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The Guardian on the Threshold
GA 14

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Viertes Bild

Ein Zimmer in rosenrotem Grundton. Es gehört zum Heim Straders und Theodoras, die Straders Gattin ist. Man sieht der Einrichtung an, daß Theodora und Strader hier im gemeinsamen Raume verschiedenartige Arbeiten verrichten. Auf seinem Tische finden sich Modelle von Mechanismen, auf dem ihren mancherlei auf Mystik Bezügliches. Die beiden sind in einem Gespräch, das eine Art gemeinsame Versenkung am siebenten Jahrestage ihrer Ehe darstellt.

Strader:
An diesem Tage sind es sieben Jahre,
Seit du Gefährtin meines Lebens mir
Und auch der Quell geworden bist des Lichtes,
Das auf ein Dasein leuchtet, dem sich früher
Nur Finsternis bedrohlich nähern wollte.
Ich war ein geistig armer Mann, als du
An meine Seite tratest und mir gabst,
Was mir vorher die Welt stets vorenthielt.
Ich hatte viele Jahre ernst gestrebt,
Im Sinne strenger Wissenschaft zu forschen
Nach Lebenswerten und nach Daseinszielen.
Ich mußte eines Tages klar erkennen,
Daß dieses Streben ganz vergeblich war.
Durch dich ward mir gezeigt, wie sich der Geist
In einem Menschen über solche Dinge
Zu offenbaren sucht, die meinem Wissen
Und meinem Denkerstreben sich entzogen.
Ich sah dich damals in dem Kreis von Menschen,
In welchem Benedictus Führer war;
Ich durfte deiner Offenbarung lauschen.
Ich konnte an Thomasius dann später
Erkennen, wie die Geistesschülerschaft
In einer Menschenseele machtvoll wirkt.
Was ich dadurch erlebte, raubte mir
den Glauben an Vernunft und Wissenschaft
und zeigte doch in jener Zeit mir nichts,
das mir verständlich hätte scheinen können.
Ich wandte mich von allem Denken ab
und wollte dumpf das Leben weiterführen,
das mir nun nicht mehr lebenswert erschien.
Die Technik, der ich mich ergab, sie sollte
vergessen und Betäubung mir verschaffen.
Und ich erlebte ein zerquältes Dasein,
bis ich zum zweiten Male dir begegnete,
und wir dann bald auch gute Freunde wurden.

Theodora:
Begreiflich ist’s, daß dir an diesem Tage
Erinnerung die alten Zeiten wieder
so lebhaft vor die Seele stellen kann.
Auch meinem Herzen ist’s Bedürfnis, heute
den Blick zurück zu jener Zeit zu wenden,
in welcher wir zum Lebensbund uns fanden.
Ich fühlte damals stetig sich verstärken
die Kraft, die meine Seele fähig machte,
aus Geisteswelten Wissen zu empfangen.
Und unter Felix Baldes edler Führung
erwuchs dann diese Kraft zu jener Höhe,
auf welcher sie vor sieben Jahren war.
Ich traf in dieser Zeit Capesius
einmal in Felix’ Waldeseinsamkeit.
Er hatte sich nach langem Forscherleben
zur Geistesschülerschaft hindurchgekämpft.
Er fand es wichtig, sich bekannt zu machen
mit meiner Art, die Geisteswelt zu schauen.
Ich war dann später oft mit ihm zusammen.
In seinem Hause durft’ ich dir begegnen
und deinen Wissensschmerzen Heilung bringen.

Strader:
Und wahres Licht empfing so meine Seele,
die lange nur in Finsternis geblickt.
Ich sah nun, was der Geist in Wahrheit ist.
Du liessest mich in solcher Art erkennen,
was dir aus höhern Welten sich erschloss,
daß alle Zweifel schnell verschwinden konnten.
Dies alles wirkte damals so auf mich,
daß ich fürwahr zuerst in dir nichts andres
als nur den Mittler für den Geist erblickte.
Es brauchte lange Zeit, bis ich erkannte,
daß nicht allein mein Geist den Worten lauschte,
die seine wahre Heimat ihm enthüllten;
daß auch mein Herz dem Sprecher sich ergab
und seine Nähe nicht entbehren konnte.

Theodora:
Und dann vertrautest du mir, was du fühltest.
So sonderbar war, wie du alles sagtest.
es war, als ob nicht Ein Gedanke dir
sich hätte bilden können an Erfüllung
der Sehnsucht, die in deinem Herzen lebte.
So waren deine Worte, die nur Rat
sich suchen wollten bei der Seelenfreundin.
Du sprachst von Hilfe, die dir nötig sei,
und auch von Stärkung deiner Seelenkräfte,
die dich in schwerer Lage halten müssten.

Strader:
Daß mir der Geistesbote als Gefährtin
vom Schicksal wirklich vorbestimmt sein könnte,
dies lag recht ferne allem, was ich dachte,
als ich mich hilfesuchend dir eröffnet.

Theodora:
Und wie ergaben doch die Worte dann,
die Herz vom Herzen loszulösen wußte,
gar bald, daß dies nicht anders könnte sein.
Die Herzen müssen oft das Schicksal deuten.

Strader:
Und als dein Herz das Schicksalswort gesprochen,
durchzogen meine Seele Lebenswellen,
die ich nicht fühlen konnte, als sie waren,
die erst viel später als Erinnerung
aus Seelen-Untergründen sich erhoben
und dann wie Licht-Erstrahlen sich erfühlten.
Und wissen konnte ich, an was ich mich
erinnern, doch es nicht erleben konnte,
weil vieles mich noch trennt’ vom Geist-Erleben.
Es war das erste Mal, daß ich den Geist
unmittelbar in meiner Seele wußte.
Es hat sich mir nicht wiederholt; und doch,
es konnte wahrlich mir Gewißheit geben,
die auf ein ganzes Leben lichtvoll strahlt.
Und dann verflossen sieben schöne Jahre.
Ich durfte fühlen, wie Mechanik selbst,
Der ich jetzt diene, sich befruchten lässt
von Seelen, die zur Geisteswelt sich recht
zu stellen wissen. Nur die Geistgewalt,
die lebenfördernd du mir geben konntest,
ließ mich das Kräftestreben so durchschauen,
daß mir, wie eingegeben, jene Schöpfung
ganz plötzlich vor den Geist sich stellen konnte,
von welcher man wohl vieles hoffen darf.
In deinem Lichte fühlte meine Seele
die Kräfte voll erwachsen, die in ihr
verfallen wären, wenn nur sie allein gelebt.
Die Lebenssicherheit, die mir geworden,
sie ließ mich aufrecht stehen damals selbst,
als vor den Rosenkreuzern so erschütternd
Thomasius die eigne Wissenstat
verdammte und mit hartem Urteil sich
verwarf in jener Stunde, welche ihn
zu seiner Lebenshöhe bringen wollte.
Es konnte innre Sicherheit mich halten,
als mir die Aussenwelt ein Übermaß
an Widerspruch zu offenbaren schien.
und alles dies hast du allein gegeben.
Erst brachte mir die Geistesoffenbarung,
die ich durch dich empfing, erstrebtes Wissen;
Und als die Offenbarung nicht mehr kam,
verbliebst du doch als stärkend Seelenlicht.

Theodora wie tiefsinnend als abgebrochener Satz:
Als dann die Offenbarung nicht mehr kam ...

Strader:
Das ist’s, was mir oft schwere Sorgen machte.
Ich fragte mich, ob dir nicht tiefer Schmerz
erwachse durch Verlust des Sehertums
Und du, um mich zu schonen, schweigend leidest;
doch deines Wesens Gleichmass zeigte mir,
daß du die Schicksalsfügung ruhig trägst.
Nur in den letzten Zeiten bist du anders;
der Frohsinn strahlt um dich nicht mehr wie früher,
und deines Auges glimmend Licht verfällt.

Theodora:
Daß mir die Geistesoffenbarung schwand,
es konnte mir fürwahr nicht schmerzlich sein.
Es hat das Schicksal meinen Weg geändert;
das mußte ich gelassen auf mich nehmen.
Doch ist sie mir recht schmerzvoll neu geworden.

Strader:
Zum erstenmal in diesen sieben Jahren
ist Theodora unverständlich mir.
Es war dir jedes Geisterlebnis doch
zugleich ein Quell der innern Seligkeit.

Theodora:
Ganz anders ist die Offenbarung jetzt.
Zuerst empfinde ich, wie früher, mich
genötigt, eignes Denken auszuschalten;
doch während ehemals nach kurzer Zeit,
wenn Leerheit meines Innern mir gelungen,
ein sanftes Licht die Seele mir umwob
und sich der Geist zu Bildern formen wollte,
erzeugt sich jetzt unsichtbar widrig Fühlen;
doch so, daß ich genau erkennen kann,
die Kraft, die ich empfinde, kommt von aussen.
Und Furcht ergiesst sich dann in mein Erleben,
die ich nicht bannen kann, die mich beherrscht.
Und fliehen möchte ich vor jenem Wesen,
das mir unsichtbar, doch abscheulich ist.
Es will zu mir sich wunscherfüllt bewegen;
und hassen muß ich, was sich offenbart.

Strader:
Unmöglich scheint doch dies bei Theodora.
Man hält, was so erlebt wird, sonst für Wirkung
der eignen Seelenkräfte, die sich spiegeln.
Doch deine Seele kann sich so nicht zeigen.

Theodora schmerzvoll, langsam, nachdenklich:
Es ist mir diese Meinung wohl bekannt.
Deshalb versenkt’ ich mich mit aller Kraft,
die meiner Seele jetzt noch übrig ist,
inbrünstig in die Geisterwelt und bat,
es möchten mir die Wesen, die vorher
sich oft mir neigten, gnädig offenbaren,
wie ich die Gründe meines Leides finde.

Nun folgen abgerissene Worte.

Und da ... erschien der ... Lichtesschein ... wie … früher
Er ... formte ... sich zum Bilde eines ... Menschen ...
es war ... Thomasius.

Strader schmerzlich, von rasch sich einstellenden Empfindungen beherrscht:
... Thomasius ...
Der Mensch, an den ich immer glauben möchte …

Pause, dann schmerzlich nachdenkend:

Wenn ich mir vor die Seele rufen wollte,
wie er dem Mystenbunde gegenüber ...
wie er von Ahriman und sich gesprochen...

Theodora versinkt in Nachdenken und starrt wie geistabwesend in das Leere.

Strader:
O Theodora ... was erblickst du ... jetzt...

Vorhang fällt.

Scene Four

A room with a rose-red color scheme. It belongs to Strader and Theodora, Strader's wife. The furnishings indicate that Theodora and Strader perform different types of work here in their shared space. On his desk are models of mechanisms, while hers contains various items related to mysticism. The two are engaged in a conversation that represents a kind of shared contemplation on the seventh anniversary of their marriage.

Strader:
On this day, it has been seven years
Since you became my life partner
And also the source of light
That shines on an existence that previously
Was threatened only by darkness.
I was a spiritually poor man when you
Came to my side and gave me
What the world had always denied me.
For many years I had earnestly striven
To research in the spirit of strict science
For values in life and goals in existence.
One day I had to clearly recognize
That this striving was completely in vain.
Through you, I was shown how the spirit
In a human being seeks to reveal itself
Through things that eluded my knowledge
And my intellectual striving.
I saw you then in the circle of people,
In which Benedictus was the leader;
I was allowed to listen to your revelation.
Later, through Thomasius, I was able to recognize
How the spiritual discipleship
Works powerfully in a human soul.
What I experienced as a result robbed me
of my faith in reason and science
and yet showed me nothing at that time
that could have seemed understandable to me.
I turned away from all thinking
and wanted to continue living a dull life,
which now no longer seemed worth living to me.
The technology to which I surrendered was supposed to
bring me oblivion and numbness.
And I experienced a tormented existence
until I met you for the second time,
and we soon became good friends.

Theodora:
It is understandable that on this day
memories of the old days
can come back to your mind so vividly.
My heart also feels the need today
to look back to that time
when we found each other for life.
At that time, I felt a steady increase
in the power that enabled my soul
to receive knowledge from spiritual worlds.
And under Felix Balde's noble guidance,
this power grew to the level it was at seven years ago.
During this time, I met Capesius
once in Felix's forest solitude.
After a long life of research,
he had fought his way through to become a spiritual student.
He thought it was important to familiarize himself
with my way of seeing the spiritual world.
Later, I was often together with him.
In his house, I was allowed to meet you
and bring healing to your pains of knowledge.

Strader:
And so my soul received true light,
which for a long time had only looked into darkness.
I now saw what the spirit truly is.
You let me recognize in such a way
what was revealed to you from higher worlds,
that all doubts could quickly disappear.
All this had such an effect on me at that time
that at first I truly saw in you nothing else
but the mediator for the spirit.
It took a long time before I realized
that it was not only my spirit that listened to the words
that revealed its true home to it;
that my heart also surrendered to the speaker
and could not do without his presence.

Theodora:
And then you confided in me what you felt.
It was so strange how you said everything.
It was as if not a single thought
could have formed in you about the fulfillment
of the longing that lived in your heart.
Such were your words, which only sought advice
from your soulmate.
You spoke of help that you needed,
and also of strengthening your soul's powers,
which would have to keep you in a difficult situation.

Strader:
That the messenger of the spirit could really
be predestined by fate to be my companion,
this was quite far from anything I thought
when I opened up to you in search of help.

Theodora:
And how the words then revealed,
which knew how to detach the heart from the heart,
very soon that it could not be otherwise.
Hearts must often interpret fate.

Strader:
And when your heart spoke the word of fate,
waves of life swept through my soul,
which I could not feel when they were there,
which only much later rose as memories
from the depths of my soul
and then felt like rays of light.
And I could know what I could remember,
but could not experience it,
because much still separates me from spiritual experience.
It was the first time that I knew the spirit
directly in my soul.
It has not happened again; and yet,
it could truly give me certainty
which shines brightly on a whole life.
And then seven beautiful years passed.
I was allowed to feel how mechanics itself,
which I now serve, allows itself to be fertilized
by souls who know how to position themselves correctly in the spiritual world. Only the spiritual power that you were able to give me, which promotes life,
allowed me to see through the striving for power so clearly that, as if inspired, that creation
let me see through the striving for power so clearly,
that, as if inspired, that creation
could suddenly appear before my mind,
from which one can hope for so much.
In your light, my soul felt
the powers fully grown that would have decayed within it
if it had lived alone.
The security of life that became mine
enabled me to stand upright even then,
when Thomasius so shockingly
condemned his own knowledge
before the Rosicrucians
and rejected himself with harsh judgment
at that hour which would have brought him
to the height of his life.
Inner security could hold me,
when the outside world seemed to reveal an excess
of contradiction to me.
And you alone gave me all this.
First, the spiritual revelation
that I received through you brought me the knowledge I sought;
And when the revelation no longer came,
you remained as strengthening light for the soul.

Theodora how profound as an unfinished sentence:
When the revelation no longer came ...

Strader:
That is what often caused me great concern.
I wondered whether you were not suffering deep pain
from the loss of your vision
and whether you were suffering in silence to spare me;
but the evenness of your nature showed me
that you were calmly bearing the hand of fate.
Only in recent times have you been different;
cheerfulness no longer radiates around you as it used to,
and the glowing light in your eyes is fading.

Theodora:
That my spiritual revelation faded away,
could not truly be painful for me.
Fate has changed my path;
I had to accept that calmly.
But it has become quite painful for me.

Strader:
For the first time in these seven years,
Theodora is incomprehensible to me.
Every spiritual experience was for you
at the same time a source of inner bliss.

Theodora:
The revelation is completely different now.
At first, as before, I feel
compelled to switch off my own thinking;
but whereas in the past, after a short time,
when I succeeded in emptying my inner self,
a gentle light enveloped my soul
and the spirit wanted to form itself into images,
now an invisible adverse feeling arises;
but in such a way that I can clearly recognize
that the power I feel comes from outside.
And then fear pours into my experience,
which I cannot banish, which dominates me.
And I want to flee from that being,
which is invisible to me, yet abominable.
It wants to move toward me, its desire fulfilled;
and I must hate what is revealed.

Strader:
This seems impossible with Theodora.
One would otherwise consider such an experience to be the effect
of one's own soul forces being reflected.
But your soul cannot reveal itself in this way.

Theodora painfully, slowly, thoughtfully:
I am well aware of this opinion.
That is why I immersed myself with all the strength
that my soul still has left,
fervently in the spirit world and asked
that the beings who had often inclined toward me before might graciously reveal to me
how I might find the reasons for my suffering.

Now follow broken words.

And then ... the ... light appeared ... as ... before
He ... formed ... himself into the image of a ... human being ...
it was ... Thomasius.

Strader painfully, dominated by rapidly arising feelings:
...
Thomasius ...
The person I always want to believe in ...

Pause, then thinking painfully:

If I wanted to recall to my soul
how he spoke of the Mystic Brotherhood ...
how he spoke of Ahriman and himself ...

Theodora sinks into thought and stares absently into the void.

Strader:
O Theodora ... what do you see ... now...

Curtain falls.

Versions Available:

Der Hüter der Schwelle, 5th ed.
  1. The Guardian on the Threshold 1925, tr. Henry Collison

Viertes Bild

Ein Zimmer in rosenrotem Grundton. Es gehört zum Heim Straders und Theodoras, die Straders Gattin ist. Man sieht der Einrichtung an, daß Theodora und Strader hier im gemeinsamen Raume verschiedenartige Arbeiten verrichten. Auf seinem Tische finden sich Modelle von Mechanismen, auf dem ihren mancherlei auf Mystik Bezügliches. Die beiden sind in einem Gespräch, das eine Art gemeinsame Versenkung am siebenten Jahrestage ihrer Ehe darstellt.

Strader:
An diesem Tage sind es sieben Jahre,
Seit du Gefährtin meines Lebens mir
Und auch der Quell geworden bist des Lichtes,
Das auf ein Dasein leuchtet, dem sich früher
Nur Finsternis bedrohlich nähern wollte.
Ich war ein geistig armer Mann, als du
An meine Seite tratest und mir gabst,
Was mir vorher die Welt stets vorenthielt.
Ich hatte viele Jahre ernst gestrebt,
Im Sinne strenger Wissenschaft zu forschen
Nach Lebenswerten und nach Daseinszielen.
Ich mußte eines Tages klar erkennen,
Daß dieses Streben ganz vergeblich war.
Durch dich ward mir gezeigt, wie sich der Geist
In einem Menschen über solche Dinge
Zu offenbaren sucht, die meinem Wissen
Und meinem Denkerstreben sich entzogen.
Ich sah dich damals in dem Kreis von Menschen,
In welchem Benedictus Führer war;
Ich durfte deiner Offenbarung lauschen.
Ich konnte an Thomasius dann später
Erkennen, wie die Geistesschülerschaft
In einer Menschenseele machtvoll wirkt.
Was ich dadurch erlebte, raubte mir
den Glauben an Vernunft und Wissenschaft
und zeigte doch in jener Zeit mir nichts,
das mir verständlich hätte scheinen können.
Ich wandte mich von allem Denken ab
und wollte dumpf das Leben weiterführen,
das mir nun nicht mehr lebenswert erschien.
Die Technik, der ich mich ergab, sie sollte
vergessen und Betäubung mir verschaffen.
Und ich erlebte ein zerquältes Dasein,
bis ich zum zweiten Male dir begegnete,
und wir dann bald auch gute Freunde wurden.

Theodora:
Begreiflich ist’s, daß dir an diesem Tage
Erinnerung die alten Zeiten wieder
so lebhaft vor die Seele stellen kann.
Auch meinem Herzen ist’s Bedürfnis, heute
den Blick zurück zu jener Zeit zu wenden,
in welcher wir zum Lebensbund uns fanden.
Ich fühlte damals stetig sich verstärken
die Kraft, die meine Seele fähig machte,
aus Geisteswelten Wissen zu empfangen.
Und unter Felix Baldes edler Führung
erwuchs dann diese Kraft zu jener Höhe,
auf welcher sie vor sieben Jahren war.
Ich traf in dieser Zeit Capesius
einmal in Felix’ Waldeseinsamkeit.
Er hatte sich nach langem Forscherleben
zur Geistesschülerschaft hindurchgekämpft.
Er fand es wichtig, sich bekannt zu machen
mit meiner Art, die Geisteswelt zu schauen.
Ich war dann später oft mit ihm zusammen.
In seinem Hause durft’ ich dir begegnen
und deinen Wissensschmerzen Heilung bringen.

Strader:
Und wahres Licht empfing so meine Seele,
die lange nur in Finsternis geblickt.
Ich sah nun, was der Geist in Wahrheit ist.
Du liessest mich in solcher Art erkennen,
was dir aus höhern Welten sich erschloss,
daß alle Zweifel schnell verschwinden konnten.
Dies alles wirkte damals so auf mich,
daß ich fürwahr zuerst in dir nichts andres
als nur den Mittler für den Geist erblickte.
Es brauchte lange Zeit, bis ich erkannte,
daß nicht allein mein Geist den Worten lauschte,
die seine wahre Heimat ihm enthüllten;
daß auch mein Herz dem Sprecher sich ergab
und seine Nähe nicht entbehren konnte.

Theodora:
Und dann vertrautest du mir, was du fühltest.
So sonderbar war, wie du alles sagtest.
es war, als ob nicht Ein Gedanke dir
sich hätte bilden können an Erfüllung
der Sehnsucht, die in deinem Herzen lebte.
So waren deine Worte, die nur Rat
sich suchen wollten bei der Seelenfreundin.
Du sprachst von Hilfe, die dir nötig sei,
und auch von Stärkung deiner Seelenkräfte,
die dich in schwerer Lage halten müssten.

Strader:
Daß mir der Geistesbote als Gefährtin
vom Schicksal wirklich vorbestimmt sein könnte,
dies lag recht ferne allem, was ich dachte,
als ich mich hilfesuchend dir eröffnet.

Theodora:
Und wie ergaben doch die Worte dann,
die Herz vom Herzen loszulösen wußte,
gar bald, daß dies nicht anders könnte sein.
Die Herzen müssen oft das Schicksal deuten.

Strader:
Und als dein Herz das Schicksalswort gesprochen,
durchzogen meine Seele Lebenswellen,
die ich nicht fühlen konnte, als sie waren,
die erst viel später als Erinnerung
aus Seelen-Untergründen sich erhoben
und dann wie Licht-Erstrahlen sich erfühlten.
Und wissen konnte ich, an was ich mich
erinnern, doch es nicht erleben konnte,
weil vieles mich noch trennt’ vom Geist-Erleben.
Es war das erste Mal, daß ich den Geist
unmittelbar in meiner Seele wußte.
Es hat sich mir nicht wiederholt; und doch,
es konnte wahrlich mir Gewißheit geben,
die auf ein ganzes Leben lichtvoll strahlt.
Und dann verflossen sieben schöne Jahre.
Ich durfte fühlen, wie Mechanik selbst,
Der ich jetzt diene, sich befruchten lässt
von Seelen, die zur Geisteswelt sich recht
zu stellen wissen. Nur die Geistgewalt,
die lebenfördernd du mir geben konntest,
ließ mich das Kräftestreben so durchschauen,
daß mir, wie eingegeben, jene Schöpfung
ganz plötzlich vor den Geist sich stellen konnte,
von welcher man wohl vieles hoffen darf.
In deinem Lichte fühlte meine Seele
die Kräfte voll erwachsen, die in ihr
verfallen wären, wenn nur sie allein gelebt.
Die Lebenssicherheit, die mir geworden,
sie ließ mich aufrecht stehen damals selbst,
als vor den Rosenkreuzern so erschütternd
Thomasius die eigne Wissenstat
verdammte und mit hartem Urteil sich
verwarf in jener Stunde, welche ihn
zu seiner Lebenshöhe bringen wollte.
Es konnte innre Sicherheit mich halten,
als mir die Aussenwelt ein Übermaß
an Widerspruch zu offenbaren schien.
und alles dies hast du allein gegeben.
Erst brachte mir die Geistesoffenbarung,
die ich durch dich empfing, erstrebtes Wissen;
Und als die Offenbarung nicht mehr kam,
verbliebst du doch als stärkend Seelenlicht.

Theodora wie tiefsinnend als abgebrochener Satz:
Als dann die Offenbarung nicht mehr kam ...

Strader:
Das ist’s, was mir oft schwere Sorgen machte.
Ich fragte mich, ob dir nicht tiefer Schmerz
erwachse durch Verlust des Sehertums
Und du, um mich zu schonen, schweigend leidest;
doch deines Wesens Gleichmass zeigte mir,
daß du die Schicksalsfügung ruhig trägst.
Nur in den letzten Zeiten bist du anders;
der Frohsinn strahlt um dich nicht mehr wie früher,
und deines Auges glimmend Licht verfällt.

Theodora:
Daß mir die Geistesoffenbarung schwand,
es konnte mir fürwahr nicht schmerzlich sein.
Es hat das Schicksal meinen Weg geändert;
das mußte ich gelassen auf mich nehmen.
Doch ist sie mir recht schmerzvoll neu geworden.

Strader:
Zum erstenmal in diesen sieben Jahren
ist Theodora unverständlich mir.
Es war dir jedes Geisterlebnis doch
zugleich ein Quell der innern Seligkeit.

Theodora:
Ganz anders ist die Offenbarung jetzt.
Zuerst empfinde ich, wie früher, mich
genötigt, eignes Denken auszuschalten;
doch während ehemals nach kurzer Zeit,
wenn Leerheit meines Innern mir gelungen,
ein sanftes Licht die Seele mir umwob
und sich der Geist zu Bildern formen wollte,
erzeugt sich jetzt unsichtbar widrig Fühlen;
doch so, daß ich genau erkennen kann,
die Kraft, die ich empfinde, kommt von aussen.
Und Furcht ergiesst sich dann in mein Erleben,
die ich nicht bannen kann, die mich beherrscht.
Und fliehen möchte ich vor jenem Wesen,
das mir unsichtbar, doch abscheulich ist.
Es will zu mir sich wunscherfüllt bewegen;
und hassen muß ich, was sich offenbart.

Strader:
Unmöglich scheint doch dies bei Theodora.
Man hält, was so erlebt wird, sonst für Wirkung
der eignen Seelenkräfte, die sich spiegeln.
Doch deine Seele kann sich so nicht zeigen.

Theodora schmerzvoll, langsam, nachdenklich:
Es ist mir diese Meinung wohl bekannt.
Deshalb versenkt’ ich mich mit aller Kraft,
die meiner Seele jetzt noch übrig ist,
inbrünstig in die Geisterwelt und bat,
es möchten mir die Wesen, die vorher
sich oft mir neigten, gnädig offenbaren,
wie ich die Gründe meines Leides finde.

Nun folgen abgerissene Worte.

Und da ... erschien der ... Lichtesschein ... wie … früher
Er ... formte ... sich zum Bilde eines ... Menschen ...
es war ... Thomasius.

Strader schmerzlich, von rasch sich einstellenden Empfindungen beherrscht:
... Thomasius ...
Der Mensch, an den ich immer glauben möchte …

Pause, dann schmerzlich nachdenkend:

Wenn ich mir vor die Seele rufen wollte,
wie er dem Mystenbunde gegenüber ...
wie er von Ahriman und sich gesprochen...

Theodora versinkt in Nachdenken und starrt wie geistabwesend in das Leere.

Strader:
O Theodora ... was erblickst du ... jetzt...

Vorhang fällt.

Scene Four

A room with a rose-red color scheme. It belongs to Strader and Theodora, Strader's wife. The furnishings indicate that Theodora and Strader perform different types of work here in their shared space. On his desk are models of mechanisms, while hers contains various items related to mysticism. The two are engaged in a conversation that represents a kind of shared contemplation on the seventh anniversary of their marriage.

Strader:
On this day, it has been seven years
Since you became my life partner
And also the source of light
That shines on an existence that previously
Was threatened only by darkness.
I was a spiritually poor man when you
Came to my side and gave me
What the world had always denied me.
For many years I had earnestly striven
To research in the spirit of strict science
For values in life and goals in existence.
One day I had to clearly recognize
That this striving was completely in vain.
Through you, I was shown how the spirit
In a human being seeks to reveal itself
Through things that eluded my knowledge
And my intellectual striving.
I saw you then in the circle of people,
In which Benedictus was the leader;
I was allowed to listen to your revelation.
Later, through Thomasius, I was able to recognize
How the spiritual discipleship
Works powerfully in a human soul.
What I experienced as a result robbed me
of my faith in reason and science
and yet showed me nothing at that time
that could have seemed understandable to me.
I turned away from all thinking
and wanted to continue living a dull life,
which now no longer seemed worth living to me.
The technology to which I surrendered was supposed to
bring me oblivion and numbness.
And I experienced a tormented existence
until I met you for the second time,
and we soon became good friends.

Theodora:
It is understandable that on this day
memories of the old days
can come back to your mind so vividly.
My heart also feels the need today
to look back to that time
when we found each other for life.
At that time, I felt a steady increase
in the power that enabled my soul
to receive knowledge from spiritual worlds.
And under Felix Balde's noble guidance,
this power grew to the level it was at seven years ago.
During this time, I met Capesius
once in Felix's forest solitude.
After a long life of research,
he had fought his way through to become a spiritual student.
He thought it was important to familiarize himself
with my way of seeing the spiritual world.
Later, I was often together with him.
In his house, I was allowed to meet you
and bring healing to your pains of knowledge.

Strader:
And so my soul received true light,
which for a long time had only looked into darkness.
I now saw what the spirit truly is.
You let me recognize in such a way
what was revealed to you from higher worlds,
that all doubts could quickly disappear.
All this had such an effect on me at that time
that at first I truly saw in you nothing else
but the mediator for the spirit.
It took a long time before I realized
that it was not only my spirit that listened to the words
that revealed its true home to it;
that my heart also surrendered to the speaker
and could not do without his presence.

Theodora:
And then you confided in me what you felt.
It was so strange how you said everything.
It was as if not a single thought
could have formed in you about the fulfillment
of the longing that lived in your heart.
Such were your words, which only sought advice
from your soulmate.
You spoke of help that you needed,
and also of strengthening your soul's powers,
which would have to keep you in a difficult situation.

Strader:
That the messenger of the spirit could really
be predestined by fate to be my companion,
this was quite far from anything I thought
when I opened up to you in search of help.

Theodora:
And how the words then revealed,
which knew how to detach the heart from the heart,
very soon that it could not be otherwise.
Hearts must often interpret fate.

Strader:
And when your heart spoke the word of fate,
waves of life swept through my soul,
which I could not feel when they were there,
which only much later rose as memories
from the depths of my soul
and then felt like rays of light.
And I could know what I could remember,
but could not experience it,
because much still separates me from spiritual experience.
It was the first time that I knew the spirit
directly in my soul.
It has not happened again; and yet,
it could truly give me certainty
which shines brightly on a whole life.
And then seven beautiful years passed.
I was allowed to feel how mechanics itself,
which I now serve, allows itself to be fertilized
by souls who know how to position themselves correctly in the spiritual world. Only the spiritual power that you were able to give me, which promotes life,
allowed me to see through the striving for power so clearly that, as if inspired, that creation
let me see through the striving for power so clearly,
that, as if inspired, that creation
could suddenly appear before my mind,
from which one can hope for so much.
In your light, my soul felt
the powers fully grown that would have decayed within it
if it had lived alone.
The security of life that became mine
enabled me to stand upright even then,
when Thomasius so shockingly
condemned his own knowledge
before the Rosicrucians
and rejected himself with harsh judgment
at that hour which would have brought him
to the height of his life.
Inner security could hold me,
when the outside world seemed to reveal an excess
of contradiction to me.
And you alone gave me all this.
First, the spiritual revelation
that I received through you brought me the knowledge I sought;
And when the revelation no longer came,
you remained as strengthening light for the soul.

Theodora how profound as an unfinished sentence:
When the revelation no longer came ...

Strader:
That is what often caused me great concern.
I wondered whether you were not suffering deep pain
from the loss of your vision
and whether you were suffering in silence to spare me;
but the evenness of your nature showed me
that you were calmly bearing the hand of fate.
Only in recent times have you been different;
cheerfulness no longer radiates around you as it used to,
and the glowing light in your eyes is fading.

Theodora:
That my spiritual revelation faded away,
could not truly be painful for me.
Fate has changed my path;
I had to accept that calmly.
But it has become quite painful for me.

Strader:
For the first time in these seven years,
Theodora is incomprehensible to me.
Every spiritual experience was for you
at the same time a source of inner bliss.

Theodora:
The revelation is completely different now.
At first, as before, I feel
compelled to switch off my own thinking;
but whereas in the past, after a short time,
when I succeeded in emptying my inner self,
a gentle light enveloped my soul
and the spirit wanted to form itself into images,
now an invisible adverse feeling arises;
but in such a way that I can clearly recognize
that the power I feel comes from outside.
And then fear pours into my experience,
which I cannot banish, which dominates me.
And I want to flee from that being,
which is invisible to me, yet abominable.
It wants to move toward me, its desire fulfilled;
and I must hate what is revealed.

Strader:
This seems impossible with Theodora.
One would otherwise consider such an experience to be the effect
of one's own soul forces being reflected.
But your soul cannot reveal itself in this way.

Theodora painfully, slowly, thoughtfully:
I am well aware of this opinion.
That is why I immersed myself with all the strength
that my soul still has left,
fervently in the spirit world and asked
that the beings who had often inclined toward me before might graciously reveal to me
how I might find the reasons for my suffering.

Now follow broken words.

And then ... the ... light appeared ... as ... before
He ... formed ... himself into the image of a ... human being ...
it was ... Thomasius.

Strader painfully, dominated by rapidly arising feelings:
...
Thomasius ...
The person I always want to believe in ...

Pause, then thinking painfully:

If I wanted to recall to my soul
how he spoke of the Mystic Brotherhood ...
how he spoke of Ahriman and himself ...

Theodora sinks into thought and stares absently into the void.

Strader:
O Theodora ... what do you see ... now...

Curtain falls.