The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53
9 February 1905, Berlin
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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
10. Ursprung und Ziel des Menschen
10. The Origin and Destiny of Humanity
[ 1 ] Vor Weihnachten habe ich hier im ersten Zyklus dieser Vorträge die Grundbegriffe der Theosophie so weit besprochen, daß ich wohl wagen kann, heute mit der Besprechung der wichtigsten Frage, die es für den Menschen geben kann — die nach seinem eigenen Ursprung und nach seinem Ziele —, zu beginnen. In den beiden letzten Vorträgen versuchte ich zu zeigen, wie dasjenige, was wir theosophische Weltanschauung nennen, die Grundlage des Goetheschen Schaffens ist, und in den nächsten Vorträgen werde ich versuchen, diese Goethesche Weltanschauung vom Standpunkte der "Theosophie aus zu vertiefen. Heute habe ich, weil sich das wohl anschließt an die beiden Vorträge, die ich in den letzten vierzehn Tagen gehalten habe, einen Vortrag eingeschoben über die theosophische Vorstellung von dem Ursprung des Menschen, von der Abstammung des Menschen, im modernen Sinne des Wortes gesprochen.
[ 1 ] Before Christmas, in the first series of these lectures, I discussed the basic concepts of theosophy to such an extent that I feel confident today in beginning a discussion of the most important question that can exist for human beings—that of their own origin and their purpose. In the last two lectures, I attempted to show how what we call the theosophical worldview forms the foundation of Goethe’s creative work, and in the coming lectures I will attempt to deepen this Goethean worldview from the standpoint of “theosophy.” Today, since it follows on naturally from the two lectures I have given over the past two weeks, I have inserted a lecture on the theosophical conception of the origin of humanity, of human descent, in the modern sense of the word.
[ 2 ] Wer heute über den Ursprung des Menschen spricht, muß selbstverständlich Rücksicht nehmen auf dasjenige, was die gegenwärtige Naturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über dieses Thema erarbeitet hat. Nun könnte man meinen, daß die Ergebnisse der Naturwissenschaft etwas absolut Sicheres sind, daß sie etwas seien, wogegen es ein Ankämpfen nicht gibt. Nun, gerade diese naturwissenschaftliche Vorstellung über den Ursprung des Menschen hat im Laufe der letzten Jahre eine so gründliche Veränderung erfahren, daß wohl kaum einer der jüngeren ernstzunehmenden Forscher heute noch auf demselben Standpunkt steht, auf dem die darwinistische Forschung gestanden hat. Derjenige, der sich mit dieser Wissenschaft befaßt, weiß, wie stark diese Wandlungen sind. Sie wissen, daß die naturwissenschaftliche materialistische Anschauungsweise noch vor kurzer Zeit es mehr oder weniger selbstverständlich fand, daß man den Menschen überhaupt, den ganzen Menschen herzuleiten hat aus niederen tierischen Vorfahren, daß man sich zu denken hat, daß unsere Erde einstmals von unvollkommenen Wesen bewohnt war und daß sich durch allmähliche, langsame Vervollkommnung dieser Wesen — ohne daß ein anderer Krafteinfluß hinzugetreten wäre — allmählich der Mensch aus diesen Wesen bis zu seiner jetzigen Höhe heraufentwickelt habe. Diese rein materialistische Vorstellungsweise ist heute von der Naturwissenschaft erschüttert.
[ 2 ] Anyone discussing the origin of humankind today must, of course, take into account the findings of modern science on this subject from the second half of the 19th century. One might think that the findings of science are absolutely certain, that they are something that cannot be challenged. Well, it is precisely this scientific conception of the origin of humankind that has undergone such a fundamental transformation in recent years that hardly any of today’s serious younger researchers still holds the same position as Darwinian research did. Anyone who engages with this field of science knows how profound these changes are. You know that the scientific materialist view, until quite recently, took it more or less for granted that human beings—the whole human being—must be derived from lower animal ancestors, that one must imagine that our Earth was once inhabited by imperfect beings, and that through the gradual, slow perfection of these beings — without the intervention of any other force — humanity gradually evolved from these beings to its present level. This purely materialistic conception has now been overturned by natural science.
[ 3 ] Nun hat man geglaubt, daß diese naturwissenschaftliche Vorstellungsweise einen einzigen Gegenpol habe. Man hat bis zur Begründung der theosophischen Bewegung eigentlich nur die beiden Fälle für möglich gehalten: entweder eine natürliche Abstammungslehre im Sinne der materialistischen Weltdeutung oder eine übernatürliche Schöpfungsgeschichte, so wie sie etwa in der Bibel dargestellt wird. Bibel und Naturforschung sind ja immer noch etwas, was wie zwei polar entgegengesetzte Dinge hingestellt wird. Man hat sich auch vorgestellt, daß die biblische Vorstellung von sechs Schöpfungstagen die alten Zeiten ganz beherrscht hätte und daß erst die neuere Zeit, die es so herrlich weit gebracht hat, dazu gekommen ist, eine andere, natürliche Schöpfungsgeschichte an die Stelle dieser übernatürlichen zu setzen. Dabei hat man aber eines außer acht gelassen. Man hat nicht gewußt, daß die Vorstellungen, die sich die Gegner unserer sogenannten übernatürlichen Schöpfungsurkunde in der letzten Zeit gemacht haben und von denen aus sie dieses Sechstagewerk bekämpft haben, auch für die sogenannte orthodoxe christliche Lehre und ihre Anhänger nicht älter sind als höchstens drei-, vier- oder fünfhundert Jahre. Alle diejenigen, welche sich überhaupt mit der Erforschung dieser Dinge in dem Sinne befaßt haben, daß sie auf Wissenschaft Anspruch gemacht haben, haben vor dieser Zeit durchaus nicht etwa die Bibel, so wie sie uns vorliegt, wirklich wörtlich genommen. Das Wörtlichnehmen der Bibel, die Auffassung, als ob dasjenige, was da erzählt wird, buchstäblich zu nehmen wäre, ist von den ernstzunehmenden auch christlichen Forschern niemals in den früheren Jahrhunderten geteilt worden.
[ 3 ] It was once believed that this scientific way of thinking had only one antithesis. Until the founding of the Theosophical Movement, only two possibilities were actually considered: either a natural theory of evolution in the sense of the materialistic worldview, or a supernatural creation story, such as that presented in the Bible. The Bible and scientific research are, after all, still often portrayed as two polar opposites. It was also imagined that the biblical concept of six days of creation had completely dominated ancient times and that only the modern era, which has achieved so much, has come to replace this supernatural account with a different, natural one. In doing so, however, one thing was overlooked. They did not realize that the ideas which the opponents of our so-called supernatural account of creation have recently formed—and from which they have fought against this six-day work—are, even for so-called orthodox Christian doctrine and its adherents, no older than three, four, or five hundred years at most. All those who have ever engaged in the study of these matters in a way that claimed to be scientific certainly did not, prior to this time, take the Bible as it stands before us literally. Taking the Bible literally—the view that what is recounted there should be taken literally—was never shared by serious Christian scholars in earlier centuries.
[ 4 ] Wir können zurückgehen in die Zeiten, in denen das Christentum entstanden ist. Es ist hervorgegangen aus älteren Weltanschauungen. Darauf können wir uns aber heute nicht einlassen. Ich möchte nur hinweisen darauf, daß wir im ausgehenden Zeitalter der griechischen Philosophie eine Schöpfungslehre haben, welche an den Namen Plato anknüpft, und daß sich diese Lehre am schönsten ausgebildet findet bei Aristoteles. Plato sagt, Gott bilde nach seinen Ideen, die die Vorbilder seien, die Körperwelt. Auch der Menschenkörper sei entstanden aus dem Urbild, der Idee Gottes. Und das, was in diesem Körper lebe als menschliches Bewußtsein, sei ein Nachbild des göttlichen Bewußtseins. Das Ziel der Erkenntnis des Menschen sei ein Wiedererkennen des von Gott Erkannten. Im Streben nach diesem Ziel erkenne der Mensch, daß sein Geist ewig sein müsse, denn er ist eine ewige Idee Gottes, Aristoteles, der NeuPlatonismus, die christliche Gnosis, sie leben alle in solchen Ideen vom Ursprung und Ziel des Menschen. In der christlichen Gnosis haben wir eine Schöpfungslehre, die ich charakterisieren muß, um Ihnen zu zeigen, wie wenig zutreffend die Vorstellungen waren, die sich die Gegner der übernatürlichen Schöpfungsgeschichte vor kurzem noch gemacht haben.,
[ 4 ] We can go back to the times when Christianity first emerged. It grew out of older worldviews. But we cannot go into that today. I would simply like to point out that, in the waning era of Greek philosophy, we have a doctrine of creation associated with the name of Plato, and that this doctrine finds its most beautiful expression in Aristotle. Plato says that God forms the physical world according to his Ideas, which serve as the archetypes. The human body, too, arose from the archetype, the idea of God. And that which lives in this body as human consciousness is a reflection of divine consciousness. The goal of human knowledge is to recognize what God has recognized. In striving toward this goal, man recognizes that his spirit must be eternal, for it is an eternal idea of God; Aristotle, Neoplatonism, Christian Gnosticism—they all live within such ideas of the origin and goal of man. In Christian Gnosticism, we have a doctrine of creation that I must characterize in order to show you how inaccurate the notions were that opponents of the supernatural creation story held until recently.,
[ 5 ] Man hat sich vorgestellt, daß sich im Laufe der Zeiten, seit urferner Vergangenheit, der Mensch entwickelt hat; daß er nicht dieselbe Gestalt, nicht dieselbe Wesenheit gehabt hat wie heute, daß er sich zu dieser Wesenheit erst heraufentwickelt hat. Man hat sich schließlich vorgestellt, daß in verschiedenen niederen Tierformen Erinnerungszeichen an die früheren Gestaltungen des Menschen vorhanden sind. Es ist etwas schwer, klarzumachen, wie diese Vorstellungen waren, weil sie den heutigen Menschen ungeläufig sind. Das was als physischer Mensch vor uns steht, war nicht immer so, wie es heute ist. Es war tierähnlicher, und diejenigen Tiere, welche dem Menschen am verwandtesten sind, zeigen auch ungefähr einen solchen Zustand, wie ihn der Mensch damals gehabt hat, und so weiter zurück, zu immer unvollkommeneren und unvollkommeneren Geschöpfen. Das war die Anschauung der Gnostiker. Sie haben nicht angenommen - wie die materialistische Anschauung es tut —, daß etwa der Mensch gleichsam von selbst hervorgegangen ist aus dem niederen Tierreich; sondern sie waren sich klar darüber, daß aus einem Wesen, das noch affenähnlich war, niemals der Mensch sich hätte entwickeln können, wenn nicht eine höhere Wesenheit dieses Wesen ergriffen und es heraufgeholt hätte zu einer höheren Gestalt. Ganz klar könnte man es machen, wenn man aus früheren Vorstellungen heraus darüber reden wollte. Aber es genügt zu zeigen, daß die Lehre der Gnostiker eine andere Entstehungslehre hatte, als gewöhnlich gesagt wird.
[ 5 ] It has been imagined that, over the course of time, since the distant past, human beings have evolved; that they did not have the same form or the same nature as they do today, but that they have gradually developed into this form. Finally, it was imagined that traces of humanity’s earlier forms are present in various lower animal forms. It is somewhat difficult to explain exactly what these ideas were, because they are unfamiliar to people today. What stands before us as the physical human being was not always as it is today. It was more animal-like, and those animals that are most closely related to humans also exhibit roughly the same state that humans had back then, and so on back in time, to increasingly more and more imperfect creatures. That was the view of the Gnostics. They did not assume—as the materialistic view does—that human beings, as it were, emerged of their own accord from the lower animal kingdom; rather, they were clear that a being that was still ape-like could never have developed into a human being unless a higher being had taken hold of that being and raised it up to a higher form. One could explain this quite clearly if one were to speak of it in terms of earlier conceptions. But it suffices to show that the Gnostics’ doctrine of origin differed from what is commonly said.
[ 6 ] Sie finden sie deutlich ausgesprochen bei dem heiligen Augustinus. Er hat nicht erwa den Glauben an die buchstäbliche Auslegung der Bibel gelehrt, sondern er denkt sich die Entwickelung der Wesen so, wie ich das eben dargelegt habe. Er denkt sich den Einfluß einer geistigen Welt, welcher eine fortwährende Erhöhung der Wesenheit bewirkt, während der äußere Vorgang tatsächlich der ist, daß wir zuerst physisch unvollkommene Wesen waren, daß dann ein geistiger Einfluß stattfand und wir dann physisch höherstehende Wesen wurden, daß dann wieder ein geistiger Einfluß kam und daß wir dann wieder höhere Wesen wurden — bis der höchste geistige Einfluß stattfand und der Mensch sich als Mensch entwickelte. Das ungefähr ist die Anschauung des heiligen Augustinus. Das Sechstagewerk in der Bibel sieht er wie ein schönes Sinnbild an. Er ist der Meinung, daß man eine solche Anschauung, wie ich sie jetzt als gnostische entwickelt habe, nicht mehr in der rein gnostischen Gestalt weitergeben könne. Er stellt sich vor, daß in den Begriffen der Bibel äußere Sinnbilder gegeben werden müssen, weil die große Menge es nicht verstehen kann, wenn man in solchen abstrakten höheren Vorstellungen spricht. Daher soll in bildlicher Weise, so wie es den allgemeinen Volksvorstellungen angemessen ist, die Schöpfungsgeschichte geoffenbart werden. Dasselbe können Sie bei Scotus Erigena, bei allen großen Kirchenlehrern des Mittelalters, auch bei 7homas von Aquino und bis in das 14. Jahrhundert hinein finden. Und Sie können, wenn Sie sich das klarmachen, den wirklichen Gang der abendländischen Gelehrsamkeit und Wissenschaft sich erklären.
[ 6 ] You will find this clearly expressed by St. Augustine. He did not teach belief in a literal interpretation of the Bible, but rather conceived of the development of beings in the way I have just described. He envisioned the influence of a spiritual world that brings about a continuous elevation of the being, while the external process is in fact that we were initially physically imperfect beings, that a spiritual influence then took place and we became physically higher beings, that another spiritual influence then came and we became even higher beings—until the highest spiritual influence took place and the human being developed into a human being. That is roughly the view of St. Augustine. He regards the six-day creation in the Bible as a beautiful symbol. He is of the opinion that a view such as the one I have now developed as Gnostic can no longer be conveyed in its purely Gnostic form. He imagines that external symbols must be provided in the terms of the Bible, because the masses cannot understand it if one speaks in such abstract, higher concepts. Therefore, the story of creation is to be revealed in a figurative manner, in a way appropriate to the general popular conception. You can find the same thing in Scotus Erigena, in all the great Church Fathers of the Middle Ages, and also in Thomas Aquinas, right up into the 14th century. And once you realize this, you can explain to yourself the true course of Western scholarship and science.
[ 7 ] Dann, im 14., 15. Jahrhundert, verschwinder diese alte Entwickelungslehre. Immer mehr und mehr stellt sich heraus, daß der Glaube an die Buchstäblichkeit der Bibel das Maßgebende in der Kirche wird. Diesen Tatbestand müssen wir festhalten. In den folgenden Jahrhunderten kennt sich der Mensch nicht mehr aus. Alle Erinnerungen an solche Interpretationen der Bibel waren verlorengegangen, so daß im 19. Jahrhundert die Leute glaubten, etwas ganz Neues mit einer natürlichen Schöpfungsgeschichte zu geben. Allerdings, entsprechend der materialistischen Denkweise der neueren Zeit, wurde diese Schöpfungsgeschichte ganz vermaterialisiert, während man ihr früher mit spirituellen Begriffen gegenübertrat. Die Darwin-Haeckelsche Schöpfungsgeschichte hat nichts zu tun mit den wirklichen naturwissenschaftlichen Tatsachen, hat nichts zu tun mit dem, was man erforschen könnte. Eine natürliche Schöpfungsgeschichte gab es auch früher, nur war sie im spirituellen Sinne gedeutet, so daß man es dabei zu tun hat nicht nur mit materiellen Vorgängen, sondern auch mit einem spirituellen Einschlag.
[ 7 ] Then, in the 14th and 15th centuries, this ancient theory of evolution disappeared. It became increasingly clear that belief in the literal interpretation of the Bible was becoming the dominant force in the Church. We must take note of this fact. In the centuries that followed, people were no longer familiar with it. All memory of such interpretations of the Bible had been lost, so that in the 19th century people believed they were offering something entirely new with a natural history of creation. However, in keeping with the materialistic mindset of modern times, this history of creation became entirely materialized, whereas it had previously been approached with spiritual concepts. The Darwin-Haeckel creation story has nothing to do with actual scientific facts, has nothing to do with what could be researched. A natural creation story existed in the past as well, only it was interpreted in a spiritual sense, so that it deals not only with material processes but also with a spiritual dimension.
[ 8 ] Die Tatsachen haben in den allerletzten Jahren deutlich gesprochen, und zahlreiche Forscher sind wieder zurückgekehrt zu einer ideengemäßeren Anschauung der Entwickelung. Da haben wir aber jetzt einen anderen Forscher, Reinke, der seine Auseinandersetzungen über die Entwickelung in antidarwinistischer Weise dadurch namentlich für uns bezeichnend gemacht hat, daß er wiederum — aber ohne daß er die alte Entwickelungslehre kannte — zurückkehrte zur alten Vorstellung. Er spricht von fortwährenden «Einschlägen» geistiger Art, welche die Entwickelung erfahren hat. Er nannte diese Einschläge Dominanten. Das ist ein spärlicher Anfang zu einer Rückkehr zu früheren Vorstellungen. Es soll nicht mehr von selbst durch rein materielle Kräfte die Entwickelung vor sich gehen von unvollkommenen zu vollkommeneren Wesen, sondern es kann nur dadurch ein vollkommeneres Wesen entstehen aus einem unvollkommeneren, daß eine neue Dominante einschlägt, ein neuer Krafteinschlag geistiger Art, welcher den Fortschritt bewirkt, entgegen den materialistischen Lehren Darwins, Lamarcks, Haeckels und so weiter. Für denjenigen, der die Sache tiefer ansieht, erinnert der Ausdruck ganz genau an etwas, was Heine gesagt hat: «Die Armut kommt von der pauvreté.» Es ist die Umschreibung der Sache mit einem anderen Wort. Eine Schöpfungsgeschichte, welche sich wieder zu den Urkunden der religiösen Bekenntnisse so stellt, wie sich die Forscher bis ins 13., 14. Jahrhundert hinein dazu gestellt haben, gibt erst wieder die theosophische Weltanschauung, und diese Schöpfungsgeschichte lassen Sie uns jetzt mit einigen Worten entwickeln.
[ 8 ] The facts have spoken clearly in recent years, and numerous researchers have returned to a more conceptual view of evolution. But now we have another researcher, Reinke, who has made his arguments regarding evolution particularly significant for us in an anti-Darwinian way by returning—though without having known the old theory of evolution—to the old conception. He speaks of continuous “impacts” of a spiritual nature that evolution has undergone. He called these impacts “dominants.” This is a tentative beginning of a return to earlier concepts. Evolution is no longer supposed to proceed of its own accord through purely material forces from imperfect to more perfect beings; rather, a more perfect being can arise from an imperfect one only through the impact of a new dominant, a new spiritual force that brings about progress, contrary to the materialistic teachings of Darwin, Lamarck, Haeckel, and so on. For those who look at the matter more deeply, the expression is very reminiscent of something Heine said: “Poverty comes from poverty.” It is a rephrasing of the matter in other words. A creation story that relates to the original texts of religious creeds in the same way that researchers did up into the 13th and 14th centuries is what truly reflects the theosophical worldview, and let us now develop this creation story in a few words.
[ 9 ] Wenn man den Menschen hinsichtlich seines Ursprunges erkennen will, so muß man sich klar darüber sein, was das Wesen des Menschen ist. Der, welcher auf dem Standpunkte steht, daß der Mensch nur der Zusammenhang dieser physischen Organe ist: Hände, Füße, Lunge, Herz und so weiter bis hinauf zum Gehirn, der wird kein anderes Bedürfnis haben, als aus materiellen Kräften den Ursprung des Menschen zu erklären. Dadurch wird für ihn die Frage eine andere werden als für denjenigen, der den Menschen als eine Ganzheit betrachtet. Er wird den Menschen als ein Wesen ansehen, welches nicht nur aus Leiblichem, sondern auch aus Seele und Geist besteht. Inwiefern sich der Mensch aus den drei Gliedern Leib, Seele und Geist zusammensetzt, das haben wir schon gesehen. Leib, Seele und Geist, das sind die Glieder, aus welchen der Mensch zusammengesetzt ist. Das was man Seelisches und Geistiges nennt, ist von der modernen Psychologie zusammengefaßt worden in einem einzigen Begriff, in dem Begriff der Seele. Darin besteht die Verwirrung der modernen Seelenlehre, daß sie nicht unterscheidet zwischen Seele und Geist. Das ist das, worauf die Theosophie immer wieder hinweisen muß. Das was von der einen Seite Seelenwesen ist, was fühlt und vorstellt und sich Gedanken macht über die alltäglichen Dinge, das alles ist für uns Theosophen auch Seele. Der Geist beginnt erst da, wo wir das sogenannte Ewige im Menschen gewahr werden, das Unvergängliche, das, wovon Plato gesagt hat, daß es sich von geistiger Nahrung nährt. Erst der Gedanke, der frei ist von dem sinnlichen Inhalt, der sich erhebt zu dem Charakter der Ewigkeit, der vom Geist erschaut wird, wenn der Geist nicht mehr durch die Tore der Sinne nach außen sieht, sondern in sein Inneres blickt, dieser Gedanke ist es erst, der den Inhalt des Geistes ausmacht. Der abendländische Forscher kennt diesen Gedanken nur auf einem einzigen Gebiet, auf dem Gebiet der Mathematik, der Geometrie und Algebra. Da sind Gedanken, die uns nicht von der Außenwelt zufließen, die der Mensch nur von innen her, intuitiv schafft. Niemand könnte einen mathematischen Lehrsatz bloß aus der Anschauung gewinnen. Niemals könnten wir aus der Anschauung erkennen, daß die drei Winkel eines Dreiecks zusammen 180 Grad ausmachen.
[ 9 ] If one wishes to understand human beings in terms of their origin, one must be clear about what the essence of a human being is. Those who take the view that human beings are merely the sum of their physical organs—hands, feet, lungs, heart, and so on up to the brain—will have no other need than to explain the origin of human beings in terms of material forces. Consequently, the question will be different for him than for the one who regards the human being as a whole. He will view the human being as a being consisting not only of the physical body but also of soul and spirit. We have already seen to what extent the human being is composed of the three members: body, soul, and spirit. Body, soul, and spirit—these are the parts of which the human being is composed. What is called the soul and the spirit has been subsumed by modern psychology into a single concept, the concept of the soul. The confusion in modern psychology of the soul lies in its failure to distinguish between soul and spirit. This is what Theosophy must repeatedly point out. That which, on the one hand, is the soul—which feels, imagines, and reflects on everyday things—is, for us Theosophists, also the soul. The spirit begins only where we become aware of the so-called eternal in the human being, the imperishable, that of which Plato said it feeds on spiritual nourishment. Only the thought that is free from sensory content, that rises to the character of eternity, which is perceived by the spirit when the spirit no longer looks outward through the gates of the senses but gazes into its inner self—only this thought constitutes the content of the spirit. The Western researcher knows this kind of thought only in a single field: the field of mathematics, geometry, and algebra. There are thoughts that do not flow to us from the external world, but which human beings create only from within, intuitively. No one could derive a mathematical theorem merely from observation. We could never recognize from mere observation that the three angles of a triangle add up to 180 degrees.
[ 10 ] Nun gibt es aber Gedanken, welche sich nicht bloß auf den Raum beziehen, sondern reine Gedanken, die sinnlichkeitsfrei sind und sich auf alles übrige in der Welt beziehen, auf Mineralien, Pflanzen, Tiere und zuletzt auch auf den Menschen. Goethe hat in seiner Morphologie versucht, eine Art von Pflanzenlehre zu geben, welche solche sinnlichkeitsfreien Gedanken hat. Da wollte er ergründen, wie Natur im Schaffen lebt. Und derjenige, der mit Gefühl und Empfindung sich in das, was Goethe in seiner Metamorphosenlehre gibt, versenkt und vertieft, erlebt daran etwas, wie eine große Erhebung in die Ätherhöhen. Wenn Sie sich dann höher und höher hinaufheben lassen zur Erfassung solcher Gedanken, die dem Mathematischen im Raum nachgebildet sind, so kommen Sie zu den großen Mystikern, die uns über Seele und Geist aufklären. Der Mystiker nennt daher auch die Mystik «Mathematik» — Mathesis —, nicht weil die Mystik Mathematik ist, sondern weil sie nach dem Muster der Mathematik aufgebaut ist. Goethe war ein solcher Mystiker. Er wollte eine Welt aufstellen, die uns aus dem bloß Seelischen in das Geistige hinaufhebt. Da haben Sie dasjenige, was der Mensch mit seinem Verstand in der Alltäglichkeit tut, dies verständige Auffassen der unmittelbaren zeitlichen und vergänglichen Wirklichkeit, auf ein höheres Gebiet erhoben, in die reine Gedankenwelt. Und Sie können da in sich etwas erleben, wenn Sie sich zum reinen Gedanken erheben, wenn Sie von den sinnlichkeitserfüllten Gedanken abstrahieren können, was zum Ewigen gehört. Die Theosophie nennt dieses erste Element des Geistes auch Manas. Ich habe versucht, in meiner «Theosophie» diesen Ausdruck mit «Geistselbst» zu übersetzen. Es ist das höhere Selbst, das sich herauslöst aus dem, was nur auf die irdische Welt beschränkt ist.
[ 10 ] However, there are thoughts that do not merely refer to space, but are pure thoughts, free from sensuality, that refer to everything else in the world: to minerals, plants, animals, and ultimately to human beings as well. In his Morphology, Goethe attempted to present a kind of botany that embodies such thoughts free from the senses. There he sought to fathom how nature lives in its creative process. And whoever immerses themselves with feeling and sensation in what Goethe presents in his theory of metamorphosis experiences something akin to a great ascent into the etheric heights. If you then allow yourself to be lifted higher and higher to grasp such thoughts, which are modeled on the mathematical in space, you will come to the great mystics who enlighten us about the soul and the spirit. The mystic therefore also calls mysticism “mathematics”—Mathesis—not because mysticism is mathematics, but because it is structured according to the pattern of mathematics. Goethe was such a mystic. He wanted to establish a world that lifts us from the merely soulful into the spiritual. There you have what the human being does with his intellect in everyday life—this rational grasping of immediate, temporal, and transitory reality—raised to a higher realm, into the pure world of thought. And there you can experience something within yourself when you rise to pure thought, when you can abstract from the thoughts filled with sensuality that which belongs to the eternal. Theosophy also calls this first element of the spirit Manas. In my book *Theosophy*, I have attempted to translate this term as “spiritual self.” It is the higher self that detaches itself from that which is limited solely to the earthly world.
[ 11 ] So wie nun der Gedanke erhoben werden kann in eine höhere Sphäre, so kann auch die Gefühlswelt in eine höhere Sphäre erhoben werden. Dasjenige, worüber wir Freude haben, was wir begehren, ist scheinbar eine niedrigere Welt als die Welt der Gedanken, aber wenn es in die höheren Regionen erhoben wird, dann steht es noch höher als der Gedanke. Das Ewige im Gefühl ist höher als der Gedanke. Wenn Sie das Gefühl emporheben zu den höheren Sphären, wie den Gedanken in der Mathematik, dann erleben Sie die zweite Wesenheit des Geistes. Die Universitätspsychologie kennt nur das niedere Gefühl. Sie tut so, als wenn alles mit dem niederen Gefühl erschöpft wäre. Aber in unserer Gefühlswelt lebt dieses Ewige als Keim, und die Theosophie nennt es die Buddhi. Ich habe ihm den Namen «Lebensgeist» gegeben, als der zweiten spirituellen Wesenheit des Menschen. Erheben Sie Ihre Gedanken bis zur Erfassung eines Ewigen, dann leben Sie in Manas. Erheben Sie Ihr Gefühl und Ihre Empfindung bis zum Charakter des Ewigen, dann leben Sie in Buddhi. Dieses Leben in Buddhi ist bei den gegenwärtigen Menschen nur in der Anlage vorhanden. Manasisch denken können die Menschen schon manchmal, wenn das Denken geregelt ist, den logischen Weltgesetzen unterliegt. Es gibt aber auch ein Denken, welches irrlichteliert, das heißt, einen Gedanken haben und gleich darauf wieder einen anderen, also immer wechselnd. Das ist das gewöhnliche Denken. Dann gibt es ein höheres Denken, das logisch ist, zusammenhängend, das von dem Ewigen sich nährt — nach Plato — und teilhaftig wird des Ewigen. Wenn nun ein Gefühl sich zu diesem Weltgebiet, zu einer solchen Weltgesetzlichkeit erhoben hat, dann lebt es in Buddhi. Das bedeutet nichts anderes als eine Art urewiger Gesetzmäßigkeit des Gefühls. Wer im gewöhnlichen Leben lebt, kann irren, kann auch mit seinem Gefühl abirren. Derjenige aber, welcher die urewigen Normen des Gefühls in sich erlebt, wie der Denker die urewigen Normen des manasischen Denkens erlebt, dieser fühlende Mensch hat in sich eine ebensolche Sicherheit und Klarheit des Fühlens, wie der Denker eine Klarheit des Denkens hat. Das ist es, was die Theosophie beschreibt als spirituellen Menschen, der in sich den Geist erlebt. Das ist dasjenige, was auch der tiefere Inhalt des Christus war. Der Mensch erlebt dann den Christus, lebt mit dem Christus, hat teil an ihm. Christus ist dasselbe wie Buddhi.
[ 11 ] Just as thought can be elevated to a higher sphere, so too can the world of emotions be elevated to a higher sphere. That which gives us joy, that which we desire, seems to belong to a lower world than the world of thought, but when it is elevated to the higher regions, it stands even higher than thought. The eternal in emotion is higher than thought. If you elevate emotion to the higher spheres, as you do with thought in mathematics, then you experience the second essence of the spirit. Academic psychology knows only the lower feeling. It acts as if everything were exhausted by the lower feeling. But in our world of feeling, this Eternal lives as a seed, and Theosophy calls it Buddhi. I have given it the name “Spirit of Life,” as the second spiritual essence of the human being. Elevate your thoughts to the grasping of the Eternal, and you will live in Manas. Elevate your feelings and perceptions to the character of the Eternal, and you will live in Buddhi. This life in Buddhi is present in modern humans only as a potential. People can already think in a Manasic way at times, when thinking is orderly and subject to the logical laws of the world. But there is also a kind of thinking that wanders erratically, that is, having one thought and immediately another, thus constantly shifting. This is ordinary thinking. Then there is a higher form of thinking that is logical, coherent, nourished by the Eternal—according to Plato—and partakes of the Eternal. When a feeling has risen to this realm of the world, to such a law of the world, then it lives in Buddhi. This means nothing other than a kind of primal, eternal law of feeling. Those who live in ordinary life can err, can also stray with their feelings. But the one who experiences the primal norms of feeling within themselves, just as the thinker experiences the primal norms of manasic thinking, this feeling human being possesses within themselves just as much certainty and clarity of feeling as the thinker possesses clarity of thought. This is what Theosophy describes as the spiritual human being who experiences the Spirit within. This is also what constituted the deeper essence of Christ. The human being then experiences Christ, lives with Christ, and participates in him. Christ is the same as Buddhi.
[ 12 ] Wenn der bloße äußere Wille, der das am meisten Unbewußte im Menschen ist, sich zur höchsten weltgesetzlichen Art erhebt, dann — man kann ja nur schwer von dieser höchsten Ausbildung des menschlichen Geistes reden, man kann nur andeuten —, dann spricht man von dem eigentlichen Geist, von dem Geistesmenschen, oder, mit einem Sanskritwort bezeichnet, von Atma. Denn auch der Wille des Menschen kann gereinigt werden vom Persönlichen. Das sind die drei Glieder des Geistigen: Manas, Buddhi, Atma. Wie eine Substanz in Wasser aufgelöst ist, so sind diese drei Glieder in der Seele aufgelöst. Wo alles durcheinanderwogt, kann der Mensch gewöhnlich nicht unterscheiden, was da irrlichtelierend auf und ab wogt. Daher beschreibt der moderne Psychologe ein richtiges Durcheinander als Seele.
[ 12 ] When the mere outer will, which is the most unconscious aspect of the human being, rises to the highest form of universal law, then—for it is difficult to speak of this highest development of the human spirit; one can only hint at it—then one speaks of the true spirit, of the spiritual human being, or, to use a Sanskrit term, of Atma. For even the human will can be purified of the personal. These are the three members of the spiritual: Manas, Buddhi, Atma. Just as a substance is dissolved in water, so are these three members dissolved in the soul. Where everything swirls in confusion, the human being usually cannot distinguish what is flickering up and down like a will-o’-the-wisp. That is why the modern psychologist describes a veritable jumble as the soul.
[ 13 ] Wenn dasjenige, was sich als das höchste Geistige in der Seele auslebt, sich vermischt mit den niederen Eigenschaften der Seele, wenn es auftritt als ein niederes Gefühl, wenn es statt in Liebe sich auslebt in Verlangen, in Begierde, so nennen wir es Kama. Kama ist dasselbe wie Buddhi, nur ist Buddhi die Selbstlosigkeit des Kama, und Kama die Selbstigkeit, der Egoismus der Buddhi. Dann haben wir in uns unseren gewöhnlichen Verstand, der auf die Befriedigung unserer persönlichen Bedürfnisse ausgeht. Diesen Verstand nun nennen wir, insofern er in der Seele Manas zum Ausdruck bringt, Ahamkara, das Ich-Bewußtsein, das IchGefühl. So daß wir, wenn wir von dem sprechen, was man gewöhnlich die Seele des Menschen nennt, auch sprechen können von Buddhi, die sich im Kama auslebt, und wenn wir sprechen von Manas oder dem eigentlichen Geistigen des Denkens, so sprechen wir von dem Verstande, der sich im Ich-Bewußtsein, im Ahamkara auslebt.
[ 13 ] When that which manifests as the highest spiritual aspect of the soul becomes mingled with the lower qualities of the soul, when it appears as a base emotion, when instead of manifesting as love it manifests as desire or lust, we call it Kama. Kama is the same as Buddhi, only Buddhi is the selflessness of Kama, and Kama is the self-centeredness, the egoism of Buddhi. Then we have within us our ordinary mind, which is directed toward the satisfaction of our personal needs. This mind, insofar as it expresses itself in the soul as Manas, we call Ahamkara, the sense of self, the ego-feeling. So that when we speak of what is commonly called the human soul, we can also speak of Buddhi, which expresses itself in Kama, and when we speak of Manas or the actual spiritual aspect of thought, we speak of the mind that expresses itself in the sense of self, in Ahamkara.
[ 14 ] Nun habe ich versucht, die allmähliche Hinauferziehung des Menschen, die Reinigung des Menschen aus dem Seelischen in das Geistige, in einem Buche darzustellen, das ich vor einigen Jahren geschrieben habe als meine «Philosophie der Freiheit». Was ich jetzt dargestellt habe, finden Sie dort in den Begriffen der abendländischen Philosophie ausgedrückt. Sie finden dort die Entwickelung des Seelischen vom Kama zum Manasleben. Ich habe dort Ahamkara das «Ich» genannt, Manas das «höhere Denken», reines Denken, und die Buddhi, um noch nicht auf den Ursprung hinzuweisen, die «moralische Phantasie». Das sind nur andere Ausdrücke für ein und dieselbe Sache. Damit haben wir erkannt, was des Menschen geistig-seelisches Wesen ist. Dieses geistigseelische Wesen ist verkörperlicht, verleiblicht in demjenigen, was uns die äußere Naturwissenschaft beschreibt. Dies geistig-seelische Wesen ist eigentlich der Mensch. Es hat etwas wie eine Hülle um sich: die äußere physische Körperlichkeit.
[ 14 ] I have now attempted to describe the gradual ascent of the human being—the purification of the human being from the soul to the spirit—in a book I wrote several years ago, *The Philosophy of Freedom*. What I have just described can be found there expressed in the terms of Western philosophy. There you will find the development of the soul from the Kama to the Manas life. There I have called Ahamkara the “I,” Manas the “higher thinking,” pure thinking, and the Buddhi—without yet pointing to its origin—the “moral imagination.” These are merely different expressions for one and the same thing. With this, we have recognized what the human spiritual-soul being is. This spiritual-soul being is embodied, made physical in that which external natural science describes to us. This spiritual-soul being is actually the human being. It has something like a shell around it: the outer physical body.
[ 15 ] Nun ist die theosophische Anschauung die, daß das, was ich eben beschrieben habe als geistig-seelisches Wesen des Menschen, schon früher vorhanden war als die gegenwärtige Gestalt, als die physische Leiblichkeit des Menschen. Der Mensch hat seinen Ursprung nicht genommen aus dem Physischen, er hat seinen Ursprung genommen aus dem Geistig-Seelischen. Und dieses Geistig-Seelische, Atma, Buddhi und Manas, das ich eben beschrieben habe, liegt aller physischen Gestaltung zugrunde. Von ihm spricht auch Plato, wenn er sagt, daß der Geist des Menschen ewig sein müsse, denn er sei eine Idee Gottes. Diesem ewigen Geistesteil des Menschen kommt entgegen das, was sich als Formen entwickelt hat auf der Erde.
[ 15 ] Now, the theosophical view is that what I have just described as the spiritual-soul aspect of the human being existed before the present form, before the physical body of the human being. Humanity did not originate from the physical; it originated from the spiritual-psychic. And this spiritual-psychic aspect—Atma, Buddhi, and Manas—which I have just described, underlies all physical form. Plato also speaks of this when he says that the human spirit must be eternal, for it is an idea of God. This eternal spiritual aspect of the human being is met by that which has developed as forms on Earth.
[ 16 ] Nun können wir uns vorstellen, daß wir uns in einem sehr entfernten Punkt urferner Vergangenheit befinden. Da haben wir auf der einen Seite des Menschen geistig-seelische Wesenheit. Ich glaube, daß das materialistische Denken der Gegenwart sich schwer dieses Geistig-Seelische wird vorstellen können. Das rührt nur daher, daß seit Jahrhunderten das moderne Denken sich entwöhnt hat Seelisch-Geistiges vorzustellen. Auf der anderen Seite haben wir in urferner Vergangenheit das sinnliche Leben. Wie haben wir uns das sinnliche Leben nun vorzustellen? Die Naturwissenschaft lehrt uns, daß, wenn wir die Wesenheiten in den Überresten der Erdschichten untersuchen, wir dann zu einem Menschen von unvollkommener Gestalt kommen. Und weiter zurückgehend finden wir Zeiten, in denen der Mensch in der jetzigen Gestalt nicht auf der Erde war. Nur Affen und angrenzende verwandte Tiere waren vorhanden. Weiter zurückgehend finden wir, daß auch die Affen gefehlt haben und daß nur niedere Säugetiere vorhanden waren. Noch früher waren es Reptilien und Vögel, und noch früher finden wir Tierarten von gewaltiger Größe und Mächtigkeit, die Saurier, Ichthyosaurier. Die haben in anderer Weise gelebt als heute. Dann, weiter zurück, finden wir noch unvollkommenere Tiere, bis wir in ein Zeitalter kommen, wo wir nicht mehr nachweisen können, daß es etwas lebendiges Tierisches gegeben hat. Da muß das physisch Lebendige vorhanden gewesen sein in einer noch tierisch-pflanzlich geformten Art und Weise.
[ 16 ] Now we can imagine that we are at a very distant point in the distant past. There, on one side of the human being, we have the spiritual-soul entity. I believe that contemporary materialistic thinking will find it difficult to conceive of this spiritual-soul aspect. This is simply because, for centuries, modern thinking has weaned itself away from imagining the spiritual-soul realm. On the other side, we have sensory life in the distant past. How are we to imagine this sensory life? Natural science teaches us that when we examine the beings in the remains of the Earth’s strata, we arrive at a human being of imperfect form. And going further back, we find times when the human being in its present form was not on Earth. Only apes and closely related animals existed. Going further back, we find that even the apes were absent and that only lower mammals existed. Even earlier, there were reptiles and birds, and still earlier we find animal species of immense size and power: the dinosaurs and ichthyosaurs. They lived in a different way than we do today. Then, going further back, we find even more primitive animals, until we reach an era where we can no longer prove that any living animal life existed. There, physical life must have existed in a form that was still animal-plant in nature.
[ 17 ] Die Theosophie weist hin auf Zustände der Erdentwickelung, von denen auch in der Wissenschaft gesprochen wird: die Erde war nicht immer der feste mineralische Boden, auf dem wir heute umhergehen. Sie war früher in flüssig-weichem Zustande da. Wenn man gewisse Erdformationen, Gebirgsformationen ansieht, da kann man noch erkennen, wie sie aus einem quellend-flüssigen Zustand heraus sich verhärtet haben. Noch früher war die ganze Erde in einem feurig-heißen Zustand gleich einer gewaltigen Feuermasse. Die Theosophie weist nun darauf hin, daß noch früher ein gasförmiger, ein ätherischer Zustand der Erde da war. Alles was jetzt in festem oder flüssigem oder luftförmigem Zustande auf der Erde vorhanden ist, war damals auch vorhanden, aber in einem ganz feinen Ätherzustande. Sie können sich ungefähr ein Bild davon machen, wenn Sie ein Stück Eis nehmen; das ist eine feste Materie. Sie schmelzen es, dann haben Sie das, was vorher fest war, in einen flüssigen, wässerigen Zustand gebracht. Sie verdampfen das Wasser, indem Sie es erhitzen. Dann haben Sie wiederum das, was fest, was flüssig war, in einem luft-dampfförmigen Zustand vor sich. - Die ganze Erde war früher in einem viel feineren, dünneren ätherischen Zustande da. Akasha ist die feinste Form, in der vor Urzeiten sich alles im Ätherzustand befand, was jetzt als Festes, Flüssiges und so weiter auf der Erde uns entgegentritt. Der feste Granit unserer Urgebirge, alle Metalle, alle Salze, alle Kalkarten, alles was heute auf unserer Erde ist — auch alle pflanzlichen und tierischen Formen -, waren damals vorhanden in diesem feinen Akasha. Akasha ist die feinste Form der Materie.
[ 17 ] Theosophy points to stages in the Earth’s development that are also discussed in science: the Earth was not always the solid, mineral ground on which we walk today. It once existed in a liquid, soft state. If one looks at certain earth formations, mountain formations, one can still see how they hardened from a bubbling, liquid state. Even earlier, the entire Earth was in a fiery-hot state, like a massive mass of fire. Theosophy now points out that even earlier there was a gaseous, an ethereal state of the Earth. Everything that now exists on Earth in a solid, liquid, or gaseous state was also present back then, but in a very fine, ethereal state. You can get a rough idea of this if you take a piece of ice; that is a solid substance. You melt it, and then you have transformed what was previously solid into a liquid, watery state. You vaporize the water by heating it. Then you again have before you what was solid and what was liquid in a gaseous, vaporous state. - The entire Earth once existed in a much finer, more ethereal state. Akasha is the finest form in which, in ancient times, everything that now appears to us on Earth as solid, liquid, and so on was in an ethereal state. The solid granite of our primeval mountains, all metals, all salts, all types of limestone, everything that exists on our Earth today—including all plant and animal forms—were present in this fine Akasha at that time. Akasha is the finest form of matter.
[ 18 ] Der Menschenleib, den der Mensch heute hat, ist ja zusammengesetzt aus allen Stoffen der Erde. Alle Arten der Materie finden sich in irgendeiner chemischen Zusammensetzung im Menschenleibe. Damals waren alle diese Stoffe im Akasha-Zustande und in diese Akasha-Materie inkarnierte sich nun die geistig-seelische Wesenheit des Menschen. Eine ganz andere Gestalt war das als die heutige des Menschen. In dieser Akasha-Materie war noch alles undifferenziert, was sich später differenziert hat. Es war alles das darin, was später zu Mineral, Pflanze, Tierformen geworden ist. In dem, worin sich der reine göttliche Mensch inkarnierte, in dieser Akasha-Materie waren alle Tierformen noch mitenthalten, ebenso wie alles, was später Menschenform geworden ist.
[ 18 ] The human body that people have today is, after all, composed of all the substances found on Earth. All forms of matter are found in some chemical composition within the human body. At that time, all these substances were in the Akashic state, and it was into this Akashic matter that the spiritual-soul entity of the human being now incarnated. This was a completely different form than that of the human being today. In this Akashic matter, everything that later became differentiated was still undifferentiated. Everything that later became mineral, plant, and animal forms was contained within it. In that into which the pure divine human being incarnated—in this Akashic matter—all animal forms were still included, just as everything that later became human form was included.
[ 19 ] Wenn man sich ein Bild machen will von den Vorgängen innerhalb der Erdenentwickelung, die sich in diesen Urzeiten der Erde abspielten, so muß man streng unterscheiden die Zweiheit. Der Mensch ist eine Zweiheit, er ist aus zwei Wesen zusammengesetzt, Oben ist der göttlich-geistige Wesenskern des Menschen: Atma, Buddhi, Manas. In diesem göttlich-geistigen Menschen lebt die Begierde, Mensch zu werden. Die treibt ihn herunter. Und im Herunterstieg bildet er sich eine Hülle aus dieser Begierde, einen Astralleib. Unten auf der Erde haben sich gebildet Wesen, tierähnlich, entstanden aus der noch unbestimmten Erdenmasse. Diese Wesen kamen her aus einem noch viel früheren Erdenzustand, dem alten Mondenzustand, einer früheren Verkörperung der Erde. Als dieser alte Mond sein kosmisches Dasein vollendet hatte, blieb zurück von ihm etwas wie ein Same von Wesenheiten, die auf dem alten Monde gelebt hatten; Wesen waren das, die nicht Tier, nicht Mensch waren, die zwischen Tier und Mensch standen. Das waren eine Art von Tiermenschen. Die kamen wieder heraus, als die Erde begann sich zu bilden. In diesen Tiermenschen lebten die wildesten Triebe, Instinkte und Begierden. Sie konnten zunächst noch nicht die höhere Geistigkeit in sich aufnehmen, sie mußten erst eine Reinigung ihrer Astralität durchmachen, um die höheren Prinzipien in sich aufnehmen zu können. Das sind die physischen Vorfahren des Menschen, von denen die Gnosis, Augustinus, die Scholastiker sprechen. Es waren tierähnliche Gestalten, die in viel weicherem Körpermaterial lebten als heute die physische Materie ist, viel weicher als die niedersten Tiere sie haben, zum Beispiel die Quallen und Weichtiere. Das waren Wesen, die in einer durchscheinenden Körperlichkeit lebten, zum Teil sehr schön gestaltet, zum Teil in ganz grotesken Formen. Sie hatten keine aufrechte Haltung, sie lebten in schwimmendschwebender Körperhaltung; sie hatten kein Rückenmark, das bildete sich erst später, noch kein warmes Blut, waren noch nicht zweigeschlechtlich. Sie lebten mit allem, was später Pflanze, Mineral, Tier geworden ist, wie in einem gemeinsamen Astralzustand der Erde. Der Astralkörper der Erde hatte damals die sämtlichen auf dieser Erde verteilten Wesenheiten in sich. Diese Astralerde war zusammengesetzt aus diesen Astralleibern der Menschen-Tiere. Diese Astralerde, die aus den Astralkörpern der Menschen-Tiere bestand, war umgeben von einer geistigen Atmosphäre, in der lebten die Monaden, der geistige Mensch. Diese geistigen Menschen warteten oben, bis sie sich vereinigen konnten mit den Astralkörpern unten. Aber zunächst waren diese Astralkörper noch zu ungereinigt; alles Triebhafte der Tiere, die Instinkte und Leidenschaften mußten im gröbsten herausgeschieden werden. Sie wurden als besondere astrale Gebilde herausgeschieden. Diese Absonderungen gingen immer wieder vor sich. Diese Absonderungen verfestigten sich, und daraus gingen die anderen Reiche unserer Erde hervor.
[ 19 ] If one wishes to form a picture of the processes within the Earth’s evolution that took place in these primeval times of the Earth, one must strictly distinguish the duality. Human beings are a duality; they are composed of two beings. Above is the divine-spiritual core of the human being: Atma, Buddhi, Manas. Within this divine-spiritual human being lives the desire to become human. This drives him downward. And as he descends, he forms a shell out of this desire, an astral body. Down on Earth, beings have formed, animal-like, arising from the still undifferentiated Earth mass. These beings came from an even earlier state of the Earth, the ancient lunar state, an earlier incarnation of the Earth. When this ancient Moon had completed its cosmic existence, something remained of it like a seed of beings who had lived on the ancient Moon; these were beings that were neither animal nor human, standing between animal and human. They were a kind of animal-human. They emerged again when the Earth began to form. The wildest drives, instincts, and desires lived within these animal-men. At first, they were not yet able to absorb the higher spirituality within themselves; they first had to undergo a purification of their astral nature in order to be able to absorb the higher principles within themselves. These are the physical ancestors of humanity, of whom Gnosticism, Augustine, and the Scholastics speak. They were animal-like beings living in bodily matter much softer than today’s physical matter, much softer than that of the lowest animals, such as jellyfish and mollusks. These were beings living in a translucent physical form, some very beautifully shaped, others in quite grotesque forms. They did not stand upright; they lived in a floating, suspended posture; they had no spinal cord—that developed only later—nor warm blood, and were not yet dioecious. They lived alongside everything that later became plants, minerals, and animals, as if in a shared astral state of the Earth. The Earth’s astral body at that time contained within itself all the beings distributed across this Earth. This astral Earth was composed of these astral bodies of the human-animals. This astral Earth, consisting of the astral bodies of the human-animals, was surrounded by a spiritual atmosphere in which the monads, the spiritual human, lived. These spiritual humans waited above until they could unite with the astral bodies below. But at first, these astral bodies were still too impure; all the animalistic drives, the instincts and passions, had to be separated out in their grossest form. They were separated out as distinct astral formations. These separations took place again and again. These separations solidified, and from them emerged the other realms of our Earth.
[ 20 ] Wir müssen uns vorstellen, daß zwei Astralitäten da waren, eine obere reinere und eine untere dichtere. Die obere, indem sie immer tiefer herabsteigt, wirkt auf die untere. Dadurch scheidet diese immer mehr das gröbere aus sich heraus. Es verdichtet sich das herausgeschiedene. Es entstehen so die anderen Naturreiche, die jetzt um uns herum sind. Der Mensch selber behält das feinste für sich. So war die ganze Umwelt einst verbunden mit dem Menschen; er hat sie herausgesetzt aus seinem Wesen.
[ 20 ] We must imagine that there were two astral realms: an upper, purer one and a lower, denser one. The upper one, as it descends ever deeper, acts upon the lower one. As a result, the lower one increasingly separates the coarser elements from itself. The separated elements condense. Thus arise the other kingdoms of nature that now surround us. Human beings themselves retain the finest elements for themselves. Thus the entire environment was once connected with human beings; they have separated it from their own being.
[ 21 ] Unten verdichtete sich die Astralmaterie zu reptilienartigen Tiergebilden; die waren noch kaltblütig. Sie waren nicht gebildet wie etwa ein Ichthyosaurus, von dem wir heute noch Reste finden. Reste von diesen Gebilden gibt es überhaupt nicht, denn diese Körper waren fein, weich — Knochen gab es erst viel später. Mit diesen Gebilden vereinigt sich zuerst das geistig-seelische Wesen von oben; beide befruchten sich. Es findet immer mehr eine Verdichtung der Materie statt. Sie geht über in einen feurig-flüssigen Zustand. Das war um die Mitte des Zeitraumes, den wir den lemurischen nennen. Dieser Zeitraum ging dem atlantischen voraus. Diese feurig-flüssige Masse wird durchzogen von Strömungen, die sich nach und nach immer mehr verdichten zu den späteren Knochen; es bildet sich heraus aus diesen Strömungen das Atmungs- und Herzorgan mit dem Blutumlauf, die verschiedenen Organe des Menschenkörpers. Herausgesetzt wird immer wieder von neuem alles dasjenige, was für den Menschen zu grob ist. Zum Beispiel die Wildheit des Löwen wird herausgesetzt. Außen entsteht eine Tierform aus gröberem Stoff: das wird dasjenige, was später Löwe geworden ist. Im Menschen bleibt zurück dasjenige, was seine mutigen, seine aggressiven Eigenschaften sind. Die Schlauheit und List wird herausgesetzt; es bildert sich draußen die Wesenheit Fuchs, und der Mensch behält für sich zurück das, was er gebrauchen kann an Schlauheit.
[ 21 ] Below, astral matter condensed into reptilian-like animal forms; these were still cold-blooded. They were not structured like, for example, an ichthyosaur, of which we still find remains today. There are no remains of these forms at all, for these bodies were fine and soft—bones did not appear until much later. The spiritual-soul being from above first united with these forms; the two fertilized one another. A condensation of matter took place more and more. It transitioned into a fiery-liquid state. This was around the middle of the period we call the Lemurian. This period preceded the Atlantean one. This fiery-liquid mass is permeated by currents that gradually condense more and more into the later bones; from these currents emerge the respiratory and cardiac organs with the blood circulation, and the various organs of the human body. Everything that is too coarse for the human being is repeatedly set aside. For example, the ferocity of the lion is cast out. Outside, an animal form emerges from coarser matter: this becomes what later became the lion. What remains within the human being are his courageous and aggressive qualities. Cunning and craftiness are cast out; the entity of the fox takes shape outside, and the human being retains for himself whatever cunning he can use.
[ 22 ] Es folgt dann ein weiterer Entwickelungszustand der Erde. Sie wurde kompakter, fester. Dadurch war der Mensch genötigt, sich dieser festeren Gestaltung des physischen Erdenlebens anzupassen. Der Mensch konnte das nur dadurch, daß er einen Teil seiner Wesenheit abgab an die gröbere Stofflichkeit. Und aus diesem Teil der menschlichen Wesenheit, der abgegeben worden ist an die gröbere Stofflichkeit, entstand die erste unvollkommenste Tierwelt. So ist dies gleichsam eine Schale, die der Mensch einmal abgeworfen hat. Sie ist aus der menschlichen Natur heraus entstanden. Die eigentlich menschliche Natur ist aber dadurch auf eine höhere Stufe hinaufgestiegen. Der Mensch ist dadurch freigeworden von dem Einschlag, den er von der niederen Tierwelt gehabt hat. Diese letzten Geschöpfe, die der Mensch abgestoßen hat, sehen wir in den ersten Erdschichten abgelagert. Es sind Krustentiere, Schalentiere, die der Mensch aus sich herausgesetzt hat. Dadurch ist er von etwas reinerer Wesenheit geworden. Es ist so wie bei einer Lösung, in der sich ein gröberer Teil abgesetzt hat. Und so geschieht die weitere Entwickelung dadurch, daß der Mensch wiederum einen Teil seiner Wesenheit an die Stofflichkeit abgibt. Dadurch entstand das, was wir die Wurmtiere, die Fischtiere nennen. Das ist wieder eine Hülle, die der Mensch abgeworfen hat.
[ 22 ] This was followed by another stage in the Earth’s development. It became more compact and solid. As a result, human beings were compelled to adapt to this more solid form of physical life on Earth. Human beings could only do this by surrendering a part of their being to the coarser material world. And from this part of the human being that was surrendered to the coarser material world, the first, most imperfect animal kingdom arose. Thus, this is, as it were, a shell that human beings once shed. It arose from human nature. But human nature itself thereby ascended to a higher level. Through this, humanity has been freed from the influence it had received from the lower animal world. We see these last creatures, which humanity has cast off, deposited in the earliest layers of the Earth. They are crustaceans, shellfish, which humanity has expelled from itself. Through this, humanity has become a somewhat purer being. It is like a solution in which a coarser part has settled out. And so further development occurs as humanity once again relinquishes a part of its being to the material realm. This gave rise to what we call the worm-like creatures and the fish-like creatures. This is yet another shell that humanity has shed.
[ 23 ] In dem zweiten Zustande hatte der Mensch eine Materie angenommen, die ähnlich unserer heutigen Luftmaterie ist. Der Mensch war da inkarniert als Luftwesen. Es mag dem materialistischen Denker sonderbar erscheinen, aber der, welcher sich mit der Theosophie bekannt macht, wird finden, daß alle übrige Schöpfungsgeschichte Phantastik ist und daß diese theosophische Schöpfungsgeschichte schon dem gewöhnlichen Verstande einleuchten kann. Dadurch, daß der Mensch mit seiner Seele sich in feinerer Materie, in Luftmaterie verkörperte, war es möglich, daß er eine neue Hülle abwarf, daß er Tiere aus sich heraussetzte. Die Erde hatte damals schon ein etwas festeres Knochengerüst aufgebaut, und es bildete sich der Mensch in dem, was man Feuernebel nennt. Man spricht da von den Söhnen des Feuernebels. Das kam dadurch zustande, daß der Mensch seine Schalen abgeworfen hat, die dann als Vögel und Reptilien auf der anderen Seite sich weiterentwickelten. Dann aber, als der Mensch auf diese Weise so weit war, als er zu dieser Feuermaterie vorgerückt war, da war er imstande, einen neuen Einschlag von außen aufzunehmen. So wie wir im Beginne unserer Erdenbildung gesehen haben, wie sich mit der physischen Materie dasjenige vereinigte, was der seelisch-geistige Mensch abgeworfen hatte als das gröbere Wesen, so vereinigte er sich in der Periode, von der wir jetzt sprechen und die schon mit starken Verdichtungszuständen unserer Erde parallel geht, das, was wir den höheren Geist nennen. Zunächst geschah das dadurch, daß das, was ich die Buddhi genannt habe, herunterstieg und zu Kama wurde. Es entstand dasjenige, was den Menschen von den niederen, kaltblütigen Wesenheiten scheidet, und es entstand damit auch alles übrige Warmblütige auf der Erde. Bis zu einem gewissen Punkte der Entwickelung gab es nur kaltblütige und leidenschaftslose Wesen; die anderen sind entstanden in der Mitte der lemurischen Zeit. Dadurch haben sich auch die zwei Geschlechter aus dem einen herausgebildet. Dadurch, daß der Mensch die niederen Wesen, die noch fortleben als Reptilien, und dann, als er schon aufgerückt war zur Warmblütigkeit, das Geschlecht der Vögel von sich abstieß, durch diese Ausscheidung wurde er reif, den Geist in seiner ersten Gestalt in sich aufzunehmen. Das ist das Geschlecht, das zum ersten Male geistbegabt auftritt. In der lemurischen Zeit ist der Mensch zu einer verdichteten Materialität gekommen, da hat der Mensch die Fleischlichkeit errungen. Es ist das der lemurische Mensch. Und dieser lebte auf unserer Erde zu einer Zeit, in welcher noch viel von der alten Feuermaterie vorhanden war. In diesem lemurischen Zeitalter geht dann das ganze Geschlecht in umfassender Art zugrunde, durch Katastrophen, die das Feuer in Form von großen vulkanischen Tätigkeiten anrichtet. Nur einige bleiben übrig und leben weiter.
[ 23 ] In the second state, human beings had taken on a form of matter similar to the air we know today. Human beings were incarnated there as air beings. It may seem strange to the materialistic thinker, but those who familiarize themselves with Theosophy will find that all other accounts of creation are fanciful and that this Theosophical account of creation is already comprehensible to the ordinary mind. Because man, with his soul, incarnated in a finer matter—in air matter—it was possible for him to shed a new shell, to give rise to animals from within himself. The Earth had already developed a somewhat firmer skeletal structure by then, and man took form within what is called the fire-mist. One speaks here of the Sons of the Fire Nebula. This came about because humanity shed its shells, which then evolved further on the other side as birds and reptiles. But then, when humanity had progressed this far in this way, having advanced to this fiery matter, it was able to receive a new influence from outside. Just as we saw at the beginning of our Earth’s formation how that which the soul-spiritual human being had shed as the coarser being united with physical matter, so in the period of which we are now speaking—and which already runs parallel to strong states of condensation on our Earth—it united with what we call the higher spirit. Initially, this occurred through the descent of what I have called the Buddhi, which became Kama. What distinguishes human beings from the lower, cold-blooded beings came into being, and with it arose all other warm-blooded life on Earth. Up to a certain point in evolution, there were only cold-blooded and passionless beings; the others arose in the middle of the Lemurian epoch. Through this, the two sexes also emerged from the one. By repelling from himself the lower beings that still live on as reptiles, and then, once he had already advanced to warm-bloodedness, the bird species—through this separation he became ready to receive the spirit within himself in its first form. This is the species that first appears as a spiritual being. During the Lemurian era, humanity attained a condensed materiality; it was then that humanity attained physicality. This is the Lemurian human. And this human lived on our Earth at a time when much of the old fire-matter was still present. In this Lemurian age, the entire race then perished on a vast scale through catastrophes wrought by fire in the form of great volcanic activity. Only a few remained and lived on.
[ 24 ] Die atlantische Periode spielte sich auf den Gebieten der Erde ab, die heute bedeckt sind von den Fluten des Atlantischen Ozeans. Hier wird noch einmal etwas abgestoßen vom Menschen: Es werden die höheren Säugetiere abgeschieden. Der Mensch hatte zuerst noch die Natur der höheren Säugetiere in sich. Er hatte noch das in sich, was man als menschenähnliche Affen bezeichnet. Das sind alles Ausscheidungen niederer Bestandteile seiner Wesenheit. Der Mensch hat sich jetzt zu einer höheren Stufe nur dadurch heraufentwickelt, daß er das Niedere abgestreift hat. Es kam im Menschen das zum Vorschein, was ich früher Ahamkara, Ich, genannt habe. In der ersten atlantischen Zeit kommt Ahamkara mit der entsprechenden Entwickelung des Gedächtnisses und der Sprache im Menschengeschlecht zum Vorschein. Ich-Bewußtsein wurde Bewußtsein des Egoismus., Die erste atlantische Zeit ist daher auch eine Zeit, in welcher sich mehr und mehr der brutale Egoismus ausgebildet hat. Wir werden noch hören und lesen, zu welchen Exzessen das ausgebildete Ahamkara geführt hat. Also abgestoßen worden ist die höhere Säugetiernatur, so daß wir im Affen keinen Vorfahren zu sehen haben; vielmehr haben wir im Menschen den Erstgeborenen auf unserer Erde zu sehen. Der Mensch ist im Akasha-Äther inkarniert vorhanden, und alles, was außer ihm besteht, ist nach und nach von ihm ausgeschieden worden. Mensch und Tiere haben sich den Verhältnissen und Umständen angepaßt und sind das geworden, als was wir sie heute kennenlernen können. Paracelsus hat das gewußt und gesagt, daß der Mensch die Buchstaben selbst niedergeschrieben hat, aus denen seine ganze Wesenheit besteht. Also im Affen haben wir keinen Vorfahren zu sehen, sondern einen Nachkommen des ursprünglichen Menschen. Es ist merkwürdig, daß diese theosophische Betrachtungsweise anklingt, ganz elementar, an eine Auslassung des Naturforschers und Botanikers Reinke. Er sagt in seinem Buche «Die Welt als Tat», daß der Affe sich nicht als ein Vorfahre des Menschen ausnimmt, sondern als ein degenerierter Mensch, als ein von der Menschheit abgefallener und degenerierter Mensch. — Diese Anschauung stimmt ganz außerordentlich mit dem überein, was uns die Naturwissenschaft auf diesem Gebiete lehrt. Sie lehrt uns, daß in der allerersten Anlage das menschliche Gehirn, namentlich das kindliche Menschengehirn, sehr ähnlich ist — bis zu einem gewissen Grade — einem Affengehirn, daß aber das entwikkelte Menschengehirn doch abweicht vom Affengehirn. So daß das Affengehirn sich ausnimmt wie etwas, was einen ganz anderen Entwickelungsgang nimmt. Die darwinistische Anschauung aber will ihre Theorie von der Verwandtschaft des Affen mit dem Menschen stützten durch die erste Beobachtung. — Damals hat der Mensch, damit er sich freier, in edleren Eigenschaften nach aufwärts entwickeln konnte, die Natur, die heute die Affenbildung ausmacht, abgestoßen. Dadurch ist das Affengeschlecht degeneriert und hat sich nach einer anderen Richtung entwickelt. Der Affe ist nicht im entferntesten als Vorfahre des Menschen anzusprechen. Das aber bringt die Entwickelung des Menschen weiter.
[ 24 ] The Atlantean period took place in the regions of the Earth that are now covered by the waters of the Atlantic Ocean. Here, something is once again shed by humanity: the higher mammals are separated out. At first, human beings still possessed the nature of higher mammals within them. They still had within them what is referred to as human-like apes. These are all eliminations of lower components of their being. Human beings have now evolved to a higher level solely by shedding the lower aspects. What I previously called Ahamkara, the “I,” came to the fore in human beings. In the early Atlantean period, Ahamkara emerged in the human race alongside the corresponding development of memory and language. Self-consciousness became a consciousness of egoism. The early Atlantean period is therefore also a time in which brutal egoism developed more and more. We will yet hear and read of the excesses to which the developed Ahamkara has led. Thus the higher mammalian nature has been cast off, so that we need not regard the ape as an ancestor; rather, we must regard the human being as the firstborn on our Earth. The human being exists incarnated in the Akashic ether, and everything that exists apart from him has gradually been shed by him. Humans and animals have adapted to conditions and circumstances and have become what we can recognize today. Paracelsus knew this and said that man himself wrote down the letters from which his entire being consists. Thus, in the ape we are not to see an ancestor, but a descendant of the original human. It is remarkable that this theosophical perspective echoes, quite fundamentally, a statement by the naturalist and botanist Reinke. He says in his book *The World as Deed* that the ape does not appear as an ancestor of man, but as a degenerate human, as a human who has fallen away from humanity and degenerated. — This view corresponds remarkably well with what natural science teaches us in this field. It teaches us that in its very earliest stage, the human brain—namely the infant human brain—is very similar—to a certain degree—to an ape’s brain, but that the developed human brain nevertheless differs from the ape’s brain. So that the ape brain appears to follow an entirely different course of development. The Darwinian view, however, seeks to support its theory of the kinship between apes and humans through this initial observation. — At that time, in order to develop more freely and ascend to nobler qualities, humans cast off the nature that today constitutes the form of the ape. As a result, the ape species degenerated and developed in a different direction. The ape cannot in the least be regarded as an ancestor of humans. But this advances the development of humans.
[ 25 ] Nachdem der Mensch Buddhi und Kama und Ahamkara entwickelt hatte, war er in der Lage, das erste Prinzip des Geistes wieder in sich aufzunehmen: Manas. Manas, das logische Denken, das kombinierende Denken hat sich seit der letzten Zeit der atlantischen Epoche und in unserer ganzen fünften Menschheitsepoche aus dieser veredelten Menschennatur herausentwickelt. So hat der Mensch, nachdem er Buddhi zuerst entwickelt hat bis zu Kama, die Weisheit ausleben müssen im Egoismus, in Ahamkara; so hat er ein egoistisches Leben führen müssen. Dann aber hat sich die Weisheit wieder in reinerer Gestalt entwickelt, so daß der Mensch heute in der Lage ist, logisch zu denken. Er wird einmal heraufsteigen zu einer höheren Art der Geistigkeit, indem er auch aus der Kamanatur und aus dem alltäglichen Fühlen die Buddhinatur herausarbeiten wird, um dann zu noch höheren Stufen der Geistigkeit emporzusteigen. Davon werden wir später noch sprechen, wenn wir die Entwickelungsstufen noch genauer kennenlernen werden.
[ 25 ] After humans had developed buddhi, kama, and ahamkara, they were able to reabsorb the first principle of the mind: manas. Manas, logical thinking, and combinatory thinking have developed from this refined human nature since the late Atlantean epoch and throughout our entire fifth epoch of humanity. Thus, after first developing Buddhi up to Kama, human beings had to live out wisdom in egoism, in Ahamkara; thus, they had to lead an egoistic life. But then wisdom developed again in a purer form, so that human beings today are able to think logically. They will one day ascend to a higher form of spirituality by working out the Buddhi nature even from the Kama nature and from everyday feeling, in order to then ascend to even higher levels of spirituality. We will speak of this later, when we come to know the stages of development in greater detail.
[ 26 ] Es konnte nur im allgemeinen eine Skizze der theosophischen Anschauung gegeben werden. Das ist die Entwickelungslehre, die Lehre von der Abstammung des Menschen im theosophischen Sinne, Das ist die Abstammungslehre, welche berufen ist, an die Stelle derjenigen zu treten, welche ohnedies in der letzten Zeit eine wesentliche Einbuße durch die wirklichen naturwissenschaftlichen Tatsachen erfahren hat.
[ 26 ] Only a general outline of the Theosophical view could be provided. This is the doctrine of evolution, the doctrine of human descent in the theosophical sense. This is the doctrine of descent that is destined to take the place of the one that has, in any case, suffered a significant loss of credibility in recent times due to actual scientific facts.
[ 27 ] Ich möchte nun doch noch, um zu zeigen, daß das, was ich gesagt habe, nicht so ganz gegen die naturwissenschaftlichen Vorstellungen spricht, einige Worte des Botanikers Reinke vorlesen, um zu zeigen, daß es heute nötig ist, eine neue Art «Schöpfungsgeschichte» zu denken. Er spricht da folgendes aus: «Es ist von vornherein klar, welch tiefer Gegensatz zwischen dieser eben ausgesprochenen Anschauung und der im allgemeinen in unserer Wissenschaft bestehenden Anschauung und Methode der Forschung liegt. Wir suchen im allgemeinen nicht nach Theorien, sondern bauen auf Tatsachen. Daher müßte sich die Naturwissenschaft dazu bequemen, sich nur auf Tatsachen zu beschränken. Die Tatsachen sind aber bis jetzt keineswegs vorhanden. Ich muß protestieren dagegen, wenn die Sache so dargestellt wird, als ob von der Zoologie, Anatomie usw. die Tatsachen geliefert worden seien. Wenn davon ein Bild abgeleitet werden soll, so ist das eine Phantasie.» — Dabei sieht dieser Naturforscher noch nicht ein, daß es unmöglich ist, aus den äußeren Tatsachen jemals eine Anschauung zu erhalten über den Ursprung des Menschen. Niemals kann man dies, denn der Ursprung des Menschen ist nicht im Sinnlichen gelegen, sondern im Seelisch-Geistigen. Erst wenn man von dem Sinnlichen aufsteigt zum Seelisch-Geistigen, wenn man aufsteigt zu einer Anschauung, die nicht phantastischer, sondern spiritueller Natur ist, können wir wiederum zu einer den Menschen wirklich befriedigenden Abstammungslehre kommen. Den Menschen zu einer ihn wieder befriedigenden Abstammungslehre zu führen, ist die Aufgabe der Theosophie. Die «natürliche» Schöpfungsgeschichte kann heute nicht mehr befriedigen. Auf der einen Seite macht sich das Bedürfnis nach einer spirituellen Erkenntnis geltend, und auf der anderen Seite haben die Tatsachen die EntwickeJungslehre widerlegt. Die Naturwissenschaft wird niemals über den Ursprung des Menschen etwas sagen können. Soll der Ursprung des Menschen erkannt werden, so kann das nur im Sinne einer im geistigen Sinne gehaltenen Erkenntnis geschehen. Die Gegenwart wieder hinzuführen zu einer solchen spirituellen Erkenntnis: diese Aufgabe hat die theosophische Weltanschauung.
[ 27 ] To demonstrate that what I have said does not entirely contradict scientific concepts, I would now like to read a few words by the botanist Reinke, in order to show that it is necessary today to conceive of a new kind of “creation story.” He states the following: “It is clear from the outset what a profound contrast exists between the view just expressed and the view and method of research generally prevailing in our science. We generally do not seek theories, but rely on facts. Therefore, natural science would have to resign itself to limiting itself to facts alone. But the facts are by no means available as of yet. I must protest against the way the matter is presented, as if the facts had been provided by zoology, anatomy, etc. If a picture is to be derived from this, it is a fantasy.” — Yet this natural scientist does not yet realize that it is impossible to ever gain a conception of the origin of humanity from external facts. This can never be done, for the origin of humanity does not lie in the physical realm, but in the soul-spiritual realm. Only when we ascend from the physical to the soul-spiritual, when we ascend to a conception that is not of a fanciful but of a spiritual nature, can we once again arrive at a theory of human descent that truly satisfies humanity. It is the task of Theosophy to lead humanity to a theory of human descent that once again satisfies them. The “natural” creation story can no longer satisfy us today. On the one hand, the need for spiritual knowledge is making itself felt, and on the other hand, the facts have refuted the theory of evolution. Natural science will never be able to say anything about the origin of humanity. If the origin of humanity is to be understood, this can only happen through knowledge held in a spiritual sense. To lead the present back to such spiritual knowledge: this is the task of the theosophical worldview.
Fragenbeantwortung
Questions and Answers
Frage: Waren die Krustazeen die ersten Lebewesen, welche abgeschieden wurden?
Question: Were crustaceans the first organisms to be isolated?
[ 28 ] Die Krustazeen sind nicht die ersten Lebewesen gewesen, welche abgeschieden wurden. Natürlich sind es einzellige Lebewesen gewesen. Diese waren aber nicht wie die heutigen einzelligen Lebewesen, sie waren in ganz anderen Verhältnissen.
[ 28 ] Crustaceans were not the first organisms to evolve. Of course, single-celled organisms came first. However, these were not like today’s single-celled organisms; they existed under completely different conditions.
Frage: Wie hat man sich die feuerflüssige Oberfläche der Erde in der lemurischen Zeit zu denken und das Vorhandensein von Wesen darauf?
Question: How should we imagine the molten surface of the Earth during the Lemurian era, and the presence of beings on it?
[ 29 ] Nicht die gesamte Oberfläche der Erde war da in feuerflüssigem Zustande, nur der Wohnplatz der Wesen war feuerflüssig. Bei der Abscheidung der mineralischen Wesenheiten war etwas wie eine Art Überrest, schon fast ein Einschlag eines Knochengerüstes vorhanden, der Wesenheiten beherbergen konnte, welche in irgendeiner Form schon feste Gestalt angenommen haben. Nur das kann durch die Paläontologie nachgewiesen werden, was feste Gestalt angenommen hatte,
[ 29 ] Not the entire surface of the Earth was in a molten state at that time; only the dwelling place of the beings was molten. When the mineral entities separated, something like a residue remained—almost a semblance of a skeletal framework—that could house entities which had already taken on a solid form in some way. Only what had taken on a solid form can be proven through paleontology,
Frage: Wird die Abstoßung, welche die Zukunft noch bringen muß, gefördert durch den Vegetarismus?
Question: Does vegetarianism contribute to the rejection that the future will inevitably bring?
[ 30 ] Es ist schwer darüber zu sprechen, weil diese Frage, noch mehr wie andere Fragen, das Gefühl des Menschen herausfordert. Ich möchte aber doch unbefangen über die Frage sprechen. Allerdings wird die weitere Veredlung des Menschen durch den Vegetarismus in ganz wesentlicher Weise gefördert. Damit soll aber nicht gesagt werden, daß es jedem Menschen möglich ist und daß es jedem Menschen zuträglich ist, vegetarisch zu leben. Die Frage ist eine andere, wenn man frägt, ob man Vegetarier werden soll, als wenn man frägt: Was bewirkt die vegetarische Lebensweise? — Der Vegetarismus ist eine Beförderung der geistigen Intuition und ist auch förderlich für das Handeln. Gleichzeitig ist er auch eine Frage der Vererbung. Gegen ein Vorurteil möchte ich mich aber wenden. Der materialistische Denker kann auf diesem Gebiete zwar eine bis zu einem gewissen Grad reichende, aber keine ausreichende Erfahrung haben. Es wird gesagt, daß Persönlichkeiten durch den Vegetarismus schwach geworden sind, daß sie also die vegetarische Lebensweise nicht aushalten können. Das ist richtig und ist falsch. Richtig ist, daß viele Menschen, welche ihr Denken nur mit Kamamanas beschäftigen, die als Inhalt ihres Denkens also lediglich Sinnliches haben — und dazu gehört die gewöhnliche Gelehrsamkeit, Juristerei, Physiologie oder auch Medizin, wo der Inhalt der Vorstellungen lediglich ein solcher ist, der der Sinnenwelt entnommen wird —, in dem Vegetarismus nicht alles finden, was sie brauchen. Für alle diejenigen, die auf dem Gebiete des Verstandes, der auf die Sinnenwelt gerichtet ist, der sinnlich denkt, vorstellt und fühlt, ihr geistiges Leben leben, wird ein Punkt kommen, wo sie zusammenbrechen können durch den Vegetarismus. Es gibt sehr viele solcher Art. Es muß aber nicht sein. Ich habe auf diesem Gebiete Menschen kennengelernt, die selbst gelehrte Denker waren, die physiologische, historische Denker waren, bei denen es nicht möglich war, daß das Gehirn in entsprechender Weise richtig ernährt wurde, wenn sie bloß vegetarisch lebten. Die Sache wird aber sofort anders, wenn der Mensch eine Spiritualität entwickelt. Sobald der Mensch zum spirituellen Erkennen kommt, sobald er zum Leben im Spirituellen kommt, dann ist es möglich, daß er sich beim Vegetarismus aufrechterhalten kann. Dann fördert der Vegetarismus das spirituelle Leben, und der Mensch wird dahin kommen, wo ihm noch eine höhere Zukunft in Aussicht steht. Von dieser höheren Zukunft werde ich in den nächsten Vorträgen, am 16. Februar, 23. Februar und 2. März sprechen, wo ich über Goethes «Geheime Offenbarung» sprechen werde. .
[ 30 ] It is difficult to talk about this because, even more so than other issues, this question touches on people’s emotions. Nevertheless, I would like to discuss the matter objectively. That said, vegetarianism plays a crucial role in furthering human development. This is not to say, however, that it is possible for everyone to live a vegetarian lifestyle, nor that it is beneficial for everyone. The question is different when one asks whether one should become a vegetarian than when one asks: What does the vegetarian lifestyle achieve? — Vegetarianism promotes spiritual intuition and is also beneficial for action. At the same time, it is also a matter of heredity. However, I would like to address a common prejudice. The materialistic thinker may have some experience in this area, but it is limited and insufficient. It is said that certain individuals have become weak through vegetarianism, and thus cannot sustain a vegetarian lifestyle. This is both true and false. It is true that many people who occupy their thinking solely with kamamanas—whose thoughts thus consist solely of the sensory—and this includes conventional scholarship, jurisprudence, physiology, or even medicine, where the content of ideas is derived solely from the sensory world—do not find everything they need in vegetarianism. For all those who live their spiritual life in the realm of the intellect—which is directed toward the sensory world and thinks, imagines, and feels in a sensory way—there will come a point where they may break down as a result of vegetarianism. There are very many of this sort. But it need not be so. I have met people in this field who were themselves learned thinkers, who were physiological and historical thinkers, for whom it was not possible for the brain to be properly nourished in the appropriate way if they lived solely on a vegetarian diet. But the situation changes immediately when a person develops spirituality. As soon as a person attains spiritual insight, as soon as they begin to live in the spiritual realm, then it becomes possible for them to sustain themselves through vegetarianism. Then vegetarianism promotes spiritual life, and the person will reach a point where an even higher future lies in prospect. I will speak of this higher future in the next lectures, on February 16, February 23, and March 2, where I will discuss Goethe’s “Secret Revelation.” .
Frage: Was hat man unter einer geistig-seelischen Wesenheit zu verstehen?
Question: What is meant by a spiritual-soul entity?
[ 31 ] Wir werden noch sehen, wo der Geist seinen Ursprung hat. Diesen geistigen Einschlag müssen wir uns innerhalb der Entwickelung des Menschen als einen Einfluß von außen vorstellen. Damit ist nicht etwa eine Naturanschauung verJetzt oder die Meinung berechtigt, daß das ja ein Dualismus sei. Wasserstoff und Sauerstoff geben ja auch Wasser. Deshalb braucht aber der, welcher dieses weiß, kein Dualist zu sein.
[ 31 ] We shall yet see where the spirit has its origin. We must conceive of this spiritual influence within human development as an external force. This does not, however, justify a modern view of nature or the opinion that this constitutes dualism. After all, hydrogen and oxygen also produce water. However, this does not mean that anyone who knows this must be a dualist.
Frage: Was war es denn eigentlich, was als Mensch da war, bevor der geistige Einschlag stattfand?
Question: What exactly was it that existed as a human being before the spiritual awakening took place?
[ 32 ] Bis zu einem gewissen Punkte ist der Mensch die Dreiheit: Geist, Seele und Leib. Wenn wir weiter nach aufwärts kommen, so haben wir auf der Erde, verbunden mit dem Physischen der Erde, den leiblich-seelischen Menschen. Dieser leiblich-seelische Mensch ist da zunächst in einer viel feineren und lichteren Materie inkarniert, als der spätere Mensch. Es findet da fortwährend eine Verdichtung statt. Deshalb sprechen wir auch von den sogenannten «Söhnen des Feuernebels». Wir haben es da zu tun mit einer Ausgestaltung des Menschen. Diese Gestalt möchte ich aber in öffentlicher Vorlesung nicht beschreiben, weil, wenn man sie ohne weiteres hinstellt, es sich nicht gut ausnimmt. Die Vorbedingungen sind nicht vorhanden, um diese Gestalt zu verstehen. Im «Feuernebel» wurde zuletzt in Akasha inkarniert. Von dieser Akasha hat die Physik unserer Zeit keine Kenntnis. Was wir jetzt haben als Einschlag, das ist die Anlage zur Ewigkeit, der Geist, wenn wir beim heutigen Menschen von Geist sprechen, spricht man von der Ewigkeit. Das Bewußtsein, um das es sich damals handelte, war durchaus nicht dasselbe wie das Bewußtsein in der Hypnose oder im Trancezustand. Es ist vorhanden, annähernd, während eines besonders lebhaften Traumes. Das war der Bewußtseinszustand vor dem Einschlag des Geistes.
[ 32 ] To a certain extent, the human being is a triad: spirit, soul, and body. As we ascend further, we find on Earth, connected to the physical realm of the Earth, the physical-soul human being. This physical-soul human being is initially incarnated in a much finer and lighter substance than the later human being. A process of densification is constantly taking place there. That is why we also speak of the so-called “sons of the fire mist.” We are dealing here with a form of the human being. However, I do not wish to describe this form in a public lecture, because if one simply presents it, it does not look good. The prerequisites for understanding this form are not present. In the “Fire Nebula,” the last incarnation took place in Akasha. Modern physics has no knowledge of this Akasha. What we now have as an imprint is the predisposition toward eternity—the spirit. When we speak of spirit in relation to modern humans, we are speaking of eternity. The consciousness in question at that time was by no means the same as the consciousness in hypnosis or in a trance state. It is present, approximately, during a particularly vivid dream. That was the state of consciousness before the impact of the spirit.
Frage: Warum soll jeder Fortschritt durch Verdichtung der Materie geschehen, während wir doch die feinere Materie als Fortschritt betrachten?
Question: Why is progress supposed to occur through the densification of matter, when we consider finer matter to be progress?
[ 33 ] Die allgemeine Form des Bewußtseins wurde erhellt, aber auch beschränkt durch die Verdichtung bis zur materiellen Ausbildung der Sinnesorgane.
[ 33 ] The general form of consciousness was illuminated, but also limited, by the condensation that led to the material formation of the sense organs.
Frage: Ist der Akasha-Stoff ätherischer oder astralischer Stoff?
Question: Is the Akashic substance an ethereal or astral substance?
[ 34 ] Der astralische Stoff ist der höhere Stoff. Der AkashaStoff steht zwischen der physischen und astralen Materie. Er ist die feinste physische Materie, die allerfeinste Materie, in welcher der Gedanke sich unmittelbar ausprägen kann.
[ 34 ] Astral matter is the higher form of matter. Akashic matter lies between physical and astral matter. It is the finest physical matter, the very finest matter, in which thought can manifest itself directly.
Frage: Wie war der Mensch in diesen feinen Zuständen wahrnehmbar?
Question: How could a person be perceived in these subtle states?
[ 35 ] In der Zeit, als der Mensch noch luftig war, war es möglich, ihn durch das Gehör wahrzunehmen, als Vibration, nicht aber durch das Auge.
[ 35 ] In the time when human beings were still ethereal, it was possible to perceive them through hearing, as vibrations, but not through sight.
[ 36 ] Frage: Welchen Einfluß hatte der Einschlag des Geistes auf die Geschlechtlichkeit?
[ 36 ] Question: What impact did the influence of the Spirit have on sexuality?
[ 37 ] Mit dem Einschlag des Geistes trat auch die Eingeschlechtlichkeit des Einzelwesens auf. Vorher waren beide Geschlechter in einem Wesen vorhanden. Die Fortpflanzung war damals ähnlich derjenigen unserer einzelligen Wesen.
[ 37 ] With the emergence of the spirit, the unisexual nature of the individual being also came into being. Previously, both sexes had existed within a single being. Reproduction at that time was similar to that of our single-celled organisms.
Frage: Was ist der Ursprung der theosophischen Weltanschauung?
Question: What is the origin of the theosophical worldview?
[ 38 ] Früher wurde in Bildern gelehrt. Heute ist das nicht mehr möglich. Daher muß man die Ideen in einer dem Verstande verständlichen Sprache zum Ausdruck bringen, besonders für unsere Wissenschafter. Man sollte diese Dinge betrachten, wie der Physiker die seinigen betrachtet, als eine brauchbare Arbeitshypothese. Das gibt nach und nach doch Überzeugung.
[ 38 ] In the past, teaching was done through images. Today, that is no longer possible. Therefore, ideas must be expressed in language that the mind can understand, especially for our scientists. One should view these things as a physicist views his own work: as a useful working hypothesis. This will gradually lead to conviction.
Als Dr. Steiner gebeten wurde, etwas Näheres über den Vorgang des Heraussetzens des Affen zu sagen, antwortete er etwa so:
When Dr. Steiner was asked to elaborate on the process of releasing the monkey, he replied something like this:
[ 39 ] Denken Sie sich einen Vorfahren, er hat zwei Nachkommen. Der eine dieser Nachkommen kann den göttlichen Funken in seine Form aufnehmen. Er entwickelt sich herauf und wird Mensch. Der andere Nachkomme hat eine aus gröberen Stoffen geschaffene Form, er kann nicht den Funken aufnehmen. Er entwickelt sich herab und wird Affe.
[ 39 ] Imagine an ancestor who has two descendants. One of these descendants is able to absorb the divine spark into his form. He evolves upward and becomes a human being. The other descendant has a form created from coarser substances; he cannot absorb the spark. He evolves downward and becomes an ape.
