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Ancient Mysteries and Christianity
GA 87

1 February 1902, Berlin

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Antike Mysterien und Christentum, 1st ed.
  1. Ancient Mysteries and Christianity, tr. SOL

13. Die Mystik Des Philon Von Alexandrien

13. Die Mystik Des Philon Von Alexandrien

[Sehr verehrte Anwesende!]

[Sehr verehrte Anwesende!]

[ 1 ] Wir haben das letzte Mal gesehen, wie die Grundlehren des Platonismus besonders im «Phaidon» und im «Gastmahl» zum Ausdruck gekommen sind und wie zur Entstehung des Christentums im Wesentlichen drei Vorbedingungen notwendig waren.

[ 1 ] Wir haben das letzte Mal gesehen, wie die Grundlehren des Platonismus besonders im «Phaidon» und im «Gastmahl» zum Ausdruck gekommen sind und wie zur Entstehung des Christentums im Wesentlichen drei Vorbedingungen notwendig waren.

[ 2 ] Als erste Vorbedingung musste da sein das, was in den alten Mysterienkulten lebte als Welterklärung; als zweite Bedingung der Initiationsprozess, dem sich jeder unterwerfen musste, der Myste werden wollte; und als dritte Bedingung musste eine Verwandlung geschehen.

[ 2 ] Als erste Vorbedingung musste da sein das, was in den alten Mysterienkulten lebte als Welterklärung; als zweite Bedingung der Initiationsprozess, dem sich jeder unterwerfen musste, der Myste werden wollte; und als dritte Bedingung musste eine Verwandlung geschehen.

[ 3 ] Wie diese Verwandlung vor sich gegangen ist, haben wir uns ebenfalls deutlich zu machen versucht und wir haben gesehen, wie dann eine Verquickung mit einer geschichtlichen Tatsache stattgefunden hat, aus der sich dann das Christentum bilden konnte. Wir haben gesehen, wie das Christentum einen besonderen Wert legen musste auf die Verbürgung der Lehren durch den Augenschein als tatsächlichen Vorgang, und darauf hingewiesen, wie wir in Philon von Alexandrien eine Persönlichkeit haben, welche das in der platonischen Mystik vorhanden Gewesene in bedeutsamer Weise zu vertiefen vermochte.

[ 3 ] Wie diese Verwandlung vor sich gegangen ist, haben wir uns ebenfalls deutlich zu machen versucht und wir haben gesehen, wie dann eine Verquickung mit einer geschichtlichen Tatsache stattgefunden hat, aus der sich dann das Christentum bilden konnte. Wir haben gesehen, wie das Christentum einen besonderen Wert legen musste auf die Verbürgung der Lehren durch den Augenschein als tatsächlichen Vorgang, und darauf hingewiesen, wie wir in Philon von Alexandrien eine Persönlichkeit haben, welche das in der platonischen Mystik vorhanden Gewesene in bedeutsamer Weise zu vertiefen vermochte.

[ 4 ] Dies ist eine Tatsache, die wir verstehen müssen aus dem Gang der europäischen Mystik selbst. Am anschaulichsten wird uns diese Sache, wenn wir sie verfolgen bei dem Philosophen, der um Christi Geburt herum gelebt hat, eben bei Philon. Aber gerade Philons Mystik muss ich in großen Zügen darstellen. Ich muss deren Lebensnerv verfolgen, um dann darstellen zu können, wie gerade diese in Alexandrien zum Ausdruck gekommene Lehre in den verschiedensten Metamorphosen lebte auf der einen Seite in Nordafrika, dann aber auch in Palästina, besonders auch in der Sekte der Essäer, aus welcher Jesus von Nazareth hervorgegangen ist.

[ 4 ] Dies ist eine Tatsache, die wir verstehen müssen aus dem Gang der europäischen Mystik selbst. Am anschaulichsten wird uns diese Sache, wenn wir sie verfolgen bei dem Philosophen, der um Christi Geburt herum gelebt hat, eben bei Philon. Aber gerade Philons Mystik muss ich in großen Zügen darstellen. Ich muss deren Lebensnerv verfolgen, um dann darstellen zu können, wie gerade diese in Alexandrien zum Ausdruck gekommene Lehre in den verschiedensten Metamorphosen lebte auf der einen Seite in Nordafrika, dann aber auch in Palästina, besonders auch in der Sekte der Essäer, aus welcher Jesus von Nazareth hervorgegangen ist.

[ 5 ] Zu verstehen ist dasjenige, was Jesus gelehrt hat, am besten für uns abendländisch Denkende, wenn man den Umweg über die Weltanschauung des Philon, über Philons Mystik nimmt. Das, was Jesus innerhalb der Essäer-Gemeinde [gelernt] hat, ist etwas, was hervorgegangen ist [auch] aus Philons Mystik, der auf der einen Seite geschöpft hat aus der ägyptisch-mystischen Anschauung und auf der anderen Seite aus den Anschauungen der Griechen, vermischt mit der Anschauungsweise des Judentums. Geschichtliche Beweise dafür werde ich noch beibringen.

[ 5 ] Zu verstehen ist dasjenige, was Jesus gelehrt hat, am besten für uns abendländisch Denkende, wenn man den Umweg über die Weltanschauung des Philon, über Philons Mystik nimmt. Das, was Jesus innerhalb der Essäer-Gemeinde [gelernt] hat, ist etwas, was hervorgegangen ist [auch] aus Philons Mystik, der auf der einen Seite geschöpft hat aus der ägyptisch-mystischen Anschauung und auf der anderen Seite aus den Anschauungen der Griechen, vermischt mit der Anschauungsweise des Judentums. Geschichtliche Beweise dafür werde ich noch beibringen.

[ 6 ] Innerhalb des Judentums gab es zwei streng voneinander geschiedene Richtungen. Zu vergleichen sind dieselben mit den zwei Richtungen im Christentum, mit der Scholastik und der Mystik. Wenn wir uns diese beiden Richtungen vor Augen halten, wie sie sich herausgebildet haben innerhalb des [dreizehnten] Jahrhunderts, werden wir bemerken, dass dasselbe auch im Judentum vorhanden ist. Es hat sich da eine Verstandesphilosophie herausgebildet in der Weise, dass das geschriebene Wort, das in der Orthodoxie lebt, ausgelegt wurde, und dann eine andere Richtung, welche aber streng geheim gehalten worden ist, die jüdische Mystik. Diese wurde so streng geheim gehalten, dass Aussprüche da sind, welche ungefähr so lauten: Wer auch nur zwei Menschen davon etwas mitteilt, der tut ein großes Unrecht. - Es wurde geradezu als etwas Gefährliches angesehen, diese Geheimlehre einer großen Volksmasse mitzuteilen.

[ 6 ] Innerhalb des Judentums gab es zwei streng voneinander geschiedene Richtungen. Zu vergleichen sind dieselben mit den zwei Richtungen im Christentum, mit der Scholastik und der Mystik. Wenn wir uns diese beiden Richtungen vor Augen halten, wie sie sich herausgebildet haben innerhalb des [dreizehnten] Jahrhunderts, werden wir bemerken, dass dasselbe auch im Judentum vorhanden ist. Es hat sich da eine Verstandesphilosophie herausgebildet in der Weise, dass das geschriebene Wort, das in der Orthodoxie lebt, ausgelegt wurde, und dann eine andere Richtung, welche aber streng geheim gehalten worden ist, die jüdische Mystik. Diese wurde so streng geheim gehalten, dass Aussprüche da sind, welche ungefähr so lauten: Wer auch nur zwei Menschen davon etwas mitteilt, der tut ein großes Unrecht. - Es wurde geradezu als etwas Gefährliches angesehen, diese Geheimlehre einer großen Volksmasse mitzuteilen.

[ 7 ] Wenn ich zurückgreife auf die philonische Mystik, so möchte ich geradezu sagen, dass Philon, als Mystiker und Theosoph, einen der größten Entschlüsse gefasst hat, einen Entschluss, den wir in gleicher Bedeutung kaum wieder in der Geschichte antreffen. Um dieses zu charakterisieren, möchte ich einiges anführen, was ich auch schon bei anderen Gelegenheiten besprochen habe.

[ 7 ] Wenn ich zurückgreife auf die philonische Mystik, so möchte ich geradezu sagen, dass Philon, als Mystiker und Theosoph, einen der größten Entschlüsse gefasst hat, einen Entschluss, den wir in gleicher Bedeutung kaum wieder in der Geschichte antreffen. Um dieses zu charakterisieren, möchte ich einiges anführen, was ich auch schon bei anderen Gelegenheiten besprochen habe.

[ 8 ] Wir wissen, dass schon früher Philosophen aufgetreten sind, welche sagten, jedes Göttliche ist aus dem Menschen heraus geboren. Diese Feuerbach’sche Ansicht finden wir schon im fünften Jahrhundert vor Christus von griechischen Philosophen ausgesprochen. Wir finden sie ausgesprochen, um gegen die göttliche Idee zu polemisieren. Dann wurde sie im neunzehnten Jahrhundert bei Feuerbach in dem folgenden Sinne ausgesprochen: Wenn der Mensch in seinem Sinne die göttliche Idee schafft, so ist sie eine menschliche Schöpfung. Damit entfällt ihre objektive Bedeutung und hat nur den Wert, dass sie von dem Menschen überwunden werden soll.

[ 8 ] Wir wissen, dass schon früher Philosophen aufgetreten sind, welche sagten, jedes Göttliche ist aus dem Menschen heraus geboren. Diese Feuerbach’sche Ansicht finden wir schon im fünften Jahrhundert vor Christus von griechischen Philosophen ausgesprochen. Wir finden sie ausgesprochen, um gegen die göttliche Idee zu polemisieren. Dann wurde sie im neunzehnten Jahrhundert bei Feuerbach in dem folgenden Sinne ausgesprochen: Wenn der Mensch in seinem Sinne die göttliche Idee schafft, so ist sie eine menschliche Schöpfung. Damit entfällt ihre objektive Bedeutung und hat nur den Wert, dass sie von dem Menschen überwunden werden soll.

[ 9 ] Diese Anschauungsweise beruht nur auf einer Verkennung unseres Erkenntnisprozesses. Es gibt keine Anschauung, welche [nicht] auf dieselbe Art entstanden ist wie die göttlichen Lehren. Wenn wir eine einfache Vorstellung nehmen, so ist dies eine einfache Übertragung von dem Inneren in die Außenwelt, es ist dieselbe Art, wie die höchste Idee entstanden ist, welche sich der Mensch bilden kann, die Gottesidee.

[ 9 ] Diese Anschauungsweise beruht nur auf einer Verkennung unseres Erkenntnisprozesses. Es gibt keine Anschauung, welche [nicht] auf dieselbe Art entstanden ist wie die göttlichen Lehren. Wenn wir eine einfache Vorstellung nehmen, so ist dies eine einfache Übertragung von dem Inneren in die Außenwelt, es ist dieselbe Art, wie die höchste Idee entstanden ist, welche sich der Mensch bilden kann, die Gottesidee.

[ 10 ] Wir können hier zur Veranschaulichung von dem Stoße auf zwei Kugeln sprechen. Die eine Kugel fliegt da-, die andere dorthin. Durch die Kraft des Stoßes, sagt man, seien die zwei Kugeln weitergeflogen. Das, was wir hinzufügen, ist, dass keine Erfahrung von außen kommt. Wenn wir sagen: Die Kugel stößt - , so ist das schon etwas, was wir nur aus uns selbst entnehmen können. Eine gewisse Kraftwirkung haben wir aus uns selber entnommen und auf die Außenwelt übertragen. Wenn wir also sagen nach dem Rezept derjenigen, welche sagen, die Gottesvorstellung habe keine Berechtigung, so müssten wir unser ganzes inneres Leben streichen. Wir könnten gar nichts über die Außenwelt wissen. Umgekehrt aber sagen diejenigen, welche sich auf den Standpunkt der Mystik stellen: Ja, gerade das, was wir im Inneren erleben, ist das Allerwirklichste, und was die Außenwelt uns zu sagen hat, verrät sie uns nur auf dem Umwege durch unser Inneres. Daher ist es nur eine Fortsetzung des gewöhnlichen Denkens, dass wir auch die höchsten Ideen, die höchsten Vorstellungen, durch die wir uns die Welt erklären, nur in uns erleben. Durch diese geistig in uns erlebten Elemente können wir die Welt erklären.

[ 10 ] Wir können hier zur Veranschaulichung von dem Stoße auf zwei Kugeln sprechen. Die eine Kugel fliegt da-, die andere dorthin. Durch die Kraft des Stoßes, sagt man, seien die zwei Kugeln weitergeflogen. Das, was wir hinzufügen, ist, dass keine Erfahrung von außen kommt. Wenn wir sagen: Die Kugel stößt - , so ist das schon etwas, was wir nur aus uns selbst entnehmen können. Eine gewisse Kraftwirkung haben wir aus uns selber entnommen und auf die Außenwelt übertragen. Wenn wir also sagen nach dem Rezept derjenigen, welche sagen, die Gottesvorstellung habe keine Berechtigung, so müssten wir unser ganzes inneres Leben streichen. Wir könnten gar nichts über die Außenwelt wissen. Umgekehrt aber sagen diejenigen, welche sich auf den Standpunkt der Mystik stellen: Ja, gerade das, was wir im Inneren erleben, ist das Allerwirklichste, und was die Außenwelt uns zu sagen hat, verrät sie uns nur auf dem Umwege durch unser Inneres. Daher ist es nur eine Fortsetzung des gewöhnlichen Denkens, dass wir auch die höchsten Ideen, die höchsten Vorstellungen, durch die wir uns die Welt erklären, nur in uns erleben. Durch diese geistig in uns erlebten Elemente können wir die Welt erklären.

[ 11 ] Nun hat Platon die Welt, die er in sich erleben konnte, als die Grundlage des ganzen Universums angesehen. Jetzt kommt der groRe weitere Schritt, der hier noch zu machen war, der kühne Schritt, der über Platon hinausführt. Platon hat die Ideenwelt, die Welt, welche sich dem menschlichen Geiste erschließt, zur [Urgrundlage], zum Urwesen der Welt gemacht.

[ 11 ] Nun hat Platon die Welt, die er in sich erleben konnte, als die Grundlage des ganzen Universums angesehen. Jetzt kommt der groRe weitere Schritt, der hier noch zu machen war, der kühne Schritt, der über Platon hinausführt. Platon hat die Ideenwelt, die Welt, welche sich dem menschlichen Geiste erschließt, zur [Urgrundlage], zum Urwesen der Welt gemacht.

[ 12 ] Aber wenn wir unsere Ideenwelt an uns vorüberziehen lassen auch in dieser Ewigkeitsschau, in welcher sie uns bei Platon erscheint, dann haben wir einen notwendigen Zusammenhang, eine Idee hängt mit der anderen zusammen, eine baut nun auf der anderen auf. Es ist eine notwendige Harmonie in dieser Ideenwelt.

[ 12 ] Aber wenn wir unsere Ideenwelt an uns vorüberziehen lassen auch in dieser Ewigkeitsschau, in welcher sie uns bei Platon erscheint, dann haben wir einen notwendigen Zusammenhang, eine Idee hängt mit der anderen zusammen, eine baut nun auf der anderen auf. Es ist eine notwendige Harmonie in dieser Ideenwelt.

[ 13 ] Ist das das Höchste, was der Mensch in sich erfahren kann? Das ist etwa die Frage, welche sich Philon vorgelegt hat. Ist es das Höchste, das Notwendige zu erfahren? Nein, er kann hinausgehen über das Notwendige, er kann in sich den Willen als freien schöpferischen Willen erfahren.

[ 13 ] Ist das das Höchste, was der Mensch in sich erfahren kann? Das ist etwa die Frage, welche sich Philon vorgelegt hat. Ist es das Höchste, das Notwendige zu erfahren? Nein, er kann hinausgehen über das Notwendige, er kann in sich den Willen als freien schöpferischen Willen erfahren.

[ 14 ] Ich kann mich hier nicht einlassen auf die Streitigkeiten über die Freiheit oder Unfreiheit des Willens, ich kann nur betonen, dass wir es hier bei Philon zu tun haben mit der freien Willensentfaltung als Teil seiner Mystik. Er sagte: Ich kann mich selbst entschließen, dadurch eingreifen in den Weltengang und etwas hervorrufen, das nur durch mich hervorgerufen werden kann. Dieses Bewusstsein ist nur individuell, geht aber nach Vertiefung in die Persönlichkeit insoweit über die Ideenwelt hinaus, als es Ideen im Menschen nur auf dem Wege der Freiheit schöpfen kann.

[ 14 ] Ich kann mich hier nicht einlassen auf die Streitigkeiten über die Freiheit oder Unfreiheit des Willens, ich kann nur betonen, dass wir es hier bei Philon zu tun haben mit der freien Willensentfaltung als Teil seiner Mystik. Er sagte: Ich kann mich selbst entschließen, dadurch eingreifen in den Weltengang und etwas hervorrufen, das nur durch mich hervorgerufen werden kann. Dieses Bewusstsein ist nur individuell, geht aber nach Vertiefung in die Persönlichkeit insoweit über die Ideenwelt hinaus, als es Ideen im Menschen nur auf dem Wege der Freiheit schöpfen kann.

[ 15 ] Soll der Mensch einführen aus der Welt des Ewigen die Idee in die materielle Welt, dann muss er die Fähigkeit, die Möglichkeit haben, herauszutragen die Ideen in das Zeitliche, er muss also schöpferisch in das Weltgewebe eingreifen können. Dieses Persönlichste, Individuellste, in sich zu gleicher Zeit als Göttliches vorzustellen, es nicht nur als Ideenwelt, nicht nur als Geist als solchen, sondern das unmittelbarste innere Erleben als göttlich zu denken, das ist der Schritt, welchen Philon über Platon hinaus gemacht hat.

[ 15 ] Soll der Mensch einführen aus der Welt des Ewigen die Idee in die materielle Welt, dann muss er die Fähigkeit, die Möglichkeit haben, herauszutragen die Ideen in das Zeitliche, er muss also schöpferisch in das Weltgewebe eingreifen können. Dieses Persönlichste, Individuellste, in sich zu gleicher Zeit als Göttliches vorzustellen, es nicht nur als Ideenwelt, nicht nur als Geist als solchen, sondern das unmittelbarste innere Erleben als göttlich zu denken, das ist der Schritt, welchen Philon über Platon hinaus gemacht hat.

[ 16 ] Philon stieg noch tiefer in sich hinein und behielt trotzdem den Glauben, dass dieses Innerste das Urwesen, das Urwirkliche war. Platon konnte nur in seinen Ideen das Wirkliche finden. Da wo der Mensch selber das lebendige Bindeglied bildet, zwischen dem Ewigen und Zeitlichen, da suchte Philon noch tiefer grabend das Göttliche nicht mehr im Ideellen, sondern im Leben. Das ist einer der bedeutsamsten philosophischen Schlüsse, die nach Platon noch haben gemacht werden können.

[ 16 ] Philon stieg noch tiefer in sich hinein und behielt trotzdem den Glauben, dass dieses Innerste das Urwesen, das Urwirkliche war. Platon konnte nur in seinen Ideen das Wirkliche finden. Da wo der Mensch selber das lebendige Bindeglied bildet, zwischen dem Ewigen und Zeitlichen, da suchte Philon noch tiefer grabend das Göttliche nicht mehr im Ideellen, sondern im Leben. Das ist einer der bedeutsamsten philosophischen Schlüsse, die nach Platon noch haben gemacht werden können.

[ 17 ] Es spürt fast jeder leicht, dass uns in unserer Ideenwelt etwas gegeben wird, was über die Ideenwelt hinausgreift. Wir könnten nicht einsehen, dass wir Individualitäten sind, wenn nicht ein Strahl in uns hineindränge, wenn wir nicht durch unseren Geist einsehen könnten, dass wir zum All gehören. Dieser Geist ist es, der hereinleuchtet. Das, was der Mensch als Individuellstes empfindet, das, von dem er sagen kann, dass es nur ihm angehört, das ist der Willensentschluss.

[ 17 ] Es spürt fast jeder leicht, dass uns in unserer Ideenwelt etwas gegeben wird, was über die Ideenwelt hinausgreift. Wir könnten nicht einsehen, dass wir Individualitäten sind, wenn nicht ein Strahl in uns hineindränge, wenn wir nicht durch unseren Geist einsehen könnten, dass wir zum All gehören. Dieser Geist ist es, der hereinleuchtet. Das, was der Mensch als Individuellstes empfindet, das, von dem er sagen kann, dass es nur ihm angehört, das ist der Willensentschluss.

[ 18 ] Es ist am ehesten möglich, da zu sagen, dass das mit dem groRen Allgeist nichts zu tun hat. Anzuerkennen, dass auch da das Urwesen der Welt noch vorhanden ist, dass es gerade auch da in das Allerindividuellste einkehrt, das ist Philons größte Tat. Daher sagt Philon: Wir müssen nicht bloß bis zu den Ideen dringen, nicht bloß bis zum Geiste, wir müssen, wenn wir das Göttliche in uns fühlen wollen, noch tiefer heruntersteigen. Wir müssen bis in das unmittelbarste Leben hineindringen. - Da war es, wo Philon aus dem rein Geistigen, das zuletzt die griechische Mystik behandelt hat, aus der platonischen Ideenwelt wieder eintaucht in das unmittelbare Leben. Nicht nur der erkennende, der denkende, der den Pfad in der Anschauung suchende Mensch, sondern auch der tiefer Suchende lebt sich ein in das All.

[ 18 ] Es ist am ehesten möglich, da zu sagen, dass das mit dem groRen Allgeist nichts zu tun hat. Anzuerkennen, dass auch da das Urwesen der Welt noch vorhanden ist, dass es gerade auch da in das Allerindividuellste einkehrt, das ist Philons größte Tat. Daher sagt Philon: Wir müssen nicht bloß bis zu den Ideen dringen, nicht bloß bis zum Geiste, wir müssen, wenn wir das Göttliche in uns fühlen wollen, noch tiefer heruntersteigen. Wir müssen bis in das unmittelbarste Leben hineindringen. - Da war es, wo Philon aus dem rein Geistigen, das zuletzt die griechische Mystik behandelt hat, aus der platonischen Ideenwelt wieder eintaucht in das unmittelbare Leben. Nicht nur der erkennende, der denkende, der den Pfad in der Anschauung suchende Mensch, sondern auch der tiefer Suchende lebt sich ein in das All.

[ 19 ] Das ist eine ganz andere, viel lebensvollere Fassung dessen, was Platon nur vorgeahnt und nur vorgedacht hat. Es war ein tieferes Hinuntersteigen in die materielle Welt. Hatte Platon den Menschen aufgefordert, herauszutreten aus der materiellen Welt, um an der Ewigkeit den Blick zu nähren, so hat Philon wieder versucht, [in das Materielle] wieder unterzutauchen, in die nicht bloß geistige Welt, sondern in die, welche lebensvoll ist.

[ 19 ] Das ist eine ganz andere, viel lebensvollere Fassung dessen, was Platon nur vorgeahnt und nur vorgedacht hat. Es war ein tieferes Hinuntersteigen in die materielle Welt. Hatte Platon den Menschen aufgefordert, herauszutreten aus der materiellen Welt, um an der Ewigkeit den Blick zu nähren, so hat Philon wieder versucht, [in das Materielle] wieder unterzutauchen, in die nicht bloß geistige Welt, sondern in die, welche lebensvoll ist.

[ 20 ] Und das ist auch der Sinn der Mystik: Nicht erkennen im Geistigen, sondern leben im Geistigen, im Geistigen sich eine Aufgabe stellen, sich bewusst sein, dass Gott sich in unendlicher Liebe im Materiellen verloren hat und wiedergeboren werden muss, aber nur wiedergeboren werden kann, indem der Mensch den Weltprozess aus einem materiellen in einen geistigen Prozess verwandelt, sodass tatsächlich der Mensch untertaucht in das Materielle, indem er da gleichzeitig die Mission übernimmt, den Ur-Logos hineinzusenken in die materielle Welt und dadurch diese wieder heraufzuentwickeln in die geistige Welt.

[ 20 ] Und das ist auch der Sinn der Mystik: Nicht erkennen im Geistigen, sondern leben im Geistigen, im Geistigen sich eine Aufgabe stellen, sich bewusst sein, dass Gott sich in unendlicher Liebe im Materiellen verloren hat und wiedergeboren werden muss, aber nur wiedergeboren werden kann, indem der Mensch den Weltprozess aus einem materiellen in einen geistigen Prozess verwandelt, sodass tatsächlich der Mensch untertaucht in das Materielle, indem er da gleichzeitig die Mission übernimmt, den Ur-Logos hineinzusenken in die materielle Welt und dadurch diese wieder heraufzuentwickeln in die geistige Welt.

[ 21 ] So denkt sich Philon den Platon aus der Erfassung des Lebens. Er kann nicht mehr sagen: Versenkt euch in die Ideenwelt, dann werdet ihr das Leben finden. - Er sagt: Sucht noch unter der Ideenwelt, sucht noch das, was noch tiefer ist im menschlichen Bewusstsein. Wenn ihr das, was noch tiefer liegt, so weit zu vergeistigen in der Lage seid, in der Lage seid zu erkennen, dass es Leben ist, dann erreicht ihr das Göttliche.

[ 21 ] So denkt sich Philon den Platon aus der Erfassung des Lebens. Er kann nicht mehr sagen: Versenkt euch in die Ideenwelt, dann werdet ihr das Leben finden. - Er sagt: Sucht noch unter der Ideenwelt, sucht noch das, was noch tiefer ist im menschlichen Bewusstsein. Wenn ihr das, was noch tiefer liegt, so weit zu vergeistigen in der Lage seid, in der Lage seid zu erkennen, dass es Leben ist, dann erreicht ihr das Göttliche.

[ 22 ] Was für Platon noch möglich war, ich möchte sagen, das Göttliche in den Ideen auszudrücken, das wird für Philon unmöglich. Man kann jetzt nur eintauchen in das Meer des Lebens. Die platonische Ideenwelt wird nur ein Abglanz, ein Schattenbild von demjenigen, was hinter der Ideenwelt als das Urewige lebt. Wir haben also hinter die Ideenwelt etwas gestellt, was der Mensch nicht erfassen kann, was er nur ahnend ergreifen kann, sodass [Philon] sich eine Lebensperspektive schafft, die hinter der Ideenwelt ist.

[ 22 ] Was für Platon noch möglich war, ich möchte sagen, das Göttliche in den Ideen auszudrücken, das wird für Philon unmöglich. Man kann jetzt nur eintauchen in das Meer des Lebens. Die platonische Ideenwelt wird nur ein Abglanz, ein Schattenbild von demjenigen, was hinter der Ideenwelt als das Urewige lebt. Wir haben also hinter die Ideenwelt etwas gestellt, was der Mensch nicht erfassen kann, was er nur ahnend ergreifen kann, sodass [Philon] sich eine Lebensperspektive schafft, die hinter der Ideenwelt ist.

[ 23 ] Durch kein Wort auszudrücken ist daher das Göttliche für Philon. Wenn er von irgendeinem Ding sagt, es existiert, so ist die Vorstellung des Seins von den Sinnesdingen genommen und von den Dingen, die er geistig wahrnehmen kann. Sinnlich und geistig wahrnehmen kann der Mensch. Eine unmittelbare Anschauung des tiefer Liegenden hat er nicht. Nur die Perspektive eröffnet sich nach der einen Seite der Unendlichkeit. Niemals kann der Mensch das Ende nach dieser Richtung erreichen, niemals kann er es nach der anderen Seite ergreifen, nach der Seite des Materiellen.

[ 23 ] Durch kein Wort auszudrücken ist daher das Göttliche für Philon. Wenn er von irgendeinem Ding sagt, es existiert, so ist die Vorstellung des Seins von den Sinnesdingen genommen und von den Dingen, die er geistig wahrnehmen kann. Sinnlich und geistig wahrnehmen kann der Mensch. Eine unmittelbare Anschauung des tiefer Liegenden hat er nicht. Nur die Perspektive eröffnet sich nach der einen Seite der Unendlichkeit. Niemals kann der Mensch das Ende nach dieser Richtung erreichen, niemals kann er es nach der anderen Seite ergreifen, nach der Seite des Materiellen.

[ 24 ] Was ein Mensch lebt und was er webt, das ist für Philon geradeso wie für Platon ein Durchdringen des Geistigen und Materiellen. In allem, was uns gegeben ist, überall lebt Geist und Materie zugleich. Es ist ein Ineinanderscheinen, ein gegenseitiges Durchdringen von Geist und Materie. Das Atom ist eine geformte, gesetzmäßig angeordnete Materie. Die gesetzmäßige Anordnung ist ein Einfluss des Geistigen in die Welt. Was angeordnet ist, das rührt von der Materie her. Was wir als Seele wahrnehmen, ist ebenso eine Durchdringung von Geist und Materie wie das Atom.

[ 24 ] Was ein Mensch lebt und was er webt, das ist für Philon geradeso wie für Platon ein Durchdringen des Geistigen und Materiellen. In allem, was uns gegeben ist, überall lebt Geist und Materie zugleich. Es ist ein Ineinanderscheinen, ein gegenseitiges Durchdringen von Geist und Materie. Das Atom ist eine geformte, gesetzmäßig angeordnete Materie. Die gesetzmäßige Anordnung ist ein Einfluss des Geistigen in die Welt. Was angeordnet ist, das rührt von der Materie her. Was wir als Seele wahrnehmen, ist ebenso eine Durchdringung von Geist und Materie wie das Atom.

[ 25 ] Überall, wo wir wahrnehmen, haben wir es zu tun mit einem Zwischenstück der Welt, das in allen Teilen Geist und Materie darbietet. Wir selbst sind ein solches Glied. Auf der einen Seite haben wir eine Perspektive, die immer zu verfolgen ist nach der Seite des Ewigen, [auf der anderen nach der Seite des Zeitlichen]; auf der einen Seite nach dem Einheitlichen, auf der anderen Seite nach dem Materiellen, nach dem Mannigfaltigen. Das ist der Grundnerv dessen, was Philon zu seiner Anschauung getrieben hat.

[ 25 ] Überall, wo wir wahrnehmen, haben wir es zu tun mit einem Zwischenstück der Welt, das in allen Teilen Geist und Materie darbietet. Wir selbst sind ein solches Glied. Auf der einen Seite haben wir eine Perspektive, die immer zu verfolgen ist nach der Seite des Ewigen, [auf der anderen nach der Seite des Zeitlichen]; auf der einen Seite nach dem Einheitlichen, auf der anderen Seite nach dem Materiellen, nach dem Mannigfaltigen. Das ist der Grundnerv dessen, was Philon zu seiner Anschauung getrieben hat.

[ 26 ] Wir können noch von einer anderen Seite uns dem nähern, was Philon wollte. Wenn wir uns vorstellen, um wieder ein Sinnbild heranzuziehen, das ich schon öfters gebraucht habe, ein Wesen, das nur tasten kann, das keine Augen, keine Ohren, nur Tastorgane besitzt, dann würde sich ihm die ganze Welt in Tasteigenschaften darstellen, in Eigenschaften, die der Tastsinn uns vermitteln kann. Würde dann noch das Gehör hinzutreten, so würde die Welt eine von Klängen erfüllte Welt sein. Und je nachdem der Mensch der einen oder anderen Weltanschauung angehört, je nachdem wird die Welt anders für ihn aussehen. Er wird sagen können: Die Töne habe ich nicht gehört, weil ich keine Ohren gehabt habe. - Oder: Die Einrichtung meines Gehörorganes fügt zur Welt die Töne hinzu, die Augen fügen auch noch hinzu alles Farbige.

[ 26 ] Wir können noch von einer anderen Seite uns dem nähern, was Philon wollte. Wenn wir uns vorstellen, um wieder ein Sinnbild heranzuziehen, das ich schon öfters gebraucht habe, ein Wesen, das nur tasten kann, das keine Augen, keine Ohren, nur Tastorgane besitzt, dann würde sich ihm die ganze Welt in Tasteigenschaften darstellen, in Eigenschaften, die der Tastsinn uns vermitteln kann. Würde dann noch das Gehör hinzutreten, so würde die Welt eine von Klängen erfüllte Welt sein. Und je nachdem der Mensch der einen oder anderen Weltanschauung angehört, je nachdem wird die Welt anders für ihn aussehen. Er wird sagen können: Die Töne habe ich nicht gehört, weil ich keine Ohren gehabt habe. - Oder: Die Einrichtung meines Gehörorganes fügt zur Welt die Töne hinzu, die Augen fügen auch noch hinzu alles Farbige.

[ 27 ] Und nun denken Sie sich dieses weiter als ein fortwährendes Aufschließen neuer Organe. Dies hat vieles auf sich. Denken Sie sich, wie dem einfachen Lebewesen nur Tastorgane gegeben sind. Wenn wir im Sinne Schopenhauers sprechen und die Welt nur als ein Wesen des Tasteindruckes darstellen wollten, wie sie sich für ein einfach entwickeltes Wesen darstellt, dann würden wir schreiben müssen: «Die Welt als Tastempfindung». Ein weiter entwickeltes Wesen würde dann eine andere Weltanschauung haben. Jedes Wesen hat so eine höhere oder niedere Entwicklung. Der Mensch aber, in dem die Kräfte schon da waren, die der Mensch noch erreichen muss, würde erblicken das, was das eigentliche Urwesen ist. So aber, wie der heutige Mensch ist, muss er es völlig unbestimmt lassen. Er kann das, was er wahrnimmt, nur als Abglanz betrachten und sich bemühen, dem Urwesen immer näher und näher zu kommen. Wer subjektiv-materialistisch denkt und glaubt, dass der Mensch nicht etwas Wirkliches findet, wenn er seine Organe aufschließt, der wird nicht so denken wie Philon. Philon sagt: Wenn ich Töne höre, so schaffe nicht ich solche Töne, sondern es wird mir ermöglicht, diese Art der Welterscheinung zu erkennen. - Das war alles da. Er wird nie sagen: Weil mein Ohr da ist, deshalb ist ein Ton da. Alles, was durch menschliche Organe erschlossen werden kann, ist immer da, ist das eigentlich Ewige. Es war da, bevor irgendetwas da war, sogar bevor die Zeit da war.

[ 27 ] Und nun denken Sie sich dieses weiter als ein fortwährendes Aufschließen neuer Organe. Dies hat vieles auf sich. Denken Sie sich, wie dem einfachen Lebewesen nur Tastorgane gegeben sind. Wenn wir im Sinne Schopenhauers sprechen und die Welt nur als ein Wesen des Tasteindruckes darstellen wollten, wie sie sich für ein einfach entwickeltes Wesen darstellt, dann würden wir schreiben müssen: «Die Welt als Tastempfindung». Ein weiter entwickeltes Wesen würde dann eine andere Weltanschauung haben. Jedes Wesen hat so eine höhere oder niedere Entwicklung. Der Mensch aber, in dem die Kräfte schon da waren, die der Mensch noch erreichen muss, würde erblicken das, was das eigentliche Urwesen ist. So aber, wie der heutige Mensch ist, muss er es völlig unbestimmt lassen. Er kann das, was er wahrnimmt, nur als Abglanz betrachten und sich bemühen, dem Urwesen immer näher und näher zu kommen. Wer subjektiv-materialistisch denkt und glaubt, dass der Mensch nicht etwas Wirkliches findet, wenn er seine Organe aufschließt, der wird nicht so denken wie Philon. Philon sagt: Wenn ich Töne höre, so schaffe nicht ich solche Töne, sondern es wird mir ermöglicht, diese Art der Welterscheinung zu erkennen. - Das war alles da. Er wird nie sagen: Weil mein Ohr da ist, deshalb ist ein Ton da. Alles, was durch menschliche Organe erschlossen werden kann, ist immer da, ist das eigentlich Ewige. Es war da, bevor irgendetwas da war, sogar bevor die Zeit da war.

[ 28 ] Das muss man zunächst verstehen, um einzusehen, warum Philon das Ende völlig unbestimmt ließ. Es musste der Mensch alle Fähigkeiten aus sich heraus entwickelt haben, dann musste seine Wahrnehmung damit zusammenfallen, was das Urwesen wirklich ist. So kann er nur die Perspektive nach dem Urwirklichen erschließen, die undurchdringlich ist, nur weil der Mensch ein endliches Wesen ist.

[ 28 ] Das muss man zunächst verstehen, um einzusehen, warum Philon das Ende völlig unbestimmt ließ. Es musste der Mensch alle Fähigkeiten aus sich heraus entwickelt haben, dann musste seine Wahrnehmung damit zusammenfallen, was das Urwesen wirklich ist. So kann er nur die Perspektive nach dem Urwirklichen erschließen, die undurchdringlich ist, nur weil der Mensch ein endliches Wesen ist.

[ 29 ] Nicht dass dieses Urwesen mit dem Menschen nicht dieselbe Wesenheit hätte. Es ist, um mit Goethe zu sprechen, ein «offenbares Geheimnis. Es ist immer und überall da, und es kann von dem Menschen immer mehr und mehr erschaut und erkannt werden. Es ist aber von Philon nur eine Behauptung, die er als endlicher Mensch macht und von der er sich klar ist, dass sie nur für den endlichen Menschen eine Bedeutung hat, dass sie - mit dem Auge Gottes gesehen - eine Unwahrheit wäre, dass sie keine erschöpfende Wahrheit wäre. Das ist die Behauptung Philons, dass das Göttliche in der Welt sich nicht voll erschließt. Nur für den Menschen erschließt es sich nicht. Aber der Mensch ist auf dem Wege, dass es sich ihm erschließt. So hat Philon eine Urvernunft. - Wir müssen das Wort gebrauchen, aber uns auch klar sein, dass das Wort nicht das erschöpft, um was es sich handelt. -So hat er das Wort für den Urlogos, ist sich zu gleicher Zeit aber klar darüber, dass das nur ein Bild, eine Abschattung des Urlogos ist, dass der Mensch nicht anders kann, als jenen Pfad zu betreten, durch den das göttliche Wesen immer mehr und mehr aus dem Materiellen wieder heraus erlöst wird.

[ 29 ] Nicht dass dieses Urwesen mit dem Menschen nicht dieselbe Wesenheit hätte. Es ist, um mit Goethe zu sprechen, ein «offenbares Geheimnis. Es ist immer und überall da, und es kann von dem Menschen immer mehr und mehr erschaut und erkannt werden. Es ist aber von Philon nur eine Behauptung, die er als endlicher Mensch macht und von der er sich klar ist, dass sie nur für den endlichen Menschen eine Bedeutung hat, dass sie - mit dem Auge Gottes gesehen - eine Unwahrheit wäre, dass sie keine erschöpfende Wahrheit wäre. Das ist die Behauptung Philons, dass das Göttliche in der Welt sich nicht voll erschließt. Nur für den Menschen erschließt es sich nicht. Aber der Mensch ist auf dem Wege, dass es sich ihm erschließt. So hat Philon eine Urvernunft. - Wir müssen das Wort gebrauchen, aber uns auch klar sein, dass das Wort nicht das erschöpft, um was es sich handelt. -So hat er das Wort für den Urlogos, ist sich zu gleicher Zeit aber klar darüber, dass das nur ein Bild, eine Abschattung des Urlogos ist, dass der Mensch nicht anders kann, als jenen Pfad zu betreten, durch den das göttliche Wesen immer mehr und mehr aus dem Materiellen wieder heraus erlöst wird.

[ 30 ] Der Prozess, den der Mensch dadurch durchmacht, ist so, dass er in das Materielle untertaucht, um Gott mit seiner Hilfe aus der Materie zu erlösen. Er ist sich klar darüber, dass der, welcher dieses anerkennt, sich auf den Pfad der Wahrheit begeben wird. Er betrachtet es als Aufgabe der Lebensphilosophie, den Menschen als lebendige Wesenheit auf den Pfad zu führen, damit er als Philosoph, als Mystiker da anlangt, wohin die ägyptische Mystik ihre Schüler führen wollte, wo die Menschen die göttlichen Geschäfte in der Welt besorgen. Das ist so die Grundidee, die Grundempfindung, die Philon zu seinen Anschauungen geführt hat.

[ 30 ] Der Prozess, den der Mensch dadurch durchmacht, ist so, dass er in das Materielle untertaucht, um Gott mit seiner Hilfe aus der Materie zu erlösen. Er ist sich klar darüber, dass der, welcher dieses anerkennt, sich auf den Pfad der Wahrheit begeben wird. Er betrachtet es als Aufgabe der Lebensphilosophie, den Menschen als lebendige Wesenheit auf den Pfad zu führen, damit er als Philosoph, als Mystiker da anlangt, wohin die ägyptische Mystik ihre Schüler führen wollte, wo die Menschen die göttlichen Geschäfte in der Welt besorgen. Das ist so die Grundidee, die Grundempfindung, die Philon zu seinen Anschauungen geführt hat.

[ 31 ] Nun möchte ich noch zeigen, wie Philon, gerade weil er innerhalb des damaligen Judentums stand, zu einer solchen Anschauung hat geführt werden können, und ich möchte ferner zeigen, wie das Symbolum unter solchen großen Geistern wie Philon, das als der in unendliche Weite gerückte Endpunkt erschien, am Endpunkte der philonischen Philosophie umgewandelt wurde zu dem Symbol auf Golgatha. Man muss sich klar sein darüber, dass das [christliche] Symbol, das sich auf dem Kreuzberge erhoben hat, eine Umwandlung desjenigen Symboles ist, das den Quell wiedergibt, aus dem Philon geschöpft hat, das Symbol, durch welches die jüdische Mystik damals um die Wende der Jahre in die christliche Zeitrechnung den Urgrund einsah, welcher erschien als Gott und Mensch zugleich.

[ 31 ] Nun möchte ich noch zeigen, wie Philon, gerade weil er innerhalb des damaligen Judentums stand, zu einer solchen Anschauung hat geführt werden können, und ich möchte ferner zeigen, wie das Symbolum unter solchen großen Geistern wie Philon, das als der in unendliche Weite gerückte Endpunkt erschien, am Endpunkte der philonischen Philosophie umgewandelt wurde zu dem Symbol auf Golgatha. Man muss sich klar sein darüber, dass das [christliche] Symbol, das sich auf dem Kreuzberge erhoben hat, eine Umwandlung desjenigen Symboles ist, das den Quell wiedergibt, aus dem Philon geschöpft hat, das Symbol, durch welches die jüdische Mystik damals um die Wende der Jahre in die christliche Zeitrechnung den Urgrund einsah, welcher erschien als Gott und Mensch zugleich.

[ 32 ] Die jüdische Mystik war — wie jede Mystik - durchdrungen davon, dass, wenn der Mensch in sich schaut, er den Urgrund der Welt in sich findet. Aber ebenso war sie überzeugt, dass das, was der Mensch in sich findet, zugleich der wahre Ursprung, der Kern der Welt ist. Und so findet der Mensch im tiefsten Menschlichen auch das tiefste Göttliche. Dieses tiefste Menschliche drückt die jüdische Mystik unter dem Symbol aus: Vater rechts, Mutter links, Kind in der Mitte. Dieses Symbol des unbefleckten Vaters, der unbefleckten Mutter und des Kindes, welches auf eine rein geistige Weise geschaffen war, dieses Bild, welches zu gleicher Zeit die zwei Seiten in der Natur ausdrückt, die ewige Entwicklung, das fortwährende Verwandeln der verschiedenen Weltgestaltungen, und in dem Kinde das, was hervorgegangen ist zugleich aus dem Geistigen und dem Materiellen, dieses Bild war es, was am Ende erschien als das Symbol, als das, was der Mensch nur hätte begreifen können, wenn er ganz hinter die Kulissen gesehen hätte. So aber konnte er sich dieses Urgeheimnis nur unter dem Bilde des Vaters und der Mutter mit dem Kinde vorstellen.

[ 32 ] Die jüdische Mystik war — wie jede Mystik - durchdrungen davon, dass, wenn der Mensch in sich schaut, er den Urgrund der Welt in sich findet. Aber ebenso war sie überzeugt, dass das, was der Mensch in sich findet, zugleich der wahre Ursprung, der Kern der Welt ist. Und so findet der Mensch im tiefsten Menschlichen auch das tiefste Göttliche. Dieses tiefste Menschliche drückt die jüdische Mystik unter dem Symbol aus: Vater rechts, Mutter links, Kind in der Mitte. Dieses Symbol des unbefleckten Vaters, der unbefleckten Mutter und des Kindes, welches auf eine rein geistige Weise geschaffen war, dieses Bild, welches zu gleicher Zeit die zwei Seiten in der Natur ausdrückt, die ewige Entwicklung, das fortwährende Verwandeln der verschiedenen Weltgestaltungen, und in dem Kinde das, was hervorgegangen ist zugleich aus dem Geistigen und dem Materiellen, dieses Bild war es, was am Ende erschien als das Symbol, als das, was der Mensch nur hätte begreifen können, wenn er ganz hinter die Kulissen gesehen hätte. So aber konnte er sich dieses Urgeheimnis nur unter dem Bilde des Vaters und der Mutter mit dem Kinde vorstellen.

[ 33 ] Dieses Ursymbol, welches die jüdische Mystik hatte, ist nichts anderes als der Anfang der Bibel überhaupt. In den Menschen sah der jüdische Mystiker den Urquell alles Göttlichen und zugleich des tiefsten Menschlichen. Er sah das, weil da wirklich das Werden, die Entwicklung sich am allerintensivsten spaltete oder auseinanderfloss, und deren Teile nur durch einen Willensentschluss sich vereinigten. So wird das Symbolum, welches als Symbolum der Vertiefung durch den freien Willensentschluss in das eigentliche Urwesen der Welt führt, dargestellt durch Vater und Mutter, durch das «Mann - Weib» und durch das Dritte, das aus beiden hervorgegangen ist und das in seiner fortlaufenden Entwicklung beide enthält.

[ 33 ] Dieses Ursymbol, welches die jüdische Mystik hatte, ist nichts anderes als der Anfang der Bibel überhaupt. In den Menschen sah der jüdische Mystiker den Urquell alles Göttlichen und zugleich des tiefsten Menschlichen. Er sah das, weil da wirklich das Werden, die Entwicklung sich am allerintensivsten spaltete oder auseinanderfloss, und deren Teile nur durch einen Willensentschluss sich vereinigten. So wird das Symbolum, welches als Symbolum der Vertiefung durch den freien Willensentschluss in das eigentliche Urwesen der Welt führt, dargestellt durch Vater und Mutter, durch das «Mann - Weib» und durch das Dritte, das aus beiden hervorgegangen ist und das in seiner fortlaufenden Entwicklung beide enthält.

[ 34 ] Wir denken uns dieses Symbol - was der immer mehr und mehr finden würde, welcher den Pfad der Erkenntnis betritt - übersetzt als einen der Wege für den Menschen, um zum [höheren] Bewusstsein zu kommen. Einer unter den Wegen, zum [höheren] Bewusstsein zu kommen, ist durch dieses Symbol ausgedrückt.

[ 34 ] Wir denken uns dieses Symbol - was der immer mehr und mehr finden würde, welcher den Pfad der Erkenntnis betritt - übersetzt als einen der Wege für den Menschen, um zum [höheren] Bewusstsein zu kommen. Einer unter den Wegen, zum [höheren] Bewusstsein zu kommen, ist durch dieses Symbol ausgedrückt.

[ 35 ] Denken wir uns, dass gleichsam der Mensch den Blick abwendet von der eigentlichen Urbedeutung dieses Symbols, dass er sich damit bescheidet, unbegreiflich zunächst zu finden das Männliche und das Weibliche in diesem Bilde, und den Blick auf das Kind richtet, den Blick also richtet auf jenes Mittelglied in der Entwicklung, das wir als geistig-materiell, geistig-sinnlich aussprechen, denken wir uns, dass der Mensch von diesem Zwischengliede, von dem Kinde aus die Welt zu erfassen suchte, weil ihm vielleicht zum Bewusstsein gekommen ist, dass das andere nicht zu erreichen ist, dass es am Ende liegt und er deshalb den Blick in die Mitte richtet, sodass das, was links und rechts liegt, schattenhaft erscheint, dann haben Sie als das unerreichbar Göttliche das Menschliche gesetzt.

[ 35 ] Denken wir uns, dass gleichsam der Mensch den Blick abwendet von der eigentlichen Urbedeutung dieses Symbols, dass er sich damit bescheidet, unbegreiflich zunächst zu finden das Männliche und das Weibliche in diesem Bilde, und den Blick auf das Kind richtet, den Blick also richtet auf jenes Mittelglied in der Entwicklung, das wir als geistig-materiell, geistig-sinnlich aussprechen, denken wir uns, dass der Mensch von diesem Zwischengliede, von dem Kinde aus die Welt zu erfassen suchte, weil ihm vielleicht zum Bewusstsein gekommen ist, dass das andere nicht zu erreichen ist, dass es am Ende liegt und er deshalb den Blick in die Mitte richtet, sodass das, was links und rechts liegt, schattenhaft erscheint, dann haben Sie als das unerreichbar Göttliche das Menschliche gesetzt.

[ 36 ] Sie haben den Menschen innerhalb der Weltentwicklung lebend und innerhalb dieses Menschen das, was erscheint als männlich und weiblich, nur als seine Kräfte in ihm, gleichsam in ihm nur das Bewusstsein, die Erkenntnis davon, dass er auf seinem Wege zu jenem Ziele kommen kann, an dessen Ende die beiden Elemente des Weiblichen und Männlichen sind.

[ 36 ] Sie haben den Menschen innerhalb der Weltentwicklung lebend und innerhalb dieses Menschen das, was erscheint als männlich und weiblich, nur als seine Kräfte in ihm, gleichsam in ihm nur das Bewusstsein, die Erkenntnis davon, dass er auf seinem Wege zu jenem Ziele kommen kann, an dessen Ende die beiden Elemente des Weiblichen und Männlichen sind.

[ 37 ] Der Mensch hat zweierlei Bewusstsein. Das eine ist das [eigene], welches ihn auf dem Weg sicher dahinführt, das zweite ist, dass er einen Führer hat, der ihn weiterbringt, dass etwas Bestimmtes und Unbestimmtes zu gleicher Zeit in ihm ist, dass etwas in ihm ist, das er selbst verfolgen kann, und etwas, das in ihm durch Gnade lebt, das ihn weiterbringt und ihn von Schritt zu Schritt weiterführt auf dem Entwicklungsweg.

[ 37 ] Der Mensch hat zweierlei Bewusstsein. Das eine ist das [eigene], welches ihn auf dem Weg sicher dahinführt, das zweite ist, dass er einen Führer hat, der ihn weiterbringt, dass etwas Bestimmtes und Unbestimmtes zu gleicher Zeit in ihm ist, dass etwas in ihm ist, das er selbst verfolgen kann, und etwas, das in ihm durch Gnade lebt, das ihn weiterbringt und ihn von Schritt zu Schritt weiterführt auf dem Entwicklungsweg.

[ 38 ] Die zweite göttliche Kraft, der Führer, tritt zu ihm und sagt: Lass das Göttliche, wende den Blick ab vom Göttlichen, auf dass du dasjenige, was in dir lebt, erkennst. Und was lebt in dir? Es lebt in dir der Weg zwischen dem Guten und dem Bösen. Du wirst erkennen das Gute und das Böse. - Es beginnt also der Lebenspfad des Kindes damit, dass der Führer zu dem Kinde herantritt und ihm sagt: Entwickle deine eigenen Fähigkeiten, dann werden deine eigenen Fähigkeiten dich führen zu jenem Ende, das du in einer unendlichen Perspektive ahnen kannst. Aber du musst dir klar sein darüber, dass du dieses Göttliche nur in dir als [eigene] Kraft hast.

[ 38 ] Die zweite göttliche Kraft, der Führer, tritt zu ihm und sagt: Lass das Göttliche, wende den Blick ab vom Göttlichen, auf dass du dasjenige, was in dir lebt, erkennst. Und was lebt in dir? Es lebt in dir der Weg zwischen dem Guten und dem Bösen. Du wirst erkennen das Gute und das Böse. - Es beginnt also der Lebenspfad des Kindes damit, dass der Führer zu dem Kinde herantritt und ihm sagt: Entwickle deine eigenen Fähigkeiten, dann werden deine eigenen Fähigkeiten dich führen zu jenem Ende, das du in einer unendlichen Perspektive ahnen kannst. Aber du musst dir klar sein darüber, dass du dieses Göttliche nur in dir als [eigene] Kraft hast.

[ 39 ] Jetzt tritt das Kind, ich möchte sagen, das Göttlich-Menschliche, in die eigentliche Perspektive, und das andere tritt als Nebensache, als bloße menschliche Kraft neben den Menschen hin als das Gute und Böse, als das, was er erkennt auf seinem Lebenswege. Und da haben Sie die Verwandlung des jüdischen Symbols der Welt. Die Umwandlung ist das eigentliche christliche Symbol auf dem Kreuzberg. Den Erlöser in der Mitte, links und rechts Vater und Mutter. In den Schächern haben wir den Abglanz dessen, was wir im Ursymbol als Mutter- und Vaterprinzip, als materielles und geistiges Prinzip haben. So verwandelt sich im Spiegel des Symbols die Mystik der damaligen Zeit, die jüdische Mystik, in die christliche Mystik. Der Blick richtet sich auf diejenige Seite des Symbols - nicht auf das Ende, weil es doch nicht erreicht wird, sondern auf den Sohn -, die den Mittelpunkt der neuen Weltanschauung abgibt.

[ 39 ] Jetzt tritt das Kind, ich möchte sagen, das Göttlich-Menschliche, in die eigentliche Perspektive, und das andere tritt als Nebensache, als bloße menschliche Kraft neben den Menschen hin als das Gute und Böse, als das, was er erkennt auf seinem Lebenswege. Und da haben Sie die Verwandlung des jüdischen Symbols der Welt. Die Umwandlung ist das eigentliche christliche Symbol auf dem Kreuzberg. Den Erlöser in der Mitte, links und rechts Vater und Mutter. In den Schächern haben wir den Abglanz dessen, was wir im Ursymbol als Mutter- und Vaterprinzip, als materielles und geistiges Prinzip haben. So verwandelt sich im Spiegel des Symbols die Mystik der damaligen Zeit, die jüdische Mystik, in die christliche Mystik. Der Blick richtet sich auf diejenige Seite des Symbols - nicht auf das Ende, weil es doch nicht erreicht wird, sondern auf den Sohn -, die den Mittelpunkt der neuen Weltanschauung abgibt.

[ 40 ] Das ist in symbolisch-mystischer Weise aufgefasst das, was sich damals vollzogen hat in jener Zeit unter dem Einfluss von philosophischen Vorstellungen, wie sie Philon darbietet. Es ist ein neues philosophisches Leben auf der einen Seite, ein gewisser Verzicht von einer anderen Seite angesehen, von Seite der alten Mysterien. Und hier ist die Erklärung, warum das Mysterium so geheim gehalten wurde. Es wurde deshalb so geheim gehalten, weil es nicht verstanden werden kann. Es musste erst umgewandelt, vermenschlicht werden, wenn dieses Symbolum, dieses Mysterium, das nur wenigen zugänglich war, eine allgemeine Weltbedeutung erlangen sollte.

[ 40 ] Das ist in symbolisch-mystischer Weise aufgefasst das, was sich damals vollzogen hat in jener Zeit unter dem Einfluss von philosophischen Vorstellungen, wie sie Philon darbietet. Es ist ein neues philosophisches Leben auf der einen Seite, ein gewisser Verzicht von einer anderen Seite angesehen, von Seite der alten Mysterien. Und hier ist die Erklärung, warum das Mysterium so geheim gehalten wurde. Es wurde deshalb so geheim gehalten, weil es nicht verstanden werden kann. Es musste erst umgewandelt, vermenschlicht werden, wenn dieses Symbolum, dieses Mysterium, das nur wenigen zugänglich war, eine allgemeine Weltbedeutung erlangen sollte.

[ 41 ] Ich bitte, mich nicht misszuverstehen, ich möchte nicht den Hauptwert auf die Umwandlung des Symbols legen, ich wollte nur im Spiegel dieses Symbols zeigen, was sich damals im Volke vollzogen hat, wie zum Beispiel in der Essäer-Gemeinde, unter dem Einfluss von buddhistischen Lehren sich eine Lehre herausentwickelt hat wie bei Philon, jedoch anderes bezweckt hat und anders zustande gekommen ist, weil die verschiedensten mystischen Schulen eine Art Vertiefung durch solche Persönlichkeiten wie Philon erlangt haben. Philon hat sich geradeso wie andere Personen der damaligen Zeit durchdrungen mit alledem, was damals an mystischen Lehren zu erlangen war.

[ 41 ] Ich bitte, mich nicht misszuverstehen, ich möchte nicht den Hauptwert auf die Umwandlung des Symbols legen, ich wollte nur im Spiegel dieses Symbols zeigen, was sich damals im Volke vollzogen hat, wie zum Beispiel in der Essäer-Gemeinde, unter dem Einfluss von buddhistischen Lehren sich eine Lehre herausentwickelt hat wie bei Philon, jedoch anderes bezweckt hat und anders zustande gekommen ist, weil die verschiedensten mystischen Schulen eine Art Vertiefung durch solche Persönlichkeiten wie Philon erlangt haben. Philon hat sich geradeso wie andere Personen der damaligen Zeit durchdrungen mit alledem, was damals an mystischen Lehren zu erlangen war.

[ 42 ] Einen äußeren Ausdruck, wie damals gestrebt worden ist, gleichsam das Urgöttliche zu erkennen, das hinter allen beschränkten Anschauungen vom Göttlichen schlummert, was hinter diesen verborgen ist, hat man in der Lebensbeschreibung eines anderen [«Christus], wie man ihn sich vorstellte, und in der Lebensbeschreibung des Apollonius von Tyana [durch Philostratos]. Dieser Apollonius wird uns so vorgestellt, dass man daraus sieht, wie [diese Anschauungen] überall gelebt haben und wie dies jeweils nur als einzelne Seiten einer Urreligion aufzufassen ist.

[ 42 ] Einen äußeren Ausdruck, wie damals gestrebt worden ist, gleichsam das Urgöttliche zu erkennen, das hinter allen beschränkten Anschauungen vom Göttlichen schlummert, was hinter diesen verborgen ist, hat man in der Lebensbeschreibung eines anderen [«Christus], wie man ihn sich vorstellte, und in der Lebensbeschreibung des Apollonius von Tyana [durch Philostratos]. Dieser Apollonius wird uns so vorgestellt, dass man daraus sieht, wie [diese Anschauungen] überall gelebt haben und wie dies jeweils nur als einzelne Seiten einer Urreligion aufzufassen ist.

[ 43 ] Diese Urreligion, diese Uroffenbarung hat er seinerseits gesucht in der Weise, dass er in allen Religionsformen nur Ausdrucksformen suchte, sodass wir in Apollonius von Tyana eine Persönlichkeit vor uns haben, die danach strebte, die Urreligion zu finden. Im Grunde genommen haben wir eine solche Persönlichkeit auch in Philon. Von Apollonius haben wir zu wenig überliefert bekommen. Bei Philon aber können wir dafür einstehen, dass er die Anschauungen, wie sie auf ihn gekommen sind, in seiner Weise vertieft, zu noch tieferer Stufe des Bewusstseins geführt hat, sodass sie also als die vorbereitende Philosophie des Abendlandes betrachtet werden können, die dann in den verschiedenen christlichen Gemeinden als christliche Lehre wieder aufgetreten sind.

[ 43 ] Diese Urreligion, diese Uroffenbarung hat er seinerseits gesucht in der Weise, dass er in allen Religionsformen nur Ausdrucksformen suchte, sodass wir in Apollonius von Tyana eine Persönlichkeit vor uns haben, die danach strebte, die Urreligion zu finden. Im Grunde genommen haben wir eine solche Persönlichkeit auch in Philon. Von Apollonius haben wir zu wenig überliefert bekommen. Bei Philon aber können wir dafür einstehen, dass er die Anschauungen, wie sie auf ihn gekommen sind, in seiner Weise vertieft, zu noch tieferer Stufe des Bewusstseins geführt hat, sodass sie also als die vorbereitende Philosophie des Abendlandes betrachtet werden können, die dann in den verschiedenen christlichen Gemeinden als christliche Lehre wieder aufgetreten sind.

[ 44 ] Die philonische Philosophie hat es möglich gemacht, dass die christliche Lehre in philosophischer Weise vertieft werden konnte; die philonische Philosophie hat es möglich gemacht, dass in der Tat der Blick abgewendet worden ist von einer [unzulänglichen] Art und Weise, die Mysterien zu erforschen, sodass dadurch der Mensch auf das Leben selbst gewiesen worden ist.

[ 44 ] Die philonische Philosophie hat es möglich gemacht, dass die christliche Lehre in philosophischer Weise vertieft werden konnte; die philonische Philosophie hat es möglich gemacht, dass in der Tat der Blick abgewendet worden ist von einer [unzulänglichen] Art und Weise, die Mysterien zu erforschen, sodass dadurch der Mensch auf das Leben selbst gewiesen worden ist.

[ 45 ] Und nun werden wir sehen, wie unter dem Einflusse von solchen Empfindungen, wie sie sich ausdrücken in der Umgestaltung des jüdischen Symbols von Vater, Mutter und Kind in die Gestalt des Bildes auf Golgatha, die Entwicklung weitergeht. Wir werden sehen, wie uns Jesus und Philon in Gleichnissen zum Ausdruck bringen, was sie zum Ausdruck zu bringen haben.

[ 45 ] Und nun werden wir sehen, wie unter dem Einflusse von solchen Empfindungen, wie sie sich ausdrücken in der Umgestaltung des jüdischen Symbols von Vater, Mutter und Kind in die Gestalt des Bildes auf Golgatha, die Entwicklung weitergeht. Wir werden sehen, wie uns Jesus und Philon in Gleichnissen zum Ausdruck bringen, was sie zum Ausdruck zu bringen haben.

[ 46 ] Es ist zum Teil Verborgenes, zum Teil das, was sie in den Mysterienschulen erlangt haben.

[ 46 ] Es ist zum Teil Verborgenes, zum Teil das, was sie in den Mysterienschulen erlangt haben.

Fragenbeantwortung:

Fragenbeantwortung:

[ 47 ] Evangelium Matthäus. Der erste Sprössling Davids. «Siehe, es wird dir ein Sohn geboren und der wird Emmanuel heißen, das heißt «Gott mit uns.»

[ 47 ] Evangelium Matthäus. Der erste Sprössling Davids. «Siehe, es wird dir ein Sohn geboren und der wird Emmanuel heißen, das heißt «Gott mit uns.»

[ 48 ] Hier haben wir die Entgegensetzung der inneren Wahrheit und der äußeren. Das Evangelium kann nur dann verstanden werden, wenn man sich klargeworden ist, dass darinnen ineinandergeflossen sind zwei Anschauungen. Das eine Mal sehen wir, was tatsächlich sich darbietet. Wenn wir im Zwischengliede sind, dann erscheint uns Christus als derjenige, der auf dem tieferen Hintergrunde erscheint. Daher schildert Matthäus den Gekreuzigten an dem Kreuze (das christliche Symbol).

[ 48 ] Hier haben wir die Entgegensetzung der inneren Wahrheit und der äußeren. Das Evangelium kann nur dann verstanden werden, wenn man sich klargeworden ist, dass darinnen ineinandergeflossen sind zwei Anschauungen. Das eine Mal sehen wir, was tatsächlich sich darbietet. Wenn wir im Zwischengliede sind, dann erscheint uns Christus als derjenige, der auf dem tieferen Hintergrunde erscheint. Daher schildert Matthäus den Gekreuzigten an dem Kreuze (das christliche Symbol).

[ 49 ] [Notiz des Stenografen:] Im nächsten Satze blickt er zurück auf das mystische Symbol der damaligen Zeit.

[ 49 ] [Notiz des Stenografen:] Im nächsten Satze blickt er zurück auf das mystische Symbol der damaligen Zeit.

[ 50 ] Logos.

[ 50 ] Logos.

[ 51 ] Der zweite Logos ist das gegenseitige Sichdurchdringen. Der dritte Logos ist das, was auf der anderen Seite der Perspektive liegt. Der zweite Logos ist der Sohn. Das Johannes-Evangelium ist nur eine andere Interpretation der philonischen Weltanschauung.

[ 51 ] Der zweite Logos ist das gegenseitige Sichdurchdringen. Der dritte Logos ist das, was auf der anderen Seite der Perspektive liegt. Der zweite Logos ist der Sohn. Das Johannes-Evangelium ist nur eine andere Interpretation der philonischen Weltanschauung.

[ 52 ] Das Bild, das ich gegeben habe, lässt sich geschichtlich rechtfertigen. Auch das von der jüdischen Mystik. Diese liegt aber nicht so offenkundig da wie die anderen Lehren. Ohne die jüdische Mystik ist keine richtige Auffassung des Christentums möglich.

[ 52 ] Das Bild, das ich gegeben habe, lässt sich geschichtlich rechtfertigen. Auch das von der jüdischen Mystik. Diese liegt aber nicht so offenkundig da wie die anderen Lehren. Ohne die jüdische Mystik ist keine richtige Auffassung des Christentums möglich.

[ 53 ] Die jüdische Mystik wird wohl viel auf assyrische und persische Einflüsse zurückgeführt?

[ 53 ] Die jüdische Mystik wird wohl viel auf assyrische und persische Einflüsse zurückgeführt?

[ 54 ] In ihren Symbolen ja, aber in ihren eigentlichen Empfindungsgrundlagen kann sie nicht auf diese persische Symbolik zurückgeführt werden. Man muss sich vorstellen, dass der eigentliche tiefere Gehalt denselben Ursprung hat wie der Buddhismus. Philon selbst verleugnet den indischen Ursprung, aber es ist alles schon da vorhanden. Er hat alles von jenen erhalten. Es waren symbolische Bilder. Deren Gehalt wurde vergessen und dann wiedergefunden.

[ 54 ] In ihren Symbolen ja, aber in ihren eigentlichen Empfindungsgrundlagen kann sie nicht auf diese persische Symbolik zurückgeführt werden. Man muss sich vorstellen, dass der eigentliche tiefere Gehalt denselben Ursprung hat wie der Buddhismus. Philon selbst verleugnet den indischen Ursprung, aber es ist alles schon da vorhanden. Er hat alles von jenen erhalten. Es waren symbolische Bilder. Deren Gehalt wurde vergessen und dann wiedergefunden.

[ 55 ] Goethe. Das Ewig-Weibliche ist gleich der griechischen Grundvorstellung für das Aufsuchen eines tieferen Bewusstseinszustandes. Die Mutter ist mann-weiblich. Das Schattenbild ist das Kind. Das Schlangensymbol ist nicht zu verkennen bei Goethe. Es ist der Führer, der zur Aufopferung kommt.

[ 55 ] Goethe. Das Ewig-Weibliche ist gleich der griechischen Grundvorstellung für das Aufsuchen eines tieferen Bewusstseinszustandes. Die Mutter ist mann-weiblich. Das Schattenbild ist das Kind. Das Schlangensymbol ist nicht zu verkennen bei Goethe. Es ist der Führer, der zur Aufopferung kommt.

[ 56 ] Die Irrlichter bedeuten das bloße Erkennen, leere Philosopheme.

[ 56 ] Die Irrlichter bedeuten das bloße Erkennen, leere Philosopheme.

[ 57 ] Das Dogma von der unbefleckten Empfängnis.

[ 57 ] Das Dogma von der unbefleckten Empfängnis.

[ 58 ] Es ist kein Wunder. Es hat nur dann Sinn, wenn es auf esoterischen Hintergrand gelegt wird. Das Geborenwerden aus Maria der Jungfrau ist das Symbol für einen höheren natürlichen Prozess.

[ 58 ] Es ist kein Wunder. Es hat nur dann Sinn, wenn es auf esoterischen Hintergrand gelegt wird. Das Geborenwerden aus Maria der Jungfrau ist das Symbol für einen höheren natürlichen Prozess.