The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53
9 March 1905, Berlin
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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
11. Die Entstehung der Erde
11. The Formation of the Earth
[ 1 ] Der Vortrag, den ich heute halten werde, ist eine Art Fortsetzung dessen, den ich über den Ursprung des Menschen gehalten habe. Wir kommen heute auf Zeiten zurück, die in urferner Vergangenheit liegen, und wir kommen heute auf Begriffe, welche dem gegenwärtigen materialistischen Denken sehr fern liegen. Daher gestatten Sie mir wohl, daß ich ein paar einleitende Worte über das Verhältnis meines heutigen Themas zu den zeitgenössischen Vorstellungen hier anknüpfe.
[ 1 ] The lecture I will give today is a sort of continuation of the one I gave on the origin of humankind. Today we will look back at times that lie in the distant past, and we will discuss concepts that are very far removed from contemporary materialistic thinking. Therefore, please allow me to begin with a few introductory remarks on the relationship between my topic today and contemporary ideas.
[ 2 ] Es muß durchaus für jeden, der die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Gegenwart durchdrungen hat und versteht, verständlich sein, daß die theosophischen Vorstellungen über den Ursprung der Erde als etwas sehr Spekulatives, vielleicht sogar sehr Phantastisches heute genommen werden können. Aber glauben Sie nicht, wenn man tiefer auf die Dinge eingeht, daß sich dann ein wirklicher Widerspruch herausstellt zwischen den naturwissenschaftlichen Vorstellungen und denen, welche die Theosophie, die Geisteswissenschaft zu den ihrigen macht. Wir müssen uns durchaus klar sein darüber, daß der Naturforscher lediglich in der Lage ist, dasjenige zu überprüfen und darzustellen, was sich in der äußeren Sinneswelt abspielt und mit dem wissenschaftlichen Verstande zu ergreifen ist. Ich bin ganz und gar der Ansicht, daß über solch schwierige Fragen, wie die heutige eine ist, auch vom theosophischen Gesichtspunkte nur derjenige sprechen sollte, welcher zu gleicher Zeit mit der ganzen naturwissenschaftlichen Bildung unserer Zeit bekannt ist, damit er eine Vorstellung davon hat, wie sehr er gegen die landläufigen Vorstellungen verstößt. Jedoch möchte ich für alle diejenigen, die sich vom Standpunkte des Materialismus oder, sagen wir, einer materialistisch gefärbten Denkart glauben auflehnen zu können gegen die weitergehenden Anschauungen, die heute vorgetragen werden, ein Beispiel von gegenseitigem Verständnis derjenigen Menschen, die sich mit Weltanschauung befassen, an die Spitze meines Vortrages stellen.
[ 2 ] It must surely be clear to anyone who has thoroughly grasped and understands current scientific knowledge that theosophical ideas about the origin of the Earth can be regarded today as highly speculative, perhaps even fantastical. But do not believe that, upon closer examination, a real contradiction emerges between scientific concepts and those espoused by Theosophy, the spiritual science. We must be perfectly clear that the natural scientist is merely able to verify and describe what takes place in the external sensory world and can be grasped by the scientific mind. I am entirely of the opinion that regarding such difficult questions as today’s, even from a theosophical standpoint, only those should speak who are simultaneously familiar with the full scope of modern scientific knowledge, so that they have an idea of how much they are going against conventional notions. However, for all those who, from the standpoint of materialism or, let us say, a materialistically colored way of thinking, believe they can rebel against the more far-reaching views presented today, I would like to place at the beginning of my lecture an example of mutual understanding among those who engage with worldviews.
[ 3 ] Es war Ende der sechziger Jahre, da trat, wie Sie wissen, zum letzten Male eine, wenn auch pessimistische, so doch entschieden idealistisch gefärbte Philosophie auf, welche einen tieferen Eindruck auf ein größeres Publikum machte. Es war Eduard von Hartmanns «Philosophie des Unbewußten». Ich will nur sagen, was geschichtlich sich da ergeben hat. Hartmann ging hart zu Leibe den weltanschaulichen Vorstellungen, die aus dem Darwinismus herausgeboren waren. Als die Männer jener Zeit sahen, welchen großen Eindruck die «Philosophie des Unbewußten» machte, da erschienen viele Oppositionsschriften. Unter diesen befand sich auch eine, die anonym erschienen war, mit dem Titel: «Das Unbewußte vom Standpunkte der Physiologie und Deszendenztheorie.» Die bedeutendsten Philosophen sagten, daß es die beste Schrift sei gegen Eduard von Hartmann und seine Philosophie. Die Schrift machte großes Aufsehen. Die Naturforscher waren sich darüber klar, daß sie von einem Naturforscher geschrieben sei und, daß Eduard von Hartmann gründlich widerlegt war. Da erschien bald darauf die zweite Auflage derselben anonymen Schrift, jetzt aber mit dem Namen des Verfassers, und zwar mit dem Namen Eduard von Hartmanns! Es war eine geschickte Mystifikation! Ich bin zwar kein Hartmannianer oder Anhänger der Philosophie des Unbewußten, aber diese Philosophie steht höher und enthält mehr, als von pessimistischer Richtung sonst vorgebracht werden kann. Hartmann zeigte, daß man nur seinen Standpunkt herunterzuschrauben braucht, um die betreffenden Sachen noch viel tiefer zu durchschauen als die Gegner. So könnte sich auch die Geisteswissenschaft oder Theosophie so ausdrücken, wie diejenigen, welche glauben, die besten Naturforscher zu sein. - Das habe ich gesagt, um zu zeigen, daß man in ähnlicher Weise auch die Theosophie widerlegen könnte. Diese Widerlegung aber könnte wahrscheinlich die Theosophie selbst besser geben als jeder andere.
[ 3 ] It was in the late 1960s that, as you know, a philosophy—pessimistic though it may have been, yet decidedly idealistic in tone—emerged for the last time, one that made a profound impression on a wider audience. It was Eduard von Hartmann’s Philosophy of the Unconscious. I just want to explain what happened historically. Hartmann vigorously attacked the worldviews that had emerged from Darwinism. When the men of that era saw what a great impression the “Philosophy of the Unconscious” made, many works of opposition appeared. Among these was one that had been published anonymously, titled: “The Unconscious from the Standpoint of Physiology and the Theory of Descent.” The most prominent philosophers said that it was the best work against Eduard von Hartmann and his philosophy. The treatise caused a great stir. Natural scientists were certain that it had been written by a natural scientist and that Eduard von Hartmann had been thoroughly refuted. Soon afterward, a second edition of the same anonymous treatise appeared, but this time with the author’s name—namely, the name of Eduard von Hartmann! It was a clever hoax! I am certainly no Hartmannian or adherent of the philosophy of the unconscious, but this philosophy stands on a higher plane and contains more than what is usually put forward by the pessimistic camp. Hartmann showed that one need only lower one’s perspective to see through the matters in question much more deeply than one’s opponents. In this way, spiritual science or theosophy could also express itself in the same manner as those who believe themselves to be the finest natural scientists. — I have said this to show that theosophy could be refuted in a similar manner. But this refutation could probably be provided better by theosophy itself than by anyone else.
[ 4 ] Wir müssen nun bedenken, daß wir es heute zu tun haben mit sehr schwierigen Kapiteln und daß es außerordentlich mühsam ist, in diese Regionen einzudringen. Noch schwieriger ist es aber, innerhalb unserer nur für die äußere sinnliche Welt geprägten Sprache die gehörigen Ausdrucksmittel zu finden. Man muß alles Mögliche zu Hilfe nehmen, um die feinen, subtilen Begriffe und die Anschauungen, die aus rein geistigen Welten genommen sind, in eine anschauliche Sprache zu kleiden. Dennoch möchte ich versuchen, dasjenige, was mir bekannt ist als Erfahrung in diesen höheren Gebieten, in möglichst bildhafter und anschaulicher Sprache zum Ausdruck zu bringen. Sie finden die betreffenden Abschnitte der großen Weltentwickelung auch dargestellt in der theosophischen Literatur. Dort finden Sie sie aber mehr schematisch dargestellt, als ich es heute tun werde. Ich möchte nichts einwenden gegen diese so schematische Darstellung, welche auch ihren Nutzen hat und für den Verstand klare Begriffe gibt von dieser Evolution. Das kann man aus den theosophischen Handbüchern lernen. Ich möchte aber etwas anschaulicher schildern.
[ 4 ] We must now bear in mind that we are dealing today with very difficult chapters and that it is extremely arduous to penetrate these realms. It is even more difficult, however, to find the appropriate means of expression within our language, which is shaped solely for the external sensory world. One must make use of every possible means to clothe the fine, subtle concepts and insights drawn from purely spiritual worlds in vivid language. Nevertheless, I would like to attempt to express what I know from experience in these higher realms in language that is as pictorial and vivid as possible. You will also find the relevant sections of the great evolution of the world described in theosophical literature. There, however, you will find them presented in a more schematic manner than I will do today. I have no objection to this schematic presentation, which also has its uses and provides the intellect with clear concepts of this evolution. This can be learned from theosophical handbooks. I would, however, like to describe things in a somewhat more vivid manner.
[ 5 ] Wir haben von dem Menschen gesehen, daß er uns entgegengetreten ist als ein ganz anderes Wesen in urfernen Zeiten, daß er das physische Kleid erst allmählich angenommen hat, daß er seinen Ursprung nicht hat aus dem Physischen, sondern aus dem Seelischen. Wir haben gesehen, daß das Seelische dem Physischen vorangeht, daß das Seelische in sich die Kräfte entwickelt, durch die es sich in dieses physische Kleid allmählich einkleiden kann. Das alles ist dargestellt worden. Wir haben zu gleicher Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß wir den Menschen, so wie er heute vor uns steht, nur durch eine bestimmte Anzahl von Zeiträumen zurückverfolgen können. Wir stehen heute innerhalb des fünften Zeitraumes unserer physischen Erdenentwickelung. Ihr ist ein anderer Zeitraum vorangegangen, welcher sich auf einem Kontinent abspielte, der heute den Boden des Atlantischen Ozeans bildet. Und diesem Zeitalter, dem atlantischen, ist wiederum ein anderes vorangegangen, welches wir das lemurische nennen. Und damals, in der Mitte der lemurischen Rassenentwickelung, finden wir, daß eigentlich sich mit dem Menschen, so wie er bis dahin sich herausgebildet hatte, erst das verbindet, was wir heute unseren unsterblichen Geist nennen. Dieses höhere Element, diese höhere Wesenheit des Menschen, die alle physische Körperlichkeit überdauert, die auch alle seelische Entwickelung überdauert — mit anderen Worten das Ewige im Menschen —, das hat dazumal, wenn wir uns bildlich ausdrücken wollen, als ein geistiger Funke sich festgesetzt in der menschlichen Natur, so daß der Mensch bis dahin uns entgegentritt als die Verbindung von Seele und Leib. Bis zur Mitte dieser in längst verflossenen Zeiten auf der Erde wohnhaften lemurischen Bevölkerung waren unsere Menschenvorfahren leiblich-seelische Wesen.
[ 5 ] We have seen that human beings appeared to us as entirely different beings in ancient times, that they only gradually took on their physical form, and that their origin lies not in the physical but in the spiritual. We have seen that the soul precedes the physical, that the soul develops within itself the forces through which it can gradually clothe itself in this physical form. All of this has been described. At the same time, we have pointed out that we can trace human beings, as they stand before us today, back only a certain number of epochs. We are now in the fifth epoch of our physical Earth’s development. It was preceded by another epoch that took place on a continent which today forms the bed of the Atlantic Ocean. And this epoch, the Atlantean one, was in turn preceded by another, which we call the Lemurian. And back then, in the middle of the Lemurian racial evolution, we find that what we today call our immortal spirit is actually what first became connected with the human being as he had developed up to that point. This higher element, this higher being within the human being, which outlives all physical corporeality and also outlives all soul development—in other words, the eternal in the human being—had, to put it figuratively, established itself as a spiritual spark within human nature at that time, so that up to that point, the human being appears to us as the union of soul and body. Until the middle of this Lemurian population that dwelt on Earth in times long past, our human ancestors were physical-soul beings.
[ 6 ] Wollen wir uns eine klare Vorstellung davon machen, wie diese Menschenvorfahren eigentlich beschaffen waren, so müssen wir uns daran erinnern, daß das, was wir Geist nennen, untrennbar verknüpft ist mit allem wirklich höheren Denken. Ohne Geist könnte der Mensch nicht zählen, ohne Geist könnte der Mensch nicht sprechen, ohne Geist wäre keine höhere Verstandestätigkeit, geschweige noch höhere Tätigkeiten möglich. So daß wir es bis dahin zu tun haben mit einem Menschen, der wartete, um geistbegabt zu werden, der noch nicht den unsterblichen Teil hatte, der aber ein Seelenleben hatte, das ganz anders war als unser heutiges Seelenleben. Unser heutiges Seelenleben ist durchsetzt von Geist. Wenn wir den Menschen, der noch nicht geistesbegabt war, Mensch nennen wollen — und der Kürze halber wollen wir das tun —, so müssen wir sagen, daß sein Seelenleben dumpf war, daß es ein mehr träumerisches, bildhaftes Seelenleben war. Das Seelenleben des damaligen Menschen kann man nur verstehen, wenn man es noch einen Zeitraum zurückverfolgt. In der Zeit, von der ich jetzt gesprochen habe, ist der Mensch imstande, äußere Körpereindrücke aufzunehmen, die Umgebung wahrzunehmen. Diese Wahrnehmung hat sich erst langsam und allmählich entwickelt.
[ 6 ] If we want to form a clear picture of what these human ancestors were actually like, we must remember that what we call the spirit is inseparably linked to all truly higher thought. Without spirit, human beings could not count; without spirit, human beings could not speak; without spirit, no higher intellectual activity, let alone higher activities, would be possible. So that up to that point we are dealing with a human being who was waiting to become endowed with spirit, who did not yet possess the immortal part, but who had a soul life that was quite different from our present-day soul life. Our present-day soul life is permeated by spirit. If we wish to call the human being who was not yet endowed with spirit a human being—and for the sake of brevity let us do so—then we must say that his soul life was dull, that it was a more dreamlike, pictorial soul life. The soul life of the human being of that time can only be understood if one traces it back a further period of time. In the period I have just described, human beings were capable of taking in external physical impressions and perceiving their surroundings. This perception developed only slowly and gradually.
[ 7 ] Wenn wir die Lemurier noch weiter zurückverfolgen, so finden wir, daß die Menschenvorfahren zwar schon Empfindung haben, daß die äußeren Gegenstände auf sie einen Eindruck machen, daß sie aber keine Vorstellungen mit diesen äußeren Wahrnehmungen verbinden konnten. Wenn Sie sich ein Seelenleben denken ähnlich dem, das sich während des Traumes abspielt, dann haben Sie etwas Ähnliches. Es ist aber nicht ganz das gleiche. Denn die Bildvorstellungen, die damals in der Seele auf und ab wogten, waren viel klarer, viel ursprünglicher und elementarer, viel gesättigter als die verworrenen Traumbilder des heutigen Durchschnittsmenschen sind. Vor allem waren diese Bilder in der Seele des Menschen in gewisser Weise doch abhängig von dem, was rings um den Menschen vorging. Der Mensch war damals noch nicht imstande, mit einem äußeren Gegenstande eine Farbe zu verbinden, er konnte die Dinge noch nicht farbig sehen. Er hat nicht sehen können, daß ein Gegenstand grün oder rot ist; die Farbvorstellung verband sich noch nicht mit dem Gegenstand. Und dennoch wogten Farben in der menschlichen Seele. Diese Farben hatten etwas Ähnlichkeit mit dem, was der Hellseher kennt, wenn er gewisse Fähigkeiten in sich ausbildet. Der Hellseher sieht nicht nur das äußere Körperliche, sondern auch die Gefühle und Instinkte in der Form einer Aura. Der physische Mensch ist nur ein Teil des Menschen. Der physische Mensch ist eingebettet wie in eine Wolke, in welcher allerlei Formengebilde auf und ab wogen. Diese kann nur derjenige sehen, der die Gabe des Hellsehens in unserem theosophischen Sinne hat — nicht im Sinne des Spiritismus. Ich werde das nächste Mal, wenn ich über die großen Eingeweihten der Welt sprechen werde, auch einige Bemerkungen machen über den Erwerb solcher Fähigkeiten. Alle wirkliche Einweihung kann nur verknüpft sein mit der Hellsehergabe. Die Fähigkeiten der großen Eingeweihten sind aus der Gabe des Hellsehens herausgeflossen.
[ 7 ] If we trace the Lemurians back even further, we find that although the ancestors of humankind were already capable of sensation—that is, of perceiving that external objects made an impression on them—they were unable to associate any mental images with these external perceptions. If you imagine a soul life similar to that which takes place during a dream, then you have something similar. But it is not quite the same. For the mental images that surged up and down in the soul at that time were much clearer, much more primal and elemental, much more vivid than the confused dream images of the average person today. Above all, these images in the human soul were, in a certain sense, still dependent on what was happening around the person. Back then, people were not yet able to associate a color with an external object; they could not yet see things in color. They could not see that an object was green or red; the concept of color was not yet linked to the object. And yet colors surged within the human soul. These colors bore some resemblance to what the clairvoyant perceives when they develop certain abilities within themselves. The clairvoyant sees not only the outer physical body, but also the feelings and instincts in the form of an aura. The physical human being is only a part of the human being. The physical human being is embedded, as it were, in a cloud in which all manner of form-images surge up and down. These can be seen only by one who possesses the gift of clairvoyance in our theosophical sense—not in the sense of spiritualism. The next time I speak about the great Initiates of the world, I will also make some remarks regarding the acquisition of such abilities. All true Initiation can only be linked to the gift of clairvoyance. The abilities of the great Initiates have flowed from the gift of clairvoyance.
[ 8 ] Heute muß man, bevor man Hellseher wird, durchaus ein vernünftiger Mensch sein. Man muß fähig sein, logisch und klar zu denken. Derjenige, welcher die Gabe des Hellsehens sich erwerben würde, ohne daß er ausgebildet hätte die Gabe des vernünftigen, klaren Denkens, würde ein schlimmes Geschenk empfangen. Er würde statt in eine höhere, geistige Welt geführt zu werden, in eine Welt von Phantasien geführt werden, wo ihm jegliche Kontrolle fehlt, in eine Welt, die vor ihm stünde wie die Traumwelt, die chaotisch vor dem Träumenden steht. Erst wenn man sich logisches, klares, vernünftiges Denken angewöhnt hat, so daß man zwischen den geistigen Dingen so wandelt wie der vernünftige Mensch zwischen Tischen und Stühlen, so daß man nichts Besonderes mehr darin sieht, kann man die Hellsehergabe im heutigen Sinne als ein wirklich tiefer in die Welträtsel Hineinführendes einsehen. Es ist also so, daß alle Geheimschulen als Voraussetzung haben, daß der Mensch ein ganz vernünftiger, vielleicht sogar etwas nüchterner Mensch ist, so daß er das Gegenteil von dem ist, was man einen Phantastiker nennt. Daher sagen wir, daß das Hellsehen, das Erkennen der seelischen, der aurischen Welt verknüpft ist mit der Entwickelung unserer geistigen Fähigkeiten.
[ 8 ] Today, before one becomes a clairvoyant, one must certainly be a rational person. One must be capable of thinking logically and clearly. Anyone who were to acquire the gift of clairvoyance without having first developed the gift of rational, clear thinking would receive a terrible gift. Instead of being led into a higher, spiritual world, they would be led into a world of fantasies where they lack any control—a world that would stand before them like the dream world that stands chaotically before the dreamer. Only when one has become accustomed to logical, clear, and rational thinking—so that one moves among spiritual things as a rational person moves among tables and chairs, seeing nothing special in them—can one recognize the gift of clairvoyance, in the modern sense, as something that truly leads one deeper into the mysteries of the world. It is therefore the case that all secret schools require that the individual be a thoroughly rational, perhaps even somewhat sober person, so that he is the opposite of what is called a fantasist. Hence we say that clairvoyance, the perception of the soul world and the auric world, is linked to the development of our spiritual faculties.
[ 9 ] Die Anschauung des Menschen, wie ich sie Ihnen beschrieben habe, war in der vorlemurischen Zeit eine ähnliche. Aber es fehlte ihr das Durchdrungensein mit Bewußtsein. Es war nur ein dämmriges Bewußtsein in dem Menschen vorhanden. Er fühlte zwar schon auf der damaligen Stufe das, was Wärme und Kälte war, er hatte einen Tastsinn und konnte gewisse Unterschiede der Dichtigkeit und Undichtigkeit wahrnehmen. Auch die Gabe des Hörens hatte er. Der Gehörsinn ist einer der ältesten Sinne, die die Menschheit entwickelt hat. Aber noch nicht hatte er den Sinn des Sehens. Dieses war noch sozusagen ein innerliches. Im Menschen selbst lebte seelisch die Farbenvorstellung. Wenn er zum Beispiel in eine Region kam, die kälter war als die, aus welcher er herauskam, dann stieg in seiner Seele ein Farbenbild auf von dunkleren Farbenschattierungen. Machte er es umgekehrt, kam er von einer kälteren Luftschicht in eine wärmere, dann gab es ein gelbliches oder ein gelblich-rötliches Farbenbild. So hatten jene Menschen Farbenbilder, die sich aber nicht verbanden mit der Oberfläche der Körper, sondern als unbestimmte Farbenbilder in der Seele lebten. Das verband sich dann mit dem, was den Menschen ringsherum umgab.
[ 9 ] Human perception, as I have described it to you, was similar in the pre-Lemurian era. But it lacked a deep-seated sense of consciousness. There was only a dim consciousness present in human beings. Even at that stage, they could already sense what warmth and cold were; they had a sense of touch and could perceive certain differences in density and porosity. They also possessed the gift of hearing. The sense of hearing is one of the oldest senses that humanity has developed. But he did not yet have the sense of sight. This was still, so to speak, an inner sense. The concept of color lived in the human soul. When, for example, he entered a region that was colder than the one he had left, an image of darker shades of color arose in his soul. If he did the opposite—moving from a colder layer of air into a warmer one—then a yellowish or yellowish-reddish color image would arise. Thus, those people had color images, but these were not connected to the surface of bodies; rather, they lived as indefinite color images within the soul. This then connected with what surrounded the person.
[ 10 ] Aber noch etwas anderes hatte der Mensch damals. Er hatte eine feine Sensibilität für dasjenige, was seelisch in seiner Umgebung vorging. Wenn wir hier in einem Raume sind, so sitzen Sie nicht bloß da als physische Körper, sondern auch als Seelen. In jedem von Ihnen leben Gefühle und Empfindungen. Und diese sind ebenso etwas Wirkliches wie der physische Körper etwas Wirkliches ist. Das, was heute die menschliche Seele an Empfindungsfähigkeit hat, kann nicht mehr eindringen in diese Kräfte der Gefühle und der Empfindung, weil gerade durch die Fortentwickelung der Menschheit der Mensch heller in seinem Bewußtsein geworden ist, weil er seinen Verstand, seine alltägliche Anschauung ausgebildet hat. Aber vorläufig ist ihm verlorengegangen das, was seelisch in ihm vorhanden war. Er wird diese Fähigkeit wiedererlangen unter Beibehaltung seiner gegenwärtigen Vernünftigkeit und seines klaren Tagesbewußtseins. Die ganze Menschheit wird einst einen Zustand erlangen, den heute nur der praktische Mystiker, der Hellerseher hat. Um diesen Zustand zu erlangen, hatte der Mensch durch bloße körperliche Anschauung, durch bloßes leibliches Wahrnehmen hindurchzugehen. In einer Beziehung erreicht die Menschheit einen höheren Stand, und in anderer Beziehung kommt sie auf einen in gewisser Weise tieferen Standpunkt herab.
[ 10 ] But people back then had something else as well. They possessed a keen sensitivity to the spiritual processes taking place in their surroundings. When we are here in a room, you are not merely sitting here as physical bodies, but also as souls. Feelings and sensations live within each of you. And these are just as real as the physical body is real. The capacity for feeling that the human soul possesses today can no longer penetrate these forces of feeling and sensation, because precisely through the further development of humanity, human beings have become more lucid in their consciousness, having developed their intellect and their everyday perspective. But for the time being, what was present in him as a soul has been lost to him. He will regain this ability while retaining his present rationality and his clear waking consciousness. All of humanity will one day attain a state that today only the practical mystic, the clairvoyant, possesses. To attain this state, human beings had to pass through mere physical perception, through mere bodily sensation. In one respect, humanity reaches a higher level, and in another respect, it descends to a point of view that is, in a certain sense, deeper.
[ 11 ] Von einem dumpfen, dämmerigen Wahrnehmen ging damals der Mensch aus. Aber das war zu gleicher Zeit ein seelisch-hellseherisches Wahrnehmen. Wenn nun in des Menschen Nähe irgendein sympathisches Gefühl, ein Seelisches lebte, welches — gestatten Sie den Ausdruck - Sympathie ausströmte, dann empfing der Mensch in sich jene hellen Farbenbilder. Böse Gefühle ließen durch eine seelische Wirkung dunklere, zum Blauen, Bräunlichen, Rötlichen hinneigende Farbenbilder aufsteigen. Das war der Zusammenhang des seelischen Innenlebens mit der damaligen äußeren seelischen Wirklichkeit. Aber damals konnte diese äußere seelische Wirklichkeit eben wahrgenommen werden. Nur allmählich gestalteten sich die Sinne so heraus, wie sie heute sind. Und damit gelangte der Verstand, das gegenständliche Erfassen der Dinge, zum Dasein. Die ursprüngliche dämmrige Hellsehergabe dagegen trat zurück. Zugleich kommen wir da in eine Zeit, wo Hand in Hand mit dieser EntwickeJung eine andere geht, die Entwickelung der sogenannten Zweigeschlechlichkeit. Nicht immer war der Mensch so, wie er heute ist in bezug auf sein Fortpflanzungsvermögen. Die größere Kraft, welche die Seele über das Physische hatte, bewirkte, daß der Mensch, ohne zu einem anderen physischen Menschenwesen seine Zuflucht nehmen zu müssen — weil er beide Geschlechter in sich vereinigte —, ein Wesen gleicher Art aus sich hervorbringen konnte. Daher war der Übergang in jener Zeit zugleich ein solcher der gegenseitigen Wahrnehmung und ein solcher von der Zwei- zur Eingeschlechtlichkeit. In der damaligen Zeit war des Menschen Gehirn noch nicht in derselben Weise ausgebildet wie heute. Der Mensch war noch nicht ein solches Gehirnwesen, wie er es heute ist; auch ein solches Wahrnehmungsvermögen hatte er damals nicht, wie er es heute hat. Es ist das die Zeit, von der wir schon gesprochen haben, die zugleich die der Schöpfung des menschlichen Gehirns ist.
[ 11 ] At that time, human beings operated on the basis of a dull, dim perception. But at the same time, this was a psychic, clairvoyant perception. If, then, some sympathetic feeling, some soul-state, existed in a person’s vicinity that—if I may use the expression—radiated sympathy, the person would receive within themselves those bright color images. Evil feelings, through a psychic effect, caused darker images—tending toward blue, brownish, and reddish hues—to rise up. This was the connection between inner spiritual life and the outer spiritual reality of that time. But back then, this outer spiritual reality could indeed be perceived. Only gradually did the senses develop into what they are today. And with this, the intellect—the concrete grasping of things—came into being. The original, dim clairvoyant gift, on the other hand, receded. At the same time, we enter a period where, hand in hand with this development, another takes place: the development of so-called sexual dimorphism. Human beings were not always as they are today with regard to their reproductive capacity. The greater power that the soul had over the physical body meant that human beings, without having to resort to another physical human being—because they united both sexes within themselves—could bring forth a being of the same kind from within themselves. Therefore, the transition in that era was simultaneously one of mutual perception and one from dual-sexedness to single-sexedness. At that time, the human brain was not yet developed in the same way as it is today. Human beings were not yet the kind of cerebral beings they are today; nor did they possess the same powers of perception then as they do today. This is the period we have already spoken of, which is also the time of the creation of the human brain.
[ 12 ] Das letzte Mal habe ich angedeutet, daß wir nicht genau den Darwinismus unterschreiben. Wir unterschreiben ihn insoweit, als er die Verwandtschaft des physischen Menschenwesens mit allen anderen physischen Lebewesen auf der Erde darstellt. Aber ich habe auch angedeutet, daß wir in den unvollkommenen tierischen Lebewesen, die wir neben uns auf der Erde haben, nicht Vorfahren der gegenwärtigen Menschen, auch nicht der physisch-seelischen Menschen sehen, geschweige des geistigen, daß wir vielmehr in diesen tierischen Wesen Abzweigungen von einem gemeinschaftlichen Vorfahren zu sehen haben, der weder dem heutigen Menschen gleicht noch den heute um uns herum lebenden unvollkommenen Lebewesen, den Tieren. In der Zeit, von der ich jetzt gesprochen habe, gibt es auf der Erde noch nicht die höheren Säugetiere. Die höheren Säugetiere haben, ebenso wie der Mensch, nur unvollkommener, ein Gehirn und ein dem menschlichen ähnliches Wahrnehmungsvermögen. Die Wesen, welche ein solches Wahrnehmungsvermögen ausgebildet haben, gab es in dieser Zeit noch nicht. Es gab auf der Erde nur Wesen mit bildhaften Vorstellungen, mit einer bildhaften Art der Seelenbildung, und im Grunde genommen war, wie in einem gemeinsamen Knotenpunkte, alles das, was heute Mensch und höheres Tierreich ist, in einer einzigen Wesensart vereinigt. Der Mensch war, insofern er ein seelisch-physisches Wesen ist, in einer gewissen Beziehung auf der Stufe der Tierheit. Aber kein Gegenwartstier und auch nicht der Gegenwartsmensch gleicht dem damaligen Menschen. Nun hat sich aber das Menschenwesen so weit entwickelt, daß ein Teil, ein Ast der damaligen Art, sich fortentwickelt hat bis zu den heutigen Menschen. Durch gewisse Verhältnisse, die ich ein anderes Mal besonders darstellen werde, sind andere Glieder der damaligen Wesen zurückgeblieben. Sie sind zurückgegangen in ihrer Entwickelung, sind dekadent geworden. Diese dekadenten Wesen sind die, welche wir als die höheren Tiere erkennen.
[ 12 ] Last time, I suggested that we do not fully subscribe to Darwinism. We subscribe to it insofar as it depicts the kinship of the physical human being with all other physical living beings on Earth. But I also indicated that we do not see in the imperfect animal beings that live alongside us on Earth ancestors of present-day humans, nor of the physical-soul human, let alone the spiritual one; rather, we must see in these animal beings branches of a common ancestor who resembles neither modern humans nor the imperfect living beings—the animals—living around us today. In the period I have just spoken of, higher mammals did not yet exist on Earth. Higher mammals, just like human beings—albeit in a more imperfect form—possess a brain and a faculty of perception similar to that of humans. The beings that had developed such a faculty of perception did not yet exist at that time. There were only beings on Earth with pictorial conceptions, with a pictorial mode of soul formation, and essentially, as in a common nexus, everything that today constitutes humanity and the higher animal kingdom was united in a single species. Insofar as he is a soul-physical being, man was, in a certain sense, at the level of animality. But no present-day animal, nor even present-day man, resembles the human of that time. Now, however, the human being has developed to such an extent that one part, one branch of that former species, has evolved into today’s human beings. Due to certain circumstances, which I will describe in detail at another time, other members of the species of that time have remained behind. They have regressed in their development and have become decadent. These decadent beings are those we recognize as the higher animals.
[ 13 ] Ich möchte diesen Punkt klarmachen und dazu folgendes heranziehen: Sie wissen, daß es Gegenden gibt, in denen der Katholizismus bis zu einer Art Fetischdienst herabgesunken ist, wo er sich ausnimmt wie das Anbeten lebloser Gegenstände oder Heiligenbilder. Nun wird niemand behaupten können, daß dieser Standpunkt, im Verhältnis zu dem vollkommeneren, zu dem die Menschheit sich hinaufentwickelt hat, der gleiche sei. Dieses Fetischchristentum ist ein herabgekommenes Christentum. So ist es vom theosophischen Gesichtspunkte aus auch, wenn wir verschiedene der «wilden» Völkerstämme betrachten. Die materialistisch denkende Kulturgeschichte sieht in ihnen zurückgebliebene Vorfahren der Kulturmenschen. Wir sehen in ihnen die heruntergekommenen, dekadent gewordenen Nachkommen einstmals höherstehender Völkerschaften. So geht es uns, wenn wir noch weiter hinaufsteigen in der Zeit, mit den höheren Tieren. Sie waren einst vollkommener, sie haben sich herunterentwickelt. Wir kommen zu einer Gestaltung des Menschenreiches, welche anders ist, welche den Menschen noch undifferenziert von den übrigen höheren Tierarten zeigt, allerdings in einem Zeitpunkte, der Millionen von Jahren hinter uns liegt.
[ 13 ] I would like to clarify this point and cite the following: You know that there are regions where Catholicism has degenerated into a kind of fetish worship, where it takes the form of worshipping lifeless objects or images of saints. Now, no one can claim that this state of affairs is the same as the more perfect one to which humanity has evolved. This fetishistic Christianity is a degenerate form of Christianity. From a theosophical perspective, the same is true when we consider various “primitive” tribes. Materialist cultural history sees in them the backward ancestors of civilized people. We see in them the degenerate, decadent descendants of peoples who once stood higher. The same applies to us when we ascend even further in time, with the higher animals. They were once more perfect; they have regressed. We arrive at a conception of the human realm that is different, one that shows humans as still undifferentiated from the other higher animal species, albeit at a point in time that lies millions of years behind us.
[ 14 ] Wie kommt es nun, daß der Mensch dazumal auf der Bahn seiner Entwickelung stehengeblieben ist? Der Mensch ist hinsichtlich seiner seelischen Entwickelung ganz und gar das Ergebnis dessen, was um ihn herum vorgeht. Denken Sie sich nun einmal den Raum, in dem wir sind, mit einer um hundert Grad höheren Temperatur, und denken Sie sich auch, was da alles anders werden würde! Wenn Sie diesen Gedanken auf alle anderen Naturverhältnisse ausdehnen, wird er Ihnen zeigen, daß der Mensch in Wahrheit ganz abhängig ist von der Konstellation und von der Konfiguration der Kräfte, innerhalb deren er lebt. Er wird ein anderes Wesen, wenn er in einem anderen Zusammenhang ist. - Man hat in der neueren Zeit naturwissenschaftliche Versuche gemacht, man hat Schmetterlinge auskriechen lassen in Temperaturen, in denen sie sonst nicht leben. Man hat gefunden, daß sie ihre Farben und Farbenschattierungen ändern. Und bei höheren Temperaturen sind noch größere Veränderungen zu beobachten. Die Naturwissenschaft ist heute schon eine Art elementarer Theosophie. Für die Theosophie gibt es keinen Widerspruch zwischen der Naturwissenschaft und der Theosophie!
[ 14 ] How is it, then, that humanity came to a standstill on the path of its development at that time? In terms of its spiritual development, humanity is entirely the result of what is happening around it. Now imagine the room we are in with a temperature a hundred degrees higher, and imagine how everything would be different! If you extend this thought to all other natural conditions, it will show you that human beings are in truth entirely dependent on the constellation and configuration of the forces within which they live. They become different beings when placed in a different context. - In recent times, scientific experiments have been conducted in which butterflies were allowed to emerge at temperatures at which they would not normally live. It was found that they change their colors and color shades. And at higher temperatures, even greater changes can be observed. Science today is already a kind of elementary theosophy. For theosophy, there is no contradiction between science and theosophy!
[ 15 ] So hingen auch die damaligen Entwickelungsstufen der Menschheit von den ganz andersgearteten Entwickelungsstufen auf unserer Erde ab. Schon der Physiker sagt Ihnen — und zwar als Hypothese —, daß, je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, wir auf immer höhere und höhere Temperaturgrade kommen. Der Theosoph oder der praktische Mystiker sieht nun wirklich zurück in diese Urzeiten, und er sieht in dem, was wir die Akasha-Chronik nennen, diese Zustände als eine Wahrheit, wie der Durchschnittsmensch Tisch und Stühle als eine Wahrheit vor sich sieht. Wir kommen zu einem Zustande, in dem alle Stoffe auf unserer Erde in ganz anderen Verhältnissen zueinander sind als heute.
[ 15 ] Thus, the stages of human development at that time also depended on the entirely different stages of development on our Earth. Even physicists tell you—albeit as a hypothesis—that the further back we go in the Earth’s development, the higher and higher the temperatures become. The theosophist or the practical mystic truly looks back into these primeval times, and in what we call the Akashic Records, he sees these conditions as a reality, just as the average person sees tables and chairs as a reality before him. We arrive at a state in which all substances on our Earth are in entirely different relationships to one another than they are today.
[ 16 ] Sie wissen, daß die Stoffe, wenn sie erwärmt werden, ihren Zustand verändern. Feste Stoffe werden flüssig, flüssige werden dampfförmig und so weiter. Nun kommen wir zu unermeßlich viel höheren Temperaturgraden zurück, als wir sie heute auf der Erde kennen. Da war die ganze stoffliche Welt unserer Erde eine andere. Nur derjenige, welcher in der materialistischen Auffassung befangen ist und befangen ist in der unmittelbaren Anschauung auf unserer Erde, kann zu der Anschauung kommen, daß dies unmöglich sei. Wer sich freimacht von dem, was heute unsere Wirklichkeit ist, der sieht auch ein, daß in diesen höheren Temperaturzuständen dieser Erde Leben möglich war. Der Mensch lebte wirklich in diesen höheren Temperaturzuständen, allerdings in einer ganz anderen Art. Er lebte im Zustande des «Feuernebels», Eine dampfartige, weiche Masse waren die Körper, eine Masse, die sich eigentlich nicht vergleichen läßt mit dem, was wir heute kennen. So kommen wir auf ganz andere Verhältnisse zurück. Diese muß man dann noch weiter verfolgen, wenn man den Ursprung der Erde kennenlernen will. Dieser Ursprung hängt innig zusammen mit der ganzen Entwickelung des Menschen. Gehen wir zurück, so finden wir den Menschen in Gesellschaft viel niedrigerer Tiere, von Tieren, welche den niedrigeren Klassen unserer heutigen Tierwelt angehören, welche aber dazumal andere Gestalten hatten, anders geartet waren als ihre heutigen Nachkommen. Dadurch, daß die Erde immer fester und fester, immer dichter und dichter wurde, nahmen sie andere Gestaltungen und andere Artung an. Wir haben heute, wenn wir das, was in uns vorgeht, mit bloßem Verstandesauge beobachten, keine Vorstellung von dem, wie es damals aussah. Dennoch lebte um den Menschen herum eine Tierwelt. Und wie der Mensch heute Nahrung aus der physischen Welt aufnimmt, so nahm er sie auch dazumal in ähnlicher Weise auf.
[ 16 ] You know that when substances are heated, they change their state. Solids become liquids, liquids become vapors, and so on. Now we are returning to temperatures immeasurably higher than those we know today on Earth. Back then, the entire material world of our Earth was different. Only those who are bound by a materialistic view and confined to the immediate perception of our Earth can come to the conclusion that this is impossible. Those who free themselves from what is our reality today will also realize that life was possible on this Earth under these higher temperature conditions. Human beings truly lived under these higher temperature conditions, albeit in a completely different way. They lived in a state of “fire mist”; their bodies were a vaporous, soft mass—a mass that cannot really be compared to what we know today. Thus we return to entirely different conditions. These must be further explored if one wishes to understand the origin of the Earth. This origin is intimately connected with the entire development of humanity. If we go back, we find humanity in the company of much lower animals—animals belonging to the lower classes of our present-day animal world, but which at that time had different forms and were of a different nature than their present-day descendants. As the Earth became firmer and firmer, denser and denser, they took on different forms and a different nature. Today, when we observe what is happening within us with the mere eye of the intellect, we have no conception of what it looked like back then. Nevertheless, a world of animals lived around human beings. And just as human beings today take in nourishment from the physical world, so too did they take it in in a similar way back then.
[ 17 ] Nun müssen wir uns klar sein, daß für diejenigen, die ganz ungewohnt sind in solchen Vorstellungen zu denken, das, was ich jetzt sage, erwas ganz Phantastisches, erwas Befremdendes an sich hat. Heute ist die Zeit gekommen, es wieder einmal auszusprechen. Wir stehen auf dem Entwickelungspunkt, wo wiederum eine idealistische Weltanschauung die rein materialistische ablösen wird. Indem wir in diese Zeiten zurückgehen, wird die ganze Stofflichkeit unserer Erde eine andere. Damals war nämlich — ich bitte, nicht zu sehr frappiert zu sein über dasjenige, was ich sagen werde — die Erdmasse noch in einer Verbindung mit anderen Weltkörpern, als das heute der Fall ist. Schon derjenige, der ohne Hellsehergabe die physischen Vorstellungen unserer Gegenwart zu Ende denkt, wird sehen, daß das, was ich sagen werde, nicht ganz widerspruchsvoll ist. Sie brauchen nur im Sinne der Kant-Laplaceschen Theorie zurückzugehen bis dahin, wo die einzelnen Planeten die Sonne noch nicht umkreisen, sich noch nicht herausgebildet haben aus dem Urnebel, dann haben Sie eine kühne, aber richtige Hypothese. Wir können auch vom Standpunkte des Physikers in eine Zeit zurückkommen, wo die irdische Stofflichkeit noch in Kontakt war mit der Stofflichkeit des ganzen Sonnensystems. Der Mensch war damals viel verwandter mit allem, als er das heute ist. In der Akasha-Chronik finden wir in dieser Zeit, daß die Erde in einer stofflichen Verbindung viel intimerer Art war mit einem anderen Weltenkörper, der die Erde heute umkreist, mit dem Monde. Es war ein gewisser stofflicher Zusammenhang zwischen Erde und Mond.
[ 17 ] Now we must realize that for those who are completely unaccustomed to thinking in such terms, what I am about to say has something quite fantastical, something rather alienating about it. Today the time has come to speak it once again. We stand at a turning point in development where an idealistic worldview will once again replace the purely materialistic one. As we go back to those times, the entire materiality of our Earth changes. For back then—please do not be too surprised by what I am about to say—the Earth’s mass was still connected to other celestial bodies in a way that is not the case today. Even someone without clairvoyant gifts who thinks through the physical concepts of our present to their logical conclusion will see that what I am about to say is not entirely contradictory. You need only go back, in the spirit of the Kant-Laplacean theory, to the point where the individual planets were not yet orbiting the Sun, had not yet formed from the primordial nebula; then you have a bold but correct hypothesis. We can also, from the physicist’s standpoint, go back to a time when earthly matter was still in contact with the matter of the entire solar system. Humanity was much more closely connected to everything back then than it is today. In the Akashic Records, we find that during this period, the Earth was in a much more intimate material connection with another celestial body that now orbits the Earth—the Moon. There was a certain material connection between the Earth and the Moon.
[ 18 ] Wenn ich mich grob ausdrücken darf, hat sich das, was wir heute als Erdmasse haben, erst dadurch gebildet, daß sich die derbe Stofflichkeit, die wir im Monde haben, gleichsam herausgestaltet hat. Es haben sich die beiden Körper voneinander differenziert. Sie können sich denken, welche gewaltigen Erschütterungen da in der ganzen Stofflichkeit vor sich gegangen sein müssen! Diese kosmische Erschütterung ist der Gegenpol, das Korrelat für das, was ich erzählt habe, das Korrelat für das große Lebewesen, bei dessen Trennung und der damit verbundenen Veränderung der Mensch aus der Eingeschlechtlichkeit in die Zweigeschlechtlichkeit überging. Die ganze Trennung ging nicht auf einmal vor sich. Die Lektüre der theosophischen Literatur bietet leider so viel Anlaß dazu, anzunehmen, als ob das so fix und fertig geschehen wäre, als ob ein Himmelskörper nur so aus dem anderen heraussauste. Es ist aber keine gewaltsame Entwickelung. Langsam und allmählich ging alles vor sich, in Millionen und Millionen von Jahren. Über Zahlen zu sprechen ist aber schwierig, weil man die Methoden kennenlernen muß, welche die Geheimlehre anwendet. Wenn wir noch weiter zurückgehen, so finden wir noch einen anderen Zusammenhang, noch schwieriger vorzustellen; intimer als jener Zusammenhang, der heute besteht zwischen Sonne und Erde. Aber er ist in einer älteren Zeit vorhanden gewesen. Wir wollen einmal eine Vorstellung zur Hand nehmen, welche uns einigermaßen erleichtern wird, diesen Zusammenhang ein wenig bildlich zu veranschaulichen. Wenn Sie die Sonne sehen, wenn Sie infolge Ihrer sinnlichen Vorstellung sich die Sonne begrenzt denken innerhalb des Raumes — ist sie wirklich so begrenzt? Schon ein ganz gewöhnliches Nachdenken kann uns ja lehren, daß im Grunde genommen eine wirkliche Abgrenzung der Sonne nicht möglich ist. Hört denn die Sonne wirklich da auf, Wesenheit, wesenhaft zu sein, wo man ihre Grenze sieht? Sie hört nicht da auf, ihre Wirkung pflanzt sich durch das ganze Planetensystem fort. Auf unserer Erde wirkt die Sonne. Gehört das, was die Sonne auf unserer Erde tut, gehören die Ätherkräfte, die sich fortpflanzen und das Leben möglich machen auf der Erde, nicht zum Sonnenkörper dazu? Sind diese Ätherkräfte nicht bloß die Fortsetzung der Ätherkräfte der Sonne? Oder deren Anziehungskraft? Gehört sie nicht zur Sonne? Da sehen wir, daß wenn wir das Dasein in einer weiterschauenden Weise auffassen, wir dann einsehen können, daß eine solche willkürliche Begrenzung nicht stattfindet, wenn wir von einem Himmelskörper wie die Sonne sprechen. Die Wirkungen, die von der Sonne ausgingen, sie waren in den früheren Zeiten noch ganz andere auf der Erde als sie später waren, und andere als sie heute sind. Sie waren so, daß, wenn jemand sich auf einen Stuhl setzen könnte und das ganze Weltgebäude hätte anschauen können - im Grunde genommen stellt sich das der Physiker auch so vor, wenn er es den Kindern veranschaulicht —, er nicht die Sonne und die Erde als getrennt voneinander stehende Körper wahrgenommen haben würde, sondern er würde das Ganze ausgefüllt mit wahrnehmbarem Inhalt überblickt haben; er würde gesehen haben, daß sich in späterer Zeit die Erde herauskristallisiert hat aus dem ganzen Sonnenball.
[ 18 ] If I may put it bluntly, what we now have as the Earth’s mass was formed only because the coarse material substance found in the Moon, so to speak, took shape on its own. The two bodies differentiated from one another. You can imagine what tremendous upheavals must have taken place throughout all of matter! This cosmic upheaval is the antithesis, the counterpart to what I have described, the counterpart to the great living being whose separation and the associated transformation led humanity to transition from unisexuality to bisexuality. The entire separation did not occur all at once. Reading theosophical literature unfortunately gives so much cause to assume that this happened all at once, as if one celestial body simply shot out of the other. But it is not a violent development. Everything took place slowly and gradually, over millions and millions of years. But speaking of numbers is difficult, because one must become familiar with the methods employed by the Esoteric Doctrine. If we go back even further, we find yet another connection, even more difficult to imagine; more intimate than the connection that exists today between the Sun and the Earth. But it existed in an earlier time. Let us take an idea that will make it somewhat easier for us to illustrate this connection a little figuratively. When you see the Sun, when, as a result of your sensory perception, you imagine the Sun as limited within space—is it really so limited? Even a very ordinary reflection can teach us that, fundamentally speaking, a real delimitation of the Sun is not possible. Does the Sun really cease to be a being, to be essential, where one sees its boundary? It does not stop there; its effect extends throughout the entire planetary system. The sun acts upon our Earth. Does what the sun does on our Earth—do the etheric forces that propagate and make life possible on Earth—not belong to the solar body? Are these etheric forces not merely the continuation of the sun’s etheric forces? Or its gravitational pull? Does it not belong to the sun? Here we see that when we view existence in a more far-reaching way, we can then realize that such an arbitrary limitation does not apply when we speak of a celestial body like the Sun. The effects emanating from the Sun were quite different on Earth in earlier times than they were later, and different from what they are today. They were such that, if someone could have sat down on a chair and looked out over the entire structure of the world—which is essentially how the physicist imagines it when explaining it to children—he would not have perceived the Sun and the Earth as separate bodies, but would have surveyed the whole, filled with perceptible content; he would have seen that, in later times, the Earth crystallized out of the entire solar sphere.
[ 19 ] Wenn wir also zurückgehen in die Zeiten urferner Erdenvergangenheit, so kommen wir auf einen Punkt, wo dasjenige, was heute in der Mondmaterie sich abgelagert hat, noch verknüpft war mit der irdischen Materie, wo die Kräfte, die heute herausgezogen sind, noch wirksam waren mit der Materie. Diese wirkten mit auf unsere physischen Körper. Sie waren derart, daß sie ihn so gestalteten, daß er in ganz anderer Weise auf die Kräfte reagierte und daß sich in ganz anderer Weise die Wirkungen auf das Leibliche äußerten. Und in noch früherer Zeit war die Sonnenwirkung auf der Erde in noch ganz anderer Weise da als heute, auch in bezug auf das Wachstum. Als der Mond- und der Erdkörper noch miteinander verknüpft waren, da haben wir alle Erdenwesen noch in einem Zustand, den wir nur antreffen bei den Tieren, welche ungefähr die Temperatur ihrer Umgebung haben. Das warme Blut beginnt sich in demselben Maße zu entwickeln, wie sich die Mondmaterie aus der Erde hinauszieht.
[ 19 ] If we go back to the times of Earth’s distant past, we arrive at a point where what has now been deposited in the matter of the Moon was still connected to Earth’s matter, and where the forces that have now been drawn out were still active within that matter. These forces also acted upon our physical bodies. They were such that they shaped the body in a way that caused it to react to the forces in a completely different manner, and that the effects on the physical body manifested themselves in a completely different way. And in even earlier times, the influence of the Sun on Earth was present in a completely different way than it is today, including with regard to growth. When the Moon and the Earth were still connected, all earthly beings were still in a state that we find only in animals, which have roughly the same temperature as their surroundings. Warm-bloodedness begins to develop to the same extent as the lunar matter withdraws from the Earth.
[ 20 ] Wenn wir weiter zurückgehen in die Zeiten, in denen der Sonnenkörper noch mit der Erde verbunden war, da finden wir innerhalb der damaligen Menschenvorfahren Wirkungen, welche uns heute in nur ganz dekadenten Formen bei den allerniedersten Tieren erhalten sind. Der Mensch pflanzte sich dazumal fort durch eine Art von Teilungsprozeß. Der Mensch war in ganz feiner Materie vorhanden, in ganz feiner Leiblichkeit, noch feiner als der Feuernebel. Damals geschah die Fortpflanzung in einer Art Abschnürung. Das Tochterwesen war auch ungefähr in derselben Größe wie das Mutterwesen. Die Sonnenkräfte waren dazu mal Lebenskräfte. Die überwältigten das Materielle. Sie prägten dem Materiellen Formen ein. So sehen wir, wenn wir auf den Ursprung unserer Erde zurückgehen, auf eine Zeit, in der der Mensch von immer feineren und feineren stofflichen Zuständen umgeben war. Zuletzt kommen wir zu einem Zustand, den nur noch der Hellseher sich vergegenwärtigen kann, wo die feinste ätherische Körperlichkeit übergeht in das, was wir astralische Wesenheit nennen; als reines Seelenwesen wurde der Mensch in den irdischen Schauplatz hineinversetzt. Menschen, die so gestaltet waren, wie die physische Aura gestaltet ist, wurden in den irdischen Schauplatz hineinversetzt. In der Seele wirkten Kräfte, welche der Materie Formen einprägten, indem sie die Materie in sich aufsaugten und gestalteten, daß sie ein äußerer Siegelabdruck, eine Art Schatten von dem wurden, was die Seelen im reinen Seelenland waren. Und nun sind wir bis zu dem Stadium unserer Erde zurückgekommen, wo der Mensch noch nicht die physische Stofflichkeit hatte, wo der Mensch als Astralwesen in diese physische Welt, die dazumal von äußerst feiner Natur war, erst hereinkam. Nun könnten wir zurückgehen auf noch viel ältere Zustände, in denen der Mensch noch nicht diese astrale Art des Daseins hatte. Wir könnten zurückgehen auf rein geistige Zustände. Das soll uns aber jetzt nicht interessieren; denn wir wollen nicht den Menschen, sondern den Ursprung der Erde verfolgen.
[ 20 ] If we go further back in time, to the era when the solar body was still connected to the Earth, we find within the human ancestors of that time effects that have survived to this day only in very degenerate forms among the lowest of animals. At that time, human beings reproduced through a kind of division process. Human beings existed in very fine matter, in a very fine physical form, even finer than the fire mist. Back then, reproduction took place through a kind of constriction. The offspring was also roughly the same size as the mother. The solar forces were, at that time, life forces. They overwhelmed the material. They imprinted forms upon the material. Thus, when we look back to the origin of our Earth, we see a time when human beings were surrounded by ever finer and finer material states. Finally, we arrive at a state that only the clairvoyant can visualize, where the finest etheric physicality merges into what we call astral being; as a pure soul being, the human was placed into the earthly arena. Human beings, formed in the same way as the physical aura is formed, were placed into the earthly arena. Forces were at work in the soul that imprinted forms upon matter by absorbing it into themselves and shaping it so that it became an external imprint, a kind of shadow of what the souls were in the realm of pure soul. And now we have returned to the stage of our Earth where human beings did not yet possess physical materiality, where human beings, as astral beings, were just entering this physical world, which at that time was of an extremely fine nature. Now we could go back to even much older states in which human beings did not yet have this astral mode of existence. We could go back to purely spiritual states. But that is not what concerns us now; for we do not wish to trace humanity, but rather the origin of the Earth.
[ 21 ] Noch ein paar Worte über den Gang rückwärts. Wir treffen den Menschen da sozusagen noch ohne materielle Erde. Er ist noch nicht in physischer Leiblichkeit verkörpert. Da müßten wir lange Zeiträume zurückgehen, wenn wir den Menschen auf den früheren Entwickelungsstadien antreffen wollten. Der Mensch, der als Seelenwesen in die Erde hineinversetzt ist, hat die Fähigkeit, den Stoff in ganz bestimmter Art an sich zu ziehen. Würde man den Äthermenschen prüfen können, so würde man wahrnehmen, daß seine Seele bereits organisiert war. Sie konnte bereits Formen bilden. Dazu mußte sie sich durch lange Zeiten heraufentwickeln. Sie hatte ja schon früher lange Entwickelungszustände durchgemacht. Diese sind natürlich auf anderen Weltenkörpern absolviert worden. Aber nun — wie haben wir uns eine solche Entwickelung auf anderen Weltenkörpern vorzustellen? Die ganzen Fähigkeiten, die sich die Seele angeeignet hatte, waren so, daß sie im Physischen wirken konnten. Sie wurde geführt von früheren Entwickelungszuständen her. Die Seele mußte schon mehrmals durch physische Zustände durchgegangen sein, denn nur innerhalb der physischen Welt können gewisse Fähigkeiten entwickelt werden. Der Mensch könnte heute nicht sprechen und nicht denken, wenn er nicht mit der physischen Natur in Berührung gekommen wäre. Was wir uns heute erarbeiten, das wird später Fähigkeit von uns werden. Schon öfters habe ich durch einen Vergleich darauf hingedeutet: durch das Kind, das schreiben und lesen lernt. Wenn das Kind herangewachsen ist, so kann es schreiben und lesen. Was vorher Arbeit, Verkehr mit der Außenwelt war, ist verschwunden, aber die Frucht, das Ergebnis ist geblieben. Und das ist die Fähigkeit des Schreibens, die Fähigkeit des Lesens. Was wir in der Seele haben, das ist durch den Verkehr mit der Außenwelt entstanden.
[ 21 ] A few more words about moving backward in time. There, we encounter the human being, so to speak, without any material earth. He has not yet been embodied in a physical body. We would have to go back a long way in time if we wanted to encounter the human being at earlier stages of development. The human being, who is placed on Earth as a soul being, has the ability to attract matter in a very specific way. If one could examine the etheric human being, one would perceive that his soul was already organized. It was already capable of forming shapes. To do so, it had to develop over long periods of time. It had, after all, already undergone long stages of development earlier. These were, of course, completed on other celestial bodies. But now—how are we to imagine such a development on other celestial bodies? All the abilities the soul had acquired were such that they could act in the physical realm. It was guided by earlier stages of development. The soul must have passed through physical states several times already, for certain abilities can only be developed within the physical world. Human beings today could not speak or think if they had not come into contact with physical nature. What we acquire today will later become an ability of ours. I have often pointed this out through a comparison: that of the child who learns to read and write. When the child has grown up, it can write and read. What was previously work, interaction with the outside world, has disappeared, but the fruit, the result, has remained. And that is the ability to write, the ability to read. What we have in our soul has come into being through interaction with the outside world.
[ 22 ] Die theosophische Weltanschauung nennt das Involution. Und wenn der Mensch das, was er sich angeeignet hat, wieder von innen herausarbeitet, dann nennen wir das Evolution. Zwischen Involution und Evolution geht alles Leben vor sich. Was die Seele getan hat in der Evolution, beruht darauf, daß die Fähigkeiten herausgetreten sind aus der Seele. Diese Fähigkeiten sind einstmals durch die Involution erworben worden. Diese Involution hat wieder stattgefunden in einem anderen physischen Körper. Wir haben da einen wichtigen Moment, der auf unserer Erde eingetreten ist; das ist der Moment, wo durch das Heraustreten der Mondmaterie der Mensch imstande war, aus dem wechselwarmen Wesen zu dem selbstwarmen Wesen zu werden. Das ist der wichtige Punkt in der Erdenentwickelung. In allen mystischen Schulen wird das hervorgehoben. Der Mensch nimmt die Wärme an sich und arbeitet sie im Inneren um. Die Mythe, die immer die großen Wahrheiten bildlich darstellt, hat uns das erhalten in der Prometheussage. Prometheus hat das Feuer vom Himmel heruntergeholt. Das ist die Wärme des Menschen, was er da heruntergeholt hat, nicht das äußere Feuer. So mußten von dem Menschen auch alle übrigen Fähigkeiten aus dem Himmel herabgeholt werden.
[ 22 ] Theosophy refers to this as involution. And when human beings work out from within what they have acquired, we call this evolution. All life unfolds between involution and evolution. What the soul has accomplished in evolution is based on the fact that its faculties have emerged from the soul. These faculties were once acquired through involution. This involution took place again in a different physical body. We have an important moment here that occurred on our Earth; this is the moment when, through the emergence of lunar matter, humanity was able to evolve from a cold-blooded being into a warm-blooded being. This is the crucial point in Earth’s evolution. All mystical schools emphasize this. Humanity absorbs heat and transforms it internally. Myth, which always depicts great truths figuratively, has preserved this for us in the Prometheus legend. Prometheus brought fire down from heaven. What he brought down was the warmth of the human being, not the external fire. Thus, all of humanity’s other abilities also had to be brought down from heaven.
[ 23 ] Ich möchte Sie noch bis zu einem Punkt führen, der auch sehr wichtig ist für die Erdentwickelung. Das ist der Augenblick, wo der Mensch das in sich aufnimmt, was wir früher als das Innere der Seele kennengelernt haben. Wir haben gesehen, daß Bilder in dem Menschen aufgestiegen sind, die er nachher mit den Gegenständen verbunden hat. Diese Fähigkeit, Licht in sich zu entwickeln, war dem Menschen in der ersten Zeit eigen. Die hat er sich früher angeeignet, so wie er sich später angeeignet hat die Fähigkeit, Wärme zu entwickeln. Licht um sich her überhaupt erst als Dasein zu empfinden, oder noch besser gesagt, die Gegenstände um sich her im Lichtesdasein zu empfinden, diese Fähigkeit hat sich der Mensch auf einem Planeten entwickelt, den die theosophische Weltanschauung den «Mond» nennt. Das war aber nicht unser physischer Mond. Als die Seele sich die Fähigkeit des inneren Lichtes angeeignet hatte, da war die Verbindung da, und wer die Verhältnisse der damaligen Zeit kennt, weiß, daß sie das Seelenvermögen des Farbenschauens, des innerlichen Leuchtens hervorrief. Wir müssen uns einmal klarmachen, wie diese Vermögen zusammenhängen. Die Wärmeentwickelung hängt zusammen mit allem Leben auf unserer Erde, die Wärmeentwickelung hängt zusammen mit der gegenwärtigen Art der Fortpflanzung, mit der Art, wie der Mensch etwas ins reale Dasein rufen kann. Alles übrige ist ein Kombinieren; nur die Fortpflanzung ist ein wirkliches Schaffen, und das hängt mit der Wärme zusammen. Ebenso haben wir eine ähnliche Entwickelungsstufe mit dem Auftreten des inneren Leuchtens. Das Leuchten hat der Mensch auf einem früheren Planeten entwickelt. Das war ein Von-innen-heraus-Leuchten, wie es heute ein Von-innen-heraus-Wärmen ist. Ein Leuchten war es. Und damit sind wir zu dem hervorragendsten Charakteristikum des Menschenwesens gekommen in seinem vorphysischen Zustand auf einem anderen Himmelskörper. Alles was vom Menschen ausging, war selbst ein Leuchten, wie seine Aura heute leuchtet. Der Mensch war ein leuchtendes Wesen, und die Wahrnehmung des Menschen bestand in der Wahrnehmung seines Leuchtens. Damals war das Leuchten bis zum Physischen herunterentwickelt. Es war ein physisches Leuchten des Menschen.
[ 23 ] I would like to guide you to another point that is also very important for the development of the Earth. This is the moment when human beings take into themselves what we previously came to know as the inner soul. We have seen that images arose within the human being, which he subsequently associated with objects. This ability to develop light within himself was inherent in the human being in the earliest times. He acquired it in the past, just as he later acquired the ability to generate heat. To perceive light around oneself as existence in the first place, or better yet, to perceive the objects around oneself in the existence of light—this ability was developed by human beings on a planet that the theosophical worldview calls the “Moon.” But this was not our physical Moon. Once the soul had acquired the ability of inner light, the connection was established, and anyone familiar with the conditions of that time knows that it gave rise to the soul’s capacity for color perception and inner radiance. We must first understand how these capacities are related. The development of warmth is connected with all life on our Earth; the development of warmth is connected with the present mode of reproduction, with the way in which human beings can bring something into real existence. Everything else is a combination; only reproduction is true creation, and that is connected with warmth. Similarly, we have a comparable stage of development with the emergence of inner radiance. Human beings developed this radiance on an earlier planet. It was a radiance emanating from within, just as warmth emanates from within today. It was a radiance. And with this we have arrived at the most outstanding characteristic of the human being in its pre-physical state on another celestial body. Everything that emanated from the human being was itself a radiance, just as their aura shines today. The human being was a radiant being, and the human being’s perception consisted in the perception of their own radiance. At that time, the radiance had developed down to the physical level. It was a physical radiance of the human being.
[ 24 ] Wodurch haben wir unsere vorzüglichsten Vorstellungen von der Umwelt? Gerade durch die Gesichtswahrnehmungen. Sie würden ungefähr neun Zehntel verlieren von dem, was Sie wissen, wenn Sie die Gesichtswahrnehmungen streichen. Dadurch daß wir heute Gesichtsvorstellungen haben, kann die Weisheit etwas in uns einströmen. Bei unseren lunarischen Vorfahren war das anders. Von ihnen strömte das Licht aus. Es war dasselbe von ihnen ausströmend, was heute mit Lichtwirkung in uns einströmt. Man nennt in der mystischen Mythologie unsere Erde, weil sie zusammenhängt mit Liebeskräften, den Kosmos der Liebe. Und diesem Kosmos der Liebe ging voran der Kosmos der Weisheit, auf dem das Licht die gleiche Rolle spielte wie heute die Wärme. Die Erde folgte als Kosmos der Liebe dem Kosmos der Weisheit. Was innerliches Licht ist, hängt mit dem Willen des Menschen zusammen. Der Mensch, der gewisse Triebe, Leidenschaften, Empfindungen, Gefühle in sich hat, stattet seine Aura, seinen Astralleib mit bestimmten Farbengebilden aus. Diese sind dem unterworfen, was man im weiteren Sinne den Willen nennt. Dazumal, in der lunarischen Periode, war der ganze Mensch Ausdruck des Willens. Der Wille strömte nach außen und erschien als das, was leuchtet. Daher sind unsere Vorfahren, wenn wir diese Menschen des Kosmos der Weisheit Menschen nennen, die Söhne des Willens. Es stammen also die Kinder der Liebe von den Söhnen des Willens ab. Das Licht spielte dazumal also eine ähnliche Rolle, wie heute die Wärme auf der Erde.
[ 24 ] How do we obtain our most vivid perceptions of the world around us? Precisely through visual perception. You would lose about nine-tenths of what you know if you were to eliminate visual perception. It is because we have visual perceptions today that wisdom can flow into us. It was different for our lunar ancestors. Light streamed out from them. What radiated from them was the same as what flows into us today through the effect of light. In mystical mythology, our Earth is called the Cosmos of Love because it is connected to the forces of love. And this Cosmos of Love was preceded by the Cosmos of Wisdom, in which light played the same role as warmth does today. The Earth followed the Cosmos of Wisdom as the Cosmos of Love. What inner light is depends on the will of the human being. The human being, who possesses certain drives, passions, sensations, and feelings within, endows his aura, his astral body, with specific color formations. These are subject to what is called, in the broader sense, the will. Back then, in the lunar period, the whole human being was an expression of the will. The will flowed outward and appeared as that which shines. Therefore, our ancestors—if we call these people of the cosmos of wisdom “people”—are the sons of the will. Thus, the children of love descend from the sons of the will. Light played a role back then similar to that of warmth on Earth today.
[ 25 ] Man nennt diese leuchtenden Menschenwesen innerhalb der leuchtenden Umwelt auch die Söhne des Zwielichts. Ein besonders leuchtendes Menschenwesen innerhalb des umliegenden Leuchtens, ein Zusammenleuchten, ein Austausch war es, wie wir heute einen Wärmeaustausch haben. So ungefähr, wie wir heute ein Kältegefühl haben, wenn es kalt ist, so ein ähnliches Gefühl hatte man, wenn es ringsherum dunkler war als im eigenen Inneren. Der Wille war dasjenige, was dem zugrunde lag, weil der Wille dasjenige war, was im Grunde genommen seinen Ausdruck fand in der ganzen Umgebung. Wie heute der Mensch schaffend ist durch die Liebe, so war dazumal der Mensch noch durch seinen Willen schaffend. Sein Wille hatte einen unmittelbaren Einfluß auf alle Umgebung. So ohnmächtig der Mensch heute im Schaffen gegenüber den physischen Dingen der Außenwelt ist, weil er in seinem Bewußtsein zur Klarheit gekommen ist und dadurch die anderen seelischen Kräfte unvollkommener geworden sind, so mächtig war dazumal der Wille. Der Wille des Menschen hatte Einfluß auf die ganze physische Umgebung. Und weil er strebt und in der Entwickelung die Tendenz nach aufwärts ist, so strebte dieser Wille zum Höheren hinauf. Damit wurde dasjenige bewirkt, unmittelbar aus der lebendigen Natur heraus, was den Mittelpunkt des damaligen Weltenkörpers in zwei trennte, so daß damals schon eine Art von Einstülpung stattgefunden hat. In einer mehr seelischen Art wurde der eine Mittelpunkt zu zwei Mittelpunkten. Und dieses Auseinandertreten der Mittelpunkte sehen wir verwirklicht in der späteren Entwickelung in dem Auseinandertreten der Erde und des Mondes.
[ 25 ] These luminous human beings within the luminous environment are also called the Sons of Twilight. A particularly luminous human being within the surrounding light—a shared radiance, an exchange—was akin to the heat exchange we experience today. Just as we today feel a sense of cold when it is cold, people had a similar feeling when it was darker all around them than within themselves. Will was the underlying factor, because will was what, in essence, found its expression in the entire environment. Just as human beings today create through love, so in those days human beings still created through their will. Their will had a direct influence on the entire environment. Just as powerless as humans are today in their creative activity with regard to the physical things of the external world—because they have attained clarity in their consciousness and thereby the other soul forces have become less developed—so powerful was the will back then. The human will had an influence on the entire physical environment. And because he strives, and the tendency in evolution is upward, this will strove upward toward the higher. This brought about, directly from living nature, that which divided the center of the world body of that time into two, so that even then a kind of intussusception had taken place. In a more spiritual sense, the single center became two centers. And we see this separation of the centers realized in later development in the separation of the Earth and the Moon.
[ 26 ] Das sind skizzenhafte Andeutungen, die ich Ihnen habe geben können. Sie werden aber das eine sehen, daß die Dinge in sich selbst zusammenstimmen. Wer konsequent und streng zu denken bemüht ist, wird das von vornherein zugeben können. Eine Widerlegung könnte ich ja selbst geben, wie ich es am Anfang angedeutet habe in bezug auf Eduard von Hartmann. Denkgewohnheiten sind etwas Vorübergehendes. Wer die Geschichte studiert, und zwar nicht bloß die äußere, denn es ist ein falsches Bild, das uns zum Beispiel über das Mittelalter gegeben wird, wird meine Ausführungen bestätigt finden. Goethe sagt auch, es ist im Grunde genommen nur der Herren eigener Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln. Die Entwickelung in der Vergangenheit zu zeigen, um eine Vorstellung zu bekommen von der großen Menschheitszukunft, das ist die Aufgabe der Theosophie. Goethe habe ich zitiert, denn er hat tief hineingesehen in diese mystischen, geheimnisvollen Zusammenhänge der Weltentwickelung. Er hat eine merkwürdige Figur gebraucht, den «Alten mit der Lampe» in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie». Die Lampe kann nur da scheinen, wo schon anderes Licht ist. Ich habe Ihnen das dargestellt als die Verkörperung uralter Weisheit. Jetzt kommen wir zu einer noch tieferen Bedeutung. Jetzt wird uns klar, was Goethe meint mit dem Licht, das nur seinen Schein verbreitet, wo Licht ist. Da, wo wieder die Hellsehergabe entwickelt wird, da entwickelt sie ihre ganze magische Kraft, diese Lampe. Da kommen wir in jene Zeit, wo der Mensch zur Flamme wird, um auf diese Epoche zurückzublicken, in der der Mensch ein leuchtendes Wesen war, wo ihm die Fähigkeit sich entwickelte, Licht in das Dasein hineinzubringen. Goethe wußte, daß dieses innere Licht einmal im Menschen dagewesen ist, und daß das heutige Sehen des Lichtes ein späterer Entwickelungszustand ist.
[ 26 ] These are just rough outlines that I have been able to provide you with. However, you will see that the ideas are internally consistent. Anyone who strives to think consistently and rigorously will be able to admit this from the outset. I could indeed provide a refutation myself, as I indicated at the beginning with regard to Eduard von Hartmann. Ways of thinking are transient. Anyone who studies history—and not merely its external aspects, for the picture presented to us of the Middle Ages, for example, is a false one—will find my remarks confirmed. Goethe also says that, fundamentally, it is only in the minds of men themselves that the ages are reflected. To show the development of the past in order to gain a conception of the great future of humanity—that is the task of theosophy. I have quoted Goethe because he looked deeply into these mystical, mysterious connections of world development. He used a remarkable figure, the “Old Man with the Lamp” in the “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” The lamp can only shine where there is already other light. I have presented this to you as the embodiment of ancient wisdom. Now we come to an even deeper meaning. Now it becomes clear to us what Goethe means by the light that spreads its radiance only where there is light. Where the gift of clairvoyance is developed once more, there this lamp develops its full magical power. There we enter that time when the human being becomes a flame, looking back on that epoch in which the human being was a luminous being, where the ability to bring light into existence developed within them. Goethe knew that this inner light once existed within the human being, and that today’s perception of light is a later stage of development.
[ 27 ] Ehe der Mensch die Sonne sehen konnte, mußte er erst ein innerlich leuchtendes Wesen werden; er mußte Licht in sich entwickeln, um Licht dem Lichte entgegenzubringen. Goethe war Mystiker, man weiß es nur nicht. An der Spitze seiner Vorrede zur Farbenlehre spricht er es aus, indem er die Worte eines alten Mystikers gebraucht:
[ 27 ] Before a person could see the sun, they first had to become a being that glowed from within; they had to develop light within themselves in order to meet light with light. Goethe was a mystic; it’s just that people don’t realize it. At the beginning of his preface to Theory of Colors, he expresses this by quoting the words of an ancient mystic:
Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?
Lebt’ nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?
If the eye were not like the sun,
How could we see the light?
If God’s own power did not dwell within us,
How could the divine delight us?
