Ancient Mysteries and Christianity
GA 87
24 January 1902, Berlin
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Antike Mysterien und Christentum, 1st ed.
12. Platon Und Das Christentum
12. Platon Und Das Christentum
[Sehr verehrte Anwesende!]
[Sehr verehrte Anwesende!]
[ 1 ] Die Grundvorstellungen in der platonischen Weltanschauung haben wir an uns vorüberziehen lassen. Ich nenne sie deshalb Grundvorstellungen, weil sie tatsächlich zum Verständnis der platonischen Mystik die wichtigsten sind, nämlich die platonischen Vorstellungen von der Seelenewigkeit und die Vorstellungen von der Liebe. Die eine Vorstellung hat sich uns enthüllt durch eine Betrachtung des platonischen Gespräches «Phaidon», die andere durch eine Betrachtung des «Gastmahls». Wir haben dabei gesehen, dass allerdings die beiden Ideen, welche in aller geistigen Entwicklung der Menschheit vielleicht die größte führende Rolle spielen — das große Ziel der Seelenewigkeit und der Weg der Liebe —, dass diese zwei Vorstellungen in der platonischen Mystik auch zu den allerwichtigsten und tragenden Ideen gehören.
[ 1 ] Die Grundvorstellungen in der platonischen Weltanschauung haben wir an uns vorüberziehen lassen. Ich nenne sie deshalb Grundvorstellungen, weil sie tatsächlich zum Verständnis der platonischen Mystik die wichtigsten sind, nämlich die platonischen Vorstellungen von der Seelenewigkeit und die Vorstellungen von der Liebe. Die eine Vorstellung hat sich uns enthüllt durch eine Betrachtung des platonischen Gespräches «Phaidon», die andere durch eine Betrachtung des «Gastmahls». Wir haben dabei gesehen, dass allerdings die beiden Ideen, welche in aller geistigen Entwicklung der Menschheit vielleicht die größte führende Rolle spielen — das große Ziel der Seelenewigkeit und der Weg der Liebe —, dass diese zwei Vorstellungen in der platonischen Mystik auch zu den allerwichtigsten und tragenden Ideen gehören.
[ 2 ] Hier ist auch der Punkt, wo wir am besten verstehen werden, welchen Einfluss der Platonismus auf das Christentum ausgeübt, das heißt wie das Christentum sich unter dem Einflusse des Platon entwickelt hat. Es würde heißen, nicht gerade das Nötigste zur Deutlichkeit beizutragen, wenn man nicht bei Gelegenheit der Betrachtung der Seelenewigkeit und der Liebe zu gleicher Zeit darauf aufmerksam machen würde, wie diese beiden Grundvorstellungen wieder im Christentum zum Vorschein gekommen sind. Ich will über die Zwischenstufen hinweggehen. Sie werden uns umso verständlicher werden, wenn wir die Verwandtschaft des Platonismus mit dem Christentum streifen. Ich habe viel darüber nachgedacht. Sie werden es daher verzeihen, wenn dabei etwas schwierigere Fragen zur Sprache kommen müssen.
[ 2 ] Hier ist auch der Punkt, wo wir am besten verstehen werden, welchen Einfluss der Platonismus auf das Christentum ausgeübt, das heißt wie das Christentum sich unter dem Einflusse des Platon entwickelt hat. Es würde heißen, nicht gerade das Nötigste zur Deutlichkeit beizutragen, wenn man nicht bei Gelegenheit der Betrachtung der Seelenewigkeit und der Liebe zu gleicher Zeit darauf aufmerksam machen würde, wie diese beiden Grundvorstellungen wieder im Christentum zum Vorschein gekommen sind. Ich will über die Zwischenstufen hinweggehen. Sie werden uns umso verständlicher werden, wenn wir die Verwandtschaft des Platonismus mit dem Christentum streifen. Ich habe viel darüber nachgedacht. Sie werden es daher verzeihen, wenn dabei etwas schwierigere Fragen zur Sprache kommen müssen.
[ 3 ] Ich bin der Meinung, dass die Anschauungen und Beziehungen, welche zwischen dem Platonismus und dem Christentum bestehen, nicht mit Unrecht eine so große Literatur hervorgerufen haben, eine Jahrhunderte alte Literatur, weil durch die Abschattung, durch die eigentümliche Art, wie durch das Christentum hindurch der platonische Geist sich in das Abendland eingelebt hat, man sieht, wie das Abendland von dem Platonismus beeinflusst ist. Man versteht ihn nur — und es ist nur möglich, das wahre Verhältnis vom Platonismus zum Christentum zu zeigen —, wenn man ihn seinen mystischen Elementen nach betrachtet und auf die Kernvorstellungen des Christentums eingeht.
[ 3 ] Ich bin der Meinung, dass die Anschauungen und Beziehungen, welche zwischen dem Platonismus und dem Christentum bestehen, nicht mit Unrecht eine so große Literatur hervorgerufen haben, eine Jahrhunderte alte Literatur, weil durch die Abschattung, durch die eigentümliche Art, wie durch das Christentum hindurch der platonische Geist sich in das Abendland eingelebt hat, man sieht, wie das Abendland von dem Platonismus beeinflusst ist. Man versteht ihn nur — und es ist nur möglich, das wahre Verhältnis vom Platonismus zum Christentum zu zeigen —, wenn man ihn seinen mystischen Elementen nach betrachtet und auf die Kernvorstellungen des Christentums eingeht.
[ 4 ] Von liberaler, theologischer Vorstellungsweise wird noch darauf gehalten, dass die Beziehung des Platonismus zum Christentum nach mystischer Methode zur Darstellung kommen soll. Und so müssen wir uns darüber klar sein, dass wir die eigentlichen Kernvorstellungen des Christentums in ihrer ursprünglichen Bedeutung aufsuchen müssen. Nur dadurch werden wir uns auch klar werden können, wodurch sich der Platonismus mit dem Christentum berührt, und dadurch verstehen, was Platon dem Christentum gegenüber als eine Art Weltanschauung darstellt. Nur die theosophisch-mystische Richtung hat die Möglichkeit, den Kern wirklich aufzufassen. Alle exoterischen Methoden haben nicht die Möglichkeit zu begreifen, was aus der alten Mystik hat eintreten müssen, damit das Christentum hat entstehen können.
[ 4 ] Von liberaler, theologischer Vorstellungsweise wird noch darauf gehalten, dass die Beziehung des Platonismus zum Christentum nach mystischer Methode zur Darstellung kommen soll. Und so müssen wir uns darüber klar sein, dass wir die eigentlichen Kernvorstellungen des Christentums in ihrer ursprünglichen Bedeutung aufsuchen müssen. Nur dadurch werden wir uns auch klar werden können, wodurch sich der Platonismus mit dem Christentum berührt, und dadurch verstehen, was Platon dem Christentum gegenüber als eine Art Weltanschauung darstellt. Nur die theosophisch-mystische Richtung hat die Möglichkeit, den Kern wirklich aufzufassen. Alle exoterischen Methoden haben nicht die Möglichkeit zu begreifen, was aus der alten Mystik hat eintreten müssen, damit das Christentum hat entstehen können.
[ 5 ] Um aber zu zeigen, was geschehen ist, möchte ich zeigen die charakteristischen Merkmale, dargestellt am Bewusstsein der Aufbauer, derjenigen, die mitgewirkt haben an der Entwicklung desselben. Ich möchte zeigen, wie es sich den Seelen der ersten [Kirchenväter und -lehrer] dargestellt hat. Dann ist der wichtigste Kernpunkt der, dass [das Christentum] etwas grundsätzlich Neues vorstellt gegenüber dem Platonismus. Dieses grundsätzlich Neue ist nichts anderes, als dass das Christentum unmittelbares, wirkliches Leben ist, Leben, wie es sich vor den Augen und Ohren darstellt. Wenn man diesen Kernpunkt nicht festhält, so kommt man nicht dazu, was es Unterscheidendes haben soll von den alten Religionen und auch von den Mysterien und dem Platonismus.
[ 5 ] Um aber zu zeigen, was geschehen ist, möchte ich zeigen die charakteristischen Merkmale, dargestellt am Bewusstsein der Aufbauer, derjenigen, die mitgewirkt haben an der Entwicklung desselben. Ich möchte zeigen, wie es sich den Seelen der ersten [Kirchenväter und -lehrer] dargestellt hat. Dann ist der wichtigste Kernpunkt der, dass [das Christentum] etwas grundsätzlich Neues vorstellt gegenüber dem Platonismus. Dieses grundsätzlich Neue ist nichts anderes, als dass das Christentum unmittelbares, wirkliches Leben ist, Leben, wie es sich vor den Augen und Ohren darstellt. Wenn man diesen Kernpunkt nicht festhält, so kommt man nicht dazu, was es Unterscheidendes haben soll von den alten Religionen und auch von den Mysterien und dem Platonismus.
[ 6 ] Ich möchte nochmals darauf hinweisen, was bei dem Platonismus und dem Christentum betont wird. Das unmittelbare Leben, das, was der Alltagsmensch unmittelbar wahrnimmt, das war es, was der Platonismus hat überwinden sollen; und auf der anderen Seite war es das, dass er sich zu etwas Höherem, was man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann, in die Ewigkeitsschau sich erhebt. Platons «Phaidon» will nichts anderes als Seelenewigkeit. Er will Seelenewigkeit nicht etwa beweisen. Es handelt sich nicht um logische Beweise. Er bezweckt ein Hinaufleben desjenigen, was sich um Sokrates herumschart, und ein Einleben in eine neue Welt. Die Seele soll sich erheben dadurch, dass sie sich abwendet von dem, was man mit Augen sehen und mit Ohren hören kann. Kurz, die Ewigkeit soll etwas sein, was man erwirbt, was man durch die Einführung in die Mysterien erwirbt. Platons Schüler sagt: Die Seele kann unsterblich werden, wenn sie sich erhebt zur Ewigkeitsschau. Wenn sie das Geistige sieht, nimmt sie Anteil am geistigen Leben. Dadurch wird sie ewig. Das ist ein Entwicklungsprozess, den wir im platonischen «Phaidon» durchgemacht haben, auch ein Entwicklungsprozess, den wir im «Gastmahl» sehen. Wir sehen, dass es Diotima war, die uns auf den höheren Standpunkt hinaufgehoben hat.
[ 6 ] Ich möchte nochmals darauf hinweisen, was bei dem Platonismus und dem Christentum betont wird. Das unmittelbare Leben, das, was der Alltagsmensch unmittelbar wahrnimmt, das war es, was der Platonismus hat überwinden sollen; und auf der anderen Seite war es das, dass er sich zu etwas Höherem, was man nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann, in die Ewigkeitsschau sich erhebt. Platons «Phaidon» will nichts anderes als Seelenewigkeit. Er will Seelenewigkeit nicht etwa beweisen. Es handelt sich nicht um logische Beweise. Er bezweckt ein Hinaufleben desjenigen, was sich um Sokrates herumschart, und ein Einleben in eine neue Welt. Die Seele soll sich erheben dadurch, dass sie sich abwendet von dem, was man mit Augen sehen und mit Ohren hören kann. Kurz, die Ewigkeit soll etwas sein, was man erwirbt, was man durch die Einführung in die Mysterien erwirbt. Platons Schüler sagt: Die Seele kann unsterblich werden, wenn sie sich erhebt zur Ewigkeitsschau. Wenn sie das Geistige sieht, nimmt sie Anteil am geistigen Leben. Dadurch wird sie ewig. Das ist ein Entwicklungsprozess, den wir im platonischen «Phaidon» durchgemacht haben, auch ein Entwicklungsprozess, den wir im «Gastmahl» sehen. Wir sehen, dass es Diotima war, die uns auf den höheren Standpunkt hinaufgehoben hat.
[ 7 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht, was Goethe gesagt hat über seine Auffassung bezüglich solcher Ewigkeitsgespräche. Er sagt: Wenn ich mich eingefügt habe in den geistigen Entwicklungsgang des Universums, dann habe ich Anspruch darauf, dass mir die Natur einen Platz anweist. Wir sind nicht in gleicher Weise unsterblich. Man muss sich erst diesen Anspruch erwerben. Diesen ersten Anspruch müssen wir erst entwickeln.
[ 7 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht, was Goethe gesagt hat über seine Auffassung bezüglich solcher Ewigkeitsgespräche. Er sagt: Wenn ich mich eingefügt habe in den geistigen Entwicklungsgang des Universums, dann habe ich Anspruch darauf, dass mir die Natur einen Platz anweist. Wir sind nicht in gleicher Weise unsterblich. Man muss sich erst diesen Anspruch erwerben. Diesen ersten Anspruch müssen wir erst entwickeln.
[ 8 ] Das ist das, was als Grundelement den platonischen «Phaidon» durchzieht. Da sagt Platon [sinngemäß]: Ihr könnt sehen, was Ihr wollt, wenn Ihr aber nur das wahrnehmt, was Eure Augen, Ohren, die äußeren Sinne geben, dann könnt Ihr nicht ins Geistige kommen. Das Übersinnliche ist es, was Euch die Seelenewigkeit verbürgt. — Er konnte die Seelenewigkeit nicht beweisen lassen. Die Schüler sollten sie erwerben, sie sollten unsterblich werden. Das ist die Grundauffassung der platonischen Methode. — Die Logik kann nur Wahrnehmungen, die man schon hat, miteinander verknüpfen.
[ 8 ] Das ist das, was als Grundelement den platonischen «Phaidon» durchzieht. Da sagt Platon [sinngemäß]: Ihr könnt sehen, was Ihr wollt, wenn Ihr aber nur das wahrnehmt, was Eure Augen, Ohren, die äußeren Sinne geben, dann könnt Ihr nicht ins Geistige kommen. Das Übersinnliche ist es, was Euch die Seelenewigkeit verbürgt. — Er konnte die Seelenewigkeit nicht beweisen lassen. Die Schüler sollten sie erwerben, sie sollten unsterblich werden. Das ist die Grundauffassung der platonischen Methode. — Die Logik kann nur Wahrnehmungen, die man schon hat, miteinander verknüpfen.
[ 9 ] Und nun sehen wir uns dasjenige an; was indem ersten Jahrhunderten des Christentums lebte. Das Erlebnis der Sinne war dasjenige, was hervorgehoben wurde. Die Heilsbotschaft sollte darinnen bestehen, dass der Erlöser, derjenige, welcher das Anrecht auf die Ewigkeit für den Menschen auf die Welt gebracht hat, sichtbar da gewesen ist. Also der mit den Sinnen wahrgenommene Erlöser ist es, um den es sich handelt. — Hier einige Stellen, woraus hervorgeht, dass es sich um das Sichtbarwerden handelt, um die Frohe Botschaft:
[ 9 ] Und nun sehen wir uns dasjenige an; was indem ersten Jahrhunderten des Christentums lebte. Das Erlebnis der Sinne war dasjenige, was hervorgehoben wurde. Die Heilsbotschaft sollte darinnen bestehen, dass der Erlöser, derjenige, welcher das Anrecht auf die Ewigkeit für den Menschen auf die Welt gebracht hat, sichtbar da gewesen ist. Also der mit den Sinnen wahrgenommene Erlöser ist es, um den es sich handelt. — Hier einige Stellen, woraus hervorgeht, dass es sich um das Sichtbarwerden handelt, um die Frohe Botschaft:
«Wir sehen seine Herrlichkeit. — Der das gesehen hat, bezeugt es und sein Zeugnis ist wahr, und er ist sich bewusst, die Wahrheit zu reden, damit Ihr glaubt.» [Joh 19,35]
«Wir sehen seine Herrlichkeit. — Der das gesehen hat, bezeugt es und sein Zeugnis ist wahr, und er ist sich bewusst, die Wahrheit zu reden, damit Ihr glaubt.» [Joh 19,35]
[ 10 ] Nicht ausgeklügelt haben wir Euch die Gegenwart Jesu Christi verkündigt, sondern als Augenzeugen. Wir haben seine Stimme gehört. — Ich will nicht davon sprechen, dass dies möglicherweise symbolisch zu verstehen ist, ich will sagen, dass dies wörtlich verstanden ist, nicht symbolisch. — Was wir gehört und berührt haben, das sagen wir Euch, damit Ihr die Botschaft mit uns habt.
[ 10 ] Nicht ausgeklügelt haben wir Euch die Gegenwart Jesu Christi verkündigt, sondern als Augenzeugen. Wir haben seine Stimme gehört. — Ich will nicht davon sprechen, dass dies möglicherweise symbolisch zu verstehen ist, ich will sagen, dass dies wörtlich verstanden ist, nicht symbolisch. — Was wir gehört und berührt haben, das sagen wir Euch, damit Ihr die Botschaft mit uns habt.
[ 11 ] Wesentlich ist es, dass uns versichert wird von Irenäus, dass man sich davon versichern kann bei Leuten, die selbst noch solche Leute gekannt haben. Irenäus hat selbst noch Leute gekannt, welche Apostelschüler waren, und er sagt, dass diese noch persönliche Erfahrungen hatten. Dies ist die sinnliche Wahrheit, welche im Bewusstsein der ersten Christen lebte. Diese sinnliche Wahrheit, welche für das, was Augen sehen und Ohren hörten, da war, lebt in der Kirche weiter. Diese [Wahrheit] ist für alle Zeiten da. Sie ist nicht nur die zeitliche Wahrheit, die sich in der Zeit, als Jesus lebte, zugetragen hat, sondern sie lebt als solche fort. Das ist das, was wir christliches Mysterientum nennen.
[ 11 ] Wesentlich ist es, dass uns versichert wird von Irenäus, dass man sich davon versichern kann bei Leuten, die selbst noch solche Leute gekannt haben. Irenäus hat selbst noch Leute gekannt, welche Apostelschüler waren, und er sagt, dass diese noch persönliche Erfahrungen hatten. Dies ist die sinnliche Wahrheit, welche im Bewusstsein der ersten Christen lebte. Diese sinnliche Wahrheit, welche für das, was Augen sehen und Ohren hörten, da war, lebt in der Kirche weiter. Diese [Wahrheit] ist für alle Zeiten da. Sie ist nicht nur die zeitliche Wahrheit, die sich in der Zeit, als Jesus lebte, zugetragen hat, sondern sie lebt als solche fort. Das ist das, was wir christliches Mysterientum nennen.
[ 12 ] Das Abendmahl ist nicht bloß Symbol und darf nicht bloß Symbol sein, wenn wir nicht zu einem ganz Verwässerten kommen wollen. Heute ist Christus erschienen — Weihnachtsfest. Das müssen wir als ewige Wahrheit nehmen, dass das, was einmal geschehen ist, immer wieder geschehen kann. Es geschieht also nicht symbolisch, sondern so, dass es wirklich in der Gegenwart da ist.
[ 12 ] Das Abendmahl ist nicht bloß Symbol und darf nicht bloß Symbol sein, wenn wir nicht zu einem ganz Verwässerten kommen wollen. Heute ist Christus erschienen — Weihnachtsfest. Das müssen wir als ewige Wahrheit nehmen, dass das, was einmal geschehen ist, immer wieder geschehen kann. Es geschieht also nicht symbolisch, sondern so, dass es wirklich in der Gegenwart da ist.
[ 13 ] Diese mystische Auffassung hat bestanden in den ersten Jahrhunderten, als das Christentum gebildet wurde. Daher möchte ich mich mit [Möhler] durchaus einverstanden erklären und es als einzig richtig ansehen, wenn er sagt: Die Kirche ist von einer Seite betrachtet eine solche, in welcher der in lebendiger Weise wirkende Christus lebt, dessen Persönlichkeit sich wiederholt und ununterbrochen fortsetzt. Nicht in der Weise eines verstorbenen Menschen. Er macht es auf eine sinnliche Weise. In der Taufe nimmt er immer in seine Gemeinschaft auf. Der Erlöser ist vorherverkündigt worden. Und für die Apostel und die ersten Christenlehrer gelten das Wort und die sinnliche Wahrnehmung. Man beruft sich auf das Alte Testament ebenso wie auf den Augenschein.
[ 13 ] Diese mystische Auffassung hat bestanden in den ersten Jahrhunderten, als das Christentum gebildet wurde. Daher möchte ich mich mit [Möhler] durchaus einverstanden erklären und es als einzig richtig ansehen, wenn er sagt: Die Kirche ist von einer Seite betrachtet eine solche, in welcher der in lebendiger Weise wirkende Christus lebt, dessen Persönlichkeit sich wiederholt und ununterbrochen fortsetzt. Nicht in der Weise eines verstorbenen Menschen. Er macht es auf eine sinnliche Weise. In der Taufe nimmt er immer in seine Gemeinschaft auf. Der Erlöser ist vorherverkündigt worden. Und für die Apostel und die ersten Christenlehrer gelten das Wort und die sinnliche Wahrnehmung. Man beruft sich auf das Alte Testament ebenso wie auf den Augenschein.
[ 14 ] Wir müssen uns klar sein darüber, dass sie in dem Fortleben ein unbegreifliches Fortleben sehen. Dasjenige, was sich einmal abgespielt hat, muss ewig da sein. Das muss hervorgehoben werden, wie auch die Worte des Augustinus immer wieder betont werden müssen, die uns zeigen, dass auch zur Zeit des Augustinus der Augenschein dazu zwang, denn er sagt: Ich würde mich nicht dazu bekennen, wenn mich nicht die sinnlich wahrnehmbare Autorität der Kirche dazu zwänge. Das ist es, was die Wahrheit der Heilsbotschaft verbürgt.
[ 14 ] Wir müssen uns klar sein darüber, dass sie in dem Fortleben ein unbegreifliches Fortleben sehen. Dasjenige, was sich einmal abgespielt hat, muss ewig da sein. Das muss hervorgehoben werden, wie auch die Worte des Augustinus immer wieder betont werden müssen, die uns zeigen, dass auch zur Zeit des Augustinus der Augenschein dazu zwang, denn er sagt: Ich würde mich nicht dazu bekennen, wenn mich nicht die sinnlich wahrnehmbare Autorität der Kirche dazu zwänge. Das ist es, was die Wahrheit der Heilsbotschaft verbürgt.
[ 15 ] Es gehört zweierlei dazu: erstens das Verbürgtsein durch Augen- und Ohrenzeugen und zweitens die Autorität der wirklich fortbestehenden Kirche. Ohne dieses Fortbestehen der Kirche würde sich auch Paulus nicht dazu bequemt haben, daran zu glauben. Die Kirche muss die Verkörperung des Mysteriums sein, sie muss eine mystische Gemeinschaft sein, sie muss hinzukommen zu dem Zeugnis der Apostel und Apostelschüler. Es muss uns klar sein, dass diese Anschauungen in den ersten Jahrhunderten immer fester und fester geworden sind, und dass sie auch in der Weltanschauung des Augustinus fest geworden sind.
[ 15 ] Es gehört zweierlei dazu: erstens das Verbürgtsein durch Augen- und Ohrenzeugen und zweitens die Autorität der wirklich fortbestehenden Kirche. Ohne dieses Fortbestehen der Kirche würde sich auch Paulus nicht dazu bequemt haben, daran zu glauben. Die Kirche muss die Verkörperung des Mysteriums sein, sie muss eine mystische Gemeinschaft sein, sie muss hinzukommen zu dem Zeugnis der Apostel und Apostelschüler. Es muss uns klar sein, dass diese Anschauungen in den ersten Jahrhunderten immer fester und fester geworden sind, und dass sie auch in der Weltanschauung des Augustinus fest geworden sind.
[ 16 ] Das, was ich jetzt ausgeführt habe als Grundkennzeichen des Christentums in den ersten Jahrhunderten, ist die Notwendigkeit, dass der Inhalt nicht bewiesen, sondern nur verbürgt sein kann, dass das menschliche Denken mit diesem Inhalt nichts zu tun hat, dass es höchstens ein Anhaltspunkt sein kann, um diesen Inhalt zu begreifen. Das müssen wir festhalten. Es ist wesentlich mit dem Christentum verknüpft, dass es auf Verbürgtheit beruht.
[ 16 ] Das, was ich jetzt ausgeführt habe als Grundkennzeichen des Christentums in den ersten Jahrhunderten, ist die Notwendigkeit, dass der Inhalt nicht bewiesen, sondern nur verbürgt sein kann, dass das menschliche Denken mit diesem Inhalt nichts zu tun hat, dass es höchstens ein Anhaltspunkt sein kann, um diesen Inhalt zu begreifen. Das müssen wir festhalten. Es ist wesentlich mit dem Christentum verknüpft, dass es auf Verbürgtheit beruht.
[ 17 ] Auch die Mysterien haben nichts mit Logik zu tun, auch sie beruhen auf dem Erlebnis. Platon war mit den Mysterien vertraut. Wer Myste werden wollte, der musste persönlich sich dem erforderlichen Prozess unterwerfen. Er musste persönlich daran teilnehmen und sich einweihen lassen. Er musste hinaufsteigen zu den Spitzen der Erkenntnis. Er musste persönlich hochsteigen. Und so war es auch in der platonischen Einweihung.
[ 17 ] Auch die Mysterien haben nichts mit Logik zu tun, auch sie beruhen auf dem Erlebnis. Platon war mit den Mysterien vertraut. Wer Myste werden wollte, der musste persönlich sich dem erforderlichen Prozess unterwerfen. Er musste persönlich daran teilnehmen und sich einweihen lassen. Er musste hinaufsteigen zu den Spitzen der Erkenntnis. Er musste persönlich hochsteigen. Und so war es auch in der platonischen Einweihung.
[ 18 ] Im Christentum ist etwas Neues hinzugetreten: die Stellvertretung durch eine einzelne in der Geschichte lebende Persönlichkeit. Es war etwas, was das Altertum im Bewusstsein hatte als eine vorbildliche Art der Verbindlichkeit in einem geschichtlichen Akt durch eine einzige geschichtliche Persönlichkeit. Dreierlei musste zusammenfließen — und das ist das Wichtige, was geschehen musste, um das Christentum zur Entstehung zu bringen. Es musste da sein:
[ 18 ] Im Christentum ist etwas Neues hinzugetreten: die Stellvertretung durch eine einzelne in der Geschichte lebende Persönlichkeit. Es war etwas, was das Altertum im Bewusstsein hatte als eine vorbildliche Art der Verbindlichkeit in einem geschichtlichen Akt durch eine einzige geschichtliche Persönlichkeit. Dreierlei musste zusammenfließen — und das ist das Wichtige, was geschehen musste, um das Christentum zur Entstehung zu bringen. Es musste da sein:
— erstens, was in den alten Mysterienkulten lebte als Welterklärung;
— zweitens der Initiationsprozess, dem sich jeder unterwerfen musste, der eingeweiht werden wollte;
— drittens, es musste eine Verwandlung geschehen.
— erstens, was in den alten Mysterienkulten lebte als Welterklärung;
— zweitens der Initiationsprozess, dem sich jeder unterwerfen musste, der eingeweiht werden wollte;
— drittens, es musste eine Verwandlung geschehen.
[ 19 ] Wie diese Verwandlung war, das wollen wir noch näher betrachten. Bei der platonischen Mystik haben sich uns schon Ansätze gezeigt. Diese [Verwandlung] ist die, dass wir es zu tun haben mit einem — ich darf wohl am besten sagen — ersten Materiellwerden der ewigen Wesenheit, sagen wir mit einem Materiellwerden Gottes. Und dann wieder haben wir es zu tun mit dem aufsteigenden Prozess der Entwicklung des Weltlichen zum Göttlichen. Wir haben es zu tun — nun sagen wir — mit dem Göttlichen, um die Anschauung, die da in Betracht kommt, deutlich zu treffen — mit der ewigen, göttlichen Wesenheit, und auf der anderen Seite mit dem in der Materie sich gestaltenden, sich entwickelnden, sich in der mannigfaltigsten Weise sich verwandelnden Logos, mit einer Stufenfolge in der Entwicklung des Logos. [Wir brauchen uns nur an Philon von Alexandrien zu halten], so werden wir diese Stufenfolge des Logos finden.
[ 19 ] Wie diese Verwandlung war, das wollen wir noch näher betrachten. Bei der platonischen Mystik haben sich uns schon Ansätze gezeigt. Diese [Verwandlung] ist die, dass wir es zu tun haben mit einem — ich darf wohl am besten sagen — ersten Materiellwerden der ewigen Wesenheit, sagen wir mit einem Materiellwerden Gottes. Und dann wieder haben wir es zu tun mit dem aufsteigenden Prozess der Entwicklung des Weltlichen zum Göttlichen. Wir haben es zu tun — nun sagen wir — mit dem Göttlichen, um die Anschauung, die da in Betracht kommt, deutlich zu treffen — mit der ewigen, göttlichen Wesenheit, und auf der anderen Seite mit dem in der Materie sich gestaltenden, sich entwickelnden, sich in der mannigfaltigsten Weise sich verwandelnden Logos, mit einer Stufenfolge in der Entwicklung des Logos. [Wir brauchen uns nur an Philon von Alexandrien zu halten], so werden wir diese Stufenfolge des Logos finden.
[ 20 ] Erstens haben wir den Logos in der reinen geistigen Gestalt vor uns. Kein Mensch kann sie erfassen, obgleich die menschliche Individualität darin ruht. Diese geistige Wesenheit ist nach [Philon] Auffassung der Urlogos. Der ist ein [Urbild] dessen, was in der Welt als göttliche Weltordnung erscheint. Wer in der Welt lebt und wirkt und die Welt erkennt, der muss — und das muss festgehalten werden — auf der einen Seite die abwärtssteigende Linie betrachten, die vom Geistigen ins Materielle geht, und auf der anderen Seite die, welche aufsteigt und vom Materiellen zum Geistigen geht. Nur dadurch, dass er in der Mitte steht, kann er begreifen, warum er Individualität ist. Nur dadurch kann er begreifen, warum er ein als Zweiheit auftretendes Wesen ist. Indem er gewahr wird, dass er Hoffnung haben kann, einzukehren in die geistige Urwesenheit, aber auch indem der Mensch gewahr wird, dass diese Wesenheit die Weltordnung selber bildet.
[ 20 ] Erstens haben wir den Logos in der reinen geistigen Gestalt vor uns. Kein Mensch kann sie erfassen, obgleich die menschliche Individualität darin ruht. Diese geistige Wesenheit ist nach [Philon] Auffassung der Urlogos. Der ist ein [Urbild] dessen, was in der Welt als göttliche Weltordnung erscheint. Wer in der Welt lebt und wirkt und die Welt erkennt, der muss — und das muss festgehalten werden — auf der einen Seite die abwärtssteigende Linie betrachten, die vom Geistigen ins Materielle geht, und auf der anderen Seite die, welche aufsteigt und vom Materiellen zum Geistigen geht. Nur dadurch, dass er in der Mitte steht, kann er begreifen, warum er Individualität ist. Nur dadurch kann er begreifen, warum er ein als Zweiheit auftretendes Wesen ist. Indem er gewahr wird, dass er Hoffnung haben kann, einzukehren in die geistige Urwesenheit, aber auch indem der Mensch gewahr wird, dass diese Wesenheit die Weltordnung selber bildet.
[ 21 ] Dadurch, dass die Welt selber durchgeistigt ist, wird er gewahr, dass er es mit einem zweifachen Logos zu tun hat, mit einem Logos, der nicht erreichbar ist, und mit einem Logos, der ausgegossen ist, mit dem Fleisch gewordenen Logos, mit dem Logos, der materiell geworden ist. Die materielle Welt ist ein genaues Abbild der göttlichen Welt; sie ist aber nicht dasselbe wie die ursprüngliche göttliche Wesenheit.
[ 21 ] Dadurch, dass die Welt selber durchgeistigt ist, wird er gewahr, dass er es mit einem zweifachen Logos zu tun hat, mit einem Logos, der nicht erreichbar ist, und mit einem Logos, der ausgegossen ist, mit dem Fleisch gewordenen Logos, mit dem Logos, der materiell geworden ist. Die materielle Welt ist ein genaues Abbild der göttlichen Welt; sie ist aber nicht dasselbe wie die ursprüngliche göttliche Wesenheit.
[ 22 ] [Philon] unterscheidet diese zwei Wesenheiten. Gott ist der Vater aller Dinge, der Urlogos; und der Gottessohn, die Gotteskinder sind der materialisierte Logos in der Welt. Es ist das, was sich entwickelt, verwandelt, aufwärts strebt zum Urlogos. Dieses Aufwärtsstreben in einer solchen oder in einer anderen Gestalt findet sich in der Mystik wieder. Wir werden dies bei der neuplatonischen Theosophie noch sehen, welche Gestalt die Mystik noch annehmen kann. Dann haben wir das Grundgerippe, welches aller Mystik zugrunde liegt. Das ist das eine Element.
[ 22 ] [Philon] unterscheidet diese zwei Wesenheiten. Gott ist der Vater aller Dinge, der Urlogos; und der Gottessohn, die Gotteskinder sind der materialisierte Logos in der Welt. Es ist das, was sich entwickelt, verwandelt, aufwärts strebt zum Urlogos. Dieses Aufwärtsstreben in einer solchen oder in einer anderen Gestalt findet sich in der Mystik wieder. Wir werden dies bei der neuplatonischen Theosophie noch sehen, welche Gestalt die Mystik noch annehmen kann. Dann haben wir das Grundgerippe, welches aller Mystik zugrunde liegt. Das ist das eine Element.
[ 23 ] Das andere Element ist der Initiationsprozess; und hier muss ich besonders versuchen, mich deutlich auszudrücken, weil sie — nach Erfahrungen von anderen — dem Ausdruck nach die Sache etwas anders sagen. Ich bin nach meinen Erfahrungen genötigt, mich etwas anders auszudrücken. Ich werde versuchen, so klar zu werden, als es nur irgendwie geht. Wir müssen begreifen, um was es sich da gehandelt hat. Ich werde nur mit ein paar Streiflichtern dies beweisen können, sagen wir, an dem Initiationsprozess der ägyptischen Schulen. [Lücke in der Mitschrift]
[ 23 ] Das andere Element ist der Initiationsprozess; und hier muss ich besonders versuchen, mich deutlich auszudrücken, weil sie — nach Erfahrungen von anderen — dem Ausdruck nach die Sache etwas anders sagen. Ich bin nach meinen Erfahrungen genötigt, mich etwas anders auszudrücken. Ich werde versuchen, so klar zu werden, als es nur irgendwie geht. Wir müssen begreifen, um was es sich da gehandelt hat. Ich werde nur mit ein paar Streiflichtern dies beweisen können, sagen wir, an dem Initiationsprozess der ägyptischen Schulen. [Lücke in der Mitschrift]
[ 24 ] Wir müssen uns klar sein, dass der Mensch, indem er auf dieser Bahn weiterrückt, einen Weg macht, der im wahren Sinne des Wortes zurückführt. Nun möchte ich Sie darauf aufmerksam machen: Initiation ist dasjenige, was der Mensch erreicht, wenn er seinen Weg zurückläuft, durchläuft, wenn sein Bewusstsein durchleuchtet ist. Immer tiefere Wahrheiten können dem Menschen aufgehen. Und diese sind die Initiationen, die der Mensch antrifft auf seinem Wege in sein Inneres. Diese Initiationen sind dasselbe, was die Principia der Welt sind. Es sind die Grundlagen und die Grundfesten der Welt, die in der Welt zur Entwicklung kommen. Nennen wir die Entwicklungsprinzipien in der Welt «Logos. Wenn der Mensch auf dem Wege der Initiation wirklich fortschreiten kann zu den wirklichen Prinzipien der Welt, dann wird er in sich dasselbe antreffen, was er draußen als Prinzip antrifft. So war die Initiation ein wirklicher, realer Prozess, etwas, was der Mensch tatsächlich durchmacht. Er ist nicht von subjektiv menschlicher Bedeutung, sondern von objektiv göttlicher Bedeutung. Der Erkenntnisweg ist ein Rückweg, ein Zusammenschließen des Menschen mit dem Urquell des Daseins. Was er in sich findet, das ist es, womit er im Objektiven der Welt ruht, das ist es, was den Menschen zur Vergottung, zur Vergöttlichung führt. Der Erkenntnisweg ist der Weg der Vergottung.
[ 24 ] Wir müssen uns klar sein, dass der Mensch, indem er auf dieser Bahn weiterrückt, einen Weg macht, der im wahren Sinne des Wortes zurückführt. Nun möchte ich Sie darauf aufmerksam machen: Initiation ist dasjenige, was der Mensch erreicht, wenn er seinen Weg zurückläuft, durchläuft, wenn sein Bewusstsein durchleuchtet ist. Immer tiefere Wahrheiten können dem Menschen aufgehen. Und diese sind die Initiationen, die der Mensch antrifft auf seinem Wege in sein Inneres. Diese Initiationen sind dasselbe, was die Principia der Welt sind. Es sind die Grundlagen und die Grundfesten der Welt, die in der Welt zur Entwicklung kommen. Nennen wir die Entwicklungsprinzipien in der Welt «Logos. Wenn der Mensch auf dem Wege der Initiation wirklich fortschreiten kann zu den wirklichen Prinzipien der Welt, dann wird er in sich dasselbe antreffen, was er draußen als Prinzip antrifft. So war die Initiation ein wirklicher, realer Prozess, etwas, was der Mensch tatsächlich durchmacht. Er ist nicht von subjektiv menschlicher Bedeutung, sondern von objektiv göttlicher Bedeutung. Der Erkenntnisweg ist ein Rückweg, ein Zusammenschließen des Menschen mit dem Urquell des Daseins. Was er in sich findet, das ist es, womit er im Objektiven der Welt ruht, das ist es, was den Menschen zur Vergottung, zur Vergöttlichung führt. Der Erkenntnisweg ist der Weg der Vergottung.
[ 25 ] Die zweite Art ist die, welche auf die Prinzipien baut, auf den Logos. Auch das ist ein wirklicher Prozess. Um einen wirklichen Prozess handelt es sich, nicht um eine Allegorie. Die Vorstellung, dass es ein wirklicher Prozess ist, ist nur auf dem Wege geistiger Erfahrung zu erhalten. Denken Sie sich den Initiationsprozess, den jeder Myste durchzumachen hatte, verquickt mit dem Prozess der Weltentstehung. Und nun, statt darunter einen vorbildlichen Vorgang zu verstehen, den jeder Myste durchzumachen hatte, denken Sie sich einen einmaligen geschichtlichen Prozess, denken Sie sich einen einzigen Initiierten und denken Sie sich ihn aufgefasst als den Ur-Initiierten, als den stellvertretenden Initiierten für alle anderen, dann haben Sie das Bild für den «Christus, wie es sich im ersten Jahrhundert des Christentums entwickelt hatte. Das Materiellwerden, das Fleischwerden des göttlichen Logos als ein einmaliges Ereignis gedacht, aber so, dass es das wirkliche Fleischwerden des göttlichen Logos ist, dann haben Sie die Christus-Erscheinung.
[ 25 ] Die zweite Art ist die, welche auf die Prinzipien baut, auf den Logos. Auch das ist ein wirklicher Prozess. Um einen wirklichen Prozess handelt es sich, nicht um eine Allegorie. Die Vorstellung, dass es ein wirklicher Prozess ist, ist nur auf dem Wege geistiger Erfahrung zu erhalten. Denken Sie sich den Initiationsprozess, den jeder Myste durchzumachen hatte, verquickt mit dem Prozess der Weltentstehung. Und nun, statt darunter einen vorbildlichen Vorgang zu verstehen, den jeder Myste durchzumachen hatte, denken Sie sich einen einmaligen geschichtlichen Prozess, denken Sie sich einen einzigen Initiierten und denken Sie sich ihn aufgefasst als den Ur-Initiierten, als den stellvertretenden Initiierten für alle anderen, dann haben Sie das Bild für den «Christus, wie es sich im ersten Jahrhundert des Christentums entwickelt hatte. Das Materiellwerden, das Fleischwerden des göttlichen Logos als ein einmaliges Ereignis gedacht, aber so, dass es das wirkliche Fleischwerden des göttlichen Logos ist, dann haben Sie die Christus-Erscheinung.
Dreierlei ist also zu unterscheiden:
1. die alte Weltentstehungslehre,
2. der Initiationsprozess und
3. die Verquickung dieser beiden Dinge mit einer geschichtlich
Dreierlei ist also zu unterscheiden:
1. die alte Weltentstehungslehre,
2. der Initiationsprozess und
3. die Verquickung dieser beiden Dinge mit einer geschichtlich
[ 26 ] gedachten, einzelnen Tat. Das ist die Auffassung, die die Theosophie von der Entstehung des Christentums hat, und dies ist diejenige, gegen welche vom esoterischen Standpunkte natürlich nicht das Allergeringste eingewendet werden kann, weil der Esoteriker gerade diese Art, die Wahrheit anzuschauen, als viel tiefer ansehen muss.
[ 26 ] gedachten, einzelnen Tat. Das ist die Auffassung, die die Theosophie von der Entstehung des Christentums hat, und dies ist diejenige, gegen welche vom esoterischen Standpunkte natürlich nicht das Allergeringste eingewendet werden kann, weil der Esoteriker gerade diese Art, die Wahrheit anzuschauen, als viel tiefer ansehen muss.
[ 27 ] Hier haben Sie das, was im Bewusstsein der alten Christen lebte. Als Forderung haben sie geltend gemacht dasjenige, was ihnen als Entwicklungsprozess in den alten Schulen vorgestellt wurde und was dann als eine einzige Tat geschehen ist. Und das hat es notwendig gemacht, dieselbe vom Augenschein abhängig zu machen. Der Initiationsprozess hat den Zweck, das Niedere im Menschen hinaufzuheben, zu vergöttlichen, sodass im einzelnen Menschen das Wort Fleisch wird, sodass der einzelne Mensch sich hinaufringt, hinaufheiligt. Dieses wurde als etwas Getanes gefordert.
[ 27 ] Hier haben Sie das, was im Bewusstsein der alten Christen lebte. Als Forderung haben sie geltend gemacht dasjenige, was ihnen als Entwicklungsprozess in den alten Schulen vorgestellt wurde und was dann als eine einzige Tat geschehen ist. Und das hat es notwendig gemacht, dieselbe vom Augenschein abhängig zu machen. Der Initiationsprozess hat den Zweck, das Niedere im Menschen hinaufzuheben, zu vergöttlichen, sodass im einzelnen Menschen das Wort Fleisch wird, sodass der einzelne Mensch sich hinaufringt, hinaufheiligt. Dieses wurde als etwas Getanes gefordert.
[ 28 ] So musste das Christentum, statt die Mysterien des Altertums fortzusetzen, ein neues Mysterium in die Welt bringen. Das geistige Fortleben ist nicht bloß eine Allegorie, sondern eine Sache des Glaubens, und da musste das kirchliche Autoritätsprinzip Platz greifen. Bei Platon stand im Mittelpunkte der Begriff der Liebe. Er betrachtete sie als eine Art von Dämon. Sie ist dasjenige, was die Menschen von den unteren Stufen auf die höheren Stufen der Erkenntnis führt, das den Menschen aus einem Zeitlichen zu einem Ewigen macht. Die Liebe ist der Vermittler zwischen dem Zeitlichen und dem Ewigen. Aber die Liebe ist auch dasjenige Dämonische, was in jedem einzelnen Menschen den Entwicklungsprozess, den Gang vom Zeitlichen zum Ewigen hervorruft. Und in dem Grade, wie nicht diese Liebe wirkt, in dem Grade kann auch die Ideenrückschau, wie Platon sagt, nicht stattfinden.
[ 28 ] So musste das Christentum, statt die Mysterien des Altertums fortzusetzen, ein neues Mysterium in die Welt bringen. Das geistige Fortleben ist nicht bloß eine Allegorie, sondern eine Sache des Glaubens, und da musste das kirchliche Autoritätsprinzip Platz greifen. Bei Platon stand im Mittelpunkte der Begriff der Liebe. Er betrachtete sie als eine Art von Dämon. Sie ist dasjenige, was die Menschen von den unteren Stufen auf die höheren Stufen der Erkenntnis führt, das den Menschen aus einem Zeitlichen zu einem Ewigen macht. Die Liebe ist der Vermittler zwischen dem Zeitlichen und dem Ewigen. Aber die Liebe ist auch dasjenige Dämonische, was in jedem einzelnen Menschen den Entwicklungsprozess, den Gang vom Zeitlichen zum Ewigen hervorruft. Und in dem Grade, wie nicht diese Liebe wirkt, in dem Grade kann auch die Ideenrückschau, wie Platon sagt, nicht stattfinden.
[ 29 ] Was durch diesen Initiationsprozess, der uns als Ideen-Initiationsprozess geschildert wird, erreicht wird, ist ein Einführen in das Göttliche, in das Schauen. Dies kann nur vermittelt werden durch die Liebe, die für jede Persönlichkeit eine Führerschaft abgibt. Etwas anderes ist die «platonische Liebe. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem, was «christliche Liebe ist. Nicht ist das, was man in christlichen Schriften finden kann, zusammenzustellen mit der platonischen Liebe. Denken Sie sich nur, dass der Pfad da war in der alten mystischen Lehre. Der Weg der Mysten war ein personlicher. Er war ein solcher für einen Einzelnen. Jetzt haben wir es [im Christentum zu tun mit einem stellvertretenden Mysterium], mit einem einmal geschehenen geschichtlichen Ereignis. Es handelt sich darum, dass das, was früher als Weltentstehungsidee gedient hat, gleichsam die Landkarte wird, nach der man den Weg zurücklegt. Diese ganze Welt, welche Platon die Welt der Ideen nennt, wurde aus der persönlichen Perspektive gerückt, sie wurde entrückt der persönlichen Beobachtung. Es war dasjenige, was verbürgt war durch geschichtliche Tradition oder durch kirchliche Autorität. Aber das, was dem alten Mysterium zugrunde liegt, die ewige Wahrheit der Menschwerdung des Logos, das war es, was über die menschliche Perspektive hinausgerückt wurde. Es war dies für die Menschen der platonischen Philosophie der Weg der Liebe genannt. Diese Liebe, dieser Eros hat eine andere, eine neue Gestalt angenommen. Er wurde jetzt zu einem Prinzip, durch das der Mensch hinaufsehen konnte zu etwas, das der menschlichen Einsicht entrissen war. Alles, was Platon sagte, lief darauf hinaus: Das Wissen war dazu da, hinzuführen dahin, wo man Wahrnehmungen machen konnte; dieses Wissen aber konnte nicht dahin führen, [weil das inmitten der Erkenntnis, inmitten des Lichtes geborene Ewige — gewissermaßen also Brahma — keiner Erkenntnis zugänglich war.] Das, was an Stelle der Liebe treten musste, war nichts, was ein Ende hatte, sondern etwas, was einen Ausblick bot, was dazu führte, zu verbleiben im Augenscheinlichen, im Geschichtlichen. Zu gleicher Zeit wurde ein Weg verschlossen, den der alte Myste erreichen wollte, der aber nicht mehr gegangen werden kann. Daher musste das Christentum setzen für den «Pfad der Liebe eine andere Vorstellung. Und das ist der «Glaube. Der Glaube ist dasjenige, [was keine menschliche Erkenntnis erreichen kann, er ist dasjenige], was nur offenbart werden kann, was verbürgt werden muss durch den Augenschein. Der Christ kann glauben, aber nicht nach dem Inhalte des Unendlichen streben. Es ist dies dasjenige, was sich am Beginne des Christentums vollzogen hat, weil diese Anschauungen tatsächlich verwandelt worden sind, weil in jedem Einzelnen der mystische Initiationsprozess umgestempelt wurde zu einem einmaligen geschichtlichen Ereignis. Auch das Element des Hermes, dem Führer aus dem Irdischen ins Göttliche, wurde umgestaltet zu einem abstrakten Elemente, das nur eine subjektive Bedeutung hatte. In welcher Weise die platonische Vorstellungsweise und die Mysterienlehre im Besonderen noch eine irdische Gestalt annehmen mussten, in allem, was sich uns als Christentum darstellt, darüber möchte ich das nächste Mal sprechen.
[ 29 ] Was durch diesen Initiationsprozess, der uns als Ideen-Initiationsprozess geschildert wird, erreicht wird, ist ein Einführen in das Göttliche, in das Schauen. Dies kann nur vermittelt werden durch die Liebe, die für jede Persönlichkeit eine Führerschaft abgibt. Etwas anderes ist die «platonische Liebe. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem, was «christliche Liebe ist. Nicht ist das, was man in christlichen Schriften finden kann, zusammenzustellen mit der platonischen Liebe. Denken Sie sich nur, dass der Pfad da war in der alten mystischen Lehre. Der Weg der Mysten war ein personlicher. Er war ein solcher für einen Einzelnen. Jetzt haben wir es [im Christentum zu tun mit einem stellvertretenden Mysterium], mit einem einmal geschehenen geschichtlichen Ereignis. Es handelt sich darum, dass das, was früher als Weltentstehungsidee gedient hat, gleichsam die Landkarte wird, nach der man den Weg zurücklegt. Diese ganze Welt, welche Platon die Welt der Ideen nennt, wurde aus der persönlichen Perspektive gerückt, sie wurde entrückt der persönlichen Beobachtung. Es war dasjenige, was verbürgt war durch geschichtliche Tradition oder durch kirchliche Autorität. Aber das, was dem alten Mysterium zugrunde liegt, die ewige Wahrheit der Menschwerdung des Logos, das war es, was über die menschliche Perspektive hinausgerückt wurde. Es war dies für die Menschen der platonischen Philosophie der Weg der Liebe genannt. Diese Liebe, dieser Eros hat eine andere, eine neue Gestalt angenommen. Er wurde jetzt zu einem Prinzip, durch das der Mensch hinaufsehen konnte zu etwas, das der menschlichen Einsicht entrissen war. Alles, was Platon sagte, lief darauf hinaus: Das Wissen war dazu da, hinzuführen dahin, wo man Wahrnehmungen machen konnte; dieses Wissen aber konnte nicht dahin führen, [weil das inmitten der Erkenntnis, inmitten des Lichtes geborene Ewige — gewissermaßen also Brahma — keiner Erkenntnis zugänglich war.] Das, was an Stelle der Liebe treten musste, war nichts, was ein Ende hatte, sondern etwas, was einen Ausblick bot, was dazu führte, zu verbleiben im Augenscheinlichen, im Geschichtlichen. Zu gleicher Zeit wurde ein Weg verschlossen, den der alte Myste erreichen wollte, der aber nicht mehr gegangen werden kann. Daher musste das Christentum setzen für den «Pfad der Liebe eine andere Vorstellung. Und das ist der «Glaube. Der Glaube ist dasjenige, [was keine menschliche Erkenntnis erreichen kann, er ist dasjenige], was nur offenbart werden kann, was verbürgt werden muss durch den Augenschein. Der Christ kann glauben, aber nicht nach dem Inhalte des Unendlichen streben. Es ist dies dasjenige, was sich am Beginne des Christentums vollzogen hat, weil diese Anschauungen tatsächlich verwandelt worden sind, weil in jedem Einzelnen der mystische Initiationsprozess umgestempelt wurde zu einem einmaligen geschichtlichen Ereignis. Auch das Element des Hermes, dem Führer aus dem Irdischen ins Göttliche, wurde umgestaltet zu einem abstrakten Elemente, das nur eine subjektive Bedeutung hatte. In welcher Weise die platonische Vorstellungsweise und die Mysterienlehre im Besonderen noch eine irdische Gestalt annehmen mussten, in allem, was sich uns als Christentum darstellt, darüber möchte ich das nächste Mal sprechen.
Fragenbeantwortung:
Fragenbeantwortung:
[ 30 ] Den Christus hat man ganz ausgeschaltet. Zwei Dinge sind da zu unterscheiden, die Gläubigen und der Lehrer, welcher die Lehren der alten Mysterien lehrte. Die Gleichnisreden lassen hindurchsehen auf einen Lehrer der Essäer-Gemeinde. Zu dem Volke hat er gesprochen, wie es dem Volke entsprechend war. Hinter dem Jesus steht der eigentliche Lehrer wie bei Krischna, Rama und so weiter. Das, was Jesus gelehrt hat, unterscheidet sich nicht von dem, was der Orient gelehrt hat. Aber das, was das Christentum geworden ist, ist doch etwas anderes. Was gefordert wurde von den Mysten, ist etwas anderes[: an] eine einmalige geschichtliche Tatsache glauben.
[ 30 ] Den Christus hat man ganz ausgeschaltet. Zwei Dinge sind da zu unterscheiden, die Gläubigen und der Lehrer, welcher die Lehren der alten Mysterien lehrte. Die Gleichnisreden lassen hindurchsehen auf einen Lehrer der Essäer-Gemeinde. Zu dem Volke hat er gesprochen, wie es dem Volke entsprechend war. Hinter dem Jesus steht der eigentliche Lehrer wie bei Krischna, Rama und so weiter. Das, was Jesus gelehrt hat, unterscheidet sich nicht von dem, was der Orient gelehrt hat. Aber das, was das Christentum geworden ist, ist doch etwas anderes. Was gefordert wurde von den Mysten, ist etwas anderes[: an] eine einmalige geschichtliche Tatsache glauben.
[ 31 ] Der Inhalt der christlichen Dogmen der ersten Jahrhunderte ist genau derselbe wie in den alten Mysterienschulen. Der Inhalt der Mysterienlehren wird als eine teuflische Nachäffung des göttlichen Wortes hingestellt, um sagen zu können, dass sie doch etwas anderes lehren.
[ 31 ] Der Inhalt der christlichen Dogmen der ersten Jahrhunderte ist genau derselbe wie in den alten Mysterienschulen. Der Inhalt der Mysterienlehren wird als eine teuflische Nachäffung des göttlichen Wortes hingestellt, um sagen zu können, dass sie doch etwas anderes lehren.
[ 32 ] Philon vertiefte noch die platonische Philosophie. Philon hat das Prinzip des strengen Abschließens von der Außenwelt durchbrochen. Die äußere Verbreitung der Lehre durch das Gleichnis wurde gepflegt. Der esoterische Kern verschwand dadurch, die exoterische Hülle blieb. Paulus vertiefte das Exoterische des Christentums.
[ 32 ] Philon vertiefte noch die platonische Philosophie. Philon hat das Prinzip des strengen Abschließens von der Außenwelt durchbrochen. Die äußere Verbreitung der Lehre durch das Gleichnis wurde gepflegt. Der esoterische Kern verschwand dadurch, die exoterische Hülle blieb. Paulus vertiefte das Exoterische des Christentums.
