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Truth and Sciences
GA 3

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V. Das Erkennen der Welt

[ 1 ] Aus den vorhergehenden Betrachtungen folgt die Unmöglichkeit, durch Untersuchung unseres Beobachtungsinhalts den Beweis zu erbringen, daß unsere Wahrnehmungen Vorstellungen sind. Dieser Beweis soll nämlich dadurch erbracht werden, daß man zeigt: wenn der Wahrnehmungsprozeß in der Art erfolgt, wie man ihn gemäß den naiv-realistischen Annahmen über die psychologische und physiologische Konstitution unseres Individuums sich vorstellt, dann haben wir es nicht mit Dingen an sich, sondern bloß mit unseren Vorstellungen von den Dingen zu tun. Wenn nun der naive Realismus, konsequent verfolgt, zu Resultaten führt, die das gerade Gegenteil seiner Voraussetzungen darstellen, so müssen diese Voraussetzungen als ungeeignet zur Begründung einer Weltanschauung bezeichnet und fallen gelassen werden. Jedenfalls ist es unstatthaft, die Voraussetzungen zu verwerfen und die Folgerungen gelten zu lassen, wie es der kritische Idealist tut, der seiner Behauptung: die Welt ist meine Vorstellung, den obigen Beweisgang zugrunde legt. (Eduard von Hartmann gibt in seiner Schrift «Das Grundproblem der Erkenntnistheorie» eine ausführliche Darstellung dieses Beweisganges.)

[ 2 ] Ein anderes ist die Richtigkeit des kritischen Idealismus, ein anderes die Überzeugungskraft seiner Beweise. Wie es mit der ersteren steht, wird sich später im Zusammenhange unserer Ausführungen ergeben. Die Überzeugungskraft seines Beweises ist aber gleich Null. Wenn man ein Haus baut, und bei Herstellung des ersten Stockwerkes bricht das Erdgeschoß in sich zusammen, so stürzt das erste Stockwerk mit. Der naive Realismus und der kritische Idealismus verhalten sich wie dies Erdgeschoß zum ersten Stockwerk.

[ 3 ] Wer der Ansicht ist, daß die ganze wahrgenommene Welt nur eine vorgestellte ist, und zwar die Wirkung der mir unbekannten Dinge auf meine Seele, für den geht die eigentliche Erkenntnisfrage natürlich nicht auf die nur in der Seele vorhandenen Vorstellungen, sondern auf die jenseits unseres Bewußtseins liegenden, von uns unabhängigen Dinge. Er fragt: Wieviel können wir von den letzteren mittelbar erkennen, da sie unserer Beobachtung unmittelbar nicht zugänglich sind? Der auf diesem Standpunkt Stehende kümmert sich nicht um den inneren Zusammenhang seiner bewußten Wahrnehmungen, sondern um deren nicht mehr bewußte Ursachen, die ein von ihm unabhängiges Dasein haben, während, nach seiner Ansicht, die Wahrnehmungen verschwinden, sobald er seine Sinne von den Dingen abwendet. Unser Bewußtsein wirkt, von diesem Gesichtspunkte aus, wie ein Spiegel, dessen Bilder von bestimmten Dingen auch in dem Augenblicke verschwinden, in dem seine spiegelnde Fläche ihnen nicht zugewandt ist. Wer aber die Dinge selbst nicht sieht, sondern nur ihre Spiegelbilder, der muß aus dem Verhalten der letzteren über die Beschaffenheit der ersteren durch Schlüsse indirekt sich unterrichten. Auf diesem Standpunkte steht die neuere Naturwissenschaft, welche die Wahrnehmungen nur als letztes Mittel benutzt, um Aufschluß über die hinter denselben stehenden und allein wahrhaft seienden Vorgänge des Stoffes zu gewinnen. Wenn der Philosoph als kritischer Idealist überhaupt ein Sein gelten läßt, dann geht sein Erkenntnisstreben mit mittelbarer Benutzung der Vorstellungen allein auf dieses Sein. Sein Interesse überspringt die subjektive Welt der Vorstellungen und geht auf das Erzeugende dieser Vorstellungen los.

[ 4 ] Der kritische Idealist kann aber so weit gehen, daß er sagt: ich bin in meine Vorstellungswelt eingeschlossen und kann aus ihr nicht hinaus. Wenn ich ein Ding hinter meinen Vorstellungen denke, so ist dieser Gedanke doch auch weiter nichts als meine Vorstellung. Ein solcher Idealist wird dann das Ding an sich entweder ganz leugnen oder wenigstens davon erklären, daß es für uns Menschen gar keine Bedeutung habe, das ist, so gut wie nicht da sei, weil wir nichts von ihm wissen können.

[ 5 ] Einem kritischen Idealisten dieser Art erscheint die ganze Welt als ein Traum, dem gegenüber jeder Erkenntnisdrang einfach sinnlos wäre. Für ihn kann es nur zwei Gattungen von Menschen geben: Befangene, die ihre eigenen Traumgespinste für wirkliche Dinge halten, und Weise, die die Nichtigkeit dieser Traumwelt durchschauen, und die nach und nach alle Lust verlieren müssen, sich weiter darum zu bekümmern. Für diesen Standpunkt kann auch die eigene Persönlichkeit zum bloßen Traumbilde werden. Gerade so wie unter den Bildern des Schlaftraums unser eigenes Traumbild erscheint, so tritt im wachen Bewußtsein die Vorstellung des eigenen Ich zu der Vorstellung der Außenwelt hinzu. Wir haben im Bewußtsein dann nicht unser wirkliches Ich, sondern nur unsere Ichvorstellung gegeben. Wer nun leugnet, daß es Dinge gibt, oder wenigstens, daß wir von ihnen etwas wissen können: der muß auch das Dasein beziehungsweise die Erkenntnis der eigenen Persönlichkeit leugnen. Der kritische Idealist kommt dann zu der Behauptung: «Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum, ohne ein Leben, von welchem geträumt wird, und ohne einen Geist, dem da träumt; in einen Traum, der in einem Traume von sich selbst zusammenhängt» (vergleiche Fichte, Die Bestimmung des Menschen).

[ 6 ] Gleichgültig, ob derjenige, der das unmittelbare Leben als Traum zu erkennen glaubt, hinter diesem Traum nichts mehr vermutet, oder ob er seine Vorstellungen auf wirkliche Dinge bezieht: das Leben selbst muß für ihn alles wissenschaftliche Interesse verlieren. Während aber für denjenigen, der mit dem Traume das uns zugängliche All erschöpft glaubt, alle Wissenschaft ein Unding ist, wird für den andern, der sich befugt glaubt, von den Vorstellungen auf die Dinge zu schließen, die Wissenschaft in der Erforschung dieser «Dinge an sich» bestehen. Die erstere Weltansicht kann mit dem Namen absoluter Illusionismus bezeichnet werden, die zweite nennt ihr konsequentester Vertreter, Eduard von Hartmann, transzendentalen Realismus. 1Transzendental wird im Sinne dieser Weltanschauung eine Erkenntnis genannt, welche sich bewußt glaubt, daß über die Dinge an sich nicht direkt etwas ausgesagt werden könne, sondern welche indirekt Schlüsse von dem bekannten Subjektiven auf das Unbekannte, jenseits des Subjektiven Liegende (Transzendente) macht. Das Ding an sich ist nach dieser Ansicht jenseits des Gebietes der uns unmittelbar erkennbaren Welt, d.i. transzendent. — Unsere Welt kann aber auf das Transzendente transzendental bezogen werden. Realismus heißt Hartmanns Anschauung, weil sie über das Subjektive, Ideale hinaus, auf das Transzendente, Reale geht.

[ 7 ] Diese beiden Ansichten haben mit dem naiven Realismus das gemein, daß sie Fuß in der Welt zu fassen suchen durch eine Untersuchung der Wahrnehmungen. Sie können aber innerhalb dieses Gebietes nirgends einen festen Punkt finden.

[ 8 ] Eine Hauptfrage für den Bekenner des transzendentalen Realismus müßte sein: wie bringt das Ich aus sich selbst die Vorstellungswelt zustande? Für eine uns gegebene Welt von Vorstellungen, die verschwindet, sobald wir unsere Sinne der Außenwelt verschließen, kann ein ernstes Erkenntnisstreben sich insofern erwärmen, als sie das Mittel ist, die Welt des an sich seienden Ich mittelbar zu erforschen. Wenn die Dinge unserer Erfahrung Vorstellungen wären, dann gliche unser alltägliches Leben einem Traume und die Erkenntnis des wahren Tatbestandes dem Erwachen. Auch unsere Traumbilder interessieren uns so lange, als wir träumen, folglich die Traumnatur nicht durchschauen. In dem Augenblicke des Erwachens fragen wir nicht mehr nach dem inneren Zusammenhange unserer Traumbilder, sondern nach den physikalischen, physiologischen und psychologischen Vorgängen, die ihnen zum Grunde liegen. Ebensowenig kann sich der Philosoph, der die Welt für seine Vorstellung hält, für den inneren Zusammenhang der Einzelheiten in derselben interessieren. Falls er überhaupt ein seiendes Ich gelten läßt, dann wird er nicht fragen, wie hängt eine seiner Vorstellungen mit einer anderen zusammen, sondern was geht in der von ihm unabhängigen Seele vor, während sein Bewußtsein einen bestimmten Vorstellungsablauf enthält. Wenn ich träume, daß ich Wein trinke, der mir ein Brennen im Kehlkopf verursache und dann mit Hustenreiz aufwache (vergleiche Weygandt, Entstehung der Träume, 1893), so hört im Augenblicke des Erwachens die Traumhandlung auf, für mich ein Interesse zu haben. Mein Augenmerk ist nur noch auf die physiologischen und psychologischen Prozesse gerichtet, durch die der Hustenreiz sich symbolisch in dem Traumbilde zum Ausdruck bringt. In ähnlicher Weise muß der Philosoph, sobald er von dem Vorstellungscharakter der gegebenen Welt überzeugt ist, von dieser sofort auf die dahinter steckende wirkliche Seele überspringen. Schlimmer steht die Sache allerdings, wenn der Illusionismus das Ich an sich hinter den Vorstellungen ganz leugnet, oder es wenigstens für unerkennbar hält. Zu einer solchen Ansicht kann sehr leicht die Beobachtung führen, daß es dem Träumen gegenüber zwar den Zustand des Wachens gibt, in dem wir Gelegenheit haben, die Träume zu durchschauen und auf reale Verhältnisse zu beziehen, daß wir aber keinen zu dem wachen Bewußtseinsleben in einem ähnlichen Verhältnisse stehenden Zustand haben. Wer zu dieser Ansicht sich bekennt, dem geht die Einsicht ab, daß es etwas gibt, das sich in der Tat zum bloßen Wahrnehmen verhält wie das Erfahren im wachen Zustande zum Träumen. Dieses Etwas ist das Denken.

[ 9 ] Dem naiven Menschen kann der Mangel an Einsicht, auf den hier gedeutet wird, nicht angerechnet werden. Er gibt sich dem Leben hin und hält die Dinge so für wirklich, wie sie sich ihm in der Erfahrung darbieten. Der erste Schritt aber, der über diesen Standpunkt hinaus unternommen wird, kann nur in der Frage bestehen: wie verhält sich das Denken zur Wahrnehmung? Ganz einerlei, ob die Wahrnehmung in der mir gegebenen Gestalt vor und nach meinem Vorstellen weiterbesteht oder nicht: wenn ich irgend etwas über sie aussagen will, so kann es nur mit Hilfe des Denkens geschehen. Wenn ich sage: die Welt ist meine Vorstellung, so habe ich das Ergebnis eines Denkprozesses ausgesprochen, und wenn mein Denken auf die Welt nicht anwendbar ist, so ist dieses Ergebnis ein Irrtum. Zwischen die Wahrnehmung und jede Art von Aussage über dieselbe schiebt sich das Denken ein.

[ 10 ] Den Grund, warum das Denken bei der Betrachtung der Dinge zumeist übersehen wird, haben wir bereits angegeben (vergleiche Seite 42f.). Er liegt in dem Umstande, daß wir nur auf den Gegenstand, über den wir denken, nicht aber zugleich auf das Denken unsere Aufmerksamkeit richten. Das naive Bewußtsein behandelt daher das Denken wie etwas, das mit den Dingen nichts zu tun hat, sondern ganz abseits von denselben steht und seine Betrachtungen über die Welt anstellt. Das Bild, das der Denker von den Erscheinungen der Welt entwirft, gilt nicht als etwas, was zu den Dingen gehört, sondern als ein nur im Kopfe des Menschen existierendes; die Welt ist auch fertig ohne dieses Bild. Die Welt ist fix und fertig in allen ihren Substanzen und Kräften; und von dieser fertigen Welt entwirft der Mensch ein Bild. Die so denken, muß man nur fragen: mit welchem Rechte erklärt ihr die Welt für fertig, ohne das Denken? Bringt nicht mit der gleichen Notwendigkeit die Welt das Denken im Kopfe des Menschen hervor, wie die Blüte an der Pflanze? Pflanzet ein Samenkorn in den Boden. Es treibt Wurzel und Stengel. Es entfaltet sich zuBlättern und Blüten. Stellet die Pflanze euch selbst gegenüber. Sie verbindet sich in eurer Seele mit einem bestimmten Begriffe. Warum gehört dieser Begriff weniger zur ganzen Pflanze als Blatt und Blüte? Ihr saget: die Blätter und Blüten sind ohne ein wahrnehmendes Subjekt da; der Begriff erscheint erst, wenn sich der Mensch der Pflanze gegenüberstellt. Ganz wohl. Aber auch Blüten und Blätter entstehen an der Pflanze nur, wenn Erde da ist, in die der Keim gelegt werden kann, wenn Licht und Luft da sind, in denen sich Blätter und Blüten entfalten können. Gerade so entsteht der Begriff der Pflanze, wenn ein denkendes Bewußtsein an die Pflanze herantritt.

[ 11 ] Es ist ganz willkürlich, die Summe dessen, was wir von einem Dinge durch die bloße Wahrnehmung erfahren, für eine Totalität, für ein Ganzes zu halten, und dasjenige, was sich durch die denkende Betrachtung ergibt, als ein solches Hinzugekommenes, das mit der Sache selbst nichts zu tun habe. Wenn ich heute eine Rosenknospe erhalte, so ist das Bild, das sich meiner Wahrnehmung darbietet, nur zunächst ein abgeschlossenes. Wenn ich die Knospe in Wasser setze, so werde ich morgen ein ganz anderes Bild meines Objektes erhalten. Wenn ich mein Auge von der Rosenknospe nicht abwende, so sehe ich den heutigen Zustand in den morgigen durch unzählige Zwischenstufen kontinuierlich übergehen. Das Bild, das sich mir in einem bestimmten Augenblicke darbietet, ist nur ein zufälliger Ausschnitt aus dem in einem fortwährenden Werden begriffenen Gegenstande. Setze ich die Knospe nicht in Wasser, so bringt sie eine ganze Reihe von Zuständen nicht zur Entwickelung, die der Möglichkeit nach in ihr lagen. Ebenso kann ich morgen verhindert sein, die Blüte weiter zu beobachten und dadurch ein unvollständiges Bild haben.

[ 12 ] Es ist eine ganz unsachliche, an Zufälligkeiten sich heftende Meinung, die von dem in einer gewissen Zeit sich darbietenden Bilde erklärte: das ist die Sache.

[ 13 ] Ebensowenig ist es statthaft, die Summe der Wahrnehmungsmerkmale für die Sache zu erklären. Es wäre sehr wohl möglich, daß ein Geist zugleich und ungetrennt von der Wahrnehmung den Begriff mitempfangen könnte. Ein solcher Geist würde gar nicht auf den Einfall kommen, den Begriff als etwas nicht zur Sache Gehöriges zu betrachten. Er müßte ihm ein mit der Sache unzertrennlich verbundenes Dasein zuschreiben.

[ 14 ] Ich will mich noch durch ein Beispiel deutlicher machen. Wenn ich einen Stein in horizontaler Richtung durch die Luft werfe, so sehe ich ihn nacheinander an verschiedenen Orten. Ich verbinde diese Orte zu einer Linie. In der Mathematik lerne ich verschiedeneLinienformen kennen, darunter auch die Parabel. Ich kenne die Parabel als eine Linie, die entsteht, wenn sich ein Punkt in einer gewissen gesetzmäßigen Art bewegt. Wenn ich die Bedingungen untersuche, unter denen sich der geworfene Stein bewegt, so finde ich, daß die Linie seiner Bewegung mit der identisch ist, die ich als Parabel kenne. Daß sich der Stein gerade in einerParabel bewegt, das ist eine Folge der gegebenen Bedingungen und folgt mit Notwendigkeit aus diesen. Die Form der Parabel gehört zur ganzen Erscheinung, wie alles andere, was an derselben in Betracht kommt. Dem oben beschriebenen Geist, der nicht den Umweg des Denkens nehmen müßte, wäre nicht nur eine Summe von Gesichtsempfindungen an verschiedenen Orten gegeben, sondern ungetrennt von der Erscheinung auch die parabolische Form derWurflinie, die wir erst durch Denken zu der Erscheinung hinzufügen.

[ 15 ] Nicht an den Gegenständen liegt es, daß sie uns zunächst ohne die entsprechenden Begriffe gegeben werden, sondern an unserer geistigen Organisation. Unsere totale Wesenheit funktioniert in der Weise, daß ihr bei jedem Dinge der Wirklichkeit von zwei Seiten her die Elemente zufließen, die für die Sache in Betracht kommen: von seiten des Wahrnehmens und des Denkens.

[ 16 ] Es hat mit der Natur der Dinge nichts zu tun, wie ich organisiert bin, sie zu erfassen. Der Schnitt zwischen Wahrnehmen und Denken ist erst in dem Augenblicke vorhanden, wo ich, der Betrachtende, den Dingen gegenübertrete.Welche Elemente dem Dinge angehören und welche nicht, kann aber durchaus nicht davon abhängen, auf welche Weise ich zur Kenntnis dieser Elemente gelange.

[ 17 ] Der Mensch ist ein eingeschränktes Wesen. Zunächst ist er ein Wesen unter anderen Wesen. Sein Dasein gehört dem Raum und der Zeit an. Dadurch kann ihm auch immer nur ein beschränkter Teil des gesamten Universums gegeben sein. Dieser beschränkte Teil schließt sich aber ringsherum sowohl zeitlich wie räumlich an anderes an. Wäre unser Dasein so mit den Dingen verknüpft, daß jedes Weltgeschehen zugleich unser Geschehen wäre, dann gäbe es den Unterschied zwischen uns und den Dingen nicht. Dann aber gäbe es für uns auch keine Einzeldinge. Da ginge alles Geschehen kontinuierlich ineinander über. Der Kosmos wäre eine Einheit und eine in sich beschlossene Ganzheit. Der Strom des Geschehens hätte nirgends eine Unterbrechung. Wegen unserer Beschränkung erscheint uns als Einzelheit, was in Wahrheit nicht Einzelheit ist. Nirgends ist zum Beispiel die Einzelqualität des Rot abgesondert für sich vorhanden. Sie ist allseitig von anderen Qualitäten umgeben, zu denen sie gehört, und ohne die sie nicht bestehen könnte. Für uns aber ist es eine Notwendigkeit, gewisse Ausschnitte aus der Welt herauszuheben, und sie für sich zu betrachten. Unser Auge kann nur einzelne Farben nacheinander aus einem vielgliedrigen Farbenganzen, unser Verstand nur einzelne Begriffe aus einem zusammenhängenden Begriffssysteme erfassen. Diese Absonderung ist ein subjektiver Akt, bedingt durch den Umstand, daß wir nicht identisch sind mit dem Weltprozeß, sondern ein Wesen unter anderen Wesen.

[ 18 ] Es kommt nun alles darauf an, die Stellung des Wesens, das wir selbst sind, zu den anderen Wesen zu bestimmen. Diese Bestimmung muß unterschieden werden von dem bloßen Bewußtwerden unseres Selbst. Das letztere beruht auf dem Wahrnehmen wie das Bewußtwerden jedes anderen Dinges. Die Selbstwahrnehmung zeigt mir eine Summe von Eigenschaften, die ich ebenso zu dem Ganzen meiner Persönlichkeit zusammenfasse, wie ich die Eigenschaften: gelb, metallglänzend, hart usw. zu der Einheit «Gold» zusammenfasse. Die Selbstwahrnehmung führt mich nicht aus dem Bereiche dessen hinaus, was zu mir gehört. Dieses Selbstwahrnehmen ist zu unterscheiden von dem denkenden Selbst-bestimmen. Wie ich eine einzelne Wahrnehmung der Außenwelt durch das Denken eingliedere in den Zusammenhang der Welt, so gliedere ich die an mir selbst gemachten Wahrnehmungen in den Weltprozeß durch das Denken ein. Mein Selbstwahrnehmen schließt mich innerhalb bestimmter Grenzen ein; mein Denken hat nichts zu tun mit diesen Grenzen. In diesem Sinne bin ich ein Doppelwesen. Ich bin eingeschlossen in das Gebiet, das ich als das meiner Persönlichkeit wahrnehme, aber ich bin Träger einer Tätigkeit, die von einer höheren Sphäre aus mein begrenztes Dasein bestimmt. Unser Denken ist nicht individuell wie unser Empfinden und Fühlen. Es ist universell. Es erhält ein individuelles Gepräge in jedem einzelnen Menschen nur dadurch, daß es auf sein individuelles Fühlen und Empfinden bezogen ist. Durch diese besonderen Färbungen des universellen Denkens unterscheiden sich die einzelnen Menschen voneinander. Ein Dreieck hat nur einen einzigen Begriff. Für den Inhalt dieses Begriffes ist es gleichgültig, ob ihn der menschliche Bewußtseinsträger A oder B faßt. Er wird aber von jedem der zwei Bewußtseinsträger in individueller Weise erfaßt werden.

[ 19 ] Diesem Gedanken steht ein schwer zu überwindendes Vorurteil der Menschen gegenüber. Die Befangenheit kommt nicht bis zu der Einsicht, daß der Begriff des Dreieckes, den mein Kopf erfaßt, derselbe ist, wie der durch den Kopf meines Nebenmenschen ergriffene. Der naive Mensch hält sich für den Bildner seiner Begriffe. Er glaubt deshalb, jede Person habe ihre eigenen Begriffe. Es ist eine Grundforderung des philosophischen Denkens, dieses Vorurteil zu überwinden. Der eine einheitliche Begriff des Dreiecks wird nicht dadurch zu einer Vielheit, daß er von vielen gedacht wird. Denn das Denken der Vielen selbst ist eine Einheit.

[ 20 ] In dem Denken haben wir das Element gegeben, das unsere besondere Individualität mit dem Kosmos zu einem Ganzen zusammenschließt. Indem wir empfinden und fühlen (auch wahrnehmen), sind wir einzelne, indem wir denken, sind wir das all-eine Wesen, das alles durchdringt. Dies ist der tiefere Grund unserer Doppelnatur: Wir sehen in uns eine schlechthin absolute Kraft zum Dasein kommen, eine Kraft, die universell ist, aber wir lernen sie nicht bei ihrem Ausströmen aus dem Zentrum der Welt kennen, sondern in einem Punkte der Peripherie. Wäre das erstere der Fall, dann wüßten wir in dem Augenblicke, in dem wir zum Bewußtsein kommen, das ganze Welträtsel. Da wir aber in einem Punkte der Peripherie stehen und unser eigenes Dasein in bestimmte Grenzen eingeschlossen finden, müssen wir das außerhalb unseres eigenen Wesens gelegene Gebiet mit Hilfe des aus dem allgemeinen Weltensein in uns hereinragenden Denkens kennen lernen.

[ 21 ] Dadurch, daß das Denken in uns übergreift über unser Sondersein und auf das allgemeine Weltensein sich bezieht, entsteht in uns der Trieb der Erkenntnis. Wesen ohne Denken haben diesen Trieb nicht. Wenn sich ihnen andere Dinge gegenüberstellen, so sind dadurch keine Fragen gegeben. Diese anderen Dinge bleiben solchen Wesen äußerlich. Bei denkenden Wesen stößt dem Außendinge gegenüber der Begriff auf. Er ist dasjenige, was wir von dem Dinge nicht von außen, sondern von innen empfangen. Den Ausgleich, die Vereinigung der beiden Elemente, des inneren und des äußeren, soll die Erkenntnis liefern.

[ 22 ] Die Wahrnehmung ist also nichts Fertiges, Abgeschlossenes, sondern die eine Seite der totalen Wirklichkeit. Die andere Seite ist der Begriff. Der Erkenntnisakt ist die Syn these von Wahrnehmung und Begriff. Wahrnehmung und Begriff eines Dinges machen aber erst das ganze Ding aus.

[ 23 ] Die vorangehenden Ausführungen liefern den Beweis, daß es ein Unding ist, etwas anderes Gemeinsames in den Einzelwesen der Welt zu suchen, als den ideellen Inhalt, den uns das Denken darbietet. Alle Versuche müssen scheitern, die nach einer anderen Welteinheit streben als nach diesem in sich zusammenhängenden ideellen Inhalt, welchen wir uns durch denkende Betrachtung unserer Wahrnehmungen erwerben. Nicht ein menschlich-persönlicher Gott, nicht Kraft oder Stoff, noch der ideenlose Wille (Schopenhauers) können uns als eine universelle Welteinheit gelten. Diese Wesenheiten gehören sämtlich nur einem beschränkten Gebiet unserer Beobachtung an. Menschlich begrenzte Persönlichkeit nehmen wir nur an uns, Kraft und Stoff an den Außendingen wahr. Was den Willen betrifft, so kann er nur als die Tätigkeitsäußerung unserer beschränkten Persönlichkeit gelten. Schopenhauer will es vermeiden, das «abstrakte» Denken zum Träger der Welteinheit zu machen und sucht statt dessen etwas, das sich ihm unmittelbar als ein Reales darbietet. Dieser Philosoph glaubt, daß wir der Welt nimmermehr beikommen, wenn wir sie als Außenwelt ansehen. «In der Tat würde die nachgeforschte Bedeutung der mir lediglich als meine Vorstellung gegenüberstehenden Welt, oder der Übergang von ihr, als bloßer Vorstellung des erkennenden Subjekts, zu dem, was sie noch außerdem sein mag, nimmermehr zu finden sein, wenn der Forscher selbst nichts weiter als das rein erkennende Subjekt (geflügelter Engelskopf ohne Leib) wäre. Nun aber wurzelt er selbst in jener Welt, findet sich nämlich in ihr als Individuum, das heißt sein Erkennen, welches der bedingende Träger der ganzen Welt als Vorstellung ist, ist dennoch durchaus vermittelt durch einen Leib, dessen Affektionen, wie gezeigt, dem Verstande der Ausgangspunkt der Anschauung jener Welt sind. Dieser Leib ist dem rein erkennenden Subjekt als solchem eine Vorstellung wie jede andere, ein Objekt unter Objekten: die Bewegungen, die Aktionen desselben sind ihm insoweit nicht anders als wie die Veränderungen aller anderen anschaulichen Objekte bekannt, und wären ihm ebenso fremd und unverständlich, wenn die Bedeutung derselben ihm nicht etwa auf eine ganz andere Art enträtselt wäre.... Dem Subjekt des Erkennens, welches durch seine Identität mit dem Leibe als Individuum auftritt, ist dieser Leib auf zwei ganz verschiedene Weisen gegeben: einmal als Vorstellung in verständiger Anschauung, als Objekt unter Objekten, und dem Gesetzen dieser unterworfen; sodann aber auch zugleich auf eine ganz andere Weise, nämlich als jenes jedem unmittelbar Bekannte, welches das Wort Wille bezeichnet. Jeder wahre Akt seines Willens ist sofort und unausbleiblich auch eine Bewegung seines Leibes: er kann den Akt nicht wirklich wollen, ohne zugleich wahrzunehmen, daß er als Bewegung des Leibes erscheint. Der Willensakt und die Aktion des Leibes sind nicht zwei objektiv erkannte verschiedene Zustände, die das Band der Kausalität verknüpft, stehen nicht im Verhältnis der Ursache und Wirkung; sondern sie sind eines und dasselbe, nur auf zwei gänzlich verschiedene Weisen gegeben: einmal ganz unmittelbar und einmal in der Anschauung für den Verstand.» Durch diese Auseinandersetzungen glaubt sich Schopenhauer berechtigt, in dem Leibe des Menschen die «Objektität» des Willens zu finden. Er ist der Meinung, in den Aktionen des Leibes unmittelbar eine Realität, das Ding an sich in concreto zu fühlen. Gegen diese Ausführungen muß eingewendetwerden, daß uns die Aktionen unseres Leibes nur durch Selbstwahrnehmungen zum Bewußtsein kommen und als solche nichts voraus haben vor anderen Wahrnehmungen. Wenn wir ihre Wesenheit erkennen wollen, so können wir dies nur durch denkende Betrachtung, das heißt durch Eingliederung derselben in das ideelle System unserer Begriffe und Ideen.

[ 24 ] Am tiefsten eingewurzelt in das naive Menschheitsbewußtsein ist die Meinung: das Denken sei abstrakt, ohne allen konkreten Inhalt. Es könne höchstens ein «ideelles» Gegenbild der Welteinheit liefern, nicht etwa diese selbst. Wer so urteilt, hat sich niemals klar gemacht, was die Wahrnehmung ohne den Begriff ist. Sehen wir uns nur diese Welt der Wahrnehmung an: als ein bloßes Nebeneinander im Raum und Nacheinander in der Zeit, ein Aggregat zusammenhangloser Einzelheiten erscheint sie. Keines der Dinge, die da auftreten und abgehen auf derWahrnehmungsbühne, hat mit dem andern unmittelbar etwas zu tun, was sich wahrnehmen läßt. Die Welt ist da eine Mannigfaltigkeit von gleichwertigen Gegenständen. Keiner spielt eine größere Rolle als der andere im Getriebe der Welt. Soll uns klar werden, daß diese oder jene Tatsache größere Bedeutung hat als die andere, so müssen wir unser Denken befragen. Ohne das funktionierende Denken erscheint uns das rudimentäre Organ des Tieres, das ohne Bedeutung für dessen Leben ist, gleichwertig mit dem wichtigsten Körpergliede. Die einzelnen Tatsachen treten in ihrer Bedeutung in sich und für die übrigen Teile der Welt erst hervor, wenn das Denken seine Fäden zieht von Wesen zu Wesen. Diese Tätigkeit des Denkens ist eine inhaltvolle. Denn nur durch einen ganz bestimmten konkreten Inhalt kann ich wissen, warum die Schnecke auf einer niedrigeren Organisationsstufe steht als der Löwe. Der bloße Anblick, die Wahrnehmung gibt mir keinen Inhalt, der mich über die Vollkommenheit der Organisation belehren könnte.

[ 25 ] Diesen Inhalt bringt das Denken der Wahrnehmung aus der Begriffs, und Ideenwelt des Menschen entgegen. Im Gegensatz zum Wahrnehmungsinhalte, der uns von außen gegeben ist, erscheint der Gedankeninhalt im Innern. Die Form, in der er zunächst auftritt, wollen wir als Intuition bezeichnen. Sie ist für das Denken, was die Beobachtung für die Wahrnehmung ist. Intuition und Beobachtung sind die Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben, die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit ergänzt. Wer nicht die Fähigkeit hat, die den Dingen entsprechenden Intuitionen zu finden, dem bleibt die volle Wirklichkeit verschlossen. Wie der Farbenblinde nur Helligkeitsunterschiede ohne Farbenqualitäten sieht, so kann der Intuitionslose nur unzusammenhängende Wahrnehmungsfragmente beobachten.

[ 26 ] Ein Ding erklären, verständlich machen heißt nichts anderes, als es in den Zusammenhang hinein versetzen, aus dem es durch die oben geschilderte Einrichtung unserer Organisation herausgerissen ist. Ein von dem Weltganzen abgetrenntes Ding gibt es nicht. Alle Sonderung hat bloß subjektive Geltung für unsere Organisation. Für uns legt sich das Weltganze auseinander in: oben und unten, vor und nach, Ursache und Wirkung, Gegenstand und Vorstellung, Stoff und Kraft, Objekt und Subjekt usw. Was uns in der Beobachtung an Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet sich durch die zusammenhängende, einheitliche Welt unserer Intuitionen Glied für Glied; und wir fügen durch das Denken alles wieder in eins zusammen, was wir durch das Wahrnehmen getrennt haben.

[ 27 ] Die Rätselhaftigkeit eines Gegenstandes liegt in seinem Sonderdasein. Diese ist aber von uns hervorgerufen und kann, innerhalb der Begriffswelt, auch wieder aufgehoben werden.

[ 28 ] Außer durch Denken und Wahrnehmen ist uns direkt nichts gegeben. Es entsteht nun die Frage: wie steht es gemäß unseren Ausführungen mit der Bedeutung der Wahrnehmung? Wir haben zwar erkannt, daß der Beweis, den der kritische Idealismus für die subjektive Natur der Wahrnehmungen vorbringt, in sich zerfällt; aber mit der Einsicht in die Unrichtigkeit des Beweises ist noch nicht ausgemacht, daß die Sache selbst auf einem Irrtume beruht. Der kritische Idealismus geht in seiner Beweisführung nicht von der absoluten Natur des Denkens aus, sondern stützt sich darauf, daß der naive Realismus, konsequent verfolgt, sich selbst aufhebe. Wie stellt sich die Sache, wenn die Absolutheit des Denkens erkannt ist?

[ 29 ] Nehmen wir an, es trete eine bestimmte Wahrnehmung, zum Beispiel Rot, in meinem Bewußtsein auf. Die Wahrnehmung erweist sich bei fortgehender Betrachtung in Zusammenhang stehend mit anderen Wahrnehmungen, zum Beispiel einer bestimmten Figur, mit gewissen Temperatur-und Tastwahrnehmungen. Diesen Zusammenhang bezeichne ich als einen Gegenstand der Sinnenwelt. Ich kann mich nun fragen: was findet sich außer dem angeführten noch in jenem Raumausschnitte, in dem mir obige Wahrnehmungen erscheinen. Ich werde mechanische, chemische und andere Vorgänge innerhalb des Raumteiles finden. Nun gehe ich weiter und untersuche die Vorgänge, die ich auf dem Wege von dem Gegenstande zu meinem Sinnesorgane finde. Ich kann Bewegungsvorgänge in einem elastischen Mittel finden, die ihrer Wesenheit nach nicht das geringste mit den ursprünglichen Wahrnehmungen gemein haben. Das gleiche Resultat erhalte ich, wenn ich die weitere Vermittelung vom Sinnesorgane zum Gehirn untersuche. Auf jedem dieser Gebiete mache ich neue Wahrnehmungen; aber was als bindendes Mittel sich durch alle diese räumlich und zeitlich auseinanderliegenden Wahrnehmungen hindurchwebt, das ist das Denken. Die den Schall vermittelnden Schwingungen der Luft sind mir gerade so als Wahrnehmungen gegeben wie der Schall selbst. Nur das Denken gliedert alle diese Wahrnehmungen aneinander und zeigt sie in ihren gegenseitigen Beziehungen. Wir können nicht davon sprechen, daß es außer dem unmittelbar Wahrgenommenen noch anderes gibt, als dasjenige, was durch die ideellen (durch das Denken aufzudeckenden) Zusammenhänge der Wahrnehmungen erkannt wird. Die über das bloß Wahrgenommene hinausgehende Beziehung der Wahrnehmungsobjekte zum Wahrnehmungssubjekte ist also eine bloß ideelle, das heißt nur durch Begriffe ausdrückbare. Nur in dem Falle, wenn ich wahrnehmen könnte, wie das Wahrnehmungsobjekt das Wahrnehmungssubjekt affiziert, oder umgekehrt, wenn ich den Aufbau des Wahrnehmungsgebildes durch das Subjekt beobachten könnte, wäre es möglich, so zu sprechen, wie es die moderne Physiologie und der auf sie gebaute kritische Idealismus tun. Diese Ansicht verwechselt einen ideellen Bezug (des Objekts auf das Subjekt) mit einem Prozeß, von dem nur gesprochen werden könnte, wenn er wahrzunehmen wäre. Der Satz «Keine Farbe ohne farbenempfindendes Auge» kann daher nicht die Bedeutung haben, daß das Auge die Farbe hervorbringt, sondern nur die, daß ein durch das Denken erkennbarer ideeller Zusammenhang besteht zwischen der Wahrnehmung Farbe und der Wahrnehmung Auge. Die empirische Wissenschaft wird festzustellen haben, wie sich die Eigenschaften des Auges und die der Farben zueinander verhalten; durch welche Einrichtungen das Sehorgan die Wahrnehmung der Farben vermittelt usw. Ich kann verfolgen, wie eine Wahrnehmung auf die andere folgt, wie sie räumlich mit andern in Beziehung steht; und dies dann in einen begrifflichen Ausdruck bringen; aber ich kann nicht wahrnehmen, wie eine Wahrnehmung aus dem Unwahrnehmbaren hervorgeht. Alle Bemühungen, zwischen den Wahrnehmungen andere alsGedankenbezüge zu suchen, müssen notwendig scheitern.

[ 30 ] Was ist also die Wahrnehmung? Diese Frage ist, im allgemeinen gestellt, absurd. Die Wahrnehmung tritt immer als eine ganz bestimmte, als konkreter Inhalt auf. Dieser Inhalt ist unmittelbar gegeben, und erschöpft sich in dem Gegebenen. Man kann in bezug auf dieses Gegebene nur fragen, was es außerhalb der Wahrnehmung, das ist: für das Denken ist. Die Frage nach dem «Was» einer Wahrnehmung kann also nur auf die begriffliche Intuition gehen, die ihr entspricht. Unter diesem Gesichtspunkte kann die Frage nach der Subjektivität der Wahrnehmung im Sinne des kritischen Idealismus gar nicht aufgeworfen werden. Als subjektiv darf nur bezeichnet werden, was als zum Subjekte gehörig wahrgenommen wird. Das Band zu bilden zwischen Subjektivem und Objektivem kommt keinem im naiven Sinn realen Prozeß, das heißt einem wahrnehmbaren Geschehen zu, sondern allein dem Denken. Es ist also für uns objektiv, was sich für die Wahrnehmung als außerhalb des Wahrnehmungssubjektes gelegen darstellt. Mein Wahrnehmungssubjekt bleibt für michwahrnehmbar,wenn der Tisch, der soeben vor mir steht, aus dem Kreise meiner Beobachtung verschwunden sein wird. Die Beobachtung des Tisches hat eine, ebenfalls bleibende, Veränderung in mir hervorgerufen. Ich behalte die Fähigkeit zurück, ein Bild des Tisches später wieder zu erzeugen. Diese Fähigkeit der Hervorbringung eines Bildes bleibt mit mir verbunden. Die Psychologie bezeichnet dieses Bild als Erinnerungsvorstellung. Es ist aber dasjenige, was allein mit Recht Vorstellung des Tisches genannt werden kann. Es entspricht dies nämlich der wahrnehmbaren Veränderung meines eigenen Zustandes durch die Anwesenheit des Tisches in meinem Gesichtsfelde. Und zwar bedeutet sie nicht die Veränderung irgendeines hinter dem Wahrnehmungssubjekte stehenden «Ich an sich», sondern die Veränderung des wahrnehmbaren Subjektes selbst. Die Vorstellung ist also eine subjektive Wahrnehmung im Gegensatz zur objektiven Wahrnehmung bei Anwesenheit des Gegenstandes im Wahrnehmungshorizonte. Das Zusammenwerfen jener subjektiven mit dieser objektiven Wahrnehmung führt zu dem Mißverständnisse des Idealismus: die Welt ist meine Vorstellung.

[ 31 ] Es wird sich nun zunächst darum handeln, den Begriff der Vorstellung näher zu bestimmen. Was wir bisher über sie vorgebracht haben, ist nicht der Begriff derselben, sondern weist nur den Weg, wo sie im Wahrnehmungsfelde zu finden ist. Der genaue Begriff der Vorstellung wird es uns dann auch möglich machen, einen befriedigenden Aufschluß über das Verhältnis von Vorstellung und Gegenstand zu gewinnen. Dies wird uns dann auch über die Grenze führen, wo das Verhältnis zwischen menschlichem Subjekt und der Welt angehörigem Objekt von dem rein begrifflichen Felde des Erkennens hinabgeführt wird in das konkrete individuelle Leben. Wissen wir erst, was wir von der Welt zu halten haben, dann wird es ein leichtes sein, auch uns danach einzurichten. Wir können erst mit voller Kraft tätig sein, wenn wir das der Welt angehörige Objekt kennen, dem wir unsere Tätigkeit widmen.

Zusatz zur Neuausgabe (1918)

[ 32 ] Die Anschauung, die hier gekennzeichnet ist, kann als eine solche angesehen werden, zu welcher der Mensch wie naturgemäß zunächst getrieben wird, wenn er beginnt, über sein Verhältnis zur Welt nachzudenken. Er sieht sich da in eine Gedankengestaltung verstrickt, die sich ihm auflöst, indem er sie bildet. Diese Gedankengestaltung ist eine solche, mit deren bloßer theoretischer Widerlegung nicht alles für sie Notwendige getan ist. Man muß sie durchleben, um aus der Einsicht in die Verirrung, in die sie führt, den Ausweg zu finden. Sie muß in einer Auseinandersetzung über das Verhältnis des Menschen zur Welt erscheinen nicht darum, weil man andere widerlegen will, von denen man glaubt, daß sie über dieses Verhältnis eine unrichtige Ansicht haben, sondern weil man kennen muß, in welche Verwirrung sich jedes erste Nachdenken über ein solches Verhältnis bringen kann. Man muß die Einsicht gewinnen, wie man sich selbst in bezug auf dieses erste Nachdenken widerlegt. Von einem solchen Gesichts punkte aus sind die obigen Ausführungen gemeint.

[ 33 ] Wer sich eine Anschauung über das Verhältnis des Menschen zur Welt erarbeiten will, wird sich bewußt, daß er mindestens einen Teil dieses Verhältnisses dadurch herstellt, daß er sich über die Weltdinge und Weltvorgänge Vorstellungen macht. Dadurch wird sein Blick von dem, was draußen in der Welt ist, abgezogen und auf seine Innenwelt, auf sein Vorstellungsleben gelenkt. Er beginnt sich zu sagen: ich kann zu keinem Ding und zu keinem Vorgang eine Beziehung haben, wenn nicht in mir eine Vorstellung auftritt. Von dem Bemerken dieses Tatbestandes ist dann nur ein Schritt zu der Meinung: ich erlebe aber doch nur meine Vorstellungen; von einer Welt draußen weiß ich nur, insofern sie Vorstellung in mir ist. Mit dieser Meinung ist der naive Wirklichkeitsstandpunkt verlassen, den der Mensch vor allem Nachsinnen über sein Verhältnis zur Welt einnimmt. Von diesem Standpunkt aus glaubt er, er habe es mit den wirklichen Dingen zu tun. Von diesem Standpunkt drängt die Selbstbesinnung ab. Sie läßt den Menschen gar nicht hinblicken auf eine Wirklichkeit, wie sie das naive Bewußtsein vor sich zu haben meint. Sie läßt ihn bloß auf seine Vorstellungen blicken; diese schieben sich ein zwischen die eigene Wesenheit und eine etwa wirkliche Welt, wie sie der naive Standpunkt glaubt behaupten zu dürfen. Der Mensch kann nicht mehr durch die eingeschobene Vorstellungswelt auf eine solche Wirklichkeit schauen. Er muß annehmen: er sei blind für diese Wirklichkeit. So entsteht der Gedanke von einem für die Erkenntnis unerreichbaren «Ding an sich». — Solange man bei der Betrachtung des Verhältnisses stehenbleibt, in das der Mensch durch sein Vorstellungsleben mit der Welt zu treten scheint, wird man dieser Gedankengestaltung nicht entgehen können. Auf dem naiven Wirklichkeitsstandpunkt kann man nicht bleiben, wenn man sich dem Drang nach Erkenntnis nicht künstlich verschließen will. Daß dieser Drang nach Erkenntnis des Verhältnisses von Mensch und Welt vorhanden ist, zeigt, daß dieser naive Standpunkt verlassen werden muß. Gäbe der naive Standpunkt etwas, was man als Wahrheit anerkennen kann, so könnte man diesen Drang nicht empfinden. — Aber man kommt nun nicht zu etwas anderem, das man als Wahrheit ansehen könnte, wenn man bloß den naiven Standpunkt verläßt, aber — ohne es zu bemerken — die Gedankenart beibehält, die er aufnötigt. Man verfällt in einen solchen Fehler, wenn man sich sagt: ich erlebe nur meine Vorstellungen, und während ich glaube, ich habe es mit Wirklichkeiten zu tun, sind mir nur meine Vorstellungen von Wirklichkeiten bewußt; ich muß deshalb annehmen, daß außerhalb des Umkreises meines Bewußtseins erst wahre Wirklichkeiten, «Dinge an sich» liegen, von denen ich unmittelbar gar nichts weiß, die irgendwie an mich herankommen und mich so beeinflussen, daß in mir meine Vorstellungswelt auflebt. Wer so denkt, der setzt in Gedanken zu der ihm vorliegenden Welt nur eine andere hinzu; aber er müßte bezüglich dieser Welt eigentlich mit seiner Gedankenarbeit wieder von vorne beginnen. Denn das unbekannte «Ding an sich» wird dabei gar nicht anders gedacht in seinem Verhältnisse zur Eigenwesenheit des Menschen als das bekannte des naiven Wirklichkeitsstandpunktes. — Man entgeht der Verwirrung, in die man durch die kritische Besonnenheit in bezug auf diesen Standpunkt gerät, nur, wenn man bemerkt, daß es innerhalb dessen, was man innen in sich und außen in der Welt wahrnehmend erleben kann, etwas gibt, das dem Verhängnis gar nicht verfallen kann, daß sich zwischen Vorgang und betrachtenden Menschen die Vorstellung einschiebt. Und dieses ist das Denken. Dem Denken gegenüber kann der Mensch auf dem naiven Wirklichkeitsstandpunkt verbleiben. Tut er es nicht, so geschieht das nur deshalb, weil er bemerkt hat, daß er für anderes diesen Standpunkt verlassen muß, aber nicht gewahr wird, daß die so gewonnene Einsicht nicht anwendbar auf das Denken ist. Wird er dies gewahr, dann eröffnet er sich den Zugang zu der anderen Einsicht, daß im Denken und durch das Denken dasjenige erkannt werden muß, wofür sich der Mensch blind zu machen scheint, indem er zwischen der Welt und sich das Vorstellungsleben einschieben muß. — Von durch den Verfasser dieses Buches sehr geschätzter Seite ist diesem der Vorwurf gemacht worden, daß er mit seiner Ausführung über das Denken bei einem naiven Realismus des Denkens stehenbleibe, wie ein solcher vorliege, wenn man die wirkliche Welt und die vorgestellte Welt für eines hält. Doch der Verfasser dieser Ausführungen glaubt eben in ihnen erwiesen zu haben, daß die Geltung dieses «naiven Realismus» für das Denken sich aus einer unbefangenen Beobachtung desselben notwendig ergibt; und daß der für anderes nicht geltende naive Realismus durch die Erkenntnis der wahren Wesenheit des Denkens überwunden wird.

Versions Available:

The Philosophy of Freedom 1916, tr. Prof. and Mrs. R. F. Alfred Hoernlé
  1. The Philosophy of Spiritual Activity 1949, tr. Hermann Poppelbaum
  2. The Philosophy of Spiritual Activity 1963, tr. Rita Stebbing
  3. The Philosophy of Freedom 1964, tr. Michael Wilson
  4. The Philosophy of Spiritual Activity 1986, tr. William Lindeman
  5. The Philosophy of Spiritual Activity, Steiner Online Library
  6. Die Philosophie der Freiheit, Rudolf Steiner Verlag, 16th ed.

VI. Our Knowledge of the World

From the foregoing considerations it follows that it is impossible to prove, by analysis of the content of our perceptions, that our percepts are ideas. This is supposed to be proved by showing that, if the process of perceiving takes place, in the way in which we conceive it in accordance with the naïve-realistic assumptions concerning the psychological and physiological constitution of human individuals, then we have to do, not with things themselves, but merely with our ideas of things. Now, if Naïve Realism, when consistently thought out, leads to results which directly contradict its presuppositions, then these presuppositions must be discarded as unsuitable for the foundation of a theory of the world. In any case, it is inadmissible to reject the presuppositions and yet accept the consequences, as the Critical Idealist does who bases his assertion that the world is my idea on the line of argument indicated above. (Edouard von Hartmann gives in his work Das Grundproblem der Erkenntnistheorie a full account of this line of argument.)

The truth of Critical Idealism is one thing, the persuasiveness of its proofs another. How it stands with the former, will appear later in the course of our argument, but the persuasiveness of its proofs is nil. If one builds a house, and the ground floor collapses whilst the first floor is being built, then the first floor collapses too. Naïve Realism and Critical Idealism are related to one another like the ground floor to the first floor in this simile.

For one who holds that the whole perceived world is only an ideal world, and, moreover, the effect of things unknown to him acting on his soul, the real problem of knowledge is naturally concerned, not with the ideas present only in the soul, but with the things which lie outside his consciousness and which are independent of him. He asks: How much can we learn about them indirectly, seeing that we cannot observe them directly? From this point of view, he is concerned, not with the connection of his conscious percepts with one another, but with their causes which transcend his consciousness and exist independently of him, whereas the percepts, on his view, disappear as soon as he turns his sense-organs away from the things themselves. Our consciousness, on this view, works like a mirror from which the pictures of definite things disappear the very moment its reflecting surface is not turned towards them. If, now, we do not see the things themselves, but only their reflections, we must obtain knowledge of the nature of the former indirectly by drawing conclusions from the character of the latter. The whole of modern science adopts this point of view, when it uses percepts only as a means of obtaining information about the motions of matter which lie behind them, and which alone really “are.” If the philosopher, as Critical Idealist, admits real existence at all, then his sole aim is to gain knowledge of this real existence indirectly by means of his ideas. His interest ignores the subjective world of ideas, and pursues instead the causes of these ideas.

The Critical Idealist can, however, go even further and say, I am confined to the world of my own ideas and cannot escape from it. If I conceive a thing beyond my ideas, this concept, once more, is nothing but my idea. An Idealist of this type will either deny the thing-in-itself entirely or, at any rate, assert that it has no significance for human minds, i.e., that it is as good as nonexistent since we can know nothing of it.

To this kind of Critical Idealist the whole world seems a chaotic dream, in the face of which all striving for knowledge is simply meaningless. For him there can be only two sorts of men: (1) victims of the illusion that the dreams they have woven themselves are real things, and (2) wise men who see through the nothingness of this dream world, and who gradually lose all desire to trouble themselves further about it. From this point of view, even one's own personality may become a mere dream phantom. Just as during sleep there appears among my dream-images an image of myself, so in waking consciousness the idea of my own Self is added to the idea of the outer world. I have then given to me in consciousness, not my real Self, but only my idea of my Self. Whoever denies that things exist or, at least, that we can know anything of them, must also deny the existence, respectively the knowledge, of one's own personality. This is how the Critical Idealist comes to maintain that “All reality transforms itself into a wonderful dream, without a life which is the object of the dream, and without a mind which has the dream; into a dream which is nothing but a dream of itself.” (Cp. Fichte, Die Bestimmung des Menschen.)

Whether he who believes that he recognizes immediate experience to be a dream, postulates nothing behind this dream, or whether he relates his ideas to actual things, is immaterial. In both cases life itself must lose all scientific interest for him. However, whereas for those who believe that the whole of accessible reality is exhausted in dreams, all science is an absurdity, for those who feel compelled to argue from ideas to things, science consists in studying these things-in-themselves. The first of these theories of the world may be called Absolute Illusionism, the second is called Transcendental Realism [Knowledge is transcendental, when it is aware that nothing can be asserted directly about the thing-in-itself, but makes indirect inferences from the subjective which is known, to the unknown which lies beyond the subjective Transcendental. The thing-in-itself is, according to this view, beyond the sphere of the world of immediate experience; in other words, it is transcendent. Our world can however he transcendentally related to the transcendent. Hartmann's theory is called Realism because it proceeds from the subjective, the mental, to the transcendent, the real.] by its most rigorously logical exponent, Edouard von Hartmann.

These two points of view have this in common with Naïve Realism, that they seek to gain a footing in the world by means of an analysis of percepts. Within this sphere, however, they are unable to find any stable point.

One of the most important questions for an adherent of Transcendental Realism would have to be, how the Ego constructs the world of ideas out of itself. A world of ideas which was given to us, and which disappeared as soon as we shut our senses to the external world, might provoke an earnest desire for knowledge, in so far as it was a means for investigating indirectly the world of the self-existing Self. If the things of our experience were “ideas,” then our everyday life would be like a dream, and the discovery of the true facts like waking. Even our dream-images interest us as long as we dream, and consequently do not detect their dream character. But as soon as we wake, we no longer look for the connections of our dream-images among themselves, but rather for the physical, physiological, and psychological processes which underlie them. In the same way, a philosopher who holds the world to be his idea, cannot be interested in the reciprocal relations of the details within the world. If he admits the existence of a real Ego at all, then his question will be, not how one of his ideas is associated with another, but what takes place in the Soul which is independent of these ideas, while a certain train of ideas passes through his consciousness. If I dream that I am drinking wine which makes my throat burn, and then wake up with a fit of coughing (cp. Weygandt, Entstehung den Traüme, 1893) I cease, the moment I wake, to be interested in the dream-experience for its own sake. My attention is now concerned only with the physiological and psychological processes by means of which the irritation which causes me to cough, comes to be symbolically expressed in the dream. Similarly, once the philosopher is convinced that the given world consists of nothing but ideas, his interest is bound to switch from them at once to the soul which is the reality lying behind them. The matter is more serious however for the Illusionist who denies the existence of an Ego behind the “ideas,” or at least holds this Ego to be unknowable. We might very easily be led to such a view by the reflection that, in contrast to dreaming, there is the waking state in which we have the opportunity to detect our dreams, and to realize the real relations of things, but that there is no state of the self which is related similarly to our waking conscious life. Every adherent of this view fails entirely to see that there is, in fact, something which is to mere perception what our waking experience is to our dreams. This something is thought.

The naïve man cannot be charged with failure to perceive this. He accepts life as it is, and regards things as real just as they present themselves to him in experience. The first step, however, which we take beyond this standpoint can be only this, that we ask how thought is related to perception. It makes no difference whether or no the percept, as given to me, has a continuous existence before and after I perceive it. If I want to assert anything whatever about it, I can do so only with the help of thought. When I assert that the world is my idea, I have enunciated the result of an act of thought, and if my thought is not applicable to the world, then my result is false. Between a percept and every kind of judgment about it there intervenes thought.

The reason why, in our discussion about things, we generally overlook the part played by thought, has already been given above (p. 46). It lies in the fact that our attention is concentrated only on the object about which we think, but not at the same time on the thinking itself. The naïve mind, therefore, treats thought as something which has nothing to do with things, but stands altogether aloof from them and makes its theories about them. The theory which the thinker constructs concerning the phenomena of the world is regarded, not as part of the real things, but as existing only in men's heads. The world is complete in itself even without this theory. It is all ready-made and finished with all its substances and forces, and of this ready-made world man makes himself a picture. Whoever thinks thus need only be asked one question. What right have you to declare the world to be complete without thought? Does not the world cause thoughts in the minds of men with the same necessity as it causes the blossoms on plants? Plant a seed in the earth. It puts forth roots and stem, it unfolds into leaves and blossoms. Set the plant before yourselves. It connects itself, in your minds, with a definite concept. Why should this concept belong any less to the whole plant than leaf and blossom? You say the leaves and blossoms exist quite apart from an experiencing subject. The concept appears only when a human being makes an object of the plant. Quite so. But leaves and blossoms also appear on the plant only if there is soil in which the seed can be planted, and light and air in which the blossoms and leaves can unfold. Just so the concept of a plant arises when a thinking being comes into contact with the plant.

It is quite arbitrary to regard the sum of what we experience of a thing through bare perception, as a totality, a whole, while that which thought reveals in it is regarded as a mere accretion which has nothing to do with the thing itself. If I am given a rosebud today, the percept that offers itself to me is complete only for the moment. If I put the bud into water, I shall tomorrow get a very different picture of my object. If I watch the rosebud without interruption, I shall see today's state gradually change into tomorrow's through an infinite number of intermediate stages. The picture which presents itself to me at any one moment is only a chance section out of the continuous process of growth in which the object is engaged. If I do not put the bud into water, a whole series of states, the possibility of which lay in the bud, will not be realized. Similarly, I may be prevented tomorrow from watching the blossom further, and thus carry away an incomplete picture of it.

It would be a quite unscientific and arbitrary judgment which declared of any haphazard appearance of a thing, this is the thing.

To regard the sum of perceptual appearances as the thing is no more legitimate. It might be quite possible for a mind to receive the concept at the same time as, and together with, the percept. To such a mind it would never occur that the concept did not belong to the thing. It would have to ascribe to the concept an existence indivisibly bound up with the thing.

Let me make myself clearer by another example. If I throw a stone horizontally through the air, I perceive it in different places at different times. I connect these places so as to form a line. Mathematics teaches me to distinguish various kinds of lines, one of which is the parabola. I know a parabola to be a line which is produced by a point moving according to a certain well-defined law. If I analyze the conditions under which the stone thrown by me moves, I find that the line of its flight is identical with the line I know as a parabola. That the stone moves exactly in a parabola is a result of the given conditions and follows necessarily from them. The form of the parabola belongs to the whole phenomenon as much as any other feature of it. The hypothetical mind described above which has no need of the roundabout way of thought, would find itself presented, not only with a sequence of visual percepts at different points, but, as part and parcel of these phenomena, also with the parabolic form of the line of flight, which we can add to the phenomenon only by an act of thought.

It is not due to the real objects that they appear to us at first without their conceptual sides, but to our mental organization. Our whole organization functions in such a way that in the apprehension of every real thing the relevant elements come to us from two sources, viz., from perception and from thought.

The nature of things is indifferent to the way I am organized for apprehending them. The breach between perception and thought exists only from the moment that I confront objects as spectator. But which elements do, and which do not, belong to the objects, cannot depend on the manner in which I obtain my knowledge of them.

Man is a being with many limitations. First of all, he is a thing among other things. His existence is in space and time. Hence but a limited portion of the total universe can ever be given to him. This limited portion, however, is linked up with other parts on every side both in time and in space. If our existence were so linked with things that every process in the object world were also a process in us, there would be no difference between us and things. Neither would there be any individual objects for us. All processes and events would then pass continuously one into the other. The cosmos would be a unity and a whole complete in itself. The stream of events would nowhere be interrupted. But owing to our limitations we perceive as an individual object what, in truth, is not an individual object at all. Nowhere, e.g., is the particular quality “red” to be found by itself in abstraction. It is surrounded on all sides by other qualities to which it belongs, and without which it could not subsist. For us, however, it is necessary to isolate certain sections of the world and to consider them by themselves. Our eye can seize only single colours one after another out of a manifold colour-complex, our understanding only single concepts out of a connected conceptual system. This isolation is a subjective act, which is due to the fact that we are not identical with the world-process, but are only things among other things.

It is of the greatest importance for us to determine the relation of ourselves, as things, to all other things. The determining of this relation must be distinguished from merely becoming conscious of ourselves. For this self-awareness we depend on perception just as we do for our awareness of any other thing. The perception of myself reveals to me a number of qualities which I combine into an apprehension of my personality as a whole, just as I combine the qualities, yellow, metallic, hard, etc., in the unity “gold.” This kind of self-consciousness does not take me beyond the sphere of what belongs to me. Hence it must be distinguished from the determination of myself by thought. Just as I determine by thought the place of any single percept of the external world in the whole cosmic system, so I fit by an act of thought what I perceive in myself into the order of the world-process. My self-observation restricts me within definite limits, but my thought has nothing to do with these limits. In this sense I am a two-sided being. I am contained within the sphere which I apprehend as that of my personality, but I am also the possessor of an activity which, from a higher standpoint, determines my finite existence. Thought is not individual like sensation and feeling; it is universal. It receives an individual stamp in each separate human being only because it comes to be related to his individual feelings and sensations. By means of these particular colourings of the universal thought, individual men are distinguished from one another. There is only one single concept of “triangle.” It is quite immaterial for the content of this concept whether it is in A's consciousness or in B's. It will however be grasped by each of the two minds in its own individual way.

This thought conflicts with a common prejudice which is very hard to overcome. The victims of this prejudice are unable to see that the concept of a triangle which my mind grasps is the same as the concept which my neighbour's mind grasps. The naïve man believes himself to be the creator of his concepts. Hence he believes that each person has his private concepts. One of the first things which philosophic thought requires of us is to overcome this prejudice. The one single concept of “triangle” does not split up into many concepts because it is thought by many minds. For the thought of the many is itself a unity.

In thought we have the element which welds each man's special individuality into one whole with the cosmos. In so far as we sense and feel (perceive), we are isolated individuals; in so far as we think, we are the All-One Being which pervades everything. This is the deeper meaning of our two-sided nature. We are conscious of an absolute principle revealing itself in us, a principle which is universal. But we experience it, not as it issues from the centre of the world, but rather at a point on the periphery. Were the former the case, we should know, as soon as ever we became conscious, the solution of the whole world problem. But since we stand at a point on the periphery, and find that our own being is confined within definite limits, we must explore the region which lies beyond our own being with the help of thought, which is the universal cosmic principle manifesting itself in our minds.

The fact that thought, in us, reaches out beyond our separate existence and relates itself to the universal world-order, gives rise to the desire for knowledge in us. Beings without thought do not experience this desire. When they come in contact with other things no questions arise for them. These other things remain external to such beings. But in thinking beings the concept confronts the external thing. It is that part of the thing which we receive not from without, but from within. To assimilate, to unite, the two elements, the inner and the outer, that is the function of knowledge.

The percept, thus, is not something finished and self-contained, but one side only of the total reality. The other side is the concept. The act of cognition is the synthesis of percept
and concept. And it is only the union of percept and concept which constitutes the whole thing.

The preceding discussion shows clearly that it is futile to seek for any other common element in the separate things of the world, than the ideal content which thinking supplies. All attempts to discover any other principle of unity in the world than this internally coherent ideal content, which we gain for ourselves by the conceptual analysis of our percepts, are bound to fail. Neither a personal God, nor force, nor matter, nor the blind will (of Schopenhauer and Hartmann), can be accepted by us as the universal principle of unity in the world. These principles all belong only to a limited sphere of our experience. Personality we experience only in ourselves, force and matter only in external things. The will, again, can be regarded only as the expression of the activity of our finite personalities. Schopenhauer wants to avoid making “abstract” thought the principle of unity in the world, and seeks instead something which presents itself to him immediately as real. This philosopher holds that we can never solve the riddle of the world so long as we regard it as an “external” world. “In fact, the meaning for which we seek of that world which is present to us only as our idea, or the transition from the world as mere idea of the knowing subject to whatever it may be besides this, would never be found if the investigator himself were nothing more than the pure knowing subject (a winged cherub without a body). But he himself is rooted in that world; he finds himself in it as an individual, that is to say, his knowledge, which is the necessary supporter of the whole world as idea, is yet always given through the medium of a body, whose affections are, as we have shown, the starting-point for the understanding in the perception of that world. His body is, for the pure knowing subject, an idea like every other idea, an object among objects. Its movements and actions are so far known to him in precisely the same way as the changes of all other perceived objects, and would be just as strange and incomprehensible to him if their meaning were not explained for him in an entirely different way. ... The body is given in two entirely different ways to the subject of knowledge, who becomes an individual only through his identity with it. It is given as an idea in intelligent perception, as an object among objects and subject to the laws of objects. And it is also given in quite a different way as that which is immediately known to every one, and is signified by the word will. Every true act of his will is also at once and without exception a movement of his body. The act of will and the movement of the body are not two different things objectively known, which the bond of causality unites; they do not stand in the relation of cause and effect; they are one and the same, but they are given in entirely different ways—immediately, and again in perception for the understanding.” (The World as Will and Idea, Book 2, & 18.) Schopenhauer considers himself entitled by these arguments to hold that the will becomes objectified in the human body. He believes that in the activities of the body he has an immediate experience of reality, of the thing-in-itself in the concrete. Against these arguments we must urge that the activities of our body become known to us only through self-observation, and that, as such, they are in no way superior to other percepts. If we want to know their real nature, we can do so only by means of thought, i.e., by fitting them into the ideal system of our concepts and ideas.

One of the most deeply rooted prejudices of the naïve mind is the opinion that thinking is abstract and empty of any concrete content. At best, we are told it supplies but an “ideal” counterpart of the unity of the world, but never that unity itself. Whoever holds this view has never made clear to himself what a percept apart from concepts really is. Let us see what this world of bare percepts is. A mere juxtaposition in space, a mere succession in time, a chaos of disconnected particulars—that is what it is. None of these things which come and go on the stage of perception has any connection with any other. The world is a multiplicity of objects without distinctions of value. None plays any greater part in the nexus of the world than any other. In order to realize that this or that fact has a greater importance than another we must go to thought. As long as we do not think, the rudimentary organ of an animal which has no significance in its life, appears equal in value to its more important limbs. The particular facts reveal their meaning, in themselves and in their relations with other parts of the world, only when thought spins its threads from thing to thing. This activity of thinking has always a content. For it is only through a perfectly definite concrete content that I can know why the snail belongs to a lower type of organization than the lion. The mere appearance, the percept, gives me no content which could inform me as to the degree of perfection of the organization.

Thought contributes this content to the percept from the world of concepts and ideas. In contrast with the content of perception which is given to us from without, the content of thought appears within our minds. The form in which thought first appears in consciousness we will call “Intuition.” Intuition is to thoughts what observation is to percepts. Intuition and observation are the sources of our knowledge. An external object which we observe remains unintelligible to us, until the corresponding intuition arises within us which adds to the reality those sides of it which are lacking in the percept. To anyone who is incapable of supplying the relevant intuitions, the full nature of the real remains a sealed book. Just as the colour-blind person sees only differences of brightness without any colour qualities, so the mind which lacks intuition sees only disconnected fragments of percepts.

To explain a thing, to make it intelligible means nothing else than to place it in the context from which it has been torn by the peculiar organisation of our minds, described above. Nothing can possibly exist cut off from the universe. Hence all isolation of objects has only subjective validity for minds organized like ours. For us the universe is split up into above and below, before and after, cause and effect, object and idea, matter and force, object and subject, etc. The objects which, in observation, appear to us as separate, become combined, bit by bit, through the coherent, unified system of our intuitions. By thought we fuse again into one whole all that perception has separated.

An object presents riddles to our understanding so long as it exists in isolation. But this is an abstraction of our own making and can be unmade again in the world of concepts.

Except through thought and perception nothing is given to us directly. The question now arises as to the interpretation of percepts on our theory. We have learnt that the proof which Critical Idealism offers for the subjective nature of percepts collapses. But the exhibition of the falsity of the proof is not, by itself, sufficient to show that the doctrine itself is an error. Critical Idealism does not base its proof on the absolute nature of thought, but relies on the argument that Naïve Realism, when followed to its logical conclusion, contradicts itself. How does the matter appear when we recognize the absoluteness of thought?

Let us assume that a certain percept, e.g., red, appears in consciousness. To continued observation, the percept shows itself to be connected with other percepts, e.g., a certain figure, temperature, and touch-qualities. This complex of percepts I call an object in the world of sense. I can now ask myself: Over and above the percepts just mentioned, what else is there in the section of space in which they are? I shall then find mechanical, chemical, and other processes in that section of space. I next go further and study the processes which take place between the object and my sense-organs. I shall find oscillations in an elastic medium, the character of which has not the least in common with the percepts from which I started. I get the same result if I trace further the connection between sense organs and brain. In each of these inquiries I gather new percepts, but the connecting thread which binds all these spatially and temporally separated percepts into one whole, is thought. The air vibrations which carry sound are given to me as percepts just like the sound. Thought alone links all these percepts one to the other and exhibits them in their reciprocal relations. We have no right to say that over and above our immediate percepts there is anything except the ideal nexus of percepts (which thought has to reveal). The relation of the object perceived to the perceiving subject, which relation transcends the bare percept, is therefore merely ideal, i.e., capable of being expressed only through concepts. Only if it were possible to perceive how the object of perception affects the perceiving subject, or alternatively, only if I could watch the construction of the perceptual complex through the subject, could we speak as modern Physiology, and the Critical Idealism which is based on it, speak. Their theory confuses an ideal relation (that of the object to the subject) with a process of which we could speak only if it were possible to perceive it. The proposition, “No colour without a colour-sensing eye” cannot be taken to mean that the eye produces the colour, but only that an ideal relation, recognizable by thought, subsists between the percept “colour” and the percept “eye.”

To empirical science belongs the task of ascertaining how the properties of the eye and those of the colours are related to one another; by means of what structures the organ of sight makes possible the perception of colours, etc. I can trace how one percept succeeds another and how one is related to others in space, and I can formulate these relations in conceptual terms, but I can never perceive how a percept originates out of the non-perceptible. All attempts to seek any relations between percepts other than conceptual relations must of necessity fail.

What then is a percept? This question, asked in this general way, is absurd. A percept appears always as a perfectly determinate, concrete content. This content is immediately given and is completely contained in the given. The only question one can ask concerning the given content is, what it is apart from perception, that is, what it is for thought. The question concerning the “what” of a percept can, therefore, only refer to the conceptual intuition which corresponds to the percept. From this point of view, the problem of the subjectivity of percepts, in the sense in which the Critical Idealists debate it, cannot be raised at all. Only that which is experienced as belonging to the subject can be termed “subjective.” To form a link between subject and object is impossible for any real process, in the naïve sense of the word “real,” in which it means a process which can be perceived. That is possible only for thought. For us, then, “objective” means that which, for perception, presents itself as external to the perceiving subject. As subject of perception I remain perceptible to myself after the table which now stands before me has disappeared from my field of observation. The perception of the table has produced a modification in me which persists like myself. I preserve an image of the table which now forms part of my Self. Modern Psychology terms this image a “memory-idea.” Now this is the only thing which has any right to be called the idea of the table. For it is the perceptible modification of my own mental state through the presence of the table in my visual field. Moreover, It does not mean a modification in some “Ego-in-itself” behind the perceiving subject, but the modification of the perceiving subject itself. The idea is, therefore, a subjective percept, in contrast with the objective percept which occurs when the object is present in the perceptual field. The false identification of the subjective with this objective percept leads to the misunderstanding of Idealism: The world is my idea.

Our next task must be to define the concept of “idea” more nearly. What we have said about it so far does not give us the concept, but only shows us where in the perceptual field ideas are to be found. The exact concept of “idea” will also make it possible for us to obtain a satisfactory understanding of the relation of idea and object. This will then lead us over the border-line, where the relation of subject to object is brought down from the purely conceptual field of knowledge into concrete individual life. Once we know how we are to conceive the world, it will be an easy task to adapt ourselves to it. Only when we know to what object we are to devote our activity can we put our whole energy into our actions.