So That Man May Become Fully Human
GA 82
9 April 1922, The Hague
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Damit der Mensch ganz Mensch werde, 2nd ed.
3. Die bildende Kunst
3. Die bildende Kunst
[ 1 ] In einem gewissen Sinne wird dasjenige, was ich heute zu sagen habe, im Laufe meiner Vorträge hier eine Episode sein, indem von dem Gesichtspunkte wissenschaftlicher Betrachtung aus ein Ausblick gesucht werden wird in das Gebiet des künstlerischen Schaffens. Aber der Inhalt meiner heutigen Betrachtung wird auf der anderen Seite wiederum zeigen können, daß die Episode nicht bloß eine solche ist, sondern beitragen wird zur Beleuchtung desjenigen, was ich an den vorangegangenen Tagen gesagt habe und an den nachfolgenden noch zu sagen haben werde.
[ 1 ] In einem gewissen Sinne wird dasjenige, was ich heute zu sagen habe, im Laufe meiner Vorträge hier eine Episode sein, indem von dem Gesichtspunkte wissenschaftlicher Betrachtung aus ein Ausblick gesucht werden wird in das Gebiet des künstlerischen Schaffens. Aber der Inhalt meiner heutigen Betrachtung wird auf der anderen Seite wiederum zeigen können, daß die Episode nicht bloß eine solche ist, sondern beitragen wird zur Beleuchtung desjenigen, was ich an den vorangegangenen Tagen gesagt habe und an den nachfolgenden noch zu sagen haben werde.
[ 2 ] Als die anthroposophische Bewegung eine Zeitlang gewirkt hatte, da bildete sich bei einer Anzahl derjenigen Persönlichkeiten, die zu ihr gehörten, die Überzeugung heraus, daß dieser anthroposophischen Bewegung ein eigener Bau errichtet werden solle. Durch mancherlei Verhältnisse, die ich hier nicht zu erwähnen habe, wurde zuletzt als Ort dieses Baues bestimmt der Jurahügel in der Nähe von Basel zu Dornach in der Schweiz, wo jetzt — allerdings noch nicht vollendet, aber schon soweit brauchbar, daß darin Vorträge gehalten werden können und Arbeiten geleistet werden — sich erhebt das Goetheanum, die Freie Hochschule für anthroposophische Geisteswissenschaft.
[ 2 ] Als die anthroposophische Bewegung eine Zeitlang gewirkt hatte, da bildete sich bei einer Anzahl derjenigen Persönlichkeiten, die zu ihr gehörten, die Überzeugung heraus, daß dieser anthroposophischen Bewegung ein eigener Bau errichtet werden solle. Durch mancherlei Verhältnisse, die ich hier nicht zu erwähnen habe, wurde zuletzt als Ort dieses Baues bestimmt der Jurahügel in der Nähe von Basel zu Dornach in der Schweiz, wo jetzt — allerdings noch nicht vollendet, aber schon soweit brauchbar, daß darin Vorträge gehalten werden können und Arbeiten geleistet werden — sich erhebt das Goetheanum, die Freie Hochschule für anthroposophische Geisteswissenschaft.
[ 3 ] Ich möchte nun nur von den inneren Verhältnissen sprechen, welche zu diesem Bau führten. Wäre in irgendeiner anderen heutigen geistigen Bewegung der Entschluß gereift, einen eigenen Bau zu errichten, was würde denn dann zum Zustandekommen dieses Baues getan worden sein? Nun, man würde sich an einen Baumeister oder an mehrere gewendet haben, und man würde einen Bau aufgeführt haben im antiken oder Renaissance-Stil oder im gotischen Stil oder in irgendeinem anderen der traditionellen Baustile. Man würde entsprechend demjenigen, was heute da oder dort auf den verschiedenen künstlerischen Gebieten geleistet wird, künstlerisches Schaffen auch herangerufen haben, um diesen Bau in irgendeiner Weise malerisch, bildnerisch, plastisch zu schmücken.
[ 3 ] Ich möchte nun nur von den inneren Verhältnissen sprechen, welche zu diesem Bau führten. Wäre in irgendeiner anderen heutigen geistigen Bewegung der Entschluß gereift, einen eigenen Bau zu errichten, was würde denn dann zum Zustandekommen dieses Baues getan worden sein? Nun, man würde sich an einen Baumeister oder an mehrere gewendet haben, und man würde einen Bau aufgeführt haben im antiken oder Renaissance-Stil oder im gotischen Stil oder in irgendeinem anderen der traditionellen Baustile. Man würde entsprechend demjenigen, was heute da oder dort auf den verschiedenen künstlerischen Gebieten geleistet wird, künstlerisches Schaffen auch herangerufen haben, um diesen Bau in irgendeiner Weise malerisch, bildnerisch, plastisch zu schmücken.
[ 4 ] Das alles konnte für den Dornacher Bau, für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft nicht geschehen, denn das würde im Widerspruch gestanden haben mit dem ganzen Wollen und mit dem innersten Wesen anthroposophischer Weltauffassung. Diese will ja nicht etwas einseitig Theoretisches sein, will nicht sein etwas, das in einer Summe von Ideen zum Ausdruck bringt Gesetzmäßigkeiten des Weltenalls, sondern diese anthroposophische Weltanschauung will etwas sein, das aus dem ganzen Menschen entspringt und wiederum für den ganzen Menschen da ist. Sie will etwas sein, was auf der einen Seite sich sehr wohl ausdrücken läßt in Gedankenformen, wie man das gewöhnt ist, wenn irgendeine Weltanschauung zur Darstellung kommen soll. Aber sie will etwas wesentlich Umfassenderes sein. Sie will sprechen können aus dem ganzen Umfang des menschlichen Wesens heraus. Sie will deshalb sprechen können nicht nur aus theoretisch-wissenschaftlichem Geiste heraus; sie will sprechen können auch aus künstlerischem Geiste heraus; sie will sprechen können aus religiösem, aus sozialem, aus ethischem Geiste heraus; und das alles so, wie das auf den betreffenden Gebieten durchaus den Interessen der unmittelbaren Lebenspraxis entspricht. Ich habe oftmals dasjenige, was wie eine Aufgabe vorlag für das Dornacher Goetheanum, in einer trivialen Weise in folgender Art durch einen Vergleich zum Ausdruck gebracht. Ich sagte: Man bedenke eine Nuß mit ihrem Kerne innerlich und mit der Schale ringsherum. Wenn man die Nußschale betrachtet, kann man sich unmöglich vorstellen, daß die Furchungen und Windungen der Nußschale aus anderen GesetzmäRigkeiten hervorgegangen sind als die Furchungen und Windungen des Nußkernes. Beide gehen gewissermaßen wie aus einem Wesen hervor. Die Nußschale, indem sie die Nuß umkleidet, geht aus derselben Gesetzmäßigkeit hervor wie der Nußkern selbst. Indem der Dornacher Bau, dieser Doppelkuppelbau, aufgeführt wurde, handelte es sich darum, eine bauliche, bildnerische und malerische Schale zu schaffen für dasjenige, was darinnen gearbeitet wird aus der anthroposophischen Weltanschauung heraus. Ebenso, wie vom Podium aus in Dornach gesprochen werden kann durch die Sprache der Gedanken über dasjenige, was erschaut wird in übersinnlichen Welten, ebenso muß man in der Lage sein, dasjenige, was architektonisch, plastisch, malerisch als eine Umrahmung da zu sein hat für diese anthroposophische Weltanschauung, aus demselben Geiste hervorgehen zu lassen.
[ 4 ] Das alles konnte für den Dornacher Bau, für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft nicht geschehen, denn das würde im Widerspruch gestanden haben mit dem ganzen Wollen und mit dem innersten Wesen anthroposophischer Weltauffassung. Diese will ja nicht etwas einseitig Theoretisches sein, will nicht sein etwas, das in einer Summe von Ideen zum Ausdruck bringt Gesetzmäßigkeiten des Weltenalls, sondern diese anthroposophische Weltanschauung will etwas sein, das aus dem ganzen Menschen entspringt und wiederum für den ganzen Menschen da ist. Sie will etwas sein, was auf der einen Seite sich sehr wohl ausdrücken läßt in Gedankenformen, wie man das gewöhnt ist, wenn irgendeine Weltanschauung zur Darstellung kommen soll. Aber sie will etwas wesentlich Umfassenderes sein. Sie will sprechen können aus dem ganzen Umfang des menschlichen Wesens heraus. Sie will deshalb sprechen können nicht nur aus theoretisch-wissenschaftlichem Geiste heraus; sie will sprechen können auch aus künstlerischem Geiste heraus; sie will sprechen können aus religiösem, aus sozialem, aus ethischem Geiste heraus; und das alles so, wie das auf den betreffenden Gebieten durchaus den Interessen der unmittelbaren Lebenspraxis entspricht. Ich habe oftmals dasjenige, was wie eine Aufgabe vorlag für das Dornacher Goetheanum, in einer trivialen Weise in folgender Art durch einen Vergleich zum Ausdruck gebracht. Ich sagte: Man bedenke eine Nuß mit ihrem Kerne innerlich und mit der Schale ringsherum. Wenn man die Nußschale betrachtet, kann man sich unmöglich vorstellen, daß die Furchungen und Windungen der Nußschale aus anderen GesetzmäRigkeiten hervorgegangen sind als die Furchungen und Windungen des Nußkernes. Beide gehen gewissermaßen wie aus einem Wesen hervor. Die Nußschale, indem sie die Nuß umkleidet, geht aus derselben Gesetzmäßigkeit hervor wie der Nußkern selbst. Indem der Dornacher Bau, dieser Doppelkuppelbau, aufgeführt wurde, handelte es sich darum, eine bauliche, bildnerische und malerische Schale zu schaffen für dasjenige, was darinnen gearbeitet wird aus der anthroposophischen Weltanschauung heraus. Ebenso, wie vom Podium aus in Dornach gesprochen werden kann durch die Sprache der Gedanken über dasjenige, was erschaut wird in übersinnlichen Welten, ebenso muß man in der Lage sein, dasjenige, was architektonisch, plastisch, malerisch als eine Umrahmung da zu sein hat für diese anthroposophische Weltanschauung, aus demselben Geiste hervorgehen zu lassen.
[ 5 ] Dabei steht man dann vor einer großen Gefahr . Man steht vor der Gefahr, Ideen über dieses oder jenes zu haben und dann diese Ideen einfach in symbolischer oder gar in strohern allegorischer Form äußerlich zum Ausdruck zu bringen. Das geschieht ja sehr häufig, wenn Weltanschauungen übergehen in die äußere Darstellung. Da kommen dann Symbole oder Allegorien zustande, die eben durchaus nicht künstlerisch sind, die im Gegenteil dem wirklich künstlerischen Empfinden Hohn sprechen. Das muß vor allen Dingen für die anthroposophische Weltauffassung festgestellt werden, daß sie nichts zu tun haben will mit solcher symbolischen oder allegorischen Widerkunst, Unkunst, sondern daß sie durchaus aus einem so reichen inneren Geistesleben auch als Weltanschauung hervorsprießen will, daß dieses Geistesleben nicht allegorisch oder symbolisch, sondern in echt künstlerischen Schöpfungen sich ausleben kann. In Dornach ist kein einziges Symbol, keine einzige Allegorie zu sehen, sondern alles das, was künstlerisch zur Darstellung gekommen ist, ist eben im künstlerischen Anschauen, im Formgestalten, im Schaffen aus dem Farbig-Malerischen heraus entstanden; ist entstanden, indem die Anschauung eine durchaus künstlerische war, die nichts zu tun hatte mit demjenigen, was gewöhnlich so ausgedrückt wird, daß die Leute kommen und sagen: Was bedeutet das? Was bedeutet jenes? — In Dornach soll keine einzige Form in diesem Sinne etwas bedeuten, sondern eine jede Form soll im echt künstlerischen Sinne etwas sein, das heißt sich selber bedeuten, sich selber aussprechen. Diejenigen Menschen, die heute nach Dornach kommen und behaupten, da sei irgend etwas Symbolisches oder Allegorisches zu sehen, die legen eben ihr eigenes Vorurteil in diesen Bau hinein und geben durchaus nicht dasjenige wieder, was durch diesen Bau zustandegekommen ist. Denn durchaus sollte es da so sein, daß derselbe Geist, aber nicht der theoretische, sondern der lebendige Geist, der vom Podium aus spricht oder von der Bühne aus wirkt, auch spreche aus den künstlerischen Bauformen, aus den künstlerisch-plastischen Formen, aus demjenigen, was malerisch zur Darstellung kommt. Die Schale sollte aus demselben Wesen hervorgehen wie dasjenige, was als Kern darinnen wirkt, nämlich die Weltanschauung selbst, die durch das gesprochene Wort zum Ausdruck kommt.
[ 5 ] Dabei steht man dann vor einer großen Gefahr . Man steht vor der Gefahr, Ideen über dieses oder jenes zu haben und dann diese Ideen einfach in symbolischer oder gar in strohern allegorischer Form äußerlich zum Ausdruck zu bringen. Das geschieht ja sehr häufig, wenn Weltanschauungen übergehen in die äußere Darstellung. Da kommen dann Symbole oder Allegorien zustande, die eben durchaus nicht künstlerisch sind, die im Gegenteil dem wirklich künstlerischen Empfinden Hohn sprechen. Das muß vor allen Dingen für die anthroposophische Weltauffassung festgestellt werden, daß sie nichts zu tun haben will mit solcher symbolischen oder allegorischen Widerkunst, Unkunst, sondern daß sie durchaus aus einem so reichen inneren Geistesleben auch als Weltanschauung hervorsprießen will, daß dieses Geistesleben nicht allegorisch oder symbolisch, sondern in echt künstlerischen Schöpfungen sich ausleben kann. In Dornach ist kein einziges Symbol, keine einzige Allegorie zu sehen, sondern alles das, was künstlerisch zur Darstellung gekommen ist, ist eben im künstlerischen Anschauen, im Formgestalten, im Schaffen aus dem Farbig-Malerischen heraus entstanden; ist entstanden, indem die Anschauung eine durchaus künstlerische war, die nichts zu tun hatte mit demjenigen, was gewöhnlich so ausgedrückt wird, daß die Leute kommen und sagen: Was bedeutet das? Was bedeutet jenes? — In Dornach soll keine einzige Form in diesem Sinne etwas bedeuten, sondern eine jede Form soll im echt künstlerischen Sinne etwas sein, das heißt sich selber bedeuten, sich selber aussprechen. Diejenigen Menschen, die heute nach Dornach kommen und behaupten, da sei irgend etwas Symbolisches oder Allegorisches zu sehen, die legen eben ihr eigenes Vorurteil in diesen Bau hinein und geben durchaus nicht dasjenige wieder, was durch diesen Bau zustandegekommen ist. Denn durchaus sollte es da so sein, daß derselbe Geist, aber nicht der theoretische, sondern der lebendige Geist, der vom Podium aus spricht oder von der Bühne aus wirkt, auch spreche aus den künstlerischen Bauformen, aus den künstlerisch-plastischen Formen, aus demjenigen, was malerisch zur Darstellung kommt. Die Schale sollte aus demselben Wesen hervorgehen wie dasjenige, was als Kern darinnen wirkt, nämlich die Weltanschauung selbst, die durch das gesprochene Wort zum Ausdruck kommt.
[ 6 ] Wenn nun aber anthroposophische Weltanschauung etwas ist, was sich als ein Neues in der Art hineinstellt in die Menschheitsentwickelung, wie ich mir erlaubt habe, das in den zwei letzten Betrachtungen hier darzulegen, dann war es auch natürlich, daß in dem Baustil, in den plastischen, den malerischen Formen, in der ganzen bildenden Kunst nicht dasjenige zum Ausdruck kommen konnte, was schon da war. Es konnten keine künstlerischen Reminiszenzen, nicht antike, nicht Renaissance-, nicht gotische Reminiszenzen verwirklicht werden, es mußte sich anthroposophische Weltanschauung als produktiv genug erweisen, um ihren eigenen Stil, ihren künstlerischen Stil für die bildende Kunst hervorzubringen.
[ 6 ] Wenn nun aber anthroposophische Weltanschauung etwas ist, was sich als ein Neues in der Art hineinstellt in die Menschheitsentwickelung, wie ich mir erlaubt habe, das in den zwei letzten Betrachtungen hier darzulegen, dann war es auch natürlich, daß in dem Baustil, in den plastischen, den malerischen Formen, in der ganzen bildenden Kunst nicht dasjenige zum Ausdruck kommen konnte, was schon da war. Es konnten keine künstlerischen Reminiszenzen, nicht antike, nicht Renaissance-, nicht gotische Reminiszenzen verwirklicht werden, es mußte sich anthroposophische Weltanschauung als produktiv genug erweisen, um ihren eigenen Stil, ihren künstlerischen Stil für die bildende Kunst hervorzubringen.
[ 7 ] Gewiß, wenn einem solches Wollen auf der Seele und auf dem Herzen liegt, wird man recht bescheiden. Man wird selber sein strengster Kritiker. Deshalb weiß ich durchaus, daß, wenn ich den Dornacher Bau ein zweites Mal zu bauen hätte, es würde manches, was mir heute durchaus unvollkommen, ja oftmals fehlerhaft erscheint, anders dastehen. Allein, im Wesentlichen kommt es ja, wenigstens für die heutige Betrachtung, nicht darauf an, sondern auf das Wollen, das ich eben charakterisiert habe. Und von diesem Wollen möchte ich sprechen.
[ 7 ] Gewiß, wenn einem solches Wollen auf der Seele und auf dem Herzen liegt, wird man recht bescheiden. Man wird selber sein strengster Kritiker. Deshalb weiß ich durchaus, daß, wenn ich den Dornacher Bau ein zweites Mal zu bauen hätte, es würde manches, was mir heute durchaus unvollkommen, ja oftmals fehlerhaft erscheint, anders dastehen. Allein, im Wesentlichen kommt es ja, wenigstens für die heutige Betrachtung, nicht darauf an, sondern auf das Wollen, das ich eben charakterisiert habe. Und von diesem Wollen möchte ich sprechen.
[ 8 ] Wenn wir von bildender Kunst, wie sie ja in diesem Zusammenhang eben in Betracht kommt, sprechen, namentlich von jener bildenden Kunst, auf welche, als auf eine ihr notwendige Schöpfung, die anthroposophische Weltanschauung hingewiesen worden ist dadurch, daß sich Freunde gefunden haben, die die Opfer brachten, um den Dornacher Bau begründen zu können, — wenn von bildender Kunst in diesem Sinne die Rede ist, so handelt es sich vor allen Dingen darum, die menschliche Gestalt, zu der doch zuletzt alles in der bildenden Kunst hinzielt, und von der alles in der bildenden Kunst ausgeht, zu verstehen. Zu verstehen in der Weise, daß sie dann auch wirklich als menschliche Gestalt geschaffen werden kann.
[ 8 ] Wenn wir von bildender Kunst, wie sie ja in diesem Zusammenhang eben in Betracht kommt, sprechen, namentlich von jener bildenden Kunst, auf welche, als auf eine ihr notwendige Schöpfung, die anthroposophische Weltanschauung hingewiesen worden ist dadurch, daß sich Freunde gefunden haben, die die Opfer brachten, um den Dornacher Bau begründen zu können, — wenn von bildender Kunst in diesem Sinne die Rede ist, so handelt es sich vor allen Dingen darum, die menschliche Gestalt, zu der doch zuletzt alles in der bildenden Kunst hinzielt, und von der alles in der bildenden Kunst ausgeht, zu verstehen. Zu verstehen in der Weise, daß sie dann auch wirklich als menschliche Gestalt geschaffen werden kann.
[ 9 ] Ich habe gestern auch von einem Elemente, von dem Raumelement gesprochen, insofern dieses Weltenelement ist, aber dennoch hervorgeht aus der menschlichen Wesenheit. Ich habe gestern davon gesprochen, daß die drei Raumdimensionen, nach denen wir ja zuletzt alle Gestaltungen, die der Welt zu Grunde liegen, bestimmen, aus der menschlichen Gestalt hervorgeholt werden können. Aber wenn man so spricht, wie ich gestern gesprochen habe über den Raum, so kommt man eigentlich niemals zu derjenigen Raumauffassung, die man in das empfindende, künstlerische Schaffen hereinbekommen muß, wenn man mit vollem Bewußtsein namentlich plastische Kunst, diejenige, die zuletzt aller bildnerischen Kunst zugrundeliegt, treiben will. Gerade wenn man den Raum so konkret in seinen drei Dimensionen vor dem geistigen Auge hat, wie das bei einer solchen Betrachtung der Fall ist, wie ich sie gestern angestellt habe, dann sieht man: der Raum, zu dem man da kommt, der kann ja gar nicht derjenige sein, in dem man sich befindet, wenn man zum Beispiel die menschliche Gestalt nun auch im Raume — wir gebrauchen ja auch da das Wort — bildhauerisch formt. Man kann gar nicht zu diesem Raum kommen, in dem man sich als Bildhauer befindet. Man kommt darauf: Das ist ja ein ganz anderer Raum. Ich berühre damit ein Geheimnis der menschlichen Weltbetrachtungsweise, das unserer heutigen Anschauung im Grunde genommen ganz verloren gegangen ist. Und Sie werden mir gestatten, daß ich zunächst von einer scheinbar ganz abstrakt-theoretischen Betrachtungsweise ganz kurz ausgehe. Sie soll nur dazu dienen, hinzuleiten auf dasjenige, was uns dann in einer viel, viel konkreteren Weise vor das Seelenauge wird treten können.
[ 9 ] Ich habe gestern auch von einem Elemente, von dem Raumelement gesprochen, insofern dieses Weltenelement ist, aber dennoch hervorgeht aus der menschlichen Wesenheit. Ich habe gestern davon gesprochen, daß die drei Raumdimensionen, nach denen wir ja zuletzt alle Gestaltungen, die der Welt zu Grunde liegen, bestimmen, aus der menschlichen Gestalt hervorgeholt werden können. Aber wenn man so spricht, wie ich gestern gesprochen habe über den Raum, so kommt man eigentlich niemals zu derjenigen Raumauffassung, die man in das empfindende, künstlerische Schaffen hereinbekommen muß, wenn man mit vollem Bewußtsein namentlich plastische Kunst, diejenige, die zuletzt aller bildnerischen Kunst zugrundeliegt, treiben will. Gerade wenn man den Raum so konkret in seinen drei Dimensionen vor dem geistigen Auge hat, wie das bei einer solchen Betrachtung der Fall ist, wie ich sie gestern angestellt habe, dann sieht man: der Raum, zu dem man da kommt, der kann ja gar nicht derjenige sein, in dem man sich befindet, wenn man zum Beispiel die menschliche Gestalt nun auch im Raume — wir gebrauchen ja auch da das Wort — bildhauerisch formt. Man kann gar nicht zu diesem Raum kommen, in dem man sich als Bildhauer befindet. Man kommt darauf: Das ist ja ein ganz anderer Raum. Ich berühre damit ein Geheimnis der menschlichen Weltbetrachtungsweise, das unserer heutigen Anschauung im Grunde genommen ganz verloren gegangen ist. Und Sie werden mir gestatten, daß ich zunächst von einer scheinbar ganz abstrakt-theoretischen Betrachtungsweise ganz kurz ausgehe. Sie soll nur dazu dienen, hinzuleiten auf dasjenige, was uns dann in einer viel, viel konkreteren Weise vor das Seelenauge wird treten können.
[ 10 ] Wenn man den Raum, von dem ich gestern gesprochen habe — und man tut es ja geometrisch, zunächst euklidisch-geometrisch — anwenden will auf die Dinge dieser Welt, so geht man ja bekanntlich davon aus, daß man einen Punkt annimmt für den konkreten Raum wie ich Ihnen gestern beschrieben habe, müßte man diesen Punkt natürlich im Inneren des menschlichen Leibes annehmen —, und man nimmt von diesem Punkte ausgehend drei aufeinander senkrechtstehende Achsen an und bezieht darauf irgendein Raumesgebiet, indem man die Entfernungen bestimmt von diesen drei Achsen, beziehungsweise von den drei Ebenen, welche durch diese drei Achsen gebildet werden. Da kommt man dazu, eine geometrische Bestimmung zu haben für irgend etwas, das unseren Raum erfüllt, oder auch im Sinne der Bewegungsmathematik die Möglichkeit zu haben, auch für das Bewegte im Raume Ausdrucksmöglichkeiten zu gewinnen. Aber neben diesem Raume gibt es durchaus noch einen anderen Raum. Diesen anderen Raum betritt eben der Bildhauer. Dieser andere Raum hat sein Geheimnis darin, daß man nun nicht von einem Punkte ausgehen und gewissermaßen auf diesen Punkt alles beziehen kann, sondern ausgehen muß von dem Gegenteil dieses Punktes. Was ist das? Das Gegenteil dieses Punktes ist nichts anderes als eine unendlich weit entfernte Kugel, zu der man hinaufsehen würde annähernd wie zum blauen Firmamente, wenn dieses da wäre. Denken Sie sich, statt daß ich einen Punkt habe, habe ich eine Hohlkugel, innerhalb deren ich mich befinde, und ich beziehe alles das, was darinnen ist, auf diese Hohlkugel. Statt in bezug auf einen Punkt durch Koordinaten, bestimme ich alles in bezug auf diese Hohlkugel. Solange ich Ihnen nur diese Darstellung gebe, können Sie mit Recht sagen: Ja, aber die Bestimmung mit Bezug auf eine solche Hohlkugel ist ja etwas chaotisches. Da komme ich zu keiner Vorstellung, wenn ich mir etwas denken soll. Sie haben recht, man kommt zu keiner Vorstellung. Aber es gibt eine menschliche Fähigkeit, welche sich nun ebenso zu dem Kosmos verhalten kann, wie wir uns gestern verhalten haben zum Menschen, zum Anthropos. Wie wir da hineingeschaut haben in den Menschen und die drei Dimensionen bekommen haben, und wie wir bestimmen können den Menschen nach diesen drei Dimensionen, indem wir sagen: In der Richtung der einen Dimension liegt die Längenausdehnung des Leibes, in der zweiten liegt dasjenige, was in die Ebene der ausgebreiteten Arme etwa fällt, was symmetrisch gebaut ist am menschlichen Organismus, und in der dritten liegt alles dasjenige, was in der Richtung von vorne nach rückwärts und umgekehrt gelagert ist, so haben wir da, wenn wir den Anthropos-Organismus betrachten, nicht etwas, was in beliebiger Weise in den drei Dimensionen liegt, sondern wir haben den menschlichen Organismus in ganz bestimmter Weise formiert, gestaltet.
[ 10 ] Wenn man den Raum, von dem ich gestern gesprochen habe — und man tut es ja geometrisch, zunächst euklidisch-geometrisch — anwenden will auf die Dinge dieser Welt, so geht man ja bekanntlich davon aus, daß man einen Punkt annimmt für den konkreten Raum wie ich Ihnen gestern beschrieben habe, müßte man diesen Punkt natürlich im Inneren des menschlichen Leibes annehmen —, und man nimmt von diesem Punkte ausgehend drei aufeinander senkrechtstehende Achsen an und bezieht darauf irgendein Raumesgebiet, indem man die Entfernungen bestimmt von diesen drei Achsen, beziehungsweise von den drei Ebenen, welche durch diese drei Achsen gebildet werden. Da kommt man dazu, eine geometrische Bestimmung zu haben für irgend etwas, das unseren Raum erfüllt, oder auch im Sinne der Bewegungsmathematik die Möglichkeit zu haben, auch für das Bewegte im Raume Ausdrucksmöglichkeiten zu gewinnen. Aber neben diesem Raume gibt es durchaus noch einen anderen Raum. Diesen anderen Raum betritt eben der Bildhauer. Dieser andere Raum hat sein Geheimnis darin, daß man nun nicht von einem Punkte ausgehen und gewissermaßen auf diesen Punkt alles beziehen kann, sondern ausgehen muß von dem Gegenteil dieses Punktes. Was ist das? Das Gegenteil dieses Punktes ist nichts anderes als eine unendlich weit entfernte Kugel, zu der man hinaufsehen würde annähernd wie zum blauen Firmamente, wenn dieses da wäre. Denken Sie sich, statt daß ich einen Punkt habe, habe ich eine Hohlkugel, innerhalb deren ich mich befinde, und ich beziehe alles das, was darinnen ist, auf diese Hohlkugel. Statt in bezug auf einen Punkt durch Koordinaten, bestimme ich alles in bezug auf diese Hohlkugel. Solange ich Ihnen nur diese Darstellung gebe, können Sie mit Recht sagen: Ja, aber die Bestimmung mit Bezug auf eine solche Hohlkugel ist ja etwas chaotisches. Da komme ich zu keiner Vorstellung, wenn ich mir etwas denken soll. Sie haben recht, man kommt zu keiner Vorstellung. Aber es gibt eine menschliche Fähigkeit, welche sich nun ebenso zu dem Kosmos verhalten kann, wie wir uns gestern verhalten haben zum Menschen, zum Anthropos. Wie wir da hineingeschaut haben in den Menschen und die drei Dimensionen bekommen haben, und wie wir bestimmen können den Menschen nach diesen drei Dimensionen, indem wir sagen: In der Richtung der einen Dimension liegt die Längenausdehnung des Leibes, in der zweiten liegt dasjenige, was in die Ebene der ausgebreiteten Arme etwa fällt, was symmetrisch gebaut ist am menschlichen Organismus, und in der dritten liegt alles dasjenige, was in der Richtung von vorne nach rückwärts und umgekehrt gelagert ist, so haben wir da, wenn wir den Anthropos-Organismus betrachten, nicht etwas, was in beliebiger Weise in den drei Dimensionen liegt, sondern wir haben den menschlichen Organismus in ganz bestimmter Weise formiert, gestaltet.
[ 11 ] Ebenso kann man sich auch zum Kosmos verhalten. Wie geschieht das innerlich-seelisch, wenn man sich in einer solchen Weise zum Kosmos verhält? Nun, denken Sie sich einmal in einer sternenhellen, klaren Nacht stehend auf einem Felde, so daß Sie weithin den Sternenhimmel überall frei überblicken können. Sie sehen, indem Sie den Sternenhimmel frei überblicken, Gebiete am Himmelsgewölbe, wo die Sterne gehäuft sind, fast bis zu Nebelgebilden. Sie sehen andere Gebiete des Himmels, wo die Sterne in einer Weise stehen, daß sie mehr gesondert voneinander sind, zu Sternbildern, wie man sie nennt, sich formieren und so weiter. Wenn man nur so mit der intellektualistischen Betrachtungsweise, der Betrachtungsweise des menschlichen Verstandes, diesem Sternenhimmel gegenübersteht, kommt man zunächst zu nichts. Aber wenn man mit dem ganzen Menschen diesem Sternenhimmel gegenübersteht, so empfindet man anders. Wir haben heute diese Empfindungsmöglichkeit verloren, aber sie kann wieder angeeignet werden. Man empfindet anders gegenüber einem Fleck am Himmel, wo bis auf Nebelnähe die Sterne aneinanderstehen, man empfindet anders, wo Sternbilder stehen. Man empfindet anders gegenüber jenem Fleck am Himmel, wo zum Beispiel der Mond steht und leuchtet. Man empfindet eine Nacht anders, wenn kein Mond da ist, während der Neumondzeit, und so weiter. Und gerade so, wie man konkret in den menschlichen Organismus hineinempfinden kann, um die drei Dimensionen zu bekommen, wo der Raum selber etwas Konkretes, etwas mit dem Menschen Zusammenhängendes ist, so kann man sich eine Anschauung erwerben von dem Kosmos, von demjenigen, was Umkreis ist. Man braucht nicht nur in sich hineinzuschauen, um zu so etwas zu kommen wie zu den drei Dimensionen, sondern man kann jetzt in die Weite schauen, kann die Konfiguration der Weite ins Auge fassen. Und wenn man verstehen lernt, diese Weite ins Auge zu fassen, indem man vorrückt von der gewöhnlichen Anschauung, die noch ausreicht für die Geometrie, zu einer solchen Anschauung, wie man sie braucht für diese Weiten, dann bekommt man eine Anschauung, die ich gestern und vorgestern die imaginative Erkenntnis genannt habe, jene imaginative Erkenntnis, von deren Ausbildung ich noch zu sprechen haben werde.
[ 11 ] Ebenso kann man sich auch zum Kosmos verhalten. Wie geschieht das innerlich-seelisch, wenn man sich in einer solchen Weise zum Kosmos verhält? Nun, denken Sie sich einmal in einer sternenhellen, klaren Nacht stehend auf einem Felde, so daß Sie weithin den Sternenhimmel überall frei überblicken können. Sie sehen, indem Sie den Sternenhimmel frei überblicken, Gebiete am Himmelsgewölbe, wo die Sterne gehäuft sind, fast bis zu Nebelgebilden. Sie sehen andere Gebiete des Himmels, wo die Sterne in einer Weise stehen, daß sie mehr gesondert voneinander sind, zu Sternbildern, wie man sie nennt, sich formieren und so weiter. Wenn man nur so mit der intellektualistischen Betrachtungsweise, der Betrachtungsweise des menschlichen Verstandes, diesem Sternenhimmel gegenübersteht, kommt man zunächst zu nichts. Aber wenn man mit dem ganzen Menschen diesem Sternenhimmel gegenübersteht, so empfindet man anders. Wir haben heute diese Empfindungsmöglichkeit verloren, aber sie kann wieder angeeignet werden. Man empfindet anders gegenüber einem Fleck am Himmel, wo bis auf Nebelnähe die Sterne aneinanderstehen, man empfindet anders, wo Sternbilder stehen. Man empfindet anders gegenüber jenem Fleck am Himmel, wo zum Beispiel der Mond steht und leuchtet. Man empfindet eine Nacht anders, wenn kein Mond da ist, während der Neumondzeit, und so weiter. Und gerade so, wie man konkret in den menschlichen Organismus hineinempfinden kann, um die drei Dimensionen zu bekommen, wo der Raum selber etwas Konkretes, etwas mit dem Menschen Zusammenhängendes ist, so kann man sich eine Anschauung erwerben von dem Kosmos, von demjenigen, was Umkreis ist. Man braucht nicht nur in sich hineinzuschauen, um zu so etwas zu kommen wie zu den drei Dimensionen, sondern man kann jetzt in die Weite schauen, kann die Konfiguration der Weite ins Auge fassen. Und wenn man verstehen lernt, diese Weite ins Auge zu fassen, indem man vorrückt von der gewöhnlichen Anschauung, die noch ausreicht für die Geometrie, zu einer solchen Anschauung, wie man sie braucht für diese Weiten, dann bekommt man eine Anschauung, die ich gestern und vorgestern die imaginative Erkenntnis genannt habe, jene imaginative Erkenntnis, von deren Ausbildung ich noch zu sprechen haben werde.
[ 12 ] Derjenige, der einfach aufzeichnen würde, was er da in den Weltenweiten sieht, der würde zu nichts kommen. Eine bloße Abzeichnung des Sternenhimmels, wie sie die heutigen Astronomen machen, führt zu nichts. Wenn man aber den ganzen Menschen mit dem vollen Verständnis des Kosmos diesem Kosmos gegenüberstellt, dann bilden sich ihm im Inneren der Seele gegenüber diesen Sternanhäufungen Bilder aus, wie man sie auf alten Karten sieht, wo noch aus dem alten, instinktiven Hellsehen die Imaginationen sich bildeten, und dann bekommt man eine Imagination des ganzen Kosmos. Man bekommt das Gegenbild von dem, was ich gestern gezeigt habe als die menschliche Grundlage der drei geometrischen Raumdimensionen. Man bekommt etwas, was sich in unendlicher Weise konfigurieren kann.
[ 12 ] Derjenige, der einfach aufzeichnen würde, was er da in den Weltenweiten sieht, der würde zu nichts kommen. Eine bloße Abzeichnung des Sternenhimmels, wie sie die heutigen Astronomen machen, führt zu nichts. Wenn man aber den ganzen Menschen mit dem vollen Verständnis des Kosmos diesem Kosmos gegenüberstellt, dann bilden sich ihm im Inneren der Seele gegenüber diesen Sternanhäufungen Bilder aus, wie man sie auf alten Karten sieht, wo noch aus dem alten, instinktiven Hellsehen die Imaginationen sich bildeten, und dann bekommt man eine Imagination des ganzen Kosmos. Man bekommt das Gegenbild von dem, was ich gestern gezeigt habe als die menschliche Grundlage der drei geometrischen Raumdimensionen. Man bekommt etwas, was sich in unendlicher Weise konfigurieren kann.
[ 13 ] Die Menschen haben ja heute im Grunde genommen gar keine Ahnung davon, wie man einmal in das Weltenall hineingesehen hat in älteren Zeiten, wo eben noch ein instinktives Hellsehen bei den Menschen vorhanden war. Man hält heute dafür, daß die verschiedenen Zeichnungen, die Bilder, die Imaginationen, die gemacht worden sind von den Tierkreisbildern, aus der Phantasie entsprungen sind. Das sind sie nicht. Sie wurden empfunden, wurden geschaut, indem man sich dem Kosmos gegenüberstellte. Der Fortschritt der Menschheit forderte, daß diese instinktive, diese lebendige, diese imaginative Anschauung abgedämmert ist, daß an ihre Stelle die den Menschen befreiende, intellektuelle Anschauung getreten ist, aus der heraus aber, wenn wir ganze Menschen sein wollen, wiederum eine solche Anschauung des Weltenalls errungen werden muß, die wiederum zur Imagination vorschreitet, aber jetzt mit vollem Bewußtsein, nicht mehr instinktiv.
[ 13 ] Die Menschen haben ja heute im Grunde genommen gar keine Ahnung davon, wie man einmal in das Weltenall hineingesehen hat in älteren Zeiten, wo eben noch ein instinktives Hellsehen bei den Menschen vorhanden war. Man hält heute dafür, daß die verschiedenen Zeichnungen, die Bilder, die Imaginationen, die gemacht worden sind von den Tierkreisbildern, aus der Phantasie entsprungen sind. Das sind sie nicht. Sie wurden empfunden, wurden geschaut, indem man sich dem Kosmos gegenüberstellte. Der Fortschritt der Menschheit forderte, daß diese instinktive, diese lebendige, diese imaginative Anschauung abgedämmert ist, daß an ihre Stelle die den Menschen befreiende, intellektuelle Anschauung getreten ist, aus der heraus aber, wenn wir ganze Menschen sein wollen, wiederum eine solche Anschauung des Weltenalls errungen werden muß, die wiederum zur Imagination vorschreitet, aber jetzt mit vollem Bewußtsein, nicht mehr instinktiv.
[ 14 ] Man bekommt da nun nicht einen Raum, der sich durch drei Dimensionen erschöpfen läßt, wenn man in dieser Weise vom Sternenhimmel herein zu der Raumesvorstellung kommen will, sondern man bekommt einen Raum, den ich auch nur bildhaft andeuten kann: Würde ich den Raum, von dem ich gestern gesprochen habe, anzudeuten haben mit den drei aufeinander senkrecht stehenden Linien (sie werden gezeichnet als Mitte der entstehenden Zeichnung), so müßte ich diesen anderen Raum so andeuten, daß ich überall solche Konfigurationen zeichne, wie wenn Kräfte in Flächen sich von allen Seiten des Weltenalls der Erde näherten und von außen her plastisch wirkten an den Gebilden, welche auf der Erdoberfläche sind.
[ 14 ] Man bekommt da nun nicht einen Raum, der sich durch drei Dimensionen erschöpfen läßt, wenn man in dieser Weise vom Sternenhimmel herein zu der Raumesvorstellung kommen will, sondern man bekommt einen Raum, den ich auch nur bildhaft andeuten kann: Würde ich den Raum, von dem ich gestern gesprochen habe, anzudeuten haben mit den drei aufeinander senkrecht stehenden Linien (sie werden gezeichnet als Mitte der entstehenden Zeichnung), so müßte ich diesen anderen Raum so andeuten, daß ich überall solche Konfigurationen zeichne, wie wenn Kräfte in Flächen sich von allen Seiten des Weltenalls der Erde näherten und von außen her plastisch wirkten an den Gebilden, welche auf der Erdoberfläche sind.


[ 15 ] Zu einer solchen Vorstellung kommt man, wenn man vorrückt von dem, was mit den physischen Augen an den Lebewesen, vor allen Dingen am Menschen zu sehen ist, zu dem, was ich jetzt hier Imagination genannt habe, wobei sich einem statt des physischen Menschen der Kosmos in Bildform eröffnet und einem einen neuen Raum schenkt. Sobald man dazu vorrückt, kommt man dazu, anzuschauen dasjenige, was ein zweiter Leib des Menschen ist, den ein älteres, ahnendes Hellsehen, ein instinktives Hellsehen genannt hat den Ätherleib, den man besser nennt den Bildekräfteleib; einen übersinnlichen Leib, der aber durchaus aus feiner, ätherischer Substantualität besteht und der durchdringt den physischen Leib des Menschen. Wir können diesen physischen Leib studieren, wenn wir die ihn durchströmenden Kräfte innerhalb seiner Raumausdehnung suchen. Den Äther- oder Bildekräfteleib, der den Menschen durchflutet, können wir nicht studieren, wenn wir von diesem Raume (Mitte) ausgehen. Wir können ihn nur studieren, wenn wir ihn als gebildet aus dem ganzen Kosmos auffassen, wenn wir ihn so auffassen, daß eben diese von allen Seiten sich der Erde nähernden Kraftflächen an den Menschen herankommen und von außen her seinen Bildekräfteleib plastisch formen.
[ 15 ] Zu einer solchen Vorstellung kommt man, wenn man vorrückt von dem, was mit den physischen Augen an den Lebewesen, vor allen Dingen am Menschen zu sehen ist, zu dem, was ich jetzt hier Imagination genannt habe, wobei sich einem statt des physischen Menschen der Kosmos in Bildform eröffnet und einem einen neuen Raum schenkt. Sobald man dazu vorrückt, kommt man dazu, anzuschauen dasjenige, was ein zweiter Leib des Menschen ist, den ein älteres, ahnendes Hellsehen, ein instinktives Hellsehen genannt hat den Ätherleib, den man besser nennt den Bildekräfteleib; einen übersinnlichen Leib, der aber durchaus aus feiner, ätherischer Substantualität besteht und der durchdringt den physischen Leib des Menschen. Wir können diesen physischen Leib studieren, wenn wir die ihn durchströmenden Kräfte innerhalb seiner Raumausdehnung suchen. Den Äther- oder Bildekräfteleib, der den Menschen durchflutet, können wir nicht studieren, wenn wir von diesem Raume (Mitte) ausgehen. Wir können ihn nur studieren, wenn wir ihn als gebildet aus dem ganzen Kosmos auffassen, wenn wir ihn so auffassen, daß eben diese von allen Seiten sich der Erde nähernden Kraftflächen an den Menschen herankommen und von außen her seinen Bildekräfteleib plastisch formen.
[ 16 ] Auf keine andere Weise als dadurch ist in den Zeiten, in denen bildende Kunst noch aus dem Elementaren, aus dem Ursprünglichen heraus entstanden ist, diese bildende Kunst entstanden. Mit intuitivem Blick wird man das einem solchen Werk wie zum Beispiel der Venus von Milo ansehen. Die ist nicht geschaffen, indem man Anatomie studiert hat, indem man an die Kräfte appelliert hat, welche aus dem Raumesinnern des physischen Leibes heraus bloß verständlich sind, sondern sie ist geschaffen dadurch, daß man gewußt hat in älteren Zeiten von jenem Bildekräfteleib, der den physischen Leib durchdringt, der aus dem Kosmos heraus gestaltet wird, der aus einem Raum gestaltet wird, der ebenso peripherisch ist, wie der irdische Raum zentral ist. Dadurch aber, daß ein Wesen gestaltet wird von der Peripherie des Weltenalls herein, dadurch wird ihm aufgedrückt dasjenige, was nach der Urbedeutung dieses Wortes des Wesens Schönheit ist. Des Wesens Schönheit ist nämlich der Abdruck des Kosmos, mit Hilfe des Ätherleibes, in einem physischen Erdenwesen.
[ 16 ] Auf keine andere Weise als dadurch ist in den Zeiten, in denen bildende Kunst noch aus dem Elementaren, aus dem Ursprünglichen heraus entstanden ist, diese bildende Kunst entstanden. Mit intuitivem Blick wird man das einem solchen Werk wie zum Beispiel der Venus von Milo ansehen. Die ist nicht geschaffen, indem man Anatomie studiert hat, indem man an die Kräfte appelliert hat, welche aus dem Raumesinnern des physischen Leibes heraus bloß verständlich sind, sondern sie ist geschaffen dadurch, daß man gewußt hat in älteren Zeiten von jenem Bildekräfteleib, der den physischen Leib durchdringt, der aus dem Kosmos heraus gestaltet wird, der aus einem Raum gestaltet wird, der ebenso peripherisch ist, wie der irdische Raum zentral ist. Dadurch aber, daß ein Wesen gestaltet wird von der Peripherie des Weltenalls herein, dadurch wird ihm aufgedrückt dasjenige, was nach der Urbedeutung dieses Wortes des Wesens Schönheit ist. Des Wesens Schönheit ist nämlich der Abdruck des Kosmos, mit Hilfe des Ätherleibes, in einem physischen Erdenwesen.
[ 17 ] Studieren wir der reinen, trockenen Wahrheit gemäß ein physisches Erdenwesen, dann bekommen wir eben dasjenige, was es dem gewöhnlichen physischen Raum nach ist. Lassen wir auf uns wirken die Schönheit eines Wesens, wollen wir durch plastische, bildende Kunst steigern diese Schönheit eines Wesens, dann müssen wir uns bewußt werden: Dasjenige, was als Schönheit aufgeprägt wird dem Wesen, das stammt aus dem Kosmos; das ist dasjenige, was uns enthüllt in dem einzelnen Wesen, wie der ganze Kosmos in diesem Wesen wirkt. Dazu muß man allerdings empfinden, wie dieser Kosmos in der menschlichen Gestalt zum Beispiel zum Ausdruck kommt.
[ 17 ] Studieren wir der reinen, trockenen Wahrheit gemäß ein physisches Erdenwesen, dann bekommen wir eben dasjenige, was es dem gewöhnlichen physischen Raum nach ist. Lassen wir auf uns wirken die Schönheit eines Wesens, wollen wir durch plastische, bildende Kunst steigern diese Schönheit eines Wesens, dann müssen wir uns bewußt werden: Dasjenige, was als Schönheit aufgeprägt wird dem Wesen, das stammt aus dem Kosmos; das ist dasjenige, was uns enthüllt in dem einzelnen Wesen, wie der ganze Kosmos in diesem Wesen wirkt. Dazu muß man allerdings empfinden, wie dieser Kosmos in der menschlichen Gestalt zum Beispiel zum Ausdruck kommt.
[ 18 ] Diese menschliche Gestalt zerfällt ja, wenn wir in der Lage sind, durch innerliche, imaginative Anschauung auf sie einzugehen, zunächst so, daß wir unser seelisches Augenmerk lenken auf die Hauptesbildung. Wenn wir die Hauptesbildung in ihrer Totalität überschauen, dann ‚verstehen wir diese Hauptesbildung nicht, wenn wir sie etwa bloß aus dem Innern des Hauptes heraus erklären wollen. Wir verstehen sie nur, wenn wir sie unmittelbar auffassen als aus dem Kosmos heraus, auf dem Umwege durch den Bildekräfteleib, bewirkt.
[ 18 ] Diese menschliche Gestalt zerfällt ja, wenn wir in der Lage sind, durch innerliche, imaginative Anschauung auf sie einzugehen, zunächst so, daß wir unser seelisches Augenmerk lenken auf die Hauptesbildung. Wenn wir die Hauptesbildung in ihrer Totalität überschauen, dann ‚verstehen wir diese Hauptesbildung nicht, wenn wir sie etwa bloß aus dem Innern des Hauptes heraus erklären wollen. Wir verstehen sie nur, wenn wir sie unmittelbar auffassen als aus dem Kosmos heraus, auf dem Umwege durch den Bildekräfteleib, bewirkt.
[ 19 ] Gehen wir über zu der Brustbildung des Menschen, dann kommen wir zu einem innerlichen, zu einem auf die Gestalt sich beziehenden Verständnis nur, wenn wir die Möglichkeit haben, uns vorzustellen, wie der Mensch lebt auf der Erde, die umkreist wird — wenn auch nach der heutigen Astronomie nur scheinbar, das tut nichts zu dieser Betrachtung — von alledem, was die Erde aus der Sternenwelt umkreist in der Tierkreislinie. Während wir das Haupt beziehen auf den Pol des Kosmos, beziehen wir dasjenige, was in der Brustbildung des Menschen gestaltet ist, was da durchaus in der sich wiederholenden Äquatoriallinie verläuft, auf dasjenige, was im Sonnenumkreis des Jahres oder der Tage sich in der verschiedensten Weise vollzieht.
[ 19 ] Gehen wir über zu der Brustbildung des Menschen, dann kommen wir zu einem innerlichen, zu einem auf die Gestalt sich beziehenden Verständnis nur, wenn wir die Möglichkeit haben, uns vorzustellen, wie der Mensch lebt auf der Erde, die umkreist wird — wenn auch nach der heutigen Astronomie nur scheinbar, das tut nichts zu dieser Betrachtung — von alledem, was die Erde aus der Sternenwelt umkreist in der Tierkreislinie. Während wir das Haupt beziehen auf den Pol des Kosmos, beziehen wir dasjenige, was in der Brustbildung des Menschen gestaltet ist, was da durchaus in der sich wiederholenden Äquatoriallinie verläuft, auf dasjenige, was im Sonnenumkreis des Jahres oder der Tage sich in der verschiedensten Weise vollzieht.
[ 20 ] Erst wenn wir zum Gliedmaßensystem des Menschen gehen, besonders dem unteren Gliedmaßensystem, dann bekommen wir das Gefühl: Das ist nun nicht dem äußeren Kosmos zugeteilt, das ist der Erde zugeteilt; das hängt zusammen mit der Schwerkraft der Erde. Schauen wir mit dem Sinn des plastischen Künstlers hin auf die Fußbildung des Menschen, wir sehen sie angepaßt der Schwerkraft der Erde. Wir sehen die ganze Konfiguration, wie Unterschenkel und Oberschenkel durch Vermittelung des Knies ineinandergefügt sind, so, daß wir sie zugeteilt finden dem, was die Erde in ihrer Dynamik, in ihrer Statik ist, wie aus ihrem Mittelpunkt heraus in das Weltenall hinein die Schwerkraft wirkt.
[ 20 ] Erst wenn wir zum Gliedmaßensystem des Menschen gehen, besonders dem unteren Gliedmaßensystem, dann bekommen wir das Gefühl: Das ist nun nicht dem äußeren Kosmos zugeteilt, das ist der Erde zugeteilt; das hängt zusammen mit der Schwerkraft der Erde. Schauen wir mit dem Sinn des plastischen Künstlers hin auf die Fußbildung des Menschen, wir sehen sie angepaßt der Schwerkraft der Erde. Wir sehen die ganze Konfiguration, wie Unterschenkel und Oberschenkel durch Vermittelung des Knies ineinandergefügt sind, so, daß wir sie zugeteilt finden dem, was die Erde in ihrer Dynamik, in ihrer Statik ist, wie aus ihrem Mittelpunkt heraus in das Weltenall hinein die Schwerkraft wirkt.
[ 21 ] Wir haben davon eine Empfindung, wenn wir die menschliche Gestalt betrachten mit dem bildhauerischen Blicke. Zum Haupte brauchen wir alle Kräfte des Kosmos, brauchen wir gewissermaßen die ganze Sphäre, wenn wir dasjenige, was in so wunderbarer Weise ausgedrückt ist in der Hauptesbildung, verstehen wollen. Wenn wir verstehen wollen dasjenige, was in der Brustbildung zum Ausdruck kommt, da brauchen wir dasjenige, was gewissermaßen in der Äquatoriallage die Erde umströmt. Wir kommen zum Umkreis. Wollen wir verstehen namentlich das untere Gliedmaßensystem des Menschen mit dem sich daranschließenden Stoffwechselsystem, so müssen wir uns an die Kräfte der Erde halten. In dieser Beziehung ist der Mensch an die Kräfte der Erde gebunden. Kurz, wir bekommen einen Zusammenhang des ganzen lebendigen, lebendig gedachten Weltenraumes mit der menschlichen Gestalt.
[ 21 ] Wir haben davon eine Empfindung, wenn wir die menschliche Gestalt betrachten mit dem bildhauerischen Blicke. Zum Haupte brauchen wir alle Kräfte des Kosmos, brauchen wir gewissermaßen die ganze Sphäre, wenn wir dasjenige, was in so wunderbarer Weise ausgedrückt ist in der Hauptesbildung, verstehen wollen. Wenn wir verstehen wollen dasjenige, was in der Brustbildung zum Ausdruck kommt, da brauchen wir dasjenige, was gewissermaßen in der Äquatoriallage die Erde umströmt. Wir kommen zum Umkreis. Wollen wir verstehen namentlich das untere Gliedmaßensystem des Menschen mit dem sich daranschließenden Stoffwechselsystem, so müssen wir uns an die Kräfte der Erde halten. In dieser Beziehung ist der Mensch an die Kräfte der Erde gebunden. Kurz, wir bekommen einen Zusammenhang des ganzen lebendigen, lebendig gedachten Weltenraumes mit der menschlichen Gestalt.
[ 22 ] Heute wird man wahrscheinlich in vielen Kreisen, auch in künstlerischen Kreisen, über eine solche Betrachtung, wie ich sie eben angestellt habe, lachen. Ich kann gut begreifen warum. Aber man kennt wenig die wirkliche Geschichte der menschlichen Entwickelung, wenn man über solche Dinge lacht. Denn wer sich wirklich vertiefen kann in die bildhauerische Kunst alter Zeiten, der sieht schon an den bildhauerischen Gestalten, die da geschaffen worden sind, wie in sie hineingeflossen sind jene Empfindungen, die ausgebildet wurden im imaginativen Anblick des gestirnten Himmels. In den ältesten bildhauerischen Gestaltungen ist eben der Kosmos in der menschlichen Gestalt zur Anschauung gebracht worden. Allerdings muß da, was sonst nur in verstandesmäßiger Weise Erkenntnis genannt wird, angesehen werden als eine solche Erkenntnis, die mit dem ganzen Umfang der menschlichen Seelenkräfte zusammenhängt. Man wird ja Bildhauer — wenn man wirklich Bildhauer ist — aus Elementarischem heraus, nicht bloß weil man gelernt hat, an alte Stilformen sich anzulehnen, um dasjenige wieder auszubilden, was man in dieser oder jener Stilepoche, wo man noch mit dem lebendigen Schaffen zusammenhing, gewußt hat, was man heute nicht mehr weiß. Nicht dadurch wird man Bildhauer, daß man sich an Traditionelles anlehnt — das geschieht heute zumeist, auch bei vollendeten Künstlern —, sondern man wird Bildhauer dadurch, daß man aus vollem Bewußtsein heraus zurückgreifen kann bis zu den gestaltenden Kräften, die einmal zur bildenden Kunst geführt haben. Da muß man wiederum kosmische Empfindungen bekommen, muß man wiederum das Weltenall empfinden und in dem Menschen einen Mikrokosmos, eine kleine Welt sehen können. Da muß man es ansehen können der menschlichen Stirn, wie ihr aus dem Kosmos heraus das Gepräge aufgedrückt ist. Da muß man ansehen können der Nase, wie ihr das Gepräge aufgedrückt ist aus demjenigen, woraus auch dem ganzen Atmungssystem das Gepräge aufgedrückt ist: aus dem Umkreise, aus demjenigen, was in der Äquatoriallinie, in der Tierkreislinie die Erde umkreist. Und man bekommt dann die Empfindung dafür, was man darstellen muß. Man schafft nicht durch bloße Nachahmung, durch bloße Imitation nach dem Modell, sondern man schafft, indem man sich hineinversenkt in diejenige Kraft, aus der heraus die Natur selber den Menschen geformt und geschaffen hat. Man gestaltet so, wie die Natur selber gestaltet. Dann muß sich aber die ganze erkennende und künstlerisch schaffende Empfindung dem anpassen können.
[ 22 ] Heute wird man wahrscheinlich in vielen Kreisen, auch in künstlerischen Kreisen, über eine solche Betrachtung, wie ich sie eben angestellt habe, lachen. Ich kann gut begreifen warum. Aber man kennt wenig die wirkliche Geschichte der menschlichen Entwickelung, wenn man über solche Dinge lacht. Denn wer sich wirklich vertiefen kann in die bildhauerische Kunst alter Zeiten, der sieht schon an den bildhauerischen Gestalten, die da geschaffen worden sind, wie in sie hineingeflossen sind jene Empfindungen, die ausgebildet wurden im imaginativen Anblick des gestirnten Himmels. In den ältesten bildhauerischen Gestaltungen ist eben der Kosmos in der menschlichen Gestalt zur Anschauung gebracht worden. Allerdings muß da, was sonst nur in verstandesmäßiger Weise Erkenntnis genannt wird, angesehen werden als eine solche Erkenntnis, die mit dem ganzen Umfang der menschlichen Seelenkräfte zusammenhängt. Man wird ja Bildhauer — wenn man wirklich Bildhauer ist — aus Elementarischem heraus, nicht bloß weil man gelernt hat, an alte Stilformen sich anzulehnen, um dasjenige wieder auszubilden, was man in dieser oder jener Stilepoche, wo man noch mit dem lebendigen Schaffen zusammenhing, gewußt hat, was man heute nicht mehr weiß. Nicht dadurch wird man Bildhauer, daß man sich an Traditionelles anlehnt — das geschieht heute zumeist, auch bei vollendeten Künstlern —, sondern man wird Bildhauer dadurch, daß man aus vollem Bewußtsein heraus zurückgreifen kann bis zu den gestaltenden Kräften, die einmal zur bildenden Kunst geführt haben. Da muß man wiederum kosmische Empfindungen bekommen, muß man wiederum das Weltenall empfinden und in dem Menschen einen Mikrokosmos, eine kleine Welt sehen können. Da muß man es ansehen können der menschlichen Stirn, wie ihr aus dem Kosmos heraus das Gepräge aufgedrückt ist. Da muß man ansehen können der Nase, wie ihr das Gepräge aufgedrückt ist aus demjenigen, woraus auch dem ganzen Atmungssystem das Gepräge aufgedrückt ist: aus dem Umkreise, aus demjenigen, was in der Äquatoriallinie, in der Tierkreislinie die Erde umkreist. Und man bekommt dann die Empfindung dafür, was man darstellen muß. Man schafft nicht durch bloße Nachahmung, durch bloße Imitation nach dem Modell, sondern man schafft, indem man sich hineinversenkt in diejenige Kraft, aus der heraus die Natur selber den Menschen geformt und geschaffen hat. Man gestaltet so, wie die Natur selber gestaltet. Dann muß sich aber die ganze erkennende und künstlerisch schaffende Empfindung dem anpassen können.
[ 23 ] Wenn wir die menschliche Gestalt vor uns haben, richten wir zunächst den künstlerischen Blick nach dem menschlichen Haupte. Wir tun das mit der Tendenz, dieses menschliche Haupt plastisch zu formen. Wir werden uns dann bemühen, soviel als möglich dieses menschliche Haupt in allen Einzelheiten herauszubilden, möglichst jede Fläche liebevoll zu behandeln: die Stirnfläche liebevoll zu behandeln, die Wölbung zu den Augen hin liebevoll zu behandeln, die Ohren herauszuarbeiten und so weiter. Wir werden uns bemühen, die Linien, welche über die Stirnfront, über die Nase laufen, möglichst liebevoll zu bilden. Wir werden uns bemühen, je nach dem, was wir schaffen wollen, eine so oder so geformte Nase zu machen. Kurz, wir werden alles liebevoll in den einzelnen Flächen auszubilden versuchen, was sich auf das menschliche Haupt bezieht.
[ 23 ] Wenn wir die menschliche Gestalt vor uns haben, richten wir zunächst den künstlerischen Blick nach dem menschlichen Haupte. Wir tun das mit der Tendenz, dieses menschliche Haupt plastisch zu formen. Wir werden uns dann bemühen, soviel als möglich dieses menschliche Haupt in allen Einzelheiten herauszubilden, möglichst jede Fläche liebevoll zu behandeln: die Stirnfläche liebevoll zu behandeln, die Wölbung zu den Augen hin liebevoll zu behandeln, die Ohren herauszuarbeiten und so weiter. Wir werden uns bemühen, die Linien, welche über die Stirnfront, über die Nase laufen, möglichst liebevoll zu bilden. Wir werden uns bemühen, je nach dem, was wir schaffen wollen, eine so oder so geformte Nase zu machen. Kurz, wir werden alles liebevoll in den einzelnen Flächen auszubilden versuchen, was sich auf das menschliche Haupt bezieht.
[ 24 ] Wenn wir dagegen als Bildhauer — vielleicht sage ich für viele Menschen etwas Ketzerisches, aber ich glaube doch, daß das auf ursprüngliche, künstlerische Empfindungen zurückgeht, was ich zu sagen habe —, wenn wir als Bildhauer uns anstrengen wollten, menschliche Beine zu formen, so würde einem das immerfort widerstreben. Man möchte den Kopf so liebevoll wie möglich gestalten, aber nicht die menschlichen Beine. Die möchte man dadurch cachieren, dadurch weghaben vom künstlerischen Formen, daß man versucht, allerlei Bekleidungsstücke darüber zu haben, allerlei, was sich in anderer Weise bildhauerisch dem anpaßt, was im Kopfe zum Ausdruck kommt. Eine menschliche Gestalt mit richtig ausgemeißelten Beinen, Waden zum Beispiel, ist dem Bildhauer eigentlich etwas für den künstlerischen Blick Unsympathisches. Ich weiß, daß ich damit etwas Ketzerisches sage, aber ich weiß auch, daß ich dadurch um so elementarer künstlerisch spreche. Richtig ausgemeißelte Beine, die will man nicht haben. Warum nicht? Nun, weil es einfach für den Bildhauer eine andere Anatomie gibt, eine andere Menschengestaltungs-Erkenntnis, als für den Anatomen. Für den Bildhauer gibt es eigentlich nicht, so sonderbar das klingen mag, Knochen und Muskeln. Für den Bildhauer gibt es die menschliche Gestalt, die hereingebildet wird mit Hilfe des Bildekräfteleibes aus dem Kosmos. Und in dieser menschlichen Gestalt gibt es für ihn Kräfte, Kraftwirkungen, Kraftlinien, Kraftzusammenhänge. Ich kann unmöglich an die Schädeldecke denken als Bildhauer, wenn ich den menschlichen Kopf forme, sondern ich forme den menschlichen Kopf von außen herein, wie er aus dem Kosmos geprägt ist, und dasjenige, was mir die entsprechenden Wölbungen gibt an dem Haupte, das forme ich nach Dynamik, nach Kräften, die vom Inneren nach außen die Gestalt drängen, die sich entgegenstellen den vom Kosmos hereinwirkenden Kräften. Ich denke als Bildhauer, indem ich die Arme forme, nicht an Knochen, sondern an jene Kräfte, welche wirken, indem ich zum Beispiel den Arm biege. Da habe ich Kraftlinien, Kraftentfaltung, nicht das, was als Muskel oder als Knochen sich bildet. Und die Dicke des Armes hängt ab von dem, was da lebt, nicht vom Muskelfleisch, das daran ist. Weil man aber, indem man Schönheit bildet, vor allen Dingen die Tendenz hat, den Menschen mit seiner Schönheit dem Kosmos anzupassen, das aber nur beim Haupte tun kann, weil die unteren Gliedmaßen der Erde angepaßt sind, deshalb will man das weglassen. Man möchte den Menschen, wenn man ihn künstlerisch gestaltet, von der Erde abheben. Man würde ihn zum schweren Erdenwesen machen, wenn man zu sehr den unteren Menschen in der Bildhauerkunst ausbilden würde.
[ 24 ] Wenn wir dagegen als Bildhauer — vielleicht sage ich für viele Menschen etwas Ketzerisches, aber ich glaube doch, daß das auf ursprüngliche, künstlerische Empfindungen zurückgeht, was ich zu sagen habe —, wenn wir als Bildhauer uns anstrengen wollten, menschliche Beine zu formen, so würde einem das immerfort widerstreben. Man möchte den Kopf so liebevoll wie möglich gestalten, aber nicht die menschlichen Beine. Die möchte man dadurch cachieren, dadurch weghaben vom künstlerischen Formen, daß man versucht, allerlei Bekleidungsstücke darüber zu haben, allerlei, was sich in anderer Weise bildhauerisch dem anpaßt, was im Kopfe zum Ausdruck kommt. Eine menschliche Gestalt mit richtig ausgemeißelten Beinen, Waden zum Beispiel, ist dem Bildhauer eigentlich etwas für den künstlerischen Blick Unsympathisches. Ich weiß, daß ich damit etwas Ketzerisches sage, aber ich weiß auch, daß ich dadurch um so elementarer künstlerisch spreche. Richtig ausgemeißelte Beine, die will man nicht haben. Warum nicht? Nun, weil es einfach für den Bildhauer eine andere Anatomie gibt, eine andere Menschengestaltungs-Erkenntnis, als für den Anatomen. Für den Bildhauer gibt es eigentlich nicht, so sonderbar das klingen mag, Knochen und Muskeln. Für den Bildhauer gibt es die menschliche Gestalt, die hereingebildet wird mit Hilfe des Bildekräfteleibes aus dem Kosmos. Und in dieser menschlichen Gestalt gibt es für ihn Kräfte, Kraftwirkungen, Kraftlinien, Kraftzusammenhänge. Ich kann unmöglich an die Schädeldecke denken als Bildhauer, wenn ich den menschlichen Kopf forme, sondern ich forme den menschlichen Kopf von außen herein, wie er aus dem Kosmos geprägt ist, und dasjenige, was mir die entsprechenden Wölbungen gibt an dem Haupte, das forme ich nach Dynamik, nach Kräften, die vom Inneren nach außen die Gestalt drängen, die sich entgegenstellen den vom Kosmos hereinwirkenden Kräften. Ich denke als Bildhauer, indem ich die Arme forme, nicht an Knochen, sondern an jene Kräfte, welche wirken, indem ich zum Beispiel den Arm biege. Da habe ich Kraftlinien, Kraftentfaltung, nicht das, was als Muskel oder als Knochen sich bildet. Und die Dicke des Armes hängt ab von dem, was da lebt, nicht vom Muskelfleisch, das daran ist. Weil man aber, indem man Schönheit bildet, vor allen Dingen die Tendenz hat, den Menschen mit seiner Schönheit dem Kosmos anzupassen, das aber nur beim Haupte tun kann, weil die unteren Gliedmaßen der Erde angepaßt sind, deshalb will man das weglassen. Man möchte den Menschen, wenn man ihn künstlerisch gestaltet, von der Erde abheben. Man würde ihn zum schweren Erdenwesen machen, wenn man zu sehr den unteren Menschen in der Bildhauerkunst ausbilden würde.
[ 25 ] Und wiederum, wenn man das Haupt allein betrachtet, wiederum ist nur der obere Teil des Hauptes, der wunderbar gewölbte Schädel, der bei jedem einzelnen Individuum anders gewölbt ist — es gibt daher nur eine individuelle, keine generelle Phrenologie —, dem ganzen Kosmos nachgebildet. Dasjenige, was in Augen und Nase gebildet ist, das ist schon ähnlich gebildet dem, was dann menschlicher Brustorganismus ist. Das ist schon nach dem Umkreise, nach der Äquatorialströmung gebildet. Daher, wenn ich an einem bildhauerischen Werke, das den Menschen darstellt, die Augen darstelle, weiß man, man kann da nicht durch irgendwelche Farbgebung den Blick, den vertieften oder den oberflächlichen Blick darstellen, man muß sich darauf beschränken, große oder kleine, geschlitzte oder ovale Augen, oder mehr oder weniger gerade Augen darzustellen. Aber wie man den Übergang der Augen in die Nasenform, der Stirne in die Nasenform darstellt, wie man ahnen läßt, daß der Mensch sieht, indem er in sein Sehen die ganze Seele legt, das ist anders bei geschlitzten, anders bei ovalen, anders bei geraden Augen. Wie der Mensch atmet, diese wunderbare Ausdrucksmöglichkeit, wie der Mensch atmet durch die Nase, man braucht nur zu empfinden, da hat man etwas, davon man sagen kann: Wie der Mensch in seiner Brust ist, wie seine Brustform geschaffen wird aus dem Kosmos herein, so drängt die menschliche Wesenheit dasjenige, was sie in der Brust eratmet, was da im Herzen darinnen klopft, herauf in Augen und Nase. Das kommt da in Bildform zum Ausdruck. Wie der Mensch in seinem Kopf ist, es kommt eigentlich nur in der Schädeldecke, die in bezug auf die Gestalt ein Abdruck des Kosmos ist, zum Ausdruck. Wie der Mensch selber reagiert auf den Kosmos, indem er nicht bloß den Sauerstoff hereinnimmt und sich passiv verhält, sondern wie er den eigenen Anteil am Stoffe hat, wie er in der Brust sein eigenes Wesen dem Kosmos entgegenbringt, das kommt durch die Augen- und die Nasenbildung bildhauerisch zum Ausdruck.
[ 25 ] Und wiederum, wenn man das Haupt allein betrachtet, wiederum ist nur der obere Teil des Hauptes, der wunderbar gewölbte Schädel, der bei jedem einzelnen Individuum anders gewölbt ist — es gibt daher nur eine individuelle, keine generelle Phrenologie —, dem ganzen Kosmos nachgebildet. Dasjenige, was in Augen und Nase gebildet ist, das ist schon ähnlich gebildet dem, was dann menschlicher Brustorganismus ist. Das ist schon nach dem Umkreise, nach der Äquatorialströmung gebildet. Daher, wenn ich an einem bildhauerischen Werke, das den Menschen darstellt, die Augen darstelle, weiß man, man kann da nicht durch irgendwelche Farbgebung den Blick, den vertieften oder den oberflächlichen Blick darstellen, man muß sich darauf beschränken, große oder kleine, geschlitzte oder ovale Augen, oder mehr oder weniger gerade Augen darzustellen. Aber wie man den Übergang der Augen in die Nasenform, der Stirne in die Nasenform darstellt, wie man ahnen läßt, daß der Mensch sieht, indem er in sein Sehen die ganze Seele legt, das ist anders bei geschlitzten, anders bei ovalen, anders bei geraden Augen. Wie der Mensch atmet, diese wunderbare Ausdrucksmöglichkeit, wie der Mensch atmet durch die Nase, man braucht nur zu empfinden, da hat man etwas, davon man sagen kann: Wie der Mensch in seiner Brust ist, wie seine Brustform geschaffen wird aus dem Kosmos herein, so drängt die menschliche Wesenheit dasjenige, was sie in der Brust eratmet, was da im Herzen darinnen klopft, herauf in Augen und Nase. Das kommt da in Bildform zum Ausdruck. Wie der Mensch in seinem Kopf ist, es kommt eigentlich nur in der Schädeldecke, die in bezug auf die Gestalt ein Abdruck des Kosmos ist, zum Ausdruck. Wie der Mensch selber reagiert auf den Kosmos, indem er nicht bloß den Sauerstoff hereinnimmt und sich passiv verhält, sondern wie er den eigenen Anteil am Stoffe hat, wie er in der Brust sein eigenes Wesen dem Kosmos entgegenbringt, das kommt durch die Augen- und die Nasenbildung bildhauerisch zum Ausdruck.
[ 26 ] Und indem wir den Mund formen — oh, indem wir den Mund formen, formen wir eigentlich schon den ganzen inneren Menschen in seinem Sich-Entgegenstellen, in seiner Opposition gegen den Kosmos. Da formen wir die Art und Weise, wie der Mensch aus seinem Stoffwechselsystem heraus auf die Welt reagiert. Da bilden wir in der Mundbildung, in der Kinnbildung, in alledem, was zur Mundbildung gehört, den Gliedmaßen-Stoffwechsel-Menschen, aber in seiner Vergeistigung, in seinem nach außen wirkenden Bilde. So daß derjenige, der im bildhauerischen Blicke das menschliche Haupt vor sich hat, den ganzen Menschen vor sich hat, den Menschen nach der Natur seiner Systeme: nach dem Nerven-Sinnessystem in der Schädeldecke mit den merkwürdigen Wölbungen; in der Augen-Nasenbildung den Menschen — wenn ich platonisch sprechen würde, müßte ich sagen, den mutgemäßen Menschen, den Menschen, der seine innere Individualität, insofern sie mutartig ist, Gemüt ist, entgegenstellt dem äußeren Kosmos. Und indem man den Mund bildet, hat man eigentlich — zwar ist ihm noch aufgedrückt, weil zur Hauptesbildung gehörend, von außen die Konfiguration —, aber man hat von innen entgegendrängend dieser von außen hereinwirkenden Konfiguration dasjenige, was der Mensch in seiner inneren Wesenheit ist.
[ 26 ] Und indem wir den Mund formen — oh, indem wir den Mund formen, formen wir eigentlich schon den ganzen inneren Menschen in seinem Sich-Entgegenstellen, in seiner Opposition gegen den Kosmos. Da formen wir die Art und Weise, wie der Mensch aus seinem Stoffwechselsystem heraus auf die Welt reagiert. Da bilden wir in der Mundbildung, in der Kinnbildung, in alledem, was zur Mundbildung gehört, den Gliedmaßen-Stoffwechsel-Menschen, aber in seiner Vergeistigung, in seinem nach außen wirkenden Bilde. So daß derjenige, der im bildhauerischen Blicke das menschliche Haupt vor sich hat, den ganzen Menschen vor sich hat, den Menschen nach der Natur seiner Systeme: nach dem Nerven-Sinnessystem in der Schädeldecke mit den merkwürdigen Wölbungen; in der Augen-Nasenbildung den Menschen — wenn ich platonisch sprechen würde, müßte ich sagen, den mutgemäßen Menschen, den Menschen, der seine innere Individualität, insofern sie mutartig ist, Gemüt ist, entgegenstellt dem äußeren Kosmos. Und indem man den Mund bildet, hat man eigentlich — zwar ist ihm noch aufgedrückt, weil zur Hauptesbildung gehörend, von außen die Konfiguration —, aber man hat von innen entgegendrängend dieser von außen hereinwirkenden Konfiguration dasjenige, was der Mensch in seiner inneren Wesenheit ist.
[ 27 ] Aus dieser flüchtigen Andeutung — es konnte ja nicht mehr sein als eine solche skizzenhafte Andeutung, über die man weiterhin wird nachdenken müssen — werden Sie gesehen haben, daß der Bildhauer nicht bloß eine Erkenntnis des Menschen braucht, die er gewinnt, indem er ein menschliches Modell nachahmt, sondern der Bildhauer muß tatsächlich in der Lage sein, innerlich nachzuerleben die Kräfte, die durch den Kosmos wirken, indem sie die menschliche Gestalt formen. Aus demjenigen, was vorgeht, indem aus der befruchteten Keimzelle des mütterlichen Leibes der Mensch plastisch geformt wird — jetzt nicht bloß durch die Kräfte, die im mütterlichen Leibe sind, sondern durch die Mutter hindurch aus den kosmischen Kräften —, aus diesen Kräften heraus muß der Bildhauer schaffen können. So muß er schaffen können, daß er zu gleicher Zeit dasjenige, was aus der menschlichen, individuellen Wesenheit sich enthüllt, immer mehr und mehr, je weiter man nach unten kommt, verstehen kann. Er muß vor allen Dingen verstehen können, wie diese wunderbare Außenbedeckung des Menschen, seine Hautform zustandekommt als die Resultierende von den zwei Kräften, den Kräften, die vom Kosmos von allen Seiten herein peripherisch wirken, und demjenigen, was nun zentrifugal nach außen wirkt und sich dem entgegenstellt. Für den Bildhauer muß der Mensch in seiner äußeren Form ein Ergebnis von kosmischen Kräften und inneren Kräften sein. Man wird in allen Einzelheiten eine solche Empfindung haben müssen.
[ 27 ] Aus dieser flüchtigen Andeutung — es konnte ja nicht mehr sein als eine solche skizzenhafte Andeutung, über die man weiterhin wird nachdenken müssen — werden Sie gesehen haben, daß der Bildhauer nicht bloß eine Erkenntnis des Menschen braucht, die er gewinnt, indem er ein menschliches Modell nachahmt, sondern der Bildhauer muß tatsächlich in der Lage sein, innerlich nachzuerleben die Kräfte, die durch den Kosmos wirken, indem sie die menschliche Gestalt formen. Aus demjenigen, was vorgeht, indem aus der befruchteten Keimzelle des mütterlichen Leibes der Mensch plastisch geformt wird — jetzt nicht bloß durch die Kräfte, die im mütterlichen Leibe sind, sondern durch die Mutter hindurch aus den kosmischen Kräften —, aus diesen Kräften heraus muß der Bildhauer schaffen können. So muß er schaffen können, daß er zu gleicher Zeit dasjenige, was aus der menschlichen, individuellen Wesenheit sich enthüllt, immer mehr und mehr, je weiter man nach unten kommt, verstehen kann. Er muß vor allen Dingen verstehen können, wie diese wunderbare Außenbedeckung des Menschen, seine Hautform zustandekommt als die Resultierende von den zwei Kräften, den Kräften, die vom Kosmos von allen Seiten herein peripherisch wirken, und demjenigen, was nun zentrifugal nach außen wirkt und sich dem entgegenstellt. Für den Bildhauer muß der Mensch in seiner äußeren Form ein Ergebnis von kosmischen Kräften und inneren Kräften sein. Man wird in allen Einzelheiten eine solche Empfindung haben müssen.
[ 28 ] Wenn man, sagen wir, aus dem Holzmaterial heraus und bei der Kunst handelt es sich ja darum, daß man Materialempfindung hat, daß man weiß, wozu sich dieses oder jenes Material eignet, sonst schafft man nicht bildhauerisch, sondern nur illustrierend eine Idee, novellistisch —, wenn man aus dem Holz heraus die menschliche Gestalt formt, wird man wissen, indem man oben am Haupte formt, daß man das Gefühl haben muß, da drückt die Form von außen herein. Das ist das Geheimnis des Schaffens der menschlichen Gestalt. Indem ich die Stirn bilde, muß ich das Gefühl haben, ich drücke sie von außen herein, ich forme von außen; von innen wirken mir die Kräfte entgegen. Ich darf nur soweit drücken, schwächer oder stärker drücken, um die von innen wirkenden Kräfte zurückzudrängen, als ich nach Anleitung der kosmischen Kräfte, wie das Haupt werden muß, es kann.
[ 28 ] Wenn man, sagen wir, aus dem Holzmaterial heraus und bei der Kunst handelt es sich ja darum, daß man Materialempfindung hat, daß man weiß, wozu sich dieses oder jenes Material eignet, sonst schafft man nicht bildhauerisch, sondern nur illustrierend eine Idee, novellistisch —, wenn man aus dem Holz heraus die menschliche Gestalt formt, wird man wissen, indem man oben am Haupte formt, daß man das Gefühl haben muß, da drückt die Form von außen herein. Das ist das Geheimnis des Schaffens der menschlichen Gestalt. Indem ich die Stirn bilde, muß ich das Gefühl haben, ich drücke sie von außen herein, ich forme von außen; von innen wirken mir die Kräfte entgegen. Ich darf nur soweit drücken, schwächer oder stärker drücken, um die von innen wirkenden Kräfte zurückzudrängen, als ich nach Anleitung der kosmischen Kräfte, wie das Haupt werden muß, es kann.
[ 29 ] Indem ich aber zum übrigen menschlichen Leibe komme, komme ich nicht vorwärts, wenn ich von außen herein forme und bilde. Da muß ich das Gefühl haben, ich sei im Innern. Schon wenn ich zur Brustbildung komme, muß ich mich ins Innere des Menschen versetzen, und von innen heraus plastisch bilden. Das ist sehr interessant.
[ 29 ] Indem ich aber zum übrigen menschlichen Leibe komme, komme ich nicht vorwärts, wenn ich von außen herein forme und bilde. Da muß ich das Gefühl haben, ich sei im Innern. Schon wenn ich zur Brustbildung komme, muß ich mich ins Innere des Menschen versetzen, und von innen heraus plastisch bilden. Das ist sehr interessant.
[ 30 ] Man kommt durch die innere Notwendigkeit des künstlerischen Schaffens dazu, indem man am Haupte bildet, von außen herein zu gestalten, an der äußersten Umrahmung sich zu denken, und nach dem Inneren zu schaffen; indem man die Brust schafft, muß man ins Innere sich versetzen, und ins Äußere die Form drängen; nach unten hat man das Gefühl, da muß nur angedeutet werden, da geht es ins Unbestimmte über.
[ 30 ] Man kommt durch die innere Notwendigkeit des künstlerischen Schaffens dazu, indem man am Haupte bildet, von außen herein zu gestalten, an der äußersten Umrahmung sich zu denken, und nach dem Inneren zu schaffen; indem man die Brust schafft, muß man ins Innere sich versetzen, und ins Äußere die Form drängen; nach unten hat man das Gefühl, da muß nur angedeutet werden, da geht es ins Unbestimmte über.
[ 31 ] Künstlerisches Schaffen der Gegenwart möchte sehr häufig so etwas, wie ich es jetzt ausgeführt habe, als unkünstlerisches Spintisieren ansehen. Aber es kommt nur darauf an, daß man in seiner Seele das, was ich jetzt angedeutet habe, künstlerisch durchleben kann, daß man tatsächlich als Künstler im ganzen schaffenden Weltenall drinnenzustehen vermag. Dann wird man überall darauf hingewiesen, wenn man an die bildende Kunst herankommt, nicht nachzuahmen die physische menschliche Gestalt. Denn sie ist ja selber nur eine Nachahmung des Bildekräfteleibes. Dann wird man eben die Notwendigkeit empfinden, die vor allem die Griechen empfanden. Nie hätten sie ihre Nasen- und Stirnbildungen durch bloße Imitation hervorgebracht, sondern indem bei ihnen instinktiv solche Dinge zu Grunde lagen, wie ich sie jetzt geschildert habe. Man wird eben nur dann zu wirklich elementarer Kunstempfindung wiederum kommen können, wenn man sich in dieser Weise in die schöpferischen Kräfte der Natur hereinzustellen vermag mit seinem ganzen inneren Seelenempfinden, mit seinem inneren Total-Erkennen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Dann aber geht man eigentlich nicht auf den äußeren physischen Leib, der selber nur eine Nachahmung des Ätherleibes ist, sondern man geht auf diesen Ätherleib selber. Dann formt man diesen Ätherleib und füllt ihn gewissermaßen nur mit der Materie, mit dem Stoffe aus.
[ 31 ] Künstlerisches Schaffen der Gegenwart möchte sehr häufig so etwas, wie ich es jetzt ausgeführt habe, als unkünstlerisches Spintisieren ansehen. Aber es kommt nur darauf an, daß man in seiner Seele das, was ich jetzt angedeutet habe, künstlerisch durchleben kann, daß man tatsächlich als Künstler im ganzen schaffenden Weltenall drinnenzustehen vermag. Dann wird man überall darauf hingewiesen, wenn man an die bildende Kunst herankommt, nicht nachzuahmen die physische menschliche Gestalt. Denn sie ist ja selber nur eine Nachahmung des Bildekräfteleibes. Dann wird man eben die Notwendigkeit empfinden, die vor allem die Griechen empfanden. Nie hätten sie ihre Nasen- und Stirnbildungen durch bloße Imitation hervorgebracht, sondern indem bei ihnen instinktiv solche Dinge zu Grunde lagen, wie ich sie jetzt geschildert habe. Man wird eben nur dann zu wirklich elementarer Kunstempfindung wiederum kommen können, wenn man sich in dieser Weise in die schöpferischen Kräfte der Natur hereinzustellen vermag mit seinem ganzen inneren Seelenempfinden, mit seinem inneren Total-Erkennen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Dann aber geht man eigentlich nicht auf den äußeren physischen Leib, der selber nur eine Nachahmung des Ätherleibes ist, sondern man geht auf diesen Ätherleib selber. Dann formt man diesen Ätherleib und füllt ihn gewissermaßen nur mit der Materie, mit dem Stoffe aus.
[ 32 ] Das, was ich eben geschildert habe, ist zu gleicher Zeit aber der Weg aus der theoretischen Weltbetrachtung heraus, um hereinzudringen in das lebendige Schauen desjenigen, was sich nicht mehr theoretisch betrachten läßt. Man kann nicht in derselben Weise den bildhauerischen Raum konstruieren durch analytische Geometrie, wie man den euklidischen Raum konstruieren kann, aber man kann durch Imagination diesen Raum, der überall konfiguriert ist, der überall in der Lage ist, Gestalten aus sich heraus zu schaffen, erschauen, und aus dem Schauen dieses Raumes heraus nun wirklich auch in bildender Kunst gestalten, sei es architektonisch, sei es bildhauerisch.
[ 32 ] Das, was ich eben geschildert habe, ist zu gleicher Zeit aber der Weg aus der theoretischen Weltbetrachtung heraus, um hereinzudringen in das lebendige Schauen desjenigen, was sich nicht mehr theoretisch betrachten läßt. Man kann nicht in derselben Weise den bildhauerischen Raum konstruieren durch analytische Geometrie, wie man den euklidischen Raum konstruieren kann, aber man kann durch Imagination diesen Raum, der überall konfiguriert ist, der überall in der Lage ist, Gestalten aus sich heraus zu schaffen, erschauen, und aus dem Schauen dieses Raumes heraus nun wirklich auch in bildender Kunst gestalten, sei es architektonisch, sei es bildhauerisch.
[ 33 ] Ich möchte hier eine Bemerkung einfügen, die mir wichtig erscheint, damit das, was leicht mißverstanden werden könnte, doch weniger mißverstanden wird. Wenn jemand eine Magnetnadel hier hat, und das eine Ende nach dem magnetischen Norden, das andere Ende nach Süden zeigt, so wird es ihm, wenn er heute nicht ganz dilettantisch reden will, nicht einfallen, aus inneren Kräften der Magnetnadel, bloß durch die Betrachtung desjenigen, was da von dem Stahl umschlossen wird, die Richtung der Magnetnadel zu erklären. Das wäre ein Unsinn. Er nimmt zur Erklärung der Richtung der Magnetnadel die ganze Erde hinzu. Er geht aus der Magnetnadel heraus. Die Embryologie macht heute diesen Dilettantismus, den ich eben moniert habe. Sie sieht nur auf den Menschenkeim hin, wie er sich im Leibe der Mutter entwickelt. Da sollen alle Kräfte drinnen sein, die diesen Menschenkeim formen. In Wirklichkeit wirkt durch den Leib der Mutter hindurch der ganze Kosmos auf die Konfiguration des menschlichen Embryos. Da sind die plastischen Kräfte im ganzen Kosmos das, was bei der Ausrichtung der Magnetnadel die Kräfte der Erde sind. Wie ich bei der Betrachtung der Magnetnadel aus dieser herausgehen muß, so muß ich aus dem mütterlichen Leibe herausgehen bei der Betrachtung des Embryos und muß den ganzen Kosmos zu Hilfe nehmen. Und in diesen ganzen Kosmos muß ich mich hineinversenken, wenn ich dasjenige begreifen will, was mir die Hand führt, was mir den Arm führt, wenn ich bildhauerisch die menschliche Gestalt formen will.
[ 33 ] Ich möchte hier eine Bemerkung einfügen, die mir wichtig erscheint, damit das, was leicht mißverstanden werden könnte, doch weniger mißverstanden wird. Wenn jemand eine Magnetnadel hier hat, und das eine Ende nach dem magnetischen Norden, das andere Ende nach Süden zeigt, so wird es ihm, wenn er heute nicht ganz dilettantisch reden will, nicht einfallen, aus inneren Kräften der Magnetnadel, bloß durch die Betrachtung desjenigen, was da von dem Stahl umschlossen wird, die Richtung der Magnetnadel zu erklären. Das wäre ein Unsinn. Er nimmt zur Erklärung der Richtung der Magnetnadel die ganze Erde hinzu. Er geht aus der Magnetnadel heraus. Die Embryologie macht heute diesen Dilettantismus, den ich eben moniert habe. Sie sieht nur auf den Menschenkeim hin, wie er sich im Leibe der Mutter entwickelt. Da sollen alle Kräfte drinnen sein, die diesen Menschenkeim formen. In Wirklichkeit wirkt durch den Leib der Mutter hindurch der ganze Kosmos auf die Konfiguration des menschlichen Embryos. Da sind die plastischen Kräfte im ganzen Kosmos das, was bei der Ausrichtung der Magnetnadel die Kräfte der Erde sind. Wie ich bei der Betrachtung der Magnetnadel aus dieser herausgehen muß, so muß ich aus dem mütterlichen Leibe herausgehen bei der Betrachtung des Embryos und muß den ganzen Kosmos zu Hilfe nehmen. Und in diesen ganzen Kosmos muß ich mich hineinversenken, wenn ich dasjenige begreifen will, was mir die Hand führt, was mir den Arm führt, wenn ich bildhauerisch die menschliche Gestalt formen will.
[ 34 ] Sie sehen, anthroposophische Weltanschauung führt in gerader Entwickelungsströmung aus der bloß theoretischen Betrachtung in die künstlerische Betrachtung hinein. Denn die Betrachtung des Ätherleibes ist nicht auf rein theoretische Weise möglich. Man muß allerdings den Wissenschaftsgeist in dem Sinne in sich haben, wie ich es gestern charakterisiert habe; man muß aber hereinrücken in die Betrachtung des Bildekräfteleibes, indem man das, was im bloßen Gedanken webt, in Imaginationen umgestaltet; indem man jetzt nicht bloß durch Gedanken oder durch Naturgesetze, die in Gedanken formuliert werden, die Außenwelt faßt, sondern indem man sie in Imaginationen faßt. Das aber kann auch wiederum in Imaginationen zum Ausdruck gebracht werden. Das geht, wenn der Mensch produktiv wird, in künstlerisches Schaffen über.
[ 34 ] Sie sehen, anthroposophische Weltanschauung führt in gerader Entwickelungsströmung aus der bloß theoretischen Betrachtung in die künstlerische Betrachtung hinein. Denn die Betrachtung des Ätherleibes ist nicht auf rein theoretische Weise möglich. Man muß allerdings den Wissenschaftsgeist in dem Sinne in sich haben, wie ich es gestern charakterisiert habe; man muß aber hereinrücken in die Betrachtung des Bildekräfteleibes, indem man das, was im bloßen Gedanken webt, in Imaginationen umgestaltet; indem man jetzt nicht bloß durch Gedanken oder durch Naturgesetze, die in Gedanken formuliert werden, die Außenwelt faßt, sondern indem man sie in Imaginationen faßt. Das aber kann auch wiederum in Imaginationen zum Ausdruck gebracht werden. Das geht, wenn der Mensch produktiv wird, in künstlerisches Schaffen über.
[ 35 ] Es ist nun eine eigentümliche Sache, wenn wir einmal mit dem Bewußtsein, daß ein solcher Bildekräfteleib vorhanden ist, den Blick schweifen lassen über die Reiche der Natur: Das Mineralreich hat keinen Bildekräfteleib, das Pflanzenreich hat ihn zuerst, die Tiere haben einen Bildekräfteleib, der Mensch hat seinen Bildekräfteleib. Aber gar sehr unterscheidet sich der pflanzliche Bildekräfteleib vom tierischen oder gar vom menschlichen. Es liegt die eigentümliche Tatsache vor: Denken Sie sich ausgerüstet mit bildhauerisch-künstlerischen Empfindungskräften, und Sie sollen mit ihnen Pflanzenformen plastisch gestalten — es widerstrebt einem. Ich habe es neulich versucht, wenigstens im Relief. Aber man kann nicht die Pflanzen gestalten, sondern man kann nur die Bewegung der Pflanzen irgendwie spurhaft nachahmen. Man kann nicht Pflanzen plastisch gestalten. Denken Sie sich einmal eine Rose oder irgendeine Pflanze, die einen langen Stengel hat, plastisch gestaltet — es ist unmöglich. Warum? Weil man, indem man an die Plastik der Pflanze denkt, instinktiv denkt an den Bildekräfteleib. Der ist drinnen in der Pflanze, wie der physische Leib, aber unmittelbar ausgebildet. Die Pflanze ist von Natur als plastisches Kunstwerk hingestellt, man kann sie nicht ändern. Jede Bildung der Pflanze wäre eine Stümperei gegen das, was die Natur selbst im physischen Leib und Bildekräfteleib bei der Pflanze hervorbringt. Die Pflanze muß man einfach stehen lassen, wie sie ist, oder mit bildhauerischem Geist sie betrachten, wie Goethe sie in seiner Morphologie der Pflanzen betrachtete.
[ 35 ] Es ist nun eine eigentümliche Sache, wenn wir einmal mit dem Bewußtsein, daß ein solcher Bildekräfteleib vorhanden ist, den Blick schweifen lassen über die Reiche der Natur: Das Mineralreich hat keinen Bildekräfteleib, das Pflanzenreich hat ihn zuerst, die Tiere haben einen Bildekräfteleib, der Mensch hat seinen Bildekräfteleib. Aber gar sehr unterscheidet sich der pflanzliche Bildekräfteleib vom tierischen oder gar vom menschlichen. Es liegt die eigentümliche Tatsache vor: Denken Sie sich ausgerüstet mit bildhauerisch-künstlerischen Empfindungskräften, und Sie sollen mit ihnen Pflanzenformen plastisch gestalten — es widerstrebt einem. Ich habe es neulich versucht, wenigstens im Relief. Aber man kann nicht die Pflanzen gestalten, sondern man kann nur die Bewegung der Pflanzen irgendwie spurhaft nachahmen. Man kann nicht Pflanzen plastisch gestalten. Denken Sie sich einmal eine Rose oder irgendeine Pflanze, die einen langen Stengel hat, plastisch gestaltet — es ist unmöglich. Warum? Weil man, indem man an die Plastik der Pflanze denkt, instinktiv denkt an den Bildekräfteleib. Der ist drinnen in der Pflanze, wie der physische Leib, aber unmittelbar ausgebildet. Die Pflanze ist von Natur als plastisches Kunstwerk hingestellt, man kann sie nicht ändern. Jede Bildung der Pflanze wäre eine Stümperei gegen das, was die Natur selbst im physischen Leib und Bildekräfteleib bei der Pflanze hervorbringt. Die Pflanze muß man einfach stehen lassen, wie sie ist, oder mit bildhauerischem Geist sie betrachten, wie Goethe sie in seiner Morphologie der Pflanzen betrachtete.
[ 36 ] Das Tier kann man schon plastisch gestalten. Zwar ist das künstlerische Schaffen in der Tierplastik etwas anderes als dem Menschen gegenüber. Man braucht bloß ein Verständnis zu haben dafür, wie das Tier im Grunde genommen entweder ist ein Geschöpf des Atmungsprozesses. Das ist der Fall, wenn man, sagen wir, die Raubtiere bildet. Da muß man sie auffassen mehr als Geschöpfe des Atmungsprozesses. Man muß das Wesen ansehen als Atmungswesen und gewissermaßen alles andere darumherum schaffen. Will man aber künstlerisch ein Kamel oder eine Kuh gestalten, dann muß man ausgehen vom Verdauungsprozeß, und dem das ganze Tier anpassen. Kurz, man muß innerlich schauen mit künstlerischem Blick, was die Hauptsache ist. Dann findet man schon, wenn man das, was ich jetzt allgemeiner angebe, weiter differenziert, die Möglichkeit, alle verschiedenen Tiergestalten plastisch zu bilden. Warum? Nun, die Pflanze hat den Ätherleib. Er wird ihr aus dem Kosmos anerschaffen. Er ist fertig. Ich kann ihn nicht umgestalten. Die Pflanze ist das plastische Kunstwerk, das in der Natur dasteht. Es widerspricht dem ganzen Sinn der Tatsachenwelt, wenn ich aus Marmor oder Holz heraus Pflanzen gestalte. Aus Holz geht es noch eher, weil das der Pflanzennatur näher ist, aber es ist auch schon unkünstlerisch. Das Tier aber stellt seine eigene Natur entgegen demjenigen, was von außen aus dem Kosmos heraus gestaltet wird. Beim Tier ist der Ätherleib nicht mehr bloß aus dem Kosmos gestaltet, sondern er ist mit aus dem Inneren gestaltet.
[ 36 ] Das Tier kann man schon plastisch gestalten. Zwar ist das künstlerische Schaffen in der Tierplastik etwas anderes als dem Menschen gegenüber. Man braucht bloß ein Verständnis zu haben dafür, wie das Tier im Grunde genommen entweder ist ein Geschöpf des Atmungsprozesses. Das ist der Fall, wenn man, sagen wir, die Raubtiere bildet. Da muß man sie auffassen mehr als Geschöpfe des Atmungsprozesses. Man muß das Wesen ansehen als Atmungswesen und gewissermaßen alles andere darumherum schaffen. Will man aber künstlerisch ein Kamel oder eine Kuh gestalten, dann muß man ausgehen vom Verdauungsprozeß, und dem das ganze Tier anpassen. Kurz, man muß innerlich schauen mit künstlerischem Blick, was die Hauptsache ist. Dann findet man schon, wenn man das, was ich jetzt allgemeiner angebe, weiter differenziert, die Möglichkeit, alle verschiedenen Tiergestalten plastisch zu bilden. Warum? Nun, die Pflanze hat den Ätherleib. Er wird ihr aus dem Kosmos anerschaffen. Er ist fertig. Ich kann ihn nicht umgestalten. Die Pflanze ist das plastische Kunstwerk, das in der Natur dasteht. Es widerspricht dem ganzen Sinn der Tatsachenwelt, wenn ich aus Marmor oder Holz heraus Pflanzen gestalte. Aus Holz geht es noch eher, weil das der Pflanzennatur näher ist, aber es ist auch schon unkünstlerisch. Das Tier aber stellt seine eigene Natur entgegen demjenigen, was von außen aus dem Kosmos heraus gestaltet wird. Beim Tier ist der Ätherleib nicht mehr bloß aus dem Kosmos gestaltet, sondern er ist mit aus dem Inneren gestaltet.
[ 37 ] Und beim Menschen — nun, ich habe ja gerade gesagt, wie dieser Ätherleib nur für die Schädeldecke aus dem Kosmos gestaltet ist. Ich habe gesagt, wie entgegenwirkt der Atmungsorganismus, verfeinert, durch Augen und Nase, wie entgegenwirkt der ganze Stoffwechselorganismus durch die Mundbildung. Da wirkt dasjenige, was aus dem Menschen kommt, das Menschliche, dem Kosmischen entgegen. Und die menschliche Begrenzung ist das Ergebnis dieser beiden Wirkungen, der menschlichen und der kosmischen. Da ist der Ätherleib so gestaltet, daß er aus dem Inneren entspringt. Indem wir uns künstlerisch in das Innere vertiefen, können wir frei gestalten. So wie das Tier aus seiner Wesenheit heraus für sich selber seinen Ätherleib gestaltet, wie der mutige oder feige, der leidende oder der jauchzende Mensch seinen Ätherleib nach dem Seelischen abstimmt, so können wir dem nachforschen, können uns hineinversetzen und diesen Ätherleib nachbilden. Dabei werden wir, wenn wir das charakterisierte, richtig bildhauerische Verständnis haben, in der verschiedensten Weise die menschliche Gestalt bilden können.
[ 37 ] Und beim Menschen — nun, ich habe ja gerade gesagt, wie dieser Ätherleib nur für die Schädeldecke aus dem Kosmos gestaltet ist. Ich habe gesagt, wie entgegenwirkt der Atmungsorganismus, verfeinert, durch Augen und Nase, wie entgegenwirkt der ganze Stoffwechselorganismus durch die Mundbildung. Da wirkt dasjenige, was aus dem Menschen kommt, das Menschliche, dem Kosmischen entgegen. Und die menschliche Begrenzung ist das Ergebnis dieser beiden Wirkungen, der menschlichen und der kosmischen. Da ist der Ätherleib so gestaltet, daß er aus dem Inneren entspringt. Indem wir uns künstlerisch in das Innere vertiefen, können wir frei gestalten. So wie das Tier aus seiner Wesenheit heraus für sich selber seinen Ätherleib gestaltet, wie der mutige oder feige, der leidende oder der jauchzende Mensch seinen Ätherleib nach dem Seelischen abstimmt, so können wir dem nachforschen, können uns hineinversetzen und diesen Ätherleib nachbilden. Dabei werden wir, wenn wir das charakterisierte, richtig bildhauerische Verständnis haben, in der verschiedensten Weise die menschliche Gestalt bilden können.
[ 38 ] So zeigt sich uns, daß, indem wir in die Betrachtung des Ätherleibes, des imaginativen Leibes einrücken, wir die gewöhnliche wissenschaftliche Betrachtung zwar durchaus wissenschaftlich sein lassen können, daß wir aber einmünden in dasjenige, was dann von selbst künstlerisch wird. Man wird einwenden: Ja, Kunst ist nicht Wissenschaft. — Aber ich habe schon vorgestern gesagt: Wenn die Natur, die Welt, der Kosmos selbst künstlerisch sind, wenn sie uns entgegenstellen dasjenige, was nur künstlerisch begriffen werden kann, dann können wir lange deklamieren, es sei unlogisch, künstlerisch zu werden, wenn man die Dinge verstehen will. Die Dinge ergeben sich eben einer solchen Erkenntnis nicht, die nicht ins Künstlerische einmündet. Auf eine andere Weise kann die Welt nicht begriffen werden als auf die Art und Weise, die nicht sich beschränkt auf das bloß durch Gedanken zu Erfassende, sondern die auf das universelle Erfassen der Welt geht, die den ganz organischen, den natürlichen Übergang findet von der Betrachtung in das künstlerische Anschauen und auch in das künstlerische Gestalten, so daß aus dem künstlerischen Gestalten dann derselbe Geist spricht, der aus den Worten spricht, mit denen man mehr theoretisch-ideell dasjenige, was man erschaut in der Welt, zum Ausdruck bringt. Aus demselben Geiste heraus ist dann die Kunst, wie die Wissenschaft ist. Wir haben in Kunst und Wissenschaft nur zwei Seiten ein und derselben Offenbarung. Man kann sagen, auf der einen Seite schauen wir so die Dinge an, daß wir das Angeschaute durch Gedanken aussprechen; auf der anderen Seite schauen wir sie so an, daß wir das Angeschaute in künstlerischen Formen zum Ausdruck bringen.
[ 38 ] So zeigt sich uns, daß, indem wir in die Betrachtung des Ätherleibes, des imaginativen Leibes einrücken, wir die gewöhnliche wissenschaftliche Betrachtung zwar durchaus wissenschaftlich sein lassen können, daß wir aber einmünden in dasjenige, was dann von selbst künstlerisch wird. Man wird einwenden: Ja, Kunst ist nicht Wissenschaft. — Aber ich habe schon vorgestern gesagt: Wenn die Natur, die Welt, der Kosmos selbst künstlerisch sind, wenn sie uns entgegenstellen dasjenige, was nur künstlerisch begriffen werden kann, dann können wir lange deklamieren, es sei unlogisch, künstlerisch zu werden, wenn man die Dinge verstehen will. Die Dinge ergeben sich eben einer solchen Erkenntnis nicht, die nicht ins Künstlerische einmündet. Auf eine andere Weise kann die Welt nicht begriffen werden als auf die Art und Weise, die nicht sich beschränkt auf das bloß durch Gedanken zu Erfassende, sondern die auf das universelle Erfassen der Welt geht, die den ganz organischen, den natürlichen Übergang findet von der Betrachtung in das künstlerische Anschauen und auch in das künstlerische Gestalten, so daß aus dem künstlerischen Gestalten dann derselbe Geist spricht, der aus den Worten spricht, mit denen man mehr theoretisch-ideell dasjenige, was man erschaut in der Welt, zum Ausdruck bringt. Aus demselben Geiste heraus ist dann die Kunst, wie die Wissenschaft ist. Wir haben in Kunst und Wissenschaft nur zwei Seiten ein und derselben Offenbarung. Man kann sagen, auf der einen Seite schauen wir so die Dinge an, daß wir das Angeschaute durch Gedanken aussprechen; auf der anderen Seite schauen wir sie so an, daß wir das Angeschaute in künstlerischen Formen zum Ausdruck bringen.
[ 39 ] Aus dieser inneren Geistesgesinnung heraus ist dasjenige entsprungen, was zum Beispiel im Dornacher Bau sowohl in der Architektur wie bildhauerisch und auch in der Malerei zum Ausdruck gekommen ist. Ich könnte auch vieles über die Malerei sagen, denn auch sie gehört in gewissem Sinne zur bildenden Kunst. Aber da rückt man auf zum mehr Seelischen des Menschen, was nicht bloß im Ätherleibe, sondern von der Seele heraus den Ätherleib färbend, unmittelbar Seelenausdruck wird. Auch dabei würde sich zeigen, wie gerade die anthroposophische Welterfassung dazu führt, zum ElementarKünstlerischen, zum Künstlerisch-Schöpferischen wiederum aufzusteigen, während wir heute sowohl im Religiösen wie im Künstlerischen, ohne daß es die Betrachter, und meistens auch ohne daß es die Künstler wissen, eigentlich nur aus dem Traditionellen leben, aus den alten Stilformen, den alten Motiven heraus. Wir glauben heute produktiv zu sein, sind es aber nicht. Wir müssen wiederum den Weg finden, um uns hineinzuversetzen in die schaffende Natur, damit dasjenige, was wir schaffen, wirklich auch künstlerisch ursprüngliche, elementarische Schöpfung sei.
[ 39 ] Aus dieser inneren Geistesgesinnung heraus ist dasjenige entsprungen, was zum Beispiel im Dornacher Bau sowohl in der Architektur wie bildhauerisch und auch in der Malerei zum Ausdruck gekommen ist. Ich könnte auch vieles über die Malerei sagen, denn auch sie gehört in gewissem Sinne zur bildenden Kunst. Aber da rückt man auf zum mehr Seelischen des Menschen, was nicht bloß im Ätherleibe, sondern von der Seele heraus den Ätherleib färbend, unmittelbar Seelenausdruck wird. Auch dabei würde sich zeigen, wie gerade die anthroposophische Welterfassung dazu führt, zum ElementarKünstlerischen, zum Künstlerisch-Schöpferischen wiederum aufzusteigen, während wir heute sowohl im Religiösen wie im Künstlerischen, ohne daß es die Betrachter, und meistens auch ohne daß es die Künstler wissen, eigentlich nur aus dem Traditionellen leben, aus den alten Stilformen, den alten Motiven heraus. Wir glauben heute produktiv zu sein, sind es aber nicht. Wir müssen wiederum den Weg finden, um uns hineinzuversetzen in die schaffende Natur, damit dasjenige, was wir schaffen, wirklich auch künstlerisch ursprüngliche, elementarische Schöpfung sei.
[ 40 ] Und solch eine Gesinnung hat ja von selbst dazu geführt, daß der Kunstzweig der Eurythmie auf dem Boden der Anthroposophie erwachsen ist. Dasjenige, was in der menschlichen Lautsprache und im menschlichen Gesang durch eine ganz bestimmte Organgruppe als eine Offenbarung der menschlichen Wesenheit sich ergibt, das kann verbreitert werden auf den ganzen Menschen, wenn man diesen nur auch wirklich versteht. In dieser Beziehung sprechen aus alten, instinktiven, hellsichtigen Einsichten heraus alle religiösen Urkunden. Und es hat schon eine Bedeutung, wenn in der Bibel gesagt wird, daß Jahve einhauchte dem Menschen den lebendigen Odem, und damit angedeutet wird, daß der Mensch in gewisser Beziehung ein Atmungswesen ist. Ich habe gestern angedeutet, wie überhaupt in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung die Anschauung geherrscht hat, daß der Mensch ein Atmer, ein Atmungswesen ist. Dasjenige, was der Mensch als Atmungswesen wird in der konfigurierten Atmung, in der Sprache und im Gesang, das kann wiederum dem ganzen Menschen und seiner Gestalt zurückgegeben werden. Wie seine Stimmbänder, seine Zunge, sein Gaumen sich bewegen und andere Organe, indem gesprochen und gesungen wird, das kann, weil jedes einzelne Organ und Organsystem in einem gewissen Sinne ein Ausdruck des ganzen Wesens ist, auf das ganze Wesen übertragen werden. Dann kann so etwas entstehen wie die Eurythmie. Wir brauchen uns dabei nur zu erinnern an den inneren Charakter der Goetheschen Metamorphosenlehre, die noch nicht genug gewürdigt wird. Goethe sieht mit Recht im einzelnen Blatt die ganze Pflanze. Die ganze Pflanze ist auf primitivere Weise im Blatt enthalten, und wiederum ist die ganze Pflanze nur ein komplizierteres Blatt. In jedem einzelnen Organ sieht er ein ummetamorphosiertes, ganzes organisches Wesen, und das ganze organische Wesen ist eine Metamorphose der einzelnen Glieder. Der ganze Mensch ist eine kompliziertere Metamorphose eines einzelnen Organsystems, des Kehlkopfsystems. Versteht man, wie der ganze Mensch eine Metamorphose des Kehlkopfsystems ist, dann ist man in der Lage, mit ebensolcher Gültigkeit, ebensolcher inneren Naturnotwendigkeit aus dem ganzen Menschen heraus eine sichtbare Sprache, einen sichtbaren Gesang durch die Bewegung seiner Glieder, durch bewegte Menschengruppen, entstehen zu lassen, wie Gesang und Sprache durch ein Organsystem entsteht. Man ist da drinnen in den schaffenden Naturkräften. Man versenkt sich in die Art und Weise, wie die Kräfte der menschlichen Wesenheit wirken im Sprechen, im Singen. Und wenn man diese Kräfte hat, kann man sie übertragen auf die Bewegungsformen des ganzen Menschen, wie man die Kräfte des Kosmos auf die ruhende Gestalt des Menschen in der Plastik überträgt. Und wie man das, was im Innern des Menschen lebt, aus der Seele heraus in Dichtung oder im Lied oder in etwas anderem Künstlerischem, das sich durch die Sprache oder den Gesang oder durch die Rezitation zum Ausdruck bringen läßt, zum Ausdruck bringt, so kann auch durch den ganzen Menschen in sichtbarer Sprache und in sichtbarem Gesang das zum Ausdruck gebracht werden.
[ 40 ] Und solch eine Gesinnung hat ja von selbst dazu geführt, daß der Kunstzweig der Eurythmie auf dem Boden der Anthroposophie erwachsen ist. Dasjenige, was in der menschlichen Lautsprache und im menschlichen Gesang durch eine ganz bestimmte Organgruppe als eine Offenbarung der menschlichen Wesenheit sich ergibt, das kann verbreitert werden auf den ganzen Menschen, wenn man diesen nur auch wirklich versteht. In dieser Beziehung sprechen aus alten, instinktiven, hellsichtigen Einsichten heraus alle religiösen Urkunden. Und es hat schon eine Bedeutung, wenn in der Bibel gesagt wird, daß Jahve einhauchte dem Menschen den lebendigen Odem, und damit angedeutet wird, daß der Mensch in gewisser Beziehung ein Atmungswesen ist. Ich habe gestern angedeutet, wie überhaupt in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung die Anschauung geherrscht hat, daß der Mensch ein Atmer, ein Atmungswesen ist. Dasjenige, was der Mensch als Atmungswesen wird in der konfigurierten Atmung, in der Sprache und im Gesang, das kann wiederum dem ganzen Menschen und seiner Gestalt zurückgegeben werden. Wie seine Stimmbänder, seine Zunge, sein Gaumen sich bewegen und andere Organe, indem gesprochen und gesungen wird, das kann, weil jedes einzelne Organ und Organsystem in einem gewissen Sinne ein Ausdruck des ganzen Wesens ist, auf das ganze Wesen übertragen werden. Dann kann so etwas entstehen wie die Eurythmie. Wir brauchen uns dabei nur zu erinnern an den inneren Charakter der Goetheschen Metamorphosenlehre, die noch nicht genug gewürdigt wird. Goethe sieht mit Recht im einzelnen Blatt die ganze Pflanze. Die ganze Pflanze ist auf primitivere Weise im Blatt enthalten, und wiederum ist die ganze Pflanze nur ein komplizierteres Blatt. In jedem einzelnen Organ sieht er ein ummetamorphosiertes, ganzes organisches Wesen, und das ganze organische Wesen ist eine Metamorphose der einzelnen Glieder. Der ganze Mensch ist eine kompliziertere Metamorphose eines einzelnen Organsystems, des Kehlkopfsystems. Versteht man, wie der ganze Mensch eine Metamorphose des Kehlkopfsystems ist, dann ist man in der Lage, mit ebensolcher Gültigkeit, ebensolcher inneren Naturnotwendigkeit aus dem ganzen Menschen heraus eine sichtbare Sprache, einen sichtbaren Gesang durch die Bewegung seiner Glieder, durch bewegte Menschengruppen, entstehen zu lassen, wie Gesang und Sprache durch ein Organsystem entsteht. Man ist da drinnen in den schaffenden Naturkräften. Man versenkt sich in die Art und Weise, wie die Kräfte der menschlichen Wesenheit wirken im Sprechen, im Singen. Und wenn man diese Kräfte hat, kann man sie übertragen auf die Bewegungsformen des ganzen Menschen, wie man die Kräfte des Kosmos auf die ruhende Gestalt des Menschen in der Plastik überträgt. Und wie man das, was im Innern des Menschen lebt, aus der Seele heraus in Dichtung oder im Lied oder in etwas anderem Künstlerischem, das sich durch die Sprache oder den Gesang oder durch die Rezitation zum Ausdruck bringen läßt, zum Ausdruck bringt, so kann auch durch den ganzen Menschen in sichtbarer Sprache und in sichtbarem Gesang das zum Ausdruck gebracht werden.
[ 41 ] Ich möchte sagen: Indem wir den Menschen plastisch bilden, indem wir bildhauerisch die menschliche Gestalt schaffen, aus dem ganzen Makrokosmos heraus den Mikrokosmos schaffen, schaffen wir den einen Pol. Indem wir uns nun ganz in das Innere des Menschen vertiefen, die innere Regsamkeit verfolgen, indem wir uns vertiefen in sein Denken, Fühlen und Wollen, in alles dasjenige, was durch Sprechen und Gesang eben zum Ausdruck kommen kann, können wir die bewegte Plastik schaffen. Man kann sagen: Das ganze weite Weltenall ist wie in einer wunderbaren Synthese zusammengefügt dann, wenn wir ein plastisches Kunstwerk schaffen; das, was im tiefsten Inneren des Menschen wie in einem Seelenpunkte konzentriert ist, strebt überall in die Weltenweiten hinaus in den Bewegungsformen, die der Mensch aus sich heraus eurythmisch schafft. Es antwortet der andere Pol vom Menschen aus in der eurythmischen Kunst, in der bewegten Plastik. — Wir sehen die Weltenweiten sich hinzukehren zur Erde, zusammenströmen in der ruhenden menschlichen Gestalt, und wir haben die plastische, bildhauerische Kunst; wir vertiefen uns dann ins menschliche Innere, schauen, uns geistig versenkend, ins menschliche Innere, auf das, was vom Menschen wiederum jenen Weltenkräften, die von allen Seiten auf ihn einströmen und seine Gestalt bilden, entgegenkommen will, was gewissermaßen nun zu allen Punkten der Peripherie des Weltenalls vom Menschen herausströmt, und wir bilden in diesem Sinne die Eurythmie.
[ 41 ] Ich möchte sagen: Indem wir den Menschen plastisch bilden, indem wir bildhauerisch die menschliche Gestalt schaffen, aus dem ganzen Makrokosmos heraus den Mikrokosmos schaffen, schaffen wir den einen Pol. Indem wir uns nun ganz in das Innere des Menschen vertiefen, die innere Regsamkeit verfolgen, indem wir uns vertiefen in sein Denken, Fühlen und Wollen, in alles dasjenige, was durch Sprechen und Gesang eben zum Ausdruck kommen kann, können wir die bewegte Plastik schaffen. Man kann sagen: Das ganze weite Weltenall ist wie in einer wunderbaren Synthese zusammengefügt dann, wenn wir ein plastisches Kunstwerk schaffen; das, was im tiefsten Inneren des Menschen wie in einem Seelenpunkte konzentriert ist, strebt überall in die Weltenweiten hinaus in den Bewegungsformen, die der Mensch aus sich heraus eurythmisch schafft. Es antwortet der andere Pol vom Menschen aus in der eurythmischen Kunst, in der bewegten Plastik. — Wir sehen die Weltenweiten sich hinzukehren zur Erde, zusammenströmen in der ruhenden menschlichen Gestalt, und wir haben die plastische, bildhauerische Kunst; wir vertiefen uns dann ins menschliche Innere, schauen, uns geistig versenkend, ins menschliche Innere, auf das, was vom Menschen wiederum jenen Weltenkräften, die von allen Seiten auf ihn einströmen und seine Gestalt bilden, entgegenkommen will, was gewissermaßen nun zu allen Punkten der Peripherie des Weltenalls vom Menschen herausströmt, und wir bilden in diesem Sinne die Eurythmie.
[ 42 ] Ich möchte sagen, das Weltenall stellt uns eine große Aufgabe, und die Lösung dieser Aufgabe ist die schöne menschliche Gestalt; das Innere des Menschen stellt uns auch eine große Aufgabe. Unendliche Tiefen schöpfen wir aus, wenn wir uns mit liebevoll innigem Blick der Seele in das menschliche Innere vertiefen. Dieses menschliche Innere will aber ebenso in alle Weiten hinaus, will in den Schwüngen, den schwingenden Bewegungen, dem Schwingen zum Ausdruck bringen äußerlich im Rhythmus dasjenige, was seelenhaft in einen Punkt zusammengedrängt ist, wie die Plastik in der menschlichen Gestalt, die für den Kosmos ein Punkt ist, zusammengedrängt haben will alle Geheimnisse des Kosmos. Die menschliche Gestalt in der Plastik ist die Antwort auf die große Frage, die uns das Weltenall aufgibt. Und wenn des Menschen Bewegungskunst kosmisch wird, wenn er etwas kosmosartiges in seinen eigenen Bewegungen schafft, wie es bei der Eurythmie der Fall ist, dann wird aus dem Menschen heraus eine Art Weltenall, wenigstens zunächst bildhaft, geboren.
[ 42 ] Ich möchte sagen, das Weltenall stellt uns eine große Aufgabe, und die Lösung dieser Aufgabe ist die schöne menschliche Gestalt; das Innere des Menschen stellt uns auch eine große Aufgabe. Unendliche Tiefen schöpfen wir aus, wenn wir uns mit liebevoll innigem Blick der Seele in das menschliche Innere vertiefen. Dieses menschliche Innere will aber ebenso in alle Weiten hinaus, will in den Schwüngen, den schwingenden Bewegungen, dem Schwingen zum Ausdruck bringen äußerlich im Rhythmus dasjenige, was seelenhaft in einen Punkt zusammengedrängt ist, wie die Plastik in der menschlichen Gestalt, die für den Kosmos ein Punkt ist, zusammengedrängt haben will alle Geheimnisse des Kosmos. Die menschliche Gestalt in der Plastik ist die Antwort auf die große Frage, die uns das Weltenall aufgibt. Und wenn des Menschen Bewegungskunst kosmisch wird, wenn er etwas kosmosartiges in seinen eigenen Bewegungen schafft, wie es bei der Eurythmie der Fall ist, dann wird aus dem Menschen heraus eine Art Weltenall, wenigstens zunächst bildhaft, geboren.
[ 43 ] Zwei Pole der bildenden Kunst haben wir vor uns in der uralten Plastik, in der neu zu schaffenden Eurythmie. Man muß so in den Geist des Künstlerischen einkehren, wenn man wirklich die Berechtigung der eurythmischen Kunst einsehen will. Man muß da auch zurückkehren dazu, wie die Plastik einstmals in die Menschheit sich hineingestellt hat. Man kann sich gut vorstellen: Da auf dem Felde draußen die Hirten, welche die nachtschlafenden Blicke hinaussenden, aber wachend, in die Sternenweiten, aufnehmend in die Seelen unbewußt die Bilder aus dem Kosmos, zu denen sich formen die konfigurierten Imaginationen der Sterne am Himmel. Dasjenige, was da im ursprünglichen Menschen sich im Gemüt entfaltete, es vererbte sich auf Sohn und Enkel. Das, was sich vererbt hat, wuchs in der Seele und wurde zu plastischen Fähigkeiten beim Enkel. Der Großvater empfand den Kosmos in seiner Schönheit, der Enkel bildete nach aus den Kräften, die aus dem Kosmos heraus aufgenommen hat die Seele, die schöne plastische Kunst.
[ 43 ] Zwei Pole der bildenden Kunst haben wir vor uns in der uralten Plastik, in der neu zu schaffenden Eurythmie. Man muß so in den Geist des Künstlerischen einkehren, wenn man wirklich die Berechtigung der eurythmischen Kunst einsehen will. Man muß da auch zurückkehren dazu, wie die Plastik einstmals in die Menschheit sich hineingestellt hat. Man kann sich gut vorstellen: Da auf dem Felde draußen die Hirten, welche die nachtschlafenden Blicke hinaussenden, aber wachend, in die Sternenweiten, aufnehmend in die Seelen unbewußt die Bilder aus dem Kosmos, zu denen sich formen die konfigurierten Imaginationen der Sterne am Himmel. Dasjenige, was da im ursprünglichen Menschen sich im Gemüt entfaltete, es vererbte sich auf Sohn und Enkel. Das, was sich vererbt hat, wuchs in der Seele und wurde zu plastischen Fähigkeiten beim Enkel. Der Großvater empfand den Kosmos in seiner Schönheit, der Enkel bildete nach aus den Kräften, die aus dem Kosmos heraus aufgenommen hat die Seele, die schöne plastische Kunst.
[ 44 ] Anthroposophie muß nicht nur theoretisch hineinschauen in die Geheimnisse der menschlichen Seele. Sie muß miterleben alle Tragik der menschlichen Seele, alles Jauchzen der menschlichen Seele und alles, was dazwischen liegt. Und sie muß in der Lage sein, dasjenige nun nicht nur zu sehen, was tragisch wirkt, was da jauchzt, und alles, was dazwischen liegt, sondern wie man die Sterne in älteren Imaginationen klar gesehen hat, und wie man Sternen-Bildekräfte hereinnehmen konnte in die Seele, so muß man aus der menschlichen Seele nehmen, was man in ihr erschaut, muß es mitteilen können in äußeren Bewegungen — dann entsteht Eurythmie.
[ 44 ] Anthroposophie muß nicht nur theoretisch hineinschauen in die Geheimnisse der menschlichen Seele. Sie muß miterleben alle Tragik der menschlichen Seele, alles Jauchzen der menschlichen Seele und alles, was dazwischen liegt. Und sie muß in der Lage sein, dasjenige nun nicht nur zu sehen, was tragisch wirkt, was da jauchzt, und alles, was dazwischen liegt, sondern wie man die Sterne in älteren Imaginationen klar gesehen hat, und wie man Sternen-Bildekräfte hereinnehmen konnte in die Seele, so muß man aus der menschlichen Seele nehmen, was man in ihr erschaut, muß es mitteilen können in äußeren Bewegungen — dann entsteht Eurythmie.
[ 45 ] Das sollte heute nur wiederum eine flüchtige Andeutung sein von der Art und Weise, wie ein naturgemäßer Übergang ist von demjenigen, was Anthroposophie als Ideelles ist, zu demjenigen, was sie sein will als unmittelbar, nicht allegorisierend oder symbolisierend, sondern wirklich in Formen schaffende bildende Kunst. Wird man das durchschauen, dann wird man finden die merkwürdige Beziehung, welche die Kunst zur Wissenschaft und Religion hat. Man wird sehen die Wissenschaft auf der einen Stufe, die Religion auf einer anderen, die Kunst dazwischen. Man wird sehen die Wissenschaft, von der der Mensch im Grunde alle Freiheit hat der Mensch hätte niemals zur vollständigen inneren Freiheit kommen können ohne Wissenschaft. Man wird sehen, was der Mensch für seine Individualität gewonnen hat, was das Wesen des Menschen, wenn man es unbefangen betrachtet, gewonnen hat dadurch, daß der Mensch zur Wissenschaft gekommen ist. Er hat sich losgelöst aus dem Kosmos mit den Gedanken, er allein, aber er ist dadurch eine menschliche Individualität. Und wie er in Naturgesetzen lebt, so nimmt er sie in Gedanken auf. Er wird der Natur gegenüber selbständig. In der Religion will der Mensch sich hingeben, will den Weg zurückfinden zu den Wesensgrundlagen der Natur. Er will wiederum aufgehen in der Natur, will seine Freiheit auf dem Opferaltar des Weltenalls darbieten, will sich hingeben der Gottheit, will haben zum Atemzug der Freiheit, der Individualität, den Atemzug des Opfers. Aber dazwischen steht die Kunst, steht insbesondere auch die bildende Kunst, steht alles das, was im Reiche der Schönheit wurzelt.
[ 45 ] Das sollte heute nur wiederum eine flüchtige Andeutung sein von der Art und Weise, wie ein naturgemäßer Übergang ist von demjenigen, was Anthroposophie als Ideelles ist, zu demjenigen, was sie sein will als unmittelbar, nicht allegorisierend oder symbolisierend, sondern wirklich in Formen schaffende bildende Kunst. Wird man das durchschauen, dann wird man finden die merkwürdige Beziehung, welche die Kunst zur Wissenschaft und Religion hat. Man wird sehen die Wissenschaft auf der einen Stufe, die Religion auf einer anderen, die Kunst dazwischen. Man wird sehen die Wissenschaft, von der der Mensch im Grunde alle Freiheit hat der Mensch hätte niemals zur vollständigen inneren Freiheit kommen können ohne Wissenschaft. Man wird sehen, was der Mensch für seine Individualität gewonnen hat, was das Wesen des Menschen, wenn man es unbefangen betrachtet, gewonnen hat dadurch, daß der Mensch zur Wissenschaft gekommen ist. Er hat sich losgelöst aus dem Kosmos mit den Gedanken, er allein, aber er ist dadurch eine menschliche Individualität. Und wie er in Naturgesetzen lebt, so nimmt er sie in Gedanken auf. Er wird der Natur gegenüber selbständig. In der Religion will der Mensch sich hingeben, will den Weg zurückfinden zu den Wesensgrundlagen der Natur. Er will wiederum aufgehen in der Natur, will seine Freiheit auf dem Opferaltar des Weltenalls darbieten, will sich hingeben der Gottheit, will haben zum Atemzug der Freiheit, der Individualität, den Atemzug des Opfers. Aber dazwischen steht die Kunst, steht insbesondere auch die bildende Kunst, steht alles das, was im Reiche der Schönheit wurzelt.
[ 46 ] Wenn der Mensch durch die Wissenschaft ein freies, individuelles Wesen wird, wenn er in den religiösen Formen sein Wohlsein hinopfert, noch wahrend seine Freiheit auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite schon ahnend den Opferdienst, so findet der Mensch in der Kunst die Möglichkeit, sich zu bewahren, indem er dasjenige, was die Welt aus ihm gemacht hat, doch in einer gewissen Weise hinopfert; er gestaltet sich so, wie ihn die Welt gestaltet hat, aber er schafft diese Gestalt aus sich heraus als freies Wesen. Auch in der Kunst liegt etwas Erlösendes, Befreiendes. In der Kunst sind wir auf der einen Seite Individualität, auf der anderen Seite opfern wir uns hin. Und wie wir sagen dürfen: In der Wahrheit ist es so, daß sie uns frei macht, wenn wir sie ideell-wissenschaftlich, auch geisteswissenschaftlich, ergreifen, so müssen wir auf der anderen Seite sagen: In der Schönheit finden wir wiederum unseren Zusammenhang mit der Welt. Und der Mensch kann nicht sein, ohne daß er frei in sich lebt und ohne daß er seinen Zusammenhang mit der Welt findet. Der Mensch findet im freien Gedanken seine Individualität, und er findet die Möglichkeit, dasjenige, was die Welt aus ihm gemacht hat, wiederum im Zusammenhang mit der Welt aus sich selber zu machen, indem er sich hinaufhebt in das Reich der Schönheit, in das Reich der Kunst.
[ 46 ] Wenn der Mensch durch die Wissenschaft ein freies, individuelles Wesen wird, wenn er in den religiösen Formen sein Wohlsein hinopfert, noch wahrend seine Freiheit auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite schon ahnend den Opferdienst, so findet der Mensch in der Kunst die Möglichkeit, sich zu bewahren, indem er dasjenige, was die Welt aus ihm gemacht hat, doch in einer gewissen Weise hinopfert; er gestaltet sich so, wie ihn die Welt gestaltet hat, aber er schafft diese Gestalt aus sich heraus als freies Wesen. Auch in der Kunst liegt etwas Erlösendes, Befreiendes. In der Kunst sind wir auf der einen Seite Individualität, auf der anderen Seite opfern wir uns hin. Und wie wir sagen dürfen: In der Wahrheit ist es so, daß sie uns frei macht, wenn wir sie ideell-wissenschaftlich, auch geisteswissenschaftlich, ergreifen, so müssen wir auf der anderen Seite sagen: In der Schönheit finden wir wiederum unseren Zusammenhang mit der Welt. Und der Mensch kann nicht sein, ohne daß er frei in sich lebt und ohne daß er seinen Zusammenhang mit der Welt findet. Der Mensch findet im freien Gedanken seine Individualität, und er findet die Möglichkeit, dasjenige, was die Welt aus ihm gemacht hat, wiederum im Zusammenhang mit der Welt aus sich selber zu machen, indem er sich hinaufhebt in das Reich der Schönheit, in das Reich der Kunst.
