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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

11 January 1916, Liestal

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Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und der Bau in Dornach

The Task of Spiritual Science and the Building in Dornach

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wenn ich am heutigen Abend versuchen werde, einiges vorzubringen über die sogenannte Geisteswissenschaft, wie sie behandelt werden soll in dem Ihnen ja bekannten Dornacher Bau, und über diesen Bau selber, so ist es keineswegs meine Absicht, irgendwie auch nur im Entferntesten Propaganda oder Stimmung zu machen für diese Geisteswissenschaft oder für diesen Bau. Jede Persönlichkeit, welche in den Kreis derer eintritt, welche sich für diese Geisteswissenschaft interessieren, tut dies aus ganz freiem Ermessen heraus. Und irgendwelche Propaganda, irgendwelche Stimmung anders zu machen als dadurch, dass wir an dem einen oder an dem anderen Orte sagen, was eigentlich der Inhalt unseres Strebens ist, das liegt uns ganz ferne.

[ 1 ] Dear attendees! When I attempt this evening to say a few words about the so-called Spiritual Science, as it is to be dealt with in the Dornach building with which you are familiar, and about this building itself, it is by no means my intention to engage in any kind of propaganda or agitation for this Spiritual Science or for this building. Every individual who joins the circle of those interested in the Spiritual Science does so entirely of their own free will. And any propaganda, any agitation other than saying in one place or another what the content of our endeavors actually is, is completely foreign to us.

[ 2 ] Wenn ich bedachte, wie ich die Betrachtungen des heutigen Abends einrichten solle, so hatte ich vorzugsweise für diesmal im Auge, sehr verehrte Anwesende, gewisse Missverständnisse, von denen uns bekannt geworden ist, dass sie vorhanden sind, gewisse Missverständnisse, gewisse begreiflich irrtümliche Auffassungen unserer Sache zu besprechen. Lassen Sie uns beginnen mit demjenigen, wonach eine zunächst mehr oder weniger unbekannte Sache, wenn sie da oder dort auftritt, beurteilt wird. Zwar heißt es so schön im Goethe’schen «Faust» «Name ist Schall und Rauch». Und hingedeutet soll werden an dieser «Faust»-Stelle, dass man sich nach der Sache und nicht nach dem Namen richten soll. Aber es ist nur allzu verzeihlich, dass derjenige, der einer Sache noch wenig nahegetreten ist, in dem Namen irgendetwas sieht, woraus er die Sache charakterisieren will, woraus er die Sache verstehen will. Anthroposophie und Anthroposophische Gesellschaft sind ja Namen, welche in dieser Gegend hier durch den Dornacher Bau bekannt geworden sind. Anthroposophie ist keineswegs irgendein neuer Name.

[ 2 ] When I considered how I should organize my reflections for this evening, I had in mind, dear attendees, to discuss certain misunderstandings that we know exist, certain misunderstandings, certain understandable misconceptions about our cause. Let us begin with the one according to which a more or less unknown thing, when it occurs here or there, is judged. Goethe's “Faust,” “a name is but a sound and smoke.” And this passage from “Faust” is meant to suggest that one should judge by the thing itself and not by its name. But it is only too forgivable that those who are not yet very familiar with a matter see something in the name from which they want to characterize the matter, from which they want to understand the matter. Anthroposophy and the Anthroposophical Society are names that have become known in this area through the Dornach building. Anthroposophy is by no means just any new name.

[ 3 ] Als es sich vor einer Anzahl von Jahren darum handelte, einen Namen zu geben dieser unserer Sache, da verfiel ich selbst auf einen Namen, der mir lieb geworden war deshalb, weil ein Philosophieprofessor, den ich in meiner Jugendzeit viel gehört habe, dessen Vorträge für mich gewissermaßen wichtig geworden sind, weil ein Philosophieprofessor Robert Zimmermann sein Hauptwerk «Anthroposophie» genannt hat. Das war schon in den Achtzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts. Und der Name «Anthroposophie» führt weit zurück in der Literatur. Man brauchte ihn auch schon im achtzehnten Jahrhundert; ja er geht, in dem er von Einzelnen gebraucht worden ist, viel, viel weiter in der Geistesgeschichte zurück.

[ 3 ] When, a number of years ago, it came to giving a name to our cause, I myself came up with a name that had become dear to me because a philosophy professor whom I had listened to a lot in my youth, whose lectures had become important to me in a way, because a philosophy professor named Robert Zimmermann had called his magnum opus “Anthroposophy.” That was back in the 1880s. And the name “anthroposophy” goes back a long way in literature. It was already in use in the 18th century; indeed, it goes back much, much further in intellectual history, having been used by individuals.

[ 4 ] Was meint eigentlich der Name? Da muss man natürlich zunächst fragen: Was meinen diejenigen, die den Namen einer Sache gegeben haben. Man kann nämlich niemals mit einem Namen, der da aus ganz anderer Verbindung heraus sich entwickelt, als sei es eine neue Sache, man kann niemals mit einem Namen ganz genau eine Sache bezeichnen. Daher kann auch nicht in dem Namen enthalten sein alles, was die betreffende Sache irgendwie charakterisiert; ich möchte zunächst sagen, was der Name eigentlich im gewöhnlichen Sinne des Wortes auf jeden Fall nicht, wenigstens nicht allein bedeuten soll: Der Name soll nicht bedeuten «Wissen vom Menschen». Das ist die ausdrückliche Absicht derjenigen, die den Namen gegeben haben, dass er nicht bedeuten soll «Wissen vom Menschen», sondern der Name ist in einer anderen Absicht gegeben. Durch dasjenige, was ich im weiteren Verlaufe des Abends Ihnen werde mitzuteilen haben, wird klar werden, dass das Wissen, das gesucht wird innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Gesellschaft, dass dieses Wissen nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der zunächst äußerlich uns entgegentritt, nicht gesucht wird von demjenigen Menschen, der seine Sinne braucht, der seinen Verstand braucht, der an das Gehirn gebunden ist und den er im gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft unmittelbar anwendet, sondern innerhalb dieses, sagen wir Sinnesmenschen liegt ein Geistesmensch, ein innerer Mensch, gewissermaßen ein zweiter Mensch. Sogar Schiller hat von einem zweiten Menschen im Menschen gesprochen, von einem, zu dem man sich entwickeln kann, den man in sich auferwecken kann.

[ 4 ] What does the name actually mean? Of course, the first question to ask is: What did those who gave the name to something mean? For one can never use a name that has developed from a completely different context as if it were a new thing; one can never use a name to describe a thing precisely. Therefore, the name cannot contain everything that characterizes the thing in question in some way. I would first like to say what the name should definitely not mean in the ordinary sense of the word, at least not on its own: the name should not mean “knowledge of man.” It is the express intention of those who gave the name that it should not mean “knowledge of man,” but rather that the name is given with a different intention. Through what I will share with you in the course of this evening, it will become clear that the knowledge sought within this Society of Spiritual Science is not sought by the person who initially appears before us externally, nor is it sought by the person who needs his senses, who needs his intellect, who is bound to the brain and who applies it directly in ordinary life and ordinary science. Rather, within this, let us say, sensory human being lies a spiritual human being, an inner human being, a second human being, so to speak. Even Schiller spoke of a second human being within the human being, one that one can develop into, one can awaken within oneself.

[ 5 ] Während nun dasjenige, was man über den Menschen, der uns für die Sinne entgegentritt, während man das, was man über diesen Menschen wissen kann, oder vielmehr besser gesagt, was dieser Mensch über sich selber wissen kann, während man das «Anthropologie» gewöhnlich nennt, soll dasjenige, was der innere Mensch in uns wissen kann, dieser zweite Mensch, der sich derjenigen Werkzeuge bedient, von denen ich nachher sprechen werde, das soll «Anthroposophie» genannt werden. Also dasjenige, was der eigentliche, der Geistesmensch in uns wissen kann, das soll Anthroposophie genannt werden. Anthroposophie ist also das Wissen des Geistesmenschen, und es erstreckt sich dieses Wissen des Geistesmenschen nicht etwa bloß über den Menschen. Es ist nicht bloß ein Wissen vom Menschen, sondern es ist ein Wissen von der ganzen Welt, nämlich ein Wissen von allem, was in der geistigen Welt der Geistesmensch so wahrnehmen kann, wie der Sinnesmensch in der Welt das Sinnliche wirklich wahrnimmt. Also hingedeutet ist darauf in diesem Namen «Anthroposophie», dass gewissermaßen ein anderer Mensch als der äußere Mensch weiß. Und weil dieser andere Mensch, dieser innere Mensch, der Geistesmensch ist, so kann man dasjenige, was er als Wissen erlangt, auch «Geisteswissenschaft» nennen. Und der Name Geisteswissenschaft ist noch weniger neu als der Name Anthroposophie. Er ist nämlich gar nicht einmal selten, und es wäre ein völliges Missverstehen, wenn irgendjemand glauben würde, dass etwa ich oder irgendjemand uns Nahestehendes den Namen Anthroposophie geprägt hätte. Geisteswissenschaft wird überall da gebraucht, wo man glaubt, ein Wissen erlangen zu können, das nicht Naturwissen bloß ist, sondern Wissen von etwas Geistigem. Und zahlreiche unserer Zeitgenossen nennen die Geschichte eine Geisteswissenschaft, nennen die Soziologie, die National-Ökonomie, die Ästhetik, die Religionsphilosophie: Geisteswissenschaften. Wenn wir den Namen nun gebrauchen, so geschieht dieses nur in einem etwas anderen Sinne. Aber geprägt ist der Name keineswegs von uns. Es geschieht in dem Sinne, dass wir den Geist als etwas Wirkliches, als etwas Reales auffassen, während diejenigen, die heute zumeist sprechen von der Geschichte, von der National-Ökonomie als Geisteswissenschaften, die meinen, dass der Geist nur in abstrakten Ideen besteht. Wir sprechen von dem Geiste nicht als von abstrakten Ideen, sondern - wie wir gleich sehen werden - als von etwas viel Wirklicherem als die äußere Sinneswelt.

[ 5 ] While what we know about the human being who appears to our senses, what we can know about this human being, or rather, what this human being can know about himself, is usually called “anthropology,” what the inner human being within us can know, this second human being who uses the tools I will discuss later, that should be called “anthroposophy.” So what the actual spiritual human being within us can know should be called anthroposophy. Anthroposophy is therefore the knowledge of the spiritual human being, and this knowledge of the spiritual human being does not extend merely to human beings. It is not merely knowledge of human beings, but knowledge of the whole world, namely knowledge of everything that the spiritual human being can perceive in the spiritual world, just as the sensory human being truly perceives the sensory world. So the name “anthroposophy” indicates that, in a sense, a different human being than the outer human being knows. And because this other human being, this inner human being, is the spiritual human being, what he acquires as knowledge can also be called " Spiritual Science." And the name Spiritual Science is even less new than the name anthroposophy. In fact, it is not at all rare, and it would be a complete misunderstanding if anyone were to believe that I or anyone close to us had coined the name anthroposophy. Spiritual Science is used everywhere where people believe they can acquire knowledge that is not merely natural science, but knowledge of something spiritual. And many of our contemporaries call history a Spiritual Science, call sociology, national economy, aesthetics, and the philosophy of religion humanities. When we use the name, we do so in a slightly different sense. But we did not coin the name. We do so in the sense that we understand the spirit as something real, while those who today mostly speak of history and economics as Spiritual Science believe that the spirit consists only of abstract ideas. We speak of the spirit not as abstract ideas, but — as we shall see in a moment — as something much more real than the external sensory world.

[ 6 ] Nun muss ich, weil auch dies leicht in missverständlicher Weise aufgefasst werden könnte, auch ein wenig eingehen auf die ganze Entwicklung unserer Anthroposophischen Gesellschaft. Es wird zum Beispiel gesagt, dass unsere Anthroposophische Gesellschaft nur eine Art von Entwicklung wäre aus dem, was man die «Theosophische Gesellschaft» nennt. Obzwar dasjenige, was wir innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft treiben, eine Zeit lang innerhalb der allgemeinen Theosophischen Gesellschaft gewirkt hat, darf keineswegs unsere Anthroposophische Gesellschaft mit der Theosophischen Gesellschaft ohne Weiteres verwechselt werden. Und damit dies nicht geschähe, muss ich einiges, was nur anscheinend persönlich ist, vorbringen über die allmähliche Entstehung desjenigen, was wir jetzt Anthroposophische Gesellschaft nennen.

[ 6 ] Now, because this too could easily be misunderstood, I must also say a little about the whole development of our Anthroposophical Society. It is said, for example, that our Anthroposophical Society is only a kind of development out of what is called the “Theosophical Society.” Although what we do within our Anthroposophical Society was active for a time within the general Theosophical Society, our Anthroposophical Society should by no means be confused with the Theosophical Society. And to prevent this from happening, I must say a few things, which may seem personal, about the gradual emergence of what we now call the Anthroposophical Society.

[ 7 ] Es war jetzt schon vor vielen Jahren, da wurde ich von einem kleinen Kreise aufgefordert, gewisse geisteswissenschaftliche Vorträge zu halten. Diese geisteswissenschaftlichen Vorträge wurden dann später gedruckt in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zu der naturwissenschaftlichen Weltanschauung». Bis dahin hatte ich, ich möchte sagen in einem einsamen Denkerwege versucht, eine Weltanschauung aufzubauen, die auf der einen Seite voll mit den großen, mit den bedeutsamen Errungenschaften der Naturwissenschaft rechnet, und die auf der anderen Seite sich erheben wollten zum Einblick in die geistigen Welten. Ich muss ausdrücklich betonen, dass, als ich dazumal aufgefordert worden bin, über dieses geisteswissenschaftliche Thema, das ich eben angegeben habe, in einem kleineren Kreise Deutschlands zu sprechen, dass ich dazumal nichts, aber auch gar nichts, nicht einen Teil von einer Schriftstellerin Blavatsky oder Annie Besant gelesen habe. Wenn ich in diese Bücher hineingeschaut hatte, so war es so, dass sie mir eigentlich gar nicht lagen. Ich hatte rein aus dem heraus, was ich gefunden hatte, versucht, einige Gesichtspunkte über die geistigen Welten dazumal anzugeben. Diese Vorträge wurden gedruckt, und sie wurden schr bald ins Englische übersetzt, ins Englische übersetzt von einem Mitglied der dazumal besonders in England blühenden Theosophical Society. Und von jener Seite wurde mir dazumal nahegelegt, in die Theosophical Society einzutreten. Niemals habe ich eine andere Idee gehabt, als, wenn mir ein Arbeitsfeld, ein Wirkungsfeld geboten wird innerhalb der Theosophical Society, etwas anderes vorzubringen als dasjenige, was auf Grundlage einer eigenen, selbstständigen Forschungsmethode aufgebaut war. Sodass zu sagen ist, dass dasjenige, was jetzt Inhalt der Anthroposophischen Weltanschauung ist, was lebt innerhalb unserer Anthroposophischen Gesellschaft, dazumal nicht genommen worden ist von der Theosophical Society, sondern als etwas ganz Selbstständiges hineingetragen wurde, und als etwas Selbstständiges solange drinnen wirkte, als man dort es nicht ketzerisch fand, [häretisch] fand. Niemals war die Weltanschauung irgendwie abgeleitet, hergeleitet von demjenigen, was die andere Theosophische Gesellschaft bot, sondern sie war ein selbstständiges Glied dabei. Und dasjenige, was sie war als cin selbstständiges Glied, das entwickelte sich dann weiter, wurde immer weiter und weiter ausgebaut, und es war ein vollständiges Nebenereignis, dass eines Tages die Leiterin der Theosophical Society fand - nun, dass es mit ihren Anschauungen nicht ginge, was zum Beispiel von mir vertreten wurde, und dass sie uns den Stuhl vor die Türe setzte.

[ 7 ] Many years ago, I was asked by a small circle of people to give certain lectures on Spiritual Science. These lectures were later printed in my book “Mysticism in the Dawn of Modern Spiritual Life and Its Relationship to the Scientific Worldview.” Until then, I had been trying, I might say in a solitary way of thinking, to construct a worldview that, on the one hand, took full account of the great and significant achievements of natural science and, on the other hand, sought to rise to an insight into the spiritual worlds. I must emphasize that when I was asked at that time to speak about this topic of Spiritual Science, which I have just mentioned, in a small circle in Germany, I had read nothing, absolutely nothing, not even a part of a book by Blavatsky or Annie Besant. When I looked into these books, I found that they did not really suit me. Based purely on what I had found, I had tried to indicate some points of view about the spiritual worlds at that time. These lectures were printed and soon translated into English by a member of the Theosophical Society, which was particularly flourishing in England at the time. And it was from that quarter that I was encouraged to join the Theosophical Society. I never had any other idea than to present something based on my own independent research method if I was offered a field of work or activity within the Theosophical Society. So it must be said that what is now the content of the anthroposophical worldview, what lives within our Anthroposophical Society, was not taken from the Theosophical Society at that time, but was brought in as something completely independent, and functioned as something independent as long as it was not considered heretical there. The worldview was never derived in any way from what the other Theosophical Society offered, but was an independent member of it. And what it was as an independent member then developed further, was expanded further and further, and it was a completely incidental event that one day the leader of the Theosophical Society found that her views were incompatible with what I, for example, represented, and that she showed us the door.

[ 8 ] So wäre es eine vollständig irrtümliche Auffassung, wenn man dasjenige, was in der Anthroposophischen Gesellschaft lebt, in irgendeiner Weise herleiten würde oder in einen inneren organischen Zusammenhang brächte mit demjenigen, was von Blavatsky und Besant vertreten wird. Blavatsky hat allerdings in ihren Büchern bedeutsame Wahrheiten über die geistige Welt vorgebracht, allein vermischt mit so viel Irrtum, mit so viel Unheil, dass es nur demjenigen, der genau eingedrungen ist in diese Dinge, gelingt, das wenige Bedeutungsvolle in diesen Büchern, das wie zu einem Chaos vermischt mit dem Unheil und Unrecht ist, zu sondern. Daher muss unsere Anthroposophische Bewegung den Anspruch machen, als etwas völlig Selbstständiges aufgefasst zu werden, das soll nicht aus Unbescheidenheit vorgebracht werden, sondern nur um die Tatsache objektiv richtigzustellen.

[ 8 ] It would therefore be a completely erroneous view to derive what lives in the Anthroposophical Society in any way or to bring it into an inner organic connection with what represented by Blavatsky and Besant. Blavatsky did indeed present significant truths about the spiritual world in her books, but they were mixed with so much error and so much harm that only those who have thoroughly penetrated these things succeed in separate the few meaningful things in these books, which are mixed up in chaos with the harm and injustice. Therefore, our anthroposophical movement must claim to be understood as something completely independent. This is not meant to be immodest, but only to set the record straight objectively.

[ 9 ] Dann kam die Zeit, in welcher es nötig wurde, dasjenige, was unsere Geisteswissenschaft, unsere Anthroposophie gab durch Lehren, das auch zu verkörpern, in einer künstlerisch-dramatischen Art zu verkörpern. Wir fingen damit an im Jahre 1909 in München. Von da ab haben wir dann bis zum Jahre 1913 jedes Jahr in dramatischen Darstellungen in München versucht, auch in Gestalten, in einem dramatischen Gang vor die Seele hinzustellen dasjenige, wovon wir nach unseren Forschungen annehmen müssen, dass es als geistige Kräfte, als geistige Wesenheiten, als geistige Impulse in der Welt lebt. Diese dramatischen Vorführungen, diese künstlerischen Darbietungen wurden zunächst eben in einem gewöhnlichen Theater gegeben. Allein bald stellte sich heraus, dass ein gewöhnliches Theater nicht die richtige Umrahmung sein kann für dasjenige, was da in einer gewissen Weise neu in die geistige Entwicklung der Menschheit eintreten sollte. Und es stellte sich einfach die Notwendigkeit heraus, für solche Aufführungen, überhaupt für den ganzen Betrieb unserer Geisteswissenschaft und geisteswissenschaftlichen Kunst ein eigenes Gebäude zu haben, ein Gebäude, das in seinem Baustil ein Ausdruck ist für dasjenige, was geistig gewollt wird. Zuerst wurde gemeint, dass es gut wäre, einen solchen Bau in München aufzuführen, als das dann sich als unmöglich oder wenigstens als außerordentlich erschwert erwies, hatten wir dadurch die Möglichkeit, diesen Bau hierher zu tragen, in diese Gegend, nach dem wunderschönen Dornacher Hügel, wo uns ein größeres Stück Boden angeboten wurde von einem lieben schweizerischen Freund, der diesen Boden zur Verfügung hatte, und der unserer Sache zugetan ist. So hat sich auf eine ganz natürliche Weise ergeben aus einer Sache, die in die Welt hereingetreten ist, diejenige Umrahmung, die dieser Sache geboten werden sollte. Und so hat sich auch durch ganz leicht begreifliche Umstände ergeben, dass dieser Bau gerade hier am Nordwestende der Schweiz aufgerichtet worden ist.

[ 9 ] Then came the time when it became necessary to embody what our Spiritual Science, our anthroposophy, offered through teachings in an artistic dramatic way. We began doing this in Munich in 1909. From then until 1913, we attempted every year in dramatic performances in Munich to present in figures, in a dramatic procession before the soul, that which, according to our research, we must assume lives in the world as spiritual forces, spiritual beings, spiritual impulses. These dramatic performances these artistic performances were initially given in an ordinary theater. However, it soon became apparent that an ordinary theater could not provide the right setting for what was, in a certain sense, new to the spiritual development of humanity. And it simply became necessary to have a separate building for such performances, indeed for the entire operation of our Spiritual Science and spiritual art, a building whose architectural style would be an expression of what was spiritually intended. At first, it was thought that it would be good to erect such a building in Munich, but when that proved impossible, or at least extremely difficult, we had the opportunity to bring this building here, to this area, to the beautiful Dornach hills, where a larger piece of land was offered to us by a dear Swiss friend who had this land at his disposal and who is devoted to our cause. Thus, in a very natural way, a situation arose in which a thing that had come into the world was given the setting that it deserved. And so, through circumstances that are quite easy to understand, it came about that this building was erected right here at the northwestern end of Switzerland.

[ 10 ] Und nun, sehr verehrte Anwesende, möchte ich, bevor ich ein Weiteres über den Dornacher Bau sage, möchte ich, wenn das auch nur sein kann mit ganz wenigen Worten, eingehen auf die Aufgabe der Geisteswissenschaft selber. Man kann es ja wirklich begreiflich finden, dass etwas, und so etwas ist es doch, wie diese Geisteswissenschaft, wie diese Anthroposophie, dass etwas, was als Neues eintritt in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass das zunächst missverstanden wird. Wirklich, man darf es glauben, dass derjenige, der fest darinnensteht in dieser Geisteswissenschaft, es vollständig begreiflich findet, dass viele Missverständnisse ihr entgegengebracht werden. Und derjenige, der den Gang der Geistesentwicklung der Menschheit kennt, wird sich nie wundern über solche Missverständnisse, die entgegengebracht werden. Man soll also gar nicht glauben, dass derjenige, der selbst Geisteswissenschafter ist, sich irgendwie wundert, wenn ihm gesagt wird, das, was er triebe, das ist eine eitle Phantasterei, das ist eine Träumerei oder vielleicht Schlimmeres. So wurden in der Regel immer diejenigen Dinge aufgefasst, die in einer ähnlichen Art in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten sind wie diese Geisteswissenschaft. Und außerdem kann es sehr leicht scheinen, als ob diese Geisteswissenschaft Ähnlichkeit hätte mit gewissen Dingen, welche im Laufe der [Kulturentwicklung] der [Menschheit] aufgetreten sind, und von denen man sagen kann, dass sie in der Gegenwart vielleicht keinen besonders guten Klang haben.

[ 10 ] And now, dear friends, before I say anything more about the Dornach building, I would like to say a few words, if I may, about the task of Spiritual Science itself. It is really understandable that something like this, such as this Spiritual Science, such as this anthroposophy, something that enters as something new into the spiritual development of humanity, is initially misunderstood. Really, one can believe that those who are firmly grounded in this Spiritual Science find it completely understandable that it is met with many misunderstandings. And those who are familiar with the course of humanity's spiritual development will never be surprised by such misunderstandings. So one should not believe that those who are engaged in Spiritual Science themselves are somehow surprised when they are told that what they are doing is vain fantasy, daydreaming, or perhaps something worse. As a rule, things that have entered into the spiritual development of humanity in a similar way to the Spiritual Science have always been perceived in this way. And besides, it can very easily seem as if the Spiritual Science bears a resemblance to certain things that have occurred in the course of [cultural development] of [humanity], and of which it can be said that they may not have a particularly good reputation at present.

[ 11 ] Sehen Sie, so könnte man sagen, wenn man das, was Geisteswissenschaft, was Anthroposophie wollen, wenn man das äußerlich anschaut, wenn man sich nicht genau darauf einlässt, sondern es äußerlich anschaut, so könnte man finden, dass es so eine entfernte Ähnlichkeit habe mit dem, was gewisse Bekenner einer Weltanschauung in den ersten christlichen Jahrhunderten pflegten, die Gnostiker. Derjenige aber, der nach und nach kennenlernt, was diese unsere Geisteswissenschaft ist, der wird finden, dass unsere Geisteswissenschaft nicht mehr Ähnlichkeit hat mit den Gnostikern, als die Naturwissenschaft der Gegenwart Ähnlichkeit hat zum Beispiel mit der Naturwissenschaft aus dem achten oder sechsten Jahrhundert. Man kann ja allerdings zwischen allen Dingen Ähnlichkeiten finden, wenn man nur genügend viel von dem Unterscheidenden weglässt. Wenn man zum Beispiel sagt: Nun diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, die will auf eine geistige Art die Welt erkennen. Die Gnostiker wollten auch auf eine geistige Art die Welt erkennen. Folglich ist das dasselbe Ding. Genau dasselbe kann man sagen von unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft, die so große, gewaltige Fortschritte gemacht hat: Sie sucht die Geheimnisse der Natur zu ergründen; das suchten auch die Alchemisten, die Quacksalber des Mittelalters. Also ist im Grunde genommen kein besonderer Unterschied, sondern es ist die neuere Naturwissenschaft nur ein neuer Name für dasjenige, was dazumal im Mittelalter getrieben worden ist.

[ 11 ] You see, one could say that if one looks at what Spiritual Science, what anthroposophy, wants to achieve from the outside, if one does not engage with it closely but looks at it from the outside, one might find that it bears a distant resemblance to what certain adherents of a worldview in the early Christian centuries, the Gnostics, used to practice. But anyone who gradually gets to know what our Spiritual Science is will find that it bears no more resemblance to the Gnostics than modern science bears resemblance to the science of the eighth or sixth century, for example. Of course, one can find similarities between all things if one leaves out enough of the differences. For example, one might say: Now this Spiritual Science, this anthroposophy, wants to understand the world in a spiritual way. The Gnostics also wanted to understand the world in a spiritual way. Consequently, it is the same thing. Exactly the same can be said of our present-day natural science, which has made such great, tremendous progress: it seeks to fathom the secrets of nature; the alchemists, the quacks of the Middle Ages, sought the same thing. So basically there is no particular difference, but rather the newer natural science is just a new name for what was done in the Middle Ages.

[ 12 ] In ähnlicher Weise könnte man verwechseln mit dem, was dann, sagen wir als Alchemie, als Magie im Mittelalter getrieben worden ist, unsere Geisteswissenschaft. Das alles beruht aber auf einem vollständigen Verkennen, auf einem vollständigen Missverständnis dessen, was diese Geisteswissenschaft, diese Anthroposophie, eigentlich will, was sie für eine Aufgabe hat. Wenn man einsehen will, was diese Geisteswissenschaft für eine Aufgabe hat, dann muss man zunächst hinschauen darauf, wie sich seit drei bis vier Jahrhunderten die neuere naturwissenschaftliche Denkungsweise aus einer ganz anderen Denkungsweise heraus eigentlich erst entwickelt hat.

[ 12 ] In a similar way, one could confuse our Spiritual Science with what was then, let's say, alchemy, magic in the Middle Ages. But all this is based on a complete misunderstanding of what this Spiritual Science, this anthroposophy, actually wants, what its task is. If one wants to understand what the task of the Spiritual Science is, one must first look at how, over the last three to four centuries, the modern scientific way of thinking has actually developed from a completely different way of thinking.

[ 13 ] Sehr verehrte Anwesende, man muss sich nur klarmachen, was es für die Menschheit geheißen hat, als vor drei bis vier Jahrhunderten jener Umschwung eintrat, den man ausdrücken kann mit den Worten: Bis dahin glaubte der weitaus größte Teil, ja alle Menschen glaubten, Laien und Gelehrte, die Erde stehe still im Weltenall, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde. Man kann sagen, dazumal wurde durch dasjenige, was notwendig geworden ist durch Kopernikus, Galilei, den Menschen der Boden unter den Füßen beweglich gemacht. Heute, wo man die Bewegung der Erde als eine Selbstverständlichkeit ansieht, heute macht man sich gar kein Gefühl, gar keine Empfindung mehr darüber, wie unendlich überraschend das auf die Menschheit gewirkt hat und alles was damit zusammenhing. Es ist keine Anekdote, sondern etwas, was einen wirklichen Tatbestand gibt, wenn ich Folgendes erzähle.

[ 13 ] Dear attendees, one only has to consider what it meant for humanity when, three to four centuries ago, that change occurred which can be expressed in the following words: Until then, the vast majority, indeed all people, laymen and scholars alike, believed that the Earth stood still in the universe and that the sun and stars moved around the Earth. It can be said that at that time, what had become necessary through Copernicus and Galileo, the ground beneath people's feet became unstable. Today, when we take the movement of the Earth for granted, we no longer have any feeling or sense of how infinitely surprising this was for humanity and everything connected with it. It is not an anecdote, but something that is a real fact when I tell the following story.

[ 14 ] Sehen Sie, das ganze Mittelalter hindurch, bis in die Zeiten des Galilei hinein, hat man Anatomie, die Lehre von dem äußeren physischen Menschen, nicht so getrieben, wie man sie heute treibt, dass man an den Leichnam herangeht, sondern da wurde Anatomie gelehrt, durch Jahrhunderte hindurch gelehrt, wie sie der alte griechische große Weise Aristoteles gelehrt hat. Gewiss, Aristoteles war für seine Zeit ein überragender Kopf, wie nur wenige überhaupt in der geistigen Geschichte der Menschheit gesehen worden sind. Aber er hat eben für seine Zeit gelebt; und dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, nicht dasjenige, was man an der Leiche selber etwa gesehen oder an den Menschen beobachtet hat - daran ging man gar nicht —, sondern dasjenige, was in den Büchern des Aristoteles stand, das wurde von Jahr zu Jahr vor den Schülern gelehrt, und das nistete sich fest ein in die Vorstellungsweise der Menschen, zu glauben, Aristoteles habe das letzte Wort gesprochen, das jetzt für alle Zeiten feststehen müsse.

[ 14 ] You see, throughout the Middle Ages, right up to the time of Galileo, anatomy, the study of the external physical human being, was not practiced as it is today, where one approaches the corpse, but rather anatomy was taught, taught for centuries, as the great ancient Greek sage Aristotle taught it. Certainly, Aristotle was an outstanding mind for his time, as few others have been in the intellectual history of humanity. But he lived for his time; and what was written in Aristotle's books, not what was seen on the corpse itself or observed in humans – that was not considered at all – but what was written in Aristotle's books was taught to students year after year, and this became firmly embedded in people's minds, leading them to believe that Aristotle had spoken the final word, which must now remain fixed for all time.

[ 15 ] Galilei, einer derjenigen, die die Umwälzer waren dieses Betriebes der Geisteswissenschaft, Galilei hatte einen Freund. Er versuchte den Freund, der ein gelehrter Mann war, der alles wusste, was über den menschlichen Leib im Aristoteles stand, er versuchte diesen Freund über einen Punkt aufzuklären. Er sagte: Sieh einmal, im Aristoteles steht, dass die Nerven von dem Herzen ausgehen. Aber heute können wir aus dem Befund an der Leiche sehen, dass die Nerven des Menschen vom Gehirn ausgehen. Das möchte ich sehen, dass so etwas, was ganz widerspricht dem Aristoteles, dass so etwas wahr sein könnte, sagte der Freund. Galilei führte den Freund an die Leiche und machte ihm das alles klar. Da sagte der Freund: Ja, wenn ich mir das anschaue, dann sehe ich allerdings, dass die Nerven nicht vom Herzen, sondern vom Hirn ausgehen. Aber im Aristoteles steht es anders; da glaube ich mehr dem Aristoteles als der Natur.

[ 15 ] Galileo, one of those who revolutionized this branch of Spiritual Science, had a friend. He tried to enlighten this friend, who was a learned man who knew everything Aristotle had written about the human body, on one point. He said: Look, Aristotle says that the nerves originate in the heart. But today we can see from autopsy findings that the human nerves originate in the brain. I would like to see that something that completely contradicts Aristotle could be true, said the friend. Galileo took his friend to the corpse and explained everything to him. Then the friend said: Yes, when I look at it, I can see that the nerves do not originate in the heart, but in the brain. But Aristotle says otherwise; I believe Aristotle more than nature.

[ 16 ] Es ist nicht einmal nötig, sehr verehrte Anwesende, heute über eine solche Verirrung zu lachen, sie ist ganz verständlich. Denn man steht eben in der Zeit vor drei bis vier Jahrhunderten, in der Morgenröte der neueren Naturwissenschaft. Das, was heute Denkgewohnheiten geworden sind, woran sich heute alle Leute gewöhnt haben, dass musste dazumal erst errungen werden. Dieser ungeheuere Umschwung, der da eintrat, das machen sich die Leute gar nicht klar.

[ 16 ] It is not even necessary, dear audience, to laugh at such a mistake today; it is quite understandable. For we are standing in the time three to four centuries ago, at the dawn of modern science. What has become habitual thinking today, what everyone is accustomed to today, had to be achieved back then. People do not realize the enormous upheaval that took place.

[ 17 ] Dasjenige nun, was dazumal versucht worden ist für die Naturwissenschaft in der Ausdeutung und Erklärung der Geheimnisse der Natur, das versucht für den Geist und für das Seelische die Geisteswissenschaft in der heutigen Zeit. Nichts anderes will diese Geisteswissenschaft in ihren Grundlagen sein als für das geistig-seelische Leben etwas Ähnliches, wie die Naturwissenschaft es dazumal geworden ist für das äußere Naturleben. Und derjenige, der zum Beispiel glaubt, dass unsere Geisteswissenschaft irgendetwas mit der alten Gnosis zu tun habe, der verkennt ganz, dass mit dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung dazumal etwas Neues in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten ist, und ebenso etwas Neues eintreten will - wenn auch vielleicht mit vielen Irrtümern, die sind ja immer mit dem verknüpft, was in der Menschheit gewollt ist -, durch die Geisteswissenschaft einbringen will. Nun aber muss diese Geisteswissenschaft ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Gerade wenn sie ganz in dem Sinn der Naturwissenschaft vorgehen will, dann muss sie ganz anders forschen als die Naturwissenschaft. Dann muss sie eben Mittel und Wege finden, um in das Gebiet des Geistigen, das ja nicht gesehen werden kann mit äußeren physischen Augen, nicht begriffen werden kann mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, sie muss Mittel und Wege finden, in das geistige Gebiet einzudringen.

[ 17 ] What was attempted at that time for natural science in the interpretation and explanation of the mysteries of nature is now being attempted for the spirit and the soul by Spiritual Science in our time. This Spiritual Science wants to be nothing other than for spiritual -spiritual life, similar to what natural science has become for external natural life. And anyone believes, for example, that our Spiritual Science has anything to do with ancient Gnosticism completely misunderstands that something new entered into the spiritual development of humanity with this scientific worldview at that time, and likewise wants something new to enter — even if perhaps with many errors, which are always linked to what is desired in humanity — through Spiritual Science. But now Spiritual Science must research in a completely different way than natural science. Precisely if it wants to proceed entirely in the spirit of natural science, then it must conduct its research in a completely different way than natural science. Then it must find ways and means to penetrate the spiritual realm, which cannot be seen with the physical eyes, cannot be grasped with the intellect, which is bound to the brain; it must find ways and means to penetrate the spiritual realm.

[ 18 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist heute noch schwer, sich verständlich zu machen über die Mittel und Wege, welche die Geisteswissenschaft sucht, um in das geistige Gebiet einzudringen, weil heute viele, viele Irrtümer in den weitesten Kreisen herrschen über die Art und Weise, wie der Mensch etwas erfahren kann über unbekannte Welten, und die geistigen Welten nennt man ja oftmals unbekannte Welten. Vor allen Dingen muss festgehalten werden, dass man durch diejenige Erkenntniskraft, welche der Mensch für das gewöhnliche Leben hat und die er auch in der gewöhnlichen Wissenschaft anwendet, dass man durch diese Erkenntniskraft nichts erfahren kann über die geistige Welt, das muss vor allen Dingen festgehalten werden. In dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft immer mehr und mehr überzeugend wirken dadurch, dass sie gerade in völliger Übereinstimmung, in völligem Einklange mit der Naturwissenschaft wird befunden werden. Nur kennt die Naturwissenschaft gewisse Fähigkeiten im Menschen nicht, die entwickelt werden können, die im Menschen schlummern. Aber es ist schwierig heute, über diese Fähigkeiten zu sprechen, aus dem Grunde, weil sie in weitesten Kreisen verwechselt werden mit allerlei krankhaften Fähigkeiten im Menschen. So zum Beispiel spricht man heute vielfach in der äußeren Welt davon, dass der Mensch zu gewissen Fähigkeiten kommen könne. Und der naturwissenschaftlich Gebildete erklärt dann, ja, aber diese Fähigkeiten beruhen nur darauf, dass das sonst normale Nervensystem des Menschen, das sonst normale Gehirn des Menschen abnorm geworden ist, krankhaft geworden ist. Und überall da, wo der Naturforscher recht hat mit einer solchen Aussage, da gibt ihm auch der Geistesforscher, der Bekenner der Geisteswissenschaft vollständig recht. Das heißt aber, man darf dasjenige, was die Geisteswissenschaft ist, nicht verwechseln mit dem, was oftmals in weitesten Kreisen im trivialen Sinne genannt wird: Hellsehen. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was zum Beispiel auftritt durch die verschiedenen Erscheinungen des Hypnotismus. Man darf nicht verwechseln die Geisteswissenschaft mit dem, was auftritt etwa unter dem Namen des Spiritismus, und so weiter, und so weiter.

[ 18 ] Now, dear friends, it is still difficult today to make oneself understood about the ways and means that Spiritual Science seeks to penetrate the spiritual realm, because today there are many, many misconceptions in the widest circles about the way in which human beings can learn about unknown worlds, and the spiritual worlds are often called unknown worlds. Above all, it must be noted that through the power of cognition that human beings have for ordinary life and that they also apply in ordinary science, nothing can be learned about the spiritual world; this must be noted above all else. In this respect, Spiritual Science will become more and more convincing because it will be found to be in complete agreement and harmony with natural science. However, natural science does not recognize certain abilities in human beings that can be developed and that lie dormant in them. But it is difficult to speak about these abilities today because they are widely confused with all kinds of pathological abilities in human beings. For example, there is much talk in the outside world today about human beings being able to acquire certain abilities. And those educated in natural science then explain that, yes, but these abilities are based solely on the fact that the otherwise normal human nervous system, the otherwise normal human brain, has become abnormal, pathological. And wherever the natural scientist is right in making such a statement, the spiritual researcher, the adherent of Spiritual Science, also agrees with him completely. But that means one must not confuse what Spiritual Science is with what is often referred to in the broadest circles in a trivial sense: clairvoyance. One must not confuse Spiritual Science with what occurs, for example, through the various phenomena of hypnotism. One must not confuse Spiritual Science with what occurs under the name of spiritualism, and so on and so forth.

[ 19 ] Gerade das ist das Wesentliche, dass diese Geisteswissenschaft unterschieden wird von allem, was irgendwie beruht auf krankhaften Menschheitsanlagen.

[ 19 ] It is essential that Spiritual Science be distinguished from everything that is based in any way on pathological human dispositions.

[ 20 ] Um mich in Bezug auf diesen Punkt völlig verständlich zu machen, sehr verehrte Anwesende, muss ich wenigstens mit ein paar Worten hindeuten darauf, wie der Geistesforscher dazu kommt, seine Forschungen zu machen. Dabei muss ich allerdings einen weiteren Punkt berühren. Denn es ist ja wahr, Geisteswissenschaft ist so, wie sie hier gemeint ist, noch etwas Neues, und daher ist dasjenige, was ihr Grundelement ist, heute noch schwierig, möchte ich sagen, für die gewohnten Vorstellungen. Wenn der Mensch im gewöhnlichen Leben denkt, fühlt, handelt, so wendet er seine Sinne an, er wendet seine ganze leibliche Organisation an. Er wendet sein gewöhnliches Vorstellungsleben an.

[ 20 ] In order to make myself completely clear on this point, dear audience, I must at least say a few words about how the spiritual scientist comes to do his research. In doing so, however, I must touch on another point. For it is true that Spiritual Science, as it is meant here, is still something new, and therefore its basic element is still difficult, I would say, for the usual mental images. When people think, feel, and act in ordinary life, they use their senses, they use their entire physical organization. They use their ordinary life of mental images.

[ 21 ] Nun beruht die geisteswissenschaftliche Forschungsart auf etwas, was im eminentesten Sinne nichts zu tun hat mit irgendeinem Leiblichen. Wenn zum Beispiel etwa gesagt würde: Geisteswissenschaft, nun sie wird halt auch beruhen auf irgendwelcher Askese, wie man gewisse Fähigkeiten des Menschen früher durch Askese hat entwickeln wollen; oder sie wird beruhen darauf, dass das Nervensystem in einer gewissen Weise zubereitet wird, aufgeregt gemacht wird, oder dergleichen, oder sie beruhe ganz darauf, dass sie in einer äußeren physischen Weise Geister zur Erscheinung brächte - so wäre das alles eine vollständig missverstandene Auffassung. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, um sich die Fähigkeit zu erwerben, in die geistige Welt hineinzuschauen, das sind rein geistig-seelische Vorgänge, das hat nichts zu tun mit dem Leib, das hat nichts zu tun mit dem Körperlichen. Und gerade er, der Geistesforscher wird in sorgfältiger Weise darauf bedacht sein, dass alles dasjenige, was er vornimmt, keinen Eindruck macht auf das Leibliche. Ich erwähne nur nebenbei: Wenn eine große Anzahl von denjenigen, die sich zur Geisteswissenschaft bekennen, Vegetarier zum Beispiel sind, so ist das Geschmackssache. Das ist keine Sache, die irgendwie prinzipiell etwas mit den geistigen Forschungsmethoden unmittelbar zu tun hat. Es hat nur zu tun mit einer gewissen Erleichterung des Lebens, ich möchte sagen sogar, es hat zu tun mit einem gewissermaßen Bequemlicher-Machen des Lebens, weil man leichter arbeiten kann in geistiger Weise, wenn man gerade kein Fleisch isst. Aber das ist eine Nebensache und hat gar nichts zu tun mit der Hauptsache. Die Hauptsache besteht darinnen, dass die Geistesforschung zu einer Wissenschaft zu führen hat, und dass sie gerade ausgeht von demjenigen, zu dem hin gearbeitet hat die neuere Naturwissenschaft, ich möchte sagen erkundet von den Tatsachen der Natur selber.

[ 21 ] Now, the method of research for Spiritual Science is based on something that, in the most eminent sense, has nothing to do with anything physical. If, for example, it were said that Spiritual Science is based on some kind of asceticism, as certain human abilities were once sought to be developed through asceticism; or that it is based on the nervous system being prepared in a certain way, being excited, or something similar; or that it is based entirely on bringing spirits into appearance in an external physical way — all of that would be a completely misunderstood conception. What the spiritual researcher has to do in order to acquire the ability to look into the spiritual world are purely spiritual-soul processes, that has nothing to do with the body, that has nothing to do with the physical. And it is precisely the spiritual researcher who will be careful to ensure that everything he does has no effect on the physical body. I would just like to mention in passing that if a large number of those who profess Spiritual Science are vegetarians, for example, this is a matter of taste. It is not something that has anything to do with spiritual research methods in principle. It only has to do with a certain easing of life; I would even say it has to do with making life more comfortable, in a sense, because it is easier to work spiritually when one does not eat meat. But that is a side issue and has nothing to do with the main issue. The main issue is that spiritual research must lead to a science, and that it must start from what modern natural science has worked towards, I would say explored from the facts of nature itself.

[ 22 ] Da hat sich herausgebildet diese neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung, ich möchte sagen eine gewisse Logik, die sich an die Tatsachen der Natur hält. Und eine große Schulung ist eingetreten bei denjenigen, die sich mit Naturwissenschaft befasst haben in Bezug auf die innere Handhabung des Denkens, in Bezug auf die innere Handhabung der Logik. Aber diese Logik, ich werde mich jetzt durch einen Vergleich verständlich zu machen versuchen, diese Logik, sehr verehrte Anwesende, die der Naturforscher anwendet, ich möchte sie vergleichen mit den Formen, mit den schönen Formen - denn Logik soll durch diesen Vergleich nicht etwa herabgewürdigt werden -, mit den schönen Formen, die eine sehr schöne Bildsäule hat. In dieser Weise ist auch die Logik, wenn man durch die Logik äußere natürliche Tatsachen begreifen will, diese Logik ist auch etwas Totes. Ich möchte sagen, wir wissen, wir haben in unseren Begriffen, in unseren Vorstellungen, indem wir logisch denken, Bilder, aber diese Bilder, die sind nur innerliche Gedankenformen so, wie die Formen einer Bildsäule Formen sind.

[ 22 ] This newer scientific worldview has emerged, I would say a certain logic that adheres to the facts of nature. And a great deal of training has taken place among those who have studied natural science in relation to the inner handling of thinking, in relation to the inner handling of logic. But this logic, I will now try to make myself understood by means of a comparison, this logic, dear audience, which the natural scientist applies, I would like to compare it with forms, with beautiful forms — for logic should not be disparaged by this comparison —with the beautiful forms that a very beautiful statue has. In this way, logic, too, if one wants to understand external natural facts through logic, this logic is also something dead. I would like to say that we know, we have mental images in our concepts, in our ideas, by thinking logically, but these images are only inner thought forms, just as the forms of a statue are forms.

[ 23 ] Nun geht der Geistesforscher gerade an dieses Denken heran. Und sie finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» Anleitungen darüber, was man nun gerade mit dem Denken machen muss, damit das Denken etwas anderes wird. Der Geistesforscher kultiviert sein Denken. Er entwickelt sein Denken. Er nimmt sein Denken in eine gewisse ganz besondere Zucht. Ich kann heute wegen der Kürze der Zeit nicht auf die Einzelheiten mich einlassen. Das Weitere, wie dieses Denken behandelt wird, wie gerade das herangebildete logische Denken behandelt wird, das finden Sie eben in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder auch in anderen Büchern, die unserer Weltanschauung angehören. Dann aber, wenn das Denken, wenn die im Menschen waltende Logik so behandelt wird, dann verändert sich das ganze innere Seelenleben. Und dann geschieht etwas, was dieses ganze innere Seelenleben zu etwas anderem macht, und das ich jetzt wieder in einem Vergleich fortentwickeln werde, anschaulich machen will.

[ 23 ] Now the spiritual researcher approaches precisely this kind of thinking. And in my book “How to Attain Knowledge of Higher Worlds,” you will find instructions on what one must do with thinking in order for thinking to become something else. The spiritual researcher cultivates his thinking. He develops his thinking. He disciplines his thinking in a certain very special way. Due to the limited time available, I cannot go into the details today. You can find more information on how this thinking is treated, how the logical thinking that has just been developed is treated, in my book: “How to Attain Knowledge of Higher Worlds” or in other books that belong to our worldview. But then, when thinking, when the logic that reigns in human beings is treated in this way, the whole inner life of the soul changes. And then something happens that transforms this whole inner life of the soul into something else, which I will now develop further in a comparison, in order to illustrate it.

[ 24 ] Denken Sie sich einmal, sehr verehrte Anwesende - es kann natürlich das nicht eintreten, aber nehmen wir an, es würde das eintreten -, dass die Bildsäulen, die vorher nur in toten Formen bestanden haben, plötzlich anfingen zu gehen, lebendig würden. Die Bildsäule kann es nicht, aber das menschliche Denken, diese innere logische Betätigung, die kann es, durch dasjenige, was vorgenommen wird nach den Vorschriften, von denen ich gesprochen habe nach den Übungen, die das Denken mit sich macht, das heißt der Geistesforscher versetzt sich in einen Zustand, dass in ihm nicht nur eine gedachte Logik ist, sondern eine lebendige Logik ist, dass die Logik in uns selber zu einem lebendigen Wesen wird. Dadurch aber hat er in sich statt der toten Begriffe lebendig Waltendes erfasst. Er wird durchdrungen von lebendig Waltendem. Und wenn Sie schon gehört haben, dass die Geistesforschung außer dem physischen Leib, den Sie mit Augen sehen, mit Händen greifen können, noch einen Ätherleib annimmt, dann ist darinnen nichts irgendwie Zauberisches, nichts irgendwie sonst gemeint, sondern es ist lediglich gemeint, dass der Mensch dadurch, dass er, ich möchte sagen die innere logische Bildsäule zum Leben aufgerufen hat, innerlich regsam, lebendig sich fühlt, innerlich belehrt den zweiten Menschen. Das ist eine Sache der Erfahrung, das ist eine Sache der Beobachtung, zu der man es bringen kann. Aber es muss eben gemacht werden, geradeso wie die anderen Experimente der Natur gemacht werden müssen, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen.

[ 24 ] Imagine, dear audience, that the statues, which previously existed only in dead forms, suddenly began to walk, came to life. The statue cannot do this, but human thinking, this inner logical activity, can do so through what is undertaken according to the rules I have spoken of, according to the exercises that thinking performs, that is, the spiritual researcher puts himself in a state where there is not only a thought logic within him, but a living logic, so that the logic within us becomes a living being. But in this way, instead of dead concepts, he has grasped something living and active within himself. He is permeated by something living and active. And if you have already heard that spiritual research assumes, in addition to the physical body that you can see with your eyes and touch with your hands, then there is nothing magical about it, nothing else is meant by it, but it simply means that by calling the inner logical image to life, so to speak, the human being feels inner activity and vitality and teaches the second human being from within. This is a matter of experience, a matter of observation that can be achieved. But it must be done, just as other experiments in nature must be done in order to uncover nature's secrets.

[ 25 ] Nun sehen Sie, geradeso wie man da das Denken kultiviert, wie man das Denken dazu bringt, dass es nicht mehr innerlich tot erlebt wird, sondern innerlich regsam und lebendig erhalten wird, so kann man auch den Willen in einer gewissen Weise kultivieren, den Willen in einer gewissen Weise ausbilden. Wiederum sind die Methoden, wodurch der Wille so behandelt wird, dass man ihn jetzt nicht so kennenlernt wie im gewöhnlichen Leben, sondern in einer anderen Weise kennenlernt, wie ich es beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?». Ja, man kann diesen Willen auch anders kennenlernen, aber es kommt dann etwas ganz anderes heraus, als wenn man das Denken in dieser Weise behandelt, wie ich es ausgeführt habe. Wenn man den Willen so behandelt, dass man ihn ganz anders erlebt wie im gewöhnlichen Leben, dann geschieht Folgendes: Nicht wahr, im gewöhnlichen Leben, wenn wir etwas wollen - sagen wir, wir arbeiten, wir haben unsere Hände zu bewegen, da sagen wir: Wir wollen. Aber der Wille, der dringt dann gleichsam hinein in unsere Glieder. Wir wissen ja nicht, was da der Wille tut. Der Wille, der ist Ausdruck unserer Bewegungen. Aber er bleibt eigentlich unbekannt. Aber man kann, wenn man in einer gewissen Weise übt, den Willen loslösen von seinem Verbundensein mit den Gliedern. Man kann den Willen allein erleben. Das Denken kann man rege machen, sodass es ein inneres Lebendiges wird, eine Art Ätherleib. Den Willen kann man herausschälen, lostrennen von seinem Zusammenhang mit der Leiblichkeit und dann, dann erlebt man, dass man in einem noch viel höheren Sinne einen zweiten Menschen in sich hat als beim Denken. Durch den Willen erlebt man, dass man einen zweiten Menschen in sich hat, der ein Bewusstsein hat.

[ 25 ] Now you see, just as one cultivates thinking, just as one causes thinking so that it is no longer experienced as dead inside, but is kept lively and active inside, so too can one cultivate the will in a certain way, train the will in a certain way. Again, the methods by which the will is treated in such a way that one does not get to know it as in ordinary life, but gets to know it in a different way, as I have described in “How to Attain Knowledge of Higher Worlds.” Yes, one can also get to know this will in a different way, but then something completely different comes out than when one treats thinking in the way I have described. When one treats the will in such a way that one experiences it quite differently than in ordinary life, the following happens: Isn't it true that in ordinary life, when we want something — let's say we are working, we have to move our hands, we say: we want. But the will then penetrates, as it were, into our limbs. We do not know what the will is doing there. The will is an expression of our movements. But it actually remains unknown. However, if one practices in a certain way, one can detach the will from its connection with the limbs. One can experience the will alone. You can stimulate your thinking so that it becomes an inner living force, a kind of etheric body. You can peel away the will, separate it from its connection to the physical body, and then you experience that you have a second person within you in an even higher sense than when you think. Through the will, you experience that you have a second person within you who has consciousness.

[ 26 ] Sehen Sie, wenn man so immer fort und fort an seinem Willen arbeitet, dann tritt das Folgende ein, das ich nur klarmachen kann, wenn ich Sie erinnere, sehr verehrte Anwesende, dass es im gewöhnlichen menschlichen Leben zwei abwechselnde Zustände gibt: wachen und schlafen. Wachend ist der Mensch sich bewusst; während des Schlafes hört das Bewusstsein auf. Nun, zunächst ist es eine Behauptung, wenn man sagt, das Seelisch-Geistige, das hört aber nicht auf zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Aber es ist direkt nicht mehr in dem Leib; es ist außerhalb. Das ist zunächst eine Behauptung. Aber der Geistesforscher bringt es dahin, dass er seinem Leib willkürlich so Stillstand befehlen kann, wie es unwillkürlich beim Einschlafen geschieht, so den Sinnen Stillstand gebieten, dem gewöhnlichen Verstande Stillstand gebieten, das kann man durch eine gewisse Entwicklung des Willens. Und dann tritt das ein, dass man gewissermaßen willkürlich denselben Zustand hervorruft, den man sonst unwillkürlich als Schlafzustand hat, aber das, was man jetzt hervorgerufen hat, ist total entgegengesetzt dem Schlafe. Während man im Schlafe unbewusst wird, nichts weiß von sich und der Umgebung: Dadurch dass man den Willen entwickelt hat, tritt man bewusst aus seinem Leibe heraus, und man hat den Leib außer sich so, wie man sonst einen äußeren Gegenstand außer sich hat. Und da merkt man: Da in uns lebt, in uns allen lebt das, was man im Willen entdecken kann: ein Zuschauer in uns. Das ist kein Bild, kein bildlicher Ausdruck, sondern das ist eine Wirklichkeit. In unserem Willen lebt etwas, was fortwährend uns innerlich beobachtet. Da drinnen ist erst der eigentliche geistig-seelische Mensch. Und wenn man diese zwei hat: den beweglichen Denkmenschen, ich möchte sagen den Äthermenschen, und diesen inneren Menschen, und das, was man jetzt erlebt, was man wirklich erlebt, was eine Erfahrung, eine Beobachtung ist, nicht etwas Phantastisches, das können Sie Astralmenschen nennen. Es kommt gar nicht darauf an, welches Wort es ist. Etwas, was wirklich im Menschen gefunden werden kann, wie der Sauerstoff im Wasser gefunden werden kann.

[ 26 ] You see, if you work on your will in this way continuously, the following occurs, which I can only explain by reminding you, dear audience, that there are two alternating states in ordinary human life: waking and sleeping. When awake, the human being is conscious; while during sleep, consciousness ceases. Now, first of all, it is an assertion to say that the soul-spiritual does not cease between falling asleep and waking up. But it is no longer directly in the body; it is outside. That is initially an assertion. But the spiritual researcher brings it to the point where he can arbitrarily command his body to come to a standstill, as happens involuntarily when falling asleep, commanding the senses to come to a standstill, commanding the ordinary mind to come to a standstill. This can be achieved through a certain development of the will. And then it happens that one arbitrarily brings about the same state that one otherwise has involuntarily as a state of sleep, but what one has now brought about is totally opposite to sleep. While in sleep one becomes unconscious, knowing nothing about oneself or one's surroundings, by developing the will one consciously steps out of one's body and has the body outside oneself, just as one otherwise has an external object outside oneself. And then you realize: there lives within us, within all of us, what can be discovered in the will: a spectator within us. This is not an image, not a figurative expression, but a reality. Something lives in our will that constantly observes us internally. That is where the actual spiritual-soul human being resides. And when one has these two: the mobile thinking human being, I would say the etheric human being, and this inner human being, and what one now experiences, what one really experiences, what is an experience, an observation, not something fantastical, you can call that the astral human. It doesn't matter what word you use. Something that can really be found in the human being, just as oxygen can be found in water.

[ 27 ] Das wirkt nun aufeinander: Dieser Mensch, der bewegliche Logik ist, und der andere Mensch, der ein höheres Bewusstsein ist, ein anderes Bewusstsein ist, die wirken jetzt zusammen. Wenn man diese im Menschen kennenlernt, dann kennt man dasjenige, was vom Menschen vorhanden ist, auch dann, wenn sein physischer Leib zerfällt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Man lernt mit anderen Worten dasjenige Wesen im Menschen kennen, das sonst nicht wirkt, weil sonst der Mensch durch den äußeren Leib wirkt, das aber geistig-seelisch ist, das nach dem Tode vorhanden sein wird, das auch vor der Geburt oder sagen wir der Empfängnis vorhanden war. Man lernt das ewige Wesen des Menschen so kennen, dass man es gleichsam herausgebildet hat aus dem gewöhnlichen sterblichen Menschen, wie man durch einen chemischen Prozess den Sauerstoff aus dem Wasser heraus ableiten kann, herausbilden kann.

[ 27 ] These now interact with each other: this human being, who is mobile logic, and the other human being, who is a higher consciousness, a different consciousness, now work together. When one gets to know these in the human being, then one knows that which what is present in the human being, even when their physical body decays, when the human being passes through the gate of death. In other words, you get to know that being in the human being that otherwise does not act, because otherwise the human being acts through the outer body, but which is spiritual-soul, which will be present after death, which was also present before birth or, let's say, conception. One comes to know the eternal essence of the human being in such a way that one has, as it were, extracted it from the ordinary mortal human being, just as one can extract oxygen from water through a chemical process.

[ 28 ] Alles das, was ich Ihnen jetzt vorgebracht habe, sehr verehrte Anwesende, nimmt sich heute noch selbstverständlich, ich möchte sagen sonderbar, phantastisch aus; aber es ist nicht phantastischer in Bezug auf die gewohnten Vorstellungen, als es phantastisch war, als Kopernikus einmal aufgetreten ist und gesagt hat: Nicht die Sonne bewegt sich und die Sterne bewegen sich um die Erde herum, sondern die Erde bewegt sich um die Sonne herum.

[ 28 ] Everything I have now presented to you, ladies and gentlemen, still seems strange, I would even say fantastic; but it is no more fantastic in relation to our usual mental images than it was when Copernicus appeared and said: it is not the sun that moves and the stars that move around the earth, but the earth that moves around the sun.

[ 29 ] Das, was überraschend ist, ist nur das Ungewohnte daran, und es handelt sich auch wirklich nicht darum, dass mit dem, was eben auseinandergesetzt worden ist, irgendetwas Erspekuliertes, irgendetwas Erträumtes gesagt wird, sondern es handelt sich darum, dass das wirklich durch innere Erlebnisse als Tatsache erfahren wird.

[ 29 ] What is surprising is only the unfamiliarity of it, and it is really not a matter of saying anything speculative or dreamt up with what has just been discussed, but rather that it is experienced as fact through inner experiences.

[ 30 ] Der Geistesforscher spricht nicht einfach vom Wesen des Menschen, indem er aufzählt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, sondern er zeigt, wie dasjenige, was, wie gesagt, menschliche Natur ist, zerfällt, wenn man es vollständig betrachtet, in gewisse Glieder, aus denen es gebildet ist. Und es ist wirklich, wirklich, wenn man die Sache ihrem Grundwesen nach betrachtet, nichts Zauberhafteres, nichts Magischeres, dass der Mensch aus einzelnen Nuancen des menschlichen Wesens, aus einzelnen Schattierungen besteht, als es zauberhaft ist, dass man das Licht wirken lassen kann so, dass es in sieben Farben erscheint.

[ 30 ] The spiritual researcher does not simply speak of the nature of the human being by listing: the human being consists of a physical body, an etheric body, and an astral body, but rather shows how that which, as has been said, is human nature, when viewed in its entirety, breaks down into certain members of which it is composed. And it is really, really, when you look at the matter in its fundamental nature, nothing more enchanting, nothing more magical than the fact that human beings consist of individual nuances of human nature, of individual shades, than it is enchanting that light can be made to appear in seven colors.

[ 31 ] Wie das Licht in sieben Farben zergliedert werden muss, damit man es studieren kann, so muss man den Menschen in seine Teile gliedern, damit man ihn wirklich studieren kann, damit man ihn seiner Wesenheit nach kennenlernen kann. Und man lernt ihn seiner Wesenheit nach kennen, wenn man dadurch, dass man auf diese Weise, wie man im Sonnenlicht zeigt, dass es aus sieben Farben besteht, und dass das Rot etwas anderes ist als das Blau, wie man das kennenlernt, so muss man kennenlernen, wie das Physische das Sterbliche im Menschen ist, dass andere aber das Unsterbliche ist, dass sich das mit den ewigen Kräften der ewigen Welten vereinigt, wenn der Mensch durch den Tod geht.

[ 31 ] Just as light must be broken down into seven colors in order to study it, so too must human beings be broken down into their constituent parts in order to truly study them, in order to get to know their essence. And one gets to know their essence by showing in this way, as one shows in sunlight that it consists of seven colors, and that red is something different from blue, as one learns to know this, so one must learn to know how the physical is the mortal in man, but that the other is the immortal, that it unites with the eternal forces of the eternal worlds when the human being passes through death.

[ 32 ] Und etwas anderes noch liegt da zugrunde, wenn man diesen zweiten Menschen im Menschen kennenlernt, der im Willen lebt, dann lernt man wirklich durch Erfahrung. Man kann ja nicht erwarten, dass man das, was geistig ist, vor die Augen, vor die Sinne vorführen kann. Es muss innerlich geistig erlebt werden. Und wer das innerliche Erleben als geistiges Erlebnis überhaupt nicht als Tatsache gelten lassen will, dem kann das nur leeres Wortgeplänkel sein. Für denjenigen, der es kennenlernt, ist es Wirklichkeit, die viel höher steht als die äußere Wirklichkeit der Sinne. In dem man durch die Pforte des Todes geht, lernt man etwas kennen, was auf einer viel höheren Stufe steht, als die äußere Wirklichkeit der Sinne. Wenn die Pflanze wächst und Blüten und Früchte entwickelt hat, so entwickelt sich aus jedem Pflanzenkeim wieder eine neue Pflanze, und man weiß, wenn man den Keim kennenlernt, dann hat der Keim die ganze Kraft der Pflanze in sich, und eine neue Pflanze entsteht aus diesem Keim. Wer die Natur des Keimes kennt, der weiß, dass das gar nicht anders zugehen kann, als dass aus dem Keim wieder eine neue Pflanze entsteht; aber aus den Tatsachen heraus lernt er das kennen.

[ 32 ] And there is something else underlying this: when you get to know this second human being within the human being, who lives in the will, then you really learn through experience. One cannot expect to be able to present what is spiritual before the eyes, before the senses. It must be experienced inwardly, spiritually. And for those who do not want to accept this inner experience as a spiritual experience as fact at all, it can only be empty verbal sparring. For those who get to know it, it is a reality that stands much higher than the outer reality of the senses. By passing through the gate of death, one learns something that stands on a much higher level than the outer reality of the senses. When a plant grows and develops flowers and fruits, a new plant develops from each plant seed, and we know that when we get to know the seed, the seed has all the power of the plant within it, and a new plant arises from this seed. Those who know the nature of the seed know that it cannot be otherwise than that a new plant arises from the seed; but they learn this from the facts.

[ 33 ] Das Geistig-Seelische muss man aus geistig-seelischen Tatsachen heraus kennenlernen, dann weiß man: Das ist der Lebenskeim, der durch die Pforte des Todes schreitet, durch die geistige Welt schreitet, und dann wieder zum Erdenleben zurückkehrt. Und so wahr als der Pflanzenkeim eine neue Pflanze, so wahr entwickelt das, was da im Menschen als Wesenskern ist, ein neues Erdenleben. Man sieht diesen neuen Menschen schon im Menschen, denn es wird wirklich alles innerlich lebendig. Zauberisch ist das nicht; nur ein Denken auf einer höheren Stufe. Das will ich auch anschaulich machen.

[ 33 ] One must learn about the spiritual-soul out of spiritual-soul facts, then one knows: this is the seed of life that passes through the gate of death, passes through the spiritual world, and then returns to earthly life. And just as surely as the plant seed develops a new plant, so truly does that which is the core of a person's being develop a new earthly life. One can already see this new person within the human being, for everything truly comes alive within. This is not magic; it is simply thinking on a higher level. I would like to illustrate this.

[ 34 ] Sie wissen es alle, sehr verehrte Anwesende, die Naturwissenschaft hat Methoden, gewisse Dinge aus der Naturwissenschaft zu berechnen. Nicht wahr, es ist ja bekannt, dass man berechnen kann aus dem Stand, aus dem gegenseitigen Verhältnis des Sonnen-, des Mondenstandes, wann in Zukunft Sonnen- und Mondenfinsternisse eintreten werden. Man braucht nur die entsprechenden Faktoren zu kennen, so kann man berechnen, wann in Zukunft eine gewisse Sternenkonstellation eintreten wird. Da muss man es, weil man es im äußeren Raume zu tun hat, so machen, dass man Mathematik anwendet. Aber dasjenige, was man innerlich als Lebenskeim erlebt, das ist Lebendiges. Und indem man diesen Lebenskeim erlebt, erlebt man innerlich, dass man weiß, er weist schon hin, so wie die gegenwärtigen Verhältnisse der Sterne auf eine zukünftige Mondenfinsternis weisen, so weist das, was in uns schon jetzt lebt, auf ein zukünftiges Erdenleben hin.

[ 34 ] You all know, dear attendees, that natural science has methods for calculating certain things. It is well known that one can calculate when solar and lunar eclipses will occur in the future based on the position and mutual relationship of the sun and moon. One only needs to know the relevant factors and you can calculate when a certain constellation of stars will occur in the future. Because you are dealing with outer space, you have to do this by applying mathematics. But that which what one experiences inwardly as the seed of life is something living. And in experiencing this seed of life, one experiences inwardly that one knows it already points to something, just as the present positions of the stars point to a future lunar eclipse, so what already lives within us points to a future life on earth.

[ 35 ] Dieser Zusammenhang, der wird als eine innere Tatsache klar. Und man hat es da nicht zu tun mit dem, was im uneigentlichsten Sinne etwa Seelenwanderung oder dergleichen genannt werden kann, sondern man hat es zu tun mit etwas, was die neuere Geistesforschung aus den Tatsachen des geistigen Lebens, die eben erforscht werden können, findet, findet und in der beschriebenen Weise mitteilen kann, Worte bilden kann. So ist die geistige Forschung allerdings etwas, was in geistigem Forschungswege besteht, was durch geistige Forschungswege errungen wird. Aber es ist ja auch natürlich, dass das Geistige nicht errungen werden kann so, dass man es vor die äußeren Sinne hinlegt; denn dann ist es ein Sinnliches, dann ist es kein Geistiges mehr.

[ 35 ] This connection becomes clear as an inner fact. And one is not dealing here with what in the most improper sense can be called transmigration of souls or the like, but with something that recent spiritual research finds in the facts of spiritual life that can be researched, finds and can communicate in the manner described, can be put into words. Spiritual research is therefore something that consists of spiritual research methods, something that is achieved through spiritual research methods. But it is also natural that the spiritual cannot be achieved in such a way that it can be presented to the outer senses; for then it is something sensual, then it is no longer spiritual.

[ 36 ] Nun müssen gewisse Dinge sorgfältig ins Auge gefasst werden, wenn man die eigentlichen Grundlagen der Geistesforschung verstehen will, dass, was man erlangt dadurch, dass man die gekennzeichneten Übungen macht, dass man einen solchen Weg einschlägt, wie ich ihn geschildert habe. Dadurch gelangt man wiederum dazu, mit seinem eigentlich Geistig-Seelischen herauszutreten aus dem Leibe. Man ist dann heraus, und so, wie man sonst die äußeren Dinge neben sich hat und vor sich hat, so hat man seinen eigenen physischen Leib außer sich vor sich. Aber das Wesentliche ist, dass man ihn wirklich immer beobachten kann. Und wenn es sich um Geistesforschung im wahren Sinne des Wortes, so wie sie hier gemeint ist, handelt, dann darf niemals das eintreten, was bei irgendeinem krankhaften Seelenleben eintritt.

[ 36 ] Now, certain things must be carefully considered if one wants to understand the actual foundations of spiritual research, that which one attains by doing the exercises described, by following the path I have described. In this way, one again comes to step out of the body with one's actual spiritual-soul being. One is then outside, and just as one otherwise has external things beside and in front of oneself, one has one's own physical body outside oneself in front of oneself. But the essential thing is that one can really always observe it. And when it comes to spiritual research in the true sense of the word, as it is meant here, then what occurs in any pathological soul life must never occur.

[ 37 ] Was ist denn das Charakteristische bei einem krankhaften Seelenleben? Sehen Sie, wenn jemand in einem hypnotischen Zustand oder in Trance ist, wie man sagt, wenn er also irgendwie aus dem Unterbewussten heraus spricht, sodass es dem trivialen Wortgebrauche nach eine Art von Hellsehen genannt wird, das sich im träumerischen Bewusstsein, in Trance kundgibt, was ist da? Da ist das der Fall, dass das gewöhnliche Verhalten des Menschen, das gewöhnliche Bewusstsein nicht da ist. Es hat sich umgewandelt in dieses herabgedämpfte oder vielleicht krankhafte Bewusstsein. Sie werden niemals, wenn Sie einen krankhaften Seelenzustand haben, sagen können: Neben diesem krankhaften Seelenzustand ist der gesunde noch da, denn dann würde der Mensch ja nicht krank sein. Wäre der gesunde Seelenzustand da, dann würde er nicht krank sein; denn dann würde er selber hinübertreten in den gesunden Seelenzustand.

[ 37 ] What is characteristic of a pathological soul life? You see, when someone is in a hypnotic state or in a trance, as they say, when they speak somehow from the subconscious, so that in trivial usage it is called a kind of clairvoyance, which manifests itself in dreamlike consciousness, in trance, what is there? In this case, the person's normal behavior and normal consciousness are not present. They have been transformed into this subdued or perhaps pathological consciousness. If you have a pathological mental state, you will never be able to say: “Alongside this pathological mental state, the healthy one is still there,” because then the person would not be ill. If the healthy state of mind were there, then they would not be ill, because then they would themselves pass over into the healthy state of mind.

[ 38 ] Bei der wirklichen Geistesforschung ist es so, dass der Mensch als normaler Mensch eben fortwährend neben sich steht. Der Zustand, in dem der geistige Forscher ist, der entwickelt sich nicht aus dem gewöhnlichen, normalen Seelenleben heraus, wenn er richtig ist, sondern nebenher. Und wahrhaftig, es ist so: Wenn einer ein richtiger Geistesforscher ist, dann lebt er außerhalb seines Leibes; aber sein Leib mit allen normalen Sinnesverrichtungen, mit all dem gewöhnlichen Verstande, der ganz und gar normal bleibt, der geht weiter fort. Der Mensch bleibt richtig, wenn er ein wahrer Geistesforscher ist, trotzdem er mit dem, was er in sich entwickelt hat, aus seinem Leibe herausgetreten ist, bleibt er außerdem ein normaler Mensch, dem derjenige, der nicht selber in eine Geistesforschung eintreten kann, wahrhaftig nicht anzusehen braucht, dass er in einer anderen Welt lebt. Neben dem Hypnotisierten ist nicht der Nicht-Hypnbotisierte da neben dem Menschen, der durch ein krankhaftes Seelenleben ein abnormes Geistesleben entwickelt, ist nicht der Mensch mit dem normalen Geistesleben da. Aber das ist gerade das Charakteristische, dass der normale Zustand vollständig verbleibt, dass das gewöhnliche normale Denken in der normalen Logik verbleibt neben dem, dass der normale Mensch innerlich lebendige Logik hat, durch die er mit der geistigen Welt zusammenwächst.

[ 38 ] In real spiritual research, the person as a normal human being is constantly standing beside themselves. The state in which the spiritual researcher finds themselves does not develop out of the ordinary, normal soul life, if it is correct, but alongside it. And truly, it is so: if someone is a true spiritual researcher, then they live outside their body; but his body, with all its normal sensory functions and ordinary intellect, which remains completely normal, continues on its way. The person remains correct if they are a true spiritual researcher; even though they have stepped out of their body with what they have developed within themselves, they also remain a normal person, whom those who cannot themselves enter into spiritual research truly do not need to regard that he lives in another world. Next to the hypnotized person is not the non-hypnotized person; next to the person who develops an abnormal spiritual life through a pathological soul life is not the person with a normal spiritual life. But that is precisely the characteristic feature, that the normal state remains completely intact, that ordinary normal thinking remains within normal logic, alongside the fact that the normal person has an inner living logic through which he grows together with the spiritual world.

[ 39 ] Gerade dadurch aber ist der Geistesforscher in der Lage, immer mehr dasjenige, was wahre Geistesforschung ist, zu unterscheiden von dem, was einem entgegentritt in irgendwelchem krankhaften Seelenzustande. Und wenn gar etwa gemeint werden könnte, Geistesforschung habe irgendetwas gemein mit dem gewöhnlichen Spiritismus - es soll nicht damit gesagt werden, dass durch den Spiritismus nicht allerlei Tatsachen gefunden werden können -, allein die gehören zur Naturwissenschaft, nicht zur Geisteswissenschaft; denn dasjenige, was durch den Spiritismus gefunden wird, das wird vor die äußeren Sinne hingetragen, sei es durch Materialisationen oder Klopftöne oder dergleichen. Das geht in das Gebiet der Naturwissenschaft hinüber.

[ 39 ] It is precisely this, however, that enables the spiritual researcher to increasingly distinguish what true spiritual research is from what one encounters in any pathological state of mind. And if it could even be suggested that spiritual research has anything in common with ordinary spiritualism — not to say that all kinds of facts cannot be found through spiritualism — but these belong to natural science, not to Spiritual Science; for what is found through spiritualism is brought before the outer senses, whether through materializations or knocking sounds or the like. This belongs to the realm of natural science.

[ 40 ] Dasjenige, was dem Geistesforscher als Objekt sich ergibt, das ist Geistig-Seelisch, und das kann nicht äuRerlich im Raume zum Beispiel dargestellt werden, dass muss wirklich innerlich erlebt werden. Und da bildet sich denn heraus eine umfassende, eine umfängliche Geisteswissenschaft, eine Geisteswissenschaft, die nicht bloß aufklärt über das Wesen des Menschen, über das Durchgehen durch verschiedene Erdenleben, sondern welche auch aufklärt über dasjenige, was als geistige Welten und als geistige Wesen unserer Welt zugrunde liegt, welches auch eintreten kann in diejenige Welt, die der Mensch durchmacht nach seinem Tode. Nur soll man nicht glauben, dass dasjenige, was in gewissem Sinne als abnorme Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens auftritt, als abnorme Fähigkeiten, dass das irgendwie, ich möchte sagen in der Geisteswissenschaft einen ganz besonderen Wert hat. Sehen Sie, man redet heute vielfach davon, dass stattfinden kann Fernwirkung der Gedanken. Es soll jetzt nicht eingetreten werden in all das Für und Wider. Die Menschen müssen sich ja im Laufe der Zeit an vieles gewöhnen. Gerade unsere jetzige Zeit hat ernsten Forschern es abgerungen, die ganze Bedeutung zum Beispiel der Wünschelrute kennenzulernen, die jetzt in einem so ausgiebigen Sinne verwendet wird und über die einer der allernüchternsten Forscher jetzt gerade wichtige Versuche macht, um herauszubekommen, unter welchem Einflusse ein Mensch lebt, der gerade durch die Wünschelrute irgendwelche Erfolge hat. Aber alles das gehört nur in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft. Ebenso gehört in das Gebiet der feineren Naturwissenschaft, dass Gedanken, die der Mensch hegt, auf einen anderen Menschen in der Ferne wirken können. Das sind Kräfte, die doch in diese Welt hineinwirken, wenn auch aus der [Denkkräftewelt] heraus. Nicht geleugnet sollen diese Dinge werden. Aber darum handelt es sich, dass die wahre Geistesforschung sie niemals dazu verwenden wird, so wie sie unmittelbar da sind, um Erkenntnisse über die geistig-seelische Welt des Menschen zu erkennen. Derjenige verkennt die Geisteswissenschaft vollständig, der glaubt, dass diese Geisteswissenschaft die Lehre von der Fernwirkung als etwas anderes ansieht als eine verfeinerte Physiologie, als eine verfeinerte Naturwissenschaft.

[ 40 ] What presents itself as an object to the spiritual researcher is spiritual-soul, and that cannot be represented externally in space, for example; it must really be experienced inwardly. And then a comprehensive, extensive Spiritual Science emerges, a Spiritual Science that not only enlightens us about the nature of the human being about passing through various earthly lives, but also enlightens us about what underlies our world as spiritual worlds and spiritual beings, which can also enter into the world that human beings pass through after their death. However, one should not believe that what what in a certain sense appears as abnormal abilities in ordinary life, as abnormal abilities, that this somehow, I would say, has a very special value in Spiritual Science. You see, there is much talk today about the possibility of the remote effect of thoughts. We will not go into all the pros and cons now. People have to get used to many things over time. Our present age in particular has compelled serious researchers to learn the full significance, for example, of the divining rod, which is now used in such an extensive sense and on which one of the most sober researchers is currently conducting important experiments to find out under what influence a person lives who has achieved some success through the use of divining rods. But all this belongs only to the realm of the finer sciences. It also belongs to the realm of the finer sciences that thoughts harbored by one person can have an effect on another person at a distance. These are forces that do have an effect on this world, even if they come from the [world of thought forces]. These things should not be denied. But the point is that true spiritual research will never use them as they are directly, to gain knowledge about the spiritual and soul world of human beings. Anyone who believes that Spiritual Science regards the doctrine of distant effects as something other than a refined physiology, a refined natural science, completely misunderstands Spiritual Science.

[ 41 ] Geisteswissenschaft berührt sich niemals mit demjenigen, was heute als Spiritismus auftritt. Wenn Geisteswissenschaft gedenkt der menschlichen Seelen, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ein rein geistiges Leben in einer geistigen Welt durchmachen, so weiß diese Geisteswissenschaft: Diese Seelen sind in einem Zustande in der geistigen Welt, in der du selber bist, nur dass auf Erden das Geistig-Seelische zwischen der Geburt und dem Tod in dem physischen Leibe lebt. Wenn du nun mit deinem Geistig-Seelischen rein von Liebe erfüllte Gedanken, die dich freimachen von dem Leiblichen, verwendest nach dem Toten hin, dann ist das ein realer Zusammenhang. Das zeigt die Geisteswissenschaft. Und da kann dasjenige, was Hinlenkung des eigenen Seelenlebens zu dem teuren Toten ist, schon während man selber noch in der physischen Welt ist, eine tiefe Bedeutung gewinnen. Keinem religiösen Bekenntnis kann es widersprechen, wenn gerade durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das Andenken an die Toten, das tätige Zusammenleben mit den Toten in dieser Weise gepflegt wird, wenn Geisteswissenschaft anregt, dieses Zusammenleben mit den Toten zu pflegen. Dass dabei selbstverständlich immer daran gedacht wird, dass der Tote wahrnehmen wird dasjenige, was wir in unseren Seelen für ihn hegen nur dann, wenn er in einer Lage ist, gleichsam zu wollen, mit uns im Zusammenhang zu sein. Das ist für den Geistesforscher ganz selbstverständlich. Und irgendwie eine Macht auszuüben über den Toten, das liegt gerade dem Geistesforscher vollständig ferne. Der Geistesforscher weiß ganz gut, dass der Tote in einer Sphäre lebt, in der andere Willensverhältnisse sind, und der Geistesforscher würde, wenn er wollte, in die geistige Welt mit dem, was er hier entwickeln kann innerhalb der physischen Welt in seiner Seele, wenn er mit dem machtvoll in die geistige Welt eingriffe, er würde sich so vorkommen wie - um einen Vergleich zu gebrauchen -, wie es erschiene, wenn eine Gesellschaft hier säße und plötzlich aus den Untergründen ein Löwe erschiene und Unordnung machte; wenn er hier erschiene und Unordnung machte, so etwa würde es dem Geistesforscher vorkommen, wenn er in ungehöriger Weise in das Leben der Toten eindringen würde. Da ist eine Sphäre, die über der unsrigen so erhaben ist wie etwa unsere Sphäre über derjenigen eines Tieres, das Unordnung machte in unserer Sphäre. Von einem Zitieren der Toten, wie es etwa im Spiritismus versucht wird, kann innerhalb der Geisteswissenschaft deshalb nicht die Rede sein, weil gerade das Verhältnis der Lebenden zu den Toten in einer wunderbaren Weise verklärt wird durch dasjenige, was die Geisteswissenschaft in unseren Seelen anregen kann. Und da mir zu Erfahrung gekommen ist, sehr verehrte Anwesende, dass unter den mancherlei Missverständnissen, die gegen unsere Geisteswissenschaft vorgebracht werden, sogar dieses ist, als ob die Geisteswissenschaft irgendwie eine Berührung mit dem Spiritismus gerade mit Bezug auf die Toten hat, so ist es schon notwendig, dass gerade dieses Missverständnis schärfer betont wird. Es ist nichts anderes als das Gegenteil mit Bezug auf diesen Punkt von der Geisteswissenschaft gesagt, wenn man davon spricht, dass Geisteswissenschaft in irgendeiner Weise mit dem, was der Spiritist nennt ein «Zitieren der Toten», zu tun haben könnte.

[ 41 ] Spiritual Science never touches on what is known today as spiritualism. When Spiritual Science considers the human souls that undergo a purely spiritual life in a spiritual world between death and a new birth, this Spiritual Science knows that these souls are in a state in the spiritual world in which you yourself are, except that on earth the spiritual-soul lives in the physical body between birth and death. If you now use your spiritual-soul to send thoughts filled with pure love toward the dead, thoughts that free you from the physical, then there is a real connection. This is what Spiritual Science shows. And so, directing one's own soul life toward the dear departed can take on a deep meaning even while one is still in the physical world. It cannot contradict any religious belief if, precisely through the spiritual scientific worldview, the memory of the dead, the active coexistence with the dead, is cultivated in this way, if Spiritual Science encourages us to cultivate this coexistence with the dead. It goes without saying that we always remember that the dead person will perceive what we cherish for him in our souls only if he is in a position to want, as it were, to be connected with us. This is quite natural for the spiritual researcher. And somehow to exercise power over the dead is completely foreign to the spiritual researcher. The spiritual researcher knows very well that the dead live in a sphere where other conditions of will prevail, and if the spiritual researcher wanted to, he would enter the spiritual world with what he can develop here within the physical world in his soul, and if he were to intervene powerfully in the spiritual world, he would feel as if — to use a comparison — a society were sitting here and suddenly a lion appeared from underground and caused disorder; if it appeared here and caused disorder, that is how it would feel to the spiritual researcher if he were to intrude inappropriately into the lives of the dead. There is a sphere that is as exalted above ours as our sphere is above that of an animal that caused disorder in our sphere. Therefore, there can be no question of summoning the dead, as is attempted in spiritualism, because the relationship between the living and the dead is wonderfully transfigured by what Spiritual Science can inspire in our souls. And since I have come to realize, dear attendees, that among the various misunderstandings that are brought up against our Spiritual Science, is that Spiritual Science somehow has a connection with spiritualism, particularly in relation to the dead, it is necessary to emphasize this misunderstanding more clearly. Nothing could be further from the truth in relation to this point in Spiritual Science than to say that Spiritual Science has anything to do with what spiritualists call “summoning of the dead.”

[ 42 ] Wie gesagt, nicht irgendwie Stimmung oder Propaganda machen möchte ich für unsere Sache, sondern nur Missverständnisse, von denen ich weiß, dass sie herrschen, die möchte ich besprechen und möchte in möglichst klarer Weise hindeuten, wie sich diese Geisteswissenschaft zu diesen Dingen verhält.

[ 42 ] As I said, I do not want to create any kind of mood or propaganda for our cause, but only to discuss misunderstandings that I know exist, and to indicate as clearly as possible how Spiritual Science relates to these things.

[ 43 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn gefragt wird - und diese Frage ist ja eine so naheliegende -, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu dem religiösen Leben des Menschen steht, dann brauchte ja nur das voll berücksichtigt zu werden, was allgemein bekannt sein könnte. Geisteswissenschaft steht nicht auf dem Boden, in irgendein religiöses Bekenntnis, in das Gebiet irgendeines religiösen Lebens unmittelbar einzugreifen. Ich möchte mich in dieser Beziehung in der folgenden Weise vielleicht klarmachen. Nehmen wir an, wir haben Naturwissenschaft. Wir werden uns nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von der Natur gewinnen, irgendetwas in der Natur selber schaffen zu können. Das Wissen der Natur schafft nicht irgendetwas in der Natur. Wir werden uns auch nicht einbilden, dadurch, dass wir ein Wissen von den geistigen Verhältnissen gewinnen, etwas in den geistigen Verhältnissen schaffen zu können.

[ 43 ] Well, dear attendees, when asked – and this question is so obvious – how Spiritual Science or anthroposophy relates to the religious life of human beings, then all that needs to be taken into account is what is generally known. Spiritual Science does not stand on the ground of directly intervening in any religious confession or in the realm of any religious life. I would like to clarify this point in the following way. Let us assume that we have natural science. We do not imagine that by gaining knowledge of nature we can create anything in nature itself. Knowledge of nature does not create anything in nature. Nor will we imagine that by gaining knowledge of spiritual conditions we can create anything in spiritual conditions.

[ 44 ] Wir beobachten die geistigen Verhältnisse. Wir suchen, hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Religionen, sehr verehrte Anwesende, Religionen sind im geschichtlichen Leben der Menschheit Tatsachen. Geisteswissenschaft kann sich auch allerdings darüber erstrecken, diese geistigen Erscheinungen, die im Laufe der Weltentwicklung auftraten als Religionen, diese zu betrachten. Allein Geisteswissenschaft kann niemals, ebenso wenig wie sie sich der Illusion hingibt, etwas in der Natur zu schaffen, ebenso wenig strebt sie danach, eine Religion zu schaffen. Daher werden in dem Kreise der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in allertiefstem Frieden und in vollständiger Harmonie die verschiedensten Religionsbekenntnisse zusammen sein können und nach der Erkenntnis des Geistigen streben können, so streben können, dass dasjenige, was der Einzelne als religiöse Überzeugung trägt, nicht dadurch in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird. Auch nicht die Intensität in der Ausübung seines religiösen Bekenntnisses oder seines religiösen Bedürfnisses braucht in irgendeiner Weise beeinträchtigt zu werden durch dasjenige, was der Mensch in der Geisteswissenschaft findet. Man muss vielmehr sagen: Naturwissenschaft, so wie sie aufgetreten ist in der neueren Zeit, sie hat vielfach abgebracht die Menschen von einem religiösen Begreifen des Lebens, von innerer, wahrer Religiosität. Und gerade das ist eine Erfahrung, die wir mit der Geisteswissenschaft machen, die Erfahrung, dass diejenigen, die durch die naturwissenschaftlichen Halbwahrheiten, wenn die Naturwissenschaft von sich aus Weltanschauung sein will, allem religiösen Leben entfremdet werden, dass diese durch die Geisteswissenschaft gerade wiederum zu dem religiösen Leben hingeführt werden können; und niemand braucht irgendwie weggeführt werden von seinem religiösen Leben durch die Geisteswissenschaft. Daher kann man auch nicht davon sprechen, dass die Geisteswissenschaft irgendein religiöses Bekenntnis sei. Weder will sie ein religiöses Bekenntnis schaffen, noch will sie den Menschen irgendwie verändern in Bezug auf dasjenige, was er als sein religiöses Bekenntnis hat.

[ 44 ] We observe spiritual conditions. We seek to uncover their secrets. Religions, dear attendees, religions are facts in the historical life of humanity. Spiritual Science can also extend to to consider these spiritual phenomena that have appeared as religions in the course of world development. But Spiritual Science can never, just as it does not indulge in the illusion of creating something in nature, strive to create a religion. Therefore, within the circle of the Spiritual Science worldview, the most diverse religious confessions can coexist in the deepest peace and complete harmony and strive for spiritual knowledge in such a way that what the individual holds as religious conviction is not impaired in any way. Nor should the intensity with which he practices his religious or religious needs need to be impaired in any way by what people find in Spiritual Science. Rather, it must be said that natural science, as it has emerged in recent times, has in many ways led people away from a religious understanding of life, from inner, true religiosity. And this is precisely an experience we have with Spiritual Science, the experience that those who have been alienated from all religious life by the half-truths of natural science, when natural science wants to be a worldview in its own right, can be led back to religious life through Spiritual Science; and no one needs to be led away from their religious life by Spiritual Science in any way. Therefore, one cannot say that Spiritual Science is any kind of religious creed. It neither seeks to create a religious creed, nor does it seek to change people in any way with regard to what they hold as their religious creed.

[ 45 ] Die verschiedensten religiösen Bekenntnisse, sie können vereinigt sein auf dem Boden der Geisteswissenschaft. Dennoch scheint es, als ob man sich Gedanken machte über die Religion der Anthroposophen. In Wahrheit kann man gar nicht sprechen davon, denn innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sind alle Religionsbekenntnisse vertreten, und keiner wird gehindert daran, sein religiöses Bekenntnis auch praktisch in der vollsten, in der umfänglichsten und intensivsten Weise zu betätigen. Das will aber Geisteswissenschaft: Die ganze Welt betrachten; sie will auch das geschichtliche Leben betrachten, auch dasjenige, was von höchster Geistigkeit aus in das geschichtliche Leben hereingetreten ist, betrachten. Dass sie aus diesem Grunde auch Betrachtungen über die Religionen anstellt, das hindert durchaus nicht dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe. Und so ist es, dass die geisteswissenschaftliche Weltenbetrachtung sich in gewisser Beziehung vertiefen muss, auch in Bezug auf die Gegenstände des religiösen Lebens.

[ 45 ] The most diverse religious beliefs can be united on the basis of Spiritual Science. Nevertheless, it seems as if people are concerned about the religion of anthroposophists. In truth, one cannot speak of this at all, because all religious beliefs are represented within the Anthroposophical Society, and no one is prevented from practicing their religious beliefs in the fullest and most intensive way. most comprehensive and intensive way. But that is what Spiritual Science wants: to look at the whole world; it also wants to look at historical life, including that which has entered historical life from the highest spiritual realm. The fact that it also considers religions for this reason in no way detracts from what I have just said. And so it is that the view of Spiritual Science of the world must deepen in a certain respect, also in relation to the objects of religious life.

[ 46 ] Aber wenn zum Beispiel, wie es leicht sein kann, vorgeworfen würde der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie, so wie sie hier gemeint ist, dass sie nicht von einem persönlichen Gott spreche - ja, sogar soll die Meinung herrschen, dass ich selber es vorzöge, nicht von Gott zu sprechen sehr häufig, sondern von der Gottheit zu sprechen, oder dass ich Worte wähle, welche nicht unmittelbar das Wort Gott sind, sondern in irgendeiner anderen Weise die Welt betrachte auch da, wenn an die göttlichen Geheimnisse des Daseins gerührt werden sollte. Ja, es verbreitet sich auch die Meinung, als ob dasjenige, was als das Göttliche bezeichnet wird, in der Geisteswissenschaft etwa einen ähnlichen Charakter annehmen könnte wie der Pantheismus der Monisten oder der Naturalisten oder dergleichen. Gerade der Umstand, die Tatsache, dass man in der Geisteswissenschaft zu realen geistigen Wesenheiten geführt wird, zu den realen geistigen Wesenheiten, die der Mensch ist nach dem Tode, aber auch zu anderen realen Wesenheiten, die wie Naturwesenheiten unsere Welt erfüllen und die nicht zu einer physischen Verkörperung herabsteigen. Gerade dadurch, dass man zu konkreten, zu wirklichen geistigen Wesen geführt wird, kommt man auch zu einem vollständigen Verstehen-Können, wie ungereimt - ich sage [es] ausdrücklich - es ist, von einem pantheistischen Gott zu sprechen, die Persönlichkeit Gott absprechen zu wollen. Im Gegenteil, [man] kommt dazu, einzusehen, dass man nicht nur von der Persönlichkeit, sondern vielleicht von einer Überpersönlichkeit Gottes sprechen muss, wenn ich dieses Wort prägen darf. Gerade die gründlichste Widerlegung des Pantheismus kann durch die Geisteswissenschaft gefunden werden. Und es wäre ein vollständiges Missverstehen, wenn man der Geisteswissenschaft gerade mit Bezug auf die Gottesidee irgendetwas von Pantheismus in die Schuhe schieben würde. Und kann es ein Vorwurf sein, sehr verehrte Anwesende, wenn der Geistesforscher aus jenen Empfindungen, die in seiner Seele erglühen und erblühen aus den geisteswissenschaftlichen Anregungen heraus, wenn er nur mit einer tiefen Ehrfurcht dann spricht, wenn er, sei es aus den Natur, sei es aus den geistigen Tatsachen, zu der Unendlichkeit des Göttlichen scheu hindeutet. Wie oft wird im Kreise unserer Geisteswissenschaft gesagt: «In Gott leben, weben und sind wir.» Und derjenige, der da will Gott mit einem Begriffe umfassen, der weiß nicht, dass alle Begriffe Gott nicht umfassen können, weil alle Begriffe in Gott darinnen sind. In Gott leben, weben und sind wir. Aber Gott zugleich anzuerkennen als ein Wesen, das in viel höherem Sinne, in einem Sinne, den man gar nicht einmal ahnen kann selbst durch Geisteswissenschaft, in einem viel höheren Sinne Persönlichkeit hat, als die menschliche Persönlichkeit ist, das wird insbesondere durch die Geisteswissenschaft so recht dem Menschen, ich möchte sagen, natürlich. Religiöse Begriffe werden durch die Geisteswissenschaft nicht im pantheistischen Sinne verschoben, sondern höchstens vertieft. In Gott leben, weben und sind wir. Und wenn man doch davon spricht, dass Gott auch in unserem eigenen Herzen, in unserer eigenen Seele spricht, so ist das ja die Überzeugung vieler religiöser Leute. Und immer wieder und wieder wird gesagt, davon kann keine Rede sein, dadurch den Menschen etwa vergotten zu wollen.

[ 46 ] But if, for example, as can easily happen, Spiritual Science, anthroposophy as it is meant here, were to be reproached for not speaking of a personal God — indeed, if the opinion were to prevail that I myself prefer not to speak of God very often, but rather to speak of the Godhead, or that I choose words that are not directly the word God, but rather to view the world in some other way, even when touching on the divine mysteries of existence. Yes, the opinion is also spreading that what is referred to as the divine could take on a character in Spiritual Science similar to the pantheism of monists or naturalists or the like. Precisely the fact the fact that Spiritual Science leads one to real spiritual beings, to the real spiritual beings that human beings become after death, but also to other real beings that fill our world like nature beings and do not descend to physical embodiment. Precisely because one is led to concrete, real spiritual beings, one also comes to a complete understanding of how absurd—and I say this explicitly—it is to speak of a pantheistic God, to deny the personality of God. On the contrary, one comes to realize that one must speak not only of the personality, but perhaps of a super-personality of God, if I may coin this word. It is precisely the most thorough refutation of pantheism that can be found in Spiritual Science. And it would be a complete misunderstanding to accuse Spiritual Science of anything pantheistic, especially with regard to the idea of God. And can it be a reproach, dear attendees, if the spiritual researcher, out of those feelings that glow and blossom in his soul from the inspiration of Spiritual Science, when he speaks with deep reverence, when he timidly points to the infinity of the divine, whether from nature or from spiritual facts. How often is it said in our Spiritual Science circles: “In God we live, weave, and are.” And those who want to comprehend God with a concept do not know that all concepts cannot comprehend God, because all concepts are contained within God. In God we live, weave, and are. But at the same time, to recognize God as a being who, in a much higher sense, in a sense that cannot even be guessed at through Spiritual Science, in a much higher sense, than the human personality is, is made clear to people, I would say, naturally, especially through Spiritual Science. Religious concepts are not shifted by Spiritual Science in a pantheistic sense, but at most deepened. We live, weave, and are in God. And when we speak of God also speaking in our own hearts, in our own souls, this is the conviction of many religious people. And again and again it is said that this cannot be the case, that this is not an attempt to deify human beings.

[ 47 ] Ich habe oftmals das Gleichnis ausgesprochen: Wenn ich sage, ein Tropfen aus dem Meer genommen sei Wasser, sage ich: Der Tropfen ist das Meer? Wenn ich sage: In einzelnen menschlichen Seelen spreche etwas Göttliches, ein Tropfen aus dem Meer des unendlichen Göttlichen sage ich da irgendetwas, was die einzelne menschliche Seele vergöttlicht? Sage ich irgendetwas, was die Natur in pantheistischer Weise zusammenbringt mit Gott? Nie und nimmermehr! Und schließlich, wenn aus gewissen Grundempfindungen heraus, die gerade durch Geisteswissenschaft angeregt werden, in scheuer Ehrfurcht öfter der Gottesname nicht genannt, sondern umschrieben wird, darf das eigentlich vom religiösen Standpunkte aus getadelt werden? Ich frage: Gibt es nicht sogar eines der zehn Gebote, das da sagt: «Du sollst den Namen Gottes nicht unehrerbietig aussprechen»? Könnte es nicht gerade eine Anregung sein, aus der Geisteswissenschaft heraus zu einer treuen Erfüllung dieses Gebotes, wenn der Name Gottes nicht alle Viertelstunde einmal auf der Zunge geführt wird?

[ 47 ] I have often used the parable: when I say that a drop taken from the sea is water, I say: Is the drop the sea? When I say that something divine speaks in individual human souls, a drop from the sea of the infinite divine, am I saying anything that deifies the individual human soul? Am I saying anything that brings nature together with God in a pantheistic way? Never, ever! And finally, when, out of certain basic feelings inspired by Spiritual Science, the name of God is often not mentioned but described in shy reverence, can this really be condemned from a religious point of view? I ask: is there not even one of the Ten Commandments that says, “Thou shalt not take the name of God in vain”? Could it not be an inspiration from Spiritual Science to faithfully fulfill this commandment if the name of God is not uttered every quarter of an hour?

[ 48 ] Und der Christusname und das Christuswesen? Sehr verehrte Anwesende, gerade Geisteswissenschaft ist es, von der auch gesagt werden darf, das sie alle Anstrengungen macht, die Christuswesenheit zu begreifen, und dass sie dabei niemals in irgendwelchen Zwiespalt kommt mit demjenigen, was aus wahren Grundlagen heraus irgendein religiöses Bekenntnis entwickelt. Nur geht es einem da gerade auf diesem Gebiet höchst eigentümlich, höchst merkwürdig. Wenn da jemand zum Beispiel kommt und sagt, er habe diese oder jene Meinung, diese oder jene Auffassung, diese oder jene Empfindung von dem Christus, von dem Jesus, und dann sagt man ihm: Gewiss, diese Empfindungen erkennt man vollberechtigt an; nur führt uns die Geisteswissenschaft dazu, noch manches andere zu denken. Wir leugnen das Deine nicht. Wir nehmen das Deine sogar hin. Nur müssen wir noch manches andere hinzufügen.

[ 48 ] And what about the name and being of Christ? Dear friends, it is precisely Spiritual Science that can be said to make every effort to understand the being of Christ, and in doing so it never comes into conflict with what any religious confession develops on the basis of true foundations. But in this area, things are highly peculiar, highly strange. For example, if someone comes along and says they have this or that opinion, this or that view, this or that feeling about Christ, about Jesus, and then you say to them: Certainly, these feelings are fully justified; but Spiritual Science leads us to think many other things as well. We do not deny yours. We even accept yours. But we must add many other things.

[ 49 ] Gerade dadurch, dass Geisteswissenschaft den geistigen Blick, das Seelenauge erweitert über die geistige Welt, dadurch zum Beispiel ist es notwendig, in demjenigen Wesen, zu dem der Christ als seinem Christus aufschaut, nicht nur das Wesen zu erkennen, das über die Erde hingegangen ist, sondern dieses Wesen auch in einen Zusammenhang mit dem gesamten Kosmos zu bringen. Und dann ist wieder manches andere die Folge. Aber nichts, was die Folge ist, ist etwas anderes, als was hinzugefügt wird zu demjenigen, was der Religiöse, der wahrhaft christlich Religiöse über den Christus zu sagen hat. Und niemals erscheint es einem als Geistesforscher anders, wenn jemand den geisteswissenschaftlichen Begriff des Christus-Jesus angreift, als wenn jemand kommt und sagt: Ich habe dies oder jenes, was ich von dem Christus auszusagen habe; glaubst du das? Man sagt ihm: Ja. «Ja, aber du glaubst nicht nur dies, sondern auch noch etwas anderes!» Das erlaubt er einem nicht. Er begnügt sich nicht damit, dass man dasjenige zugibt, was er vertritt, sondern er verbietet einem, noch herrlicher, noch größer als er selber von dem Christus zu denken.

[ 49 ] Precisely because Spiritual Science expands the spiritual gaze, the soul's eye, beyond the spiritual world, it is necessary, for example, to recognize in the being whom the Christian looks up to as his Christ not only the being who walked the earth, but also to bring this being into connection with the entire cosmos. And then many other things follow. But nothing what follows is anything other than what is added to what the religious person, the truly Christian religious person, has to say about Christ. And as a spiritual researcher, it never seems any different to me when someone attacks the concept of Christ Jesus from Spiritual Science than when someone comes and says: I have this or that to say about Christ; do you believe that? One says to him: Yes. “Yes, but you don't just believe this, you believe something else too!” He won't allow that. He is not content with one admitting what he represents, but forbids one to think of Christ as even more glorious, even greater than himself.

[ 50 ] Kann es denn in Wahrheit, sehr verehrte Anwesende, ein Ketzerisches sein, wenn die Geisteswissenschaft aus ihren Grundlagen, aus der Beobachtung desjenigen, was als Geist durchwaltet den ganzen Erdenverlauf in Bezug auf die menschliche und sonstige Entwicklung, wenn die Geisteswissenschaft darauf kommt, zu sagen: Dieses ganze Erdensein hätte für das Weltenall keinen Sinn, wenn sich innerhalb des Erdendaseins nicht das Mysterium von Golgatha zugetragen hätte? Ja, der Geistesforscher muss sagen: Wenn irgendwelche Bewohner ferner Welten herunterschauen könnten auf die Erde und könnten anschauen, was die Erde ist, sie würden keinen Sinn innerhalb der ganzen Entwicklung der Erde sehen, wenn nicht auf dieser Erde Christus gelebt hätte und gestorben wäre und auferstanden wäre. Das Ereignis von Golgatha gibt dem Erdenleben Sinn und Inhalt für die ganze Welt. Wenn sie sich einlassen würden auf die Geistesforschung, würden sie sehen, dass die Christus-Verehrung, die Hingabe an den Christus nicht geringer werden kann durch die Geistesforschung, sondern im Gegenteil nur erhöht werden kann.

[ 50 ] Can it really be, dear friends, be heretical if Spiritual Science, based on its foundations, on the observation of what as spirit pervades the entire course of the Earth in relation to human and other development, if Spiritual Science comes to say: This entire Earth existence would have no meaning for the universe if the Mystery of Golgotha had not taken place within Earth existence? Yes, the spiritual researcher must say: if any inhabitants of distant worlds could look down on the earth and see what the earth is, they would see no meaning in the whole development of the earth if Christ had not lived and died and risen again on this earth. The event of Golgotha gives meaning and content to earthly life for the whole world. If they were to engage in spiritual research, they would see that the worship of Christ, the devotion to Christ, cannot be diminished by spiritual research, but on the contrary can only be increased.

[ 51 ] Es drängt die Zeit, und ich kann nicht eingehen auf mancherlei, was sich auch als Missverständnis verbreitet hat über diese oder jene Auffassungen, die da sein sollen im Kreise der Anthroposophen - wie man sie auch nennt, obwohl man das Wort besser vermeiden sollte, nur von Anthroposophie sprechen sollte -, über gewisse Vorstellungen, die sich verbreitet haben sollen über das oder jenes, wie das oder jenes in der Bibel aufzufassen ist. Aber, sehr verehrte Anwesende, da handelt es sich darum, dass man ein sehr guter Geistesforscher sein kann, ohne überhaupt irgendwie zu teilen dasjenige gerade, was allerdings aus bestimmten Grundlagen für diejenigen Kreise, die gerade darüber etwas wissen wollen, über die Evangelien, in dem Kreise unserer Gesellschaft gesagt worden ist. Wenn das aber im Zusammenhange gelesen wird, so wird man jedenfalls nirgends finden können, dass zum Beispiel der Unsinn von mir irgendeinmal gesagt worden sein könnte, dass dasjenige, was wiederholtes Erdenleben ist, aus der Bibel bewiesen werden könnte, weil an der Stelle, wo die Tatsache über Nathanael steht, ich meinte, wenn der Christus sagt: «Ich habe dich schon unter dem Feigenbaume sitzen sehen», so deute er auf eine frühere Inkarnation, wo er den Nathanael unter dem Feigenbaum sitzen sehen habe. Ich kann nur das eine tun, wenn diese Dinge als Missverständnisse heute durch die Welt schwirren, ich kann nur das eine tun: Mich darüber verwundern, wie solche Dinge überhaupt aus dem, was wirklich gesagt worden ist, haben entstehen können. Gerade das sind Beweise dafür, wie dasjenige, was wirklich gesagt wird, wenn es von Mund zu Ohr weitergetragen wird, geändert wird in der mannigfachsten Weise und wie das Gegenteil, denn in diesem Falle ist es wahrhaftig das Gegenteil, das herausgekommen ist von dem, was gesagt worden ist, was als Wahres gesagt worden ist, ins Gegenteil verkehrt wird.

[ 51] Time is pressing, and I cannot go into various misunderstandings that have spread about this or that view that is supposed to exist among anthroposophists — as they are called, although it would be better to avoid the word one should only speak of anthroposophy — about certain mental images that are said to have spread about this or that, about how this or that should be understood in the Bible. But, dear attendees, the point is that one can be a very good spiritual researcher without in any way sharing what what has been said in our society about the Gospels, based on certain principles, for those circles who want to know something about it. But if this is read in context, one will not find anywhere, for example, that I could ever have said the nonsense that repeated earthly lives can be proven from the Bible, because in the passage about Nathanael, I meant that when Christ says, “I saw you sitting under the fig tree,” he was referring to a previous incarnation where he had seen Nathanael sitting under the fig tree. I can only do one thing when these things are circulating around the world today as misunderstandings. I can only do one thing: marvel at how such things could have arisen from what was actually said. This is proof of how what is actually said, when passed from mouth to ear, is changed in the most varied ways and how the opposite, because in this case it is truly the opposite that has come out of what was said, what was said as true, is turned into the opposite.

[ 52 ] Ich will mich jetzt nicht einlassen darauf, andere Missverständnisse zu widerlegen, die leicht widerlegt werden könnten. Ich will nur noch über das eine sprechen, das zum Beispiel sehr leicht gesagt werden könnte: Ja, Ihr Anthroposophen glaubt an die Bibel. Ein Anthroposoph wird keinem, der die Bibel versteht, nachgeben etwas in Bezug auf die Bibelverehrung und Hingabe an die Bibel. Er wird ein treues Verständnis versuchen, wenn er auch im Einzelnen, wie das ja selbstverständlich ist, irren kann. Aber wenn nun gefragt werden könnte: Ja, wie hast du es denn damit, dass ja man in der Bibel nichts findet über die wiederholten Erdenleben; und es könnte sein, dass jemand sagt: Er könne nicht an diese wiederholten Erdenleben glauben aus dem einfachen Grunde, weil seiner Überzeugung nach ein Widerspruch sei zwischen der Annahme dieser wiederholten Erdenleben - zu der sich Geister wie Lessing zum Beispiel bekannt haben - und dem, was in der Bibel steht.

[ 52 ] I do not want to get into refuting other misunderstandings that could easily be refuted. I just want to talk about one thing that could very easily be said, for example: Yes, you anthroposophists believe in the Bible. An anthroposophist will not yield to anyone who understands the Bible in terms of Bible worship and devotion to the Bible. He will try to understand it faithfully, even though, as is only natural, he may err in details. But if someone were to ask: Yes, how do you feel about the fact that there is nothing in the Bible about repeated earthly lives? And it could be that someone might say: He cannot believe in these repeated earthly lives for the simple reason because, in his opinion, there is a contradiction between the assumption of these repeated earthly lives—which spirits such as Lessing, for example, have professed—and what is written in the Bible.

[ 53 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, die wiederholten Erdenleben wird man erkennen als eine wissenschaftliche, eine geisteswissenschaftliche Tatsache. Und über das Verhältnis einer solchen geisteswissenschaftlichen Tatsache, die einmal gefunden werden musste zur Bibel, wird man lernen in der folgenden Weise zu denken. Könnte man es für möglich halten, dass jemand sagte: Er glaubt nicht, dass es Amerika gibt, weil in der Bibel nichts steht, in den Evangelien, dass es Amerika gibt? Widerspricht es deshalb der Bibel, dass es Amerika gibt? Oder glaubt man deshalb, der Bibel irgendeinen Abbruch zu tun, dass man sagt: Ich finde es vollständig mit einer Bibelverehrung im Einklange, dass es Amerika gibt, trotzdem das nicht in der Bibel gefunden wird. Oder steht in der Bibel etwas davon, dass die kopernikanische Weltanschauung richtig ist? Es hat Leute gegeben, die aus diesem Grunde die kopernikanische Weltanschauung als etwas Falsches, als etwas Verbotenes angesehen haben, aber sie haben sich daran gewöhnt. Und heute wird es niemanden geben, der, auf dem wirklichen Bildungsstandpunkte seiner Zeit stehend, sagen könnte: Er fände einen Widerspruch zwischen der Lehre des Kopernikus und der Bibel, trotzdem die Lehre des Kopernikus nicht in der Bibel steht.

[ 53 ] Well, dear audience, repeated earthly lives will be recognized as a scientific, a Spiritual Science fact. And regarding the relationship of such a Spiritual Science fact, which once had to be found, to the Bible, one will learn to think in the following way. Could one consider it possible that someone said: He does not believe that America exists because there is nothing in the Bible, in the Gospels, that says that America exists? Does the existence of America therefore contradict the Bible? Or does one believe that one is doing the Bible some disservice by saying: I find it completely in harmony with reverence for the Bible that America exists, even though it is not found in the Bible. Or does the Bible say anything about the Copernican worldview being correct? There have been people who, for this reason, have regarded the Copernican worldview as something wrong, something forbidden, but they have become accustomed to it. And today there will be no one who, standing on the real educational standpoint of his time, could say that he finds a contradiction between the teachings of Copernicus and the Bible, yet the teachings of Copernicus are not found in the Bible.

[ 54 ] Ebenso wird man sagen können über die geisteswissenschaftliche Tatsache, dass es in nichts einen Eintrag tut der Anerkennung der Heilswahrheiten der Bibel, dass zum Beispiel die wiederholten Erdenleben auch nicht in der Bibel gefunden werden konnten, ebenso wenig in der Bibel gefunden werden konnten wie die Tatsache, dass es ein Amerika gibt, oder die Tatsache, dass es eine Welteneinrichtung gibt, die der kopernikanischen Weltanschauung in Bezug auf den Raum entspricht. Man muss diese Punkte nur von dem richtigen Gesichtspunkte ansehen. Dann aber, wenn man sie von dem richtigen Gesichtspunkte ansieht, dann darf man es sich wohl auch erinnern, und ich muss immer denken, wenn jemand sagt, er wolle die wiederholten Erdenleben nicht anerkennen aus dem einfachen Grunde, weil das der Bibel widerspreche, ich muss immer daran denken, wie die Zeiten sich ändern. Es gab eine Zeit, wo Galilei aus dem Grunde, weil er etwas zu sagen hatte, was scheinbar, eben nur scheinbar, der Heiligkeit der Bibel widersprach, wo er in einer ganz eigentümlichen, ja bekannten Weise behandelt worden ist. Oder man denke an Giordano Bruno, wie er behandelt worden ist, weil er etwas zu sagen hatte, von dem man eben auch behaupten konnte, es ließe sich aus der Bibel nicht nachweisen. Da muss ich eines Priesters gedenken, der vor einigen Jahren das Rektorat einer Universität angetreten hat aus der theologischen Fakultät heraus und der bei seiner Rektoratsrede als Priester etwa die folgenden Worte gesprochen hat. Er sagte: Die Zeiten ändern sich eben und damit auch die Art und Weise, wie Menschen erkannte Tatsachen aufnehmen. In seiner Zeit hat man Galilei — der Priester hielt nämlich über Galilei seine Rektoratsrede -, in seiner Zeit hat man Galilei in der bekannten Weise behandelt; jetzt aber sieht wohl jeder wahre Christ ein, dass durch die Entdeckung der Herrlichkeit des Weltenbaues, wie sie durch Galilei auch bekannt geworden ist, die Glorie, die Herrlichkeit Gottes und die Hingabe an Gott nur erhöht, nicht vermindert werden können. Das war auch priesterlich, das war auch christlich, ja vielleicht erst echt christlich gesprochen.

[ 54 ] The same can be said about the fact of Spiritual Science that there is nothing in the Bible that contradicts the recognition of the truths of salvation in the Bible, that, for example, the repeated earthly lives could not be found in the Bible, just as little as the fact that there is an America, or the fact that there is a world order that corresponds to the Copernican worldview in relation to space. One only has to look at these points from the right perspective. But then, when one looks at them from the right perspective, one may well remember and I always think, when someone says they do not want to acknowledge repeated earthly lives for the simple reason that it contradicts the Bible, I always have to think about how times change. There was a time when Galileo, because he had something to say that apparently, but only apparently, contradicted the sanctity of the Bible, was treated in a very peculiar, indeed well-known way. Or think of Giordano Bruno, how he was treated because he had something to say that could also be claimed to be unverifiable from the Bible. I am reminded of a priest who, a few years ago, became rector of a university from the theological faculty and who, in his rector's speech as a priest, said something like the following. He said: Times are changing, and with them the way people perceive recognized facts. In his time, Galileo—the priest gave his rector's speech about Galileo—in his time, Galileo was treated in the well-known manner; but now every true Christian realizes that the discovery of the glory of the structure of the universe, as made known by Galileo, only increases the glory and splendor of God and devotion to God, not diminished. That was also priestly, that was also Christian, indeed perhaps truly Christian spoken.

[ 55 ] Im Ganzen möchte ich aus der geisteswissenschaftlichen Gesinnung heraus sagen, sehr verehrte Anwesende: Von demjenigen, was das Christentum ist, von demjenigen, was der Christus der Welt ist, muss gerade der Geisteswissenschafter der Anthroposoph durch seine Lehren so denken, dass er sagt: Wie kleingläubig finde ich eigentlich diejenigen, die da glauben, dass durch irgendeine Entdeckung auf physischem oder geistigem Gebiet die Größe, die uns anweht aus der Christus-Offenbarung, verkleinert werden könnte! Nein, dem Geistesforscher kommt derjenige, der da glaubt, dass durch irgendeine Tatsache - und sei sie selbst eine so schwerwiegende wie die wiederholten Erdenleben -, dass durch irgendeine Tatsache, die entdeckt wird auf physischem oder geistigem Gebiet, der Glanz des Christus-Ereignisses und der Einfluss des Christus vermindert werden könnte für den Christen, der das glaubt, der möge nur auch glauben, dass die Sonne an Kraft verliert, aus dem Grunde, weil sie nicht für Europa erhalten wird, sondern auch über Amerika scheint. Was auch noch immer in irgendeiner Zukunft, verehrte Anwesende, für physische oder geistige Tatsachen werden entdeckt werden, die großen Wahrheiten des Christentums werden sie überleuchten. Das erkennt gerade derjenige, der aus geistesforscherischem Sinn heraus sich dem Christusimpuls und der ganzen christlichen Weltauffassung nähert. Er hat keine Furcht. Er ist nicht kleinmütig und sagt: Es könnte der Glanz des Christentums verringert werden durch irgendeine Forschung. Er weiß, dass derjenige klein denkt über das Christentum, der glaubt, es könnte durch irgendeine Entdeckung dieses Christentum herabgemindert werden, weil er es für so groß hält, was über den Christus zu denken ist, dass es niemals durch irgendeine neue Entdeckung irgendwie verkleinert werden könnte.

[ 55 ] All in all, from a point of view of Spiritual Science, I would like to say to you, dear attendees: From the perspective of what Christianity is, what Christianity is, of what Christ is to the world, the spiritual scientist, the anthroposophist, must think in such a way that he says: How little faith I actually find in those who believe that some discovery in the physical or spiritual realm could diminish the greatness that comes to us from the revelation of Christ! No, to the spiritual researcher, those who believe that some fact — even one as serious as repeated earthly lives — that through some fact discovered in the physical or spiritual realm, the splendor of the Christ event and the influence of Christ could be diminished for the Christian who believes this, let him also believe that the sun loses its power because it does not shine only on Europe but also on America. Whatever physical or spiritual facts may be discovered in the future, dear friends, the great truths of Christianity will outshine them. This is recognized by those approaches the Christ impulse and the whole Christian worldview from a spiritual research perspective. They have no fear. They are not faint-hearted and say: The splendor of Christianity could be diminished by some research. They know that those who think small about Christianity believe that it could be diminished by some discovery, because they considers what is to be thought about Christ to be so great that it could never be diminished in any way by any new discovery.

[ 56 ] Es kommt eben wirklich darauf an, dass vielleicht die mancherlei Missverständnisse, die da bestehen gegenüber dem, für das der Dornacher Bau ein äußeres Zeichen, ich möchte sagen eine äußere Behausung ist, dass diese mancherlei Missverständnisse doch zerstreut werden. Über den Dornacher Bau selber will ich nichts anderes sagen heute, als dass er nichts anderes sein will als eine künstlerische Ausgestaltung desjenigen, was in unseren Empfindungen, in unseren Gefühlen angeregt wird, wenn wir eben das lebendige der Geisteswissenschaft der Geistesforschung, der Anthroposophie in unsere Seele aufgenommen haben. Daher ist dieser Bau nicht so gemeint, dass etwa die Ideen, die die Geisteswissenschaft hat, und Symbole oder Allegorien in den Formen des Baues ausgebildet werden. Davon kann gar keine Rede sein.

[ 56 ] It really is important that the various misunderstandings that exist about what the Dornach building is an outward sign of, I would say an outward dwelling, that these various misunderstandings are dispelled. I don't want to say anything else about the Dornach building itself today other than that it is intended to be nothing more than an artistic expression of what is inspired in our senses and feelings when we have taken the living spirit of Spiritual Science, spiritual research, and anthroposophy into our souls. Therefore, this building is not intended to represent the ideas of Spiritual Science in the form of symbols or allegories. That is not the case at all.

[ 57 ] Wenn Sie diesen Bau einmal betrachten werden, schr verehrte Anwesende, dann werden Sie finden, dass dieser Bau das Eigentümliche hat, dass in ihm gar nichts Geheimnisvolles ist, dass in ihm kein einziges Symbol ist, in Wirklichkeit kein einziges Zeichen ist, nichts irgendwie von einer Allegorie oder dergleichen. Das sollte gerade durch die ganze Natur dieses Baues diesem Bau vollständig fern sein.

[ 57 ] When you look at this building, dear friends, you will find that this building has the peculiarity that there is nothing mysterious about it, that there is not a single symbol in it, in fact not a single sign, nothing of an allegorical nature or anything like that. This should be completely absent from this building, precisely because of the whole nature of this building.

[ 58 ] Wenn etwa gesagt würde: Ja, aber man muss doch die geisteswissenschaftlichen Gedanken kennen, wenn man verstehen will, was man da sieht. Ja, sehr verehrte Anwesende, das hat aber die Kunst des Dornacher Baues mit jeder anderen Kunst gemeinschaftlich. Nehmen wir die Sixtinische Madonna, nehmen wir das wunderbare Mutterbild mit dem Jesuskinde: Ich denke, wenn ein Türke, der niemals etwas vom Christentum gehört hat - von Chinesen gar nicht zu sprechen -, vor die Sixtinische Madonna sich hinstellt, dann muss man ihm auch erklären, was da ist, dann wird er auch aus seinen Empfindungen heraus die Sache nicht unmittelbar verstehen können. So ist es selbstverständlich, dass man in der ganzen Strömung in der ganzen Strömung der Geisteswissenschaft drinnen sein muss, wenn man ihre Kunst verstehen will, wie man im Christentum drinnenstehen muss, wenn man zum Beispiel die Sixtinische Madonna verstehen will. Wenn man aber davon absieht, dann ist versucht, nicht etwa geisteswissenschaftliche Ideen, wie gesagt, sinnbildlich auszudrücken, sondern es liegt zugrunde die Tatsache unserer Weltauffassung, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was ja- und das geht aus den Worten, die ich hier gesprochen habe hervor - so lebendig, so stark das Innere des Menschen ergreift, dass Fähigkeiten, die in ihm sonst schlummern, also auch künstlerische Fähigkeiten geweckt werden. Und da Geisteswissenschaft etwas Neues ist - nicht ein neuer Name für etwas also, sondern etwas wirklich Neues -, so wie die heutige Naturwissenschaft gegenüber der mittelalterlichen Naturwissenschaft etwas Neues ist, so /Lücke] das auch etwas Neues, wie die Gotik als eine neue Kunst sich hinstellte neben die Antike, und wie man mit der Meinung herangetreten ist, dass nur die Antike gelten solle, so natürlich schmähte man die Gotik, so hat man geschmäht einen neueren Stil, der aus einer neueren Empfindungsweise hervorgeht. Wenn man nur dasjenige heute gelten lassen will, was eben hergebracht ist.

[ 58 ] If someone were to say: Yes, but you have to be familiar with Spiritual Science if you want to understand what you see there. Yes, dear attendees, but the art of the Dornach building has that in common with every other art form. Take the Sistine Madonna, take the wonderful image of the Mother with the infant Jesus: I think that if a Turk who has never heard of Christianity — not to mention a Chinese person — stands in front of the Sistine Madonna, then you have to explain to him what is there, and even then he will not be able to understand it immediately from his feelings alone. So it goes without saying that you have to be inside the whole stream, the whole stream of Spiritual Science, if you want to understand its art, just as you have to be inside Christianity if you want to understand the Sistine Madonna, for example. But if you disregard this, then you are tempted not to express ideas from Spiritual Science symbolically, as I said, symbolically, but rather the underlying fact of our worldview that Spiritual Science is something that—as is evident from the words I have spoken here—touches the inner being of the human being so vividly and powerfully that abilities that otherwise lie dormant within him, including artistic abilities, are awakened. And since Spiritual Science is something new—not just a new name for something, but something truly new—just as today's natural science is something new compared to medieval natural science, then [gap] that is also something new, just as Gothic art stood alongside ancient art as a new art form, and just as people approached it with the opinion that only ancient art should be valid, so naturally they reviled Gothic art, just as they reviled a newer style that arose from a newer way of feeling. If one wants to accept only what has been handed down to us today.

[ 59 ] Überall wurde in Dornach versucht, in naturgemäßer Weise entgegenzukommen dem Material zum Teil, zum Teil dem, was sinngemäß aber nicht sinnbildlich, sondern sinngemäß sich ergibt. Man kann, wenn man gerade dies auffasst, recht merkwürdige Worte sagen darüber, dass sich da ein Doppelkuppelbau erhebt, dass daneben so ein merkwürdiger Bau steht, der in eine lange Röhre ausgeht, die geformt ist.

[ 59 ] Everywhere in Dornach, attempts were made to accommodate in a natural way, in part the material, and in part what arises in a meaningful but not symbolic way. If one understands this, one can say quite strange things about the fact that a double-domed building rises up there, that next to it stands such a strange building, which ends in a long tube that is shaped.

[ 60 ] Ja, [bei] einem Kesselhaus ist [man] versucht, einmal künstlerisch zu gestalten aus dem modernsten Material heraus, aus dem Beton. Dem Beton wurde Rechnung getragen. Und auf der anderen Seite wurde all dem Rechnung getragen, was da drinnen ist. Wenn jemand [kommt] und diese Formen auslegt sinnbildlich, dass da allerlei Symbole drinnen sind, na, dann ist er eben einer, der spinnt, ein Spekulant, der träumt, ein Phantast, nicht einer, der da sieht, was da ist, der da sieht: Da drinnen soll das und das vorgehen. Gerade so, wie der Nusskern sich entwickelt, und der Nusskern entwickelt eine Schale, und diese ist so gebildet, dass sie dem Nusskern angemessen ist: Ein realer Künstler will in dem, was er aufbaut, eine Schale bilden für das, was drinnen ist, eine naturgemäße Schale, sodass man in der äußeren Form sieht dasjenige, was drinnen ist. Das ist versucht. Und denjenigen, der es beurteilen will und nicht schön findet - man kann ihn verstehen, denn man muss sich erst daran gewöhnen an diese Dinge. Aber er könnte ja dies versuchen, dass er einen andern Schornstein, wie man ihn heute macht, einmal daneben sich gestellt denkt, so einen richtigen roten, der in die Höhe hinaufgeht - und dann diese Dinge vergleichen. Alle Dinge in der Welt sind doch relativ.

[ 60 ] Yes, [with] a boiler house, [one] is tempted to design it artistically using the most modern material, concrete. Concrete was taken into account. And on the other hand, everything that is inside was taken into account. If someone [comes] and interprets these forms symbolically, that there are all kinds of symbols inside, well, then he is just someone who is crazy, a speculator who dreams, a fantasist, not someone who sees what is there, who sees: this and that should happen in there. Just as the nut kernel develops, and the nut kernel develops a shell, and this shell is formed in such a way that it is appropriate for the nut kernel: a real artist wants to form a shell for what is inside in what he builds, a natural shell, so that one can see what is inside in the outer form. That is what has been attempted. And those who want to judge it and don't find it beautiful – one can understand them, because one has to get used to these things first. But they could try this: imagine another chimney, like the ones they make today, placed next to it, a real red one that goes up high – and then compare these things. After all, everything in the world is relative.

[ 61 ] Gewiss, wir wissen sehr genau, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was in Dornach mit dem Bau versucht wird, ist ein Anfang, sogar ein sehr mangelhafter Anfang. Aber es soll der Anfang sein zu etwas, was eben wiederum wie ein neuer Baustil gewollt werden muss und sich so hinstellen muss in die geistige Entwicklung der Menschheit, wie sich der antike, der gotische und andere Baustile hineingestellt haben. Es gab auch Leute, die sagten: Ja, da habt ihr sieben Säulen gemacht, scht ihr, auf jeder Seite sieben Säulen im Hauptraum. Ihr seid eben doch eine recht abergläubische Gesellschaft. Auf die Siebenzahl baut ihr auf.

[ 61 ] Of course, we know very well, very dear attendees, that what is being attempted with the building in Dornach is a beginning, even a very imperfect beginning. But it should be the beginning of something that must be desired as a new architectural style and must take its place in the spiritual development of humanity, just as the ancient, Gothic, and other architectural styles have taken their place. There were also people who said: Yes, you have made seven columns, you see, seven columns on each side of the main room. You are indeed a rather superstitious society. You build on the number seven.

[ 62 ] Ja, es könnte ja jemand auch abergläubisch finden, dass man sieben Farben im Regenbogen sieht! Da müsste man nun die Natur abergläubisch finden, dass sie das macht. Aber wenn jemand über diese sieben Säulen spricht, so sollte man zunächst gar nicht auf diese Zahl sehen, sondern sehen, was da neu versucht worden ist. Sonst ist es immer so, dass, wenn eine Säule neben der anderen steht, sie immer gleich sind. Bei unseren Säulen sind die Kapitele in fortlaufender Entwicklung gedacht; die zweite Säule ist anders als die erste, die dritte wieder anders, und das eine geht aus dem anderen heraus, und das gibt einen Organismus im Fortschreiten, der so innerlich notwendig ist, wie es sieben Töne gibt bis zur Septime, und die Oktave die Wiederholung ist. Das ergab sich ganz von selber. Da konnten wir nichts dazu tun, dass es sieben wurden, weil da in den sieben Säulen, die sich von Kapitell zu Kapitell entwickeln, die Siebente ein Abschluss ist, so, wie bei den sieben Farben vom Regenbogen, bei Rot angefangen, das Violett ein Abschluss ist und über das hinaus man nicht mehr eine Farbe finden kann.

[ 62 ] Yes, someone might also find it superstitious that there are seven colors in the rainbow! Then you would have to find nature superstitious for doing that. But when someone talks about these seven columns, one should not focus on the number at first, but rather see what new thing has been attempted here. Otherwise, it is always the case that when one column stands next to another, they are always the same. In our columns, the capitals are conceived in continuous development; the second column is different from the first, the third is different again, and one emerges from the other, creating a progressive organism that is as internally necessary as there are seven tones up to the seventh, and the octave is the repetition. This came about quite naturally. We could not do anything to make it seven, because in the seven columns, which develop from capital to capital, the seventh is a conclusion, just as in the seven colors of the rainbow, starting with red, violet is a conclusion and beyond that one can no longer find a color.

[ 63 ] Und so wird man finden, dass nirgends aus den Ideen, aus der Symbolik, aus dem Geheimnisvollen heraus gearbeitet worden ist, sondern überall so versucht worden ist, zu arbeiten, dass das Künstlerische in Formen, in Farben angestrebt worden ist, aber so angestrebt worden ist, dass der ganze Bau die richtige Umhüllung für dasjenige geben konnte, was in ihm getrieben werden soll. Das bedingt zum Beispiel das Folgende, und das hängt wiederum mit der ganzen Form des Baues zusammen: Nicht wahr, Baue haben Wände. Aber bei Wänden, die man bis jetzt gebaut hat, ist man gewöhnt, in den Wänden etwas zu sehen, was den Raum abschließt, so geformt wird, dass es den Raum abschließt. Unsere Formen von innen sind so, dass man nicht das Gefühl hat, der Raum wird durch die Form abgeschlossen, sondern man rechnet mit der Empfindung, mit den Formen, und geht ins Unendliche hinaus. Die Wände in ihrer Form sind so gebildet, dass sie sich gleichsam selber aufheben, dass man mit der Natur und mit der ganzen Welt im Zusammenhange bleibt. Die Wand durchbricht sich durch ihre Formen.

[ 63 ] And so one will find that nowhere has anything been worked out from ideas, from symbolism, from the mysterious, but everywhere an attempt has been made to strive for the artistic in forms and colors, but in such a way that the entire building could provide the right envelope for what is to be done within it. This necessitates the following, for example, and this in turn is related to the entire form of the building: Isn't it true that buildings have walls. But with walls that have been built up to now, we are accustomed to seeing something in the walls that encloses the space, that is shaped in such a way that it encloses the space. Our forms from the inside are such that one does not have the feeling that the space is enclosed by the form, but rather one reckons with the sensation, with the forms, and goes out into infinity. The walls are shaped in such a way that they cancel themselves out, as it were, so that we remain connected with nature and with the whole world. The wall breaks through itself through its shapes.

[ 64 ] Das sind eben alles Dinge, die auch einmal auftreten müssen in der Menschheitsentwicklung, weil die Menschheitsentwicklung eben eine Totalität sein muss von den umfassendsten Einzelheiten. Und wie im einzelnen menschlichen Leben nicht alle einzelnen Lebensalter einander gleich sein können, wie jedes einzelne Lebensalter wiederum etwas Neues in die Menschheitsentwicklung hineinbringt, so geschieht es auch in der geschichtlichen Entwicklung; und man kann mitgehen mit der geschichtlichen Entwicklung, wenn man Verständnis für sie gewinnen kann.

[ 64 ] These are all things that must occur at some point in human development, because human development must be a totality of the most comprehensive details. And just as in individual human life, not all individual stages of life can be the same, just as each individual stage of life brings something new to human development, so it is also in historical development; and one can go along with historical development if one can gain an understanding of it.

[ 65 ] Und ich meine, sehr verehrte Anwesende, gewiss, ich habe nicht heute durch diese kurzen Betrachtungen jemanden überzeugen wollen. Ich wollte nur dasjenige erreichen, was ich im Anfange betont habe: Anregen möchte ich, nicht überzeugen. Davon kann wahrhaft nicht die Rede sein, dass irgendjemand durch meine heutigen Auseinandersetzungen irgendwie überzeugt werden sollte. Aber das möchte ich doch noch betonen: Die Art und Weise, wie man sich in eine Weltanschauung hineinfindet, das hängt von den Denkgewohnheiten ab. Und derjenige, der den geistigen Entwicklungsgang der Menschheit kennt, der weiß, dass die Wahrheiten immer durch Hindernisse sich hindurch haben entwickeln müssen, und durch Vorurteile sich haben hindurch entwickeln müssen.

[ 65 ] And I mean, dear audience, that I certainly did not want to convince anyone today with these brief reflections. I only wanted to achieve what I emphasized at the beginning: I want to inspire, not convince. There can be no question of anyone being convinced in any way by my discussions today. But I would like to emphasize this: The way in which one finds one's way into a worldview depends on one's habits of thinking. And anyone who is familiar with the intellectual development of humanity knows that truths have always had to develop through obstacles and through prejudices.

[ 66 ] Man denke nur einmal, ohne dass ein Vergleich damit ausgesprochen werden soll - selbstverständlich in aller Bescheidenheit soll nur hingewiesen werden auf die Ähnlichkeit der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen heute mit den naturwissenschaftlichen Bestrebungen von dazumal, wie ich es angedeutet habe -, man denke einmal, wie Giordano Bruno vor die Menschheit treten musste, vor eine Menschheit, die immer geglaubt hat: Da oben ist das blaue Himmelsgewölbe, das schließt den Raum ab. Und jetzt musste Giordano Bruno den Menschen sagen: Da ist gar nichts, wo das blaue Himmelsgewölbe ist, das macht ihr selber mit euren Anschauungen. Das Anschauen macht es nur, dass da Himmel ist; aber der Raum dehnt sich in alle Unendlichkeit hinaus, und unendliche Welten sind im unendlichen Raume. Das, was dazumal Giordano Bruno für das sinnliche Anschauen war, das hat Geisteswissenschaft für das Geistig-Seelische und für das Zeitliche zu tun. In Bezug auf das Geistig-Seelische ist auch so eine Art Firmament da zwischen Geburt oder, sagen wir, Empfängnis und Tod. Aber dieses Firmament ist in Wahrheit ebenso wenig eine Realität wie das blaue Firmament oben; sondern nur, weil man mit den gewöhnlichen menschlichen Erkenntnisfähigkeiten nur bis zur Geburt oder Empfängnis und Tod sehen kann, glaubt man, dass eine Grenze sei, wie man geglaubt hat, dass das Firmament eine Grenze ist. Wie aber das Firmament nicht eine Grenze ist, sondern unendliche Welten im unendlichen Raume sich befinden, so müssen wir durch erweiterte Fähigkeiten [jenseits des Wissens] von Geburt und Tod sehen, wie die zeitliche Unendlichkeit mit der Entwicklung des Zeitlich-Seelischen in der Unendlichkeit immer wiederkehrende Formen des menschlichen Lebens und in unserem Zeitraume die wiederholten Erdenleben sind. Die Dinge sind auf geistigem Gebiet nicht anders als auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Deshalb könnte man fragen, wie kommt es denn, dass so viele Missverständnisse von so mancher Seite entgegengebracht werden dieser Geisteswissenschaft? Und da muss ich sagen, wenn ich gewissermaßen persönlich mich dazu verhalten möchte, dass ich finde: Die Gründe, warum die Geisteswissenschaft so mancherlei Gegnerschaft und Missverständnis findet, sie sind zum Teil objektiv, zum Teil subjektiv.

[ 66 ] Just think, without making any comparison – of course, in all modesty, I am only pointing out the similarity between today's endeavors in Spiritual Science and the scientific endeavors of the past, as I have indicated – just think how Giordano Bruno had to stand before humanity, before a humanity that had always believed: Up there is the blue vault of heaven, which encloses space. And now Giordano Bruno had to tell people: There is nothing where the blue vault of heaven is; you yourselves create it with your perceptions. It is only your perception that makes the sky be there; but space extends out into infinity, and infinite worlds are in infinite space. What Giordano Bruno did for sensory perception at that time, Spiritual Science has to do for the spiritual-soul and for the temporal. In relation to the spiritual-soul, there is also a kind of firmament between birth or, let's say, conception and death. But this firmament is in truth just as little a reality as the blue firmament above; but only because ordinary human cognitive abilities can only see as far as birth or conception and death, people believe that there is a boundary, just as they believed that the firmament was a boundary. But just as the firmament is not a boundary, but rather infinite worlds in infinite space, so we must see through expanded abilities [beyond knowledge] of birth and death how temporal infinity, with the development of the temporal-soul in infinity, are ever-recurring forms of human life and, in our time, repeated earthly lives. Things are no different in the spiritual realm than in the natural sciences. One might therefore ask how it is that so many misunderstandings are encountered on so many sides of Spiritual Science. And here I must say, if I may express my personal opinion, that I find the reasons why Spiritual Science encounters so much opposition and misunderstanding to be partly objective and partly subjective.

[ 67 ] Unter den objektiven Gründen, sehr verehrte Anwesende, möchte ich diesen vor allen Dingen sehen: Geisteswissenschaft ist etwas, worin hinein man sich ernsthaftest vertiefen muss, eine lange, lange, ernste Arbeit, eine Arbeit, die mit vielen Ereignissen, auch mit vielen Enttäuschungen gewiss verknüpft ist. Aber das ist ja im Grunde genommen bei jeder Erkenntnis-Arbeit so, und nicht ohne Weiteres lassen sich die Fäden durch eine äußere Betrachtung entwirren, die aber trotzdem für den, der die Sache genauer anschaut, wohl gewollt und sachgemäß verwoben sind. Aber es besteht einmal, und das scheint mir wesentlich zu sein, wenn man die objektiven Gründe für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft finden will, es scheint nun einmal üblich zu sein, dass man sich sagt: Eine Uhr zu verstehen - ja, dazu muss man lernen, wie die Räder zusammen wirken sollen. Das erfordert schon einige Mühe. Aber den Menschen zu verstehen, dazu soll man nichts lernen, trotzdem der Mensch das Herrlichste innerhalb der Welt ist, die uns zunächst vorliegt, und auch das Komplizierteste. Dass man erst viel, viel lernen soll, um den Menschen zu verstehen, das ist nicht immer zugegeben. Darinnen liegt wohl der, ich möchte sagen leicht zu kennende objektive Grund.

[ 67 ] Among the objective reasons, dear audience, I would like to highlight the following above all: Spiritual Science is something that requires the most serious immersion, a long, long, serious work, a work that is certainly linked to many events and also many disappointments. But that is basically the case with any work of knowledge, and the threads cannot easily be untangled by an external observation, but which are nevertheless, for those who look more closely, deliberately and appropriately interwoven. But there is one thing, and this seems to me to be essential if one wants to find the objective reasons for the misunderstandings of Spiritual Science, it seems to be common practice to say: To understand a clock – yes, you have to learn how the wheels work together. That requires some effort. But to understand human beings, you don't have to learn anything, even though human beings are the most wonderful thing in the world that we have before us, and also the most complicated. It is not always acknowledged that you first have to learn a great deal in order to understand human beings. Therein lies, I would say, the easily recognizable objective reason.

[ 68 ] Geisteswissenschaft ist schon schwer. Aber weil der Mensch ein unendlich vollkommeneres Wesen ist als eine Uhr, so müsste man eigentlich objektiv erwarten, dass Geisteswissenschaft nicht so leicht umfasst werden kann wie die Beschreibung eines Uhrwerkes. Aber ein Uhrwerk wird derjenige nicht beschreiben wollen, der nicht Mechanik gelernt hat. Über Geisteswissenschaft wird man so leicht versucht sein, ein Urteil zu fällen nach den Vorstellungen, die man sich schon gebildet hat. Im Grunde genommen sind das doch, wie mir scheint, die objektiven Gründe.

[ 68 ] Spiritual Science is difficult. But because human beings are infinitely more perfect beings than a clock, one would actually have to objectively expect that Spiritual Science cannot be grasped as easily as the description of a clockwork mechanism. But someone who has not studied mechanics will not want to describe a clockwork mechanism. With Spiritual Science, one is easily tempted to pass judgment based on the mental images one has already formed. Basically, it seems to me that these are the objective reasons.

[ 69 ] Dann gibt es subjektive Gründe. Und diese subjektiven Gründe, sie liegen eben in dem, was ich eigentlich schon ausgeführt habe. Es wird den Menschen im Allgemeinen schwer, diejenigen Vorstellungen, die sich einmal gebildet haben, zu vereinigen mit solchen Vorstellungen, die ihnen aus der Welt entgegentreten, die nicht einmal zu leugnen brauchen dasjenige, was schon vorgestellt wird, sondern die nur etwas hinzufügen zu dem, was schon vorgestellt worden ist.

[ 69 ] Then there are subjective reasons. And these subjective reasons lie precisely in what I have already explained. People generally find it difficult to reconcile the mental images they have already formed with mental images that they encounter in the world, mental images that do not even need to deny what has already been imagined, but only add something to what has already been imagined.

[ 70 ] So ging es der Wahrheit immer. Dem widersprochen wird, das sind die Denkgewohnheiten. Und von diesem Gesichtspunkte aus, wenn man die subjektiven Gründe sucht für die Missverständnisse der Geisteswissenschaft, so muss man sagen: Sie liegen auf demselben Boden, warum die kopernikanische Lehre abgelehnt worden ist von der ganzen Welt, als sie aufgetreten ist. Sie war eben etwas Neues. Warum andere Dinge abgelehnt worden sind, man begreift das, man findet es vollständig verständlich. Allein die Wahrheit muss sich in der Welt durchsetzen und setzt sich auch in der Welt durch. Deshalb darf von demjenigen, der verwoben ist mit alledem, was Geisteswissenschaft ist und wozu sie anregen kann, darf empfunden werden, in dem er sich stützt auf die Erfahrung, dass die Wahrheit immer durch die feinsten Ritzen der Felsen von Vorurteilen sich doch durcharbeitet, die die Menschen aufgerichtet haben. Es darf der, der mit der Geisteswissenschaft und ihren Anregungen verwoben ist, und der die Geschichte des geistigen Menschenlebens betrachter, sagen: Man kann Geisteswissenschaft vielleicht heute noch hassen. Derjenige aber, der sie hasst, der wird höchstens bewirken können, dass andere sie mit ihm hassen, die ihm zugetan sind, und die auf sein Wort schwören. Aber noch niemals ist in der Welt irgendeine Wahrheit ausgemerzt worden dadurch, dass sie gehasst worden ist.

[ 70 ] This has always been the case with truth. What is contradicted are habits of thought. And from this point of view, if one seeks the subjective reasons for the misunderstandings of Spiritual Science, one must say: they lie on the same ground as why the Copernican doctrine was rejected by the whole world when it first appeared. It was simply something new. Why other things have been rejected is understandable and completely comprehensible. But truth must prevail in the world, and it does prevail in the world. Therefore, those who are interwoven with all that Spiritual Science is and what it can inspire may feel, based on experience, that truth always works its way through the finest cracks in the rock of prejudice that people have erected. Those who are involved in Spiritual Science and its inspirations, and who observe the history of spiritual human life, may say: It may still be possible to hate Spiritual Science today. But those who hate it will at most be able to cause others who are devoted to them and swear by their word to hate it with them. But never in the world has any truth been eradicated by being hated.

[ 71 ] Man kann die Wahrheit auch schmähen. Aber die Wahrheit erwirbt sich in der Seele desjenigen, der sich mit ihr verbunden hat, ein Gefühl des eigenen Wertes; und die Schmähungen können ertragen werden.

[ 71 ] One can also revile the truth. But the truth acquires a sense of its own value in the soul of those who have connected with it, and the revilements can be endured.

[ 72 ] Missverstanden und missdeutet werden kann die Wahrheit zu irgendeiner Zeit, aber gegenüber dem Missverstehen und Misskennen werden sich immer mehr Erkenner und richtige Versteher finden. Und selbst wenn dasjenige, was Geisteswissenschaft in unserer Zeit sagen will, heute nicht anerkannt würde, missverstanden und verkannt würde — die Zeiten werden kommen auch für sie unter allen Umständen, wo sie sich der Geistesentwicklung der Menschheit einverleiben wird. Unterdrücken sogar kann man die Wahrheit, aber man kann sie nicht vertilgen. Immer wieder und wiederum muss sie geboren werden, wenn sie noch so oft unterdrückt werden wird. Das ist ihre Eigentümlichkeit.

[ 72 ] The truth can be misunderstood and misinterpreted at any time, but there will always be more and more people who recognize and understand it correctly. And even if what Spiritual Science wants to say in our time is not recognized today, is misunderstood and misjudged — the time will come when it will become part of the spiritual development of humanity under all circumstances. The truth can even be suppressed, but it cannot be destroyed. It must be born again and again, no matter how often it is suppressed. That is its peculiarity.

[ 73 ] Denn Wahrheit ist tief lebendig verbunden mit der menschlichen Seele und ist tief begründet in der menschlichen Seele, sodass es einem erscheinen kann, wenn man die Wahrheit selber jetzt einen Augenblick wie ein sinnliches Wesen ein lebendiges Wesen ansieht, dass die menschliche Seele und die Wahrheit Schwestern sind, zusammengehören wie Schwestern. Und mögen sie auch für Zeiten und für Orte irgendwelchen Zwiespalt entwickeln, irgendwelche Verkennung zwischen ihnen entstehen, es muss immer wiederum Anerkennung, es muss immer wiederum gegenseitige Liebe herrschen zwischen der Seele und der Wahrheit. Denn Schwestern sind sie, Schwestern, die in einem Gemeinsamen ihren Ursprung haben, und die in Liebe sich immer wiederum ihres gemeinsamen Ursprunges erinnern, desjenigen Ursprungs, den wir da doch nennen müssen: Den die ganze Welt durchwaltenden Weltengeist, der alles trägt und schafft und erhält. Ja, im Geistigen gegründet sind Seele und Wahrheit, und wenn sie sich auch eine Weile trennen könnten - Orte und Zeiten werden immer wiederkehren, in denen anerkennen werden die beiden Schwestern ihren gemeinsamen Ursprung in dem die Welt durchwaltenden und durchwellenden Geist, den gerade Geisteswissenschaft in ehrlicher, aufrichtiger und sachgemäßer Weise durch Geisteswege erforschen will.

[ 73 ] For truth is deeply and vividly connected with the human soul and is deeply rooted in the human soul, so that it may seem, if one now considers truth itself for a moment as a sensual being, a living being, that the human soul and truth are sisters, belonging together like sisters. And even if they develop some kind of discord for times and places, some kind of misunderstanding arises between them, there must always be recognition, there must always be mutual love between the soul and the truth. For they are sisters, sisters who have their origin in a common source, and who in love always remember their common origin, the origin that we must call: the world spirit that pervades the whole world, that carries and creates and sustains everything. Yes, soul and truth are founded in the spiritual, and even if they could separate for a while, there will always be places and times when the two sisters will recognize their common origin in the spirit that pervades and permeates the world, which Spiritual Science seeks to explore in an honest, sincere, and appropriate manner through spiritual paths.