Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
Early September 1902
Translated by SteinerOnline Library
Regarding the Establishment of a German Branch of the Theosophical Society
To the branch:
Most honored Sir!
By the deed of foundation of July 22, 1902, President H.S. Olcott has approved the founding of a German section of the “Theosophical Society”. He also instructed me by a special letter (dated July 22) to take the initiative in founding this section.
It is understandable that I myself, at this moment of foundation, feel compelled to address a few words to the brothers in the branches. This is all the more understandable as I have every reason to say how aware I am that the prospect of the post of Secretary General has given me a very special trust. I am also aware of the great responsibility that this office places on me.
I had to do some serious soul-searching when I was asked to take up the post. Above all, I had to ask myself whether I was allowed to accept such an office, given my short affiliation with the Theosophical Society.
My reasons cannot be misunderstood by the Theosophists to whom I speak. The time when I joined the “Theosophical Society” was for me the end point of many years of inner development. I joined no earlier than when I knew that the spiritual forces I had to serve were present in the “Theosophical Society”. And from that moment on, it was completely clear to me that I should belong to the Theosophical Society. I did not need to say that if the members of the German branches of the “Theosophical Society” consider me worthy, I not only may, but must follow their call. To the Theosophists I say that my personality is no more decisive for my decision in this direction than it will ever be in the future in the conduct of my office. I want to “serve” in the sense that one of our best German Theosophists will express in a forthcoming writing.
For those who have only recently joined the “Theosophical Society”, especially for those who are still doubtful in themselves whether it is the right thing to join our Society, which H. $. Olcott founded in association with H. P. Blavatsky, and at the head of which the former still stands; or whether it is not better, or just as good, to join another so-called “Theosophical Society”; for them I remark the following. The proof that we as the German section of the “Theosophical Society” will achieve what every true Theosophist wants to achieve - more or less consciously - can only be provided by our future work. In this respect, joining us is certainly a matter of trust for many at present. I myself know that there are forces within the “Theosophical Society” to achieve what we are striving for. I have known this since I joined, and my presence at the last annual meeting (July 1902) in London, where I was able to approach the leading personalities, was a new affirmation for me.
Whether we will achieve what we are called to do within the German-speaking population will depend on the trust that will be placed in us, and no less on how our work is received. We ourselves will serve no one other than the spiritual powers that guide us. What we have to give in our “service” cannot be revealed by the day, but only by time.
Just one more word. If the German section of the “Theosophical Society” is to accomplish what it is called upon to do in view of the present spiritual conditions and the “signs of the times” in German-speaking regions, then it needs a Theosophical monthly. It will be my task to establish such a publication. I can only give the assurance here that I see the necessity of such a journal, and ask you all to accept this journal as the organ of the German section of the “Theosophical Society”.
With the highest esteem and fraternal greetings
Dr. Rudolf Steiner
Friedenau-Berlin, Kaiserallee 95
In Sachen der zu gründenden Sektion der «Theosophischen Gesellschaft».
An den Zweig:
Verehrtester Herr!
Durch die Stiftungsurkunde vom 22. Juli 1902 hat Präsident H.S. Olcott die Begründung einer deutschen Sektion der «Theosophischen Gesellschaft» bewilligt. Auch beauftragt er mich durch ein besonderes Schreiben (vom 22. Juli), die Initiative zur Begründung dieser Sektion zu ergreifen.
Es ist begreiflich, dass ich selbst, in diesem Augenblicke der Gründung, einige Worte an die Brüder in den Zweigen zu richten, mich gedrängt fühle. Es wird dies umso erklärlicher erscheinen, als ich allen Grund habe, davon zu sprechen, wie sehr ich mir bewusst bin, dass mir durch die Inaussichtnahme für den Posten des Generalsekretärs ein ganz besonderes Vertrauen entgegengebracht worden ist. Auch der großen Verantwortung bin ich mir bewusst, die mir dies Amt auferlegt.
Ich musste ernstlich mit mir zu Rate gehen, als mir der Antrag gestellt wurde, das Amt zu übernehmen. Vor allen Dingen musste ich mich fragen, ob ich, angesichts meiner doch kurzen Zugehörigkeit zur «Theosophischen Gesellschaft», ein solches Amt annehmen dürfe.
Von den Theosophen, zu denen ich spreche, können meine Gründe nicht missverstanden werden. Der Zeitpunkt, in dem ich den Beitritt zur «Theosophischen Gesellschaft» vollzog, war für mich der Endpunkt einer langjährigen inneren Entwicklung. Ich trat nicht früher bei, als da ich wusste, dass die geistigen Kräfte, denen ich dienen muss, in der «Theosophischen Gesellschaft» vorhanden sind. Und von dem Zeitpunkte an war für mich volle Klarheit darüber vorhanden, dass ich der «Theosophischen Gesellschaft» angehören soll. Ich brauchte nunmehr gar nicht noch zu sagen, dass, im Falle mich die Angehörigen der deutschen Zweige der «Theosophischen Gesellschaft» für würdig erachten, ich dem Rufe nicht nur Folge leisten darf, sondern muss. Den Theosophen sage ich, dass meine Persönlichkeit für meinen Entschluss in dieser Richtung ebenso wenig maßgebend ist, wie sie es je in Hinkunft bei der Führung meines Amtes wird sein können. Ich will «dienen» in dem Sinne, den einer unserer besten deutschen Theosophen in einer demnächst erscheinenden Schrift zum Ausdruck bringen wird.
Für diejenigen, die erst in der letzten Zeit, sich der «Theosophischen Gesellschaft» angeschlossen haben, insbesondere für diejenigen, die in sich selbst noch zweifelhaft sind, ob es das Richtige ist, sich unserer Gesellschaft anzuschließen, die H. $. Olcott im Verein mit H. P Blavatsky begründet, und an deren Spitze Ersterer noch immer steht; oder ob es nicht besser sei, oder ebenso gut, sich einer anderen sog. «theosophischen Gesellschaft» anzuschließen; für sie bemerke ich Folgendes. Den Beweis, dass wir als deutsche Sektion der «theosophischen Gesellschaft» das erreichen werden, was jeder wahre Theosoph - mehr oder weniger bewusst - erreichen will, können wir nur durch unser zukünftiges Wirken erbringen. Insoferne ist der Anschluss an uns gegenwärtig für viele gewiss eine Vertrauenssache. Ich selbst weiß, dass in der «Theosophischen Gesellschaft» Kräfte vorhanden sind, das Angestrebte zu erreichen. Ich weiß es seit meinem Eintritt, und meine Anwesenheit bei der letzten Jahresversammlung (Juli 1902) in London, da ich den führenden Persönlichkeiten nahetreten durfte, war für mich eine neue Bekräftigung.
Ob wir innerhalb der deutsch sprechenden Bevölkerung das erreichen werden, wozu wir berufen sind, das wird von dem Vertrauen abhängen, das uns entgegengebracht werden wird, und nicht weniger davon, wie unser Wirken aufgenommen wird. Wir selbst werden niemand anderem dienen als den geistigen Mächten, die uns leiten. Was wir zu geben haben bei unserem «Dienen», kann nicht der Tag, sondern nur die Zeit enthüllen.
Nur noch das eine Wort. Wenn die deutsche Sektion der «Theosophischen Gesellschaft» das vollbringen soll, was ihr im Hinblicke auf die gegenwärtigen Geistesverhältnisse und auf die «Zeichen der Zeit» in Deutsch sprechenden Gegenden auferlegt ist, dann braucht sie eine theosophische Monatsschrift. Es wird meine Aufgabe sein, eine solche zu begründen. Ich kann hier nur die Versicherung abgeben, dass ich die Notwendigkeit einer solchen Zeitschrift sehe, und Sie alle bitten, diese Zeitschrift als Organ der deutschen Sektion der «Theosophischen Gesellschaft» anzunehmen.
In vorzüglicher Hochachtung und mit brüderlichem Gruß
Dr. Rudolf Steiner
Friedenau-Berlin, Kaiserallee 95