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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

11 January 1916, Liestal

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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
  1. Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL

Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und der Bau in Dornach

Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und der Bau in Dornach

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn ich am heutigen Abend versuchen werde, einiges vorzubringen über die sogenannte Geisteswissenschaft, wie sie behandelt werden soll in dem Ihnen ja bekannten Dornacher Bau, und über diesen Bau selber, so ist es keineswegs meine Absicht, irgendwie auch nur im Entferntesten Propaganda oder Stimmung zu machen für diese Geisteswissenschaft oder für diesen Bau. Jede Persönlichkeit, welche in den Kreis derer eintritt, welche sich für diese Geisteswissenschaft interessieren, tut dies aus ganz freiem Ermessen heraus. Und irgendwelche Propaganda, irgendwelche Stimmung anders zu machen als dadurch, dass wir an dem einen oder an dem anderen Orte sagen, was eigentlich der Inhalt unseres Strebens ist, das liegt uns ganz ferne.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn ich am heutigen Abend versuchen werde, einiges vorzubringen über die sogenannte Geisteswissenschaft, wie sie behandelt werden soll in dem Ihnen ja bekannten Dornacher Bau, und über diesen Bau selber, so ist es keineswegs meine Absicht, irgendwie auch nur im Entferntesten Propaganda oder Stimmung zu machen für diese Geisteswissenschaft oder für diesen Bau. Jede Persönlichkeit, welche in den Kreis derer eintritt, welche sich für diese Geisteswissenschaft interessieren, tut dies aus ganz freiem Ermessen heraus. Und irgendwelche Propaganda, irgendwelche Stimmung anders zu machen als dadurch, dass wir an dem einen oder an dem anderen Orte sagen, was eigentlich der Inhalt unseres Strebens ist, das liegt uns ganz ferne.

[ 2 ] Wenn ich bedachte, wie ich die Betrachtungen des heutigen Abends einrichten solle, so hatte ich vorzugsweise für diesmal im Auge, sehr verehrte Anwesende, gewisse Missverständnisse, von denen uns bekannt geworden ist, dass sie vorhanden sind, gewisse Missverständnisse, gewisse begreiflich irrtümliche Auffassungen unserer Sache zu besprechen. Lassen Sie uns beginnen mit demjenigen, wonach eine zunächst mehr oder weniger unbekannte Sache, wenn sie da oder dort auftritt, beurteilt wird. Zwar heißt es so schön im Goethe’schen «Faust» «Name ist Schall und Rauch». Und hingedeutet soll werden an dieser «Faust»-Stelle, dass man sich nach der Sache und nicht nach dem Namen richten soll. Aber es ist nur allzu verzeihlich, dass derjenige, der einer Sache noch wenig nahegetreten ist, in dem Namen irgendetwas sieht, woraus er die Sache charakterisieren will, woraus er die Sache verstehen will. Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft sind ja Namen, welche in dieser Gegend hier durch den Dornacher Bau bekannt geworden sind. Anthroposophie ist keineswegs irgendein neuer Name.

[ 2 ] Wenn ich bedachte, wie ich die Betrachtungen des heutigen Abends einrichten solle, so hatte ich vorzugsweise für diesmal im Auge, sehr verehrte Anwesende, gewisse Missverständnisse, von denen uns bekannt geworden ist, dass sie vorhanden sind, gewisse Missverständnisse, gewisse begreiflich irrtümliche Auffassungen unserer Sache zu besprechen. Lassen Sie uns beginnen mit demjenigen, wonach eine zunächst mehr oder weniger unbekannte Sache, wenn sie da oder dort auftritt, beurteilt wird. Zwar heißt es so schön im Goethe’schen «Faust» «Name ist Schall und Rauch». Und hingedeutet soll werden an dieser «Faust»-Stelle, dass man sich nach der Sache und nicht nach dem Namen richten soll. Aber es ist nur allzu verzeihlich, dass derjenige, der einer Sache noch wenig nahegetreten ist, in dem Namen irgendetwas sieht, woraus er die Sache charakterisieren will, woraus er die Sache verstehen will. Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft sind ja Namen, welche in dieser Gegend hier durch den Dornacher Bau bekannt geworden sind. Anthroposophie ist keineswegs irgendein neuer Name.

[ 3 ] Als es sich vor einer Anzahl von Jahren darum handelte, einen Namen zu geben dieser unserer Sache, da verfiel ich selbst auf einen Namen, der mir lieb geworden war deshalb, weil ein Philosophieprofessor, den ich in meiner Jugendzeit viel gehört habe, dessen Vorträge für mich gewissermaßen wichtig geworden sind, weil ein Philosophieprofessor Robert Zimmermann sein Hauptwerk «Anthroposophie» genannt hat. Das war schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts. Und der Name «Anthroposophie» führt weit zurück in der Literatur. Man brauchte ihn auch schon im achtzehnten Jahrhundert; ja er geht, in dem er von Einzelnen gebraucht worden ist, viel, viel weiter in der Geistesgeschichte zurück.

[ 3 ] Als es sich vor einer Anzahl von Jahren darum handelte, einen Namen zu geben dieser unserer Sache, da verfiel ich selbst auf einen Namen, der mir lieb geworden war deshalb, weil ein Philosophieprofessor, den ich in meiner Jugendzeit viel gehört habe, dessen Vorträge für mich gewissermaßen wichtig geworden sind, weil ein Philosophieprofessor Robert Zimmermann sein Hauptwerk «Anthroposophie» genannt hat. Das war schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts. Und der Name «Anthroposophie» führt weit zurück in der Literatur. Man brauchte ihn auch schon im achtzehnten Jahrhundert; ja er geht, in dem er von Einzelnen gebraucht worden ist, viel, viel weiter in der Geistesgeschichte zurück.

[ 4 ] Was meint eigentlich der Name? Da muss man natürlich zunächst fragen: Was meinen diejenigen, die den Namen einer Sache gegeben haben. Man kann nämlich niemals mit einem Namen, der da aus ganz anderer Verbindung heraus sich entwickelt, als sei es eine neue Sache, man kann niemals mit einem Namen ganz genau eine Sache bezeichnen. Daher kann auch nicht in dem Namen enthalten sein alles, was die betreffende Sache irgendwie charakterisiert; ich möchte zunächst sagen, was der Name eigentlich im gewöhnlichen Sinne des Wortes auf jeden Fall nicht, wenigstens nicht allein bedeuten soll: Der Name soll nicht bedeuten «Wissen vom Menschen». Das ist die ausdrückliche Absicht derjenigen, die den Namen gegeben haben, dass er nicht bedeuten soll «Wissen vom Menschen», sondern der Name ist in einer anderen Absicht gegeben. Durch dasjenige, was ich im weiteren Verlaufe des Abends Ihnen werde mitzuteilen haben, wird klar werden, dass das Wissen, das gesucht wird innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Gesellschaft, dass dieses Wissen nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der zunächst äußerlich uns entgegentritt, nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der seine Sinne braucht, der seinen Verstand braucht, der an das Gehirn gebunden ist und den er im gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft unmittelbar anwendet, sondern innerhalb dieses, sagen wir Sinnesmenschen liegt ein Geistesmensch, ein innerer Mensch, gewissermaßen ein zweiter Mensch. Sogar Schiller hat von einem zweiten Menschen im Menschen gesprochen, von einem, zu dem man sich entwickeln kann, den man in sich auferwecken kann.

[ 4 ] Was meint eigentlich der Name? Da muss man natürlich zunächst fragen: Was meinen diejenigen, die den Namen einer Sache gegeben haben. Man kann nämlich niemals mit einem Namen, der da aus ganz anderer Verbindung heraus sich entwickelt, als sei es eine neue Sache, man kann niemals mit einem Namen ganz genau eine Sache bezeichnen. Daher kann auch nicht in dem Namen enthalten sein alles, was die betreffende Sache irgendwie charakterisiert; ich möchte zunächst sagen, was der Name eigentlich im gewöhnlichen Sinne des Wortes auf jeden Fall nicht, wenigstens nicht allein bedeuten soll: Der Name soll nicht bedeuten «Wissen vom Menschen». Das ist die ausdrückliche Absicht derjenigen, die den Namen gegeben haben, dass er nicht bedeuten soll «Wissen vom Menschen», sondern der Name ist in einer anderen Absicht gegeben. Durch dasjenige, was ich im weiteren Verlaufe des Abends Ihnen werde mitzuteilen haben, wird klar werden, dass das Wissen, das gesucht wird innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Gesellschaft, dass dieses Wissen nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der zunächst äußerlich uns entgegentritt, nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der seine Sinne braucht, der seinen Verstand braucht, der an das Gehirn gebunden ist und den er im gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft unmittelbar anwendet, sondern innerhalb dieses, sagen wir Sinnesmenschen liegt ein Geistesmensch, ein innerer Mensch, gewissermaßen ein zweiter Mensch. Sogar Schiller hat von einem zweiten Menschen im Menschen gesprochen, von einem, zu dem man sich entwickeln kann, den man in sich auferwecken kann.

[ 5 ] Während nun dasjenige, was man über den Menschen, der uns für die Sinne entgegentritt, während man das, was man über diesen Menschen wissen kann, oder vielmehr besser gesagt, was dieser Mensch über sich selber wissen kann, während man das «Anthropologie» gewöhnlich nennt, soll dasjenige, was der innere Mensch in uns wissen kann, dieser zweite Mensch, der sich derjenigen Werkzeuge bedient, von denen ich nachher sprechen werde, das soll «Anthroposophie» genannt werden. Also dasjenige, was der eigentliche, der Geistesmensch in uns wissen kann, das soll Anthroposophie genannt werden. Anthroposophie ist also das Wissen des Geistesmenschen, und es erstreckt sich dieses Wissen des Geistesmenschen nicht etwa bloß über den Menschen. Es ist nicht bloß ein Wissen vom Menschen, sondern es ist ein Wissen von der ganzen Welt, nämlich ein Wissen von allem, was in der geistigen Welt der Geistesmensch so wahrnehmen kann, wie der Sinnesmensch in der Welt das Sinnliche wirklich wahrnimmt. Also hingedeutet ist darauf in diesem Namen «Anthroposophie», dass gewissermaßen ein anderer Mensch als der äußere Mensch weiß. Und weil dieser andere Mensch, dieser innere Mensch, der Geistesmensch ist, so kann man dasjenige, was er als Wissen erlangt, auch «Geisteswissenschaft» nennen. Und der Name Geisteswissenschaft ist noch weniger neu als der Name Anthroposophie. Er ist nämlich gar nicht einmal selten, und es wäre ein völliges Missverstehen, wenn irgendjemand glauben würde, dass etwa ich oder irgendjemand uns Nahestehendes den Namen Anthroposophie geprägt hätte. Geisteswissenschaft wird überall da gebraucht, wo man glaubt, ein Wissen erlangen zu können, das nicht Naturwissen bloß ist, sondern Wissen von etwas Geistigem. Und zahlreiche unserer Zeitgenossen nennen die Geschichte eine Geisteswissenschaft, nennen die Soziologie, die National-Ökonomie, die Ästhetik, die Religionsphilosophie: Geisteswissenschaften. Wenn wir den Namen nun gebrauchen, so geschieht dieses nur in einem etwas anderen Sinne. Aber geprägt ist der Name keineswegs von uns. Es geschieht in dem Sinne, dass wir den Geist als etwas Wirkliches, als etwas Reales auffassen, während diejenigen, die heute zumeist sprechen von der Geschichte, von der National-Ökonomie als Geisteswissenschaften, die meinen, dass der Geist nur in abstrakten Ideen besteht. Wir sprechen von dem Geiste nicht als von abstrakten Ideen, sondern - wie wir gleich sehen werden - als von etwas viel Wirklicherem als die äußere Sinneswelt.

[ 5 ] Während nun dasjenige, was man über den Menschen, der uns für die Sinne entgegentritt, während man das, was man über diesen Menschen wissen kann, oder vielmehr besser gesagt, was dieser Mensch über sich selber wissen kann, während man das «Anthropologie» gewöhnlich nennt, soll dasjenige, was der innere Mensch in uns wissen kann, dieser zweite Mensch, der sich derjenigen Werkzeuge bedient, von denen ich nachher sprechen werde, das soll «Anthroposophie» genannt werden. Also dasjenige, was der eigentliche, der Geistesmensch in uns wissen kann, das soll Anthroposophie genannt werden. Anthroposophie ist also das Wissen des Geistesmenschen, und es erstreckt sich dieses Wissen des Geistesmenschen nicht etwa bloß über den Menschen. Es ist nicht bloß ein Wissen vom Menschen, sondern es ist ein Wissen von der ganzen Welt, nämlich ein Wissen von allem, was in der geistigen Welt der Geistesmensch so wahrnehmen kann, wie der Sinnesmensch in der Welt das Sinnliche wirklich wahrnimmt. Also hingedeutet ist darauf in diesem Namen «Anthroposophie», dass gewissermaßen ein anderer Mensch als der äußere Mensch weiß. Und weil dieser andere Mensch, dieser innere Mensch, der Geistesmensch ist, so kann man dasjenige, was er als Wissen erlangt, auch «Geisteswissenschaft» nennen. Und der Name Geisteswissenschaft ist noch weniger neu als der Name Anthroposophie. Er ist nämlich gar nicht einmal selten, und es wäre ein völliges Missverstehen, wenn irgendjemand glauben würde, dass etwa ich oder irgendjemand uns Nahestehendes den Namen Anthroposophie geprägt hätte. Geisteswissenschaft wird überall da gebraucht, wo man glaubt, ein Wissen erlangen zu können, das nicht Naturwissen bloß ist, sondern Wissen von etwas Geistigem. Und zahlreiche unserer Zeitgenossen nennen die Geschichte eine Geisteswissenschaft, nennen die Soziologie, die National-Ökonomie, die Ästhetik, die Religionsphilosophie: Geisteswissenschaften. Wenn wir den Namen nun gebrauchen, so geschieht dieses nur in einem etwas anderen Sinne. Aber geprägt ist der Name keineswegs von uns. Es geschieht in dem Sinne, dass wir den Geist als etwas Wirkliches, als etwas Reales auffassen, während diejenigen, die heute zumeist sprechen von der Geschichte, von der National-Ökonomie als Geisteswissenschaften, die meinen, dass der Geist nur in abstrakten Ideen besteht. Wir sprechen von dem Geiste nicht als von abstrakten Ideen, sondern - wie wir gleich sehen werden - als von etwas viel Wirklicherem als die äußere Sinneswelt.

[ 6 ] Nun muss ich, weil auch dies leicht in missverständlicher Weise aufgefasst werden könnte, auch ein wenig eingehen auf die ganze Entwicklung unserer Anthroposophischen Gesellschaft. Es wird zum Beispiel gesagt, dass unsere Anthroposophische Gesellschaft nur eine Art von Entwicklung wäre aus dem, was man die «Theosophische Gesellschaft» nennt. Obzwar dasjenige, was wir innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft treiben, eine Zeit lang innerhalb der allgemeinen Theosophischen Gesellschaft gewirkt hat, darf keineswegs unsere Anthroposophische Gesellschaft mit der Theosophischen Gesellschaft ohne Weiteres verwechselt werden. Und damit dies nicht geschähe, muss ich einiges, was nur anscheinend persönlich ist, vorbringen über die allmähliche Entstehung desjenigen, was wir jetzt Anthroposophische Gesellschaft nennen.

[ 6 ] Nun muss ich, weil auch dies leicht in missverständlicher Weise aufgefasst werden könnte, auch ein wenig eingehen auf die ganze Entwicklung unserer Anthroposophischen Gesellschaft. Es wird zum Beispiel gesagt, dass unsere Anthroposophische Gesellschaft nur eine Art von Entwicklung wäre aus dem, was man die «Theosophische Gesellschaft» nennt. Obzwar dasjenige, was wir innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft treiben, eine Zeit lang innerhalb der allgemeinen Theosophischen Gesellschaft gewirkt hat, darf keineswegs unsere Anthroposophische Gesellschaft mit der Theosophischen Gesellschaft ohne Weiteres verwechselt werden. Und damit dies nicht geschähe, muss ich einiges, was nur anscheinend persönlich ist, vorbringen über die allmähliche Entstehung desjenigen, was wir jetzt Anthroposophische Gesellschaft nennen.

[ 7 ] Es war jetzt schon vor vielen Jahren, da wurde ich von einem kleinen Kreise aufgefordert, gewisse geisteswissenschaftliche Vorträge zu halten. Diese geisteswissenschaftlichen Vorträge wurden dann später gedruckt in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zu der naturwissenschaftlichen Weltanschauung». Bis dahin hatte ich, ich möchte sagen in einem einsamen Denkerwege versucht, eine Weltanschauung aufzubauen, die auf der einen Seite voll mit den großen, mit den bedeutsamen Errungenschaften der Naturwissenschaft rechnet, und die auf der anderen Seite sich erheben wollten zum Einblick in die geistigen Welten. Ich muss ausdrücklich betonen, dass, als ich dazumal aufgefordert worden bin, über dieses geisteswissenschaftliche Thema, das ich eben angegeben habe, in einem kleineren Kreise Deutschlands zu sprechen, dass ich dazumal nichts, aber auch gar nichts, nicht einen Teil von einer Schriftstellerin Blavatsky oder Annie Besant gelesen habe. Wenn ich in diese Bücher hineingeschaut hatte, so war es so, dass sie mir eigentlich gar nicht lagen. Ich hatte rein aus dem heraus, was ich gefunden hatte, versucht, einige Gesichtspunkte über die geistigen Welten dazumal anzugeben. Diese Vorträge wurden gedruckt, und sie wurden schr bald ins Englische übersetzt, ins Englische übersetzt von einem Mitglied der dazumal besonders in England blühenden Theosophical Society. Und von jener Seite wurde mir dazumal nahegelegt, in die Theosophical Society einzutreten. Niemals habe ich eine andere Idee gehabt, als, wenn mir ein Arbeitsfeld, ein Wirkungsfeld geboten wird innerhalb der Theosophical Society, etwas anderes vorzubringen als dasjenige, was auf Grundlage einer eigenen, selbstständigen Forschungsmethode aufgebaut war. Sodass zu sagen ist, dass dasjenige, was jetzt Inhalt der Anthroposophischen Weltanschauung ist, was lebt innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft, dazumal nicht genommen worden ist von der Theosophical Society, sondern als etwas ganz Selbstständiges hineingetragen wurde, und als etwas Selbstständiges solange drinnen wirkte, als man dort es nicht ketzerisch fand, [häretisch] fand. Niemals war die Weltanschauung irgendwie abgeleitet, hergeleitet von demjenigen, was die andere Theosophische Gesellschaft bot, sondern sie war ein selbstständiges Glied dabei. Und dasjenige, was sie war als cin selbstständiges Glied, das entwickelte sich dann weiter, wurde immer weiter und weiter ausgebaut, und es war ein vollständiges Nebenereignis, dass eines Tages die Leiterin der Theosophical Society fand - nun, dass es mit ihren Anschauungen nicht ginge, was zum Beispiel von mir vertreten wurde, und dass sie uns den Stuhl vor die Türe setzte.

[ 7 ] Es war jetzt schon vor vielen Jahren, da wurde ich von einem kleinen Kreise aufgefordert, gewisse geisteswissenschaftliche Vorträge zu halten. Diese geisteswissenschaftlichen Vorträge wurden dann später gedruckt in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zu der naturwissenschaftlichen Weltanschauung». Bis dahin hatte ich, ich möchte sagen in einem einsamen Denkerwege versucht, eine Weltanschauung aufzubauen, die auf der einen Seite voll mit den großen, mit den bedeutsamen Errungenschaften der Naturwissenschaft rechnet, und die auf der anderen Seite sich erheben wollten zum Einblick in die geistigen Welten. Ich muss ausdrücklich betonen, dass, als ich dazumal aufgefordert worden bin, über dieses geisteswissenschaftliche Thema, das ich eben angegeben habe, in einem kleineren Kreise Deutschlands zu sprechen, dass ich dazumal nichts, aber auch gar nichts, nicht einen Teil von einer Schriftstellerin Blavatsky oder Annie Besant gelesen habe. Wenn ich in diese Bücher hineingeschaut hatte, so war es so, dass sie mir eigentlich gar nicht lagen. Ich hatte rein aus dem heraus, was ich gefunden hatte, versucht, einige Gesichtspunkte über die geistigen Welten dazumal anzugeben. Diese Vorträge wurden gedruckt, und sie wurden schr bald ins Englische übersetzt, ins Englische übersetzt von einem Mitglied der dazumal besonders in England blühenden Theosophical Society. Und von jener Seite wurde mir dazumal nahegelegt, in die Theosophical Society einzutreten. Niemals habe ich eine andere Idee gehabt, als, wenn mir ein Arbeitsfeld, ein Wirkungsfeld geboten wird innerhalb der Theosophical Society, etwas anderes vorzubringen als dasjenige, was auf Grundlage einer eigenen, selbstständigen Forschungsmethode aufgebaut war. Sodass zu sagen ist, dass dasjenige, was jetzt Inhalt der Anthroposophischen Weltanschauung ist, was lebt innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft, dazumal nicht genommen worden ist von der Theosophical Society, sondern als etwas ganz Selbstständiges hineingetragen wurde, und als etwas Selbstständiges solange drinnen wirkte, als man dort es nicht ketzerisch fand, [häretisch] fand. Niemals war die Weltanschauung irgendwie abgeleitet, hergeleitet von demjenigen, was die andere Theosophische Gesellschaft bot, sondern sie war ein selbstständiges Glied dabei. Und dasjenige, was sie war als cin selbstständiges Glied, das entwickelte sich dann weiter, wurde immer weiter und weiter ausgebaut, und es war ein vollständiges Nebenereignis, dass eines Tages die Leiterin der Theosophical Society fand - nun, dass es mit ihren Anschauungen nicht ginge, was zum Beispiel von mir vertreten wurde, und dass sie uns den Stuhl vor die Türe setzte.

[ 8 ] So wäre es eine vollständig irrtümliche Auffassung, wenn man dasjenige, was in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, in irgendeiner Weise herleiten würde oder in einen inneren organischen Zusammenhang brächte mit demjenigen, was von Blavatsky und Besant vertreten wird. Blavatsky hat allerdings in ihren Büchern bedeutsame Wahrheiten über die geistige Welt vorgebracht, allein vermischt mit so viel Irrtum, mit so viel Unheil, dass es nur demjenigen, der genau eingedrungen ist in diese Dinge, gelingt, das wenige Bedeutungsvolle in diesen Büchern, das wie zu einem Chaos vermischt mit dem Unheil und Unrecht ist, zu sondern. Daher muss unsere Anthroposophische Bewegung den Anspruch machen, als etwas völlig Selbstständiges aufgefasst zu werden, das soll nicht aus Unbescheidenheit vorgebracht werden, sondern nur um die Tatsache objektiv richtigzustellen.

[ 8 ] So wäre es eine vollständig irrtümliche Auffassung, wenn man dasjenige, was in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, in irgendeiner Weise herleiten würde oder in einen inneren organischen Zusammenhang brächte mit demjenigen, was von Blavatsky und Besant vertreten wird. Blavatsky hat allerdings in ihren Büchern bedeutsame Wahrheiten über die geistige Welt vorgebracht, allein vermischt mit so viel Irrtum, mit so viel Unheil, dass es nur demjenigen, der genau eingedrungen ist in diese Dinge, gelingt, das wenige Bedeutungsvolle in diesen Büchern, das wie zu einem Chaos vermischt mit dem Unheil und Unrecht ist, zu sondern. Daher muss unsere Anthroposophische Bewegung den Anspruch machen, als etwas völlig Selbstständiges aufgefasst zu werden, das soll nicht aus Unbescheidenheit vorgebracht werden, sondern nur um die Tatsache objektiv richtigzustellen.

[ 9 ] Dann kam die Zeit, in welcher es nötig wurde, dasjenige, was unsere Geisteswissenschaft, unsere Anthroposophie gab durch Lehren, das auch zu verkörpern, in einer künstlerisch-dramatischen Art zu verkörpern. Wir fingen damit an im Jahre 1909 in München. Von da ab haben wir dann bis zum Jahre 1913 jedes Jahr in dramatischen Darstellungen in München versucht, auch in Gestalten, in einem dramatischen Gang vor die Seele hinzustellen dasjenige, wovon wir nach unseren Forschungen annehmen müssen, dass es als geistige Kräfte, als geistige Wesenheiten, als geistige Impulse in der Welt lebt. Diese dramatischen Vorführungen, diese künstlerischen Darbietungen wurden zunächst eben in einem gewöhnlichen Theater gegeben. Allein bald stellte sich heraus, dass ein gewöhnliches Theater nicht die richtige Umrahmung sein kann für dasjenige, was da in einer gewissen Weise neu in die geistige Entwicklung der Menschheit eintreten sollte. Und es stellte sich einfach die Notwendigkeit heraus, für solche Aufführungen, überhaupt für den ganzen Betrieb unserer Geisteswissenschaft und geisteswissenschaftlichen Kunst ein eigenes Gebäude zu haben, ein Gebäude, das in seinem Baustil ein Ausdruck ist für dasjenige, was geistig gewollt wird. Zuerst wurde gemeint, dass es gut wäre, einen solchen Bau in München aufzuführen, als das dann sich als unmöglich oder wenigstens als außerordentlich erschwert erwies, hatten wir dadurch die Möglichkeit, diesen Bau hierher zu tragen, in diese Gegend, nach dem wunderschönen Dornacher Hügel, wo uns ein größeres Stück Boden angeboten wurde von einem lieben schweizerischen Freund, der diesen Boden zur Verfügung hatte, und der unserer Sache zugetan ist. So hat sich auf eine ganz natürliche Weise ergeben aus einer Sache, die in die Welt hereingetreten ist, diejenige Umrahmung, die dieser Sache geboten werden sollte. Und so hat sich auch durch ganz leicht begreifliche Umstände ergeben, dass dieser Bau gerade hier am Nordwestende der Schweiz aufgerichtet worden ist.

[ 9 ] Dann kam die Zeit, in welcher es nötig wurde, dasjenige, was unsere Geisteswissenschaft, unsere Anthroposophie gab durch Lehren, das auch zu verkörpern, in einer künstlerisch-dramatischen Art zu verkörpern. Wir fingen damit an im Jahre 1909 in München. Von da ab haben wir dann bis zum Jahre 1913 jedes Jahr in dramatischen Darstellungen in München versucht, auch in Gestalten, in einem dramatischen Gang vor die Seele hinzustellen dasjenige, wovon wir nach unseren Forschungen annehmen müssen, dass es als geistige Kräfte, als geistige Wesenheiten, als geistige Impulse in der Welt lebt. Diese dramatischen Vorführungen, diese künstlerischen Darbietungen wurden zunächst eben in einem gewöhnlichen Theater gegeben. Allein bald stellte sich heraus, dass ein gewöhnliches Theater nicht die richtige Umrahmung sein kann für dasjenige, was da in einer gewissen Weise neu in die geistige Entwicklung der Menschheit eintreten sollte. Und es stellte sich einfach die Notwendigkeit heraus, für solche Aufführungen, überhaupt für den ganzen Betrieb unserer Geisteswissenschaft und geisteswissenschaftlichen Kunst ein eigenes Gebäude zu haben, ein Gebäude, das in seinem Baustil ein Ausdruck ist für dasjenige, was geistig gewollt wird. Zuerst wurde gemeint, dass es gut wäre, einen solchen Bau in München aufzuführen, als das dann sich als unmöglich oder wenigstens als außerordentlich erschwert erwies, hatten wir dadurch die Möglichkeit, diesen Bau hierher zu tragen, in diese Gegend, nach dem wunderschönen Dornacher Hügel, wo uns ein größeres Stück Boden angeboten wurde von einem lieben schweizerischen Freund, der diesen Boden zur Verfügung hatte, und der unserer Sache zugetan ist. So hat sich auf eine ganz natürliche Weise ergeben aus einer Sache, die in die Welt hereingetreten ist, diejenige Umrahmung, die dieser Sache geboten werden sollte. Und so hat sich auch durch ganz leicht begreifliche Umstände ergeben, dass dieser Bau gerade hier am Nordwestende der Schweiz aufgerichtet worden ist.

[ 10 ] Und nun, sehr verehrte Anwesende, möchte ich, bevor ich ein Weiteres über den Dornacher Bau sage, möchte ich, wenn das auch nur sein kann mit ganz wenigen Worten, eingehen auf die Aufgabe der Geisteswissenschaft selber. Man kann es ja wirklich begreiflich finden, dass etwas, und so etwas ist es doch, wie diese Geisteswissenschaft, wie diese Anthroposophie, dass etwas, was als Neues eintritt in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass das zunächst missverstanden wird. Wirklich, man darf es glauben, dass derjenige, der fest darinnensteht in dieser Geisteswissenschaft, es vollständig begreiflich findet, dass viele Missverständnisse ihr entgegengebracht werden. Und derjenige, der den Gang der Geistesentwicklung der Menschheit kennt, wird sich nie wundern über solche Missverständnisse, die entgegengebracht werden. Man soll also gar nicht glauben, dass derjenige, der selbst Geisteswissenschafter ist, sich irgendwie wundert, wenn ihm gesagt wird, das, was er triebe, das ist eine eitle Phantasterei, das ist eine Träumerei oder vielleicht Schlimmeres. So wurden in der Regel immer diejenigen Dinge aufgefasst, die in einer ähnlichen Art in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten sind wie diese Geisteswissenschaft. Und außerdem kann es sehr leicht scheinen, als ob diese Geisteswissenschaft Ähnlichkeit hätte mit gewissen Dingen, welche im Laufe der [Kulturentwicklung] der [Menschheit] aufgetreten sind, und von denen man sagen kann, dass sie in der Gegenwart vielleicht keinen besonders guten Klang haben.

[ 10 ] Und nun, sehr verehrte Anwesende, möchte ich, bevor ich ein Weiteres über den Dornacher Bau sage, möchte ich, wenn das auch nur sein kann mit ganz wenigen Worten, eingehen auf die Aufgabe der Geisteswissenschaft selber. Man kann es ja wirklich begreiflich finden, dass etwas, und so etwas ist es doch, wie diese Geisteswissenschaft, wie diese Anthroposophie, dass etwas, was als Neues eintritt in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass das zunächst missverstanden wird. Wirklich, man darf es glauben, dass derjenige, der fest darinnensteht in dieser Geisteswissenschaft, es vollständig begreiflich findet, dass viele Missverständnisse ihr entgegengebracht werden. Und derjenige, der den Gang der Geistesentwicklung der Menschheit kennt, wird sich nie wundern über solche Missverständnisse, die entgegengebracht werden. Man soll also gar nicht glauben, dass derjenige, der selbst Geisteswissenschafter ist, sich irgendwie wundert, wenn ihm gesagt wird, das, was er triebe, das ist eine eitle Phantasterei, das ist eine Träumerei oder vielleicht Schlimmeres. So wurden in der Regel immer diejenigen Dinge aufgefasst, die in einer ähnlichen Art in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten sind wie diese Geisteswissenschaft. Und außerdem kann es sehr leicht scheinen, als ob diese Geisteswissenschaft Ähnlichkeit hätte mit gewissen Dingen, welche im Laufe der [Kulturentwicklung] der [Menschheit] aufgetreten sind, und von denen man sagen kann, dass sie in der Gegenwart vielleicht keinen besonders guten Klang haben.

[ 11 ] Sehen Sie, so könnte man sagen, wenn man das, was Geisteswissenschaft, was Anthroposophie wollen, wenn man das äußerlich anschaut, wenn man sich nicht genau darauf einlässt, sondern es äußerlich anschaut, so könnte man finden, dass es so eine entfernte Ähnlichkeit habe mit dem, was gewisse Bekenner einer Weltanschauung in den ersten christlichen Jahrhunderten pflegten, die Gnostiker. Derjenige aber, der nach und nach kennenlernt, was diese unsere Geisteswissenschaft ist, der wird finden, dass unsere Geisteswissenschaft nicht mehr Ähnlichkeit hat mit den Gnostikern, als die Naturwissenschaft der Gegenwart Ähnlichkeit hat zum Beispiel mit der Naturwissenschaft aus dem achten oder sechsten Jahrhundert. Man kann ja allerdings zwischen allen Dingen Ähnlichkeiten finden, wenn man nur genügend viel von dem Unterscheidenden weglässt. Wenn man zum Beispiel sagt: Nun diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, die will auf eine geistige Art die Welt erkennen. Die Gnostiker wollten auch auf eine geistige Art die Welt erkennen. Folglich ist das dasselbe Ding. Genau dasselbe kann man sagen von unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft, die so große, gewaltige Fortschritte gemacht hat: Sie sucht die Geheimnisse der Natur zu ergründen; das suchten auch die Alchemisten, die Quacksalber des Mittelalters. Also ist im Grunde genommen kein besonderer Unterschied, sondern es ist die neuere Naturwissenschaft nur ein neuer Name für dasjenige, was dazumal im Mittelalter getrieben worden ist.

[ 11 ] Sehen Sie, so könnte man sagen, wenn man das, was Geisteswissenschaft, was Anthroposophie wollen, wenn man das äußerlich anschaut, wenn man sich nicht genau darauf einlässt, sondern es äußerlich anschaut, so könnte man finden, dass es so eine entfernte Ähnlichkeit habe mit dem, was gewisse Bekenner einer Weltanschauung in den ersten christlichen Jahrhunderten pflegten, die Gnostiker. Derjenige aber, der nach und nach kennenlernt, was diese unsere Geisteswissenschaft ist, der wird finden, dass unsere Geisteswissenschaft nicht mehr Ähnlichkeit hat mit den Gnostikern, als die Naturwissenschaft der Gegenwart Ähnlichkeit hat zum Beispiel mit der Naturwissenschaft aus dem achten oder sechsten Jahrhundert. Man kann ja allerdings zwischen allen Dingen Ähnlichkeiten finden, wenn man nur genügend viel von dem Unterscheidenden weglässt. Wenn man zum Beispiel sagt: Nun diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, die will auf eine geistige Art die Welt erkennen. Die Gnostiker wollten auch auf eine geistige Art die Welt erkennen. Folglich ist das dasselbe Ding. Genau dasselbe kann man sagen von unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft, die so große, gewaltige Fortschritte gemacht hat: Sie sucht die Geheimnisse der Natur zu ergründen; das suchten auch die Alchemisten, die Quacksalber des Mittelalters. Also ist im Grunde genommen kein besonderer Unterschied, sondern es ist die neuere Naturwissenschaft nur ein neuer Name für dasjenige, was dazumal im Mittelalter getrieben worden ist.

[ 12 ] In ähnlicher Weise könnte man verwechseln mit dem, was dann, sagen wir als Alchemie, als Magie im Mittelalter getrieben worden ist, unsere Geisteswissenschaft. Das alles beruht aber auf einem vollständigen Verkennen, auf einem vollständigen Missverständnis dessen, was diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, eigentlich will, was sie für eine Aufgabe hat. Wenn man einsehen will, was diese Geisteswissenschaft für eine Aufgabe hat, dann muss man zunächst hinschauen darauf, wie sich seit drei bis vier Jahrhunderten die neuere naturwissenschaftliche Denkungsweise aus einer ganz anderen Denkungsweise heraus eigentlich erst entwickelt hat.

[ 12 ] In ähnlicher Weise könnte man verwechseln mit dem, was dann, sagen wir als Alchemie, als Magie im Mittelalter getrieben worden ist, unsere Geisteswissenschaft. Das alles beruht aber auf einem vollständigen Verkennen, auf einem vollständigen Missverständnis dessen, was diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, eigentlich will, was sie für eine Aufgabe hat. Wenn man einsehen will, was diese Geisteswissenschaft für eine Aufgabe hat, dann muss man zunächst hinschauen darauf, wie sich seit drei bis vier Jahrhunderten die neuere naturwissenschaftliche Denkungsweise aus einer ganz anderen Denkungsweise heraus eigentlich erst entwickelt hat.

[ 13 ] Sehr verehrte Anwesende, man muss sich nur klarmachen, was es für die Menschheit geheißen hat, als vor drei bis vier Jahrhunderten jener Umschwung eintrat, den man ausdrücken kann mit den Worten: Bis dahin glaubte der weitaus größte Teil, ja alle Menschen glaubten, Laien und Gelehrte, die Erde stehe still im Weltenall, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde. Man kann sagen, dazumal wurde durch dasjenige, was notwendig geworden ist durch Kopernikus, Galilei, den Menschen der Boden unter den Füßen beweglich gemacht. Heute, wo man die Bewegung der Erde als eine Selbstverständlichkeit ansieht, heute macht man sich gar kein Gefühl, gar keine Empfindung mehr darüber, wie unendlich überraschend das auf die Menschheit gewirkt hat und alles was damit zusammenhing. Es ist keine Anekdote, sondern etwas, was einen wirklichen Tatbestand gibt, wenn ich Folgendes erzähle.

[ 13 ] Sehr verehrte Anwesende, man muss sich nur klarmachen, was es für die Menschheit geheißen hat, als vor drei bis vier Jahrhunderten jener Umschwung eintrat, den man ausdrücken kann mit den Worten: Bis dahin glaubte der weitaus größte Teil, ja alle Menschen glaubten, Laien und Gelehrte, die Erde stehe still im Weltenall, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde. Man kann sagen, dazumal wurde durch dasjenige, was notwendig geworden ist durch Kopernikus, Galilei, den Menschen der Boden unter den Füßen beweglich gemacht. Heute, wo man die Bewegung der Erde als eine Selbstverständlichkeit ansieht, heute macht man sich gar kein Gefühl, gar keine Empfindung mehr darüber, wie unendlich überraschend das auf die Menschheit gewirkt hat und alles was damit zusammenhing. Es ist keine Anekdote, sondern etwas, was einen wirklichen Tatbestand gibt, wenn ich Folgendes erzähle.

[ 14 ] Sehen Sie, das ganze Mittelalter hindurch, bis in die Zeiten des Galilei hinein, hat man Anatomie, die Lehre von dem äußeren physischen Menschen, nicht so getrieben, wie man sie heute treibt, dass man an den Leichnam herangeht, sondern da wurde Anatomie gelehrt, durch Jahrhunderte hindurch gelehrt, wie sie der alte griechische große Weise Aristoteles gelehrt hat. Gewiss, Aristoteles war für seine Zeit ein überragender Kopf, wie nur wenige überhaupt in der geistigen Geschichte der Menschheit gesehen worden sind. Aber er hat eben für seine Zeit gelebt; und dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, nicht dasjenige, was man an der Leiche selber etwa gesehen oder an den Menschen beobachtet hat - daran ging man gar nicht —, sondern dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, das wurde von Jahr zu Jahr vor den Schülern gelehrt, und das nistete sich fest ein in die Vorstellungsweise der Menschen, zu glauben, Aristoteles habe das letzte Wort gesprochen, das jetzt für alle Zeiten feststehen müsse.

[ 14 ] Sehen Sie, das ganze Mittelalter hindurch, bis in die Zeiten des Galilei hinein, hat man Anatomie, die Lehre von dem äußeren physischen Menschen, nicht so getrieben, wie man sie heute treibt, dass man an den Leichnam herangeht, sondern da wurde Anatomie gelehrt, durch Jahrhunderte hindurch gelehrt, wie sie der alte griechische große Weise Aristoteles gelehrt hat. Gewiss, Aristoteles war für seine Zeit ein überragender Kopf, wie nur wenige überhaupt in der geistigen Geschichte der Menschheit gesehen worden sind. Aber er hat eben für seine Zeit gelebt; und dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, nicht dasjenige, was man an der Leiche selber etwa gesehen oder an den Menschen beobachtet hat - daran ging man gar nicht —, sondern dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, das wurde von Jahr zu Jahr vor den Schülern gelehrt, und das nistete sich fest ein in die Vorstellungsweise der Menschen, zu glauben, Aristoteles habe das letzte Wort gesprochen, das jetzt für alle Zeiten feststehen müsse.

[ 15 ] Galilei, einer derjenigen, die die Umwälzer waren dieses Betriebes der Geisteswissenschaft, Galilei hatte einen Freund. Er versuchte den Freund, der ein gelehrter Mann war, der alles wusste, was über den menschlichen Leib im Aristoteles stand, er versuchte diesen Freund über einen Punkt aufzuklären. Er sagte: Sieh einmal, im Aristoteles steht, dass die Nerven von dem Herzen ausgehen. Aber heute können wir aus dem Befund an der Leiche sehen, dass die Nerven des Menschen vom Gehirn ausgehen. Das möchte ich sehen, dass so etwas, was ganz widerspricht dem Aristoteles, dass so etwas wahr sein könnte, sagte der Freund. Galilei führte den Freund an die Leiche und machte ihm das alles klar. Da sagte der Freund: Ja, wenn ich mir das anschaue, dann sehe ich allerdings, dass die Nerven nicht vom Herzen, sondern vom Hirn ausgehen. Aber im Aristoteles steht es anders; da glaube ich mehr dem Aristoteles als der Natur.

[ 15 ] Galilei, einer derjenigen, die die Umwälzer waren dieses Betriebes der Geisteswissenschaft, Galilei hatte einen Freund. Er versuchte den Freund, der ein gelehrter Mann war, der alles wusste, was über den menschlichen Leib im Aristoteles stand, er versuchte diesen Freund über einen Punkt aufzuklären. Er sagte: Sieh einmal, im Aristoteles steht, dass die Nerven von dem Herzen ausgehen. Aber heute können wir aus dem Befund an der Leiche sehen, dass die Nerven des Menschen vom Gehirn ausgehen. Das möchte ich sehen, dass so etwas, was ganz widerspricht dem Aristoteles, dass so etwas wahr sein könnte, sagte der Freund. Galilei führte den Freund an die Leiche und machte ihm das alles klar. Da sagte der Freund: Ja, wenn ich mir das anschaue, dann sehe ich allerdings, dass die Nerven nicht vom Herzen, sondern vom Hirn ausgehen. Aber im Aristoteles steht es anders; da glaube ich mehr dem Aristoteles als der Natur.

[ 16 ] Es ist nicht einmal nötig, sehr verehrte Anwesende, heute über eine solche Verirrung zu lachen, sie ist ganz verständlich. Denn man steht eben in der Zeit vor drei bis vier Jahrhunderten, in der Morgenröte der neueren Naturwissenschaft. Das, was heute Denkgewohnheiten geworden sind, woran sich heute alle Leute gewöhnt haben, dass musste dazumal erst errungen werden. Dieser ungeheuere Umschwung, der da eintrat, das machen sich die Leute gar nicht klar.

[ 16 ] Es ist nicht einmal nötig, sehr verehrte Anwesende, heute über eine solche Verirrung zu lachen, sie ist ganz verständlich. Denn man steht eben in der Zeit vor drei bis vier Jahrhunderten, in der Morgenröte der neueren Naturwissenschaft. Das, was heute Denkgewohnheiten geworden sind, woran sich heute alle Leute gewöhnt haben, dass musste dazumal erst errungen werden. Dieser ungeheuere Umschwung, der da eintrat, das machen sich die Leute gar nicht klar.

[ 17 ] Dasjenige nun, was dazumal versucht worden ist für die Naturwissenschaft in der Ausdeutung und Erklärung der Geheimnisse der Natur, das versucht für den Geist und für das Seelische die Geisteswissenschaft in der heutigen Zeit. Nichts anderes will diese Geisteswissenschaft in ihren Grundlagen sein als für das geistig-seelische Leben etwas Ähnliches, wie die Naturwissenschaft es dazumal geworden ist für das äußere Naturleben. Und derjenige, der zum Beispiel glaubt, dass unsere Geisteswissenschaft irgendetwas mit der alten Gnosis zu tun habe, der verkennt ganz, dass mit dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung dazumal etwas Neues in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten ist, und ebenso etwas Neues eintreten will - wenn auch vielleicht mit vielen Irrtümern, die sind ja immer mit dem verknüpft, was in der Menschheit gewollt ist -, durch die Geisteswissenschaft einbringen will. Nun aber muss diese Geisteswissenschaft ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Gerade wenn sie ganz in dem Sinn der Naturwissenschaft vorgehen will, dann muss sie ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Dann muss sie eben Mittel und Wege finden, um in das Gebiet des Geistigen, das ja nicht gesehen werden kann mit äußeren physischen Augen, nicht begriffen werden kann mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, sie muss Mittel und Wege finden, in das geistige Gebiet einzudringen.

[ 17 ] Dasjenige nun, was dazumal versucht worden ist für die Naturwissenschaft in der Ausdeutung und Erklärung der Geheimnisse der Natur, das versucht für den Geist und für das Seelische die Geisteswissenschaft in der heutigen Zeit. Nichts anderes will diese Geisteswissenschaft in ihren Grundlagen sein als für das geistig-seelische Leben etwas Ähnliches, wie die Naturwissenschaft es dazumal geworden ist für das äußere Naturleben. Und derjenige, der zum Beispiel glaubt, dass unsere Geisteswissenschaft irgendetwas mit der alten Gnosis zu tun habe, der verkennt ganz, dass mit dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung dazumal etwas Neues in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten ist, und ebenso etwas Neues eintreten will - wenn auch vielleicht mit vielen Irrtümern, die sind ja immer mit dem verknüpft, was in der Menschheit gewollt ist -, durch die Geisteswissenschaft einbringen will. Nun aber muss diese Geisteswissenschaft ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Gerade wenn sie ganz in dem Sinn der Naturwissenschaft vorgehen will, dann muss sie ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Dann muss sie eben Mittel und Wege finden, um in das Gebiet des Geistigen, das ja nicht gesehen werden kann mit äußeren physischen Augen, nicht begriffen werden kann mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, sie muss Mittel und Wege finden, in das geistige Gebiet einzudringen.

[ 18 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist heute noch schwer, sich verständlich zu machen über die Mittel und Wege, welche die Geisteswissenschaft sucht, um in das geistige Gebiet einzudringen, weil heute viele, viele Irrtümer in den weitesten Kreisen herrschen über die Art und Weise, wie der Mensch etwas erfahren kann über unbekannte Welten, und die geistigen Welten nennt man ja oftmals unbekannte Welten. Vor allen Dingen muss festgehalten werden, dass man durch diejenige Erkenntniskraft, welche der Mensch für das gewöhnliche Leben hat und die er auch in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, dass man durch diese Erkenntniskraft nichts erfahren kann über die geistige Welt, das muss vor allen Dingen festgehalten werden. In dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft immer mehr und mehr überzeugend wirken dadurch, dass sie gerade in völliger Übereinstimmung, in völligem Einklange mit der Naturwissenschaft wird befunden werden. Nur kennt die Naturwissenschaft gewisse Fähigkeiten im Menschen nicht, die entwickelt werden können, die im Menschen schlummern. Aber es ist schwierig heute, über diese Fähigkeiten zu sprechen, aus dem Grunde, weil sie in weitesten Kreisen verwechselt werden mit allerlei krankhaften Fähigkeiten im Menschen. So zum Beispiel spricht man heute vielfach in der äußeren Welt davon, dass der Mensch zu gewissen Fähigkeiten kommen könne. Und der naturwissenschaftlich Gebildete erklärt dann, ja, aber diese Fähigkeiten beruhen nur darauf, dass das sonst normale Nervensystem des Menschen, das sonst normale Gehirn des Menschen abnorm geworden ist, krankhaft geworden ist. Und überall da, wo der Naturforscher recht hat mit einer solchen Aussage, da gibt ihm auch der Geistesforscher, der Bekenner der Geisteswissenschaft vollständig recht. Das heißt aber, man darf dasjenige, was die Geisteswissenschaft ist, nicht verwechseln mit dem, was oftmals in weitesten Kreisen im trivialen Sinne genannt wird: Hellsehen. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was zum Beispiel auftritt durch die verschiedenen Erscheinungen des Hypnotismus. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was auftritt etwa unter dem Namen des Spiritismus, und so weiter, und so weiter.

[ 18 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist heute noch schwer, sich verständlich zu machen über die Mittel und Wege, welche die Geisteswissenschaft sucht, um in das geistige Gebiet einzudringen, weil heute viele, viele Irrtümer in den weitesten Kreisen herrschen über die Art und Weise, wie der Mensch etwas erfahren kann über unbekannte Welten, und die geistigen Welten nennt man ja oftmals unbekannte Welten. Vor allen Dingen muss festgehalten werden, dass man durch diejenige Erkenntniskraft, welche der Mensch für das gewöhnliche Leben hat und die er auch in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, dass man durch diese Erkenntniskraft nichts erfahren kann über die geistige Welt, das muss vor allen Dingen festgehalten werden. In dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft immer mehr und mehr überzeugend wirken dadurch, dass sie gerade in völliger Übereinstimmung, in völligem Einklange mit der Naturwissenschaft wird befunden werden. Nur kennt die Naturwissenschaft gewisse Fähigkeiten im Menschen nicht, die entwickelt werden können, die im Menschen schlummern. Aber es ist schwierig heute, über diese Fähigkeiten zu sprechen, aus dem Grunde, weil sie in weitesten Kreisen verwechselt werden mit allerlei krankhaften Fähigkeiten im Menschen. So zum Beispiel spricht man heute vielfach in der äußeren Welt davon, dass der Mensch zu gewissen Fähigkeiten kommen könne. Und der naturwissenschaftlich Gebildete erklärt dann, ja, aber diese Fähigkeiten beruhen nur darauf, dass das sonst normale Nervensystem des Menschen, das sonst normale Gehirn des Menschen abnorm geworden ist, krankhaft geworden ist. Und überall da, wo der Naturforscher recht hat mit einer solchen Aussage, da gibt ihm auch der Geistesforscher, der Bekenner der Geisteswissenschaft vollständig recht. Das heißt aber, man darf dasjenige, was die Geisteswissenschaft ist, nicht verwechseln mit dem, was oftmals in weitesten Kreisen im trivialen Sinne genannt wird: Hellsehen. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was zum Beispiel auftritt durch die verschiedenen Erscheinungen des Hypnotismus. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was auftritt etwa unter dem Namen des Spiritismus, und so weiter, und so weiter.

[ 19 ] Gerade das ist das Wesentliche, dass diese Geisteswissenschaft unterschieden wird von allem, was irgendwie beruht auf krankhaften Menschheitsanlagen.

[ 19 ] Gerade das ist das Wesentliche, dass diese Geisteswissenschaft unterschieden wird von allem, was irgendwie beruht auf krankhaften Menschheitsanlagen.

[ 20 ] Um mich in Bezug auf diesen Punkt völlig verständlich zu machen, sehr verehrte Anwesende, muss ich wenigstens mit ein paar Worten hindeuten darauf, wie der Geistesforscher dazu kommt, seine Forschungen zu machen. Dabei muss ich allerdings einen weiteren Punkt berühren. Denn es ist ja wahr, Geisteswissenschaft ist so, wie sie hier gemeint ist, noch etwas Neues, und daher ist dasjenige, was ihr Grundelement ist, heute noch schwierig, möchte ich sagen, für die gewohnten Vorstellungen. Wenn der Mensch im gewöhnlichen Leben denkt, fühlt, handelt, so wendet er seine Sinne an, er wendet seine ganze leibliche Organisation an. Er wendet sein gewöhnliches Vorstellungsleben an.

[ 20 ] Um mich in Bezug auf diesen Punkt völlig verständlich zu machen, sehr verehrte Anwesende, muss ich wenigstens mit ein paar Worten hindeuten darauf, wie der Geistesforscher dazu kommt, seine Forschungen zu machen. Dabei muss ich allerdings einen weiteren Punkt berühren. Denn es ist ja wahr, Geisteswissenschaft ist so, wie sie hier gemeint ist, noch etwas Neues, und daher ist dasjenige, was ihr Grundelement ist, heute noch schwierig, möchte ich sagen, für die gewohnten Vorstellungen. Wenn der Mensch im gewöhnlichen Leben denkt, fühlt, handelt, so wendet er seine Sinne an, er wendet seine ganze leibliche Organisation an. Er wendet sein gewöhnliches Vorstellungsleben an.

[ 21 ] Nun beruht die geisteswissenschaftliche Forschungsart auf etwas, was im eminentesten Sinne nichts zu tun hat mit irgendeinem Leiblichen. Wenn zum Beispiel etwa gesagt würde: Geisteswissenschaft, nun sie wird halt auch beruhen auf irgendwelcher Askese, wie man gewisse Fähigkeiten des Menschen früher durch Askese hat entwickeln wollen; oder sie wird beruhen darauf, dass das Nervensystem in einer gewissen Weise zubereitet wird, aufgeregt gemacht wird, oder dergleichen, oder sie beruhe ganz darauf, dass sie in einer äußeren physischen Weise Geister zur Erscheinung brächte - so wäre das alles eine vollständig missverstandene Auffassung. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, um sich die Fähigkeit zu erwerben, in die geistige Welt hineinzuschauen, das sind rein geistig-seelische Vorgänge, das hat nichts zu tun mit dem Leib, das hat nichts zu tun mit dem Körperlichen. Und gerade er, der Geistesforscher wird in sorgfältiger Weise darauf bedacht sein, dass alles dasjenige, was er vornimmt, keinen Eindruck macht auf das Leibliche. Ich erwähne nur nebenbei: Wenn eine große Anzahl von denjenigen, die sich zur Geisteswissenschaft bekennen, Vegetarier zum Beispiel sind, so ist das Geschmackssache. Das ist keine Sache, die irgendwie prinzipiell etwas mit den geistigen Forschungsmethoden unmittelbar zu tun hat. Es hat nur zu tun mit einer gewissen Erleichterung des Lebens, ich möchte sagen sogar, es hat zu tun mit einem gewissermaßen Bequemlicher-Machen des Lebens, weil man leichter arbeiten kann in geistiger Weise, wenn man gerade kein Fleisch isst. Aber das ist eine Nebensache und hat gar nichts zu tun mit der Hauptsache. Die Hauptsache besteht darinnen, dass die Geistesforschung zu einer Wissenschaft zu führen hat, und dass sie gerade ausgeht von demjenigen, zu dem hin gearbeitet hat die neuere Naturwissenschaft, ich möchte sagen erkundet von den Tatsachen der Natur selber.

[ 21 ] Nun beruht die geisteswissenschaftliche Forschungsart auf etwas, was im eminentesten Sinne nichts zu tun hat mit irgendeinem Leiblichen. Wenn zum Beispiel etwa gesagt würde: Geisteswissenschaft, nun sie wird halt auch beruhen auf irgendwelcher Askese, wie man gewisse Fähigkeiten des Menschen früher durch Askese hat entwickeln wollen; oder sie wird beruhen darauf, dass das Nervensystem in einer gewissen Weise zubereitet wird, aufgeregt gemacht wird, oder dergleichen, oder sie beruhe ganz darauf, dass sie in einer äußeren physischen Weise Geister zur Erscheinung brächte - so wäre das alles eine vollständig missverstandene Auffassung. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, um sich die Fähigkeit zu erwerben, in die geistige Welt hineinzuschauen, das sind rein geistig-seelische Vorgänge, das hat nichts zu tun mit dem Leib, das hat nichts zu tun mit dem Körperlichen. Und gerade er, der Geistesforscher wird in sorgfältiger Weise darauf bedacht sein, dass alles dasjenige, was er vornimmt, keinen Eindruck macht auf das Leibliche. Ich erwähne nur nebenbei: Wenn eine große Anzahl von denjenigen, die sich zur Geisteswissenschaft bekennen, Vegetarier zum Beispiel sind, so ist das Geschmackssache. Das ist keine Sache, die irgendwie prinzipiell etwas mit den geistigen Forschungsmethoden unmittelbar zu tun hat. Es hat nur zu tun mit einer gewissen Erleichterung des Lebens, ich möchte sagen sogar, es hat zu tun mit einem gewissermaßen Bequemlicher-Machen des Lebens, weil man leichter arbeiten kann in geistiger Weise, wenn man gerade kein Fleisch isst. Aber das ist eine Nebensache und hat gar nichts zu tun mit der Hauptsache. Die Hauptsache besteht darinnen, dass die Geistesforschung zu einer Wissenschaft zu führen hat, und dass sie gerade ausgeht von demjenigen, zu dem hin gearbeitet hat die neuere Naturwissenschaft, ich möchte sagen erkundet von den Tatsachen der Natur selber.

[ 22 ] Da hat sich herausgebildet diese neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung, ich möchte sagen eine gewisse Logik, die sich an die Tatsachen der Natur hält. Und eine große Schulung ist eingetreten bei denjenigen, die sich mit Naturwissenschaft befasst haben in Bezug auf die innere Handhabung des Denkens, in Bezug auf die innere Handhabung der Logik. Aber diese Logik, ich werde mich jetzt durch einen Vergleich verständlich zu machen versuchen, diese Logik, sehr verehrte Anwesende, die der Naturforscher anwendet, ich möchte sie vergleichen mit den Formen, mit den schönen Formen - denn Logik soll durch diesen Vergleich nicht etwa herabgewürdigt werden -, mit den schönen Formen, die eine sehr schöne Bildsäule hat. In dieser Weise ist auch die Logik, wenn man durch die Logik äußere natürliche Tatsachen begreifen will, diese Logik ist auch etwas Totes. Ich möchte sagen, wir wissen, wir haben in unseren Begriffen, in unseren Vorstellungen, indem wir logisch denken, Bilder, aber diese Bilder, die sind nur innerliche Gedankenformen so, wie die Formen einer Bildsäule Formen sind.

[ 22 ] Da hat sich herausgebildet diese neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung, ich möchte sagen eine gewisse Logik, die sich an die Tatsachen der Natur hält. Und eine große Schulung ist eingetreten bei denjenigen, die sich mit Naturwissenschaft befasst haben in Bezug auf die innere Handhabung des Denkens, in Bezug auf die innere Handhabung der Logik. Aber diese Logik, ich werde mich jetzt durch einen Vergleich verständlich zu machen versuchen, diese Logik, sehr verehrte Anwesende, die der Naturforscher anwendet, ich möchte sie vergleichen mit den Formen, mit den schönen Formen - denn Logik soll durch diesen Vergleich nicht etwa herabgewürdigt werden -, mit den schönen Formen, die eine sehr schöne Bildsäule hat. In dieser Weise ist auch die Logik, wenn man durch die Logik äußere natürliche Tatsachen begreifen will, diese Logik ist auch etwas Totes. Ich möchte sagen, wir wissen, wir haben in unseren Begriffen, in unseren Vorstellungen, indem wir logisch denken, Bilder, aber diese Bilder, die sind nur innerliche Gedankenformen so, wie die Formen einer Bildsäule Formen sind.

[ 23 ] Nun geht der Geistesforscher gerade an dieses Denken heran. Und sie finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» Anleitungen darüber, was man nun gerade mit dem Denken machen muss, damit das Denken etwas anderes wird. Der Geistesforscher kultiviert sein Denken. Er entwickelt sein Denken. Er nimmt sein Denken in eine gewisse ganz besondere Zucht. Ich kann heute wegen der Kürze der Zeit nicht auf die Einzelheiten mich einlassen. Das Weitere, wie dieses Denken behandelt wird, wie gerade das herangebildete logische Denken behandelt wird, das finden Sie eben in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder auch in anderen Büchern, die unserer Weltanschauung angehören. Dann aber, wenn das Denken, wenn die im Menschen waltende Logik so behandelt wird, dann verändert sich das ganze innere Seelenleben. Und dann geschieht etwas, was dieses ganze innere Seelenleben zu etwas anderem macht, und das ich jetzt wieder in einem Vergleich fortentwickeln werde, anschaulich machen will.

[ 23 ] Nun geht der Geistesforscher gerade an dieses Denken heran. Und sie finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» Anleitungen darüber, was man nun gerade mit dem Denken machen muss, damit das Denken etwas anderes wird. Der Geistesforscher kultiviert sein Denken. Er entwickelt sein Denken. Er nimmt sein Denken in eine gewisse ganz besondere Zucht. Ich kann heute wegen der Kürze der Zeit nicht auf die Einzelheiten mich einlassen. Das Weitere, wie dieses Denken behandelt wird, wie gerade das herangebildete logische Denken behandelt wird, das finden Sie eben in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder auch in anderen Büchern, die unserer Weltanschauung angehören. Dann aber, wenn das Denken, wenn die im Menschen waltende Logik so behandelt wird, dann verändert sich das ganze innere Seelenleben. Und dann geschieht etwas, was dieses ganze innere Seelenleben zu etwas anderem macht, und das ich jetzt wieder in einem Vergleich fortentwickeln werde, anschaulich machen will.

[ 24 ] Denken Sie sich einmal, sehr verehrte Anwesende - es kann natürlich das nicht eintreten, aber nehmen wir an, es würde das eintreten -, dass die Bildsäulen, die vorher nur in toten Formen bestanden haben, plötzlich anfingen zu gehen, lebendig würden. Die Bildsäule kann es nicht, aber das menschliche Denken, diese innere logische Betätigung, die kann es, durch dasjenige, was vorgenommen wird nach den Vorschriften, von denen ich gesprochen habe nach den Übungen, die das Denken mit sich macht, das heißt der Geistesforscher versetzt sich in einen Zustand, dass in ihm nicht nur eine gedachte Logik ist, sondern eine lebendige Logik ist, dass die Logik in uns selber zu einem lebendigen Wesen wird. Dadurch aber hat er in sich statt der toten Begriffe lebendig Waltendes erfasst. Er wird durchdrungen von lebendig Waltendem. Und wenn Sie schon gehört haben, dass die Geistesforschung außer dem physischen Leib, den Sie mit Augen sehen, mit Händen greifen können, noch einen Ätherleib annimmt, dann ist darinnen nichts irgendwie Zauberisches, nichts irgendwie sonst gemeint, sondern es ist lediglich gemeint, dass der Mensch dadurch, dass er, ich möchte sagen die innere logische Bildsäule zum Leben aufgerufen hat, innerlich regsam, lebendig sich fühlt, innerlich belehrt den zweiten Menschen. Das ist eine Sache der Erfahrung, das ist eine Sache der Beobachtung, zu der man es bringen kann. Aber es muss eben gemacht werden, geradeso wie die anderen Experimente der Natur gemacht werden müssen, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen.

[ 24 ] Denken Sie sich einmal, sehr verehrte Anwesende - es kann natürlich das nicht eintreten, aber nehmen wir an, es würde das eintreten -, dass die Bildsäulen, die vorher nur in toten Formen bestanden haben, plötzlich anfingen zu gehen, lebendig würden. Die Bildsäule kann es nicht, aber das menschliche Denken, diese innere logische Betätigung, die kann es, durch dasjenige, was vorgenommen wird nach den Vorschriften, von denen ich gesprochen habe nach den Übungen, die das Denken mit sich macht, das heißt der Geistesforscher versetzt sich in einen Zustand, dass in ihm nicht nur eine gedachte Logik ist, sondern eine lebendige Logik ist, dass die Logik in uns selber zu einem lebendigen Wesen wird. Dadurch aber hat er in sich statt der toten Begriffe lebendig Waltendes erfasst. Er wird durchdrungen von lebendig Waltendem. Und wenn Sie schon gehört haben, dass die Geistesforschung außer dem physischen Leib, den Sie mit Augen sehen, mit Händen greifen können, noch einen Ätherleib annimmt, dann ist darinnen nichts irgendwie Zauberisches, nichts irgendwie sonst gemeint, sondern es ist lediglich gemeint, dass der Mensch dadurch, dass er, ich möchte sagen die innere logische Bildsäule zum Leben aufgerufen hat, innerlich regsam, lebendig sich fühlt, innerlich belehrt den zweiten Menschen. Das ist eine Sache der Erfahrung, das ist eine Sache der Beobachtung, zu der man es bringen kann. Aber es muss eben gemacht werden, geradeso wie die anderen Experimente der Natur gemacht werden müssen, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen.

[ 25 ] Nun sehen Sie, geradeso wie man da das Denken kultiviert, wie man das Denken dazu bringt, dass es nicht mehr innerlich tot erlebt wird, sondern innerlich regsam und lebendig erhalten wird, so kann man auch den Willen in einer gewissen Weise kultivieren, den Willen in einer gewissen Weise ausbilden. Wiederum sind die Methoden, wodurch der Wille so behandelt wird, dass man ihn jetzt nicht so kennenlernt wie im gewöhnlichen Leben, sondern in einer anderen Weise kennenlernt, wie ich es beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?». Ja, man kann diesen Willen auch anders kennenlernen, aber es kommt dann etwas ganz anderes heraus, als wenn man das Denken in dieser Weise behandelt, wie ich es ausgeführt habe. Wenn man den Willen so behandelt, dass man ihn ganz anders erlebt wie im gewöhnlichen Leben, dann geschieht Folgendes: Nicht wahr, im gewöhnlichen Leben, wenn wir etwas wollen - sagen wir, wir arbeiten, wir haben unsere Hände zu bewegen, da sagen wir: Wir wollen. Aber der Wille, der dringt dann gleichsam hinein in unsere Glieder. Wir wissen ja nicht, was da der Wille tut. Der Wille, der ist Ausdruck unserer Bewegungen. Aber er bleibt eigentlich unbekannt. Aber man kann, wenn man in einer gewissen Weise übt, den Willen loslösen von seinem Verbundensein mit den Gliedern. Man kann den Willen allein erleben. Das Denken kann man rege machen, sodass es ein inneres Lebendiges wird, eine Art Ätherleib. Den Willen kann man herausschälen, lostrennen von seinem Zusammenhang mit der Leiblichkeit und dann, dann erlebt man, dass man in einem noch viel höheren Sinne einen zweiten Menschen in sich hat als beim Denken. Durch den Willen erlebt man, dass man einen zweiten Menschen in sich hat, der ein Bewusstsein hat.

[ 25 ] Nun sehen Sie, geradeso wie man da das Denken kultiviert, wie man das Denken dazu bringt, dass es nicht mehr innerlich tot erlebt wird, sondern innerlich regsam und lebendig erhalten wird, so kann man auch den Willen in einer gewissen Weise kultivieren, den Willen in einer gewissen Weise ausbilden. Wiederum sind die Methoden, wodurch der Wille so behandelt wird, dass man ihn jetzt nicht so kennenlernt wie im gewöhnlichen Leben, sondern in einer anderen Weise kennenlernt, wie ich es beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?». Ja, man kann diesen Willen auch anders kennenlernen, aber es kommt dann etwas ganz anderes heraus, als wenn man das Denken in dieser Weise behandelt, wie ich es ausgeführt habe. Wenn man den Willen so behandelt, dass man ihn ganz anders erlebt wie im gewöhnlichen Leben, dann geschieht Folgendes: Nicht wahr, im gewöhnlichen Leben, wenn wir etwas wollen - sagen wir, wir arbeiten, wir haben unsere Hände zu bewegen, da sagen wir: Wir wollen. Aber der Wille, der dringt dann gleichsam hinein in unsere Glieder. Wir wissen ja nicht, was da der Wille tut. Der Wille, der ist Ausdruck unserer Bewegungen. Aber er bleibt eigentlich unbekannt. Aber man kann, wenn man in einer gewissen Weise übt, den Willen loslösen von seinem Verbundensein mit den Gliedern. Man kann den Willen allein erleben. Das Denken kann man rege machen, sodass es ein inneres Lebendiges wird, eine Art Ätherleib. Den Willen kann man herausschälen, lostrennen von seinem Zusammenhang mit der Leiblichkeit und dann, dann erlebt man, dass man in einem noch viel höheren Sinne einen zweiten Menschen in sich hat als beim Denken. Durch den Willen erlebt man, dass man einen zweiten Menschen in sich hat, der ein Bewusstsein hat.

[ 26 ] Sehen Sie, wenn man so immer fort und fort an seinem Willen arbeitet, dann tritt das Folgende ein, das ich nur klarmachen kann, wenn ich Sie erinnere, sehr verehrte Anwesende, dass es im gewöhnlichen menschlichen Leben zwei abwechselnde Zustände gibt: wachen und schlafen. Wachend ist der Mensch sich bewusst; während des Schlafes hört das Bewusstsein auf. Nun, zunächst ist es eine Behauptung, wenn man sagt, das Seelisch-Geistige, das hört aber nicht auf zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Aber es ist direkt nicht mehr in dem Leib; es ist außerhalb. Das ist zunächst eine Behauptung. Aber der Geistesforscher bringt es dahin, dass er seinem Leib willkürlich so Stillstand befehlen kann, wie es unwillkürlich beim Einschlafen geschieht, so den Sinnen Stillstand gebieten, dem gewöhnlichen Verstande Stillstand gebieten, das kann man durch eine gewisse Entwicklung des Willens. Und dann tritt das ein, dass man gewissermaßen willkürlich denselben Zustand hervorruft, den man sonst unwillkürlich als Schlafzustand hat, aber das, was man jetzt hervorgerufen hat, ist total entgegengesetzt dem Schlafe. Während man im Schlafe unbewusst wird, nichts weiß von sich und der Umgebung: Dadurch dass man den Willen entwickelt hat, tritt man bewusst aus seinem Leibe heraus, und man hat den Leib außer sich so, wie man sonst einen äußeren Gegenstand außer sich hat. Und da merkt man: Da in uns lebt, in uns allen lebt das, was man im Willen entdecken kann: ein Zuschauer in uns. Das ist kein Bild, kein bildlicher Ausdruck, sondern das ist eine Wirklichkeit. In unserem Willen lebt etwas, was fortwährend uns innerlich beobachtet. Da drinnen ist erst der eigentliche geistig-seelische Mensch. Und wenn man diese zwei hat: den beweglichen Denkmenschen, ich möchte sagen den Äthermenschen, und diesen inneren Menschen, und das, was man jetzt erlebt, was man wirklich erlebt, was eine Erfahrung, eine Beobachtung ist, nicht etwas Phantastisches, das können Sie Astralmenschen nennen. Es kommt gar nicht darauf an, welches Wort es ist. Etwas, was wirklich im Menschen gefunden werden kann, wie der Sauerstoff im Wasser gefunden werden kann.

[ 26 ] Sehen Sie, wenn man so immer fort und fort an seinem Willen arbeitet, dann tritt das Folgende ein, das ich nur klarmachen kann, wenn ich Sie erinnere, sehr verehrte Anwesende, dass es im gewöhnlichen menschlichen Leben zwei abwechselnde Zustände gibt: wachen und schlafen. Wachend ist der Mensch sich bewusst; während des Schlafes hört das Bewusstsein auf. Nun, zunächst ist es eine Behauptung, wenn man sagt, das Seelisch-Geistige, das hört aber nicht auf zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Aber es ist direkt nicht mehr in dem Leib; es ist außerhalb. Das ist zunächst eine Behauptung. Aber der Geistesforscher bringt es dahin, dass er seinem Leib willkürlich so Stillstand befehlen kann, wie es unwillkürlich beim Einschlafen geschieht, so den Sinnen Stillstand gebieten, dem gewöhnlichen Verstande Stillstand gebieten, das kann man durch eine gewisse Entwicklung des Willens. Und dann tritt das ein, dass man gewissermaßen willkürlich denselben Zustand hervorruft, den man sonst unwillkürlich als Schlafzustand hat, aber das, was man jetzt hervorgerufen hat, ist total entgegengesetzt dem Schlafe. Während man im Schlafe unbewusst wird, nichts weiß von sich und der Umgebung: Dadurch dass man den Willen entwickelt hat, tritt man bewusst aus seinem Leibe heraus, und man hat den Leib außer sich so, wie man sonst einen äußeren Gegenstand außer sich hat. Und da merkt man: Da in uns lebt, in uns allen lebt das, was man im Willen entdecken kann: ein Zuschauer in uns. Das ist kein Bild, kein bildlicher Ausdruck, sondern das ist eine Wirklichkeit. In unserem Willen lebt etwas, was fortwährend uns innerlich beobachtet. Da drinnen ist erst der eigentliche geistig-seelische Mensch. Und wenn man diese zwei hat: den beweglichen Denkmenschen, ich möchte sagen den Äthermenschen, und diesen inneren Menschen, und das, was man jetzt erlebt, was man wirklich erlebt, was eine Erfahrung, eine Beobachtung ist, nicht etwas Phantastisches, das können Sie Astralmenschen nennen. Es kommt gar nicht darauf an, welches Wort es ist. Etwas, was wirklich im Menschen gefunden werden kann, wie der Sauerstoff im Wasser gefunden werden kann.

[ 27 ] Das wirkt nun aufeinander: Dieser Mensch, der bewegliche Logik ist, und der andere Mensch, der ein höheres Bewusstsein ist, ein anderes Bewusstsein ist, die wirken jetzt zusammen. Wenn man diese im Menschen kennenlernt, dann kennt man dasjenige, was vom Menschen vorhanden ist, auch dann, wenn sein physischer Leib zerfällt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Man lernt mit anderen Worten dasjenige Wesen im Menschen kennen, das sonst nicht wirkt, weil sonst der Mensch durch den äußeren Leib wirkt, das aber geistig-seelisch ist, das nach dem Tode vorhanden sein wird, das auch vor der Geburt oder sagen wir der Empfängnis vorhanden war. Man lernt das ewige Wesen des Menschen so kennen, dass man es gleichsam herausgebildet hat aus dem gewöhnlichen sterblichen Menschen, wie man durch einen chemischen Prozess den Sauerstoff aus dem Wasser heraus ableiten kann, herausbilden kann.

[ 27 ] Das wirkt nun aufeinander: Dieser Mensch, der bewegliche Logik ist, und der andere Mensch, der ein höheres Bewusstsein ist, ein anderes Bewusstsein ist, die wirken jetzt zusammen. Wenn man diese im Menschen kennenlernt, dann kennt man dasjenige, was vom Menschen vorhanden ist, auch dann, wenn sein physischer Leib zerfällt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Man lernt mit anderen Worten dasjenige Wesen im Menschen kennen, das sonst nicht wirkt, weil sonst der Mensch durch den äußeren Leib wirkt, das aber geistig-seelisch ist, das nach dem Tode vorhanden sein wird, das auch vor der Geburt oder sagen wir der Empfängnis vorhanden war. Man lernt das ewige Wesen des Menschen so kennen, dass man es gleichsam herausgebildet hat aus dem gewöhnlichen sterblichen Menschen, wie man durch einen chemischen Prozess den Sauerstoff aus dem Wasser heraus ableiten kann, herausbilden kann.

[ 28 ] Alles das, was ich Ihnen jetzt vorgebracht habe, sehr verehrte Anwesende, nimmt sich heute noch selbstverständlich, ich möchte sagen sonderbar, phantastisch aus; aber es ist nicht phantastischer in Bezug auf die gewohnten Vorstellungen, als es phantastisch war, als Kopernikus einmal aufgetreten ist und gesagt hat: Nicht die Sonne bewegt sich und die Sterne bewegen sich um die Erde herum, sondern die Erde bewegt sich um die Sonne herum.

[ 28 ] Alles das, was ich Ihnen jetzt vorgebracht habe, sehr verehrte Anwesende, nimmt sich heute noch selbstverständlich, ich möchte sagen sonderbar, phantastisch aus; aber es ist nicht phantastischer in Bezug auf die gewohnten Vorstellungen, als es phantastisch war, als Kopernikus einmal aufgetreten ist und gesagt hat: Nicht die Sonne bewegt sich und die Sterne bewegen sich um die Erde herum, sondern die Erde bewegt sich um die Sonne herum.

[ 29 ] Das, was überraschend ist, ist nur das Ungewohnte daran, und es handelt sich auch wirklich nicht darum, dass mit dem, was eben auseinandergesetzt worden ist, irgendetwas Erspekuliertes, irgendetwas Erträumtes gesagt wird, sondern es handelt sich darum, dass das wirklich durch innere Erlebnisse als Tatsache erfahren wird.

[ 29 ] Das, was überraschend ist, ist nur das Ungewohnte daran, und es handelt sich auch wirklich nicht darum, dass mit dem, was eben auseinandergesetzt worden ist, irgendetwas Erspekuliertes, irgendetwas Erträumtes gesagt wird, sondern es handelt sich darum, dass das wirklich durch innere Erlebnisse als Tatsache erfahren wird.

[ 30 ] Der Geistesforscher spricht nicht einfach vom Wesen des Menschen, indem er aufzählt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, sondern er zeigt, wie dasjenige, was, wie gesagt, menschliche Natur ist, zerfällt, wenn man es vollständig betrachtet, in gewisse Glieder, aus denen es gebildet ist. Und es ist wirklich, wirklich, wenn man die Sache ihrem Grundwesen nach betrachtet, nichts Zauberhafteres, nichts Magischeres, dass der Mensch aus einzelnen Nuancen des menschlichen Wesens, aus einzelnen Schattierungen besteht, als es zauberhaft ist, dass man das Licht wirken lassen kann so, dass es in sieben Farben erscheint.

[ 30 ] Der Geistesforscher spricht nicht einfach vom Wesen des Menschen, indem er aufzählt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, sondern er zeigt, wie dasjenige, was, wie gesagt, menschliche Natur ist, zerfällt, wenn man es vollständig betrachtet, in gewisse Glieder, aus denen es gebildet ist. Und es ist wirklich, wirklich, wenn man die Sache ihrem Grundwesen nach betrachtet, nichts Zauberhafteres, nichts Magischeres, dass der Mensch aus einzelnen Nuancen des menschlichen Wesens, aus einzelnen Schattierungen besteht, als es zauberhaft ist, dass man das Licht wirken lassen kann so, dass es in sieben Farben erscheint.

[ 31 ] Wie das Licht in sieben Farben zergliedert werden muss, damit man es studieren kann, so muss man den Menschen in seine Teile gliedern, damit man ihn wirklich studieren kann, damit man ihn seiner Wesenheit nach kennenlernen kann. Und man lernt ihn seiner Wesenheit nach kennen, wenn man dadurch, dass man auf diese Weise, wie man im Sonnenlicht zeigt, dass es aus sieben Farben besteht, und dass das Rot etwas anderes ist als das Blau, wie man das kennenlernt, so muss man kennenlernen, wie das Physische das Sterbliche im Menschen ist, dass andere aber das Unsterbliche ist, dass sich das mit den ewigen Kräften der ewigen Welten vereinigt, wenn der Mensch durch den Tod geht.

[ 31 ] Wie das Licht in sieben Farben zergliedert werden muss, damit man es studieren kann, so muss man den Menschen in seine Teile gliedern, damit man ihn wirklich studieren kann, damit man ihn seiner Wesenheit nach kennenlernen kann. Und man lernt ihn seiner Wesenheit nach kennen, wenn man dadurch, dass man auf diese Weise, wie man im Sonnenlicht zeigt, dass es aus sieben Farben besteht, und dass das Rot etwas anderes ist als das Blau, wie man das kennenlernt, so muss man kennenlernen, wie das Physische das Sterbliche im Menschen ist, dass andere aber das Unsterbliche ist, dass sich das mit den ewigen Kräften der ewigen Welten vereinigt, wenn der Mensch durch den Tod geht.

[ 32 ] Und etwas anderes noch liegt da zugrunde, wenn man diesen zweiten Menschen im Menschen kennenlernt, der im Willen lebt, dann lernt man wirklich durch Erfahrung. Man kann ja nicht erwarten, dass man das, was geistig ist, vor die Augen, vor die Sinne vorführen kann. Es muss innerlich geistig erlebt werden. Und wer das innerliche Erleben als geistiges Erlebnis überhaupt nicht als Tatsache gelten lassen will, dem kann das nur leeres Wortgeplänkel sein. Für denjenigen, der es kennenlernt, ist es Wirklichkeit, die viel höher steht als die äußere Wirklichkeit der Sinne. In dem man durch die Pforte des Todes geht, lernt man etwas kennen, was auf einer viel höheren Stufe steht, als die äußere Wirklichkeit der Sinne. Wenn die Pflanze wächst und Blüten und Früchte entwickelt hat, so entwickelt sich aus jedem Pflanzenkeim wieder eine neue Pflanze, und man weiß, wenn man den Keim kennenlernt, dann hat der Keim die ganze Kraft der Pflanze in sich, und eine neue Pflanze entsteht aus diesem Keim. Wer die Natur des Keimes kennt, der weiß, dass das gar nicht anders zugehen kann, als dass aus dem Keim wieder eine neue Pflanze entsteht; aber aus den Tatsachen heraus lernt er das kennen.

[ 32 ] Und etwas anderes noch liegt da zugrunde, wenn man diesen zweiten Menschen im Menschen kennenlernt, der im Willen lebt, dann lernt man wirklich durch Erfahrung. Man kann ja nicht erwarten, dass man das, was geistig ist, vor die Augen, vor die Sinne vorführen kann. Es muss innerlich geistig erlebt werden. Und wer das innerliche Erleben als geistiges Erlebnis überhaupt nicht als Tatsache gelten lassen will, dem kann das nur leeres Wortgeplänkel sein. Für denjenigen, der es kennenlernt, ist es Wirklichkeit, die viel höher steht als die äußere Wirklichkeit der Sinne. In dem man durch die Pforte des Todes geht, lernt man etwas kennen, was auf einer viel höheren Stufe steht, als die äußere Wirklichkeit der Sinne. Wenn die Pflanze wächst und Blüten und Früchte entwickelt hat, so entwickelt sich aus jedem Pflanzenkeim wieder eine neue Pflanze, und man weiß, wenn man den Keim kennenlernt, dann hat der Keim die ganze Kraft der Pflanze in sich, und eine neue Pflanze entsteht aus diesem Keim. Wer die Natur des Keimes kennt, der weiß, dass das gar nicht anders zugehen kann, als dass aus dem Keim wieder eine neue Pflanze entsteht; aber aus den Tatsachen heraus lernt er das kennen.

[ 33 ] Das Geistig-Seelische muss man aus geistig-seelischen Tatsachen heraus kennenlernen, dann weiß man: Das ist der Lebenskeim, der durch die Pforte des Todes schreitet, durch die geistige Welt schreitet, und dann wieder zum Erdenleben zurückkehrt. Und so wahr als der Pflanzenkeim eine neue Pflanze, so wahr entwickelt das, was da im Menschen als Wesenskern ist, ein neues Erdenleben. Man sieht diesen neuen Menschen schon im Menschen, denn es wird wirklich alles innerlich lebendig. Zauberisch ist das nicht; nur ein Denken auf einer höheren Stufe. Das will ich auch anschaulich machen.

[ 33 ] Das Geistig-Seelische muss man aus geistig-seelischen Tatsachen heraus kennenlernen, dann weiß man: Das ist der Lebenskeim, der durch die Pforte des Todes schreitet, durch die geistige Welt schreitet, und dann wieder zum Erdenleben zurückkehrt. Und so wahr als der Pflanzenkeim eine neue Pflanze, so wahr entwickelt das, was da im Menschen als Wesenskern ist, ein neues Erdenleben. Man sieht diesen neuen Menschen schon im Menschen, denn es wird wirklich alles innerlich lebendig. Zauberisch ist das nicht; nur ein Denken auf einer höheren Stufe. Das will ich auch anschaulich machen.

[ 34 ] Sie wissen es alle, sehr verehrte Anwesende, die Naturwissenschaft hat Methoden, gewisse Dinge aus der Naturwissenschaft zu berechnen. Nicht wahr, es ist ja bekannt, dass man berechnen kann aus dem Stand, aus dem gegenseitigen Verhältnis des Sonnen-, des Mondenstandes, wann in Zukunft Sonnen- und Mondenfinsternisse eintreten werden. Man braucht nur die entsprechenden Faktoren zu kennen, so kann man berechnen, wann in Zukunft eine gewisse Sternenkonstellation eintreten wird. Da muss man es, weil man es im äußeren Raume zu tun hat, so machen, dass man Mathematik anwendet. Aber dasjenige, was man innerlich als Lebenskeim erlebt, das ist Lebendiges. Und indem man diesen Lebenskeim erlebt, erlebt man innerlich, dass man weiß, er weist schon hin, so wie die gegenwärtigen Verhältnisse der Sterne auf eine zukünftige Mondenfinsternis weisen, so weist das, was in uns schon jetzt lebt, auf ein zukünftiges Erdenleben hin.

[ 34 ] Sie wissen es alle, sehr verehrte Anwesende, die Naturwissenschaft hat Methoden, gewisse Dinge aus der Naturwissenschaft zu berechnen. Nicht wahr, es ist ja bekannt, dass man berechnen kann aus dem Stand, aus dem gegenseitigen Verhältnis des Sonnen-, des Mondenstandes, wann in Zukunft Sonnen- und Mondenfinsternisse eintreten werden. Man braucht nur die entsprechenden Faktoren zu kennen, so kann man berechnen, wann in Zukunft eine gewisse Sternenkonstellation eintreten wird. Da muss man es, weil man es im äußeren Raume zu tun hat, so machen, dass man Mathematik anwendet. Aber dasjenige, was man innerlich als Lebenskeim erlebt, das ist Lebendiges. Und indem man diesen Lebenskeim erlebt, erlebt man innerlich, dass man weiß, er weist schon hin, so wie die gegenwärtigen Verhältnisse der Sterne auf eine zukünftige Mondenfinsternis weisen, so weist das, was in uns schon jetzt lebt, auf ein zukünftiges Erdenleben hin.

[ 35 ] Dieser Zusammenhang, der wird als eine innere Tatsache klar. Und man hat es da nicht zu tun mit dem, was im uneigentlichsten Sinne etwa Seelenwanderung oder dergleichen genannt werden kann, sondern man hat es zu tun mit etwas, was die neuere Geistesforschung aus den Tatsachen des geistigen Lebens, die eben erforscht werden können, findet, findet und in der beschriebenen Weise mitteilen kann, Worte bilden kann. So ist die geistige Forschung allerdings etwas, was in geistigem Forschungswege besteht, was durch geistige Forschungswege errungen wird. Aber es ist ja auch natürlich, dass das Geistige nicht errungen werden kann so, dass man es vor die äußeren Sinne hinlegt; denn dann ist es ein Sinnliches, dann ist es kein Geistiges mehr.

[ 35 ] Dieser Zusammenhang, der wird als eine innere Tatsache klar. Und man hat es da nicht zu tun mit dem, was im uneigentlichsten Sinne etwa Seelenwanderung oder dergleichen genannt werden kann, sondern man hat es zu tun mit etwas, was die neuere Geistesforschung aus den Tatsachen des geistigen Lebens, die eben erforscht werden können, findet, findet und in der beschriebenen Weise mitteilen kann, Worte bilden kann. So ist die geistige Forschung allerdings etwas, was in geistigem Forschungswege besteht, was durch geistige Forschungswege errungen wird. Aber es ist ja auch natürlich, dass das Geistige nicht errungen werden kann so, dass man es vor die äußeren Sinne hinlegt; denn dann ist es ein Sinnliches, dann ist es kein Geistiges mehr.

[ 36 ] Nun müssen gewisse Dinge sorgfältig ins Auge gefasst werden, wenn man die eigentlichen Grundlagen der Geistesforschung verstehen will, dass, was man erlangt dadurch, dass man die gekennzeichneten Übungen macht, dass man einen solchen Weg einschlägt, wie ich ihn geschildert habe. Dadurch gelangt man wiederum dazu, mit seinem eigentlich Geistig-Seelischen herauszutreten aus dem Leibe. Man ist dann heraus, und so, wie man sonst die äußeren Dinge neben sich hat und vor sich hat, so hat man seinen eigenen physischen Leib außer sich vor sich. Aber das Wesentliche ist, dass man ihn wirklich immer beobachten kann. Und wenn es sich um Geistesforschung im wahren Sinne des Wortes, so wie sie hier gemeint ist, handelt, dann darf niemals das eintreten, was bei irgendeinem krankhaften Seelenleben eintritt.

[ 36 ] Nun müssen gewisse Dinge sorgfältig ins Auge gefasst werden, wenn man die eigentlichen Grundlagen der Geistesforschung verstehen will, dass, was man erlangt dadurch, dass man die gekennzeichneten Übungen macht, dass man einen solchen Weg einschlägt, wie ich ihn geschildert habe. Dadurch gelangt man wiederum dazu, mit seinem eigentlich Geistig-Seelischen herauszutreten aus dem Leibe. Man ist dann heraus, und so, wie man sonst die äußeren Dinge neben sich hat und vor sich hat, so hat man seinen eigenen physischen Leib außer sich vor sich. Aber das Wesentliche ist, dass man ihn wirklich immer beobachten kann. Und wenn es sich um Geistesforschung im wahren Sinne des Wortes, so wie sie hier gemeint ist, handelt, dann darf niemals das eintreten, was bei irgendeinem krankhaften Seelenleben eintritt.

[ 37 ] Was ist denn das Charakteristische bei einem krankhaften Seelenleben? Sehen Sie, wenn jemand in einem hypnotischen Zustand oder in Trance ist, wie man sagt, wenn er also irgendwie aus dem Unterbewussten heraus spricht, sodass es dem trivialen Wortgebrauche nach eine Art von Hellsehen genannt wird, das sich im träumerischen Bewusstsein, in Trance kundgibt, was ist da? Da ist das der Fall, dass das gewöhnliche Verhalten des Menschen, das gewöhnliche Bewusstsein nicht da ist. Es hat sich umgewandelt in dieses herabgedämpfte oder vielleicht krankhafte Bewusstsein. Sie werden niemals, wenn Sie einen krankhaften Seelenzustand haben, sagen können: Neben diesem krankhaften Seelenzustand ist der gesunde noch da, denn dann würde der Mensch ja nicht krank sein. Wäre der gesunde Seelenzustand da, dann würde er nicht krank sein; denn dann würde er selber hinübertreten in den gesunden Seelenzustand.

[ 37 ] Was ist denn das Charakteristische bei einem krankhaften Seelenleben? Sehen Sie, wenn jemand in einem hypnotischen Zustand oder in Trance ist, wie man sagt, wenn er also irgendwie aus dem Unterbewussten heraus spricht, sodass es dem trivialen Wortgebrauche nach eine Art von Hellsehen genannt wird, das sich im träumerischen Bewusstsein, in Trance kundgibt, was ist da? Da ist das der Fall, dass das gewöhnliche Verhalten des Menschen, das gewöhnliche Bewusstsein nicht da ist. Es hat sich umgewandelt in dieses herabgedämpfte oder vielleicht krankhafte Bewusstsein. Sie werden niemals, wenn Sie einen krankhaften Seelenzustand haben, sagen können: Neben diesem krankhaften Seelenzustand ist der gesunde noch da, denn dann würde der Mensch ja nicht krank sein. Wäre der gesunde Seelenzustand da, dann würde er nicht krank sein; denn dann würde er selber hinübertreten in den gesunden Seelenzustand.

[ 38 ] Bei der wirklichen Geistesforschung ist es so, dass der Mensch als normaler Mensch eben fortwährend neben sich steht. Der Zustand, in dem der geistige Forscher ist, der entwickelt sich nicht aus dem gewöhnlichen, normalen Seelenleben heraus, wenn er richtig ist, sondern nebenher. Und wahrhaftig, es ist so: Wenn einer ein richtiger Geistesforscher ist, dann lebt er außerhalb seines Leibes; aber sein Leib mit allen normalen Sinnesverrichtungen, mit all dem gewöhnlichen Verstande, der ganz und gar normal bleibt, der geht weiter fort. Der Mensch bleibt richtig, wenn er ein wahrer Geistesforscher ist, trotzdem er mit dem, was er in sich entwickelt hat, aus seinem Leibe herausgetreten ist, bleibt er außerdem ein normaler Mensch, dem derjenige, der nicht selber in eine Geistesforschung eintreten kann, wahrhaftig nicht anzusehen braucht, dass er in einer anderen Welt lebt. Neben dem Hypnotisierten ist nicht der Nicht-Hypnbotisierte da neben dem Menschen, der durch ein krankhaftes Seelenleben ein abnormes Geistesleben entwickelt, ist nicht der Mensch mit dem normalen Geistesleben da. Aber das ist gerade das Charakteristische, dass der normale Zustand vollständig verbleibt, dass das gewöhnliche normale Denken in der normalen Logik verbleibt neben dem, dass der normale Mensch innerlich lebendige Logik hat, durch die er mit der geistigen Welt zusammenwächst.

[ 38 ] Bei der wirklichen Geistesforschung ist es so, dass der Mensch als normaler Mensch eben fortwährend neben sich steht. Der Zustand, in dem der geistige Forscher ist, der entwickelt sich nicht aus dem gewöhnlichen, normalen Seelenleben heraus, wenn er richtig ist, sondern nebenher. Und wahrhaftig, es ist so: Wenn einer ein richtiger Geistesforscher ist, dann lebt er außerhalb seines Leibes; aber sein Leib mit allen normalen Sinnesverrichtungen, mit all dem gewöhnlichen Verstande, der ganz und gar normal bleibt, der geht weiter fort. Der Mensch bleibt richtig, wenn er ein wahrer Geistesforscher ist, trotzdem er mit dem, was er in sich entwickelt hat, aus seinem Leibe herausgetreten ist, bleibt er außerdem ein normaler Mensch, dem derjenige, der nicht selber in eine Geistesforschung eintreten kann, wahrhaftig nicht anzusehen braucht, dass er in einer anderen Welt lebt. Neben dem Hypnotisierten ist nicht der Nicht-Hypnbotisierte da neben dem Menschen, der durch ein krankhaftes Seelenleben ein abnormes Geistesleben entwickelt, ist nicht der Mensch mit dem normalen Geistesleben da. Aber das ist gerade das Charakteristische, dass der normale Zustand vollständig verbleibt, dass das gewöhnliche normale Denken in der normalen Logik verbleibt neben dem, dass der normale Mensch innerlich lebendige Logik hat, durch die er mit der geistigen Welt zusammenwächst.

[ 39 ] Gerade dadurch aber ist der Geistesforscher in der Lage, immer mehr dasjenige, was wahre Geistesforschung ist, zu unterscheiden von dem, was einem entgegentritt in irgendwelchem krankhaften Seelenzustande. Und wenn gar etwa gemeint werden könnte, Geistesforschung habe irgendetwas gemein mit dem gewöhnlichen Spiritismus - es soll nicht damit gesagt werden, dass durch den Spiritismus nicht allerlei Tatsachen gefunden werden können -, allein die gehören zur Naturwissenschaft, nicht zur Geisteswissenschaft; denn dasjenige, was durch den Spiritismus gefunden wird, das wird vor die äußeren Sinne hingetragen, sei es durch Materialisationen oder Klopftöne oder dergleichen. Das geht in das Gebiet der Naturwissenschaft hinüber.

[ 39 ] Gerade dadurch aber ist der Geistesforscher in der Lage, immer mehr dasjenige, was wahre Geistesforschung ist, zu unterscheiden von dem, was einem entgegentritt in irgendwelchem krankhaften Seelenzustande. Und wenn gar etwa gemeint werden könnte, Geistesforschung habe irgendetwas gemein mit dem gewöhnlichen Spiritismus - es soll nicht damit gesagt werden, dass durch den Spiritismus nicht allerlei Tatsachen gefunden werden können -, allein die gehören zur Naturwissenschaft, nicht zur Geisteswissenschaft; denn dasjenige, was durch den Spiritismus gefunden wird, das wird vor die äußeren Sinne hingetragen, sei es durch Materialisationen oder Klopftöne oder dergleichen. Das geht in das Gebiet der Naturwissenschaft hinüber.

[ 40 ] Dasjenige, was dem Geistesforscher als Objekt sich ergibt, das ist Geistig-Seelisch, und das kann nicht äuRerlich im Raume zum Beispiel dargestellt werden, dass muss wirklich innerlich erlebt werden. Und da bildet sich denn heraus eine umfassende, eine umfängliche Geisteswissenschaft, eine Geisteswissenschaft, die nicht bloß aufklärt über das Wesen des Menschen, über das Durchgehen durch verschiedene Erdenleben, sondern welche auch aufklärt über dasjenige, was als geistige Welten und als geistige Wesen unserer Welt zugrunde liegt, welches auch eintreten kann in diejenige Welt, die der Mensch durchmacht nach seinem Tode. Nur soll man nicht glauben, dass dasjenige, was in gewissem Sinne als abnorme Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens auftritt, als abnorme Fähigkeiten, dass das irgendwie, ich möchte sagen in der Geisteswissenschaft einen ganz besonderen Wert hat. Sehen Sie, man redet heute vielfach davon, dass stattfinden kann Fernwirkung der Gedanken. Es soll jetzt nicht eingetreten werden in all das Für und Wider. Die Menschen müssen sich ja im Laufe der Zeit an vieles gewöhnen. Gerade unsere jetzige Zeit hat ernsten Forschern es abgerungen, die ganze Bedeutung zum Beispiel der Wünschelrute kennenzulernen, die jetzt in einem so ausgiebigen Sinne verwendet wird und über die einer der allernüchternsten Forscher jetzt gerade wichtige Versuche macht, um herauszubekommen, unter welchem Einflusse ein Mensch lebt, der gerade durch die Wünschelrute irgendwelche Erfolge hat. Aber alles das gehört nur in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft. Ebenso gehört in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft, dass Gedanken, die der Mensch hegt, auf einen anderen Menschen in der Ferne wirken können. Das sind Kräfte, die doch in diese Welt hineinwirken, wenn auch aus der [Denkkräftewelt] heraus. Nicht geleugnet sollen diese Dinge werden. Aber darum handelt es sich, dass die wahre Geistesforschung sie niemals dazu verwenden wird, so wie sie unmittelbar da sind, um Erkenntnisse über die geistig-seelische Welt des Menschen zu erkennen. Derjenige verkennt die Geisteswissenschaft vollständig, der glaubt, dass diese Geisteswissenschaft die Lehre von der Fernwirkung als etwas anderes ansieht als eine verfeinerte Physiologie, als eine verfeinerte Naturwissenschaft.

[ 40 ] Dasjenige, was dem Geistesforscher als Objekt sich ergibt, das ist Geistig-Seelisch, und das kann nicht äuRerlich im Raume zum Beispiel dargestellt werden, dass muss wirklich innerlich erlebt werden. Und da bildet sich denn heraus eine umfassende, eine umfängliche Geisteswissenschaft, eine Geisteswissenschaft, die nicht bloß aufklärt über das Wesen des Menschen, über das Durchgehen durch verschiedene Erdenleben, sondern welche auch aufklärt über dasjenige, was als geistige Welten und als geistige Wesen unserer Welt zugrunde liegt, welches auch eintreten kann in diejenige Welt, die der Mensch durchmacht nach seinem Tode. Nur soll man nicht glauben, dass dasjenige, was in gewissem Sinne als abnorme Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens auftritt, als abnorme Fähigkeiten, dass das irgendwie, ich möchte sagen in der Geisteswissenschaft einen ganz besonderen Wert hat. Sehen Sie, man redet heute vielfach davon, dass stattfinden kann Fernwirkung der Gedanken. Es soll jetzt nicht eingetreten werden in all das Für und Wider. Die Menschen müssen sich ja im Laufe der Zeit an vieles gewöhnen. Gerade unsere jetzige Zeit hat ernsten Forschern es abgerungen, die ganze Bedeutung zum Beispiel der Wünschelrute kennenzulernen, die jetzt in einem so ausgiebigen Sinne verwendet wird und über die einer der allernüchternsten Forscher jetzt gerade wichtige Versuche macht, um herauszubekommen, unter welchem Einflusse ein Mensch lebt, der gerade durch die Wünschelrute irgendwelche Erfolge hat. Aber alles das gehört nur in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft. Ebenso gehört in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft, dass Gedanken, die der Mensch hegt, auf einen anderen Menschen in der Ferne wirken können. Das sind Kräfte, die doch in diese Welt hineinwirken, wenn auch aus der [Denkkräftewelt] heraus. Nicht geleugnet sollen diese Dinge werden. Aber darum handelt es sich, dass die wahre Geistesforschung sie niemals dazu verwenden wird, so wie sie unmittelbar da sind, um Erkenntnisse über die geistig-seelische Welt des Menschen zu erkennen. Derjenige verkennt die Geisteswissenschaft vollständig, der glaubt, dass diese Geisteswissenschaft die Lehre von der Fernwirkung als etwas anderes ansieht als eine verfeinerte Physiologie, als eine verfeinerte Naturwissenschaft.

[ 41 ] Geisteswissenschaft berührt sich niemals mit demjenigen, was heute als Spiritismus auftritt. Wenn Geisteswissenschaft gedenkt der menschlichen Seelen, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ein rein geistiges Leben in einer geistigen Welt durchmachen, so weiß diese Geisteswissenschaft: Diese Seelen sind in einem Zustande in der geistigen Welt, in der du selber bist, nur dass auf Erden das Geistig-Seelische zwischen der Geburt und dem Tod in dem physischen Leibe lebt. Wenn du nun mit deinem Geistig-Seelischen rein von Liebe erfüllte Gedanken, die dich freimachen von dem Leiblichen, verwendest nach dem Toten hin, dann ist das ein realer Zusammenhang. Das zeigt die Geisteswissenschaft. Und da kann dasjenige, was Hinlenkung des eigenen Seelenlebens zu dem teuren Toten ist, schon während man selber noch in der physischen Welt ist, eine tiefe Bedeutung gewinnen. Keinem religiösen Bekenntnis kann es widersprechen, wenn gerade durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das Andenken an die Toten, das tätige Zusammenleben mit den Toten in dieser Weise gepflegt wird, wenn Geisteswissenschaft anregt, dieses Zusammenleben mit den Toten zu pflegen. Dass dabei selbstverständlich immer daran gedacht wird, dass der Tote wahrnehmen wird dasjenige, was wir in unseren Seelen für ihn hegen nur dann, wenn er in einer Lage ist, gleichsam zu wollen, mit uns im Zusammenhang zu sein. Das ist für den Geistesforscher ganz selbstverständlich. Und irgendwie eine Macht auszuüben über den Toten, das liegt gerade dem Geistesforscher vollständig ferne. Der Geistesforscher weiß ganz gut, dass der Tote in einer Sphäre lebt, in der andere Willensverhältnisse sind, und der Geistesforscher würde, wenn er wollte, in die geistige Welt mit dem, was er hier entwickeln kann innerhalb der physischen Welt in seiner Seele, wenn er mit dem machtvoll in die geistige Welt eingriffe, er würde sich so vorkommen wie - um einen Vergleich zu gebrauchen -, wie es erschiene, wenn eine Gesellschaft hier säße und plötzlich aus den Untergründen ein Löwe erschiene und Unordnung machte; wenn er hier erschiene und Unordnung machte, so etwa würde es dem Geistesforscher vorkommen, wenn er in ungehöriger Weise in das Leben der Toten eindringen würde. Da ist eine Sphäre, die über der unsrigen so erhaben ist wie etwa unsere Sphäre über derjenigen eines Tieres, das Unordnung machte in unserer Sphäre. Von einem Zitieren der Toten, wie es etwa im Spiritismus versucht wird, kann innerhalb der Geisteswissenschaft deshalb nicht die Rede sein, weil gerade das Verhältnis der Lebenden zu den Toten in einer wunderbaren Weise verklärt wird durch dasjenige, was die Geisteswissenschaft in unseren Seelen anregen kann. Und da mir zu Erfahrung gekommen ist, sehr verehrte Anwesende, dass unter den mancherlei Missverständnissen, die gegen unsere Geisteswissenschaft vorgebracht werden, sogar dieses ist, als ob die Geisteswissenschaft irgendwie eine Berührung mit dem Spiritismus gerade mit Bezug auf die Toten hat, so ist es schon notwendig, dass gerade dieses Missverständnis schärfer betont wird. Es ist nichts anderes als das Gegenteil mit Bezug auf diesen Punkt von der Geisteswissenschaft gesagt, wenn man davon spricht, dass Geisteswissenschaft in irgendeiner Weise mit dem, was der Spiritist nennt ein «Zitieren der Toten», zu tun haben könnte.

[ 41 ] Geisteswissenschaft berührt sich niemals mit demjenigen, was heute als Spiritismus auftritt. Wenn Geisteswissenschaft gedenkt der menschlichen Seelen, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ein rein geistiges Leben in einer geistigen Welt durchmachen, so weiß diese Geisteswissenschaft: Diese Seelen sind in einem Zustande in der geistigen Welt, in der du selber bist, nur dass auf Erden das Geistig-Seelische zwischen der Geburt und dem Tod in dem physischen Leibe lebt. Wenn du nun mit deinem Geistig-Seelischen rein von Liebe erfüllte Gedanken, die dich freimachen von dem Leiblichen, verwendest nach dem Toten hin, dann ist das ein realer Zusammenhang. Das zeigt die Geisteswissenschaft. Und da kann dasjenige, was Hinlenkung des eigenen Seelenlebens zu dem teuren Toten ist, schon während man selber noch in der physischen Welt ist, eine tiefe Bedeutung gewinnen. Keinem religiösen Bekenntnis kann es widersprechen, wenn gerade durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das Andenken an die Toten, das tätige Zusammenleben mit den Toten in dieser Weise gepflegt wird, wenn Geisteswissenschaft anregt, dieses Zusammenleben mit den Toten zu pflegen. Dass dabei selbstverständlich immer daran gedacht wird, dass der Tote wahrnehmen wird dasjenige, was wir in unseren Seelen für ihn hegen nur dann, wenn er in einer Lage ist, gleichsam zu wollen, mit uns im Zusammenhang zu sein. Das ist für den Geistesforscher ganz selbstverständlich. Und irgendwie eine Macht auszuüben über den Toten, das liegt gerade dem Geistesforscher vollständig ferne. Der Geistesforscher weiß ganz gut, dass der Tote in einer Sphäre lebt, in der andere Willensverhältnisse sind, und der Geistesforscher würde, wenn er wollte, in die geistige Welt mit dem, was er hier entwickeln kann innerhalb der physischen Welt in seiner Seele, wenn er mit dem machtvoll in die geistige Welt eingriffe, er würde sich so vorkommen wie - um einen Vergleich zu gebrauchen -, wie es erschiene, wenn eine Gesellschaft hier säße und plötzlich aus den Untergründen ein Löwe erschiene und Unordnung machte; wenn er hier erschiene und Unordnung machte, so etwa würde es dem Geistesforscher vorkommen, wenn er in ungehöriger Weise in das Leben der Toten eindringen würde. Da ist eine Sphäre, die über der unsrigen so erhaben ist wie etwa unsere Sphäre über derjenigen eines Tieres, das Unordnung machte in unserer Sphäre. Von einem Zitieren der Toten, wie es etwa im Spiritismus versucht wird, kann innerhalb der Geisteswissenschaft deshalb nicht die Rede sein, weil gerade das Verhältnis der Lebenden zu den Toten in einer wunderbaren Weise verklärt wird durch dasjenige, was die Geisteswissenschaft in unseren Seelen anregen kann. Und da mir zu Erfahrung gekommen ist, sehr verehrte Anwesende, dass unter den mancherlei Missverständnissen, die gegen unsere Geisteswissenschaft vorgebracht werden, sogar dieses ist, als ob die Geisteswissenschaft irgendwie eine Berührung mit dem Spiritismus gerade mit Bezug auf die Toten hat, so ist es schon notwendig, dass gerade dieses Missverständnis schärfer betont wird. Es ist nichts anderes als das Gegenteil mit Bezug auf diesen Punkt von der Geisteswissenschaft gesagt, wenn man davon spricht, dass Geisteswissenschaft in irgendeiner Weise mit dem, was der Spiritist nennt ein «Zitieren der Toten», zu tun haben könnte.

[ 42 ] Wie gesagt, nicht irgendwie Stimmung oder Propaganda machen möchte ich für unsere Sache, sondern nur Missverständnisse, von denen ich weiß, dass sie herrschen, die möchte ich besprechen und möchte in möglichst klarer Weise hindeuten, wie sich diese Geisteswissenschaft zu diesen Dingen verhält.

[ 42 ] Wie gesagt, nicht irgendwie Stimmung oder Propaganda machen möchte ich für unsere Sache, sondern nur Missverständnisse, von denen ich weiß, dass sie herrschen, die möchte ich besprechen und möchte in möglichst klarer Weise hindeuten, wie sich diese Geisteswissenschaft zu diesen Dingen verhält.

[ 43 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn gefragt wird - und diese Frage ist ja eine so naheliegende -, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu dem religiösen Leben des Menschen steht, dann brauchte ja nur das voll berücksichtigt zu werden, was allgemein bekannt sein könnte. Geisteswissenschaft steht nicht auf dem Boden, in irgendein religiöses Bekenntnis, in das Gebiet irgendeines religiösen Lebens unmittelbar einzugreifen. Ich möchte mich in dieser Beziehung in der folgenden Weise vielleicht klarmachen. Nehmen wir an, wir haben Naturwissenschaft. Wir werden uns nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von der Natur gewinnen, irgendetwas in der Natur selber schaffen zu können. Das Wissen der Natur schafft nicht irgendetwas in der Natur. Wir werden uns auch nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von den geistigen Verhältnissen gewinnen, etwas in den geistigen Verhältnissen schaffen zu können.

[ 43 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn gefragt wird - und diese Frage ist ja eine so naheliegende -, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu dem religiösen Leben des Menschen steht, dann brauchte ja nur das voll berücksichtigt zu werden, was allgemein bekannt sein könnte. Geisteswissenschaft steht nicht auf dem Boden, in irgendein religiöses Bekenntnis, in das Gebiet irgendeines religiösen Lebens unmittelbar einzugreifen. Ich möchte mich in dieser Beziehung in der folgenden Weise vielleicht klarmachen. Nehmen wir an, wir haben Naturwissenschaft. Wir werden uns nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von der Natur gewinnen, irgendetwas in der Natur selber schaffen zu können. Das Wissen der Natur schafft nicht irgendetwas in der Natur. Wir werden uns auch nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von den geistigen Verhältnissen gewinnen, etwas in den geistigen Verhältnissen schaffen zu können.

[ 44 ] Wir beobachten die geistigen Verhältnisse. Wir suchen, hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Religionen, sehr verehrte Anwesende, Religionen sind im geschichtlichen Leben der Menschheit Tatsachen. Geisteswissenschaft kann sich auch allerdings darüber erstrecken, diese geistigen Erscheinungen, die im Laufe der Weltentwicklung auftraten als Religionen, diese zu betrachten. Allein Geisteswissenschaft kann niemals, ebenso wenig wie sie sich der Illusion hingibt, etwas in der Natur zu schaffen, ebenso wenig strebt sie danach, eine Religion zu schaffen. Daher werden in dem Kreise der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in allertiefstem Frieden und in vollständiger Harmonie die verschiedensten Religionsbekenntnisse zusammen sein können und nach der Erkenntnis des Geistigen streben können, so streben können, dass dasjenige, was der Einzelne als religiöse Überzeugung trägt, nicht dadurch in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird. Auch nicht die Intensität in der Ausübung seines religiösen Bekenntnisses oder seines religiösen Bedürfnisses braucht in irgendeiner Weise beeinträchtigt zu werden durch dasjenige, was der Mensch in der Geisteswissenschaft findet. Man muss vielmehr sagen: Naturwissenschaft, so wie sie aufgetreten ist in der neueren Zeit, sie hat vielfach abgebracht die Menschen von einem religiösen Begreifen des Lebens, von innerer, wahrer Religiosität. Und gerade das ist eine Erfahrung, die wir mit der Geisteswissenschaft machen, die Erfahrung, dass diejenigen, die durch die naturwissenschaftlichen Halbwahrheiten, wenn die Naturwissenschaft von sich aus Weltanschauung sein will, allem religiösen Leben entfremdet werden, dass diese durch die Geisteswissenschaft gerade wiederum zu dem religiösen Leben hingeführt werden können; und niemand braucht irgendwie weggeführt werden von seinem religiösen Leben durch die Geisteswissenschaft. Daher kann man auch nicht davon sprechen, dass die Geisteswissenschaft irgendein religiöses Bekenntnis sei. Weder will sie ein religiöses Bekenntnis schaffen, noch will sie den Menschen irgendwie verändern in Bezug auf dasjenige, was er als sein religiöses Bekenntnis hat.

[ 44 ] Wir beobachten die geistigen Verhältnisse. Wir suchen, hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Religionen, sehr verehrte Anwesende, Religionen sind im geschichtlichen Leben der Menschheit Tatsachen. Geisteswissenschaft kann sich auch allerdings darüber erstrecken, diese geistigen Erscheinungen, die im Laufe der Weltentwicklung auftraten als Religionen, diese zu betrachten. Allein Geisteswissenschaft kann niemals, ebenso wenig wie sie sich der Illusion hingibt, etwas in der Natur zu schaffen, ebenso wenig strebt sie danach, eine Religion zu schaffen. Daher werden in dem Kreise der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in allertiefstem Frieden und in vollständiger Harmonie die verschiedensten Religionsbekenntnisse zusammen sein können und nach der Erkenntnis des Geistigen streben können, so streben können, dass dasjenige, was der Einzelne als religiöse Überzeugung trägt, nicht dadurch in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird. Auch nicht die Intensität in der Ausübung seines religiösen Bekenntnisses oder seines religiösen Bedürfnisses braucht in irgendeiner Weise beeinträchtigt zu werden durch dasjenige, was der Mensch in der Geisteswissenschaft findet. Man muss vielmehr sagen: Naturwissenschaft, so wie sie aufgetreten ist in der neueren Zeit, sie hat vielfach abgebracht die Menschen von einem religiösen Begreifen des Lebens, von innerer, wahrer Religiosität. Und gerade das ist eine Erfahrung, die wir mit der Geisteswissenschaft machen, die Erfahrung, dass diejenigen, die durch die naturwissenschaftlichen Halbwahrheiten, wenn die Naturwissenschaft von sich aus Weltanschauung sein will, allem religiösen Leben entfremdet werden, dass diese durch die Geisteswissenschaft gerade wiederum zu dem religiösen Leben hingeführt werden können; und niemand braucht irgendwie weggeführt werden von seinem religiösen Leben durch die Geisteswissenschaft. Daher kann man auch nicht davon sprechen, dass die Geisteswissenschaft irgendein religiöses Bekenntnis sei. Weder will sie ein religiöses Bekenntnis schaffen, noch will sie den Menschen irgendwie verändern in Bezug auf dasjenige, was er als sein religiöses Bekenntnis hat.

[ 45 ] Die verschiedensten religiösen Bekenntnisse, sie können vereinigt sein auf dem Boden der Geisteswissenschaft. Dennoch scheint es, als ob man sich Gedanken machte über die Religion der Anthroposophen. In Wahrheit kann man gar nicht sprechen davon, denn innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sind alle Religionsbekenntnisse vertreten, und keiner wird gehindert daran, sein religiöses Bekenntnis auch praktisch in der vollsten, in der umfänglichsten und intensivsten Weise zu betätigen. Das will aber Geisteswissenschaft: Die ganze Welt betrachten; sie will auch das geschichtliche Leben betrachten, auch dasjenige, was von höchster Geistigkeit aus in das geschichtliche Leben hereingetreten ist, betrachten. Dass sie aus diesem Grunde auch Betrachtungen über die Religionen anstellt, das hindert durchaus nicht dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe. Und so ist es, dass die geisteswissenschaftliche Weltenbetrachtung sich in gewisser Beziehung vertiefen muss, auch in Bezug auf die Gegenstände des religiösen Lebens.

[ 45 ] Die verschiedensten religiösen Bekenntnisse, sie können vereinigt sein auf dem Boden der Geisteswissenschaft. Dennoch scheint es, als ob man sich Gedanken machte über die Religion der Anthroposophen. In Wahrheit kann man gar nicht sprechen davon, denn innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sind alle Religionsbekenntnisse vertreten, und keiner wird gehindert daran, sein religiöses Bekenntnis auch praktisch in der vollsten, in der umfänglichsten und intensivsten Weise zu betätigen. Das will aber Geisteswissenschaft: Die ganze Welt betrachten; sie will auch das geschichtliche Leben betrachten, auch dasjenige, was von höchster Geistigkeit aus in das geschichtliche Leben hereingetreten ist, betrachten. Dass sie aus diesem Grunde auch Betrachtungen über die Religionen anstellt, das hindert durchaus nicht dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe. Und so ist es, dass die geisteswissenschaftliche Weltenbetrachtung sich in gewisser Beziehung vertiefen muss, auch in Bezug auf die Gegenstände des religiösen Lebens.

[ 46 ] Aber wenn zum Beispiel, wie es leicht sein kann, vorgeworfen würde der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie, so wie sie hier gemeint ist, dass sie nicht von einem persönlichen Gott spreche - ja, sogar soll die Meinung herrschen, dass ich selber es vorzöge, nicht von Gott zu sprechen sehr häufig, sondern von der Gottheit zu sprechen, oder dass ich Worte wähle, welche nicht unmittelbar das Wort Gott sind, sondern in irgendeiner anderen Weise die Welt betrachte auch da, wenn an die göttlichen Geheimnisse des Daseins gerührt werden sollte. Ja, es verbreitet sich auch die Meinung, als ob dasjenige, was als das Göttliche bezeichnet wird, in der Geisteswissenschaft etwa einen ähnlichen Charakter annehmen könnte wie der Pantheismus der Monisten oder der Naturalisten oder dergleichen. Gerade der Umstand, die Tatsache, dass man in der Geisteswissenschaft zu realen geistigen Wesenheiten geführt wird, zu den realen geistigen Wesenheiten, die der Mensch ist nach dem Tode, aber auch zu anderen realen Wesenheiten, die wie Naturwesenheiten unsere Welt erfüllen und die nicht zu einer physischen Verkörperung herabsteigen. Gerade dadurch, dass man zu konkreten, zu wirklichen geistigen Wesen geführt wird, kommt man auch zu einem vollständigen Verstehen-Können, wie ungereimt - ich sage [es] ausdrücklich - es ist, von einem pantheistischen Gott zu sprechen, die Persönlichkeit Gott absprechen zu wollen. Im Gegenteil, [man] kommt dazu, einzusehen, dass man nicht nur von der Persönlichkeit, sondern vielleicht von einer Überpersönlichkeit Gottes sprechen muss, wenn ich dieses Wort prägen darf. Gerade die gründlichste Widerlegung des Pantheismus kann durch die Geisteswissenschaft gefunden werden. Und es wäre ein vollständiges Missverstehen, wenn man der Geisteswissenschaft gerade mit Bezug auf die Gottesidee irgendetwas von Pantheismus in die Schuhe schieben würde. Und kann es ein Vorwurf sein, sehr verehrte Anwesende, wenn der Geistesforscher aus jenen Empfindungen, die in seiner Seele erglühen und erblühen aus den geisteswissenschaftlichen Anregungen heraus, wenn er nur mit einer tiefen Ehrfurcht dann spricht, wenn er, sei es aus den Natur, sei es aus den geistigen Tatsachen, zu der Unendlichkeit des Göttlichen scheu hindeutet. Wie oft wird im Kreise unserer Geisteswissenschaft gesagt: «In Gott leben, weben und sind wir.» Und derjenige, der da will Gott mit einem Begriffe umfassen, der weiß nicht, dass alle Begriffe Gott nicht umfassen können, weil alle Begriffe in Gott darinnen sind. In Gott leben, weben und sind wir. Aber Gott zugleich anzuerkennen als ein Wesen, das in viel höherem Sinne, in einem Sinne, den man gar nicht einmal ahnen kann selbst durch Geisteswissenschaft, in einem viel höheren Sinne Persönlichkeit hat, als die menschliche Persönlichkeit ist, das wird insbesondere durch die Geisteswissenschaft so recht dem Menschen, ich möchte sagen, natürlich. Religiöse Begriffe werden durch die Geisteswissenschaft nicht im pantheistischen Sinne verschoben, sondern höchstens vertieft. In Gott leben, weben und sind wir. Und wenn man doch davon spricht, dass Gott auch in unserem eigenen Herzen, in unserer eigenen Seele spricht, so ist das ja die Überzeugung vieler religiöser Leute. Und immer wieder und wieder wird gesagt, davon kann keine Rede sein, dadurch den Menschen etwa vergotten zu wollen.

[ 46 ] Aber wenn zum Beispiel, wie es leicht sein kann, vorgeworfen würde der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie, so wie sie hier gemeint ist, dass sie nicht von einem persönlichen Gott spreche - ja, sogar soll die Meinung herrschen, dass ich selber es vorzöge, nicht von Gott zu sprechen sehr häufig, sondern von der Gottheit zu sprechen, oder dass ich Worte wähle, welche nicht unmittelbar das Wort Gott sind, sondern in irgendeiner anderen Weise die Welt betrachte auch da, wenn an die göttlichen Geheimnisse des Daseins gerührt werden sollte. Ja, es verbreitet sich auch die Meinung, als ob dasjenige, was als das Göttliche bezeichnet wird, in der Geisteswissenschaft etwa einen ähnlichen Charakter annehmen könnte wie der Pantheismus der Monisten oder der Naturalisten oder dergleichen. Gerade der Umstand, die Tatsache, dass man in der Geisteswissenschaft zu realen geistigen Wesenheiten geführt wird, zu den realen geistigen Wesenheiten, die der Mensch ist nach dem Tode, aber auch zu anderen realen Wesenheiten, die wie Naturwesenheiten unsere Welt erfüllen und die nicht zu einer physischen Verkörperung herabsteigen. Gerade dadurch, dass man zu konkreten, zu wirklichen geistigen Wesen geführt wird, kommt man auch zu einem vollständigen Verstehen-Können, wie ungereimt - ich sage [es] ausdrücklich - es ist, von einem pantheistischen Gott zu sprechen, die Persönlichkeit Gott absprechen zu wollen. Im Gegenteil, [man] kommt dazu, einzusehen, dass man nicht nur von der Persönlichkeit, sondern vielleicht von einer Überpersönlichkeit Gottes sprechen muss, wenn ich dieses Wort prägen darf. Gerade die gründlichste Widerlegung des Pantheismus kann durch die Geisteswissenschaft gefunden werden. Und es wäre ein vollständiges Missverstehen, wenn man der Geisteswissenschaft gerade mit Bezug auf die Gottesidee irgendetwas von Pantheismus in die Schuhe schieben würde. Und kann es ein Vorwurf sein, sehr verehrte Anwesende, wenn der Geistesforscher aus jenen Empfindungen, die in seiner Seele erglühen und erblühen aus den geisteswissenschaftlichen Anregungen heraus, wenn er nur mit einer tiefen Ehrfurcht dann spricht, wenn er, sei es aus den Natur, sei es aus den geistigen Tatsachen, zu der Unendlichkeit des Göttlichen scheu hindeutet. Wie oft wird im Kreise unserer Geisteswissenschaft gesagt: «In Gott leben, weben und sind wir.» Und derjenige, der da will Gott mit einem Begriffe umfassen, der weiß nicht, dass alle Begriffe Gott nicht umfassen können, weil alle Begriffe in Gott darinnen sind. In Gott leben, weben und sind wir. Aber Gott zugleich anzuerkennen als ein Wesen, das in viel höherem Sinne, in einem Sinne, den man gar nicht einmal ahnen kann selbst durch Geisteswissenschaft, in einem viel höheren Sinne Persönlichkeit hat, als die menschliche Persönlichkeit ist, das wird insbesondere durch die Geisteswissenschaft so recht dem Menschen, ich möchte sagen, natürlich. Religiöse Begriffe werden durch die Geisteswissenschaft nicht im pantheistischen Sinne verschoben, sondern höchstens vertieft. In Gott leben, weben und sind wir. Und wenn man doch davon spricht, dass Gott auch in unserem eigenen Herzen, in unserer eigenen Seele spricht, so ist das ja die Überzeugung vieler religiöser Leute. Und immer wieder und wieder wird gesagt, davon kann keine Rede sein, dadurch den Menschen etwa vergotten zu wollen.

[ 47 ] Ich habe oftmals das Gleichnis ausgesprochen: Wenn ich sage, ein Tropfen aus dem Meer genommen sei Wasser, sage ich: Der Tropfen ist das Meer? Wenn ich sage: In einzelnen menschlichen Seelen spreche etwas Göttliches, ein Tropfen aus dem Meer des unendlichen Göttlichen sage ich da irgendetwas, was die einzelne menschliche Seele vergöttlicht? Sage ich irgendetwas, was die Natur in pantheistischer Weise zusammenbringt mit Gott? Nie und nimmermehr! Und schließlich, wenn aus gewissen Grundempfindungen heraus, die gerade durch Geisteswissenschaft angeregt werden, in scheuer Ehrfurcht öfter der Gottesname nicht genannt, sondern umschrieben wird, darf das eigentlich vom religiösen Standpunkte aus getadelt werden? Ich frage: Gibt es nicht sogar eines der zehn Gebote, das da sagt: «Du sollst den Namen Gottes nicht unehrerbietig aussprechen»? Könnte es nicht gerade eine Anregung sein, aus der Geisteswissenschaft heraus zu einer treuen Erfüllung dieses Gebotes, wenn der Name Gottes nicht alle Viertelstunde einmal auf der Zunge geführt wird?

[ 47 ] Ich habe oftmals das Gleichnis ausgesprochen: Wenn ich sage, ein Tropfen aus dem Meer genommen sei Wasser, sage ich: Der Tropfen ist das Meer? Wenn ich sage: In einzelnen menschlichen Seelen spreche etwas Göttliches, ein Tropfen aus dem Meer des unendlichen Göttlichen sage ich da irgendetwas, was die einzelne menschliche Seele vergöttlicht? Sage ich irgendetwas, was die Natur in pantheistischer Weise zusammenbringt mit Gott? Nie und nimmermehr! Und schließlich, wenn aus gewissen Grundempfindungen heraus, die gerade durch Geisteswissenschaft angeregt werden, in scheuer Ehrfurcht öfter der Gottesname nicht genannt, sondern umschrieben wird, darf das eigentlich vom religiösen Standpunkte aus getadelt werden? Ich frage: Gibt es nicht sogar eines der zehn Gebote, das da sagt: «Du sollst den Namen Gottes nicht unehrerbietig aussprechen»? Könnte es nicht gerade eine Anregung sein, aus der Geisteswissenschaft heraus zu einer treuen Erfüllung dieses Gebotes, wenn der Name Gottes nicht alle Viertelstunde einmal auf der Zunge geführt wird?

[ 48 ] Und der Christusname und das Christuswesen? Sehr verehrte Anwesende, gerade Geisteswissenschaft ist es, von der auch gesagt werden darf, das sie alle Anstrengungen macht, die Christuswesenheit zu begreifen, und dass sie dabei niemals in irgendwelchen Zwiespalt kommt mit demjenigen, was aus wahren Grundlagen heraus irgendein religiöses Bekenntnis entwickelt. Nur geht es einem da gerade auf diesem Gebiet höchst eigentümlich, höchst merkwürdig. Wenn da jemand zum Beispiel kommt und sagt, er habe diese oder jene Meinung, diese oder jene Auffassung, diese oder jene Empfindung von dem Christus, von dem Jesus, und dann sagt man ihm: Gewiss, diese Empfindungen erkennt man vollberechtigt an; nur führt uns die Geisteswissenschaft dazu, noch manches andere zu denken. Wir leugnen das Deine nicht. Wir nehmen das Deine sogar hin. Nur müssen wir noch manches andere hinzufügen.

[ 48 ] Und der Christusname und das Christuswesen? Sehr verehrte Anwesende, gerade Geisteswissenschaft ist es, von der auch gesagt werden darf, das sie alle Anstrengungen macht, die Christuswesenheit zu begreifen, und dass sie dabei niemals in irgendwelchen Zwiespalt kommt mit demjenigen, was aus wahren Grundlagen heraus irgendein religiöses Bekenntnis entwickelt. Nur geht es einem da gerade auf diesem Gebiet höchst eigentümlich, höchst merkwürdig. Wenn da jemand zum Beispiel kommt und sagt, er habe diese oder jene Meinung, diese oder jene Auffassung, diese oder jene Empfindung von dem Christus, von dem Jesus, und dann sagt man ihm: Gewiss, diese Empfindungen erkennt man vollberechtigt an; nur führt uns die Geisteswissenschaft dazu, noch manches andere zu denken. Wir leugnen das Deine nicht. Wir nehmen das Deine sogar hin. Nur müssen wir noch manches andere hinzufügen.

[ 49 ] Gerade dadurch, dass Geisteswissenschaft den geistigen Blick, das Seelenauge erweitert über die geistige Welt, dadurch zum Beispiel ist es notwendig, in demjenigen Wesen, zu dem der Christ als seinem Christus aufschaut, nicht nur das Wesen zu erkennen, das über die Erde hingegangen ist, sondern dieses Wesen auch in einen Zusammenhang mit dem gesamten Kosmos zu bringen. Und dann ist wieder manches andere die Folge. Aber nichts, was die Folge ist, ist etwas anderes, als was hinzugefügt wird zu demjenigen, was der Religiöse, der wahrhaft christlich Religiöse über den Christus zu sagen hat. Und niemals erscheint es einem als Geistesforscher anders, wenn jemand den geisteswissenschaftlichen Begriff des Christus-Jesus angreift, als wenn jemand kommt und sagt: Ich habe dies oder jenes, was ich von dem Christus auszusagen habe; glaubst du das? Man sagt ihm: Ja. «Ja, aber du glaubst nicht nur dies, sondern auch noch etwas anderes!» Das erlaubt er einem nicht. Er begnügt sich nicht damit, dass man dasjenige zugibt, was er vertritt, sondern er verbietet einem, noch herrlicher, noch größer als er selber von dem Christus zu denken.

[ 49 ] Gerade dadurch, dass Geisteswissenschaft den geistigen Blick, das Seelenauge erweitert über die geistige Welt, dadurch zum Beispiel ist es notwendig, in demjenigen Wesen, zu dem der Christ als seinem Christus aufschaut, nicht nur das Wesen zu erkennen, das über die Erde hingegangen ist, sondern dieses Wesen auch in einen Zusammenhang mit dem gesamten Kosmos zu bringen. Und dann ist wieder manches andere die Folge. Aber nichts, was die Folge ist, ist etwas anderes, als was hinzugefügt wird zu demjenigen, was der Religiöse, der wahrhaft christlich Religiöse über den Christus zu sagen hat. Und niemals erscheint es einem als Geistesforscher anders, wenn jemand den geisteswissenschaftlichen Begriff des Christus-Jesus angreift, als wenn jemand kommt und sagt: Ich habe dies oder jenes, was ich von dem Christus auszusagen habe; glaubst du das? Man sagt ihm: Ja. «Ja, aber du glaubst nicht nur dies, sondern auch noch etwas anderes!» Das erlaubt er einem nicht. Er begnügt sich nicht damit, dass man dasjenige zugibt, was er vertritt, sondern er verbietet einem, noch herrlicher, noch größer als er selber von dem Christus zu denken.

[ 50 ] Kann es denn in Wahrheit, sehr verehrte Anwesende, ein Ketzerisches sein, wenn die Geisteswissenschaft aus ihren Grundlagen, aus der Beobachtung desjenigen, was als Geist durchwaltet den ganzen Erdenverlauf in Bezug auf die menschliche und sonstige Entwicklung, wenn die Geisteswissenschaft darauf kommt, zu sagen: Dieses ganze Erdensein hätte für das Weltenall keinen Sinn, wenn sich innerhalb des Erdendaseins nicht das Mysterium von Golgatha zugetragen hätte? Ja, der Geistesforscher muss sagen: Wenn irgendwelche Bewohner ferner Welten herunterschauen könnten auf die Erde und könnten anschauen, was die Erde ist, sie würden keinen Sinn innerhalb der ganzen Entwicklung der Erde sehen, wenn nicht auf dieser Erde Christus gelebt hätte und gestorben wäre und auferstanden wäre. Das Ereignis von Golgatha gibt dem Erdenleben Sinn und Inhalt für die ganze Welt. Wenn sie sich einlassen würden auf die Geistesforschung, würden sie sehen, dass die Christus-Verehrung, die Hingabe an den Christus nicht geringer werden kann durch die Geistesforschung, sondern im Gegenteil nur erhöht werden kann.

[ 50 ] Kann es denn in Wahrheit, sehr verehrte Anwesende, ein Ketzerisches sein, wenn die Geisteswissenschaft aus ihren Grundlagen, aus der Beobachtung desjenigen, was als Geist durchwaltet den ganzen Erdenverlauf in Bezug auf die menschliche und sonstige Entwicklung, wenn die Geisteswissenschaft darauf kommt, zu sagen: Dieses ganze Erdensein hätte für das Weltenall keinen Sinn, wenn sich innerhalb des Erdendaseins nicht das Mysterium von Golgatha zugetragen hätte? Ja, der Geistesforscher muss sagen: Wenn irgendwelche Bewohner ferner Welten herunterschauen könnten auf die Erde und könnten anschauen, was die Erde ist, sie würden keinen Sinn innerhalb der ganzen Entwicklung der Erde sehen, wenn nicht auf dieser Erde Christus gelebt hätte und gestorben wäre und auferstanden wäre. Das Ereignis von Golgatha gibt dem Erdenleben Sinn und Inhalt für die ganze Welt. Wenn sie sich einlassen würden auf die Geistesforschung, würden sie sehen, dass die Christus-Verehrung, die Hingabe an den Christus nicht geringer werden kann durch die Geistesforschung, sondern im Gegenteil nur erhöht werden kann.

[ 51 ] Es drängt die Zeit, und ich kann nicht eingehen auf mancherlei, was sich auch als Missverständnis verbreitet hat über diese oder jene Auffassungen, die da sein sollen im Kreise der Anthroposophen - wie man sie auch nennt, obwohl man das Wort besser vermeiden sollte, nur von Anthroposophie sprechen sollte -, über gewisse Vorstellungen, die sich verbreitet haben sollen über das oder jenes, wie das oder jenes in der Bibel aufzufassen ist. Aber, sehr verehrte Anwesende, da handelt es sich darum, dass man ein sehr guter Geistesforscher sein kann, ohne überhaupt irgendwie zu teilen dasjenige gerade, was allerdings aus bestimmten Grundlagen für diejenigen Kreise, die gerade darüber etwas wissen wollen, über die Evangelien, in dem Kreise unserer Gesellschaft gesagt worden ist. Wenn das aber im Zusammenhange gelesen wird, so wird man jedenfalls nirgends finden können, dass zum Beispiel der Unsinn von mir irgendeinmal gesagt worden sein könnte, dass dasjenige, was wiederholtes Erdenleben ist, aus der Bibel bewiesen werden könnte, weil an der Stelle, wo die Tatsache über Nathanael steht, ich meinte, wenn der Christus sagt: «Ich habe dich schon unter dem Feigenbaume sitzen sehen», so deute er auf eine frühere Inkarnation, wo er den Nathanael unter dem Feigenbaum sitzen sehen habe. Ich kann nur das eine tun, wenn diese Dinge als Missverständnisse heute durch die Welt schwirren, ich kann nur das eine tun: Mich darüber verwundern, wie solche Dinge überhaupt aus dem, was wirklich gesagt worden ist, haben entstehen können. Gerade das sind Beweise dafür, wie dasjenige, was wirklich gesagt wird, wenn es von Mund zu Ohr weitergetragen wird, geändert wird in der mannigfachsten Weise und wie das Gegenteil, denn in diesem Falle ist es wahrhaftig das Gegenteil, das herausgekommen ist von dem, was gesagt worden ist, was als Wahres gesagt worden ist, ins Gegenteil verkehrt wird.

[ 51 ] Es drängt die Zeit, und ich kann nicht eingehen auf mancherlei, was sich auch als Missverständnis verbreitet hat über diese oder jene Auffassungen, die da sein sollen im Kreise der Anthroposophen - wie man sie auch nennt, obwohl man das Wort besser vermeiden sollte, nur von Anthroposophie sprechen sollte -, über gewisse Vorstellungen, die sich verbreitet haben sollen über das oder jenes, wie das oder jenes in der Bibel aufzufassen ist. Aber, sehr verehrte Anwesende, da handelt es sich darum, dass man ein sehr guter Geistesforscher sein kann, ohne überhaupt irgendwie zu teilen dasjenige gerade, was allerdings aus bestimmten Grundlagen für diejenigen Kreise, die gerade darüber etwas wissen wollen, über die Evangelien, in dem Kreise unserer Gesellschaft gesagt worden ist. Wenn das aber im Zusammenhange gelesen wird, so wird man jedenfalls nirgends finden können, dass zum Beispiel der Unsinn von mir irgendeinmal gesagt worden sein könnte, dass dasjenige, was wiederholtes Erdenleben ist, aus der Bibel bewiesen werden könnte, weil an der Stelle, wo die Tatsache über Nathanael steht, ich meinte, wenn der Christus sagt: «Ich habe dich schon unter dem Feigenbaume sitzen sehen», so deute er auf eine frühere Inkarnation, wo er den Nathanael unter dem Feigenbaum sitzen sehen habe. Ich kann nur das eine tun, wenn diese Dinge als Missverständnisse heute durch die Welt schwirren, ich kann nur das eine tun: Mich darüber verwundern, wie solche Dinge überhaupt aus dem, was wirklich gesagt worden ist, haben entstehen können. Gerade das sind Beweise dafür, wie dasjenige, was wirklich gesagt wird, wenn es von Mund zu Ohr weitergetragen wird, geändert wird in der mannigfachsten Weise und wie das Gegenteil, denn in diesem Falle ist es wahrhaftig das Gegenteil, das herausgekommen ist von dem, was gesagt worden ist, was als Wahres gesagt worden ist, ins Gegenteil verkehrt wird.

[ 52 ] Ich will mich jetzt nicht einlassen darauf, andere Missverständnisse zu widerlegen, die leicht widerlegt werden könnten. Ich will nur noch über das eine sprechen, das zum Beispiel sehr leicht gesagt werden könnte: Ja, Ihr Anthroposophen glaubt an die Bibel. Ein Anthroposoph wird keinem, der die Bibel versteht, nachgeben etwas in Bezug auf die Bibelverehrung und Hingabe an die Bibel. Er wird ein treues Verständnis versuchen, wenn er auch im Einzelnen, wie das ja selbstverständlich ist, irren kann. Aber wenn nun gefragt werden könnte: Ja, wie hast du es denn damit, dass ja man in der Bibel nichts findet über die wiederholten Erdenleben; und es könnte sein, dass jemand sagt: Er könne nicht an diese wiederholten Erdenleben glauben aus dem einfachen Grunde, weil seiner Überzeugung nach ein Widerspruch sei zwischen der Annahme dieser wiederholten Erdenleben - zu der sich Geister wie Lessing zum Beispiel bekannt haben - und dem, was in der Bibel steht.

[ 52 ] Ich will mich jetzt nicht einlassen darauf, andere Missverständnisse zu widerlegen, die leicht widerlegt werden könnten. Ich will nur noch über das eine sprechen, das zum Beispiel sehr leicht gesagt werden könnte: Ja, Ihr Anthroposophen glaubt an die Bibel. Ein Anthroposoph wird keinem, der die Bibel versteht, nachgeben etwas in Bezug auf die Bibelverehrung und Hingabe an die Bibel. Er wird ein treues Verständnis versuchen, wenn er auch im Einzelnen, wie das ja selbstverständlich ist, irren kann. Aber wenn nun gefragt werden könnte: Ja, wie hast du es denn damit, dass ja man in der Bibel nichts findet über die wiederholten Erdenleben; und es könnte sein, dass jemand sagt: Er könne nicht an diese wiederholten Erdenleben glauben aus dem einfachen Grunde, weil seiner Überzeugung nach ein Widerspruch sei zwischen der Annahme dieser wiederholten Erdenleben - zu der sich Geister wie Lessing zum Beispiel bekannt haben - und dem, was in der Bibel steht.

[ 53 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die wiederholten Erdenleben wird man erkennen als eine wissenschaftliche, eine geisteswissenschaftliche Tatsache. Und über das Verhältnis einer solchen geisteswissenschaftlichen Tatsache, die einmal gefunden werden musste zur Bibel, wird man lernen in der folgenden Weise zu denken. Könnte man es für möglich halten, dass jemand sagte: Er glaubt nicht, dass es Amerika gibt, weil in der Bibel nichts steht, in den Evangelien, dass es Amerika gibt? Widerspricht es deshalb der Bibel, dass es Amerika gibt? Oder glaubt man deshalb, der Bibel irgendeinen Abbruch zu tun, dass man sagt: Ich finde es vollständig mit einer Bibelverehrung im Einklange, dass es Amerika gibt, trotzdem das nicht in der Bibel gefunden wird. Oder steht in der Bibel etwas davon, dass die kopernikanische Weltanschauung richtig ist? Es hat Leute gegeben, die aus diesem Grunde die kopernikanische Weltanschauung als etwas Falsches, als etwas Verbotenes angesehen haben, aber sie haben sich daran gewöhnt. Und heute wird es niemanden geben, der, auf dem wirklichen Bildungsstandpunkte seiner Zeit stehend, sagen könnte: Er fände einen Widerspruch zwischen der Lehre des Kopernikus und der Bibel, trotzdem die Lehre des Kopernikus nicht in der Bibel steht.

[ 53 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die wiederholten Erdenleben wird man erkennen als eine wissenschaftliche, eine geisteswissenschaftliche Tatsache. Und über das Verhältnis einer solchen geisteswissenschaftlichen Tatsache, die einmal gefunden werden musste zur Bibel, wird man lernen in der folgenden Weise zu denken. Könnte man es für möglich halten, dass jemand sagte: Er glaubt nicht, dass es Amerika gibt, weil in der Bibel nichts steht, in den Evangelien, dass es Amerika gibt? Widerspricht es deshalb der Bibel, dass es Amerika gibt? Oder glaubt man deshalb, der Bibel irgendeinen Abbruch zu tun, dass man sagt: Ich finde es vollständig mit einer Bibelverehrung im Einklange, dass es Amerika gibt, trotzdem das nicht in der Bibel gefunden wird. Oder steht in der Bibel etwas davon, dass die kopernikanische Weltanschauung richtig ist? Es hat Leute gegeben, die aus diesem Grunde die kopernikanische Weltanschauung als etwas Falsches, als etwas Verbotenes angesehen haben, aber sie haben sich daran gewöhnt. Und heute wird es niemanden geben, der, auf dem wirklichen Bildungsstandpunkte seiner Zeit stehend, sagen könnte: Er fände einen Widerspruch zwischen der Lehre des Kopernikus und der Bibel, trotzdem die Lehre des Kopernikus nicht in der Bibel steht.

[ 54 ] Ebenso wird man sagen können über die geisteswissenschaftliche Tatsache, dass es in nichts einen Eintrag tut der Anerkennung der Heilswahrheiten der Bibel, dass zum Beispiel die wiederholten Erdenleben auch nicht in der Bibel gefunden werden konnten, ebenso wenig in der Bibel gefunden werden konnten wie die Tatsache, dass es ein Amerika gibt, oder die Tatsache, dass es eine Welteneinrichtung gibt, die der kopernikanischen Weltanschauung in Bezug auf den Raum entspricht. Man muss diese Punkte nur von dem richtigen Gesichtspunkte ansehen. Dann aber, wenn man sie von dem richtigen Gesichtspunkte ansieht, dann darf man es sich wohl auch erinnern, und ich muss immer denken, wenn jemand sagt, er wolle die wiederholten Erdenleben nicht anerkennen aus dem einfachen Grunde, weil das der Bibel widerspreche, ich muss immer daran denken, wie die Zeiten sich ändern. Es gab eine Zeit, wo Galilei aus dem Grunde, weil er etwas zu sagen hatte, was scheinbar, eben nur scheinbar, der Heiligkeit der Bibel widersprach, wo er in einer ganz eigentümlichen, ja bekannten Weise behandelt worden ist. Oder man denke an Giordano Bruno, wie er behandelt worden ist, weil er etwas zu sagen hatte, von dem man eben auch behaupten konnte, es ließe sich aus der Bibel nicht nachweisen. Da muss ich eines Priesters gedenken, der vor einigen Jahren das Rektorat einer Universität angetreten hat aus der theologischen Fakultät heraus und der bei seiner Rektoratsrede als Priester etwa die folgenden Worte gesprochen hat. Er sagte: Die Zeiten ändern sich eben und damit auch die Art und Weise, wie Menschen erkannte Tatsachen aufnehmen. In seiner Zeit hat man Galilei — der Priester hielt nämlich über Galilei seine Rektoratsrede -, in seiner Zeit hat man Galilei in der bekannten Weise behandelt; jetzt aber sieht wohl jeder wahre Christ ein, dass durch die Entdeckung der Herrlichkeit des Weltenbaues, wie sie durch Galilei auch bekannt geworden ist, die Glorie, die Herrlichkeit Gottes und die Hingabe an Gott nur erhöht, nicht vermindert werden können. Das war auch priesterlich, das war auch christlich, ja vielleicht erst echt christlich gesprochen.

[ 54 ] Ebenso wird man sagen können über die geisteswissenschaftliche Tatsache, dass es in nichts einen Eintrag tut der Anerkennung der Heilswahrheiten der Bibel, dass zum Beispiel die wiederholten Erdenleben auch nicht in der Bibel gefunden werden konnten, ebenso wenig in der Bibel gefunden werden konnten wie die Tatsache, dass es ein Amerika gibt, oder die Tatsache, dass es eine Welteneinrichtung gibt, die der kopernikanischen Weltanschauung in Bezug auf den Raum entspricht. Man muss diese Punkte nur von dem richtigen Gesichtspunkte ansehen. Dann aber, wenn man sie von dem richtigen Gesichtspunkte ansieht, dann darf man es sich wohl auch erinnern, und ich muss immer denken, wenn jemand sagt, er wolle die wiederholten Erdenleben nicht anerkennen aus dem einfachen Grunde, weil das der Bibel widerspreche, ich muss immer daran denken, wie die Zeiten sich ändern. Es gab eine Zeit, wo Galilei aus dem Grunde, weil er etwas zu sagen hatte, was scheinbar, eben nur scheinbar, der Heiligkeit der Bibel widersprach, wo er in einer ganz eigentümlichen, ja bekannten Weise behandelt worden ist. Oder man denke an Giordano Bruno, wie er behandelt worden ist, weil er etwas zu sagen hatte, von dem man eben auch behaupten konnte, es ließe sich aus der Bibel nicht nachweisen. Da muss ich eines Priesters gedenken, der vor einigen Jahren das Rektorat einer Universität angetreten hat aus der theologischen Fakultät heraus und der bei seiner Rektoratsrede als Priester etwa die folgenden Worte gesprochen hat. Er sagte: Die Zeiten ändern sich eben und damit auch die Art und Weise, wie Menschen erkannte Tatsachen aufnehmen. In seiner Zeit hat man Galilei — der Priester hielt nämlich über Galilei seine Rektoratsrede -, in seiner Zeit hat man Galilei in der bekannten Weise behandelt; jetzt aber sieht wohl jeder wahre Christ ein, dass durch die Entdeckung der Herrlichkeit des Weltenbaues, wie sie durch Galilei auch bekannt geworden ist, die Glorie, die Herrlichkeit Gottes und die Hingabe an Gott nur erhöht, nicht vermindert werden können. Das war auch priesterlich, das war auch christlich, ja vielleicht erst echt christlich gesprochen.

[ 55 ] Im Ganzen möchte ich aus der geisteswissenschaftlichen Gesinnung heraus sagen, sehr verehrte Anwesende: Von demjenigen, was das Christentum ist, von demjenigen, was der Christus der Welt ist, muss gerade der Geisteswissenschafter der Anthroposoph durch seine Lehren so denken, dass er sagt: Wie kleingläubig finde ich eigentlich diejenigen, die da glauben, dass durch irgendeine Entdeckung auf physischem oder geistigem Gebiet die Größe, die uns anweht aus der Christus-Offenbarung, verkleinert werden könnte! Nein, dem Geistesforscher kommt derjenige, der da glaubt, dass durch irgendeine Tatsache - und sei sie selbst eine so schwerwiegende wie die wiederholten Erdenleben -, dass durch irgendeine Tatsache, die entdeckt wird auf physischem oder geistigem Gebiet, der Glanz des Christus-Ereignisses und der Einfluss des Christus vermindert werden könnte für den Christen, der das glaubt, der möge nur auch glauben, dass die Sonne an Kraft verliert, aus dem Grunde, weil sie nicht für Europa erhalten wird, sondern auch über Amerika scheint. Was auch noch immer in irgendeiner Zukunft, verehrte Anwesende, für physische oder geistige Tatsachen werden entdeckt werden, die großen Wahrheiten des Christentums werden sie überleuchten. Das erkennt gerade derjenige, der aus geistesforscherischem Sinn heraus sich dem Christusimpuls und der ganzen christlichen Weltauffassung nähert. Er hat keine Furcht. Er ist nicht kleinmütig und sagt: Es könnte der Glanz des Christentums verringert werden durch irgendeine Forschung. Er weiß, dass derjenige klein denkt über das Christentum, der glaubt, es könnte durch irgendeine Entdeckung dieses Christentum herabgemindert werden, weil er es für so groß hält, was über den Christus zu denken ist, dass es niemals durch irgendeine neue Entdeckung irgendwie verkleinert werden könnte.

[ 55 ] Im Ganzen möchte ich aus der geisteswissenschaftlichen Gesinnung heraus sagen, sehr verehrte Anwesende: Von demjenigen, was das Christentum ist, von demjenigen, was der Christus der Welt ist, muss gerade der Geisteswissenschafter der Anthroposoph durch seine Lehren so denken, dass er sagt: Wie kleingläubig finde ich eigentlich diejenigen, die da glauben, dass durch irgendeine Entdeckung auf physischem oder geistigem Gebiet die Größe, die uns anweht aus der Christus-Offenbarung, verkleinert werden könnte! Nein, dem Geistesforscher kommt derjenige, der da glaubt, dass durch irgendeine Tatsache - und sei sie selbst eine so schwerwiegende wie die wiederholten Erdenleben -, dass durch irgendeine Tatsache, die entdeckt wird auf physischem oder geistigem Gebiet, der Glanz des Christus-Ereignisses und der Einfluss des Christus vermindert werden könnte für den Christen, der das glaubt, der möge nur auch glauben, dass die Sonne an Kraft verliert, aus dem Grunde, weil sie nicht für Europa erhalten wird, sondern auch über Amerika scheint. Was auch noch immer in irgendeiner Zukunft, verehrte Anwesende, für physische oder geistige Tatsachen werden entdeckt werden, die großen Wahrheiten des Christentums werden sie überleuchten. Das erkennt gerade derjenige, der aus geistesforscherischem Sinn heraus sich dem Christusimpuls und der ganzen christlichen Weltauffassung nähert. Er hat keine Furcht. Er ist nicht kleinmütig und sagt: Es könnte der Glanz des Christentums verringert werden durch irgendeine Forschung. Er weiß, dass derjenige klein denkt über das Christentum, der glaubt, es könnte durch irgendeine Entdeckung dieses Christentum herabgemindert werden, weil er es für so groß hält, was über den Christus zu denken ist, dass es niemals durch irgendeine neue Entdeckung irgendwie verkleinert werden könnte.

[ 56 ] Es kommt eben wirklich darauf an, dass vielleicht die mancherlei Missverständnisse, die da bestehen gegenüber dem, für das der Dornacher Bau ein äußeres Zeichen, ich möchte sagen eine äußere Behausung ist, dass diese mancherlei Missverständnisse doch zerstreut werden. Über den Dornacher Bau selber will ich nichts anderes sagen heute, als dass er nichts anderes sein will als eine künstlerische Ausgestaltung desjenigen, was in unseren Empfindungen, in unseren Gefühlen angeregt wird, wenn wir eben das lebendige der Geisteswissenschaft der Geistesforschung, der Anthroposophie in unsere Seele aufgenommen haben. Daher ist dieser Bau nicht so gemeint, dass etwa die Ideen, die die Geisteswissenschaft hat, und Symbole oder Allegorien in den Formen des Baues ausgebildet werden. Davon kann gar keine Rede sein.

[ 56 ] Es kommt eben wirklich darauf an, dass vielleicht die mancherlei Missverständnisse, die da bestehen gegenüber dem, für das der Dornacher Bau ein äußeres Zeichen, ich möchte sagen eine äußere Behausung ist, dass diese mancherlei Missverständnisse doch zerstreut werden. Über den Dornacher Bau selber will ich nichts anderes sagen heute, als dass er nichts anderes sein will als eine künstlerische Ausgestaltung desjenigen, was in unseren Empfindungen, in unseren Gefühlen angeregt wird, wenn wir eben das lebendige der Geisteswissenschaft der Geistesforschung, der Anthroposophie in unsere Seele aufgenommen haben. Daher ist dieser Bau nicht so gemeint, dass etwa die Ideen, die die Geisteswissenschaft hat, und Symbole oder Allegorien in den Formen des Baues ausgebildet werden. Davon kann gar keine Rede sein.

[ 57 ] Wenn Sie diesen Bau einmal betrachten werden, schr verehrte Anwesende, dann werden Sie finden, dass dieser Bau das Eigentümliche hat, dass in ihm gar nichts Geheimnisvolles ist, dass in ihm kein einziges Symbol ist, in Wirklichkeit kein einziges Zeichen ist, nichts irgendwie von einer Allegorie oder dergleichen. Das sollte gerade durch die ganze Natur dieses Baues diesem Bau vollständig fern sein.

[ 57 ] Wenn Sie diesen Bau einmal betrachten werden, schr verehrte Anwesende, dann werden Sie finden, dass dieser Bau das Eigentümliche hat, dass in ihm gar nichts Geheimnisvolles ist, dass in ihm kein einziges Symbol ist, in Wirklichkeit kein einziges Zeichen ist, nichts irgendwie von einer Allegorie oder dergleichen. Das sollte gerade durch die ganze Natur dieses Baues diesem Bau vollständig fern sein.

[ 58 ] Wenn etwa gesagt würde: Ja, aber man muss doch die geisteswissenschaftlichen Gedanken kennen, wenn man verstehen will, was man da sieht. Ja, sehr verehrte Anwesende, das hat aber die Kunst des Dornacher Baues mit jeder anderen Kunst gemeinschaftlich. Nehmen wir die Sixtinische Madonna, nehmen wir das wunderbare Mutterbild mit dem Jesuskinde: Ich denke, wenn ein Türke, der niemals etwas vom Christentum gehört hat - von Chinesen gar nicht zu sprechen -, vor die Sixtinische Madonna sich hinstellt, dann muss man ihm auch erklären, was da ist, dann wird er auch aus seinen Empfindungen heraus die Sache nicht unmittelbar verstehen können. So ist es selbstverständlich, dass man in der ganzen Strömung in der ganzen Strömung der Geisteswissenschaft drinnen sein muss, wenn man ihre Kunst verstehen will, wie man im Christentum drinnenstehen muss, wenn man zum Beispiel die Sixtinische Madonna verstehen will. Wenn man aber davon absieht, dann ist versucht, nicht etwa geisteswissenschaftliche Ideen, wie gesagt, sinnbildlich auszudrücken, sondern es liegt zugrunde die Tatsache unserer Weltauffassung, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was ja- und das geht aus den Worten, die ich hier gesprochen habe hervor - so lebendig, so stark das Innere des Menschen ergreift, dass Fähigkeiten, die in ihm sonst schlummern, also auch künstlerische Fähigkeiten geweckt werden. Und da Geisteswissenschaft etwas Neues ist - nicht ein neuer Name für etwas also, sondern etwas wirklich Neues -, so wie die heutige Naturwissenschaft gegenüber der mittelalterlichen Naturwissenschaft etwas Neues ist, so /Lücke] das auch etwas Neues, wie die Gotik als eine neue Kunst sich hinstellte neben die Antike, und wie man mit der Meinung herangetreten ist, dass nur die Antike gelten solle, so natürlich schmähte man die Gotik, so hat man geschmäht einen neueren Stil, der aus einer neueren Empfindungsweise hervorgeht. Wenn man nur dasjenige heute gelten lassen will, was eben hergebracht ist.

[ 58 ] Wenn etwa gesagt würde: Ja, aber man muss doch die geisteswissenschaftlichen Gedanken kennen, wenn man verstehen will, was man da sieht. Ja, sehr verehrte Anwesende, das hat aber die Kunst des Dornacher Baues mit jeder anderen Kunst gemeinschaftlich. Nehmen wir die Sixtinische Madonna, nehmen wir das wunderbare Mutterbild mit dem Jesuskinde: Ich denke, wenn ein Türke, der niemals etwas vom Christentum gehört hat - von Chinesen gar nicht zu sprechen -, vor die Sixtinische Madonna sich hinstellt, dann muss man ihm auch erklären, was da ist, dann wird er auch aus seinen Empfindungen heraus die Sache nicht unmittelbar verstehen können. So ist es selbstverständlich, dass man in der ganzen Strömung in der ganzen Strömung der Geisteswissenschaft drinnen sein muss, wenn man ihre Kunst verstehen will, wie man im Christentum drinnenstehen muss, wenn man zum Beispiel die Sixtinische Madonna verstehen will. Wenn man aber davon absieht, dann ist versucht, nicht etwa geisteswissenschaftliche Ideen, wie gesagt, sinnbildlich auszudrücken, sondern es liegt zugrunde die Tatsache unserer Weltauffassung, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was ja- und das geht aus den Worten, die ich hier gesprochen habe hervor - so lebendig, so stark das Innere des Menschen ergreift, dass Fähigkeiten, die in ihm sonst schlummern, also auch künstlerische Fähigkeiten geweckt werden. Und da Geisteswissenschaft etwas Neues ist - nicht ein neuer Name für etwas also, sondern etwas wirklich Neues -, so wie die heutige Naturwissenschaft gegenüber der mittelalterlichen Naturwissenschaft etwas Neues ist, so /Lücke] das auch etwas Neues, wie die Gotik als eine neue Kunst sich hinstellte neben die Antike, und wie man mit der Meinung herangetreten ist, dass nur die Antike gelten solle, so natürlich schmähte man die Gotik, so hat man geschmäht einen neueren Stil, der aus einer neueren Empfindungsweise hervorgeht. Wenn man nur dasjenige heute gelten lassen will, was eben hergebracht ist.

[ 59 ] Überall wurde in Dornach versucht, in naturgemäßer Weise entgegenzukommen dem Material zum Teil, zum Teil dem, was sinngemäß aber nicht sinnbildlich, sondern sinngemäß sich ergibt. Man kann, wenn man gerade dies auffasst, recht merkwürdige Worte sagen darüber, dass sich da ein Doppelkuppelbau erhebt, dass daneben so ein merkwürdiger Bau steht, der in eine lange Röhre ausgeht, die geformt ist.

[ 59 ] Überall wurde in Dornach versucht, in naturgemäßer Weise entgegenzukommen dem Material zum Teil, zum Teil dem, was sinngemäß aber nicht sinnbildlich, sondern sinngemäß sich ergibt. Man kann, wenn man gerade dies auffasst, recht merkwürdige Worte sagen darüber, dass sich da ein Doppelkuppelbau erhebt, dass daneben so ein merkwürdiger Bau steht, der in eine lange Röhre ausgeht, die geformt ist.

[ 60 ] Ja, [bei] einem Kesselhaus ist [man] versucht, einmal künstlerisch zu gestalten aus dem modernsten Material heraus, aus dem Beton. Dem Beton wurde Rechnung getragen. Und auf der anderen Seite wurde all dem Rechnung getragen, was da drinnen ist. Wenn jemand [kommt] und diese Formen auslegt sinnbildlich, dass da allerlei Symbole drinnen sind, na, dann ist er eben einer, der spinnt, ein Spekulant, der träumt, ein Phantast, nicht einer, der da sieht, was da ist, der da sieht: Da drinnen soll das und das vorgehen. Gerade so, wie der Nusskern sich entwickelt, und der Nusskern entwickelt eine Schale, und diese ist so gebildet, dass sie dem Nusskern angemessen ist: Ein realer Künstler will in dem, was er aufbaut, eine Schale bilden für das, was drinnen ist, eine naturgemäße Schale, sodass man in der äußeren Form sieht dasjenige, was drinnen ist. Das ist versucht. Und denjenigen, der es beurteilen will und nicht schön findet - man kann ihn verstehen, denn man muss sich erst daran gewöhnen an diese Dinge. Aber er könnte ja dies versuchen, dass er einen andern Schornstein, wie man ihn heute macht, einmal daneben sich gestellt denkt, so einen richtigen roten, der in die Höhe hinaufgeht - und dann diese Dinge vergleichen. Alle Dinge in der Welt sind doch relativ.

[ 60 ] Ja, [bei] einem Kesselhaus ist [man] versucht, einmal künstlerisch zu gestalten aus dem modernsten Material heraus, aus dem Beton. Dem Beton wurde Rechnung getragen. Und auf der anderen Seite wurde all dem Rechnung getragen, was da drinnen ist. Wenn jemand [kommt] und diese Formen auslegt sinnbildlich, dass da allerlei Symbole drinnen sind, na, dann ist er eben einer, der spinnt, ein Spekulant, der träumt, ein Phantast, nicht einer, der da sieht, was da ist, der da sieht: Da drinnen soll das und das vorgehen. Gerade so, wie der Nusskern sich entwickelt, und der Nusskern entwickelt eine Schale, und diese ist so gebildet, dass sie dem Nusskern angemessen ist: Ein realer Künstler will in dem, was er aufbaut, eine Schale bilden für das, was drinnen ist, eine naturgemäße Schale, sodass man in der äußeren Form sieht dasjenige, was drinnen ist. Das ist versucht. Und denjenigen, der es beurteilen will und nicht schön findet - man kann ihn verstehen, denn man muss sich erst daran gewöhnen an diese Dinge. Aber er könnte ja dies versuchen, dass er einen andern Schornstein, wie man ihn heute macht, einmal daneben sich gestellt denkt, so einen richtigen roten, der in die Höhe hinaufgeht - und dann diese Dinge vergleichen. Alle Dinge in der Welt sind doch relativ.

[ 61 ] Gewiss, wir wissen sehr genau, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was in Dornach mit dem Bau versucht wird, ist ein Anfang, sogar ein sehr mangelhafter Anfang. Aber es soll der Anfang sein zu etwas, was eben wiederum wie ein neuer Baustil gewollt werden muss und sich so hinstellen muss in die geistige Entwicklung der Menschheit, wie sich der antike, der gotische und andere Baustile hineingestellt haben. Es gab auch Leute, die sagten: Ja, da habt ihr sieben Säulen gemacht, scht ihr, auf jeder Seite sieben Säulen im Hauptraum. Ihr seid eben doch eine recht abergläubische Gesellschaft. Auf die Siebenzahl baut ihr auf.

[ 61 ] Gewiss, wir wissen sehr genau, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was in Dornach mit dem Bau versucht wird, ist ein Anfang, sogar ein sehr mangelhafter Anfang. Aber es soll der Anfang sein zu etwas, was eben wiederum wie ein neuer Baustil gewollt werden muss und sich so hinstellen muss in die geistige Entwicklung der Menschheit, wie sich der antike, der gotische und andere Baustile hineingestellt haben. Es gab auch Leute, die sagten: Ja, da habt ihr sieben Säulen gemacht, scht ihr, auf jeder Seite sieben Säulen im Hauptraum. Ihr seid eben doch eine recht abergläubische Gesellschaft. Auf die Siebenzahl baut ihr auf.

[ 62 ] Ja, es könnte ja jemand auch abergläubisch finden, dass man sieben Farben im Regenbogen sieht! Da müsste man nun die Natur abergläubisch finden, dass sie das macht. Aber wenn jemand über diese sieben Säulen spricht, so sollte man zunächst gar nicht auf diese Zahl sehen, sondern sehen, was da neu versucht worden ist. Sonst ist es immer so, dass, wenn eine Säule neben der anderen steht, sie immer gleich sind. Bei unseren Säulen sind die Kapitele in fortlaufender Entwicklung gedacht; die zweite Säule ist anders als die erste, die dritte wieder anders, und das eine geht aus dem anderen heraus, und das gibt einen Organismus im Fortschreiten, der so innerlich notwendig ist, wie es sieben Töne gibt bis zur Septime, und die Oktave die Wiederholung ist. Das ergab sich ganz von selber. Da konnten wir nichts dazu tun, dass es sieben wurden, weil da in den sieben Säulen, die sich von Kapitell zu Kapitell entwickeln, die Siebente ein Abschluss ist, so, wie bei den sieben Farben vom Regenbogen, bei Rot angefangen, das Violett ein Abschluss ist und über das hinaus man nicht mehr eine Farbe finden kann.

[ 62 ] Ja, es könnte ja jemand auch abergläubisch finden, dass man sieben Farben im Regenbogen sieht! Da müsste man nun die Natur abergläubisch finden, dass sie das macht. Aber wenn jemand über diese sieben Säulen spricht, so sollte man zunächst gar nicht auf diese Zahl sehen, sondern sehen, was da neu versucht worden ist. Sonst ist es immer so, dass, wenn eine Säule neben der anderen steht, sie immer gleich sind. Bei unseren Säulen sind die Kapitele in fortlaufender Entwicklung gedacht; die zweite Säule ist anders als die erste, die dritte wieder anders, und das eine geht aus dem anderen heraus, und das gibt einen Organismus im Fortschreiten, der so innerlich notwendig ist, wie es sieben Töne gibt bis zur Septime, und die Oktave die Wiederholung ist. Das ergab sich ganz von selber. Da konnten wir nichts dazu tun, dass es sieben wurden, weil da in den sieben Säulen, die sich von Kapitell zu Kapitell entwickeln, die Siebente ein Abschluss ist, so, wie bei den sieben Farben vom Regenbogen, bei Rot angefangen, das Violett ein Abschluss ist und über das hinaus man nicht mehr eine Farbe finden kann.

[ 63 ] Und so wird man finden, dass nirgends aus den Ideen, aus der Symbolik, aus dem Geheimnisvollen heraus gearbeitet worden ist, sondern überall so versucht worden ist, zu arbeiten, dass das Künstlerische in Formen, in Farben angestrebt worden ist, aber so angestrebt worden ist, dass der ganze Bau die richtige Umhüllung für dasjenige geben konnte, was in ihm getrieben werden soll. Das bedingt zum Beispiel das Folgende, und das hängt wiederum mit der ganzen Form des Baues zusammen: Nicht wahr, Baue haben Wände. Aber bei Wänden, die man bis jetzt gebaut hat, ist man gewöhnt, in den Wänden etwas zu sehen, was den Raum abschließt, so geformt wird, dass es den Raum abschließt. Unsere Formen von innen sind so, dass man nicht das Gefühl hat, der Raum wird durch die Form abgeschlossen, sondern man rechnet mit der Empfindung, mit den Formen, und geht ins Unendliche hinaus. Die Wände in ihrer Form sind so gebildet, dass sie sich gleichsam selber aufheben, dass man mit der Natur und mit der ganzen Welt im Zusammenhange bleibt. Die Wand durchbricht sich durch ihre Formen.

[ 63 ] Und so wird man finden, dass nirgends aus den Ideen, aus der Symbolik, aus dem Geheimnisvollen heraus gearbeitet worden ist, sondern überall so versucht worden ist, zu arbeiten, dass das Künstlerische in Formen, in Farben angestrebt worden ist, aber so angestrebt worden ist, dass der ganze Bau die richtige Umhüllung für dasjenige geben konnte, was in ihm getrieben werden soll. Das bedingt zum Beispiel das Folgende, und das hängt wiederum mit der ganzen Form des Baues zusammen: Nicht wahr, Baue haben Wände. Aber bei Wänden, die man bis jetzt gebaut hat, ist man gewöhnt, in den Wänden etwas zu sehen, was den Raum abschließt, so geformt wird, dass es den Raum abschließt. Unsere Formen von innen sind so, dass man nicht das Gefühl hat, der Raum wird durch die Form abgeschlossen, sondern man rechnet mit der Empfindung, mit den Formen, und geht ins Unendliche hinaus. Die Wände in ihrer Form sind so gebildet, dass sie sich gleichsam selber aufheben, dass man mit der Natur und mit der ganzen Welt im Zusammenhange bleibt. Die Wand durchbricht sich durch ihre Formen.

[ 64 ] Das sind eben alles Dinge, die auch einmal auftreten müssen in der Menschheitsentwicklung, weil die Menschheitsentwicklung eben eine Totalität sein muss von den umfassendsten Einzelheiten. Und wie im einzelnen menschlichen Leben nicht alle einzelnen Lebensalter einander gleich sein können, wie jedes einzelne Lebensalter wiederum etwas Neues in die Menschheitsentwicklung hineinbringt, so geschieht es auch in der geschichtlichen Entwicklung; und man kann mitgehen mit der geschichtlichen Entwicklung, wenn man Verständnis für sie gewinnen kann.

[ 64 ] Das sind eben alles Dinge, die auch einmal auftreten müssen in der Menschheitsentwicklung, weil die Menschheitsentwicklung eben eine Totalität sein muss von den umfassendsten Einzelheiten. Und wie im einzelnen menschlichen Leben nicht alle einzelnen Lebensalter einander gleich sein können, wie jedes einzelne Lebensalter wiederum etwas Neues in die Menschheitsentwicklung hineinbringt, so geschieht es auch in der geschichtlichen Entwicklung; und man kann mitgehen mit der geschichtlichen Entwicklung, wenn man Verständnis für sie gewinnen kann.

[ 65 ] Und ich meine, sehr verehrte Anwesende, gewiss, ich habe nicht heute durch diese kurzen Betrachtungen jemanden überzeugen wollen. Ich wollte nur dasjenige erreichen, was ich im Anfange betont habe: Anregen möchte ich, nicht überzeugen. Davon kann wahrhaft nicht die Rede sein, dass irgendjemand durch meine heutigen Auseinandersetzungen irgendwie überzeugt werden sollte. Aber das möchte ich doch noch betonen: Die Art und Weise, wie man sich in eine Weltanschauung hineinfindet, das hängt von den Denkgewohnheiten ab. Und derjenige, der den geistigen Entwicklungsgang der Menschheit kennt, der weiß, dass die Wahrheiten immer durch Hindernisse sich hindurch haben entwickeln müssen, und durch Vorurteile sich haben hindurch entwickeln müssen.

[ 65 ] Und ich meine, sehr verehrte Anwesende, gewiss, ich habe nicht heute durch diese kurzen Betrachtungen jemanden überzeugen wollen. Ich wollte nur dasjenige erreichen, was ich im Anfange betont habe: Anregen möchte ich, nicht überzeugen. Davon kann wahrhaft nicht die Rede sein, dass irgendjemand durch meine heutigen Auseinandersetzungen irgendwie überzeugt werden sollte. Aber das möchte ich doch noch betonen: Die Art und Weise, wie man sich in eine Weltanschauung hineinfindet, das hängt von den Denkgewohnheiten ab. Und derjenige, der den geistigen Entwicklungsgang der Menschheit kennt, der weiß, dass die Wahrheiten immer durch Hindernisse sich hindurch haben entwickeln müssen, und durch Vorurteile sich haben hindurch entwickeln müssen.

[ 66 ] Man denke nur einmal, ohne dass ein Vergleich damit ausgesprochen werden soll - selbstverständlich in aller Bescheidenheit soll nur hingewiesen werden auf die Ähnlichkeit der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen heute mit den naturwissenschaftlichen Bestrebungen von dazumal, wie ich es angedeutet habe -, man denke einmal, wie Giordano Bruno vor die Menschheit treten musste, vor eine Menschheit, die immer geglaubt hat: Da oben ist das blaue Himmelsgewölbe, das schließt den Raum ab. Und jetzt musste Giordano Bruno den Menschen sagen: Da ist gar nichts, wo das blaue Himmelsgewölbe ist, das macht ihr selber mit euren Anschauungen. Das Anschauen macht es nur, dass da Himmel ist; aber der Raum dehnt sich in alle Unendlichkeit hinaus, und unendliche Welten sind im unendlichen Raume. Das, was dazumal Giordano Bruno für das sinnliche Anschauen war, das hat Geisteswissenschaft für das Geistig-Seelische und für das Zeitliche zu tun. In Bezug auf das Geistig-Seelische ist auch so eine Art Firmament da zwischen Geburt oder, sagen wir, Empfängnis und Tod. Aber dieses Firmament ist in Wahrheit ebenso wenig eine Realität wie das blaue Firmament oben; sondern nur, weil man mit den gewöhnlichen menschlichen Erkenntnisfähigkeiten nur bis zur Geburt oder Empfängnis und Tod sehen kann, glaubt man, dass eine Grenze sei, wie man geglaubt hat, dass das Firmament eine Grenze ist. Wie aber das Firmament nicht eine Grenze ist, sondern unendliche Welten im unendlichen Raume sich befinden, so müssen wir durch erweiterte Fähigkeiten [jenseits des Wissens] von Geburt und Tod sehen, wie die zeitliche Unendlichkeit mit der Entwicklung des Zeitlich-Seelischen in der Unendlichkeit immer wiederkehrende Formen des menschlichen Lebens und in unserem Zeitraume die wiederholten Erdenleben sind. Die Dinge sind auf geistigem Gebiet nicht anders als auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Deshalb könnte man fragen, wie kommt es denn, dass so viele Missverständnisse von so mancher Seite entgegengebracht werden dieser Geisteswissenschaft? Und da muss ich sagen, wenn ich gewissermaßen persönlich mich dazu verhalten möchte, dass ich finde: Die Gründe, warum die Geisteswissenschaft so mancherlei Gegnerschaft und Missverständnis findet, sie sind zum Teil objektiv, zum Teil subjektiv.

[ 66 ] Man denke nur einmal, ohne dass ein Vergleich damit ausgesprochen werden soll - selbstverständlich in aller Bescheidenheit soll nur hingewiesen werden auf die Ähnlichkeit der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen heute mit den naturwissenschaftlichen Bestrebungen von dazumal, wie ich es angedeutet habe -, man denke einmal, wie Giordano Bruno vor die Menschheit treten musste, vor eine Menschheit, die immer geglaubt hat: Da oben ist das blaue Himmelsgewölbe, das schließt den Raum ab. Und jetzt musste Giordano Bruno den Menschen sagen: Da ist gar nichts, wo das blaue Himmelsgewölbe ist, das macht ihr selber mit euren Anschauungen. Das Anschauen macht es nur, dass da Himmel ist; aber der Raum dehnt sich in alle Unendlichkeit hinaus, und unendliche Welten sind im unendlichen Raume. Das, was dazumal Giordano Bruno für das sinnliche Anschauen war, das hat Geisteswissenschaft für das Geistig-Seelische und für das Zeitliche zu tun. In Bezug auf das Geistig-Seelische ist auch so eine Art Firmament da zwischen Geburt oder, sagen wir, Empfängnis und Tod. Aber dieses Firmament ist in Wahrheit ebenso wenig eine Realität wie das blaue Firmament oben; sondern nur, weil man mit den gewöhnlichen menschlichen Erkenntnisfähigkeiten nur bis zur Geburt oder Empfängnis und Tod sehen kann, glaubt man, dass eine Grenze sei, wie man geglaubt hat, dass das Firmament eine Grenze ist. Wie aber das Firmament nicht eine Grenze ist, sondern unendliche Welten im unendlichen Raume sich befinden, so müssen wir durch erweiterte Fähigkeiten [jenseits des Wissens] von Geburt und Tod sehen, wie die zeitliche Unendlichkeit mit der Entwicklung des Zeitlich-Seelischen in der Unendlichkeit immer wiederkehrende Formen des menschlichen Lebens und in unserem Zeitraume die wiederholten Erdenleben sind. Die Dinge sind auf geistigem Gebiet nicht anders als auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Deshalb könnte man fragen, wie kommt es denn, dass so viele Missverständnisse von so mancher Seite entgegengebracht werden dieser Geisteswissenschaft? Und da muss ich sagen, wenn ich gewissermaßen persönlich mich dazu verhalten möchte, dass ich finde: Die Gründe, warum die Geisteswissenschaft so mancherlei Gegnerschaft und Missverständnis findet, sie sind zum Teil objektiv, zum Teil subjektiv.

[ 67 ] Unter den objektiven Gründen, sehr verehrte Anwesende, möchte ich diesen vor allen Dingen sehen: Geisteswissenschaft ist etwas, worin hinein man sich ernsthaftest vertiefen muss, eine lange, lange, ernste Arbeit, eine Arbeit, die mit vielen Ereignissen, auch mit vielen Enttäuschungen gewiss verknüpft ist. Aber das ist ja im Grunde genommen bei jeder Erkenntnis-Arbeit so, und nicht ohne Weiteres lassen sich die Fäden durch eine äußere Betrachtung entwirren, die aber trotzdem für den, der die Sache genauer anschaut, wohl gewollt und sachgemäß verwoben sind. Aber es besteht einmal, und das scheint mir wesentlich zu sein, wenn man die objektiven Gründe für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft finden will, es scheint nun einmal üblich zu sein, dass man sich sagt: Eine Uhr zu verstehen - ja, dazu muss man lernen, wie die Räder zusammen wirken sollen. Das erfordert schon einige Mühe. Aber den Menschen zu verstehen, dazu soll man nichts lernen, trotzdem der Mensch das Herrlichste innerhalb der Welt ist, die uns zunächst vorliegt, und auch das Komplizierteste. Dass man erst viel, viel lernen soll, um den Menschen zu verstehen, das ist nicht immer zugegeben. Darinnen liegt wohl der, ich möchte sagen leicht zu kennende objektive Grund.

[ 67 ] Unter den objektiven Gründen, sehr verehrte Anwesende, möchte ich diesen vor allen Dingen sehen: Geisteswissenschaft ist etwas, worin hinein man sich ernsthaftest vertiefen muss, eine lange, lange, ernste Arbeit, eine Arbeit, die mit vielen Ereignissen, auch mit vielen Enttäuschungen gewiss verknüpft ist. Aber das ist ja im Grunde genommen bei jeder Erkenntnis-Arbeit so, und nicht ohne Weiteres lassen sich die Fäden durch eine äußere Betrachtung entwirren, die aber trotzdem für den, der die Sache genauer anschaut, wohl gewollt und sachgemäß verwoben sind. Aber es besteht einmal, und das scheint mir wesentlich zu sein, wenn man die objektiven Gründe für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft finden will, es scheint nun einmal üblich zu sein, dass man sich sagt: Eine Uhr zu verstehen - ja, dazu muss man lernen, wie die Räder zusammen wirken sollen. Das erfordert schon einige Mühe. Aber den Menschen zu verstehen, dazu soll man nichts lernen, trotzdem der Mensch das Herrlichste innerhalb der Welt ist, die uns zunächst vorliegt, und auch das Komplizierteste. Dass man erst viel, viel lernen soll, um den Menschen zu verstehen, das ist nicht immer zugegeben. Darinnen liegt wohl der, ich möchte sagen leicht zu kennende objektive Grund.

[ 68 ] Geisteswissenschaft ist schon schwer. Aber weil der Mensch ein unendlich vollkommeneres Wesen ist als eine Uhr, so müsste man eigentlich objektiv erwarten, dass Geisteswissenschaft nicht so leicht umfasst werden kann wie die Beschreibung eines Uhrwerkes. Aber ein Uhrwerk wird derjenige nicht beschreiben wollen, der nicht Mechanik gelernt hat. Über Geisteswissenschaft wird man so leicht versucht sein, ein Urteil zu fällen nach den Vorstellungen, die man sich schon gebildet hat. Im Grunde genommen sind das doch, wie mir scheint, die objektiven Gründe.

[ 68 ] Geisteswissenschaft ist schon schwer. Aber weil der Mensch ein unendlich vollkommeneres Wesen ist als eine Uhr, so müsste man eigentlich objektiv erwarten, dass Geisteswissenschaft nicht so leicht umfasst werden kann wie die Beschreibung eines Uhrwerkes. Aber ein Uhrwerk wird derjenige nicht beschreiben wollen, der nicht Mechanik gelernt hat. Über Geisteswissenschaft wird man so leicht versucht sein, ein Urteil zu fällen nach den Vorstellungen, die man sich schon gebildet hat. Im Grunde genommen sind das doch, wie mir scheint, die objektiven Gründe.

[ 69 ] Dann gibt es subjektive Gründe. Und diese subjektiven Gründe, sie liegen eben in dem, was ich eigentlich schon ausgeführt habe. Es wird den Menschen im Allgemeinen schwer, diejenigen Vorstellungen, die sich einmal gebildet haben, zu vereinigen mit solchen Vorstellungen, die ihnen aus der Welt entgegentreten, die nicht einmal zu leugnen brauchen dasjenige, was schon vorgestellt wird, sondern die nur etwas hinzufügen zu dem, was schon vorgestellt worden ist.

[ 69 ] Dann gibt es subjektive Gründe. Und diese subjektiven Gründe, sie liegen eben in dem, was ich eigentlich schon ausgeführt habe. Es wird den Menschen im Allgemeinen schwer, diejenigen Vorstellungen, die sich einmal gebildet haben, zu vereinigen mit solchen Vorstellungen, die ihnen aus der Welt entgegentreten, die nicht einmal zu leugnen brauchen dasjenige, was schon vorgestellt wird, sondern die nur etwas hinzufügen zu dem, was schon vorgestellt worden ist.

[ 70 ] So ging es der Wahrheit immer. Dem widersprochen wird, das sind die Denkgewohnheiten. Und von diesem Gesichtspunkte aus, wenn man die subjektiven Gründe sucht für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft, so muss man sagen: Sie liegen auf demselben Boden, warum die kopernikanische Lehre abgelehnt worden ist von der ganzen Welt, als sie aufgetreten ist. Sie war eben etwas Neues. Warum andere Dinge abgelehnt worden sind, man begreift das, man findet es vollständig verständlich. Allein die Wahrheit muss sich in der Welt durchsetzen und setzt sich auch in der Welt durch. Deshalb darf von demjenigen, der verwoben ist mit alledem, was Geisteswissenschaft ist und wozu sie anregen kann, darf empfunden werden, in dem er sich stützt auf die Erfahrung, dass die Wahrheit immer durch die feinsten Ritzen der Felsen von Vorurteilen sich doch durcharbeitet, die die Menschen aufgerichtet haben. Es darf der, der mit der Geisteswissenschaft und ihren Anregungen verwoben ist, und der die Geschichte des geistigen Menschenlebens betrachter, sagen: Man kann Geisteswissenschaft vielleicht heute noch hassen. Derjenige aber, der sie hasst, der wird höchstens bewirken können, dass andere sie mit ihm hassen, die ihm zugetan sind, und die auf sein Wort schwören. Aber noch niemals ist in der Welt irgendeine Wahrheit ausgemerzt worden dadurch, dass sie gehasst worden ist.

[ 70 ] So ging es der Wahrheit immer. Dem widersprochen wird, das sind die Denkgewohnheiten. Und von diesem Gesichtspunkte aus, wenn man die subjektiven Gründe sucht für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft, so muss man sagen: Sie liegen auf demselben Boden, warum die kopernikanische Lehre abgelehnt worden ist von der ganzen Welt, als sie aufgetreten ist. Sie war eben etwas Neues. Warum andere Dinge abgelehnt worden sind, man begreift das, man findet es vollständig verständlich. Allein die Wahrheit muss sich in der Welt durchsetzen und setzt sich auch in der Welt durch. Deshalb darf von demjenigen, der verwoben ist mit alledem, was Geisteswissenschaft ist und wozu sie anregen kann, darf empfunden werden, in dem er sich stützt auf die Erfahrung, dass die Wahrheit immer durch die feinsten Ritzen der Felsen von Vorurteilen sich doch durcharbeitet, die die Menschen aufgerichtet haben. Es darf der, der mit der Geisteswissenschaft und ihren Anregungen verwoben ist, und der die Geschichte des geistigen Menschenlebens betrachter, sagen: Man kann Geisteswissenschaft vielleicht heute noch hassen. Derjenige aber, der sie hasst, der wird höchstens bewirken können, dass andere sie mit ihm hassen, die ihm zugetan sind, und die auf sein Wort schwören. Aber noch niemals ist in der Welt irgendeine Wahrheit ausgemerzt worden dadurch, dass sie gehasst worden ist.

[ 71 ] Man kann die Wahrheit auch schmähen. Aber die Wahrheit erwirbt sich in der Seele desjenigen, der sich mit ihr verbunden hat, ein Gefühl des eigenen Wertes; und die Schmähungen können ertragen werden.

[ 71 ] Man kann die Wahrheit auch schmähen. Aber die Wahrheit erwirbt sich in der Seele desjenigen, der sich mit ihr verbunden hat, ein Gefühl des eigenen Wertes; und die Schmähungen können ertragen werden.

[ 72 ] Missverstanden und missdeutet werden kann die Wahrheit zu irgendeiner Zeit, aber gegenüber dem Missverstehen und Misskennen werden sich immer mehr Erkenner und richtige Versteher finden. Und selbst wenn dasjenige, was Geisteswissenschaft in unserer Zeit sagen will, heute nicht anerkannt würde, missverstanden und verkannt würde — die Zeiten werden kommen auch für sie unter allen Umständen, wo sie sich der Geistesentwicklung der Menschheit einverleiben wird. Unterdrücken sogar kann man die Wahrheit, aber man kann sie nicht vertilgen. Immer wieder und wiederum muss sie geboren werden, wenn sie noch so oft unterdrückt werden wird. Das ist ihre Eigentümlichkeit.

[ 72 ] Missverstanden und missdeutet werden kann die Wahrheit zu irgendeiner Zeit, aber gegenüber dem Missverstehen und Misskennen werden sich immer mehr Erkenner und richtige Versteher finden. Und selbst wenn dasjenige, was Geisteswissenschaft in unserer Zeit sagen will, heute nicht anerkannt würde, missverstanden und verkannt würde — die Zeiten werden kommen auch für sie unter allen Umständen, wo sie sich der Geistesentwicklung der Menschheit einverleiben wird. Unterdrücken sogar kann man die Wahrheit, aber man kann sie nicht vertilgen. Immer wieder und wiederum muss sie geboren werden, wenn sie noch so oft unterdrückt werden wird. Das ist ihre Eigentümlichkeit.

[ 73 ] Denn Wahrheit ist tief lebendig verbunden mit der menschlichen Seele und ist tief begründet in der menschlichen Seele, sodass es einem erscheinen kann, wenn man die Wahrheit selber jetzt einen Augenblick wie ein sinnliches Wesen ein lebendiges Wesen ansieht, dass die menschliche Seele und die Wahrheit Schwestern sind, zusammengehören wie Schwestern. Und mögen sie auch für Zeiten und für Orte irgendwelchen Zwiespalt entwickeln, irgendwelche Verkennung zwischen ihnen entstehen, es muss immer wiederum Anerkennung, es muss immer wiederum gegenseitige Liebe herrschen zwischen der Seele und der Wahrheit. Denn Schwestern sind sie, Schwestern, die in einem Gemeinsamen ihren Ursprung haben, und die in Liebe sich immer wiederum ihres gemeinsamen Ursprunges erinnern, desjenigen Ursprungs, den wir da doch nennen müssen: Den die ganze Welt durchwaltenden Weltengeist, der alles trägt und schafft und erhält. Ja, im Geistigen gegründet sind Seele und Wahrheit, und wenn sie sich auch eine Weile trennen könnten - Orte und Zeiten werden immer wiederkehren, in denen anerkennen werden die beiden Schwestern ihren gemeinsamen Ursprung in dem die Welt durchwaltenden und durchwellenden Geist, den gerade Geisteswissenschaft in ehrlicher, aufrichtiger und sachgemäßer Weise durch Geisteswege erforschen will.

[ 73 ] Denn Wahrheit ist tief lebendig verbunden mit der menschlichen Seele und ist tief begründet in der menschlichen Seele, sodass es einem erscheinen kann, wenn man die Wahrheit selber jetzt einen Augenblick wie ein sinnliches Wesen ein lebendiges Wesen ansieht, dass die menschliche Seele und die Wahrheit Schwestern sind, zusammengehören wie Schwestern. Und mögen sie auch für Zeiten und für Orte irgendwelchen Zwiespalt entwickeln, irgendwelche Verkennung zwischen ihnen entstehen, es muss immer wiederum Anerkennung, es muss immer wiederum gegenseitige Liebe herrschen zwischen der Seele und der Wahrheit. Denn Schwestern sind sie, Schwestern, die in einem Gemeinsamen ihren Ursprung haben, und die in Liebe sich immer wiederum ihres gemeinsamen Ursprunges erinnern, desjenigen Ursprungs, den wir da doch nennen müssen: Den die ganze Welt durchwaltenden Weltengeist, der alles trägt und schafft und erhält. Ja, im Geistigen gegründet sind Seele und Wahrheit, und wenn sie sich auch eine Weile trennen könnten - Orte und Zeiten werden immer wiederkehren, in denen anerkennen werden die beiden Schwestern ihren gemeinsamen Ursprung in dem die Welt durchwaltenden und durchwellenden Geist, den gerade Geisteswissenschaft in ehrlicher, aufrichtiger und sachgemäßer Weise durch Geisteswege erforschen will.