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The Bhagavad Gita and the Epistles of St. Paul
GA 142

1 January 1913, Cologne

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Wir haben zwei bedeutsame Menschheitsdokumente in diesem Zyklus an unsrer Seele vorüberziehen lassen — wenigstens in ganz kurzen Charakteristiken, wie es bei der geringen Zahl der Vortragstage möglich war -, und wir haben gesehen, welche Impulse in die Menschheitsentwickelung haben einfließen müssen, damit diese zwei bedeutsamen Menschheitsdokumente, die erhabene Gita und die Paulusbriefe, haben entstehen können. Das, was noch wichtig sein wird für unser Verständnis, ist, einen Grundunterschied anzugeben zwischen dem ganzen Geist der Gita und dem Geist der Paulusbriefe.

[ 1 ] We have allowed two significant documents of humanity to pass before our souls in this cycle—at least in very brief outlines, as was possible given the limited number of lecture days—and we have seen what impulses must have flowed into human development so that these two significant documents of humanity, the sublime Gita and the Epistles of Paul, could come into being. What will still be important for our understanding is to point out a fundamental difference between the entire spirit of the Gita and the spirit of the Epistles of Paul.

[ 2 ] Wir haben ja schon gesagt: In der Gita treten uns die Lehren entgegen, die Krishna seinem Schüler Arjuna zu geben vermag. Solche Lehren, man gibt sie einem Einzelnen und muß sie einem Einzelnen geben; denn sie sind im Grunde genommen, gerade wie sie in der Gita uns entgegentreten, intime Lehren. Dagegen scheint nun ja allerdings zu sprechen, daß diese Lehren heute jedermann zugänglich sind, weil sie in der Gita stehen. Das waren sie natürlich nicht zu der Zeit, in der die Gita verfaßt worden ist. Da drangen sie nicht zu allen Ohren, denn da waren sie ein Gegenstand mündlicher Mitteilung. In jenen alten Zeiten waren schon die Lehrer darauf bedacht, auf die Reife der Schüler hinzusehen, denen sie entsprechende Lehren mitteilten. Auf solche Reife wurde ja immer gesehen.

[ 2 ] As we have already said: In the Gita, we encounter the teachings that Krishna is able to impart to his disciple Arjuna. Such teachings are given to an individual and must be given to an individual; for, just as they appear to us in the Gita, they are, at their core, intimate teachings. However, the fact that these teachings are accessible to everyone today because they are found in the Gita seems to contradict this. Of course, they were not accessible to everyone at the time the Gita was written. Back then, they did not reach everyone’s ears, for they were transmitted orally. Even in those ancient times, teachers were careful to assess the maturity of the students to whom they imparted appropriate teachings. Such maturity was always taken into account.

[ 3 ] In unserer Zeit ist das in bezug auf alle die Lehren und Ünterweisungen nicht mehr möglich, die nun schon einmal auf irgendeine Weise das Licht der Öffentlichkeit gefunden haben. Wir leben in einer Zeit, in welcher das geistige Leben in einer gewissen Beziehung einmal öffentlich ist. Nicht als ob es in unserer Zeit keine Geheimwissenschaft mehr gäbe, aber diese Geheimwissenschaft kann nicht dadurch Geheimwissenschaft sein, daß man sie etwa nicht drucken läßt oder sie nicht verbreitet. Es gibt ja in unserer Zeit auch genügend Geheimwissenschaft. So zum Beispiel ist die Wissenschaftslehre Fichtes, trotzdem sie gedruckt jeder haben kann, eine rechte Geheimlehre. Auch schließlich Hegels Philosophie ist eine Geheimlehre, denn sie wird den wenigsten bekannt und sie hat sogar viele Mittel in sich, eine Geheimlehre zu bleiben. Und das ist bei vielen Dingen der Fall in unserer heutigen Zeit. Die Wissenschaftslehre Fichtes oder die Philosophie Hegels, sie haben das sehr einfache Mittel, eine Geheimlehre zu bleiben, weil sie so geschrieben sind, daß die meisten Menschen sie nicht verstehen und einschlafen, wenn sie die ersten Seiten lesen. Dadurch bleibt die Sache selber eine Geheimlehre. Und so ist es auch mit sehr vielem in unserer Zeit, das viele Menschen zu kennen glauben. Sie kennen es nicht; dadurch bleiben die Dinge eben eine Geheimlehre. Und im Grunde genommen bleiben ja auch solche Dinge eine Geheimlehre, wie sie in der Gita stehen, wenn sie auch in weitesten Kreisen durch den Druck bekannt werden können. Denn der eine, der die Gita heute in die Hand bekommt, sieht in ihr große gewaltige Offenbarungen über die Evolution des eigenen menschlichen Inneren, der andere sieht in ihr nur eine interessante Dichtung, und es verwandeln sich alle Begriffe und Gefühle, die in der Gita ausgesprochen sind, für ihn in lauter Trivialitäten. Denn man darf doch nicht glauben, daß jemand dasjenige, was in der Gita liegt, wirklich in sich verarbeitet hat, wenn er etwa selbst mit den Worten der Gita das auszudrücken versteht, was in der Gita drinnen liegt, was ihm aber vielleicht ganz ferne liegt. So ist die Sache selbst durch ihre Höhe in vieler Beziehung ein Schutz vor dem Gemeinwerden.

[ 3 ] In our time, this is no longer possible with regard to all those teachings and instructions that have already, in one way or another, come to public light. We live in an age in which spiritual life is, in a certain sense, already public. Not that there is no longer any secret science in our time, but this secret science cannot be secret simply because it is not printed or disseminated. There is, after all, plenty of secret science in our time. For example, Fichte’s Science of Knowledge, even though anyone can have it in print, is a true secret teaching. Hegel’s philosophy, too, is a secret teaching, for it is known to very few, and it even contains many means within itself to remain a secret teaching. And this is the case with many things in our present day. Fichte’s Science of Knowledge or Hegel’s philosophy have a very simple means of remaining a secret doctrine, because they are written in such a way that most people do not understand them and fall asleep when they read the first few pages. As a result, the subject itself remains a secret doctrine. And so it is with many things in our time that many people believe they know. They do not know them; as a result, these things simply remain a secret doctrine. And fundamentally, even things like those found in the Gita remain a secret doctrine, even if they can become known to the widest circles through print. For one person who picks up the Gita today sees in it great and powerful revelations about the evolution of one’s own inner self, while another sees in it only an interesting piece of poetry, and all the concepts and feelings expressed in the Gita are transformed for him into mere trivialities. For one must not believe that someone has truly internalized what lies in the Gita simply because they can express, using the words of the Gita, what is contained within it—even if that meaning may be entirely foreign to them. Thus, the subject matter itself, by virtue of its loftiness, serves in many respects as a safeguard against becoming commonplace.

[ 4 ] Aber das bleibt ja eben bestehen, daß die Lehren, die da dichterisch verarbeitet sind in der Gita, solche Lehren sind, die der Einzelne für sich ausführen, erleben muß, wenn er durch sie in seiner Seele emporkommen und endlich erleben will die Begegnung mit dem Herrn des Yoga, mit Krishna. Also, es ist eine individuelle Sache, etwas, was der große Lehrer an den Einzelnen richtet. - Anders ist es, wenn wir den Inhalt der Paulusbriefe einmal von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Da sehen wir, daß alles Gemeindesache ist, alles Sache ist, die sich im Grunde genommen an eine Mehrheit richtet. Denn wenn wir den innersten Nerv des Wesens der Krishna-Lehre ins Auge fassen, so müssen wir sagen: Das, was man durch die Krishna-Lehre erlebt, erlebt man für sich in strenger Abgeschlossenheit der einzelnen Seele, und die Begegnung mit Krishna kann man auch nur haben als einsamer Seelenwanderer, wenn man den Weg wiederum zurückfindet zu den Uroffenbarungen und Urerlebnissen der Menschheit. Das, was Krishna geben kann, muß für jeden Einzelnen gegeben werden.

[ 4 ] But the fact remains that the teachings, which are presented in poetic form in the Gita, are teachings that the individual must put into practice and experience for himself if he wishes to rise through them in his soul and finally experience the encounter with the Lord of Yoga, with Krishna. So, it is an individual matter, something the great teacher addresses to the individual. — It is different when we consider the content of Paul’s epistles from this perspective. There we see that everything is a matter for the community, everything is a matter that is fundamentally addressed to a majority. For when we look at the innermost nerve of the essence of the Krishna teaching, we must say: What one experiences through the teachings of Krishna is experienced for oneself in the strict seclusion of the individual soul, and one can only encounter Krishna as a solitary soul-wanderer when one finds the way back to the primordial revelations and primordial experiences of humanity. What Krishna can give must be given to each individual.

[ 5 ] So war es nicht bei der Offenbarung, die der Welt durch den Christus-Impuls gegeben worden ist. Der Christus-Impuls ist von vorneherein als ein Impuls gedacht, der sich an die ganze Menschheit richtet, und das Mysterium von Golgatha ist nicht als eine Tat vollzogen, die nur für die einzelne Seele gilt, sondern wenn wir uns die ganze Menschheit vom Ursprung bis zum Ende der Erdenentwickelung denken, so ist für alle Menschen das geschehen, was auf Golgatha geschehen ist. Es ist eine Gemeinsamkeitssache im allergrößten Maße. Daher muß der Stil der Paulusbriefe, auch noch von alledem abgesehen, was schon charakterisiert worden ist, ein ganz anderer sein, als der Stil der erhabenen Gita.

[ 5 ] This was not the case with the revelation given to the world through the Christ Impulse. The Christ Impulse was conceived from the very beginning as an impulse directed toward all of humanity, and the Mystery of Golgotha was not accomplished as an act that applies only to the individual soul; rather, if we consider all of humanity from the beginning to the end of Earth’s evolution, what happened on Golgotha happened for all people. It is a matter of common concern to the greatest degree. Therefore, the style of the Pauline Epistles, even setting aside all that has already been characterized, must be quite different from the style of the sublime Gita.

[ 6 ] Stellen wir uns doch einmal lebhaft das Verhältnis des Krishna zum Arjuna vor. Er gibt ihm sozusagen eindeutige Anweisungen als Herr des Yoga, wie er stufenweise in seiner Seele aufrücken kann, um des Krishna ansichtig zu werden. Stellen wir dagegen eine besonders prägnante Stelle in den Paulusbriefen, da wo sich eine Gemeinde an Paulus wendet und fragt, ob diese oder jene Dinge wahr seien, ob sie als richtige Anschauung gelten können gegenüber dem, was Paulus gelehrt habe. Und da finden wir in der Unterweisung, die Paulus gibt, eine Stelle, die allerdings durchaus verglichen werden kann in ihrer Größe, sogar stilistisch künstlerisch, mit dem, was wir in der erhabenen Gita finden. Aber wir finden zugleich einen ganz anderen Ton, wir finden alles aus einer ganz anderen Art des seelischen Empfindens heraus gesprochen. Das ist da, wo Paulus an die Korinther schreibt, wie die verschiedenen menschlichen Gaben, die da in einer Gruppe von Menschen vorhanden sind, zusammenwirken müssen.

[ 6 ] Let us vividly imagine the relationship between Krishna and Arjuna. As the Lord of Yoga, he gives Arjuna clear instructions, so to speak, on how he can gradually ascend within his soul in order to behold Krishna. In contrast, let us consider a particularly striking passage in the Epistles of Paul, where a congregation turns to Paul and asks whether this or that is true, whether it can be regarded as a correct view in light of what Paul has taught. And there, in the instruction Paul gives, we find a passage that can certainly be compared in its grandeur—even stylistically and artistically—to what we find in the sublime Gita. But at the same time we find a completely different tone; we find everything spoken from a very different kind of spiritual sensibility. This is where Paul writes to the Corinthians about how the various human gifts present in a group of people must work together.

[ 7 ] Dem Arjuna sagt Krishna: Du mußt so oder so sein, dieses oder jenes tun, dann kommst du von Stufe zu Stufe in deinem Seelensein aufwärts. — Seinen Korinthern sagt der Paulus: Der eine von euch hat diese Gabe, der andere jene, ein dritter diese und wenn das harmonisch zusammenwirkt, wie die Glieder eines Menschenleibes zusamimmenwirken, dann ergibt das auch geistig ein Ganzes, was geistig ganz von dem Christus durchdrungen sein kann. — Also durch die Sache selbst richtet sich Paulus an Menschen, die zusammenwirken, das heißt an eine Mehrheit. Und bei bedeutsamer Gelegenheit richtet er sich an eine Mehrheit, nämlich da, wo die Gaben des sogenannten Zungenredens in Betracht kommen.

[ 7 ] Krishna tells Arjuna: You must be this way or that way, do this or that, and then you will ascend step by step in your spiritual life. — Paul says to his Corinthians: One of you has this gift, another that, a third this one, and when these work together harmoniously, just as the members of a human body work together, then this also results in a spiritual whole that can be completely permeated by Christ. — Thus, through the matter itself, Paul addresses people who work together, that is, a majority. And on a significant occasion, he addresses a majority, namely where the gifts of so-called speaking in tongues come into play.

[ 8 ] Was ist dieses Zungenreden, das wir in den Paulusbriefen finden? Dieses Zungenreden ist ja nichts anderes als ein Überrest alter geistiger Gaben, die in einer erneuerten Weise, aber mit vollem menschlichem Bewußtsein uns in der Gegenwart wiederum entgegentreten. Denn wo wir in unseren Initiationsmethoden von der Inspiration sprechen, da ist es so, daß ein Mensch, der bis zur Inspiration vordringt in unserer Zeit, ein klares Bewußtsein mit dieser Inspiration vereinigt, so wie er ein klares Bewußtsein mit seiner alltäglichen Verstandestätigkeit und Sinneswahrnehmung verknüpft. Das war ja in alten Zeiten anders. Da sprach der Betreffende wie ein Werkzeug höherer geistiger Wesenheiten, die sich seiner Organe bedienten, um Höheres durch seine Zunge auszudrücken. Da konnte der Einzelne Dinge sagen, die er selber gar nicht verstand. Kundgebungen aus der geistigen Welt kamen zustande, die das Werkzeug nicht unmittelbar zu verstehen brauchte, und gerade in Korinth war solches eingetreten. Da war der Zustand gekommen, daß eine Anzahl von Leuten die Gabe dieses Zungenredens hatten. Da konnten sie aus geistigen Welten dieses oder jenes verkündigen.

[ 8 ] What is this speaking in tongues that we find in Paul’s epistles? This speaking in tongues is nothing other than a remnant of ancient spiritual gifts that reappear in our time in a renewed form, yet with full human consciousness. For when we speak of inspiration in our methods of initiation, it is the case that a person who attains inspiration in our time unites clear consciousness with this inspiration, just as he links clear consciousness with his everyday intellectual activity and sensory perception. This was, of course, different in ancient times. There the person in question spoke as an instrument of higher spiritual beings who made use of his organs to express higher truths through his tongue. There the individual could say things that he himself did not understand at all. Manifestations from the spiritual world came about that the instrument did not need to understand immediately, and this had occurred precisely in Corinth. A situation had arisen in which a number of people possessed the gift of speaking in tongues. Through it, they could proclaim this or that from the spiritual worlds.

[ 9 ] Mit einer solchen Gabe ist es nun so, daß, wenn der Mensch sie hat, das was er durch solche Gabe zur Offenbarung bringen kann, unter allen Umständen eine Offenbarung aus der geistigen Welt ist. Aber es kann deshalb doch durchaus so sein, daß der eine dieses sagt und der andere jenes, denn die geistigen Bezirke sind mannigfaltig. Der eine kann von diesem Bezirk, der andere von einem anderen inspiriert sein, und da kann es sein, daß dann die Offenbarungen durchaus nicht zusammenstimmen. Das Zusammenstimmen kann man erst finden, wenn man mit vollem Bewußtsein sich in die betreffenden Welten hineinbegeben kann. Deshalb gibt Paulus die Mahnung: Da sind Leute, die Zungenreden können; andere sind, die die Zungenreden auslegen können. Sie sollen zusammenwirken wie die rechte und die linke Hand, und man soll nicht bloß auf die Zungenredner hören, sondern auch auf diejenigen, die diese Gabe vielleicht nicht haben, die aber auslegen, erkennen können, was der Einzelne aus diesem oder jenem geistigen Bezirk herunterzubringen vermag. — So fordert auch da Paulus wieder auf zu einer Gemeindesache, die durch das Zusammenwirken der Menschen zustande kommt.

[ 9 ] The thing about such a gift is that, when a person possesses it, whatever they are able to reveal through it is, under all circumstances, a revelation from the spiritual world. But it is still entirely possible that one person will say one thing and another will say something else, for the spiritual realms are manifold. One may be inspired by this realm, another by a different one, and it may be that the revelations then do not agree at all. Agreement can only be found when one can enter the relevant worlds with full consciousness. That is why Paul gives this admonition: There are people who can speak in tongues; there are others who can interpret the speaking in tongues. They should work together like the right and the left hand, and one should not merely listen to those who speak in tongues, but also to those who may not have this gift, yet who can interpret and discern what the individual is able to bring down from this or that spiritual realm. — Thus Paul again calls for a communal endeavor that comes about through the cooperation of people.

[ 10 ] Und anknüpfend gerade an dieses Zungenreden gibt Paulus jene Auseinandersetzung, die, wie gesagt, so wunderbar ist in gewisser Beziehung, daß sie in ihrer Gewalt durchaus noch in anderer Beziehung, als gestern auseinandergesetzt worden ist, mit den Mitteilungen der Gita verglichen werden kann. Er sagt:

[ 10 ] And building directly on this topic of speaking in tongues, Paul presents that discussion which, as I said, is so remarkable in a certain respect that, in its power, it can certainly be compared—in a different respect than was discussed yesterday—to the teachings of the Gita. He says:

[ 11 ] «In betreff der begeisterten Brüder will ich euch nicht ohne Bescheid lassen. Ihr wißt von eurer Heidenzeit, da waren es stumme Götzen, zu denen es euch mit blindem Triebe fortriß. Darum erkläre ich euch: So wenig einer, der im Geiste Gottes redet, sagt: Verflucht sei Jesus, so wenig kann ihn einer Herr nennen, es sei denn im heiligen Geiste.

[ 11 ] “As for the enthusiastic brothers, I do not want to leave you in the dark. You know from your time as pagans that there were mute idols to which you were driven by blind impulse. Therefore I tell you: Just as no one who speaks by the Spirit of God says, ‘Jesus be cursed,’ so no one can call him Lord except by the Holy Spirit.

[ 12 ] Nun bestehen Unterschiede der Gnadengaben, aber es ist ein Geist. Es bestehen Unterschiede in den Leistungen der Menschen, aber es ist ein Herr. Unterschiede bestehen in der Kraft, die die einzelnen Menschen haben, aber es ist ein Gott, der in allen diesen Kräften wirkt. Jedermann aber werden die Kundgebungen des Geistes verliehen, wie es dem Einzelnen frommt. So wird dem einen der Weissagung Rede gegeben, dem anderen der Wissenschaft Kunde; wiederum finden sich Geister, die im Glauben leben, wieder andere haben die Gabe der Heilung, andere haben die Gaben der Weissagung, andere haben die Gabe, Charaktere von Menschen zu durchschauen, andere haben das Zungenreden, andere wiederum die Auslegung der Zungenredung. In alledem aber wirkt ein Geist und erteilt einem jeden, was ihm zukommt.

[ 12 ] Now there are different kinds of gifts, but the same Spirit. There are different kinds of service, but the same Lord. There are different kinds of working, but the same God works all of them in all people. But to each one is given the manifestation of the Spirit for the common good. Thus, to one is given the word of prophecy, to another the message of knowledge; again, there are those who live by faith, while others have the gift of healing, others have the gifts of prophecy, others have the gift of discerning people’s characters, others speak in tongues, and still others interpret tongues. But in all these things it is one Spirit who works and distributes to each one individually as he wills.

[ 13 ] Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle einzelnen Glieder aber zusammen einen Leib bilden, so ist es auch mit dem Christus. Denn durch den Geist sind wir alle zu einem Leibe getauft, ob Jude oder Grieche, Sklave oder Freier, und wir sind alle mit einem Geiste getränkt worden, wie auch der Leib nicht aus einem, sondern aus vielen Gliedern besteht. Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht die Hand bin, so gehöre ich nicht zum Leibe, so gehörte er doch dazu. Wenn das Ohr sagte: Weil ich nicht das Auge bin, gehöre ich nicht zum Leibe -, so gehörte es doch dazu. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn der ganze Leib nur Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt jedes von ihnen ein besonderes am Leibe, wie Er es für gut fand. Wäre nur ein Glied, wo bliebe der Leib? So aber sind zwar viele Glieder, doch ist nur ein Leib. Das Auge darf zur Hand nicht sagen: Ich bedarf dein nicht! Der Kopf nicht zu den Füßen: Ich bedarf dein nicht! Vielmehr die scheinbar schwachen Glieder am Leib sind notwendig und diejenigen, die wir für gering achten, erweisen sich als besonders wichtig.

[ 13 ] For just as the body is one and has many members, and all the members of the body, though many, are one body, so it is with Christ. For by the Spirit we were all baptized into one body—whether Jews or Greeks, slaves or free—and we were all made to drink of one Spirit, just as the body is not made up of one member but of many. If the foot were to say, “Because I am not a hand, I do not belong to the body,” it would still belong to it. If the ear were to say, ‘Because I am not the eye, I do not belong to the body,’ it would still belong to it. If the whole body were only eyes, where would the hearing be? If the whole body were only hearing, where would the sense of smell be? But now God has placed the members, each one of them, in the body just as He saw fit. If there were only one member, where would the body be? But as it is, though there are many members, there is one body. The eye must not say to the hand, “I have no need of you!” Nor the head to the feet, “I have no need of you!” On the contrary, the members of the body that seem to be weaker are indispensable, and those members of the body that we think less of are treated with special honor.

[ 14 ] Gott hat den Leib zusammengesetzt und den unbedeutenden Gliedern ihre Bedeutung zuerkannt, damit es keine Spaltung im Leibe geben kann, sondern daß alle Glieder harmonisch zusammenwirken und füreinander besorgt sind. Und wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied Wohlergehen hat, jauchzen alle Glieder mit. Ihr aber» — so sagt Paulus zu seinen Korinthern — «seid des Christus Leib und seine Glieder bildet ihr alle zusammen. Und die einen hat Gott gesetzt in der Gemeinde zu Aposteln, die anderen zu Propheten. Dritte hat er gesetzt zu Lehrern, Vierte hat er gesetzt für Wunderheilungen, Fünfte für andere Hilfeleistungen, Sechste, damit die Verwaltung der Gemeinde zustandekomme und Siebente hat er gesetzt für das Zungenreden. Sollen alle Menschen Apostel sein? Sollen alle Propheten sein? Sollen alle Lehrer sein, alle Heiler, alle mit Zungen reden? Oder sollen alle die Zungenreden auslegen? Daher ist es recht, wenn die verschiedenen Gnadengaben zusammenwirken, aber je mehr, desto besser.»

[ 14 ] God has put the body together and given importance to the parts that seem least important, so that there may be no division in the body, but that all the parts may work together in harmony and care for one another. And if one member suffers, all the members suffer with it; and if one member is honored, all the members rejoice with it. But you”—so says Paul to his Corinthians—“are the body of Christ, and individually you are all members of it. And God has appointed some in the church to be apostles, others to be prophets. He has appointed some as teachers, others as those who perform miracles, others as those who provide various kinds of help, others to manage the church’s affairs, and still others as those who speak in tongues. Are all to be apostles? Are all to be prophets? Are all to be teachers, all to be healers, all to speak in tongues? Or are all to interpret tongues? Therefore, it is good for the various gifts of grace to work together, but the more, the better.”

[ 15 ] Und dann spricht Paulus von der Kraft, die im einzelnen, aber auch in der Gemeinde walten kann und die alle einzelnen Glieder der Gemeinde zusammenführt, wie des Leibes Kraft die einzelnen Glieder des Leibes zusammenführt. Schöneres sagt Krishna auch nicht zu einem Menschen, wie Paulus zur Menschheit gesprochen hat in ihren verschiedenen Gliedern. Dann spricht er von der Christus-Kraft, die die verschiedenen Glieder zusammenfaßt, wie der Leib die einzelnen Glieder zusammenfaßt. Und die Kraft, die im einzelnen leben kann wie die Lebenskraft in jedem Glied und die doch wieder im Ganzen lebt einer ganzen Gemeinde, die charakterisiert Paulus mit gewaltigen Worten:

[ 15 ] And then Paul speaks of the power that can be at work in the individual, but also in the church, and that brings together all the individual members of the church, just as the body’s power brings together the individual members of the body. Krishna does not speak more beautifully to a single person than Paul has spoken to humanity in its various members. Then he speaks of the power of Christ, which unites the various members, just as the body unites its individual members. And the power that can live in the individual—like the life force in every member—yet lives again in the whole of an entire congregation, Paul characterizes with powerful words:

[ 16 ] «Doch ich will euch zeigen den Weg, der höher ist denn alles andere:

[ 16 ] “But I will show you a way that is even higher than all the rest:

[ 17 ] Wenn ich reden könnte mit Menschen- oder mit Engelzungen aus dem Geiste und ermangelte der Liebe, so ist meine Rede tönend Erz und eine klingende Schelle.

[ 17 ] If I could speak in the tongues of men or of angels, but did not have love, I would be a resounding gong or a clanging cymbal.

[ 18 ] Und wenn ich weissagen könnte und alle Geheimnisse offenbaren und alle Erkenntnisse der Welt mitteilen, und wenn ich allen Glauben hätte, der Berge selbst versetzen könnte und ermangelte der Liebe, es wäre alles nichts.

[ 18 ] And even if I could prophesy and reveal all mysteries and impart all the knowledge in the world, and even if I had all faith—enough to move mountains—but lacked love, it would all be nothing.

[ 19 ] Und wenn ich alle Geistesgaben austeilte, ja, wenn ich meinen Leib selber hingäbe zum Verbrennen, und ermangelte der Liebe, es wäre alles unnütz.

[ 19 ] And even if I gave away all my spiritual gifts, and even if I gave my own body to be burned, but lacked love, it would all be in vain.

[ 20 ] Die Liebe währet immer. Die Liebe ist gütig, die Liebe kennt nicht den Neid, die Liebe kennt nicht die Prahlerei, kennt nicht den Hochmut, die Liebe verletzt nicht, was wohlanständig ist, sucht nicht ihre Vorteile, läßt sich nicht in Aufreizung bringen, trägt niemandem Böses nach, freut sich nicht über Unrecht, freut sich nur mit der Wahrheit.

[ 20 ] Love never fails. Love is kind; love does not envy; love does not boast; love is not arrogant; love does not act unbecomingly; love does not seek its own; love is not provoked; love does not take into account a wrong suffered; love does not rejoice in unrighteousness; love rejoices only in the truth.

[ 21 ] Die Liebe umkleidet alles, durchströmt allen Glauben, darf auf alles hoffen, darf überall Duldung üben.

[ 21 ] Love covers all things, believes all things, hopes all things, and endures all things.

[ 22 ] Die Liebe kann nie, wenn sie ist, verloren gehen. Was man weissaget, gehet dahin, wenn es erfüllt ist; was man mit Zungen redet, höret auf, wenn es nicht mehr zu Menschenherzen sprechen kann; was erkannt wird, höret auf, wenn der Gegenstand der Erkenntnis erschöpft ist.

[ 22 ] Love, if it exists, can never be lost. What is prophesied comes to an end when it is fulfilled; what is spoken in tongues ceases when it can no longer speak to human hearts; what is known ceases when the object of knowledge is exhausted.

[ 23 ] Denn Stückwerk ist alles Erkennen, Stückwerk ist alle Weissagung.

[ 23 ] For all knowledge is fragmentary; all prophecy is fragmentary.

[ 24 ] Doch wenn das Vollkommene kommt, dann ist es mit dem Stückwerk dahin.

[ 24 ] But when perfection comes, piecemeal solutions will be a thing of the past.

[ 25 ] Da ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind, fühlte ich, dachte ich wie ein Kind. Da ich ein Mann ward, war es mit des Kindes Welt vorbei.

[ 25 ] When I was a child, I spoke like a child, I felt like a child, I thought like a child. When I became a man, the world of childhood was over.

[ 26 ] Jetzt sehen wir im Spiegel nur dunkle Konturen, dereinst schauen wir den Geist von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dereinst werde ich ganz erkennen, wie ich selber bin.

[ 26 ] Now we see in a mirror only a dim reflection, but then we will see face to face. Now I know in part, but then I will know fully, just as I am fully known.

[ 27 ] Nun, bleibend ist Glaube, bleibend ist Hoffnung in Sicherheit, bleibend ist Liebe. Die Liebe aber ist das Größte unter ihnen; daher steht die Liebe obenan.

[ 27 ] Now, faith remains, hope remains in safety, love remains. But love is the greatest of these; therefore, love is first.

[ 28 ] Denn mögen euch alle Geistesgaben werden: wer die Weissagung selbst kennt, der muß auch nach der Liebe trachten.

[ 28 ] For even if you have all spiritual gifts, whoever has the gift of prophecy must also pursue love.

[ 29 ] Denn wer auch mit Zungen redet, er redet nicht unter den Menschen, er redet unter den Göttern. Niemand vernimmt es, weil er Geistesgeheimnisse redet.»

[ 29 ] For even if someone speaks in tongues, he does not speak to people but to the gods. No one understands him, because he speaks mysteries of the Spirit.»

[ 30 ] Wir sehen, wie Paulus die Natur des Zungenredens kennt. Er meint: Entrückt ist der Zungenredner in geistige Welten; er redet unter Göttern.

[ 30 ] We see how Paul understands the nature of speaking in tongues. He says: The one who speaks in tongues is transported into spiritual realms; he speaks among the gods.

[ 31 ] «Wer weissagt, redet mit Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung, zum Trost; wer mit der Zunge redet, befriedigt sich in gewisser Weise selbst; wer da weissagt, erbauet die Gemeinde.

[ 31 ] “Whoever prophesies speaks to people for their edification, exhortation, and comfort; whoever speaks in tongues, in a sense, satisfies himself; but whoever prophesies edifies the church.

[ 32 ] Ist es erreicht, daß ihr alle Zungen redet, recht viel wichtiger ist es, daß ihr weissaget. Wer weissagt, ist mehr als der, der Zungen redet, es sei denn, daß der Zungenredner selbst imstande ist, seine Zungenreden zu erkennen, damit die Gemeinde sie versteht.

[ 32 ] Even if you all speak in tongues, it is far more important that you prophesy. The one who prophesies is greater than the one who speaks in tongues, unless the one speaking in tongues is able to interpret what he says so that the congregation may understand it.

[ 33 ] Angenommen, meine Brüder, ich komme als Zungenredner zu euch, was kann ich euch nützen, wenn ich euch nicht sage, was meine Zungenreden bedeuten als Weissagung, als Lehre, als Offenbarung!

[ 33 ] Suppose, my brothers, that I come to you speaking in tongues; what good am I to you if I do not tell you what my tongues mean—as prophecy, as teaching, as revelation!

[ 34 ] Meine Zungenreden sind wie die Flöte, die Zither, wenn ihre Töne sich nicht deutlich unterscheiden lassen. Wie soll man dann unterscheiden das Spiel der Zither oder der Flöte, wenn sie nichtunterschiedliche Stimmen von sich geben. Und wenn die Trompete einen undeutlichen Ton gibt, wer will sich zum Streit rüsten?

[ 34 ] My speech is like a flute or a harp when their notes cannot be clearly distinguished. How then can one distinguish between the playing of the harp and the flute if they produce indistinguishable sounds? And if the trumpet sounds an indistinct note, who will prepare for battle?

[ 35 ] So ist es mit euch, wenn ihr mit den Zungenreden nicht eine deutliche Rede verbinden könnt, da ist alles in die Luft gesprochen.»

[ 35 ] “That is how it is with you: if you cannot accompany your speaking in tongues with clear speech, it is all just empty talk.”

[ 36 ] Das alles zeigt uns, daß die verschiedenen Geistesgaben verteilt sein müssen auf die Glieder der Gemeinde und daß die Glieder der Gemeinde als Individualitäten zusammenwirken müssen. Damit aber stehen wir auch auf dem Punkte, wo die Offenbarung des Paulus durch den Moment der Menschheitsentwickelung, in dem sie auftritt, sich grundsätzlich unterscheiden muß von der KrishnaOffenbarung.

[ 36 ] All of this shows us that the various spiritual gifts must be distributed among the members of the congregation and that the members of the congregation must work together as individuals. This, however, brings us to the point where Paul’s revelation, due to the stage of human development at which it occurs, must fundamentally differ from Krishna’s revelation.

[ 37 ] Die Krishna-Offenbarung richtet sich an den einzelnen Menschen, aber im Grunde genommen an jeden Menschen, wenn dieser reif wird, den Weg der Seele nach aufwärts zu machen, wie ihn der Herr des Yoga vorschreibt. Da werden wir immer mehr und mehr hinaufgewiesen in Urzeiten der Menschheit, zu denen man ja auch wiederum zurückkehren will im Geiste, im Sinne der KrishnaLehre. Da waren die Menschen noch weniger individualisiert, da konnte man voraussetzen, daß für einen jeden die gleiche Lehre und Anweisung gut sei.

[ 37 ] The Krishna Revelation is addressed to the individual, but ultimately to every human being who has matured enough to follow the soul’s path upward, as prescribed by the Lord of Yoga. There we are increasingly directed back to the primordial ages of humanity, to which one also wishes to return in spirit, in accordance with the teachings of Krishna. In those days, people were less individualized; one could assume that the same teachings and instructions were suitable for everyone.

[ 38 ] Paulus stand entgegen der Menschheit, wo die Einzelnen differenziert wurden, wo sie auch wirklich differenziert werden mußten, ein jeder mit seiner besonderen Fähigkeit, mit seiner besonderen Gabe. Da konnte man nicht mehr rechnen, daß man in jede einzelne Seele das gleiche hineingießen kann; da mußte man auf das hinweisen, was unsichtbar über allem waltet. Dieses, was in keinem Menschen als einzelnem Menschen ist, was aber in jedem Einzelnen sein kann, das ist der Christus-Impuls. Der Christus-Impuls ist wiederum etwas wie eine neue Gruppenseele der Menschheit, aber eine solche, die bewußt von dieser Menschheit gesucht wird.

[ 38 ] Paul stood in opposition to a view of humanity in which individuals were differentiated—and indeed had to be differentiated—each with their own special ability, their own special gift. It was no longer possible to assume that the same thing could be instilled into every single soul; instead, one had to point to that which reigns invisibly over all. This, which is not present in any human being as an individual, but which can be present in every individual, is the Christ impulse. The Christ impulse is, in turn, something like a new group soul of humanity, but one that is consciously sought by this humanity.

[ 39 ] Um das zu verdeutlichen, stellen wir uns einmal vor, wie sich, sagen wir, in der geistigen Welt eine Anzahl Krishna-Schüler ausnimmt, und wie sich eine Anzahl derjenigen Menschen ausnimmt, welche in ihrem tiefsten Inneren von dem Christus-Impuls berührt worden sind. Die Krishna-Schüler haben in sich ein jeder den gleichen Impuls entfacht, den ihnen der Herr des Yoga erteilt hat. Im geistigen Leben gleicht einer dem andern. Dem einen wie dem andern ist die gleiche Unterweisung gegeben worden. Diejenigen, die von dem Christus-Impuls berührt worden sind, sie sind entkörpert in der geistigen Welt; ein jeder mit seiner besonderen Individualität, mit seinen differenzierten Geisteskräften. Daher kann auch in der geistigen Welt der eine dieser Verrichtung, der andere jener obliegen. Und der Anführer, derjenige, der in die Seele eines jeden sich ergießt, so individuell ein jeder auch sein mag, das ist der Christus, der zugleich in der Seele eines jeden ist und über allem schwebt. Da haben wir eine differenzierte Gemeinde auch dann noch, wenn die Seelen entkörpert sind, während die Seelen der Krishna-Schüler ein Einheitliches sind, wenn die Seelen die Anleitungen bekommen haben von dem Herrn des Yoga. Das aber ist der Sinn der Menschheitsentwickelung, daß die Seelen immer differenzierter werden.

[ 39 ] To illustrate this, let us imagine what a group of Krishna disciples looks like in the spiritual world, and what a group of people looks like who have been touched by the Christ impulse in their innermost being. Each of the Krishna disciples has kindled within themselves the same impulse that the Lord of Yoga has bestowed upon them. In spiritual life, one resembles the other. Both have been given the same instruction. Those who have been touched by the Christ impulse are disembodied in the spiritual world; each with their own particular individuality, with their differentiated spiritual powers. Therefore, even in the spiritual world, one may be entrusted with this task, another with that. And the leader, the one who pours into the soul of each one, however individual each may be, is the Christ, who is simultaneously in the soul of each and hovers above all. Thus we still have a differentiated community even when the souls are disembodied, whereas the souls of the Krishna disciples form a unified whole once they have received the instructions from the Lord of Yoga. But this is the meaning of human development: that souls become ever more differentiated.

[ 40 ] Deshalb muß es so sein, daß in anderer Weise Krishna spricht. Er spricht, im Grunde genommen — so, wie er sich in der Gita mitteilt —, zu dem Schüler. Anders muß Paulus sprechen. Paulus spricht eigentlich zu jedem Menschen, und dann ist es eine Sache der individuellen Entwickelung, ob der Einzelne vermöge seiner Reife auf dieser oder jener Inkarnationsstufe stehenbleibt bei dem Exoterischen oder ob er hineingehen kann ins Esoterische und sich zu einem esoterischen Christentum erheben kann. Man kann im Christentum immer weiter und weiter kommen, zu den esoterischsten Höhen kommen; aber man geht von etwas anderem aus, als wovon man in der Krishna-Lehre ausgeht. In der Krishna-Lehre geht man von dem Standpunkt als Mensch aus, auf dem man ist, und erhebt die Seele als Individuum, als Einzelner. Im Christentum geht man davon aus, daß man eine Beziehung gewinnt, bevor man überhaupt einen weiteren Weg antritt, zu dem Christus-Impuls, daß dieser zunächst allem übrigen vorausgeht.

[ 40 ] That is why Krishna must speak in a different way. Essentially—just as he communicates in the Gita—he speaks to the disciple. Paul must speak differently. Paul actually speaks to every human being, and then it is a matter of individual development whether the individual, by virtue of his maturity at this or that stage of incarnation, remains at the exoteric level or whether he can enter into the esoteric and rise to an esoteric Christianity. In Christianity, one can go further and further, reaching the most esoteric heights; but one starts from a different point than that from which one starts in the teachings of Krishna. In the teachings of Krishna, one starts from the point where one stands as a human being and elevates the soul as an individual, as a single person. In Christianity, one assumes that one first gains a relationship—before even embarking on a further path—to the Christ impulse, that this precedes everything else.

[ 41 ] Den geistigen Weg zum Krishna hin kann nur derjenige antreten, der die Anweisungen des Krishna einhält; den geistigen Weg zum Christus kann jeder antreten, denn der Christus hat das Mysterium für alle gebracht, die überhaupt Menschen sind und eine Beziehung zu dem Mysterium haben können. Das ist aber etwas Äußeres, auf dem physischen Plan Vollbrachtes. Der erste Schritt ist daher ein solcher, der auf dem physischen Plan geschieht. Das ist das Wesentliche.

[ 41 ] Only those who follow Krishna’s instructions can embark on the spiritual path toward Krishna; anyone can embark on the spiritual path toward Christ, for Christ has brought the Mystery to all who are human and can have a relationship with the Mystery. But this is something external, accomplished on the physical plane. The first step is therefore one that takes place on the physical plane. That is the essential point.

[ 42 ] Man braucht wahrhaftig nicht, wenn man diese welthistorische Bedeutung des Christus-Impulses einsieht, von diesem oder jenem christlichen Bekenntnis auszugehen, sondern man kann, gerade in unserer Zeit, sogar von einem ganz Christus-feindlichen oder gegen Christus gleichgültigen Standpunkt ausgehen. Wenn man sich aber in das vertieft, was unsere Zeit an geistigem Leben wirklich geben kann, wenn man die Widersprüche und Torheiten des Materialismus einsieht, dann wird man vielleicht gerade am echtesten in unsere Zeit zu Christus geführt, wenn man nicht von einem besonderen Bekenntnis von vornherein ausgeht. Wenn deshalb außerhalb unserer Kreise gesagt wird, daß hier bei uns von einem besonderen Christus-Bekenntnis ausgegangen wird, so darf das als eine ganz besonders schlechte Verleumdung betrachtet werden, denn es handelt sich nicht um den Ausgangspunkt von irgendeinem Bekenntnis, sondern darum, daß ausgegangen wird von den Bedingungen des Geisteslebens selbst, und daß jeder, ob er Mohammedaner oder Buddhist, Jude oder Hinduist, oder ob er Christ ist, den ChristusImpuls verstehen kann in seiner ganzen Bedeutung für die Menschheitsentwickelung. Dieses aber ist zugleich etwas, was wir im Tiefsten die ganze Anschauung und Darstellung des Paulus durchdringen sehen, und in dieser Beziehung ist Paulus eben durchaus die tonangebende Persönlichkeit für die erste Verkündigung des Christus-Impulses in der Welt.

[ 42 ] Once one grasps the world-historical significance of the Christ impulse, there is truly no need to start from this or that Christian creed; rather, especially in our time, one can even start from a standpoint that is entirely hostile to Christ or indifferent to Him. But if one delves into what our age can truly offer in terms of spiritual life, if one recognizes the contradictions and follies of materialism, then one may be led to Christ most authentically in our time precisely by not starting from a particular creed from the outset. Therefore, when it is said outside our circles that we proceed here from a particular confession of Christ, this must be regarded as a particularly malicious slander, for it is not a matter of proceeding from any particular confession, but rather of proceeding from the conditions of spiritual life itself, and that everyone—whether Muslim or Buddhist, Jew, or Hindu, or whether he is a Christian, can understand the Christ impulse in its full significance for the development of humanity. This, however, is at the same time something we see permeating Paul’s entire view and presentation in the deepest sense, and in this respect Paul is indeed the leading figure in the first proclamation of the Christ impulse in the world.

[ 43 ] Wenn wir dargestellt haben, wie die Sankhyaphilosophie sich mit dem Formenwandel, mit demjenigen befaßt, was sich auf Prakriti bezieht, so durften wir sagen: Paulus handelt in alledem, was seinen tiefsinnigen Briefen zugrunde liegt, durchaus vom Purusha, von dem Seelischen. Über das Werden, über das Schicksal des Seelischen, wie es durch die ganze Menschheitsentwickelung hindurch sich mannigfach entwickelnd geht, darüber finden wir bei Paulus ganz bestimmte und tiefgehende Aufschlüsse.

[ 43 ] Having described how Sankhya philosophy deals with the transformation of forms—that is, with what pertains to Prakriti—we may say that Paul, in everything underlying his profound letters, is indeed speaking of Purusha, of the spiritual. Regarding becoming, regarding the destiny of the soul as it unfolds in manifold ways throughout the entire course of human development, we find in Paul very definite and profound insights.

[ 44 ] Da gibt es einen Grundunterschied zwischen dem, was das morgenländische Denken noch leisten konnte und dem, was uns gleich bei Paulus in so wunderbar klarer Weise entgegentritt. Wir haben schon gestern darauf hingewiesen, daß alles bei Krishna darauf ankommt, daß der Mensch den Weg aus dem Formenwandel herausfindet. Aber die Prakriti bleibt draußen, wie etwas der Seele Fremdes. Alles Bestreben geht dahin innerhalb dieser orientalischen Entwickelung, selbst innerhalb der orientalischen Einweihung, frei zu werden von dem materiellen Dasein, von dem, was da draußen als Natur sich ausbreitet. Denn das, was sich da draußen als Natur ausbreitet, es stellt sich im Sinne der Vedenphilosophie als Maya dar. Maya ist alles, was da draußen ist; frei werden von der Maya ist Yoga. Haben wir es doch dargestellt, wie gerade in der Gita verlangt wird, daß der Mensch von alledem, was er tut, verrichtet, will und denkt, woran er Lust und Genießen hat, frei werde und als Seele triumphiert über das, was eine Äußerlichkeit ist. Das Werk, das der Mensch verrichtet, soll gleichsam abfallen von ihm und er so, in sich selber ruhend, in sich selber befriedigt werden. So schwebt im Grunde genommen jedem, der sich im Sinne der Krishna-Lehre entwickeln will, vor, dereinst so etwas zu werden wie ein Paramahamsa, das heißt ein hoch Eingeweihter, der alles materielle Dasein hinter sich läßt, der über alles triumphiert, was er selbst als seine Taten verrichtet hat noch innerhalb dieser Sinneswelt; der in einem rein geistigen Dasein lebt, der das Sinnliche so überwunden hat, daß kein Durst mehr zur Wiederverkörperung da ist bei ihm, daß er nichts mehr mit alledem zu tun hat, was als sein Werk in dieses Sinnessein sich eingelebt hat.

[ 44 ] There is a fundamental difference between what Eastern thought was still capable of achieving and what we encounter so wonderfully clearly right from the start with Paul. We already pointed out yesterday that, for Krishna, everything hinges on the human being finding the way out of the cycle of reincarnation. But Prakriti remains outside, as something foreign to the soul. All striving within this Eastern development, even within Eastern initiation, is directed toward becoming free from material existence, from that which spreads out there as nature. For that which spreads out there as nature is, in the sense of Vedic philosophy, Maya. Maya is everything that is out there; becoming free from Maya is yoga. We have, after all, described how the Gita specifically demands that man become free from all that he does, performs, wills, and thinks—from what he takes pleasure in and enjoys—and that he, as a soul, triumph over that which is external. The work that a person performs should, as it were, fall away from him, and he should thus, resting in himself, find satisfaction within himself. Thus, fundamentally, everyone who wishes to develop in the spirit of Krishna’s teachings envisions one day becoming something like a Paramahamsa—that is, a highly initiated being who leaves all material existence behind, who triumphs over everything he himself has done as his own acts within this sensory world; who lives in a purely spiritual existence, who has overcome the sensory to such an extent that there is no longer any thirst for reincarnation within him, that he has nothing more to do with all that has taken root in this sensory existence as his own work.

[ 45 ] So ist es das Herauskommen aus dieser Maya, das Triumphieren über diese Maya, was uns da überall entgegentritt. So ist es aber nicht bei Paulus. Es ist bei Paulus so, daß etwas in den tieferen Untergründen der Paulusseele, wenn ihm diese orientalische Lehre entgegentreten würde, die folgenden Worte aufkommen lassen würde: Ja, du willst dich herausentwickeln aus alledem, was dich da draußen umgibt, was du auch da draußen jemals verrichtet hast. Das willst du alles hinter dir lassen? Ist denn das nicht alles Gotteswerk, ist denn nicht das alles, woraus du dich erheben willst, göttlich Geistgeschaffenes? Verachtest du nicht Gotteswerk, wenn du das verachtest? Lebt darin nicht überall Gottesoffenbarung, Gottesgeist? Suchtest du nicht zuerst in deinem eigenen Werk den Gott darzustellen, in Liebe und Glaube und Hingebung, und willst nun darüber triumphieren über das, was Gotteswerk ist?

[ 45 ] Thus, it is the breaking free from this Maya, the triumph over this Maya, that confronts us everywhere. But this is not the case with Paul. With Paul, it is such that something in the deeper recesses of his soul, were he to encounter this Eastern teaching, would give rise to the following words: Yes, you want to evolve out of everything that surrounds you out there, everything you have ever done out there. Do you want to leave all that behind? Is not all of that God’s work? Is not everything from which you wish to rise above a divine creation of the Spirit? Are you not despising God’s work when you despise that? Does not God’s revelation, God’s Spirit, live in all of this? Did you not first seek to represent God in your own work, in love and faith and devotion, and do you now wish to triumph over what is God’s work?

[ 46 ] Es wäre gut, wenn wir uns diese von Paulus zwar nicht ausgesprochenen, aber in den Tiefen seiner Seele waltenden Worte selbst ganz tief in die Seele schreiben würden, denn darin drückt sich ein wichtiger Nerv desjenigen aus, was wir gerade als abendläandische Offenbarung erkennen. Auch im Paulinischen Sinn sprechen wir durchaus von der Maya, die uns umgibt. Wohl sprechen wir so: Überall umgibt uns Maya! Aber wir sagen: Ist denn in dieser Maya nicht Geistesoffenbarung, ist das nicht alles göttlich-geistiges Werk, ist es nicht Frevel, nicht zu verstehen, daß da überall göttlich-geistiges Werk ist? Jetzt tritt die andere Frage hinzu: Warum ist das Maya? Warum erblicken wir Maya um uns herum? — Das Abendland bleibt nicht bei der Frage stehen, ob alles Maya ist, es fragt nach dem Warum der Maya. Da ergibt sich eine Antwort, die uns mitten ins Seelische, in Purusha hineinführt: Weil die Seele einmal der Gewalt des Luzifer erlegen ist, sieht sie alles durch den Schleier der Maya, breitet sie als Seele den Schleier der Maya über alles aus. — Ist denn die Objektivität schuld, daß wir Maya erblicken? Nein. Uns würde als Seele die Objektivität in ihrer Wahrheit erscheinen, wenn wir nicht der Gewalt des Luzifer erlegen wären. Uns erscheint sie bloß als Maya, weil wir nicht fähig sind, auf den Grund dessen zu schauen, was sich da ausbreitet. Das ruhrt davon her, daß die Seele der Gewalt des Luzifer erlegen ist, das ist nicht die Schuld der Götter, das ist die Schuld der eigenen Seele. Du Seele hast dir die Welt zur Maya gemacht dadurch, daß du dem Luzifer unterlegen bist.

[ 46 ] It would be good if we were to engrave these words—which Paul did not actually utter but which reigned in the depths of his soul—deep within our own souls, for they express a vital aspect of what we now recognize as Western revelation. Even in the Pauline sense, we certainly speak of the Maya that surrounds us. We do indeed say: Maya surrounds us everywhere! But we ask: Is there not spiritual revelation in this Maya? Is this not all divine-spiritual work? Is it not sacrilege not to understand that there is divine-spiritual work everywhere? Now another question arises: Why is this Maya? Why do we perceive Maya all around us? — The West does not stop at the question of whether everything is Maya; it asks after the why of Maya. This yields an answer that leads us right into the soul, into Purusha: Because the soul once succumbed to the power of Lucifer, it sees everything through the veil of Maya; as a soul, it spreads the veil of Maya over everything. — Is objectivity to blame for the fact that we perceive Maya? No. Objectivity would appear to us as souls in its truth if we had not succumbed to the power of Lucifer. It appears to us merely as Maya because we are unable to look into the depths of what is unfolding there. This stems from the fact that the soul has succumbed to the power of Lucifer; this is not the fault of the gods, it is the fault of one’s own soul. You, soul, have made the world into Maya by succumbing to Lucifer.

[ 47 ] Von der höchsten geisteswissenschaftlichen Fassung dieser Formel bis herunter zu dem Goethewort: «Die Sinne trügen nicht, aber das Urteil trügt», ist eine Linie. Und die Philister und die Zeloten mögen Goethe, mögen Goethes Christentum noch so sehr bekämpfen, er durfte doch sagen, daß er einer der allerchristlichsten Menschen ist, weil er in den Tiefen seines Wesens christlich dachte, selbst bis in diese Formel hinein: «Die Sinne trügen nicht, aber das Urteil trügt.» Die Seele ist schuld, daß das, was sie sieht, nicht in der Wahrheit, sondern als Maya erscheint. Da wird dasjenige, was im Orientalismus einfach dasteht wie eine Tat der Götter selber, abgelenkt in die Tiefen der menschlichen Seele hinein, wo der große Kampf mit Luzifer stattfindet.

[ 47 ] There is a direct line from the most profound spiritual-scientific interpretation of this formula all the way down to Goethe’s words: “The senses do not deceive, but judgment does.” And no matter how much the philistines and the zealots may fight against Goethe, against Goethe’s Christianity, he was still entitled to say that he was one of the most Christian of men, because in the depths of his being he thought Christianly, even down to this very formula: “The senses do not deceive, but judgment deceives.” The soul is to blame for the fact that what it sees appears not in truth but as Maya. Thus, that which in Orientalism simply stands there as an act of the gods themselves is diverted into the depths of the human soul, where the great struggle with Lucifer takes place.

[ 48 ] So ist der Orientalismus, wenn wir ihn recht betrachten, gerade dadurch in einer gewissen Weise Materialismus, weil er die Geistigkeit der Maya nicht erkennt und hinaus will aus dem Materiellen. Eine seelische Lehre, wenn sie auch nur in den Keimen vorhanden ist und deshalb so verkannt werden kann wie in unserer Tamaszeit, ist das, was die Paulusbriefe durchpulst und was sich in Zukunft über die ganze Erde hin sichtbar verbreiten wird. Dieses von der eigentümlichen Natur der Maya, das muß verstanden werden, dann erst versteht man in den Tiefen das, um was es sich eben im Fortschritt der Menschheitsentwickelung handelt. Dann versteht man, was Paulus meint, wenn er von dem ersten Adam spricht, der dem Luzifer in seiner Seele erlegen ist und der deshalb immer mehr und mehr in die Materie verstrickt wurde, das heißt nichts anderes als: in ein falsches Erleben der Materie verstrickt wurde. Die Materie da draußen als Gottesschöpfung ist gut. Das, was da vorgeht, das ist gut. Dasjenige, was die Seele daran erlebte im Laufe der Menschheitsentwickelung, das wurde immer schlimmer und schlimmer, weil die Seele am Anfang der Gewalt des Luzifer erlegen war. Und Paulus nennt deshalb den Christus den zweiten Adam, weil er in die Welt getreten ist unversucht von Luzifer und daher jener Führer und Freund der Menschenseelen sein kann, der sie von Luzifer allmählich hinweg, das heißt, in ein rechtes Verhältnis zu ihm bringt.

[ 48 ] Thus, when viewed correctly, Orientalism is, in a certain sense, materialistic precisely because it fails to recognize the spiritual nature of Maya and seeks to escape the material realm. A spiritual teaching, even if it exists only in its embryonic form and can therefore be so misunderstood as it is in our age of Tamas, is what pulses through the Epistles of Paul and what will visibly spread across the entire earth in the future. This must be understood in relation to the peculiar nature of Maya; only then can one grasp in its depths what is at stake in the progress of human development. Then one understands what Paul means when he speaks of the first Adam, who succumbed to Lucifer in his soul and who was therefore entangled more and more in matter—which means nothing other than: entangled in a false experience of matter. Matter out there, as God’s creation, is good. What is happening there is good. What the soul experienced in it over the course of human development became worse and worse, because the soul had succumbed to the power of Lucifer at the beginning. And that is why Paul calls Christ the second Adam, because he entered the world untempted by Lucifer and can therefore be that guide and friend of human souls who gradually leads them away from Lucifer—that is, into a right relationship with him.

[ 49 ] Paulus konnte nicht alles, was er als Eingeweihter wußte, der Menschheit mitteilen in seiner Zeit. Wer aber seine Briefe auf sich wirken läßt, wird einsehen, daß sie mehr in ihren Tiefen sprechen, als was sie äußerlich zum Ausdruck bringen. Das kommt daher, daß Paulus zu einer Gemeinde sprechen mußte und mit dem Verstand der Gemeinde rechnen mußte. Daher erscheint manches in seinen Briefen wie rechter Widerspruch. Wer aber in die Tiefen dringen kann, der findet wirklich überall in Paulus die Impulse von dem Wesen des Christus.

[ 49 ] Paul could not convey to humanity in his time everything he knew as an initiate. But anyone who allows his letters to take effect upon them will realize that they speak more in their depths than what they express outwardly. This is because Paul had to speak to a congregation and had to take the congregation’s understanding into account. Therefore, some things in his letters appear to be outright contradictions. But anyone who can penetrate to the depths will indeed find the impulses of the Christ-being everywhere in Paul.

[ 50 ] Erinnern wir uns an dieser Stelle, wie wir selber das Ins-LebenTreten des Mysteriums von Golgatha dargestellt haben. Wir haben ja im Lauf der Zeiten erkannt, daß deshalb zwei verschiedene Jugendgeschichten für den Christus Jesus im Matthäus-Evangelium und im Lukas-Evangelium vorliegen, weil wir es in der Tat mit zwei Jesusknaben zu tun haben. Und wir haben erkannt, daß äußerlich, dem Fleische nach, ganz im Sinne des Paulus gesprochen, das heißt der physischen Abstammung nach, die beiden Jesusknaben eben aus dem Geschlecht des David herrühren, daß der eine aus der nathanischen und der andere aus der salomonischen Linie stammen, daß also zwei Jesusknaben um ungefähr die gleiche Zeit geboren werden. In dem einen Jesusknaben, in dem des Matthäus-Evangeliums, finden wir den Zarathustra wiederum inkarniert, und wir haben es betont, wie in dem anderen Jesusknaben, den uns das LukasEvangelium schildert, ein solches menschliches Ich eigentlich nicht enthalten ist, wie es vor allen Dingen in einem Menschen vorhanden ist, wie es der andere Jesusknabe ist, in dem ein so hochentwikkeltes Ich lebt wie das Zarathustra-Ich. In dem Lukas-Jesusknaben, da lebt eigentlich das von dem Menschen, was nicht eingegangen ist in die menschliche Entwickelung der Erde.

[ 50 ] Let us recall here how we ourselves have described the coming into being of the Mystery of Golgotha. Over time, we have come to realize that the reason there are two different accounts of Christ Jesus’ youth in the Gospel of Matthew and the Gospel of Luke is that we are in fact dealing with two Jesus boys. And we have recognized that outwardly, in the flesh, to speak in the sense of Paul—that is, according to physical descent—the two Jesus-children do indeed descend from the house of David, that one comes from the line of Nathan and the other from the line of Solomon, and that thus two Jesus-children are born at approximately the same time. In one of the Jesus-children, the one in the Gospel of Matthew, we find Zarathustra incarnated once again, and we have emphasized how the other Jesus-child, as described in the Gospel of Luke, does not actually contain such a human ego as is present above all in a human being, as is the case with the other Jesus-child, in whom lives an ego as highly developed as the Zarathustra-ego. In the Luke Jesus-child, what actually lives there is that part of the human being which has not entered into the human development of the Earth.

[ 51 ] Es ist ein wenig schwierig, hier auf diesem Punkt zu einer richtigen Vorstellung zu kommen. Allein man versuche es nur einmal sich vorzustellen, wie sozusagen die Seele, die in Adam verkörpert war, also in dem, der als Adam bezeichnet werden kann im Sinne meiner «Geheimwissenschaft», wie diese Seele der Versuchung des Luzifer unterliegt, die symbolisch in der Bibel durch den Sündenfall im Paradiese dargestellt wird. Man stelle sich das vor. Dann stelle man sich dazu vor, daß neben jenem Menschenseelentum, das sich in dem Adamsleib inkarnierte, zurückbleibt ein Menschentum, eine Menschenwesenheit, die sich damals nicht verkörpert, die nicht in einen physischen Leib eindringt, sondern die seelenhaft bleibt. Sie brauchen sich ja nur vorzustellen, daß man es, bevor innerhalb der Menschheitsentwickelung ein physischer Mensch entstand, zu tun hat mit einer Seele, die sich dann in zwei teilte. Der eine Teil, der eine Nachkomme der gemeinsamen Seele, verkörpert sich in Adam, und dadurch geht diese Seele in die Inkarnation hinein, unterliegt dem Luzifer und so weiter. Für die andere Seele, gleichsam für die Schwesterseele, wird von der weisen Weltenregierung vorausgesehen, daß es nicht gut ist, wenn sie sich auch verkörpert. Sie wird zurückbehalten in der seelischen Welt; sie lebt also nicht in den Menschheits-Inkarnationen, sondern wird zurückbehalten. Mit ihr verkehren nur die Eingeweihten der Mysterien. Diese Seele nimmt also auch nicht während dieser Evolution vor dem Mysterium von Golgatha das Ich-Erlebnis in sich auf, weil dieses ja erst durch das Einkörpern in den Menschenleib erlebt wird. Deshalb hat aber diese Seele doch alle Weisheit, die erlebt werden konnte durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, es hat diese Seele alle Liebe, deren eine Menschenseele fähig werden kann. Diese Seele bleibt also gleichsam unschuldig gegenüber all der Schuld, die die Menschheit in sich bringen kann im Verlauf der Inkarnationen der Menschheitsentwickelung. Diese Seele ist also eine solche, der man äußerlich nicht als Mensch begegnen konnte, sondern die nur von den alten Hellsehern wahrgenommen werden konnte. Von denen wurde sie auch wahrgenommen. Sie verkehrte sozusagen in den Mysterien. Und so haben wir eine solche Seele, man könnte sagen, innerhalb und doch oberhalb der Menschheitsentwickelung, die zunächst nur geistigwahrgenommen werden konnte, ein Vormensch, ein wirklicher Übermensch.

[ 51 ] It is somewhat difficult to form a clear picture of this point. But just try to imagine for a moment how, so to speak, the soul that was embodied in Adam—that is, in the one who can be called Adam in the sense of my “Esoteric Science”—how this soul succumbs to the temptation of Lucifer, which is symbolically depicted in the Bible through the Fall in Paradise. Imagine that. Then imagine, in addition to that human soul that incarnated in Adam’s body, a human nature, a human being, remains behind—one that did not incarnate at that time, that did not enter a physical body, but remained in a soul-like state. You need only imagine that, before a physical human being came into being within the course of human evolution, we are dealing with a soul that then divided into two. One part, one descendant of the common soul, incarnates in Adam, and through this the soul enters into incarnation, succumbs to Lucifer, and so on. For the other soul—the sister soul, as it were—the wise world government foresees that it would not be good for it to incarnate as well. It is retained in the soul world; thus, it does not live through human incarnations but is held back. Only the initiates of the Mysteries commune with it. This soul, therefore, does not take in the experience of the “I” during this evolution prior to the Mystery of Golgotha, because this is only experienced through incarnation in the human body. Yet this soul possesses all the wisdom that could be experienced during the Saturn, Sun, and Moon eras; this soul possesses all the love of which a human soul is capable. This soul thus remains, as it were, innocent of all the guilt that humanity can bring upon itself in the course of the incarnations of human development. This soul is therefore one whom one could not encounter outwardly as a human being, but who could only be perceived by the ancient clairvoyants. It was indeed perceived by them. It moved, so to speak, within the mysteries. And so we have such a soul—one might say—within and yet above the development of humanity, which at first could only be perceived spiritually: a pre-human, a true superhuman.

[ 52 ] Diese Seele war es, welche statt eines Ich inkarniert wurde in dem Jesusknaben des Lukas-Evangeliums. Sie erinnern sich an die Basler Vorträge. Da ist das schon dargestellt worden. Also wir haben es mit einer bloß Ich-ähnlichen Seele zu tun, die durchaus natürlich, als sie in den Körper des Jesus eindringt, wie ein Ich wirkt; aber alles das, was sie darstellt, ist doch anders als ein anderes gewöhnliches Ich. Ich habe schon betont, daß der Knabe des Lukas-Evangeliums gleich in einer seiner Mutter verständlichen Sprache reden konnte, als er zur Welt kam; und anderes Ähnliches zeigte sich an ihm. Wir wissen dann, daß der Matthäus-Jesusknabe, in dem das Zarathustra-Ich lebte, bis zum zwölften Jahr heranwuchs; heranwuchs auch dieser Lukas-Jesusknabe, der keine besondere menschliche Erkenntnis und Wissenschaft hatte, sondern der göttliche Weisheit und göttliche Opferfähigkeit in sich trug.

[ 52 ] It was this soul that, instead of an “I,” incarnated in the boy Jesus of the Gospel of Luke. You will recall the Basel lectures. This was already described there. So we are dealing with a soul that is merely ego-like, which, quite naturally, acts like an ego when it enters the body of Jesus; but everything it represents is nevertheless different from an ordinary ego. I have already emphasized that the boy of the Gospel of Luke was able to speak in a language his mother could understand as soon as he was born; and other similar things manifested themselves in him. We know, then, that the Matthew Jesus-child, in whom the Zarathustra-I lived, grew up to the age of twelve; and this Luke Jesus-child also grew up, possessing no particular human knowledge or learning, but carrying within himself divine wisdom and a divine capacity for sacrifice.

[ 53 ] So wuchs er heran, der Lukas-Jesusknabe, zeigte sich nicht besonders begabt für das, was man äußerlich menschlich lernen kann. Dann wissen wir ja weiter, daß der Körper des Matthäus-Jesusknaben von dem Zarathustra-Ich verlassen wurde und im zwölften Jahr des Lukas-Jesusknaben das Zarathustra-Ich Besitz vom Körper des Lukas-Jesusknaben nahm. Das ist der Moment, der dadurch angedeutet wird, daß erzählt wird von dem zwölfjährigen Jesusknaben des Lukas-Evangeliums, daß er vor den Weisen des Tempels lehrend auftritt, als ihn seine Eltern verloren haben.

[ 53 ] And so the boy Luke-Jesus grew up, showing no particular aptitude for what can be learned in the conventional human sense. We know further that the body of the Matthew Jesus-boy was abandoned by the Zarathustra-I, and in the twelfth year of the Luke Jesus-boy, the Zarathustra-I took possession of the body of the Luke Jesus-boy. This is the moment indicated by the account in the Gospel of Luke of the twelve-year-old Jesus, where he is described as teaching before the wise men of the temple after his parents had lost him.

[ 54 ] Dann wissen wir weiter, daß dieser Lukas-Jesusknabe jetzt das Zarathustra-Ich in sich trägt bis in sein dreißigstes Jahr hinein, daß da das Zarathustra-Ich den Körper des Lukas-Jesus verläßt und daß von alledem, was jetzt Hüllennatur ist, der Christus Besitz ergreift, Christus, der ein übermenschliches Wesen der höheren Hierarchien ist und der nur unter solchen Umständen überhaupt in einem menschlichen Leibe wohnen konnte, daß ihm ein Leib dargebracht wurde, der, sagen wir, erst durchsetzt war bis zum zwölften Lebensjahre von den vormenschlichen Weisheitskräften, von den vormenschlichen göttlichen Liebekräften, dann durchflossen und durchströmt wurde von all dem, was durch das Zarathustra-Ich in vielen Inkarnationen durch Einweihungen erworben worden war. Man bekommt vielleicht durch nichts so sehr die richtige Achtung, die richtige Ehrfurcht, kurz überhaupt das richtige Gefühl gegenüber dem Christus-Wesen, als wenn man versucht zu verstehen, was für eine Leiblichkeit notwendig war, damit dieses Christus-Ich überhaupt in die Menschheit hereinkommen konnte.

[ 54 ] We also know that this Luke-Jesus boy now carries the Zarathustra-I within him until he reaches the age of thirty, that the Zarathustra-I then leaves the body of Luke-Jesus, and that Christ takes possession of all that which is now merely a physical shell, Christ, who is a superhuman being of the higher hierarchies and who could dwell in a human body only under such circumstances that a body was offered to him which, let us say, was first permeated up to the twelfth year of life by the pre-human forces of wisdom, by the pre-human divine forces of love, and was then permeated and flowed through by all that had been acquired through the Zarathustra-I in many incarnations through initiations. Perhaps nothing gives one the proper respect, the proper reverence—in short, the proper feeling toward the Christ Being—as much as trying to understand what kind of physicality was necessary for this Christ-I to enter humanity at all.

[ 55 ] Es haben manche in dieser Darstellung, die aus den heiligen Mysterien der neueren Zeit über diese Christus-Wesenheit gegeben wird, gefunden, daß diese Christus-Wesenheit dadurch sozusagen weniger intim und menschlich erscheine als der Christus Jesus, den viele verehrt haben in der Weise wie man sich ihn vielfach vorgestellt hat: familiär, dem Menschen naheliegend, in einem gewöhnlichen menschlichen Leibe verkörpert, dem nicht innewohnte so etwas wie ein Zarathustra-Ich. Man hat unserer Lehre vorgeworfen, daß der Christus Jesus aus Kräften von allen Gebieten der Welt heraus zusammengesetzt wurde. Solche Vorwürfe rühren nur von der Bequemlichkeit des menschlichen Erkennens her, des menschlichen Fühlens, das sich nicht hinauf erheben will zu den wirklichen Höhen des Empfindens und Fühlens. Das Größte muß auch so erfaßt werden, daß sich unsere Seele im höchsten Maße anstrengt, um zu jener inneren Intensität des Fühlens und Empfindens zu kommen, die notwendig ist, um das Größte, das Höchste einigermaßen unserer Seele nahezubringen. So wird die erste Empfindung nur erhöht, wenn wir sie in solchem Licht betrachten.

[ 55 ] Some have found in this description of the Christ-Essence, drawn from the sacred mysteries of modern times, that this Christ-Essence thereby appears, so to speak, less intimate and human than the Christ Jesus whom many have venerated in the way he has often been imagined: familiar, close to humanity, embodied in an ordinary human body, in which there was no such thing as a Zarathustra-like ego. Our teaching has been criticized on the grounds that the Christ Jesus was composed of forces drawn from all regions of the world. Such accusations stem solely from the complacency of human cognition, of human feeling, which does not wish to rise to the true heights of perception and feeling. The greatest must also be grasped in such a way that our soul exerts itself to the utmost to attain that inner intensity of feeling and perception which is necessary to bring the greatest, the highest, somewhat closer to our soul. Thus, the first sensation is only heightened when we view it in such a light.

[ 56 ] Noch eins wissen wir. Wir wissen, wie wir die Worte des Evangeliums zu deuten haben: «Es offenbaren sich die Gotteskräfte in den Höhen, und Friede breitet sich aus unter den Menschen, die eines guten Willens sind.» Wir wissen, daß sie, die Botschaft des Friedens und der Liebe, ertönt, als der Lukas-Jesusknabe erscheint, dadurch daß sich in den astralischen Leib des Lukas-Jesusknaben der Buddha hineinmischt, der dazumal schon in einer Wesenheit war, die ihre letzte Inkarnation als Gautama Buddha durchgemacht hatte und zur vollen Geistigkeit aufgestiegen war; so daß im astralischen Leib des Lukas-Jesusknaben der Buddha sich offenbarte, wie er fortgeschrit ten war bis zu dem Erscheinen des Mysteriums von Golgatha auf Erden.

[ 56 ] There is one more thing we know. We know how to interpret the words of the Gospel: “Glory to God in the highest, and on earth peace to those on whom his favor rests.” We know that this message of peace and love resounds when the Luke-Jesus child appears, because the Buddha intermingles with the astral body of the Luke-Jesus child; the Buddha was already, at that time, a being who had undergone his final incarnation as Gautama Buddha and had ascended to full spirituality; so that in the astral body of the Luke-Jesus child, the Buddha revealed himself as he had progressed up to the appearance of the Mystery of Golgotha on Earth.

[ 57 ] So haben wir die Wesenheit des Christus Jesus vor uns hingestellt, wie sie sozusagen erst heute aus den Grundlagen der Geheimwissenschaft heraus der Menschheit gegeben werden kann. Paulus, obzwar ein Eingeweihter, mußte mit leichter begreiflichen Begriffen für die damalige Zeit sprechen; er hätte nicht eine Menschheit voraussetzen können, die solche Begriffe, wie wir sie heute an die Herzen heranbringen können, schon hätte verstehen können. Aber das, was seine Inspiration ausmachte, das war ja durch seine durch Gnade bewirkte Einweihung bewirkt. Weil er nicht zu dieser in regelrechter Schulung in alten Mysterien gekommen war, sondern durch Gnade auf dem Wege nach Damaskus, wo ihm der auferstandene Christus erschienen war, deshalb nenne ich diese Einweihung eine durch Gnade bewirkte Einweihung. Aber er war dieser Damaskus-Erscheinung so gegenübergetreten, daß er durch sie wußte: Ja, es lebt mit der Erdensphäre verbunden seit dem Mysterium von Golgatha das, was auferstanden ist im Mysterium von Golgatha. Er erkannte den auferstandenen Christus. Den verkündete er von da ab. Warum konnte er ihn gerade so sehen, wie er ihn gesehen hat?

[ 57 ] Thus we have presented the essence of Christ Jesus as it can, so to speak, only now be revealed to humanity based on the foundations of esoteric science. Paul, though an initiate, had to speak in terms that were easier to grasp for the people of his time; he could not have assumed that humanity was already capable of understanding such concepts as we can bring to people’s hearts today. But what constituted his inspiration was, after all, brought about by his initiation through grace. Because he had not attained this through a proper training in the ancient mysteries, but through grace on the road to Damascus, where the risen Christ had appeared to him, that is why I call this initiation an initiation brought about by grace. But he had encountered this Damascus appearance in such a way that through it he knew: Yes, what rose in the Mystery of Golgotha has been living, connected to the earthly sphere, ever since the Mystery of Golgotha. He recognized the risen Christ. From then on, he proclaimed him. Why was he able to see him exactly as he did?

[ 58 ] Da muß man ein wenig auf die Art einer solchen Vision, einer solchen Manifestation eingehen, wie die von Damaskus war; denn sie war doch eine Vision, eine Manifestation ganz besonderer Art. Nur die Menschen, die niemals etwas von okkulten Tatsachen wirklich lernen wollen, können alles Visionäre einfach durcheinanderwerfen und nicht unterscheiden wollen so etwas wie die Paulus-Vision von mancher anderen Vision, wie sie bei späteren Heiligen aufgetreten ist. Wie es zum Beispiel der Verfasser der «Botschaft des Friedens» macht, der zu jenen Menschen gehört, die eben niemals wirklich etwas über okkulte Tatsachen lernen wollen.

[ 58 ] One must consider the nature of such a vision, such a manifestation, as was the one on the road to Damascus; for it was, after all, a vision, a manifestation of a very special kind. Only those who never truly wish to learn anything about occult realities can simply lump all visions together and refuse to distinguish between something like Paul’s vision and many other visions that occurred to later saints. This is what the author of the “Message of Peace” does, for example, as he belongs to those who simply never wish to learn anything about occult realities.

[ 59 ] Was war das eigentlich, warum konnte Paulus den Christus in jener Art wahrnehmen, wie er ihm vor Damaskus erschienen ist? Warum war darin für Paulus die Gewißheit enthalten: Das ist der auferstandene Christus? Diese Frage führt uns auf eine andere Frage zurück: Was war da notwendig, damit vollends die ganze ChristusWesenheit bei jenem Ereignis, das uns als Johannistaufe im Jordan angedeutet wird, in den Jesus von Nazareth hineinsteigen konnte? — Nun, wir haben es gerade gesagt, was notwendig war, um jene Leiblichkeit zu bereiten, in welche die Christus-Wesenheit hinuntersteigen sollte. Was war aber nötig, daß der Auferstandene so dicht seelisch erscheinen konnte, wie er dem Paulus erschienen ist? Was war denn sozusagen jener Lichtschein, in dem der Christus dem Paulus vor Damaskus erschienen ist? Was war das? Woher war das genommen?

[ 59 ] What was it, exactly, that enabled Paul to perceive Christ in the way he appeared to him on the road to Damascus? Why did this contain for Paul the certainty: This is the risen Christ? This question leads us back to another question: What was necessary so that the entire Christ-essence could fully descend into Jesus of Nazareth at that event, which is indicated to us as the baptism of John in the Jordan? — Well, we have just said what was necessary to prepare that physicality into which the Christ-essence was to descend. But what was necessary for the Risen One to appear so intimately in the soul as he appeared to Paul? What, so to speak, was that radiance in which Christ appeared to Paul before Damascus? What was that? Where did it come from?

[ 60 ] Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, dann müssen wir einiges ergänzend zu dem hinzufügen, was ich eben vorhin gesagt habe. Ich habe Ihnen gesagt: Es war gleichsam eine Schwesterseele der Adamseele da, die da in die menschliche Generationsfolge hineingegangen ist. Diese Schwesterseele ist in der seelischen Welt geblieben. Diese Schwesterseele war es auch, die in dem Lukas-Jesuskriaben inkarniert war. Aber sie war dazumal nicht im strengen Sinn des Wortes zum erstenmal wie ein physischer Mensch inkarniert, sondern sie war vorher prophetisch inkarniert einmal schon. Früher wurde auch schon diese Seele verwendet wie ein Bote der heiligen Mysterien. Ich habe Ihnen gesagt: Sie verkehrte in den Mysterien, wurde sozusagen in den Mysterien gehegt und gepflegt, wurde hinausgeschickt da, wo es Wichtiges in der Menschheit gab. Aber sie konnte nur als Erscheinung im ätherischen Leibe da sein, konnte daher im strengen Sinn nur wahrgenommen werden so lange, als das alte Hellsehen da war. Aber das war ja in früheren Zeiten vorhanden. Da brauchte also diese alte Schwesterseele des Adam nicht bis zum physischen Leibe zu kommen, damit man sie hätte sehen können. So erschien sie denn auch wirklich, von den Impulsen der Mysterien gesandt, wiederholt innerhalb der Menschheitsentwickelung der Erde, immer, wenn wichtige Dinge in der Erdenentwickelung zu tun waren. Aber sie brauchte sich ja nicht zu verkörpern in alten Zeiten, weil Hellsichtigkeit da war.

[ 60 ] If we want to answer this question, we must add a few things to what I just said. I told you: There was, as it were, a sister soul to the Adam soul who entered into the human lineage. This sister soul remained in the spiritual world. It was also this sister soul that was incarnated in the Luke-Jesus child. But at that time, she was not incarnated for the first time as a physical human being in the strict sense of the word; rather, she had already been incarnated once before in a prophetic capacity. In the past, this soul had also been used as a messenger of the sacred mysteries. I have told you: She moved in the Mysteries, was, so to speak, nurtured and cared for in the Mysteries, and was sent out wherever there was something important happening in humanity. But she could only be present as an apparition in the etheric body; therefore, in the strict sense, she could only be perceived as long as the old clairvoyance existed. But that was, of course, present in earlier times. So this ancient sister soul of Adam did not need to incarnate in a physical body in order to be seen. Thus she did indeed appear, sent by the impulses of the Mysteries, repeatedly throughout the course of human development on Earth, whenever important tasks in Earth’s evolution needed to be accomplished. But she did not need to incarnate in ancient times, because clairvoyance existed then.

[ 61 ] Sie brauchte sich zum ersten Male zu verkörpern, als gerade die Hellsichtigkeit überwunden werden sollte beim Übergang der Menschheitsentwickelung vom dritten ins vierte nachatlantische Zeitalter, wovon wir gestern gesprochen haben. Da nahm sie gleichsam eine Ersatzverkörperung an, eine Verkörperung, um sich geltend machen zu können in der Zeit, wo nicht mehr Hellsichtigkeit da war. Diese Schwesterseele des Adam war verkörpert im Krishna sozusagen das einzige Mal, wo sie erscheinen mußte, um auch physisch sichtbar zu werden, und dann wiederum wurde sie im LukasJesusknaben verkörpert. So daß wir nun begreifen, warum der Krishna so übermenschlich redet, warum er der beste Lehrer für das menschliche Ich ist, warum er sozusagen eine Überwindung des Ich darstellt, warum er so seelisch erhaben erscheint: Weil er als der Mensch erscheint in jenem erhabenen Augenblick, den wir vor ein paar Tagen vor unsere Seele treten ließen, als der Mensch, der noch nicht untergetaucht ist in die menschlichen Inkarnationen.

[ 61 ] She had to incarnate for the first time just as clairvoyance was to be overcome during humanity’s transition from the third to the fourth post-Atlantean epoch, which we discussed yesterday. There she took on, as it were, a substitute incarnation—an incarnation that would allow her to make her presence felt in an age when clairvoyance no longer existed. This sister soul of Adam was incarnated in Krishna, so to speak, the only time she had to appear in order to become physically visible, and then she was incarnated again in the boy Jesus of Luke. So that we now understand why Krishna speaks in such a superhuman way, why he is the best teacher for the human ego, why he represents, so to speak, a transcendence of the ego, why he appears so spiritually sublime: Because he appears as the human being in that sublime moment we brought before our souls a few days ago, as the human being who has not yet plunged into human incarnations.

[ 62 ] Dann erscheint er wiederum, um im Lukas-Jesusknaben verkörpert zu sein. Daher jene Vollkommenheit, die zustande kommt, als sich die bedeutendsten Weltanschauungen Asiens in dem zwölfjährigen Jesusknaben, das Zarathustra-Ich mit dem Krishna-Geist, verbinden. Es spricht zu den Lehrern im Tempel nun nicht nur der Zarathustra — der spricht als Ich — ‚er spricht mit den Mitteln, mit denen einstmals der Krishna den Yoga verkündet hat; er spricht über einen Yoga, der wiederum eine Stufe in die Höhe gehoben ist; er vereinigt sich mit der Krishna-Kraft, mit dem Krishna selber, um bis zum dreißigsten Jahre heranzuwachsen. Und dann erst haben wir jene vollständige Leiblichkeit, die in Besitz genommen werden kann von dem Christus. So fließen die geistigen Strömungen der Menschheit zusammen. So haben wir wirklich, da das Mysterium von Golgatha geschieht, ein Mitwirken der bedeutendsten Führer der Menschheit, eine Synthesis des Geisteslebens.

[ 62 ] Then he appears again, embodied in the boy Jesus of Luke. Hence the perfection that comes about when the most significant worldviews of Asia unite in the twelve-year-old boy Jesus—the Zarathustra-self with the Krishna-spirit. It is not only Zarathustra who now speaks to the teachers in the temple—he speaks as the I—‘he speaks with the means by which Krishna once proclaimed yoga; he speaks of a yoga that has been raised to a higher level; he unites with the Krishna force, with Krishna himself, in order to grow until the age of thirty. And only then do we possess that complete physicality which can be taken into possession by the Christ. Thus do the spiritual currents of humanity flow together. Thus, as the Mystery of Golgotha takes place, we truly have the cooperation of humanity’s most significant leaders, a synthesis of spiritual life.

[ 63 ] Als Paulus seine Erscheinung vor Damaskus hat, da ist dasjenige, was ihm erscheint, der Christus. Der Lichtschein, in den sich der Christus kleidet, ist der Krishna. Und weil der Christus den Krishna zu seiner eigenen Seelenhülle genommen hat, durch die er dann fortwirkt, ist enthalten in dem, was aufstrahlt, ist in dem Christus auch alles das, was einstmals Inhalt der erhabenen Gita war.

[ 63 ] When Paul had his vision on the road to Damascus, the one who appeared to him was the Christ. The radiance in which Christ is clothed is Krishna. And because Christ has taken Krishna as his own soul-sheath, through which he then continues to work, everything that was once the content of the sublime Gita is also contained in that which radiates from Christ.

[ 64 ] Wir finden so vieles, wenn auch im Einzelnen zerstreut, in den neu-testamentlichen Offenbarungen von der alten Krishna-Lehre. Diese alte Krishna-Lehre ist aber dadurch eine Sache der ganzen Menschheit geworden, weil der Christus nicht als solcher ein menschliches Ich ist und der Menschheit angehört, sondern den höheren Hierarchien. Damit aber auch gehört wiederum der Christus jenen Zeiten an, in denen der Mensch noch nicht von dem getrennt war, was jetzt als materielles Sein ihn umgibt und was sich für ihn durch seine eigene luziferische Versuchung in Maya hüllt. Blicken wir in die ganze Entwickelung zurück, so finden wir, wie in jenen alten Zeiten noch nicht jene strenge Trennung vorhanden ist zwischen dem Geistigen und Materiellen, wie da das Materielle noch geistig, das Geistige — wenn wir so sagen dürfen — noch äußerlich sich offenbarend ist. Dadurch, daß in dem Christus-Impuls an die Menschheit etwas herantritt, was eine solche strenge Scheidung, wie sie in der Sankhyaphilosophie zwischen Purusha und Prakriti uns entgegentritt, ganz ausschließt, wird der Christus der Führer der Menschen aus sich heraus, aber auch zur Gottesschöpfung. Dürfen wir dann sagen, wir müssen unbedingt die Maya verlassen, wenn wir erkannt haben, daß uns die Maya als gegeben erscheint durch unsere Schuld? Nein, denn das wäre Lästerung des Geistes in der Welt; das hieße Eigenschaften der Materie zuschreiben, die wir ihr selber mit dem Schleier der Maya auferlegen. Hoffen müssen wir vielmehr, daß, wenn wir in uns dasjenige überwinden, was uns die Materie zur Maya macht, wir wieder versöhnt werden mit der Welt. Tönt uns denn nicht herüber von dieser Welt, die uns umgibt, daß sie eine Schöpfung der Elohim ist, und daß diese Elohim am letzten Schöpfungstage fanden: Und siehe da, alles war sehr gut — ?

[ 64 ] We find so much, albeit scattered in detail, of the ancient Krishna teaching in the New Testament revelations. This ancient Krishna teaching, however, has become a matter for all humanity because Christ, as such, is not a human ego belonging to humanity, but rather to the higher hierarchies. Thus, Christ also belongs to those times when humanity was not yet separated from what now surrounds it as material existence and what, through its own Luciferic temptation, is veiled in Maya. If we look back at the entire course of development, we find that in those ancient times there was not yet that strict separation between the spiritual and the material, just as the material was still spiritual, and the spiritual—if we may put it that way—was still manifesting itself outwardly. Because the Christ impulse brings to humanity something that entirely excludes such a strict separation as we encounter in Sankhya philosophy between Purusha and Prakriti, Christ becomes the guide of humanity out of himself, but also the creation of God. May we then say that we must absolutely leave Maya behind once we have recognized that Maya appears to us as a given through our own fault? No, for that would be blasphemy against the Spirit in the world; it would mean attributing to matter qualities that we ourselves impose upon it through the veil of Maya. Rather, we must hope that, when we overcome within ourselves that which makes matter into Maya for us, we will be reconciled with the world once more. Does it not resound to us from this world that surrounds us that it is a creation of the Elohim, and that on the last day of creation these Elohim found: “And behold, everything was very good”—?

[ 65 ] Das wäre das Karma, das sich erfüllen würde, wenn es nur eine Krishna-Lehre gäbe, denn nichts bleibt in der Welt, ohne daß sich sein Karma erfüllt. Würde es nur eine Krishna-Lehre in alle Ewigkeit geben, dann würde dem materiellen Sein der Umgebung, der Gottesoffenbarung, von der die Elohim am Ausgangspunkt der Erdenentwickelung sagten: Und siehe da, alles war sehr gut —, dann würde dieser Gottesoffenbarung von Menschenurteil entgegengetreten werden: Sie ist nicht gut, ich muß sie verlassen! — Das Menschenurteil wäre über das Gottesurteil gestellt. Das ist es, daß wir verstehen lernen müssen die Worte, die als ein Geheimnis am Ausgangspunkt der Entwickelung stehen. Das ist es, daß wir nicht Menschenurteil über Gottesurteil setzen. Wenn überall alles, was an Schuld an uns haften könnte, jemals von uns fallen könnte und die eine Schuld verbliebe, daß wir die Schöpfung der Elohim verlästern — es müßte sich das Erdenkarma erfüllen und alles müßte in der Zukunft auf uns stürzen. So müßte sich das Karma erfüllen.

[ 65 ] That would be the karma that would be fulfilled if there were only one Krishna teaching, for nothing remains in the world without its karma being fulfilled. If there were only one Krishna teaching for all eternity, then the material existence of the environment—the divine revelation of which the Elohim said at the outset of Earth’s development: “And behold, everything was very good”—would be met with human judgment: “It is not good; I must leave it!” — Human judgment would be placed above God’s judgment. This is why we must learn to understand the words that stand as a mystery at the starting point of evolution. This is why we must not place human judgment above God’s judgment. If everything that could be held against us were ever to fall away from us, and the one fault remained that we blaspheme the creation of the Elohim—then earthly karma would have to be fulfilled, and everything would have to come crashing down upon us in the future. Thus, karma would have to be fulfilled.

[ 66 ] Daß das nicht geschehe, dazu ist der Christus erschienen in der Welt, um uns so mit der Welt zu versöhnen, daß wir die Versuchungskräfte gegenüber Luzifer überwinden lernen, daß wir den Schleier durchdringen lernen, daß wir die Gottesoffenbarung in wahrer Gestalt sehen, daß wir den Christus als den Versöhner finden, der uns in die wahre Gestalt der Gottesoffenbarung einführt, daß wir durch ihn das uralte Wort verstehen lernen: Und siehe da, es ist sehr gut. — Damit wir uns zuschreiben lernen das, was wir der Welt nimmermehr zuschreiben dürfen, dazu brauchen wir den Christus. Und könnten alle anderen Sünden von uns genommen werden — diese Sünde mußte durch ihn von uns genommen werden.

[ 66 ] To prevent that from happening, Christ appeared in the world to reconcile us with the world in such a way that we may learn to overcome the forces of temptation from Lucifer, that we may learn to penetrate the veil, that we may see the revelation of God in its true form, that we may find Christ as the Reconciler who introduces us to the true form of God’s revelation, that through him we may learn to understand the ancient word: And behold, it is very good.”—So that we may learn to attribute to ourselves that which we must never attribute to the world, for this we need Christ. And even if all other sins could be taken from us—this sin had to be taken from us through him.

[ 67 ] Dies in ein moralisches Gefühl verwandelt, das gibt wiederum den Christus-Impuls von einer neuen Seite. Das zeigt uns zugleich, warum die Notwendigkeit vorlag, daß der Christus-Impuls wie die höhere Seele sich umhüllte mit dem Krishna-Impuls.

[ 67 ] When this is transformed into a moral feeling, it in turn reveals the Christ impulse from a new perspective. This also shows us why it was necessary for the Christ impulse, like the higher soul, to envelop itself in the Krishna impulse.

[ 68 ] Meine lieben Freunde, nicht allein will eine solche Auseinandersetzung, wie sie in diesem Zyklus beabsichtigt war, bloß als eine Theorie genommen werden, als eine Summe von Begriffen und Ideen, die wir aufnehmen, sondern genommen werden soll sie als eine Art Neujahrsgabe, als eine Gabe, die in unser neues Jahr hineinwirken und von diesem aus fortwirken soll als das, was man empfinden kann durch das Verständnis des Christus-Impulses, insofern uns dieser die Worte der Elohim begreiflich macht, die wir verstehen müssen, wie sie uns erklingen am Ausgangspunkt, am Urbeginne unserer Erdenschöpfung. Und betrachten Sie das, was beabsichtigt worden ist, zugleich als den Ausgangspunkt unserer anthroposophischen Geistesströmung. Anthroposophisch soll diese Geistesströmung auch aus dem Grunde sein, weil durch sie immer mehr und mehr erkannt werden soll, wie der Mensch in sich zur Selbsterkenntnis kommen kann. Noch nicht kann der Mensch zur vollen Selbsterkenntnis, noch nicht kann Anthropos zur Erkenntnis von Anthropos kommen, Mensch zur Erkenntnis von Mensch, solange dieser Mensch dasjenige, was er in seiner eigenen Seele auszumachen hat, wie eine Angelegenheit zwischen ihm und der äußeren Natur spielend betrachtet.

[ 68 ] My dear friends, a discussion such as the one intended in this cycle is not meant to be taken merely as a theory, as a collection of concepts and ideas that we absorb, but rather as a kind of New Year’s gift—a gift that is to influence our new year and continue to have an effect from it forth as that which can be sensed through an understanding of the Christ impulse, insofar as it makes the words of the Elohim comprehensible to us—words we must understand as they resound to us at the starting point, at the very beginning of our Earth’s creation. And consider what has been intended as the starting point of our anthroposophical spiritual movement. This spiritual movement is also meant to be anthroposophical for the reason that through it, it is to be recognized more and more how the human being can attain self-knowledge within themselves. Humanity cannot yet attain full self-knowledge; Anthropos cannot yet come to the knowledge of Anthropos, nor can the human being come to the knowledge of the human being, as long as this human being regards what he must discern in his own soul as a matter between himself and external nature.

[ 69 ] Daß wir die Welt in Maya getaucht schauen, das ist eine Angelegenheit, die uns die Götter zubereitet haben, das ist eine Angelegenheit unserer Seele selber, eine Angelegenheit höherer Selbsterkenntnis, das ist eine Angelegenheit, die der Mensch in seinem Menschtum drinnen selber erkennen muß, das ist eine Angelegenheit der Anthroposophie, durch die wir erst zur Empfindung dessen kommen können, was Theosophie dem Menschen sein kann. Eine Bescheidenheit höchster Art muß es sein, was der Mensch als einen Impuls empfindet, wenn er sich vornimmt, der anthroposophischen Bewegung anzugehören, eine Bescheidenheit, die sich sagt: Wenn ich das überspringen will, was eine Angelegenheit der Menschenseele ist, und gleich den höchsten Schritt ins Göttliche hinein tun will, dann kann mir sehr leicht die Demut entschwinden, dann kann sehr leicht der Hochmut an Stelle der Demut treten, dann kann leicht die Eitelkeit sich einstellen. — Möge die Anthroposophische Gesellschaft auch ein Ausgangspunkt auf diesem höheren moralischen Gebiete sein; möge sie vor allem das, was so leicht in die theosophische Bewegung an Hochmut, Eitelkeit, Ehrgeiz, an Unernst im Hinnehmen dessen sich eingeschlichen hat, was die höchsten Weisheiten sind, möge die Anthroposophische Gesellschaft das vermeiden dadurch, daß sie an ihrem Ausgangspunkt schon das betrachtet, was mit der Maya auszumachen ist, als eine Angelegenheit dieser Menschenseele selber.

[ 69 ] The fact that we see the world shrouded in Maya is something the gods have prepared for us; it is a matter of our own soul, a matter of higher self-knowledge; it is a matter that human beings must recognize within themselves in their humanity; it is a matter of anthroposophy, through which we can first come to a sense of what theosophy can be for human beings. It must be a humility of the highest order that a person feels as an impulse when they resolve to join the anthroposophical movement, a humility that says to itself: If I wish to skip over what is a matter of the human soul and immediately take the highest step into the divine, then humility can very easily slip away from me; then pride can very easily take the place of humility; then vanity can easily set in. — May the Anthroposophical Society also be a starting point in this higher moral realm; may it above all avoid what has so easily crept into the Theosophical Movement in the form of pride, vanity, ambition, and a lack of seriousness in accepting what constitutes the highest wisdom; may the Anthroposophical Society avoid this by already considering, at its very starting point, what pertains to Maya as a matter of the human soul itself.

[ 70 ] Man sollte fühlen, daß die Anthroposophische Gesellschaft ein Ergebnis tiefster menschlicher Bescheidenheit sein soll. Denn aus dieser Bescheidenheit wird quellen der höchste Ernst gegenüber den heiligen Wahrheiten, in die sie eindringen soll, wenn wir uns auf dieses Gebiet des Übersinnlichen, des Spirituelien begeben. Fassen wir daher die Aufnahme des Namens «Anthroposophische Gesellschaft» in wahrer Bescheidenheit, in wahrer Demut auf und sagen wir uns: Was noch an Unbescheidenheit, an Eitelkeit und Ehrgeiz, an Unwahrhaftigkeit der Name Theosophie hat bewirken können, das möge ausgetilgt werden, wenn man — im Zeichen und unter der Devise der Bescheidenheit — beginnt, bescheiden hinaufzusehen zu Göttern und Götterweisheit, dafür aber pflichtgemäß ergreift den Menschen und Menschenweisheit; wenn man sich andachtsvoll der Theosophie nähert und pflichtgemäß sich in die Anthroposophie versenkt. Diese Anthroposophie wird uns zu Göttlichem und zu Göttern führen. Und wenn wir durch sie im höchsten Sinne demütig und wahr in uns selber zu schauen lernen, und wenn wir vor allen Dingen lernen in uns selber zu schauen, wie wir ringen müssen gegenüber aller Maya und gegenüber allem Irrtum in strenger Selbsterziehung und Selbstzucht, so stehe über uns wie in eine eherne Tafel eingeschrieben: Anthroposophie! Und das sei uns eine Mahnung, daß wir vor allen Dingen durch sie Selbsterkenntnis suchen, Selbstbescheidung, und daß wir auf diese Weise den Versuch unternehmen können, ein Gebäude zu errichten, das auf Wahrheit begründet ist, weil Wahrheit nur erblüht, wenn Selbsterkenntnis mit höchstem Ernst in der menschlichen Seele sich festsetzt. Woraus stammt alle Eitelkeit, woraus stammt alle Unwahrhaftigkeit? Sie stammen aus Ermangelung der Selbsterkenntnis. Woraus nur kann Wahrheit sprießen, woraus nur kann echte Andacht gegenüber Götterwelten und Götterweisheiten sprießen? Sie können nur aus wirklicher Selbsterkenntnis, Selbsterziehung, Selbstzucht sprießen. Dazu möge denn das, was da strömen und pulsieren soll durch die anthroposophische Bewegung dienen. Aus diesem Grunde ist auch an den Ausgangspunkt dieser anthroposophischen Bewegung gerade dieser Vortragszyklus gesetzt worden, der den Beweis liefern soll, daß es sich nicht um etwas Enges handelt, sondern daß wir gerade mit unserer Bewegung unseren Horizont ausdehnen können über jene Weiten, die auch das morgenländische Denken erfassen. Aber demütig erfassen wir es in anthroposophischer Weise und selbsterziehend und den Willen in uns aufnehmend zur Selbsterziehung und zur Selbstzucht. Wenn Anthroposophie, meine lieben Freunde, von Ihnen so unternommen wird, dann wird sie zu dem gedeihlichen Ende führen, wird ein Ziel erreichen, das jedem Einzelnen und jeglicher menschlichen Gesellschaft zum Heil gereichen kann.

[ 70 ] One should feel that the Anthroposophical Society is meant to be the result of the deepest human humility. For it is from this humility that the utmost seriousness toward the sacred truths into which it is to penetrate will spring forth when we venture into this realm of the supersensible, of the spiritual. Let us therefore accept the name “Anthroposophical Society” with true modesty, with true humility, and say to ourselves: Whatever modesty, vanity, ambition, or insincerity the name “Theosophy” may have engendered, let it be eradicated when—under the sign and motto of humility—we begin to look up humbly to the gods and divine wisdom, while dutifully embracing humanity and human wisdom; when we approach Theosophy with reverence and immerse ourselves dutifully in Anthroposophy. This Anthroposophy will lead us to the Divine and to the gods. And if, through it, we learn to look within ourselves with humility and truth in the highest sense, and if, above all, we learn to look within ourselves to see how we must struggle against all Maya and against all error through strict self-education and self-discipline, then let the word “Anthroposophy” stand above us as if inscribed on a bronze tablet! And let this be a reminder to us that, above all, through it we seek self-knowledge and self-restraint, and that in this way we may undertake the attempt to erect a edifice founded on truth, for truth blossoms only when self-knowledge takes root in the human soul with the utmost seriousness. From what does all vanity stem, from what does all untruthfulness stem? They stem from a lack of self-knowledge. From what alone can truth spring forth, from what alone can genuine devotion to the worlds of the gods and divine wisdom spring forth? They can spring forth only from true self-knowledge, self-education, and self-discipline. May that which is to flow and pulsate through the anthroposophical movement serve this purpose. For this reason, this very lecture series has been placed at the starting point of this anthroposophical movement, intended to provide proof that it is not a narrow-minded endeavor, but that through our movement we can expand our horizons to encompass those vast realms that Eastern thought also embraces. But we embrace it humbly in an anthroposophical way, through self-education, and by taking within ourselves the will for self-education and self-discipline. If, my dear friends, you undertake anthroposophy in this way, then it will lead to a fruitful outcome, it will reach a goal that can be for the good of every individual and every human society.

[ 71 ] Damit sei das Wort gesprochen, das das letzte dieses Vortragszyklus sein soll, von dem aber vielleicht doch mancher etwas in die folgenden Zeiten in seiner Seele mitnehmen kann, so daß es fruchtbar werde innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung, für die Sie, meine lieben Freunde, in diesen Tagen sozusagen zuerst versammelt waren. Mögen wir immer in dem Zeichen der Anthroposophie so versammelt sein, daß wir uns mit Recht auf Worte berufen können, wie wir sie zum Schluß jetzt nennen wollten, auf Worte der Bescheidung, auf Worte der Selbsterkenntnis, wie wir sie jetzt als ein Ideal eben in diesem Augenblick vor unsere Seele stellen durften.

[ 71 ] With that, the final word has been spoken in this series of lectures; yet perhaps some of you will carry something of it in your hearts into the days ahead, so that it may bear fruit within our anthroposophical movement, for which you, my dear friends, have gathered here in the first place, so to speak. May we always be gathered together in the spirit of anthroposophy in such a way that we can rightly call upon words such as those we have just mentioned at the end—words of humility, words of self-knowledge—which we have just now been able to set before our souls as an ideal at this very moment.