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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Collected Essays on Drama 1889–1900
GA 29

Automated Translation

Magazin für Literatur 1897, Volume 66, 47

64. Gebrüder Währpfennig”

Four-act comedy by Benno Jacobson. Music by Gustav Steffens
Performance at the Goethe Theater, Berlin

On November 20, I had the choice of either going to the Residenztheater to see the play "Dorina" by Rovetta or enjoying the "Gebrüder Währenpfennig" at the Goethe-Theater. As a member of the German Goethe Society and a former employee of the Goethe Archive in Weimar, I naturally decided to go to the Goethe Theater. One always likes to see a healthy farce; and the Goethe Theater will only bring the very best in the field of farce, I thought to myself. But that's where I got off to a good start - this prejudice against the name Goethe made for an extremely boring evening. The "idea" of the "Währenpfennig brothers" would still work. The one miserly brother, who wears old-fashioned clothes and only drinks wheat beer, and the other, who swims in champagne and is a cheerful bon vivant of the latest style in every other respect, are not at all bad contrasting figures. I can understand why two such different natures should clash. But the stale jokes that appear within this framework, the witless allusions to all sorts of contemporary things are tiresome, even soporific, because of their blandness. And the ending is the most unbelievable thing I have ever seen in the theater. The older brother has sworn enmity against the younger brother because the latter has called him a simple merchant. So the older brother says: the simple merchant will never speak a word to you again. But the brothers must be reconciled. So the older brother becomes a councillor of commerce. Now he is no longer a simple merchant. It's not against his oath if he talks to his brother again. There is a Kalau after all.

«GEBRÜDER WÄHRENPFENNIG»

Schwank in vier Akten von Benno Jacobson. Musik von Gustav Steffens
Aufführung im Goethe-Theater, Berlin

Am 20.November hatte ich die Wahl, entweder in das Residenztheater zu gehen und dort das Schauspiel «Dorina» von Rovetta zu sehen oder im Goethe-Theater die «Gebrüder Währenpfennig» zu genießen. Als Mitglied der Deutschen Goethegesellschaft und früherer Mitarbeiter am Weimarer Goethe-Archiv habe ich mich natürlich entschlossen, ins Goethe-Theater zu gehen. Einen gesunden Schwank sieht man immer gerne; und das GoetheTheater wird auf dem Gebiete des Schwankes nur das Allerbeste bringen, dachte ich mir. Da bin ich aber schön angekommen — dieses Vorurteil für den Namen Goethe hat mir einen maßlos langweiligen Abend eingetragen. Die «Idee» der «Gebrüder Währenpfennig» ginge noch. Der eine geizige Bruder, der altmodische Kleider trägt und nur Weißbier trinkt, und der andere, der im Sekt schwimmt und auch sonst in jeder Beziehung ein fideler Lebemann neuesten Schnittes ist, sind gar keine üblen Kontrastfiguren. Daß zwei so verschiedene Naturen hart aneinandergeraten, ist mir auch begreiflich. Aber die schalen Späße, die innerhalb dieses Rahmens erscheinen, die witzlosen Anspielungen auf allerlei Dinge der Gegenwart wirken durch ihre Fadheit ermüdend, ja geradezu einschläfernd. Und der Schluß ist das Unglaublichste, was mir je im Theater vorgekommen ist. Der ältere Bruder hat dem jüngeren Feindschaft geschworen, weil dieser ihn einen simplen Kaufmann geschimpft hat. Deshalb sagt der ältere: der simple Kaufmann wird nie mehr ein Wort mit dir reden. Die Brüder müssen sich aber doch versöhnen. Also: der ältere Bruder wird Kommerzienrat. Jetzt ist er kein simpler Kaufmann mehr. Es ist nicht gegen seinen Schwur, wenn er mit dem Bruder wieder redet. Es gibt doch noch ein Kalau.