The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53
15 December 1904, Berlin
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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
9. Vom inneren Leben
9. On the Inner Life
[ 1 ] In den Vorträgen über die Grundbegriffe der Theosophie habe ich mir gestattet, Ihnen ein Bild zu entwerfen von dem Wesen des Menschen und den sogenannten drei Welten: der eigentlichen physischen Welt, der Seelenwelt und der geistigen Welt. Nun wird es meine Aufgabe nach Neujahr sein, Ihnen die wichtigsten theosophischen Erkenntnisse zu entwickeln über die Entstehung des Menschen, über die Entstehung der Erde und der Himmelskörper überhaupt. Damit wird sich uns der große Ausblick eröffnen für das Weltbild, welches die Theosophie uns entwerfen kann.
[ 1 ] In the lectures on the basic concepts of theosophy, I took the liberty of sketching out for you a picture of the nature of the human being and the so-called three worlds: the physical world proper, the world of the soul, and the spiritual world. Now, after the New Year, my task will be to present to you the most important theosophical insights regarding the origin of humanity, the origin of the Earth, and the celestial bodies in general. This will open up a broad perspective for the worldview that Theosophy can present to us.
[ 2 ] Heute aber möchte ich in einigen Andeutungen darauf hinweisen, wie des Menschen innere Entwickelung vor sich gehen muß, wenn er selbst zu einer Überzeugung kommen will über die Dinge, welche durch die theosophische Weltanschauung verkündigt werden. Dabei bitte ich Sie allerdings das eine zu berücksichtigen, daß ein großer Unterschied gemacht werden muß zwischen derjenigen Ausbildung der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes, welche dazu führt, ein eigenes Verständnis zu haben für dasjenige, was der Theosoph als seine Wahrheit, seine Erkenntnis, seine Erfahrung verkündigt, und einer zweiten Stufe. Eine höhere Stufe ist erst diejenige, welche befähigt, selbst zu solchen Erkenntnissen und Erfahrungen zu kommen. Ich möchte sagen, man muß unterscheiden zwischen einer elementaren Stufe der Ausbildung, die dazu führt, daß man fähig wird, zu dem, was der erfahrene Mystiker sagt, «ja» zu sagen, zu sagen: ich verstehe, ich kann das in mir nachdenken, nachfühlen und selbst als eine Wahrheit in gewissen Grenzen anerkennen — und einer höheren Stufe, durch die man befähigt wird, selbst Erfahrungen im Seelen- oder Geisterlande zu machen. Die erste Stufe soll uns heute beschäftigen. Die zweite Stufe betrifft das eigentliche Hellsehen, und soweit überhaupt öffentlich über dieses eigentliche Hellsehen Andeutungen gemacht werden können, wird es uns in einem späteren Vortrag beschäftigen.
[ 2 ] Today, however, I would like to offer a few hints as to how a person’s inner development must proceed if they wish to arrive at a conviction regarding the things proclaimed by the Theosophical worldview. In doing so, however, I ask you to bear in mind that a great distinction must be made between the training of the human soul and mind that leads to an individual understanding of what the theosophist proclaims as his truth, his knowledge, and his experience, and a second stage. A higher stage is only that which enables one to arrive at such knowledge and experiences oneself. I would like to say that one must distinguish between an elementary stage of training, which leads to the ability to say “yes” to what the experienced mystic says, to say: I understand, I can reflect on this within myself, feel it, and acknowledge it as a truth within certain limits—and a higher stage, through which one is enabled to have experiences in the realm of the soul or spirit oneself. We shall concern ourselves today with the first stage. The second stage concerns actual clairvoyance, and insofar as any hints at all can be given publicly about this actual clairvoyance, we shall deal with it in a later lecture.
[ 3 ] Also, wie man zu einer Art eigenem Verständnis der theosophischen Wahrheiten kommt, das ist die Frage, die uns heute beschäftigt. Glauben Sie nicht, daß ich mehr geben kann als ganz wenige Andeutungen; denn diejenige Ausbildung, welche die menschliche Seele und der menschliche Geist erfahren muß, um einigermaßen zu genanntem Verständnis zu kommen, diese Ausbildung ist eine umfassende. Sie erfordert eine lange, lange Zeit eines inneren Studiums, und alle Einzelheiten, die dazu notwendig sind, können natürlich nicht einmal berührt werden im Verlaufe eines kurzen Vortrages. Was ich Ihnen zu sagen imstande bin, das verhält sich zu dem, was der persönliche Unterricht auf diesem Gebiete gibt, wie die Beschreibung eines Mikroskops oder eines Fernrohrs zu der Anleitung zur Handhabung des Instrumentes, die Sie im Laboratorium, auf der Sternwarte selbst erhalten können.
[ 3 ] So, how one arrives at a kind of personal understanding of theosophical truths—that is the question that concerns us today. Do not expect me to offer more than a few hints; for the training that the human soul and mind must undergo in order to arrive at even a rudimentary understanding of these truths is a comprehensive one. It requires a long, long period of inner study, and naturally, all the details necessary for this cannot even be touched upon in the course of a short lecture. What I am able to tell you is to the personal instruction given in this field as the description of a microscope or a telescope is to the instruction in the handling of the instrument that you can receive in the laboratory or at the observatory itself.
[ 4 ] Vorerst ist zu bemerken, daß für die meisten Menschen ein wirklicher Unterricht auf diesem Gebiete nur zu erlangen ist durch einen persönlichen Lehrer, Es mag manchem erscheinen, als ob der Mensch durch eigenes Probieren dahin gelangen könnte, innere Fähigkeiten, seelische Kräfte, geistige Anschauung bei sich auszubilden, und es könnte vielleicht betrüblich erscheinen, daß auf diesem wichtigen Gebiete des Lebens eine persönliche Anleitung nötig sein sollte. Allein die Art und Weise, wie eine solche Anleitung ist, gibt eine genügende Garantie dafür, daß der Mensch keineswegs in eine irgendwie geartete Abhängigkeit von einem anderen gelangen kann. Es gibt keine höhere Schätzung und Ehrung dessen, was man Menschenwürde und Selbstschätzung genannt hat, als diejenige, welche der Geheimlehrer hat. Derjenige, welcher in mystischer und theosophischer Entwickelung unterrichtet, wird nichts anderes geben als Ratschläge, und die höchsten Lehrer auf diesen Gebieten gaben nichts anderes als Ratschläge und Anweisungen, und es hängt ganz von des Menschen eigenem Ermessen ab, inwiefern man sie befolgen will oder nicht. Es hängt vom Menschen selbst ab, welche Aufgabe er seiner eigenen Seele und seinem Geiste setzt; so stark ist die Schätzung der menschlichen Freiheit, daß von seiten der Lehrer nichts anderes gegeben wird als Ratschläge und Anweisungen. Unter diesem Vorbehalt muß alles aufgefaßt werden, was auf diesem Gebiete nur irgendwie gesagt werden kann.
[ 4 ] First of all, it should be noted that for most people, genuine instruction in this area can only be obtained through a personal teacher. It may seem to some as though a person could develop inner abilities, spiritual powers, and spiritual insight through their own experimentation, and it might perhaps seem regrettable that personal guidance should be necessary in this important area of life. Yet the very nature of such guidance provides sufficient assurance that one can in no way fall into any kind of dependence on another. There is no higher esteem and honor for what has been called human dignity and self-respect than that which the Secret Teacher holds. The one who teaches in mystical and theosophical development will give nothing but advice, and the highest teachers in these fields gave nothing but advice and instructions, and it depends entirely on the individual’s own discretion to what extent one wishes to follow them or not. It depends on the individual to determine what task he sets for his own soul and spirit; so great is the esteem for human freedom that the teachers offer nothing but advice and instructions. Everything that can be said in this field must be understood with this reservation in mind.
[ 5 ] Dann müssen Sie sich auch klar sein darüber, daß die wichtigste Schulung auf diesem Gebiete keine solche ist, welche in besonderen Äußerlichkeiten verläuft, zu welcher ganz besondere äußere Maßnahmen nötig sind, sondern daß diese Schulung eine ganz intime Ausbildung der menschlichen Seele ist, daß alle wichtigen Stufen, welche da durchgegangen werden müssen, im tiefsten Inneren des Menschen sich vollziehen, daß eine Umwandlung mit dem Menschen vor sich geht, und niemand, selbst nicht einmal der intimste Freund, irgend etwas zu bemerken braucht. So im stillen, so in einer Ruhe und Abgeschlossenheit bildet sich der Mystiker, bildet sich derjenige aus, welcher zum Verständnis der Seelen- und Geisteswelt kommen will. Niemand, das muß immer und immer wieder hervorgehoben werden, braucht in irgend etwas seinen täglichen Beruf zu ändern, braucht in irgend etwas seine täglichen Pflichten auch nur im geringsten zu versäumen oder ihnen irgendeine Zeit zu entziehen, wenn er sich einer inneren mystischen Ausbildung widmet. Im Gegenteil, derjenige, welcher glaubt, eine besondere Zeit auf seine mystische Ausbildung verwenden zu sollen, welcher seine Pflichten vernachlässigt, ein schlechter Bürger, ein schlechtes Mitglied der menschlichen Gesellschaft dadurch wird, daß er Einblick zu bekommen versucht in die höheren Welten, der wird sich bald überzeugen, daß auf eine solche Art das wenigste auf diesem Gebiete zu erreichen ist.
[ 5 ] Then you must also be clear that the most important training in this area is not one that takes place through specific external forms, requiring very particular external measures, but rather that this training is an entirely intimate development of the human soul; that all the important stages that must be passed through take place in the deepest innermost part of the human being; that a transformation is taking place within the person, and no one, not even the closest friend, needs to notice anything. Thus, in silence, in stillness and seclusion, the mystic is formed, the one who seeks to understand the world of the soul and spirit. No one—and this must be emphasized again and again—needs to change anything about their daily occupation, needs to neglect their daily duties in the slightest, or take any time away from them, when they devote themselves to an inner mystical education. On the contrary, anyone who believes they must set aside a special time for their mystical training, who neglects their duties, and who thereby becomes a poor citizen and a poor member of human society by attempting to gain insight into the higher worlds, will soon realize that in this way, the very least can be achieved in this realm.
[ 6 ] Nicht tumultuarisch, sondern still, in vollständig innerer Ruhe geht diese innere Ausbildung vor sich. Und erwähnt sei durchaus von mir heute, daß keine, ich möchte sagen «ganz besonderen» Anweisungen gegeben werden, sondern nur eine Beschreibung eines solchen Weges, dessen Befolgung allerdings eines fordert von dem Menschen, und dieses eine ist zu gleicher Zeit dasjenige, ohne das niemals eigene höhere Erfahrung erreicht werden kann: das ist Geduld. Wer nicht Standhaftigkeit und Geduld hat, wer nicht ausharren kann und immer wieder und wieder in aller Stille die inneren Regeln befolgen kann, um die es sich dabei handelt, der wird in der Regel gar nichts erreichen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, durch die man etwas erreichen kann, ohne die Befolgung dieser Regeln. Dann aber ist man sehr weit in der Entwickelung des menschlichen Wesens. Das ist dann der Fall, wenn man in früheren Leben bereits auf einer gewissen Stufe des Hellsehertums gestanden hat; dann ist der Weg viel kürzer und ganz anders. Das wird auch derjenige, der die betreffende Anleitung zu geben hat, bald wissen, und er wird nur nötig haben, die entsprechenden Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die sich als ein Wall da auftürmen.
[ 6 ] This inner training takes place not in a tumultuous manner, but quietly, in a state of complete inner peace. And let me mention today that no, I would say, “very special” instructions are given, but only a description of such a path, the following of which, however, demands one thing from the person, and this one thing is at the same time that without which one’s own higher experience can never be attained: that is patience. Whoever lacks steadfastness and patience, whoever cannot persevere and follow the inner rules in question again and again in complete silence, will generally achieve nothing at all. There is only one single way in which one can achieve something without following these rules. But then one is very far along in the development of the human being. This is the case when one has already reached a certain level of clairvoyance in previous lives; then the path is much shorter and quite different. The one who is to provide the relevant guidance will soon know this, and will only need to remove the corresponding obstacles that stand in the way like a wall.
[ 7 ] Es ist deshalb in der Regel untunlich, ohne persönliche Anleitung eine mystische Entwickelung zu suchen, weil fast für jeden Menschen der richtige Weg für diese Entwickelung ein anderer ist, und weil derjenige, der die Anleitung gibt, nicht im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern im geistigen Sinne des Wortes seinen Schüler ganz genau kennen muß. Der Geheimlehrer braucht allerdings nichts zu wissen über Beruf, Lebensweise, Familienangehörige oder Erlebnisse des Schülers; er braucht sich nur eine intime Kenntnis seiner Seele und seines Geistes und der jeweiligen Stufe, auf der sie stehen, zu verschaffen. Die Art und Weise, wie der Geheimlehrer sich diese verschafft, kann heute noch nicht mitgeteilt werden; die Mitteilung wird aber folgen in den Vorträgen über das Hellsehen. Außerdem ist die innere Entwickelung mit ganz bestimmten Folgeerscheinungen für jeden Menschen verknüpft. Wer seinen Pfad antritt, muß sich klar darüber sein, daß in seinem Wesen ganz bestimmte Eigenschaften auftreten werden. Diese Eigenschaften sind Symptome der inneren Entwickelung. Sie sind sozusagen ein Zeugnis für diese innere Entwickelung, und sie müssen sorgfältig beobachtet werden. Der Geheimlehrer muß wissen, wie er diese Symptome zu deuten hat. Dann erst wird die Entwickelung in der richtigen Weise vor sich gehen können.
[ 7 ] It is therefore generally inadvisable to seek mystical development without personal guidance, because the right path for this development is different for almost every person, and because the one who provides the guidance must know his student very well—not in the ordinary sense of the word, but in the spiritual sense. The secret teacher, however, need not know anything about the student’s profession, way of life, family members, or experiences; he need only acquire an intimate knowledge of the student’s soul and spirit and the stage at which they currently stand. The manner in which the Secret Teacher acquires this knowledge cannot be disclosed at this time; however, this information will follow in the lectures on clairvoyance. Furthermore, inner development is linked to very specific consequences for every human being. Anyone who sets out on this path must be clear that very specific qualities will emerge within their being. These qualities are symptoms of inner development. They are, so to speak, a testimony to this inner development, and they must be carefully observed. The Secret Teacher must know how to interpret these symptoms. Only then will the development be able to proceed in the right way.
[ 8 ] Die Entwickelung des inneren Menschen ist eine Geburt, die Geburt der Seele und des Geistes, und zwar ist sie dies nicht im bildlichen, figürlichen Sinne, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als Tatsache. Und eine Geburt ist auch auf diesem Gebiete nicht ohne Folgeerscheinungen, und diese muß man zu behandeln wissen als Geheimlehrer. Das alles mußte ich vorausschicken.
[ 8 ] The development of the inner human being is a birth—the birth of the soul and the spirit—and this is not merely a metaphorical or figurative sense, but a literal fact in the truest sense of the word. And a birth in this realm is not without consequences, and as a secret teacher, one must know how to deal with them. I had to preface all of this.
[ 9 ] Nunmehr werden Sie ja selbst die Fragen ungefähr stellen können, die als erste gewöhnlich gestellt werden, wenn man hört von den Grundlehren der Theosophie, von der Lehre, daß die menschliche Seele schon oftmals im Körper verleiblicht war, oftmals wiederkehren wird, von der Lehre von der Reinkarnation und der Lehre von der ausgleichenden Gerechtigkeit, von Karma. Sie werden fragen, wie man das verstehen kann, wie man sich selbst ein Verständnis davon verschaffen kann. Das ist die große Frage, die nun an jeden Menschen herantritt. Es gibt nun eine goldene Regel, die man befolgen muß; dann kommt jeder — das ist eine gemeinsame Erfahrung derjenigen, die sich wirklich den betreffenden Übungen unterzogen haben — einmal zu diesem Verständnis. Es gibt keinen Menschen, der sich nicht auf die leichteste Weise von der Welt dieses Verständnis von Reinkarnation und Karma verschaffen kann. Doch möchte man mit Goethe sagen: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer» — denn wenige finden den rechten Willensentschluß, die Standhaftigkeit und die Geduld, um sich ganz bestimmte Vorgänge der Seele und des Geistes zu erarbeiten, die für dieses Verständnis notwendig sind. Diese goldene Regel ist: Lebe so, wie wenn Reinkarnation und Karma Wahrheiten wären; dann werden sie für dich Wahrheiten werden. — Es sieht so aus, als ob das durch eine Art von Selbstsuggestion erreicht werden sollte. Das ist aber nicht der Fall. Sie kennen das mystische Symbol von der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Dieses Symbol hat verschiedene tiefe Bedeutungen, aber unter den vielen Bedeutungen, die es hat, ist auch diese, die in dieser goldenen Regel sich ausspricht.
[ 9 ] Now you will be able to ask for yourself the questions that are usually asked first when one hears about the basic teachings of Theosophy, about the teaching that the human soul has been embodied many times before and will return many times again, about the teaching of reincarnation and the teaching of balancing justice, of karma. You will ask how one can understand this, how one can gain an understanding of it for oneself. That is the great question that now confronts every person. There is a golden rule that must be followed; then everyone—this is a common experience among those who have truly undertaken the relevant exercises—will eventually arrive at this understanding. There is no person who cannot acquire this understanding of reincarnation and karma in the easiest way possible. Yet one might say with Goethe: “It is easy, yet the easy is hard”—for few find the right resolve, the steadfastness, and the patience to work through certain specific processes of the soul and spirit that are necessary for this understanding. This golden rule is: Live as if reincarnation and karma were truths; then they will become truths for you. — It seems as though this should be achieved through a kind of self-suggestion. But that is not the case. You are familiar with the mystical symbol of the snake biting its own tail. This symbol has various profound meanings, but among the many meanings it holds is also the one expressed in this golden rule.
[ 10 ] Sie sehen, daß sich die Voraussetzung in gewisser Weise in sich selber verschlingt, wie das die sich in sich ringelnde Schlange tut. Wie kann man das? Wenn Reinkarnation eine Wahrheit ist, dann darf es nicht vergeblich sein, daß gewisse Anstrengungen, die gemacht werden von dem Menschen, eine Wirkung auf seine Seele haben, und diese Wirkungen müssen später Natur werden. Eines der großen Gesetze, die der Mensch aufstellt und intim bei sich selber erproben muß, ist das, was ausgesprochen ist in einer indischen Schrift mit den Worten: Was du heute denkst, das wirst du morgen. — Derjenige, welcher an Reinkarnation glaubt, muß sich klar darüber sein, daß eine Eigenschaft, die er bei sich ausbildet, ein Gedanke, den er sich dadurch einprägt, daß er ihn immer und immer wieder hegt, zu etwas Bleibendem in seiner Seele wird und in dieser Seele immer wieder und wieder erscheinen muß. Daher handelt es sich vor allen Dingen darum, daß der eine mystische Entwickelung Suchende bei sich selbst den Versuch macht, Neigungen, die er vorher gehabt hat, sich abzugewöhnen, sich neue Neigungen anzugewöhnen bloß dadurch, daß er den Gedanken intim hegt und daran anhängt diese Neigung, Tugend oder Eigenschaft, und sie so in sich einverleibt, daß er dadurch imstande ist, durch seinen eigenen Willen seine Seele zu wandeln. Das muß probiert werden genau ebenso, wie ein chemisches Experiment probiert werden muß. Wer niemals versucht hat, seine Seele zu wandeln, wer niemals den ersten Entschluß gefaßt hat, die Eigenschaften der Ausdauer, der Standhaftigkeit, des ruhigen logischen Nachdenkens zu entwickeln und niemals fest dabei geblieben ist - und wenn es ihm in einer Woche nicht gelingt, dann einen Monat, ein Jahr, ein Jahrzehnt darauf verwendet hat —, der kann über diese Wahrheiten nichts bei sich ausmachen.
[ 10 ] You see that the premise, in a certain sense, wraps itself around itself, just as a snake coils around itself. How is this possible? If reincarnation is a truth, then it cannot be in vain that certain efforts made by a person have an effect on his soul, and these effects must later become part of his nature. One of the great laws that a person must establish and intimately test within himself is what is expressed in an Indian scripture with the words: What you think today, you will become tomorrow. — Anyone who believes in reincarnation must be clear that a quality they cultivate within themselves, a thought they impress upon themselves by cherishing it over and over again, becomes something permanent in their soul and must appear again and again in that soul. Therefore, the most important thing is that the seeker of mystical development attempts within himself to break the habits he previously had and to acquire new ones simply by intimately cherishing and clinging to the thought of this inclination, virtue or quality, and incorporating it into himself in such a way that he is thereby able to transform his soul through his own will. This must be tried just as a chemical experiment must be tried. Whoever has never attempted to transform his soul, whoever has never made the initial resolution to develop the qualities of perseverance, steadfastness, and calm, logical reflection, and has never remained steadfast in this—and if he does not succeed in a week, has then devoted a month, a year, or a decade to it—cannot discern these truths within himself.
[ 11 ] Das ist der intime Weg, den die Seele gehen muß. Sie muß sich Eigenschaften, Gedanken, Neigungen einverleiben können. Es muß der Mensch imstande sein, im Laufe einer bestimmten Zeit mit ganz neuen Gewohnheiten durch die Macht seines Willens aufzutreten. Der Mensch, der vorher lässig war, muß sich angewöhnt haben, genau und exakt zu sein, nicht durch äußeren Zwang, sondern durch den eigenen Willensentschluß. Wenn das durch kleine Eigenschaften, durch kleine Dinge geschieht, dann ist es ganz besonders wirksam. Je klarer die Dinge sind, die er bei sich ausmacht, desto sicherer wird er zu wahrer Erkenntnis auf diesem Gebiete kommen. Sobald er imstande ist, eine ihm eigene Handbewegung, einen Gesichtsausdruck, eine unbedeutende Gewohnheit zunächst einmal an sich objektiv zu beobachten, wie wenn er sie an einem anderen beobachtete, und dann rein durch die Macht seines Willens anstelle der Gewohnheit, der Neigung und so weiter etwas zu setzen, was er selber will, es also selber sich einverleibt, wer das tut, der ist auf dem Wege, das große Gesetz der Reinkarnation selbst verstehen zu lernen. Genauso wie ein erfahrener Chemiker Anweisungen geben kann über das, was im Laboratorium vorgeht, so kann Ihnen einer auch solche Anweisungen geben, die er versucht hat. Durch kleine Umwandlungen wird das Höchste erreicht.
[ 11 ] This is the intimate path the soul must follow. It must be able to internalize qualities, thoughts, and inclinations. A person must be able, over the course of a certain period of time, to develop entirely new habits through the power of their will. A person who was previously careless must have acquired the habit of being precise and exact, not through external compulsion, but through their own volitional decision. When this happens through small traits, through small things, it is particularly effective. The clearer the things are that he discerns in himself, the more surely he will arrive at true insight in this area. As soon as he is able to objectively observe a gesture of his own, a facial expression, an insignificant habit—as if he were observing it in someone else— and then, purely through the power of his will, to replace the habit, the inclination, and so on, with something he himself desires—thus incorporating it into himself—whoever does this is on the path to learning to understand the great law of reincarnation for himself. Just as an experienced chemist can give instructions about what happens in the laboratory, so too can someone give you instructions based on what they have tried. Through small transformations, the highest is attained.
[ 12 ] Nun, in bezug auf Karma, das große Gesetz des gerechten Ausgleiches. Darüber eignen wir uns die Erkenntnis, das Verständnis an, wenn wir so leben, als wenn Karma eine Wahrheit wäre, Wenn Sie getroffen werden von irgendeinem Unfall, von einem Schmerz oder dergleichen, dann versuchen Sie einmal, immer und immer wieder den Gedanken zu hegen: Dieser Schmerz, dieser Unfall steht nicht wie ein Wunder in der Welt da, sondern muß eine Ursache haben. — Sie brauchen nicht über die Ursache nachzuforschen. Erst derjenige, welcher Karma überschauen kann, wird die Ursache eines Glücksfalles, eines Schmerzes und so weiter wirklich sehen können. Aber ein bloßes Gefühl brauchen Sie, müssen Sie haben, um sich ihm hinzugeben und zu fühlen, daß eine solche Handlung, ein solcher Schmerz oder eine solche Freude eine Ursache haben muß, und daß sie Ursache sein muß von zukünftigen Ereignissen. Wer sich durchdringt mit dieser Empfindung und sein Leben und das, was von außen auf ihn hereinstürmt, so betrachtet, als ob Karma eine Wahrheit wäre, der wird sehen, daß es für ihn verständlich wird. Wer sich nicht ärgert, wenn ihm etwas zustößt, sondern imstande ist, dem Ärger Einhalt zu gebieten und sich denkt, daß ebenso wie ein Stein ins Rollen kommt, wenn er gestoßen wird, dasjenige, was ihn geärgert hat, eine notwendige Ursache haben muß und sich ablöst nach einer notwendigen Gesetzmäßigkeit in der Welt, der gelangt zur Erkenntnis von Karma. So sicher, wie Sie, wenn alle Verhältnisse bleiben wie sie sind, und Sie selbst gesund bleiben, morgen früh aufwachen werden, ebenso sicher kommen Sie zum Verständnis von Karma, wenn Sie in diesem Sinne das Leben betrachten.
[ 12 ] Now, regarding karma, the great law of just retribution. We acquire knowledge and understanding of it when we live as if karma were a truth. If you are struck by some misfortune, pain, or the like, then try, over and over again, to hold this thought: This pain, this accident, does not stand in the world as a miracle, but must have a cause. — You need not investigate the cause. Only the one who can comprehend karma will truly be able to see the cause of a stroke of luck, a pain, and so on. But you need, you must have, a mere feeling to surrender to it and to sense that such an action, such pain, or such joy must have a cause, and that it must be the cause of future events. Whoever imbues themselves with this feeling and views their life and what rushes upon them from the outside as if karma were a truth will see that it becomes understandable to them. Whoever does not get angry when something happens to them, but is able to restrain their anger and thinks to themselves that just as a stone begins to roll when it is pushed, that which has annoyed them must have a necessary cause and unfolds according to a necessary law in the world, will come to the understanding of karma. Just as surely as you will wake up tomorrow morning if all circumstances remain as they are and you yourself remain healthy, so surely will you come to an understanding of karma if you view life in this way.
[ 13 ] Das sind die zwei Vorbedingungen für denjenigen, der eine Geistesschulung durchmachen will. Das sind die zwei Vorbedingungen für jeden Geistesschüler, daß er das Leben so betrachtet. Er braucht sich nicht den Gedanken gleich so hinzugeben, als ob sie Wahrheiten wären. Er muß es frei und offen lassen: vielleicht sind sie wahr, vielleicht sind sie es nicht. Weder Zweifel noch Aberglauben soll er haben, denn diese sind die wichtigsten Hindernisse. Wenn jemand geeignet ist, das Leben in diesem Sinne zu beobachten, dann ist er eigentlich erst geeignet, einen mystischen Unterricht zu empfangen. Und noch ein drittes ist nötig.
[ 13 ] These are the two prerequisites for anyone who wishes to undergo spiritual training. These are the two prerequisites for every spiritual student: that they view life in this way. They need not immediately accept these ideas as if they were truths. They must keep an open mind: perhaps they are true, perhaps they are not. They should have neither doubt nor superstition, for these are the most significant obstacles. If someone is capable of observing life in this way, then they are actually only then ready to receive mystical instruction. And a third condition is necessary.
[ 14 ] Kein Geheimlehrer wird sich darauf einlassen, einen Menschen, der von Aberglaube, vom Vorurteil derbster Art beseelt ist, oder dazu neigt, unvernünftig zu urteilen oder jeder Illusion sich hinzugeben, zu unterrichten. Das ist die goldene Regel, daß der Mensch versucht, ehe er die erste Stufe erreichen will, sich freizumachen von jeder Irrlichterei des Gedankens, von jedem Aberglauben und jeder Möglichkeit, die die Illusion für Wirklichkeit nehmen könnte. Vor allen Dingen hat der Geheimschüler ein vernünftiger Mensch zu sein, der sich nur der strengen Folge seiner Gedanken und seiner Beobachtungen hingibt. Wenn Sie in der sinnlichen Wirklichkeit sich einem Vorurteil, einem Aberglauben hingeben, dann wird es in der sinnlichen Wirklichkeit bald korrigiert. Wenn der Mensch aber nicht logisch denkt, sondern phantasiert, dann ist die Korrektur nicht so leicht. Daher ist es notwendig, bevor man in die Seelenwelt und in das Geisterland eintritt, völlig sicher in seinem Gedankenleben zu sein und strenge Kontrolle üben zu können in seinen Gedanken. Wer daher leicht zu Phantastik und Aberglaube und zu Illusionen neigt, der ist ungeeignet, in die Vorschule der Geisteslehre zu treten. Es könnte leicht entgegnet werden: Ich bin frei von Phantastik, Aberglaube und Illusion. - Das wird man sich leicht vortäuschen. Freiheit von Vorurteil, von Phantastik und Illusion, und Freiheit von Aberglaube, das sind Dinge, die durch strenge Selbstzucht erworben werden müssen; das sind Dinge, die nicht so leicht für jeden einzelnen Menschen zu haben sind. Man denke, wie die meisten Menschen irrlichtelieren und nicht imstande sind, durch die eigene Macht ihres Willens ihre Gedanken streng zu regeln.
[ 14 ] No secret teacher will agree to instruct a person who is driven by superstition or the most severe prejudices, or who is prone to irrational judgment or to succumbing to every illusion. This is the golden rule: before one seeks to reach the first stage, one must strive to free oneself from every delusion of thought, from every superstition, and from any tendency to mistake illusion for reality. Above all, the secret student must be a rational person who submits only to the strict sequence of his thoughts and observations. If you succumb to a prejudice or superstition in sensory reality, it will soon be corrected in sensory reality. But if a person does not think logically but fantasizes, then the correction is not so easy. Therefore, before entering the world of the soul and the realm of the spirits, it is necessary to be completely secure in one’s thought life and to be able to exercise strict control over one’s thoughts. Anyone who is therefore prone to fantasy, superstition, and illusions is unsuitable to enter the preparatory school of spiritual science. One might easily counter: I am free from fantasy, superstition, and illusion. — It is easy to delude oneself into believing this. Freedom from prejudice, fantasy, and illusion, and freedom from superstition—these are things that must be acquired through strict self-discipline; these are things that are not so easily attained by every individual. Consider how most people wander aimlessly and are incapable of strictly regulating their thoughts through the power of their own will.
[ 15 ] Nun bedenken wir, wie das Leben ist. Es ist nicht möglich, sich von den äußeren Eindrücken ganz frei zu machen. Daher ist es nötig, kurze Zeit jeden Tag auszusondern. Die kurze Zeit, die notwendig ist, ohne in Kollision mit seinen Pflichten zu kommen, die genügt - wenn es auch nur fünf Minuten sind, ja noch weniger, sie genügen. Aber dann muß der Mensch imstande sein, sich herauszureißen aus alledem, was die Sinneseindrücke ihm geboten haben, was er durch seine Augen, durch seine Ohren, durch seinen Tastsinn aufgenommen hat. Er muß für eine Weile blind und taub werden für seine ganze Umgebung. Alles, was von außen auf uns einströmt, das verbindet uns mit dem Sinnlichen, mit dem Alltag. Das muß für eine Weile schweigen. Eine vollständige innere Ruhe muß eintreten. Und dann, wenn diese innere Ruhe, dieses Abstreifen aller Sinneseindrücke eingetreten ist, dann muß noch etwas kommen: dann muß alle Erinnerung an vorhergegangene Sinneseindrücke schweigen. Bedenken Sie einmal, wie der Mensch durch alles, was ich jetzt genannt habe, immer in Verbindung mit Zeitlichem und Räumlichem ist, in Verbindung mit dem, was entsteht und vergeht. Versuchen Sie einmal, eine kurze Weile das zu prüfen. Nehmen Sie den Gedanken, der vor einer Minute durch Ihren Kopf gegangen ist, und prüfen Sie, ob er nicht an Vergängliches sich anlehnt. Solche Gedanken taugen nichts zur inneren Entwickelung.
[ 15 ] Now let us consider what life is like. It is not possible to free oneself entirely from external impressions. Therefore, it is necessary to set aside a short time each day. The short time that is necessary without coming into conflict with one’s duties is sufficient—even if it is only five minutes, or even less, that is enough. But then one must be able to tear oneself away from everything that the sensory impressions have offered, from what one has taken in through one’s eyes, through one’s ears, through one’s sense of touch. One must become blind and deaf to one’s entire surroundings for a while. Everything that flows in from the outside connects us to the sensory, to everyday life. That must fall silent for a while. A complete inner stillness must set in. And then, once this inner stillness—this shedding of all sensory impressions—has taken hold, something else must follow: all memory of past sensory impressions must fall silent. Consider how, through everything I have just mentioned, a person is always connected to the temporal and the spatial, to that which arises and passes away. Try to examine this for a brief moment. Take the thought that crossed your mind a minute ago, and examine whether it does not rely on the transitory. Such thoughts are of no use for inner development.
[ 16 ] Alle Gedanken, die uns verbinden mit dem Endlichen, mit dem Vorübergehenden, müssen schweigen. Wenn diese Ruhe dann in der Seele hergestellt ist, wenn das, was uns umgibt als Zeitalter, Stamm, Volk, Jahrhundert, beseitigt ist, für eine Weile das innere Schweigen eingetreten ist, dann fängt die Seele von selbst zu sprechen an. Nicht gleich; sondern es ist notwendig, daß der Mensch sie erst einmal zum Sprechen bringt, und dazu gibt es Mittel und Anleitungen, welche diese innere Sprache der Seele hervorrufen. Der Mensch muß sich hingeben solchen Gedanken, Vorstellungen und Empfindungen, welche nicht dem Zeitlichen, sondern dem Ewigen entstammen, welche nicht bloß heute, gestern und morgen, nicht bloß vor einem Jahrhundert wahr gewesen sind, sondern immer wahr sein werden. Solche Gedanken finden Sie in den verschiedensten religiösen Büchern aller Völker. Sie finden sie zum Beispiel in der Bhagavad Gita, dem Lied von der menschlichen Vervollkommnung. Auch im Neuen und Alten Testamente, insbesondere aber im Johannes-Evangelium vom dreizehnten Kapitel ab. Solche Gedanken, die besonders für Menschen wirksam sind, welche der theosophischen Bewegung angehören und ihnen mitgegeben sind in dem Büchelchen «Licht auf den Weg», haben Sie auch in den ersten vier Sätzen dieses Buches. Diese vier Sätze, die auf den inneren Wänden eines jeden Einweihungstempels eingegraben sind, diese vier Sprüche sind nicht abhängig von Zeit und Raum; sie gehören nicht einem Menschen, nicht einer Familie, nicht einem Jahrhundert an, auch nicht einer Generation; sie greifen hinüber über die ganze Entwickelung. Sie waren wahr vor Jahrtausenden und werden wahr sein nach Jahrtausenden. Sie erwecken die schlummernden Kräfte und holen sie heraus aus dem Inneren. Allerdings muß das richtig gemacht werden. Es genügt nicht, daß man meint, den Satz zu verstehen. Der Mensch muß einen solchen Satz in seinem Inneren aufleben lassen. Er muß die ganze Kraft eines solchen Satzes in seinem Inneren ausstrahlen lassen, er muß sich ihm ganz hingeben. Er muß einen solchen Satz lieben lernen. Wenn er glaubt, ihn zu verstehen, dann ist erst der richtige Zeitpunkt gekommen, ihn immer und immer wieder in sich aufleuchten zu lassen. Es kommt nicht auf das intellektuelle Verstehen an, sondern auf das Lieben der geistigen Wahrheit. Je mehr Liebe uns durchströmt zu solchen inneren Wahrheiten, desto mehr Kraft des inneren Schauens erwächst uns. Ein solcher Satz muß uns nicht ein oder zwei Tage, sondern wochen-, monate- und jahrelang beschäftigen; dann erwachen in uns solche Kräfte der Seele. Und dann kommt ein ganz bestimmter Augenblick, wo noch eine andere Illumination eintritt.
[ 16 ] All thoughts that connect us to the finite, to the transitory, must fall silent. When this stillness is established in the soul, when what surrounds us—such as eras, tribes, peoples, and centuries—is set aside, and inner silence has settled in for a while, then the soul begins to speak of its own accord. Not immediately; rather, it is necessary for a person to first bring it to speak, and for this there are means and instructions that evoke this inner language of the soul. A person must surrender to such thoughts, ideas, and feelings that do not originate from the temporal but from the eternal, that were not merely true today, yesterday, and tomorrow, not merely a century ago, but will always be true. You will find such thoughts in the most diverse religious books of all peoples. You will find them, for example, in the Bhagavad Gita, the Song of Human Perfection. Also in the New and Old Testaments, but especially in the Gospel of John from the thirteenth chapter onward. Such thoughts, which are particularly effective for people who belong to the Theosophical Movement and are given to them in the booklet *Light on the Path*, are also found in the first four sentences of this book. These four sentences, which are engraved on the inner walls of every temple of initiation, these four sayings are not dependent on time and space; they do not belong to a single person, a single family, a single century, nor even a single generation; they extend across the entire course of evolution. They were true millennia ago and will remain true millennia from now. They awaken the slumbering powers and draw them forth from within. However, this must be done correctly. It is not enough to think one understands the maxim. One must allow such a sentence to come alive within oneself. One must let the full power of such a sentence radiate from within, one must surrender oneself to it completely. One must learn to love such a sentence. Only when one believes one understands it has the right moment come to let it shine within oneself again and again. What matters is not intellectual understanding, but loving the spiritual truth. The more love flows through us toward such inner truths, the more power of inner vision grows within us. Such a sentence must occupy us not for a day or two, but for weeks, months, and years; then such powers of the soul awaken within us. And then a very specific moment comes when yet another illumination occurs.
[ 17 ] Wer durch eigene Erfahrung theosophische Wahrheiten verkündigt, der kennt dieses innere beschauliche Leben. Er verkündigt Ihnen heute, morgen theosophische Wahrheiten. Sie sind ein Teil eines großen theosophischen Weltenbildes, das er mit der inneren Kraft seines Geistes und seiner Seele erschaut. Er wendet den Blick in die Seelenwelt und in das Geisterland; er wendet den Blick von der Erde hinweg zu den Sonnensystemen, um sie zu erforschen. Aber diese Kraft würde bald in ihm erlöschen, wenn er ihr nicht jeden Morgen neue Nahrung gäbe. Das ist das Geheimnis des Geheimforschers. Das große Welt- und Menschheitsbild, das er hundert und aber hundert Mal durch seine Seele hat ziehen lassen, das zieht jeden Morgen wieder durch seine Seele. Nicht darauf kommt es bei ihm an, daß er das alles versteht, sondern darauf, daß er es mehr und mehr lieben lernt; daß er jeden Morgen einen Gottesdienst verrichtet, bei dem er in Verehrung zu den großen Geistern emporschaut. Er hat gelernt, in wenigen Minuten das ganze Bild zu überschauen. Mit Dankbarkeit durchrieselt es ihn für dasjenige, was es in seine Seele gegeben hat. Ohne diesen Pfad der Verehrung kommt man nicht zur Klarheit. Aus dieser Klarheit muß aber sein Wort geprägt sein. Wenn das der Fall ist, dann ist er wirklich erst berufen, über die Wahrheiten der Mystik, über die Wahrheiten der Theosophie und der Geisteswissenschaft zu sprechen. So macht es der Geistesforscher, und so muß es jeder machen, und in einfachster, elementarster Weise beginnen, bis er zum Verständnis dieser Lehren kommt. Das menschliche Wesen und die Weltenwesen sind tief, unendlich tief. Nicht anders als durch Geduld, Ausdauer und Liebe gegenüber den Weltenmächten erreicht man etwas auf diesem Gebiete. Das sind Kräfte, die, wie die Elektrizität in der äußeren Welt, mächtig sind in der inneren Welt. Sie sind nicht bloß moralische, sondern auch Erkenntniskräfte. Wenn der Schüler solche Wahrheiten eine Zeitlang hat in sich leben lassen, wenn er sich darin geübt hat und in Dankbarkeit gegenüber denen, die sie ihm eröffneten, sie hingenommen hat, dann kommt ein Moment, der für jeden einmal eintritt, der in seiner Seele Ruhe und Stille hat zur Entwickelung kommen lassen. Das ist der Moment, wo die eigene Seele zu sprechen beginnt, wo das eigene Innere die großen ewigen Wahrheiten zu schauen beginnt. Dann ist plötzlich die Welt um ihn herum erleuchtet von Farben, die er vorher nicht gesehen hat. Es wird für ihn etwas hörbar, was er früher niemals hat ertönen hören. Die Welt wird in einem neuen Lichte erglänzen; neue Töne und Worte werden wahrnehmbar werden. Dieses neue Licht und dieser Glanz leuchten ihm aus der Seelenwelt, und die neuen Töne, die er hört, kommen ihm aus dem Geisterlande zu. Die Seelenwelt sieht man, das Geisterland hört man. Das ist eine Charakteristik dieser Welten.
[ 17 ] Anyone who proclaims theosophical truths based on personal experience knows this inner, contemplative life. Today and tomorrow, he proclaims theosophical truths to you. They are part of a grand theosophical worldview that he perceives through the inner power of his mind and soul. He turns his gaze toward the world of the soul and the realm of spirits; he turns his gaze away from Earth toward the solar systems to explore them. But this power would soon fade within him if he did not nourish it anew every morning. That is the secret of the secret seeker. The great picture of the world and humanity, which he has let pass through his soul a hundred and a hundred times, passes through his soul again every morning. What matters to him is not that he understands all of this, but that he learns to love it more and more; that every morning he performs a service of worship in which he looks up in reverence to the great spirits. He has learned to survey the entire picture in a few minutes. Gratitude fills him for what has been given to his soul. Without this path of reverence, one cannot attain clarity. Yet his words must be shaped by this clarity. When that is the case, only then is he truly called to speak of the truths of mysticism, of the truths of theosophy and spiritual science. This is how the spiritual researcher proceeds, and this is how everyone must proceed, beginning in the simplest, most elementary way, until they come to an understanding of these teachings. The human being and the beings of the worlds are profound, infinitely profound. Nothing can be achieved in this field except through patience, perseverance, and love toward the world forces. These are forces that, like electricity in the outer world, are powerful in the inner world. They are not merely moral forces, but also forces of knowledge. When the student has allowed such truths to live within him for a time, when he has practiced them and accepted them with gratitude toward those who revealed them to him, then a moment comes that occurs for everyone who has allowed peace and stillness to develop within his soul. This is the moment when one’s own soul begins to speak, when one’s inner self begins to perceive the great eternal truths. Then suddenly the world around him is illuminated by colors he has not seen before. Something becomes audible to him that he has never heard before. The world will shine in a new light; new sounds and words will become perceptible. This new light and this radiance shine upon him from the world of the soul, and the new sounds he hears come to him from the spirit realm. One sees the world of the soul; one hears the spirit realm. This is a characteristic of these worlds.
[ 18 ] Will man selbst die Entwickelung suchen auf diesem Gebiete, dann gehört dazu die Beobachtung einer großen Summe von einzelnen Regeln, denn nur in großen Zügen konnte ich andeuten, wie so etwas erfolgt, wie es erfahren wird. Diese einzelnen Regeln sollen streng befolgt werden, wie der Chemiker mit den subtilsten Instrumenten die kleinsten Substanzen abwägen und messen muß, die er zu einer Verbindung braucht. Eine Beschreibung jener Regeln, welche öffentlich gegeben werden können, finden Sie in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Diese Regeln sind eine spezielle Anleitung, wie dieser Weg gegangen werden muß. Auch sie erfordern intimste Geduld und Ausdauer. Diese Regeln sind früher niemals veröffentlicht worden. Seien Sie sich klar darüber, daß der Geheimunterricht nur in Geheimschulen erteilt worden ist, und auch heute nur in Geheimschulen erteilt wird, weil er ein intimer ist, der als solcher von Person zu Person geht. Nichts hilft es, durch besondere Dinge, die man liest oder da oder dort als Fragment hört, Anleitung zu suchen und selbst zu probieren. Das nützt in der Regel gar nichts. Alle Anleitungen, die Sie von den verschiedensten Seiten erhalten können — es gibt ja geradezu Geschäfte, welche solche Anleitungen anpreisen! —, sind nichts anderes als kleine Fragmente aus dem großen Buche der Geheimschulung. Wer sie verwendet, muß sich klar sein darüber, daß er sich gewissen Gefahren hingibt und daß es keineswegs tunlich ist für den einzelnen Menschen, diese Dinge, die auf die innere Umwandlung der Seele sich beziehen, die auf das Größte, auf das Bedeutsamste der Seele sich beziehen, durch geschäftlichen Zusammenhang an sich herankommen zu lassen. Was auf diesem Gebiete durch Anpreisung für Geld an Sie herankommt, das alles wird nicht nur wertlos, sondern auch unter Umständen gefährlich sein. Das muß gesagt werden, weil heute so vieles auf diesem Gebiete an den Menschen herantritt. Diejenigen Regeln, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegeben sind, entstammen uralten Traditionen, und aus dem Grunde, weil es heute notwendig ist gegenüber den Dingen, die von allen Seiten an die Menschen herandringen, weil es notwendig ist gegenüber diesen Anweisungen, einmal ein Bild von der Wahrheit zu geben, deshalb haben die Meister der Weisheit die Erlaubnis gegeben zur Veröffentlichung solcher Regeln. Es gibt nur die Möglichkeit, einzelnes weniges zu veröffentlichen; das übrige mußte ausgeschlossen bleiben. Das Wichtigste kann nur von Mund zu Ohr mitgeteilt werden.
[ 18 ] If one wishes to pursue development in this field oneself, this requires observing a large number of individual rules, for I have been able to suggest only in broad strokes how such a thing comes about and how it is experienced. These individual rules must be strictly followed, just as a chemist must weigh and measure the smallest substances he needs for a compound using the most delicate instruments. A description of those rules that can be made public can be found in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* These rules are specific instructions on how this path must be walked. They, too, require the utmost patience and perseverance. These rules have never been published before. Be aware that the secret teachings have been imparted only in secret schools, and even today are imparted only in secret schools, because they are of an intimate nature, passing from person to person as such. It is of no help to seek guidance and try things out for yourself based on specific things you read or hear here and there as fragments. As a rule, this is of no use at all. All the instructions you can obtain from various sources—there are even businesses that advertise such instructions!—are nothing more than small fragments from the great book of esoteric training. Anyone who uses them must be clear that they are exposing themselves to certain dangers, and that it is by no means advisable for the individual to allow these matters—which pertain to the inner transformation of the soul, to the greatest and most significant aspects of the soul—to come to them through commercial channels. Whatever comes to you in this field through promotion for money will not only be worthless but, under certain circumstances, dangerous as well. This must be said because so much in this field is being presented to people today. The rules given in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” stem from ancient traditions, and because it is necessary today—in the face of the things that are pressing upon people from all sides—to provide a picture of the truth in relation to these instructions, the Masters of Wisdom have granted permission for the publication of such rules. It is only possible to publish a few select items; the rest had to be excluded. The most important things can only be communicated by word of mouth.
[ 19 ] Was Sie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden, hat zum Unterschied von vielem anderen die Eigenschaft, unschädlich zu sein. Nur solche Dinge sind mitgeteilt worden, welche — auch wenn sie nicht mit Geduld und Standhaftigkeit durchgeführt werden — dem Menschen keinen Schaden bringen. Auch wenn sie nicht mit Standhaftigkeit durchgeführt sind, können sie nicht schaden. Niemand kann Schaden durch sie erleiden. Das mußte gesagt werden, weil ich gefragt worden bin, wie es kommt, daß in letzter Zeit eine Summe solcher Regeln mitgeteilt worden sind. Es hängt noch davon ab, daß man, um bewußt zu werden in der Seelenwelt, für diese Seelenwelt Organe haben muß wie für die sinnliche Welt. Wie Sie im Leibe Augen und Ohren haben, so müssen Sie in der Seele und im Geiste Organe haben, um die Seelenlichter und die Geistestöne wahrnehmen zu können. Derjenige, der erfahren ist auf diesem Gebiete, der selbst sehen kann, der sieht, wie sich bei demjenigen, der in innerer Entwickelung begriffen ist, in der Aura wie in einer Wolke von Licht eingeschlossen diese Organe zu entwickeln beginnen. Bei unentwickelten Menschen ist die Aura wolkenartig gebildet. Wenn der Mensch schläft, schwebt sie, weil der Astralleib sich vom physischen Leib trennt, über dem physischen Leibe. Sie ist dann sichtbar wie zwei ineinander geringelte Spiralen, wie Nebelringe. In dieser Weise schlingen sie sich ineinander, um in weitergehenden Spiralen ins Unbestimmte zu verschwinden. Solche zwei ineinander verschlungene Ringe bilden beim Schlafenden die Aura. Wenn der Mensch eine okkulte Entwickelung durchmacht, wird die Aura immer bestimmter. Die ins Weite gehenden Enden der Spiralen verschwinden, und es werden die beiden ineinandergefügten Spiralgebilde sich organisieren. Immer mehr und mehr werden sie ein bestimmtes, geschlossenes Gebilde werden, und sie zeigen dann ganz gewisse Organe, welche in dieser Aura auftreten, und die man Chakras nennt. Das sind die Sinnesorgane der Seele. Diese kommen zur Entwickelung. Diese Entwickelung vollzieht sich unter keinen anderen Umständen. Die Gebilde sind zart, sie müssen gehegt und gepflegt werden. Wer dies unterläßt, der wird niemals sich einer seelischen Anschauung wirklich erfreuen können. Dieses seelische Auge muß dadurch gehegt werden, daß der Mensch alle negativen Empfindungen und Gefühle bei sich unterdrückt. Nicht herauskommen können die Chakras, wenn der Mensch bei jeder Gelegenheit zornig wird. Gleichmut muß er sich bewahren, Geduld muß er haben. Ärger und Zorn lassen das Seelenorgan nicht herauskommen; auch Hastigkeit und Nervosität lassen sie nicht zur Entwickelung kommen.
[ 19 ] What you will find in *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* has, unlike much else, the quality of being harmless. Only those things have been communicated which—even if they are not carried out with patience and steadfastness—do no harm to a person. Even if they are not carried out with steadfastness, they cannot cause harm. No one can suffer harm from them. This had to be said because I have been asked how it is that a number of such rules have been communicated recently. It also depends on the fact that, in order to become conscious in the soul world, one must have organs for this soul world just as one has for the sensory world. Just as you have eyes and ears in the body, so must you have organs in the soul and in the spirit to be able to perceive the lights of the soul and the sounds of the spirit. The one who is experienced in this field, who can see for himself, sees how, in the person who is in the process of inner development, these organs begin to develop, enclosed in the aura as in a cloud of light. In undeveloped people, the aura is cloud-like in form. When a person sleeps, it hovers above the physical body because the astral body separates from the physical body. It is then visible as two spirals intertwined, like rings of mist. In this way, they coil around each other, only to disappear into the indefinite in ever-widening spirals. Such two intertwined rings form the aura of the sleeper. As a person undergoes occult development, the aura becomes increasingly defined. The ends of the spirals that extend into the distance disappear, and the two intertwined spiral structures begin to organize themselves. More and more they will become a distinct, closed structure, and they will then reveal very specific organs that appear within this aura, which are called chakras. These are the sensory organs of the soul. These come into development. This development takes place under no other circumstances. The structures are delicate; they must be cherished and nurtured. Whoever fails to do this will never truly be able to enjoy a spiritual vision. This spiritual eye must be nurtured by the person suppressing all negative sensations and feelings within themselves. The chakras cannot emerge if the person becomes angry at every opportunity. One must maintain equanimity; one must have patience. Anger and rage prevent the soul organ from emerging; nor do haste and nervousness allow it to develop.
[ 20 ] Ferner ist notwendig, daß der Mensch insbesondere das ablegt, was bei unserer Kultur außerordentlich schwer abzulegen ist, nämlich die Begierde, fortwährend das Neueste zu erfahren. Das hat einen großen Einfluß auf das Seelenauge. Wer nicht schnell genug zur Zeitung greifen kann, und auch, wenn er etwas erfahren hat, es einem anderen gleich mitteilen muß, wer nicht hören und sehen und es bei sich behalten kann, wer die Begierde nicht unterdrücken kann, der kann nicht zur Entwickelung seiner Seele kommen. Ferner ist notwendig, daß der Mensch sich aneignet eine ganz bestimmte Art der Beurteilung seiner Mitmenschen. Das ist schwer zu erreichen: Kritiklosigkeit. Verständnis ist nötig statt Kritik. Wenn Sie dem Mitmenschen gleich Ihre eigene Meinung gegenüberstellen, so unterdrückt das die Seelenentwickelung. Wir müssen zuerst den anderen hören, und dieses Zuhören ist ein außerordentlich wirksames Mittel zur Entwickelung der Seelenaugen, und wer eine höhere Stufe auf diesem Pfade erreicht, hat es dem zu verdanken, daß er sich abgewöhnt hat, alles zu kritisieren, alles zu beurteilen. Wie können wir in die Seele hineinsehen? Wir sollen nicht über den Verbrecher den Stab brechen, sondern auch ihn verstehen, verstehen den Verbrecher wie den Heiligen. Verständnis für einen jeden, das ist notwendig. Das ist das höhere, okkulte Zuhören. Wenn der Mensch in dieser Weise durch festen Willen sich dazu bringt, nicht seinen Mitmenschen, auch nicht die übrige Welt nach seinem persönlichen Urteil, nach seiner Meinung und seinem Vorurteil zu bewerten, sondern sie mit Schweigsamkeit auf sich wirken zu lassen, dann hat er die Möglichkeit, okkulte Kräfte zu bekommen. Jeder Augenblick, wo der Mensch sich vorsetzt: Ich werde jetzt einmal etwas, das ich über meinen Mitmenschen Böses habe denken wollen, nicht denken — ein jeder solcher Augenblick ist ein gewonnener.
[ 20 ] Furthermore, it is necessary for a person to shed, in particular, what is exceptionally difficult to shed in our culture: namely, the desire to constantly be the first to know the latest news. This has a great influence on the eye of the soul. Those who cannot reach for the newspaper quickly enough, and who, even when they have learned something, must immediately share it with another; those who cannot hear and see and keep it to themselves; those who cannot suppress this desire—such people cannot achieve the development of their souls. Furthermore, it is necessary for people to adopt a very specific way of judging their fellow human beings. This is difficult to achieve: the absence of criticism. Understanding is needed instead of criticism. If you immediately confront your fellow human being with your own opinion, this suppresses the development of the soul. We must first listen to the other, and this listening is an extraordinarily effective means for the development of the eyes of the soul, and whoever reaches a higher level on this path owes it to the fact that they have broken the habit of criticizing everything, of judging everything. How can we look into the soul? We should not condemn the criminal, but rather understand him as well—understand the criminal just as we understand the saint. Understanding for everyone—that is necessary. That is the higher, occult listening. When a person, through firm will, brings themselves to not judge their fellow human beings, nor the rest of the world, according to their personal judgment, opinion, and prejudice, but instead allows them to affect them in silence, then they have the opportunity to acquire occult powers. Every moment when a person resolves: I will now refrain from thinking something evil that I wanted to think about my fellow human beings—every such moment is a victory.
[ 21 ] Der größte Weise kann von einem Kinde lernen, und der einfachste Mensch kann sagen: Was schwätzt mir das Kind da vor, das weiß ich ja viel besser! Er kann aber auch sagen: Was schwätzt mir der Weise vor, was soll mir das nützen? Erst wenn er das Stammeln des Kindes wie eine Offenbarung anhört, dann hat er in sich die Kraft geschaffen, die aus der Seele herausquillt.
[ 21 ] The wisest person can learn from a child, and the simplest person might say: “What is this child babbling about? I know that much better!” But he might also say: “What is this wise person babbling about? What good is that to me?” Only when he listens to the child’s stammering as if it were a revelation does he create within himself the power that wells up from the soul.
[ 22 ] Man darf auch nicht erwarten, daß die Seelenaugen schon morgen da sind. Wer Zorn, Ärger, Neugierde und so weiter bekämpft, der schafft zunächst nur Hindernisse hinweg, die sich wie Dämme vor seine Seele gelegt haben. Das muß immer wiederholt werden. Immer neue Anstrengungen sind zu machen. Der Okkultist kann beurteilen, wie die zarten Gebilde sich herausentwickeln. Wenn die menschlichen Worte das «Verwunden verlernt» haben, wenn sie nicht mehr scharf und spitzig sind, wenn sie milde geworden sind, um den Menschen mit Verständnis zu erfassen, dann erwacht das Chakram am Kehlkopf. Der Mensch muß aber lange üben, bis das für die eigene Persönlichkeit wahrnehmbar ist. Im Menschen wurde durch die Natur erst ein Augenpunkt, dann die ersten Ansätze zu einer Linse gebildet, und ganz langsam und allmählich hat sich das physische Auge in Millionen von Jahren entwickelt. Das Seelenauge braucht nicht so lange. Bei dem einen dauert es wenige Monate, bei dem anderen längere Zeit. Geduld muß man haben. Einmal kommt bei jedem der Augenblick, wo diese zarten Gebilde anfangen zu sehen, und dann, wenn der Mensch in entsprechender Weise diese Übungen fortsetzt, namentlich wenn er gewisse Tugenden entwickelt, die zuweilen auch das Leben eines geprüften Menschen in dem Menschen entwickeln können, drei Tugenden gibt es, die er da noch entwickeln muß, und die ihn fast zum Seher machen. Sie müssen nur in gehöriger Stärke, mit Intensität geübt werden: Selbstvertrauen mit Demut, Selbstbeherrschung mit Milde und Geistesgegenwart gepaart mit Standhaftigkeit. Das sind die großen Hebel in der Entwickelung der geistigen Organe. Die drei Tugenden führen aber zu entsetzlichen Untugenden, wenn sie nicht gepaart sind mit den drei anderen Tugenden, mit Demut, Milde und Standhaftigkeit.
[ 22 ] Nor should one expect the eyes of the soul to be there tomorrow. Those who combat anger, irritation, curiosity, and so on are, at first, merely removing obstacles that have been placed before their soul like dams. This must be repeated over and over. Ever new efforts must be made. The occultist can assess how these delicate structures develop. When human words have “unlearned” how to wound, when they are no longer sharp and pointed, when they have become gentle in order to perceive people with understanding, then the throat chakra awakens. However, a person must practice for a long time before this becomes perceptible to their own personality. In humans, nature first formed a point of vision, then the first beginnings of a lens, and very slowly and gradually the physical eye developed over millions of years. The soul’s eye does not take as long. For some it takes a few months, for others a longer time. One must have patience. Eventually, the moment comes for everyone when these delicate structures begin to see, and then, if the person continues these exercises in the appropriate manner—namely, if they develop certain virtues that can sometimes even awaken the life of a tested soul within them—there are three virtues they must still develop, which will almost make them a seer. They must simply be practiced with sufficient strength and intensity: self-confidence paired with humility, self-control with gentleness, and presence of mind coupled with steadfastness. These are the great levers in the development of the spiritual faculties. However, these three virtues lead to terrible vices if they are not paired with the other three virtues: humility, gentleness, and steadfastness.
[ 23 ] Das sind Andeutungen, die gemacht werden können. Es sind herausgegriffene Beispiele, wie sie der Geheimschüler durchmacht auf den drei Stufen, die man die Vorbereitung, die Erleuchtung und die Einweihung nennt. In der Geheimschulung gibt es diese drei Stufen: Vorbereitung oder Katharsis, Erleuchtung und Einweihung. Die Vorbereitung ist geeignet, den Menschen so auszurüsten, daß es den zarten Gebilden der Seele möglich wird, herauszukommen. Durch die Erleuchtung erlangt er die Möglichkeit, auf seelischem Gebiete zu sehen, und durch die Einweihung erlangt er die Fähigkeit, daß er sich im Geistesraum selber aussprechen kann. Es mag manchem als etwas Schweres erscheinen, was ich heute geschildert habe. Es ist zwar leicht, doch es gilt wirklich davon auch das, daß das Leichte schwer ist.
[ 23 ] These are hints that can be offered. They are selected examples of what the secret student experiences on the three stages known as preparation, enlightenment, and initiation. In the secret training, there are these three stages: preparation or catharsis, enlightenment, and initiation. Preparation serves to equip the human being in such a way that the delicate structures of the soul can emerge. Through enlightenment, he gains the ability to see in the realm of the soul, and through initiation, he gains the ability to express himself in the spiritual realm. What I have described today may seem difficult to some. It is indeed easy, yet it is also true that what is easy is difficult.
[ 24 ] Jeder kann den Geheimpfad gehen, niemandem ist er verschlossen. In jedes Menschen eigener Brust liegen die Geheimnisse. Es bedarf nur ernster innerer Arbeit und des Umstandes, daß der Mensch sich freimachen kann von allen Hindernissen, die dieses intime innere Leben hemmen. Das Entfernteste und Größte in der Welt wird uns auf den intimsten Wegen kund. Dessen müssen wir uns klar sein. Die größten Weisen der Menschheit haben nicht auf einem anderen Wege als auf dem beschriebenen die großen Wahrheiten erlangt. Sie haben sie erlangt, weil sie den Weg in ihr Inneres gefunden haben, weil sie gewußt haben, daß sie Geduld und Standhaftigkeit in diesen Verrichtungen üben müssen. Wenn der Mensch auf diese Weise sein Inneres vertieft, wenn er von den Gedanken, die von außen auf ihn einstürmen, sich zu den Gedanken erhebt, die eine Ewigkeit bedeuten, dann facht er in sich die Flamme an, die ihm leuchtet über die Seelenwelten hin. Wenn der Mensch in sich selber die höheren Eigenschaften der Gelassenheit, der Ruhe und des Friedens im Inneren entwickelt und die Eigenschaften, die wir genannt haben, dann nährt er die Flamme, so daß sie unterhalten wird. Und wenn der Mensch imstande ist, schweigsam zu sein und nicht mehr Worte als solche in die Welt hinauszusenden, sondern Liebe zu leben, daß das, was Leben sein soll, Gottesdienst wird, dann fängt die Welt für ihn an zu tönen. Das ist dasjenige, was man pythagoreische Sphärenmusik nennt. Das ist nicht etwa ein Symbol, sondern eine Wirklichkeit. Nur Andeutungen konnte ich geben, welche den Weg zeigen zu dem Pfad, der zu einem engen Tor führt. Jeder kann zu dem engen Tor kommen, und wer Mittel und Mühe nicht scheut, dem wird es aufgetan, und er findet, was er in den großen Weltanschauungen der Menschheit mitgeteilt bekommen hat: Die urewige einzige Wahrheit und den Weg des Lebens.
[ 24 ] Anyone can walk the secret path; it is open to all. The secrets lie within each person’s own heart. All that is required is serious inner work and the ability to free oneself from all obstacles that hinder this intimate inner life. The most distant and greatest things in the world are revealed to us through the most intimate paths. We must be clear about this. The greatest sages of humanity have attained the great truths by no other means than the one described here. They attained them because they found the path into their inner selves, because they knew that they must exercise patience and steadfastness in these endeavors. When a person deepens their inner life in this way, when they rise from the thoughts that assail them from without to the thoughts that signify eternity, then they kindle within themselves the flame that shines for them across the worlds of the soul. When a person develops within themselves the higher qualities of serenity, calm, and inner peace—and the qualities we have mentioned—then they nourish the flame so that it is sustained. And when a person is able to be silent and no longer send mere words out into the world, but instead lives love, so that what is meant to be life becomes worship, then the world begins to resound for him. This is what is called Pythagorean celestial music. This is not merely a symbol, but a reality. I could only offer hints pointing the way to the path that leads to a narrow gate. Everyone can come to the narrow gate, and to those who spare no means or effort, it will be opened, and they will find what has been communicated to them in the great worldviews of humanity: the eternal, single truth and the way of life.
