Essays on the Threefold Social Order
GA 24
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The Renewal of the Social Organism, tr. Bowen-Wedgewood, et al.
28. Internationale Wirtschaft und dreigliedriger sozialer Organismus
The International Economy and the Threefold Social Order
[ 1 ] Eine der bedeutsamsten Tatsachen in der neuesten Entwickelungsgeschichte der Menschheit ist der Widerspruch, der sich allmählich herausgebildet hat zwischen den Aufgaben, die sich die Staaten gegeben haben, und der Tendenz, die das Wirtschaftsleben angenommen hat. Die Staaten strebten darnach, in den Kreis ihrer Obliegenheiten die Ordnung des Wirtschaftslebens innerhalb ihrer Grenzen aufzunehmen. Die Personen und Personengruppen, welche das Wirtschaftsleben besorgen, suchen in der staatlichen Macht eine Stütze für ihre Betätigung. Ein Staat steht dem andern gegenüber nicht nur als geistiges und politisch-rechtliches Kulturgebiet, sondern auch als Träger der innerhalb dieses Gebietes sich geltend machenden wirtschaftlichen Interessen.
[ 1 ] The contradiction that has gradually developed between the self-imposed tasks of nation-states and the tendencies of economic life is one of the most significant facts of recent history. The nation-states have sought to draw the regulation of economic life within their boundaries into the sphere of their responsibilities. Persons, or groups of persons, who administer economic life seek support for their activities in the power of the state. One state confronts the other not only as a separate cultural and political realm, but also as a bearer of the economic interests at work within the region.
[ 2 ] Die aus dem Marxismus hervorgehende sozialistische Denkungsart möchte diese Bestrebungen der Staaten nicht nur fortsetzen, sondern sogar bis zum Extrem ausbilden. Sie möchte die privatkapitalistische Wirtschaftsform durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel in eine genossenschaftliche überleiten und dabei sich der Rahmen der gegenwärtigen Staaten bedienen. Die in diesen befindlichen Betriebe sollen zusammengefaßt werden zu wirtschaftlichen Organismen, in denen planmäßig gemäß den vorhandenen Bedürfnissen produziert und die Verteilung der Produkte an die im Staate wohnenden Menschen besorgt wird.
[ 2 ] Marxist ideology would like not only to continue these national efforts, but to devlop them to the extreme. Using the present national framework, it would like to change private capitalism into a cooperative through socialization of the means of production. Industries within the national framework would be combined into economic organisms wherein methodical production would be organized according to existing needs and wherein the distribution of the products among the people living in the nation would be managed.
[ 3 ] Diesem Streben steht gegenüber die Entwickelung, welche das Wirtschaftsleben in der neuesten Zeit genommen hat. Dieses hat die Tendenz, ohne Berücksichtigung der gegebenen Staatsgrenzen, sich zur einheitlichen Weltwirtschaft zu entwickeln. Die Menschheit über die ganze Erde hin will eine einzige Wirtschaftsgemeinschaft werden. In dieser stehen die Staaten darinnen so, daß die in ihnen lebenden Menschen nach Interessen zusammengehalten werden, die in weitem Umfange den wirtschaftlichen Beziehungen, die sich entfalten wollen, widersprechen. Das Wirtschaftsleben will hinauswachsen über die Staatsgebilde, die aus geschichtlichen Bedingungen erstanden sind, die keineswegs den wirtschaftlichen Interessen immer angepaßt waren.
[ 3] Recent developments in economics conflict with this endeavor, however. Economic life tends to evolve into a uniform world economy without considering the given national boundaries. Humanity as a whole is striving to become one single economic community. The nations' positions are such that those living within them are bound together through interests that conflict to a large degree with the economic relationships ready to unfold. Economic life is striving to grow beyond the national structures that evolved under historical conditions that definitely did not conform to the economic interests in all cases.
[ 4 ] Die Weltkriegskatastrophe hat das Mißverhältnis der historisch gewordenen Staatsgebilde und der Weltwirtschaftsinteressen zur Offenbarung gebracht. Ein großer Teil der Kriegsursachen wird darin gesucht werden müssen, daß die Staaten das Wirtschaftsleben zur Verstärkung ihrer Macht ausnützten, oder daß die wirtschaftenden Menschen durch die Staaten die Förderung ihrer wirtschaftlichen Interessen suchten. Die nationalen Wirtschaften stellten sich störend in die nach Einheit strebende Weltwirtschaft hinein. Sie suchten wirtschaftend für sich als Gewinne einzuheimsen, was nur in dem allgemeinen Wirtschaftsleben zirkulieren sollte.
[ 4 ] The catastrophe of World War I has revealed the disparity between national structures and the interests of world economy. A large part of the war's causes must be sought in the fact that the nations exploited the economy to augment their power, or in the fact that people involved in economic pursuits sought to promote their own economic interests by means of politics. Individual economies served to disrupt a world economy striving for unity. The various nations sought to turn the economic gains that should have remained within the economy to political advantage.
[ 5 ] In den Staaten verbinden sich die geistigen und politisch-rechtlichen Interessen mit den wirtschaftlichen. So, wie sie im Laufe des geschichtlichen Werdens die Staatsgrenzen ergeben haben, wird innerhalb ihrer die beste Art, das Geistige oder Politisch-Rechtliche zu besorgen, nicht zusammenfallen mit der vorteilhaftesten Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiete. Und wenn ernst gemacht wird mit den berechtigten Forderungen der neueren Menschheit nach Freiheit im geistigen Leben, nach Demokratisierung des Staatslebens und Sozialisierung des Wirtschaftswesens, dann kann gar nicht daran gedacht werden, daß die Verwaltungen des Geistigen und der Rechtsverhältnisse auch maßgebend sein sollen für die Ordnung des Wirtschaftslebens. Denn es müßten die internationalen geistigen und Rechtsbeziehungen sklavisch den Wirtschaftsverhältnissen sich anpassen, die in ihrer Art etwas Zwingendes für ihre Gestaltung haben.
[ 5 ] Within the national states, cultural and political interests become entangled with those of the economy. Within the national boundaries that have arisen historically, cultural, political and economic interests will not necessarily coincide. If humanity is to take serious steps toward realizing its justified demands for spiritual freedom, political democracy and a social economy, one must not think for a minute that the administrations of the cultural and political spheres would be able to regulate economic life as well. For all cultural and political relationships on an international level would have to adapt themselves slavishly to the conditions of an economy whose coercive nature would influence their development.
[ 6 ] Der marxistische Sozialismus kommt theoretisch über das gekennzeichnete Bedenken allerdings leicht hinweg. Er gibt sich der Meinung hin, daß die geistigen Errungenschaften und die rechtlichen Maßnahmen ideologische Ergebnisse der wirtschaftlichen Tatsachen sind. Er glaubt daher, daß er sich zunächst um die Gestaltung des Geistigen und des Rechtlichen nicht zu sorgen hat. Er will abgeschlossene Großwirtschaften schaffen und ist der Ansicht, innerhalb dieser werden geistige und rechtliche Lebensverhältnisse entstehen, deren internationale Beziehungen « von selbst » sich einstellen werden, wenn die Großwirtschaften miteinander in Verkehr treten werden. Dieser Sozialismus hat eine Wahrheit durchschaut; aber diese Wahrheit ist eine einseitige. Er hat erkannt, daß in den bisherigen Staaten Produktionszweige geleitet und Waren verwaltet werden und daß diese Leitung und diese Verwaltung vereinigt ist mit einer Regierung über Menschen, die der Freiheit des Geisteslebens und der vollkommenen Gestaltung des Rechtslebens nicht entspricht. Er zieht aus dieser Erkenntnis die Folgerung, daß in der Zukunft von dem sozialen Organismus nur mehr Waren verwaltet und Produktionszweige geleitet werden sollen. Weil er meint, daß daraus das Geistige und das Politisch-Rechtliche sich « von selbst » ergibt, so übersieht er, daß in dem Maße, in dem aufgehört wird, mit der Ordnung der Produktionszweige zugleich die in diesen betätigten Menschen zu regieren, diese Regierung durch etwas anderes ersetzt werden muß.
[ 6 ] In theory, Marxist socialism easily avoids such criticisms. Its exponents argue that cultural attainments and political provisions are ideological constructs founded upon economic realities. Marxists believe, therefore, that they need not worry for now about the organization of the cultural and political domains. They want to create closed economic systems on a grand scale, and believe that within these systems cultural and political conditions will arise that will permit international relations to start up on their own once the economic systems begin doing business with each other. This socialist approach recognizes a truth, yet it is a one-sided truth. In the existing states—so the Marxist discovered—branches of production are administered, products are managed, and both administration and management are combined with a form of government that denies cultural freedom and is politically far from ideal. He concludes from this that henceforth the social organism need only produce more and administer more production lines. Because he believes that out of all this the cultural and legal-political spheres originate “by themselves,” the Marxist overlooks one thing: to the extent that one takes the government of people out of economic administration, precisely to that extent must another form of government be found.
[ 7 ] Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus trägt dem Rechnung, was der marxistische Sozialismus übersieht. Sie macht Ernst damit, das Wirtschafsleben nur von den Gesichtspunkten aus zu verwalten, die sich aus ihm selbst ergeben. Aber durch sie wird auch erkannt, daß die geistigen Bedürfnisse und die rechtlichen Forderungen der Menschen in besonderen Verwaltungen geordnet werden müssen. Dadurch aber werden auch die internationalen geistigen Beziehungen und die Rechtsverhältnisse unabhängig von dem Weltwirtschafsleben, das seine eigenen Wege gehen muß.
[ 7 ] The idea of a threefold articulation of the social organism makes provision for that which Marxist socialism ignores. It takes seriously the ideal of an administration of economic life that is based solely upon economic perspectives. Yet it also allows one to recognize that the spiritual needs and political demands of humanity have to be articulated into separate administrations. This permits cultural and legal relationships on an international level to become independent of economic life, which must pursue its own path.
[ 8 ] Dadurch werden Konflikte, die sich auf einem Lebensgebiete ergeben, ausgeglichen von einem andern aus. Zwei Staaten oder Staatenbündnisse, die in einem wirtschaftlichen Konflikte sind, ziehen ihre geistigen und rechtlichen Interessen in den Konflikt mit hinein, wenn sie Einheitsstaaten in dem Sinne sind, daß in ihren Verwaltungen geistige, rechtliche und wirtschaftliche Regelungen verbunden sind. Bei sozialen Organismen, die für jedes dieser drei Lebensgebiete eine eigene Verwaltung haben, wird zum Beispiele auf widerstreitende geistige Interessen die wirtschaftliche Interessenbeziehung ausgleichend wirken können.
[ 8 ] Conflicts that stem from one sphere of life will thus be balanced through another sphere. Nations or alliances that are in economic conflict drag the cultural and legal interests into the conflict if they are unitary states whose governments combine the administrations of cultural, legal and economic concerns. However, in a social organism where each of these three spheres has a separate administration, economic interests will, for example, have a balancing effect on opposing cultural interests.
[ 9 ] In dem südöstlichen Winkel Europas, von dem die Weltkriegskatastrophe ihren Ausgang genommen hat, konnte man beobachten, wie die Vermengung der drei Lebensgebiete durch die Einheitsstaaten wirkte. Der geistige Gegensatz zwischen Slawentum und Germanentum lag dem Geschehen im allgemeinen zugrunde. Zu ihm kam ein politisches Element des öffentlichen Rechts. In der Türkei traten die demokratisch denkenden Jungtürken an die Stelle der alten reaktionären Regierung. Als Folge dieser politischen Umgestaltung trat die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Österreich ein, das nicht zusehen wollte, wie durch die türkische Demokratie die Bewohner dieser Länder in deren Parlamentarismus einbezogen wurden, obgleich sie trotz ihrer seit dem Berliner Kongreß schon bestehenden Okkupation rechtlich zur Türkei gehörten. Als drittes ergab sich ein wirtschaftliches Streben Österreichs. Dieses beabsichtigte, eine Bahnlinie von Sarajevo nach Mitrowitza auszubauen und auf diese Weise eine in seinem Interesse liegende Handelsverbindung mit dem Ägäischen Meere zu begründen. Aus diesen drei Momenten ergaben sich wichtige Teilglieder der Kriegsursachen. Würden Bahnlinien nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus von Wirtschaftsverwaltungen gebaut, so könnten sie nicht in die Konfliktskräfte aufgenommen werden, die zwischen Staaten aus anderen Untergründen vorhanden sind.
[ 9 ] In the southeastern corner of Europe, where the catastrophe of the World War started, one could observe the effect of the merger imposed by the unitary nation-states on the three areas of life. In general, the cultural contrast between Germanicism and Slavism was at the root of the conflict. This was aggravated by a political element in the sphere of rights. In Turkey, the democratically-minded Young Turks replaced the old reactionary government. As a result of this political realignment, Bosnia and Herzegovnia were annexed by Austria, which did not want merely to stand by while the Turkish democracy drew the inhabitants of these lands to its parliamentary system (even though legally both areas belonged to Turkey—despite Austria's occupation going back to the Congress of Berlin). The third element in the conflict related to Austria's economic ambitions. Austria intended to build a railroad from Sarajevo to Mitrovitza in order to establish a profitable trade connection with the Aegean Sea. These three elements, then, were important factors leading to war. If railroads were constructed only on economic grounds, they could not contribute to the conflicts that exist between nations.
[ 10 ] Deutlich ist auch an den Verhandlungen über das Bagdadproblem zu ersehen, wie da fortwährend national-geistige und politisch-rechtliche Interessen sich gegenüber den wirtschaftlichen Gesichtspunkten geltend machten. Die wirtschaftlichen Vorteile einer solchen Bahn würden ganz vom Gesichtspunkte der Weltwirtschaft ins Auge gefaßt werden können, wenn an den Verhandlungen nur Wirtschaftsverwaltungen beteiligt wären, die nicht in ihren Entschlüssen durch ihren Zusammenhang mit andern, staatlichen Interessen bestimmt werden könnten.
[ 10 ] One can see in the negotiations over the Baghdad problem also how cultural and political interests prevailed against economic factors. The economic advantages of such a railroad could have been viewed entirely from the perspective of world economy if the negotiations would have involved only economic administrations whose decisions could not be influenced by other, national interests.
[ 11 ] Man kann selbstverständlich einwenden, daß auch in älteren Zeiten Konflikte zwischen den Staaten durch solche Vermengung der wirtschaftlichen Interessen mit den geistigen und den politisch-rechtlichen entstanden sind. Aber dieser Einwand sollte nicht gegen die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus gemacht werden. Denn diese Idee wird aus dem Gegenwartsbewußtsein der Menschheit heraus geformt, dem Katastrophen, die in der geschichtlichen Art entstehen, unerträglich sind, während sie von den Menschen früherer Zeitepochen anders empfunden worden sind. Menschen, die nicht wie die gegenwärtigen die Freiheit des Geisteslebens, die Demokratisierung der politischen Verhältnisse und die Sozialisierung des Wirtschaftens anstrebten, konnten nicht einen sozialen Organismus in Aussicht nehmen, der allein ernst mit diesem Streben macht. Für die Art, wie sie sich den sozialen Organismus als ihnen angemessen instinktiv dachten, waren die entsprechenden internationalen Konflikte auch etwas, das sie wie eine Naturnotwendigkeit hinnehmen mußten.
[ 11 ] The objection can be made, of course, that in earlier times conflicts also arose between nations through such conflation of economic interests with cultural and political ones. However, this objection should not be raised against the idea of the threefold social order. For this idea is an expression of modern consciousness, for which such catastrophes are unbearable, whereas in earlier ages humanity reacted to them differently. The people of those times who, unlike today's men and women, did not aspire to cultural freedom, democracy, political and social economy, could not even consider such a social organism that alone takes these aspirations seriously. Just as they instinctively regarded their own social organism as adequate, so they also accepted the international conflicts arising from them as a natural necessity.
[ 12 ] Die Erweiterung der nationalen Wirtschaften zur einheitlichen Weltwirtschaft kann nicht verwirklicht werden, wenn nicht in den einzelnen sozialen Organismen das Wirtschaftsleben von dem geistigen und dem politisch-rechtlichen abgegliedert wird. Es gibt solche Menschen, die der Idee der Dreigliederung im allgemeinen sympathisch gegenüberstehen, weil sie deren Berechtigung aus den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft einsehen, die ihr aber doch nicht ernstlich nähertreten wollen, weil sie der Meinung sind, ein einzelner Staat könne mit ihrer Verwirklichung nicht den Anfang machen. Denn die anderen Staaten, die den Einheitscharakter beibehalten, würden durch ihre wirtschaftlichen Maßnahmen dem dreigegliederten sozialen Organismus das Leben unmöglich machen. Ein solcher Einwand ist berechtigt gegen die Gestaltung eines Staates im Sinne des marxistischen Sozialismus. Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus kann er nicht treffen. Eine in den Rahmen einer gegenwärtigen Staatsverwaltung gezwängte Groß-Wirtschaftsgenossenschaft könnte ökonomisch vorteilhafte Beziehungen zu dem privatkapitalistisch-wirtschaftlichen Auslande nicht ausgestalten. Wirtschaftliche Betriebe, zentralistisch verwaltet, sind in ihrer freien Entfaltung, die in den Auslandsbeziehungen herrschen muß, gehemmt. Die freie Initiative und die Schnelligkeit, die für die Entschlüsse innerhalb solcher Beziehungen notwendig sind, lassen sich nur erreichen, wenn Inlandsbetrieb und Auslandsmarkt sowie Auslandsbetrieb und Inlandsmarkt in unmittelbarem durch die beteiligten Personen allein vermittelten Verkehr stehen. Wer dies betont gegenüber den Groß-Wirtschaftsgenossenschaften, die zentralistisch verwaltet werden sollen, wird immer recht behalten, auch wenn die Befürworter solcher Genossenschaften den Betriebsleitern eine weitgehende Selbständigkeit zugestehen wollen. In der Praxis würde zum Beispiel die Beschaffung von Rohstoffen, an der allerlei Verwaltungsinstanzen beteiligt sein müßten, einen Geschäftsgang ergeben, der mit der Art, wie Auslandsforderungen befriedigt werden müssen, nicht in Einklang gebracht werden könnte. Ähnliche Schwierigkeiten müßten sich ergeben, wenn Bestellungen im Auslande gemacht werden sollten.
[ 12 ] The expansion of national economies into a unified world economy cannot become a reality unless the economy is separated from cultural life on the one hand and from political and legal life on the other. There are some who are generally sympathetic to the idea of a threefold social order because they understand its justification in the light of present and future needs. Nevertheless, these same people are keeping their distance because they feel that one single state could not even begin to set the wheels in motion toward its realization. They believe the other nations, which have kept their unitary character, would take drastic economic measures to make life impossible for the threefold organism. Such an objection is justified against the development of a state in the Marxist sense, but it is not valid where it concerns the idea of a threefold social order. An economic super-cooperative forced into the framework of a present-day national government could not develop economically profitable relations with the private capitalist economies of foreign countries. When centrally administered, economic operations are hampered in their free unfolding, which is required in relationships with foreign countries. Free initiative and speed, so important for decision-making within such relationships, can only be attained when commerce between industry and foreign markets (as well as commerce between foreign industry and domestic markets) is direct and handled solely by those immediately involved. Emphasizing these points, the opponents of centrally controlled economic super-cooperatives are always in the right, even if advocates of the super-systems are willing to grant far-reaching independence to their manager. In practice, for instance, the procurement of raw materials (a process that should involve many managing authorities) would result in business procedures that might not fit with the way in which the demands of foreign countries must be satisfied. Similar difficulties would arise when ordering raw materials from abroad.
[ 13 ] Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus will das Wirtschaftsleben auf seinen eigenen Boden stellen. Der marxistische Sozialismus macht den Staat zur wirtschaftlichen Organisation. Die Dreigliederung löst das Wirtschaftsleben vom Staate los. Sie kann daher nicht andere Maßnahmen ins Auge fassen als solche, die sich aus den Anforderungen des Wirtschaftslebens selbst ergeben. Dieses aber wird ertötet, wenn es auf eine zentralistisch orientierte Verwaltung aufgebaut wird; es muß hinsichtlich der Anordnung und Verrichtung der für die Produktion zu leistenden Arbeit auf der freien Initiative wirtschaftender Menschen beruhen. Verbunden mit dieser freien Initiative kann sein, daß die Früchte des Produzierens innerhalb des sozialen Organismus in der Art durch sozial gerechtfertigte Preise dem Konsumentenbedürfnisse entsprechen, wie dies in meinem vorigen Artikel gekennzeichnet ist. Die Wahrung der freien Initiative der Betriebsleitungen ist nur möglich, wenn diese nicht in eine Zentralverwaltung eingespannt sind, sondern wenn sie sich in Assoziationen zusammenschließen. Dadurch wird erreicht, daß nicht eine zentralistische Verwaltung maßgebend ist für dasjenige, was in den Betrieben geschieht; sondern es bleibt den Betrieben ihre volle Freiheit, und die soziale Orientierung des Wirtschaftskörpers geht aus den Abmachungen der selbständigen Betriebe hervor. Eine Betriebsleitung, die für den Export arbeitet, wird in dem Verkehr mit dem Auslande aus völlig freier Initiative handeln können; und sie wird im Inlande Beziehungen zu solchen Assoziationen unterhalten, die ihr in der Belieferung von Rohstoffen und ähnlichem am förderlichsten bei der Befriedigung der Auslandsforderungen sind. Ein gleiches wird auch für einen Importbetrieb möglich sein. Notwendig allerdings wird sein, daß durch den Verkehr mit dem Auslande nicht Produkte in das Inland gebracht werden, deren Herstellungskosten oder Kaufpreis die Lebenshaltung der Bevölkerung beeinträchtigen. Ebensowenig werden durch die Beziehungen zum Auslande im Inlande notwendige Produktionszweige zerstört werden dürfen dadurch, daß in ihnen wegen der Billigkeit der entsprechenden Auslandsware nicht gearbeitet werden kann. Aber alles dieses kann durch die Wirkung der Assoziationseinrichtungen verhindert werden. Würde ein Betrieb oder eine Handelsgesellschaft in der angedeuteten Art zum Schaden des Inlandes arbeiten wollen, so würden sie durch die entsprechenden Assoziationen, von denen sie sich nicht ausschließen können, ohne ihre Arbeit unmöglich zu machen, verhindert werden können. Allerdings kann die Notwendigkeit eintreten, daß man für gewisse Produkte, die man aus diesen oder jenen Gründen vom Auslande beziehen muß, zu hohe Preise zahlen muß. Für diese Notwendigkeit wird in Betracht kommen, was Seite 126 meiner « Kernpunkte der sozialen Frage » gesagt ist: « Auch wird eine Verwaltung, die es nur zu tun hat mit dem Kreislauf des Wirtschaftslebens, zu Ausgleichen führen können, die etwa aus diesem Kreislauf heraus als notwendig sich ergeben. Sollte zum Beispiel ein Betrieb nicht in der Lage sein, seinen Darleihern ihre Arbeitsersparnisse zu verzinsen, so wird, wenn er doch als einem Bedürfnis entsprechend anerkannt wird, aus anderen Wirtschaftsbetrieben nach freier Übereinkunft mit allen an den letzteren beteiligten Personen das Fehlende zugeschossen werden können. » So wird auch der zu hohe Preis einer Auslandsware durch Zuschüsse ausgeglichen werden können, die aus Betrieben herrühren, welche gegenüber den Bedürfnissen der in ihnen Arbeitenden zu hohe Erträgnisse liefern können.
[ 13 ] The threefold social organism would place economic life on its own foundation. Marxist socialism designates the state as the economic organization. The threefold social order frees economic life from the bonds of the state. Therefore, it can consider only those measures that evolve naturally from within the economy itself. However, the economy withers if it is built upon a centrally-oriented administration because regulations and tasks necessary for production must be based on free initiative. This free initiative does not preclude production within the social organism corresponding to consumer needs through socially justified prices, as I have indicated in my previous article. The preservation of free initiative in management is possible only if the leadership is not yolked to a central administration, but rather is permitted to combine into associations. The result of this is that a central administration does not control management operations; management retains full freedom, and the social orientation of the economic body is based upon agreements between independent management operations. A management responsible for export will be able to act completely out of its own free initiative in its commercial dealings with foreign countries; and domestically it will maintain relations with those associations that will help the most with the supply of raw materials and the like, to satisfy foreign demands. The same will be possible for import management. It will be necessary, however, that in trade with foreign countries no products will be imported whose production costs or purchase price will impair the population's life style. Nor should relationships with foreign countries cause domestic production branches to be destroyed because the lower cost of foreign products makes continuation of domestic production unprofitable. Yet all this can be effectively prevented through a system of associations. Should a firm or a trading corporation conduct its business to the detriment of domestic production, they could be prevented from doing so by those respective associations from which they cannot exclude themselves without making their working situation impossible. The necessity can arise, however, that the cost is too high for certain products that must be purchased from abroad for various reasons. Faced with such a necessity, one will need to consider what I wrote in my book, Toward Social Renewal: “An administration that occupies itself solely with economic processes will be able to bring about adjustments that show themselves within these economic processes to be necessary. Suppose, for instance, a business concern were not in a position to pay its investors the interest on the savings of their labor, then—if it is a business that is nevertheless recognized as meeting a need—it will be possible to arrange for other industrial concerns to make up the deficiency by the voluntary agreement of everyone concerned.” In the same way, the excessive cost of a foreign good can be offset through subsidies from concerns whose earnings surpass the need of its workers.
[ 14 ] Neben allen solchen Vorkehrungen, durch die ein dreigliedriger sozialer Organismus die Schäden ausgleichen kann, die ihm aus dem wirtschaftlichen Verkehr mit Staaten erwachsen, die von der Dreigliederung nichts wissen wollen, können allerdings noch andere notwendig sein, die dem Prinzip des Schutzzolles entsprechen. Es ist leicht einzusehen, daß durch die Verselbständigung des Wirtschaftslebens solchen Maßnahmen andere Grundlagen geschaffen werden, als sie vorhanden sind, wenn die Behandlung der Ein- und Ausfuhr abhängig ist von Mehrheitsbeschlüssen, die zustande kommen durch die Rechts- und geistigen Interessen sich zusammenschließender Menschengruppen. Denn die Tätigkeit der aus sachlichen Gründen zusammenwirkenden Wirtschafsorganisationen wird (im Sinne der Seite 216 geltend gemachten Prinzipien) abzielen auf die sozial wirkende Preisbildung und wird nicht hervorgehen können aus den Gewinninteressen einzelner wirtschaftlicher Gruppen. Daher wird ein Wirtschafsleben sozial dreigliedriger Organismen dem Ideal des Freihandels zustreben. Dieser wird bei einem einheitlichen Weltwirtschaftsgebiet die günstigste Grundlage dafür bieten, daß nicht in einzelnen Erdgebieten zu teuer oder zu billig produziert wird. Ein von nicht sozial dreigliedrigen Organismen umgebener Gesellschaftskörper mit selbständiger Wirtschafsverwaltung wird allerdings genötigt sein, gewisse Produktionszweige vor einer wirtschaftlich unmöglichen Verbilligung dadurch zu schützen, daß er Zölle erhebt, deren Verwaltung damit betraute Assoziationen innerhalb des Kreises des Wirtschaftslebens zugunsten gemeinnütziger Werke besorgen.
[ 14 ] In addition to all such preventative steps that a threefold social organism can take to counteract the damage it sustains through commerce with states averse to the threefold idea, it may become necessary to resort to additional measures that are similar to the principle of tariff. It is easy to see that autonomy of economic life dictates different premises for such measures than those needed when treatment of import and export depends upon majority rule within groups of people united by common political and cultural interests. Economic organizations that combine their efforts for practical reasons have as their goal a price structuring that has a social effect; such endeavors could never arise out of individual groups' desire for profit. That is why the economic life of threefold social organisms strives toward the ideal of free trade. Within a unified world economy, free trade offers the best way of guaranteeing that production in separate parts of the world is neither too expensive nor too cheap. A social body with independent economic management that is not surrounded by threefold organisms will, of course, be forced to protect certain branches of production from economically unfeasible price reduction by raising tariffs. The management of these tariffs will then be entrusted to associations for the public's benefit.
[ 15 ] Es wird sich, wenn Nachteile auf die angedeutete Art abgehalten werden, für den einzelstehenden dreigliedrigen Organismus ergeben, daß er gegenüber dem Auslande als ein umfassendes Wirtschaftsgebilde wirkt, dessen innere Struktur im Verkehr mit ungegliederten Staaten für ihn selbst keine Bedeutung hat, weil dieser Verkehr auf der freien Initiative der wirtschaftenden Menschen und nicht auf der inneren Struktur beruht. Dagegen wird der Fortgang zur Dreigliederung bei einem einzelnen Staate im hohen Grade vorbildlich auf die anderen wirken. Und dies nicht nur in moralischer Art durch die sozial gestaltete Lebenshaltung der Bewohner des dreigliedrigen Organismus, sondern auch durch das Auftreten von rein wirtschaftlichen Interessen. Solche werden sich dadurch ergeben, daß für die ungegliederten Staaten der dreigliedrige in deutlich bemerkbarer Art sich weniger profitabel erweist, wenn Sie bei ihrer Einheitsstruktur bleiben, als wenn sie auch zur Dreigliederung übergehen würden. So kann gerade ein einzelner dreigliedriger sozialer Organismus den Anstoß dazu geben, die Hindernisse der Ausgestaltung einer einheitlichen Weltwirtschaft aus dem Wege zu schaffen. Daß er selbst keine Schäden erleidet als einzelner Wirtschaftskörper, das kann er durch seine auf freien Assoziationen beruhende Struktur bewirken; daß die Störung, die er für die Einheitsstaaten bewirkt, nicht zur Boykottierung seiner Wirtschaft führt, kann er dadurch erzielen, daß er durch rationelle Gliederung seiner Arbeit gewisse Produkte erzeugt, die das Ausland nur bei ihm am besten beziehen kann; daß er eine Oase bildet innerhalb des Gebietes, in dem er mit den nationalen Wirtschaften zusammenliegt, wird für diese ein Beweis werden, daß der Übergang zur Dreigliederung ein wirtschaftlicher und ein allgemeiner Menschheitsfortschritt ist.
[ 15 ] If disadvantages can be overcome in the manner indicated, an isolated threefold social organism will present itself to foreign countries as a comprehensive economic structure whose internal organization will be of no consequence for commerce with non-articulated states, since this commerce is not based on the internal structure, but rather on the free initiative of those engaged. On the other hand, the individual nation's progress toward establishing a threefold order will be highly exemplary for other states. The effect will make itself felt not only morally, through the social character of the way of life the inhabitants of the threefold organism enjoy, but also through the awakening of purely economic interests. These will arise because the threefold social order will prove to be markedly less profitable for the non-articulated states when they retain their unitary character than it would were they to adopt the threefold order themselves. In this way, then, a threefold social order could be instrumental in clearing away obstacles to a unified world economy. Through its structure, based on free associations, the threefold organism can prevent damage to itself as a single economic body. Through organizing its labor force rationally to make certain products attractive to foreign countries, the threefold organism can assure that the disturbances it causes among unitary states will not lead to boycott of its economy. An oasis within the area it shares with the national economies, the threefold nation will prove that the changeover to threefolding indeed represents economic progress and, in general, a step forward for humanity.
[ 16 ] Es wird heute - und mit Recht - von vielen Seiten betont, daß die Rettung der Weltwirtschaft durch die Erhöhung der unter der Weltkatastrophe im höchsten Maße zurückgegangenen Arbeitsbereitschaft kommen müsse. Wer die Menschennatur kennt, kann wissen, daß diese Arbeitsbereitschaft nur kommen kann, wenn die Überzeugung sich verbreitet, daß die Arbeit in der Zukunft unter sozialen Verhältnissen stehen wird, die den Menschen ein menschliches Dasein sichern. Daß die alten sozialen Verhältnisse dieses noch weiter bringen können, dieser Glaube ist in weitesten Kreisen erschüttert. Und innerhalb gewisser Gebiete hat ihn die Weltkriegskatastrophe völlig vernichtet. Die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus wird eine überzeugende Kraft in der angedeuteten Richtung haben. Sie wird durch die Ausblicke, die sie in die soziale Menschenzukunft eröffnet, Antriebe zur Arbeit erzeugen. Sie so zu verbreiten, daß sie verständnisvoll aufgenommen werden kann und die entgegenstehenden Bedenken zum Schweigen bringt, erscheint als ein wesentlicher Teil der Aufgabe, die in der Gegenwart für das soziale Problem erstanden ist.
[ 16 ] Today it is stressed on many sides, and rightly so, that the salvation of the world economy has to come from a heightened will to work, a will that has been diminished by the war. Anyone who understands human nature knows that this commitment to work can only come when people are convinced that in the future their work will be done under social conditions that guarantee them a dignified human existence. The belief that the old social system can lead to an even better way of life is crumbling on all sides. And, within certain areas, the disaster of the World War has shattered this belief completely. The idea of the threefold social order will exert a compelling influence in the direction indicated here. It will create an impetus toward work through the vistas it opens up into humanity's social future. To disseminate this idea in a way that can be received with understanding, and that will put to rest the misgivings of its opponents, seems to be an essential part of the task confronting contemporary social thinking.
