Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
21 October 1906
Translated by SteinerOnline Library
To the Members of the Executive Board of the German Section of the Theosophical Society
You will recall that at the last General Assembly, a decision was made to take over the “Theosophical Library”, formerly associated with the “German Theosophical Society”, for the Section.
When we were approached with this proposal by the previous owners, no further conditions were attached.
However, Mr. Paul Krojanker, representing Mr. Graf von Brockdorff, has now confidentially presented me with the following conditions. I would like to note in advance that Mr. Graf von Brockdorff is the representative of the previous owners.
The conditions are as follows:
1) The library shall become the property of the German Section of the Theosophical Society (Adyar), although Graf von Brockdorff, or his representative, shall remain co-owner in such a way that if the Section decides at any time and for any reason that it no longer wishes to maintain the library, ownership shall revert to the aforementioned.
2) The library's headquarters remain in Berlin.
3) The library should be as public as possible.
4) The library is managed by a library commission, which publishes an annual report. It is desirable that this commission include members from the external branches.
5) A capital of 1000 Marks is being handed over with the library, which is to be used only for the purposes of the library, but not for rent and salaries.
It is Count Brockdorff's wish that the writer of this (Mr. Krojanker) should be active in the library commission.
Now I would like to make a proposal to the esteemed board: we simply reject these conditions and declare that we are willing to take over the library and manage it if no further conditions are attached to the transfer, that is, if the board is left entirely to its own devices as to how the library is managed. Of course, the library's capital of 1000M is also part of the library.
Firstly, we did indeed make the decision at the general assembly under this condition. And secondly, we will not get out of the unclear ownership and even more unclear administrative situation if we agree to a half-measure, as proposed to us.
I request that you share your opinion on the matter with me so that I can continue the formal negotiations. Once the ownership structure has been organized, I will take the liberty of making further proposals regarding the establishment, administration, etc. of the library.
With theosophical greetings
signed Dr. Rudolf Steiner
An Die Vorstandsmitglieder Der Deutschen Sektion Der Theosophischen Gesellschaft
Es wird Ihnen erinnerlich sein, dass in der letzten General-Versammlung der Schluss gefasst worden ist, die ehemals mit der «Deutschen Theosophischen Gesellschaft» verbundene «Theosophische Bibliothek» für die Sektion zu übernehmen.
Als uns dieser Vorschlag gemacht worden ist vonseiten der bisherigen Besitzer, ist keine weitere Bedingung daran geknüpft worden.
Nun hat mir aber vertraulich Herr Paul Krojanker in Vertretung des Herrn Grafen von Brockdorff die folgenden Bedingungen vorgelegt. Ich bemerke voraus, dass Herr Graf von Brockdorff der Vertreter der bisherigen Besitzer ist.
Die Bedingungen sollen sein:
«1) Die Bibliothek geht in den Besitz der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Adyar) über, jedoch bleibt der Graf von Brockdorff, resp. dessen Vertreter Mitbesitzer derselben, derart, dass wenn die Sektion zu irgendwelcher Zeit, aus irgendeinem Grunde, beschließen sollte, die Bibliothek nicht länger unterhalten zu wollen, dieselbe wieder in den Besitz des Vorgenannten zurückgeht.
2) Sitz der Bibliothek bleibt Berlin.
3) Die Bibliothek soll möglichst öffentlich sein.
4) Die Bibliothek wird durch eine Bibliothekskommission geleitet, welche jährlich einen Bericht veröffentlicht. Es ist wünschenswert, dass dieser Kommission Mitglieder der auswärtigen Zweige angehören.
5) Mit der Bibliothek wird ein Kapital von 1000 Mark übergeben, welches nur für Zwecke der Bibliothek, jedoch nicht für Miete und Gehalt zu verwenden ist.
Es ist der Wunsch des Grafen Brockdorff, dass Schreiber dieses (Herr Krojanker) in der Bibliothekskommission tätig sein soll.»
Nun möchte ich dem verehrten Vorstand den Vorschlag machen, dass wir diese Bedingungen einfach ablehnen und erklären, dass wir bereit sind, von Sektionswegen die Bibliothek zu übernehmen und zu verwalten, wenn an die Überleitung keine weiteren Bedingungen geknüpft werden, das heißt, wenn dem Vorstande völlig anheimgestellt wird, wie die Bibliothek zu verwalten ist. Selbstverständlich gehört zur Bibliothek auch deren vorhandenes Kapital von 1000M.
Erstens haben wir doch in der General Versammlung unter dieser Voraussetzung den Beschluss gefasst. Und zweitens kommen wir aus den unklaren Besitzverhältnissen und den noch unklareren Verwaltungsverhältnissen nicht heraus, wenn wir einer Halbheit zustimmen, wie sie uns da vorgeschlagen wird.
Ich bitte mir Ihre Meinung über die Sache mitzuteilen, damit ich die formelle Verhandlung weiter führen kann. Ist dann das Besitzverhältnis geordnet, so werde ich mir erlauben, weitere Vorschläge bezüglich Einrichtung, Verwaltung usw. der Bibliothek zu machen.
Mit theosophischem Gruß
gez. Dr. Rudolf Steiner