Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
13 April 1924
Translated by SteinerOnline Library
The School of Spiritual Science IX
During the anthroposophical events in Prague described above, the School of Spiritual Science was able to unfold its activity outside the area of the Goetheanum for the first time. In two events of the first class of the General Anthroposophical Section, I was able to present the first steps of the supersensible quest for knowledge to the souls of those personalities who had decided to become members of this class. These esoteric events took place on April 3 and 5. What was experienced at the first such event at the Goetheanum was also brought before the members of the school in Czechoslovakia.
The number of those personalities who, upon their declaration to that effect, were allowed to become members was over a hundred. This showed that the society in Czechoslovakia has a core of loyal members who, over the course of many years, have made anthroposophy the guiding force of their soul life. It was deeply satisfying for me to be able to look into the souls of those I had long faced at the Prague events. In the eyes of many, I could see their intimate connection to the anthroposophical life content. I became aware of many open-minded hearts. These are necessary for the cultivation of esoteric life. For reason is powerless here if it does not receive strength from the understanding heart. This understanding of the heart is truly no less 'logical' than that of the head. It is just not given such recognition in ordinary life because in this life it has no need to unfold the inner power of a supersensible 'logic'. In such cases, logic is replaced by the intellect, and the heart is allowed to follow its own path untouched by logic, because it can be corrected by the intellect. The fear that often arises when the logic of the heart is ignored is based on the belief that when it does so, the heart loses the warmth that is otherwise its own. But this fear only exists as long as one has not grasped the warmth that the soul experiences when it stands in understanding before the ideas of a spiritual world. He who does not feel this warmth does not live in the ideas of the spirit; he only thinks the ideas he has first killed in his soul, which he hears in the words into which someone who has seen into the spiritual world has poured his spiritual-real experiences.
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft IX
Während der oben dargestellten Prager anthroposophischen Veranstaltungen konnte die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft zum ersten Male außerhalb des Bereiches des Goetheanums ihre Tätigkeit entfalten. Ich hatte in zwei Veranstaltungen der ersten Klasse der allgemeinen anthroposophischen Sektion die ersten Schritte des übersinnlichen Erkenntnisstrebens vor die Seelen derjenigen Persönlichkeiten zu stellen, die sich für die Mitgliedschaft dieser Klasse entschieden haben. Diese Veranstaltungen mit esoterischem Charakter fanden am 3. und am 5. April statt. Was in den ersten derartigen Veranstaltungen am Goetheanum lebte, war damit auch vor die Mitglieder der Schule in der Tschechoslowakei gebracht.
Die Zahl derjenigen Persönlichkeiten, denen auf ihre diesbezügliche Erklärung hin die Mitgliedschaft zuerkannt werden durfte, war über hundert. Es zeigte sich daran die Tatsache, dass die Gesellschaft in der Tschechoslowakei einen Stamm von treuen Mitgliedern hat, die im Laufe von vielen Jahren Anthroposophie zu der orientierenden Kraft ihres Seelenlebens gemacht haben. Tief befriedigend war es mir, in diesen Stunden den Blick auf Seelen richten zu können, denen ich seit Langem bei den Prager Veranstaltungen gegenübergestanden habe. In den Augen vieler war das innige Zusammengeschlossensein mit dem anthroposophischen Lebensgehalt zu lesen. Ich wurde vieler aufgeschlossener Herzen gewahr. Die sind für die Pflege esoterischen Lebens notwendig. Denn da ist der Verstand ohnmächig, wenn ihm nicht Kraft von dem verstehenden Herzen zuströmt. Dieses Herzensverständnis ist wahrhaftig nicht weniger «logisch» als das des Kopfes. Es wird nur deshalb im gewöhnlichen Leben nicht so angesehen, weil es in diesem Leben die innerliche Kraft einer übersinnlichen «Logik» nicht zu entfalten braucht. Da tritt für die Logik eben der Verstand ein; und das Herz mag seine von der Logik unberührten Wege gehen, weil es von dem Verstande korrigiert werden kann. Die Angst vor der Herzenslolgik, die sich oft einstellt, hat ihren Ursprung in dem Glauben, dass bei ihrem Eintritt das Herz die Wärme verliert, die ihm sonst eigen ist. Diese Angst hat man aber nur so lange, als man nicht begriffen hat, welche Wärme die Seele dann erlebt, wenn sie begreifend den Ideen einer geistigen Welt gegenübersteht. Wer diese Wärme nicht empfindet, der lebt nicht in den Ideen des Geistes; er denkt nur die erst in seiner Seele ertöteten Ideen, die er mit den Worten hört, in die einmal ein in die Geisteswelt Schauender seine geistwirklichen Erlebnisse gegossen hat.