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Riddles of the Soul
GA 21

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III. Franz Brentano (Ein Nachruf)

[ 1 ] Über das Verhältnis von Anthropologie und Anthroposophie in genügender Form zu sprechen ist aus den im vorigen Abschnitt dieser Schrift angeführten Gründen in Anknüpfung an Max Dessoirs Buch «Vom Jenseits der Seele» nicht möglich. Ich glaube nun aber, daß dieses Verhältnis anschaulich werden kann, wenn ich an diese Stelle die Ausführungen setze, die ich in andrer Absicht niedergeschrieben habe, nämlich als Nachruf für den im März 1917 in Zürich verstorbenen Philosophen Franz Brentano. Der Hingang des von mir aufs höchste verehrten Mannes hat bei mir bewirkt, daß dessen bedeutungsvolles Lebenswerk erneut mir vor die Seele getreten ist; er hat mich bestimmt, das Folgende auszusprechen.

[ 2 ] Es scheint mir, daß ich den Versuch machen darf, vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus zu einer Ansicht über Franz Brentanos philosophisches Lebenswerk zu gelangen in diesem Augenblick, da der Tod der verehrten Persönlichkeit die Fortsetzung dieses Werkes unterbrochen hat. Ich glaube, daß der anthroposophische Gesichtspunkt mich nicht in eine einseitige Schätzung der Brentanoschen Weltanschauung verfallen lassen kann. Dies nehme ich aus zwei Gründen an. Erstens kann die Vorstellungsart Brentanos von niemand beschuldigt werden, daß sie selbst auch nur die geringste Hinneigung zu einer anthroposophischen Richtung habe. Ihr Träger hätte diese, wenn er selbst zu einem Urteile über sie Veranlassung gehabt hätte, wohl mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Zweitens bin ich, von meinem anthroposophischen Gesichtspunkte aus, in der Lage, der Philosophie Franz Brentanos rückhaltlose Verehrung entgegenzubringen.

[ 3 ] Was das erste betrifft, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich sage, Brentano hätte, wenn er über die von mir gemeinte Anthroposophie zu einem Urteil gekommen wäre, dies so gestaltet, wie dasjenige, das er sich über Plotins Philosophie gebildet hat. Wie dieser gegenüber würde er wohl auch von der Anthroposophie gesagt haben: «Mystisches Dunkel und ein freies Schweifen der Phantasie in unbekannten Regionen.» 68Vergleiche Brentanos Schrift: «Was für ein Philosoph manchrnal Epoche macht» (Wien, Pest, Leipzig, Hartlebens Verlag, 1876), Seite 14 Wie dem Neuplatonismus würde er auch gegenüber der Anthroposophie zur Vorsicht gemahnt haben, «damit man nicht, von eitlem Scheine verlockt, in den labyrinthischen Gängen einer Pseudophilosophie sich verliere».69Vergleiche Brentanos Schrift: «Was für ein Philosoph manchmal Epoche macht» (Wien, Pest, Leipzig, Hartlebens Verlag, 1876), Seite 23 Ja, er hätte vielleicht die Denkweise der Anthroposophie für zu dilettantisch befunden, um sie auch nur für würdig zu halten, sie den Philosophien beizuzählen, über die er so urteilte wie über die Fichte-Schelling-Hegelsche. In seiner Wiener Antrittsrede sagt er über diese: «Vielleicht ist auch die jüngstvergangene Zeit eine... Epoche des Verfalles gewesen, in der alle Begriffe trüb ineinander schwammen, und von sachentsprechender Methode nicht eine Spur mehr der eben angeführten Schrift Brentanos zu finden war.» 70Vergleiche den Abdruck der 1874 beim Antritt seiner Wiener Professur gehaltenen Antrittsrede: «Über die Gründe der Entmutigung auf philosophischem Gebiete» (Wien 1874), Seite 18. Ich glaube, daß Brentano so geurteilt hätte, wenn ich auch selbstverständlich nicht nur dieses Urteil für völlig grundlos, sondern auch jede Zusammenstellung der Anthroposophie mit den Philosophien, mit denen sie dieser Philosoph wahrscheinlich zusammengestellt hätte, für unberechtigt halte.

[ 4 ] Was nun den zweiten der oben angegebenen Gründe, mich mit der Brentanoschen Philosophie auseinanderzusetzen, betrifft, so darf ich bekennen, daß sie für mich zu den anziehendsten Leistungen der Seelenforschung in der Gegenwart gehört. Ich konnte zwar nur wenige der Wiener Vorlesungen Brentanos vor etwa sechsunddreißig Jahren hören; aber von diesem Zeitraum an habe ich seine schriftstellerische Tätigkeit mit wärmstem Anteile verfolgt. Leider erschienen seine Veröffentlichungen, gemessen an meinem Wunsche, von ihm zu vernehmen, in viel zu großen Zeitabständen. Und sie sind zumeist so gehalten, daß man durch sie nur wie durch kleine Öffnungen in einen Raum mit einer Fülle von Schätzen, so durch gelegentliche Veröffentlichungen auf ein weites Reich unveröffentlichter Gedanken blickte, das der hervorragende Mann in sich trug. So in sich trug, daß es in fortwährender Ausgestaltung hohen Erkenntniszielen zustrebte. Als nach langer Pause 1911 Brentanos Buch über «Aristoteles», seine glänzende Schrift «Aristoteles’ Lehre vom Ursprung des menschlichen Geistes» und sein Wiederabdruck des wichtigsten Teiles seiner Psychologie mit den so scharfsinnigen «Nachträgen» erschienen waren, da war das Lesen dieser Schriften für mich eine Reihe von Festesfreuden.71Vergleiche Brentano: «Aristoteles und seine Weltanschauung » (1911, Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig); Brentano: «Aristoteles’ Lehre vom Ursprung des menschlichen Geistes» (Leipzig, Verlag von Veit und Comp., 1911); Brentano: «Von der Klassifiltation der psychischen Phänomene» (Leipzig, Verlag von Duneker und Humbolt, 1911).

[ 5 ] Ich fühle mich Franz Brentano gegenüber von einer solchen Gesinnung durchdrungen, von der ich glaube sagen zu dürfen, daß man sie erwirbt, wenn die vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus gewonnene wissenschaftliche Überzeugung - eben die Gesinnung ergreift. Ich bestrebe mich, seine Anschauungen in ihrem Werte zu durchschauen, wenn ich mich auch keiner Täuschung darüber hingebe, daß er in dem oben angedeuteten Sinne über Anthroposophie hätte denken können, ja wohl, müssen. Dies bringe ich hier wahrlich nicht vor, um in alberner Art über meine Gesinnung gegenüber gegnerischen oder abweichenden Anschauungen in eine eitle Selbstkritik zu verfallen, sondern weil ich weiß, wie viel Mißverständnisse meiner Urteile über andere Geistesrichtungen es mir gebracht hat, daß ich mich in meinen Veröffentlichungen oft so ausgesprochen habe, wie es eine Folge dieser Gesinnung ist.

[ 6 ] Die ganze Brentanosche Seelenforschung methodisch durchdringend erscheinen mir die Grundgedanken, welche ihn 1868 zur Aufstellung seines Leitsatzes führten. Als er damals in Würzburg seine philosophische Professur antrat, rückte er seine Vorstellungsart in das Licht der These: es könne die wahre philosophische Forschungsart keine andere sein als die in dem naturwissenschaftlichen Erkennen berechtigte. «Vera philosophiae methodus nulla alia nisi scientiae naturalis est.» 72 Später sprach er sich über die Aufstellung dieser These aus in dem Vortrage, den er 1892 in der Wiener Philosophischen Gesellschaft gehalten hat und der abgedruckt ist als Schrift: «Über die Zukunft der Philosophie» (Wien, Alfred Hölder, 1893). Da findet man Seite 3 den hier gemeinten späteren Hinweis Brentanos auf seine These. Als er dann den ersten Band seiner «Psychologie vom empirischen Standpunkte» 1874 erscheinen ließ - in der Zeit, als er seine Wiener Professur antrat -, suchte er die Seelenerscheinungen in Gemäßheit des angeführten Leitsatzes wissenschaftlich darzulegen.73Vergleiche Brentano: «Psychologie vom empirischen Standpunkte», 1. Band (Leipzig, Verlag von Duneker und Humblot, 1874) Für mich bildet, was Brentano mit diesem Buche gewollt hat, und was von diesem Wollen während seiner Lebenszeit durch seine Veröffentlichungen zutage getreten ist, ein bedeutsames wissenschaftliches Problem. Brentano hatte - das geht aus seinem Buche hervor - seine Psychologie auf eine Reihe von Büchern berechnet. Das zweite hatte er versprochen, kurze Zeit nach dem ersten erscheinen zu lassen. Es ist keine Fortsetzung des nur die Anfangsvorstellungen seiner Psychologie enthaltenden ersten Teiles erschienen. Als er 1889 seinen in der Wiener Juristischen Gesellschaft gehaltenen Vortrag «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis» abdrucken ließ, schrieb er in der Vorrede:

«Man würde irren, wenn man um des zufälligen Anstoßes willen den Vortrag für ein flüchtiges Werk der Gelegenheit hielte. Er bietet Früchte von jahrelangem Nachdenken. Unter allem, was ich bisher veröffentlicht, sind seine Erörterungen wohl das gereifteste Erzeugnis. - Sie gehören zum Gedankenkreise einer ‹Deskriptiven Psychologie›, den ich, wie ich nunmehr zu hoffen wage, in nicht ferner Zeit seinem ganzen Umfange nach der Öffentlichkeit erschließen kann. Man wird dann an weiten Abständen von allem Hergebrachten, und insbesondere auch an wesentlichen Fortbildungen eigener, in der ‹Psychologie vom empirischen Standpunkt› vertretener Anschauungen genugsam erkennen, daß ich in meiner langen literarischen Zurückgezogenheit nicht eben müßig gewesen bin.» 74Vergleiche Brentanos Schrift «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis» (Leipzig, Verlag Daneker und Humblot, 1889), Seite Vf.

Auch diese «Deskriptive Psychologie» ist nicht erschienen. Die Verehrer der Brentanoschen Philosophie können ermessen, welchen Gewinn sie ihnen gebracht hätte, wenn sie die ein enges Gebiet umfassenden 1907 erschienenen «Untersuchungen zur Sinnespsychologie» studieren.75Brentano: «Untersuchungen zur Sinnespsychologie» (Leipzig, Verlag Duncker und Humblot, 1907).

[ 7 ] Man muß sich die Frage stellen: was hat Brentano dazu gebracht, in der Fortsetzung seiner Veröffentlichungen immer wieder inne zu halten, ja, das als in kurzer Zeit fertig Geglaubte dann doch nicht zu veröffentlichen? Ich bekenne, daß ich mit innerlichster Erschütterung in dem Nachruf für Franz Brentano, den Alois Höfler im Mai 1917 hat erscheinen lassen, die Worte las: «Wie er an seinem Hauptproblem, dem Gottesbeweis, so zuversichtlich weiterarbeitete, daß mir noch vor wenigen Jahren ein mit Brentano innig befreundeter, ausgezeichneter Wiener Arzt erzählte, Brentano habe ihm kürzlich versichert, nun habe er den Gottesbeweis binnen wenigen Wochen fertig ... » 76Süddeutsche Monatshefte, Mai 1917, in dem Aufsatz : «Franz Brentano in Wien», Seite 319 ff. Ebenso empfand ich, als ich aus einem andern Nachruf (von Utitz),77Erschienen in der Vossischen Zeitung. vernahm: « Das Werk, das er am heißesten geliebt, an dem er sein ganzes Leben lang geschaffen, ist unveröffentlicht geblieben.»

[ 8 ] Mir scheint, daß Brentanos Schicksale mit seinen geplanten Veröffentlichungen ein schwerwiegendes geisteswissenschaftliches Problem darstellen. Nähern wird man sich diesem wohl nur, wenn man dasjenige in seiner Eigenart betrachten will, was er der Welt hat mitteilen können.

[ 9 ] Ich halte für wichtig, ins Auge zu fassen, daß Brentano in seiner psychologischen Forschung in scharfsinniger Weise eine reine Vorstellung des wirklich Seelischen zugrunde legen will. Er fragt sich: was ist Charakteristisches in allen Vorkommnissen, die man als seelische ansprechen muß. Und er fand, was er in den Nachträgen zur Psychologie 1911 so ausdrückte: «Das Charakteristische für jede psychische Tätigkeit besteht, wie ich gezeigt zu haben glaube, in der Beziehung zu etwas als Objekt.» 78Vergleiche Brentano : «Von der Klassifikation der psychischen Phänomene», Seite 122. Vorstellen ist eine psychische Tätigkeit. Das Charakteristische ist, daß ich nicht nur vorstelle, sondern daß ich etwas vorstelle, daß meine Vorstellung sich auf etwas bezieht. Mit einem der mittelalterlichen Philosophie entlehnten Ausdruck bezeichnet Brentano diese Eigenheit der seelischen Erscheinungen als «intentionale Beziehung». «Der gemeinsame Charakterzug»—so führt er an einem andern Orte aus:

«alles Psychischen besteht in dem, was man häufig mit einem leider sehr mißverständlichen Ausdruck Bewußtsein genannt hat, das heißt in einem subjektischen Verhalten, in einer, wie man sie bezeichnete, intentionalen Beziehung zu etwas, was vielleicht nicht wirklich, aber doch innerlich gegenständlich gegeben ist. Kein Hören ohne Gehörtes, kein Glauben ohne Geglaubtes, kein Hoffen ohne Gehofftes, kein Streben ohne Erstrebtes, keine Freude ohne etwas, worüber man sich freut, und so im übrigen.» 79Vergleiche Brentano : «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis», Seite 14. Und über den Grundzug des Intentionellen «Psychologie vom empirischen Standpunkte», Seite 115 ff.

Dieses intentionale Innesein ist nun in der Tat etwas, was wie ein Leitmotiv so führt, daß man alles, dem man es beilegen kann, eben dadurch in seiner seelischen Eigenart erkennt.

[ 10 ] Den psychischen Erscheinungen stellt Brentano die physischen gegenüber: Farben, Schall, Raum und viele andere. Er findet, daß sich diese von jenen eben dadurch unterscheiden, daß ihnen eine intentionale Beziehung nicht eigen ist. Und er beschränkt sich darauf, diese Beziehung den psychischen Erscheinungen zu-, den physischen abzusprechen. Nun wird aber gerade, wenn man Brentanos Ansicht über die intentionale Beziehung kennen lernt, die Vorstellung zu der Frage hingeführt: macht ein solcher Gesichtspunkt nicht notwendig, auch das Physische von ihm aus anzusehen? Wer nun in diesem Sinne wie Brentano das Psychische so, das Physische auf ein Gemeinsames hin prüft, der findet, daß jede Erscheinung dieses Gebietes durch etwas anderes ist. Löst sich ein Körper in einer Flüssigkeit auf, so tritt diese Erscheinung am gelösten Körper durch die Beziehung der lösenden Flüssigkeit zu ihm auf. Wenn Phosphor seine Farbe durch die Einwirkung der Sonne ändert, so weist dies in dieselbe Richtung. Alle Eigenschaften in der physischen Welt sind durch die Verhältnisse der Dinge zu einander. Es ist für physisches Sein richtig, wenn Moleschott sagt: «Alles Sein ist ein Sein durch Eigenschaften. Aber es gibt keine Eigenschaft, die nicht durch ein Verhältnis besteht.» 80Besonders prägnant hat dieses dargestellt Richard Wallascheck in einem bedeutenden Aufsatz der Wiener Wochensehrift «Die Zeit», Nr.96 und 97 des Jahrganges 1896 (vom 1. und 8. August). Wie alles Psychische in sich etwas enthält, wodurch es auf ein außer ihm Befindliches weist, so ist umgekehrt ein Physisches so geartet, daß das, was es ist, es durch die Beziehung eines Äußeren auf es ist. Muß nicht jemand, der in so scharfsinniger Weise wie Brentano die intentionale Beziehung alles Seelischen betont, die Aufmerksamkeit auch auf das Charakteristische der physischen Erscheinungen richten, das sich durch den gleichen Gedankenvorgang ergibt? Sicher scheint zum mindesten, daß eine solche Betrachtung des Seelischen die Beziehung desselben zur physischen Welt nur finden kann, wenn sie dieses Charakteristische in Erwägung zieht.81Man vergleiche damit den Schluß des 7. Kapitels der am Ende dieser Schrift gegebenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes...». «7. Die Sonderung des Seelischen von dem Außer-Seelischen durch Franz Brentano.»

[ 11 ] Brentano findet nun drei Arten von intentionalen Beziehungen im seelischen Leben. Die erste ist das Vorstellen von etwas; die zweite die Anerkennung oder Verwerfung, die sich im Urteilen aussprechen; die dritte die des Liebens oder Hassens, welche im Fühlen erlebt werden. Wenn ich sage: Gott ist gerecht, so stelle ich etwas vor; aber ich anerkenne oder verwerfe das Vorgestellte noch nicht; wenn ich aber sage: es gibt einen Gott, so anerkenne ich das Vorgestellte durch ein Urteil. Sage ich: die Freude ist mir lieb, so urteile ich nicht bloß, sondern ich erlebe ein Gefühl. Brentano unterscheidet aus solchen Voraussetzungen heraus drei Grundklassen der psychischen Erlebnisse: Vorstellen, Urteilen, Fühlen (oder die Erscheinungen des Liebens und Hassens). Diese drei Grundklassen setzt er an die Stelle der von anderen anerkannten Teilung der psychischen Erscheinungen in: Vorstellen, Fühlen und Wollen.82Vergleiche Brentano : «Psychologie vom empirischen Standpunkte» Seite 233 ff., und seine Schrift : «Von der Klassifikation der psychischen Phänomene.» Während nämlich Vorstellen und Urteilen viele in eine Klasse zusammenfassen, trennt Brentano die beiden. Er ist mit der Zusammenfassung nicht einverstanden, weil er nicht wie andere in dem Urteil nur eine Verbindung von Vorstellungen sieht, sondern eben eine Anerkennung oder ein Verwerfen des Vorgestellten, was beim bloßen Vorstellen nicht vollzogen wird. Gefühl und Wille hinwiederum, welche andere trennen, fallen für Brentano, ihrem seelischen Gehalte nach, in eins zusammen. Was seelisch erlebt wird, indem man sich zum Verrichten einer Handlung hingezogen oder davon abgestoßen fühlt, ist dasselbe, was man erlebt, wenn man zur Freude sich hingezogen oder vom Schmerze abgestoßen fühlt.

[ 12 ] Es ist aus Brentanos Schriften ersichtlich, daß er einen großen Wert darauf legt, die von ihm vorgefundene Gliederung des seelischen Erlebens in Denken, Fühlen und Wollen durch die andere ersetzt zu haben, in Vorstellen, Urteilen und in Lieben und Hassen. Von dieser Gliederung aus sucht er sich einen Weg zu bahnen zum Verständnis dessen, was die Wahrheit auf der einen Seite, die sittliche Güte auf der anderen Seite ist. Die Wahrheit stützt sich ihm auf das richtige Urteilen; die sittliche Güte auf das richtige Lieben. Er findet: «Wir nennen etwas wahr, wenn die daraufbezügliche Anerkennung richtig ist. Wir nennen etwas gut, wenn die darauf bezügliche Liebe richtig ist.» 83Vergleiche Brentano: «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis». Seite 17.

[ 13 ] Man kann in Brentanos Ausführungen finden, daß er mit der richtigen Anerkennung im Urteile bei der Wahrheit, mit dem richtigen Erleben der Liebe bei der sittlichen Güte einen seelischen Tatbestand scharf ins Auge faßt und umschreibt. Allein man kann innerhalb seines Vorstellungsbereiches nichts finden, was genügen würde, um von dem seelischen Erlebnis des Vorstellens zu dem des Urteilens den Übergang zu finden. Wo man auch hinblickt in diesem Vorstellensbereich: man sucht vergebens nach der Beantwortung der Frage: was liegt denn vor, wenn sich die Seele bewußt ist, sie stelle nicht bloß vor, sondern sie finde sich veranlaßt, den Gegenstand des Vorstellens durch ein Urteil anzuerkennen? - Ebenso wenig kann man eine Frage vermeiden bei dem richtigen Lieben für die sittliche Güte. Innerhalb desjenigen Bereiches, welchen Brentano als «Seelisches» umschreibt, ist für das sittliche Verhalten allerdings kein anderer Tatbestand vorhanden als das richtige Lieben. Aber ist denn einer sittlichen Handlung nicht auch eine Beziehung zu der äußeren Welt eigen? Kann dieses, was eine solche Handlung für die Welt charakterisiert, erschöpft werden dadurch, daß man sagt: sie ist eine Handlung, die richtig geliebt wird? 84 Man vergleiche hiermit das 5. Kapitel in den am Ende dieser Schrift gegebenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes...»: «5. Über die wirkliche Grundlage der intentionalen Beziehung.»

[ 14 ] Man hat beim Verfolgen Brentanoscher Gedankengänge zumeist das Gefühl: sie seien immer fruchtbringend, weil sie ein Problem nach einer Richtung hin scharfsinnig und mit wissenschaftlicher Besonnenheit in Angriff nehmen; aber man empfindet auch, Brentano führt mit solchen Gedankengängen nicht zu dem Ziel, das seine Ausgangspunkte versprechen. Solch eine Empfindung kann sich auch aufdrängen, wenn man seine Dreiteilung des Seelenlebens in Vorstellen, Urteilen, Lieben und Hassen vergleicht mit der andern in Vorstellen, Fühlen und Wollen. Man folgt mit einer gewissen Zustimmung dem, was er für seine Meinung beizubringen weiß; und man kann zuletzt doch wohl kaum die Überzeugung gewinnen, daß er alle Gründe hinreichend würdigt, die für die andere sprechen. Man nehme nur als besonderes Beispiel die Folgerung, die Brentano aus seiner Gliederung für die Kennzeichnung des Wahren, Schönen und Guten zieht. Wer das Seelenleben nach erkennendem Vorstellen, Fühlen und Wollen gliedert, wird kaum anders können, als das Streben nach Wahrheit mit dem Vorstellen, das Erleben der Schönheit mit dem Fühlen, das Vollbringen des Guten mit dem Wollen in einen näheren Zusammenhang zu bringen. Im Lichte der Brentanoschen Gedanken erscheint die Sache anders. Da haben die Vorstellungen als solche keine Beziehung zu einander, durch die sich als solche schon die Wahrheit offenbaren könnte. Strebt die Seele nach einem Vollkommenen in der Beziehung von Vorstellungen, so kann daher ihr Ideal dabei nicht die Wahrheit sein; es ist vielmehr die Schönheit. Die Wahrheit liegt nicht auf dem Wege des bloßen Vorstellens, sondern des Urteilens. Und das sittlich Gute findet sich nicht als ein dem Wollen Wesentliches, sondern ist Inhalt eines Fühlens; denn richtig zu lieben, ist Gefühls-Erlebnis.85Vergleiche Brentano: «Psychologie vom empirischen Standpunkte», Seite 340 ff., und seine Schrift : «Von der Klassifikation der psychischen Phänomene», Seite 110 ff., sowie auch das von ihm in seiner Schrift «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis», Seite 17 ff., Gesagte. Nun kann aber die Wahrheit für das gewöhnliche Bewußtsein doch nur im vorstellenden Erkennen gesucht werden. Denn, wenn auch das Urteil, das zur Wahrheit führt, nicht in einer bloßen Verbindung von Vorstellungen sich erschöpft, sondern auf einer Anerkennung oder Verwerfung von Vorstellungen beruht, so kann diese Anerkennung oder Verwerfung von diesem Bewußtsein nur in Vorstellungen erlebt werden. - Und wenn auch die Vorstellungen, durch die ein Schönes dem Bewußtsein sich darstellt, in gewissen innerhalb des Vorstellungslebens gelegenen Verhältnissen sich offenbaren: erlebt wird die Schönheit doch durch das Gefühl. - Und obgleich ein sittlich Gutes in der Seele ein richtiges Lieben hervorrufen soll: sein Wesentliches ist doch die Verwirklichung des richtig Geliebten durch das Wollen.

[ 15 ] Man erkennt erst, was in Brentanos Gedanken über die Dreigliederung des Seelenlebens vorliegt, wenn man durchschaut, daß er von etwas ganz anderem spricht als diejenigen, welche diese Gliederung nach Vorstellen, Fühlen und Wollen vollziehen. Diese wollen einfach die Erfahrung des gewöhnlichen Bewußtseins beschreiben. Und dieses erfährt von sich selbst in den von einander unterschiedenen Verrichtungen des Vorstellens, Fühlens und Wollens. Was wird da eigentlich erfahren? In meinem Buche «Vom Menschenrätsel» habe ich versucht, diese Frage zu beantworten.

Die dort vorgebrachten Ergebnisse habe ich in der folgenden Art zusammengefaßt. «Zunächst ist das seelische Erleben des Menschen, wie es sich im Denken, Fühlen und Wollen offenbart, an die leiblichen Werkzeuge gebunden. Und es gestaltet sich so, wie es durch diese Werkzeuge bedingt ist. Wer aber meint, er sehe das wirkliche Seelenleben, wenn er die Äußerungen der Seele durch den Leib beobachtet, der ist in demselben Fehler befangen, wie einer, der glaubt, seine Gestalt werde von dem Spiegel hervorgebracht, vor dem er steht, weil der Spiegel die notwendigen Bedingungen enthalte, durch die sein Bild erscheint. Dieses Bild ist sogar in gewissen Grenzen als Bild von der Form des Spiegels usw. abhängig: was es aber darstellt, das hat mit dem Spiegel nichts zu tun. Das menschliche Seelenleben muß, um innerhalb der Sinneswelt sein Wesen voll zu erfüllen, ein Bild seines Wesens haben. Dieses Bild muß es im Bewußtsein haben; sonst würde es zwar ein Dasein haben; aber von diesem Dasein keine Vorstellung, kein Wissen. Dieses Bild, das im gewöhnlichen Bewußtsein der Seele lebt, ist nun völlig bedingt durch die leiblichen Werkzeuge. Ohne diese würde es nicht da sein, wie das Spiegelbild nicht ohne den Spiegel. Was aber durch dieses Bild erscheint, das Seelische selbst, ist seinem Wesen nach von den Leibeswerkzeugen nicht abhängiger als der vor dem Spiegel stehende Beschauer von dem Spiegel. Nicht die Seele ist von den Leibeswerkzeugen abhängig, sondern allein das gewöhnliche Bewußtsein der Seele.» 86Vergleiche hierzu mein Buch «Vom Menschenrätsel», 4. Auflage, Seite 156. Ich möchte die für viele gewiß überflüssige Bemerkung hier anfügen, daß ich - aus der Wesenheit der Sache heraus - bei meinem Vergleiche des Bewußtseins mit einem Spiegelbilde nicht im Auge habe, was man gewöhnlich tut, die Vorstellungswelt ein Spiegelbild der Außenwelt zu nennen, sondern daß ich, was die Seele im gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, als ein Spiegelbild des wahrhaft Seelischen bezeichne.

Schildert man diesen von der Leibesorganisation abhängigen Bewußtseinsbereich, so gliedert man richtig nach Vorstellen, Fühlen und Wollen.87Man vergleiche damit das 6. Kapitel der am Ende dieser Schrift gegebenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes...» : «6. Die physischen und die geistigen Abhängigkeiten der Menschen-Wesenheit.» Aber Brentano schildert etwas anderes. Man fasse zunächst ins Auge, daß er unter dem «Urteilen» ein Anerkennen oder Abweisen eines Vorstellungsinhaltes versteht. Das Urteilen betätigt sich innerhalb des Vorstellungslebens; aber es nimmt die Vorstellungen, die in der Seele auftreten, nicht einfach hin, sondern es setzt sie durch Anerkennung oder Ablehnung in Beziehung zu einer Wirklichkeit. Sieht man genauer zu, so kann diese Beziehung der Vorstellungen auf eine Wirklichkeit nur in einer Tätigkeit der Seele gefunden werden, welche in dieser selbst sich vollzieht. Dem entspricht aber niemals restlos, was die Seele bewirkt, wenn sie eine Vorstellung umteilend auf eine Sinneswahmehmung bezieht. Denn da ist es der Zwang des äußeren Eindruckes, der nicht rein innerlich erlebt, sondern nur nacherlebt wird, und so als vorgestelltes Nach-Erlebnis zur Anerkennung oder zum Verwerfen führt. Dagegen entspricht, was Brentano beschreibt, in dieser Beziehung vollkommen demjenigen Erkennen, das im ersten Abschnitt dieser Schrift das imaginative genannt wird. In diesem wird das Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins nicht einfach hingenommen, sondern in innerem Seelen-Erleben weiter gebildet, so daß aus ihm sich die Kraft auslöst, das seelisch Erfahrene auf eine geistige Wirklichkeit so zu beziehen, daß diese anerkannt oder verworfen wird. Brentanos Urteilsbegriff wird also nicht im gewöhnlichen Bewußtsein vollkommen verwirklicht, sondern in der Seele, die in imaginativem Erkenntnis sich betätigt. - Des weiteren ist klar, daß durch Brentanos vollständige Ablösung des Vorstellungs- von dem Urteilsbegriff, von ihm das Vorstellen als bloßes Bild gefaßt wird. So aber lebt das gewöhnliche Vorstellen in der imaginativen Erkenntnis. Auch diese zweite Eigenschaft, welche die Anthroposophie dem imaginativen Erkennen beilegt, findet sich also in Brentanos Charakteristik der psychischen Erscheinungen. Ferner: Brentano spricht die Erlebnisse des Fühlens als Erscheinungen der Liebe und des Hasses an. Wer zum imaginativen Erkennen aufsteigt, der muß in der Tat diejenige Art des seelischen Erlebens, die für das gewöhnliche Bewußtsein als Lieben und Hassen - im Brentanoschen Sinn - sich offenbart, für das übersinnliche Schauen so umwandeIn, daß er sich gewissen Eigenarten der geistigen Wirklichkeit gegenübersetzen kann, welche in meiner «Theosophie» zum Beispiel in der folgenden Art geschildert werden: «Es gehört zu dem ersten, was man sich für die Orientierung in der seelischen Welt aneignen muß, daß man die verschiedenen Arten ihrer Gebilde in ähnlicher Weise unterscheidet, wie man in der physischen Welt feste, flüssige und luft- oder gasförmige Körper unterscheidet. Um dazu zu kommen, muß man die beiden Grundkräfte kennen, die hier vor allem wichtig sind. Man kann sie Sympathie und Antipathie nennen. Wie diese Grundkräfte in einem seelischen Gebilde wirken, danach bestimmt sich dessen Art.»88Vergleiche meine «Theosophie», 28. Auflage, Seite 96. Während Lieben und Hassen für das Leben der Seele in der Sinneswelt etwas Subjektives bleibt, erlebt das imaginative Erkennen das objektive Verhalten in der Seelenwelt mit durch innere Erfahrungen, die dem Lieben und Hassen gleichkommen. Brentano beschreibt auch da, indem er von Seelenerscheinungen spricht, eine Eigenheit des imaginativen Erkennens (durch die dasselbe aber schon in den Bereich einer noch höheren Erkenntnisart 89Die erste Form des «schauenden Erkennens», die imaginative, geht über in die zweite, die in meinen Schriften die inspirierte genannt wird. Wie eigentlich in der Brentanoschen Definition des Liebens und Hassens schon die in die Inspiration übergegangene Imagination lebt, das findet man dargestellt in den Schlußausführungen des 6. Kapitels der am Ende dieser Schrift gegebenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes»: «6. Die physischen und die geistigen Abhängigkeiten der Menschen-Wesenheit.» hineinreicht). Und daß er von der objektiven Art des Liebens und Hassens im Gegensatz zur subjektiven Gefühlsweise des gewöhnlichen Bewußtseins eine Vorstellung hat, das ersieht man daraus, daß er die sittliche Güte als ein richtiges Lieben darstellt. Zuletzt muß ganz besonders in Betracht gezogen werden, daß für Brentano das Wollen aus dem Kreise der Seelenerscheinungen herausfällt. Nun gehört das aus dem gewöhnlichen Bewußtsein erfließende Wollen ganz der physischen Welt an. Es verwirklicht sich in der Gestalt, wie es von diesem Bewußtsein gedacht werden kann, restlos in der physischen Welt, obwohl es ein in der physischen Welt sich offenbarendes rein geistig-Wesenhaftes an sich ist. Schildert man das in der physischen Welt vorhandene gewöhnliche Bewußtsein, so kann in dieser Schilderung das Wollen nicht fehlen. Schildert man das schauende Bewußtsein, so kann in diese Schilderung nichts von den Vorstellungen über das gewöhnliche Wollen übergehen. Denn in der seelischen Welt, auf welche das imaginative Bewußtsein sich bezieht, erfolgt das Geschehen auf einen seelischen Impuls hin anders als durch Akte des Wollens, wie solche der physischen Welt eigen sind. Indem also Brentano die seelischen Erscheinungen in dem Gebiete ins Auge faßt, in dem die imaginative Erkenntnis sich betätigt, muß ihm der Begriff des Wollens sich verflüchtigen.

[ 16 ] Es scheint wirklich einleuchtend zu sein, daß Brentano dazu getrieben worden ist, indem er das Wesen der psychischen Erscheinungen beschrieben hat, eigentlich das Wesen der schauenden Erkenntnis zu schildern. Selbst aus Einzelheiten seiner Darstellung geht dies klar hervor. Man nehme ein Beispiel für viele, die angeführt werden könnten. Er sagt: «Der gemeinsame Charakterzug alles Psychischen besteht in dem, was man häufig mit einem leider sehr mißverständlichen Ausdruck Bewußtsein genannt hat ... ». 90Vergleiche Brentano: «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis», Seite 14. Aber wenn man nur diejenigen Seelenerscheinungen schildert, welche als dem gewöhnlichen Bewußtsein angehörig von der Leibesorganisation bedingt sind, so ist der Ausdruck gar nicht mißverständlich. Brentano hat eine Empfindung davon, daß die wirkliche Seele aber in diesem gewöhnlichen Bewußtsein nicht lebt, und er fühlt sich veranlaßt, von dem Wesen dieser wirklichen Seele in Vorstellungen zu sprechen, die allerdings mißverstanden werden müssen, wenn man auf sie den gewöhnlichen Bewußtseinsbegriff anwenden will.

[ 17 ] Brentano geht in seiner Forschung so vor, daß er die Erscheinungen des anthropologischen Gebietes bis dahin verfolgt, wo sie den Unbefangenen dazu zwingen, Vorstellungen über die Seele zu bilden, welche zusammentreffen mit dem, was die Anthroposophie auf ihren Wegen über die Seele findet. Und die Ergebnisse der beiden Wege zeigen sich gerade durch Brentanos Psychologie im vollsten Einklange. Brentano selbst wollte aber den anthropologischen Weg nicht verlassen. Daran hinderte ihn seine Auslegung des von ihm aufgestellten Leitsatzes: «Es kann die wahre Forschungsart der Philosophie keine andere sein als die in der naturwissenschaftlichen Erkenntnisart anerkannte.» 91Vgl. oben S. 83f. dieser Schrift. Eine andere Auffassung dieses Leitsatzes hätte ihn dazu führen können, anzuerkennen, daß man gerade dann die naturwissenschaftliche Vorstellungsart in dem rechten Lichte sieht, wenn man sich bewußt ist, daß diese für das geistige Gebiet sich ihrem eigenen Wesen gemäß wandeln muß. Brentano hat die wahren Seelenerscheinungen, welche er als solche kennzeichnet, niemals zum Gegenstande eines ausgesprochenen Bewußtseins machen wollen. Hätte er dieses getan, so wäre er von der Anthropologie zur Anthroposophie fortgeschritten. Er fürchtete diesen Weg, weil er ihn nur als ein Abirren in «mystisches Dunkel und ein freies Schweifen der Phantasie in unbekannte Regionen» anzusehen vermochte.92Vgl. oben S. 81 dieser Schrift. Er ließ sich auf eine Prüfung dessen gar nicht ein, was seine eigene psychologische Auffassung notwendig machte. Jedesmal, wenn er vor der Notwendigkeit stand, seinen eigenen Weg fortzusetzen in das anthroposophische Gebiet hinein, blieb er stehen. Er wollte die Fragen, welche sich nur anthroposophisch beantworten lassen, anthropologisch lösen. Diese Lösung mußte scheitern. Weil sie scheitern mußte, konnte er seine angefangenen Darstellungen nicht so fortsetzen, daß die Fortsetzung für ihn hätte befriedigend werden können. Hätte er die «Psychologie vom empirischen Standpunkt» fortgesetzt: sie hätte nach dem Ergebnisse des ersten Bandes eine Anthroposophie werden müssen. Hätte er seine «Deskriptive Psychologie» wirklich geliefert: Anthroposophie müßte aus ihr überall herausleuchten. Hätte er entsprechend seinem Ausgangspunkte die Ethik seiner Schrift «Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis» weiter geführt: er hätte auf Anthroposophie stoßen müssen.

[ 18 ] Vor Brentanos Seele stand die Möglichkeit einer Psychologie, die nicht wie die rein anthropologische gestaltet sein kann. Die letztere kann an die Fragen gar nicht denken, welche als die bedeutungsvollsten über das Seelenleben aufgeworfen werden müssen. Die neuere Psychologie will nur anthropologisch sein, weil sie alles darüber Hinausgehende für unwissenschaftlich hält. Brentano aber sagt : «Für die Hoffnungen eines Platon und Aristoteles, über das Fortleben unseres besseren Teiles nach der Auflösung des Leibes Sicherheit zu gewinnen, würden dagegen die Gesetze der Assoziation von Vorstellungen, der Entwickelung von Überzeugungen und Meinungen und des Keimens und Treibens von Lust und Liebe alles andere, nur nicht ein wahre Entschädigung sein... Und wenn wirklich der Unterschied der beiden Anschauungen die Aufnahme oder den Ausschluß der Frage nach der Unsterblichkeit besagte, so wäre er für die Psychologie ein überaus bedeutender zu nennen, und ein Eingehen in die metaphysische Untersuchung über die Substanz als Trägerin der Zustände unvermeidlich.»93Vergleiche Brentano: «Psychologie vom empirischen Standpunkte», Seite 20. Anthroposophie zeigt, wie nicht durch metaphysische Spekulationen in das von Brentano bezeichnete Gebiet eingetreten werden kann, sondern allein durch Betätigung solcher Seelenkräfte, welche nicht in das gewöhnliche Bewußtsein fallen können. Indem Brentano in seiner Philosophie das Wesen der Seele so schildert, daß in seiner Schilderung das Wesen der schauenden Erkenntnis deutlich zum Ausdrucke kommt, ist diese Philosophie eine vollkommene Rechtfertigung der Anthroposophie. Und man darf in Brentano sehen den philosophischen Forscher, der auf seinem Wege bis zur Pforte der Anthroposophie gelangt, diese Pforte aber nicht aufschließen will, weil das Bild von naturwissenschaftlicher Denkart, das er sich macht, ihm den Glauben erzeugt, er gelange durch dieses Aufschließen in den Abgrund der Unwissenschaft. Die Schwierigkeiten, vor die sich Brentano oft gestellt sieht, wenn er seine Vorstellungen fortsetzen will, rühren davon her, daß er diese Vorstellungen über das Wesen des Seelischen auf dasjenige bezieht, was im gewöhnlichen Bewußtsein vorliegt. Dazu wird er veranlaßt, weil er innerhalb der Auffassung stehen bleiben will, die ihm als die naturwissenschaftlich berechtigte erscheint. Aber diese Auffassung kann durch ihre Erkenntnismittel eben nur zu dem gelangen, was von dem Seelischen als der Inhalt des gewöhnlichen Bewußtseins vorliegt. Dieser Inhalt ist aber nicht die Wirklichkeit des Seelischen, sondern dessen Spiegelbild. Dies durchschaut Brentano nur von der einen Seite des begreifenden Verstehens, aber nicht von der andern, der Beobachtung. In seinen Begriffen entwirft er ein Bild seelischer Erscheinungen, die sich in der Wirklichkeit der Seele abspielen; wenn er beobachtet, glaubt er in dem Spiegelbild des Seelischen eine Wirklichkeit zu haben.94Vergleiche hiermit das 7. Kapitel der am Ende dieser Schrift gegehenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes...» : «7. Die Sonderung des Seelischen von dem Außer-Seelischen durch Franz Brentano.» Eine andere philosophische Richtung, der Brentano die schärfste Abneigung entgegengebracht hat, diejenige Eduard von Hartmanns, ist auch von einer naturwissenschaftlichen Vorstellungsart ausgegangen. Eduard von Hartmann hat den Spiegelbild-Charakter des gewöhnlichen Bewußtseins durchschaut. Er sieht daher in diesem Bewußtsein keine Wirklichkeit. Aber er lehnt es auch entschieden ab, die entsprechende Wirklichkeit überhaupt in ein menschliches Bewußtsein hereinzuholen. Er verweist diese Wirklichkeit in das Gebiet des Unbewußten. Über dieses zu reden, gestattet er nur der hypothetischen Anwendung der durch gewöhnliches Bewußtsein gebildeten Begriffe über dieses Gebiet hinaus.95Die in bezug auf obiges zielenden Anschauungen Eduard von Hartmanns findet man in übersichtlicher Art dargestellt in dessen zwei Büchern: «Die moderne Psychologie» (Leipzig 1901, Hermann Haackes Verlag) und «Grundriß der Psychologie» (Band 3 von E.v. Hartmanns System der Philosophie im Grundriß, Bad Sachsa im Harz 1908, Hermann Haacke, Verlagsbuchhandlung). Die Anthroposophie behauptet, daß über dieses Gebiet hinaus geistige Beobachtung möglich ist. Und daß dieser geistigen Beobachtung auch Begriffe zugänglich seien, die so wenig bloß hypothetisch sein dürfen wie die im sinnlichen Felde gewonnenen. - Eduard von Hartmanns Übersinnliches soll kein unmittelbar Erkanntes, sondern ein aus dem unmittelbar Erkannten Erschlossenes sein. Hartmann gehört zu denjenigen Philosophen der neueren Zeit, die Begriffe nicht bilden wollen, wenn sie zum Ausgangspunkte dieser Begriffsbildung nicht die Aussagen der sinnlichen Beobachtung und des Erlebens im gewöhnlichen Bewußtsein haben. Brentano bildet solche Begriffe. Aber er täuscht sich über die Wirklichkeit, in der sie durch Beobachtung gebildet werden können. Sein Geist erweist sich als merkwürdig zwiespältig. Er möchte ganz Naturforscher in dem Sinne sein, wie sich die naturwissenschaftliche Vorstellungsart in der neueren Zeit herausgebildet hat. Und er muß doch Begriffe bilden, welche sich vor dieser Vorstellungsart nur dann rechtfertigen lassen, wenn man dieselbe nicht als die einzig geltende hinnimmt. Dieser Zwiespalt in Brentanos Forschergeist wird dem erklärlich, der sich in die ersten Schriften Brentanos vertieft, in sein Buch: «Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach Aristoteles» (1862); in seine «Psychologie des Aristoteles» (1867) und in seinen «Creatinismus des Aristoteles» (1882).96Franz Brentano: «Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach Aristoteles» (Freiburg im Breisgau, Herdersche Verlagshandlung); dessen «Die Psychologie des Aristoteles» (Mainz, Verlag von Franz Kirchheim); dessen «Über den Creatinismus des Aristoteles » (Wien, Tempsky).—In diesen Schriften geht Brentano mit mustergiltiger Gelehrsamkeit den Gedankengängen des Aristoteles nach. Und in diesem Nachgehen eignet er sich ein Denken an, das sich nicht in den Begriffen erschöpfen lassen kann, die in der Anthropologie geltend sind. In diesen Schriften hat er einen Seelenbegriff im Bereiche seiner Aufmerksamkeit, welcher das Seelische aus dem Geistigen herleitet. Dieses aus dem Geiste herstammende Seelische bedient sich des aus physischen Vorgängen gebildeten Organismus, um innerhalb des sinnlichen Daseins sich Vorstellungen zu bilden. Was in der Seele sich Vorstellungen bildet, ist geistiger Natur, ist der «Nus» des Aristoteles. Aber dieser «Nus» ist von zweifacher Wesenheit, als «Nus pathetikos» ist er rein leidend; er läßt sich von den durch den Organismus ihm gegebenen Eindrücken zu seinen Vorstellungen anregen. Damit aber diese Vorstellungen so in die Erscheinung treten, wie sie in der tätigen Seele sind, muß diese Tätigkeit als «Nus poietikos» wirken. Was der «Nus pathetikos» liefert, wären bloß Erscheinungen in einem finsteren Seelen-sein; sie werden beleuchtet durch den «Nus poietikos». Brentano sagt darüber: Der Nus poietikos ist das Licht, welches die Phantasmen erleuchtet und das Geistige im Sinnlichen für unser Geistesauge sichtbar macht.97Vergleiche Brentano: «Die Psychologie des Aristoteles», Seite 172 ff.

Es kommt, wenn man Brentano verstehen will, nicht allein darauf an, inwieweit er die aristotellschen Vorstellungen in seine eigene Überzeugung aufgenommen hat, sondern vor allem darauf, daß er sich mit dem eigenen Denken in diesen Vorstellungen hingebungsvoll bewegt hat. Dadurch aber betätigte sich dieses Denken in einem Bereiche, in dem der Ausgangspunkt der Sinnesanschauung, und damit die anthropologische Grundlage für die Begriffsbildung nicht vorhanden sind. Und dieser Grundzug des Denkens ist in Brentanos Forschung geblieben. Er will zwar nur gelten lassen, was nach dem Muster der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart anerkannt werden kann; aber er muß Gedanken bilden, die nicht in dieses Bereich gehören. Nun läßt sich nach rein naturwissenschaftlicher Methode über die Seelenerscheinungen nur etwas sagen, insoferne diese das durch die Leibesorganisation bedingte Spiegelbild des wirklich Wesenhaften der Seele sind, das heißt, insoferne sie in ihrem Spiegelbild-Charakter mit der Leibesorganisation entstehen und vergehen. Was aber Brentano über die Wirklichkeit des Seelischen denken muß, ist ein Geistiges, von der Leibesorganisation Unabhängiges, das sogar durch den «Nus poietikos» sich das Geistige im Sinnlichen durch unser Geistesauge sichtbar macht. - Daß Brentano sich mit seinem Denken in solchen Bereichen bewegen kann, verbietet ihm, das Seelensein durch die Leibes organisation entstehend und mit der Leibesorganisation vergehend zu denken. Weil er aber eine übersinnliche Beobachtung ablehnt, so kann ihm in diesem Seelensein kein Inhalt beobachtbar sein, der über das physische Sein hinausreicht. Sobald er der Seele einen Inhalt zuschreiben soll, den diese ohne die Mithilfe der Leibesorganisation entfalten könnte, fühlt sich Brentano in einer Welt, für die er keine Vorstellungen findet. In solcher Geistesverfassung wendet er sich an Aristoteles und findet auch bei ihm Seelenvorstellungen, die für ein außerleibliches Dasein keinen anderen Inhalt ergeben, als den im leiblichen Dasein erworbenen. Charakteristisch in seiner Einseitigkeit ist, was in dieser Beziehung Brentano in seiner «Psychologle des Aristoteles» vorbringt: «Wie nun der Mensch, wenn ihm ein Fuß oder ein anderes Glied entrissen wird, keine vollendete Substanz mehr ist, so ist er natürlich noch viel weniger eine vollendete Substanz, wenn der ganze leibliche Teil dem Tode anheimgefallen ist. Der geistige Teil besteht zwar noch fort, allein die irren gar sehr, die wie Plato glauben, daß die Trennung vom Leibe für ihn eine Förderung und gleichsam eine Befreiung aus drückendem Gefängnisse sei; muß ja doch die Seele nunmehr auf alle die zahlreichen Dienste verzichten, welche die Kräfte des Leibes ihr geleistet haben.» 98Vergleiche Brentano: «Psychologie des Aristoteles», Seite 196.

Über die Auffassung des Aristoteles vom Wesen der Seele war Brentano in einen außerordentlich interessanten Streit mit dem Philosophen Eduard Zeller gekommen. Dieser behauptete, die Meinung des Aristoteles gehe dahin, eine Präexistenz der Seele vor ihrer Verbindung mit der Leibesorganisation anzunehmen, während Brentano dem Aristoteles eine solche Ansicht absprach, und ihn nur denken ließ, die Seele werde erst in die Leibesorganisation hinein geschaffen; sie habe also keine Präexistenz, wohl aber nach der Auflösung des Leibes eine Postexistenz.99Über den Inhalt des wissenschaftlichen Streites zwischen Brentano und Zeller vergleiche Brentano: «Offener Brief an Herrn Professor Dr. Eduard Zeller aus Anlaß meiner Schrift über die Lehre des Aristoteles von der Ewigkeit des Geistes» (Leipzig 1883, Duneker und Humhlot) und dessen: «Aristoteles’ Lehre vom Ursprung des menschlichen Geistes» (Leipzig 1911, Veit und Comp.).

[ 19 ] Brentano meinte, eine Präexistenz nehme nur Plato, nicht aber Aristoteles an. Es ist nicht zu leugnen, daß die Gründe, welche Brentano für seine Meinung und gegen die Zellersche vorbringt, viel Gewicht haben. Abgesehen von der Brentanoschen geistvollen Interpretation entsprechender aristotelischer Behauptungen bietet es ja eine Schwierigkeit, dem Aristoteles die Ansicht von der Präexistenz der Seele zuzuschreiben, weil eine solche einem Grundsatz der aristotelischen Metaphysik zu widersprechen scheint. Aristoteles sagt nämlich, daß niemals eine «Form» vor dem «Stoffe» existieren könne, der die Form trägt. Die Kugelgestalt existiere niemals ohne das sie erfüllende Stoffliche. Da aber Aristoteles das Seelische als die «Form» der Leibesorganisation faßt, so scheint es, daß man ihm nicht zuschreiben dürfe: er habe gedacht, die Seele könne vor der Entstehung der Leibesorganisation existieren.

Brentano hat sich nun mit seinem Seelenbegriff in der aristotelischen Vorstellung von der Unmöglichkeit einer Präexistenz so verfangen, daß er nicht bemerken kann, wie diese aristotelische Vorstellung selbst in einem wichtigen Punkte versagt. Kann man denn wirklich «Form» und «Materie» so denken, daß man nur annimmt: die Form könne nicht vor der sie erfüllenden Materie bestehen? Die Kugelgestalt sei doch nicht vorhanden vor der sie erfüllenden Stoffmasse? So wie sie an der Stoffmasse erscheint, ist die Kugelform gewiß nicht vor der Zusammenballung des Stoffes vorhanden. Allein bevor dieser zusammenschießt, sind die Kräfte vorhanden, welche an diesen Stoff herankommen, und deren Ergebnis für ihn sich in seiner Kugelgestalt offenbart. Und in diesen Kräften lebt vor dem Auftreten der Kugelgestalt diese schon gewiß in andrer Art.100Die Täuschung über eine Berechtigung zu der oben gekennzeichneten Behauptung von Form und Materie kann nur im Hinblick auf die Bildung der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart für den Inhalt des Seelenbegriffs durch die Anschauungen über die körperliche Organisation gebunden gefühlt, so hätte er vielleicht bemerkt, daß der aristotelische Seelenbegriff selbst mit einem inneren Widerspruch behaftet ist. So hat er denn an der Betrachtung der Weltanschauung des Aristoteles nur die Möglichkeit gewonnen, über die Seele Vorstellungen zu denken, welche diese aus dem Gebiete der Leibesorganisation heraus heben, ihr aber nicht einen solchen Inhalt zuweisen, der gestattet, daß man sie bei unbefangenem Denken wirklich von der Leibesorganisation unabhängig vorstellen kann.

[ 20 ] Neben Aristoteles ist für Brentano auch Leibniz ein Philosoph, dem er besondere Anerkennung zuwendet. Besonders die Art der Leibnizischen Seelenbetrachtung scheint ihn angezogen zu haben. Man kann nun sagen, daß Leibniz auf diesem Gebiete eine Votstellungsweise hat, welche wie eine wesentliche Erweiterung der Meinung des Aristoteles erscheint. Während dieser den wesenhaften Inhalt des menschlichen Denkens abhängig macht von der Sinnesbeobachtung, löst Leibniz diesen Inhalt von der sinnlichen Grundlage los. Dem Aristoteles folgend wird man den Satz anerkennen: es ist nichts im Denken, was nicht vorher in den Sinnen war (nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu); Leibniz aber ist der Meinung, daß nichts von Kristallen etwa entstehen kann, weil da die Form unmittelbar aus den der Materie innewohnenden Kräften hervorzugehen scheint. Doch wird ein unbefangenes Denken nicht anders können als die Formkräfte innerhalb des Materiellen vorauszusetzen, bevor die geformte Materie wirklich entsteht. Völlig unhaltbar ist die aristotelische Vorstellung aber schon bei der Pflanze, deren formende Kräfte man gewiß nicht allein in den Verhältnissen im Keime suchen muß, sondern in Wirksamkeiten von der Außenwelt her, die unbegrenzt lange vor der Bildung der sinnlichen Pflanze vorhanden sind. Im Denken sei, was nicht vorher in den Sinnen war, außer das Denken selbst (nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu, nisi ipse intellectus). Es wäre unrichtig, dem Aristoteles die Ansicht zuzuschreiben, daß das im Denken sich betätigende Wesenhafte ein Ergebnis der leiblichen Wirkenskräfte sei. Aber indem er den Nus pathetikos zum leidenden Empfänger der Sinneseindrücke, den Nus poietikos zum Beleuchter dieser Eindrücke machte, blieb innerhalb seiner Philosophie nichts, das Inhalt eines von dem Sinnessein unabhängigen Seelenlebens werden könnte. In dieser Beziehung erweist sich der Leibnizische Satz fruchtbarer. Durch ihn wird die Aufmerksamkeit besonders hingelenkt auf das von der Leibesorganisation unabhängige Seelenwesen. Allerdings wird diese Aufmerksamkeit eingeschränkt auf den bloß intellektiven Teil dieses Wesens. Und insofern ist Leibnizens Satz einseitig. Dennoch ist er eine Richtlinie, die im gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Zeitalter zu etwas führen kann, zu dem Leibniz zu gelangen noch nicht möglich war. Dazu waren in seiner Epoche die Vorstellungen über den rein naturgemäßen Ursprung von Eigenschaften der Leibesorganisation noch zu unvollkommen. Gegenwärtig ist dies anders. Man kann heute bis zu einem gewissen Grade naturwissenschaftlich erkennen, wie sich die organischen Leibeskräfte von den Vorfahren vererben, und wie innerhalb dieser vererbten Kräfte des Organismus die Seele wirkt. Was von vielen, die glauben, auf dem rechten «naturwissenschaftlichen Standpunkte» zu stehen, allerdings nicht zugegeben wird, erweist sich doch beim richtigen Erfassen der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse als notwendige Ansicht: daß alles, wodurch die Seele im physischen Leben wirkt, bedingt ist durch die Leibeskräfte, die in der physischen Vererbungslinie von den Vorfahren auf die Nachkommen übergehen, außer dem Inhalt des Seelischen selbst. So etwa kann man gegenwärtig den Leibnizischen Satz erweitern. Dann aber ist er die anthropologische Rechtfertigung der anthroposophischen Betrachtungsart. Dann verweist er die Seele darauf, ihren wesenhaften Inhalt in einer geistigen Welt zu suchen, und zwar durch eine andere Erkenntnisart als die in der Anthopologie übliche. Denn dieser ist nur zugänglich, was im gewöhnlichen Bewußtsein durch die Leibesorganisation erlebt wird.101Es gibt Denker, welche die Ansicht, daß des Menschen seelischer Wesenskern nicht von den Vorfahren ererbt ist, sondern aus der geistigen Welt kommt, abstoßend finden, weil sie dadurch den Fortpflanzungsvorgang herabgewürdigt sehen. Zu diesen Denkern gehört der Philosoph J. Frobschammer (man vergleiche dessen Schrift «Über den Ursprung der menschlichen Seelen», Seite 98 ff.). Dieser meint, es müsse angenommen werden, daß auch die Seelen der Kinder von den Eltern stammen, da «diese lebendigen Menschen nicht etwa bloße Leiber oder gar Tiere zeugen» (vergleiche Frohschammers Schrift über «Die Philosophie des Thomas von Aquino», Leipzig, Brockhaus 1889, Seite VIII). Von einem aus dieser Meinung kommenden Einwand kann die Anschauung, die in den Ausführungen der vorliegenden Schrift zur Darstellung kommt, nicht betroffen werden. Denn man braucht den Seelenkern, der, aus der geistigen Welt kommend, sich mit dem von den Vorfahren Vererbten verbindet, vor der Empfängnis nicht ohne Beziehung zu den Seelen der Eltern zu denken, wenn man ihn auch nicht durch den Fortpflanzungsakt entstehend denkt.

[ 21 ] Man kann der Ansicht sein, Brentano hätte alle Vorbedingungen gehabt, um, von Leibniz ausgehend, sich den Blick auf das im Geiste verankerte Wesenhafte der Seele zu eröffnen, und das sich diesem Blick Ergebende durch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der neueren Zeit zu erkräftigen. Wer seinen Ausführungen folgt, sieht den Weg, der vor ihm gelegen war. Es hätte der Weg zu einem rein geistig erkennbaren Seelenwesen vor ihm offenbar werden können, wenn er ausgebildet hätte, was im Bereiche seiner Aufmerksamkeit lag, als er solche Sätze niederschrieb wie diesen: «Aber wie ist» das «Eingreifen der Gottheit» beim Erscheinen einer menschlichen Seele in einem Leib «zu denken? Hat sie, nachdem sie den geistigen Teil des Menschen von Ewigkeit schöpferisch hervorgebracht hatte, ihn nun mit einem Embryo in der Art verbunden, daß er, der bisher als besondere geistige Substanz für sich bestand, nun aufhörte, ein wirkliches Wesen für sich zu sein, und Teil einer menschlichen Natur wurde, oder hat sie ihn erst jetzt schöpferisch hervorgebracht? - Wenn Aristoteles das erste annahm, so mußte er glauben, daß derselbe Geist wieder und wieder mit anderen und anderen Embryonen verbunden werde; denn das Menschengeschlecht erhält sich nach ihm fortzeugend ins Unendliche, die Menge der von Ewigkeit bestehenden Geister kann aber nur eine endliche sein. Alle Ausleger sind nun darin einig, daß Aristoteles in der reiferen Zeit seines Philosophierens die Palingenese verworfen hat. Also ist diese Möglichkeit ausgeschlossen.»102Vergleiche Brentano: «Aristoteles und seine Weltanschauung» (1911), Seite 134. Was nicht in der Gedankenfolge des Aristoteles liegt, die Rechtfertigung des geistigen Blickes auf die wiederholten Leben der Menschenseele durch Palingenese: für Brentano hätte es sich ergeben können aus der Verbindung der an Aristoteles verfeinerten Begriffe über die Seele mit den Erkenntnissen der neueren Naturwissenschaft. - Er hätte diesen Weg um so mehr gehen können, als er empfänglichen Sinn hatte für die Erkenntnislehre der mittelalterlichen Philosophie. Wer diese Erkenntnislehre wirklich erfaßt, der eignet sich eine Summe von Ideen an, die geeignet sind, die neueren naturwissenschaftlichen Ergebnisse zur geistigen Welt in eine Beziehung zu setzen, welche durch die Ideen der rein naturwissenschaftlich-anthropologischen Forschung nicht zu durchschauen ist. Was eine Vorstellungsart wie diejenige des Thomas von Aquino für die Vertiefung der Naturwissenschaft nach der geistigen Seite zu leisten vermag, das wird gegenwärtig in vielen Kreisen ganz verkannt. Man glaubt in solchen Kreisen, die neueren naturwissenschaftlichen Erkenntnisse bedingten eine Abkehr von dieser Vorstellungsart. Die Wahrheit ist, daß man zunächst das naturwissenschaftlich erkannte Wesenhafte der Welt mit Gedanken umspannen will, welche bei genauerem Zusehen in sich unvollendet bleiben. Ihre Vollendung wäre, sie selbst als ein solches Wesenhaftes in der Seele zu denken, wie sie in der Vorstellungsart des Thomas von Aquino gedacht werden. Brentano befand sich auch auf dem Wege, ein rechtes Verhältnis zu dieser Vorstellungsart zu gewinnen. Schreibt er doch: «Als ich meine Abhandlung ‹Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden nach Aristoteles› und später meine ‹Psychologie des Aristoteles› schrieb, wollte ich in einer zweifachen Weise das Verständnis seiner Lehre fördern; einmal und vorzüglich direkt durch Aufhellung einiger der wichtigsten Lehrpunkte, dann indirekt, aber in allgemeinerer Weise, indem ich der Erklärung neue Hilfsquellen eröffnete. Ich machte auf die scharfsinnigen Kommentare des Thomas von Aquino aufmerksam und zeigte, wie man in ihnen manche Lehre richtiger als bei späteren Erklärern dargestellt findet.» 103Vergleiche Brentano: «Aristoteles’ Lehre vom Ursprung des menachlichen Geistes» (1911), Seite 1.

Brentano verlegte sich den Weg, der sich ihm durch solche Studien hätte darbieten können, durch seine Hinneigung zu der Vorstellungsart von Bacon, Locke und allem, was mit solch einer Vorstellungsart philosophisch zusammenhängt. Er hielt diese Vorstellungsart vor allem für die der naturwissenschaftlichen Forschungsweise gemäße.104Vergleiche unter anderem Brentano: «Die vier Phasen der Philosophie» (1895), Seite 22, und die ganze Haltung seiner Wiener Antrittsrede «Über die Gründe der Entmutigung auf philosophischem Gebiete» (Wien 1874, W. Braumüller). Doch eben diese Vorstellungsart führt dazu, den Inhalt des Seelenlebens in völliger Abhängigkeit von der Sinneswelt zu denken. Und weil diese Denkweise nur anthropologisch vorgehen will, so kommt nur dasjenige als psychologisches Ergebnis in ihren Bereich, was in Wahrheit keine seelische Wirklichkeit ist, sondern nur ein Spiegelbild dieser Wirklichkeit, nämlich der Inhalt des gewöhnlichen Bewußtseins. - Hätte Brentano die Spiegelbild-Natur des gewöhnlichen Bewußtseins durchschaut: er hätte im Verfolg der anthropologischen Forschung nicht haltmachen können vor dem Tore, das in die Anthroposophie führt. - Es wird gewiß dieser meiner Anschauung gegenüber die Meinung geltend gemacht werden können, Brentano habe eben der Gabe des geistigen Schauens ermangelt; deshalb habe er nicht den Übergang von Anthropologie zur Anthroposophie gesucht, wenn er auch durch seine besondere geistige Eigenart dazu getrieben worden ist, in interessanter Form die Seelenerscheinungen so verstandesgemäß zu charakterisieren, daß sich diese Form durch die Anthroposophie rechtfertigen läßt. Ich habe aber diese Meinung nicht. Ich bin nicht der Anschauung, daß geistiges Schauen nur als eine besondere Gabe für Ausnahme persönlichkeiten erreichbar ist. Ich muß dieses Schauen für eine Fähigkeit der Menschenseele halten, die jeder sich aneignen kann, wenn er die zu ihr führenden seelischen Erlebnisse in sich wachruft. Und Brentanos Natur erscheint mir zu solchem Wach-Rufen ganz besonders geeignet.105Man vergleiche hierzu das 8. Kapitel der am Ende dieser Schrift gegebenen «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhaltes...» : «8. Ein oft erhobener Einwand gegen die Anthroposophie.» Ich halte aber dafür, daß man solches Wach-Rufen durch Theorien, die ihm widerstreben, verhindern kann. Daß man das Schauen nicht aufkommen läßt, wenn man sich in Ideen verstrickt, welche dessen Berechtigung von vorneherein in Frage stellen. Und Brentano hat das Schauen in seiner Seele dadurch nicht aufkommen lassen, daß bei ihm die Ideen, welche es in so schöner Art rechtfertigten, stets unterlagen denen, die es verwerfen, und die befürchten lassen, daß man durch dasselbe in «den labyrinthischen Gängen einer Pseudophilosophie sich verliere».106Vgl. oben S. 81f.

[ 22 ] 1895 hat Brentano den Abdruck eines Vortrages erscheinen lassen, den er in der «Literarischen Gesellschaft in Wien» mit Rücksicht auf H.Lorms Buch «Der grundlose Optimismus» gehalten hat.107Brentano: «Die vier Phasen der Philosophie und ihr augenblicklicher Stand» (Stuttgart 1895, J. G.Cottasche Buchhandlung Nachfolger). Dieser enthält seine Ansicht über «die vier Phasen der Philosophie und ihren augenblicklichen Stand». Brentano vertritt in diesen Ausführungen die Meinung, daß sich der Entwickelungsgang des philosophischen Forschens in einer gewissen Beziehung vergleichen lasse mit der Geschichte der schönen Künste. «Während andere Wissenschaften, so lange sie überhaupt betrieben werden, einen stetigen Fortschritt aufweisen, der nur einmal durch eine Zeit des Stillstandes unterbrochen wird, zeigt die Philosophie, wie die schöne Kunst, neben den Zeiten aufsteigender Entwickelung Zeiten der Decadence, die oft nicht minder reich, ja reicher an epochemachenden Erscheinungen sind als die Zeiten gesunder Fruchtbarkeit.» 108Vgl. «Vier Phasen», S. 9. Drei solcher Perioden, die von gesunder Fruchtbarkeit zur Decadence fortlaufen, unterscheidet Brentano im verflossenen Entwickelungsgang der Philosophie. Eine jede beginnt damit, daß aus dem reinen philosophischen Staunen über die Rätsel der Welt sich wahrhaft wissenschaftliches Interesse regt, und dieses Interesse eme Erkenntnis aus echtem, reinem Wissenstrieb sucht. Auf diese gesunde Epoche folgt dann eine andere, in der das erste Stadium des Verfalls erscheint. Da tritt das reine wissenschaftliche Interesse zurück, und man sucht nach Gedanken, durch die man das soziale und persönliche Leben regeln und sich in denselben zurechtfinden kann. Die Philosophie will da nicht mehr dem reinen Erkenntnisstreben, sondern den Interessen des Lebens dienen. Ein weiterer Verfall tritt in der dritten Epoche ein. Man wird durch die Unsicherheit der Gedanken, die einem nicht reinen wissenschaftlichen Interesse entsprungen sind, an der Möglichkeit wahrer Erkenntnis irre und verfällt in Skeptizismus. Die vierte Epoche ist dann diejenige des völligen Niederganges. Der Zweifel der dritten Epoche hat alle wissenschaftliche Grundlage der Philosophie unterhöhlt. Man sucht aus unwissenschaftlichen Untergründen in phantastischen, verschwimmenden Begriffen, durch mystisches Erleben zur Wahrheit zu kommen. Den ersten Entwickelungskreis denkt sich Brentano mit der griechischen Naturphilosophie beginnend; und mit Aristoteles, meint er, schließe die gesunde Phase ab. Anaxagoras schätzt er innerhalb dieser Phase besonders hoch ein. Er ist der Ansicht, daß, trotzdem in dieser Zeit die Griechen in bezug auf viele wissenschaftliche Fragen, ganz im Anfange standen, die Art ihres Forschens doch einen solchen Charakter hatte, der vor einer strengen naturwissenschaftlichen Denkungsart seine Rechtfertigung findet. Auf diese erste Phase folgen die Stoiker, die Epikuräer. Sie bringen schon einen Verfall. Sie wollen Ideen, die im Dienste des Lebens stehen. In der Neueren Akademie, besonders aber durch Aenesidemus, Agrippa, Sextus Empirikus sieht man den Skeptizismus allen Glauben an sichergestellte wissenschaftliche Wahrheiten austilgen. Und im Neuplatonismus, bei Ammonius Sakkas, Plotin, Porphyrius, Jamblichus, Proklus tritt an die Stelle des wissenschaftlichen Forschens das in den labyrinthischen Gängen einer Pseudophilosophie sich ergehende mystische Erleben.

Im Mittelalter sieht man, wenn auch vielleicht nicht mit solcher Deutlichkeit, diese vier Phasen sich wiederholen. Mit Thomas von Aquino hebt eine philosophisch gesunde Vorstellungsart an, die den Aristotelismus in einer neuen Form aufleben läßt. In der darauf folgenden Zeit, deren Repräsentant Duns Scotus ist, herrscht durch eine ins Ungeheuerliche getriebene Disputierkunst, eine Art Analogon zur ersten griechischen Verfallsperiode. Auf sie folgt der Nominalismus, der einen skeptischen Charakter trägt. Wilhelm von Occam verwirft die Ansicht, daß sich die allgemeinen Ideen auf etwas Wirkliches beziehen, und gibt dadurch dem Inhalte der menschlichen Wahrheit nur den Wert einer außer der Wirklichkeit stehenden begrifflichen Zusammenfassung; während die Wirklichkeit nur in den individuellen Einzeldingen liegen soll. Dieses Analogon der Skepsis wird abgelöst durch die nicht in wissenschaftlichen Bahnen strebende Mystik der Eckhardt, Tauler, Heinrich Suso, des Verfassers der Deutschen Theologie und anderer. Dies sind die vier Phasen der philosophischen Entwickelung im Mittelalter.

In der Neuzeit beginnt mit Bacon von Verulam wieder eine gesunde, auf naturwissenschaftlichem Denken ruhende Entwickelung, in welcher dann Descartes, Locke, Leibniz fruchtbringend weiter wirken. Auf sie folgt die französische und englische Aufklärungsphilosophie, in denen Grundsätze, wie man sie für das Leben sympathisch fand, die Haltung des philosophischen Gedankenganges beherrschten. Darauf tritt mit David Hume die Skepsis ein; und auf sie folgt die Phase des Niedergangs, die in England mit Thomas Reid, in Deutschland mit Kant einsetzt. Brentano betrachtet an Kants Philosophie eine Seite, die ihm gestattet, diese zusammenzubringen mit der Plotinschen Verfallsperiode der griechischen Philosophie. Er tadelt an Kant, daß dieser nicht wie ein wissenschaftlicher Forscher die Wahrheit in einer Übereinstimmung der Vorstellungen mit den wirklichen Gegenständen suche, sondern vielmehr darin, daß sich die Gegenstände nach dem menschlichen Vorstellungsvermögen richten sollen. Damit glaubt Brentano der Kantschen Philosophie eine Art mystischen Grundzuges zuschreiben zu müssen, der sich dann in der Verfallsphilosophie Fichtes, Schellings und Hegels in völliger Unwissenschaftlichkeit offenbart.

Einen neuen Aufschwung der Philosophie erhofft Brentano von einer wissenschaftlichen Arbeit innerhalb ihres Gebietes nach dem Muster der in der neueren Zeit herrschend gewordenen naturwissenschaftlichen Denkungsart. Zur Einleitung einer solchen Philosophie hat er seine These aufgestellt : die wahre philosophische Forschungsart sei keine andere als die in der naturwissenschaftlichen Erkennntisart anerkannte.109Vgl. oben S. 83f. dieser Schrift. Ihr wollte er seine Lebensarbeit widmen.

[ 23 ] Brentano sagt in der Vorrede zu dem Abdruck des Vortrages, in dem er diese Ansicht von den «vier Phasen der Philosophie» gegeben hat: diese «seine Auffassung der Geschichte der Philosophie mag manchen als neu befremden; mir selbst steht sie seit Jahren fest und wurde auch seit mehr als zwei Dezennien, wie von mir, so von einigen Schülern den akademischen Vorlesungen über Geschichte der Philosophie zugrunde gelegt. Daß sie Vorurteilen begegnen, und daß diese vielleicht zu mächtig sein werden, um beim ersten Anprall zu weichen, darüber ergebe ich mich keiner Täuschung. Immerhin hoffe ich von den vorgeführten Tatsachen und Erwägungen, daß sie bei dem, welcher denkend folgt, nicht ohne Eindruck bleiben können.» 110Vergleiche Brentano: «Die vier Phasen der Philosophie...», Seite 5 f. 115

[ 24 ] Daß man von diesen Ausführungen Brentanos einen bedeutenden Eindruck empfangen kann, ist durchaus meine Meinung. Insofern sie eine Klassifikation der im Laufe der philosophischen Entwickelung auftretenden Erscheinungen von einem gewissen Gesichtspunkte aus darbieten, beruhen sie auf gut begründeten Einsichten in diesen Entwickelungsgang. Die vier Phasen der Philosophie bieten Unterschiede, die in der Wirklichkeit begründet sind. - Sobald man aber in eine Betrachtung der in den einzelnen Phasen treibenden Kräfte eintritt, kann man nicht finden, daß Brentano diese Kräfte zutreffend charakterisiert. Sogleich bei seiner Ansicht über die erste Phase der Philosophie des Altertums tritt das zutage. Die Grundzüge der griechischen Philosophie von den jonischen Anfängen bis zu Aristoteles weisen gewiß viele Züge auf, welche Brentano das Recht geben, in ihnen eine naturwissenschaftliche Denkart in seinem Sinne zu sehen. Aber kommt denn diese Denkart wirklich durch dasjenige zustande, was Brentano die naturwissenschaftliche Methode nennt? Sind die Gedanken dieser griechischen Philosophen nicht vielmehr ein Ergebnis dessen, was sie als das Wesen des Menschen und dessen Stellung zum Weltall in der eigenen Seele erlebten? 111Im ersten Bande meines Buches «Die Rätsel der Philosophie» habe ich den Versuch gemacht, diese Frage im bejahenden Sinne zu beantworten. Ich bestrebe mich da, zu zeigen, wie die ersten griechischen Philosophen nicht aus der Naturbeobachtung heraus zu ihren Ideen kommen, sondern weil sie die äußere Natur von dem Erlebnisse ihres Seelen-Innern aus beurteilten. Thales sprach davon, daß alles aus dem Wasser stamme, weil er diesen Wasser-Entstehungs-Prozeß als das Wesen des eigenen menschlichen Inneren erlebte. Und so die ihm verwandten Philosophen. (Vergleiche meine «Rätsel der Philosophie», Seite 52 ff.) Wer sich diese Frage sachgemäß beantwortet, wird finden, daß die inneren Impulse für den Gedankengehalt dieser Philosophie gerade im Stoizismus, im Epikuräismus, in der ganzen praktischen Lebensphilosophie der späteren Griechenzeit zum unmittelbaren Ausdruck kamen. Man kann bemerken, wie in den Seelenkräften, welche Brentano in der zweiten Phase wirksam findet, der Ausgangspunkt liegt für die erste Phase der Philosophie des Altertums. Diese Kräfte waren der sinnlichen und sozialen Erscheinungsform des Weltalls zugewendet und konnten daher in der Phase des Skeptizismus, der zum Zweifel an der unmittelbaren Wirklichkeit dieser Erscheinungsform getrieben wird, und in der folgenden Phase des schauenden Erkennens, das über diese Form hinausgehen muß, nur unvollkommen auftreten. Aus diesem Grunde zeigen sich diese Phasen innerhalb der Philosophie des Altertums als solche des Verfalls.

Und welche Seelenkräfte wirken im philosophischen Entwickelungsgang des Mittelalters? Daß im Thomismus die Höhe dieses Entwickelungsganges liegt in bezug auf diejenigen Verhältnisse, die Brentano ins Auge faßt, wird niemand bezweifeln können, der die in Betracht kommenden Tatsachen wirklich kennt. Aber man kann doch nicht verkennen, daß durch den christlichen Standpunkt des Thomas von Aquino die in der griechischen Lebensphilosophie wirksamen Seelenkräfte nicht mehr bloß aus philosophischen Impulsen heraus wirken, sondern einen überphilosophischen Charakter angenommen haben. Welche Impulse aber wirken bei Thomas von Aquino, insoferne er Philosoph ist? Man braucht keine Neigung für die Schwächen der nominalistischen Philosophen des Mittelalters zu haben; aber man wird doch finden können, daß die im Nominalismus wirkenden Seelenimpulse die subjektive Grundlage bilden auch für den thomistischen Realismus. Wenn Thomas die Allgemeinbegriffe, welche die Erscheinungen der Sinneswahrnehmungen zusammenfassen, als dasjenige erkennt, was sich auf ein geistig Wirkliches bezieht, so gewinnt er die Kraft zu dieser seiner realistischen Vorstellungsart aus dem Gefühl desjenigen heraus, was diese Begriffe abgesehen davon, daß sie sich auf Sinneserscheinungen beziehen, in dem Dasein der Seele selbst bedeuten. Gerade weil Thomas die Allgemeinbegriffe nicht unmittelbar auf die Vorkommnisse des Sinnesdaseins bezog, empfand er, wie in sie eine andere Wirklichkeit hereinleuchtet, und wie sie eigentlich für die Erscheinungen des Sinnenlebens nur Zeichen sind. Als dann im Nominalismus dieser Unterton des Thomismus als selbständige Philosophie auftrat, mußte er naturgemäß seine Einseitigkeit offenbaren. Das Gefühl, daß die in der Seele erlebten Begriffe einen ins Geistige gewandten Realismus begründen, mußte schwinden, und das andere vorherrschend werden, daß die Allgemeinbegriffe bloße zusammenfassende Namen sind. Wenn man die Wesenheit des Nominalismus so auffaßt, versteht man auch die ihm vorangehende zweite Phase der mittelalterlichen Philosophie, den Skotismus, als einen Übergang zum Nominalismus. Man wird aber doch nicht umhin können, die ganze Kraft der mittelalterlichen Denkarbeit, insoferne sie Philosophie ist, aus der Grundauffassung heraus zu verstehen, die sich in einseitiger Art im Nominalismus gezeigt hat. Dann aber wird man zu der Ansicht kommen, daß die wirklich treibenden Kräfte dieser Philosophie in den Seelenimpulsen liegen, welche man im Sinne der Brentanoschen Klassifikation als der dritten Phase angehörig bezeichnen muß. Und in derjenigen Epoche, welche Brentano als die mystische Phase des Mittelalters kennzeichnet, tritt dann auch klar hervor, wie die ihr angehörigen Mystiker, durch die nominalistische Natur des begreifenden Erkennens bewogen, sich nicht an dieses, sondern an andere Seelenkräfte wenden, um zum Kerne der Welterscheinungen vorzudringen.

Verfolgt man nun für die Philosophie der neueren Zeit die Wirksamkeit der treibenden Seelenkräfte an dem Faden der Brentanoschen Klassifikation, so findet man, daß die inneren Wesenszüge dieser Epoche ganz andere sind, als diejenigen, welche von Brentano verzeichnet werden. Die Phase der naturwissenschaftlichen Denkart, welche Brentano durch Bacon von Verulam, Descartes, Locke, Leibniz verwirklicht findet, will sich gewisser ihr eigener Charakterzüge wegen durchaus nicht als rein naturwissenschaftlich im Brentanoschen Sinne denken lassen. Wie soll man dem Grundgedanken Descartes’ «Ich denke, also bin ich» rein naturwissenschaftlich beikommen; wie soll man Leibnizens Monadologie, oder dessen «vorbestimmte Harmonie» in die naturwissenschaftliche Vorstellungsart Brentanos hineinbringen? Auch die Brentanosche Auffassung der zweiten Phase, welcher er die französische und englische Aufklärungsphilosophie zuteilt, macht Schwierigkeiten, wenn man bei seinen Vorstellungen stehen bleiben will. Man wird dieser Epoche gewiß den Charakter einer Verfallszeit der Philosophie nicht absprechen wollen; aber man kann sie verstehen aus der Tatsache heraus, daß in ihren Trägern die in der christlichen Lebensanschauung energisch wirksamen außerphilosophlschen Seelenimpulse gelähmt waren, so daß ein Verhältnis zu den übersinnlichen Weltkräften philosophisch nicht gefunden werden konnte. Zugleich wirkte die nominalistische Skepsis des Mittelalters noch nach, wodurch verhindert wurde, daß eine Beziehung des seelisch erlebten Erkenntnis-Inhaltes zu einem geistig Wirklichen gesucht wurde.

Und schreitet man dann zu dem neuzeitlichen Skeptizismus und derjenigen Vorstellungsweise fort, die Brentano einer mystischen Phase zueignet, dann verliert man die Möglichkeit, seiner Klassifikation noch zuzustimmen. Gewiß muß man die skeptische Phase mit David Hume beginnen lassen. Aber Kant, den Kritiker, als Mystiker kennzeichnen, erweist sich denn doch als stark einseitige Charakteristik. Und die Philosophien Fichtes, Schellings, Hegels und anderer Denker der auf Kant folgenden Zeit lassen sich nicht als mystische fassen, besonders, wenn man den Brentanoschen Begriff der Mystik zugrunde legt. Man wird vielmehr gerade im Sinne der Brentanoschen Klassifikation von David Hume über Kant, bis zu Hegel einen gemeinsamen Grundzug finden. Dieser besteht in der Ablehnung, auf Grund derjenigen Vorstellungen, die aus der Sinneswelt gewonnen sind, das philosophische Weltbild einer wahren Wirklichkeit zu zeichnen. So paradox es scheint, Hegel einen Skeptiker zu nennen: er ist es doch in dem Sinne, daß er den Vorstellungen, welche der Natur entnommen sind, keinen unmittelbaren Wirklichkeitswert zuschreibt. Man weicht von dem Brentanoschen Begriff des Skeptizismus nicht ab, wenn man die Entwickelung der Philosophie von Hume bis Hegel als die Phase des neuzeitlichen Skeptizismus auffaßt. Die vierte neuzeitliche Phase kann man erst nach Hegel beginnen lassen. Was in ihr als naturwissenschaftliche Vorstellungsart auftritt, wird aber Brentano sicherlich nicht in die Nähe des Mystizismus bringen wollen. Doch man fasse ins Auge, in welcher Art Brentano selbst sich mit seinem Philosophieren in diese Epoche hineinstellen will. Mit einer kaum zu überbietenden Energie fordert er für die Philosophie eine naturwissenschaftliche Methode. In seiner psychologischen Forschung strebt er die Innehaltung dieser Methode an. Und was er zutage fördert, ist eine Rechtfertigung der Anthroposophie. Was als Fortsetzung seines anthropologischen Strebens auftreten müßte, wenn er im Sinne des von ihm Vorgestellten weiter schritte, wäre Anthroposophie. Allerdings eine Anthroposophie, welche mit der naturwissenschaftlichen Denkungsart in voller Harmonie steht.

Ist nicht Brentanos Lebensarbeit selbst der vollgültigste Beweis dafür, daß die vierte Phase der neuzeitlichen Philosophie ihre Impulse aus denjenigen Seelenkräften ziehen muß, welche der Neuplatonismus ebenso wie die Mystik des Mittelalters betätigen wollten, aber nicht konnten, weil sie mit dem inneren Seelenwirken nicht bis zu einem solchen Erleben der geistigen Wirklichkeit zu kommen vermochten, das in völliger bewußter Klarheit des Denkens (oder der Begriffe) sich vollzieht? Wie die griechische Philosophie ihre Kraft aus den Seelenimpulsen schöpfte, welche Brentano in der zweiten philosophischen Phase sich verwirklichen sieht, aus der praktischen Lebensphilosophie; wie die mittelalterliche Philosophie den Impulsen der dritten Phase, dem Skeptizismus ihre Stärke verdankt; so muß die neuzeitliche Philosophie ihre Impulse aus den Grund-Kräften der vierten Phase holen, aus dem erkennenden Schauen. Darf also Brentano in dem Neuplatonismus und in der mittelalterlichen Mystik Verfallsphilosophien in Gemäßheit seiner Vorstellungsart annehmen, so könnte man in der die Anthropologie ergänzenden Anthroposophie die fruchtbare Phase der neueren Philosophie anerkennen, wenn man dieses Philosophen eigene Ideen über Philosophie-Entwickelung zu den Konsequenzen führt, die er nicht selbst gezogen hat, die aber ganz ungezwungen sich aus ihnen ergeben.

[ 25 ] In dem gekennzeichneten Verhältnis Brentanos zu den Erkenntnis-Forderungen der Gegenwart ist es wohl gelegen, daß man beim Lesen seiner Schriften Eindrücke empfängt, welche sich nicht in dem erschöpfen, was der unmittelbare Inhalt der von ihm vorgebrachten Begriffe enthält. Es klingen in dieses Lesen überall Untertöne hinein. Diese kommen aus einem Seelenleben, das hinter den ausgesprochenen Ideen weit zurückliegt. Was Brentano im Geiste des Lesers anregt, ist oft stärker in diesem wirksam, als das von dem Verfasser in scharf umrissenen Vorstellungen Gesagte. Man fühlt sich auch veranlaßt, oftmals zum Lesen einer Brentanoschen Schrift zurückzukehren. Man kann vieles von dem durchdacht haben, was gegenwärtig über das Verhältnis der Philosophie zu andern Erkenntnisvorstellungen gesagt wird; Brentanos Schrift «Über die Zukunft der Philosophie» wird bei solchem Durchdenken fast immer in der Erinnerung auftauchen. Diese Schrift gibt einen Vortrag wieder, den er in der «Philosophischen Gesellschaft» in Wien 1892 gehalten hat, um seine Auffassung über die Zukunft der Philosophie den hierauf bezüglichen Ansichten entgegenzuhalten, welche der Rechtsgelehrte Adolf Exner in einer Inaugurationsrede über «politische Bildung» (1891) vorgebracht hatte.112Brentano: «Über die Zukunft der Philosophie». Mit apologetisch-kritischer Berücksichtigung der Inaugurationsrede von Adolf Exner «Über politische Bildung» als Rektor der Wiener Universität (Wien, Alfred Hölder, 1893). Der Abdruck des Vortrages ist mit «Anmerkungen» versehen, die weitweisende geschichtliche Ausblicke in den geistigen Entwickelungsgang der Menschheit geben. - In dieser Schrift klingt alles an, was sich dem Betrachter der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart über die Notwendigkeit ergeben kann, von dieser Vorstellungsart aus zu einer anthroposophischen fortzuschreiten.

[ 26 ] Die Träger dieser naturwissenschaftlichen Vorstellungsart leben zumeist in dem Glauben, daß sie ihnen von dem wirklichen Sein der Dinge selbst aufgedrängt ist. Sie sind der Meinung, daß sie ihre Erkenntnisse so einrichten, wie die Wirklichkeit sich offenbart. Doch dieser Glaube ist eine Täuschung. Die Wahrheit ist, daß in der neueren Zeit die menschliche Seele aus ihrer eigenen, im Laufe der Jahrtausende tätigen, Entwickelung heraus Bedürfnisse nach solchen Vorstellungen entfaltet hat, welche das naturwissenschaftliche Weltbild ausmachen. Helmholtz, Weisman, Huxley und andere sind zu ihren Vorstellungen nicht deshalb gekommen, weil die Wirklichkeit ihnen diese als die absolute Wahrheit gegeben hat, sondern weil sie in sich diese Vorstellungen bilden mußten, um durch sie auf die ihnen entgegentretende Wirklichkeit ein gewisses Licht zu werfen. Man formt sich ein mathematisches oder mechanisches Weltbild nicht, weil eine außerseelische Wirklichkeit dazu zwingt, sondern weil man in seiner Seele die mathematischen und mechanischen Vorstellungen ausgebildet und sich dadurch eine innere Beleuchtungsquelle für das eröffnet hat, was in der Außenwelt auf mathematische und mechanische Art sich offenbart.

Obgleich nun im allgemeinen das eben Gekennzeichnete für jede Entwickelungsstufe der menschlichen Seele gilt: es erscheint an den neueren naturwissenschaftlichen Vorstellungen noch auf eine besondere Weise. Diese Vorstellungen vernichten, wenn sie folgerecht von einer Seite durchdacht werden, die Begriffe über das Seelische. An dem durchaus nicht unerheblichen aber höchst fragwürdigen Begriffe einer «Seelenlehre ohne Seele», der nicht von philosophischen Dilettanten allein, sondern von sehr ernsten Denkern gebildet worden ist, zeigt sich dieses.113Auch diese Vorstellung «Seelenlehre ohne Seele» gehört in den Bereich der in dieser Schrift gekennzeichneten Rätsel an den «Grenzorten des Erkennens»; und wird sie nicht so durchlebt, daß sie als Ausgangspunkt für das schauende Bewußtsein genommen wird, so vermauert sie den Zugang zu dem wahren Seelen-Erkennen, statt einen Weg zu ihm zu zeigen. Solche Vorstellungen bringen dazu, die Erscheinungen des gewöhnlichen Bewußtseins in ihrer Abhängigkeit von der Leibesorganisation immer mehr zu durchschauen. Wird damit nicht zugleich erkannt, daß in dem, was in dieser Art als Seelisches auftritt, nicht dieses selbst, sondern nur dessen Spiegelbild sich offenbart, dann entwindet sich der Betrachtung die wirkliche Idee des Seelischen, und die Schein-Idee tritt auf, die in dem Seelischen nur sieht, was Ergebnis der Leibesorganisation ist. Nun läßt sich andrerseits für das unbefangene Denken die letztere Ansicht aber doch nicht halten. Die Ideen, welche die Naturwissenschaft über die Natur bildet, erweisen vor diesem unbefangenen Denken ihren seelischen Zusammenhang mit einer hinter der Natur liegenden Wirklichkeit, der in diesen Ideen selbst sich nicht offenbart. Keine anthropologische Betrachtungsart kann von sich aus zu erschöpfenden Vorstellungen über diesen Zusammenhang kommen. Denn er tritt nicht in das gewöhnliche Bewußtsein herein. - Diese Tatsache tritt bei den gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Vorstellungen stärker zutage als bei geschichtlich vergangenen Erkenntnisstufen. Die letzteren bildeten bei der Beobachtung der Außenwelt noch Begriffe, welche in ihren Inhalt etwas von der geistigen Unterlage dieser Außenwelt hereinnahmen. Und die Seele fühlte sich in ihrer eigenen Geistigkeit mit dem Geiste der Außenwelt als in einer Einheit. Die neuere Naturwissenschaft muß, ihrem Wesen nach, die Natur eben rein naturgemäß denken. Dadurch gewinnt sie die Möglichkeit, wohl den Inhalt ihrer Ideen durch die Naturbeobachtung zu rechtfertigen, nicht aber das Dasein dieser Ideen, als inneres Seelisch-Wesenhaftes, selbst.

Aus diesem Grunde ist gerade die echt naturwissenschaftliche Vorstellungsart ohne allen Boden, wenn sie ihr eigenes Dasein nicht rechtfertigen kann durch eine anthroposophische Beobachtung. Mit Anthroposophie kann man in uneingeschränkter Art sich zu der naturwissenschaftlichen Vorstellungsweise bekennen; ohne Anthroposophie wird man immer aufs neue den vergeblichen Versuch machen wollen, aus naturwissenschaftlichen Beobachtungsergebnissen heraus selbst den Geist zu entdecken. Die naturwissenschaftlichen Ideen der neueren Zeit sind eben Erzeugnisse des Zusammenlebens der Seele mit einer geistigen Welt; aber wissen kann die Seele von diesem Zusammenleben nur in lebendiger Geistbetrachtung.114Wohin eine echte naturwissenschaftliche Bettachtungsart kommt, das zeigt in einleuchtender Art das in vielen Beziehungen hervorragende Buch Oskar Hertwigs: «Das Werden der Organismen, Widerlegung von Darwins Zufallstheotie» (1916). Gerade wenn eine Arbeit, wie die dieser Schrift zugrund liegende, in so mustergiltiger Art naturwissenschaftlich-methodisch gehalten ist, führt sie zu unzähligen Seelen-Erlebnissen an den «Grenzorten des Erkennens».

[ 27 ] Man könnte leicht auf die Frage kommen: Warum sucht denn die Seele naturwissenschaftliche Vorstellungen auszubilden, wenn sie sich dadurch geradezu einen Inhalt schafft, der sie von ihrer Geist-Grundlage abschneidet? Vom Standpunkte einer solchen Meinung, welche die naturwissenschaftlichen Vorstellungen deshalb gebildet glaubt, weil die Welt nun einmal ihnen gemäß sich offenbart, läßt sich auf diese Frage keine Antwort finden. Wohl aber ergibt sich eine solche, wenn man auf die Bedürfnisse des seelischen Lebens selbst sieht. Mit Vorstellungen, wie sie eine vornaturwissenschaftliche Zeit allein ausgebildet hat, könnte das seelische Erleben niemals zum vollen Bewußtsein seiner selbst gelangen. Es würde zwar in den Natur-Ideen, die Geistiges mitenthalten, einen unbestimmten Zusammenhang mit dem Geiste erfühlen, nicht aber des Geistes volle, unabhängige Eigenart erleben können. Es strebt daher das Seelische im Entwickelungsgang der Menschheit nach der Aufstellung solcher Ideen, welche dieses Seelische selbst nicht enthalten, um an ihnen, sich selbst unabhängig vom Naturdasein zu wissen. Der Zusammenhang mit dem Geiste muß aber dann nicht durch diese Natur-Ideen, sondern durch geistiges Schauen erkennend gesucht werden. Die Ausbildung der neueren Naturwissenschaft ist eine notwendige Stufe im Seelen-Entwickelungsgange der Menschheit. Man erkennt ihre Grundlage, wenn man einsieht, wie die Seele ihrer bedarf, um sich selbst zu finden. Man erkennt auf der andern Seite ihre erkenntnistheoretische Tragweite, wenn man durchschaut, wie gerade sie das geistige Schauen zu einer Notwendigkeit macht.115Das oben Ausgesprochene findet man im einzelnen dargestellt in meinem Buche: «Die Rätsel der Philosophie.» Zu zeigen, wie das naturwissenschaftliche Erkennen im Seelenfortschritt der Menschheit seine Kraft bewährt, bildet einen der Grundgedanken dieses Buches.

[ 28 ] Adolf Exner, gegen dessen Meinung Brentanos Schrift «Die Zukunft der Philosophie» gerichtet ist, stand einer Naturwissenschaft gegenüber, welche zwar die Natur-Ideen rein ausbilden will, die aber nicht bereit ist, zur Anthroposophie fortzuschreiten, wenn es sich um die Erfassung der seelischen Wirklichkeit handelt. Er fand die «naturwissenschaftliche Bildung» unfruchtbar für die Ausgestaltung der Ideen, die im gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen wirken müssen. Er fordert daher eine Denkungsart für die Lösung der dem kommenden Zeitalter bevorstehenden Fragen des Gesellschaftslebens, die nicht auf naturwissenschaftlicher Grundlage ruht. Er findet, daß die großen juristischen Fragen, welchen das Römertum gegenüberstand, von diesem gerade deshalb so fruchtbringend gelöst worden sind, weil die Römer für naturwissenschaftliche Vorstellungsart wenig Begabung hatten. Und er versucht, zu zeigen, daß das achtzehnte Jahrhundert trotz seiner Neigung zu naturwissenschaftlicher Denkungsart sich der Bezwingung der Gesellschaftsfragen wenig gewachsen gezeigt hat. Exner richtet seinen Blick auf eine naturwissenschaftliche Vorstellungsart, die nicht um ihre eigenen Grundlagen wissenschaftlich bemüht ist. Man kann verstehen, daß er einer solchen gegenüber zu seinen Ansichten gekommen ist. Denn sie muß ihre Ideen so ausgestalten, daß diese das Naturgemäße in seiner Reinheit vor die Seele führen. Aus ihnen läßt sich kein Impuls für Gedanken gewinnen, die im Gesellschaftsleben fruchtbar sind. Denn innerhalb dieses Lebens stehen Seelen den Seelen als solchen gegenüber. Ein solcher Impuls kann sich nur ergeben, wenn das Seelische in seiner geistigen Art durch erkennendes Schauen erlebt wird, wenn die naturwissenschaftlich-anthropologische Betrachtung in der anthroposophischen ihre Ergänzung findet.

Brentano trug in seiner Seele Ideen, die durchaus in das anthroposophische Gebiet münden, trotzdem er nur im Anthropologischen bleiben wollte. Deshalb sind seine Ausführungen gegen Exner von durchschlagender Kraft, auch wenn Brentano den Übergang zur Anthroposophie nicht selbst machen will. Sie zeigen, wie Exner gar nicht von dem spricht, was eine sich selbst verstehende naturwissenschaftliche Vorstellungsart wirklich vermag, sondern wie er einen Windmühlenkampf führt gegen eine sich selbst mißverstehende Denkart. Man kann Brentanos Schrift lesen und überall durchfühlen, wie berechtigt alles ist, was durch seine Ideen in diese oder jene Richtung weist, ohne daß man findet, er spreche restlos aus, worauf er verweist.

[ 29 ] Mit Franz Brentano ist eine Persönlichkeit hinweggegangen, welche in ihrem Werke zu erleben einen unermeßlichen Gewinn bedeutet. Dieser Gewinn ist völlig unabhängig von dem Grade der verstandesgemäßen Übereinstimmung, die man diesem Werke entgegenbringen kann. Denn er entspringt aus den Offenbarungen einer Menschenseele, die viel tiefer in der Welt-Wirklichkeit ihren Ursprung haben, als die Sphäre ist, in welcher im gewöhnlichen Leben sich Verstandes-Übereinstimmungen finden. Und Brentano ist eine Persönlichkeit, bestimmt fortzuwirken im geistigen Entwickelungsgang der Menschheit, durch Impulse, die sich nicht in der Fortführung der von ihm entwickelten Ideen erschöpfen. Ich kann mir gut vorstellen, wie jemand durchaus nicht mit dem einverstanden ist, was ich über Brentanos Verhältnis zur Anthroposophie hier ausgeführt habe; daß man aber, auf welchem wissenschaftlichen Standpunkte man auch stehe, zu weniger verehrenden Empfindungen dem Werte von Brentanos Persönlichkeit gegenüber kommen kann als die sind, welche den Absichten meiner Ausführungen zugrunde liegen, scheint mir unmöglich, wenn man den philosophischen Geist auf sich wirken läßt, der durch die Schriften dieses Mannes weht.

Versions Available:

Riddles of the Soul 1996, tr. William Lindeman
  1. Riddles of the Soul, Steiner Online Library
  2. Von Seelenrätseln, 5th ed.

III. Franz Brentano: In Memoriam

For the reasons expressed in the previous chapter, it is impossible to speak adequately about the relation between anthropology (natural science) and anthroposophy (spiritual science) in connection with Max Dessoir's book Beyond the Soul. But I believe that this relation can become visible if I place here what I wrote with a different intention, in memory, namely, of the philosopher Franz Brentano, who died in Zurich in March 1917. The departure of this man, whom I held in the highest esteem, had the effect of bringing before my soul anew his significant life's work; it moved me to express the following.

[ 2 ] At this moment when the death of this revered person has interrupted his work, it seems to me that I might make an attempt, from an anthroposophical viewpoint to arrive at a view of Franz Brentano's philosophical life's work. I believe that the anthroposophical viewpoint will not let me fall into a one-sided evaluation of Brentano's world view. I assume this for two reasons. Firstly, no one can accuse Brentano's way of picturing things of having even the slightest tendency in an anthroposophical direction. If he himself had had any cause to judge it, he would certainly have rejected it decisively. Secondly, from my anthroposophical viewpoint, I am in a position to approach the philosophy of Franz Brentano with unconditional reverence.

[ 3 ] With respect to my first reason, I believe I am correct in saying that if he had arrived at an assessment of what I mean by anthroposophy, Brentano would have shaped it the way he did his judgment on Plotinus' philosophy. As with it he would certainly also have said of anthroposophy: “mystical darkness and an uncontrolled fantasy roving into unknown regions.” As with neo-platonism he would have urged caution with respect to anthroposophy “so as not, enticed by empty appearances, to lose oneself in the labyrinthine passages of a pseudophilosophy.” Yes, he may also have found anthroposophy's way of thinking to be too dilettantish even to be worthy of being reckoned to the philosophies which he judged the way he did those of Fichte, Schelling, and Hegel. In his inaugural Vienna address he said of them: “Perhaps the recent past has also been an ... epoch of decay, in which all concepts ran together in a muddy way, and no trace was to be found of a method in keeping with facts.” I believe that Brentano would have judged in this way, even though I also of course not only consider this judgment to be totally unfounded, but also regard as unjustified any pairing of anthroposophy with the philosophies with which Brentano would probably have paired it.

[ 4 ] Now with respect to my other reason for coming to terms with Brentano's philosophy, I must confess that for me his philosophy belongs to the most inviting accomplishments in soul research in modern times. It is true that I was only able to hear a few of Brentano's lectures in Vienna some thirty-six years ago; but from then on I have followed his literary activity with warmest interest. Unfortunately, when measured against my wish to hear from him, his publications came at too great an interval from each other. And these writings are mostly of such a kind that one peered through them as though through little openings into a room filled with treasures; one looked, so to speak, through occasional publications upon a broad realm of the unpublished thoughts that this exceptional man bore within himself—bore within himself in such a way that it strove in continuous evolution toward lofty goals of knowledge. When, therefore, in 1911, after a long interval there appeared his book on Aristotle, his brilliant book Aristotle's Teaching on the Origin of the Human Spirit, and his republishing of the most important sections of his Psychology, with its penetrating addenda, the reading of these books was a series of festive joys for me.

[ 5 ] With respect to Franz Brentano I feel myself imbued with a kind of soul disposition of which I believe I may say that one acquires it when the anthroposophical viewpoint— out of scientifically acquired conviction—in fact takes hold of one's soul disposition. I strive to gain insight into the value of his views, even though I am under no illusion about the fact that he could—yes, would even have had to—think about anthroposophy in the way indicated above. I am truly not saying this here in order to fall foolishly into a vain self-critique of my soul disposition when confronted by hostile or differing views, but rather because I know how many misunderstandings of my assessments of other spiritual streams have occurred through the fact that in my books I have so often expressed myself in a way stemming from this soul disposition. [ 6 ] It seems to me that the whole methodology of Brentano's soul research is permeated with the basic thoughts that moved him in 1868 to set up his guiding principle. As he was entering his philosophical professorship at that time in Wurzburg, he placed his way of picturing things into the light of the thesis: True philosophical research cannot be of any other kind than that which is considered valid in natural-scientific cognition. “Vera philosophiae methodus nulla alia nisi scientiae naturalis est.” 1He later spoke about his setting up of this thesis in the lecture he held in the Vienna Philosophical Society in 1892 (published under the title The Future of Philosophy). What I refer to as Brentano's later reference to his thesis is on page 3. When he then published the first volume of his Psychology from an Empirical Standpoint in 1874—at the time of entering his Vienna professorship—he sought to present soul phenomena scientifically, in accordance with the above guiding principle. What Brentano wanted to accomplish with this book and its further manifestations in publications during his lifetime pose a significant scientific problem for me. As is clear from his book, Brentano counted on a series of books to contain his psychology. He promised to publish a second book shortly after the first. But no sequel was ever published to his first book, which contained only the preliminary ideas of his psychology. When he published the lecture he had given in 1889 to the Vienna Bar Association, entitled The Origins of Moral Knowledge, he wrote in the preface:

It would be a mistake, just because of the chance request for this lecture to regard it as the passing work of the moment. It offers the fruits of years of reflection. Of everything I have published so far its contents are definitely the ripest creation. They belong to the thought complex of a "descriptive psychology" which I dare to hope I will be able to reveal in its full scope to the public in the not too distant future. Its far removal from any tradition and more especially the significant development of my own views as presented in Psychology from an Empirical Standpoint will clearly show that I have not in fact been idle during my long literary retirement.

But this “descriptive psychology” also never appeared. By reading his Research into the Psychology of the Senses (1907), which is restricted to one small area, devotees of Brentano's philosophy can reckon what they would have gained from such a descriptive psychology.

[ 7 ] The question must be asked: What made Brentano hold back ever and again from continuing his publications, and then not to publish at all something he believed would be ready shortly? I confess that I was shaken to the core when I read the following words in the memorial to Brentano written by Alois Höfler in May 1917: “Brentano was working ahead so confidently on his main problem, proof of God's existence, that a few years ago an excellent Viennese doctor and close friend of Brentano's told me that Brentano had assured him a short while ago that he would now have his proof of God's existence ready in a few weeks ...” I felt the same way when I read in another memorial (by Utitz): “The work that he loved the most fervently, that he applied himself to his whole life long, remains unpublished.”

[ 8 ] It seems to me that Brentano's destiny with respect to his projected publications represents a weighty, spiritual-scientific problem. It is true that we can approach this problem only if we are willing to study, in its own special character, what Brentano was able to communicate to the world. [ 9 ] I consider it important to note that Brentano wants, with real acumen, to establish as a basis for his psychological research a pure mental picture of the genuine soul element. He asks himself: What is characteristic of all the occurrences that one must address as soulful? And he found what he expressed in the following way in the addenda of his Psychology (1911): “What is characteristic of every soul activity consists, as I believe I have shown, in its relation to something as object.” Mental picturing is a soul activity. Characteristic of it is that I not only picture but that I picture something, that my mental picture relates to something. Borrowing from medieval philosophy, Brentano calls this characteristic of soul phenomena an “intentional relation.” In another place he said:

The characteristic common to everything of a soul nature is what is often called “consciousness,”—to use a term that unfortunately can be quite misleading—i.e., it is a subjective activity, in a so-called intentional relation to something that perhaps is not real but nevertheless is given in an inwardly objective way. No hearing without something heard; no believing without something believed; no hoping without something hoped for; no striving without something striven for; no joy without something to be joyous about; and so on.

This intentional inner awareness, therefore, is something which in fact guides us as a kind of leitmotiv in such a way that through it one recognizes everything to which we can apply it as being of a soul nature.

[ 10 ] Brentano contrasts soul phenomena with physical phenomena: colors, sound, space, and many others. He finds that these last are different from the soul phenomena through the fact that an intentional relation is not characteristic of them. And he limits himself to attributing this relation to soul phenomena and to denying it to physical phenomena. But now, precisely when one learns to know Brentano's view on the intentional relation, our inner vision is led to the question: Does not a viewpoint like this require us to look at physical phenomena also from the same viewpoint? Now someone who, in the sense of Brentano, tests physical phenomena for a common element as he did with soul phenomena will find that every phenomenon in the physical realm exists through (by virtue of) something else. When a body dissolves in a fluid, this phenomenon of the dissolved body occurs through the relation to it of the dissolving fluid. When phosphorus changes color under the influence of the sun, this phenomenon points in the same direction. All the qualities of the physical world exist through the interrelations of things to each other. What Moleschott says is correct for physical existence: “All existence is an existence through qualities. But there is no quality that does not exist through a relation.” Just as everything of a soul nature contains something in itself by which it points to something outside itself, so conversely, a physical thing is so constituted that it is what it is through the relation to it of something outer. Someone like Brentano who emphasizes with so much acumen the intentional relation of everything of a soul nature, must he not also direct his attention upon a characteristic element of physical phenomena that results from the same train of thought? At the very least, it seems certain that a study like this of the soul element can discover the relation of this soul element to the physical world only if it takes this characteristic element into consideration.2Please see the last part of addendum 7, Brentano's Separation of the Soul from What Is External to the Soul.

[ 11 ] Now Brentano discovers three kinds of intentional relations in our soul life. The first is the mental picturing of something; the second is the acceptance or rejection that expresses itself in judging; the third is the loving or hating that is experienced in our feeling. If I say, “God is just,” I am picturing something to myself; but I do not yet accept or reject what I am picturing; but if I say, “There is a God,” I accept what I am picturing through a judgment. If I say, “I like to feel pleasure,” I am not only judging, I am experiencing a feeling. From such presuppositions Brentano distinguishes three basic categories of soul experiences: mental picturing, judging, and feeling (or the phenomena of loving and hating). He replaces the usual division of soul phenomena (into mental picturing, feeling, and willing) with these three basic categories. So whereas many people put mental picturing and judging into the same category, Brentano separates them. He does not agree with combining them, because, unlike other thinkers, he does not regard judgments as merely the connecting of mental pictures, but rather, in fact, as the acceptance or rejection of what has been pictured, which are not activities of mere mental picturing. On the other hand, with respect to their soul content, feeling and will, which other people separate, merge for Brentano into one. What is experienced in the soul when one feels oneself drawn to do something, or repelled from doing it, is the same as what one experiences when one is drawn to pleasure or repelled by pain.

[ 12 ] It is evident from Brentano's writing that he sets great store in having replaced the traditional division of soul experience into thinking, feeling, and willing by the other one into mental picturing, judging, and loving/hating. By this division he seeks to clear the way for an understanding of what truth is, on the one hand, and moral goodness on the other. For him truth is based on right judgment; moral goodness on right love. He finds that “We call something true when its acceptance is right. We call something good when the love we bring to it is right.”

[ 13 ] One can see from Brentano's presentations that when he observes the right acceptance in judgment with respect to truth and the right experience of love with respect to moral goodness, he is taking a sharp look at soul phenomena and circumscribing them. But, within his thought sphere, one can find nothing that would suffice to make the transition from our soul experience of mental picturing to that of judging. No matter where we look in Brentano's thought sphere we seek in vain the answer to the question: What is happening when the soul is conscious of not merely picturing something to itself, but also of finding itself moved to accept this something though judgment?

Just as little can one escape a question with respect to our right love of the morally good. Within the region that Brentano circumscribes as the "soul element," the only phenomenon pertaining to moral action is right loving. But does not a relation to the outer world also belong to a moral action? With respect to a characterization of a deed for the world, is it enough to say: It is a deed that is rightly loved? 3Please see addendum 5: The Real Basis of an Intentional Relation.

[ 14 ] In following Brentano's trains of thought, we mainly have a feeling that they are always fruitful because they take up a problem and move it in one direction with acumen and scientific thoroughness; but one also feels that Brentano's trains of thought do not reach the goal that his starting points promise us. Such a feeling can come over us when we compare his threefold division of our soul life into mental picturing, judging, and loving/hating to the other division into mental picturing, feeling, and willing. One follows his views with a certain amount of agreement, but ultimately remains unconvinced that he has done sufficient justice to the reasons for membering the soul the other way. Let us just take the example of the conclusions he draws from his soul division about the true, the beautiful, and the good. Whoever members our soul life into cognitional mental picturing, feeling, and willing can hardly do otherwise than closely connect our striving for truth with mental picturing, our experience of beauty with feeling, and our accomplishment of the good with willing. The matter looks different in the light of Brentano's thought. There the mental pictures as such have no relation to each other by which the truth as such could already reveal itself. When the soul is striving to perfect itself relative to its mental pictures, its ideal cannot therefore be the truth; beauty is its ideal. Truth does not lie on the path of mere mental picturing; it lies on the path of judging. And the morally good does not find itself as essentially united with our willing; it is a content of our feeling; for, to love rightly is a feeling experience. For our ordinary consciousness, however, the truth can be sought, after all, in our mentally picturing cognition. For, even though the judgment that leads to the truth does not lie only in the connecting of mental pictures but rather is based on an acceptance or rejection of the mental pictures, still the acceptance or rejection of these pictures can only be experienced by our consciousness in mental pictures.

And even though the mental pictures in which something beautiful presents itself to the soul do manifest in certain relationships within our life of mental pictures, still, the beauty is experienced, after all, by our feeling.

And although something morally good should call forth the right love in our soul, still the essential factor in the morally good after all, is the accomplishment through the will of what is rightly loved.

[ 15 ] One only recognizes what we actually have in Brentano's thoughts about the threefold division of our soul life when one realizes that he is speaking of something completely different from what those thinkers mean who divide it into mental picturing, feeling, and willing. The latter simply want to describe the experiences of ordinary consciousness. And this consciousness experiences itself in the different kinds of activity of mental picturing, feeling, and willing. What does one actually experience there? I tried to answer this question in my book The Riddle of Man 4Published by Mercury Press, 1990. See pages 132f. Ed. and summarized the findings presented there in the following words:

Human soul experience, as it manifests in thinking, feeling, and willing, is at first bound to the bodily instruments. And this experience takes shape in ways determined by these instruments. If someone asserts, however, that when he observes the manifestations of the soul through the body he is seeing the real life of the soul, he is then caught up in the same error as someone who believes that his actual form is brought forth by the mirror in front of him just because the mirror possesses the necessary prerequisites through which his image appears. Within certain limits this image, as image, is indeed dependent upon the form of the mirror, etc.; but what this image represents has nothing to do with the mirror. In order to completely fulfill its essential being within the sense world, human soul life must have an image of its being. It must have its image in consciousness; otherwise it would indeed have an existence, but no picture, no knowledge of it. This image, now, that lives in the ordinary consciousness of the soul is fully determined by the bodily instruments. Without these, the image would not be there, just as the mirror image would not be there without the mirror. But what appears through this image, the soul element itself, is—in its essential being—no more dependent upon the bodily instrument than the person standing before the mirror is dependent upon the mirror. The soul is not dependent upon the bodily instruments; only the ordinary consciousness of the soul is so.5Although the following comment is superfluous, I am sure, to many readers, I would still like to add that, by the very nature of the matter, with my comparison of consciousness to a mirror image, I am not referring to the usual practice of calling our world of mental pictures a mirror image of the outer world; I am calling the soul's experiences in ordinary consciousness a mirror image of the genuine soul element.

If one is describing the realm of consciousness that is dependent upon our bodily organization, one is correct in membering it into mental picturing, feeling, and willing.6Please see addendum 6: The Physical and Spiritual Dependencies of Man's Being. But Brentano is describing something different. Bear in mind to begin with that by “judging,” he means an acceptance or rejection of a content of mental pictures. Our judgment is active within our life of mental pictures; but it does not simply accept the mental pictures that arise in the soul; through acceptance or rejection it relates them to a reality. If one observes more closely, this relating of our mental pictures to a reality can only be found in a soul activity that occurs within the soul itself. But this can never totally correspond to what the soul produces when, through judging, it relates a mental picture to a sense perception. For there the compulsion of the outer impression holds sway, which is not experienced in a purely inner way, but only as an echoed experience, and as a mentally pictured, echoed experience leads to its acceptance or rejection. On the other hand, what Brentano describes corresponds totally in this respect with the kind of cognition that we called "Imaginative cognition" in the first essay of this book. In Imaginative cognition the mental picturing of our ordinary consciousness is not simply accepted; it is developed further in inner soul experience so that out of it the power emerges to relate the soul's experiences to a spiritual reality in such a way that this reality is accepted or rejected. Brentano's concept of judgment, therefore, is not perfectly realized in our ordinary consciousness, but only in the soul that is active in Imaginative cognition.

Furthermore, it is clear that, through Brentano's complete separation of the concept of mental picturing from the concept of judgment, he takes mental picturing to be mere image. But this is how ordinary mental picturing lives in Imaginative cognition. So even this second quality that anthroposophy attributes to Imaginative cognition is to be found in Brentano's characterization of soul phenomena.

What is more, Brentano addresses the experiences of feeling as manifestations of love and hate. Whoever ascends to Imaginative cognition must, in fact, for supersensible vision, transform the kind of soul experience that manifests in ordinary consciousness as loving and hating—in Brentano's sense of the words—in such a way that we can confront certain characteristics of spiritual reality that are described in my book Theosophy, for example, in the following way:

Among the first things one must acquire for an orientation in the soul world is the ability to distinguish between its different kinds of entities in the same way that one distinguishes in the physical world between solid, fluid, and gaseous entities. To attain this, one must know the two basic forces that are of primary significance here. One can call them “sympathy” and “antipathy.” The way these basic forces work in a soul entity determines its kind.

Whereas loving and hating remain something subjective for the life of the soul in the sense world, Imaginative cognition lives along with objective occurrences in the soul world through inner experiences that are equivalent to loving and hating. There also, where he is speaking about soul phenomena, Brentano describes a characteristic of Imaginative cognition through which this cognition already extends into the realm of a still higher kind of knowledge 7The first form of a “seeing cognition”—Imaginative cognition—passes over into the second form, which is called "Inspired cognition" in my books. In addendum 6, The Physical and Spiritual Dependencies of Man's Being, there is a description of how an Imagination that has already passed over into Inspiration actually lives in Brentano's definition of loving and hating. and from the fact that he presents moral goodness as right loving one can see that he has a mental picture of an objective kind of loving and hating in contrast to ordinary consciousness' subjective kind of feeling.

Finally, one must pay particular attention to the fact that for Brentano willing is absent from the realm of soul phenomena. Now, the willing that flows out of ordinary consciousness belongs entirely to the physical world. Although in itself it is a purely spiritual being manifesting in the physical world, our willing, in the form in which it can be thought by ordinary consciousness, realizes itself totally in the physical world. If one is describing the ordinary consciousness present in the physical world, willing must not be absent from this picture. If one is describing the seeing consciousness, nothing from our mental pictures about ordinary willing must pass over into these descriptions. For, in the soul world to which Imaginative consciousness is related, what happens as the result of a soul impulse is different from what occurs through the acts of will characteristic of the physical world. So when Brentano focuses on the soul phenomena in that realm in which Imaginative cognition is active, the concept of willing must evaporate for him.

It really seems obvious that, in describing the essential being of soul phenomena, Brentano was actually compelled to depict the essential being of seeing cognition. This is clear even from certain details of his descriptions. Let us look at one example from the many that could be introduced. He says: “The characteristic common to everything of a soul nature is what is often called ‘consciousness’—to use a term that unfortunately can be quite misleading...” But, when one is only describing those soul phenomena which by belonging to ordinary consciousness are determined by the bodily organization, this term is not at all misleading. Brentano has a sense for the fact, however, that the real soul does not live in this ordinary consciousness, and he feels impelled to speak about the essential being of this real soul in pictures that, to be sure, must be misleading if one wants to apply the usual concept of consciousness to them.

[ 17 ] Brentano proceeds in his investigations in such a way that he pursues the phenomena of the anthropological realm up to that point where they compel an unbiased person to form pictures of the soul that coincide with what anthroposophy, following its own paths, discovers about the soul. And the findings on both paths prove to be in fullest harmony with each other, precisely through Brentano's psychology. Brentano himself, however, did not wish to abandon the anthropological path. He was hindered from doing this by his interpretations of the guiding principle he had set up for himself: “True philosophical research cannot be of any other kind than that considered valid by the natural-scientific kind of cognition.” A different interpretation of this guiding principle could have led him to recognize that the natural-scientific approach is seen in the right light precisely at the point when one becomes aware that tills approach, in accordance with its own essential nature, must transform itself in dealing with this spiritual realm. Brentano never wished to make the true soul phenomena—which he called soul phenomena “as such”—into objects of an avowed consciousness. If he had done this, he would have progressed from anthropology to anthroposophy. He feared this path, because he was only able to regard it as an erring into “mystical darkness and an uncontrolled roving of fantasy into unknown regions.” He would not permit himself to investigate at all what his own psychological view demanded. Every time he was faced with the necessity of extending his own path into the anthroposophical realm he stopped short. He wished to answer by anthropology the questions that can only be answered by anthroposophy. This effort was doomed to failure. Because it had to fail, he could not proceed in a satisfying way to develop further what he had begun. To judge by the findings in the first volume of his Psychology from an Empirical Standpoint, if he had continued on with it, it would have to have become anthroposophy. If he really had produced his Descriptive Psychology, anthroposophy would have to have shone through it everywhere. If he had carried further the ethics in his book The Origins of Moral Knowledge—in a way corresponding to its starting point—he would have to have hit upon anthroposophy.

[ 18 ] Before Brentano's soul there stood the possibility of a psychology that could not be given a purely anthropological form. Anthropology cannot even think at all about the most significant questions that must be raised about human soul life. Modern psychology only wants to be anthropological because it considers anything going beyond it to be unscientific. Brentano says, however:

The laws of mental association, of the development of convictions and opinions, and of the germinating of pleasure and love, all these would be anything but a true compensation for not gaining certainty about the hopes of a Plato and Aristotle for the continued existence of our better part after the dissolution of the body... And if the difference between these two views really did signify the inclusion or exclusion of the question of immortality, this would have to be called an extremely portentous difference, and a metaphysical investigation of substance as the bearer of [soul] states would be unavoidable.

Anthroposophy shows that metaphysical speculation cannot take one into the region indicated by Brentano; the only way to enter it is through activation of soul powers which cannot descend into ordinary consciousness. Through the fact that in his philosophy Brentano portrays the essential being of the soul in such a way that the essential being of seeing cognition comes to clear expression in this portrayal, this philosophy is a perfect vindication of anthroposophy. And one can regard Brentano as a philosophical investigator whose path takes him to the very doors of anthroposophy, but does not wish to open these doors, because the picture he has made for himself of natural- scientific thinking created the belief in him that by opening these doors he would land himself in the abyss of nonscience.


The difficulties often confronting Brentano when he wishes to extend his picture of the soul stem from the fact that he relates his picture of the essential being of the soul element to what is present in ordinary consciousness. He is motivated to do this by his wish to remain in the thought mode that seems to him to be scientifically valid. But this approach, with its means of cognition, can only in fact attain to that part of the soul element that is present as the content of ordinary consciousness. This content, however, is not the real soul element but only its mirror image. Brentano grasps this image only from the side of intelligent understanding, and not from the other side, the side of observation. In his concepts he paints a picture of the soul phenomena that occur in the reality of the soul; when he observes, he believes himself to have a reality in his mirror image of the soul element.8Please see addendum 7, Brentano's Separation of the Soul Element from What is External to the Soul.

Another philosophical stream that Brentano met with the strongest antipathy—that of Eduard von Hartmann— also took its start from a natural-scientific way of picturing the world. Eduard von Hartmann has recognized the image character of ordinary consciousness. But he also utterly rejects any possibility of bringing its corresponding reality into human consciousness in any way. He consigns this reality to the region of the unconscious. He grants the power to speak about this region only to the hypothetical application of the concepts which one has formed through ordinary consciousness and extended beyond it.9This view is expressed in his two books Modern Psychology, Leipzig 1901, and Outline of Psychology, Bad Sachsa 1908. Anthroposophy maintains that spiritual observation can go beyond the realm of ordinary consciousness. And that concepts are also accessible to this spiritual observation that no more need to be merely hypothetical than those acquired in the sense-perceptible world.

For Eduard von Hartmann the supersensible world is not known directly; it is inferred from what we know directly. Hartmann belongs to those present-day philosophers who do not wish to form concepts without having, as a starting point for forming these concepts, the testimony of sense observation and of their experiences in ordinary consciousness. Brentano forms such concepts, however. But he is mistaken about the reality in which they can be formed through observation. His spirit proves to be curiously divided. He would like to be a pure natural scientist, thinking in the natural-scientific mode that has developed in recent times. And yet he must form concepts that this mode would only consider justified if one did not consider this mode to be the only valid one. This division in Brentano's investigative spirit can be explained if one really studies his first books: The Manifold Significance of “Being,” According to Aristotle (1862), The Psychology of Aristotle (1867), and The Creationism of Aristotle (1882).

In these books Brentano follows Aristotle's trains of thought with exemplary scholarship. And in this pursuit he acquires a kind of thinking that cannot be limited to the concepts that hold sway in anthropology. In these books he has in view a concept of soul that derives the soul element out of the spiritual element. This soul element, stemming from the spiritual element, uses the organism—formed by physical processes—to form mental pictures for itself within sense-perceptible existence. What forms mental pictures for itself in the soul is spiritual in nature; it is Aristotle's “nous.” But this “nous” is a twofold being; as “nous pathetikos,” it only suffers things to happen to it; it allows itself to be stimulated to its mental pictures by the impressions given it by the organism. In order for these mental pictures to appear as they are in the active soul, however, this activity must work as “nous poetikos.” What the “nous pathetikos” provides would be mere phenomena within a dark soul existence; they are illuminated by the “nous poetikos.” Brentano says in this connection: “The ‘nous poetikos’ is the light that illumines the phantasms and makes visible to our spiritual eye the spiritual within the sense-perceptible.” If one wants to understand Brentano, the point is not only how far he went in taking up Aristotle's mental pictures into his own convictions, but above all that he moved about in these pictures with his own thinking in a devoted way. In doing so, however, his thinking was active in a realm in which the starting point of sensory observation—and along with it the anthropological basis for forming concepts—is not present. And this basic characteristic of his thinking remained in Brentano's research. True, he wants to grant validity only to what can be recognized as conforming with the present-day, natural-scientific mode; but he has to form thoughts that do not belong in that realm. Now, according to the purely natural-scientific method, one can only say something about soul phenomena insofar as they are mirror images—determined by the bodily organization—of the real being of the soul; i.e., insofar as, in their nature as mirror images, they arise and pass away with the bodily organization. What Brentano must think the reality of the soul to be, however, is something spiritual, something independent of the bodily organization, in fact, that through the “nous poetikos” makes visible to our spiritual eye the spiritual within the sense-perceptible.

The fact that Brentano can move about with his thinking in such realms prohibits him from conceiving of the soul's essential being as something arising through the bodily organization and passing away with it. Because he rejects supersensible observation, however, he can observe within the soul's essential being no content that extends beyond physical existence. The moment he tries to ascribe a content to the soul that the soul could unfold without the help of the bodily organization, Brentano feels himself to be in a world for which he finds no mental pictures. In this frame of mind he turns to Aristotle and finds there also a picture of the soul that gives him no content other than that acquired in bodily existence. Characteristic in its one-sidedness is something Brentano wrote in this connection in his Psychology of Aristotle:

Now just as a person, when he has lost a foot or another limb, is no longer a complete substance, so, when his whole bodily part has fallen prey to death, he is of course much less a complete substance. To be sure, the spiritual part continues to exist; but those are very much in error who, like Plato, believe that the separation from the body is a benefit to them and, as it were, a liberation from an oppressive prison; the soul, after all, must now renounce all the numerous services that the bodily forces have rendered.

Brentano got into an extraordinarily interesting dispute with the philosopher Eduard Zeller over Aristotle's conception of the essential being of the soul. Zeller maintained that it is in line with Aristotle's views to accept a pre-existence of the soul before its union with the bodily organization, whereas Brentano denied any such view to Aristotle, and only allowed Aristotle to think that the soul is first created into the bodily organization; so the soul has no pre-existence, but does indeed have an after-existence when the body disintegrates. [ 19 ] Brentano maintained that only Plato accepted pre-existence, but Aristotle did not. It is undeniable that the reasons Brentano brings for his opinion and against Zeller's are weighty ones. Irrespective of Brentano's intelligent interpretation of Aristotle's relevant assertions, we are indeed faced with a difficulty in ascribing to Aristotle a belief in the pre-existence of the soul when we consider that any such belief seems to contradict a basic principle of Aristotelian metaphysics. Aristotle states, namely, that a “form” could never exist before the "substance" that bears the form. A spherical shape never exists without the substance that fills it. Since Aristotle considers the soul element to be the “form” of the bodily organization, however, it seems that we cannot ascribe to him the belief that the soul could exist before the bodily organization arose.

[ 20 ] Now Brentano, with his concept of the soul, became so caught up in the Aristotelian picture of the impossibility of pre-existence that he could not see how this picture breaks down at a crucial point. Can one really think of “form” and “matter” in such a way that one accepts the view that form could not exist prior to the matter that fills it? The spherical shape could not after all be present prior to the substance filling it? The sphere, as it appears in a substance, is certainly not present prior to the balling up of the substance. Before the substance comes together like this, however, those forces are present which act upon this substance and whose effect upon the substance reveals itself in its spherical shape. And within these forces, prior to the appearing of this spherical shape, this shape is certainly living already in another way.10A mistaken view about the validity of the assertion that form cannot exist prior to the matter filling it can arise in connection with crystal formation only because there the form seems to emerge directly out of the forces dwelling in the matter. Nevertheless, unbiased thinking cannot do otherwise than situate the formative forces within the material element before the formed matter actually arises. Aristotle's picture becomes completely untenable, however, when we consider the plant, whose formative forces can certainly not be sought in the conditions within the seed alone, but rather in the effects of the outer world that are present long before the formation of the sense-perceptible plant. Had Brentano not felt bound, through his interpretation of the natural-scientific approach, to find the content for his concept of the soul from observation of the bodily organization, he would perhaps have noticed that the Aristotelian concept of the soul is itself burdened with an inner contradiction. Thus, through his study of Aristotle's world view, he could only think up pictures of the soul that lift it out of the realm of the bodily organization, but without indicating a soul content that allows me, with unbiased thinking, to be able to really picture the soul as independent of the bodily organization.

Besides Aristotle, Leibnitz is another philosopher whom Brentano particularly appreciates. It is especially Leibnitz's way of viewing the soul that seems to have attracted him. Now one can say that Leibnitz has a way of picturing things in this realm that seems to be a significant extension of Aristotle's view. Whereas, Aristotle makes the essential content of human thinking dependent upon sense observation, Leibnitz frees this content from its sensory foundation. Following Aristotle one will accept the statement: There is nothing in thinking that was not previously in the senses (nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu); Leibnitz, however, is of the view that there is nothing in thinking that was not previously in the senses, except thinking itself (nihil est in intellectu, quod non fuerit in sensu, nisi ipse intellectus). It would be incorrect to ascribe to Aristotle the view that the essential being active in thinking is the result of forces working in the body. However, by making the “nous pathetikos” the passive receiver of sense impressions and the “nous poetikos” the illuminator of these impressions, nothing remained in his philosophy that could become the content of a soul life independent of sensory existence. In this respect, Leibnitz's statement proves to be more fruitful. Through it our attention is especially directed toward the essential being of the soul that is independent of the bodily organization. This attention, to be sure, is limited to the merely intellectual part of this essential being. And in this regard, Leibnitz's statement is one-sided. Nevertheless, this statement is a guideline that in our present-day “natural-scientific” age can lead to something that Leibnitz could not yet attain. In his time our picture of the purely natural origin of the characteristics of the bodily organization was still too imperfect. This is different now. To a certain extent today one can know scientifically how the organic bodily forces are inherited from one's ancestors, and how the soul operates within these inherited organic forces. To be sure, many who believe that they are taking the correct "natural-scientific standpoint" will not acknowledge the following view, even though, for a correct grasp of natural-scientific knowledge, it proves necessary: that everything by which the soul operates in the physical body is determined by the bodily forces that proceed from ancestor to descendant in a line of physical inheritance, with the exception of the soul content itself. This is how we can extend Leibnitz's statement today. And then it represents the anthropological validation of the anthroposophical way of looking at things. Then it directs the soul to seek its own essential content within a spiritual world, and to do this in fact through a different kind of cognition than that customary in anthropology. For, anthropology has access only to what is experienced by the bodily organization in ordinary consciousness.11There are thinkers who are repelled by the view that the essential kernel of one's soul is not inherited from its physical ancestors but originates from the spiritual world, because this view demeans the process of human procreation. The philosopher J. Frohschammer is one of these thinkers (see his book The Origin of Human Souls). According to him, we must believe that even children's souls stem from their parents, since "these living human beings do not beget mere bodies or animals" (see also Frohschammer's book on The Philosophy of Thomas Aquinas). An objection based on this opinion does not apply to the view we are presenting in this book. For, one need not think that the soul kernel, descending from the spiritual world and uniting itself with what is inherited from the ancestors, is unconnected with the souls of its parents before birth, even though one does not picture this soul kernel as arising through the act of procreation.

[ 21 ] The view is quite tenable that Brentano had all the prerequisites, with Leibnitz as his starting point, for opening our vision to the essential being of the soul as an entity anchored in the spirit, and for strengthening the results of this vision through today's natural-scientific knowledge. Anyone who pursues Brentano's presentations can see the path laid out before him. The path that leads to a purely spiritual, recognizable soul being, could have become visible to him, if he had developed further what already lay in the sphere of his awareness when he wrote such statements as these:

But how are we to picture the engagement of the Godhead in the appearance of a human soul in a body? After creatively bringing forth the spiritual part of man out of all eternity, did the Godhead then connect it with an embryo in such a way that this spiritual part—existing up till then as a distinct spiritual substance unto itself—now ceased to be a real entity unto itself and became a part of a human nature, or did the Godhead only then bring forth this spiritual part creatively? When Aristotle accepted the first possibility, he had to believe that the same spirit would be connected again and again with ever different embryos; for, according to him, the human race perpetuates itself by endless procreation, while on the other hand, the number of spirits existing through all eternity can only be a limited one. All Aristotle interpreters agree, however, that he rejected palingenesis 12Literally, “rebirth.” Ed. in his more mature period. Therefore, this possibility is out of the question, (see his book Aristotle and his World View 1911)

Although the validation of a spiritual vision of the soul's repeated earth lives through palingenesis does not lie in Aristotle's train of thought, it could have resulted for Brentano through his connecting his soul concept, which he had refined through his work with Aristotle, with the knowledge of modern natural science.

Brentano's receptivity to the epistemology of medieval philosophy would have made it all the easier for him to have taken this path. Anyone who really grasps this epistemology acquires a number of ideas able to relate the results of modern natural science to the spiritual world in a way that is not visible to the ideas arising in the purely natural-scientific research of anthropology. In many circles today one fails to recognize how much a way of picturing things like that of Thomas Aquinas can deepen natural science in a spiritual direction. In such circles one believes that modern natural-scientific knowledge requires a turning away from that way of picturing things. The truth is that one wishes at first to encompass what natural science recognizes as the being of the world with thoughts that, upon closer inspection, turn out to be incomplete in themselves. Their completion would consist in our considering them to be the kind of essential entities in the soul that they are thought to be in Thomas Aquinas' way of picturing things. And Brentano did find himself on his way to gaining the right relation to this way of picturing things. He writes, after all:

In writing The Manifold Significance of Being According to Aristotle and later my Psychology of Aristotle, I wished to further our understanding of his teachings in a twofold way: first and foremost, directly through an illumination of several of the most important points of his teachings; then secondly and indirectly—but in a more general way—by opening new and helpful sources of understanding. I drew the reader's attention to the incisive commentaries of Thomas Aquinas and showed that one can find in them truer presentations of many of Aristotle's teachings than are to be found in later interpretations.13See Brentano's Aristotle's Teachings on the Origins of the Human Spirit, 1911.

Brentano barred the path that such studies could have revealed to him, because of his inclination toward Bacon's and Locke's way of picturing things and toward everything philosophically connected with that approach. He regarded that approach above all as according with the natural-scientific method. Precisely this approach, however, leads one to think that the content of our soul life is utterly dependent upon the sense world. And since this way of thinking wants to proceed only anthropologically, only that enters into its domain as psychological results which, in truth, is not a soul reality, but only a mirror image of this reality, i.e., the content of ordinary consciousness.

If Brentano had recognized the image nature of ordinary consciousness, he would not have been able, in his pursuit of anthropological research, to stop short at the gates leading into anthroposophy.

One could of course counter my view with the opinion that Brentano simply lacked the gift of spiritual vision and so did not seek the transition from anthropology to anthroposophy, even though he was moved by his own particular spiritual disposition to characterize soul phenomena in an interesting form and so intelligently that this form can be validated through anthroposophy. I myself am not of this opinion, however. I am not of the view that spiritual vision is attainable only as a special gift of exceptional personalities. I must regard this vision as a faculty of the human soul that anyone can acquire for himself if he awakens in himself the soul experiences that lead to it. And Brentano's nature seems to me to be quite especially capable of such an awakening. I believe, however, that one can hinder such an awakening with theories that oppose it; that one keeps this vision from arising if one is entangled in ideas that from the beginning call into question the validity of such vision. And Brentano kept this vision from arising in his soul through the fact that for him the ideas that so beautifully validate this vision always succumbed to the ideas that reject it and that make one fear that through such vision one could “lose oneself in the labyrinthine passages of a pseudo-philosophy.” 14Please see addendum 8, An Objection Often Raised against Anthroposophy.


[ 22 ] In 1895 Brentano published a reprint of a lecture he had given in the Literary Society in Vienna with reference to a book by H. Lorm, Baseless Optimism. This lecture contains his view about the “four phases of philosophy and their present status.” There Brentano expresses his belief that the course of development of philosophical research can be compared, in a certain respect, with the history of the arts.

Whereas other sciences, as long as they are practiced at all, show a continuous progress interrupted only occasionally by periods of inaction, philosophy, like the arts, shows decadent periods, in addition to those of positive development, that are often no less rich—yes, even richer—in epoch-making occurrences than periods of healthy fruitfulness.

Brentano distinguishes three such periods in the course of philosophy's development where healthy fruitfulness has passed over into decadence. Each of these periods begins with the fact that out of a purely philosophical astonishment over the riddles of the world, a truly scientific interest stirs and that this interest then seeks knowledge out of a genuine, pure drive to know. This healthy epoch is then followed by another in which the first stage of decadence appears. The purely scientific interest recedes, and people look for thoughts by which to regulate their social and personal lives, and to find their way among them. There, philosophy no longer wishes to serve a pure striving for knowledge, but rather the interests of life. A further decline occurs in the third period. Through the uncertainty of thoughts that did not arise out of purely scientific interests, one loses confidence in the possibility of true knowledge and falls into skepticism. The fourth epoch is one of complete decay. In the third epoch, doubt had undermined the whole scientific foundation of philosophy. Out of unscientific dark depths one seeks to arrive at the truth through mystical experience in fantastical, blurred concepts. Brentano pictured the first cycle of development as beginning with Greek natural philosophy; according to him, this healthy phase ended with Aristotle. Within this phase he holds Anaxagoras in particularly high esteem. He is of the view that even though the Greeks stood at the very beginning then with respect to many scientific questions, still their kind of research would be considered valid by a strictly natural-scientific way of thinking. The Stoics and Epicureans follow then in the second phase. They already represent a decline. They want ideas that stand in the service of life. In the New Academy, especially through the influence of Aenesidemus, Agrippa, and Sextus Empirikus one sees skepticism root out all belief in established scientific truths. And in Neo-Platonism, among philosophers like Ammonius Sakkas, Plotinus, Porphyrius, Jamblichus, and Proklus scientific research is replaced by a mystical experience straying into the labyrinthine passages of pseudo-philosophy.

In the Middle Ages, though perhaps not so distinctly, one sees these four phases repeat themselves. With Thomas Aquinas a philosophically healthy way of picturing things begins, reviving Aristotelianism in a new form. In the next period, represented by Duns Scotus, an art of disputation holds sway—analogous to the first period of decline in Greek philosophy—that is taken to grotesque extremes. Then follows Nominalism, bearing a skeptical character. William of Occam rejects the view that universal ideas relate to anything real, and in doing so assigns to the content of human truth only the value of a conceptual summary standing outside of reality; whereas reality supposedly lies only in the particular individual things. This analogue of skepticism is replaced by the mysticism—no longer striving along scientific lines—of Eckhardt, Tauler, Heinrich Suso, the author of German Theology, and others. Those are the four phases of philosophical development in the Middle Ages.

In modern times, beginning with Bacon of Verulam, a healthy development begins again, based on natural-scientific thinking, in which then Descartes, Locke, and Leibnitz work further in a fruitful way. There follows the French and English philosophy of Enlightenment, in which principles, as one found them compatible with life, determined the style of the flow of philosophical thought. Then, with David Hume, skepticism appears; and following it, the phase of complete decay sets in, in England with Thomas Reid, in Germany with Kant. Brentano sees an aspect of Kant's philosophy that allows him to compare it with the Plotinian period of decadence in Greek philosophy. He criticizes Kant for not seeking truth in the agreement of our mental pictures with real objects as a scientific researcher does, but rather in believing that objects should conform to our human capacity for mental picturing. Brentano believes, therefore, that he must ascribe to Kant's philosophy a kind of basic mystical character that then manifests a totally unscientific nature in the decadent philosophy of Fichte, Schelling, and Hegel.

Brentano hopes for a new philosophical upsurge arising from a scientific work in the philosophical sphere modeled upon the natural-scientific way of thinking that has become dominant in modern times. As an introduction to such a philosophy, he set forth the thesis: True philosophical research cannot be of any other kind than that considered valid by the natural-scientific kind of cognition. He wanted to devote his life's work to this thesis.

[ 23 ] In the preface to the reprint of the lecture in which he presented his view of the "four phases of philosophy," Brentano states that:

His view of the history of philosophy might strike many people as odd in its newness; for me, however, it has been an established fact for many years and has been the foundation of academic lectures in the history of philosophy given by me and several of my students now for more than two decades. I am under no illusion about the fact that my view will encounter prejudices and that these may perhaps be too strong to dispel with the first clash. Nevertheless, I hope that the facts and considerations I present cannot fail to make an impression upon anyone who pursues them thoughtfully.

[ 24 ] It is altogether my opinion that one can receive a significant impression from Brentano's presentations. Insofar as from a particular point of view, they represent a classification of phenomena arising in the course of philosophical development, they are based on well-founded insights into the course taken by this development. The four phases of philosophy present differences that are founded within reality.

As soon as one enters into a study of the driving forces within the individual phases, however, one does not find that Brentano has accurately characterized these forces. This is evident at once in his insight about the first phase of the philosophy of antiquity. The basic features of Greek philosophy from its Ionic beginnings up to Aristotle do, indeed, reveal many features that justify Brentano in seeing in them what he considers to be a natural-scientific way of thinking. But does this way of thinking really arise from what Brentano calls the natural-scientific method? Are not the thoughts of this Greek philosophy far more a result of what they experienced in their own souls as the essential being of man and his relation to the world-all? Anyone who answers this question in accordance with the facts will find that the inner impulses for the thought content of this philosophy came to direct expression—precisely in Stoicism and Epicurianism—in the whole practical philosophy of life of later Greek times. One can see how, in the soul forces that Brentano finds to be at work in the second phase, there lies the starting point for the first phase of the philosophy of antiquity. These forces were directed toward the sense-perceptible and social form of manifestations of the world-all, and therefore could only appear in an imperfect way in the phase of skepticism—which was driven to doubt the direct reality of this form of manifestation—and in the following phase of a seeing cognition, which must go beyond this form. For this reason these phases of ancient philosophy appear decadent.

And which soul forces are at work in the course of philosophical development in the Middle Ages? No one who really knows the relevant facts can doubt that Thomism represents the peak of this course of development with respect to those relationships that Brentano is investigating. But one cannot fail to recognize that, through the Christian standpoint of Thomas Aquinas, the soul forces at work in the Greek philosophy of life no longer operate merely out of philosophical impulses, but have taken on a more-than-philosophical character. What impulses are working in Thomas Aquinas insofar as he is a philosopher? One need have no sympathy for the weaknesses of the Nominalist philosophy of the Middle Ages; but one will indeed be able to discover that the soul impulses working in Nominalism also form the subjective basis for the Realism of Thomas. When Thomas recognizes the universal concepts synthesizing the phenomena of sense perception to be something that relates to a spiritually real element, he thus gains the strength for his Realistic way of picturing things out of his feeling for what these concepts signify within the existence of the soul itself, apart from the fact that they relate to sense phenomena. Precisely because Thomas did not relate the universal concepts directly to the events of sense-perceptible existence, he experienced how in these concepts another reality shines through to us, and how actually they are only signs for the phenomena of sense-perceptible life. Then, as this undertone of Thomism arose in Nominalism as an independent philosophy, this undertone naturally had to reveal its one-sidedness. The feeling that the concepts experienced in the soul establish a Realism in relation to the spirit had to disappear and the other feeling had to become dominant that the universal concepts are mere synthesizing names. When one sees the being of Nominalism in this way, one also understands the preceding second phase of medieval philosophy—that of Duns Scotus—as a transition to Nominalism. However, one cannot but understand the whole force of medieval thought work, insofar as it is philosophy, out of the basic view that revealed itself in a one-sided way in Nominalism. But then one will arrive at the view that the real driving forces of this philosophy lie in the soul impulses that, in keeping with Brentano's classification, one must designate as belonging to the third phase. And in that epoch which Brentano calls the mystical phase of the Middle Ages it becomes quite clear how the mystics belonging to it, persuaded of the Nominalistic nature of conceptual cognition, do not turn to this cognition but rather to other soul forces in order to penetrate to the core of the world's phenomena.

If, in line with Brentano's classification, we now pursue the activity of the driving soul forces in the philosophy of our time, we find that the inner character traits of this epoch are completely different from those indicated by Brentano. Because of certain of its own character traits, the phase of the natural-scientific way of thinking that Brentano finds realized in Bacon of Verulam, Descartes, Locke, and Leibnitz absolutely resists being thought of purely as natural-scientific in Brentano's sense. How can one deal in a purely natural-scientific way with Descartes' basic thought: “I think therefore I am;” how is one to bring Leibnitz's Monadology or his “predetermined harmony” into Brentano's way of picturing things? Even Brentano's view of the second phase, to which he assigns the French and English Enlightenment philosophy, creates difficulties when one wants to remain with his mental pictures. One would certainly not wish to deny to this epoch its character as a time of decadence in philosophy; but one can understand this epoch in light of the fact that, in its main representatives, those non-philosophical soul impulses which were energetically at work in the Christian view of life were lamed, with re result that a relation to the supersensible world powers could not be found in a philosophical way. At the same time the Nominalistic skepticism of the Middle Ages worked on, preventing a search for a relation between the content of knowledge experienced in the soul and a spiritually real element.

And if we move on to modern skepticism and to that way of picturing things that Brentano assigns to the mystical stage, we then lose the possibility of still agreeing with his classification. To be sure, we must have the skeptical phase begin with David Hume. But the description of Kant, the “critical” thinker, as a mystic proves after all to be a too strongly one-sided characterization. Also, the philosophies of Fichte, Schelling, Hegel, and the other thinkers of the period after Kant cannot be regarded as mystical, especially if one bases oneself on Brentano's concept of mysticism. On the contrary, precisely in the sense of Brentano's classification, one will find a common basic impulse running from David Hume, through Kant, to Hegel. This impulse consists in the refusal, based on mental pictures gained in the sensory world, to depict any philosophical world picture of a true reality. As paradoxical as it may seem to call Hegel a skeptic, he is one after all in the sense that he ascribes no direct value as reality to the mental pictures taken from nature. One does not deviate from Brentano's concept of skepticism by regarding the development of philosophy from Hume to Hegel as the phase of modern skepticism. One can consider the fourth modern phase as beginning only after Hegel. Brentano, however, will certainly not wish to bring what arises there as the natural-scientific picture anywhere near mysticism. Still, look at the way Brentano himself wishes to situate himself with his philosophizing into this epoch. With an energy that could hardly be surpassed he demands a natural-scientific method in philosophy. In his psychological research he strives to keep to this method. And what he brings to light is a validation of anthroposophy. What would have to have arisen as the continuation of his anthropological striving, if he had gone further in the spirit of what he pictured, would be anthroposophy. An anthroposophy, to be sure, that stands in complete harmony with the natural-scientific way of thinking.

Is not Brentano's life work itself the most valid proof that the fourth phase of modern philosophy must draw its impulses from those soul forces that both Neo-Platonism and medieval mysticism wished to activate but could not, because they could not arrive with their inner soul activity at the kind of experience of spiritual reality that occurs with fully conscious clarity of thinking (or of concepts)? Just as Greek philosophy drew its strength from the soul impulses which Brentano sees as realizing themselves in the second philosophical phase out of a practical philosophy of living, and just as medieval philosophy owes its strength to the impulses of the third phase—that of skepticism—so must modern philosophy draw its impulses from the fundamental powers of the fourth phase—from that of a knowing seeing. If, in accordance with his way of picturing things, Brentano can regard Neo-Platonism and medieval mysticism as decadent philosophies, so one could recognize the anthroposophy that complements anthropology as the fruitful phase of modern philosophy, if one leads this philosopher's own ideas about the development of philosophy to their correct conclusions, which Brentano himself did not draw but which follow quite naturally from his ideas.


[ 25 ] The picture we gave of Brentano's relation to the cognitional demands of our day explains why his reader receives impressions that are not limited to what is directly contained in the concepts he presents. Undertones sound forth all the time as one is reading. These emerge from a soul life that lies far deeper behind the ideas he expresses. What Brentano stimulates in the spirit of the reader often works more strongly in the latter than what the author expresses in sharply-edged pictures. One also feels moved to go back often and reread a book by Brentano. One may have thought through much of what is said today about the relation of philosophy to other cognitional views; Brentano's book The Future of Philosophy, will almost always rise up in one's memory when one is reflecting in this way. This is a reprint of a lecture to the Philosophical Society in Vienna in 1892 which he gave in order to oppose—with his view of the future of philosophy—what the jurist Adolf Exner had to say on this subject in his inaugural address on Political Education (1891). This publication of the lecture contains notes that offer far-ranging historical perspectives on the course of mankind's spiritual development. In this book all the tones are sounded of what can speak to an observer of today's natural-scientific outlook about the necessity of progressing from this outlook to an anthroposophical one.

[ 26 ] The representatives of this natural-scientific way of picturing things live for the most part in the belief that this outlook is forced upon them by the real being of things. They are of the opinion that they organize their knowledge in accordance with the way reality manifests itself. In this belief they are deluding themselves, however. The truth is that in recent times the human soul—out of its own active development over thousands of years—has unfolded a need for the kind of mental pictures which comprise the natural-scientific picture of the world. It is not because reality presented this picture to them as the absolute truth that Helmholtz, Weisman, Huxley, and others arrived at their picture, but because they had to form this picture within themselves in order through it to shed a certain light upon the reality confronting them. It is not because of compulsion from a reality outside the soul that one forms a mathematical or mechanical picture of the world, but rather because one has given shape in one's soul to mathematical and mechanical pictures and thus opened an inner source of illumination for what manifests in the outer world in a mathematical and mechanical way.

Although generally what has just been described holds good for every developmental stage of the human soul, it does appear in the modern natural-scientific picture in a quite particular way. When these mental pictures are thought through consistently from a certain angle, they destroy any concepts of a soul element. This can be seen in the absolutely not trivial but most dubious concept of a “soul science without soul” that has not been thought up only by philosophical dilettantes but also by very serious thinkers.15This picture of a “soul science without soul” also belongs to the realm of the riddles described in this book as existing at the “borderland of our knowing activity”; and if this picture is not experienced in such a way that it is taken as the starting point of a seeing consciousness, it then walls off the entryway to true knowing of the soul, instead of showing a path to such knowing. The mental pictures formed by natural science are leading to ever more insight into the dependency of the phenomena of ordinary consciousness upon our bodily organization. If the fact is not recognized at the same time that what arises in this way as the soul element is not this soul element itself, but only its manifestation in a mirror image, then the true idea of the soul element slips away from our observation, and the illusory idea arises that sees in the soul element only a product of the bodily organization. On the other hand, however, this latter view cannot stand up before an unbiased thinking. To this unbiased thinking, the ideas that natural science forms about nature show a soul connection— to a reality lying behind nature—that does not reveal itself in these ideas themselves. No anthropological approach, out of itself, can arrive at thorough-going mental pictures of this soul connection. For, it does not enter ordinary consciousness.

This fact shows up much more strongly in today's natural- scientific outlook than was the case in earlier historical stages of knowledge. At these earlier stages, when observing the outer world, one still formed concepts that took up into their content something of the spiritual foundations of this outer world. And one's soul felt itself, in its own spirituality, as unified with the spirit of the outer world. In accordance with its own essential being, recent natural scientists must think nature in a purely natural way. Through this, to be sure, it gains the possibility of validating the content of its ideas by observation of nature, but not the existence of these ideas themselves, as something with inner soul being.

[ 27 ] For this reason, precisely the genuine natural-scientific outlook has no foundation if it cannot validate its own existence by anthroposophical observation. With anthroposophy one can fully endorse the natural-scientific outlook; without anthroposophy, one will again and again want to make the vain attempt to discover even the spirit out of the results of natural-scientific observation. The natural-scientific ideas of recent times are in fact the results of the soul's living together with a spiritual world; but only in living spiritual vision can the soul know about its living together with that world.16Where the genuine natural-scientific approach leads is convincingly shown in a book by Oskar Hertwig, which is outstanding in many respects, The Development of Organisms, a Refutation of Darwin's Theory of Chance, 1916. Precisely when a work, like that underlying this book, is so exemplary in its application of the natural-scientific method, it can lead to innumerable soul experiences at the “boundaries of our knowing activity.” The question could easily arise: Then why does the soul seek to form natural-scientific pictures, if precisely through them it is creating for itself a content that cuts it off from its spiritual foundation? From the standpoint of the beliefs that see the natural-scientific outlook to have been formed in accordance with the way the world does in fact manifest to us, there is no way to find an answer to this question. But an answer is definitely forthcoming if one looks toward the needs of the soul itself. With mental pictures, such as only could have been formed by a pre-natural-scientific age, our soul experience could never have arrived at a full consciousness of itself. In its ideas of nature, which also continued a spiritual element, it would indeed have felt an indefinite connection with the spirit, but it would not have been able to experience the spirit in its own full, independent, and particular nature. Therefore, in the course of mankind's development, our soul element strives to set forth the kind of ideas that do not contain this soul element itself, in order, through them, to know itself as independent of natural existence. The connection with the spirit, however, must then be sought in knowledge not through these ideas of nature but through spiritual vision. The development of modern natural science is a necessary stage in the course of mankind's soul evolution. One understands the basis of this development when one sees how the soul needs it in order to find itself. On the other hand, one recognizes the epistemological implications of this development when one sees how precisely it makes spiritual vision a necessity.17What is expressed here is presented in a detailed way in my book The Riddles of Philosophy. One of the basic thoughts of that book is to show how natural-scientific cognition proves its power in the soul progress of humanity.

[ 28 ] Adolf Exner, whose views are opposed by Brentano's book The Future of Philosophy, confronted a natural science that wishes, it is true, to develop its ideas of nature in purity, but that is not prepared to advance to anthroposophy when it is a matter of grasping the reality of the soul. Exner found “natural-scientific education” to be unfruitful in developing ideas that must work in the way people live together in human society. For solving the questions of social life facing us in the future, therefore, he demands a way of thinking that does not rest on a natural-scientific basis. He finds that the great juridical questions confronting the Romans were solved by them in such a fruitful way because they had little gift for the natural-scientific way of picturing things. And he attempts to show that the eighteenth century, in spite of its attraction to the natural-scientific way of thinking, proved quite inadequate in mastering social questions. Exner directs his gaze upon a natural-scientific outlook that is not striving scientifically to understand its own foundation. It is understandable that he arrived at the views he did when confronted by such an outlook. For, this outlook must develop its ideas in such a way that they bring before the soul what is of nature in all its purity. From such ideas no impulse is gained for thoughts that are fruitful in social life. For, in social life souls confront each other as souls. Such an impulse can arise only when the soul element, in its spiritual nature, is experienced through a knowing vision (erkennendes Schaueri), when the natural-scientific, anthropological view finds its complement in anthroposophy.

Brentano bore ideas in his soul that definitely lead into the anthroposophical realm in spite of the fact that he wished to remain only in the anthropological realm. This is why the arguments he mounts against Exner are so penetrating, even though Brentano does not wish to make the transition to anthroposophy himself. They show how Exner does not speak at all about the real abilities of a natural-scientific outlook that understands itself; they show how he tilted with windmills in his battle against a way of thinking that misunderstands itself. One can read Brentano's book and everywhere feel in it how justified everything is that points through his ideas in one direction or another, without finding that he expresses fully what it is that he is pointing toward.

[ 29 ] With Franz Brentano a personality has left us whose work, when experienced, can mean an immeasurable gain. This gain is completely independent of the degree of intellectual agreement that one brings to this work. For, this gain springs from the manifestations of a human soul that have their source much deeper in the world's reality than that sphere in which in ordinary life, intellectual agreement is to be found. And Brentano is a personality destined to work on in the course of humanity's spiritual development through impulses that are not limited to the extension of the ideas he developed. I can very well imagine someone's total disagreement with what I have presented here as Brentano's relation to anthroposophy; regardless of one's scientific standpoint, however, it seems to me impossible—if one lets work upon oneself the philosophical spirit that breathes through the writings of this man—that one could arrive at anything less than the feelings of high esteem for the value of Brentano's personality that underly the intentions of this essay.