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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53

16 March 1905, Berlin

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12. Die großen Eingeweihten

12. The Great Initiates

[ 1 ] Die theosophische Weltanschauung unterscheidet sich von, man darf wohl sagen, allen übrigen Weltanschauungen, denen wir in der Gegenwart begegnen können, dadurch, daß sie der Erkenntnis auch in hohem Maße Befriedigung gewährt. Wir haben ja so oft in der Gegenwart gehört: Gewisse Dinge sind für uns unerkennbar, unser Erkenntnisvermögen hat Grenzen und kann sich nicht über eine gewisse Höhe hinaus erheben. Wenn wir die philosophischen Untersuchungen der Gegenwart an uns herantreten lassen, dann wird uns — insbesondere bei denjenigen philosophischen Schulen, welche auf den Kantianismus zurückgehen — immer von solchen Erkenntnisgrenzen gesprochen. Die Auffassung des Theosophen und des praktischen Mystikers unterscheidet sich von allen solchen Auseinandersetzungen ihrer Art nach dadurch, daß sie niemals dem menschlichen Erkenntnisvermögen Grenzen setzt, sondern es so betrachtet, daß es selbst einer Erweiterung, einer Erhöhung fähig ist. Ist es da nicht in gewissem Grade eine Unbescheidenheit höchster Art, wenn jemand sein besonderes Erkenntnisvermögen, den Standpunkt des Erkennens, auf dem er gerade steht, in gewisser Beziehung als etwas Ausschlaggebendes betrachtet und nun sagt, daß wir mit diesem unserem Erkenntnisvermögen nicht über eine gewisse Grenze hinausgehen können? Der Theosoph sagt: Ich stehe heute auf einem gewissen Standpunkt menschlichen Erkennens. Von diesem Standpunkt aus kann ich dieses oder jenes erkennen, dieses oder jenes nicht erkennen. — Aber es ist möglich, das menschliche Erkenntnisvermögen selbst auszubilden, dieses Erkenntnisvermögen selbst zu erhöhen. Dasjenige, was man Einweihungsschulen nennt, ist im wesentlichen dazu bestimmt, dieses menschliche Erkenntnisvermögen selbst auf eine höhere Stufe zu erheben, so daß es gewiß richtig ist, wenn man von einer niederen Stufe der Erkenntnis aus sagt, es gibt Grenzen des Erkennens, man kann dieses oder jenes nicht erkennen. Aber man kann sich ja auch erheben über eine solche Stufe der Erkenntnis, man kann zu höheren Stufen vordringen, und dann kann man erkennen, was man auf untergeordneten Stufen nicht hat erkennen können. Dieses ist das Wesen der Einweihung, und diese Vertiefung oder Erhöhung der Erkenntnis ist die Aufgabe der Einweihungsschulen. Es gilt, den Menschen zu Erkenntnisstufen zu erheben, auf denen er nicht von Natur aus stehen kann, die er sich erst durch langjährige geduldige Übungen erwerben muß.

[ 1 ] The theosophical worldview differs from—one might well say—all other worldviews we encounter today in that it also provides a high degree of satisfaction to the intellect. We have heard so often in our time: Certain things are unknowable to us; our cognitive faculties have limits and cannot rise above a certain level. When we consider the philosophical inquiries of our time—especially those of the philosophical schools that trace their origins to Kantianism—we are constantly confronted with talk of such limits to knowledge. The view of the theosophist and the practical mystic differs from all such debates in nature in that it never sets limits on human cognitive capacity, but rather regards it as capable of expansion and elevation. Is it not, to a certain degree, a form of immodesty of the highest order when someone regards their particular cognitive capacity—the standpoint of cognition on which they currently stand—as decisive in a certain sense, and then asserts that we cannot go beyond a certain limit with this capacity of ours? The theosophist says: I stand today at a certain point of view of human cognition. From this point of view, I can perceive this or that, or fail to perceive this or that. — But it is possible to develop human cognitive capacity itself, to elevate this cognitive capacity itself. What are called schools of initiation are essentially intended to raise this human capacity for knowledge itself to a higher level, so that it is certainly true when one says, from a lower level of knowledge, that there are limits to knowledge, that one cannot perceive this or that. But one can also rise above such a level of knowledge; one can advance to higher levels, and then one can perceive what one could not perceive at lower levels. This is the essence of initiation, and this deepening or elevation of knowledge is the task of the schools of initiation. The aim is to raise the human being to levels of knowledge that he cannot naturally attain, but must first acquire through many years of patient practice.

[ 2 ] Zu allen Zeiten hat es solche Einweihungsschulen gegeben. Bei allen Völkern sind Erkennende höherer Art aus solchen Einweihungsschulen hervorgegangen. Und das Wesen solcher Einweihungsschulen und der großen Eingeweihten selbst, die hinausgewachsen sind über die niederen Stufen des menschlichen Erkenntnisvermögens und durch ihre Inspirationen mit den höchsten Erkenntnissen, die uns auf diesem Erdball zugänglich sind, bekannt wurden, drückt sich darin aus, daß diese Eingeweihten den verschiedenen Völkern der Erde die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen geschenkt haben.

[ 2 ] Such schools of initiation have existed throughout history. Among all peoples, those with higher insight have emerged from such schools of initiation. And the essence of such schools of initiation and of the great Initiates themselves—who have risen above the lower stages of human cognitive power and, through their inspirations, have become known for the highest knowledge accessible to us on this globe—is expressed in the fact that these Initiates have bestowed the various religions and worldviews upon the different peoples of the Earth.

[ 3 ] Das Wesen dieser großen Eingeweihten oder Initiierten wollen wir heute einmal mit einigen Strichen beleuchten. Wie man in jeder Wissenschaft, in jeder geistigen Verfahrensart erst die Methoden kennenlernen muß, durch die man zu den Erkenntnissen dringt, so ist es auch in den Einweihungsschulen. Auch da handelt es sich darum, daß wir durch gewisse Methoden zu den höheren Erkenntnisstufen, von denen wir eben gesprochen haben, hinaufgeführt werden. Ich werde nun in Kürze die Stufen, um die es sich handelt, anführen. Gewisse Stufen der Erkenntnis sind nur in den intimen Einweihungsschulen zu erlangen, nur da, wo Lehrer sind, die in eigener Erfahrung selbst jene Schule durchgemacht haben, selbst jenen Übungen obgelegen haben, die jede einzelne Stufe, jeden einzelnen Schritt wirklich erwägen können. Und nur solchen Lehrern muß man sich in diesen Einweihungsschulen anvertrauen.

[ 3 ] Today we will briefly shed some light on the nature of these great initiates. Just as in every science and every spiritual practice one must first learn the methods by which one arrives at knowledge, so it is in the schools of initiation. Here, too, the point is that we are guided through certain methods to the higher levels of knowledge of which we have just spoken. I will now briefly outline the stages in question. Certain levels of knowledge can only be attained in the inner schools of initiation, only where there are teachers who have themselves undergone that school through their own experience, who have themselves undergone those exercises, and who can truly weigh every single level, every single step. And one must entrust oneself to such teachers alone in these schools of initiation.

[ 4 ] Allerdings, es gibt in diesen Einweihungsschulen nichts von Autorität, nichts von dem Prinzip des Dogmatismus, sondern es herrscht darin lediglich das Prinzip des Ratens, des Erteilens von Ratschlägen. Wer einen gewissen Stufengang des Lernens durchgemacht hat und dadurch sich die Erfahrungen des höheren, des übersinnlichen Lebens selbst erworben hat, der weiß, welches die intimen Wege sind, die zu diesem höheren Erkennen führen. Nur ein solcher ist befähigt zu sagen, was man zu tun hat. Was notwendig ist auf diesem Gebiete zwischen Schüler und Lehrer, das ist lediglich Vertrauen. Wer dieses Vertrauen nicht hat, kann auch nichts lernen. Wer aber das Vertrauen hat, wird sehr bald sehen, daß von seiten irgendeines okkulten, mystischen oder Geheimlehrers nichts anderes anempfohlen wird, als was dieser Lehrer selbst durchgemacht hat. Es handelt sich dabei darum, daß von der gesamten Wesenheit des Menschen, so wie der Mensch heute vor uns steht, eigentlich nur der äußerlich sichtbare Teil heute schon innerhalb der menschlichen Natur abgeschlossen ist. Dieses muß sich jeder, der Geheimschulung anstreben will, klarmachen, daß der Mensch heute so, wie er vor uns steht, kein abgeschlossenes Wesen ist, sondern daß er in der Entwickelung begriffen ist, daß er in der Zukunft viel höhere Stufen erreichen wird.

[ 4 ] However, there is nothing of authority in these schools of initiation, nothing of the principle of dogmatism; rather, the principle that prevails there is simply that of counsel, of giving advice. Anyone who has gone through a certain stage of learning and thereby acquired the experiences of the higher, the supersensible life for themselves knows what the inner paths are that lead to this higher knowledge. Only such a person is qualified to say what one must do. What is necessary in this realm between student and teacher is simply trust. Anyone who lacks this trust cannot learn anything. But those who do have this trust will very soon see that no occult, mystical, or secret teacher recommends anything other than what that teacher has personally experienced. The point is that, of the entire being of the human being—as the human being stands before us today—only the outwardly visible part is actually complete within human nature at present. Everyone who aspires to secret training must realize that the human being, as he stands before us today, is not a complete being, but is in the process of development and will attain much higher stages in the future.

[ 5 ] Das, was heute die Ebenbildlichkeit Gottes bereits erlangt hat, das, was heute vom Menschen auf der höchsten Stufe angekommen ist, das ist des Menschen sinnlicher Körper, das was wir an ihm mit Augen sehen, überhaupt mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Das ist aber nicht das einzige, was der Mensch hat. Der Mensch hat noch höhere Glieder seiner Natur. Zunächst besitzt er noch ein Glied, das wir den Ätherkörper nennen. Diesen Ätherkörper kann der, welcher die seelischen Organe bei sich ausgebildet hat, sehen. Durch diesen Ätherkörper ist der Mensch nicht bloß ein Gebilde, in dem chemische und physische Kräfte wirken, sondern ein lebendiges Gebilde, ein Gebilde, welches lebt, mit Wachstum, Leben und Fortpflanzungsvermögen versehen ist. Diesen Ätherkörper, der eine Art von Urbild des Menschen darstellt, kann man sehen, wenn man mit den Methoden der Hellseherkunst, die im weiteren noch charakterisiert werden wird, sich den gewöhnlichen physischen Körper absuggeriert. Sie wissen, man kann durch die gewöhnliche Methode der Hypnose und Suggestion erreichen, daß, wenn Sie zu jemand sagen, es ist keine Lampe hier, er tatsächlich auch keine Lampe hier sieht. So können Sie, wenn Sie genügend starke Willenskraft in sich entwickeln, jene Willenskraft, welche die Aufmerksamkeit ablenkt, aber gründlich ablenkt von dem physischen Körper, trotzdem Sie hineinsehen in den Raum, sich selbst den physischen Raum völlig absuggerieren. Dann sehen Sie den Raum nicht leer, sondern ausgefüllt mit einer Art von Urbild. Ungefähr dieselbe Gestalt hat dieses Urbild wie der physische Körper. Es ist aber nicht durch und durch gleichartig, sondern durch und durch organisiert. Es ist nicht nur mit feinen Äderchen und Strömungen durchzogen, sondern es hat auch Organe. Dieses Gebilde, dieser Ätherkörper bewirkt das eigentliche Leben des Menschen. Seine Farbe kann nur verglichen werden mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte. Es ist keine Farbe, die in dem Sonnenspektrum enthalten ist; sie ist etwa zwischen violett und rötlich. Das ist also der zweite Körper.

[ 5 ] That which has already attained the likeness of God today, that which has reached the highest level in human beings today, is the human physical body—that which we can see with our eyes and perceive with our senses in general. But this is not the only thing that human beings possess. Human beings have even higher aspects of their nature. First of all, they possess another aspect that we call the etheric body. This etheric body can be seen by those who have developed the spiritual organs within themselves. Through this etheric body, the human being is not merely a form in which chemical and physical forces are at work, but a living form, a form that lives and is endowed with growth, life, and the capacity for reproduction. This etheric body, which represents a kind of archetype of the human being, can be seen when one uses the methods of clairvoyance—which will be further characterized later—to suggest away the ordinary physical body. You know that through the ordinary method of hypnosis and suggestion, if you tell someone, “There is no lamp here,” they actually see no lamp here. Thus, if you develop sufficient willpower within yourself—that willpower which diverts attention, and diverts it thoroughly, from the physical body—you can, even while looking into the room, completely suggest the physical space away from yourself. Then you do not see the room as empty, but filled with a kind of archetype. This archetype has roughly the same form as the physical body. However, it is not homogeneous throughout, but thoroughly organized. It is not only permeated with fine veins and currents, but it also has organs. This structure, this etheric body, constitutes the actual life of the human being. Its color can only be compared to the color of a young peach blossom. It is not a color found in the solar spectrum; it lies somewhere between violet and reddish. This, then, is the second body.

[ 6 ] Der dritte Körper ist die Aura, die ich schon öfter beschrieben habe, jenes wolkenartige Gebilde, wovon ich das letzte Mal, da, wo ich den Ursprung des Menschen schilderte, gesprochen habe, in dem der Mensch wie in einer eiförmigen Wolke ist. Es drückt sich darin alles aus, was im Menschen lebt als Begierde, Leidenschaft und Gefühl. Freudige, hingebende Gefühle drücken sich in hellen Farbenströmungen in dieser Aura aus. Haßgefühle, sinnliche Gefühle drücken sich in dunkleren Farbentönen aus. Scharfe, logische Gedanken drücken sich in scharfumrissenen Figuren aus. Unlogische, verworrene Gedanken kommen in Figuren mit unklaren Umrissen zum Ausdruck. So haben wir in dieser Aura ein Abbild dessen, was in der Seele des Menschen an Gefühlen, Leidenschaften und Trieben lebt.

[ 6 ] The third body is the aura, which I have described on several occasions—that cloud-like formation I spoke of last time when I described the origin of the human being, in which the human being is like an egg-shaped cloud. Everything that lives within the human being—desire, passion, and emotion—is expressed within it. Joyful, devoted feelings are expressed in bright streams of color within this aura. Feelings of hatred and sensual feelings are expressed in darker shades of color. Sharp, logical thoughts are expressed in sharply defined figures. Illogical, confused thoughts are expressed in figures with unclear outlines. Thus, in this aura we have a reflection of what lives in the human soul in terms of feelings, passions, and drives.

[ 7 ] So wie jetzt der Mensch beschrieben worden ist, so ist er — sozusagen von der Hand der Natur — in dem Zeitpunkte auf die Erde hingesetzt worden, der ungefähr im Beginne des atlantischen Zeitraumes liegt. Ich habe das letzte Mal beschrieben, was man unter dem atlantischen Zeitraum zu verstehen hat. In dem Zeitpunkte, wo die Befruchtung mit dem urewigen Geist bereits stattgefunden hatte, da tritt uns der Mensch mit den drei Gliedern: Leib, Seele und Geist entgegen. Heute ist im Grunde genommen dieses Dreifache der menschlichen Wesenheit schon etwas verändert dadurch, daß der Mensch seit jener Zeit, seit die Natur ihn entlassen hat, seitdem er ein selbstbewußtes Wesen geworden ist, an sich gearbeitet hat. Dieses Arbeiten an sich heißt, seine Aura veredeln, heißt, aus dem Selbstbewußtsein heraus in diese Aura Licht hineinsenden. Der Mensch, der auf sehr tiefer Stufe steht, nicht an sich gearbeitet hat, sagen wir ein Wilder, der hat eine Aura, wie sie ihm von der Natur anerschaffen ist. Alle diejenigen aber, welche innerhalb unserer zivilisierten, unserer gebildeten Welt stehen, haben Auren, an denen sie schon selbst mitgearbeitet haben, denn insofern der Mensch ein selbstbewußtes Wesen ist, arbeitet er an sich, und diese Arbeit kommt zunächst dadurch in ihm zum Ausdruck, daß sie seine Aura verändert. Alles was der Mensch durch die Natur gelernt hat, was er aufgenommen hat, seitdem er sprechen und selbstbewußt denken kann, alles das ist ein neuer, durch ihn selbst bewirkter Einschlag in seiner Aura.

[ 7 ] Just as human beings have now been described, so were they—as it were, by the hand of Nature—placed upon the Earth at a time that lies roughly at the beginning of the Atlantean epoch. I described last time what is meant by the Atlantean epoch. At the point in time when the fertilization with the primal spirit had already taken place, we encounter the human being with the three members: body, soul, and spirit. Today, this threefold nature of the human being has, in essence, already undergone some change due to the fact that the human being has been working on himself since that time, since nature released him, since he became a self-conscious being. This work on oneself means refining one’s aura; it means sending light into this aura from a place of self-consciousness. A human being who stands at a very low level, who has not worked on themselves—let us say a savage—has an aura as nature created it. But all those who live within our civilized, our educated world have auras at which they have already worked themselves, for insofar as a human being is a self-conscious being, he works on himself, and this work is first expressed within him by the fact that it changes his aura. Everything a person has learned from nature, everything they have absorbed since they could speak and think self-consciously—all of this is a new imprint on their aura, brought about by themselves.

[ 8 ] Wenn Sie sich in die Zeit des lemurischen Zeitraumes zurückversetzen, wo der Mensch bereits seit langer Zeit warmes Blut in seinen Adern fließen hatte, wo seine Befruchtung mit dem Geist in der Mitte dieses lemurischen Zeitraumes stattgefunden hatte, da war der Mensch noch nicht ein des hellen Gedankens fähiges Wesen. Das alles stand eben im Beginn der Entwickelung. Eben hatte der Geist Besitz ergriffen von der Körperlichkeit. Die Aura war damals noch ganz ein Ergebnis der Naturkräfte. Da konnte man bemerken - und man kann es noch heute bei sehr tiefstehenden Menschen —, wie an einer gewissen Stelle im Inneren des Kopfes, das heißt an einer Stelle, die wir im Inneren des Kopfes zu suchen haben, eine kleinere Aura in bläulicher Farbe entsteht. Diese kleinere Aura ist der äußere aurische Ausdruck des Selbstbewußtseins. Und je mehr der Mensch dieses Selbstbewußtsein durch sein Denken und durch seine Arbeit entwickelt hat, desto mehr breitet sich diese kleinere Aura über die andere aus, so daß sie oft beide in kurzer Zeit ganz anders werden. Der Mensch, der in der äußeren Kultur lebt, der ein gebildeter Kulturmensch ist, arbeitet an seiner Aura so, wie die Kultur ihn eben antreibt. Unsere gewöhnliche Erkenntnis, wie sie unsere Schule bietet, unsere Erfahrungen, die uns das Leben bringt, nehmen wir in uns auf, und sie verändern fortwährend unsere Aura. Aber diese Veränderung muß fortgesetzt werden, wenn der Mensch in die praktische Mystik eintreten will. Da muß er ganz besonders an sich arbeiten. Da muß er nicht nur das, was die Kultur ihm bietet, seiner Aura einverleiben, sondern da muß er in bestimmter, regelrechter Weise auf seine Aura einen Einfluß ausüben. Und das geschieht durch die sogenannte Meditation. Diese Meditation oder die innere Versenkung ist die erste Stufe, die der Schüler eines Eingeweihten durchzumachen hat.

[ 8 ] If you imagine yourself back to the time of the Lemurian period, when human beings had already had warm blood flowing through their veins for a long time, and when their spiritualization had taken place in the middle of that Lemurian period, human beings were not yet beings capable of clear thought. All of this was just at the beginning of development. The spirit had just taken possession of the physical body. The aura at that time was still entirely a product of natural forces. One could observe—and one can still observe this today in people of very low spiritual development—how, at a certain point inside the head, that is, at a point we must seek within the head, a smaller aura of a bluish color arises. This smaller aura is the outer auric expression of self-consciousness. And the more a person has developed this self-consciousness through their thinking and their work, the more this smaller aura spreads over the other, so that often both become quite different in a short time. The person who lives in the outer culture, who is an educated, cultured individual, works on their aura in the way that culture drives them. We take in our ordinary knowledge, as offered by our schooling, and the experiences that life brings us, and they continually transform our aura. But this transformation must be sustained if a person wishes to enter into practical mysticism. There he must work on himself in a very special way. There he must not only incorporate into his aura what culture offers him, but he must also exert an influence on his aura in a specific, systematic manner. And this is achieved through what is called meditation. This meditation, or inner contemplation, is the first stage that the disciple of an initiate must undergo.

[ 9 ] Was hat diese Meditation für einen Sinn? Versuchen Sie einmal, sich die Gedanken, die Sie vom Morgen bis zum Abend hegen, vorzuhalten und nachzudenken darüber, wie diese Gedanken beeinflußt sind von dem Ort und der Zeit, in denen Sie leben. Versuchen Sie, ob Sie Ihre Gedanken verhindern können, und fragen Sie sich, ob Sie sie haben würden, wenn Sie nicht zufällig in Berlin und im Anfange des 20. Jahrhunderts leben würden. Am Ende des 18. und am Beginne des 19. Jahrhunderts haben die Menschen nicht in derselben Weise gedacht wie die Menschen von heute. Wenn Sie sich denken, wie die Welt im Laufe des letzten Jahrhunderts verändert worden ist und was die Zeit für Veränderungen bewirkt hat, dann werden Sie sehen, daß das, was Ihre Seele vom Morgen bis zum Abend durchzieht, abhängt von Raum und Zeit. Anders ist es, wenn wir uns Gedanken hingeben, welche einen Ewigkeitswert haben. Eigentlich sind es nur gewisse abstrakte, wissenschaftliche Gedanken, höchste Gedanken der Mathematik und der Geometrie, denen sich der Mensch hingibt, und welche Ewigkeitswert haben. Zweimal zwei ist vier: das muß zu allen Zeiten und an allen Orten gelten. Ebenso verhält es sich mit den geometrischen Wahrheiten, die wir aufnehmen. Aber wenn wir von dem gewissen Grundstock solcher Wahrheiten absehen, dann können wir sagen, daß der Durchschnittsmensch sehr wenig denkt, was von Raum und Zeit unabhängig ist. Was davon abhängig ist, das verbindet uns mit der Welt und übt nur einen geringen Einfluß auf jene Wesenheit, welche selbst ein Bleibendes ist.

[ 9 ] What is the point of this meditation? Try to take stock of the thoughts you entertain from morning to night and reflect on how these thoughts are influenced by the place and time in which you live. Try to see if you can stop your thoughts, and ask yourself if you would have them if you didn’t happen to be living in Berlin at the beginning of the 20th century. At the end of the 18th and the beginning of the 19th centuries, people did not think in the same way as people do today. If you consider how the world has changed over the course of the last century and what changes time has wrought, then you will see that what fills your soul from morning to night depends on space and time. It is different when we devote ourselves to thoughts that have eternal value. In fact, it is only certain abstract, scientific thoughts—the highest thoughts of mathematics and geometry—to which human beings devote themselves, and which have eternal value. Two times two is four: this must hold true at all times and in all places. The same applies to the geometric truths we grasp. But if we disregard the specific foundation of such truths, then we can say that the average person thinks very little that is independent of space and time. That which is dependent on them connects us to the world and exerts only a slight influence on that essence which is itself enduring.

[ 10 ] Meditation heißt nichts anderes, als sich hingeben an Gedanken, welche einen Ewigkeitswert haben, um in bewußter Weise sich zu erziehen zu dem, was über Raum und Zeit hinaus liegt. Solche Gedanken enthalten die großen Religionsschriften: Der Vedanta, die Bhagavad Gita, das Johannes-Evangelium vom dreizehnten Kapitel ab bis zum Schluß, auch die «Nachfolge Christi» von Thomas von Kempen. Wer sich mit Geduld und Ausdauer versenkt, so, daß er in solchen Schriften lebt, wer jeden Tag aufs neue sich vertieft und vielleicht an einem einzigen Satz durch Wochen hindurch arbeitet, ihn durchdenkt und durchfühlt, der wird unendlichen Nutzen haben. So wie man ein Kind mit allen seinen Eigentümlichkeiten jeden Tag selbst näher kennen und lieben lernt, so läßt man sich jeden Tag einen solchen Ewigkeitssatz, der von den großen Eingeweihten oder von inspirierten Menschen herrührt, durch die Seele ziehen. Dies bewirkt dann, daß wir mit neuem Leben erfüllt werden. Sehr bedeutungsvoll sind auch die Sprüche in «Licht auf den Weg», nach höheren Weisungen niedergeschrieben von Mabel Collins. Schon die vier ersten Sätze sind so etwas, das, wenn es in entsprechender Weise geduldig angewendet wird, geeignet ist, in des Menschen Aura so einzugreifen, daß diese Aura ganz mit einem neuen Licht durchleuchtet wird. Man kann dieses Licht in des Menschen Aura aufglänzen und aufleuchten sehen. An die Stelle der rötlichen oder rötlichbräunlich schimmernden Farbennuancen treten bläuliche, an die Stelle von gelben treten hellrötliche und so weiter. Die ganzen Farben der Aura verändern sich unter dem Einfluß solcher Ewigkeitsgedanken. Der Schüler kann dies im Anfange noch nicht wahrnehmen, aber er beginnt allmählich den tiefen Einfluß zu verspüren, der von dieser sehr veränderten Aura ausgeht.

[ 10 ] Meditation means nothing other than surrendering oneself to thoughts that have eternal value, in order to consciously educate oneself toward that which lies beyond space and time. Such thoughts are found in the great religious scriptures: the Vedanta, the Bhagavad Gita, the Gospel of John from chapter thirteen to the end, and also *The Imitation of Christ* by Thomas à Kempis. Whoever immerses themselves with patience and perseverance, so that they live within such writings; whoever delves deeper anew each day and perhaps works on a single sentence for weeks on end, thinking it through and feeling it deeply—such a person will derive infinite benefit. Just as one comes to know and love a child with all its peculiarities more deeply each day, so one allows such a sentence of eternity—originating from the great initiates or from inspired individuals—to pass through one’s soul each day. This then causes us to be filled with new life. The sayings in “Light on the Path,” written down by Mabel Collins according to higher instructions, are also very significant. Even the first four sentences are such that, if applied patiently in the appropriate manner, they are capable of penetrating the human aura in such a way that this aura is completely illuminated by a new light. One can see this light shining and glowing in a person’s aura. The reddish or reddish-brownish shimmering color nuances are replaced by bluish ones, the yellow ones by light reddish ones, and so on. The entire color spectrum of the aura changes under the influence of such thoughts of eternity. At first, the student cannot yet perceive this, but he gradually begins to feel the profound influence emanating from this greatly transformed aura.

[ 11 ] Wenn der Mensch dann neben diesen Meditationen noch in sorgfältigster Weise bewußt gewisse Tugenden ausübt, gewisse Verrichtungen der Seele ausübt, dann entwickeln sich innerhalb dieser Aura seine seelischen Sinnesorgane. Diese müssen wir haben, wenn wir in die Seelenwelt hineinsehen wollen, ebenso wie wir physische Sinnesorgane haben müssen, um in die Körperwelt hineinsehen zu können. Wie die äußeren Sinne von der Natur dem Körper eingepflanzt worden sind, so muß der Mensch in gesetzmäßiger Weise seiner Aura höhere seelische Sinnesorgane einpflanzen. Die Meditation bewirkt, daß der Mensch reif wird, von innen heraus auf diese in der Anlage vorhandenen seelischen Sinne gestaltend, entwickelnd einzuwirken.

[ 11 ] If, in addition to these meditations, a person consciously practices certain virtues with the utmost care—certain spiritual exercises—then their spiritual sense organs develop within this aura. We must possess these if we wish to look into the world of the soul, just as we must possess physical sense organs to be able to look into the physical world. Just as the outer senses have been implanted in the body by nature, so must a person, in accordance with the laws of nature, implant higher spiritual sense organs into their aura. Meditation causes the human being to mature, to act upon these soul senses—which are present in potential—from within, shaping and developing them.

[ 12 ] Aber wir müssen die Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte seelische Verrichtungen lenken, wenn wir diese Sinnesorgane ausbilden wollen. Sehen Sie, der Mensch hat eine Reihe von solchen Sinnesorganen in der Anlage. Wir nennen diese Sinnesorgane die sogenannten Lotusblumen, deshalb, weil das astrale Gebilde, welches der Mensch in seiner Aura zu entwickeln beginnt, wenn er sich in dieser geschilderten Weise ausbildet, vergleichsweise die Gestalt von Lotusblumen annimmt. Selbstverständlich ist dies nur vergleichsweise, ebenso wie man von Lungenflügeln spricht, die ja auch nur eine Ähnlichkeit mit Flügeln haben. Die zweiblättrige Lotusblume befindet sich in der Mitte des Hauptes über der Nasenwurzel zwischen den Augen. In der Nähe des Kehlkopfes ist dann die sechzehnblättrige Lotusblume, in der Nähe des Herzens die zwölfblättrige, in der Nähe der Magengrube die zehnblättrige. Weiter unten noch befinden sich die sechsblättrige und die vierblättrige Lotusblume. Ich möchte heute nur von der sechzehnblättrigen und der zwölfblättrigen Lotusblume sprechen.

[ 12 ] But we must direct our attention to very specific mental processes if we wish to develop these sense organs. You see, human beings have a series of such sense organs in their constitution. We call these sensory organs the so-called lotus flowers, because the astral formation that a person begins to develop in their aura when they train themselves in the manner described takes on the shape of lotus flowers, so to speak. Of course, this is only a comparison, just as we speak of lung lobes, which also bear only a resemblance to wings. The two-petaled lotus flower is located in the center of the head above the bridge of the nose between the eyes. Near the larynx is the sixteen-petaled lotus flower, near the heart the twelve-petaled, and near the pit of the stomach the ten-petaled. Further down are the six-petaled and four-petaled lotus flowers. Today I would like to speak only of the sixteen-petaled and twelve-petaled lotus flowers.

[ 13 ] In der Lehre des Buddha finden Sie den sogenannten achtgliedrigen Pfad angegeben. Nun fragen Sie sich einmal, warum gibt Buddha gerade diesen achtgliedrigen Pfad als besonders wichtig an zur Erreichung der höheren Entwickelungsstufen des Menschen? Dieser achtgliedrige Pfad ist: Rechtes Entschließen, rechtes Denken, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sich-Versenken. — Solch ein großer Eingeweihter wie Buddha spricht nicht aus einem unbestimmt gefühlten Ideale heraus, er spricht aus der Erkenntnis der menschlichen Natur, er weiß, welchen Einfluß auf diejenigen Körper, welche sich erst in der Zukunft entwickeln müssen, das Ausüben solcher seelischen Betätigungen hat. Wenn wir die sechzehnblättrige Lotusblume an einem heutigen Durchschnittsmenschen betrachten, so sehen wir eigentlich sehr wenig. Sie ist eben, wenn ich so sagen darf, wiederum im Aufleuchten. In Zeiten urferner Vergangenheit war diese Lotusblume schon einmal vorhanden. Sie ist in ihrer Entwickelung zurückgegangen. Heute erscheint sie wieder etwas durch die Kulturarbeit des Menschen. In der Zukunft aber wird diese sechzehnblättrige Lotusblume wieder zur vollen Entwickelung kommen. Sie wird in ihren sechzehn Speichen oder Blättern hell aufglänzen, jedes Blatt wird in einem anderen Farbenton erscheinen, und endlich wird sie sich von links nach rechts bewegen. Was jeder Mensch einmal in der Zukunft erleben und besitzen wird, das bildet derjenige, der in der Einweihungsschule seine Ausbildung sucht, in bewußter Weise heute schon aus, damit er ein Führer der Menschheit werden kann. Nun sind acht von diesen sechzehn Blättern in urferner Vergangenheit bereits ausgebildet worden. Acht müssen heute noch ausgebildet werden, wenn der Geheimschüler zum Gebrauch dieser Sinnesorgane kommen will. Diese bilden sich aus, wenn der Mensch in bewußter Weise aufmerksam und klar den achtgliedrigen Pfad geht, wenn er diese von Buddha angegebenen acht Seelenbetätigungen in bewußter Weise ausübt, wenn er sein ganzes Seelenleben so einrichtet, daß er diese acht Tugenden, sozusagen indem er sich selbst in die Hand nimmt, so stark übt, als er sie nur üben kann, daß er seine Meditationsarbeit unterstützt und die sechzehnblättrige Lotusblume nicht nur zur Reife, sondern auch zur Bewegung, zur wirklichen Wahrnehmung bringt.

[ 13 ] In the Buddha’s teachings, you will find what is known as the Eightfold Path. Now ask yourself: why does the Buddha specifically identify this Eightfold Path as particularly important for attaining the higher stages of human development? This Eightfold Path consists of: Right Intention, Right Thought, Right Speech, Right Action, Right Livelihood, Right Effort, Right Mindfulness, and Right Concentration. — A great initiate such as the Buddha does not speak from some vaguely felt ideal; he speaks from an understanding of human nature; he knows what influence the practice of such spiritual activities has on those bodies that are yet to develop in the future. When we look at the sixteen-petaled lotus flower in the average person of today, we actually see very little. It is, if I may say so, just beginning to bloom again. In times of the distant past, this lotus flower already existed once. It has regressed in its development. Today it is reappearing somewhat through the cultural work of humanity. In the future, however, this sixteen-petaled lotus flower will once again reach full development. It will shine brightly in its sixteen spokes or petals; each petal will appear in a different hue, and finally it will move from left to right. What every human being will one day experience and possess in the future is already being consciously developed today by those who seek their training in the school of initiation, so that they may become leaders of humanity. Now, eight of these sixteen petals have already been developed in the distant past. Eight still need to be developed today if the secret student wishes to make use of these sense organs. These develop when the human being consciously, attentively, and clearly walks the eightfold path, when he consciously practices these eight soul activities indicated by the Buddha, when he organizes his entire soul life in such a way that he exercises these eight virtues—so to speak, by taking himself in hand— practices them as intensely as he possibly can, so that he supports his meditative work and brings the sixteen-petaled lotus flower not only to maturity but also to movement, to actual perception.

[ 14 ] Ich will nun noch von der zwölfblättrigen Lotusblume in der Nähe des Herzens sprechen. Von ihr waren sechs Blätter in urferner Vergangenheit bereits entwickelt, sechs müssen in Zukunft bei allen Menschen, bei Eingeweihten und ihren Schülern heute schon, entwickelt werden. In allen theosophischen Handbüchern können Sie gewisse Tugenden angeführt finden, welche im Vorhofe der sich aneignen soll, der zur Stufe des eigentlichen Chela oder Schülers hinansteigen soll. Diese sechs Tugenden, die Sie in jedem theosophischen Handbuche, wo von der Entwickelung des Menschen die Rede ist, angeführt finden, sind: Kontrolle der Gedanken, Kontrolle der Handlungen, Duldsamkeit, Standhaftigkeit, Unbefangenheit und Gleichgewicht oder das, was Angelus Silesius Gelassenheit nennt. Diese sechs Tugenden, die man bewußt und aufmerksam üben und zur Meditation hinzufügen muß, bringen die sechs weiteren Blätter der zwölfblättrigen Lotusblume zur Entfaltung. Dieses ist in den theosophischen Lehrbüchern nicht blind aufgelesen, nicht zufällig oder aus eigenem innerem Gefühl heraus geprägt, sondern aus der tiefsten Erkenntnis der großen Eingeweihten heraus gesprochen. Die Eingeweihten wissen, daß derjenige, der sich wirklich zu höheren übersinnlichen Entwickelungsstufen entwickeln will, die zwölfblättrige Lotusblume zur Entfaltung bringen muß. Dazu muß er die sechs Blätter, die in der Vergangenheit nicht entwickelt waren, heute schon durch diese sechs Tugenden entwickeln. So sehen Sie, wie aus einer tieferen Erkenntnis des menschlichen Wesens heraus die großen Eingeweihten eigentlich ihre Anweisungen für das Leben gaben. Ich könnte diese Betrachtung noch auf andere Erkenntnis- und Beobachtungsorgane ausdehnen, allein ich will Ihnen nur eine Skizze des Einweihungsvorganges geben, wozu diese Andeutungen genügen dürften.

[ 14 ] I would now like to speak about the twelve-petaled lotus flower near the heart. Six of its petals had already unfolded in the distant past; six more must unfold in the future for all human beings—and for initiates and their disciples, even today. In all theosophical handbooks, you will find certain virtues listed that must be acquired by those who are to ascend to the stage of the actual chela or disciple. These six virtues, which you will find listed in every theosophical handbook that discusses human development, are: control of thoughts, control of actions, tolerance, steadfastness, impartiality, and balance—or what Angelus Silesius calls serenity. These six virtues, which must be practiced consciously and attentively and added to meditation, cause the six further petals of the twelve-petaled lotus flower to unfold. This is not blindly gleaned from theosophical textbooks, nor is it coined by chance or out of one’s own inner feeling, but is spoken from the deepest insight of the great Initiates. The Initiates know that whoever truly wishes to develop to higher super-sensory stages of development must bring the twelve-petaled lotus flower to bloom. To do so, they must develop today, through these six virtues, the six petals that were not developed in the past. Thus you see how, out of a deeper understanding of the human being, the great Initiates actually gave their instructions for life. I could extend this discussion to other organs of perception and observation, but I wish only to give you a sketch of the initiation process, for which these hints should suffice.

[ 15 ] Wenn der Schüler dann so weit gekommen ist, daß er diese astralischen Sinnesorgane anfängt auszubilden, wenn er so weit gekommen ist, daß er dadurch imstande ist, nicht nur die sinnlichen Eindrücke in seiner Umgebung zu sehen, sondern auch das, was seelisch ist, also das, was im Menschen selbst, was im Tier und was in der Pflanze Aura ist, dann beginnt eine ganz neue Stufe der Unterweisung. Niemand kann, bevor seine Lotusblumen sich drehen, irgend etwas Seelisches in seiner Umgebung sehen, ebenso wie der, welcher keine Augen hat, keine Farben und kein Licht sehen kann. Wenn nun die Wand durchbrochen ist, wenn er auf der Vorstufe der Erkenntnis so weit vorangeschritten ist, daß er einen Einblick in diese seelische Welt hat, dann erst beginnt für ihn die eigentliche Schülerschaft. Diese führt durch vier Stufen der Erkenntnis hindurch. Was geschieht nun in diesem Augenblick, wo der Mensch, nachdem er die Vorstufen durchschritten hat, Chela geworden ist? Wir haben gesehen, daß, was wir jetzt beschrieben haben, sich alles auf den Astralkörper bezieht. Dieser wird vom menschlichen Körper aus durchorganisiert. Eine ganz andere Aura hat der Mensch, der durch eine solche Entwickelung hindurchgeschritten ist. Wenn dann der Mensch vom Selbstbewußtsein aus seinen Astralkörper durchleuchtet hat, wenn er selbst die lichtvolle Organisation seines Astralkörpers geworden ist, dann sagen wir, dieser Schüler hat seinen Astralkörper mit Manas durchleuchtet. Nichts anderes ist Manas als ein Astralkörper, welcher vom Selbstbewußtsein aus beherrscht ist. Manas und Astralkörper sind ein und dasselbe, aber auf verschiedener Entwickelungsstufe.

[ 15 ] When the student has progressed to the point where he begins to develop these astral sense organs, when he has reached the stage where he is thereby able to perceive not only the sensory impressions in his surroundings but also what is spiritual—that is, what constitutes the aura in human beings, animals, and plants—then a whole new stage of instruction begins. No one can see anything spiritual in their surroundings before their lotus flowers have turned, just as one who has no eyes cannot see colors or light. Once the wall has been broken through, once they have advanced so far on the preliminary stage of knowledge that they have gained insight into this spiritual world, only then does their actual apprenticeship begin. This leads through four stages of knowledge. What happens at this moment, when the human being, having passed through the preliminary stages, has become a chela? We have seen that everything we have now described relates to the astral body. This is organized from within the human body. A person who has passed through such a development possesses a completely different aura. When the person has then illuminated their astral body from the perspective of self-consciousness, when they themselves have become the luminous organization of their astral body, then we say that this disciple has illuminated their astral body with Manas. Manas is nothing other than an astral body that is governed by self-consciousness. Manas and the astral body are one and the same, but at different stages of development.

[ 16 ] Man muß dies einsehen, wenn man das, was in den theosophischen Handbüchern als die sieben Prinzipien angegeben ist, in praktischer Weise für die praktische Mystik verwenden will. Jeder, der den mystischen Entwickelungsgang kennt, jeder, der etwas von Einweihung weiß, der wird sagen, sie haben einen theoretischen Wert für das Studium, aber für den praktischen Mystiker nur dann, wenn man die Beziehungen weiß, die bestehen zwischen den unteren und oberen Prinzipien. Kein praktischer Mystiker kennt mehr als vier Glieder: den physischen Leib, in dem die chemischen und physischen Gesetze wirken, dann den Ätherkörper, dann den Astralkörper und endlich das Selbstbewußtsein, das wir in der gegenwärtigen Entwickelung Kamamanas nennen, das selbstbewußt denkende Prinzip. Manas ist nichts anderes als das, was das Selbstbewußtsein in den Körper hineinarbeitet. Der Ätherkörper, wie er jetzt ist, ist jedem Einfluß des Selbstbewußtseins entzogen. Wachstum und Ernährung können wir mittelbar beeinflussen, aber nicht so, wie wir unsere Wünsche, unsere Gedanken und Vorstellungen vom Selbstbewußtsein ausgehen lassen. So können wir unsere Ernährungs-, Verdauungs- und Wachstumsverhältnisse nicht selbst beeinflussen. Diese sind beim Menschen ohne irgendwelchen Zusammenhang mit dem Selbstbewußtsein. Dieser Ätherkörper muß unter den Einfluß des Astralkörpers, der sogenannten Aura, gebracht werden. Das Selbstbewußtsein des Astralkörpers muß den Atherkörper ebenso durchdringen, ebenso von sich aus bearbeiten können, wie auf die beschriebene Art der Mensch seine Aura, seinen Astralkörper bearbeitet. Dann, wenn der Mensch durch Meditation, durch innere Versenkung und durch Ausübung der Seelentätigkeiten, die ich beschrieben habe, so weit ist, daß der Astralkörper von sich aus organisiert ist, dann geht die Arbeit über auf den Ätherkörper, dann bekommt der Ätherkörper das innere Wort, dann hört der Mensch nicht nur dasjenige, was in der Umwelt lebt, dann erklingt ihm in seinem Ätherkörper der innere Sinn der Dinge.

[ 16 ] One must understand this if one wishes to apply what is described in theosophical handbooks as the seven principles in a practical way to practical mysticism. Anyone familiar with the course of mystical development, anyone who knows anything about initiation, will say that they have theoretical value for study, but for the practical mystic only if one understands the relationships that exist between the lower and higher principles. No practical mystic recognizes more than four members: the physical body, in which the chemical and physical laws operate; then the etheric body; then the astral body; and finally the self-consciousness, which we call Kamamana in the present stage of development—the self-conscious, thinking principle. Manas is nothing other than that which the self-consciousness works into the body. The etheric body, as it is now, is beyond the influence of self-consciousness. We can indirectly influence growth and nutrition, but not in the same way that we project our desires, thoughts, and ideas from self-consciousness. Thus, we cannot directly influence our nutritional, digestive, and growth conditions. In humans, these are entirely independent of self-consciousness. This etheric body must be brought under the influence of the astral body, the so-called aura. The self-consciousness of the astral body must be able to permeate the etheric body and work upon it of its own accord, just as a person works upon their aura, their astral body, in the manner described. Then, when a person, through meditation, through inner contemplation, and through the practice of the soul activities I have described, has reached the point where the astral body is organized of its own accord, then the work shifts to the etheric body; then the etheric body receives the inner word; then the person hears not only what lives in the environment, but the inner meaning of things resounds within their etheric body.

[ 17 ] Schon öfters habe ich hier gesagt, daß das eigentlich Geistige in den Dingen ein Tönendes ist. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß der praktische Mystiker, wenn er in dem richtigen Sinne spricht, von einem Tönen in der geistigen Welt spricht, wie er von einem Leuchten in der astralen oder Wunschwelt spricht. Nicht umsonst sagt Goethe, als er seinen Faust nach dem Himmel führt: «Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang, und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang.» Und nicht umsonst sagt Ariel, als Faust durch die Geister in die geistige Welt geleitet wird: «Tönend wird für Geistesohren schon der neue Tag geboren.»

[ 17 ] I have often said here that the truly spiritual aspect of things is a sound. I have pointed out that the practical mystic, when speaking in the proper sense, speaks of a sound in the spiritual world just as he speaks of a light in the astral or desire world. It is not for nothing that Goethe says, as he leads his Faust toward heaven: “The sun resounds in the old manner with a contest of song in the spheres of brotherhood, and it completes its prescribed journey with a thunderous roar.” And it is not for nothing that Ariel says, as Faust is led into the spiritual world by the spirits: “Resounding, the new day is already born for spiritual ears.”

[ 18 ] Dieses innere Tönen, das natürlich kein für das äußere sinnliche Ohr wahrnehmbares Tönen ist, dieses innere Wort der Dinge, wodurch sie ihre eigene Natur aussprechen, das ist das Erlebnis, das der Mensch hat, wenn er von seinem Astralkörper aus seinen Ätherkörper zu beeinflussen vermag. Dann ist er zum Chela geworden, zum wirklichen Schüler eines großen Eingeweihten. Dann kann er weitergeführt werden auf diesem Pfade. Einen solchen Menschen, der diese Stufe erstiegen hat, nennt man einen heimatlosen Menschen, aus dem Grunde, weil er den Zusammenhang gefunden hat, mit einer neuen Welt, weil es ihm aus der geistigen Welt herüberklingt und weil er dadurch sozusagen in dieser sinnlichen Welt nicht mehr seine Heimat hat. Man muß das nicht mißverstehen. Der Chela, der diese Stufe erlangt hat, ist ein ebenso guter Bürger und Familienvater, ein ebenso guter Freund, wie er es sonst wäre, wenn er nicht zur Chelaschaft gekommen wäre. Aus nichts braucht er herausgerissen zu werden. Was er da erlebt, das ist ein Entwickelungsgang der Seele. Da erlangt er eine neue Heimat in einer Welt, die hinter dieser sinnlichen liegt.

[ 18 ] This inner sound—which, of course, is not a sound perceptible to the outer physical ear—this inner voice of things through which they express their own nature, is the experience a person has when they are able to influence their etheric body from their astral body. Then he has become a Chela, a true disciple of a great Initiate. Then he can be guided further along this path. Such a person, who has ascended to this stage, is called a homeless person, for the reason that he has found a connection with a new world, because it resonates with him from the spiritual world, and because, so to speak, he no longer has his home in this sensory world. This must not be misunderstood. The Chela who has attained this stage is just as good a citizen and family man, just as good a friend, as he would otherwise be had he not become a Chela. He need not be torn away from anything. What he experiences there is a process of soul development. There he attains a new home in a world that lies beyond this sensory one.

[ 19 ] Was ist denn da geschehen? Es tönt die geistige Welt in den Menschen herein, und indem die geistige Welt in den Menschen hereintönt, überwindet er eine Illusion, die Illusion überhaupt, in der im Grunde genommen alle Menschen vor dieser Stufe der Entwickelung befangen sind. Das ist die Illusion des persönlichen Selbst. Der Mensch glaubt, er sei eine Persönlichkeit, abgesondert von der übrigen Welt. Schon ein bloßes Nachdenken könnte ihn lehren, daß er selbst im Physischen keine selbständige Wesenheit ist. Bedenken Sie, wenn in diesem Raume die Temperatur um zweihundert Grad höher wäre als jetzt, wir würden hier alle nicht bestehen können, wie wir jetzt bestehen. Sobald sich die Verhältnisse draußen ändern, sind die Bedingungen zu unserem physischen Dasein nicht mehr da. Wir sind nur die Fortsetzung der Außenwelt und schlechterdings undenkbar als Sonderwesen. Das ist noch mehr der Fall in der seelischen und in der geistigen Welt. Wir sehen, daß der Mensch, als Selbst aufgefaßt, nur eine Illusion ist, daß er ein Glied der allgemeinen göttlichen Geistigkeit ist. Hier überwindet der Mensch das persönliche Selbst. Es tritt das auf, was Goethe im Chorus mysticus mit den Worten ausgesprochen hat: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Was wir sehen, ist nur ein Bild einer ewigen Wesenheit. Wir selbst sind nur ein Bild einer ewigen Wesenheit. Wenn wir unser Sonderwesen aufgeben, dann haben wir das äußere Leben — und wir leben ja durch den Ätherkörper ein gesondertes Leben —, dann haben wir das äußere, gesonderte Leben überwunden, wir sind ein Teil des All-Lebens geworden.

[ 19 ] What, then, has happened? The spiritual world resounds within the human being, and as the spiritual world resounds within the human being, he overcomes an illusion—the very illusion in which, fundamentally speaking, all human beings are caught before reaching this stage of development. This is the illusion of the personal self. Human beings believe they are personalities, separate from the rest of the world. Even a moment’s reflection could teach them that they are not independent beings, even in the physical realm. Consider this: if the temperature in this room were two hundred degrees higher than it is now, none of us could survive here as we do now. As soon as conditions outside change, the conditions for our physical existence are no longer present. We are merely the continuation of the external world and are simply inconceivable as separate beings. This is even more the case in the soul and spiritual worlds. We see that the human being, understood as a self, is merely an illusion; that he is a member of the universal divine spirituality. Here the human being overcomes the personal self. What occurs is what Goethe expressed in the Chorus mysticus with the words: “All that is transitory is but a parable.” What we see is only an image of an eternal being. We ourselves are only an image of an eternal being. When we give up our separate existence—and we do, after all, live a separate life through the etheric body—then we have overcome the external, separate life; we have become a part of the universal life.

[ 20 ] Im Menschen tritt jetzt etwas auf, was wir die Buddhi genannt haben. Praktisch ist jetzt die Buddhi erreicht, als eine Entwickelungsstufe des Ätherkörpers, jenes Ätherkörpers, der nicht mehr ein Sonderdasein bewirkt, sondern eintritt in das All-Leben. Der Mensch, der dieses erreicht hat, ist auf der zweiten Stufe der Chelaschaft angelangt. Dann fallen von seiner Seele alle Skrupel und Zweifel ab, dann kann er nicht mehr ein abergläubischer Mensch sein, ebensowenig wie er ein zweifelnder Mensch sein kann. Dann braucht er sich nicht mehr die Wahrheit dadurch zu verschaffen, daß er seine Vorstellungen mit der äußeren Umwelt vergleicht, dann lebt er im Ton, im Wort der Dinge, dann tönt und klingt es aus dem Wesen heraus, was es ist. Da gibt es keinen Aberglauben, keinen Zweifel mehr. Das nennt man die Auslieferung des Schlüssels des Wissens an den Chela. Wenn er diese Stufe erlangt hat, dann tönt ein Wort von der geistigen Welt in diese hinein. Dann verkündigt sein Wort nicht mehr die Wiedergabe dessen, was in dieser Welt ist, sondern es ist sein Wort die Wiedergabe dessen, was aus einer anderen Welt stammt, die hereinwirkt in diese, die aber nicht mit unseren äußeren Sinnen angeschaut werden kann. Boten der Gottheit sind diese Worte.

[ 20 ] Something now arises within the human being that we have called the buddhi. In practical terms, the buddhi has now been attained as a stage of development of the etheric body—that etheric body which no longer creates a separate existence but enters into the universal life. The human being who has attained this has reached the second stage of discipleship. Then all scruples and doubts fall away from his soul; then he can no longer be a superstitious person, just as he can no longer be a doubting person. Then he no longer needs to ascertain the truth by comparing his ideas with the external environment; then he lives in the tone, in the word of things; then what it is resounds and rings out from the very essence of being. There is no more superstition, no more doubt. This is called the handing over of the key to knowledge to the chela. When he has attained this stage, a word from the spiritual world resounds into this one. Then his word no longer proclaims a reproduction of what is in this world, but his word is a reproduction of what originates from another world that works into this one, yet cannot be perceived by our external senses. These words are messengers of the Deity.

[ 21 ] Wenn diese Stufe überschritten ist, kommt eine neue. Es tritt dies ein, daß der Mensch Einfluß gewinnt auf das, was sein physischer Körper unmittelbar tut. Vorher hatte er nur auf den Ätherkörper Einfluß, jetzt aber auf den physischen Körper. Seine Handlungen müssen den physischen Körper in Bewegung versetzen. Was der Mensch tut, wird eingegliedert in das, was wir sein Karma nennen. Aber der Mensch arbeitet nicht bewußt daran; er weiß nicht, wie er durch seine Tat eine Wirkung nach sich zieht. Erst jetzt fängt der Mensch an, in bewußter Weise in der physischen Welt die Handlungen so zu vollführen, daß er bewußt an seinem Karma arbeitet. Da gewinnt er Einfluß auf das Karma durch das physische Handeln. Da tönt es nicht nur von den Dingen der Umwelt, sondern da ist er so weit, daß er die Namen aller Dinge auszusprechen in der Lage ist. So wie der Mensch in unserer Kulturstufe lebt, ist er nur in der Lage, einen einzigen Namen auszusprechen. Und das ist der Name, den er sich selbst gibt: Ich. Das ist der einzige Name, den der Mensch sich selbst geben kann. Wer sich tiefer darein versenkt, der kann zu tiefen Erkenntnissen kommen, von denen die Schulpsychologie nichts träumt. Ein Einziges ist es, zu dem nur Sie selbst den betreffenden Namen geben können. Kein anderer kann zu Ihnen Ich sagen, nur Sie selbst. Zu jedem anderen müssen Sie du sagen und jeder andere muß zu Ihnen du sagen. Es ist in jedem etwas, zu dem jeder nur selbst den Namen Ich sagen kann. Deshalb spricht die jüdische Geheimlehre auch vom unaussprechlichen Namen Gottes. Das ist etwas, was unmittelbar eine Ankündigung des Gottes in ihm ist. Verboten war es, diesen Namen unwürdig und unheilig auszusprechen. Daher die heilige Scheu, die Wichtigkeit und Wesentlichkeit, wenn der jüdische Geheimlehrer diesen Namen aussprach. Ich ist das einzige Wort, das Ihnen etwas sagt, was Ihnen niemals in der Außenwelt entgegentreten kann. So nun, wie der Durchschnittsmensch seinem Ich allein den Namen gibt, so gibt der Chela im dritten Grade allen Dingen der Welt Namen, die er aus der Intuition heraus hat. Das heißt, er ist aufgegangen in das Welten-Ich. Er spricht aus diesem Welten-Ich selbst heraus. Er darf den tiefinnersten Namen eines jeglichen Dinges zu diesem Dinge sagen, während der auf der Durchschnittsstufe stehende heutige Mensch nur Ich zu sich sagen kann. Wenn der Chela diese Stufe erlangt hat, dann nennt man ihn einen Schwan. Der Chela, der sich bis zu dem Namen aller Dinge erheben kann, wird Schwan genannt, weil er der Verkündiger aller Dinge ist.

[ 21 ] Once this stage has been passed, a new one begins. What happens is that the human being gains influence over what his physical body does directly. Previously, he had influence only over the etheric body, but now he has influence over the physical body. His actions must set the physical body in motion. What a person does becomes part of what we call their karma. But the person does not work on this consciously; they do not know how their actions bring about a consequence. Only now does the person begin to consciously perform actions in the physical world in such a way that they are consciously working on their karma. Thus he gains influence over karma through physical action. It is no longer merely the sounds of the surrounding world that resonate; rather, he has reached the point where he is able to utter the names of all things. As human beings live at our current stage of culture, they are only capable of uttering a single name. And that is the name they give themselves: I. That is the only name a human being can give to himself. Whoever delves deeper into this can arrive at profound insights that school psychology cannot even dream of. There is one thing to which only you yourself can give the relevant name. No one else can say “I” to you; only you yourself. To everyone else you must say “you,” and everyone else must say “you” to you. There is something within everyone to which only they themselves can say the name “I.” That is why Jewish esotericism also speaks of the unpronounceable name of God. This is something that is an immediate manifestation of God within them. It was forbidden to utter this name unworthily or unholily. Hence the sacred reverence, the importance, and the significance when the Jewish esoteric teacher uttered this name. “I” is the only word that tells you something that can never be encountered in the external world. Now, just as the average person gives the name “I” only to himself, so the chela of the third degree gives names to all things in the world, names he derives from intuition. That is to say, he has merged into the World-I. He speaks from this World-I itself. He may speak the innermost name of every thing to that thing, whereas the average person of today can only say “I” to himself. When the chela has attained this stage, he is called a swan. The chela who can rise to the name of all things is called a swan, because he is the herald of all things.

[ 22 ] Was über den dritten Grad hinausliegt, ist nicht mit gewöhnlichen Worten auszusprechen. Das erfordert die Kenntnis einer besonderen Schrift, die nur in den Geheimschulen gelehrt wird. Der folgende Grad ist der Grad des Verhüllten. Darüber hinaus liegen die Grade, welche die großen Eingeweihten haben, jene Eingeweihten, welche unserer Kultur zu allen Zeiten die großen Impulse gegeben haben. Chelas waren sie zuerst. Zuerst haben sie den Schlüssel des Wissens erlangt. Dann wurden sie hingeführt zu den Regionen, wo ihnen das Allgemeine und die Namen der Dinge erschlossen wurden. Dann erhoben sie sich zur Stufe des All. Dann konnten sie die tiefen Erlebnisse haben, durch welche sie geeignet waren, die großen Religionen der Welt zu stiften.

[ 22 ] What lies beyond the third degree cannot be expressed in ordinary words. It requires knowledge of a special scripture that is taught only in the secret schools. The next degree is the degree of the Veiled. Beyond that lie the degrees possessed by the great Initiates, those Initiates who have given our culture its great impulses throughout the ages. They were first chelas. First, they attained the key to knowledge. Then they were led to the regions where the General and the names of things were revealed to them. Then they rose to the level of the All. Then they were able to have the profound experiences through which they became qualified to found the great religions of the world.

[ 23 ] Aber nicht nur die großen Religionen, sondern überhaupt jeder große Impuls, alles, was wichtig ist in der Welt, ist von den großen Eingeweihten ausgegangen. Nur zwei Beispiele seien angeführt dafür, welcher Art der Einfluß der großen Eingeweihten, die die Schulung durchgemacht haben, auf die Welt ist.

[ 23 ] But it is not only the major religions; every great impulse, everything of significance in the world, has originated with the great Initiates. Let us cite just two examples to illustrate the nature of the influence that the great Initiates, who have undergone the training, have on the world.

[ 24 ] Versetzen wir uns zurück in die Alltäglichkeit jener Zeit, wo unter der Führung des Hermes die Schüler der Einweihungsschulen angeleitet worden sind. Diese Anleitung war zunächst ein gewöhnlicher, sogenannter esoterischer, wissenschaftlicher Unterricht. Nur mit ein paar Strichen kann ich Ihnen hinzeichnen, was ein solcher Unterricht enthielt. Es wurde da gezeigt, wie der Weltengeist heruntersteigt in die Körperwelt, sich verkörpert, und wie er in der Materie auflebt, wie er im Menschen dann seine höchste Stufe erreicht und seine Auferstehung feiert. Das hat besonders Paracelsus noch so schön ausgedrückt, indem er sagte: Was wir draußen treffen, diese einzelnen Wesen, sind die Buchstaben, und das Wort, das aus ihnen zusammengefügt ist, das ist der Mensch. - Wir haben alle menschlichen Tugenden oder Schwächen auf die Geschöpfe draußen abgeladen. Der Mensch aber ist der Zusammenfluß von alledem. Wie in dem Menschen ein Zusammenfluß des übrigen Makrokosmos als Mikrokosmos auflebt, das wurde in den Einzelheiten und mit ungeheurem Geistesreichtum als esoterischer Unterricht in den ägyptischen Einweihungsschulen gelehrt.

[ 24 ] Let us transport ourselves back to the everyday life of that time, when, under the guidance of Hermes, the students of the schools of initiation were being instructed. This instruction was initially a conventional, so-called esoteric, scientific course of study. I can only sketch out for you in a few strokes what such instruction entailed. It demonstrated how the world spirit descends into the physical world, incarnates, and comes to life in matter; how it then reaches its highest stage in the human being and celebrates its resurrection. Paracelsus, in particular, expressed this so beautifully when he said: What we encounter out there, these individual beings, are the letters, and the word formed from them is the human being. — We have projected all human virtues or weaknesses onto the creatures out there. But the human being is the confluence of all of this. How the confluence of the rest of the macrocosm comes to life in the human being as a microcosm was taught in detail and with immense spiritual richness as esoteric instruction in the Egyptian schools of initiation.

[ 25 ] Nach diesem Unterricht kam der hermetische Unterricht. Was ich gesagt habe, das kann man mit den Sinnen und mit dem Verstande begreifen. Was aber im hermetischen Unterricht geboten wurde, das kann man nur begreifen, wenn man den ersten Grad der Chelaschaft erreicht hat. Dann lernt man jene besondere Schrift kennen, welche nicht eine zufällige und willkürliche ist, sondern welche die großen Gesetze der geistigen Welt widergibt. Diese Schrift ist nicht wie die unsrige ein äußerliches Abbild, das willkürlich in einzelnen Buchstaben und Gliedern festgesetzt ist, sondern sie ist herausgeboren aus dem geistigen Naturgesetze selbst, weil der Mensch, der dieser Schrift kundig ist, im Besitze dieser Naturgesetze ist. So wird all sein Vorstellen im Seelen- und Astralraum selbst ein Gesetzmäßiges. Was er vorstellt, stellt er im Sinne dieser großen Schriftzeichen vor. Das kann er, wenn er sein Selbst aufgibt. Er fügt sich den urewigen Gesetzen. Jetzt hat er seinen hermetischen Unterricht hinter sich. Nunmehr wird er selbst zur ersten Stufe einer tieferen Initiation zugelassen. Jetzt soll er als nächste Stufe etwas in der Astralwelt, in der eigentlichen Seelenwelt erleben, was eine Bedeutung hat, die über die Weltenzyklen hinüberreicht. Nachdem er die Fähigkeit erlangt hat, daß die astralen Sinne voll wirken, so daß sie herunterwirken bis in den Ätherkörper, dann wird er drei Tage eingeführt in ein tiefes Geheimnis der astralen Welt. Dann erlebt er in der astralen Welt das, was ich Ihnen das letzte Mal als den Ursprung der Erde und des Menschen beschrieben habe. Dieses Heraussteigen des Geistes, dieses Auseinandertreten von Sonne und Mond und Erde und das Hervorgehen des Menschen, diese ganze Reihe von Erscheinungen, die erlebt er, die hat er vor sich. Und zu gleicher Zeit hat er sie so vor sich, daß sie ein Bild werden. Und dann tritt er heraus. Nachdem er dieses große Erlebnis in der Einweihungsschule hinter sich hat, tritt er unter das Volk und erzählt, was er in dieser seelischen und astralischen Welt erlebt hat. Und diese Erzählung lautet ungefähr so:

[ 25 ] After this teaching came the Hermetic teaching. What I have said can be understood with the senses and the intellect. But what was taught in the Hermetic teachings can only be understood once one has attained the first degree of discipleship. Then one becomes acquainted with that special script, which is not random or arbitrary, but which reflects the great laws of the spiritual world. This script is not, like ours, an external representation arbitrarily fixed in individual letters and characters, but is born of the spiritual laws of nature themselves, because the person who is knowledgeable of this script is in possession of these laws of nature. Thus, all his imagination in the soul and astral realms becomes itself a matter of law. What he imagines, he imagines in accordance with these great symbols. He can do this when he surrenders his ego. He submits to the eternal laws. Now he has completed his Hermetic instruction. Henceforth, he himself is admitted to the first stage of a deeper initiation. Now, as the next stage, he is to experience something in the astral world—in the actual world of the soul—that has a significance extending beyond the world cycles. After he has attained the ability for the astral senses to function fully, so that they extend down into the etheric body, he is then initiated for three days into a profound mystery of the astral world. Then he experiences in the astral world what I described to you last time as the origin of the Earth and of humanity. This emergence of the spirit, this separation of the Sun, Moon, and Earth, and the emergence of humanity—this entire series of phenomena—he experiences it; it is before him. And at the same time, he has it before him in such a way that it becomes a picture. And then he steps out. After he has gone through this great experience in the school of initiation, he goes out among the people and tells what he has experienced in this soul and astral world. And this account goes something like this:

[ 26 ] Einst war ein Götterpaar mit der Erde vereinigt, Osiris und Isis. Dieses Götterpaar sind die Regenten alles dessen, was auf der Erde geschieht. Aber Osiris wurde von dem Typhon verfolgt und zerstückelt, und die Isis mußte seinen Leichnam suchen. Sie brachte ihn nicht nach Hause, sondern es wurden an den verschiedenen Orten der Erde die Osirisgräber angelegt. Da ist er also ganz heruntergestiegen und in der Erde begraben. Da aber fiel auf Isis ein Strahl der geistigen Welt, der sie befruchtete zu dem neuen Horus durch unbefleckte Empfängnis.

[ 26 ] Once upon a time, a divine couple was united with the Earth: Osiris and Isis. This divine couple are the rulers of all that happens on Earth. But Osiris was pursued and dismembered by Typhon, and Isis had to search for his body. She did not bring him home, but instead the tombs of Osiris were established in various places on Earth. So he descended completely and was buried in the earth. But then a ray from the spiritual world fell upon Isis, which impregnated her with the new Horus through immaculate conception.

[ 27 ] Dieses Bild war nichts anderes als eine große Darstellung dessen, was wir soeben kennengelernt haben als das Hervortreten von Sonne und Mond, als das Auseinandergehen von Sonne und Mond und als das Aufgehen des Menschen. Isis ist das Sinnbild vom Mond, Horus bedeutet die Erdenmenschheit, die Erde selbst. Als die Menschheit noch nicht mit warmem Blute begabt war, als sie noch nicht umkleidet war mit dem physischen Körper, da hat die Menschheit in großen Bildern das empfunden, was in der seelischen Welt vorgeht. Vorbereitet war sie dazu, je im Beginne der lemurischen, der atlantischen und der arischen Entwickelung von den großen Eingeweihten, die großen Wahrheiten in solchen Bildern zu empfangen. Daher wurden diese Wahrheiten nicht einfach so hingestellt, sondern in dem Bilde von Osiris und Isis gegeben. Alle die großen Religionen, die wir im Altertum antreffen, sind von den großen Eingeweihten erlebt worden in dem seelischen Raum. Und heraus traten diese großen Eingeweihten und sprachen zu einem jeglichen Volk in der Art, wie es das Volk verstehen konnte, nämlich in Bildern, von dem, was sie selbst in den Einweihungsschulen erlebt haben. Das war im Altertum so. Nur dadurch, daß man in einer solchen Einweihungsschule war, konnte man zu dem höheren astralen Erlebnis hinaufsteigen.

[ 27 ] This image was nothing other than a grand depiction of what we have just come to know as the emergence of the sun and moon, as the parting of the sun and moon, and as the dawning of humanity. Isis is the symbol of the moon; Horus represents humanity on Earth, the Earth itself. When humanity was not yet endowed with warm blood, when it was not yet clothed in the physical body, humanity perceived in great images what was taking place in the soul world. It was prepared for this, at the beginning of the Lemurian, Atlantean, and Aryan periods of development, by the great Initiates to receive the great truths in such images. Therefore, these truths were not simply presented as they were, but were given in the image of Osiris and Isis. All the great religions we encounter in antiquity were experienced by the great initiates in the spiritual realm. And these great initiates stepped forth and spoke to each people in a way that the people could understand—namely, in images—of what they themselves had experienced in the schools of initiation. That was the case in antiquity. Only by being in such a school of initiation could one ascend to the higher astral experience.

[ 28 ] Mit dem Heraufkommen des Christentums ist das anders geworden. Es stellt einen bedeutsamen Einschnitt dar in der Entwickelung. Seit dem Erscheinen Christi war es möglich, daß man eingeweiht werden konnte als Natureingeweihter, wie man auch vom Naturdichter spricht. Es gibt christliche Mystiker, welche aus Gnade die Einweihung erhalten hatten. Der erste, welcher dazu berufen war, das Christentum herauszutragen in alle Welt unter der Einwirkung des Spruches: «Selig sind, die da glauben, auch wenn sie nicht sehen», das war Paulus. Die Erscheinung auf dem Wege nach Damaskus war eine Einweihung außerhalb der Mysterien. Auf weitere Einzelheiten kann ich hier nicht eingehen.

[ 28 ] With the advent of Christianity, this changed. It represents a significant turning point in human development. Since the coming of Christ, it has been possible to be initiated as a nature-initiate, as one might also speak of a nature poet. There are Christian mystics who received initiation by grace. The first to be called to carry Christianity out into the whole world under the influence of the saying, “Blessed are those who believe, even though they do not see,” was Paul. The vision on the road to Damascus was an initiation outside the mysteries. I cannot go into further details here.

[ 29 ] In allen großen Bewegungen und Kulturbegründungen gaben die großen Eingeweihten die Impulse. Aus dem Mittelalter ist uns ein schöner Mythus erhalten, der das zeigen sollte in einer Zeit, als man noch nicht materialistische Gründe verlangte. Das Epos ist in Bayern entstanden und hat daher das Kleid des Katholizismus angenommen. Was damals geschehen ist, wollen wir uns auf folgende Weise klarmachen. In Europa entstand damals die sogenannte Städtekultur, das moderne Bürgertum. Die Fortentwickelung der Menschheit, jeder Seele Vorschreiten zu einer nächsten Stufe hat der Mystiker aufgefaßt als das Aufrücken der Seele, des Weiblichen im Menschen. Der Mystiker sieht in der Seele etwas Weibliches, das von den niederen Sinneseindrücken der Natur und von den ewigen Wahrheiten befruchtet wird. In jedem geschichtlichen Prozeß sieht der Mystiker einen solchen Befruchtungsprozeß. Die großen Impulse für den Fortschritt der Menschheit werden für denjenigen, welcher tiefer hineinschaut in den Entwickelungsgang der Menschheit, der die geistigen Kräfte sieht, die hinter den physischen Erscheinungen stehen, diese tiefen Impulse werden von den großen Eingeweihten gegeben. So hat auch der mittelalterliche Weltanschauungsmensch den großen Eingeweihten zugeschrieben jenen Aufstieg der Seele zu höheren Stufen während des neuen Kulturabschnittes, der durch die Städte bewirkt worden ist. Diese Städteentwickelung wurde dadurch erreicht, daß die Seele einen Ruck vorwärts machte in der Geschichte. Ein Eingeweihter war es, welcher diesen Ruck bewirkte. Alle großen Impulse schrieb man der großen Loge der Eingeweihten, die den Heiligen Gral umgaben, zu. Von dort kamen die großen Eingeweihten, die für den äußeren Menschen nicht sichtbar sind. Und denjenigen, der dazumal die Städtekultur mit einem Impulse versehen hat, nannte man damals im Mittelalter Lohengrin. Das ist der Sendling des Heiligen Grals, der großen Loge. Und die Städteseele, das Weibliche, welches befruchtet werden soll durch die großen Eingeweihten, das ist angedeutet durch Elsa von Brabant. Derjenige, der vermitteln soll, ist der Schwan. Lohengrin wird durch den Schwan herübergebracht in diese physische Welt. Der Eingeweihte darf nicht um seinen Namen gefragt werden. Er gehört einer höheren Welt an. Der Chela, der Schwan, hat diesen Einfluß vermittelt.

[ 29 ] In all great movements and cultural foundations, the great initiates provided the impetus. A beautiful myth has been preserved from the Middle Ages that was intended to illustrate this at a time when materialistic explanations were not yet required. The epic originated in Bavaria and therefore took on the guise of Catholicism. Let us clarify what happened back then in the following way. At that time, the so-called urban culture, the modern bourgeoisie, emerged in Europe. The mystic understood the further development of humanity—the progression of every soul to the next stage—as the ascent of the soul, of the feminine within the human being. The mystic sees in the soul something feminine that is fertilized by the lower sensory impressions of nature and by eternal truths. In every historical process, the mystic sees such a process of fertilization. The great impulses for the progress of humanity are, for those who look more deeply into the course of human development, who see the spiritual forces behind physical phenomena, these deep impulses are given by the great initiates. Thus, the medieval thinker also attributed to the great Initiates that ascent of the soul to higher levels during the new cultural epoch, which was brought about by the cities. This urban development was achieved because the soul took a leap forward in history. It was an Initiate who brought about this leap. All great impulses were attributed to the Great Lodge of the Initiates surrounding the Holy Grail. From there came the great Initiates, who are invisible to the outer human being. And the one who, at that time, provided the urban culture with an impulse was called Lohengrin in the Middle Ages. He is the emissary of the Holy Grail, of the Great Lodge. And the city soul, the feminine principle that is to be fertilized by the great Initiates, is symbolized by Elsa of Brabant. The one who is to act as the mediator is the swan. Lohengrin is brought into this physical world by the swan. The initiate must not be asked for his name. He belongs to a higher world. The Chela, the swan, has mediated this influence.

[ 30 ] Nur andeuten habe ich können, daß der große Einschlag wieder symbolisiert wurde für das Volk in einem Mythos. So haben die großen Eingeweihten gewirkt und in ihre Lehren das, was sie zu verkündigen haben, hineingelegt. So wirkten auch die, welche die elementare Kultur der Menschheit begründet haben: Hermes in Ägypten, Krishna in Indien, Zarathustra in Persien, Moses im jüdischen Volk. Dann wirkten wieder Orpheus, Pythagoras und endlich derjenige, der der Eingeweihte der Eingeweihten ist, Jesus, der den Christus in sich getragen hat.

[ 30 ] I have been able only to hint that this great impact was once again symbolized for the people in a myth. This is how the great initiates worked, weaving what they had to proclaim into their teachings. So too did those who laid the foundations of humanity’s elemental culture: Hermes in Egypt, Krishna in India, Zarathustra in Persia, Moses among the Jewish people. Then came Orpheus, Pythagoras, and finally the one who is the Initiate of Initiates, Jesus, who bore the Christ within himself.

[ 31 ] Damit sind nur die Großen der Eingeweihten bezeichnet. Wie deren Zusammenhang mit der Welt ist, das haben wir in diesen Ausführungen zu charakterisieren versucht. Was damit geschildert worden ist, wird vielen Menschen noch fernliegen. Aber diejenigen, welche selbst in ihrer Seele etwas verspürt haben von den höheren Welten, haben immer hinaufgeschaut, nicht nur zu den geistigen Welten, sondern auch zu den Menschheitsführern. Nur unter diesem Gesichtspunkte waren sie imstande, so begeistert zu sprechen wie Goethe. Aber Sie finden auch bei anderen noch etwas von einem heiligen Funken, der hinleitet zu diesem Punkte, den uns die Geisteswissenschaft wiederbringen soll. Bei einem Deutschen werden Sie es finden, bei einem jungen verständigen deutschen Dichter und Denker, dessen Leben sich ausnimmt wie eine selige Erinnerung eines früheren Lebens eines großen Eingeweihten. Wer Novalis liest, wird etwas verspüren von dem Hauch, der in diese höhere Welt hineinführt. Es ist nicht so ausgesprochen wie gewöhnlich, aber es ist etwas in ihm, was auch die Zauberworte haben. Dashalb hat er das schöne Wort des Verhältnisses unseres Planeten zur Menschheit geschrieben, das für den Niederen, Unentwickelten, wie auch für den Eingeweihten gilt:

[ 31 ] This refers only to the great ones among the initiates. We have attempted to describe their relationship to the world in these remarks. What has been described here will still seem distant to many people. But those who have themselves sensed something of the higher worlds in their souls have always looked upward, not only toward the spiritual worlds but also toward the leaders of humanity. Only from this perspective were they able to speak with such enthusiasm as Goethe did. But you will also find in others a trace of a sacred spark that leads to this point, which spiritual science is meant to restore to us. You will find it in a German, in a young, discerning German poet and thinker, whose life appears like a blissful memory of a past life of a great initiate. Whoever reads Novalis will sense something of the breath that leads into this higher world. It is not as pronounced as usual, but there is something in him that the magic words also possess. That is why he wrote the beautiful words describing the relationship of our planet to humanity, which apply to the lower, undeveloped person as well as to the initiate:

[ 32 ] Die Menschheit ist der Sinn unseres Erdenplaneten, die Menschheit ist der Nerv, welcher diesen Erdenplaneten mit den oberen Welten verbindet, die Menschheit ist das Auge, wodurch dieser Erdenplanet den Blick hinaufrichtet in die Himmelreiche des Weltalls.

[ 32 ] Humanity is the purpose of our Earth; humanity is the nerve that connects this Earth to the higher worlds; humanity is the eye through which this Earth gazes upward into the heavenly realms of the universe.

Fragenbeantwortung

Questions and Answers

Frage: Warum hat Christus keine Schriften hinterlassen?

Question: Why didn't Christ leave any writings behind?

[ 33 ] Dr. Steiner: Das ist gerade der Grundunterschied zwischen ihm und den früheren Religionsstiftern. Christus sagt: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Die anderen Religionsstifter waren Weg und Wahrheit. Sie haben verkündigt das, was getan und geglaubt werden soll, wie das Moses zum Beispiel getan hat. Wenn wir die alten Religionsbekenntnisse studieren, dann werden wir in dem Inhalt keinen Unterschied finden zwischen dem Christentum als Lehre und den anderen großen Religionen. Wer das ägyptische Religionssystem in seiner Tiefe kennt, der findet alles, was im Christentum enthalten ist, auch da. Und so ist es mit allen Religionen. Dennoch ist das Christentum etwas völlig Neues, nicht als Lehre, sondern als Tatsache. Daher habe ich mein Buch genannt: «Das Christentum als mystische Tatsache.» Die Erscheinung Christi bedeutet etwas, was mit «selig» bezeichnet wird, von Seele durchdrungen. Jetzt sollen alle selig werden, welche im Glauben zusammenhängen mit dem Stifter. Christus steigt herab in das Tal und wird Mensch unter Menschen. Er lehrt nichts Neues, aber er lebt im unmittelbaren Dasein, in eigenster Persönlichkeit dasjenige, was die anderen gelehrt haben. Was die anderen gelehrt haben, war der Logos, die göttliche Wahrheit. Wenn Sie Buddha studieren, die erhabenen Lehren des Hermes durchdringen oder die Lehren der Veden, so haben Sie äußere Aussprüche des göttlichen Schöpferwortes. Der Logos ist da Lehre geworden.

[ 33 ] Dr. Steiner: That is precisely the fundamental difference between him and the earlier founders of religions. Christ says: “I am the way, the truth, and the life.” The other religious founders were the way and the truth. They proclaimed what should be done and believed, as Moses did, for example. If we study the ancient religious creeds, we will find no difference in content between Christianity as a doctrine and the other great religions. Anyone who knows the Egyptian religious system in depth will find everything contained in Christianity there as well. And so it is with all religions. Nevertheless, Christianity is something completely new, not as a doctrine, but as a fact. That is why I have titled my book: “Christianity as a Mystical Fact.” The appearance of Christ signifies something described as “blessed,” permeated by the soul. Now all who are united in faith with the Founder are to become blessed. Christ descends into the valley and becomes human among humans. He teaches nothing new, but he lives in immediate existence, in his very own personality, that which the others have taught. What the others taught was the Logos, the divine truth. When you study Buddha, delve into the sublime teachings of Hermes, or the teachings of the Vedas, you have external expressions of the divine creative word. The Logos has become doctrine there.