So That Man May Become Fully Human
GA 82
10 April 1922, The Hague
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Damit der Mensch ganz Mensch werde, 2nd ed.
4. Die anthroposophische Forschungsmethode
4. Die anthroposophische Forschungsmethode
[ 1 ] Was an der Anthroposophie für viele Menschen, die sie noch nicht genauer kennen, am meisten befremdend wirkt, das ist, daß diese Anthroposophie nicht nur zu reden hat über anderes, als man heute gewohnt ist, in der äußeren Wissenschaft und im Leben zu hören, sondern daß sie auch in anderer Weise, in anderer Form reden muß. Und in einem gewissen Sinne verzeiht man der Anthroposophie gerade diese andere Ausdrucksweise, diese andere Form am wenigsten. Man beginnt dann sogleich, dasjenige, was Anthroposophie zu sagen hat, zu messen, zu kritisieren durch dasjenige, was man gewöhnt ist, was man sonst in der heutigen Wissenschaft und im heutigen Leben hat.
[ 1 ] Was an der Anthroposophie für viele Menschen, die sie noch nicht genauer kennen, am meisten befremdend wirkt, das ist, daß diese Anthroposophie nicht nur zu reden hat über anderes, als man heute gewohnt ist, in der äußeren Wissenschaft und im Leben zu hören, sondern daß sie auch in anderer Weise, in anderer Form reden muß. Und in einem gewissen Sinne verzeiht man der Anthroposophie gerade diese andere Ausdrucksweise, diese andere Form am wenigsten. Man beginnt dann sogleich, dasjenige, was Anthroposophie zu sagen hat, zu messen, zu kritisieren durch dasjenige, was man gewöhnt ist, was man sonst in der heutigen Wissenschaft und im heutigen Leben hat.
[ 2 ] Es wird das, was ich eben gesagt habe, wohl am meisten hervortreten müssen heute, wo ich vor Ihnen zu sprechen habe über die Art und Weise, über die Methoden, wie Anthroposophie zu ihren Forschungsergebnissen gelangt. Diese Methoden haben ja etwas ganz anderes an sich als die äußeren Beobachtungsmethoden und auch als die gewöhnlichen Denkmethoden. Man ist heute gewöhnt, wenn von wissenschaftlicher Methodik geredet wird, Dinge erklärt zu bekommen, die von außen an den Menschen herankommen: Beobachtungen, Experimente und so weiter. Und in der Behandlung der Beobachtung und des Experiments sieht man dann die Methoden der Forschung.
[ 2 ] Es wird das, was ich eben gesagt habe, wohl am meisten hervortreten müssen heute, wo ich vor Ihnen zu sprechen habe über die Art und Weise, über die Methoden, wie Anthroposophie zu ihren Forschungsergebnissen gelangt. Diese Methoden haben ja etwas ganz anderes an sich als die äußeren Beobachtungsmethoden und auch als die gewöhnlichen Denkmethoden. Man ist heute gewöhnt, wenn von wissenschaftlicher Methodik geredet wird, Dinge erklärt zu bekommen, die von außen an den Menschen herankommen: Beobachtungen, Experimente und so weiter. Und in der Behandlung der Beobachtung und des Experiments sieht man dann die Methoden der Forschung.
[ 3 ] So ist es bei Anthroposophie nicht, insbesondere dann nicht, wenn es sich um die Grundlegung dieser Anthroposophie handelt. Und von der habe ich ja heute hauptsächlich zu sprechen. Gewiß, wenn dann Anthroposophie, wie ja auch aus den hier schon gepflogenen Auseinandersetzungen hervorgeht, sich verbreitet über die einzelnen Wissenschaften, über Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und so weiter, dann werden sich die Methoden der geistigen Forschung, von denen ich heute zu reden habe, in irgendeinem Punkte berühren mit den Experimental- und Beobachtungsmethoden, die man sonst gewöhnt ist in der Klinik, im Laboratorium, auf der Sternwarte und so weiter. Aber heute soll es sich für uns zunächst um die Grundlegung handeln, um die Art gewissermaßen, wie man hineinkommt in diejenige Seelenverfassung, durch die man überhaupt anthroposophische Ergebnisse vor die Welt hinstellen kann. Da handelt es sich durchaus darum, daß auf dem Gebiete der Anthroposophie erst geforscht werden kann, wenn der Forscher seine Seelenkräfte, seine Erkenntniskräfte weiter ausbildet, als sie im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Man muß dasjenige entwickeln, was ich nennen möchte intellektuelle Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit kann man etwa in der folgenden Weise charakterisieren. Man denke zurück an die Zeit, als man ein Kind war, denke an die seelisch-dumpfen Erlebnisse der ersten Kindheit. Man wird sich sagen müssen, der klare Überblick über das Leben und über die Weltumgebung, den man im späteren Leben sich erworben hat, der fehlte da noch. Das Orientierungsvermögen der Welt gegenüber fehlte noch. Das alles hat man in sich entwickelt. Man ist gegenüber seiner Kindheit außer dem Körperlich-Leiblichen auch seelisch-geistig ein ganz anderer Mensch geworden. Fähigkeiten sind herausgesproßt aus dem Inneren, die einem nunmehr im Leben und in der Wissenschaft dienen. So, wie nun heute einmal die menschliche Seelenverfassung ist, so sagt sich eben der Mensch: Gewiß, Erziehung und Leben haben seit meiner Kindheit gewisse Fähigkeiten aus meinem Inneren hervorgezogen. Aber jetzt bin ich auch fertig. Jetzt habe ich gewisse Fähigkeiten; mit denen will ich die Welt erkennen, mit denen will ich mich als handelnder, als tätiger Mensch in die Welt hineinstellen; mit denen will ich auch beurteilen meine religiösen, meine sittlichen Impulse. Man sagt sich nicht: Dasjenige, was von der Kindheit bis jetzt mit der menschlichen Seele sich abgespielt hat, das könnte sich vielleicht auch weiter abspielen. Man könnte sich ja auch sagen: Ich könnte ja weitere Fähigkeiten aus meiner Seele herausholen. Dann würde ich mit voller Bewußtheit aus mir einen Menschen mit einem ganz anderen Seelenvermögen machen, einen Menschen, der sich vielleicht von dem heutigen normalen Menschen ebenso unterschiede, wie ich mich selber in meiner jetzigen Seelenverfassung von der kindlichen Seelenverfassung unterscheide.
[ 3 ] So ist es bei Anthroposophie nicht, insbesondere dann nicht, wenn es sich um die Grundlegung dieser Anthroposophie handelt. Und von der habe ich ja heute hauptsächlich zu sprechen. Gewiß, wenn dann Anthroposophie, wie ja auch aus den hier schon gepflogenen Auseinandersetzungen hervorgeht, sich verbreitet über die einzelnen Wissenschaften, über Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und so weiter, dann werden sich die Methoden der geistigen Forschung, von denen ich heute zu reden habe, in irgendeinem Punkte berühren mit den Experimental- und Beobachtungsmethoden, die man sonst gewöhnt ist in der Klinik, im Laboratorium, auf der Sternwarte und so weiter. Aber heute soll es sich für uns zunächst um die Grundlegung handeln, um die Art gewissermaßen, wie man hineinkommt in diejenige Seelenverfassung, durch die man überhaupt anthroposophische Ergebnisse vor die Welt hinstellen kann. Da handelt es sich durchaus darum, daß auf dem Gebiete der Anthroposophie erst geforscht werden kann, wenn der Forscher seine Seelenkräfte, seine Erkenntniskräfte weiter ausbildet, als sie im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft sind. Man muß dasjenige entwickeln, was ich nennen möchte intellektuelle Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit kann man etwa in der folgenden Weise charakterisieren. Man denke zurück an die Zeit, als man ein Kind war, denke an die seelisch-dumpfen Erlebnisse der ersten Kindheit. Man wird sich sagen müssen, der klare Überblick über das Leben und über die Weltumgebung, den man im späteren Leben sich erworben hat, der fehlte da noch. Das Orientierungsvermögen der Welt gegenüber fehlte noch. Das alles hat man in sich entwickelt. Man ist gegenüber seiner Kindheit außer dem Körperlich-Leiblichen auch seelisch-geistig ein ganz anderer Mensch geworden. Fähigkeiten sind herausgesproßt aus dem Inneren, die einem nunmehr im Leben und in der Wissenschaft dienen. So, wie nun heute einmal die menschliche Seelenverfassung ist, so sagt sich eben der Mensch: Gewiß, Erziehung und Leben haben seit meiner Kindheit gewisse Fähigkeiten aus meinem Inneren hervorgezogen. Aber jetzt bin ich auch fertig. Jetzt habe ich gewisse Fähigkeiten; mit denen will ich die Welt erkennen, mit denen will ich mich als handelnder, als tätiger Mensch in die Welt hineinstellen; mit denen will ich auch beurteilen meine religiösen, meine sittlichen Impulse. Man sagt sich nicht: Dasjenige, was von der Kindheit bis jetzt mit der menschlichen Seele sich abgespielt hat, das könnte sich vielleicht auch weiter abspielen. Man könnte sich ja auch sagen: Ich könnte ja weitere Fähigkeiten aus meiner Seele herausholen. Dann würde ich mit voller Bewußtheit aus mir einen Menschen mit einem ganz anderen Seelenvermögen machen, einen Menschen, der sich vielleicht von dem heutigen normalen Menschen ebenso unterschiede, wie ich mich selber in meiner jetzigen Seelenverfassung von der kindlichen Seelenverfassung unterscheide.
[ 4 ] Wie gesagt, es gehört intellektuelle Bescheidenheit dazu, um sich in einem gewissen Zeitpunkte seines Lebens das zu sagen, was ich eben charakterisiert habe, und es dann auch praktisch zu machen. Es praktisch zu machen in der Art, daß man wirklich versucht, nun weiterzukommen, in der Seele verborgene Fähigkeiten heraufzuholen zum Ziele weiteren Forschens. Denn woher sollten denn die Forschungsergebnisse, die man in der heutigen Wissenschaft hat, woher sollten die sittlich-religiösen Impulse, die man im heutigen Leben hat, in der Welt Platz gegriffen haben, wenn alle Menschen nur mit derjenigen Seelenverfassung sich weiterentwikkelt hätten, die sie in der Kindheit hatten?
[ 4 ] Wie gesagt, es gehört intellektuelle Bescheidenheit dazu, um sich in einem gewissen Zeitpunkte seines Lebens das zu sagen, was ich eben charakterisiert habe, und es dann auch praktisch zu machen. Es praktisch zu machen in der Art, daß man wirklich versucht, nun weiterzukommen, in der Seele verborgene Fähigkeiten heraufzuholen zum Ziele weiteren Forschens. Denn woher sollten denn die Forschungsergebnisse, die man in der heutigen Wissenschaft hat, woher sollten die sittlich-religiösen Impulse, die man im heutigen Leben hat, in der Welt Platz gegriffen haben, wenn alle Menschen nur mit derjenigen Seelenverfassung sich weiterentwikkelt hätten, die sie in der Kindheit hatten?
[ 5 ] Und so ist es eben durchaus notwendig für anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Forschung, einmal ganz ernsthaft sich auf den Standpunkt zu stellen: Ich will in meiner Seele schlummernde Fähigkeiten, die heute noch so schlummern, wie einstmals die heute offenbaren Fähigkeiten während der Kindheit in meiner Seele geschlummert haben, aus meiner Seele herausholen.
[ 5 ] Und so ist es eben durchaus notwendig für anthroposophisch-geisteswissenschaftliche Forschung, einmal ganz ernsthaft sich auf den Standpunkt zu stellen: Ich will in meiner Seele schlummernde Fähigkeiten, die heute noch so schlummern, wie einstmals die heute offenbaren Fähigkeiten während der Kindheit in meiner Seele geschlummert haben, aus meiner Seele herausholen.
[ 6 ] Ich werde noch auszuführen haben, daß nicht jeder, der wirklich sich zur anthroposophischen Forschung bekennen will, oder der selber mit darin tätig sein will, in diesem Sinne auch ein Forscher werden muß, wie ich es eben angedeutet habe. Aber um wirkliche Ergebnisse, wirkliche Resultate zu erreichen, muß so etwas eintreten, wie ich gesagt habe. Wenn dann diese Forschungsergebnisse der Welt übergeben werden, dann sind sie durchaus zugänglich für den gesunden Menschenverstand, können von ihm geprüft werden; ebenso gut, wie auch derjenige, der kein Maler ist, ein Bild künstlerisch beurteilen kann. Also, zum Verstehen der Anthroposophie ist nicht nötig, daß man alles dasjenige durchmacht, was ich heute werde zu schildern haben, aber zum Forschen ist es nötig. Und besprochen zu werden ist es auch nötig aus dem Grunde, weil gewissermaßen der anthroposophische Forscher vor seiner Mitwelt, vor seinen Mitmenschen Rechenschaft abzulegen hat, wie er zu seinen Ergebnissen kommt.
[ 6 ] Ich werde noch auszuführen haben, daß nicht jeder, der wirklich sich zur anthroposophischen Forschung bekennen will, oder der selber mit darin tätig sein will, in diesem Sinne auch ein Forscher werden muß, wie ich es eben angedeutet habe. Aber um wirkliche Ergebnisse, wirkliche Resultate zu erreichen, muß so etwas eintreten, wie ich gesagt habe. Wenn dann diese Forschungsergebnisse der Welt übergeben werden, dann sind sie durchaus zugänglich für den gesunden Menschenverstand, können von ihm geprüft werden; ebenso gut, wie auch derjenige, der kein Maler ist, ein Bild künstlerisch beurteilen kann. Also, zum Verstehen der Anthroposophie ist nicht nötig, daß man alles dasjenige durchmacht, was ich heute werde zu schildern haben, aber zum Forschen ist es nötig. Und besprochen zu werden ist es auch nötig aus dem Grunde, weil gewissermaßen der anthroposophische Forscher vor seiner Mitwelt, vor seinen Mitmenschen Rechenschaft abzulegen hat, wie er zu seinen Ergebnissen kommt.
[ 7 ] Nun möchte ich ausgehen von dem Fundamentalsten, von dem man gerade in der heutigen Zeit ausgehen kann, wenn man die anthroposophische Forschungsmethode charakterisieren will. Sie können im Grunde genommen schon alles, was erstes, sagen wir, Axiom, was erstes Elementarstes ist, um die anthroposophische Forschungsmethode zu durchschauen, in meiner «Philosophie der Freiheit», ja, in noch älteren meiner Bücher finden. Diese «Philosophie der Freiheit» ist 1894 erschienen, und viel früher eigentlich geschrieben. Es wird manche, die dieses Buch kennen, vielleicht sogar überraschen, daß ich diese Behauptung tue, und dennoch ist es wahr: das elementarste Verständnis anthroposophischer Forschungsmethoden kann aus dieser «Philosophie der Freiheit» geholt werden. Es muß dann allerdings dasjenige, was man da als elementares Verständnis holt, weiter ausgebildet werden. Es ist eben nur das Elementarste in dieser «Philosophie der Freiheit» zu finden. Aber dieses Elementarste ist eben aufzufinden.
[ 7 ] Nun möchte ich ausgehen von dem Fundamentalsten, von dem man gerade in der heutigen Zeit ausgehen kann, wenn man die anthroposophische Forschungsmethode charakterisieren will. Sie können im Grunde genommen schon alles, was erstes, sagen wir, Axiom, was erstes Elementarstes ist, um die anthroposophische Forschungsmethode zu durchschauen, in meiner «Philosophie der Freiheit», ja, in noch älteren meiner Bücher finden. Diese «Philosophie der Freiheit» ist 1894 erschienen, und viel früher eigentlich geschrieben. Es wird manche, die dieses Buch kennen, vielleicht sogar überraschen, daß ich diese Behauptung tue, und dennoch ist es wahr: das elementarste Verständnis anthroposophischer Forschungsmethoden kann aus dieser «Philosophie der Freiheit» geholt werden. Es muß dann allerdings dasjenige, was man da als elementares Verständnis holt, weiter ausgebildet werden. Es ist eben nur das Elementarste in dieser «Philosophie der Freiheit» zu finden. Aber dieses Elementarste ist eben aufzufinden.
[ 8 ] In dieser «Philosophie der Freiheit» habe ich versucht festzustellen, woher die moralischen Impulse, die ethischen, die sittlichen Impulse des Menschen eigentlich kommen. Nun werde ich, weil ich ja heute nur kurz andeutend diese «Philosophie der Freiheit» werde charakterisieren können, sie in etwas anderer Art charakterisieren, als es in dem Buche selbst geschehen ist, anknüpfend an einiges, das ich an den vorhergehenden Tagen hier ausgesprochen habe.
[ 8 ] In dieser «Philosophie der Freiheit» habe ich versucht festzustellen, woher die moralischen Impulse, die ethischen, die sittlichen Impulse des Menschen eigentlich kommen. Nun werde ich, weil ich ja heute nur kurz andeutend diese «Philosophie der Freiheit» werde charakterisieren können, sie in etwas anderer Art charakterisieren, als es in dem Buche selbst geschehen ist, anknüpfend an einiges, das ich an den vorhergehenden Tagen hier ausgesprochen habe.
[ 9 ] Wer diese «Philosophie der Freiheit» liest, der wird, wie ich glaube, finden, daß darin etwas herrscht wie ein mathematisches Denken - sonderbar, aber es ist doch so —, ein mathematisches Denken, indem eigentlich diese «Philosophie der Freiheit» darauf zielt, den menschlichen Freiheitsimpuls und die sittlichen Impulse zu finden. Aber die Art und Weise, wie in dieser «Philosophie der Freiheit» versucht wird, über die moralische Welt zu reden, die unterscheidet sich qualitativ nicht von demjenigen, das in uns als Seelenverfassung vorhanden ist, wenn wir mathematisieren. Ich habe dieses Mathematisieren charakterisiert an den vorhergehenden Tagen. Ich habe gezeigt, wie es aus dem Inneren des Menschen heraus lebendig geschöpft wird, wie wir uns dann wie gewissermaßen vergessen, wie wir vergessen, daß wir den mathematischen Raum aus uns selber geschöpft haben, wie wir dann in diesem Raum mit unserer Raumesanschauung leben. Ich sagte auch: Es interessiert zunächst die Menschen, wenn es sich um ihre eigenen menschlichen Fähigkeiten handelt, nicht gar so sehr, welche Seelenverfassung man hat, wenn man mathematiisiert. Man findet nur wenige Menschen in der Welt, möchte ich sagen, welche, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, den richtigen Respekt vor dem Mathematisieren haben. Diesen richtigen Respekt vor dem Mathematisieren hatte zum Beispiel ein tiefer, liebenswürdiger, außerordentlich sympathischer Dichter, nämlich Novalis. Wer Novalis’ Dichtungen auf sich wirken läßt, der hat den Eindruck: Da ist ein wunderbarer lyrischer Schwung, da ist ein restloser Enthusiasmus, da ist alles Dichtung in der Seele. Und wenn Novalis, der wunderbare Lyriker, auf das Mathematisieren zu sprechen kommt, dann sagt er ungefähr: Im Mathematisieren haben wir im Grunde genommen die schönste, die großartigste, die gewaltigste menschliche Dichtung vor uns! — Ich weiß, wie wenig Menschen das zunächst zugeben. Aber, wie gesagt, der liebenswürdige, tiefe Lyriker Novalis, er hat gewußt - denn er war Mathematiker -, was in der Seele aufgeregt wird, wenn man nicht bloß handwerksmäßig einzelne mathematische Probleme löst, und seien es auch Probleme der Funktionentheorie, der Zahlentheorie und dergleichen oder der synthetischen Geometrie; er hat gewußt, wie die Seele sich fühlt, wenn sie so entrückt ist, daß sie sich selbst vergessend sich im Raume draußen weiß.
[ 9 ] Wer diese «Philosophie der Freiheit» liest, der wird, wie ich glaube, finden, daß darin etwas herrscht wie ein mathematisches Denken - sonderbar, aber es ist doch so —, ein mathematisches Denken, indem eigentlich diese «Philosophie der Freiheit» darauf zielt, den menschlichen Freiheitsimpuls und die sittlichen Impulse zu finden. Aber die Art und Weise, wie in dieser «Philosophie der Freiheit» versucht wird, über die moralische Welt zu reden, die unterscheidet sich qualitativ nicht von demjenigen, das in uns als Seelenverfassung vorhanden ist, wenn wir mathematisieren. Ich habe dieses Mathematisieren charakterisiert an den vorhergehenden Tagen. Ich habe gezeigt, wie es aus dem Inneren des Menschen heraus lebendig geschöpft wird, wie wir uns dann wie gewissermaßen vergessen, wie wir vergessen, daß wir den mathematischen Raum aus uns selber geschöpft haben, wie wir dann in diesem Raum mit unserer Raumesanschauung leben. Ich sagte auch: Es interessiert zunächst die Menschen, wenn es sich um ihre eigenen menschlichen Fähigkeiten handelt, nicht gar so sehr, welche Seelenverfassung man hat, wenn man mathematiisiert. Man findet nur wenige Menschen in der Welt, möchte ich sagen, welche, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, den richtigen Respekt vor dem Mathematisieren haben. Diesen richtigen Respekt vor dem Mathematisieren hatte zum Beispiel ein tiefer, liebenswürdiger, außerordentlich sympathischer Dichter, nämlich Novalis. Wer Novalis’ Dichtungen auf sich wirken läßt, der hat den Eindruck: Da ist ein wunderbarer lyrischer Schwung, da ist ein restloser Enthusiasmus, da ist alles Dichtung in der Seele. Und wenn Novalis, der wunderbare Lyriker, auf das Mathematisieren zu sprechen kommt, dann sagt er ungefähr: Im Mathematisieren haben wir im Grunde genommen die schönste, die großartigste, die gewaltigste menschliche Dichtung vor uns! — Ich weiß, wie wenig Menschen das zunächst zugeben. Aber, wie gesagt, der liebenswürdige, tiefe Lyriker Novalis, er hat gewußt - denn er war Mathematiker -, was in der Seele aufgeregt wird, wenn man nicht bloß handwerksmäßig einzelne mathematische Probleme löst, und seien es auch Probleme der Funktionentheorie, der Zahlentheorie und dergleichen oder der synthetischen Geometrie; er hat gewußt, wie die Seele sich fühlt, wenn sie so entrückt ist, daß sie sich selbst vergessend sich im Raume draußen weiß.
[ 10 ] Nun ist aber eines möglich. Es ist nämlich möglich, daß, wenn man diese Seelenverfassung des Mathematisierens kennt, von der Novalis so wunderbar spricht, und sich dann in die Lage versetzen kann, aus derselben Seelenverfassung heraus nun etwas ganz anderes zu gewinnen, nämlich das Erleben moralischer Impulse, mit anderen Worten, wenn es einem gelingt, mit derselben inneren Klarheit, mit derselben inneren Sicherheit, wie man, sagen wir, den Pythagoräischen Lehrsatz löst, zu fassen und zu erleben moralische Probleme, dann weiß man: man ist mit diesem Erfassen der moralischen Probleme in der geistigen, in der übersinnlichen Welt darinnen, und man redet davon, daß in dieser übersinnlichen Welt mit den moralischen Impulsen moralische Intuitionen in die Seele einströmen. Man weiß, indem man sich mit dieser Seelenverfassung innerhalb der sittlichen Welt fühlt, daß man sich in einer übersinnlichen Welt fühlt, die nichts zu tun hat zunächst mit demjenigen, was äußerlich durch die Sinne wahrgenommen werden kann. Man weiß, daß man sich in einer Welt fühlt, wo man erstens die sittlichen Impulse unmittelbar mit seinem tiefsten Inneren erlebt; wo man eins mit ihnen ist; wo sie daher, weil man eins mit ihnen ist, intuitive Erkenntnisse sind. Und man weiß ein zweites. Man weiß, wenn man auch noch so lange in der Sinneswelt herumschaut, wenn man noch so scharfsinnig denkt und beobachtet und experimentiert, dasjenige, was man als die moralischen Intuitionen, wenn ich so sagen darf, in der mathematischen Welt entdeckt, das kann einem von keiner sinnlichen Außenwelt kommen, es kommt einem aus der übersinnlichen Welt herein. Das heißt aber mit anderen Worten: es ist inspiriert. Die wirklichen, die tiefsten moralischen Impulse, die der Mensch erhalten kann aus der übersinnlichen Welt, sie sind Intuitionen, die zu gleicher Zeit für unsere Seele inspiriert sind. Und obzwar sie nicht anschaulich sind, nicht in Bildern auftreten, sind sie doch so da wie die Sinneswahrnehmungen selber. Wie die Sinneswahrnehmungen auf dem Gebiete des Sinnlichen, so sind die moralischen Impulse auf dem Gebiete des Übersinnlichen da. Das heißt: Sie sind Imaginationen. Und derjenige, der entdeckt hat in der Welt, in welcher das auch von Novalis gemeinte Mathematische erlebt wird, das Moralische, der weiß, daß dieses Moralische auf diesem Felde auftritt, daß es für den der Sinneswelt völlig entrückten Menschen als Intuitionen auftritt, die zu gleicher Zeit Inspirationen und Imaginationen sind. Kurz, indem man also versucht, aus der übersinnlichen Welt heraus eine moralische Grundlegung des menschlichen Lebens zu gewinnen, lernt man erkennen, wie die Seele erleben muß, wenn sie in der übersinnlichen Welt sein will. Und man muß sagen, es ist für den heutigen Menschen - ich habe ja erklärt, wie das anders ist für den Menschen, der die Jogapraxis durchmacht, oder der die Grammatik-, Rhetorik-, Dialektik-Praxis und so weiter durchmacht -, es ist für den heutigen Menschen zunächst der beste Weg, kennenzulernen, wie der Mensch hinauskommen kann aus seinem sinnlichen Leibe und leben kann in einer rein geistigen Welt, wenn er auf die Weise, wie ich versuchte anzudeuten in meiner «Philosophie der Freiheit», sich hineinlebt in eine rein übersinnliche Welt.
[ 10 ] Nun ist aber eines möglich. Es ist nämlich möglich, daß, wenn man diese Seelenverfassung des Mathematisierens kennt, von der Novalis so wunderbar spricht, und sich dann in die Lage versetzen kann, aus derselben Seelenverfassung heraus nun etwas ganz anderes zu gewinnen, nämlich das Erleben moralischer Impulse, mit anderen Worten, wenn es einem gelingt, mit derselben inneren Klarheit, mit derselben inneren Sicherheit, wie man, sagen wir, den Pythagoräischen Lehrsatz löst, zu fassen und zu erleben moralische Probleme, dann weiß man: man ist mit diesem Erfassen der moralischen Probleme in der geistigen, in der übersinnlichen Welt darinnen, und man redet davon, daß in dieser übersinnlichen Welt mit den moralischen Impulsen moralische Intuitionen in die Seele einströmen. Man weiß, indem man sich mit dieser Seelenverfassung innerhalb der sittlichen Welt fühlt, daß man sich in einer übersinnlichen Welt fühlt, die nichts zu tun hat zunächst mit demjenigen, was äußerlich durch die Sinne wahrgenommen werden kann. Man weiß, daß man sich in einer Welt fühlt, wo man erstens die sittlichen Impulse unmittelbar mit seinem tiefsten Inneren erlebt; wo man eins mit ihnen ist; wo sie daher, weil man eins mit ihnen ist, intuitive Erkenntnisse sind. Und man weiß ein zweites. Man weiß, wenn man auch noch so lange in der Sinneswelt herumschaut, wenn man noch so scharfsinnig denkt und beobachtet und experimentiert, dasjenige, was man als die moralischen Intuitionen, wenn ich so sagen darf, in der mathematischen Welt entdeckt, das kann einem von keiner sinnlichen Außenwelt kommen, es kommt einem aus der übersinnlichen Welt herein. Das heißt aber mit anderen Worten: es ist inspiriert. Die wirklichen, die tiefsten moralischen Impulse, die der Mensch erhalten kann aus der übersinnlichen Welt, sie sind Intuitionen, die zu gleicher Zeit für unsere Seele inspiriert sind. Und obzwar sie nicht anschaulich sind, nicht in Bildern auftreten, sind sie doch so da wie die Sinneswahrnehmungen selber. Wie die Sinneswahrnehmungen auf dem Gebiete des Sinnlichen, so sind die moralischen Impulse auf dem Gebiete des Übersinnlichen da. Das heißt: Sie sind Imaginationen. Und derjenige, der entdeckt hat in der Welt, in welcher das auch von Novalis gemeinte Mathematische erlebt wird, das Moralische, der weiß, daß dieses Moralische auf diesem Felde auftritt, daß es für den der Sinneswelt völlig entrückten Menschen als Intuitionen auftritt, die zu gleicher Zeit Inspirationen und Imaginationen sind. Kurz, indem man also versucht, aus der übersinnlichen Welt heraus eine moralische Grundlegung des menschlichen Lebens zu gewinnen, lernt man erkennen, wie die Seele erleben muß, wenn sie in der übersinnlichen Welt sein will. Und man muß sagen, es ist für den heutigen Menschen - ich habe ja erklärt, wie das anders ist für den Menschen, der die Jogapraxis durchmacht, oder der die Grammatik-, Rhetorik-, Dialektik-Praxis und so weiter durchmacht -, es ist für den heutigen Menschen zunächst der beste Weg, kennenzulernen, wie der Mensch hinauskommen kann aus seinem sinnlichen Leibe und leben kann in einer rein geistigen Welt, wenn er auf die Weise, wie ich versuchte anzudeuten in meiner «Philosophie der Freiheit», sich hineinlebt in eine rein übersinnliche Welt.
[ 11 ] Ich weiß, daß sehr viele Menschen nicht zufrieden sind mit einem solchen Hineinleben in die geistige Welt, weil ja zunächst in dieser Welt auftreten nur die sittlichen Wahrheiten, die man lieber als Gebote, als konventionelle Tatsachen und so weiter hinnimmt. Aber ich habe mich ja hier weiter nicht zu verbreiten über die «Philosophie der Freiheit», sondern nur über das Elementar-Methodische. Aber man hat, wenn man kennengelernt hat diese besondere Art des Darinnenstehens in der übersinnlichen Welt, den Ansporn, weiter zu gehen, zu versuchen, ob es nicht auch für andere Gebiete des Lebens möglich ist, gegenüber der sinnlichen Welt in eine übersinnliche Welt einzudringen. Und man kommt dann allmählich dazu, daß wirklich Methoden der inneren seelischen Entwickelung möglich sind, welche den Menschen hinaufführen den Pfad, auch den ganzen Kosmos und die menschliche Innenerkenntnis so zu schauen, wie man sonst im Sinn der «Philosophie der Freiheit» nur im Moralischen schaut, wo man noch nicht gelten lassen will, daß es sich um das Übersinnliche handelt, wenn man nicht auf das eigentliche Fundament der Sache eingeht.
[ 11 ] Ich weiß, daß sehr viele Menschen nicht zufrieden sind mit einem solchen Hineinleben in die geistige Welt, weil ja zunächst in dieser Welt auftreten nur die sittlichen Wahrheiten, die man lieber als Gebote, als konventionelle Tatsachen und so weiter hinnimmt. Aber ich habe mich ja hier weiter nicht zu verbreiten über die «Philosophie der Freiheit», sondern nur über das Elementar-Methodische. Aber man hat, wenn man kennengelernt hat diese besondere Art des Darinnenstehens in der übersinnlichen Welt, den Ansporn, weiter zu gehen, zu versuchen, ob es nicht auch für andere Gebiete des Lebens möglich ist, gegenüber der sinnlichen Welt in eine übersinnliche Welt einzudringen. Und man kommt dann allmählich dazu, daß wirklich Methoden der inneren seelischen Entwickelung möglich sind, welche den Menschen hinaufführen den Pfad, auch den ganzen Kosmos und die menschliche Innenerkenntnis so zu schauen, wie man sonst im Sinn der «Philosophie der Freiheit» nur im Moralischen schaut, wo man noch nicht gelten lassen will, daß es sich um das Übersinnliche handelt, wenn man nicht auf das eigentliche Fundament der Sache eingeht.
[ 12 ] Die Methoden nun, durch die man auf anderen Gebieten hinaufgelangt in die übersinnliche Welt, bestehen darin, daß man die gewöhnlichen Seelenkräfte, wie man sie hat im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, weiterentwickelt. Und diese Seelenkräfte sind ja zunächst, wenn wir sie äußerlich abstrakt charakterisieren, Denken, Fühlen und Wollen. Wir unterscheiden zwar diese drei Seelenfähigkeiten, Denken, Fühlen und Wollen, aber in dem einheitlichen Leben der Seele sind sie durchaus nicht in strenger Weise von einander geschieden. Man müßte eigentlich sagen: Wenn wir vom Denken, vom Vorstellen reden, so reden wir von einer 'Seelenfähigkeit, in der durchaus zum Beispiel der Wille und auch das Gefühl drinnen ist, aber es ist hauptsächlich das Denken drinnen. Im Willen wiederum sind durchaus Gedanken drinnen, aber es ist hauptsächlich Wille drinnen. So ist es nur das Hervorstechendste, das in den einzelnen Seelenfähigkeiten bezeichnet wird, während überall unter der Oberfläche, kann man sagen, auch die anderen Seelenfähigkeiten liegen.
[ 12 ] Die Methoden nun, durch die man auf anderen Gebieten hinaufgelangt in die übersinnliche Welt, bestehen darin, daß man die gewöhnlichen Seelenkräfte, wie man sie hat im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, weiterentwickelt. Und diese Seelenkräfte sind ja zunächst, wenn wir sie äußerlich abstrakt charakterisieren, Denken, Fühlen und Wollen. Wir unterscheiden zwar diese drei Seelenfähigkeiten, Denken, Fühlen und Wollen, aber in dem einheitlichen Leben der Seele sind sie durchaus nicht in strenger Weise von einander geschieden. Man müßte eigentlich sagen: Wenn wir vom Denken, vom Vorstellen reden, so reden wir von einer 'Seelenfähigkeit, in der durchaus zum Beispiel der Wille und auch das Gefühl drinnen ist, aber es ist hauptsächlich das Denken drinnen. Im Willen wiederum sind durchaus Gedanken drinnen, aber es ist hauptsächlich Wille drinnen. So ist es nur das Hervorstechendste, das in den einzelnen Seelenfähigkeiten bezeichnet wird, während überall unter der Oberfläche, kann man sagen, auch die anderen Seelenfähigkeiten liegen.
[ 13 ] Das wird nun insbesondere wichtig, wenn es sich um die weitere Ausbildung, um die Entwickelung zunächst der Denkfähigkeit, der Gedankenkraft handelt. Denn da muß man über folgendes sich klar sein. Man muß sich zuerst darüber klar sein, wie man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu den Dingen der Umgebung und zu sich selbst steht. Man macht Sinneswahrnehmungen durch die Augen, durch die Ohren und so weiter. In diesen Sinneswahrnehmungen leben wir mit einer gewissen inneren Intensität. Dann machen wir uns Vorstellungen über das, was wir sinnlich wahrnehmen. Wir gehen hinweg von den Dingen, an denen wir sinnlich wahrnehmen. In der Vorstellung bleibt uns ein Nachbild von dem, was in der Sinneswahrnehmung gelebt hat. Aber bedenken Sie, wie matt, wie schattenhaft der Gedanke, die Vorstellung von demjenigen ist, was wir mit voller Lebendigkeit in der Sinneswahrnehmung erlebt haben. Diese Vorstellungen, die sich an die Sinneswahrnehmungen anknüpfen, sind matt und schattenhaft. Und wir sind ja gewöhnt im Leben und sogar in der gewöhnlichen Wissenschaft, die Sinneswahrnehmungen zu uns sprechen zu lassen und uns passiv hinzugeben diesen Sinneswahrnehmungen, damit sie in uns die Vorstellungen erwecken, die uns das, was wir durch die Sinne wahrgenommen haben, zu einem Dauernden machen. Und dann können wir, mehr oder weniger deutlich, auch nach längerer Zeit oder das ganze Leben hindurch aus dem Untergrund unserer Seele oder unseres menschlichen Wesens wiederum hervorholen als Erinnerungen dasjenige, was wir durch die Sinne äußerlich erlebt haben. Die Vorstellungen, die sich sonst an die Sinneswahrnehmungen anknüpfen und die gegenüber den Sinneswahrnehmungen matt und schattenhaft sind, sie können auch aus uns, aus der Erinnerung, aus dem Gedächtnis aufsprossen. Wir erleben innerlich im Vorstellungsleben dasjenige, was wir äußerlich sinnlich wahrnehmen, wir erleben es wieder durch das Gedächtnis. Man sollte sich klar, sehr klar darüber sein, daß so ziemlich alles gewöhnliche Leben, auch dasjenige, das in die Wissenschaft untertaucht, auf die Weise verläuft in bezug auf das Vorstellen, daß wir uns der Lebendigkeit der Sinneswahrnehmungen aussetzen, daß wir dann matte Vorstellungen bekommen, daß wir aber wieder heraufholen können aus unserem menschlichen Wesen in der Erinnerung dasjenige, was wir von außen als Eindrücke empfangen haben. Unser Innenleben ist meistens nichts als höchstens mehr oder weniger umgewandeltes, metamorphosiertes Vorstellen im Sinne der äußeren Wahrnehmung.
[ 13 ] Das wird nun insbesondere wichtig, wenn es sich um die weitere Ausbildung, um die Entwickelung zunächst der Denkfähigkeit, der Gedankenkraft handelt. Denn da muß man über folgendes sich klar sein. Man muß sich zuerst darüber klar sein, wie man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu den Dingen der Umgebung und zu sich selbst steht. Man macht Sinneswahrnehmungen durch die Augen, durch die Ohren und so weiter. In diesen Sinneswahrnehmungen leben wir mit einer gewissen inneren Intensität. Dann machen wir uns Vorstellungen über das, was wir sinnlich wahrnehmen. Wir gehen hinweg von den Dingen, an denen wir sinnlich wahrnehmen. In der Vorstellung bleibt uns ein Nachbild von dem, was in der Sinneswahrnehmung gelebt hat. Aber bedenken Sie, wie matt, wie schattenhaft der Gedanke, die Vorstellung von demjenigen ist, was wir mit voller Lebendigkeit in der Sinneswahrnehmung erlebt haben. Diese Vorstellungen, die sich an die Sinneswahrnehmungen anknüpfen, sind matt und schattenhaft. Und wir sind ja gewöhnt im Leben und sogar in der gewöhnlichen Wissenschaft, die Sinneswahrnehmungen zu uns sprechen zu lassen und uns passiv hinzugeben diesen Sinneswahrnehmungen, damit sie in uns die Vorstellungen erwecken, die uns das, was wir durch die Sinne wahrgenommen haben, zu einem Dauernden machen. Und dann können wir, mehr oder weniger deutlich, auch nach längerer Zeit oder das ganze Leben hindurch aus dem Untergrund unserer Seele oder unseres menschlichen Wesens wiederum hervorholen als Erinnerungen dasjenige, was wir durch die Sinne äußerlich erlebt haben. Die Vorstellungen, die sich sonst an die Sinneswahrnehmungen anknüpfen und die gegenüber den Sinneswahrnehmungen matt und schattenhaft sind, sie können auch aus uns, aus der Erinnerung, aus dem Gedächtnis aufsprossen. Wir erleben innerlich im Vorstellungsleben dasjenige, was wir äußerlich sinnlich wahrnehmen, wir erleben es wieder durch das Gedächtnis. Man sollte sich klar, sehr klar darüber sein, daß so ziemlich alles gewöhnliche Leben, auch dasjenige, das in die Wissenschaft untertaucht, auf die Weise verläuft in bezug auf das Vorstellen, daß wir uns der Lebendigkeit der Sinneswahrnehmungen aussetzen, daß wir dann matte Vorstellungen bekommen, daß wir aber wieder heraufholen können aus unserem menschlichen Wesen in der Erinnerung dasjenige, was wir von außen als Eindrücke empfangen haben. Unser Innenleben ist meistens nichts als höchstens mehr oder weniger umgewandeltes, metamorphosiertes Vorstellen im Sinne der äußeren Wahrnehmung.
[ 14 ] Ich werde heute nicht eingehen auf die tiefere Natur des Gedächtnisses, denn ich will ja schildern, wie nun das, was ich eben am Vorstellen charakterisiert habe, weiterentwickelt werden kann. Es kann weiterentwickelt werden dadurch, daß man nun nicht so denkt, daß man das Denken nur anknüpft an die äußeren Sinneswahrnehmungen, sondern daß man denkt durch diejenigen Methoden, die ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» genannt habe die Meditation, Konzentration und so weiter - auf die Namen kommt es nicht an. Genau geschildert finden Sie alle Einzelheiten, wie man da vorgeht, in den genannten Büchern. Nur das Prinzipielle will ich jetzt darstellen.
[ 14 ] Ich werde heute nicht eingehen auf die tiefere Natur des Gedächtnisses, denn ich will ja schildern, wie nun das, was ich eben am Vorstellen charakterisiert habe, weiterentwickelt werden kann. Es kann weiterentwickelt werden dadurch, daß man nun nicht so denkt, daß man das Denken nur anknüpft an die äußeren Sinneswahrnehmungen, sondern daß man denkt durch diejenigen Methoden, die ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» genannt habe die Meditation, Konzentration und so weiter - auf die Namen kommt es nicht an. Genau geschildert finden Sie alle Einzelheiten, wie man da vorgeht, in den genannten Büchern. Nur das Prinzipielle will ich jetzt darstellen.
[ 15 ] Während man also sonst Gedanken bekommt dadurch, daß man sich passiv den Wahrnehmungen hingibt oder aus den Erinnerungen heraus die Nachklänge der Erlebnisse wieder auftauchen läßt, versucht man, um anthroposophischer Geistesforscher zu werden, durch innere Willkür, wie man sie kennengelernt hat beim Mathematisieren, beim Lösen mathematischer Probleme, also so, daß man vollbewußt alles ausführt, nicht in einem träumerischen, halluzinatorischen Zustande - das wäre das Gegenteil von dem, was ich heute beschreiben werde -, in voller Bewußtheit sich dem Denken und Vorstellen hinzugeben, so daß man lernt, zu ruhen auf Vorstellungen, die man willkürlich in sein Bewußtsein hereinversetzt hat. Es ist durchaus gut, wenn man möglichst überschaubare Vorstellungen, also nicht solche, in denen man allerlei nebuloses, mystisches Zeug erleben kann, sondern solche, die man leicht überschauen kann, in den Mittelpunkt seines Bewußtseins rückt. Es kommt dann nicht darauf an, was man da für eine Vorstellung hat, sondern es kommt auf die seelische Tätigkeit an, die man jetzt in diesem Meditieren entwickelt. Beachten Sie nur: wenn Sie einen Muskel fortwährend anspannen, wenn Sie ihn in der Arbeit brauchen, wird der Muskel stark. Dasselbe geht vor mit Ihrer seelischen Denkkraft, wenn Sie immer wieder und wiederum - die Übungen dauern manchmal jahrelang, es kann auch kürzere Zeit dauern, je nach der Veranlagung des Menschen - auf Vorstellungen sich konzentrieren, die Sie in den Mittelpunkt Ihres Bewußtseins rücken. Die Denkkraft wird immer stärker und stärker, und sie erreicht endlich einen Punkt, an dem Ste sagen können: Jetzt bin ich in der Lage, meine Vorstellungen so lebendig zu haben, wie ich sonst nur äußere Sinneseindrücke habe. Wohl gemerkt, ich habe nicht Halluzinationen oder Illusionen. Die kommen ja unbewußt. Ich lebe jetzt in so lebendigen inneren Vorstellungen, wie sonst die äußeren Sinneswahrnehmungen sind, aber ich lebe in ihnen mit vollem Bewußtsein, nicht mit jener träumerischen Seelenstimmung, jener mystisch-nebulosen Seelenstimmung, wie sie bei Halluzinationen oder Visionen vorhanden ist. Es muß durchaus eine mathematische Seelenverfassung sein, durch die man sich einlebt in ein solches inneres Erleben an der bloßen Vorstellung, wie man es sonst nur hat, wenn man der äußeren Sinneswahrnehmung hingegeben ist. Man vergleiche nur, um das noch einmal zu sagen, die Lebhaftigkeit, die Intensität im äußeren Sinneswahrnehmen mit dem, was man sonst blaß und schattenhaft in Gedanken erlebt. Aber man lernt auf die Weise, wie ich es geschildert habe, immer mehr und mehr, mit bloß innerlich aufgeworfenen Gedanken so lebhaft innerlich dazusein, wie man sonst nur lebhaft da ist, wenn irgendein äußerer Sinneseindruck einen anregt. Nichts mehr von blassen, schattenhaften Gedanken - innerlich lebendige Gedanken! Die seelische Denkkraft hat sich verstärkt. Man hat eine neue Kraft aus dem Inneren seiner Seele herausgerufen. Das Denken hat man erkraftet. Hat man das Denken erkraftet, dann hat man die erste Stufe übersinnlicher Erkenntnis erreicht. Ich habe sie in meinen Büchern genannt die imaginative Frkenntnisstufe. Man hat die Stufe der Imagination erreicht. Diese Stufe der Imagination zeigt einem, indem man jetzt ein so lebendiges Vorstellen hat: da schließt sich an dieses Vorstellen etwas an.
[ 15 ] Während man also sonst Gedanken bekommt dadurch, daß man sich passiv den Wahrnehmungen hingibt oder aus den Erinnerungen heraus die Nachklänge der Erlebnisse wieder auftauchen läßt, versucht man, um anthroposophischer Geistesforscher zu werden, durch innere Willkür, wie man sie kennengelernt hat beim Mathematisieren, beim Lösen mathematischer Probleme, also so, daß man vollbewußt alles ausführt, nicht in einem träumerischen, halluzinatorischen Zustande - das wäre das Gegenteil von dem, was ich heute beschreiben werde -, in voller Bewußtheit sich dem Denken und Vorstellen hinzugeben, so daß man lernt, zu ruhen auf Vorstellungen, die man willkürlich in sein Bewußtsein hereinversetzt hat. Es ist durchaus gut, wenn man möglichst überschaubare Vorstellungen, also nicht solche, in denen man allerlei nebuloses, mystisches Zeug erleben kann, sondern solche, die man leicht überschauen kann, in den Mittelpunkt seines Bewußtseins rückt. Es kommt dann nicht darauf an, was man da für eine Vorstellung hat, sondern es kommt auf die seelische Tätigkeit an, die man jetzt in diesem Meditieren entwickelt. Beachten Sie nur: wenn Sie einen Muskel fortwährend anspannen, wenn Sie ihn in der Arbeit brauchen, wird der Muskel stark. Dasselbe geht vor mit Ihrer seelischen Denkkraft, wenn Sie immer wieder und wiederum - die Übungen dauern manchmal jahrelang, es kann auch kürzere Zeit dauern, je nach der Veranlagung des Menschen - auf Vorstellungen sich konzentrieren, die Sie in den Mittelpunkt Ihres Bewußtseins rücken. Die Denkkraft wird immer stärker und stärker, und sie erreicht endlich einen Punkt, an dem Ste sagen können: Jetzt bin ich in der Lage, meine Vorstellungen so lebendig zu haben, wie ich sonst nur äußere Sinneseindrücke habe. Wohl gemerkt, ich habe nicht Halluzinationen oder Illusionen. Die kommen ja unbewußt. Ich lebe jetzt in so lebendigen inneren Vorstellungen, wie sonst die äußeren Sinneswahrnehmungen sind, aber ich lebe in ihnen mit vollem Bewußtsein, nicht mit jener träumerischen Seelenstimmung, jener mystisch-nebulosen Seelenstimmung, wie sie bei Halluzinationen oder Visionen vorhanden ist. Es muß durchaus eine mathematische Seelenverfassung sein, durch die man sich einlebt in ein solches inneres Erleben an der bloßen Vorstellung, wie man es sonst nur hat, wenn man der äußeren Sinneswahrnehmung hingegeben ist. Man vergleiche nur, um das noch einmal zu sagen, die Lebhaftigkeit, die Intensität im äußeren Sinneswahrnehmen mit dem, was man sonst blaß und schattenhaft in Gedanken erlebt. Aber man lernt auf die Weise, wie ich es geschildert habe, immer mehr und mehr, mit bloß innerlich aufgeworfenen Gedanken so lebhaft innerlich dazusein, wie man sonst nur lebhaft da ist, wenn irgendein äußerer Sinneseindruck einen anregt. Nichts mehr von blassen, schattenhaften Gedanken - innerlich lebendige Gedanken! Die seelische Denkkraft hat sich verstärkt. Man hat eine neue Kraft aus dem Inneren seiner Seele herausgerufen. Das Denken hat man erkraftet. Hat man das Denken erkraftet, dann hat man die erste Stufe übersinnlicher Erkenntnis erreicht. Ich habe sie in meinen Büchern genannt die imaginative Frkenntnisstufe. Man hat die Stufe der Imagination erreicht. Diese Stufe der Imagination zeigt einem, indem man jetzt ein so lebendiges Vorstellen hat: da schließt sich an dieses Vorstellen etwas an.
[ 16 ] Knüpfen wir noch einmal an das gewöhnliche Sinnesleben und an das gewöhnliche Vorstellen an. Wir nehmen heute irgend etwas wahr. Wir sind lebhaft in dieser Wahrnehmung drinnen. Wir bilden uns eine blasse, schattenhafte Vorstellung. Nach einer Woche, sagen wir, durch irgend etwas veranlaßt oder auch freisteigend, wie man wohl sagt, tritt diese Vorstellung aus der Erinnerung wieder auf. Sie kommt aus uns heraus, trivial ausgedrückt. Daß ich einmal das sinnliche Erlebnis hatte, das ist die Ursache, daß später in der Erinnerung aus meinem inneren menschlichen Wesen dieselbe Vorstellung wiederum auftaucht. Jetzt, nach meinem Üben, bin ich in der Lage, in meinem Bewußtsein verstärkte Gedanken zu haben, die ich deshalb imaginative Gedanken nenne, weil sie mit der Lebendigkeit, mit der Intensität von Bildern auftreten, weil sie wirklich wie sinnliche Bilder sind, trotzdem sie zunächst nur Gedanken sind. Aber so, wie sonst dadurch, daß ich über ein äußeres Erlebnis gedacht habe - wenn ich es nur anglotze, kommt mir keine Erinnerung später, nur wenn ich darüber gedacht habe -, eine Erinnerung kommen kann aus meinem eigenen Wesen heraus, so kommt mir dadurch, daß ich jetzt einen Gedanken, und noch dazu in verstärktem Maße, in der Seele habe, aus meinem eigenen Wesen heraus etwas, was zunächst so aussieht wie eine Erinnerung, was aber eben keine Erinnerung ist. Es steigt jetzt etwas auf, was nicht eine Reminiszenz von einem äußeren SinnlichErlebten ist, sondern etwas ist, was ich früher überhaupt niemals aus meinem Inneren heraus aufsteigend wahrgenommen habe. Wenn ich es so ausdrücken darf: So wie sonst Erinnerungen an gewöhnliche Erlebnisse aufsteigen, so steigt durch die Kraft des verstärkten Denkens jetzt dasjenige aus dem Inneren herauf, was ich noch niemals innerlich geschaut habe. Und ich werde sehr bald erkennen, was das ist, was da aufsteigt. Ich versuche, indem ich weiter und weiter schreite in diesem Meditieren, es zu immer größerer und größerer Deutlichkeit zu bringen in diesem innerlich Aufsteigenden, und ich komme zuletzt darauf, was dieses innerlich Aufsteigende eigentlich ist. Ich komme darauf: Dieses innerlich Aufsteigende, das bin ich selbst, wie ich in der Zeit seit meiner Geburt hier auf der Erde mich entwickelt habe.
[ 16 ] Knüpfen wir noch einmal an das gewöhnliche Sinnesleben und an das gewöhnliche Vorstellen an. Wir nehmen heute irgend etwas wahr. Wir sind lebhaft in dieser Wahrnehmung drinnen. Wir bilden uns eine blasse, schattenhafte Vorstellung. Nach einer Woche, sagen wir, durch irgend etwas veranlaßt oder auch freisteigend, wie man wohl sagt, tritt diese Vorstellung aus der Erinnerung wieder auf. Sie kommt aus uns heraus, trivial ausgedrückt. Daß ich einmal das sinnliche Erlebnis hatte, das ist die Ursache, daß später in der Erinnerung aus meinem inneren menschlichen Wesen dieselbe Vorstellung wiederum auftaucht. Jetzt, nach meinem Üben, bin ich in der Lage, in meinem Bewußtsein verstärkte Gedanken zu haben, die ich deshalb imaginative Gedanken nenne, weil sie mit der Lebendigkeit, mit der Intensität von Bildern auftreten, weil sie wirklich wie sinnliche Bilder sind, trotzdem sie zunächst nur Gedanken sind. Aber so, wie sonst dadurch, daß ich über ein äußeres Erlebnis gedacht habe - wenn ich es nur anglotze, kommt mir keine Erinnerung später, nur wenn ich darüber gedacht habe -, eine Erinnerung kommen kann aus meinem eigenen Wesen heraus, so kommt mir dadurch, daß ich jetzt einen Gedanken, und noch dazu in verstärktem Maße, in der Seele habe, aus meinem eigenen Wesen heraus etwas, was zunächst so aussieht wie eine Erinnerung, was aber eben keine Erinnerung ist. Es steigt jetzt etwas auf, was nicht eine Reminiszenz von einem äußeren SinnlichErlebten ist, sondern etwas ist, was ich früher überhaupt niemals aus meinem Inneren heraus aufsteigend wahrgenommen habe. Wenn ich es so ausdrücken darf: So wie sonst Erinnerungen an gewöhnliche Erlebnisse aufsteigen, so steigt durch die Kraft des verstärkten Denkens jetzt dasjenige aus dem Inneren herauf, was ich noch niemals innerlich geschaut habe. Und ich werde sehr bald erkennen, was das ist, was da aufsteigt. Ich versuche, indem ich weiter und weiter schreite in diesem Meditieren, es zu immer größerer und größerer Deutlichkeit zu bringen in diesem innerlich Aufsteigenden, und ich komme zuletzt darauf, was dieses innerlich Aufsteigende eigentlich ist. Ich komme darauf: Dieses innerlich Aufsteigende, das bin ich selbst, wie ich in der Zeit seit meiner Geburt hier auf der Erde mich entwickelt habe.
[ 17 ] Wir haben sonst nur den Strom von Erinnerungen, aus denen einzelne aufsteigen, die sonst im Unbewußten drunten sind. Diese Erinnerungen meine ich nicht. Diese Erinnerungen sind ja das, was auch im gewöhnlichen Bewußtsein aufsteigt. Aber das, was jetzt aufsteigt, herausgerufen aus dem Inneren durch die Kraft des verstärkten Denkens, das ist nicht bloß Gedanke, Erinnerungsgedanke, das ist dasjenige, was mich viel tiefer hineinführt in mein inneres Menschenwesen als die Erinnerungskraft. Das ist etwas, was mich gewissermaßen in tiefere Schichten meines Innenwesens hinunterführt, als mich die Erinnerungsgedanken hinunterführen. Das ist etwas, was mir zeigt, wie ich als kleines Kind Fähigkeiten, die ich seelisch hatte, dazu verwendet habe, meinen Organismus plastisch auszugestalten vom Gehirne aus. Das ist dasjenige, was mir zeigt, wie ich als ein etwas größeres Kind in mir mit Hilfe der Sprachfähigkeit meinen inneren Menschen weiter plastisch ausgebildet habe. Kurz, mein innerstes Leben tritt vor meine Seele in einem großen, gewaltigen Tableau, wie ich es früher nicht gesehen habe. Und dasjenige, was da jetzt vor meine Seele tritt, ist eben nicht bloß Bild. Das bitte ich wohl zu beachten. Es ist nicht bloß Bild, sondern es ist etwas, von dem ich erkenne, indem ich es auffasse, daß es zusammenhängt mit meinen Wachstumskräften, mit demjenigen, was in mir wächst, was in mir auch lebt in den Ernährungskräften, in den Zirkulations-, in den Atmungskräften, was überhaupt ein innerer, übersinnlicher Leib ist gegenüber dem physischen Leibe. Ich lerne jetzt eben einen zweiten Menschen in mir kennen. Ich lerne erkennen, daß ich mir folgendes sagen darf: Da trägst du deinen äußeren Leib an dir, der ist im Raume ausgedehnt, der hat Arme, Füße, einen Kopf und so weiter. Das ist ein räumlicher Leib. Aber dasjenige, was du jetzt entdeckt hast durch deine Meditation, durch imaginatives Erkennen, das ist ein Organismus, der in der Zeit, nicht im Raume lebt, ein Zeitorganismus.
[ 17 ] Wir haben sonst nur den Strom von Erinnerungen, aus denen einzelne aufsteigen, die sonst im Unbewußten drunten sind. Diese Erinnerungen meine ich nicht. Diese Erinnerungen sind ja das, was auch im gewöhnlichen Bewußtsein aufsteigt. Aber das, was jetzt aufsteigt, herausgerufen aus dem Inneren durch die Kraft des verstärkten Denkens, das ist nicht bloß Gedanke, Erinnerungsgedanke, das ist dasjenige, was mich viel tiefer hineinführt in mein inneres Menschenwesen als die Erinnerungskraft. Das ist etwas, was mich gewissermaßen in tiefere Schichten meines Innenwesens hinunterführt, als mich die Erinnerungsgedanken hinunterführen. Das ist etwas, was mir zeigt, wie ich als kleines Kind Fähigkeiten, die ich seelisch hatte, dazu verwendet habe, meinen Organismus plastisch auszugestalten vom Gehirne aus. Das ist dasjenige, was mir zeigt, wie ich als ein etwas größeres Kind in mir mit Hilfe der Sprachfähigkeit meinen inneren Menschen weiter plastisch ausgebildet habe. Kurz, mein innerstes Leben tritt vor meine Seele in einem großen, gewaltigen Tableau, wie ich es früher nicht gesehen habe. Und dasjenige, was da jetzt vor meine Seele tritt, ist eben nicht bloß Bild. Das bitte ich wohl zu beachten. Es ist nicht bloß Bild, sondern es ist etwas, von dem ich erkenne, indem ich es auffasse, daß es zusammenhängt mit meinen Wachstumskräften, mit demjenigen, was in mir wächst, was in mir auch lebt in den Ernährungskräften, in den Zirkulations-, in den Atmungskräften, was überhaupt ein innerer, übersinnlicher Leib ist gegenüber dem physischen Leibe. Ich lerne jetzt eben einen zweiten Menschen in mir kennen. Ich lerne erkennen, daß ich mir folgendes sagen darf: Da trägst du deinen äußeren Leib an dir, der ist im Raume ausgedehnt, der hat Arme, Füße, einen Kopf und so weiter. Das ist ein räumlicher Leib. Aber dasjenige, was du jetzt entdeckt hast durch deine Meditation, durch imaginatives Erkennen, das ist ein Organismus, der in der Zeit, nicht im Raume lebt, ein Zeitorganismus.
[ 18 ] Es ist für den heutigen Menschen schon schwierig, wenn man ihm spricht von einem solchen Zeitorganismus. Aber es ist wirklich dieser Zeitorganismus als ein zweiter Mensch in uns vorhanden, und wir dürfen ihn einen Organismus nennen. Denn man kommt darauf, sagen wir, wenn man schon ein alter Kerl geworden ist, wie ich es ja von mir sagen darf, man weiß, man hat eine gewisse Seelenkonfiguration. Diese Seelenkonfiguration, die man jetzt in sich trägt, hängt zusammen mit einer Seelenkonfiguration vielleicht im fünften oder sechsten Lebensjahr. Und so, wie meine linke Hand in meinem Raumesorganismus zusammenhängt meinetwillen mit irgendeiner Partie meines Gehirns in diesem Raumesorganismus, und wie das Gehirn in diesem Raumesorganiismus ist deshalb, damit die einzelnen Partien sich aufeinander beziehen, so beziehen sich in der Zeit, nicht im Raume, die einzelnen Partien des Zeitorganismus aufeinander. Ich trage diesen Zeitorganismus in mir. Ich habe ihn in meinen Büchern Ätherleib oder Bildekräfteleib genannt. Dieser Bildekräfteleib ist eben ein Zeitorganismus. Er ist das erste, was wir entdecken auf dem Wege der imaginativen Forschung. Wir überschauen unser bisheriges Erdenleben in seinen innerlich schöpferischen, übersinnlichen Kräften. Wir spekulieren nicht über eine Lebenskraft, sondern wir schauen unser bisheriges Erdenleben an als ein innerlich organisiertes Tableau, als einen Zeitorganismus, als den Bildekräfteleib. Ältere, nicht so vollbewußte Anschauungen von diesen Dingen, die mehr ahnungsvoll, mehr instinktiv waren, aber in ihren Ahnungen etwas wußten von diesen Dingen, haben diesen Zeitleib, diesen Bildekräfteleib den Ätherleib genannt. Auf die Ausdrücke kommt es ja nicht an, sondern darauf, was mit diesen Dingen gemeint ist. Man hat in diesem Ätherleib durchaus eine Realität, eine Zeitrealität in sich, und niemand versteht die Bildung des Menschen, der nicht diesen Ätherleib versteht. Und das Bedeutsamste an diesem Ätherleibe ist das, daß wir in dem Augenblick, wo wir soweit sind, daß wir unser bisheriges Erdenleben wie mit einem geistigen Blicke überschauen in diesem Lebenstableau, das der Bildekräfteleib ist, auch aufhören zu unterscheiden zwischen subjektiv und objektiv. Der Ätherleib oder Bildekräfteleib, den wir in uns tragen, der ein fließender Zeitleib ist, wir könnten ihn schematisch aufmalen. Aber wir müssen uns bewußt machen, daß wir dann in einem Augenblick malen etwas, was fortwährend hinfließt. Ebenso wenig, wie man den Blitz malen kann, kann man diesen Ätherleib malen. Man malt immer nur einen Augenblick, der festgehalten wird. Man muß sich eben klar sein, daß es von diesem Bildekräfteleib abhängt, wie man als Mensch gebildet ist. Und in dem Augenblick, wo man gewahr wird, wie dieser Ätherleib in einem ein Kraftleib ist, ohne dessen inneres Gefüge zu kennen man den Menschen nicht verstehen kann, merkt man, daß dieselben Kräfte, die da in einem wirken als solcher Ätherleib, auch die Welt als ätherische Kräfte durchziehen; daß Subjektiv und Objektiv aufhören, eine Bedeutung zu haben; daß dieser Bildekräfteleib zusammenhängt mit dem großen Zeitverlauf des Universums; daß wir drinnenstehen als ein Glied in diesem großen Universum. Wir fangen an zu sprechen von den Äthervorgängen des Universums, denn diese werden uns klar in dem Momente, wo wir zu einem so lebendigen Vorstellen kommen, wie wir sonst nur lebendig die äußeren Sinneswahrnehmungen haben. Und wir können das durch Meditation eben erreichen. Kurz, wir leben uns ein in eine Ätherwelt. Wir lernen aber dadurch zugleich erkennen das erste, was in uns selber übersinnlich ist. Noch nicht kommen wir hinaus aus dem Erdenleben, aber wir lernen erkennen dasjenige, was innerhalb des Erdenlebens in uns übersinnlich ist.
[ 18 ] Es ist für den heutigen Menschen schon schwierig, wenn man ihm spricht von einem solchen Zeitorganismus. Aber es ist wirklich dieser Zeitorganismus als ein zweiter Mensch in uns vorhanden, und wir dürfen ihn einen Organismus nennen. Denn man kommt darauf, sagen wir, wenn man schon ein alter Kerl geworden ist, wie ich es ja von mir sagen darf, man weiß, man hat eine gewisse Seelenkonfiguration. Diese Seelenkonfiguration, die man jetzt in sich trägt, hängt zusammen mit einer Seelenkonfiguration vielleicht im fünften oder sechsten Lebensjahr. Und so, wie meine linke Hand in meinem Raumesorganismus zusammenhängt meinetwillen mit irgendeiner Partie meines Gehirns in diesem Raumesorganismus, und wie das Gehirn in diesem Raumesorganiismus ist deshalb, damit die einzelnen Partien sich aufeinander beziehen, so beziehen sich in der Zeit, nicht im Raume, die einzelnen Partien des Zeitorganismus aufeinander. Ich trage diesen Zeitorganismus in mir. Ich habe ihn in meinen Büchern Ätherleib oder Bildekräfteleib genannt. Dieser Bildekräfteleib ist eben ein Zeitorganismus. Er ist das erste, was wir entdecken auf dem Wege der imaginativen Forschung. Wir überschauen unser bisheriges Erdenleben in seinen innerlich schöpferischen, übersinnlichen Kräften. Wir spekulieren nicht über eine Lebenskraft, sondern wir schauen unser bisheriges Erdenleben an als ein innerlich organisiertes Tableau, als einen Zeitorganismus, als den Bildekräfteleib. Ältere, nicht so vollbewußte Anschauungen von diesen Dingen, die mehr ahnungsvoll, mehr instinktiv waren, aber in ihren Ahnungen etwas wußten von diesen Dingen, haben diesen Zeitleib, diesen Bildekräfteleib den Ätherleib genannt. Auf die Ausdrücke kommt es ja nicht an, sondern darauf, was mit diesen Dingen gemeint ist. Man hat in diesem Ätherleib durchaus eine Realität, eine Zeitrealität in sich, und niemand versteht die Bildung des Menschen, der nicht diesen Ätherleib versteht. Und das Bedeutsamste an diesem Ätherleibe ist das, daß wir in dem Augenblick, wo wir soweit sind, daß wir unser bisheriges Erdenleben wie mit einem geistigen Blicke überschauen in diesem Lebenstableau, das der Bildekräfteleib ist, auch aufhören zu unterscheiden zwischen subjektiv und objektiv. Der Ätherleib oder Bildekräfteleib, den wir in uns tragen, der ein fließender Zeitleib ist, wir könnten ihn schematisch aufmalen. Aber wir müssen uns bewußt machen, daß wir dann in einem Augenblick malen etwas, was fortwährend hinfließt. Ebenso wenig, wie man den Blitz malen kann, kann man diesen Ätherleib malen. Man malt immer nur einen Augenblick, der festgehalten wird. Man muß sich eben klar sein, daß es von diesem Bildekräfteleib abhängt, wie man als Mensch gebildet ist. Und in dem Augenblick, wo man gewahr wird, wie dieser Ätherleib in einem ein Kraftleib ist, ohne dessen inneres Gefüge zu kennen man den Menschen nicht verstehen kann, merkt man, daß dieselben Kräfte, die da in einem wirken als solcher Ätherleib, auch die Welt als ätherische Kräfte durchziehen; daß Subjektiv und Objektiv aufhören, eine Bedeutung zu haben; daß dieser Bildekräfteleib zusammenhängt mit dem großen Zeitverlauf des Universums; daß wir drinnenstehen als ein Glied in diesem großen Universum. Wir fangen an zu sprechen von den Äthervorgängen des Universums, denn diese werden uns klar in dem Momente, wo wir zu einem so lebendigen Vorstellen kommen, wie wir sonst nur lebendig die äußeren Sinneswahrnehmungen haben. Und wir können das durch Meditation eben erreichen. Kurz, wir leben uns ein in eine Ätherwelt. Wir lernen aber dadurch zugleich erkennen das erste, was in uns selber übersinnlich ist. Noch nicht kommen wir hinaus aus dem Erdenleben, aber wir lernen erkennen dasjenige, was innerhalb des Erdenlebens in uns übersinnlich ist.
[ 19 ] Wollen wir nun weiterkommen, dann müssen wir unsere Übungen auch fortsetzen. Diese Übungen bestehen aus vielen, vielen Einzelheiten. Ich habe es in den Büchern geschildert und will hier nur das Prinzipielle angeben. Das erste bei diesen Übungen bestand darin, daß die Denkkraft verstärkt wird, daß man dazu kommt, ein imaginatives Denken auszubilden, ein Denken, das so lebendig ist wie sonst nur das Erleben an der Sinneswahrnehmung. Das zweite, was man ausbilden muß, kann in der folgenden Weise charakterisiert werden. Derjenige, der vollbewußt solche Imaginationen entwikkelt, durch die er dann die Ätherwelt, die Bildekräfte welt kennenlernt, der kommt auch in die Lage einzusehen, daß diese Imaginationen, diese Bilder —- denn als Bilder tritt das eigene bisherige Leben einem entgegen in einem großen Tableau, tritt einem die äußere Welt entgegen in einem universellen Tableau -, daß diese Bilder, trotzdem man sie ganz willkürlich hervorgerufen hat, einen stärker festhalten als die gewöhnlichen, blassen, schattenhaften Gedanken. Die meisten Menschen wissen ja, daß diese blassen, schattenhaften Gedanken leider nur zu schnell in Vergessenheit geraten — besonders vor dem Examen ist das meistens der Fall. Aber wenn man eben eine starke Kraft angewendet hat in den Gedanken, so halten einen die Gedanken fest, sie wollen einen nicht mehr loslassen. Man muß nun, um weiterzukommen, nicht auf dieser Stufe stehenbleiben. Mit derselben Willkür, mit der man in die Seele hereingerufen hat diese Bilder, diese Imaginationen, mit derselben Kraft und Willkür muß man sie auch wieder zu entfernen verstehen, sie aus der Seele fortschicken können, so daß man das in der Seele haben kann, was ich nun nennen möchte: Leerheit des Bewußtseins.
[ 19 ] Wollen wir nun weiterkommen, dann müssen wir unsere Übungen auch fortsetzen. Diese Übungen bestehen aus vielen, vielen Einzelheiten. Ich habe es in den Büchern geschildert und will hier nur das Prinzipielle angeben. Das erste bei diesen Übungen bestand darin, daß die Denkkraft verstärkt wird, daß man dazu kommt, ein imaginatives Denken auszubilden, ein Denken, das so lebendig ist wie sonst nur das Erleben an der Sinneswahrnehmung. Das zweite, was man ausbilden muß, kann in der folgenden Weise charakterisiert werden. Derjenige, der vollbewußt solche Imaginationen entwikkelt, durch die er dann die Ätherwelt, die Bildekräfte welt kennenlernt, der kommt auch in die Lage einzusehen, daß diese Imaginationen, diese Bilder —- denn als Bilder tritt das eigene bisherige Leben einem entgegen in einem großen Tableau, tritt einem die äußere Welt entgegen in einem universellen Tableau -, daß diese Bilder, trotzdem man sie ganz willkürlich hervorgerufen hat, einen stärker festhalten als die gewöhnlichen, blassen, schattenhaften Gedanken. Die meisten Menschen wissen ja, daß diese blassen, schattenhaften Gedanken leider nur zu schnell in Vergessenheit geraten — besonders vor dem Examen ist das meistens der Fall. Aber wenn man eben eine starke Kraft angewendet hat in den Gedanken, so halten einen die Gedanken fest, sie wollen einen nicht mehr loslassen. Man muß nun, um weiterzukommen, nicht auf dieser Stufe stehenbleiben. Mit derselben Willkür, mit der man in die Seele hereingerufen hat diese Bilder, diese Imaginationen, mit derselben Kraft und Willkür muß man sie auch wieder zu entfernen verstehen, sie aus der Seele fortschicken können, so daß man das in der Seele haben kann, was ich nun nennen möchte: Leerheit des Bewußtseins.
[ 20 ] Machen Sie sich nur klar, wie diese Leerheit des Bewußtseins im gewöhnlichen Leben ausschaut. Wenn leeres Bewußtsein im gewöhnlichen Leben eintritt, da ist eben meistens kein Bewußtsein mehr vorhanden, da schläft man ein. Das gewöhnliche Bewußtsein schläft ein, wenn es leer von Sinneseindrücken, von Erinnerungen und so weiter wird. Aber das ist eben der Unterschied zwischen diesem gewöhnlichen Bewußtsein und dem, was man sich jetzt schon errungen hat im imaginativen Erkennen, daß man dämpfen lernt, ganz herabdämpfen lernt diese Imaginationen, und daß man doch nun der Welt gegenübersteht in einem absolut wachenden Zustand. Ich möchte sagen: ganz Erwartung. Man wacht, hat nichts im Bewußtsein, weil man mit der starken Kraft, die notwendig war, die Imaginationen getilgt hat. Man erwartet wachend, was sich nun ergibt. Und wenn man leeres Bewußtsein dadurch hergestellt hat, daß man erst verstärkte Denkkraft tilgen mußte, dann wartet dieses leere Bewußtsein nicht vergebens. Dann dringt in dieses ‚ leere Bewußtsein ein die übersinnliche Welt, dringt genau so ein, wie die sinnliche Welt durch unsere Augen und Ohren, durch unseren Wärmeorganismus und so weiter eindringt. Da machen wir die Entdeckung, daß uns eine übersinnliche Welt umgibt, die nun in das leere, aber wache Bewußtsein hereindringt als die geistige Welt, wie wir vorher die sinnliche Welt um uns hatten. Dabei bleibt immer, weil wir alles das vollziehen mit absolutem Willkür-Bewußtsein, neben diesem erhöhten Bewußtsein das ursprüngliche Bewußtsein des alltäglichen Lebens, das heißt der gesunde Menschenverstand, vorhanden, im Gegensatz zu dem Zustand, wenn jemand halluziniert und Visionen hat, denn dabei geht sein ganzes Bewußtsein in einzelne Visionen über. Das ist bei dem Bewußtsein, von dem ich spreche, nicht der Fall. Das Alltagsbewußtsein, durch das wir fest drinnenstehen im Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft, das bleibt bei jedem Schritt daneben, bleibt fortwährend als Kontrolleur vorhanden. Diejenigen, die davon sprechen, daß auch das, was da als anthroposophisches Bewußtsein geschildert wird, auf Visionen oder Halluzinationen beruhen könnte, die wissen nicht, um was es sich handelt. Die reden, indem sie sich nicht erkundigen, um was es sich handelt.
[ 20 ] Machen Sie sich nur klar, wie diese Leerheit des Bewußtseins im gewöhnlichen Leben ausschaut. Wenn leeres Bewußtsein im gewöhnlichen Leben eintritt, da ist eben meistens kein Bewußtsein mehr vorhanden, da schläft man ein. Das gewöhnliche Bewußtsein schläft ein, wenn es leer von Sinneseindrücken, von Erinnerungen und so weiter wird. Aber das ist eben der Unterschied zwischen diesem gewöhnlichen Bewußtsein und dem, was man sich jetzt schon errungen hat im imaginativen Erkennen, daß man dämpfen lernt, ganz herabdämpfen lernt diese Imaginationen, und daß man doch nun der Welt gegenübersteht in einem absolut wachenden Zustand. Ich möchte sagen: ganz Erwartung. Man wacht, hat nichts im Bewußtsein, weil man mit der starken Kraft, die notwendig war, die Imaginationen getilgt hat. Man erwartet wachend, was sich nun ergibt. Und wenn man leeres Bewußtsein dadurch hergestellt hat, daß man erst verstärkte Denkkraft tilgen mußte, dann wartet dieses leere Bewußtsein nicht vergebens. Dann dringt in dieses ‚ leere Bewußtsein ein die übersinnliche Welt, dringt genau so ein, wie die sinnliche Welt durch unsere Augen und Ohren, durch unseren Wärmeorganismus und so weiter eindringt. Da machen wir die Entdeckung, daß uns eine übersinnliche Welt umgibt, die nun in das leere, aber wache Bewußtsein hereindringt als die geistige Welt, wie wir vorher die sinnliche Welt um uns hatten. Dabei bleibt immer, weil wir alles das vollziehen mit absolutem Willkür-Bewußtsein, neben diesem erhöhten Bewußtsein das ursprüngliche Bewußtsein des alltäglichen Lebens, das heißt der gesunde Menschenverstand, vorhanden, im Gegensatz zu dem Zustand, wenn jemand halluziniert und Visionen hat, denn dabei geht sein ganzes Bewußtsein in einzelne Visionen über. Das ist bei dem Bewußtsein, von dem ich spreche, nicht der Fall. Das Alltagsbewußtsein, durch das wir fest drinnenstehen im Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft, das bleibt bei jedem Schritt daneben, bleibt fortwährend als Kontrolleur vorhanden. Diejenigen, die davon sprechen, daß auch das, was da als anthroposophisches Bewußtsein geschildert wird, auf Visionen oder Halluzinationen beruhen könnte, die wissen nicht, um was es sich handelt. Die reden, indem sie sich nicht erkundigen, um was es sich handelt.
[ 21 ] Aber wenn jetzt durch das leere Bewußtsein aus unserer Umgebung eine übersinnliche Welt eindringt, dann sind wir auch in der Lage, noch weiteres an uns selber wahrzunehmen als bloß den vorher geschilderten tableauartigen Ätherleib. Jetzt kommen wir in die Lage, hinauszuschauen über Geburt und Konzeption. Indem wir austilgen können, was der ganze Bildekräfteleib ist, sehen wir durch das leere Bewußtsein nichts mehr von dem ganzen Menschen zwischen der Geburt und dem jetzigen Erlebnis-Zeitpunkte. Denn haben wir gelernt, die Imaginationen zu tilgen und leeres Bewußtsein zu haben, so können wir alles, was uns als Ätherleib erfüllt, auch austilgen und mit leerem Bewußtsein auf uns selbst zurückschauen. Da bleibt zwar dieser gewöhnliche Mensch für den Danebenstehenden da, der kann den betrachten. Aber dieses erhöhte Bewußtsein dringt jetzt hinaus in diejenige Welt, in der wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind aus der geistig-seelischen Welt und einen irdischen Leib von unseren Eltern und Ureltern angenommen haben. Jetzt schauen wir in die Welt, in der wir, bevor wir mit einem physischen Leibe umhüllt waren, vereinigt waren mit jenen geistigen Substanzen, die in der geistigen Welt sind. Jetzt lernen wir erkennen, wie wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind in das physische Leben. Jetzt lernen wir ein Weiteres übersinnlich erkennen.
[ 21 ] Aber wenn jetzt durch das leere Bewußtsein aus unserer Umgebung eine übersinnliche Welt eindringt, dann sind wir auch in der Lage, noch weiteres an uns selber wahrzunehmen als bloß den vorher geschilderten tableauartigen Ätherleib. Jetzt kommen wir in die Lage, hinauszuschauen über Geburt und Konzeption. Indem wir austilgen können, was der ganze Bildekräfteleib ist, sehen wir durch das leere Bewußtsein nichts mehr von dem ganzen Menschen zwischen der Geburt und dem jetzigen Erlebnis-Zeitpunkte. Denn haben wir gelernt, die Imaginationen zu tilgen und leeres Bewußtsein zu haben, so können wir alles, was uns als Ätherleib erfüllt, auch austilgen und mit leerem Bewußtsein auf uns selbst zurückschauen. Da bleibt zwar dieser gewöhnliche Mensch für den Danebenstehenden da, der kann den betrachten. Aber dieses erhöhte Bewußtsein dringt jetzt hinaus in diejenige Welt, in der wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind aus der geistig-seelischen Welt und einen irdischen Leib von unseren Eltern und Ureltern angenommen haben. Jetzt schauen wir in die Welt, in der wir, bevor wir mit einem physischen Leibe umhüllt waren, vereinigt waren mit jenen geistigen Substanzen, die in der geistigen Welt sind. Jetzt lernen wir erkennen, wie wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind in das physische Leben. Jetzt lernen wir ein Weiteres übersinnlich erkennen.
[ 22 ] Wir haben zuerst, indem wir uns als physisches Erdenwesen betrachten, unseren Raumesleib, den physischen Leib; wir haben den zweiten Leib, den wir durch imaginative Erkenntnis erfassen, der ein übersinnlicher ist, aber nicht über das Erdenleben hinausführt; jetzt aber haben wir den dritten Leib. Weil er in die Sternenwelten führt, nennt man ihn - es ist nur eine Terminologie - den Astralleib. Das eigentliche Seelenwesen des Menschen lernt man kennen. Man lernt dieses Dritte, die zweite übersinnliche Wesenheit des Menschen, kennen. Diese haben wir aber auch in unserem Leibe im Erdenleben. Sie verhüllt sich im physischen Leibe. Sie war vorhanden vor unserer Geburt beziehungsweise unserer Empfängnis. Da gelangt man dann durch Anschauung zur Erkenntnis der einen Seite der Ewigkeit des Menschen. Wir haben so sehr diese eine Seite der Ewigkeit des Menschen verloren, daß die modernen Sprachen kaum mehr ein Wort dafür haben. Wir reden von Unsterblichkeit, von demjenigen, was wir durch die Traditionen, die aber nur die Traditionen der letzten Jahrtausende waren, haben, reden von der Verlängerung über den Tod hinaus. Daß man auch reden kann von einer Verlängerung über die Geburt hinaus, das würde notwendig machen, daß wir auch von der anderen Seite der Ewigkeit wissen und das Wort Ungeborenheit prägen, denn diese Ungeborenheit ist die andere Seite der Ewigkeit.
[ 22 ] Wir haben zuerst, indem wir uns als physisches Erdenwesen betrachten, unseren Raumesleib, den physischen Leib; wir haben den zweiten Leib, den wir durch imaginative Erkenntnis erfassen, der ein übersinnlicher ist, aber nicht über das Erdenleben hinausführt; jetzt aber haben wir den dritten Leib. Weil er in die Sternenwelten führt, nennt man ihn - es ist nur eine Terminologie - den Astralleib. Das eigentliche Seelenwesen des Menschen lernt man kennen. Man lernt dieses Dritte, die zweite übersinnliche Wesenheit des Menschen, kennen. Diese haben wir aber auch in unserem Leibe im Erdenleben. Sie verhüllt sich im physischen Leibe. Sie war vorhanden vor unserer Geburt beziehungsweise unserer Empfängnis. Da gelangt man dann durch Anschauung zur Erkenntnis der einen Seite der Ewigkeit des Menschen. Wir haben so sehr diese eine Seite der Ewigkeit des Menschen verloren, daß die modernen Sprachen kaum mehr ein Wort dafür haben. Wir reden von Unsterblichkeit, von demjenigen, was wir durch die Traditionen, die aber nur die Traditionen der letzten Jahrtausende waren, haben, reden von der Verlängerung über den Tod hinaus. Daß man auch reden kann von einer Verlängerung über die Geburt hinaus, das würde notwendig machen, daß wir auch von der anderen Seite der Ewigkeit wissen und das Wort Ungeborenheit prägen, denn diese Ungeborenheit ist die andere Seite der Ewigkeit.
[ 23 ] Nun, auf diese Weise sind wir aber aufgestiegen zu solchen Erkenntnissen, die nun nicht anders in unsere Seelenverfassung hereinkommen können als dadurch, daß wir etwas kennenlernen, was uns eben ganz verschlossen ist für unser gewöhnliches Bewußtsein. Ich schilderte Ihnen ja, wie leeres Bewußtsein eintreten muß und wie aus der geistigen Welt hereinkommen muß in dieses leere Bewußtsein der Inhalt der übersinnlichen Welt so, wie sonst hereindringt in Augen und Ohren die sinnliche Welt. Diese zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis nenne ich Inspiration: die inspirierte Erkenntnis. Durch die inspirierte Erkenntnis kommen wir nun unmittelbar hinein in die wirkliche übersinnliche Welt. Wir lernen vor allen Dingen uns selbst als übersinnliches Wesen erkennen in unserem vorgeburtlichen Dasein. Wir lernen auch die geistige Umwelt erkennen. Und jetzt tritt etwas sehr Bedeutsames ein. Ich möchte es Ihnen heute zunächst nur skizzenhaft andeuten, in den nächsten Tagen wird es noch genauer ausgeführt werden. Nehmen Sie das Verhältnis der Umwelt zu unserer eigenen inneren Welt. Wir können dieses so beschreiben, daß wir sagen, für das gewöhnliche Bewußtsein ist da draußen die materielle Welt. Wenn wir uns nun dem Menschen objektiv gegenüberstellen, so sagen wir: Wenn der Mensch durch seine Augen in diese materielle Welt hineinschaut, durch seine Ohren anderes wahrnimmt, so sind da draußen die materiellen Dinge und Tatsachen, und im Seelenwesen drinnen sind denkend, fühlend und wollend seine ideellen, seine seelischen Inhalte. Indem der Mensch das Materielle wahrnimmt, trägt er in seinem seelischen Inneren bildhaft, als Abbild, seelisch fein, seelisch dünn, diese äußere materielle Welt. In dem Augenblick, wo wir lernen, in unserem leeren Bewußtsein die geistige Welt um uns herum zu erfassen, da tritt auch für unser Inneres etwas Neues auf.
[ 23 ] Nun, auf diese Weise sind wir aber aufgestiegen zu solchen Erkenntnissen, die nun nicht anders in unsere Seelenverfassung hereinkommen können als dadurch, daß wir etwas kennenlernen, was uns eben ganz verschlossen ist für unser gewöhnliches Bewußtsein. Ich schilderte Ihnen ja, wie leeres Bewußtsein eintreten muß und wie aus der geistigen Welt hereinkommen muß in dieses leere Bewußtsein der Inhalt der übersinnlichen Welt so, wie sonst hereindringt in Augen und Ohren die sinnliche Welt. Diese zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis nenne ich Inspiration: die inspirierte Erkenntnis. Durch die inspirierte Erkenntnis kommen wir nun unmittelbar hinein in die wirkliche übersinnliche Welt. Wir lernen vor allen Dingen uns selbst als übersinnliches Wesen erkennen in unserem vorgeburtlichen Dasein. Wir lernen auch die geistige Umwelt erkennen. Und jetzt tritt etwas sehr Bedeutsames ein. Ich möchte es Ihnen heute zunächst nur skizzenhaft andeuten, in den nächsten Tagen wird es noch genauer ausgeführt werden. Nehmen Sie das Verhältnis der Umwelt zu unserer eigenen inneren Welt. Wir können dieses so beschreiben, daß wir sagen, für das gewöhnliche Bewußtsein ist da draußen die materielle Welt. Wenn wir uns nun dem Menschen objektiv gegenüberstellen, so sagen wir: Wenn der Mensch durch seine Augen in diese materielle Welt hineinschaut, durch seine Ohren anderes wahrnimmt, so sind da draußen die materiellen Dinge und Tatsachen, und im Seelenwesen drinnen sind denkend, fühlend und wollend seine ideellen, seine seelischen Inhalte. Indem der Mensch das Materielle wahrnimmt, trägt er in seinem seelischen Inneren bildhaft, als Abbild, seelisch fein, seelisch dünn, diese äußere materielle Welt. In dem Augenblick, wo wir lernen, in unserem leeren Bewußtsein die geistige Welt um uns herum zu erfassen, da tritt auch für unser Inneres etwas Neues auf.
[ 24 ] Nehmen Sie an, ich sähe für das inspirierte Bewußtsein diese materielle Welt nunmehr durchdrungen von der geistigen Welt. Jetzt tritt im Inneren des Menschen nicht bildhaft auf dasjenige, was da draußen als geistig geschaut wird, sondern jetzt lernt man erkennen das Geistige draußen, wie es sich im Inneren des Menschen spiegelt, und da spiegelt es sich als seine physischen Organe, als Lunge, Leber, Herz, Nieren und so weiter, als alles dasjenige, was materiell zunächst im Inneren ist. Es ist ein vollständiges Umkehren, eine Reziprozität vorhanden. Während die materielle Welt sich in uns spiegelt auf geistig-seelische Weise für das gewöhnliche Bewußtsein, spiegelt sich die geistige Weit durch unsere Organe in uns. Wir lernen uns innerlich als physische Menschen kennen, indem wir die geistige Welt um uns herum gewahr werden. Vorher versteht man den physischen Menschen nicht. Vorher lernt man durch Anatomie äußerlich Herz, Lunge, Leber kennen, aber keinen Zusammenhang mit der äußeren Welt. Man lernt durch Anatomie und Physiologie Herz, Lunge, Leber so kennen, wie wenn man kennenlernen würde, daß der Mensch allerlei Vorstellungen in seinem Inneren hat, aber nicht wüßte, daß seine inneren Bilder sich auf die Außenwelt beziehen. Man weiß nicht, daß diese Organe sich auf die geistige Außenwelt beziehen. Hier liegt der Ursprung desjenigen, was zum Beispiel als die Auswirkung der Geisteswissenschaft in einer rationellen Medizin möglich wird. Denn man lernt jetzt erst den Menschen wirklich kennen, man lernt die innere Natur seines Organismus kennen. Die kann man vorher auf keine Weise kennenlernen. Man kann sie nur äußerlich erkennen.
[ 24 ] Nehmen Sie an, ich sähe für das inspirierte Bewußtsein diese materielle Welt nunmehr durchdrungen von der geistigen Welt. Jetzt tritt im Inneren des Menschen nicht bildhaft auf dasjenige, was da draußen als geistig geschaut wird, sondern jetzt lernt man erkennen das Geistige draußen, wie es sich im Inneren des Menschen spiegelt, und da spiegelt es sich als seine physischen Organe, als Lunge, Leber, Herz, Nieren und so weiter, als alles dasjenige, was materiell zunächst im Inneren ist. Es ist ein vollständiges Umkehren, eine Reziprozität vorhanden. Während die materielle Welt sich in uns spiegelt auf geistig-seelische Weise für das gewöhnliche Bewußtsein, spiegelt sich die geistige Weit durch unsere Organe in uns. Wir lernen uns innerlich als physische Menschen kennen, indem wir die geistige Welt um uns herum gewahr werden. Vorher versteht man den physischen Menschen nicht. Vorher lernt man durch Anatomie äußerlich Herz, Lunge, Leber kennen, aber keinen Zusammenhang mit der äußeren Welt. Man lernt durch Anatomie und Physiologie Herz, Lunge, Leber so kennen, wie wenn man kennenlernen würde, daß der Mensch allerlei Vorstellungen in seinem Inneren hat, aber nicht wüßte, daß seine inneren Bilder sich auf die Außenwelt beziehen. Man weiß nicht, daß diese Organe sich auf die geistige Außenwelt beziehen. Hier liegt der Ursprung desjenigen, was zum Beispiel als die Auswirkung der Geisteswissenschaft in einer rationellen Medizin möglich wird. Denn man lernt jetzt erst den Menschen wirklich kennen, man lernt die innere Natur seines Organismus kennen. Die kann man vorher auf keine Weise kennenlernen. Man kann sie nur äußerlich erkennen.
[ 25 ] Das ist nun die zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, des übersinnlichen Forschungsweges, das ist die Stufe der Inspiration. Eine dritte Stufe wird dadurch erreicht, daß man sich an den Willen wendet. Man kann nun auch diesen Willen ausbilden insbesondere dadurch, daß man wiederum zunächst sich ganz klar wird, was es mit diesem Willen für eine Bewandtnis hat im gewöhnlichen Leben. Es ist ja schon erwähnt worden, auch von anderen Seiten in diesen Tagen, daß der Mensch eigentlich in bezug auf seine Willensnatur fortwährend ein schlafendes Wesen ist. Wenn ich nur meinen Arm erhebe, so habe ich zuerst in der Vorstellung das Ziel, daß ich meinen Arm heben will. Was aber dann vorgeht, indem ich diesen Zielgedanken hinuntertauche in die menschliche Wesenheit und durch den Willen die Armbewegung hervorbringe, das entzieht sich zunächst der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Ich werde wiederum gewahr, und wiederum durch das Wahrnehmen, den gehobenen Arm, aber der Wille bleibt so unbewußt für das gewöhnliche Bewußtsein, wie die Zustände, die wir schlafend durchleben, für den Schläfer selbst unbewußt bleiben. Wir sind eigentlich wach im gewöhnlichen Bewußtsein nur für unser Vorstellungsleben; wir schlafen im gewöhnlichen Bewußtsein für unser Willensleben. Aber wir können dieses Willensleben in den Wachzustand hinaufheben. Die Übungen dazu sind sehr verschieden von den Übungen, die zunächst Denkübungen sind, wie ich sie geschildert habe. Und die Verschiedenheit wird uns am besten dadurch entgegentreten, daß ich Ihnen die Sache an einer charakteristischen Eigenschaft klarmache.
[ 25 ] Das ist nun die zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, des übersinnlichen Forschungsweges, das ist die Stufe der Inspiration. Eine dritte Stufe wird dadurch erreicht, daß man sich an den Willen wendet. Man kann nun auch diesen Willen ausbilden insbesondere dadurch, daß man wiederum zunächst sich ganz klar wird, was es mit diesem Willen für eine Bewandtnis hat im gewöhnlichen Leben. Es ist ja schon erwähnt worden, auch von anderen Seiten in diesen Tagen, daß der Mensch eigentlich in bezug auf seine Willensnatur fortwährend ein schlafendes Wesen ist. Wenn ich nur meinen Arm erhebe, so habe ich zuerst in der Vorstellung das Ziel, daß ich meinen Arm heben will. Was aber dann vorgeht, indem ich diesen Zielgedanken hinuntertauche in die menschliche Wesenheit und durch den Willen die Armbewegung hervorbringe, das entzieht sich zunächst der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Ich werde wiederum gewahr, und wiederum durch das Wahrnehmen, den gehobenen Arm, aber der Wille bleibt so unbewußt für das gewöhnliche Bewußtsein, wie die Zustände, die wir schlafend durchleben, für den Schläfer selbst unbewußt bleiben. Wir sind eigentlich wach im gewöhnlichen Bewußtsein nur für unser Vorstellungsleben; wir schlafen im gewöhnlichen Bewußtsein für unser Willensleben. Aber wir können dieses Willensleben in den Wachzustand hinaufheben. Die Übungen dazu sind sehr verschieden von den Übungen, die zunächst Denkübungen sind, wie ich sie geschildert habe. Und die Verschiedenheit wird uns am besten dadurch entgegentreten, daß ich Ihnen die Sache an einer charakteristischen Eigenschaft klarmache.
[ 26 ] Derjenige, der etwas durch solche Übungen erreichen will, zum Beispiel in der Beobachtung des Ätherleibes, der muß allerdings Vorbereitungen durchmachen. Die vorbereitenden Übungen finden Sie in den genannten Büchern geschildert. Da handelt es sich zum Beispiel um die Vorbereitung zu einer Eigenschaft, die ich nennen möchte die Geistesgegenwart. Geistesgegenwart im gewöhnlichen Leben besteht darin, daß man schnelle Entschlüsse fassen kann gegenüber einer Situation. Das muß aber eine habituelle Eigenschaft werden für den, der in die geistigen Welten hinaufsteigen will. Denn dasjenige, was da wahrzunehmen ist, es ist nicht so bequem wahrzunehmen, sondern es ist tatsächlich so, daß sehr fleißig übende Menschen, wenn ich sie so nennen darf, glauben: Ich kann nichts wahrnehmen. Sie können es nicht, weil sie nicht genügend vorbereitet sind für Geistesgegenwart, denn die Dinge huschen so schnell vorbei, daß man sie schnell ergreifen muß. Die meisten Menschen haben nur solche Seelenfähigkeiten, daß, wenn sie die Aufmerksamkeit wenden sollen auf das, was sie geistig erleben sollen, es schon fort ist. Es handelt sich also um Geistesgegenwart.
[ 26 ] Derjenige, der etwas durch solche Übungen erreichen will, zum Beispiel in der Beobachtung des Ätherleibes, der muß allerdings Vorbereitungen durchmachen. Die vorbereitenden Übungen finden Sie in den genannten Büchern geschildert. Da handelt es sich zum Beispiel um die Vorbereitung zu einer Eigenschaft, die ich nennen möchte die Geistesgegenwart. Geistesgegenwart im gewöhnlichen Leben besteht darin, daß man schnelle Entschlüsse fassen kann gegenüber einer Situation. Das muß aber eine habituelle Eigenschaft werden für den, der in die geistigen Welten hinaufsteigen will. Denn dasjenige, was da wahrzunehmen ist, es ist nicht so bequem wahrzunehmen, sondern es ist tatsächlich so, daß sehr fleißig übende Menschen, wenn ich sie so nennen darf, glauben: Ich kann nichts wahrnehmen. Sie können es nicht, weil sie nicht genügend vorbereitet sind für Geistesgegenwart, denn die Dinge huschen so schnell vorbei, daß man sie schnell ergreifen muß. Die meisten Menschen haben nur solche Seelenfähigkeiten, daß, wenn sie die Aufmerksamkeit wenden sollen auf das, was sie geistig erleben sollen, es schon fort ist. Es handelt sich also um Geistesgegenwart.
[ 27 ] Genau die entgegengesetzte Eigenschaft muß man ausbilden für Willensübungen. Da handelt es sich darum, daß man im gewöhnlichen Leben den vollendeten Willen am elementarsten anwendet, wenn man geht, greift, sich bewegt, überhaupt wenn man etwas tut, wenn man Handlungen, Taten vollführt. Solange man den Willen nur innerlich entwickelt im Leben, ist ja eigentlich nur ein Wunsch, kein Wille vorhanden. Ein wirklicher Wille ist immer verbunden auch mit einem organischen Prozeß, ich könnte auch sagen mit einem Verbrennungsprozeß. Der wirklich vollendete Wille, der ändert in der Tat den Organismus. Der ist im Stoffwechselprozeß mit dem Organismus verknüpft. Aber in welcher Lage sind wir gegenüber dem gewöhnlichen Willen? Da sind wir in der Lage, daß wir uns gar nicht durchschauen. Die Willensimpulse spielen sich ab, wir blicken in unser Inneres, wir sind uns seelisch undurchsichtig für diese Willensimpulse. Wir schauen in ein Finsteres hinein in bezug auf den Willen. Wir können aber dieses Finstere lichten. Wir können uns seelisch durchsichtig machen. Dazu gehört aber viel Geduld, denn jetzt müssen wir unsere Übungen über große Zeitspannen ausdehnen. Ich will Ihnen eine einfache Übung sagen, die komplizierteren finden Sie auch wieder in den genannten Büchern. Nehmen wir also eine einfache Übung: Ich habe zum Beispiel eine Gewohnheit, ich schreibe in einer gewissen Weise, ich habe eine Handschrift. Wenn man einmal ein alter Kerl geworden ist, gewöhnt man sich nicht gerne eine andere Handschrift an. Es kostet Mühe, kostet innerliche Überwindung. Es ist etwas, was in einem bleibt, obwohl es ja nach außen sich kundgibt, indem man schreibt. Aber die ganzen Willensvorgänge zum Umändern der Handschrift spielen sich im Inneren ab. Abgesehen davon, daß ich auch aus äußerlichen Gründen nicht raten möchte, daß man gerade diese Übung zu stark macht - ich will ja daran nur etwas veranschaulichen, nicht gerade eine Anleitung geben zum Handschriftenfälschen. Wenn man es aber dazu brächte, den Willen so anzustrengen, daß man etwas so in den Menschen Hineinverwobenes umändern könnte wie die Handschrift oder auch andere Gewohnheiten, kurz, wenn man sich zum völlig anderen Menschen macht durch innere Bewußtheit, durch Willenskultur, kann man den Willen durchsichtig machen. Man braucht dazu Jahre. Insbesondere ist es gut, wenn man sich herbeiläßt, gewisse Eigenschaften, die man zunächst nur als schön empfindet, aber nicht hat, sich einzuverleiben, indem man sich zum Beispiel vornimmt: Du wirst die nächsten acht Jahre dazu verwenden, um gewisse Eigenschaften, die du nicht hast, gewisse besondere Arten des SichDarlebens, dir mit aller Gewalt anzuerziehen. Was ich schildere, scheint leicht, doch möchte man mit Faust sagen: «Doch ist das Leichte schwer». Und derjenige, der solche Übungen macht, wird sehen, daß es schwer ist, den Willen in dieser Weise durch starke Selbstzucht in eine andere Richtung zu bringen. Kurz, das, was sich sonst nur auslebt in Momenten, wo der Wille voll wird, indem er nach außen sein Dasein in der Handlung kundgibt, das auf die Willensentwickelung selber angewendet, das bringt uns dazu — das Genauere über diese Übungen finden Sie auch in den Büchern -, durch solche Übungen nun wirklich in sich hinunterzuschauen, sich in bezug auf den Willen ganz durchsichtig zu machen. Durch einen Vergleich möchte ich versuchen Ihnen klarzumachen, was man da erreicht. Wodurch sehen wir eigentlich durch unsere Augen? Nur dadurch, daß das Auge selbstlos ist, daß es seine eigene Substantialität nicht geltend macht. Es ist durchsichtig. In dem Augenblick, wo das Auge teilweise diese Selbstlosigkeit aufgibt, sich selbst zur Geltung bringt, kann es uns nicht mehr dienen zum Sehen. Es muß sich selber auslöschen.
[ 27 ] Genau die entgegengesetzte Eigenschaft muß man ausbilden für Willensübungen. Da handelt es sich darum, daß man im gewöhnlichen Leben den vollendeten Willen am elementarsten anwendet, wenn man geht, greift, sich bewegt, überhaupt wenn man etwas tut, wenn man Handlungen, Taten vollführt. Solange man den Willen nur innerlich entwickelt im Leben, ist ja eigentlich nur ein Wunsch, kein Wille vorhanden. Ein wirklicher Wille ist immer verbunden auch mit einem organischen Prozeß, ich könnte auch sagen mit einem Verbrennungsprozeß. Der wirklich vollendete Wille, der ändert in der Tat den Organismus. Der ist im Stoffwechselprozeß mit dem Organismus verknüpft. Aber in welcher Lage sind wir gegenüber dem gewöhnlichen Willen? Da sind wir in der Lage, daß wir uns gar nicht durchschauen. Die Willensimpulse spielen sich ab, wir blicken in unser Inneres, wir sind uns seelisch undurchsichtig für diese Willensimpulse. Wir schauen in ein Finsteres hinein in bezug auf den Willen. Wir können aber dieses Finstere lichten. Wir können uns seelisch durchsichtig machen. Dazu gehört aber viel Geduld, denn jetzt müssen wir unsere Übungen über große Zeitspannen ausdehnen. Ich will Ihnen eine einfache Übung sagen, die komplizierteren finden Sie auch wieder in den genannten Büchern. Nehmen wir also eine einfache Übung: Ich habe zum Beispiel eine Gewohnheit, ich schreibe in einer gewissen Weise, ich habe eine Handschrift. Wenn man einmal ein alter Kerl geworden ist, gewöhnt man sich nicht gerne eine andere Handschrift an. Es kostet Mühe, kostet innerliche Überwindung. Es ist etwas, was in einem bleibt, obwohl es ja nach außen sich kundgibt, indem man schreibt. Aber die ganzen Willensvorgänge zum Umändern der Handschrift spielen sich im Inneren ab. Abgesehen davon, daß ich auch aus äußerlichen Gründen nicht raten möchte, daß man gerade diese Übung zu stark macht - ich will ja daran nur etwas veranschaulichen, nicht gerade eine Anleitung geben zum Handschriftenfälschen. Wenn man es aber dazu brächte, den Willen so anzustrengen, daß man etwas so in den Menschen Hineinverwobenes umändern könnte wie die Handschrift oder auch andere Gewohnheiten, kurz, wenn man sich zum völlig anderen Menschen macht durch innere Bewußtheit, durch Willenskultur, kann man den Willen durchsichtig machen. Man braucht dazu Jahre. Insbesondere ist es gut, wenn man sich herbeiläßt, gewisse Eigenschaften, die man zunächst nur als schön empfindet, aber nicht hat, sich einzuverleiben, indem man sich zum Beispiel vornimmt: Du wirst die nächsten acht Jahre dazu verwenden, um gewisse Eigenschaften, die du nicht hast, gewisse besondere Arten des SichDarlebens, dir mit aller Gewalt anzuerziehen. Was ich schildere, scheint leicht, doch möchte man mit Faust sagen: «Doch ist das Leichte schwer». Und derjenige, der solche Übungen macht, wird sehen, daß es schwer ist, den Willen in dieser Weise durch starke Selbstzucht in eine andere Richtung zu bringen. Kurz, das, was sich sonst nur auslebt in Momenten, wo der Wille voll wird, indem er nach außen sein Dasein in der Handlung kundgibt, das auf die Willensentwickelung selber angewendet, das bringt uns dazu — das Genauere über diese Übungen finden Sie auch in den Büchern -, durch solche Übungen nun wirklich in sich hinunterzuschauen, sich in bezug auf den Willen ganz durchsichtig zu machen. Durch einen Vergleich möchte ich versuchen Ihnen klarzumachen, was man da erreicht. Wodurch sehen wir eigentlich durch unsere Augen? Nur dadurch, daß das Auge selbstlos ist, daß es seine eigene Substantialität nicht geltend macht. Es ist durchsichtig. In dem Augenblick, wo das Auge teilweise diese Selbstlosigkeit aufgibt, sich selbst zur Geltung bringt, kann es uns nicht mehr dienen zum Sehen. Es muß sich selber auslöschen.
[ 28 ] Nun werde ich nicht behaupten, daß für das gewöhnliche Leben unser physischer Leib krank sei und gesund gemacht werden müsse durch Übungen. So ist es nicht. Für das Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft ist unser Leib selbstverständlich gesund, aber er taugt nichts zum übersinnlichen Wahrnehmen. Da muß er eben umgestaltet werden. Nicht als ob er fortwährend umgestaltet bliebe. Es bleibt immer der Mensch mit dem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand daneben. Es handelt sich auch nicht um ein Aufgehen des einen in den anderen Menschen, ein Verschwinden des gewöhnlichen, gesunden Menschen. Beide, die entwickelte Persönlichkeit und die ursprüngliche Persönlichkeit mit dem gesunden Menschenverstand bleiben nebeneinander, so daß die letztere für die erstere kontrollierend auftritt. Aber für das höhere Bewußtsein, das schon leer sein muß, gelangen wir dazu, daß unser Leib nun nicht mehr für das seelische Wahrnehmen da ist. Wir sehen gewissermaßen durch unseren Leib hindurch. Wir sehen, wie der Wille in uns wirkt.
[ 28 ] Nun werde ich nicht behaupten, daß für das gewöhnliche Leben unser physischer Leib krank sei und gesund gemacht werden müsse durch Übungen. So ist es nicht. Für das Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft ist unser Leib selbstverständlich gesund, aber er taugt nichts zum übersinnlichen Wahrnehmen. Da muß er eben umgestaltet werden. Nicht als ob er fortwährend umgestaltet bliebe. Es bleibt immer der Mensch mit dem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand daneben. Es handelt sich auch nicht um ein Aufgehen des einen in den anderen Menschen, ein Verschwinden des gewöhnlichen, gesunden Menschen. Beide, die entwickelte Persönlichkeit und die ursprüngliche Persönlichkeit mit dem gesunden Menschenverstand bleiben nebeneinander, so daß die letztere für die erstere kontrollierend auftritt. Aber für das höhere Bewußtsein, das schon leer sein muß, gelangen wir dazu, daß unser Leib nun nicht mehr für das seelische Wahrnehmen da ist. Wir sehen gewissermaßen durch unseren Leib hindurch. Wir sehen, wie der Wille in uns wirkt.
[ 29 ] Man sieht in der gewöhnlichen Wissenschaft nicht, wie der Wille wirkt. Daher nimmt man an, es gäbe motorische Nerven. Man weiß nicht, daß der Wille unmittelbar wirkt. Es ist heute darüber geredet worden, daß man die wirkliche Entdeckung der hier bestehenden Tatsachen erst dann machen kann, wenn man dazu gekommen ist, sich selber durchsichtig zu machen wie ein Sinnesorgan, so daß der ganze Mensch wie ein einziges Sinnesorgan wird, seelisch-geistig durchlässig, wie das Auge für das Licht durchsichtig ist. Wie wir zuerst durch das verstärkte Denken frei werden und zuerst zum Bildekräfteleib, dann zum vorgeburtlichen Astralleib gelangen, so gelangen wir jetzt dazu, indem wir den Willen auf diese Weise ausgebildet haben, die andere Seite unseres ewigen Wesens kennenzulernen. Dadurch, daß wir unseren physischen Leib durchsichtig gemacht haben, sind wir im Stande, vor unsere Seele zu rufen das Bild - ich sage ausdrücklich: das Bild - dessen, was mit uns vorgeht im Momente des Todes. Da verlassen wir den physischen Leib. Der wird den physischen Elementen übergeben. Das Seelisch-Geistige geht in die geistige Welt hinüber. Dieser Moment, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen in die geistige Welt hinüber, wir nehmen ihn wahr in dem Augenblick, wo unser physischer Leib seelisch durchsichtig wird. Im intuitiven Erkennen, dieser dritten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, wird unser Leib durchsichtig. Daher lernen wir uns in dem Zustand erkennen, in dem wir sind nach dem Tode, wenn wir den physischen Leib nicht mehr haben. Denn wir können jetzt von ihm absehen, indem wir in der dritten, in der intuitiven Stufe des Erkennens uns dazu aufgeschwungen haben, vom physischen Leibe abzusehen. Jetzt lernen wir die andere Seite der Ewigkeit der Seele kennen. Wir lernen die Unsterblichkeit durch unmittelbares Anschauen kennen.
[ 29 ] Man sieht in der gewöhnlichen Wissenschaft nicht, wie der Wille wirkt. Daher nimmt man an, es gäbe motorische Nerven. Man weiß nicht, daß der Wille unmittelbar wirkt. Es ist heute darüber geredet worden, daß man die wirkliche Entdeckung der hier bestehenden Tatsachen erst dann machen kann, wenn man dazu gekommen ist, sich selber durchsichtig zu machen wie ein Sinnesorgan, so daß der ganze Mensch wie ein einziges Sinnesorgan wird, seelisch-geistig durchlässig, wie das Auge für das Licht durchsichtig ist. Wie wir zuerst durch das verstärkte Denken frei werden und zuerst zum Bildekräfteleib, dann zum vorgeburtlichen Astralleib gelangen, so gelangen wir jetzt dazu, indem wir den Willen auf diese Weise ausgebildet haben, die andere Seite unseres ewigen Wesens kennenzulernen. Dadurch, daß wir unseren physischen Leib durchsichtig gemacht haben, sind wir im Stande, vor unsere Seele zu rufen das Bild - ich sage ausdrücklich: das Bild - dessen, was mit uns vorgeht im Momente des Todes. Da verlassen wir den physischen Leib. Der wird den physischen Elementen übergeben. Das Seelisch-Geistige geht in die geistige Welt hinüber. Dieser Moment, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen in die geistige Welt hinüber, wir nehmen ihn wahr in dem Augenblick, wo unser physischer Leib seelisch durchsichtig wird. Im intuitiven Erkennen, dieser dritten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, wird unser Leib durchsichtig. Daher lernen wir uns in dem Zustand erkennen, in dem wir sind nach dem Tode, wenn wir den physischen Leib nicht mehr haben. Denn wir können jetzt von ihm absehen, indem wir in der dritten, in der intuitiven Stufe des Erkennens uns dazu aufgeschwungen haben, vom physischen Leibe abzusehen. Jetzt lernen wir die andere Seite der Ewigkeit der Seele kennen. Wir lernen die Unsterblichkeit durch unmittelbares Anschauen kennen.
[ 30 ] Anthroposophie ist keine philosophische Spekulation. Sie geht, um die Unsterblichkeit kennenzulernen, nicht aus vom gewöhnlichen Bewußtsein, sondern sie geht davon aus, die in der Seele schlummernden Fähigkeiten, über deren Schlummer man sich klar wird durch intellektuelle Bescheidenheit, zu erwecken und sich dadurch zum Schauen der geistigen Welt zu erheben. Man lernt geistig das Universum erkennen. Man lernt geistig sein eigenes, ewiges Wesen kennen. Und lernt man diese beiden Seiten kennen an sich selber, lernt man erkennen, wie auf der einen Seite der Mensch ist zwischen Geburt und Tod, wenn sein Seelisches verborgen ist unter den leiblichen Vorgängen, und lernt man auf der anderen Seite erkennen das geistig-seelische Leben, das wir entfalten, wenn wir außerhalb des Leibes sind vor der Geburt oder nach dem Tode, dann ergeben sich uns auch die Einblicke in unser wahres Ich. Und dann lernen wir erkennen dasjenige, was durch die wiederholten Erdenleben durchgeht. Über dieses wichtige Resultat, dieses wichtige Ergebnis anthroposophischer Forschung, über die wiederholten Erdenleben, werde ich allerdings morgen noch zu sprechen haben.
[ 30 ] Anthroposophie ist keine philosophische Spekulation. Sie geht, um die Unsterblichkeit kennenzulernen, nicht aus vom gewöhnlichen Bewußtsein, sondern sie geht davon aus, die in der Seele schlummernden Fähigkeiten, über deren Schlummer man sich klar wird durch intellektuelle Bescheidenheit, zu erwecken und sich dadurch zum Schauen der geistigen Welt zu erheben. Man lernt geistig das Universum erkennen. Man lernt geistig sein eigenes, ewiges Wesen kennen. Und lernt man diese beiden Seiten kennen an sich selber, lernt man erkennen, wie auf der einen Seite der Mensch ist zwischen Geburt und Tod, wenn sein Seelisches verborgen ist unter den leiblichen Vorgängen, und lernt man auf der anderen Seite erkennen das geistig-seelische Leben, das wir entfalten, wenn wir außerhalb des Leibes sind vor der Geburt oder nach dem Tode, dann ergeben sich uns auch die Einblicke in unser wahres Ich. Und dann lernen wir erkennen dasjenige, was durch die wiederholten Erdenleben durchgeht. Über dieses wichtige Resultat, dieses wichtige Ergebnis anthroposophischer Forschung, über die wiederholten Erdenleben, werde ich allerdings morgen noch zu sprechen haben.
[ 31 ] Sie sehen, es handelt sich bei dem übersinnlichen Erkenntnispfade, bei dem anthroposophischen Forschungswege darum, daß man zuerst durch imaginative Erkenntnis hineingelangt in die Bildekräftewelt, daß man dasjenige Übersinnliche von uns erkennt, das schon im gewöhnlichen physischen Leben, aber auf übersinnliche Art, in uns ist, den Bildekräfteleib. Dann lernen wir durch das Aufsteigen zu inspirierter Erkenntnis den Astralleib, das heißt Seelenleib kennen, lernen kennen das In-den-Leib-Eintreten und das wiederum Durchden-Tod-Heraustreten aus dem Leibe, lernen dann auch das menschliche Ich kennen. Man gelangt jetzt in eine konkrete geistige Welt hinein, in eine Welt geistiger Wesenheiten. Denn dasjenige, was man da als geistige Welt, wofür die Organe ausgebildet sind, erkennt mit dem leeren Bewußtsein, das aber doch wach ist, das ist eine Welt, in der geistige Wesenheiten sind neben unserer eigenen geistigen Wesenheit, neben unserem eigenen geistig-seelischen Wesen. Man schaut auf diese Art in eine geistige Welt hinein. Und jetzt wird man gewahr: Will man diese geistige Welt erforschen, so muß man diese drei Stufen übersinnlicher Erkenntnis entwickeln, muß herausholen aus der Seele die imaginative Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis, die intuitive Erkenntnis. Sie legen sich auseinander, sie gliedern sich in Stufen, wenn man den Kosmos in seinem geistigen Inhalt in sich selber als geistige Wesenheit kennenlernen will.
[ 31 ] Sie sehen, es handelt sich bei dem übersinnlichen Erkenntnispfade, bei dem anthroposophischen Forschungswege darum, daß man zuerst durch imaginative Erkenntnis hineingelangt in die Bildekräftewelt, daß man dasjenige Übersinnliche von uns erkennt, das schon im gewöhnlichen physischen Leben, aber auf übersinnliche Art, in uns ist, den Bildekräfteleib. Dann lernen wir durch das Aufsteigen zu inspirierter Erkenntnis den Astralleib, das heißt Seelenleib kennen, lernen kennen das In-den-Leib-Eintreten und das wiederum Durchden-Tod-Heraustreten aus dem Leibe, lernen dann auch das menschliche Ich kennen. Man gelangt jetzt in eine konkrete geistige Welt hinein, in eine Welt geistiger Wesenheiten. Denn dasjenige, was man da als geistige Welt, wofür die Organe ausgebildet sind, erkennt mit dem leeren Bewußtsein, das aber doch wach ist, das ist eine Welt, in der geistige Wesenheiten sind neben unserer eigenen geistigen Wesenheit, neben unserem eigenen geistig-seelischen Wesen. Man schaut auf diese Art in eine geistige Welt hinein. Und jetzt wird man gewahr: Will man diese geistige Welt erforschen, so muß man diese drei Stufen übersinnlicher Erkenntnis entwickeln, muß herausholen aus der Seele die imaginative Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis, die intuitive Erkenntnis. Sie legen sich auseinander, sie gliedern sich in Stufen, wenn man den Kosmos in seinem geistigen Inhalt in sich selber als geistige Wesenheit kennenlernen will.
[ 32 ] Eine Spur von einem Eindruck hat man schon erhalten, wenn man die sittliche Welt in ihrer eigentlichen Wesenheit durchforscht. Da kommt man im Grunde genommen dazu, wenn auch nur für die sittlichen Impulse, in derselben Welt zu sein, wo man sonst ist, wenn man die imaginative, die inspirierte, die intuitive Welt vor sich hat. Nur ist sie gewissermaßen so vorhanden für das Moralische, daß eben nur zunächst die moralischen Impulse darinnen sind. Die findet man aber, wenn man durchgegangen ist durch Imagination und Inspiration zur Intuition. Aber es ist uns Menschen auf der Erde eben gegeben, daß einzig diese Welt, die Welt des Moralischen, die wir brauchen für das Erdenleben, uns schon für das gewöhnliche Bewußtsein in ihrer übersinnlichen Natur vor dem Geistesauge stehen kann. Und wer versteht das wirkliche Vorhandensein der übersinnlichen Natur des Moralischen, der kann, wenn er nur richtig ausbildet das, was er hier auf elementare Art kennenlernt als Kosmologie und Anthropologie, aufrücken zu einer wirklichen Geisteinsicht in die Welt, so daß ihm die geistigen Gestaltungen, dann das geistige Innenleben anderer Geistwesen und dann das Verwobensein mit der geistigen Welt, wie wir hier mit den anderen Reichen verwoben sind, entgegentreten, und daß ihm auch sein eigenes ewiges Seelenwesen wirklich vor das Seelenauge tritt. Das ist dasjenige, was man an der «Philosophie der Freiheit», wenn man sie nicht bloß theoretisch studiert, sondern wirklich erlebt, kennenlernen kann. Das ist ebenso, wie wenn man die Axiome des Euklid liest auf der ersten Seite eines Geometriebuches und einen Begriff bekommt, was da kommen wird. Wie dann die ganze Geometrie folgt aus diesen Axiomen, so ist, wie axiomatisch, in der wirklichen Einsicht in die sittliche Welt vorhanden ihrer Wesenheit nach die ganze geistige Welt. Aber es darf deshalb niemand glauben, daß er die Natur der geistigen Welt kennt, wenn er nur die Natur der moralischen Impulse kennt. Er kennt nur das Axiomatische, das Elementare.
[ 32 ] Eine Spur von einem Eindruck hat man schon erhalten, wenn man die sittliche Welt in ihrer eigentlichen Wesenheit durchforscht. Da kommt man im Grunde genommen dazu, wenn auch nur für die sittlichen Impulse, in derselben Welt zu sein, wo man sonst ist, wenn man die imaginative, die inspirierte, die intuitive Welt vor sich hat. Nur ist sie gewissermaßen so vorhanden für das Moralische, daß eben nur zunächst die moralischen Impulse darinnen sind. Die findet man aber, wenn man durchgegangen ist durch Imagination und Inspiration zur Intuition. Aber es ist uns Menschen auf der Erde eben gegeben, daß einzig diese Welt, die Welt des Moralischen, die wir brauchen für das Erdenleben, uns schon für das gewöhnliche Bewußtsein in ihrer übersinnlichen Natur vor dem Geistesauge stehen kann. Und wer versteht das wirkliche Vorhandensein der übersinnlichen Natur des Moralischen, der kann, wenn er nur richtig ausbildet das, was er hier auf elementare Art kennenlernt als Kosmologie und Anthropologie, aufrücken zu einer wirklichen Geisteinsicht in die Welt, so daß ihm die geistigen Gestaltungen, dann das geistige Innenleben anderer Geistwesen und dann das Verwobensein mit der geistigen Welt, wie wir hier mit den anderen Reichen verwoben sind, entgegentreten, und daß ihm auch sein eigenes ewiges Seelenwesen wirklich vor das Seelenauge tritt. Das ist dasjenige, was man an der «Philosophie der Freiheit», wenn man sie nicht bloß theoretisch studiert, sondern wirklich erlebt, kennenlernen kann. Das ist ebenso, wie wenn man die Axiome des Euklid liest auf der ersten Seite eines Geometriebuches und einen Begriff bekommt, was da kommen wird. Wie dann die ganze Geometrie folgt aus diesen Axiomen, so ist, wie axiomatisch, in der wirklichen Einsicht in die sittliche Welt vorhanden ihrer Wesenheit nach die ganze geistige Welt. Aber es darf deshalb niemand glauben, daß er die Natur der geistigen Welt kennt, wenn er nur die Natur der moralischen Impulse kennt. Er kennt nur das Axiomatische, das Elementare.
[ 33 ] Was in dieser Weise als Forschungsmethode geschildert wird für die übersinnlichen Welten, das ist allerdings heute für die meisten Menschen etwas Befremdendes. Allein derjenige, der eben drinnensteht in diesen Dingen, der sagt sich: Wie viel gibt es in unserem heutigen Geistesleben, was zunächst als befremdend aufgetreten und dann ein Selbstverständliches geworden ist. Man braucht nur die Geistesgeschichte der Menschheit wirklich zu kennen, und man wird sich sagen können: Heute sehen die meisten Menschen dasjenige, was so gesagt werden muß, als etwas Absurdes, Lächerliches, als etwas komisch Anmutendes an. Später wird eine Zeit kommen, wo es selbstverständlich gefunden wird, gerade so, wie das kopernikanische Weltsystem zuerst kurios genommen worden ist, dann eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Das aber wird man doch empfinden - und Empfindungen sind gerade das Wichtigste, was aus dem Leben der anthroposophischen Weltanschauung hervorgehen soll -, daß diese Anthroposophie wahrhaftig nicht in Opposition auftreten will gegenüber dem, was berechtigte Naturwissenschaft oder sonstige Wissenschaft in der Gegenwart ist. Denn was will sie im Grunde genommen sein? Diese Frage dürfte gerade aus dem, was ich heute auseinandergesetzt habe über die Forschungsmethoden dieser Anthroposophie, hervorgehen: Was will sie denn sein, diese Anthroposophie, auch in bezug auf die anderen Wissenschaften, wie in bezug auf das universelle menschliche Leben? Was will sie denn sein?
[ 33 ] Was in dieser Weise als Forschungsmethode geschildert wird für die übersinnlichen Welten, das ist allerdings heute für die meisten Menschen etwas Befremdendes. Allein derjenige, der eben drinnensteht in diesen Dingen, der sagt sich: Wie viel gibt es in unserem heutigen Geistesleben, was zunächst als befremdend aufgetreten und dann ein Selbstverständliches geworden ist. Man braucht nur die Geistesgeschichte der Menschheit wirklich zu kennen, und man wird sich sagen können: Heute sehen die meisten Menschen dasjenige, was so gesagt werden muß, als etwas Absurdes, Lächerliches, als etwas komisch Anmutendes an. Später wird eine Zeit kommen, wo es selbstverständlich gefunden wird, gerade so, wie das kopernikanische Weltsystem zuerst kurios genommen worden ist, dann eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Das aber wird man doch empfinden - und Empfindungen sind gerade das Wichtigste, was aus dem Leben der anthroposophischen Weltanschauung hervorgehen soll -, daß diese Anthroposophie wahrhaftig nicht in Opposition auftreten will gegenüber dem, was berechtigte Naturwissenschaft oder sonstige Wissenschaft in der Gegenwart ist. Denn was will sie im Grunde genommen sein? Diese Frage dürfte gerade aus dem, was ich heute auseinandergesetzt habe über die Forschungsmethoden dieser Anthroposophie, hervorgehen: Was will sie denn sein, diese Anthroposophie, auch in bezug auf die anderen Wissenschaften, wie in bezug auf das universelle menschliche Leben? Was will sie denn sein?
[ 34 ] Nun, wenn wir einen Menschen vor uns haben, sehen wir seine äußere Gesichtsbildung, sehen seine Physiosnomie, seinen Gang, seine Bewegungen, seine Gesten. Wir können uns nicht zufrieden geben, wenn wir einfach konstatieren: So ist sein Gang, sein Gesicht und so weiter. Wir sehen das als äußere Physiognomie an, aber wir haben erst ein vollständiges Miterleben mit diesem Menschen, wenn wir zu diesem Äußerlichen hinzufügen das Miterleben mit seinem Seelisch-Geistigen, seiner Seele, wenn wir durch die äußere Gestalt und die äußeren Bewegungen die Seele sehen. So haben wir aber auch, wenn wir die Dinge richtig verstehen, in der äußeren Wissenschaft dasjenige gegeben, was uns die äußere Physiognomie der Natur und des Menschenwesens beschreibt. Ebenso wenig, wie man leugnet, daß der Mensch auch seiner äußeren Gestalt nach angeschaut werden muß durch die Sinne, wenn man seine Seele miterleben will, ebenso wenig leugnet man, daß durch die äußere Wissenschaft die äußere Physiognomie der Natur und des Menschenwesens erklärt, beschrieben, erfaßt werden muß, wenn man geltend macht, daß hinter alledem etwas ist, was wie die Seele der Natur, die Seele des Kosmos anzusehen ist.
[ 34 ] Nun, wenn wir einen Menschen vor uns haben, sehen wir seine äußere Gesichtsbildung, sehen seine Physiosnomie, seinen Gang, seine Bewegungen, seine Gesten. Wir können uns nicht zufrieden geben, wenn wir einfach konstatieren: So ist sein Gang, sein Gesicht und so weiter. Wir sehen das als äußere Physiognomie an, aber wir haben erst ein vollständiges Miterleben mit diesem Menschen, wenn wir zu diesem Äußerlichen hinzufügen das Miterleben mit seinem Seelisch-Geistigen, seiner Seele, wenn wir durch die äußere Gestalt und die äußeren Bewegungen die Seele sehen. So haben wir aber auch, wenn wir die Dinge richtig verstehen, in der äußeren Wissenschaft dasjenige gegeben, was uns die äußere Physiognomie der Natur und des Menschenwesens beschreibt. Ebenso wenig, wie man leugnet, daß der Mensch auch seiner äußeren Gestalt nach angeschaut werden muß durch die Sinne, wenn man seine Seele miterleben will, ebenso wenig leugnet man, daß durch die äußere Wissenschaft die äußere Physiognomie der Natur und des Menschenwesens erklärt, beschrieben, erfaßt werden muß, wenn man geltend macht, daß hinter alledem etwas ist, was wie die Seele der Natur, die Seele des Kosmos anzusehen ist.
[ 35 ] Und darum handelt es sich, daß ebenso, wie ein vernünftiger Mensch, der die Seele des Menschen anerkennt, auch seinen Leib, seine äußere Gestaltung, seine Physiognomie nicht negiert, der vernünftige Anthroposoph die äußere Wissenschaft nicht negiert. Im Gegenteil. Er will voll darinnenstehen. Er möchte nur, daß ebenso, wie der totale Mensch in seinem physischen Leibe die Seele trägt, auch die äußere Wissenschaft Seele habe für die Weiterentwickelung der Menschheit. Ja, er behauptet, daß sie Seele braucht. Und Anthroposophie möchte nicht eine Opponentin des heutigen Wissenschaftsgeistes sein, sondern möchte werden die Seele dieses Wissenschaftsbetriebes in der Zukunft.
[ 35 ] Und darum handelt es sich, daß ebenso, wie ein vernünftiger Mensch, der die Seele des Menschen anerkennt, auch seinen Leib, seine äußere Gestaltung, seine Physiognomie nicht negiert, der vernünftige Anthroposoph die äußere Wissenschaft nicht negiert. Im Gegenteil. Er will voll darinnenstehen. Er möchte nur, daß ebenso, wie der totale Mensch in seinem physischen Leibe die Seele trägt, auch die äußere Wissenschaft Seele habe für die Weiterentwickelung der Menschheit. Ja, er behauptet, daß sie Seele braucht. Und Anthroposophie möchte nicht eine Opponentin des heutigen Wissenschaftsgeistes sein, sondern möchte werden die Seele dieses Wissenschaftsbetriebes in der Zukunft.
