The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53
27 October 1904, Berlin
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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
4. Theosophie und Darwin
4. Theosophy and Darwin
[ 1 ] In der Gegenwart finden wir zwei wichtige Kulturströmungen. In Darwin zeigt sich die eine, die ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, in Tolstoi eine andere Kulturströmung, die im Anfange begriffen ist.
[ 1 ] In the present day, we find two major cultural trends. One, which has already passed its peak, is evident in Darwin; in Tolstoy, we see another cultural trend that is just beginning.
[ 2 ] Zahlreiche unserer Zeitgenossen, welche sich mit den Fragen beschäftigen, die mit dem Namen Darwin zu tun haben, sind wohl der Meinung, daß mit dem, was man Darwinismus nennt, so etwas wie eine endgültige Wahrheit gefunden sei; daß demgegenüber alles, was die Menschen früher gedacht haben, überwunden sei, und daß zu gleicher Zeit mit diesen endlich gefundenen Wahrheiten etwas da sei, was für die fernste Zukunft gelten müsse. Viele Menschen können sich nicht denken, daß die Meinungen der Menschen etwas durchaus Wandelbares sind. Sie haben keine VorstelJlung davon, daß der wichtigste Begriff, den wir gerade im Darwinismus finden, der Begriff der Entwickelung, nicht minder auf das geistige Leben wie auf das natürliche Leben anwendbar ist, und daß vor allen Dingen die menschlichen Meinungen und die menschlichen Erkenntnisse selbst der Entwickelung unterworfen sind. Erst wenn Sie einen größeren Zeitraum der Entwickelung des Menschengeistes überblicken wollen, wird es Ihnen klarwerden, daß die Wahrheiten, die Erkenntnisse und Anschauungen einer bestimmten Epoche sich aus den früheren Gesichtspunkten heraus entwickelt haben, andere geworden sind und daß sie in der Zukunft wieder andere werden.
[ 2 ] Many of our contemporaries who concern themselves with issues related to the name Darwin are likely of the opinion that what is called Darwinism represents something like a definitive truth; that, in contrast, everything people previously believed has been overcome; and that, along with these finally discovered truths, there is something that must hold true for the distant future. Many people cannot conceive that human opinions are something entirely subject to change. They have no conception that the most important concept we find in Darwinism—the concept of evolution—is no less applicable to spiritual life than to natural life, and that, above all, human opinions and human knowledge themselves are subject to evolution. Only when you seek to survey a longer period of the development of the human spirit will it become clear to you that the truths, insights, and views of a particular epoch have developed out of earlier perspectives, have become different, and that in the future they will become different again.
[ 3 ] Die Theosophie würde ihre Aufgabe wenig erfüllen, wenn sie nicht gerade diesen Begriff der Entwickelung auf die großen Erscheinungen des Lebens, des geistigen Lebens vor allem, anwenden würde. So lassen Sie uns heute einmal nicht vor dem engbegrenzten Horizont eines Gegenwartsmenschen, sondern von einem höheren Gesichtspunkte dasjenige betrachten, was sich an den Namen Darwin knüpft. Wir werden dabei allerdings etwas weit in der Zeit zurückgehen müssen, denn niemand kann jene Erscheinungen begreifen, wenn er sie nur für sich hinstellt, wenn er sie nicht im Zusammenhang mit anderen, ähnlichen Erscheinungen betrachtet. Die Theosophie macht es uns möglich, diese Erscheinungen in die entsprechenden großen Zusammenhänge hineinzubringen. Die Entwickelung des menschlichen Geistes, die Entwickelung dieses Geistes in den verschiedenen Formen des Daseins, wie wir sie in den letzten Vorträgen kennengelernt haben, betrachtet die Theosophie. Dieser Menschengeist, dieser Mensch, wie er heute ist und wie er seit Jahrtausenden ist, ist nichts Fertiges, nichts Abgeschlossenes. Er wird in Jahrtausenden und in noch ferneren Zeiten nicht mehr das sein, was er heute ist. Um zu begreifen, wie er sich heute in die Welt hineinstellt und seine Aufgabe in der Welt zunächst ansieht, müssen wir die charakteristischen Eigentümlichkeiten hervorheben, die wir bei diesem heutigen Menschen antreffen. Um aber das zu können, müssen wir unseren Blick dadurch etwas erweitern, daß wir gewisse Begriffe, gewisse Vorstellungen, die wir haben, nicht überschätzen.
[ 3 ] Theosophy would hardly be fulfilling its purpose if it did not apply this very concept of evolution to the great phenomena of life, especially spiritual life. So let us today view what is associated with the name Darwin not from the narrow horizon of a modern person, but from a higher perspective. We will, however, have to go back quite a long way in time, for no one can comprehend those phenomena if they are viewed in isolation, if they are not considered in connection with other, similar phenomena. Theosophy enables us to place these phenomena within their proper, broader contexts. Theosophy considers the development of the human spirit, the development of this spirit in the various forms of existence, as we have come to know them in the recent lectures. This human spirit, this human being, as he is today and as he has been for millennia, is not something finished, something complete. In millennia and in even more distant times, he will no longer be what he is today. To understand how he positions himself in the world today and how he initially views his task in the world, we must highlight the characteristic traits we find in modern man. But to do so, we must broaden our perspective somewhat by not overestimating certain concepts and ideas we hold.
[ 4 ] Namentlich ein Begriff ist es, den der Mensch heute nur zu sehr überschätzt: das ist der Begriff der bewußten menschlichen Tätigkeit, so wie wir heute unser Bewußtsein auffassen. Immer, wenn der Mensch irgendwie Kunst, Technik und dergleichen betrachtet, das von ihm ausgeht, dann hat er in gewisser Weise den Begriff des bewußten Schaffens, des bewußten Denkens im Hintergrunde. Er wird gar nicht aufmerksam darauf, daß es um ihn herum in der Welt Kunsttätigkeiten und technische Tätigkeiten gibt, welche von mindestens so großer Bedeutung sind wie die menschlichen, sich aber von den menschlichen dadurch unterscheiden, daß der Mensch das, was von ihm bewirkt wird, in bewußter Weise ausführt; denn der Mensch ist durch den Gedanken in der Welt tätig. Alles, was der Mensch unternimmt, ist zuletzt ein verwirklichter menschlicher Gedanke. Als Gedanke lebt das Haus zuerst im Geiste des Baumeisters, und wenn es fertig ist, ist es ein materiell gewordener Gedanke. Aber solche materiell gewordene Gedanken finden wir auch sonst in der Welt. Betrachten Sie nur einmal unbefangen — nicht durch die Brille der gegenwärtigen Weltanschauung — die Bewegung der Sterne in ihrer Regelmäßigkeit, und Sie werden finden, daß dem Bau des Weltgebäudes ein universeller Gedanke zugrunde liegt, wie dem Bau eines Hauses. Wie sollte der Mensch als Astronom diesen Bau des Weltengebäudes in mathematische und in andere Gesetze zwingen können, wie sollte er die Gesetze des Weltenbaues finden können, wenn diese Gesetze, die er im Gedanken erfaßt, nicht zuerst in diesem Weltenbau selbst enthalten wären? Oder nehmen Sie, um an ein anderes Beispiel anzuknüpfen, die Bauten, welche ein bekanntes Tier, der Biber, ausführt. Sie sind so kunstvoll, von solch einer mathematischen Gesetzmäßigkeit, daß der Ingenieur, der diese Dinge studiert, sich sagen muß: Wenn ihm die Aufgabe gestellt würde, unter den gegebenen Verhältnissen das Zweckmäßigste zu bauen, er könnte nach dem Gefälle des Flusses und nach den Anforderungen der Lebensweise des Bibers nichts Zweckmäßigeres, nichts Vollendeteres ausführen. So können Sie die ganze Natur verfolgen, wenn Sie sie nur unbefangen verfolgen, und Sie werden überall sehen, daß dasjenige, was der Mensch bewußt in Gedanken vollbringt, in die Wirklichkeit umsetzt, rings um uns ist und daß das, was rings um uns ist, von Gedanken durchsetzt ist.
[ 4 ] There is one concept in particular that people today overestimate all too much: the concept of conscious human activity, as we understand consciousness today. Whenever people consider art, technology, and the like—things that originate from them—they have, in a certain sense, the concept of conscious creation and conscious thinking in the background. They do not even notice that there are artistic and technical activities in the world around them that are at least as significant as human ones, but differ from human ones in that humans carry out what they bring about in a conscious manner; for humans are active in the world through thought. Everything that a human being undertakes is ultimately a realized human thought. As a thought, the house first lives in the mind of the architect, and when it is finished, it is a thought made material. But we find such thoughts made material elsewhere in the world as well. Just consider once, without preconceptions—not through the lens of the current worldview—the movement of the stars in their regularity, and you will find that the structure of the universe is based on a universal thought, just as the construction of a house is. How could a human being, as an astronomer, force this structure of the universe into mathematical and other laws? How could he discover the laws of the universe’s structure if these laws, which he grasps in thought, were not first contained within this structure itself? Or, to take another example, consider the structures built by a well-known animal, the beaver. They are so artful, of such mathematical regularity, that the engineer who studies these things must say to himself: If he were given the task of building the most practical structure under the given conditions, he could not, in accordance with the river’s gradient and the requirements of the beaver’s way of life, construct anything more practical, anything more perfect. In this way, you can observe all of nature, if only you observe it with an open mind, and you will see everywhere that what humans consciously accomplish in thought and translate into reality is all around us, and that what is all around us is permeated by thought.
[ 5 ] Wir sind gewöhnt, dasjenige, was das Tier vollbringt, eine instinktive Tätigkeit zu nennen. Wir würden also auch den kunstvollen Bau eines Bibers, der Ameisen, der Bienen, eine instinktive Tätigkeit nennen. So kommen wir aber dazu, zu begreifen, daß sich die menschliche Tätigkeit nur dadurch von dieser um uns herum verlaufenden Tätigkeit unterscheidet, daß der Mensch weiß von den Gesetzen seiner Tätigkeit, daß er ein Wissen davon hat. Und gerade das bezeichnen wir als eine instinktive Tätigkeit, welche bei einem Wesen vorliegt, das kein Bewußtsein von den Gesetzen hat, nach denen es arbeitet. Wenn Sie in dieser Weise zwei weit in ihrer Entwickelung auseinanderliegende Wesen, wie den Menschen in seiner bewußten Tätigkeit und zum Beispiel den Biber oder die Ameise betrachten, so wird Ihnen auffallend sein der große Unterschied zwischen der menschlichen bewußten Verstandestätigkeit und der unbewußten, instinktiven Tätigkeit eines verhältnismäßig unvollkommenen Tieres. Zwischen diesen beiden Tätigkeiten gibt es unzählig viele Grade. Von diesen Graden können wir auch solche beschreiben, die der Mensch in einer zwar langen, aber gegenüber dem großen Weltenzeitraum doch wieder kurzen Vorzeit durchgemacht hat. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Vorträge geführt werden zu einer früheren, sehr viel früheren Stufe menschlicher Kulturtätigkeit — heute kann ich das nur andeuten -, wir werden geführt werden zu den menschlichen Vorfahren in einer längst verflossenen Zeit, zu den sogenannten Atlantiern, deren Kultur längst untergegangen ist und deren Nachkommen die Kulturschöpfer unserer gegenwärtigen menschlichen Rasse sind. Wenn wir nun die Geistestätigkeit, die ganze Art und Weise des Menschen, in der Umwelt tätig zu sein, bei diesen Atlantiern, die vor vielen Jahrtausenden unsere Vorgänger waren, verfolgen und sehen, mit welchen Mitteln die theosophische Weltbetrachtung die Geistestätigkeit dieser Vorfahren kennenlernt, dann würde sich uns zeigen, daß sie zwar nicht so weit absteht von unserer gegenwärtigen Verstandestätigkeit wie die Tätigkeit der Tiere, daß aber unsere atlantischen Vorfahren doch wesentlich anders geartet waren als unsere heutigen Zeitgenossen. Diese atlantischen Vorfahren waren keineswegs unbefähigt, große Bauten aufzuführen, keineswegs unbefähigt, die Natur in ihre Gewalt zu bringen; aber ihre Tätigkeit war mehr instinktiv als die voll bewußte Tätigkeit der gegenwärtigen Menschheit. Sie war nicht so instinktiv wie die der Tiere, aber instinktiver als die der heutigen Verstandesmenschheit.
[ 5 ] We are accustomed to calling what an animal does an instinctive activity. We would therefore also call the elaborate constructions of beavers, ants, and bees instinctive activities. But this leads us to understand that human activity differs from the activity taking place around us only in that humans are aware of the laws governing their activity; they possess knowledge of them. And it is precisely this that we refer to as an instinctive activity—one present in a being that has no awareness of the laws according to which it operates. If you consider in this way two beings that are far apart in their development—such as humans in their conscious activity and, for example, the beaver or the ant—you will notice the great difference between human conscious intellectual activity and the unconscious, instinctive activity of a relatively imperfect animal. Between these two activities there are countless degrees. Among these degrees, we can also describe those that humanity has undergone in a period that, while long, is nevertheless brief in comparison to the vast span of world history. In the course of these lectures, we will be led to an earlier, much earlier stage of human cultural activity—today I can only hint at this—we will be led to the human ancestors of a time long past, to the so-called Atlanteans, whose culture has long since perished and whose descendants are the cultural creators of our present human race. If we now trace the spiritual activity, the entire manner in which human beings engage with their environment, among these Atlanteans, who were our predecessors many millennia ago, and see the means by which the theosophical worldview comes to know the spiritual activity of these ancestors, then it would become clear to us that, while their mental activity is not as far removed from our present-day intellectual activity as that of animals, our Atlantean ancestors were nevertheless of a fundamentally different nature than our contemporaries today. These Atlantean ancestors were by no means incapable of erecting great structures, nor of bringing nature under their control; but their activity was more instinctive than the fully conscious activity of present-day humanity. It was not as instinctive as that of animals, but more instinctive than that of today’s intellectual humanity.
[ 6 ] Die Geschichte des alten Babylon und Assyrien erzählt uns von kunstvoll aufgerichteten Bauten, und heutige Baukünstler, die diese Dinge studieren, versichern uns, daß die Art und Weise, wie die damaligen Menschenwerke geschaffen worden sind, so außerordentlich waren, daß die bewußte Tätigkeit des heutigen Baukünstlers noch nicht so weit ist, um dasjenige zu vollbringen, was dazumal der Mensch auf verhältnismäßig unbewußten Stufen zu tun in der Lage war. Sie müssen sich an dem Worte «instinktiv» nicht stoßen. Es ist doch nur ein geringer Unterschied zwischen dem heutigen Geiste des Menschen und dem früheren. Würden wir die Tätigkeiten, die — um mich etwas populär auszudrücken — die Leute mehr im Griffe, mehr in der Empfindung und in der Intuition haben, die wir mehr mechanisch und nicht indem wir sie uns bewußt vorsetzen, verrichten, würden wir diese Tätigkeiten zurückverfolgen, dann kämen wir zu unseren atlantischen Vorfahren, die in viel höherem Grade instinktiv wirkten, als es in den Zeiten der Fall war, die wir geschichtlich verfolgen können. So können wir sagen, daß wir geschichtlich die menschliche Verstandestätigkeit verfolgen können bis zu einer Zeit, in der die Verstandestätigkeit noch nicht in dem heutigen Grade vorhanden war, ja, im Anfange der atlantischen Zeit überhaupt noch nicht vorhanden war, und daß wir auf der anderen Seite auch zugeben müssen, daß der Mensch sich in der Zukunft wieder zu ganz anderen Geistesfähigkeiten entwickeln wird, als sein heutiger Verstand ist. Also, unser heutiger Verstand, der das Bezeichnendste, das Charakteristische ist für den Gegenwartsmenschen, ist nicht etwas, was ewig oder auch nur unveränderlich ist, sondern er ist etwas, was in der Entwikkelung begriffen ist. Er ist entstanden und ‚wird sich zu anderen, höheren Formen hinaufentwickeln.
[ 6 ] The history of ancient Babylon and Assyria tells us of artfully constructed buildings, and today’s architects, who study these things, assure us that the manner in which the works of that time were created was so extraordinary that the conscious activity of today’s architect has not yet reached the point where it can accomplish what people were capable of doing back then at relatively unconscious levels. You need not take offense at the word “instinctively.” After all, there is only a slight difference between the human spirit of today and that of the past. If we were to trace back the activities that—to put it in somewhat popular terms — people have more in their grasp, more in their feeling and intuition, which we perform more mechanically and not by consciously setting out to do them, if we were to trace these activities back, we would arrive at our Atlantean ancestors, who acted instinctively to a much greater degree than was the case in the times we can trace historically. Thus we can say that historically we can trace human intellectual activity back to a time when intellectual activity was not yet present to the extent it is today—indeed, at the beginning of the Atlantean era, it was not present at all—and that, on the other hand, we must also admit that in the future humanity will develop entirely different mental faculties than those of today’s intellect. Thus, our present-day intellect, which is the most distinctive and characteristic feature of modern humanity, is not something that is eternal or even unchanging, but rather something that is in the process of development. It has come into being and ‘will develop into other, higher forms.’
[ 7 ] Worin besteht nun die Tätigkeit dieses Verstandes? Auch das haben wir schon angedeutet. Sie besteht darin, daß der Mensch immer mehr das bloß Instinktive seiner Tätigkeit überwindet und klar weiß von den Gesetzen, die er anwendet im äußeren Leben, klar weiß auch von den Gesetzen, die in der Natur sich verwirklicht haben. Wenn aber dieser Verstand selbst in der Entwickelung begriffen ist, dann hat er offenbar verschiedene Entwickelungsstufen durchgemacht; er ist vorgeschritten von verhältnismäßig unvollkommenen Stufen zu einer höheren Stufe in der Gegenwart, und er wird in der Zukunft zu noch anderen aufsteigen.
[ 7 ] What, then, is the nature of this reason’s activity? We have already touched upon this as well. It consists in the fact that human beings increasingly overcome the purely instinctive aspect of their activity and clearly understand the laws they apply in their external lives, as well as the laws that have come to fruition in nature. But if this intellect itself is in the process of development, then it has evidently gone through various stages of development; it has progressed from relatively imperfect stages to a higher stage in the present, and in the future it will ascend to still others.
[ 8 ] Blicken wir zurück auf die atlantischen Vorfahren, so sehen wir den Verstand hervorgehen zuerst in seiner Morgendämmerung, dann entwickelt er sich bis zu einem Höhepunkt, um dann von einer höheren Geistestätigkeit in Zukunft abgelöst zu werden. Nicht auf einmal kann dieser Verstand sich ausbilden. Er muß sozusagen stückweise das vollbringen, was seine Aufgabe ist. Von Etappe zu Etappe muß er schreiten, wenn er wissen will von den Gesetzen, die in unserer Natur sind und die er selbst verwirklicht. Das kann nur in aufeinanderfolgenden Stufen geschehen. Was soll dieser Verstand? Er soll die Dinge um sich herum begreifen, von ihnen wissen. Er soll sie in seinem Inneren nacherschaffen, begrifflich nacherschaffen dasjenige, was draußen in der Wirklichkeit ist. Dieses Wissen muß er sich nach und nach aneignen. Dieses Wissen muß aber den äußeren Dingen entsprechen. Die äußeren Dinge sind aber mannigfaltig. Die Dinge, die wir in der Welt verfolgen können, sind Geist, Seele und äußere physische Wirklichkeit.
[ 8 ] If we look back at our Atlantean ancestors, we see the intellect emerging first in its dawn, then developing to a peak, only to be superseded in the future by a higher spiritual activity. This intellect cannot develop all at once. It must, so to speak, accomplish its task step by step. It must proceed from stage to stage if it is to know the laws that are in our nature and that it itself brings to fruition. This can only happen in successive stages. What is the purpose of this intellect? It is to comprehend the things around it, to know them. It is meant to recreate them within itself, to conceptually recreate that which exists outside in reality. It must acquire this knowledge little by little. However, this knowledge must correspond to external things. External things, however, are manifold. The things we can observe in the world are mind, soul, and external physical reality.
[ 9 ] Nicht auf einmal ist der Verstand bei seiner Ausbildung in der Seele dagewesen, um diese äußere Natur in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit zu begreifen. Stück um Stück hat der Mensch die verschiedenen Arten der Wirklichkeit erobern müssen, das Geistige, das Seelische und das Physische. Und in sehr interessanter Weise können wir verfolgen, wie er sie erobert. Der Mensch ist nicht in der Lage, draußen in der Welt die Dinge zu begreifen, bevor er sie sich nicht in der Einsamkeit seines Nachdenkens angeeignet hat. Niemals würde der Mensch imstande sein, eine Ellipse als Sternenbahn zu begreifen, wenn er nicht vorher die Gesetze der Ellipse, die Formen derselben sich in der Einsamkeit angeeignet hätte. Hat er den Begriff in sich gefunden, so sieht er denselben auch in der Außenwelt verwirklicht. Erst wenn der Mensch das Wissen in sich geschaffen hat, kann er es in der Außenwelt materialisiert finden. Nun müssen wir uns klar sein darüber, daß dies auf den verschiedensten Stufen der Verstandesentwickelung während unserer menschlichen Rassenentwickelung geschehen ist. Der menschliche Verstand mußte sich selbst erst einen Begriff machen von dem Bilde, das er in der Außenwelt sehen kann, um dann das in der Außenwelt Gesehene zu verstehen. Zuerst erkennt der Mensch in der Regel das, was in ihm selbst lebt. Das ist der Geist, die Seele. Erst nach und nach gelangt er zu den Begriffen von dem, was um ihn herum ist. Sie können das beobachten bei jedem Kinde. Es hat nicht zuerst einen Begriff von der leblosen Natur, sondern von der Seele. Es schlägt den Tisch, an dem es sich gestoßen hat, weil es ihn für gleichartig hält mit sich selbst. So ist es auch in der Kulturentwickelung. Wir haben bei der Kulturentwickelung eine Epoche zu beobachten, welche die Forscher Animismus genannt haben. In der ganzen Natur hat man belebte Wesen gesehen, in jedem Stein, in jedem Felsen, in jeder Quelle sah man etwas Lebendiges, weil man selbst lebendig war und aus seinem Inneren den Begriff des Lebendigen bilden kann. So haben auch frühere Menschenrassen zuerst den Begriff des Geistes, dann den des Seelisch-Lebendigen gewonnen, und zuallerletzt haben sie sich den Begriff des äußeren Mechanischen, Leblosen angeeignet.
[ 9 ] The mind was not present in the soul from the very beginning of its development to comprehend this external nature in all its diversity. Bit by bit, human beings have had to master the various aspects of reality: the spiritual, the psychological, and the physical. And in a very interesting way, we can observe how he conquers them. Human beings are not capable of comprehending things out in the world until they have first appropriated them in the solitude of their reflection. Humanity would never be able to comprehend an ellipse as a stellar orbit if it had not first appropriated the laws of the ellipse and its forms in solitude. Once the concept has been found within, it is also seen realized in the external world. Only when humanity has created the knowledge within itself can it find it materialized in the external world. Now we must be clear that this has occurred at the most diverse stages of intellectual development throughout our human racial evolution. The human intellect first had to form a concept of the image it can see in the external world in order to then understand what is seen in the external world. As a rule, human beings first recognize what lives within themselves. That is the spirit, the soul. Only gradually does he arrive at concepts of what is around him. You can observe this in every child. The child does not first have a concept of inanimate nature, but of the soul. He strikes the table against which he has bumped himself, because he regards it as being of the same nature as himself. So it is also in cultural development. In the development of culture, we can observe an epoch that researchers have called animism. In all of nature, people saw animated beings; in every stone, in every rock, in every spring, they saw something living, because they themselves were alive and could form the concept of the living from within themselves. In the same way, earlier human races first developed the concept of the spirit, then that of the soul-life, and only finally did they acquire the concept of the external, mechanical, and lifeless.
[ 10 ] Sehen wir zurück in die Zeit, die wir geschichtlich verfolgen können, in die Zeit des alten Indiens mit seinen Veden und der Vedantaphilosophie, und studieren wir diese uralten Weltanschauungen, so finden wir, daß die Menschen einen Begriff des Geistigen im umfassendsten Sinne hatten. Der Begriff des Geistes lebt in diesen alten, wunderbaren Urkunden. Was aber die alten Völker nicht konnten, das war das Begreifen des einzelnen Geistes, des Sondergeistes. Sie hatten eine große Vorstellung von dem allumfassenden Weltengeist und seinen verschiedenen Wandlungen in der Welt, aber in die einzelne Menschenseele hineinzusehen, um den Geist der Menschenseele zu fassen, das ist in dieser ersten Zeit noch nicht möglich gewesen. Von einer Psychologie in unserem Sinne, von dem, was man heute Geistlehre nennt, was aber erst in der Zukunft einmal wirkliche Geistlehre sein wird, hatten sie keinen Begriff. Sie dachten den Geist, aber verstanden den einzelnen Geist nicht. Wenn wir die Anfänge der Geistentwickelung bis zum Anfange des Griechentums verfolgen, so finden wir, daß in jener Zeit selbst diejenigen, welche sich Philosophen nennen, den Begriff der Seele auf die ganze Welt anwenden. Alles ist bei ihnen beseelt. Sollen sie aber die einzelne Seele verstehen, so scheitert ihr Verständnis.
[ 10 ] If we look back to the period of history we can trace—to the time of ancient India with its Vedas and Vedanta philosophy—and study these ancient worldviews, we find that people had a concept of the spiritual in the broadest sense. The concept of the spirit lives on in these ancient, wonderful texts. But what the ancient peoples could not do was to comprehend the individual spirit, the unique spirit. They had a grand conception of the all-encompassing world spirit and its various manifestations in the world, but to look into the individual human soul in order to grasp the spirit of the human soul—that was not yet possible in those early times. They had no concept of psychology as we understand it, of what is today called the science of the spirit—though this will only become a true science of the spirit in the future. They conceived of the spirit, but did not understand the individual spirit. If we trace the beginnings of spiritual development back to the dawn of Greek civilization, we find that even those who called themselves philosophers in that era applied the concept of the soul to the entire world. For them, everything is animated. But when it comes to understanding the individual soul, their comprehension fails.
[ 11 ] Zuerst bildet sich der Mensch also den allgemeinen Begriff des Geistes und den allgemeinen Begriff der Seele. Aber erst in späterer Zeit tritt er mit seinem Geiste an diese Begriffe heran, um sie im einzelnen Wesen zu begreifen. Im ganzen Mittelalter können wir verfolgen, daß der Mensch noch nicht in den einzelnen Geist hineindringt. Nur Giordano Bruno möchte ich hier nennen. Wer die Philosophie dieses tonangebenden Geistes studiert, der findet, daß er einen allumfassenden Begriff eines Weltenlebens hat, einen Begriff des Lebens in seiner höchsten Bedeutung. Die ganze Welt ist ihm Leben, in jedem Stein, in jedem Stern sieht er Leben. Jeder einzelne Teil des Universums ist ihm ein Glied, ein Organ des Universums. Er blickt zu den Sternen auf als zu belebten Wesen. Und auch den einzelnen Menschen betrachtet er konsequent in diesem Sinne. In dem lebendigen Menschen sieht er nur eine Stufe in der Folge des allgemeinen seelischen Menschenlebens. Er nennt den Menschen, der physisch vor uns steht, einen im Raum ausgebreiteten Geist, das im Raum ausgebreitete Leben. Und den Tod faßt er als nichts anderes auf als das Zusammenziehen des Lebens in einen einzigen Punkt. Ausdehnung und Zusammenziehung sind für ihn die Erscheinungen des Lebens und des Todes. Das Leben ist ewig. Das Leben, das uns im Physischen erscheint, ist ein im Raum ausgedehntes Leben; das Leben, das nicht im Physischen erscheint, ist zusammengezogenes Leben. So wechselt das Leben fortwährend durch Ausdehnung und Zusammenziehung. Außer diesen beiden Eigenschaften, durch die Giordano Bruno zeigt, was für einen umfassenden Begriff er vom Leben hat, könnte ich vielleicht noch anführen den Begriff des Himmels, einen Begriff, den die Wissenschaft noch lange nicht erreicht hat, den man aber studieren müßte, in den man sich versenken müßte, um wieder zum umfassenden Begriff des Himmels zurückzukehren. Was aber auch Giordano Bruno noch nicht möglich war, das ist, das einzelne Lebewesen, das Sonderwesen zu begreifen. Die Möglichkeit, diese einzelnen lebenden Sonderwesen zu begreifen, entwickelt sich aber gerade in dieser Zeit. Da fängt man erst an, die Vorgänge im menschlichen Körper für den Verstand klarzulegen, da fängt man an, zu begreifen, wie das Blut im Körper fließt, wie die Tätigkeiten des Körpers vor sich gehen. Was wir heute Physiologie nennen, das fing damals erst an, greifbare Gestalt zu bekommen. Wenn Sie die Naturforscher der damaligen Zeit, wie Paracelsus, betrachten, dann werden Sie sehen, daß diesen ein Begriff fehlt; die menschliche Kulturentwickelung hatte damals den Begriff noch nicht hervorgetrieben, der heute unsere Weltanschauung beherrscht: den Begriff des Mechanismus. Der Begriff des Mechanismus ist der, welcher am spätesten erfaßt ist. Was Maschine ist, das hat der Mensch am spätesten erfaßt. Erst nach Giordano Bruno und Paracelsus fängt das wissenschaftliche Denken an, den Begriff der Maschine auszubilden, den Begriff des Mechanischen.
[ 11 ] First, then, human beings form the general concept of the spirit and the general concept of the soul. But it is only later that they approach these concepts with their spirit in order to grasp them in the individual being. Throughout the Middle Ages, we can observe that human beings have not yet penetrated the individual spirit. I would like to mention only Giordano Bruno here. Anyone who studies the philosophy of this leading thinker will find that he has an all-encompassing concept of a cosmic life, a concept of life in its highest sense. The whole world is life to him; in every stone, in every star, he sees life. Every single part of the universe is for him a limb, an organ of the universe. He looks up to the stars as to living beings. And he consistently regards the individual human being in this sense as well. In the living human being, he sees only a stage in the sequence of general spiritual human life. He calls the human being who stands physically before us a spirit spread out in space, life spread out in space. And he understands death as nothing other than the contraction of life into a single point. Expansion and contraction are, for him, the manifestations of life and death. Life is eternal. The life that appears to us in the physical realm is life expanded in space; the life that does not appear in the physical realm is contracted life. Thus, life continually alternates through expansion and contraction. Apart from these two characteristics, through which Giordano Bruno demonstrates the comprehensive concept he has of life, I might perhaps also mention the concept of heaven—a concept that science is still far from having attained, but which one would have to study, into which one would have to immerse oneself, in order to return once more to the comprehensive concept of heaven. But what was not yet possible even for Giordano Bruno is to comprehend the individual living being, the unique being. The ability to comprehend these individual living beings, however, is developing precisely at this time. It is only now that we are beginning to clarify the processes in the human body for the mind; it is only now that we are beginning to understand how blood flows through the body, how the body’s functions take place. What we call physiology today was only just beginning to take tangible shape back then. If you look at the natural scientists of that time, such as Paracelsus, you will see that they lack a certain concept; human cultural development had not yet brought forth the concept that dominates our worldview today: the concept of mechanism. The concept of mechanism is the one that was grasped last. What a machine is, humanity grasped last. It was only after Giordano Bruno and Paracelsus that scientific thinking began to develop the concept of the machine, the concept of the mechanical.
[ 12 ] Wir haben also gesehen, wie im Laufe der Zeiten die menschliche Verstandesentwickelung nacheinander die Begriffe: Geist, Seele, Leben, Mechanismus gefaßt hat. Nun folgt in unserer Rassenentwickelung das Umgekehrte. Nachdem die menschliche Entwickelung die Begriffe gefaßt hatte, wendete sie sie an auf die äußeren Dinge selbst, und die erste Epoche in dieser Beziehung ist die Anwendung des Begriffes der Maschine auf die umliegende Wirklichkeit. Man will nicht nur die Maschine begreifen, sondern man wendert den Begriff der Maschine auch an auf das Einzelwesen. Die Anwendung des Begriffes der Maschinentätigkeit ist das Kennzeichen der Epoche, von welcher erst wenige Jahrhunderte abgelaufen sind. Das 17. Jahrhundert gehört zu dieser Epoche. Wenn wir bis dahin zurückgehen, finden wir den Philosophen Descartes. Er wendet den Begriff des Mechanismus auf die Tierwelt an. Er unterscheidet nicht zwischen dem Tier und leblosen Dingen, sondern er betrachtet die ganze Tier- und Pflanzenwelt als Wesen, die Automaten gleich sind, als vollständig in reiner mechanischer Tätigkeit aufgehende Wesen. Das kommt von nichts anderem, als weil die Menschheit so weit gekommen war, den Begriff des Mechanischen zu erfassen, aber noch nicht verstand, den Begriff der Seele und des Geistes auf das einzelne Wesen anzuwenden, sondern lediglich den Begriff des Mechanischen auf die Natur anzuwenden verstand. So sah der Mensch gleichsam durch Pflanze, Tier und Menschenseele hindurch. Da konnte er nichts fassen; es war ihm nicht möglich, in Pflanze, Tier und Mensch etwas Höheres zu sehen. Und in der äußeren Gestaltung ist ja jedes Wesen mechanisch. Ein jedes Wesen auf dem physischen Plane ist mechanisch. Diese unterste Stufe erfaßt zuerst der Verstand. Er erfaßt den physischen Leib der verschiedenen Weltdinge, und er faßt ihn, wie das naturgemäß ist, zunächst als rein physische, mechanische Tätigkeit auf. Das war die Epoche des mechanischen Verstehens der Welt und die Epoche des Nichterkennens alles Höheren der Welt zu gleicher Zeit. Diese Epoche dehnt sich bis in unsere Zeit hinein aus. Wir sehen, wie heute der Mensch bemühr ist, den Begriff des Mechanischen auf die Außenwelt anzuwenden; wir sehen, wie Descartes Pflanze, Tier und Mensch mechanisch begreift, denn auch des Menschen physischer Leib ist mechanisch. Daher auch die Behauptung, der Mensch sei nur Maschine.
[ 12 ] We have thus seen how, over the course of time, the development of human reason has successively grasped the concepts of spirit, soul, life, and mechanism. Now, in our racial evolution, the reverse is taking place. After human evolution had grasped these concepts, it applied them to external things themselves, and the first epoch in this regard is the application of the concept of the machine to the surrounding reality. People not only want to understand the machine, but they also apply the concept of the machine to the individual being. The application of the concept of machine activity is the hallmark of the epoch from which only a few centuries have passed. The 17th century belongs to this epoch. If we go back to that time, we find the philosopher Descartes. He applies the concept of mechanism to the animal world. He does not distinguish between animals and inanimate objects, but regards the entire animal and plant world as beings that are like automata, as beings completely absorbed in pure mechanical activity. This stems from nothing other than the fact that humanity had advanced far enough to grasp the concept of the mechanical, but had not yet understood how to apply the concept of the soul and the spirit to the individual being; rather, it understood only how to apply the concept of the mechanical to nature. Thus, humanity saw, as it were, right through the plant, the animal, and the human soul. There they could grasp nothing; it was not possible for them to see anything higher in plants, animals, and human beings. And in its outward form, every being is indeed mechanical. Every being on the physical plane is mechanical. This lowest level is grasped first by the intellect. It grasps the physical body of the various things in the world, and it conceives of it, as is natural, initially as purely physical, mechanical activity. That was the epoch of the mechanical understanding of the world and, at the same time, the epoch of the failure to recognize anything higher in the world. This epoch extends into our own time. We see how people today strive to apply the concept of the mechanical to the external world; we see how Descartes conceives of plants, animals, and humans mechanically, for the human physical body, too, is mechanical. Hence also the assertion that the human being is merely a machine.
[ 13 ] Dann kommen die großen Entdecker und die große technische Tätigkeit der mechanischen Welt, der Industrie. Wir sehen, wie der Verstand und der mechanische Begriff seine höchsten Triumphe feiert. Er dringt hinauf bis in die einzelnen Lebewesen, und er begreift sie in ihrem physikalischtechnischen Zusammenhang. Was im 18. Jahrhundert noch nicht möglich war, das Zusammenleben der Tiere und Pflanzen mechanisch zu begreifen, das bringt das 19. Jahrhundert. Nicht die Entwickelung ist das Wesentliche, sondern daß eine Verwandtschaft besteht zwischen den Wesen. Die Entwickelung ist nicht das Charakteristische des Darwinismus; denn eine Entwickelungslehre gab es immer. Sie können auf Aristoteles, ja bis in die Vedantaphilosophie zurückgehen, auch bei Goethe, überall werden Sie finden, daß die Entwikkelungslehre zu allen Zeiten vorhanden war. Auch im modernen naturwissenschaftlichen Sinne gibt es bereits im Beginne des 19. Jahrhunderts eine Entwickelungslehre, den Lamarckismus. Lamarcks Lehre betrachtet durchaus die Tierwelt so, daß sie aufsteigt vom Unvollkommenen zum Vollkommenen bis herauf zu dem physischen Menschen. Aber dazumal konnte der Lamarckismus noch nicht populär werden. Lamarck wurde nicht verstanden. Erst die Mitte des 19. Jahrhunderts war reif dafür, die Entwickelungslehre in mechanischer Weise zu verstehen. Da war die Erfahrung des äußeren physischen Lebens so weit, daß dieses wunderbare Gebäude zusammengestellt werden konnte, das Darwin aufgestellt hat und wodurch er nichts anderes tat, als daß er mechanisch aufgestellt hat das, was uns umgibt; in mechanische Gedanken gefaßt hat das, was um uns herum ist.
[ 13 ] Then come the great explorers and the great technical achievements of the mechanical world, of industry. We see how reason and the mechanical concept celebrate their greatest triumphs. It penetrates even into individual living beings and comprehends them within their physical-technical context. What was not yet possible in the 18th century—to mechanically comprehend the coexistence of animals and plants—is achieved in the 19th century. It is not evolution that is the essential point, but rather that a kinship exists between beings. Evolution is not the defining feature of Darwinism; for a theory of evolution has always existed. You can trace it back to Aristotle, indeed as far as Vedanta philosophy, and even to Goethe; everywhere you will find that the theory of evolution has been present throughout the ages. Even in the modern scientific sense, a theory of evolution—Lamarckism—already existed at the beginning of the 19th century. Lamarck’s theory certainly views the animal world as ascending from the imperfect to the perfect, all the way up to physical human beings. But at that time, Lamarckism could not yet become popular. Lamarck was not understood. It was not until the mid-19th century that the time was ripe to understand the theory of evolution in a mechanical way. By then, experience of external physical life had advanced to the point where this marvelous edifice could be constructed, which Darwin erected and through which he did nothing other than mechanically set forth what surrounds us; he expressed in mechanical terms what is around us.
[ 14 ] Das nächste war, daß der Mensch, wenigstens als Hypothese, den Gedanken von der physischen Verwandtschaft des materiellen Menschen mit den anderen materiellen Organismen faßte. Das war das Letzte, der Schlußstein in dem Gebäude. Und wir werden die Bedeutung des Schlußsteines kennenlernen, wenn wir über die Philosophie von Ernst Haeckel sprechen werden.
[ 14 ] The next step was that humans, at least as a hypothesis, conceived of the idea of a physical kinship between material humans and other material organisms. That was the final piece, the keystone in the edifice. And we will come to understand the significance of the keystone when we discuss the philosophy of Ernst Haeckel.
[ 15 ] Wenn wir den Gedanken der Entwickelung auf den Menschen selbst anwenden, dann finden wir, daß es begreiflich ist, daß eine Entwickelungsstufe des geistigen Menschen die Eroberung des geistigen Gedankens sein muß. Der Darwinismus hat durch rein äußere Ursachen, durch das Gesetz vom Kampf ums Dasein, dieses Gebiet der Welt sich erobert. Er bedeutet daher eine notwendige Entwickelungsphase in der Kultur des Menschen, und wir werden aus der Notwendigkeit seines Entstehens die Notwendigkeit seiner Überwindung begreifen. Dadurch gewinnen wir den weiten Blick, daß wir den Darwinismus als eine Phase in der wissenschaftlichen Entwickelung auffassen werden. Daß der Darwinismus die Welt, die Tatsachen betrachtet, wie sie wirklich sind — nur der Befangene kann dieses sagen. Die Tatsachen kennt man, die waren ja immer da; nur die Art und Weise des Denkens ist eine andere. Wenn Sie Goethes Aufsätze «Geschichte meines botanischen Studiums» lesen, so werden Sie fast wörtlich finden, was Darwin in seiner Weise beschreibt. Auch in Goethes «Metamorphose der Pflanzen» finden Sie vieles. Goethe stützt auf dieselben Tatsachen eine weitaus höhere, viel umfassendere Theorie des Lebens, eine Theorie, von der die heutige Wissenschaft etwas Höheres ablösen wird, als der Darwinismus es ist. Das ist die Goethesche Lehre von dem Zusammenhang der Organismen. Aber wie jede Phase der Entwickelung durchgemacht werden muß, so mußte auch das Studium des Darwinismus durchgemacht werden. Die ganze Lebenslage in der Mitte des 19. Jahrhunderts war so, daß durch sie erst die Menschheit reif wurde, mechanische Gedanken in das Tier- und Pflanzenreich einzuführen. Dieser mächtige Gedanke hat sich dann ausgedrückt in dem mechanischen Kampf ums Dasein der Lebewesen untereinander. Er hat seinen Ursprung in einer ganz bestimmten Art des menschlichen Lebens selbst.
[ 15 ] If we apply the concept of evolution to human beings themselves, we find that it is understandable that one stage of the spiritual human being’s development must be the conquest of spiritual thought. Darwinism has conquered this realm of the world through purely external causes, through the law of the struggle for existence. It therefore represents a necessary phase of development in human culture, and from the necessity of its emergence we will understand the necessity of its overcoming. Through this we gain the broader perspective that allows us to view Darwinism as a phase in scientific development. That Darwinism views the world and the facts as they really are—only the biased can say this. The facts are known; they have always been there; only the way of thinking is different. If you read Goethe’s essays “History of My Botanical Studies,” you will find almost word for word what Darwin describes in his own way. You will also find much in Goethe’s “Metamorphosis of Plants.” Goethe bases a far higher, much more comprehensive theory of life on the same facts—a theory from which modern science will derive something higher than Darwinism. This is Goethe’s doctrine of the interconnection of organisms. But just as every phase of development must be gone through, so too must the study of Darwinism have been gone through. The entire situation in the mid-19th century was such that it was only through it that humanity became ready to introduce mechanical ideas into the animal and plant kingdoms. This powerful idea then found expression in the mechanical struggle for existence among living beings. It has its origin in a very specific way of human life itself.
[ 16 ] Darwin bezog, neben seinen Beobachtungen, alles dasjenige, was für ihn den größten Ausschlag gegeben hat zu seiner Theorie, auf die Lehre von Malthus. Diese Lehre über die Bevölkerungs- und Nahrungsmittelzunahme ist es, die ihn darauf gebracht hat, den äußeren Kampf ums Dasein als das Vervollkommnungsprinzip aufzustellen. Malthus vertritt das Gesetz, daß die Menschheit sich rascher fortpflanzt, als die Möglichkeit wächst, sich Nahrungsmittel zu verschaffen. Die Nahrungsmittelzunahme geschieht langsam in arithmetischer Progression, also wie 1-2-3-4-und so weiter, die Bevölkerungszunahme aber geschieht in geometrischer Progression, also wie 1-2-4-8-16- und so weiter. Wenn das der Fall ist, dann ist es natürlich, daß bei der ungleichen Zunahme der Nahrungsmittel im Verhältnis zur Zunahme der Bevölkerung ein Kampf ums Dasein entsteht. Das ist das trostlose sogenannte Malthussche Gesetz. Während Malthus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus diesem Gesetz nur logische Folgerungen ziehen wollte, die auf die Art des Zusammenlebens, auf eine Möglichkeit, die Kultur zu fördern, auf eine Möglichkeit, den Menschen ein besseres Leben zu bieten, hinausliefen, da sagte sich Darwin: Wenn dieses Gesetz in dem Menschenleben herrscht, dann ist es umso sicherer, daß der Kampf ums Dasein überall ist. — Sie sehen daher am Darwinismus am allerklarsten, daß der Mensch von sich selbst ausgeht; was er an sich beobachtet, das überträgt er auf die äußere Natur. Das rein mechanische Gesetz des Kampfes aller gegen alle, das das Prinzip der Lebensgestaltung im 19. Jahrhundert geworden ist, tritt uns wieder entgegen in der Darwinschen Theorie. Ich will nicht davon sprechen, daß die naturwissenschaftlichen Untersuchungen es längst nicht mehr möglich machen, an dem Prinzip des Kampfes ums Dasein festzuhalten, sondern nur hervorheben, daß die Anwendung des Prinzips keine Notwendigkeit ist.
[ 16 ] In addition to his observations, Darwin attributed everything that had the greatest influence on his theory to Malthus’s doctrine. It was this theory of population and food growth that led him to establish the external struggle for existence as the principle of perfection. Malthus posits the law that humanity reproduces more rapidly than the ability to procure food grows. Food production increases slowly in arithmetic progression—that is, as 1-2-3-4 and so on—while population growth occurs in geometric progression—that is, as 1-2-4-8-16 and so on. If this is the case, then it is natural that, given the unequal growth of food supplies relative to population growth, a struggle for existence arises. This is the bleak so-called Malthusian law. While Malthus, in the first half of the 19th century, sought only to draw logical conclusions from this law—conclusions that amounted to ways of living together, a means of promoting culture, and a way of offering people a better life—Darwin said to himself: If this law prevails in human life, then it is all the more certain that the struggle for existence is everywhere. — Thus, Darwinism most clearly reveals that man proceeds from himself; what he observes in himself, he projects onto external nature. The purely mechanical law of the struggle of all against all, which became the guiding principle of life in the 19th century, confronts us once again in Darwin’s theory. I do not wish to discuss the fact that scientific research has long since made it impossible to adhere to the principle of the struggle for existence, but only to emphasize that the application of the principle is not a necessity.
[ 17 ] Wir müssen aber auch begreifen, daß nicht etwas Umfassendes, nicht etwas Letztes geboten war damit, daß der Mensch die ganze Umwelt mechanisch begreift. In den Wesen steckt noch etwas anderes als der bloße Mechanismus. Wir haben gesehen, wie der Mechanismus, die äußere physische Gestalt, nur ein Teil, nur eines der Elemente ist, aus denen die Welt sich zusammensetzt. Dadurch, daß wir die äußere Erscheinung begreifen, begreifen wir auch nur den alleruntersten Teil der um uns herum existierenden Wesen. Jede Phase der menschlichen Kulturentwickelung hat auch ihre Schattenseite; jede Phase zeigt ihre Radikalismen. Derjenige, der klar gesehen hätte in der Zeit des aufblühenden Darwinismus, würde sich gesagt haben: Ganz gewiß muß die Entwickelung des mechanischen Gedankens geschehen; aber dieser Gedanke ist noch nicht geeignet, das Leben, die Seele, den Geist im Sonderwesen zu begreifen. Wir müssen erst lernen, Brunos Gedanken des allumfassenden Weltenlebens anzuwenden auf das einzelne Sonderwesen, das vor uns steht, dann werden wir die Welt um uns herum in Durchsichtigkeit bis hinauf zum Geist allmählich begreifen können. Wir sind heute erst so weit, den Begriff des Mechanischen auf die Einzelwesen anwenden zu können. In der Zukunft muß es gelingen, auch die Begriffe des Lebens, der Seele und des Geistes wiederum in den Einzelwesen zu finden. Wir müssen wiederum dahin kommen, die Pflanze nicht bloß mit den Augen des mechanisch denkenden Physiologen, sondern mit den Begriffen des zu höheren Stadien des Lebens steigenden Wissenschafters anzusehen. Wir müssen bis zu den Begriffen der Seele und des Geistes aufsteigen. Gefaßt sind diese Begriffe schon in vorhergegangenen Epochen; anwenden lernen muß sie die heutige Menschheit selber. Das wäre die Idee gewesen eines solchen, der die Dinge ganz überschaut.
[ 17 ] However, we must also understand that the fact that humans perceive the entire environment mechanically does not imply that this is something all-encompassing or ultimate. There is something else within beings besides mere mechanism. We have seen how mechanism, the external physical form, is only a part, only one of the elements of which the world is composed. By comprehending the external appearance, we comprehend only the very lowest part of the beings existing around us. Every phase of human cultural development also has its dark side; every phase reveals its radicalism. Anyone who had seen clearly during the heyday of Darwinism would have said to themselves: Certainly, the development of mechanical thought must take place; but this thought is not yet suited to comprehending life, the soul, and the spirit in the individual being. We must first learn to apply Bruno’s ideas of all-encompassing world life to the individual being standing before us; then we will gradually be able to comprehend the world around us with clarity all the way up to the spirit. Today we have only reached the point where we can apply the concept of the mechanical to individual beings. In the future, we must succeed in finding the concepts of life, soul, and spirit within individual beings as well. We must come to view the plant not merely through the eyes of the mechanistically thinking physiologist, but through the concepts of the scientist ascending to higher stages of life. We must ascend to the concepts of the soul and the spirit. These concepts have already been formulated in previous epochs; it is up to humanity today to learn to apply them. That would have been the idea of one who surveys the whole picture.
[ 18 ] Noch eine andere Idee, eine andere Ursache war da hemmend. Das war die, sich leicht zufrieden zu erklären mit den mechanischen Begriffen der Welt und zu glauben, daß damit, also mit dem mechanischen Standpunkt, alles erreicht sei, daß der Mechanismus alles erkläre. Diese Geister sind ja auch dagewesen. Das war in der Zeit, wo man das rein materielle für das All erklärt hat, die Zeit der Büchner, Vogt und auch — hinsichtlich der Begriffswelt, nicht der Forschung — Haeckel. Das ist das andere Extrem. Dazwischen waren die vorsichtigen Geister, die sich zwar nicht erheben konnten zu einem höheren Erfassen der Weltdinge, die aber ein dunkles Empfinden hatten, daß sie nur einen Teil erfaßt haben, nur einen Teil besitzen. Das sind die vorsichtigen Forscher, welche das Richtige erfaßt haben; die sich sagten, daß sie auf einerStufe stehen, wo sie noch nicht alles erforschen konnten, und die das, was sie nicht erforschen konnten, als das Unerforschliche in Demut verehrten. Für diejenigen Forscher, welche die richtige Empfindung hatten, hätte das Gefühl sich anschließen müssen, daß hinter dem, was sie fanden, etwas Unbekanntes steht, demgegenüber sie nicht berufen sind, einzugreifen mit ihrem mechanischen Denken.
[ 18 ] Yet another idea, another obstacle, stood in the way. It was the tendency to be easily satisfied with the mechanical concepts of the world and to believe that, with this—that is, with the mechanical point of view—everything had been achieved, that mechanism explained everything. Such minds certainly existed. That was the era when the purely material was declared to be the universe—the time of Büchner, Vogt, and also—in terms of conceptual framework, not research—Haeckel. That is the other extreme. In between were the cautious minds, who, though unable to rise to a higher understanding of the world’s affairs, had a vague sense that they had grasped only a part, possessed only a part. These are the cautious researchers who grasped the truth; who told themselves that they stood at a stage where they could not yet explore everything, and who, in humility, revered what they could not explore as the ineffable. For those researchers who had the right intuition, the feeling should have followed that behind what they found lies something unknown, toward which they are not called upon to intervene with their mechanical thinking.
[ 19 ] Nun wollen wir einmal fragen, welche Forscher so gedacht haben, und da treffen wir einen, der dieser Epoche angehört, welcher schreibt: «Ich halte dafür, daß alle organischen Wesen, die je auf dieser Erde gelebt haben, von einer Urform abstammen, welcher das Leben vom Schöpfer eingehaucht wurde.» Das ist ein vorsichtiger Forscher, ein Forscher, der die äußere Welt mechanisch begreift, aber nicht vordringen kann zur Erfassung des Lebens und des Geistes; er bleibt bei dem Gedanken eines Schöpfers und verehrt ihn in Demut. Derselbe Forscher darf auch angeführt werden gegenüber den Radikalen, die im Gefolge des Darwinismus aufgetreten sind. Man hat ja auch die Sprache mechanisch erklären wollen. Im Buche «Die Lebenswunder» fordert Haeckel, daß eingesehen werde, wie alle Sprache auch aus dem mechanischen Prinzip entstehe. Der andere oben erwähnte Forscher dagegen sagt: «Die Sprache ist jene wundervolle geistige Maschine, die allen Arten von Dingen und Eigenschaften bestimmte Zeichen anfügt und Gedankenzüge erregt, die aus bloß sinnlichen Eindrücken nie entstanden wären, und wenn sie entstanden wären, nicht hätten weiter entwickelt werden können.» Dieser vorsichtige Forscher sagt weiter: Was mechanisch entstanden ist, dringt nicht herauf bis zur Sprache; es muß künftigen Zeiten überlassen werden, das zu begreifen. — Wieder kommt hier ein Gefühl der Verehrung gegenüber dem Unerforschlichen. Und derselbe Forscher sagt es klar heraus: «Es ordnet ein allmächtiger und allwissender Schöpfer jedes Ding an und sieht jedes Ereignis voraus.» — Da haben Sie einen Forscher, der der Zeit der Eroberung der Welt durch mechanische Gedanken angehört und der den richtigen Gesichtspunkt findet gegenüber den Dingen und Wesen in der Welt; der in Bescheidenheit verfolgt, was er verfolgen kann, und hindeutet auf die zukünftige Entwickelungsepoche, so hindeutet, daß er sagt: Hier ist für mich eine Grenze.
[ 19 ] Now let us ask which researchers held such views, and we find one from that era who writes: “I believe that all organic beings that have ever lived on this earth are descended from a primordial form into which the Creator breathed life.” This is a cautious researcher, a researcher who understands the external world mechanically but cannot penetrate to the comprehension of life and the spirit; he clings to the idea of a Creator and reveres Him in humility. The same researcher may also be cited in contrast to the radicals who have emerged in the wake of Darwinism. After all, attempts have also been made to explain language mechanically. In the book *The Wonders of Life*, Haeckel demands that we recognize how all language also arises from the mechanical principle. The other researcher mentioned above, however, says: “Language is that marvelous mental machine that attaches specific signs to all kinds of things and qualities and evokes trains of thought that would never have arisen from mere sensory impressions, and even if they had arisen, could not have been further developed.” This cautious researcher goes on to say: What has arisen mechanically does not rise up to the level of language; it must be left to future times to comprehend this. — Here again comes a sense of reverence toward the unfathomable. And the same researcher states it plainly: “An almighty and omniscient Creator arranges every thing and foresees every event.” — Here you have a researcher who belongs to the era of the conquest of the world by mechanical thought and who finds the correct perspective on the things and beings in the world; who, in humility, pursues what he can pursue, and points to the future epoch of development, pointing in such a way that he says: Here is a limit for me.
[ 20 ] Das, was dieser Forscher aus seiner Empfindung heraus gesprochen hat, ist der Standpunkt, den der Theosoph einnehmen muß gegenüber der darwinistischen Entwickelungslehre. Er zeigt uns den großen Überblick über die EntwickeJung unserer Rasse, er zeigt uns, daß der Darwinismus nur eine Phase ist, die zu dem Begriffe des Lebens führen wird, zur Anwendung des Begriffes der Seele und des Geistes. Wie wir heute eine mechanische Wissenschaft haben, so werden wir in Zukunft eine Lebens-, eine Seelen- und Geisteswissenschaft haben. Das ist der Gesichtspunkt, den die Theosophie eröffnet; und nichts anderes will sie, als das vorausnehmen, was die Zukunft der Menschheit bringen muß. Sie will zeigen, wohin wir gehen, und es muß durchaus betont werden, daß diese theosophische Anschauung gerade mit den vorsichtigen Forschern, die durch sich selbst den richtigen Gesichtspunkt gefunden haben, übereinstimmt. Denn nicht von einem obskuren Darwinianer, der sich nicht losmachen konnte von traditionellen Vorurteilen — der religiöse Vorurteile verknüpfen wollte mit unserem Darwinismus —, nicht von einem solchen rühren diese Worte her, sondern von einem, dessen Kompetenz Sie nicht bezweifeln werden: sie rühren her von Charles Darwin selber!
[ 20 ] What this researcher has expressed based on his intuition is the standpoint that the Theosophist must adopt toward the Darwinian theory of evolution. He gives us a broad overview of the evolution of our race; he shows us that Darwinism is merely a phase that will lead to the concept of life, to the application of the concepts of soul and spirit. Just as we have a mechanical science today, so in the future we will have a science of life, a science of the soul, and a science of the spirit. This is the perspective that Theosophy opens up; and it seeks nothing other than to anticipate what the future of humanity must bring. It seeks to show where we are heading, and it must be emphatically stated that this Theosophical view is in complete agreement with those cautious researchers who have found the correct perspective through their own efforts. For these words do not come from some obscure Darwinist who could not free himself from traditional prejudices—who sought to link religious prejudices with our Darwinism—but from one whose competence you will not doubt: they come from Charles Darwin himself!
