The Course of My Life
GA 28
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Nachwort Marie Steiners zur ersten Buchausgabe 1925
Hier bricht die Lebensbeschreibung jäh ab. Am 30. März. 1925 verschied Rudolf Steiner.
Man hat sein ganz dem Opferdienst der Menschheit geweihtes Leben mit unsäglicher Feindschaft vergolten; man hat seinen Erkenntnisweg in einen Dornenweg verwandelt. Er aber hat ihn für die ganze Menschheit durchschritten und erobert. Er hat die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen: sie sind nicht mehr da. Vor uns liegt dieser Erkenntnisweg in der kristallklaren Helle der Gedanken, von der auch dieses Buch Zeugnis ablegt. Er hat den menschlichen Verstand zum Geist emporgehoben, ihn durchdrungen, verbunden mit der geistigen Wesenheit des Kosmos. Damit hat er die größte Menschentat vollbracht. Die größte Gottestat lehrte er uns verstehen. Die größte Menschentat vollbrachte er. Wie sollte er nicht gehasst werden mit aller dämonischen Macht, deren die Hölle fähig ist?
Er aber hat mit Liebe vergolten, was an Unverständnis ihm entgegengebracht worden ist.
Er starb, - ein Dulder, Lenker, ein Vollbringer,
in einer Welt, die ihn mit Füßen trat
und die emporzutragen er die Kraft besaß.
Er hob sie hoch, sie warfen sich dazwischen,
sie spieen Hass, verrammten ihm die Wege,
verschütteten, was im Entstehen war.
Sie wüteten mit Gift und Flamme,
frohlocken jetzt, besudeln sein Gedächtnis. —
«Nun ist er tot, der euch zur Freiheit führte,
zum Lichte, zum Bewusstsein, zum Erfassen
des Göttlichen in einer Menschenseele,
zum Ich, zum Christus.
War es Verbrechen nicht, dies Unterfangen?
Er tat was schon Prometheus büßte,
Was Sokrates der Schierlingsbecher lohnte,
was schlimmer war, als Barabbas’ Vergehen,
was nur am Kreuze seine Sühne finder:
Er lebte euch die Zukunft dar.
Wir, die Dämonen, können dies nicht dulden,
wir hetzen, jagen den, der solches wagt,
mit allen Seelen, die sich uns ergaben,
mit allen Kräften, die uns zu Gebote.
Denn uns gehört die Zeitenwende,
uns diese Menschheit, die, des Gottes bar,
hinsiecht in Schwäche, Wahn und Laster.
Wir lassen das Erbeutete nicht fahren,
zerreißen den, der solches wagt.»
Er wagte es - und trug sein Los.
In Liebe, Langmut, im Ertragen
der Unzulänglichkeit, der Menschenschwächen,
die stets sein Werk gefährdeten,
die stets sein Wort missdeuteten,
die seine Nachsicht stets verkannten,
in ihrer Kleinheit sich nicht selbst erfassten,
weil seine Größe sich dem Maß entzog.
So trug er uns, - und uns verging der Atem
beim Folgen seiner Schritte, bei dem Fluge,
der schwindelnd hoch uns hinriss. Unsre Schwäche,
sie war das Hemmnis seines Fluges,
sie legte sich wie Blei um seine Füße...
Jetzt ist er frei. Ein Helfer denen droben,
die Erderrungenes entgegennehmen
zur Wahrung ihrer Ziele. Sie begrüßen
den Menschensohn, der seine Schöpferkräfte
entfaltete im Dienst des Götterwillens,
der dem verhärtetsten Verstandesalter,
der trockensten Maschinenzeit
den Geist einprägte und entlockte...
Sie wehrten’s ihm.
Die Erde webt im Schatten,
im Weltenraum erbilden sich Gestalten,
der Führer harrt, der Himmel ist geöffnet,
in Ehrfurcht und in Freude stehn die Scharen.
Doch graue Nacht umfängt den Erdenball.
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Mein Lebensgang, 9th ed.
Nachwort Marie Steiners zur ersten Buchausgabe 1925
Hier bricht die Lebensbeschreibung jäh ab. Am 30. März. 1925 verschied Rudolf Steiner.
Man hat sein ganz dem Opferdienst der Menschheit geweihtes Leben mit unsäglicher Feindschaft vergolten; man hat seinen Erkenntnisweg in einen Dornenweg verwandelt. Er aber hat ihn für die ganze Menschheit durchschritten und erobert. Er hat die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen: sie sind nicht mehr da. Vor uns liegt dieser Erkenntnisweg in der kristallklaren Helle der Gedanken, von der auch dieses Buch Zeugnis ablegt. Er hat den menschlichen Verstand zum Geist emporgehoben, ihn durchdrungen, verbunden mit der geistigen Wesenheit des Kosmos. Damit hat er die größte Menschentat vollbracht. Die größte Gottestat lehrte er uns verstehen. Die größte Menschentat vollbrachte er. Wie sollte er nicht gehasst werden mit aller dämonischen Macht, deren die Hölle fähig ist?
Er aber hat mit Liebe vergolten, was an Unverständnis ihm entgegengebracht worden ist.
Er starb, - ein Dulder, Lenker, ein Vollbringer,
in einer Welt, die ihn mit Füßen trat
und die emporzutragen er die Kraft besaß.
Er hob sie hoch, sie warfen sich dazwischen,
sie spieen Hass, verrammten ihm die Wege,
verschütteten, was im Entstehen war.
Sie wüteten mit Gift und Flamme,
frohlocken jetzt, besudeln sein Gedächtnis. —
«Nun ist er tot, der euch zur Freiheit führte,
zum Lichte, zum Bewusstsein, zum Erfassen
des Göttlichen in einer Menschenseele,
zum Ich, zum Christus.
War es Verbrechen nicht, dies Unterfangen?
Er tat was schon Prometheus büßte,
Was Sokrates der Schierlingsbecher lohnte,
was schlimmer war, als Barabbas’ Vergehen,
was nur am Kreuze seine Sühne finder:
Er lebte euch die Zukunft dar.
Wir, die Dämonen, können dies nicht dulden,
wir hetzen, jagen den, der solches wagt,
mit allen Seelen, die sich uns ergaben,
mit allen Kräften, die uns zu Gebote.
Denn uns gehört die Zeitenwende,
uns diese Menschheit, die, des Gottes bar,
hinsiecht in Schwäche, Wahn und Laster.
Wir lassen das Erbeutete nicht fahren,
zerreißen den, der solches wagt.»
Er wagte es - und trug sein Los.
In Liebe, Langmut, im Ertragen
der Unzulänglichkeit, der Menschenschwächen,
die stets sein Werk gefährdeten,
die stets sein Wort missdeuteten,
die seine Nachsicht stets verkannten,
in ihrer Kleinheit sich nicht selbst erfassten,
weil seine Größe sich dem Maß entzog.
So trug er uns, - und uns verging der Atem
beim Folgen seiner Schritte, bei dem Fluge,
der schwindelnd hoch uns hinriss. Unsre Schwäche,
sie war das Hemmnis seines Fluges,
sie legte sich wie Blei um seine Füße...
Jetzt ist er frei. Ein Helfer denen droben,
die Erderrungenes entgegennehmen
zur Wahrung ihrer Ziele. Sie begrüßen
den Menschensohn, der seine Schöpferkräfte
entfaltete im Dienst des Götterwillens,
der dem verhärtetsten Verstandesalter,
der trockensten Maschinenzeit
den Geist einprägte und entlockte...
Sie wehrten’s ihm.
Die Erde webt im Schatten,
im Weltenraum erbilden sich Gestalten,
der Führer harrt, der Himmel ist geöffnet,
in Ehrfurcht und in Freude stehn die Scharen.
Doch graue Nacht umfängt den Erdenball.
