Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
16 October 1916, Liestal
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Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL
Das Menschliche Leben und die Anthroposophie
Human Life and Anthroposophy
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wie bei dem ersten Vortrage, den ich über Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hier halten durfte im Beginne dieses Jahres, bezwecke ich auch nicht mit diesem heutigen Vortrage irgendwelche Propaganda zu machen für diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie. Vielmehr ist mir nur daran gelegen, demjenigen, der etwas wissen will über diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einige Grundlagen zu geben, Grundlagen, die man ja berechtigterweise verlangen wird, da man den Bau gerade in dieser Gegend vor sich hat, in dem diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie getrieben werden soll.
[ 1 ] Dear attendees! As with the first lecture I was allowed to give here on Spiritual Science or anthroposophy at the beginning of this year, my aim with today's lecture is not to promote this Spiritual Science or anthroposophy in any way. Rather, I am simply interested in providing who wants to know something about this Spiritual Science or anthroposophy, some basic principles, principles that one would rightly expect to be provided, given that the building in which this Spiritual Science or anthroposophy is to be pursued is currently under construction in this very area.
[ 2 ] Das Nächste, was der Mensch, der zunächst mehr von außen, wie von etwas, was eben in unserer Zeit auftritt, von dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hört, das Nächste, was dieser Mensch sich als Meinung ganz begreiflicherweise bilden wird oder wenigstens bilden kann, ist dieses: Wozu ist eigentlich diese ganze [geistige] Bestrebung, die sich auf eine scheinbar so [unerklärliche] Weise in das Geistesleben der Gegenwart [hinein]stellt? Muss man nicht denken, so kann man [fragen], muss man nicht denken, dass eben einige Menschen, die gewissermaßen zu wenig zu tun haben im Leben, übermäßig Zeit haben, sich zusammengetan haben, um allerlei Unnützes, wenigstens für das wirkliche, wie man es so nennt, menschliche Leben Unnützliches zu treiben, die Dinge treiben, die eigentlich den Menschen nichts angehen, der seine Zeit mit werktätiger Arbeit, mit demjenigen zubringen will, was der Menschheit und ihrem Wohlbefinden, ihren Bedürfnissen wirklich dient?
[ 2 ] The next thing that people who initially hear about this Spiritual Science or anthroposophy more from the outside, as something that is just emerging in our time, the next thing that these people will quite understandably form as an opinion, or at least can form, is this: What is the purpose of all this [spiritual] endeavor that has entered the spiritual life of the present in such a seemingly [inexplicable] way? One might [ask], mustn't one think that some people who, in a sense, have too little to do in life, have too much time on their hands, have joined forces to pursue all kinds of useless activities, at least for real, so-called human life, pursuing things that are actually of no concern to people who want to spend their time working, doing what really serves humanity and its well-being and needs?
[ 3 ] Diese Meinung, sehr verehrte Anwesende, kann aber nur dann entstehen, wenn man nicht in einer gründlichen Weise sich bekannt macht mit den Bedingungen des menschlichen Fortschreitens, sich bekannt macht mit demjenigen, was eigentlich auf eine ganz naturgemäße Weise als ein Neues heraufgezogen ist in der menschlichen Entwicklung im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte und insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein.
[ 3 ] This opinion, dear attendees, can only arise if one does not thoroughly familiarize oneself with the conditions of human progress, and with what has actually emerged in a completely natural way as something new in human development over the last three to four centuries, and especially during the nineteenth century and up to the present day.
[ 4 ] Wie hat sich — rein äußerlich betrachtet — die Welt umgestaltet, in die der Mensch hineingestellt ist im Verlaufe dieser Zeit! Was ist an neuen Naturkräften entdeckt worden, und wie haben diese neuen Naturkräfte das ganze menschliche Leben, auch das soziale Leben, alle Anforderungen und alle Bedürfnisse der Menschen geändert! Wenn man eine gewisse Berechtigung hatte in einer gar nicht noch so sehr langen Vergangenheit, zu sagen: Nun, der Mensch wird eben hereingestellt in das Leben der Welt und hat seine Arbeit zu leisten, an die er gewöhnt wird, die ihm gelehrt wird im Verlaufe seiner Kindheit und Jugendzeit. Dann erwacht in ihm auch das Bedürfnis, etwas zu wissen über den Sinn und über die eigentliche Bedeutung des Lebens.
[ 4 ] How has the world in which human beings live been transformed during this time, viewed from a purely external perspective? What new forces of nature have been discovered, and how have these new forces of nature changed the whole of human life, including social life, all the demands and all the needs of human beings? If one had a certain justification in the not-so-distant past for saying: Well, human beings are simply placed into the life of the world and have their work to do, to which they become accustomed, which is taught to them in the course of their childhood and youth. Then the need awakens in them to know something about the meaning and the actual significance of life.
[ 5 ] Der Mensch könnte sich nicht zufrieden geben mit demjenigen, was er durch seine Sinne sieht, mit demjenigen, was er durch seine Hände erarbeiten muss. Er wird aufmerksam im Verlaufe seines Lebens auf sein Seelisches und muss fragen: Welchen Sinn hat dieses Seelische innerhalb der äußeren physischen Welt? Aber wie gesagt, man kann sagen: Die äußere Welt befriedigt ja dasjenige, was der Mensch also zu fragen in der Lage ist; sie bringt ihm, nachdem er hereingestellt ist in die äußere Lebensarbeit, die Religion, das religiöse Element entgegen. Durch dies wird ihm der ewige Sinn desjenigen enthüllt, was in dem äußeren Physischen des Menschen lebt, und dadurch verwandelt sich für ihn das Tor, welches scheinbar schließt dieses physische Leben, zu dem Aufgangstor für das ewige, unsterbliche Leben der Seele.
[ 5 ] Human beings cannot be satisfied with what they see through their senses, with what they have to work for with their hands. In the course of their lives, they become attentive to their soul life and must ask: What is the meaning of this soul life within the outer physical world? But as I said, one can say: The outer world satisfies what that which human beings are able to question; after they have been placed in the work of external life, it brings them religion, the religious element. Through this, the eternal meaning of what lives in the external physical world of human beings is revealed to them, and thus the gate that seemingly closes this physical life is transformed for him into the gate of ascent to the eternal, immortal life of the soul.
[ 6 ] Nun, so könnte man sagen, und man würde das Richtige für eine, wie gesagt, noch nicht gar sehr lange hinter uns liegende Zeit wohl treffen, man kann sagen: So wird der Mensch in sein Leibliches eingeführt, dass er ein tüchtiges Mitglied des Erdenlebens ist zwischen Geburt und Tod, so wird er durch das religiöse Leben aufmerksam gemacht auf sein unsterbliches Teil. Wozu ist noch irgendetwas notwendig, was sich gewissermaßen wie die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie eindrängen will zwischen dieses äußere physische Leben, zwischen die physische Arbeit und die religiöse Offenbarung, die religiöse Verkündigung über den unsterblichen Teil des Menschen?
[ 6 ] Well, one could say, and one would be correct for a time that, as I said, is not very long behind us, one could say: Man is introduced into his physical body in such a way that he is a capable member of earthly life between birth and death, and thus he is made aware of his immortal part through religious life. Why is anything else necessary, such as Spiritual Science or anthroposophy, which seeks to intrude between this outer physical life, between physical work and religious revelation, the religious proclamation of the immortal part of the human being?
[ 7 ] Wer von diesem Gesichtspunkte aus unnötig findet Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, der berücksichtigt eben nicht, was uns die letzten Jahrhunderte, insbesondere die neueste Zeit, gebracht haben, gebracht haben an Einsichten in die Natur, gebracht haben an Erkenntnissen, an bewunderungswürdigen Erkenntnissen über die Naturkräfte, gebracht haben an ganz andersartigen Möglichkeiten, schon in frühester Jugend bekannt zu werden mit ganz anderem, als man in früheren Jahrhunderten in frühester Jugend bekannt geworden ist. Man bedenke nur einmal gründlich, wie man heute als Kind, als Jüngling, durch die Schule, durch die Lehrzeit hindurchgeht und dann in das Leben hineingestellt wird mit Kenntnissen, Fertigkeiten, die ganz andere sind als die früheren; denn sie sind entnommen den großen Fortschritten der letzten Jahrhunderte und der unmittelbaren Gegenwart.
[ 7 ] Anyone who, from this point of view, finds Spiritual Science or anthroposophy unnecessary is not taking into account what the last centuries, especially the most recent times, have brought us, have brought us in terms of insights into nature, have brought us in terms of knowledge, in terms of admirable knowledge about the forces of nature, and in completely different opportunities to become acquainted with things in early youth that are very different from what people in earlier centuries became acquainted with in early youth. Just think carefully about how children and young people today go through school and apprenticeships and are then sent out into life with knowledge and skills that are completely different from those of earlier times, because they are taken from the great advances of the last centuries and the immediate present.
[ 8 ] Nun könnte man sich dem Glauben hingeben, dem sich wirklich viele Menschen im neunzehnten Jahrhundert hingegeben haben, dass die Naturwissenschaft — die wahrhaftig von Geisteswissenschaft nicht verkannt wird, sondern gerade in ihren großen Fortschritten voll anerkannt wird und ganz bewundert wird —, man könnte sagen, sich dem Glauben hingeben, dass die Naturwissenschaft die großen Rätsel des Daseins mit ihren Mitteln löst, dass sie uns einführt in gewisse Fragen, die der Mensch stellen muss, wenn er über sein eigenes Wesen einen sinnvollen Aufschluss haben will. Das hat man geglaubt, insbesondere geglaubt im neunzehnten Jahrhundert. Allein derjenige, der mit vertieften Seelenkräften sich gerade einlebt in dasjenige, was die Naturwissenschaft gebracht hat, was sie dem menschlichen Fortschritt liefert, der wird immer mehr und mehr gewahr, dass für die höchsten Fragen des Menschendaseins dasjenige, was die Naturwissenschaft bringt, nicht Antworten sind, sondern im Gegenteil immer neue und neue Fragen. Und die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts, auch die Gelehrten des neunzehnten Jahrhunderts, haben das viel zu wenig berücksichtigt. Sie haben geglaubt, Antworten zu bekommen auf gewisse Rätselfragen. Aber durch das Bewunderungswürdigste, was die Naturwissenschaft gebracht hat, sind neue Fragen aufgetaucht, die vorher die Menschheit gar nicht gekannt hat. Diese Fragen werden sozusagen uns anerzogen.
[ 8 ] Now one could indulge in the belief, which many people in the nineteenth century really did indulge in, that natural science — which is certainly not misunderstood by Spiritual Science, but is fully recognized and greatly admired precisely for its great advances — one could say, surrender to the belief that natural science solves the great mysteries of existence with its means, that it introduces us to certain questions that human beings must ask if they want to gain meaningful insight into their own nature. This was believed, especially in the nineteenth century. But those who, with deepened soul forces, immerse themselves in what natural science has brought what it contributes to human progress, will become increasingly aware that, when it comes to the highest questions of human existence, what natural science brings are not answers but, on the contrary, ever new questions. And the people of the nineteenth century, including the scholars of the nineteenth century, took far too little account of this. They believed they were getting answers to certain enigmatic questions. But the most admirable achievements of natural science have given rise to new questions that humanity had never known before. These questions are, so to speak, instilled in us.
[ 9 ] Diese Fragen stehen da, und diese Fragen heischen [auf eine Antwort].
[ 9 ] These questions are there, and these questions demand [an answer].
[ 10 ] Nun sind diejenigen Menschen, diejenigen Persönlichkeiten, welche sich zusammenfinden in dem, was man anthroposophische Gesellschaft nennt, in gewisser Beziehung dadurch Pioniere einer neuen Zeit, dass sie ganz besonders tief fühlen, was man an Fragen, an Rätselfragen mitbringt aus diesem neuen Leben heraus, was wir uns ja nicht willkürlich machen, sondern was einfach der ganz naturgemäße, notwendige Fortschritt der Menschheit macht, Fragen, welche durch die neuere Wissenschaft gestellt werden, aber nicht nur dem gestellt werden, der sich tiefer einlässt in die Wissenschaft, sondern jedem gestellt werden, der mit tieferen Sinnen teilnimmt an unserer heutigen Schulerziehung, die ganz anders ist als die vor Jahrhunderten.
[ 10 ] Now, those people, those personalities who come together in what is called the Anthroposophical Society, are in a certain sense pioneers of a new era in that they feel particularly deeply what questions, what enigmatic questions arise from this new life, which we do not create arbitrarily, but which is simply the natural, necessary progress of humanity, questions that are posed by modern science, but not only posed to those who are deeply involved in science, but posed to everyone who participates with deeper senses in our school education today, which is very different from that of centuries ago.
[ 11 ] Bei jedem solchen [Menschen] entstehen solche Fragen, die Antwort heischen. Und würde eine Antwort nicht kommen auf solche Fragen, so müssten sich gewisse Folgen ergeben für das menschliche Leben, welche, man könnte sagen, wenn man sie heute zeichnet, sich in gewisser Beziehung grausig ausnehmen für die Menschenzukunft. Man könnte sich ja denken, dass die Menschen sich abstumpfen würden gegenüber den eben besprochenen Fragen und Rätseln. Abstumpfen, gewissermaßen sich betäuben, das kann man. Aber dann lähmt man gewisse Geisteskräfte, die der Mensch einmal hat, die naturgemäß in der Menschennatur sind. Man lähmt sie, und es tritt dann das menschliche Seelenleben in ein Stadium ein, welches zu vergleichen ist, bildhaft zu vergleichen ist etwa mit dem Zustand, in den man kommen würde, wenn man wüsste, man habe zwei Hände, aber sie seien einem irgendwie gebunden; man könne sie nicht entfalten, man könne mit ihnen nichts anfangen. Kräfte, die der Mensch hat, und mit denen er nichts anfangen kann, die wirken auf ihn lähmend. Und durch das immer weiter und weiter um sich greifende Fühlen einer solchen Lähmung gewisser Seelenkräfte würde das menschliche Leben eintreten in einen Zustand von Gleichgültigkeit. Das, dass man sich betäuben muss über gewisse vorhandene Kräfte, würde zu einer Gleichgültigkeit, zu einer völligen Interesselosigkeit führen müssen gegenüber auch den religiösen Fragen, gegenüber der religiösen Empfindung.
[ 11 ] Such questions arise in every such [person], demanding answers. And if no answer were to come to such questions, certain consequences would ensue for human life which, one might say, if one were to describe them today, would appear in a certain respect gruesome for the future of humanity. One might think that people would become numb to the questions and mysteries just discussed. Becoming numb, numbing oneself, so to speak, is possible. But then one paralyzes certain mental powers that humans once had, that are natural to human nature. One paralyzes them, and then the human soul enters a stage that can be compared, figuratively speaking, to the state one would be in if one knew that one had two hands, but they were somehow bound; one could not unfold them, one could not do anything with them. Powers that humans have and cannot use have a paralyzing effect on them. And through the ever-increasing feeling of such paralysis of certain soul forces, human life would enter into a state of indifference. The fact that one must numb oneself to certain existing forces would inevitably lead to indifference, to a complete lack of interest in religious questions and religious feeling.
[ 12 ] Die Vorboten einer solchen Gleichgültigkeit gegenüber dem religiösen Leben, sie sind durchaus im neunzehnten Jahrhundert vorhanden gewesen. Ich will von einem Beispiel sprechen — nicht von einem Beispiel, das sich darbietet in der Reihe der zahlreichen Gelehrten, die glaubten, durch Naturwissenschaft das religiöse Leben ersetzen zu können, die glaubten, alles unmittelbar Geistige ablehnen zu können als Gelehrte —, sondern ich [möchte] sprechen von einem einfachen Mann aus dem Volke, der gewissermaßen aber, man könnte sagen [wie] eine Vorbedeutung ist für viele, viele, die da kommen wollen. Ich meine den Bauern, der in der oberösterreichischen Alpengegend im neunzehnten Jahrhundert, man kann sagen wie ein Märtyrer gelebt hat: Konrad [Deubler]. Deubler hat sich eingeführt in das naturwissenschaftliche Leben des neunzehnten Jahrhunderts. Er hat in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gelebt. Er hat sich zunächst in seiner Jugend eine Zeit lang vertieft in eine Persönlichkeit, die insbesondere hier in der Schweiz bekannt ist, die in feinsinniger Weise versuchte, in ihrer Art in die geistigen Geheimnisse der Welt einzudringen, in Zschokke; aber er ist bald abgekommen von dieser Seelenvertiefung in die Welt. Und Konrad Deubler hat sich ganz hinnehmen lassen von der materialistischen Gestaltung des Darwinismus, hat sich ganz hinreißen lassen von dem Haeckelismus, hat endlich ganz den Glauben bekommen, dass alles Unsinn ist, was über irgendeine geistige Welt aus irgendwelchen Quellen her gesagt wird, und glaubte die Welt nur aus materiellen Stoffen und materiellen Kräften auferbaut. Er, der einfache Bauer, wurde ein vollständiger Ableugner aller geistigen Wesenheiten und aller geistigen Kräfte. Und man darf ihn nennen gewissermaßen einen Märtyrer seiner Überzeugung, denn innerhalb eines klerikalen Gebietes hat er müssen für seine Überzeugung jahrelang im Kerker sitzen in den Fünfzigerjahren, wo das noch möglich war. Also, es ist nicht ein Mensch, der aus irgendeinem äußerlichen Sinne heraus diese Anschauung angenommen hat, sondern ein Mensch, der ganz und gar verführt durch die Strömungen und Strebungen seines Jahrhunderts zu dieser Art materialistischer Lebensauffassung gekommen ist.
[ 12 ] The harbingers of such indifference toward religious life were certainly present in the nineteenth century. I want to speak of one example—not an example that can be found among the numerous scholars who believed that natural science could replace religious life, who believed that as scholars they could reject everything directly spiritual—but I [would like] to talk about a simple man from the people who, in a sense, could be said to be a precursor for many, many who are to come. I am referring to the farmer who lived in the Upper Austrian Alpine region in the nineteenth century and who, one might say, lived like a martyr: Konrad Deubler. Deubler introduced himself into the scientific life of the nineteenth century. He lived in the second half of the nineteenth century. In his youth, he first immersed himself for a time in a personality who is particularly well known here in Switzerland, who in a subtle way attempted to penetrate the spiritual mysteries of the world in his own way, in Zschokke; but he soon strayed from this soulful immersion in the world. And Konrad Deubler allowed himself to be completely taken in by the materialistic conception of Darwinism, became completely carried away by Haeckelism, and finally came to believe that everything said about any spiritual world from any source was nonsense, and believed that the world was built only of material substances and material forces. He, the simple farmer, became a complete denier of all spiritual beings and all spiritual forces. And one may call him, in a sense, a martyr to his convictions, for within a clerical area he had to sit in prison for years in the 1850s, when that was still possible, because of his convictions. So, he is not a person who has adopted this view from some external source, but a person who has been completely seduced by the currents and aspirations of his century into this kind of materialistic view of life.
[ 13 ] Dasjenige, was allgemein wird in der Menschheit, zeigt sich in solchen einzelnen Vorboten. Es könnten ja — Deubler ist nur das berühmtest gewordene Beispiel —, es könnten ja viele solche Beispiele angeführt werden. Sie würden den Beweis liefern, dass es allerdings eine Verirrung des menschlichen Sinnes gibt, dahingehend, zu glauben, dass Naturwissenschaft gewissermaßen eine umfassende Erklärung des Sinnes der Welt geben kann. Das aber führt nach und nach zu der charakterisierten Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit. Und man verkennt vollständig dasjenige, was in der neueren Entwicklung lebt, wenn man glaubt, durch die Bekämpfung von Geisteswissenschaft dem religiösen Leben zu dienen. Das naturwissenschaftliche Leben, das wird man nicht unterbinden können, denn das lebt sich ein in die Einrichtungen, die der Mensch braucht, in all dasjenige, was als Nützliches im Dasein besteht, und das nimmt der Mensch wohl an. Wenn aber der menschliche Sinn einseitig auf dieses Naturwissenschaftliche gerichtet ist, dann verliert der Mensch den Zusammenhang mit dem geistigen Leben, mit dem Unsterblichen in seinem eigenen Innern. Daher sind diejenigen, die sich zusammengefunden haben in der Anthroposophischen Gesellschaft, sich wohl klar darüber, dass in der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie nicht irgendwie etwas Irr- oder Antireligiöses ist, sondern im Gegenteil ein Band zwischen den großen Fortschritten der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und zwischen dem religiösen Leben des Menschen.
[ 13 ] What is becoming common in humanity is revealed in such individual harbingers. There could be — Deubler is only the most famous example — many such examples could be cited. They would provide proof that there is indeed an aberration of the human mind in believing that natural science can, in a sense, provide a comprehensive explanation of the meaning of the world. But this gradually leads to the indifference and lack of interest that has been described. And one completely misjudges what is alive in recent developments if one believes that the The life of Spiritual Science cannot be stopped, for it is embedded in the institutions that human beings need, in all that is useful in existence, and human beings accept this. But if the human mind is focused one-sidedly on this natural science, then human beings lose their connection with spiritual life, with the immortal within themselves. Therefore, those who have come together in the Anthroposophical Society are well aware that there is nothing misguided or anti-religious in Spiritual Science or anthroposophy, but on the contrary, a link between the great advances in scientific knowledge and the religious life of human beings.
[ 14 ] Von der Naturwissenschaft, sehr verehrte Anwesende, kann man, wenn man wirklich in ihren Sinn eindringt, in einer gewissen Weise sagen, sie führt den Menschen zu einer Erkenntnis, die sich nicht über den Menschen selber erstrecken kann. Das haben übrigens gerade tiefergehende Naturforscher im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts wohl erkannt. Und berühmt geworden ist ja jene Rede, welche du Bois-Reymond in den Siebzigerjahren in Leipzig gehalten hat, und die geschlossen hat mit dem Ignorabimus; wir werden niemals die Weltenrätsel lösen, wir werden niemals wissen, so meinte du Bois-Reymond, warum. Er meinte: Wenn man noch so sehr die Geheimnisse der Natur mit den naturwissenschaftlichen Methoden erforscht, so findet man zuletzt niemals die Möglichkeit, dasjenige gerade irgendwie zu erklären, was uns rätselhaft berührt und im menschlichen Leben selbst entgegentritt: das menschliche Seelenbewusstsein. Ja, man findet nicht einmal die Möglichkeit, draußen in der Welt, dasjenige zu erklären, was der Materie selbst zugrunde liegt. Naturwissenschaft taugt nicht dazu, Materie und Bewusstsein zu erklären. Das heißt, ein einsichtiger Naturforscher, der aber nur noch nicht genug einsichtig ist, bekennt: Wissenschaft müsse das Tor zuschließen vor den bedeutsamsten Rätseln des menschlichen Lebens. Und auch in vieler anderen Beziehung kann man sagen, dass Naturwissenschaft gewissermaßen den Menschen als geistiges Wesen herausdrängt aus ihrer Forschung. Sie drückt ihn heraus. Das zeigt sich, wenn man so etwas betrachtet, was sich als die neuere Anschauung herausgebildet hat von der Entwicklung des Weltenalls.
[ 14 ] If one really penetrates the meaning of natural science, dear friends, one can say in a certain way, it leads people to a knowledge that cannot extend beyond themselves. Incidentally, this was recognized by more profound natural scientists in the course of the nineteenth century. And the speech that du Bois-Reymond gave in Leipzig in the 1870s, which concluded with the Ignorabimus, has become famous; we will never solve the mysteries of the world, we will never know, said du Bois-Reymond, why. He meant: No matter how much we explore the secrets of nature using scientific methods, we will never find a way to explain what touches us mysteriously and confronts us in human life itself: human soul consciousness. Indeed, we cannot even find a way to explain what underlies matter itself out there in the world. Natural science is not suited to explaining matter and consciousness. This means that a perceptive natural scientist, who is not yet perceptive enough, admits that science must close the door on the most significant mysteries of human life. And in many other respects, too, it can be said that natural science, in a sense, pushes human beings as spiritual beings out of its research. It pushes them out. This becomes apparent when one considers something that has emerged as the newer view of the development of the universe.
[ 15 ] Ich weiß sehr wohl, sehr verehrte Anwesende, dass diese Anschauung vielen Wandlungen unterworfen war, und dass vielleicht mancher dasjenige, was ich jetzt sage, schon wieder als veraltet bezeichnen kann. Allein darum handelt es sich nicht. Dasjenige, was auch heute gesagt wird über dasselbe Ding, ist von demselben Geiste ausgehend. Man hat sich allmählich ausgebildet eine Anschauung, eine naturwissenschaftliche Anschauung, wie sich so die Erde gebildet habe. Die Erde habe sich gebildet aus einer Art Urnebel heraus, ein Urnebel, in dem nichts anderes vorhanden war als lose Kräfte. Durch die Wallung und Drehung dieses Urnebels habe sich allmählich die Erde, die anderen Planeten gelöst, und durch die Fortentwicklung derselben Kräfte, die einstmals in diesem Urnebel gewesen sind, ist alles dasjenige entstanden, was wir jetzt auf der Erde bewundern, einschließlich des Menschen. Diese Ansicht ist ungemein leicht beweisbar, und sie wird den Kindern in der Schule beigebracht. Sie ist leicht beweisbar — denn ein ganz einfaches Experiment braucht man nur den Kindern vorzumachen, und man kann anschaulich — und das Anschauliche lieben ja heute die Menschen —, man kann anschaulich zeigen, wie wirklich durch eine solche Drehung einer Körperlichkeit ein kleines Weltensystem entstehen kann.
[ 15 ] I am well aware, dear audience, that this view has undergone many changes, and that some may already consider what I am about to say to be outdated. But that is not the point. What is said today about the same thing is based on the same spirit. Gradually, a view has developed, a scientific view, of how the Earth was formed. The Earth was formed from a kind of primordial nebula, a primordial nebula in which nothing else existed but loose forces. Through the agitation and rotation of this primordial nebula, the Earth and the other planets gradually separated, and through the further development of the same forces that once existed in this primordial nebula, everything that we now admire on Earth came into being, including human beings. This view is extremely easy to prove, and it is taught to children in school. It is easy to prove — because you only need to show children a very simple experiment, and you can clearly demonstrate — and people today love clarity — you can clearly demonstrate how such a rotation of a physical body can actually create a small world system.
[ 16 ] Man braucht nur einen Tropfen zu nehmen einer Substanz, die auf dem Wasser schwimmt, einen kugelförmigen Tropfen, braucht den in der Äquatorebene zu teilen, sodass man durchschneidet ein Kartenblatt, das man entsprechend groß dem Äquator geschnitten hat, dann steckt man eine Stecknadel hinein und gibt das auf die Wasseroberfläche und dreht und dreht, und in der Tat, es lösen sich kleine Tröpfchen ab, ein kleines Weltensystem entsteht! Wie sollte man nicht nun sagen können: Nun, seht ihr, da habt ihr ja die ganze Weltentstehung im Kleinen. Die Kinder begreifen das, denn nichts ist begreiflicher als dieses. Es wird dabei nur immer eines vergessen — und wenn es auch manchmal gut ist in der Welt, recht gut ist, sich selbst zu vergessen, so ist es nicht beim naturwissenschaftlichen Experimentieren gut. Dieses Tröpfchen würde nämlich nichts absondern von kleinen Tröpfchen, wenn nicht der Herr Lehrer dastehen würde und würde die Nadel drehen! Da man aber alles dasjenige, was notwendig ist bei der Entstehung einer Sache, mit berücksichtigen muss, so müsste derjenige, der das den Leuten vormacht, den Leuten klarmachen, dass da auch ein großer Professor oder Lehrer, ein Riesen-Professor draußen im Weltenall da sein muss, der da eine Nadel durchsteckt und das Ganze in Rotation sein lässt — sonst vergisst man sich.
[ 16 ] All you need to do is take a drop of a substance that floats on water, a spherical drop, divide it at the equator, so that you cut through a map sheet that you have cut to the size of the equator, then stick a pin in it and place it on the surface of the water and turn and turn, and indeed, small droplets detach themselves, a small world system emerges! How could you not say: Well, look, there you have the entire creation of the world in miniature. Children understand this, because nothing is more comprehensible than this. Only one thing is always forgotten — and even if it is sometimes good in the world, quite good, to forget oneself, it is not good when conducting scientific experiments. This droplet would not separate into small droplets if the teacher were not standing there turning the needle! But since everything that is necessary for the creation of something must be taken into account, the person demonstrating this to people must make it clear to them that there must also be a great professor or teacher a giant professor out there in the universe who sticks a needle through it and keeps the whole thing rotating — otherwise one forgets oneself.
[ 17 ] Menschen allerdings, welche sich tiefer einlassen konnten in dasjenige, was in der Welt lebt und webt, die haben immer das Ungesunde einer solchen Anschauung erkannt. Und ich will nun ein Beispiel, das ich angeführt habe in meinem letzten Buche über das «Menschenrätsel», ich will nur ein Beispiel eines Mannes anführen, der nun nicht aus Geisteswissenschaft heraus, sondern aus einer gewissen Empfindung heraus energisch abgelehnt hat, dass eine solche Vorstellung irgendwie etwas beitragen könne zu einer wirklichen Erklärung der Welten- und Menschheitsrätsel. Herman Grimm, der große Kunstforscher, vertrat die Anschauung, dass Goethe niemals in seinem Leben sich eingelassen hätte auf eine solche rein äußerliche Erklärung der Weltenentwicklung. Herman Grimm sagt:
[ 17 ] However, people who were able to delve deeper into what lives and weaves in the world have always recognized the unhealthiness of such a view. And I would now like to give an example that I cited in my last book on the “human enigma.” I would like to cite just one example of a man who, not out of Spiritual Science, but out of a certain feeling, energetically rejected the idea that such a mental image could in any way contribute to a real explanation of the riddles of the world and humanity. Herman Grimm, the great art researcher, held the view that Goethe would never in his life have accepted such a purely external explanation of the development of the world. Herman Grimm says:
Längst hatte, in seinen
Long ago, in his
— Goethes —
— Goethe's —
Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem [heutigen] Publikum völlig begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens [mehr bedürfe], als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
Es kann
youth, the great Laplace-Kant fantasy of the origin and eventual demise of the globe had already taken hold. From the rotating nebula — children already learn this in school — the central gas drop forms, which subsequently becomes the Earth, and, as a solidifying sphere, goes through all phases in inconceivable periods of time, including the episode of habitation by the human race, only to finally fall back into the Sun as burnt-out slag: a long, but completely comprehensible process for today's audience, for the realization of which no external intervention is now necessary other than the effort of some outside force to maintain the sun at the same heating temperature.
It can.
— sagt Herman Grimm weiter —
— Herman Grimm continues —
keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.
Niemals
no more fruitless perspective for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass around which a hungry dog made a detour would be a refreshing, appetizing morsel compared to this last excrement of creation, as which our Earth would ultimately fall back to the Sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be true, a sign of a sick imagination, which can be explained as a historical phenomenon of our time,to which scholars of future epochs will once devote much acumen.
Never
— meint Herman Grimm —
— says Herman Grimm —
hat Goethe solchen Trostlosigkeiten Einlass gewährt.
Goethe has given way to such desolation.
[ 18 ] Dasjenige, was in Herman Grimm, ja noch nicht in der Zeit der Entstehung der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie auftauchte als Empfindung, das verdient wohl berücksichtigt zu werden; denn es zeigt, dass im Menschen eine Empfindung besteht, die nach anderer Lösung der großen Weltendaseinsfrage drängt, als diejenige ist, welche von der, allerdings — immer wieder sei es betont — bewunderungswürdigen Naturwissenschaft herkommen kann. Nein, das gerade zeigt der wirkliche Gang der naturwissenschaftlichen Entwicklung, dass diese Naturwissenschaft Fragen aufzuwerfen in der Lage ist, dass aber Antworten darauf von einer anderen Seite herkommen müssen. Und diese Antworten darauf, sie will Geisteswissenschaft oder Anthroposophie geben. Aber allerdings muss Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dazu zu ganz anderen Erkenntniskräften greifen; als diejenigen sind, an welche sich die Naturwissenschaft mit Recht hält.
[ 18 ] What appeared in Herman Grimm, even before the emergence of Spiritual Science or anthroposophy, as a feeling, deserves to be taken into account, for it shows that there is a feeling in human beings that urges a different solution to the great question of world existence than that which can come from the, admittedly — and this must be emphasized again and again — admirable natural science. No, the actual course of scientific development shows that natural science is capable of raising questions, but that the answers to these questions must come from another source. And it is Spiritual Science or anthroposophy that seeks to provide these answers. However, Spiritual Science or anthroposophy must resort to completely different powers of cognition; than those to which natural science rightly adheres.
[ 19 ] Ich habe über die Entwicklung dieser Erkenntniskräfte, dieser übersinnlichen Erkenntniskräfte in der menschlichen Natur beim vorigen Vortrage, den ich hier halten durfte, gesprochen. Ich will dasjenige, was in jenem Vortrage gesagt worden ist, nicht wiederholen, will nur darauf hinweisen, dass zu den gewöhnlichen Seelenkräften, die der Mensch hat, und die er auch anwendet, wenn er naturwissenschaftlich erkennt, andere hinzu entwickelt werden können, so, dass diese anderen Erkenntniskräfte, die dann der Mensen hat, sich vergleichen lassen mit den gewöhnlichen Erkenntniskräften, wie das musikalische Ohr mit der Anschauung, ich möchte sagen der bloß schwingenden Saite oder mit der Berechnung der bloßen schwingenden Luftwelle.
[ 19 ] I spoke about the development of these powers of cognition, these supersensible powers of cognition in human nature, in the previous lecture I was allowed to give here. I do not want to repeat what I will not repeat what was said in that lecture, but only point out that, in addition to the ordinary soul forces that human beings possess and use when they recognize things scientifically, other forces can be developed so that these other powers of cognition, which the human being then has, can be compared with the ordinary powers of cognition, just as the musical ear can be compared with the perception, I might say, of the mere vibrating string, or with the calculation of the mere vibrating air wave.
[ 20 ] Gewiss, in der Außenwelt zeigt uns die Anschauung, die Wissenschaft mit Recht; wenn wir etwas hören, auch wenn wir die komplizierteste Symphonie hören, dann bestehen gewisse Bewegungen in der Luft. Diese Bewegungen in der Luft — man kann sie durch naturwissenschaftliche Erkenntnis anschaulich machen; aber der Mensch bleibt nicht stehen dabei, dasjenige nur anzuschauen, was da im Raume vor sich geht, sondern der Mensch hat das musikalische Ohr, durch das er anders wahrnimmt, dasjenige, was da draußen ist, als wenn er das musikalische Ohr nicht hätte. Gewissermaßen ist derjenige, der ein Geistesforscher ist, ein Mensch, welcher entwickelt hat ein Anschauungsvermögen gegenüber der Welt, das sich verhält wie das musikalische Ohr zu dem nicht musikalischen Ohr. Die Erscheinungen der Welt werden wahrhaftig gerade so hingenommen von dem Geistesforscher, wie die Naturwissenschaft sie hinnimmt. Aber der Geistesforscher hat in sich Kräfte und Fähigkeiten entwickelt, welche dasjenige wahrzunehmen vermögen, was ohne diese Fähigkeiten eben nicht wahrgenommen werden kann. Wie diese Fähigkeiten entwickelt werden, das will ich eben nicht wiederholen, das ist Gegenstand jenes Vortrages vom Anfange dieses Jahres gewesen, der ja auch gedruckt ist unter dem Titel: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach», sodass es nachgelesen werden kann. Ich will nur erwähnen, dass keineswegs jeder ein Geistesforscher zu werden braucht, welcher die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie in einer entsprechenden Weise für seine Seele fruchtbringend machen will.
[ 20 ] Certainly, in the external world, intuition rightly shows us, science shows us, that when we hear something, even when we hear the most complicated symphony, there are certain movements in the air. These movements in the air can be illustrated by scientific knowledge; but human beings do not stop at merely observing what is happening in space, for they have a musical ear through which they perceive what is out there in a different way what is out there, as if they did not have a musical ear. In a sense, a spiritual researcher is a person who has developed a capacity for perception of the world that is like the musical ear to the non-musical ear. The phenomena of the world are truly accepted by the spiritual researcher in the same way that natural science accepts them. But the spiritual researcher has developed powers and abilities within themselves that enable them to perceive what cannot be perceived without these abilities. I do not want to repeat how these abilities are developed, as this was the subject of a lecture at the beginning of this year, which has also been printed under the title: “The Task of Spiritual Science and Its Structure in Dornach,” so that it can be read. I will only mention that by no means does everyone who wants to make Spiritual Science or anthroposophy fruitful for their soul in an appropriate way need to become a spiritual researcher.
[ 21 ] Der Geistesforscher verhält sich nicht zu dem anderen Menschen, der nur dasjenige lernt und aufnimmt, was die Ergebnisse der Geistesforschung sind, wie der Naturforscher zu dem anderen Menschen, welcher Resultate mitteilt, welche dann entgegengenommen werden als Offenbarungen über die Natur — nein, der Geistesforscher selbst bereitet gewissermaßen nur das Instrument zu. Dadurch, dass er sich gewisse Fähigkeiten aneignet, bereitet der Geistesforscher nicht eigentlich die Resultate der Erkenntnis vor, sondern das Instrument, welches aber immer rein geistig-seelisch ist, und welches hineingeheimnisst werden kann in dasjenige, was dann gewesen oder gehört werden kann. Während derjenige, welcher die Werkzeuge für ein äußeres chemisches oder klinisches Experiment vorbereitet, eben äußere Werkzeuge zusammenstellt, durch welche dann anschaulich wird irgendein Naturgeheimnis, bereitet der Geistesforscher auch nur ein solches, aber rein seelisch-geistig, vor. Wenn er dieses zustande gebracht hat, dann kann cs für jeden Unbefangenen wirklich brauchbar sein, denn es fließt vollständig in die Worte, die mitgeteilt werden können, in die Begriffe, in die Ideen, die mitgeteilt werden können, hinüber.
[ 21 ] The spiritual researcher does not relate to other people, who only learn and absorb the results of spiritual research, in the same way that the natural scientist relates to other people who communicates results that are then received as revelations about nature — no, the spiritual researcher himself, in a sense, only prepares the instrument. By acquiring certain abilities, the spiritual researcher does not actually prepare the results of knowledge, but rather the instrument, which is always purely spiritual-soul-based and which can be initiated into that which then was or can be heard. While the person who prepares the tools for an external chemical or clinical experiment assembles external tools through which some secret of nature then becomes visible, the spiritual researcher also prepares only such a tool, but one that is purely soul-spiritual. Once he has achieved this, it can be truly useful for anyone who is unbiased, because it flows completely into the words that can be communicated, into the concepts and ideas that can be communicated.
[ 22 ] Daher ist auch die geisteswissenschaftliche Literatur anders aufzufassen als die andere Literatur. Die naturwissenschaftliche Literatur teilt gewisse Ergebnisse mit, von denen unterrichtet man sich. Die geisteswissenschaftliche Literatur ist nicht so aufzufassen. Die geisteswissenschaftliche Literatur ist natürlich in dem, was sie enthält, ein Instrument in der Seele eines jeden. Durchdringt man sich mit diesen Begriffen, die niedergelegt sind in der geisteswissenschaftlichen oder anthroposophischen Literatur, dann hat man nicht ein bloßes totes Ergebnis, von dem man sich unterrichtet, vor sich, sondern man hat ein lebendiges Ergebnis, ein Instrument vor sich. Und derjenige, der ein geisteswissenschaftliches Buch durchliest, der merkt; wenn er es recht durchliest, mit wirklichem innerem Anteil durchliest, dann geht dasjenige, was darinnen steht, in sein Seelenleben über, dann kommt sein Seelenleben selber in eine Art Mitschwingung mit dem ganzen geistigen Dasein, und er fasst dasjenige, was er sonst nur mit den Sinnen auffasst, das fasst er geistig auf.
[ 22 ] Therefore, literature from Spiritual Science must also be understood differently from other literature. Scientific literature communicates certain results, from which one learns. Literature on Spiritual Science should not be understood in this way. In terms of its content, literature on Spiritual Science is, of course, an instrument in the soul of every individual. If one immerses oneself in these concepts, which are laid down in literature on Spiritual Science or anthroposophy, then one does not have a mere dead result from which one learns, but a living result, an instrument. And those who read a Spiritual Science book, if they read it properly, with real inner involvement, then what is written in it will enter into their soul life, then their soul life itself will enter into a kind of resonance with the whole spiritual existence, and they will grasp what they would otherwise only grasp with their senses, they will grasp it spiritually.
[ 23 ] Wenn dies noch wenig erkannt wird, sehr verehrte Anwesend, so ist der Grund einzig und allein darinnen zu suchen, dass wir erst am Anfange der geisteswissenschaftlichen Entwicklung stehen. Wird diese geisteswissenschaftliche Entwicklung fortschreiten, dann wird man immer mehr und mehr erkennen, dass man in einem wirklich echt geisteswissenschaftlich geschriebenen Buch nicht etwas vor sich hat wie in einem gewöhnlichen Buch, [sondern etwas vor sich] hat wie in einem naturwissenschaftlichen [Instrument], durch das man ein Experiment ausführen kann, durch das sich gewisse Geheimnisse, geheime Zusammenhänge enthüllen. Nur muss man sich klar sein darüber, dass das geisteswissenschaftliche Instrument eben ein rein geistig-seelisches ist, dass die Begriffe und Ideen, die wir aufnehmen durch ein solches Instrument, in unserer Seele wirksam sind. Wenn selbst noch die Mehrzahl derjenigen, welche schon innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft stehen, dies nicht in der richtigen Weise beurteilen, so wird dies schon kommen.
[ 23 ] If this is still little recognized, dear attendees, the reason for this is to be found solely in the fact that we are only at the beginning of development in Spiritual Science. If this development in Spiritual Science continues, then people will recognize more and more that a book written in a truly spiritual scientific way is not like an ordinary book, [but rather] like a scientific instrument with which one can carry out an experiment that reveals certain secrets and hidden connections. One must only be clear that the instrument of Spiritual Science is a purely spiritual-soul instrument, that the concepts and ideas we take in through such an instrument are effective in our soul. Even if the majority of those who are already members of the Anthroposophical Society do not yet appreciate this in the right way, it will come.
[ 24 ] Und gerade aus dem Grund, sehr verehrte Anwesende, weil Geisteswissenschaft oder Anthroposophie noch im Anfange ihrer Entwicklung ist, so ist es ganz begreiflich, ich möchte sagen selbstverständlich, dass man heute noch über die Ergebnisse, zu denen man durch die entwickelten Fähigkeiten des Geistesforschers kommt, lacht, dass man sie verhöhnt. Aber dieses Lachen, dieses Verhöhnen, es wird im Laufe der Zeit immer mehr und mehr, wenn die Bedürfnisse, die heute noch in der Mehrzahl der Menschen schlummern, aufwachen werden, es wird verschwinden! Und wie für manches, was für die Menschheit im Laufe ihrer Entwicklung sich ergeben hat, so wird auch für Geisteswissenschaft die allgemeine Anerkennung kommen.
[ 24 ] And precisely for this reason, dear attendees, because Spiritual Science or anthroposophy is still in the early stages of its development, it is quite understandable, I would even say obvious, that today people still laugh at and mock the results achieved through the developed abilities of spiritual researchers. But this laughter, this mockery, will become more and more more as the needs that are still dormant in the majority of people today awaken, it will disappear! And as with many things that have arisen for humanity in the course of its development, general recognition will also come for Spiritual Science.
[ 25 ] Der Geistesforscher erkennt zunächst, dass in dem Menschen, wie er vor den Sinnen vor uns steht, wie er auch erforscht werden kann von der gewöhnlichen, mit äußeren Mitteln arbeitenden Naturwissenschaft, nur ein Teil, nur ein Glied der ganzen menschlichen Wesenheit vor uns steht, und dass innerhalb der ganzen menschlichen Natur zu diesem Sinnenmenschen, zu diesem physischen äußeren Menschen hinzukommt ein übersinnlicher Mensch — ein übersinnlicher Mensch, der in dem sinnlichen Menschen wirkt und lebt, und ohne den der sinnliche Mensch in jedem Augenblicke seines Lebens ein Leichnam sein müsste, kein wirklicher Mensch sein könnte, sondern ein Leichnam sein müsste. Denn der Geistesforscher entdeckt, dass ebenso, wie man durch das physische Auge die Farbe sieht, man durch das — um diesen Goethe’schen Ausdruck wieder zu gebrauchen, wie schon im Beginne dieses Jahres vor Ihnen vorgetragen —, dass man durch dieses «geistige Auge» schauen kann innerhalb dieses physischen Menschen den sogenannten — auf den Ausdruck kommt es nicht an, und ich bitte, sich durchaus nicht an Worten zu stoßen, ich könnte ebenso gut ein anderes Wort gebrauchen —, den sogenannten ätherischen Menschenleib.
[ 25 ] The spiritual researcher first recognizes that in the human being as he stands before our senses, as he can also be researched by ordinary natural science working with external means, only a part, only a limb of the whole human being stands before us, and that within the whole human nature, in addition to this sensory human being, to this physical external human being, there is a supersensible human being — a supersensible human being who works and lives in the sensory human being, and without whom the sensory human being would have to be a corpse at every moment of his life, could not be a real human being, but would have to be a corpse. For the spiritual researcher discovers that just as one sees color through the physical eye, one can see through the — to use Goethe's expression again, as I presented to you at the beginning of this year — one can see through this “spiritual eye” within this physical human being the so-called — the expression is not important, and I ask you not to take offense at the words, I could just as well use another word — the so-called etheric human body.
[ 26 ] In dem physischen Menschenleib steckt der ätherische Menschenleib übersinnlich darinnen, der nicht durch physische Augen gesehen werden kann, sondern der mit dem geistigen Auge geschaut werden kann. Man kann darüber spotten, dass der Geistesforscher zu dem physischen Menschen diesen ätherischen Menschen hinzufügt; allein, so wie der Mensch als physischer Mensch — das ist ja eine Errungenschaft der modernen Naturlehre — die Kräfte und Stoffe in sich hat mit ihren Wirksamkeiten, die in seiner physischen Erdenumgebung sind, so hat der Mensch in sich auch geistige Kräfte. Zunächst berücksichtigen wir diejenigen des sogenannten Ätherleibes. Er hat geistige Kräfte in sich, und diese geistigen Kräfte, wir können sie ebenso in der Umgebung des Menschen aufsuchen, wie wir die physischen Kräfte, die der Mensch in sich trägt, durch Naturwissenschaft in der irdischen Umgebung finden. Aber wir müssen dann eben mit dem geweckten Auge des Geistesforschers anschauen dasjenige, was geistig auch in unserer Umgebung ist.
[ 26 ] The etheric human body is contained within the physical human body in a supersensible way; it cannot be seen with the physical eyes, but can be seen with the spiritual eye. One may scoff at the fact that the spiritual researcher adds this etheric human being to the physical human being; however, just as the human being as a physical human being — this is an achievement of modern natural science — has within itself the forces and substances with their effects that are in its physical earthly environment, so too does the human being have spiritual forces within itself. First of all, we consider those of the so-called etheric body. He has spiritual powers within him, and we can seek out these spiritual powers in the human environment just as we find the physical powers that man carries within himself in the earthly environment through natural science. But then we must look with the awakened eye of the spiritual researcher at what is also spiritually present in our environment.
[ 27 ] Nun will ich zunächst ein Resultat vor Ihre Seele hinstellen, sehr verehrte Anwesende, welches Ihnen zeigen soll einen gewissen Zusammenhang, der besteht zwischen geistigen Vorgängen in unserer Umgebung und geistigen Vorgängen, diesen sogenannten ätherischen, übersinnlichen Vorgängen, die ich eben erwähnt habe im Zusammenhang, der zwischen dem äußeren Ätherischen und dem inneren Ätherischen besteht, wie der Zusammenhang besteht zwischen dem äußeren Physischen in der Natur und dem inneren Physischen im Menschen. Mit dem gewöhnlichen menschlichen Anschauen [empfindet] man im Verlaufe eines Jahres, wie, wenn der Frühling kommt, die Pflanzen aufsprießen, wie sie immer mehr und mehr Grünes, wie sie dann später die Blüten entwickeln, wie in den Blüten die Früchte entstehen. Wir erleben wiederum das Abwelken, das Vergehen der Pflanzen. Wir erleben abwechselnd mit dem sommerlichen Gedeihen in der Natur das winterliche Ruhevolle, wie man meint. So stellt sich zunächst für die äußere Sinnesbeobachtung der Jahreslauf dar. Aber für diese Sinnesbeobachtung, sehr verehrte Anwesende, stellt sich eben nur dasjenige im Jahreslaufe dar, was auf einem anderen Gebiete jemand sehen würde, der taub wäre, der nur durch das Auge die schwingende Saite sehen würde an der Violine und nicht hören würde, dass diese klingende Seite von Tönen begleitet ist. Das geistige Auge, das geistige Anschauungsvermögen fügt hinzu zu diesem Wechsel im Gedeihen und in der Ruhe, der da ist für den Geistesforscher wie die schwingende Saite, eine Art geistigen Hörens und geistigen Schauens. Und während man physisch aus der Erde heraus sprießen sieht die Pflanzen, so wie sie vor dem Auge da sein können, so schaut der Geistesforscher in dem Maße, indem die Pflanzen aus der Erde herauskommen, von der Umgebung der Erde, von dem Außerirdischen sich Wesenhaftes gegen die Erde zu bewegen. Wirklich, so paradox das heute noch klingt, wirklich, wie die Menschen Elektrizität, die sie früher nicht erkannt haben, anwenden, nicht nur erkennen, so werden sie erkennen, was mit jedem Frühling einströmt, was im Winter zunächst nicht einströmt aus der außerirdischen Welt. Und während man mit dem physischen Auge nur sieht, gleichsam vom Boden heraufwachsen die physischen Pflanzen, sieht man herein sich senken aus der ganzen kosmischen Weltumgebung geistige Wesenheit, ätherische Wesenheit.
[ 27 ] Now I would first like to present a result to your soul, dear audience, which is intended to show you a certain connection that exists between spiritual processes in our environment and spiritual processes, these so-called ethereal, supersensible processes that I have just mentioned in connection with the connection that exists between the outer ethereal and the inner ethereal, just as there is a connection between the outer physical in nature and the inner physical in human beings. With ordinary human perception , we experience how, when spring comes, the plants sprout, how they become more and more green, how they later develop flowers, how the fruits develop in the flowers. We experience again the withering, the passing of the plants. We experience, alternating with the summery flourishing in nature, the wintery tranquility, as one might think. This is how the course of the year presents itself to the outer sensory observation. But for this sensory observation, dear attendees, only that which someone who is deaf would see in another realm, who would only see the vibrating string on the violin and would not hear that this sounding string is accompanied by tones. The spiritual eye, the spiritual power of perception, adds to this alternation between growth and rest, which is there for the spiritual researcher like the vibrating string, a kind of spiritual hearing and spiritual seeing. And while one physically sees the plants sprouting out of the earth, just as they can be seen before the eye, so the spiritual researcher sees, to the extent that the plants come out of the earth, beings moving toward the earth from the surroundings of the earth, from the extraterrestrial. Really, as paradoxical as it still sounds today, really, just as people use electricity, which they did not recognize in the past, not only recognize it, they will also recognize what flows in with each spring, what does not initially flow in from the extraterrestrial world in winter. And while with the physical eye one sees only physical plants growing up from the ground, so to speak, one sees spiritual beings, ethereal beings descending from the entire cosmic environment.
[ 28 ] Und in demselben Maße, indem die physischen Pflanzen immer vollkommener und grüner und gefärbter und gefärbter werden, sieht man, wie gewissermaßen verschwindet dasjenige, was aus der ganzen Erdenumgebung her strömend, von den weitesten Gebieten des Weltenraumes, als lebendige Geistwesen sich hineinsenkt in dasjenige, was vom Boden herauswächst. Und erst wiederum, wenn die Frucht sich zu entwickeln beginnt, wenn die Blüten zu verwelken beginnen, erst wenn der Herbst naht, da sieht man, wie dasjenige, was sich verbunden hat mit dem Irdischen, was gewissermaßen verschwunden ist innerhalb der Pflanzenwelt aus der ätherischen Umgebung der Erde, wie das sich wiederum zurückzieht. Und so erschaut man geistig ein Ein- und Ausströmen eines übersinnlichen Elementes. Es wachsen gleichsam aus dem Ätherischen viel lebendigere übersinnliche Pflanzen heraus, die aber in die physischen Pflanzen hinein verschwinden. Und derjenige, welcher den Winter bloß erlebt, indem er den Schnee anschaut, die Schneefälle, die Kälte empfindet, der weiß nicht, dass die Erde im Winter als Erde etwas ganz anderes ist als im Sommer. Die Erde hat ein viel intensiveres, regeres geistiges Leben während der Winterzeit als während der Sommerzeit. Und lebt man sich in diese ganzen Verhältnisse hinein, dann erlebt man mit den Wechsel des ätherischen Winter-Sommer-Lebens, man erlebt mit ein Geistiges, wie man sonst nur die Vorgänge dieses eigenen menschlichen Leibeslebens, ich möchte sagen im Einschlafen und Aufwachen, erlebt.
[ 28 ] And to the same extent that the physical plants become more and more perfect and greener and more colorful, one sees how, as it were, that which streams in from the entire earthly environment, from the farthest regions of space, as living spirit beings, sinks into that which grows out of the ground . And only when the fruit begins to develop, when the flowers begin to wither, only when autumn approaches, does one see how that which has connected itself with the earthly, which has, as it were, disappeared within the plant world from the etheric environment of the earth, how that withdraws again. And so one perceives spiritually an inflow and outflow of a supersensible element. Much more lively supersensible plants grow out of the etheric, as it were, but they disappear into the physical plants. And those who merely experience winter by looking at the snow, the snowfalls, and feeling the cold, do not know that the earth in winter is something completely different as earth than in summer. The earth has a much more intense, more active spiritual life during the winter than during the summer. And if you live yourself into all these conditions, then you experience the changes of the etheric winter-summer life, you experience something spiritual, as you would otherwise only experience the processes of your own human body life, I would say in falling asleep and waking up.
[ 29 ] Und tatsächlich, diesen Wechsel zwischen Winter und Sommer lernt man erkennen, wenn man, ich möchte sagen hinzufügt die Erkenntnis des Rhythmus zu der Erkenntnis, was ich mit der bloßen schwingenden Saite bezeichnet habe. Man lernt erkennen, wie gewisse Wesenheiten im Winter nicht mit der Erde verbunden sind, sondern nur in der kosmischen Umgebung der Erde sind, wie diese Wesenheiten mit dem Frühling heruntersteigen zur Erde, herunterströmen, sich mit dem Pflanzenleben verbinden, und gewissermaßen eine Art von Ruhe dadurch genießen, dass sie sich mit dem Erdenleben verbinden. Diese Ruhe, die diese Wesen haben, die regt aber dadurch, dass jetzt Geistiges sich mit der Erde verbunden hat, das Erdenleben selber an, und im Winter hat die Erde selber als Wesen etwas wie eine Erinnerung an dieses sommerliche Zusammensein mit dem außerirdischen Weltenraume. Dasjenige, was sonst gar nicht geahnt wird, das steigt aus der umgebenden Natur heraus, wie wenn man plötzlich [hörend] würde, während man früher taub war, aus der bloßen schwingenden Saite die Ton-Masse herausklingen. Man lernt das ätherische Leben [kennen].
[ 29 ] And indeed, one learns to recognize this change between winter and summer when one, I would say, adds the knowledge of rhythm to the knowledge of what I have called the mere vibrating string. One learns to recognize how certain beings are not connected to the earth in winter, but are only in the cosmic environment of the earth, how these beings descend to earth with the spring, flow down, connect with plant life, and in a sense enjoy a kind of peace by connecting with earthly life. This peace that these beings have, however, stimulates earthly life itself by the fact that the spiritual has now connected with the earth, and in winter the earth itself, as a being, has something like a memory of this summertime togetherness with the extraterrestrial world space. That which is otherwise not even suspected rises out of the surrounding nature, as if one suddenly became able to hear, while one was previously deaf, the mass of sound ringing out from the mere vibrating string. One learns about the etheric life.
[ 30 ] Und dieses ätherische Leben, das also darinnen besteht, dass gewisse Wesenheiten in der irdischen Umgebung, gewisse Wesenheiten, die mit den anderen Weltenkörpern verbunden sind, sich während des Sommers mit der Erde verbinden, während des Winters sich wieder zurückziehen, dieses Leben bedingt, dass gewissermaßen die Erde während des Sommers — die Erde als Wesen, jetzt nicht als toter Körper, den die Theologie oder die sonstige äußere Naturwissenschaft betrachtet —, dass die Erde als Wesen während der Sommerzeit schläft; während der Winterzeit aber, wo sie in lebendigen Erinnerungen — als Erdenwesen leben in ihr gewisse Erinnerungen — lebt an dasjenige, was sich im Sommer mit ihr verbunden hat, da wacht die Erde. Gerade das Gegenteil ist der Fall, was man durch eine gewisse [Vereinfachung] enthüllen, herausbekommen könnte. Während man da glauben könnte, dass die Erde im Frühling aufwacht und im Herbst einschläft, bringt uns Geisteswissenschaft die Erkenntnis, dass die warme, schwüle Sommerzeit die Schlafenszeit der Erde ist, und die kalte, mit der Schneedecke die Erde umhüllende Zeit die wachende Zeit der Erde ist.
[ 30 ] And this etheric life, which consists in certain beings in the earthly environment, certain beings connected with other world bodies, connecting themselves with the earth during the summer and withdrawing again during the winter, this life means that, in a sense, the Earth sleeps during the summer—the Earth as a being, not as a dead body as theology or other external natural sciences regard it—that the Earth as a being sleeps during the summertime; but during the wintertime, when it lives in living memories—certain memories live in it as earthly beings—it remembers what connected with it in the summer, then the earth awakens. The opposite is true, which can be revealed and discovered through a certain [simplification]. While one might believe that the earth wakes up in spring and falls asleep in autumn, Spiritual Science brings us the insight that the warm, sultry summertime is the earth's sleeping time, and the cold time, when the earth is covered with snow, is the earth's waking time.
[ 31 ] Man lernt Schlafen und Wachen des Erdenlebens selber kennen. Ich betone ausdrücklich: Geisteswissenschaft [bildet] nicht Anthropomorphistisches, wie die Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts, sondern das sind Anschauungen, das sind wirkliche Wahrnehmungen. Wenn man sich durchdringt mit der Erkenntnis, die aus solchen Beobachtungen fließt, dann lernt man erst in einer gewissen Weise verstehen, wie das menschliche Leben selber verfließt. Denn von allen Rätseln, die uns in der Außenwelt entgegentreten, ist das menschliche Leben selber das allergrößte Rätsel.
[ 31 ] One learns about the sleeping and waking of the Earth's life itself. I emphasize explicitly: Spiritual Science does not [create] anthropomorphic ideas, like the philosophers of the nineteenth century, but these are insights, these are real perceptions. When one is imbued with the knowledge that flows from such observations, then one learns to understand in a certain way how human life itself flows. For of all the mysteries that confront us in the outer world, human life itself is the greatest mystery.
[ 32 ] Nun kann ich selbstverständlich in einem kurzen Vortrage nur ganz weniges von dem skizzenhaft andeuten, das Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu sagen hat über die Rätsel des menschlichen Lebens. Aber das will ich andeuten, dass derjenige, der sich gewöhnt hat, geistig zu schauen, einen fortlaufenden Rhythmus sieht im menschlichen Leben selbst. Da bemerken wir, wie im menschlichen Leben etwas [abläuft] in ganz regelmäßiger [Art und Weise] in einer gewissen geistigen Periode der Kindheit. Wir wollen die Zeit, die ja auch interessant zu beobachten wäre, aber die in einem öffentlichen Vortrage nicht leicht besprochen werden kann, wir wollen die Zeit der menschlichen Entwicklung von der Empfängnis bis zur Geburt übergehen; wir wollen die Entwicklung des menschlichen Lebens in Betracht ziehen, wie sie uns vorliegt von der Geburt bis zu einem gerade für die Betrachtungsweise außerordentlich interessanten Abschnitt, bis zu den zweiten Zähnen, ungefähr dem sechsten bis siebten Jahre. Das ist der erste wesentliche Abschnitt in der menschlichen Entwicklung.
[ 32 ] Of course, in a short lecture I can only sketch out very little of what Spiritual Science or anthroposophy has to say about the mysteries of human life. But I would like to suggest that those who have become accustomed to spiritual observation sees a continuous rhythm in human life itself. We notice how something [unfolds] in human life in a very regular [manner] during a certain spiritual period of childhood. We want to skip over this period, which would also be interesting to observe but cannot easily be discussed in a public lecture, we want to skip over the period of human development from conception to birth; we want to consider the development of human life as it presents itself to us from birth to a stage that is extremely interesting for our purposes, up to the second teeth, approximately the sixth to seventh year. This is the first essential stage in human development.
[ 33 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, da geht vieles vor in der menschlichen Entwicklung, so vieles geht vor, dass einsichtige Pädagogen gesagt haben:
[ 33 ] Now, dear attendees, there is so much going on in human development, so much going on that insightful educators have said:
Der Mensch lernt von seiner Mutter oder Amme, selbst wenn er ein Weltumsegler wird, in seinen ersten Lebensjahren mehr als von allen Völkern er als Weltumsegler lernen kann während seines ganzen übrigen Lebens.
Even if a person becomes a circumnavigator, they learn more from their mother or nurse in their first years of life than they can learn from all peoples as a circumnavigator during the rest of their life.
[ 34 ] Dasjenige, das durch die Art und Weise, wie das Geistige in uns arbeitet in den ersten Lebensjahren, dasjenige, was da in uns geschieht, wie die inneren Organe entwickelt werden, wie sie innerlich gefestigt werden, wie innerhalb des Organismus geschieht die Ausstoßung der ersten Zähne durch übersinnliche Kräfte zuletzt, die im Menschen wirken, und der Ersatz durch die zweiten Zähne — wie in merkwürdiger Weise geschieht die Anpassung des Menschen an das Weltenall, dass er aus der noch nicht aufrechten Lage sich zu der Fähigkeit, die aufrechte Lage zu haben, entwickelt, wie sich die Sprachfähigkeit im Menschen entwickelt, aus der wieder die Gedankenfähigkeit, die Denkfähigkeit hervorgeht, das ist dasjenige, was zu dem Bewunderungswürdigsten gehört in allem Umkreis des Daseins.
[ 34 ] That which happens within us in the first years of life through the way the spiritual works in us, that which happens within us, how the inner organs develop, how they become internally strengthened, how the first teeth are finally pushed out within the organism by supersensible forces working in the human being, and the replacement by the second teeth — how strangely the human being adapts to the universe, developing from a position that is not yet upright to the ability to stand upright, how the ability to speak develops in human beings, from which in turn the ability to think emerges — this is one of the most admirable things in the whole realm of existence.
[ 35 ] Allein, sehr verehrte Anwesende, was da geschieht von der Geburt bis zum Zahnwechsel um das siebte Jahr herum, das ist für den Geistesforscher zu erkennen, wenn er nur allein irdische Verhältnisse in Betracht zieht. Er muss allerdings zu dem, was die Sinne auf der Erde wahrnehmen können, hinzufügen dasjenige, was das geistige Auge ist, dass er in der angedeuteten Weise wahrnehmen könne. Aber dasjenige, was bis zum siebten Jahre im Menschen vorgeht, es ist dann zu begreifen aus all den Geschehnissen heraus, die auf der Erde sich selber zutragen.
[ 35 ] But, dear friends, what happens from birth to the change of teeth around the age of seven can be recognized by the spiritual researcher if he considers only earthly conditions. However, he must add to what the senses can perceive on earth that which is the spiritual eye, so that he can perceive in the manner indicated. But what happens in the human being up to the age of seven can then be understood from all the events that take place on earth.
[ 36 ] Dann aber beginnt im menschlichen Leben ein Abschnitt von dem siebten bis ungefähr zum vierzehnten Jahre, wo der Mensch in die Reife eintritt. Da beginnt ein Abschnitt, der für den Geistesforscher sich so zeigt, dass er nicht mehr zu erklären ist aus dem, was auf der Erde selber wirksam und lebendig, physisch und geistig ist, sondern nur, wenn man ins Auge fasst, was ich eben auseinandergesetzt habe, wie das kosmische, das außerirdische Leben heruntersteigt in die Pflanzen, welche Kräfte in diesem Fließen leben, dann kann man wieder schauen dasjenige, was man entdeckt geistig in diesem Zusammenhang der Erde mit dem Weltenall, mit der Sternenwelt durch das Pflanzenwachstum. Was man an Kräften da drinnen entdeckt, das kann man wieder entdecken in den Kräften, die im Menschenleben wirksam sind ungefähr vom Zahnwechsel bis zur Reife, bis zum vierzehnten Jahre ungefähr; nur dass dasjenige, was in der Pflanzenentwicklung der Erde an Wechselverhältnis sich mit dem Außerirdischen abspielt, sich siebenmal schneller abspielt, nämlich in einem Jahr.
[ 36 ] But then a phase begins in human life, from the seventh to about the fourteenth year, when the human being enters into maturity. A phase begins which, for the spiritual researcher, reveals itself in such a way that it can no longer be explained from what is active and alive on earth itself, physical, and spiritual, but only when one considers what I have just explained, how cosmic, extraterrestrial life descends into plants, what forces live in this flow, then one can again see what one discovers spiritually in this connection between the earth and the universe, with the world of the stars, through plant growth. What one discovers in terms of forces there can be rediscovered in the forces that are effective in human life from about the time of tooth replacement to maturity, up to about the age of fourteen; only that what takes place in the plant development of the earth in interaction with the extraterrestrial takes place seven times faster, namely in one year.
[ 37 ] Im menschlichen Organismus entwickelt es sich siebenmal langsamer, in sieben Jahren ungefähr — die Dinge sind nicht, um die mystische Siebenzahl zu gebrauchen, sondern einfach, weil sich die Dinge so der Anschauung ergeben —, sodass wir dasjenige, was vom Zahnwechsel geschieht bis zur Entwicklung der Reife am Menschen, geisteswissenschaftlich nur erklären können, wenn wir wissen: Dasjenige, was außen geistig in der Entfaltung und im Verwelken der Pflanzenwelt im Laufe des Jahres besteht, was da lebt, das lebt wie eingeschlossen im menschlichen Organismus als Ätherleib; nur dass die Pflanzen es haben im Zusammenhang mit der außerirdischen Ätherwelt; der Mensch hat es durch die Geheimnisse, die sich vor seiner Geburt abspielen, entrissen den Kräften, die außerirdisch sind. Im Menschen lebt der Ätherleib. Und die wichtigsten Entwicklungsphasen der zweiten Lebensepoche im allgemeinen Lebensrhythmus vom siebten bis vierzehnten Jahre geschehen unter dem Einflusse dieser Kräfte. Dann zeigt sich, dass in dem, was sich da ausgestaltet im Menschen vom siebten bis vierzehnten Jahre, der Mensch sich darstellt nicht mehr als ein irdisches Wesen, sondern als das Abbild eines Überirdischen, wenn auch noch eines wenigstens im Sinnenraume vorhandenen überirdischen Übersinnlichen, im außerirdischen Sinnenraum Vorhandenen. So sehen wir, wie durch Erdenkräfte insbesondere entwickelt wird dasjenige, was im menschlichen Gehirn entwickelt wird. Das wird durch Erdenkräfte entwickelt. So sonderbar dies klingt, es wird durch Erdenkräfte entwickelt. Denn bis zu einem hohen Grade ist gerade um das siebte Jahr herum auch das menschliche Gehirn zu einer Art von Abschluss in seiner Entwicklung gekommen — nicht in der Entwicklung, die besteht in der Aufnahme von Begriffen und Ideen selbstverständlich, sondern in seiner inneren Formung, Gestaltung, in dem Fester-Werden seiner Teile und so weiter, und so weiter.
[ 37 ] In the human organism, it develops seven times more slowly, in about seven years — not to use the mystical number seven, but simply because that is how things appear — so that we can only explain what happens from the change of teeth to the development of maturity in humans in terms of Spiritual Science if we know: that which exists spiritually outside in the unfolding and withering of the plant world in the course of the year, that which lives there, lives as if enclosed in the human organism as the etheric body; only that plants have it in connection with the extraterrestrial etheric world; human beings have it through the mysteries that take place before their birth, torn from the extraterrestrial forces. The etheric body lives in the human being. And the most important phases of development in the second phase of life in the general rhythm of life from the seventh to the fourteenth year take place under the influence of these forces. Then it becomes apparent that in what develops in the human being from the seventh to the fourteenth year, human beings no longer represent themselves as earthly beings, but as the image of something supernatural, albeit something supernatural that still exists in the sensory realm, something that exists in the extraterrestrial sensory realm. Thus, we see how earthly forces develop in particular that which is developed in the human brain. This is developed by earthly forces. As strange as it may sound, it is developed by earthly forces. For to a high degree, around the age of seven, the human brain has also reached a kind of completion in its development — not in the development that consists in the absorption of concepts and ideas, of course, but in its inner formation, shaping, in the hardening of its parts, and so on and so forth.
[ 38 ] Aber zu dem, was bis dahin sich als Entwicklung für den Menschen ergeben hat, muss nun etwas treten, was nicht innerhalb des Irdischen enthalten ist, sondern was aus dem Außerirdischen stammt und was bewirkt, dass nunmehr vom siebten bis vierzehnten Jahre die Kräfte, die der Mensch außer seinem Haupte, außer seinem Gehirne im übrigen Organismus entwickelt, dass die sich heraufdrängen auch in die Kopfentwicklung. Der Mensch gebiert gleichsam mit dem siebten Jahre einen überirdischen ätherischen Menschen in sich, der frei und lebendig in ihm wirkt. So wie sein physischer Leib mit der Geburt ins physische Dasein tritt, so tritt jetzt ein ätherischer, ein überirdischer Leib ins Dasein. Und die Folge davon ist, dass sich ausdrückt dasjenige, was man sagen kann: das Bestimmter-Werden der Gesichtszüge; alles dasjenige, was von dem durch den Ätherleib im Menschen stärker wirkenden Atmungs- und Zirkulationssystem kommt, das drängt sich aus dem übrigen Organismus in das menschliche Antlitz hinein, das jetzt immer geistiger und geistiger wird. Dadurch aber, dass nicht mehr ausschließlich der Kopf tätig ist mit den irdischen Kräften, sondern dass der ätherische Leib eingreift und das Überirdische der Menschennatur eingestaltet, dadurch entwickelt sich erst jene Innerlichkeit, die dann durch das weitere Leben den Menschen begleitet als sein Gemüts- und Gefühlsleben.
[ 38 ] But to what has hitherto been the development of the human being must now be added something that is not contained within the earthly realm, but comes from the extraterrestrial realm and causes the forces that develop in the human being from the seventh to the fourteenth year, outside of the brain in the rest of the organism, outside his brain in the rest of his organism, now also push their way into the development of the head. At the age of seven, the human being gives birth, as it were, to a super-earthly, etheric human being within himself, who works freely and vividly within him. Just as his physical body enters physical existence at birth, so now an etheric, super-earthly body comes into existence. And the result of this is that what can be described as the becoming more defined of the facial features is expressed; everything that comes from the respiratory and circulatory systems, which are more strongly active in the human being through the etheric body, pushes its way out of the rest of the organism into the human face, which now becomes more and more spiritual. But because it is no longer exclusively the head that is active with the earthly forces, but because the etheric body intervenes and shapes the supernatural aspect of human nature, that inner life develops which then accompanies the human being throughout his or her life as his or her emotional and feeling life.
[ 39 ] Damit aber, dass die Geistesforschung diesen ätherischen Leib erkennt, den der Mensch mit den Pflanzen gemein hat, dadurch hat sie die menschliche Natur noch nicht erschöpft, sondern wenn der Mensch als Geistesforscher seinen Blick heraufwendet von den Pflanzen zu der Tierwelt, dann findet er, dass in der Tierwelt nun etwas weiteres Übersinnliches lebt, aber ein solches Übersinnliches, das jetzt nicht gefunden werden kann durch das Übersinnliche der Pflanzenwelt in der außerirdischen Umgebung, [sondern] ein Wirkliches, ein geistig Wirkliches, das weder innerhalb des Irdischen noch innerhalb des Außerirdischen gefunden werden kann, das ja im Menschen schon ist von seiner Geburt an, schon von seiner Empfängnis an, das aber auch im Menschen erst bemerkt wird als besonders wirksam, als besonders gestaltend, vom vierzehnten Jahre ungefähr an, wiederum durch eine ungefähr siebenjährige Lebensperiode, während der Mensch entwickelt dadurch, dass jetzt sein [Respirationssystem], Zirkulationssystem wiederum in einer ganz anderen Weise innerlich sich betätigt als früher. Das rührt davon her, weil der Mensch durchdrungen wird von einem Übersinnlichen, das nun ein anderes ist als das bloß Ätherische. Denn das Ätherische wird in der außerirdischen Umgebung gefunden, dieses Überirdische wird nicht mehr im Raume gefunden. Aber auch mit diesem Übersinnlichen kann sich der Mensch nun wiederum bekannt machen. Er kann sich bekannt machen, wenn er über dasjenige nun wiederum hinausgeht, was die Erde in der vorhergehenden Zeit war.
[ 39 ] However, spiritual research has not yet exhausted human nature by recognizing this etheric body, which humans have in common with plants. When spiritual researchers turn their gaze from plants to the animal world, they find that something further supersensible lives in the animal world, but a supersensible that cannot now be found through the supersensible of the plant world in the extraterrestrial environment, [but] a real, a spiritual real that can be found neither within the earthly nor within the extraterrestrial, that is already in man from birth, already from conception, but which is only noticed in humans as particularly effective, as particularly formative, from about the age of fourteen, again through a period of about seven years, during which humans develop as a result of their respiratory and circulatory systems now functioning internally in a completely different way than before. This is because humans are permeated by a supersensible element that is now different from the merely etheric. For the etheric is found in the extraterrestrial environment, while this superterrestrial element is no longer found in space. But humans can now become acquainted with this supersensible realm again. They can become acquainted with it when they go beyond what the earth was in the previous period.
[ 40 ] Wenn der Mensch wirklich durch die Entwicklung jener Fähigkeiten, von denen ich gesprochen habe, nämlich dahin gelangt, die Erde ordentlich zu durchforschen, sodass er das Geistige der Erde erkennt, dann lernt er einsehen, dass derjenige Erdenkörper, auf dem wir jetzt leben, gerade so ein Nachkomme ist im Weltenall, im Kosmos, wie ein Nachkomme ist der Sohn gegenüber dem Vater, nur dass der Sohn seinem Vater an Gestalt gleicht, der Erdenkörper aber ist wie ein Nachkomme hervorgegangen aus einem anderen planetarischen Dasein. Dieses andere planetarische Dasein lernt man erkennen, wenn man die Erde beobachten kann im Winter, wo sie gewissermaßen wach wird, wo sie Gedächtnis, eine Art Gedächtnis, ein kosmisches Gedächtnis entwickeln kann. Dann lernt man erkennen, wie in der Erde, auch jetzt noch in der ganzen Erdennatur festgehalten wird der Zustand wie in einer kosmischen Erinnerung, den die Erde früher durchgemacht hat, bevor sie Erde geworden ist. Diese Dinge klingen heute alle noch paradox, vielleicht sogar töricht und verrückt; aber so haben alle diejenigen Dinge geklungen, die in der Wissenschaft dann Selbstverständlichkeit geworden sind. Lernt man einmal wirklich erkennen, wie dasjenige, was außerirdisch als Geistwesen lebt, und was sich mit den Pflanzen vereint und sich dieses dann gedächtnismäßig erhält durch den Winter hindurch, dann lernt man auch erkennen, wie gleichsam durch das festgehaltene Erdengedächtnis, durch das innere Gedächtnis des Erdenwesens selber, was die Erde vor ihrem Erdendasein war. Da war dasjenige noch gar nicht vorhanden, was jetzt Mineralreich ist.
[ 40 ] If human beings, through the development of the abilities I have spoken of, really succeed in thoroughly exploring the Earth so that they recognize the spiritual nature of the Earth, then they will learn to understand that the Earth body on which we now live is just as much a descendant in the universe, in the cosmos, as a descendant is the son in relation to the father, except that the son resembles his father in form, but the Earth body has emerged as a descendant from another planetary existence. We learn to recognize this other planetary existence when we observe the Earth in winter, when it awakens, so to speak, when it can develop memory, a kind of memory, a cosmic memory. Then we learn to recognize how the Earth, even now, still holds within its entire nature the state, as in a cosmic memory, that the Earth went through before it became Earth. Today, these things all still sound paradoxical, perhaps even foolish and crazy; but that is how all those things sounded that later became self-evident in science. Once one truly learns to recognize how that which lives extraterrestrially as spirit beings and unites with plants and then preserves itself in memory throughout the winter, then you also learn to recognize, as it were, through the retained memory of the earth, through the inner memory of the earth being itself, what the earth was before its earthly existence. What is now the mineral kingdom did not yet exist.
[ 41 ] Es ist ein langer Weg, sehr verehrte Anwesende, den die Geistesforschung durchmachen muss, um zur Aussage kommen zu können: In dem Vorgänger der Erde, gewissermaßen in dem Vater der Erde, war ein Mineralreich überhaupt noch nicht vorhanden. Dasjenige, was heute getrennt als Ätherisches außerirdisch waltet, lebt und webt, und was sich nur während der Sommerzeit vereinigt mit dem Erdenleib, der im Übrigen das Mineralreich enthält in sich heute, das war, als der Vorfahre, der planetarische Vorfahre der Erde da war, immer mit dem Erdenleib verbunden. Das heißt, die Erde war, bevor sie dieses mineralische Reich geworden ist, ein Wesen, das selbst lebendig war. Die Erde als Ganzes war ein Lebewesen und hat durchgemacht — so wie sie heute gewisse Stadien durchmacht, welche die Geologie zu beschreiben sucht —, hat durchgemacht Lebensstadien. Da lernt man dann erkennen, wie herüber geführt worden ist die Erde aus einem früheren Dasein in ein jetziges Dasein. Man lernt in der Welt Späteres mit Früherem verbinden und lernt in der Zeit ein höheres Lebendiges erkennen als bloß im Raume. Und wenn man dieses höhere Lebendige, das jetzt nicht mehr im Raume zu finden ist — nicht im irdischen Raume, nicht im überirdischen Raume, wie das Lebensätherische —, wenn man dieses in der Zeit Lebendige erkennen lernt, dann lernt man erkennen dasjenige, was im Menschen insbesondere wirksam wird als ein durchaus Übersinnliches, als ein sogar Überräumliches, das im Menschen wirksam sich zeigt, da ist, wie gesagt, schon von der Empfängnis an, aber sich besonders wirksam zeigt in der weiteren Lebensentwicklungsepoche vom 14. bis 21. Jahre ungefähr, wo die Willenskräfte energischer werden, wo alles eingreift in dem Menschen, was man allerdings auch beobachten kann in der tierischen Welt, aber im Menschen auf eine andere Art wirkt als in der tierischen Welt.
[ 41 ] It is a long road, dear attendees, that spiritual research must travel in order to arrive at the conclusion that in the predecessor of the Earth, in the father of the Earth, so to speak, a mineral kingdom did not yet exist. That which today reigns, lives, and weaves separately as the etheric outside of Earth, and which only unites with the Earth's body during the summertime, which incidentally contains the mineral kingdom within itself today, was, always connected to the Earth's body when the planetary ancestor of the Earth was there. This means that before it became this mineral kingdom, the Earth was a being that was itself alive. The Earth as a whole was a living being and went through — just as it goes through certain stages today, which geology seeks to describe — has undergone stages of life. One then learns to recognize how the Earth has been led from a former existence into its present existence. One learns to connect the later with the earlier in the world and learns to recognize a higher living being in time than merely in space. And when one learns to recognize this higher living being, which can no longer be found in space — not in earthly space, not in super-earthly space, like the life ether —, when one learns to recognize this living being in time, then one learns to recognize that which is particularly effective in human beings as something thoroughly supersensible, even super-spatial, which manifests itself effectively in human beings, which, as I said, is already present from conception, but is particularly effective in the further stage of life development from about 14 to 21 years of age, when the powers of will become more energetic, when everything intervenes in the human being, which can also be observed in the animal world, but which has a different effect in the human being than in the animal world.
[ 42 ] Während dieser Zeit — nennen [kann] man es nun astralischen Leib oder wie man will, auf Ausdrücke kommt es nicht an —, während dieses eingreift auf eine menschliche Weise in die menschliche Organisation und den Menschen zu einem Abbild macht von etwas, das schon vorhanden war, ehe die Erde vorhanden war — nämlich in jenem Vorfahren der Erde, von dem ich gesprochen habe —, während vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahre dieses schon vor dem Erdendasein vorhandene Menschliche den Menschen zu seinem besonderen Abbilde bis in den Leib hinein macht in diesen Jahren, ist es aber schon früher vorhanden, von Kindheit auf vorhanden. Nur, es entwickelt sich allmählich so weit, dass es eben nicht nur im Seelischen wirkt, sondern bis hinuntergreifen kann in das leibliche Dasein.
[ 42 ] During this time — whether you call it the astral body or whatever you like, the terminology is not important — during this time, it intervenes in a human way in the human organization and makes the human being an image of something that already existed before the Earth existed — namely, in that ancestor of the Earth of which I have spoken —, while from the age of fourteen to twenty-one this human element that already existed before earthly existence makes the human being into its special image, even into the body, during these years, it is already present earlier, from childhood onwards. Only, it develops gradually to such an extent that it not only works in the soul, but can reach down into physical existence.
[ 43 ] Und dann zeigt sich ja darinnen wirklich dasjenige, was lebt in der fortschreitenden Zeit. Die Zeit in ihrem Fließen, die gewinnt ein inneres Leben, und zwar kann ich sagen — obwohl das in der Kürze der Zeit, die mir zur Verfügung steht, nicht zu beweisen ist, Sie können das in der anthroposophischen Literatur nachlesen —, die Zeit wird erfüllt nicht nur von einem Leben, sondern von einem fortdauernden Bewusstsein. Denn tatsächlich hat die Erde ein Bewusstsein, in das man sich hineinlebt, von ihrem früheren Zustande, den ich charakterisiert habe, wo sie ein Lebewesen noch war ohne das heutige Mineralreich. So lernt der Mensch erkennen das Bewusst-Lebendige in der fortschreitenden Zeit. Dieses BewusstLebendige durchdringt die verschiedenen Arten der Tiere, bewirkt, dass sich wiederholt in den Nachkommen des Tieres der Vorfahre. Das Folgende wird mit dem Früheren verbunden nun durch ein, man könnte sagen träumendes Bewusstsein, das wirklich vorhanden ist, und das sich als träumendes Bewusstsein über die ganze Tierart ausbreitet, übersinnlich lebt, gerade so wie die Wesen, die sich mit den Pflanzen verbinden, übersinnlich leben. Durch das ist das Tierreich, ist das Menschenreich auf der Erde möglich.
[ 43 ] And then what lives in the passing of time really shows itself there. Time in its flow gains an inner life, and I can say — although I cannot prove this in the short time available to me — you can read about this in anthroposophical literature — time is filled not only with life, but with a continuing consciousness. For in fact, the earth has a consciousness into which one can live oneself, from its earlier state, which I have characterized, when it was still a living being without the mineral kingdom of today. In this way, human beings learn to recognize the conscious life in the progress of time. This conscious life permeates the various species of animals, causing the ancestor to be repeated in the animal's offspring. The following is now connected with the past through what one might call a dreaming consciousness, which really exists and spreads as a dreaming consciousness over the entire animal species, living supersensibly, just as the beings that connect with plants live supersensibly. This is what makes the animal kingdom and the human kingdom on Earth possible.
[ 44 ] Nun lernt man aber weiter, indem die Fähigkeiten, die der Geistesforscher sich aneignen kann, immer sich vertiefen, erkennen auch Wesenheit, die nicht bloß als Bewusst-Wesenheit in der Zeit, in der fortlaufenden Zeit lebt, sondern so lebt, dass die Zeit unterbrochen werden kann, sodass solch eine Wesenheit in einer bestimmten Zeit lebt, gestaltet einen äußeren Organismus, und dann eine gewisse Zeit nicht verbunden [ist] mit diesem äußeren Organismus, ihn aber wiederum ergreift und im fortlaufenden Rhythmus ein früheres Leben wiederholt. Das ist nur eine höhere Stufe des Lebens, aber geistig muss das angesehen werden, was sich als ein Zeitenleben kontinuierlich darstellt im tierischen Leben; dieses Leben — aber mit Unterbrechungen mit Bezug auf das Sinnendasein —, das stellt sich dar im menschlichen Dasein. Dasjenige, was nun besonders wirksam wird im Menschen vom 21. Jahre — wiewohl es durchaus im Seelischen schon früher da ist —, vom 21. bis 28. Jahre, und im 28. Jahre hört im Lebensrhythmus ja das Wachstum auf, weil dasjenige, was da wirksam war vom 21. bis 28. Jahre, seine Wirksamkeit in einer gewissen Weise verändert, so hört mit dem 28. Jahre [das] eigentliche Wachstum auf.
[ 44 ] But now we learn more, as the abilities that the spiritual researcher can acquire deepen, we also recognize beings that do not merely live as conscious beings in time, in the continuous flow of time, but live in such a way that time can be interrupted, so that such a being lives in a certain time, forms an outer organism, and then for a certain time is not connected with this outer organism, but then takes hold of it again and repeats a previous life in a continuous rhythm. This is only a higher stage of life, but spiritually, what presents itself as a continuous life of time in animal life must be regarded; this life — but with interruptions in relation to the existence of the senses — presents itself in human existence. That which now becomes particularly effective in human beings from the age of 21 — although it is certainly already present in the soul earlier — from the age of 21 to 28, and at the age of 28 growth ceases in the rhythm of life, because what was effective from the age of 21 to 28 changes its effectiveness in a certain way, so that at the age of 28 actual growth ceases.
[ 45 ] Wir haben die vierte Siebenjahresepoche des Menschen vor uns. Dasjenige, was da nun in das äußere physische Leben eingreift, den Menschen nicht nur zum Abbild macht von etwas, was vorher gelebt hat, vor ihm, sondern ihn jetzt zum Abbild macht von etwas, was gewissermaßen in Bezug auf seine Entwicklung die Zeit unterbrochen hat, das ist nun eigentlich erst dasjenige, was der Geistesforscher das Ich nennt. Und dieses Leben des Ich führt uns nun ganz aus dem Irdischen heraus, auch aus dem Vorirdischen heraus, es führt uns in ein höheres geistiges Reich, in ein geistiges Reich, an dem die Tiere keinen Anteil haben, das geistige Reich, indem das Ich lebt. Es enthält das Ich Kräfte, die jetzt in den menschlichen Organismus so eingeführt werden, dass für den Geistesforscher, wenn er beobachtet die Einführung der geistigen übersinnlichen Kräfte in die menschliche Natur vom 21. Jahre ab, sich klar herausstellt: dieses Erdenleben ist die Wiederholung von anderen Erdenleben, die schon durchgemacht worden sind; sodass sich das gesamte Menschenleben, nicht für irgendeine Spekulation, nicht für irgendeine Philosophie, sondern für die unmittelbare Anschauung darstellt als verlaufend in einzelnen Erdenleben, die getrennt sind durch Zwischenleben rein geistiger Art, in denen das menschliche Ich sich allmählich einlebt in eine Welt, die weder die irdische ist noch die äußere kosmische, sondern eine rein geistige Welt, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 45 ] We have the fourth seven-year epoch of human life before us. What now intervenes in outer physical life not only makes man the image of something that lived before him, but now makes him the image of something that has, in a sense, interrupted time in relation to his development. This is actually what the spiritual researcher calls the I. And this life of the I now leads us completely out of the earthly, even out of the pre-earthly, into a higher spiritual realm, a spiritual realm in which animals have no part, the spiritual realm in which the I lives. It contains the I forces that are now introduced into the human organism in such a way that, for the spiritual researcher when he observes the introduction of spiritual supersensible forces into human nature from the age of 21, it becomes clear that this earthly life is a repetition of other earthly lives that have already been lived through; so that the entire human life, not for the sake of any speculation, not for any philosophy, but for immediate observation, as unfolding in individual earthly lives separated by intermediate lives of a purely spiritual nature, in which the human I gradually settles into a world that is neither the earthly nor the outer cosmic world, but a purely spiritual world that human beings live through between death and a new birth.
[ 46 ] So gliedert sich das gesamte Erdendasein zusammen für den Menschen dadurch, das sein Ich in wiederholten Erdenleben sich auslebt, dass diese wiederholten Erdenleben verlaufen im Laufe des Erdendaseins selber. Aber diese Erde ist einmal aus einem anderen Körper hervorgegangen und wird in einen anderen Planetenleib sich verwandeln. Beim Vorgänger der Erde waren die wiederholten Erdenleben noch nicht in einer solchen Weise entwickelt wie hier im Erdendasein. Ebenso wird der Mensch in anderer Weise sich entwickeln als in wiederholten Erdenleben, wenn diese Erde in ihre Dämmerung gehen wird und in einen anderen planetarischen Zustand kommen wird — [Lücke], während die Lebens- [Lücke] erscheint, in dem kein Mineralreich vorhanden war in der Zeit, als die Erde noch nicht vorhanden war, sondern ihr Vorgänger durchaus als Lebewesen vorhanden war, als Bedingungen vorhanden waren, die sich nicht im wiederholten Erdenleben ausgestalteten. Durch diese wiederholten Erdenleben bringt der Mensch dasjenige, was er in einem Leben erwirkt, durch den Tod hindurch und trägt es in die folgenden Erdenleben hinüber, nachdem er es ausgebildet hat in einem rein geistigen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 46 ] Thus, the entire earthly existence is structured for the human being in such a way that his ego lives out its life in repeated earthly lives, and that these repeated earthly lives take place in the course of earthly existence itself. But this earth once emerged from another body and will be transformed into another planetary body. In the predecessor of the earth, the repeated earthly lives were not yet developed in the same way as here in the earthly existence. Likewise, human beings will develop in a different way than in repeated earthly lives when this Earth enters its twilight and comes into a different planetary state — [gap] , while the life [gap] appears in which no mineral kingdom existed at the time when the Earth did not yet exist, but its predecessor existed entirely as a living being, when conditions existed that did not develop in repeated earthly lives. Through these repeated earthly lives, the human being brings what he has achieved in one life through death and carries it over into subsequent earthly lives, after he has developed it in a purely spiritual life between death and a new birth.
[ 47 ] Denn der Geistesforscher erkennt, wenn er wirklich dasjenige an Kräften zufügt zu den gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmungskräften, von denen ich gesprochen habe, Geistesforschung erkennt, wie der Mensch zwischen seiner Geburt und dem Tod, in dem er in seinem physischen Leibe lebt, in geheimnisvoller Weise sich etwas erwirbt an Kräften, die man vergleichen kann mit dem, was in der Samenkapsel der Pflanze entsteht, die unscheinbar in der Blüte drinnen ruht, die aber fähig ist, wenn die Winterzeit vorüber ist, zu einer neuen Pflanze zu werden. So entwickelt sich geheimnisvoll innerhalb des Lebens im physischen Leibe ein Geistig-Seelisches, das noch nichts beitragen kann zu unserem gegenwärtigen Leben, das aber regsam ist innerlich und regsam bleibt, wenn wir den physischen Leib abwerfen, wie die verwelkten Blätter abgeworfen werden von der Pflanze im Herbste, und durch die Pforte des Todes gehen. Wir tragen dann dasjenige, was der Geistesforscher wie eine Schicksalsknospe sich entwickeln sieht zwischen Geburt und Tod, durch die Pforte des Todes durch, betten es ein durch eine lange [Zeit] ein in eine geistige Welt, die [da verläuft] zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und tragen es wiederum in ein neues Erdenleben hinein. Und dasjenige, was wir sehen sich entwickeln, was nicht auf die Weise sich entwickelt im Menschenleben, wie ich es beschrieben habe, sondern welches sich hereinschläft mit dem Kindesalter und dem Menschen ein besonders individuelles Gepräge gibt, das tragen wir an Erfahrungen aus einem früheren Erdenleben herüber.
[ 47 ] For the spiritual researcher recognizes, when he truly adds to the ordinary sensory powers of perception of which I have spoken, spiritual research recognizes how the human being, between his birth and death, in which he lives in his physical body, mysteriously acquires something in the way of powers that can be compared to what what develops in the seed capsule of the plant, which rests inconspicuously inside the flower, but which is capable, when winter is over, of becoming a new plant. Thus, something spiritual and soul-like develops mysteriously within life in the physical body, that cannot yet contribute anything to our present life, but which is active within and remains active when we shed the physical body, like the withered leaves are shed by the plant in autumn, and pass through the gate of death. We then carry what the spiritual researcher sees developing like a bud of destiny between birth and death through the gate of death, bedding it for a long time in a spiritual world that exists between death and a new birth, and carry it again into a new earthly life. And what we see developing, which does not develop in human life in the way I have described, but which sleeps in with childhood and gives the human being a particularly individual character, we carry over from experiences in a previous earthly life.
[ 48 ] Ich habe Ihnen geschildert einige Dinge aus der anthroposophischen Weltanschauung, sehr verehrte Anwesende, die allerdings ganz skizzenhaft vorgetragen sind; denn ich müsste viele, viele Stunden reden, wenn ich auch nur annähernd über den ausführlichen Forschungsweg reden wollte, welcher dazu führt, solche Dinge heute zu behaupten, wie sie eben angeführt worden sind. Denn diese Dinge beruhen durchaus auf einer sorgfältigen, gewissenhaften Forschung mit Hilfe derjenigen Kräfte und Fähigkeiten, die ich heute nur andeutete, aber im vorigen Vortrage ausführlicher besprochen habe. Und wenn der Mensch ein gewisses Schicksal erlebt in seinem Leben, so trägt er zu diesem Schicksal bei in der Weise, dass er Neigung, Tendenzen aus seinem früheren Leben hereinträgt, die ihn in geheimnisvoller Weise hinziehen nach dem oder jenem. Das kann für ihn zum Schicksal werden. Man lernt das Hereinspielen früherer Erdenleben in dieses Erdenleben in geisteswissenschaftlicher Weltanschauung kennen. Und ein gewisses Verständnis breitet sich aus über den geistigen Zusammenhang des menschlichen Lebens. Man fügt hinzu zu demjenigen, was die Naturwissenschaft zu sagen vermag über das Leibliche das Physisch-Leibliche des Menschen —, das Geistige, das uns ebenso umgibt wie das, was gleichartig mit unserem Physisch-Leiblichen in der physisch-sinnlichen Außenwelt enthalten ist.
[ 48 ] I have described to you, dear audience, a few things from the anthroposophical worldview, albeit in a very sketchy way; for I would have to speak for many, many hours if I wanted to even begin to describe the detailed research that has led to the assertions I have just made. For these things are based entirely on careful, conscientious research with the help of those powers and abilities that I have only hinted at today, but discussed in more detail in my previous lecture. And when a person experiences a certain fate in their life, they contribute to this fate in such a way that they bring in inclinations and tendencies from their previous life, which mysteriously draw them to this or that. This can become their fate. In Spiritual Science, we learn about the influence of previous earthly lives on this earthly life. And a certain understanding spreads about the spiritual connection of human life. We add to what natural science can say about the physical body — the physical body of the human being — the spiritual, which surrounds us just as much as what is contained in the physical-sensory outer world that is similar to our physical-bodily nature.
[ 49 ] In dieser Welt, ich habe das schon angedeutet, in die wir eintreten durch die entwickelten geistigen Fähigkeiten, erblicken wir gewisse Wesen, die ebenso, ich möchte sagen ätherisch herunterwachsen, wenn die Pflanzen physisch hinaufwachsen. Da haben wir sozusagen die ersten Vorboten von geistigen Wesen und geistigen Kräften, in die wir hineinwachsen, ebenso wie wir durch unsere Sinne in die Sinnenwelt hineinwachsen. Aber indem wir die höheren Welten kennenlernen, diejenigen, aus denen das menschliche Astralleben ist, das menschliche Ich ist, lernen wir eine geistige Welt mit wirklichen geistigen Wesenheiten in unserer Umgebung kennen, die geistige Welt, in welcher auch diejenigen sind, die schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, entweder indem sie ihr Leben vollendet haben oder indem sie in früher Jugend gestorben sind. Nur, besonders muss es betont werden, außerordentlich stark betont werden, dass nicht geglaubt werden darf, dass irgendeine Beziehung zu den Toten — ich habe schon in dem früheren Vortrage davon gesprochen — willkürlich gesucht werden kann. Das wäre durchaus eine falsche Anschauung. Wenn wir in die Nähe eines Toten kommen sollen, dann muss das von dem Toten selber ausgehen. Dann können wir entwickeln durch seinen Willen irgendwie eine Offenbarung von ihm für das geistige Anschauen in diesen Welten. Dasjenige, was wir aber von der geistigen Welt durch die willentliche Entwicklung unserer Fähigkeiten erkennen können, das ist dasjenige, was uns selber angeht, was hinzufügen wird diejenigen Antworten, welche gebraucht werden von denjenigen Menschen, die im Sinne des heutigen Vortrages, wenigstens in dem angedeuteten Sinn, den ich ausgesprochen habe, welche gebraucht werden gerade auf Fragen, welche durch die Naturwissenschaft aufgeworfen werden.
[ 49 ] In this world, as I have already indicated, which we enter through our developed spiritual abilities, we see certain beings that, I might say, grow downwards in an ethereal way, just as plants grow upwards physically. Here we have, so to speak, the first harbingers of spiritual beings and spiritual forces into which we grow, just as we grow into the sensory world through our senses. But as we become acquainted with the higher worlds, those of which human astral life is a part, the human ego, we get to know a spiritual world with real spiritual beings in our environment, the spiritual world in which there are also those who have already passed through the gate of death, either by completing their lives or by dying in early youth. However, it must be emphasized that it must not be believed that any relationship with the dead — I have already spoken of this in the previous lecture — can be sought arbitrarily. That would be a completely false view. If we are to come into the vicinity of a dead person, then this must come from the dead person themselves. Then, through their will, we can somehow develop a revelation from them for spiritual contemplation in these worlds. But what we can recognize of the spiritual world through the deliberate development of our abilities is that which concerns us ourselves, which will add to those answers that are needed by those people who, in the sense of today's lecture, at least in the sense I have indicated I have expressed, which are needed precisely for questions raised by natural science.
[ 50 ] Naturwissenschaft ist in Wahrheit ein Aufwerfen von Fragen, Geisteswissenschaft ist in Wahrheit Antwort auf dieses Aufwerfen von Rätselfragen. Geisteswissenschaft führt in diejenige geistige Welt durch willentliche Entwicklung hinein, die uns angeht, die wir kennen müssen, damit nicht Gleichgültigkeit, nicht Interesselosigkeit gegenüber demjenigen eintritt, dem unser seelisch-geistiges Dasein selber angehört, damit nicht endlich jene Seelenlähmung im Menschen einträte, die ihn unlustig und unfreudig auch zu der äußeren Arbeit machen müsste, und die ihn auch dem religiösen Leben, das ja von seiner Seele zu ihm sprechen will, entfremdet.
[ 50 ] Natural science is in truth a raising of questions; Spiritual Science is in truth the answer to this raising of enigmatic questions. Spiritual Science leads us into the spiritual world through deliberate development, a world that concerns us, that we must know, so that indifference and disinterest do not arise toward that to which our soul-spiritual existence itself belongs, so that the paralysis of the soul does not ultimately set in, which would make us listless and joyless even in our outer work, and which would also alienate us from religious life, which wants to speak to us from our soul.
[ 51 ] Man wird schon erkennen, was heute noch vielfach angezweifelt ist, dass Geisteswissenschaft nicht im Geringsten der religiösen Empfindung, dem religiösen Leben des Menschen irgendeinen Eintrag tut, sondern im Gegenteil, Geisteswissenschaft wird das Band finden, das gerade den in dem naturwissenschaftlichen Zeitalter sich entwickelnden Menschen wiederum knüpfen wird an die Geheimnisse, die ihm durch die religiösen Offenbarungen werden können. Geisteswissenschaft wird das wahre Band werden zwischen Naturwissenschaft und dem religiösen Leben. Diese Geisteswissenschaft ist weder in irgendeinem Widerspruche mit der Naturwissenschaft, noch ist sie in irgendeinem Widerspruche mit dem religiösen Leben. Lassen Sie mich über diese beiden Punkte, nachdem ich eine Skizze gegeben habe über einiges, was über Geisteswissenschaft erkannt werden kann, lassen Sie mich über diese beiden Punkte zum Schlusse noch sprechen.
[ 51 ] People will come to recognize what is still widely doubted today, that Spiritual Science does not in the least detract from religious feeling or the religious life of human beings. On the contrary, Spiritual Science will find the bond that will reconnect human beings, who are developing in the age of natural science, to the mysteries that can become available to them through religious revelations. Spiritual Science will become the true link between natural science and religious life. This Spiritual Science is in no way contradictory to natural science, nor is it in any way contradictory to religious life. Let me speak about these two points after I have given an outline of some of what can be known about Spiritual Science, let me conclude by speaking about these two points.
[ 52 ] Die Naturwissenschaft hat selber im Laufe der Zeit erkannt, dass sie eine große Frage ist, dass etwas hinzukommen muss, wenn sie dem Menschen wahrhaftig in tieferem Sinne etwas sein soll, dass etwas zu ihr selber hinzukommen müsse. Welche Hoffnungen haben die Naturforscher noch in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gehabt und, ich möchte sagen auch noch weit in die letzte Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein! Wie haben da die Naturforscher geglaubt, aus dem materialistisch gefärbten Darwinismus heraus, aus der äußeren Erkenntnis desjenigen, was Chemie, Physik, Physiologie gibt, die Lebensrätsel beantworten zu können. Ich möchte nicht sprechen aus Ansichten heraus, denn ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass der Mensch nur Ansichten geben soll. Was ich Ihnen dargelegt habe als anthroposophische Wahrheiten, sind nicht Ansichten, sondern ist einfach die Erzählung von Tatsachen, die sich der geistigen Beobachtung ergeben. So möchte ich auch meine Ansicht über die Naturwissenschaft nicht so einfach sagen, sondern aus dem geschichtlichen Werden dieser Naturwissenschaft selber möchte ich zeigen, wie die Naturwissenschaft dazu geführt hat, das anzuerkennen, was ich eben ausgesprochen habe.
[ 52 ] Over time, natural science itself has recognized that it is a big question, that something must be added if it is to truly mean something to human beings in a deeper sense, that something must be added to it. What hopes did natural scientists still have in the middle of the nineteenth century and, I would say, even well into the latter half of the nineteenth century ! How did natural scientists believe that they could answer the riddles of life based on materialistic Darwinism, based on the external knowledge of chemistry, physics, and physiology? I do not want to speak from opinions, because I do not believe at all that human beings should only give opinions. What I have presented to you as anthroposophical truths are not opinions, but simply the narration of facts that arise from spiritual observation. So I do not want to simply state my view on natural science, but rather show, from the historical development of natural science itself, how natural science has led to the recognition of what I have just said.
[ 53 ] Da darf ich anspielen auf eine Tatsache, die immerhin interessant ist, und gerade im Aufklären über die naturwissenschaftliche Entwicklung: Die großen Hoffnungen des Darwinismus, der darwinistischen Forschung, auch die große Hoffnung der Spektral-Analyse und alles das, was mit den chemischen, mit den biologischen Fortschritten sonst zusammenhängt, waren da. Da schrieb am Ende der Sechzigerjahre des neunzehnten Jahrhunderts Eduard von Hartmann seine «Philosophie des Unbewussten». In dieser «Philosophie des Unbewussten» sprach noch nicht ein Geistesforscher, sondern es sprach ein Mensch, welcher auf dasjenige, was durch die Geistesforschung erst für die Menschen erobert werden wird, zunächst durch Hypothesen, manchmal noch recht unlogische Hypothesen, durch philosophische Spekulation hindeutete auf dasjenige — was ich heute angedeutet habe durch Wesen, die man kennenlernt durch Anschauen —, auf das aus dem Weltennebel sich herabsenkende Pflanzenleben. So konkret kann Hartmann noch nicht darüber sprechen. Aber Eduard von Hartmann konstruiert einfach Wesenhaftes, ein Unbewusstes, das hinter dem Bewussten steht. Also er ahnt philosophisch das, was durch die Geisteswissenschaft tatsächlich gegeben werden konnte. Weil er aber dies ahnte, deshalb konnte er nicht übereinstimmen — trotz der bewundernswerten Gestaltung, welche der materialistische Darwinismus, überhaupt die Naturwissenschaft, in den Sechzigerjahren bereits angenommen hatte —, er konnte nicht übereinstimmen mit dem, was die Naturforscher glaubten, glaubten, indem sie sagten: Die physikalisch-chemischen Kräfte, die rein äußerlich wahrnehmbaren biologischen Kräfte, die erklären dasjenige, was in der Außenwelt vorgeht. Wir haben gesehen, dass Geistesforschung gar nicht zurückgeht zu einem bloß mineralischen Erdkörper, der dann zum Schluss führt zu jenem von Herman Grimm mit so drastischen Worten bezeichneten Urnebel, sondern dass wir zunächst zurückgeführt werden zu einem Lebewesen, das der Vorgänger der Erde ist. Von diesem Lebewesen würden wir zu einem Geistwesen geführt werden, wenn wir noch weiterschreiten könnten. Dazu ist heute nur nicht die Zeit.
[ 53 ] Here I may allude to a fact that is interesting, especially in explaining the development of natural science: the great hopes of Darwinism, of Darwinist research, as well as the great hopes of spectral analysis and everything else related to chemical and biological advances, were there. At the end of the 1860s, Eduard von Hartmann wrote his “Philosophy of the Unconscious.” In this “Philosophy of the Unconscious,” it was not yet a spiritual researcher who spoke, but a human being who pointed to what would first be conquered for humanity through spiritual research, initially through hypotheses, sometimes still quite illogical hypotheses, through philosophical speculation, to what I have indicated today through beings that one gets to know by looking — on plant life descending from the world mist. Hartmann cannot yet speak about this in such concrete terms. But Eduard von Hartmann simply constructs something essential, an unconscious that stands behind the conscious. So he philosophically senses what could actually be given by Spiritual Science. But because he sensed this, he could not agree — despite the admirable form that materialistic Darwinism, indeed natural science in general, had already taken in the 1860s — he could not agree with what the natural scientists believed, believed when they said: The physical and chemical forces, the purely externally perceptible biological forces, explain what what happens in the external world. We have seen that spiritual research does not go back to a purely mineral earth body, which then leads to the primordial nebula described in such drastic terms by Herman Grimm, but that we are first led back to a living being that is the predecessor of the earth. From this living being we would be led to a spiritual being if we could go further. Today, however, we do not have the time for that today.
[ 54 ] Die Erde war, bevor sie ein Lebewesen war, ein reines Geistwesen. Das menschliche Dasein aber war auch schon mit diesem Geistwesen in irgendeiner Weise verbunden — das alles können Sie nachlesen in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriss». Das, was da durch die Geisteswissenschaft an Tatsächlichem herauskommt — Hartmann hat es geahnt, dass eine geistige Entwicklung zugrunde liegt, selbst schon dem Mineralischen, aber vor allem dem pflanzlichen, dem tierischen und dem menschlichen Dasein im höchsten Sinne. Und er hat überall gezeigt in seiner «Philosophie des Unbewussten», wie ungenügend der Darwinismus ist, wie er zwar Fragen aufwirft, wie er aber ohnmächtig ist, zu zeigen, wie das zustande kommt, was er beschreibt — weil er dann Geistiges aufzeigen müsste, und das wollte der damalige Darwinismus nicht.
[ 54 ] Before it was a living being, the Earth was a pure spirit being. But human existence was already connected to this spirit being in some way — you can read all about this in my book “An Outline of Esoteric Science.” What emerges as fact through Spiritual Science — Hartmann sensed that a spiritual development underlies even the mineral world, but above all in the plant, animal, and human realms in the highest sense. And he showed everywhere in his Philosophy of the Unconscious how inadequate Darwinism is, how it raises questions but is powerless to show how what it describes comes about — because then it would have to point to the spiritual, and Darwinism at that time did not want to do that.
[ 55 ] Wie nahmen die Naturforscher auf dasjenige, was Eduard von Hartmann über die Naturforschung gesagt hat in seiner «Philosophie des Unbewussten». Nun ja, wie heute gewisse Leute aufnehmen dasjenige, was der Geistesforscher sagt, insbesondere, wenn diese Leute so recht sich eingelebt haben wollen in das, was sie die wirkliche, echte, wahre Wissenschaft nennen. So sagten auch diejenigen, die dazumal so recht sich eingelebt zu haben glaubten in die echte, wahre Wissenschaft: Nun, der Eduard von Hartmann ist eben ein Dilettant, der weiß nichts und erkennt nichts von dem, was der wahre Nerv der Ergebnisse der Naturwissenschaft ist; man brauche mit dieser dummen «Philosophie des Unbewussten» sich gar nicht zu beschäftigen, denn so etwas kann nur ein Laie, nur ein Dilettant schreiben. Und viele Erwiderungen erschienen, die Hartmann alle als einen Dilettanten hinstellten, zeigen wollten, dass Hartmann eben dasjenige, was die Naturwissenschaft zu sagen hat, nicht versteht.
[ 55 ] How did natural scientists react to what Eduard von Hartmann said about natural science in his “Philosophy of the Unconscious”? Well, in the same way that certain people today react to what spiritual researchers say, especially when these people want to believe that they are well versed in what they call real, genuine, true science. Those who believed themselves to be well versed in real, true science at that time also said: Well, Eduard von Hartmann is just a dilettante who knows nothing and recognizes nothing of what is the true essence of the findings of natural science; one need not concern oneself with this stupid “Philosophy of the Unconscious,” because only a layman, only a dilettante, could write such a thing. And many responses appeared, all of which portrayed Hartmann as a dilettante, seeking to show that Hartmann did not understand what natural science had to say.
[ 56 ] Unter den vielen Erwiderungen erschien auch eine von einem Mann, der sich nicht nennt, von einem Anonymus — eine der geistvollsten Schriften, die gleich die Naturforscher anerkannten. Da war eine Kritik eben dieser naturwissenschaftlichen Torheiten von Eduard von Hartmann von vernichtender Schärfe, ganz vernichtend; da war gezeigt, wie töricht, wie dilettantenhaft das alles ist, was dieser Eduard von Hartmann schrieb. Bedeutende Naturforscher, wie der berühmte Darwinianer Oscar Schmidt, auch Haeckel selber, sie sagten ungefähr dazumal: Schade, dass dieser Unbekannte sich uns nicht genannt hat, denn das ist ein echter Naturforscher, der weiß, auf was es in der Naturforschung ankommt. Er nenne sich uns, und wir betrachten ihn als einen der Unseren! Und die Naturforscher haben viel dazu beigetragen, dass dieses Schriftchen sehr bald abgesetzt worden ist, denn sie hatten alles Interesse, die Hartmann’sche «Philosophie des Unbewussten» zu vernichten, weil sie sich einlebte in ihr sonstiges Interessantsein, in die Gemüter der Menschen.
[ 56 ] Among the many responses was one from a man who did not give his name, an anonymous writer—one of the most spirited writings, which natural scientists immediately recognized. It was a critique of Eduard von Hartmann's scientific follies that was devastatingly sharp, completely devastating; it showed how foolish, how amateurish everything that Eduard von Hartmann wrote was. Prominent natural scientists, such as the famous Darwinian Oscar Schmidt, and Haeckel himself, said at the time: It is a pity that this unknown person did not reveal his name to us, for he is a true natural scientist who knows what is important in natural science. Let him reveal his name to us, and we will consider him one of our own! And the natural scientists contributed greatly to this little book being discontinued very soon, because they had every interest in destroying Hartmann's “philosophy of the unconscious,” as it was becoming established in their otherwise interesting minds, in the minds of people.
[ 57 ] Da war bald eine zweite Auflage notwendig. Und jetzt nannte sich der Verfasser, und dieser Verfasser war — Eduard von Hartmann! Das war einmal eine Lektion, die erteilt worden war denjenigen, die in diesem Stile, wie das die Naturforscher dazumal taten, aburteilen über dasjenige, was die glauben, weil es nicht in dem sich erschöpft, was sie selber wissen, sondern über das hinausgeht, was sie glauben, als laienhaft-dilettantisch oder gar phantastisch abtun zu können. So wie Eduard von Hartmann aber dazumal gezeigt hat, dass er gerade so reden kann wie Naturforscher, und dass er alles das, was ein Naturforscher gegen ihn vorzubringen hat, selber vorbringen kann, so könnte auch der heutige Geistesforscher, ohne sich besonders anzustrengen, all dasjenige auch aufbringen, was sehr häufig von denjenigen, die ihn in Grund und Boden als einen Phantasten kritisieren, aufgebracht wird zu seiner Rechtfertigung. Die Menschheit sollte etwas lernen von solchen Lektionen, die ihr erteilt werden, wie diejenige war, die dazumal von Eduard von Hartmann erteilt worden ist!
[ 57 ] A second edition was soon necessary. And now the author revealed his name, and this author was — Eduard von Hartmann! That was a lesson taught to those who, in the style of the natural scientists of the time, condemn what they believe because it is not limited to what they themselves know, but goes beyond what they believe, dismissing it as amateurish, dilettantish, or even fantastical. But just as Eduard von Hartmann showed at the time that he could speak just like a natural scientist and that he can himself put forward everything that a natural scientist has to say against him, so today's spiritual researcher could, without any particular effort, also put forward everything that is very often put forward in his defense by those who criticize him as a fantasist. Humanity should learn something from such lessons, such as the one given by Eduard von Hartmann back then!
[ 58 ] Aber die Sache geht weiter, möchte ich sagen, und die Entwicklung, die sie gebracht hat, wird immer interessanter. Haeckel, Oscar Schmidt und eine Legion anderer, die erst versprochen haben, den ungenannten Verfasser der Widerlegungs-Broschüre als den ihrigen zu betrachten, die verstummten — propagandierten nicht mehr weiter die Schrift, auf der jetzt der Name «Eduard von Hartmann» prangte. Aber etwas anderes geschah. Und dieses charakterisiert sich durch ein Beispiel, das ich gebe. Solche Beispiele könnten aber viele angeführt werden.
[ 58 ] But the matter goes further, I would like to say, and the development it has brought about is becoming increasingly interesting. Haeckel, Oscar Schmidt, and a legion of others, who first promised to regard the unnamed author of the refutation brochure as their own, fell silent — no longer propagated the writing, which now bore the name “Eduard von Hartmann.” But something else happened. And this is characterized by an example that I give. Many such examples could be cited, however.
[ 59 ] Einer der bedeutendsten Schüler Haeckels, also desjenigen, der am radikalsten vertreten hat die materialistische Richtung des Darwinismus — da, wo sie berechtigt ist, ist auch Haeckel in vollem Rechte; das ist nicht gegen Haeckel gerichtet, ich erwähne diejenigen Forscher, die gerade bedeutend sind auf ihrem Gebiete, weil man unbedeutende leicht widerlegen kann —, einer der bedeutendsten Schüler Haeckel, Oscar Hertwig. Hertwig — ich habe ihn selber aus Haeckels Munde bei mancher Gelegenheit nennen hören als einen seiner bedeutendsten bedeutenden Schüler, der sich gerade in den Darwinismus wohl eingelebt hat —, der hat eine ganze Reihe von Büchern geschrieben. Eben ist eines erschienen, das heißt: «Das Werden der Organismen», eine Widerlegung der darwinistischen Zufalls-Theorie. Ein merkwürdiges Buch! Wir sehen, es hat nicht einmal längere Zeit gebraucht als diejenige, in welcher die Schüler des Lehrers alt werden. In diesem Buche liefert der Schüler Ernst Haeckels eine vollständige Widerlegung des Haeckelismus, der materialistischen Auffassung des Darwinismus. Und Oscar Hertwig zitiert immer wieder und wieder Eduard von Hartmann in diesem, seinem Buche, und weist damit hin auf die Berechtigung desjenigen, was Hartmann in vernichtender Weise gegen die materialistische Auffassung des Darwinismus vorgebracht hat. Da sehen wir, wie die Naturwissenschaft sich so entwickelt hat, dass sie zwar Großes hervorgebracht hat, aber dass ihre bedeutendsten Vertreter schon selber zeigen, wie sie über sich hinauswächst. Das wird man immer mehr und mehr erkennen, und wenn man es voll erkennen wird in weiteren Kreisen, dann, sehr verehrte Anwesend, ist auch die Zeit gekommen, wo man nicht nur dasjenige, was Eduard von Hartmann und die spekulierenden Philosophen dazumal zu geben hatten zu der Naturwissenschaft, anerkennen wird, sondern wo man anerkennen wird dasjenige, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat.
[ 59 ] One of Haeckel's most important students, that is, the one who most radically represented the materialistic direction of Darwinism — where it is justified, Haeckel is also fully justified; this is not directed against Haeckel, I mention those researchers who are particularly significant in their field, because insignificant ones can easily be refuted —, one of Haeckel's most important students, Oscar Hertwig. Hertwig—I myself have heard Haeckel mention him on several occasions as one of his most important students, who has settled well into Darwinism—has written a whole series of books. One has just been published, entitled “Das Werden der Organismen” (The Development of Organisms), a refutation of Darwin's theory of chance. A remarkable book! We see that it did not even take longer than the time it took for the teacher's students to grow old. In this book, Ernst Haeckel's student provides a complete refutation of Haeckelism, the materialistic view of Darwinism. And Oscar Hertwig quotes Eduard von Hartmann again and again in this, his book, thus pointing to the validity of what Hartmann has argued in a devastating manner against the materialistic view of Darwinism. Here we see how natural science has developed in such a way that, although it has produced great things, its most important representatives themselves show how they transcend it. This will become more and more apparent, and when it is fully recognized in wider circles, then, dear audience, the time will have come when people will not only acknowledge what Eduard von Hartmann and the speculative philosophers of that time had to offer to natural science, but when they will also acknowledge what Spiritual Science has to say.
[ 60 ] Ich müsste noch viel reden, aber die Zeit gestattet das nicht, wenn ich den vollen Einklang, denn ein solcher ist vorhanden, kein Widerspruch zwischen der wahren Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft, wie sie nun aufstrebt, darlegen wollte. Aber ich will noch mit einigen Strichen zum Schluss aufzeigen, wie kein Widerspruch besteht zwischen demjenigen, was religiöse Offenbarung ist, und demjenigen, was die Geisteswissenschaft will. Auf wichtige Punkte habe ich schon im vorigen Jahre hingewiesen in dieser Beziehung, und diese wichtigen Punkte finden Sie ja auch in der genannten Broschüre: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach».
[ 60 ] I would have much more to say, but time does not permit it if I am to explain the complete harmony because such harmony does exist, no contradiction between true natural science and Spiritual Science as it is now emerging. But I would like to conclude by pointing out in a few strokes how there is no contradiction between what religious revelation is and what Spiritual Science wants. I already pointed out important points in this regard last year, and you will also find these important points in the aforementioned brochure: “The Task of Spiritual Science and Its Structure in Dornach.”
[ 61 ] Aber ich will heute an einem besonderen Beispiel noch einmal zeigen, dass auch derjenige, wenn er nur guten Willens ist, der mit tiefstem Sinne in seinem religiösen Leben drinnen steht, nichts gegen Geisteswissenschaft einwenden kann, wenn er, wie gesagt eben nur guten Willens ist. Und ich möchte da — nicht gerade, weil ich glaube, dass durch dieses Beispiel alles gezeigt werden kann, aber dass es eben ein Beispiel ist, das herausgreift aus einer langen Entwicklung einen Fall —, ich möchte an dem Beispiel, an dem es gerade den Katholiken gelegen sein kann, aber auch in gewissem Sinne den Protestanten, ich möchte an diesem Beispiel zeigen, wie der Gegensatz zwischen Geisteswissenschaft und dem religiösen Leben nur auf einem Missverständnisse beruht. Und da möchte ich einmal über einen Punkt ganz unbefangen sprechen, über den Punkt, der zur Besprechung kommen kann, wenn man zurückweist das menschliche Nachdenken in Verhältnisse, in eine jetzt schon weit hinter uns gelegene, mittelalterliche Zeit-Epoche, zurückweist das menschliche Nachdenken auf die Philosophie, auf die katholische Kirchen-Philosophie des Thomas von Aquino.
[ 61 ] But today I would like to use a specific example to show once again that even those who are deeply committed to their religious life, if they are of good will, cannot object to Spiritual Science, provided, as I said, that they are of good will. And I would like to use this example — not precisely because I believe that everything can be shown through this example, but because it is an example that singles out one case from a long development — I would like to use this example, which may be of particular interest to Catholics, but also in a certain sense to Protestants, to show how the opposition between Spiritual Science and religious life is based solely on a misunderstanding. And here I would like to speak quite impartially about one point, the point that can be discussed when one rejects human thinking in terms of conditions that now lie far behind us, in a medieval era, when one rejects human thinking in terms of philosophy, in terms of the Catholic church philosophy of Thomas Aquinas.
[ 62 ] Derjenige, der auf Geisteswissenschaft nicht eingeht, wird heute ohne Weiteres sagen, wenn er glaubt, richtiger Katholik sein zu sollen: Mit demjenigen, was Philosophie des Thomas von Aquino ist — auf die jeder Katholik verpflichtet ist —, mit dem kann Geisteswissenschaft nicht irgendwie in eine Übereinstimmung gebracht werden. Und sehen wir genauer zu in Bezug auf Punkte der Philosophie, wie gesagt der katholisch christlichen Philosophie des Thomas von Aquino, die sogar durch eine päpstliche Enzyklika in der letzten Zeit zu der kirchlichen Philosophie der Katholiken geworden ist, diese Philosophie unterscheidet zweierlei Erkenntnisse. Ich kann mich natürlich auf ganz breiter Basis dieser Philosophie nicht einlassen, sondern nur auf dasjenige, [worauf es bei] der gegenwärtigen Besprechung ankommt, diese Philosophie unterscheidet zweierlei Arten von Erkenntnissen: erstens solche, die unbedingt überlassen sein müssen der göttlichen Offenbarung, die der Mensch aufnehmen muss, wie durch eine Mitteilung aus göttlicher Offenbarung heraus. Solche Wahrheiten sind im Sinne des Thomas von Aquino die Wahrheit von der Trinität, von der Dreigliedrigkeit des göttlichen Wesens, Vater, Sohn und Geist. Eine solche Wahrheit ist die Lehre von dem zeitlichen Anfang des Erdendaseins, die Lehre von dem Sündenfall und der Erlösung, von der Inkarnation des Christus in dem Jesus von Nazareth und die Lehre von den Sakramenten und eine Anzahl anderer Lehren. Das sind aber die wichtigsten, bloß auf die Mitteilungen aus der göttlichen Offenbarung heraus vom Menschen hinzunehmenden Wahrheiten. Das heißt, der Mensch soll nicht versuchen, durch andere Erkenntniskräfte, die er von sich aus entwickelt, der Trinität, der Sakramentenlehre, der Inkarnation, der Lehre von dem Erdenbeginne, von der Erlösung und so weiter nachzuforschen.
[ 62 ] Those who do not engage with Spiritual Science will readily say today, if they believe they should be proper Catholics: Spiritual Science cannot be reconciled with the philosophy of Thomas Aquinas — to which every Catholic is bound — cannot in any way be reconciled with Spiritual Science. And if we take a closer look at points of philosophy, as I said, the Catholic Christian philosophy of Thomas Aquinas, which has even recently become the ecclesiastical philosophy of Catholics through a papal encyclical, this philosophy distinguishes between two kinds of knowledge. Of course, I cannot go into this philosophy in great detail, but only into what is relevant to the present discussion. This philosophy distinguishes between two types of knowledge: firstly, knowledge that must necessarily be left to divine revelation, which man must receive as if through a communication from divine revelation. According to Thomas Aquinas, such truths are the truth of the Trinity, of the triune nature of the divine being, Father, Son, and Spirit. Such truths are the doctrine of the temporal beginning of earthly existence, the doctrine of the Fall and redemption, the incarnation of Christ in Jesus of Nazareth, the doctrine of the sacraments, and a number of other doctrines. But these are the most important truths that humans must accept solely on the basis of communications from divine revelation. This means that humans should not attempt to to investigate the Trinity, the doctrine of the sacraments, the Incarnation, the doctrine of the beginning of the earth, of redemption, and so on, through other powers of knowledge that he develops on his own.
[ 63 ] Außer diesen reinen Glaubenswahrheiten — wie sich Thomas von Aquino ausdrückt — erkennt Thomas von Aquino an diejenigen Erkenntnisse, die der Mensch aus sich allein heraus entwickelt kann, aus sich heraus entwickeln kann, indem er seine Erkenntniskräfte in Regsamkeit, in Bewegung bringt. Diese Erkenntnisse, die allein nicht den Glaubenswahrheiten vorbehalten sind, sind die sogenannten Präambula fidei. Die Präambula fidei, zu denen rechnet nun Thomas von Aquino alle diejenigen Wahrheiten, die sich darauf beziehen, dass ein Göttlich-Geistiges in der Welt vorhanden ist. Also das Dasein eines Göttlich-Geistigen, das Schöpfer, Regierer, Erhalter, Richter der Welt ist, das kann nicht bloß als Glaubenswahrheit im Sinne des Thomas von Aquino anerkannt werden, sondern als eine Erkenntnis, die zu den sogenannten Präambula fidei gehört. Das kann durch die Anstrengung der menschlichen Erkenntniskräfte selber anerkannt werden. Dann aber gehört zu alledem, was im Bereich der Präambula fidei liegt, dasjenige, was sich auf die geistige Natur des menschlichen Seelendaseins bezieht. Dann gehört alles dasjenige dazu, was sich auf die richtige Unterscheidung zwischen Gut und Böse bezieht. Es gehört alles dasjenige dazu, was die Grundlage für die Ethik, für die Sittenlehre des Menschen: für die [Lücke], für alles dasjenige, was wir heute Naturwissenschaft, Ästhetik und Anthropologie nennen, abgibt. Wir sehen also, dass im Sinne dieses kirchlichen Philosophen anzuerkennen sind erstens: Glaubenswahrheiten, zu denen die auf sich selbst gestellten menschlichen Erkenntniskräfte nicht hingelangen können, und andere Wahrheiten, die Präambula fidei, zu denen die auf sich selbst gestellten menschlichen Erkenntniskräfte herankommen können.
[ 63 ] In addition to these pure truths of faith — as Thomas Aquinas puts it — Thomas Aquinas recognizes those insights that humans can develop on their own, by activating and setting in motion their cognitive faculties. These insights, which are not reserved solely for the truths of faith, are the so-called Preambula fidei. Thomas Aquinas includes in the Preambula fidei all those truths that relate to the existence of a divine spirit in the world. In other words, the existence of a divine spirit that is the creator, ruler, maintainer, and judge of the world, cannot be recognized merely as a truth of faith in the sense of Thomas Aquinas, but as a knowledge that belongs to the so-called Preambula fidei. This can be recognized through the effort of the human powers of cognition themselves. But then, everything that lies within the realm of the Preambula fidei also includes that which relates to the spiritual nature of human soul existence. Then everything that relates to the correct distinction between good and evil also belongs to it. Everything that forms the basis for ethics, for the moral teaching of human beings, also belongs to it: for the [gap], for everything that we today call natural science, aesthetics, and anthropology. We see, then, that in the view of this ecclesiastical philosopher, we must recognize, first, truths of faith that cannot be attained by human powers of cognition acting on their own, and other truths, the praecambula fidei, which can be attained by human powers of cognition acting on their own.
[ 64 ] Nun ist leicht nachzuweisen, dass weder die Glaubenswahrheiten in dem Sinne, wie Thomas von Aquino sie meint, berührt werden von der Geisteswissenschaft, in einem Sinne, den Thomas von Aquino ausschließt; ferner ist nachzuweisen, dass die Fortbildung derjenigen Erkenntnisse, die Thomas von Aquino unter den Begriff der Präambula fidei fasst, im Sinne der Geisteswissenschaft nicht wider die Grundsätze, die Thomas von Aquino gegenüber den Präambula fidei entwickelt, verstößt. Man muss nur tiefer gerade in die Lehre des Thomas von Aquino eindringen. Erstens: die Trinität, die Sakramentenlchre, die Lehre von dem physischen Erdenanfang sind Wahrheiten nach dem Verlangen des Thomas von Aquino, zu denen sich die sich selbst überlassene menschliche Erkenntnis nicht aufschwingen kann. Solche Erkenntnis erkennt die Geisteswissenschaft durchaus an. Für die Geisteswissenschaft gibt es durchaus Erkenntnisse, die so behandelt werden müssen wie diese Glaubenswahrheiten, und sogar viel näher liegende Erkenntnisse als diese Glaubenswahrheiten. Sie alle wissen, dass der Mensch für sich etwas nur durch Mitteilung erkennen kann, wenn er zunächst auf dem Gebiete des äußeren Sinneslebens steht, nämlich dasjenige, was vorgegangen ist mit ihm um seine Geburt herum und bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem er sich zurückerinnert. Das muss man ihm mitteilen. Er kann sich nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte erinnern.
[ 64 ] Now it is easy to prove that neither the truths of faith in the sense meant by Thomas Aquinas are affected by Spiritual Science in a sense that Thomas Aquinas excludes; Furthermore, it can be demonstrated that the further development of those insights that Thomas Aquinas summarizes under the concept of the praemulga fidei, in the sense of Spiritual Science, does not violate the principles that Thomas Aquinas develops in relation to the praemulga fidei. One need only delve deeper into the teachings of Thomas Aquinas. First: the Trinity, the sacraments, and the doctrine of the physical origin of the earth are truths according to the desire of Thomas Aquinas, to which human knowledge left to itself cannot rise. Spiritual Science fully recognizes such knowledge. For Spiritual Science, there are certainly insights that must be treated in the same way as these truths of faith, and even insights that are much closer than these truths of faith. You all know that human beings can only recognize something for themselves through communication if they first have something in the realm of external sensory life , namely what happened to them around the time of their birth and up to the point in time to which they can remember. This must be communicated to them. They can only remember up to a certain point in time.
[ 65 ] Wenn nun der Mensch die geistigen Erkenntniskräfte ausbildet, von denen ich heute gesprochen habe, so sieht er zwar hinter diesen Zeitpunkt zurück; er verfolgt sich zurück bis zu dem Zeitpunkte, bis zur Geburt, bis zur Empfängnis, und [zurück] in die Zeit, die er erlebt hat zwischen dem Tod und der Geburt. Aber von dem Zeitpunkt ab, bis zu dem man sich zurückerinnert, wird das Anschauen ein innerliches, ein geistiges. Dasjenige, was wir hier äußerlich anschauen als ein äußerliches Ereignis, das sehen wir als äußerliches Ereignis durch die Entwicklung geistiger Fähigkeiten nicht, sonst wäre es unmöglich, dass wir uns die sinnlichen Fähigkeiten hinzuerwerben durch die sinnlichen [Beobachtungen]. Man sieht zwar innerlich den Zeitpunkt bis zu unserer Geburt zurück, aber das Äußere muss man äußerlich sehen. Und von dem Zeitpunkte an, bis zu dem man sich zurückerinnert bis zur Geburt selber, muss man auch dann auf die Mitteilungen seiner Umgebung gehen, wenn man das Innere durchschaut. Es beginnt dann, was man sieht, das Äußere, das dann ein geistig Äußerliches ist, erst wiederum ein Stück vor der Geburt, eine Zeit lang vor der Geburt, wo man sich in der geistigen Welt drinnen weiß, die man durchgemacht hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das innere Anschauen beginnt erst wiederum einen Zeitraum zurück.
[ 65 ] When a person develops the spiritual powers of cognition that I have spoken about today, they can look back beyond this point in time; they can trace themselves back to the moment of birth, to conception, and [back] to the time they experienced between death and birth. But from the moment they can remember back to, their vision becomes an inner, spiritual one. What we see here externally as an external event, we do not see as an external event through the development of spiritual abilities, otherwise it would be impossible for us to acquire the sensory abilities through sensory [observations]. We do see inwardly back to the moment of our birth, but we must see the external world externally. And from the moment to the point at which one remembers back to the birth itself, one must also rely on the communications of one's surroundings, even when one sees through the inner world. What one sees, the outer world, which is then a spiritual outer world, begins again a little before birth, for a time before birth, when one knows oneself to be in the spiritual world, which one has passed through between death and a new birth. The inner viewing only begins again a period of time ago.
[ 66 ] Also es gibt etwas, was trotz aller geistigen Entwicklung auf Mitteilung hingenommen wird auch innerhalb dieses Erdendaseins. Von demselben Charakter sind, nur mit Bezug auf eine höhere Stufe, diejenigen Wahrheiten, die Thomas von Aquino «Glaubenswahrheiten» nennt. Das, was einem mitgeteilt wird über seine Geburt und über seine Kindheit, man lernt es verstehen dadurch, dass man das Innere geistig erkennen lernt; aber man lernt eben nur das Mitgereilte verstehen, man fasst es dann in einer anderen Weise auf. So lernt man auch durch die Geisteswissenschaft in einem ganz anderen Sinne als durch die gewöhnliche Vernunft dasjenige kennen, was Thomas von Aquino Glaubenswahrheiten nennt — die Trinität, den Erdenanfang und so weiter. Aber man muss diese Wahrheiten, und zwar genau diejenigen merkwürdigerweise, die Thomas von Aquino als Glaubenswahrheiten bezeichnet, durch dasjenige erhalten, was wirklich im Laufe der Bibel-Offenbarungen und Traditions-Offenbarungen, insofern sie berechtigt sind, Mitteilung aus übersinnlichen Welten in die sinnlichen herein geworden ist. Wir sprechen allerdings auch auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft von geistigen Wesenheiten, die wir entdecken, von einer Dreiheit, aber wir sprechen nicht von dieser Dreiheit anders, als dass wir sie beobachten bei den geistigen Wesen. Dann lernen wir erkennen, wie die Dreiheit in einem Wesen lebt und wissen sie anzuwenden, wenn sie uns mitgeteilt wird durch die Offenbarungen, durch die Gegenstände der Glaubenswahrheiten. Wir lernen durch die Geisteswissenschaft erkennen den Erdenanfang. Wir wissen aber ganz gut, dass wir, wenn wir den Erdenanfang kennenlernen, ihn aus dem Erdengedächtnis heraus haben, dass wir gewissermaßen sein geistiges Gegenbild haben, und dass wir hinzu erhalten müssen eine Mitteilung darüber, die aus den sinnlichen Welten so kommt, wie die Mitteilungen über unsere Geburt und deren nächsten Jahre aus der sinnlichen Welt uns [zu] kommen.
[ 66 ] So there is something that, despite all spiritual development, is accepted as communication even within this earthly existence. Of the same character, only with reference to a higher level, are those truths that Thomas Aquinas calls “truths of faith.” What is communicated to one about one's birth and childhood is understood by learning to recognize the inner spiritually; but one only learns to understand what has been communicated, one then comprehends it in a different way. In this way, through Spiritual Science, one also learns to know, in a completely different sense than through ordinary reason, what Thomas Aquinas calls truths of faith — the Trinity, the beginning of the earth, and so on. But these truths, and strangely enough precisely those which Thomas Aquinas calls truths of faith, must be obtained through what has actually come into the sensory world from the super-sensory worlds in the course of the revelations of the Bible and the revelations of tradition, insofar as they are justified. messages from supersensible worlds have entered into the sensible world. In the field of Spiritual Science, we also speak of spiritual beings that we discover, of a trinity, but we do not speak of this trinity other than as we observe it in spiritual beings. Then we learn to recognize how the trinity lives in a being and know how to apply it when it is communicated to us through revelations, through the objects of the truths of faith. Through Spiritual Science we learn to recognize the beginning of the earth. But we know very well that when we learn about the beginning of the earth, we have it from the earth's memory, that we have, so to speak, its spiritual counterpart, and that we must receive a message about it that comes from the sensory worlds, just as the messages about our birth and the following years come to us from the sensory world.
[ 67 ] Ich kann das, was wiederum breit ausgeführt werden könnte, eben auch nur andeuten; aber gezeigt werden kann auf allen Gebieten, dass zwar dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, in die geistigen Welten hineinführt, dass aber bestehen bleibt eine Anzahl von Wahrheiten, gerade diejenigen, die Thomas von Aquino zu den Glaubenswahrheiten zählt, denen man sich zwar mit vollem Verständnisse nähert, wenn man sie aus der Offenbarung hat, die aber durch die sich selbst überlassenen Geisteskräfte eben nicht gefunden werden können. Sie können bewahrheitet werden, aber sie können nicht gefunden werden. Sie können bewahrheitet werden, wenn sie gegeben sind, verstanden werden, wenn sie gegeben sind. Den Glaubenswahrheiten gegenüber, sagt Thomas von Aquino, hat das menschliche Erkennen nur einen [apologetischen] Gebrauch, einen verteidigenden Gebrauch. Das ist in dem Sinne, wie ich es jetzt auseinandergesetzt habe, gerade mit der Geisteswissenschaft auch in Bezug auf die wirklichen, geoffenbarten Wahrheiten der Fall, nur dass Geisteswissenschaft ein intimeres Verständnis als die bloße äußere Vernunft für diese Wahrheiten gibt.
[ 67 ] I can only hint at what could be explained at length, but it can be shown in all areas that although Spiritual Science leads into the spiritual worlds, there remain a number of truths precisely those that Thomas Aquinas counts among the truths of faith, which can be approached with full understanding if one has them from revelation, but which cannot be found by the spiritual powers left to themselves. They can be verified, but they cannot be found. They can be verified if they are given, understood if they are given. In contrast to the truths of faith, says Thomas Aquinas, human cognition has only one [apologetic] use, a defensive use. In the sense that I have now explained, this is also the case with Spiritual Science in relation to the real, revealed truths, except that Spiritual Science provides a more intimate understanding of these truths than mere external reason.
[ 68 ] Und gehen wir über zu dem anderen, was Thomas von Aquino in den Bereich der Präambula fidei zählt da finden wir, dass er zunächst das Dasein Gottes für die Vernunft begreifbar findet. Für die Anschauung geistiger Art, wie ich sie entwickelt habe, ist nicht nur der göttliche Geist, sondern sind auch andere geistige Wesen, die übrigens Thomas von Aquino noch anerkennt, weil er zum Beispiel in den Sternen noch geistige Wesenheiten erblickt und daher eine Ahnung hat von jenen geistigen Wesenheiten, von denen ich heute gesprochen habe, dass sie herunterkommen zu den Pflanzen und sich mit ihnen verbinden. Geisteswissenschaft fügt hinzu aus ihren eigenen Erkenntniskräften zu den geistigen Erkenntniskräften, zu den Präambula fidei, andere Präambula fidei, die durch die Geistesschau erkannt werden können, und die natürlich dadurch, dass sie geistig sind, Wahrheiten liefern, die den Wahrheiten der Theologie selber näher stehen als die bloßen äußeren Vernunftwahrheiten.
[ 68 ] And if we move on to the other thing that Thomas Aquinas counts among the preambula fidei, we find that he first considers the existence of God to be comprehensible to reason. For the spiritual view of the world that I have developed, it is not only the divine spirit, but also other spiritual beings that Thomas Aquinas still recognizes, because he still sees spiritual beings in the stars, for example, and therefore has an inkling of those spiritual beings that I have spoken of today, that they come down to the plants and connect with them. Spiritual science adds to this from its own perspective that the soul is also a spiritual being. spiritual beings in the stars and therefore has an inkling of those spiritual beings of which I have spoken today, that they descend to the plants and connect with them. Spiritual Science adds from its own powers of cognition to the spiritual powers of cognition, to the Preambula fidei, other Preambula fidei that can be recognized through spiritual vision and which, of course, because they are spiritual, provide truths that are closer to the truths of theology itself than mere external rational truths.
[ 69 ] Ebenso ist es mit den anderen Dingen, die Thomas von Aquino in den Bereich der Präambula fidei legt. Daraus ersehen wir, sehr verehrte Anwesende, dass derjenige, der wirklich erkennt den Charakter der Präambula fidei, und nicht dasjenige, was nach dem Standpunkte des damaligen Menschenfortschrittes Thomas von Aquino selber aufzählt als Präambula fidei, nicht — auch nicht gegen Thomas von Aquino — verstößt, indem er über die bloße äußere Vernunftwissenschaft hinaus zu den Geisteswissenschaften fortschreitet. Man kann im strengsten Sinne beweisen, dass der Charakter der Präambula fidei aufrechterhalten bleibt, wenn man auch dasjenige, was Thomas von Aquino für die Präambula fidei zeigt, an Wissen entwickelt, in dem Sinne der heutigen Geisteswissenschaft ausbreitet. Man muss nur in sich durchdrungen sein von dem Impuls des wahren menschlichen Fortschrittes, muss anerkennen, dass auf beiden Gebieten Fortschritt geschehen kann, dann wird man, selbst wenn man sich berufen will auf diesen kirchlich anerkannten Philosophen, einen wirklichen Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft und der religiösen Offenbarung nicht finden können, wenn man eben guten Willens ist.
[ 69 ] The same applies to the other things that Thomas Aquinas places in the realm of the preambula fidei. From this we see, dear attendees, that those who truly recognize the character of the preambula fidei, and not what Thomas Aquinas himself lists as preambula fidei from the standpoint of human progress at that time, do not transgress—even against Thomas Aquinas—by progressing beyond mere external rational science to the Spiritual Science. . It can be proven in the strictest sense that the character of the Preambula fidei is maintained if one also develops what Thomas Aquinas shows to be the Preambula fidei into knowledge, expanding it in the sense of today's Spiritual Science. One need only be imbued with the impulse of true human progress, one must recognize that progress can be made in both fields, then even if one wants to refer to this philosopher recognized by the Church, one will not be able to find a real contradiction between Spiritual Science and religious revelation, if one is of good will.
[ 70 ] Auf diesen guten Willen, sehr verehrte Anwesende, ist aber Geisteswissenschaft oder Anthroposophie selbstverständlich sowohl angewiesen gegenüber der Naturwissenschaft, der sie nicht widerspricht, sondern die sie nur erweitert, wie auch gegenüber dem religiösen Bekenntnis, dem sie nicht widerspricht, sondern nur die der modernen Zeit sichere Grundlage bietet. Aber derjenige, der heute noch in dieser Geisteswissenschaft drinnen sich seine Überzeugung sucht, die ihm das Band geben soll zwischen der äußeren Wissenschaft und der Religion, der muss schon auch ein wenig sich durchdringen von jener Empfindung, welche die Betrachtung des geschichtlichen Lebens der Menschheit gibt über das Leben, von Wahrheiten selber, die sich erst aus dem Dunkel des menschlichen Strebens an die Oberfläche heraufarbeiten und so nach und nach erst anerkannt werden.
[ 70 ] This good will, dear attendees, is of course necessary for Spiritual Science or anthroposophy, both in relation to natural science, which it does not contradict but only expands, and in relation to religious belief, which it does not contradict but only provides a secure foundation for in modern times. But those who still seek their convictions in this Spiritual Science today, which is supposed to provide them with a link between external science and religion, must also be somewhat imbued with the feeling that comes from observing the historical life of humanity, from truths themselves that first emerge from the darkness of human striving and are only gradually recognized.
[ 71 ] Da denkt dann der Geistesforscher gegenüber dem Spott und Hohn, der ihn heute noch vielfach zuteilwird, er denkt, wie es anderen Dingen, die leichter sich in die Außenwelt einleben, weil sie dem Nützlichkeitsprinzip zusprechen, wie es denen ergangen ist. Nun, im neunzehnten Jahrhundert sind ja erst die Eisenbahnen dem äußeren Kulturleben eingefügt worden. Ein Verwaltungskörper, der auch damals moderne Mediziner in sich hatte, hatte sein erleuchtetes Urteil abzugeben darüber, ob man Eisenbahnen bauen solle oder nicht, als die ersten Eisenbahnen in Mitteleuropa gebaut werden sollten. Damals hat dieser erleuchtete Verwaltungskörper, in dem auch erleuchtete Mediziner gesessen haben — wirklich, das ist dokumentarisch nun nachgewiesen —, das Urteil abgegeben: Man solle keine Eisenbahnen bauen, denn die Menschen, die darinnen fahren wollten, würden es nimmermehr vertragen können gesundheitlich, in Eisenbahnen zu fahren. Und wenn doch schon solche sich finden würden, welche in Eisenbahnen fahren, dass man für sie Eisenbahnen bauen müsste — so gab diese erleuchtete Körperschaft ihr Votum ab —, dann müsse man wenigstens links und rechts von den Eisenbahnen hohe Bretterwände aufführen! Sehr verehrte Anwesende, das ist dokumentarisch nachzuweisen und liegt nur eine Anzahl von Jahrzehnten hinter uns. Man müsse hohe Bretterwände aufrichten, weil sonst diejenigen, an denen die Eisenbahnen vorbeifahren, durch die schnelle Bewegung der Eisenbahnen Gehirnerschütterung bekommen müssen. Ich erzähle Ihnen keine Fabel, sondern ich erzähle Ihnen ein Kulturereignis des neunzehnten Jahrhunderts. Allerdings, geistigen Dingen geht es manchmal auch nicht besser, geistigen Dingen, die später voll anerkannt werden.
[ 71 ] Then the spiritual researcher, faced with the ridicule and scorn that is still often directed at him today, thinks about how other things that are easier to integrate into the outer world because they appeal to the principle of utility have fared. Well, in the nineteenth century, railways were first introduced into external cultural life. An administrative body, which even then included modern physicians, had to give its enlightened opinion on whether or not railways should be built when the first railways were to be built in Central Europe. At that time, this enlightened administrative body, which also included enlightened physicians—this has now been proven by documentary evidence—passed the following judgment: Railroads should not be built, because the people who wanted to travel in them would never be able to tolerate traveling in railroads for health reasons. And if there were indeed people who wanted to travel in railroads, then, according to the vote of this enlightened body, high wooden walls would have to be erected on both sides of the railways! Ladies and gentlemen, this is documented and only a few decades behind us. High wooden walls would have to be erected because otherwise those passing by the railways would suffer concussions from the rapid movement of the trains. I am not telling you a fable, but recounting a cultural event of the nineteenth century. However, intellectual matters are sometimes no better off, intellectual matters that are later fully recognized.
[ 72 ] Ich möchte gern jemanden sehen, der heute nicht in den weitesten Kreisen sich entzückt fände, wenn er Beethovens Siebte Symphonie hört. Als ein großes Kunstwerk wird sie selbstverständlich von jedem anerkannt, diese Siebte Symphonie. Als sie zuerst aufgeführt wurde, hat nicht ein unbedeutender Mensch — man braucht sich wahrhaftig nicht gerade auf unbedeutende Menschen zu berufen, wenn man sich auf diejenigen, die nicht verstehen können, berufen will, das gewisse Wahrheiten und Kulturerrungenschaften fortschreiten —, nicht ein unbedeutender Mann, sondern der berühmte Komponist des «Freischütz», Weber, hat diesen Ausspruch getan. Er hörte die Siebte Symphonie Beethovens in der Weise, dass er sagte:
[ 72 ] I would like to see someone today who would not be delighted when listening to Beethoven's Seventh Symphony. This Seventh Symphony is, of course, recognized by everyone as a great work of art. When it was first performed, it was not an insignificant person — one really does not need to refer to insignificant people if one wants to refer to those who cannot understand that certain truths and cultural achievements progress —, not an insignificant man, but the famous composer of “Der Freischütz,” Weber, made this statement. He heard Beethoven's Seventh Symphony in such a way that he said:
Die Extravaganzen dieses sonderbaren Genies erreichen mit dieser Siebenten Symphonie ihr Nonplusultra; Beethoven ist jetzt ganz reif für das Irrenhaus!
The extravagances of this strange genius reach their ultimate in this Seventh Symphony; Beethoven is now ripe for the madhouse!
[ 73 ] Weber, der Komponist des «Freischütz», hat dieses Urteil abgegeben. Und der Abbe Stadler, der gehört hat diese Siebte Symphonie Beethovens gleichzeitig dazumal, der ist mit seinem Verständnisse nur gekommen bis zu dem heute so sehr bewunderten E in dieser Symphonie und sagte:
[ 73 ] Weber, the composer of “Der Freischütz,” made this judgment. And Abbot Stadler, who heard Beethoven's Seventh Symphony at the same time, only understood the E in this symphony, which is so admired today, and said:
Schon wieder das e! Dem Kerl fällt eben nichts ein, es ist trostlos geworden mit ihm!
That E again! The fellow can't think of anything else; it has become dreary with him!
[ 74 ] Wenn man studiert die Entwicklung der Wahrheiten und das Einleben der Wahrheiten in den menschlichen Fortschritt, dann muss man solche Dinge, die zu Hunderten und Aberhunderten aufgeführt werden könnten, wohl beachten. Dann erst lernt man Zuversicht gewinnen zu demjenigen, was man in seiner Erkenntniskraft und Wahrheit nur innerlich erkennt, und was der Welt ringsherum noch eben in vieler Beziehung fremd ist. Aber in Bezug auf solche Dinge darf ja erinnert werden auch an Größeres. Und im Hinblicke auf etwas, was als Größeres in die Geistesentwicklung der Menschheit eingetreten ist, dürfen heute diejenigen Menschen, welche aus dem in diesem Vortrage charakterisierten Bedürfnisse sich in der Pflege der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zusammengefunden haben, mit Zuversicht der Zukunft entgegengehen. Blicken wir an den Beginn der neueren Zeitrechnung, blicken wir auf die Entwicklung des Römischen Reiches, wie es sich entwickelte so im Sinne desjenigen, was im Beginne unserer Zeitrechnung, im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Rom, als dasjenige bezeichnete, für was man sich interessierte, als dasjenige bezeichnete, was einem gebildeten Menschen würdig war, als dasjenige bezeichnete, womit man sich einzig und allein als etwas Daseinswürdigem befassen dürfe. Und blicken wir dann auf dasjenige, was sich später in rascher Entwicklung in die Herzen der Menschen hineingefunden hat, blicken wir auf das Christentum selber. Da haben wir in dem ersten Jahrhundert oben, ober der Erde — und hier ist es auch räumlich wahr —, ober der Erde das römische Leben, und unter der Erde in den Katakomben diejenigen, die um ihre geliebten Toten herum dem Erlöser die ersten Dienste tun. Und erinnern wir uns, wie sie da um ihre Toten herum dem Erlöser die ersten Dienste taten, unten in den Katakomben, wie sie nicht nur unwürdig befunden wurden, sich zu gesellen unter diejenigen, die von der damaligen Bildung und in der damaligen Bildung lebten, sondern wie sie zu Märtyrern gemacht geworden sind. Schauen wir uns genau an dieses obere menschliche Leben im alten Rom und dieses unterirdische Leben der Katakomben, und wenden wir den Blick auf Europa ein paar Jahrhunderte danach; verschwunden das Leben oben /Lücke] und heraufgekommen, [Menschheitsseele] besiegend, dasjenige, was in die unterirdischen Räume im Beginne unserer Zeitrechnung gebannt wurde!
[ 74 ] When one studies the development of truths and the establishment of truths in human progress, one must pay attention to such things, which could be listed by the hundreds and hundreds. . Only then can one learn to gain confidence in what one recognizes only inwardly in one's power of cognition and truth, and which is still foreign to the world around us in many respects. But in relation to such things, we may also remember greater things. And in view of something that has entered into the spiritual development of humanity as something greater, those people who have come together in the cultivation of Spiritual Science or anthroposophy out of the needs characterized in this lecture can look to the future with confidence. If we look back to the beginning of the modern era, if we look at the development of the Roman Empire, how it developed in the sense of what, at the beginning of our era, in the first century of our era in Rome, as that which was of interest, as that which was worthy of an educated person, as that which alone was worthy of attention. And let us then look at what later found its way into the hearts of people through rapid development, let us look at Christianity itself . There we have, in the first century, above ground — and here it is also spatially true — above ground, Roman life, and below ground, in the catacombs, those who, surrounded by their beloved dead, perform the first services to the Savior. And let us remember how they performed the first services to the Savior around their dead, down in the catacombs, how they were not only found unworthy to associate with those who lived by the education of the time and in the education of the time, but how they became martyrs. Let us take a close look at this upper human life in ancient Rome and this underground life in the catacombs, and turn our gaze to Europe a few centuries later; the life above had disappeared [gap] and risen up, [humanity's soul] conquering that which was banished to the underground spaces at the beginning of our era!
[ 75 ] An dieses große Beispiel sich haltend, sehr verehrte Anwesende, dürfen diejenigen, die sich heute Anthroposophen nennen, sich schon versammeln in ihren Räumen, in den Räumen, die man ja auch anfängt zu verlästern, die man dilettantisch und so weiter findet, als gewissermaßen geistig in Unterirdischen, geistigen Katakomben lebend und sie dürfen ruhig hinblicken auf diejenigen, die sich im Besitze der heutigen Wissenschaft glauben, die da glauben, dass unwürdig ist dasjenige, was von Anthroposophie kommt, dieser tonangebenden, die Welt beherrschenden Wissenschaft. Das wirkliche historische — nicht das willkürliche — Urteil werden erst die folgenden Jahrhunderte, vielleicht auch eine viel frühere Zeit, abgeben, wenn Ähnliches geschehen sein wird, wenn dasjenige, was heute noch verachtet wird, heraufgezogen sein wird, und die Menschenseelen als ein Band zwischen dem äußeren Naturleben und dem geistigen Leben erobern wird.
[ 75 ] Holding fast to this great example, dear attendees, those who today call themselves anthroposophists may already gather in their rooms, in the rooms which people are beginning to disparage, finding them amateurish and so on, as living, in a sense, in spiritual underground catacombs, and they may calmly look upon those who believe themselves to be in possession of today's science, who believe that what comes from anthroposophy is unworthy of this dominant science that rules the world. The real historical — not the arbitrary — judgment will only be made in the centuries to come, perhaps even much earlier, when something similar has happened, when that which is still despised today will have risen and conquered the souls of human beings as a link between outer natural life and spiritual life.
[ 76 ] [Auf solches Schicksal des Wahrheitslebens blickt derjenige, der seine Überzeugung durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft festigen will, der in ihr sucht einmal den Weg zu der äußeren Naturwissenschaft, dem äußeren Leben überhaupt, und dem religiösen Leben. Und wenn er sich recht durchdringt mit dem, was ihm als Empfindung werden kann aus der Anschauung dieses Schicksals der Wahrheit heraus, dann stört es ihn nicht, dass Gegnerschaft, vielleicht auch Spott und Hohn, dasjenige noch trifft, was ihm als heilige Wahrheit erscheint. Denn mit der Empfindung, die man aus der Anschauung solcher Ereignisse — wie selbst das Christentum, das größte irdische Ereignis, eines ist —, mit der Empfindung, die man aus der Anschauung dieser Ereignisse heraus gewinnt, festigt sich dasjenige, was die menschliche Seele gegenüber der Wahrheit, die sie erkannt zu haben glaubt, empfinden muss, aber auch empfinden kann; trotz allen Widerspruchs, trotz allen Spotts und Hohns. Die Entwicklung der Welt ist doch eine solche, dass die Wahrheit siegen wird. Und im Bewusstsein dessen, dass die Wahrheit siegen wird, kann derjenige, der sich auch nur von einer erst aufblühenden Wahrheit durchdringt, mit einer Empfindung durchdringt, die ihn trägt und hält; denn diese Empfindung entwickelt sich allmählich so, dass sie wirklich Wärme und Licht empfangen, von dem Leben empfunden [unleserlich] ist [Lücke]. Die Wahrheit wird trotz aller äußeren Widersacher immer siegen in der Welt.
[ 76 ] [Those who wish to strengthen their convictions through anthroposophy or Spiritual Science, who seek in it the path to external natural science, to external life in general, and to religious life, face such a fate for the life of truth. And if they truly penetrate what can become a feeling for them from the contemplation of this fate of truth, then it does not disturb them that opposition, perhaps even ridicule and scorn, still affects what appears to them as sacred truth. For with the feeling that one gains from contemplating such events — such as Christianity itself, the greatest earthly event — with the feeling that one gains from observing these events, what the human soul must feel, but can also feel, towards the truth it believes it has recognized is strengthened, despite all contradiction, despite all ridicule and scorn. The development of the world is such that truth will prevail. And in the awareness that truth will prevail, those who are imbued with even a truth that is just beginning to blossom can be imbued with a feeling that sustains and supports them; for this feeling gradually develops in such a way that it truly receives warmth and light, felt by life [illegible] is [gap]. Despite all external adversaries, truth will always prevail in the world.
