst breiter, fließest hinaus in die unbestimmten Weltenweiten. — So ist das subjektive Gefühl. Aber es ist nicht so, daß man ins Wesenlose und Unbestimmte hinausrinnt, sondern da ist alles konkretes Leben. Man lebt sich in lauter Konkretheiten hinein, und man gewinnt zugleich ganz bestimmte Erlebnisse in diesem SichAusweiten. Besonders ein Gefühl kann man leicht erhalten, und es wird kaum — wenn nicht ganz besondere Umstände vorliegen — jemandem, der die ersten Schritte der Initiation durchmacht, erspart bleiben, diese Erfahrung zu machen. Es ist die Erfahrung der Bangigkeit, der Ängstlichkeit, die Erfahrung, als ob man im Weltenall wäre und keinen Boden unter den Füßen hätte, ein Bedrückendes in der Seele. Das sind so die inneren Erlebnisse, die man dabei durchmacht. Dann aber das noch Wichtigere.

[ 9 ] This is only one aspect of what I have to describe to you. We must examine the first steps of initiation even more closely if we wish to intuitively grasp what our mental images of initiation can offer us. Let us suppose that a person, through the power of thought in his soul—or, to use a foreign term, through meditation—has reached a point where he can perceive outside his physical body; that is, he can initially perceive in his elemental or etheric body. This perception is experienced in that body which is more closely bound in its individual parts to the brain, and less closely, for example, to the hands; the feeling of entering into the elemental body is experienced through the sensation: You are expanding, you are becoming broader, flowing out into the boundless expanses of the world. — Such is the subjective feeling. But it is not the case that one rushes out into the formless and indefinite; rather, there is concrete life everywhere. One lives oneself into pure concreteness, and at the same time one gains very specific experiences in this expanding of oneself. One can easily acquire a particular feeling, and—unless very special circumstances exist—no one undergoing the first steps of initiation will be spared from having this experience. It is the experience of anxiety, of fearfulness, the experience of feeling as if one were in the vastness of the universe with no ground beneath one’s feet, a sense of oppression in the soul. These are the inner experiences one goes through in the process. But then there is something even more important.

[ 10 ] Wenn man im gewöhnlichen Leben denkt, eine Vorstellung hat, wenn ein Gedanke den anderen kommen läßt, da fügt man den einen Gedanken zum anderen hinzu, man gliedert dann vielleicht Empfindungen hinzu, Wünsche, Wollen und so weiter, und beim gesunden Seelenleben wird man immer die Möglichkeit haben, zu sagen: Ich denke dies, ich fühle das. — Denn es wäre schon eine Unterbrechung, eine Störung des gesunden Seelenlebens, wenn man nicht die Möglichkeit hätte, in dieser Weise zu sprechen. Beim Hineinwachsen in den elementarischen oder ätherischen Leib weitet man sich aus, aber zugleich weiten sich die Gedanken aus. Man verliert das Gefühl, als ob man in sich wäre, wenn man denkt, und man bekommt das Gefühl: man wächst in die elementarische Welt hinein, und die ist durchzogen von Gedanken, und diese Gedanken denken sich. Das tritt als ein Erlebnis auf. Es ist so, wie wenn man ausgelöscht wäre und wie wenn sich die Gedanken denken würden, wie wenn die Gefühle, die man selbst hat oder die die Dinge haben, sich erfühlen, als ob man nicht selber wollen könnte, sondern als ob das alles in einem zum Wollen erwachte. Hingegeben sein an die Objektivität, an die Welt, das ist ein Gefühl, das man hat. Aber es ist in der Regel so — und das ist wieder eine Erfahrung bei den ersten Schritten der Initiation —, daß sich hinzugesellt ein anderes Gefühl. In demselben Maße, in dem man sich ausweitet, in dem sich die Gedanken selber denken, die Empfindungen sich erfühlen, wird das Bewußtsein immer schwächer und schwächer, immer mehr und mehr herabgestimmt; das Wissen betäubt sich.

[ 10 ] In everyday life, when one thinks, when one has a mental image, when one thought leads to another, one adds one thought to another; one might then incorporate feelings, desires, intentions, and so on; and in a healthy spiritual life, one will always have the ability to say: I think this, I feel that. — For it would indeed be an interruption, a disturbance of a healthy soul life, if one did not have the ability to speak in this way. As one grows into the elemental or etheric body, one expands, but at the same time, the thoughts expand. One loses the feeling of being within oneself when one thinks, and one gets the feeling: one is growing into the elemental world, and that world is permeated by thoughts, and these thoughts think themselves. This occurs as an experience. It is as if one were erased and as if thoughts were thinking themselves, as if the feelings one has oneself or that things have were felt, as if one could not will oneself, but as if all of this were awakening within one to will. Being surrendered to objectivity, to the world—that is a feeling one has. But it is usually the case—and this is again an experience during the first steps of initiation—that another feeling joins in. To the same extent that one expands, that thoughts think themselves, that sensations feel themselves, consciousness becomes weaker and weaker, increasingly subdued; knowledge becomes numb.

[ 11 ] Nun ist die Notwendigkeit vorhanden, etwas ganz Bestimmtes in der Seele eintreten zu lassen, wenn solche Erfahrungen in der Seele gemacht werden. Es ist eine Notwendigkeit vorhanden, daß diese Dinge möglichst genau von den Seelen erfaßt werden. Deshalb habe ich, wenn auch nicht dieselben, so doch ähnliche Dinge, die in dieselbe Richtung gehen, in dem Buche «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen» zusammengestellt, und Sie werden, wenn Sie die Vorträge in Verbindung bringen mit diesem Buche, davon mancherlei haben können. Ein ganz bestimmtes Seelisches, das man selber herbeiführt, muß dann eintreten, ähnlich wie ich es gestern geschildert habe. Man muß nämlich Selbstbesinnung üben, muß versuchen schonungslos, rücksichtslos recht grobe Fehler, von denen man weiß, daß man sie hat, sich vorzuhalten, so daß einem vor die Seele kommt, wie wenig man eigentlich dem großen Menschheits-Ideale entspricht. Man muß sich hineinfühlen in dieses Wenig-Entsprechen dem großen Menschheits-Ideale: recht meditativ, recht gedankenkräftig gerade seine moralische oder sonstige Schwachheit sich vor die Seele rufen. Wenn man das tut, wird man nämlich dadurch stärker. Und das, was schon angefangen hat sich abzudämpfen, was sich schon so dargestellt hat, als ob es wie in einer seelischen Ohnmacht verschwinden wollte, wird wieder heller. Man fängt wieder an, das zu sehen. Aber man erfährt wieder etwas anderes bei dieser Gelegenheit, was in einfache Worte gebracht werden kann, was aber bei den ersten Schritten auf dem Wege zur Initiation bedrückend und sogar bestürzend ist. Das alles sind Worte, die für das Seelenleben gemeint sind, nicht für das Leibesleben, denn dem, der in richtiger Weise hineingeführt wird in die geistige Welt, ist auch solche Anweisung zugeflossen, daß man von äußeren körperlichen Gefahren nicht sprechen kann. Es kann ein solcher Mensch, wenn er wirklich treulich die guten Ratschläge einhält, äußerlich im Leben ein gleicher Mensch bleiben, trotzdem es innen auf- und abwogt von allerlei Peinigendem, Schmerzlichem, von Enttäuschungen und vielleicht auch erahnten Seligkeiten. Aber solche Dinge muß man durchmachen, denn in ihnen liegen die Keime des höheren Schauens, der höheren Einsicht. Etwas lernt man erkennen: man lernt, indem man außerhalb des physischen Leibes beobachten, wahrnehmen, erleben lernt, indem man also dazu kommt, in dem elementarischen Leibe zu leben, daß man in die elementarische Welt auf die geschilderte Art hineinwächst. Dann aber, wenn man das macht, was eben geschildert worden ist, lernt man den Grund kennen, warum diese elementarische Welt wie in einer Art Ohnmacht verschwindet, was man mit trockenem Wort so aussprechen dürfte, daß man sagt: Diese Welt mag einen nicht, sie findet, daß man nicht hineinpaßt. Und dieses Abdämpfen, dieses Verschwinden ist einfach der Ausdruck dafür: sie läßt einen nicht hinein. Aber indem man sich dann seine Fehler vorwirft, wird man stärker, und so hellt sich das wieder auf, was erst verschwunden war. Man bekommt aber dadurch das deutliche Gefühl: Eine übersinnliche Welt elementarischer Art ist um dich herum, aber du darfst nur bis zu einem gewissen Maße hinein. In dem Maße, wie du dich selbst moralisch, intellektuell immer stärker und stärker machst, läßt sie dich herein, sonst nicht; und sie zeigt dies dadurch, daß sie vor dir verschwindet.

[ 11 ] Now, when such experiences occur in the soul, it is necessary to allow something very specific to enter the soul. It is necessary that these things be grasped as precisely as possible by the soul. That is why I have compiled, if not the exact same things, then at least similar ones that point in the same direction, in the book A Path to Self-Knowledge for Humanity, and you will be able to gain much from it if you connect the lectures with this book. A very specific state of mind, which one brings about oneself, must then arise, similar to what I described yesterday. One must, in fact, practice self-reflection; one must try, relentlessly and without regard for one’s feelings, to hold up before oneself the rather gross errors that one knows one has, so that it becomes clear to one’s soul how little one actually corresponds to the great ideal of humanity. One must empathize with this lack of conformity to the great ideal of humanity: quite meditatively, quite forcefully bringing one’s moral or other weaknesses to mind. When one does this, one actually becomes stronger as a result. And what has already begun to fade, what has already presented itself as if it were about to vanish as in a spiritual faint, becomes brighter again. One begins to see it again. But one experiences something else on this occasion, which can be put into simple words, but which is oppressive and even disconcerting in the first steps on the path to initiation. All these are words meant for the life of the soul, not for the life of the body, for the one who is properly introduced into the spiritual world has also received such instruction that one cannot speak of external physical dangers. Such a person, if they truly and faithfully follow the good advice, can remain outwardly the same person in life, even though inwardly they are tossed about by all manner of tormenting and painful experiences, by disappointments, and perhaps also by glimpses of bliss. But one must go through such things, for in them lie the seeds of higher vision, of higher insight. One learns to recognize something: one learns by observing, perceiving, and experiencing outside the physical body—that is, by coming to live in the elemental body—so that one grows into the elemental world in the manner described. But then, when one does what has just been described, one comes to understand the reason why this elemental world vanishes as if in a kind of fainting spell—which one might express in dry terms by saying: This world does not like you; it feels that you do not fit in. And this fading away, this vanishing, is simply the expression of that: it does not let you in. But by then reproaching oneself for one’s faults, one becomes stronger, and so what had first disappeared brightens up again. But this gives you the distinct feeling: a supernatural world of an elemental nature surrounds you, but you are only allowed to enter it to a certain extent. To the extent that you make yourself morally and intellectually stronger and stronger, it lets you in; otherwise, it does not; and it shows this by disappearing from your sight.

[ 12 ] Das ist das Spannende, das Bedrückende oder manchmal auch das Zehrende oder Verzehrende, das — gewissermaßen — Kämpfen um die geistige Welt, und das Bewußtsein, wie unwürdig man ihrer ist. Und indem man Selbstbesinnung und das gedankenkräftige Verhalten der Seele, also Meditieren, Konzentrieren und das Sich-Durchdringen mit moralischen Impulsen kräftig fortsetzt, kann man eben immer mehr und mehr hineinkommen auf solche Art in die elementarische Welt. Aber dieses Hineinkommen in die elementarische Welt ist doch eigentlich nur die erste Stufe der Initiation. Wenn man die nächste Stufe besprechen will, muß man auf eine höchst eigentümliche Erscheinung aufmerksam machen, für die es eigentlich nichts recht Entsprechendes im gewöhnlichen Sinnensein gibt.

[ 12 ] That is what is exciting, what is oppressive, or sometimes even what is exhausting or consuming—the struggle, so to speak, for the spiritual world, and the awareness of how unworthy one is of it. And by vigorously continuing self-reflection and the soul’s thought-filled activity—that is, meditation, concentration, and imbuing oneself with moral impulses—one can, in this way, enter more and more deeply into the elemental world. But this entry into the elemental world is actually only the first stage of initiation. If one wishes to discuss the next stage, one must draw attention to a highly peculiar phenomenon for which there is actually nothing quite equivalent in ordinary sensory perception.

[ 13 ] Dasjenige, in dem der Mensch lebt, nachdem er elementarisch wahrnehmen kann, ist sein elementarischer Leib. Aber den hat er früher auch schon gehabt. Der Unterschied des elementarischen Leibes vor und nach dem übersinnlichen Beobachten ist nur der, daß der elementarische Leib durch die Initiation gleichsam auferweckt wird. Während er früher gleichsam geschlafen hat, ist er nachher auferweckt. Das ist eigentlich der treffendste Ausdruck, den man für die Sache gebrauchen kann. Aber eines wird man bemerken. Wenn man sich die Fähigkeit erworben hat, durch diese oder jene Maßnahmen, die man im Seelenleben getroffen hat, die eine oder die andere Tatsache oder das eine oder das andere Wesen der elementarischen Welt zu sehen — nun, so sieht man eben dieses eine Wesen. Nehmen Sie nun an, Sie haben Ihre Vorbereitungen so weit getrieben, daß Sie das eine Wesen oder ein zweites Wesen sehen. Dieses eine oder das zweite Wesen werden Sie dann wahrscheinlich, wenn Sie sich bei derselben Kraft erhalten, immer wieder sehen. Das ist keine Schwierigkeit. Aber Sie sehen nicht leicht etwas anderes. Wenn Sie eine Zeit aussetzen und nachher wieder zurückkommen, so sehen Sie doch wieder dasselbe. Kurz, es ist nicht in der elementarischen Welt so, wie es in der Sinneswelt ist. Sind für die letztere die Augen einmal präpariert, so sehen sie alles mögliche; sind die Ohren einmal präpariert, so hören sie alles gleich. So ist es nicht in der elementarischen Welt. Da müssen Sie von Stück zu Stück, von Wesensart zu Wesensart immer neu die Teile Ihres elementarischen Leibes präparieren. Da müssen Sie die ganze Welt absuchen, da muß man für jedes einzelne Wesen den Ätherleib immer wieder und wieder erwecken. Denn man stellt nur eine Beziehung, eine Verwandtschaft her zu dem, was man einmal gesehen hat, wofür man einmal den Ätherleib erweckt hat, und muß immer neue Beziehungen erwecken. Das kann der Ätherleib allein nicht. Er kann sich nicht beherrschen, er kann nur immer zu demselben Wesen zurückkehren, oder er kann warten, bis er präpariert ist, um andere Wesen zu sehen. Ein Mensch, der die ersten Schritte auf dem Wege zur Initiation durchgemacht hat und dazu gelangt ist, dieses oder jenes Wesen, diesen oder jenen Vorgang zu sehen, kann sich noch nicht orientieren in der geistigen übersinnlichen Welt, er kann nicht, weil er nicht zu den Wesen beliebig den Zugang hat, frei vergleichen ein Wesen mit dem anderen. Soll man sich orientieren, soll man nicht bloß anschauen, sondern mit Bestimmtheit sagen: dieses oder jenes ist ein Wesen, dieses oder jenes ist ein Vorgang —, so muß man es vergleichen können mit anderen Wesen und Vorgängen in der übersinnlichen Welt. Man muß den Weg vom einen zum anderen machen können, man muß sich orientieren können. Dieses Orientieren muß man auch erst lernen. Man lernt es dadurch, daß man durch fortgesetztes Meditieren, Sich-Durchmoralisieren Kräfte zuwachsen fühlt, die man in ihrer Tätigkeit als etwas ganz Merkwürdiges empfindet. Und da muß man darauf zurückkommen, wenn man es beschreiben will, daß zwar der elementarische Leib für das gewöhnliche Leben da ist, aber immerfort schlafend ist, und daß man ihn für das übersinnliche Wahrnehmen erst erwecken muß. Aber man muß in der Seele die Kräfte haben, um ihn zu erwecken. Was man da tut, erlebt man in einer ganz besonderen Weise. Ich kann es nur durch einen Vergleich klarmachen. |

[ 13 ] The entity in which a person lives once they are able to perceive the elemental world is their elemental body. But they already possessed this body before. The only difference between the elemental body before and after supersensible observation is that the elemental body is, as it were, awakened through initiation. Whereas it was, so to speak, asleep before, it is now awakened. That is actually the most apt expression one can use for this matter. But one thing should be noted. If, through certain measures taken in one’s inner life, one has acquired the ability to see one or another fact or one or another being of the elemental world—well, then one sees precisely that one being. Now suppose you have taken your preparations so far that you see one being or a second being. You will then probably see this one or the second being again and again, provided you maintain the same concentration. That is no difficulty. But you do not easily see anything else. If you take a break for a while and then return, you will still see the same thing again. In short, the elemental world is not like the sensory world. Once the eyes are attuned to the latter, they see all manner of things; once the ears are attuned, they hear everything immediately. It is not so in the elemental world. There you must continually attune the parts of your elemental body anew, piece by piece, from one kind of being to another. There you must search the whole world; there you must awaken the etheric body again and again for every single being. For you establish a relationship, an affinity, only with what you have once seen, for which you have once awakened the etheric body, and you must constantly awaken new relationships. The etheric body cannot do this on its own. It cannot control itself; it can only return to the same being again and again, or it can wait until it is prepared to see other beings. A person who has taken the first steps on the path to initiation and has come to see this or that being, this or that process, cannot yet orient themselves in the spiritual, supersensible world; they cannot, because they do not have free access to the beings, freely compare one being with another. If one is to find one’s bearings—if one is not merely to observe, but to state with certainty: this or that is a being, this or that is a process—then one must be able to compare it with other beings and processes in the supersensible world. One must be able to make the transition from one to the other; one must be able to find one’s bearings. This ability to find one’s bearings must also first be learned. One learns it by feeling, through continuous meditation and moral self-discipline, that one is growing in strength, which one perceives in its activity as something quite remarkable. And when one wishes to describe this, one must return to the fact that although the elemental body is present for ordinary life, it is constantly dormant, and that one must first awaken it for supersensible perception. But one must possess the powers within the soul to awaken it. What one does there is experienced in a very special way. I can only make this clear through a comparison. |

[ 14 ] Denken Sie sich, Sie schlafen ein und würden wissen: Im Bette liegt dein Leib, du kannst ihn nicht rühren, aber du bist dir bewußt, er ist da! Du aber gehst in eine geistige Welt hinein und kommst nach einiger Zeit wieder zurück, um diesen Leib wieder aufzuwekken. — Das kann bewußt geschehen. Aber wie es beim Menschen im gewöhnlichen Leben geschieht, so geschieht es unbewußt. Was ich Ihnen eben geschildert habe, das macht der Mensch durch; er wird in bezug auf seine Leiblichkeit wachend und schlafend, und er ist es selber, der sich aufweckt; nur hat er kein Bewußtsein, daß er es ist, der seinen physischen Leib erweckt. Wenn man die ersten Schritte zur Initiation durchgemacht hat, dann hat man dieses Bewußtsein. Daher ist es tatsächlich so, daß man weiß: Da hast du deinen elementarischen Leib. — Dem steht man so gegenüber, daß man fühlt: das ist der enger gebundene Teil, der dem Gehirn entspricht, dies der weiter bewegliche Teil, der den Händen entspricht, dies — das mag jetzt paradox erscheinen — der ganz bewegliche Teil, der den Füßen entspricht. Von alledem weiß man, aber das schläft an einem. Und indem man sich weiterentwickelt und die nötigen inneren seelischen Anstalten macht und hinkommt zur geistigen Welt, ist das ein fortwährendes Aufwecken. Einmal weckt man dieses Stück, ein andermal ein anderes Stück auf, einmal entzündet man diese Bewegung, einmal eine andere. Kurz, es ist ein bewußtes Auferwecken des elementarischen Leibes, so daß man sprechen könnte von einem Schlafzustand des elementarischen Leibes, in dem dieser gewöhnlich ist, und von einem Wachzustande, in welchen man ihn durch die Initiation bringt. Das ist der Unterschied in bezug auf Schlafen und Wachen beim physischen Leibe und beim elementarischen Leibe: beim physischen Leibe sind Schlafen und Wachen Wechselzustände, sie geschehen nacheinander; beim elementarischen Leibe geschieht nicht ein solches Nacheinander, da ist es ein Gleichzeitiges. So kann jemand dazu kommen, auf dem Wege zur Initiation durch die ersten Maßnahmen viel aufzuwecken in bezug auf die elementarischen Teile des Kopfes, während noch alles im tiefen Schlafe ist, was den Händen oder den Füßen entspricht. Während es beim physischen Leibe so ist, daß er einmal schläft und einmal wacht, ist es beim elementarischen Leibe so, daß nebeneinander sind die wachenden und die schlafenden Teile. Und darin besteht der Fortschritt, daß die schlafenden Teile immer mehr und mehr zu wachenden gemacht werden. Das ist es, was man eigentlich tut.

[ 14 ] Imagine you fall asleep and know: Your body lies in bed; you cannot move it, but you are aware that it is there! But you enter a spiritual world and return after some time to wake this body again. — This can happen consciously. But just as it happens to people in ordinary life, it happens unconsciously. What I have just described to you is what a person experiences; they become awake and asleep in relation to their physical body, and it is they themselves who awaken; only they have no awareness that it is they who awaken their physical body. Once one has taken the first steps toward initiation, then one has this awareness. Therefore, it is indeed the case that one knows: There you have your elemental body. — One stands before it in such a way that one feels: this is the more tightly bound part corresponding to the brain, this the more freely moving part corresponding to the hands, this — though it may now seem paradoxical — the fully mobile part corresponding to the feet. One knows all this, but it lies dormant within one. And as one continues to develop, makes the necessary inner spiritual preparations, and reaches the spiritual world, this is a continuous process of awakening. Sometimes one awakens this part, another time a different part; sometimes one ignites this movement, another time a different one. In short, it is a conscious awakening of the elemental body, so that one could speak of a state of sleep in which the elemental body usually resides, and of a state of wakefulness into which one brings it through initiation. This is the difference between sleeping and waking in the physical body and in the elemental body: in the physical body, sleeping and waking are alternating states; they occur one after the other; in the elemental body, such a sequence does not occur; there it is simultaneous. Thus, on the path to initiation, one may, through the initial measures, awaken much in the elemental parts of the head, while everything corresponding to the hands or feet remains in deep sleep. While the physical body alternates between sleeping and waking, in the elemental body the waking and sleeping parts exist side by side. And the progress consists in the sleeping parts being made more and more into waking ones. That is what one actually does.

[ 15 ] Wenn der Mensch nicht eine geistige Wesenheit wäre, so könnte es nicht geschehen, was ich zum Vergleich herangezogen habe, dann könnte er nicht seinen physischen Leib im Bette liegend haben und wahrnehmen, wie er ihn auferweckt. So ist aber das Seelische noch etwas Selbständiges gegenüber dem allen, was da erweckt wird. Was Stück für Stück dieses aufweckt, das ist nicht der elementarische Leib. Das ist etwas anderes. Und wenn Sie den Begriff fassen: in deiner Seele ist etwas, was eine tätige Herrschaft ausübt über den elementarischen Leib, so daß es ihn Stück für Stück auferweckt, dann haben Sie eine konkrete richtige Vorstellung dessen, was man astralischen Leib nennt. Und leben im astralischen Leibe, sich erleben im astralischen Leibe, heißt zunächst: sich erfühlen in einer Art innerer Kraftwesenheit, welche imstande ist, nach und nach, Stück für Stück, den schlafenden elementarischen Leib zum bewußten Leben zu erwecken. Es gibt also einen Zustand, den man so bezeichnen kann: man erlebt sich jetzt außerhalb des physischen Leibes, man erlebt sich aber nicht nur in dem elementarischen Leibe, sondern in dem astralischen Leibe.

[ 15 ] If human beings were not spiritual beings, what I have cited as an example could not happen; they could not have their physical body lying in bed and perceive how they awaken it. But the soul is still something independent of everything that is being awakened. What awakens this bit by bit is not the elemental body. It is something else. And if you grasp the concept that there is something in your soul that exercises an active dominion over the elemental body, so that it awakens it bit by bit, then you have a concrete and accurate mental image of what is called the astral body. And to live in the astral body, to experience oneself in the astral body, means first of all: to feel oneself as a kind of inner being of power, which is capable of gradually, bit by bit, awakening the sleeping elemental body to conscious life. There is, therefore, a state that can be described as follows: one now experiences oneself outside the physical body, but one experiences oneself not only in the elemental body, but in the astral body.

[ 16 ] Um sich klar zu werden über diesen Schritt der Initiation, ist es notwendig, daß man sich Unterscheidungsvermögen aneignet für das, was man bloß innerlich erleben kann, wenn man in seinen elementarischen Leib hineinkommt. Ich habe Ihnen geschildert, was man erlebt, wenn man in den elementarischen oder ätherischen Leib hineinkommt: man erweitert sich, man fließt aus. Das ist das konkrete Gefühl. Aber das ist auch das hauptsächlichste allgemeine Gefühl, das man hat: daß man aus dem physischen Leib herausdringt, immer weiter und weiter wird und sich hinausergießt in die Weiten der Welt. Das Sich-Hineinleben in den astralischen Leib und bewußt in dem leben, was Stück für Stück den elementarischen Leib erweckt, das ist noch mit etwas anderem verknüpft: mit einem Springen aus sich heraus, und etwas Ergreifen, was schon draußen war; nicht ein Erweitern dessen, was schon ist. Wenn man im elementarischen Leibe ist, weißß man: Der physische Leib gehört noch dazu. Wenn man sich aber in den astralischen Leib hineinlebt, so weiß man: Du bist, wie wenn du erst in dir gelebt hättest, aus dir heraus und in etwas anderes hineingedrungen, und jetzt ist dein physischer Leib — und vielleicht auch der elementarische — etwas außer dir; du bist etwas, worin du früher nicht gesteckt hast, und jetzt ist dein physischer Leib etwas, was dein Objekt geworden ist, was nicht mehr dein Subjekt ist; du schaust ihn von außen an.

[ 16 ] To gain a clear understanding of this stage of initiation, it is necessary to develop the ability to distinguish what one can experience only inwardly when entering one’s elemental body. I have described to you what one experiences when one enters the elemental or etheric body: one expands, one flows out. That is the concrete sensation. But that is also the primary general sensation one has: that one pushes out of the physical body, becomes wider and wider, and pours out into the vastness of the world. Immersing oneself in the astral body and consciously living within what gradually awakens the elemental body is linked to something else: a leaping out of oneself and grasping something that was already outside; not an expansion of what already is. When one is in the elemental body, one knows: the physical body still belongs to it. But when one lives into the astral body, one knows: You are, as if you had first lived within yourself, stepped out of yourself and into something else, and now your physical body—and perhaps also the elemental body—is something outside of you; you are something you were not part of before, and now your physical body has become an object, no longer your subject; you look at it from the outside.

[ 17 ] Dieses sich Überspringen, sein eigener Anschauer sein und sich Erfassen, ist der Übergang zu dem Sein im astralischen Leibe. Wenn man da hinüberkommt, wenn man diesen Sprung getan hat und weiß: dies bist du nun, das schaust du an wie früher eine Pflanze oder einen Stein —, dann hat man zunächst ein Gefühl, von dem man sagen kann, es wird wohl keinem zu Initiierenden auf den ersten Stufen erspart bleiben; es ist die Empfindung: Nun bist du in der übersinnlichen Welt, da breitet sie sich aus, ins Unendliche hin. Man kann nicht einmal sagen «nach allen Seiten», denn sie hat viel mehr Seiten und auch ganz andere Dimensionen als die gewöhnliche Welt. Aber man ist allein drinnen. Man ist mit seinem Leben im astralischen Leibe drinnen — und überall die Welt, unendliche Ausbreitung, nirgends ein Wesen, man selbst allein! Und es überkommt einen, was man nennen kann: das seelisch höchst gesteigerte Einsamkeitsgefühl.

[ 17 ] This act of transcending oneself, of becoming one’s own observer and comprehending oneself, is the transition to existence in the astral body. When one crosses over there, when one has made this leap and knows: this is who you are now, you are looking at it as you once looked at a plant or a stone—then one first has a feeling that, one might say, no initiate on the first steps will be spared; it is the sensation: Now you are in the supersensible world, there it spreads out, into infinity. One cannot even say “in all directions,” for it has far more dimensions and entirely different ones than the ordinary world. But one is alone within it. One is there with one’s life in the astral body—and everywhere the world, infinite expanse, nowhere a being, oneself alone! And one is overcome by what one might call: the most intensely heightened sense of loneliness.

[ 18 ] Es kommt darauf an, daß man solche Gefühle erträgt, daß man sie durchmachen kann, denn in dem Überwinden dieser Gefühle ergeben sich die Kräfte, die einen weiterführen, die zu Seherkräften werden. Und höchst real wird das, was ich in dem Drama «Der Hüter der Schwelle» in wenige Zeilen hineinzubringen versuchte, wo Maria den Johannes in die unendlichen Eisgefilde führt, wo die Menschenseele einsam, ganz einsam ist. Und ist man in dieser Einsamkeit drinnen, dann muß man warten, geduldig warten. Daß man warten kann, daß man sich soviel moralische Kraft angeeignet hat, um zu warten, davon hängt viel ab. Denn dann kommt etwas, was man sich so sagen kann: Ja, jetzt bist du innerhalb von Unendlichkeiten ganz allein, aber in dir steigt etwas auf wie lauter Erinnerungen, die doch wieder keine Erinnerungen sind. Ich sage, «wie lauter Erinnerungen, die doch wieder keine Erinnerungen sind», weil alle Erinnerungen des gewöhnlichen Lebens so sind, daß man sich erinnert an das, dem man einmal gegenübergestanden hat, was man einmal erlebt hat. Aber denken Sie sich, Sie ständen da mit dem Innern Ihrer Seele, und es tauchten Vorstellungen auf, die verlangen, daß Sie sie auf etwas beziehen. Aber Sie haben sie nie erlebt. Sie wissen, diese Vorstellungen beziehen sich auf Wesenheiten, aber Sie standen den Wesenheiten nie gegenüber. Dieses innere Heraufsteigen einer Welt, die einem unbekannt ist, von der man aber weiß: du trägst sie in dir, es sind lauter Abbildungen, das ist das nächste, was zu den Erlebnissen auf dem Wege zur Initiation gehört.

[ 18 ] What matters is that one endures such feelings, that one can work through them, for in overcoming these feelings, the powers emerge that carry one forward, powers that become the powers of vision. And what I tried to convey in just a few lines in the drama The Guardian of the Threshold becomes very real—where Mary leads John into the endless ice fields, where the human soul is lonely, utterly lonely. And once one is within this solitude, then one must wait, wait patiently. Much depends on whether one can wait, on whether one has acquired enough moral strength to wait. For then something comes that one can describe like this: Yes, now you are all alone within infinities, but something rises within you like pure memories that are, after all, not memories. I say, “like a multitude of memories that are, after all, not memories,” because all memories of ordinary life are such that one remembers what one once faced, what one once experienced. But imagine that you were standing there with the innermost part of your soul, and mental images arose that demand that you relate them to something. But you have never experienced them. You know these mental images relate to beings, but you have never faced those beings. This inner rising of a world that is unknown to you, yet of which you know: you carry it within you; they are all images—this is the next thing that belongs to the experiences on the path to initiation.

[ 19 ] Und dann macht man eine sonderbare Erfahrung, die Erfahrung, daß man ein Verhältnis gewinnen kann zu dem, was da an Vorstellungen auftaucht, daß man lieben und hassen kann, was da auftaucht, daß man Ehrfurcht hegen kann gegenüber dem einen, Hochmut gegenüber dem anderen. Es erwacht nicht nur eine Summe von inneren Vorstellungen, sondern es erwacht etwas wie auf- und abwogende übersinnliche Gefühle und Empfindungen. Man ist ganz mit sich allein, allein mit seiner inneren Welt, welche da auftaucht. Man weiß zunächst selber nichts außer irgendeinem unbestimmten Dunkel, aber man ist voller Beziehung zu diesen Dingen. Nehmen wir ein charakteristisches Beispiel. Etwas, das da als Bild auftaucht, flößt einem Liebe ein. Jetzt ist man in einer starken Versuchung. Eine furchtbare Versuchung tritt auf, denn man liebt jetzt etwas, was in einem selber drinnen ist. Man ist der Versuchung ausgesetzt, die Sache deshalb zu lieben, weil sie einem selbst angehört, und man muß jetzt mit aller Kraft dahin wirken, daß man dieses Wesen nicht liebt, weil man es hat, sondern deshalb, weil es dieses oder jenes ist trotzdem es in einem ist. Selbstlos machen das, was in dem Selbst drinnen ist, das wird Aufgabe. Und das ist eine schwere Aufgabe, eine Aufgabe, mit der sich nichts Seelisches in der gewöhnlichen Sinneswelt vergleichen läßt. Im gewöhnlichen Sinnensein ist es gar nicht möglich, daß ein Mensch ganz selbstlos liebt, was in ihm drinnen ist. Das muß er aber, wenn er dort hinaufkommt. Dadurch, daß man das Wesen überstrahlt mit der Kraft der Liebe, strahlt es selber Kraft aus, und man merkt jetzt dadurch: das will aus einem heraus. Und man merkt weiter: Je mehr man selber Liebe anwenden kann, desto mehr bekommt es selber die Kraft, etwas, was wie eine Hülle in einem ist, zu durchbrechen und hinauszudringen in die Welt. Wenn man es haßt, bekommt es ebenso Kraft; es spannt einen dann, preßt einen und drängt sich durch, wie wenn sich die Lungen oder das Herz durch die Haut des Leibes durchdrängen wollten. Das geht durch alles, womit man sich durch Liebe und Haß in ein Verhältnis bringt. Aber der Unterschied zwischen beiden Erlebnissen ist der: Was man selbstlos liebt, das geht fort, aber man fühlt, es nimmt einen mit, man macht den Weg durch, den es selber durchmacht. Was man haßt oder dem gegenüber man hochmüitig ist, das durchreißt die Hülle und geht fort und läßt einen allein, und man bleibt in der Einsamkeit. Diesen Unterschied merkt man auf einer bestimmten Stufe sehr stark: man wird mitgenommen oder zurückgelassen. Und wenn man mitgenommen wird, so hat man die Möglichkeit, hinzukommen zu dem Wesen, das man in seinem Abbild erlebt hat. Man lernt es kennen. Und dadurch, daß in einem auftauchen die Abbilder von Wesen, die man noch nicht kennt, und man zu ihnen Beziehungen erhält, kommt man aus sich heraus und kommt zu der ganzen Bevölkerung, die man in einer zweiten geistigen Welt kennenlernt. Man lebt sich ein in eine Welt, welche gewöhnlich die devachanische Welt genannt wird, die eigentliche geistige Welt, nicht etwa in die astralische Welt. Denn das ist ein vollständiges Unding, daß der Mensch durch seinen astralischen Leib, den ich beschrieben habe als den Erwecker des elementarischen Leibes, in die astralische Welt käme, sondern man kommt in die eigentliche geistige Welt, in das, was in meiner «Theosophie» das Geisterland genannt wird, und steht lauter geistigen Wesenheiten gegenüber.

[ 19 ] And then one has a strange experience: the experience that one can form a relationship with the mental images that arise, that one can love and hate what arises, that one can feel awe toward one thing and arrogance toward another. It is not merely a sum of mental images that awakens, but something like surging, ebbing and flowing, supernatural feelings and sensations. One is completely alone with oneself, alone with one’s inner world as it emerges. At first, one knows nothing oneself except for some vague darkness, yet one is filled with a sense of connection to these things. Let us take a characteristic example. Something that emerges as an image instills love within one. Now one is faced with a powerful temptation. A terrible temptation arises, for one now loves something that is within oneself. One is exposed to the temptation to love the thing because it belongs to oneself, and one must now strive with all one’s strength to ensure that one does not love this being because one possesses it, but because it is this or that despite being within oneself. To treat selflessly that which is within the self—that becomes the task. And this is a difficult task, a task with which nothing in the ordinary sensory world can be compared. In ordinary sensory existence, it is not at all possible for a human being to love completely selflessly what is within them. But they must do so if they are to ascend to that realm. By outshining the being with the power of love, it itself radiates power, and one now realizes through this: this wants to come out of one. And one further realizes: The more one can apply love oneself, the more it itself gains the power to break through something that is like a shell within one and to push out into the world. If one hates it, it gains power just the same; it then strains you, presses you, and forces its way through, as if the lungs or the heart were trying to push through the skin of the body. This goes through everything with which one enters into a relationship through love and hate. But the difference between the two experiences is this: what one loves selflessly goes away, but one feels it taking one along; one makes the journey through that which it itself goes through. What one hates or toward which one is haughty tears through the shell and goes away, leaving one alone, and one remains in solitude. One notices this difference very strongly at a certain stage: one is taken along or left behind. And when one is taken along, one has the opportunity to reach the being one has experienced in its image. One gets to know it. And through the fact that the images of beings one does not yet know arise within one, and one establishes relationships with them, one steps out of oneself and comes into contact with the entire population one gets to know in a second spiritual world. One enters into a world that is usually called the devachanic world, the actual spiritual world, not the astral world. For it is a complete absurdity that a person should enter the astral world through their astral body—which I have described as the awakener of the elemental body—but rather one enters the actual spiritual world, what is called the “land of spirits” in my Theosophy, and stands face to face with purely spiritual beings.

[ 20 ] Wie man diese weiter kennenlernt, wie sie sich abstufen, wie sie zu dem werden, was beschrieben ist als die Welt der höheren Hierarchien, die wir kennengelernt haben von den Angeloi hinauf bis zu den Seraphim, davon morgen weiter.

[ 20 ] How to learn more about them, how they are graded, and how they become what is described as the world of the higher hierarchies—from the Angeloi up to the Seraphim—we will continue discussing this tomorrow.