Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
4 May 1924
Translated by SteinerOnline Library
The School of Spiritual Science XII
In the course for practising physicians, which unfortunately had to be cut short due to the impossibility for participants to stay at the Goetheanum for longer, the important question of the relationship between diagnosis and therapeutic measures in the sense of a truly rational medicine was discussed and explained using two case studies from the Clinical Therapeutic Institute under the direction of Dr. med. I[ta] Wegman. It became clear how such a rational medicine is only possible if one takes seriously the view that the physical organization of the human being is shaped and permeated by the soul and spiritual being, and accordingly strives to recognize the individual organs not only as physical formations, but also as spiritual configurations of forces.
In the course for younger doctors and medical students, the inner development of the doctor was particularly considered this time. If one develops the appropriate spiritual abilities, one can come to directly connect the nature of the sick person and that of the healing methods as a whole in one's view. In this way, however, the will to heal develops as the special soul mood that the doctor needs. The way in which the development of this will to heal has been presented in this course does not show it to be a separate, abstract human ability. Rather, it always arises in a completely individualized way, corresponding to the appropriate view of the disease; it identifies itself with the knowledge of healing in the individual case. Thus, anthroposophy does not bring a mystical fog into medical practice, but the opposite: an exact understanding of the disease and an exact therapeutic action that arises from it. The intensity with which the participants have grasped what is wanted here will ensure that in the near future some people will really seek the deepening and broadening that is so necessary for the healing arts.
(continued in the next issue).
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft XII
In dem wegen der Unmöglichkeit für die Teilnehmer, länger am Goetheanum zu bleiben, leider nur kurzen Kurse für praktizierende Ärzte konnte unter anderem die wichtige Frage nach dem Verhältnisse der Diagnose zu den therapeutischen Maßregeln im Sinne einer wirklich rationellen Medizin behandelt und an zwei Krankengeschichten aus dem unter der Leitung von Dr. med. I[ta] Wegman stehenden Klinisch-therapeutischen Institut erläutert werden. Es konnte anschaulich werden, wie eine solche rationelle Medizin nur möglich ist, wenn man Ernst macht mit der Anschauung, dass die physische Menschenorganisation von dem seelisch-geistigen Menschenwesen gestaltet und durchdrungen ist, und demgemäß danach strebt, auch die einzelnen Organe nicht nur als physische Bildungen, sondern als geistige Kraftgestaltungen zu erkennen.
In dem Kursus für jüngere Mediziner und MedizinStudierende wurde diesmal die innere Entwicklung des Arztes besonders ins Auge gefasst. Man kann, wenn man die entsprechenden geistigen Fähigkeiten ausbildet, dazu kommen, in der Anschauung unmittelbar das Wesen des kranken Menschen und dasjenige der Heilmethoden als ein Ganzes zu verbinden. Dadurch aber entwickelt sich der Heil-Wille als die besondere Seelenstimmung, die der Arzt braucht. So wie in diesem Kurse die Entwicklung dieses Heil-Willens dargestellt worden ist, erscheint derselbe nicht als eine abgesonderte - abstrakte - menschliche Fähigkeit, sondern er tritt immer, ganz individualisiert, entsprechend der sachgemäßen Anschauung der Krankheit auf; er identifiziert sich mit dem Wissen vom Heilen in dem individuellen Fall. So wird durch Anthroposophie in das medizinische Können nicht ein mystisches Nebelgebilde hineingetragen, sondern das Gegenteil: ein exaktes Erfassen der Krankheit und ein daraus hervorgehendes exaktes therapeutisches Handeln. Die Innigkeit, mit der von den Teilnehmern das hier Gewollte ergriffen worden ist, wird eine Gewähr dafür bieten, dass von einigen Menschen in der nächsten Zeit wirklich für die Heilkunst die Vertiefung und Erweiterung gesucht [wird], die so sehr notwendig sind.
(Fortsetzung in nächster Nummer.)