Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
30 March 1924
Translated by SteinerOnline Library
What I Have To Say To The Younger Members (continued)
Once again, I would like to address the younger friends in the Anthroposophical Society in particular regarding the reasons for the formation of the Youth Section. It seems that two opinions are facing each other within the circles of our youth. One feels that being young is something to be sought. They feel drawn to anthroposophy because they hope to find satisfaction for their search there. She has realized that this search must go to the depths of the soul, and that contemporary civilization cannot lead to these depths. There are young people who seek esotericism in this way because they have intuitively discovered that the true content of the human being can only be experienced in esotericism.
These young people will easily find the way to what the board of the Anthroposophical Society is striving for with the Youth Section. And this board will not interfere with anyone's independent endeavors. It will have a heart for this independence. But it will also be mindful of the fact that the cultivation of esoteric life has become its task. This concern will be his first. He will lead the Youth Section in such a way that esotericism is given its due, and he believes that from true esotericism he can also find true 'youth wisdom'.
But there is another youth opinion. This is easily tempted to take being young in such an absolute sense that even the pursuit of esotericism seems to them like the ingestion of a foreign body. They want above all, unperturbed by anything that comes from outside, to immerse themselves in their own youth and to understand it.
In the Anthroposophical Society, young people who hold this opinion also hope to find something. Otherwise they would not be there at all. But they believe that they must first bring the right spirit to anthroposophy through the activity of their young selves. The leadership of the Anthroposophical Society is far from criticizing this part of the youth in a philistine way. But it could easily happen that its intentions are seen in such a light by some young people. For it cannot deviate from its gained insight that the stream of eternity flows through the esotericism attempted by the Anthroposophical Society, towards which the youth aspires. He cannot fall into the error of believing that esotericism must first take on its true form through youth, since he knows that in esotericism youth will find the right paths to be able to be truly “young”.
I am saying this not because I want to point out a contradiction between part of the youth and the board. I do not see any; and in the face of a practical world view there could never be any. For the leadership is aware that its tasks come from the spiritual world; and in everything it will have to follow the paths that are shown to it from there. There can be no “contrast” for it in the field of its work.
But it would be possible for youth itself to be drawn into contradictions if one part emphasized its striving one-sidedly in relation to the other. And that could do immeasurable damage to the anthroposophical youth movement. However, this will not happen if youth pays more attention to something they have learned from the “all-too-old” civilization than they often do. There is a certain tendency towards abstraction, towards talking in mere concepts. I expressed it in the last issue of this newsletter how little good this abstraction does to youth. In truth, no one in the youth movement wants that either. But in talking about being young, about the ideals of youth, it is there. There is even a worrying amount of “age” in today's youth. If, on the other hand, young people reflect on their true experiences, they will find that these are like questions, and that the esotericism of the Anthroposophical Society at least offers them attempts at answers.
On the basis of such practical insight, an understanding will certainly grow between the various different opinions in our youth movement.
Contact with esotericism can become an experience for young people themselves. If this happens, young people will realize that it is precisely through this contact that they can realize what they often have before their eyes in an indeterminate ideal form. If it does not happen, it could easily be that some young people, not out of innate, but out of externally absorbed “old talk”, draw a theoretical curtain over the experience hinted at.
If young people understand themselves, they will also understand the leadership of the Anthroposophical Society.
(continued in the next issue).
Übersetzungen Der Werke Von Dr. R. Steiner
Noch einmal möchte ich mich namentlich an die jüngeren Freunde in der Anthroposophischen Gesellschaft wegen der Begründung der Jugendsektion wenden. Es scheinen sich innerhalb der Kreise unserer Jugend zwei Meinungen gegenüberzustehen. Die eine empfindet das Jungsein als etwas, das suchen muss. Sie fühlt einen Zug zur Anthroposophie hin, weil sie da Befriedigung für ihr Suchen zu finden hofft. Sie ist gewahr geworden, dass dieses Suchen nach den Tiefen der Seele gehen muss, und dass die zeitgenössische Zivilisation nach diesen Tiefen nicht führen kann. Es gibt eine Jugend, die so nach Esoterik sucht, weil sie ahnend entdeckt hat, dass in der Esoterik der wahre Inhalt des Menschen erst erlebt werden kann.
Diese Jugend wird den Weg zu dem leicht finden, was der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Jugendsektion anstrebt. Und dieser Vorstand wird niemand[en] in seinem selbstständigen Streben beeinträchtigen. Er wird ein Herz haben für diese Selbstständigkeit. Aber er wird auch eingedenk der Tatsache sein, dass die Pflege des esoterischen Lebens ihm als seine Aufgabe zugewachsen ist. Ihm wird diese Sorge die erste sein. Er wird die Jugendsektion so leiten, dass in ihr der Esoterik ihr Recht zukommt, und er glaubt, aus der wahren Esoterik auch die wahre «Jugend-Weisheit» finden zu können.
Aber es gibt noch eine andere Jugendmeinung. Diese wird leicht versucht, das Jungsein in einem so absoluten Sinne zu nehmen, dass ihr auch schon das Streben nach Esoterik wie das Aufnehmen eines Fremdkörpers erscheint. Sie möchte vor allem, unbeirrt von allem, was von außen kommt, sich in das eigene Jung-Sein vertiefen, und sich dieses zum Verständnis bringen.
In der Anthroposophischen Gesellschaft hofft wohl auch die Jugend, die dieser Meinung ist, etwas zu finden. Sonst wäre sie gar nicht darinnen. Aber sie glaubt, der Anthroposophie erst den rechten Geist durch die Betätigung ihres Jung-Seins bringen zu müssen. Der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft wird weit davon entfernt sein, diesem Teile der Jugend mit einer philiströsen Kritik zu begegnen. Aber es könnte leicht geschehen, dass seine Absichten von manchem jungen Menschen in einem solchen Lichte [gesehen] werden. Denn er kann von seiner gewonnenen Einsicht nicht abweichen, dass in der durch die Anthroposophische Gesellschaft versuchten Esoterik der Ewigkeitsstrom fließt, nach dem die Jugend hinstrebt. Er kann nicht in den Irrtum verfallen, dass die Esoterik durch das Jung-Sein erst ihre wahre Gestalt erhalten müsse, da er doch weiß, in der Esoterik wird die Jugend die rechten Wege finden, um im wahren Sinne «jung» sein zu können.
Ich spreche dieses aus, nicht weil ich auf einen Gegensatz zwischen einem Teile der Jugend und dem Vorstande hinweisen will. Einen solchen sehe ich nicht; und es kann vor einer praktischen Weltauffassung einen solchen gar nicht geben. Denn der Vorstand ist sich bewusst, dass ihm seine Aufgaben aus der geistigen Welt kommen; und er wird in allem die Wege zu gehen haben, die ihm von da gewiesen werden. Einen «Gegensatz» dazu im Felde seines Wirkens kann es für ihn nicht geben.
Aber es wäre doch möglich, dass die Jugend selbst in Gegensätze hineintriebe, wenn der eine Teil sein Streben einseitig gegenüber dem andern betonte. Und das könnte der anthroposophischen Jugendbewegung unermesslichen Schaden bringen. Es wird dies aber nicht geschehen, wenn die Jugend etwas, das sie von der «allzualt» gewordenen Zivilisation gelernt hat, schärfer beachten würde, als sie dies oft tut. Es ist ein gewisser Hang zur Abstraktion, zum Reden in bloßen Begriffen. Ich habe es in der letzten Nummer dieses Mitteilungsblattes ausgesprochen, wie wenig gut dies Abstrahieren der Jugend bekommt. In Wahrheit will das auch niemand in der Jugendbewegung. Aber im Reden über Jung-Sein, über die Ideale der Jugend ist es doch da. Es ist sogar ein bedenkliches Stück «Alter» in der heutigen Jugend. Besinnt sich demgegenüber die Jugend auf ihre wahren Erlebnisse, so wird sie finden, dass diese wie Fragestellungen sind, und dass die Esoterik der Anthroposophischen Gesellschaft ihr wenigstens Versuche von Antworten entgegenbringt.
Auf der Grundlage einer solchen praktischen Einsicht wird gewiss eine Verständigung zwischen einzelnen verschiedenen Meinungen in unserer Jugendbewegung erwachsen.
Der Verkehr mit der Esoterik kann der Jugend selbst zum Erlebnis werden. Geschieht dieses, so wird die Jugend eben einsehen, dass sie gerade durch diesen Verkehr verwirklichen kann, was sie oft in unbestimmter Art sich ideell vor die Augen rückt. Geschieht es nicht, so könnte es leicht sein, dass ein Teil der Jugend nicht aus angeborenem, aber äußerlich aufgenommenem «Alt-Reden» sich einen theoretischen Vorhang schiebt vor das angedeutete Erlebnis.
Wird die Jugend sich verstehen, so wird sie auch den Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft verstehen.
(Fortsetzung in nächster Nummer.)