The Course of My Life
GA 28
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Einleitende Worte Marie Steiners zur zweiten Buchauflage 1932
«Der Mythos alter Zeiten suchte im Jahresgang der Sonne ein Abbild für den Lebenslauf der großen Menschheitsführer und, indem das alte Hellsehertum die Zeichen in den Sternen suchte, ergab sich der kosmische Aspekt für das Schicksal der Sonnenhelden auf der Erde. In der Urgeschichte der Menschheit hatten solche Sonnenmythen eine tiefe Berechtigung, weil der Gang der Menschheit durch ihre großen Führer der kosmischen Entwickelung nachgebildet wurde.
Rudolf Steiner würde an diesem Tage das 67. Jahr vollenden. Er war der große Künder kosmischen Geschehens und des Sinnes der Menschheitsentwickelung; aber kein «Astral-Mythos» knüpft sich an seinen Lebenslauf, sondern seit 20 Jahren tauchen in der Öffentlichkeit immer wieder die gehässigsten Verleumdungen seiner Gegner über sein Leben, oft in törichtster Form auf. Um diesen entgegenzutreten, gab Rudolf Steiner schon im Jahre 1912 [1913] vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft in Vortragsform einen Abriss seines Lebensganges.
Aber für alle, die sein letztes Lebensjahr mitlebend verfolgt haben, war es die stärkste Offenbarung der selbsterwählten und selbsterkämpften Mission seines ganzen Lebens. So war in neuer Weise ein Jahreslauf Bild für den Lebensgang, aber es war eine innere Sonne, die diesem Jahr ihr Licht gab.
Wer an solchem Gedenktag über den Lebensgang Rudolf Steiners nachsinnt, wird darin keine typische Wiederholung alten kosmischen Geschehens finden, sondern das aus Menschentum erkämpfte Vorbild eines künftigen Menschheitsganges. Nicht mythisch kann dieser Lebensgang aufgefasst werden, sondern apokalyptisch.»
Diese Worte schrieb Carl Unger in seinem letzten Lebensjahr, am 27. Februar 1928, der dritten Wiederkehr des Todestages Rudolf Steiners. Sie mögen als Geleitworte zu dieser neuen Auflage jenes Lebensganges stehen, dessen ernster Reife sich wohl niemand verschließen wird, der eines offenen Geistes ist; so das Gedächtnis beider Arbeitsgenossen verbindend, von denen der eine dem andern der treueste Schüler und hingebungsvollste Helfer in schwerem Menschheitsdienste war. Es hat der Jüngere diese Gefolgschaft allzufrüh mit dem Leben bezahlen müssen, denn ihn traf in dem Augenblicke, als er im Begriff war, einen öffentlichen Vortrag über Anthroposophie zu halten, die Kugel eines Verantwortungslosen, der ja doch nur willenloses Werkzeug für wirksame Hassgedanken war; so haben seine Worte die Kraft der Blutzeugenschaft. Sie drücken das aus, was Unzählige ähnlich empfunden haben, die hier nicht genannt werden können, denn ihrer sind zu viele. Doch sei das Wort einiger Wenigen hier wiedergegeben, in das sie ihres Herzens Dank und Staunen geprägt haben, als Nachklang zu jenem Lebensgang, dessen schlichte Erzählung so plötzlich abbricht, und der an Opferkraft, Menschenliebe und Erkenntnishöhe seinesgleichen in unserer Zeit nicht hat.
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Mein Lebensgang, 9th ed.
Einleitende Worte Marie Steiners zur zweiten Buchauflage 1932
«Der Mythos alter Zeiten suchte im Jahresgang der Sonne ein Abbild für den Lebenslauf der großen Menschheitsführer und, indem das alte Hellsehertum die Zeichen in den Sternen suchte, ergab sich der kosmische Aspekt für das Schicksal der Sonnenhelden auf der Erde. In der Urgeschichte der Menschheit hatten solche Sonnenmythen eine tiefe Berechtigung, weil der Gang der Menschheit durch ihre großen Führer der kosmischen Entwickelung nachgebildet wurde.
Rudolf Steiner würde an diesem Tage das 67. Jahr vollenden. Er war der große Künder kosmischen Geschehens und des Sinnes der Menschheitsentwickelung; aber kein «Astral-Mythos» knüpft sich an seinen Lebenslauf, sondern seit 20 Jahren tauchen in der Öffentlichkeit immer wieder die gehässigsten Verleumdungen seiner Gegner über sein Leben, oft in törichtster Form auf. Um diesen entgegenzutreten, gab Rudolf Steiner schon im Jahre 1912 [1913] vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft in Vortragsform einen Abriss seines Lebensganges.
Aber für alle, die sein letztes Lebensjahr mitlebend verfolgt haben, war es die stärkste Offenbarung der selbsterwählten und selbsterkämpften Mission seines ganzen Lebens. So war in neuer Weise ein Jahreslauf Bild für den Lebensgang, aber es war eine innere Sonne, die diesem Jahr ihr Licht gab.
Wer an solchem Gedenktag über den Lebensgang Rudolf Steiners nachsinnt, wird darin keine typische Wiederholung alten kosmischen Geschehens finden, sondern das aus Menschentum erkämpfte Vorbild eines künftigen Menschheitsganges. Nicht mythisch kann dieser Lebensgang aufgefasst werden, sondern apokalyptisch.»
Diese Worte schrieb Carl Unger in seinem letzten Lebensjahr, am 27. Februar 1928, der dritten Wiederkehr des Todestages Rudolf Steiners. Sie mögen als Geleitworte zu dieser neuen Auflage jenes Lebensganges stehen, dessen ernster Reife sich wohl niemand verschließen wird, der eines offenen Geistes ist; so das Gedächtnis beider Arbeitsgenossen verbindend, von denen der eine dem andern der treueste Schüler und hingebungsvollste Helfer in schwerem Menschheitsdienste war. Es hat der Jüngere diese Gefolgschaft allzufrüh mit dem Leben bezahlen müssen, denn ihn traf in dem Augenblicke, als er im Begriff war, einen öffentlichen Vortrag über Anthroposophie zu halten, die Kugel eines Verantwortungslosen, der ja doch nur willenloses Werkzeug für wirksame Hassgedanken war; so haben seine Worte die Kraft der Blutzeugenschaft. Sie drücken das aus, was Unzählige ähnlich empfunden haben, die hier nicht genannt werden können, denn ihrer sind zu viele. Doch sei das Wort einiger Wenigen hier wiedergegeben, in das sie ihres Herzens Dank und Staunen geprägt haben, als Nachklang zu jenem Lebensgang, dessen schlichte Erzählung so plötzlich abbricht, und der an Opferkraft, Menschenliebe und Erkenntnishöhe seinesgleichen in unserer Zeit nicht hat.
