Ancient Mysteries and Christianity
GA 87
8 February 1902, Berlin
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Antike Mysterien und Christentum, 1st ed.
14. Philon Und Die Geistesströmungen Seiner Zeit — Therapeuten, Essäertum
14. Philon Und Die Geistesströmungen Seiner Zeit — Therapeuten, Essäertum
[Sehr verehrte Anwesende!]
[Sehr verehrte Anwesende!]
[ 1 ] Ich habe das letzte Mal versucht zu zeigen, wie durch Philon von Alexandrien ein neuer Einschlag in die platonische Philosophie hineinkommt und wie dann durch Philon der Übergang gebildet wird von den Mysterien, von der jüdischen Mystik zum Christentum. Und ich habe zum Schlusse darauf aufmerksam gemacht, dass sich sowohl Philon wie auch Jesus der Gleichnisse bedienten zur Darstellung der verborgen gehaltenen, in den Mysterienschulen erlangten Weisheiten.
[ 1 ] Ich habe das letzte Mal versucht zu zeigen, wie durch Philon von Alexandrien ein neuer Einschlag in die platonische Philosophie hineinkommt und wie dann durch Philon der Übergang gebildet wird von den Mysterien, von der jüdischen Mystik zum Christentum. Und ich habe zum Schlusse darauf aufmerksam gemacht, dass sich sowohl Philon wie auch Jesus der Gleichnisse bedienten zur Darstellung der verborgen gehaltenen, in den Mysterienschulen erlangten Weisheiten.
[ 2 ] Ein anschauliches Beispiel haben wir in der Erklärung, die Philon von dem vierzehnten Kapitel des ersten Buches Mose gibt. Da werden wir sehen, wie Philon zu Werke geht. Es ist die Ihnen bekannte Geschichte, die da lautet: «Und es begab sich zu der Zeit, dass KedorLaomors, der König von Elam, und die Könige von Sinear, von Ellasar und der Heidenkönig kriegten mit den Königen von Sodom, Gomorra, Adama, Zeboim und Bela, die da heißt Zoar.» Abraham schlägt seine Gegner in die Flucht, rettet Lot und wird endlich von Melchisedek gesegnet.
[ 2 ] Ein anschauliches Beispiel haben wir in der Erklärung, die Philon von dem vierzehnten Kapitel des ersten Buches Mose gibt. Da werden wir sehen, wie Philon zu Werke geht. Es ist die Ihnen bekannte Geschichte, die da lautet: «Und es begab sich zu der Zeit, dass KedorLaomors, der König von Elam, und die Könige von Sinear, von Ellasar und der Heidenkönig kriegten mit den Königen von Sodom, Gomorra, Adama, Zeboim und Bela, die da heißt Zoar.» Abraham schlägt seine Gegner in die Flucht, rettet Lot und wird endlich von Melchisedek gesegnet.
[ 3 ] Fünf Könige sind es, mit denen Abraham kämpft gegen die vier anderen Könige. Es liegt ein mystischer Sinn darinnen. Die vier Könige sind vier Laster: die Wollust, die Begierde, die Furcht und die Traurigkeit. Die fünf anderen Könige müssen als die fünf Sinne verstanden werden, die wie verbunden damit sind. Abraham aber zeigt an den Logos. Wenn dieser seine Tugenden erzieht, wirft er jene Mächte siegreich nieder. In dem Kampfe der fünf Könige gegen die vier anderen sieht [Philon] den Kampf des Logos. Die Kraft sieht er der fünf Sinne sich bemächtigen. Mit Hilfe der fünf Sinne, das ist Weisheit und Erkenntnis, kämpft der Logos gegen Wollust, Begierde, Furcht und "Traurigkeit. Dieser menschliche Vorgang, der erkannt werden kann, wenn wir in die Seele steigen, ist geradeso etwas, wie wenn wir den Pflanzen gegenüberstehen. Es ist dieselbe GesetzmäBigkeit. Die Gesetzmäßigkeit des geistigen menschlichen Schaffens ist auch dadurch zu erklären, dass der Mensch diese Gesetze aus der menschlichen Natur hergenommen hat. Nicht auf eine äußere Weise ist der Mythos zu erklären, sondern dadurch, dass er dem tiefsten mystischen Vorgang zugrunde liegt.
[ 3 ] Fünf Könige sind es, mit denen Abraham kämpft gegen die vier anderen Könige. Es liegt ein mystischer Sinn darinnen. Die vier Könige sind vier Laster: die Wollust, die Begierde, die Furcht und die Traurigkeit. Die fünf anderen Könige müssen als die fünf Sinne verstanden werden, die wie verbunden damit sind. Abraham aber zeigt an den Logos. Wenn dieser seine Tugenden erzieht, wirft er jene Mächte siegreich nieder. In dem Kampfe der fünf Könige gegen die vier anderen sieht [Philon] den Kampf des Logos. Die Kraft sieht er der fünf Sinne sich bemächtigen. Mit Hilfe der fünf Sinne, das ist Weisheit und Erkenntnis, kämpft der Logos gegen Wollust, Begierde, Furcht und "Traurigkeit. Dieser menschliche Vorgang, der erkannt werden kann, wenn wir in die Seele steigen, ist geradeso etwas, wie wenn wir den Pflanzen gegenüberstehen. Es ist dieselbe GesetzmäBigkeit. Die Gesetzmäßigkeit des geistigen menschlichen Schaffens ist auch dadurch zu erklären, dass der Mensch diese Gesetze aus der menschlichen Natur hergenommen hat. Nicht auf eine äußere Weise ist der Mythos zu erklären, sondern dadurch, dass er dem tiefsten mystischen Vorgang zugrunde liegt.
[ 4 ] Wir sehen also, dass Philon zum ersten Male etwas angewendet hat auf den alttestamentlichen Mythos, was wir kennengelernt haben bei den Mysten und der griechischen Volksreligion. Die griechischen Mysten haben sich durchaus in derselben Weise dieses vorgestellt. Wir müssen absehen von dem, was unwissenschaftlich darinnen ist, oder was einer genauen Selbsterkenntnis widerspricht. Nun, es handelt sich nur darum zu sagen, was im Menschen vorgeht. Und was im Menschen vorgeht, muss verstanden werden aus den ursprünglichen, menschlichen Kräften. Es ist nicht so zu verstehen, als wäre es ein allegorischer Ausdruck, sondern man fühlt es als objektive, geistige Gesetzmäßigkeit, deren sich der Geist bedient, um den Mythos hervorzubringen. Man erfasst den Mythos und verhält sich ihm gegenüber so, wie sich der Naturforscher der Natur gegenüber verhält.
[ 4 ] Wir sehen also, dass Philon zum ersten Male etwas angewendet hat auf den alttestamentlichen Mythos, was wir kennengelernt haben bei den Mysten und der griechischen Volksreligion. Die griechischen Mysten haben sich durchaus in derselben Weise dieses vorgestellt. Wir müssen absehen von dem, was unwissenschaftlich darinnen ist, oder was einer genauen Selbsterkenntnis widerspricht. Nun, es handelt sich nur darum zu sagen, was im Menschen vorgeht. Und was im Menschen vorgeht, muss verstanden werden aus den ursprünglichen, menschlichen Kräften. Es ist nicht so zu verstehen, als wäre es ein allegorischer Ausdruck, sondern man fühlt es als objektive, geistige Gesetzmäßigkeit, deren sich der Geist bedient, um den Mythos hervorzubringen. Man erfasst den Mythos und verhält sich ihm gegenüber so, wie sich der Naturforscher der Natur gegenüber verhält.
[ 5 ] In diesen tiefsten Triebkräften in der Menschenseele, welche dadurch ein äußeres Dasein sich schaffen, dass sie sich in Mythen umsetzen, sich in der mythologischen Welt [ausleben], sodass in der äußeren Welt nicht mehr sichtbar ist, was in ihnen gewaltet hat an tieferen Kräften, sieht [Philon] den im Menschengeist waltenden Logos, den ewigen Weltengeist. Und diesen im Menschengeist waltenden Weltengeist, den er als Logos bezeichnet, der, insofern er sich im Menschen auslebt, nicht eine bloß abstrakte Begriffswelt ist, sondern etwas unmittelbar Lebendiges, diesen Weltengeist bezeichnet er zu gleicher Zeit mit dem Wort «Sophia» - «Vernunft möchte ich es übersetzen -, «das Worv und «die Weisheiv. Das sind die zwei Bestandteile, in welche sich die allgemeine Weisheit in Menschengeist umsetzt. Das ist das, was als tiefere Wahrheit zugrunde liegt der ganzen alttestamentlichen Mythe. Das ist, wie gesagt, das, was wir bei Philon zum Ausdruck gebracht sehen.
[ 5 ] In diesen tiefsten Triebkräften in der Menschenseele, welche dadurch ein äußeres Dasein sich schaffen, dass sie sich in Mythen umsetzen, sich in der mythologischen Welt [ausleben], sodass in der äußeren Welt nicht mehr sichtbar ist, was in ihnen gewaltet hat an tieferen Kräften, sieht [Philon] den im Menschengeist waltenden Logos, den ewigen Weltengeist. Und diesen im Menschengeist waltenden Weltengeist, den er als Logos bezeichnet, der, insofern er sich im Menschen auslebt, nicht eine bloß abstrakte Begriffswelt ist, sondern etwas unmittelbar Lebendiges, diesen Weltengeist bezeichnet er zu gleicher Zeit mit dem Wort «Sophia» - «Vernunft möchte ich es übersetzen -, «das Worv und «die Weisheiv. Das sind die zwei Bestandteile, in welche sich die allgemeine Weisheit in Menschengeist umsetzt. Das ist das, was als tiefere Wahrheit zugrunde liegt der ganzen alttestamentlichen Mythe. Das ist, wie gesagt, das, was wir bei Philon zum Ausdruck gebracht sehen.
[ 6 ] So sehen wir, dass das, was in dem griechischen Mythos verteilt ist auf mannigfaltige Göttergestalten und was der griechische Myste mehr oder weniger zusammenfügen konnte in der Dionysos-Gestalt, von Philon zusammengefügt ist in dieser einzigen Gestalt. Es ist dasselbe, was auch im Judentum enthalten war. Das, was früher in der Mannigfaltigkeit der Welt gesucht wurde, das führt Philon auf einen einzigen Urgeist als eine einzige Göttlichkeit zurück und bezeichnet sie als «Logo».
[ 6 ] So sehen wir, dass das, was in dem griechischen Mythos verteilt ist auf mannigfaltige Göttergestalten und was der griechische Myste mehr oder weniger zusammenfügen konnte in der Dionysos-Gestalt, von Philon zusammengefügt ist in dieser einzigen Gestalt. Es ist dasselbe, was auch im Judentum enthalten war. Das, was früher in der Mannigfaltigkeit der Welt gesucht wurde, das führt Philon auf einen einzigen Urgeist als eine einzige Göttlichkeit zurück und bezeichnet sie als «Logo».
[ 7 ] In diesen paar Worten wurde die Weisheit, sagt er, in tieferen Seelen hingeleitet zu dem, was in der jüdischen Mystik seinerzeit in der Symbolik stecken blieb. Es ist das, was sie mit dem MännlichWeiblichen bezeichneten. Männlicher Logos und weibliche Weisheit, das ist für Philon der Bewusstseinszustand, der dem äußeren Symbol, von dem ich neulich gesprochen habe, entspricht. So sagt Philon: Alles dasjenige, was als ein Geistiges in der Welt erscheint, führt zurück auf den Gottmenschen, auf das Göttliche in der Menschennatur.
[ 7 ] In diesen paar Worten wurde die Weisheit, sagt er, in tieferen Seelen hingeleitet zu dem, was in der jüdischen Mystik seinerzeit in der Symbolik stecken blieb. Es ist das, was sie mit dem MännlichWeiblichen bezeichneten. Männlicher Logos und weibliche Weisheit, das ist für Philon der Bewusstseinszustand, der dem äußeren Symbol, von dem ich neulich gesprochen habe, entspricht. So sagt Philon: Alles dasjenige, was als ein Geistiges in der Welt erscheint, führt zurück auf den Gottmenschen, auf das Göttliche in der Menschennatur.
[ 8 ] Wir dürfen sagen — und das ist im philonischen Sinne gesprochen, und Stellen könnten dafür angeführt werden, wenn wir tiefer in die alten Schriftwerke eindringen -, so offenbart sich uns nichts anderes als das Göttlich-Menschliche.
[ 8 ] Wir dürfen sagen — und das ist im philonischen Sinne gesprochen, und Stellen könnten dafür angeführt werden, wenn wir tiefer in die alten Schriftwerke eindringen -, so offenbart sich uns nichts anderes als das Göttlich-Menschliche.
[ 9 ] Das ist es, was durch die Philosophie des Philon als neuer Bestandteil in die abendländische Geisteswelt kommt. Er war sich bewusst, dass er damit nicht etwas gegeben hat, wovon er der erste Urheber ist. Philon war sich klar darüber, dass er Vorgänger hatte. Von diesen gibt er auch eine Beschreibung, in der er verrät, in welcher Weise er Vorgänger hatte. Er beschreibt nicht nur Persönlichkeiten, sondern ganze Sekten. Schon von jungen Jahren an kannte er die ‘Therapeuten’ als Einsiedler in verschiedenen Gegenden Ägyptens und Nordafrikas. Er beschreibt sie uns als Einsiedler, die von der Welt zurückgezogen lebten, die abgezogen lebten von aller Sinnlichkeit, von allem Weltlichen, um so rein in sich zu erwecken, was Philon als das Gott-Menschliche anspricht. Einen großen Teil der Woche, sechs Tage, verbrachten sie in einem rein beschaulichen Leben, den siebenten Tag verwandten sie dazu, bei gemeinschaftlichen Mahlzeiten mit der Welt in Berührung zu kommen.
[ 9 ] Das ist es, was durch die Philosophie des Philon als neuer Bestandteil in die abendländische Geisteswelt kommt. Er war sich bewusst, dass er damit nicht etwas gegeben hat, wovon er der erste Urheber ist. Philon war sich klar darüber, dass er Vorgänger hatte. Von diesen gibt er auch eine Beschreibung, in der er verrät, in welcher Weise er Vorgänger hatte. Er beschreibt nicht nur Persönlichkeiten, sondern ganze Sekten. Schon von jungen Jahren an kannte er die ‘Therapeuten’ als Einsiedler in verschiedenen Gegenden Ägyptens und Nordafrikas. Er beschreibt sie uns als Einsiedler, die von der Welt zurückgezogen lebten, die abgezogen lebten von aller Sinnlichkeit, von allem Weltlichen, um so rein in sich zu erwecken, was Philon als das Gott-Menschliche anspricht. Einen großen Teil der Woche, sechs Tage, verbrachten sie in einem rein beschaulichen Leben, den siebenten Tag verwandten sie dazu, bei gemeinschaftlichen Mahlzeiten mit der Welt in Berührung zu kommen.
[ 10 ] Schriftdeutung wurde bei den Therapeuten gepflogen an alttestamentlichen und ägyptischen Schriften. Es war dies durchaus keine andere, sondern es war dieselbe, welche wir auch bei Philon als seine eigene entdeckt haben. «Über das beschauliche Leben» hat er schon geschrieben, bevor er dreißig Jahre erreicht hatte. Im Buche «Über das beschauliche Leben» kann man sehen, wie die Therapeuten hinter jeder Tatsache das Gottmenschliche suchten. Sie wurden aber in der mannigfaltigsten Weise tendenziös in der abendländischen Philosophie behandelt.
[ 10 ] Schriftdeutung wurde bei den Therapeuten gepflogen an alttestamentlichen und ägyptischen Schriften. Es war dies durchaus keine andere, sondern es war dieselbe, welche wir auch bei Philon als seine eigene entdeckt haben. «Über das beschauliche Leben» hat er schon geschrieben, bevor er dreißig Jahre erreicht hatte. Im Buche «Über das beschauliche Leben» kann man sehen, wie die Therapeuten hinter jeder Tatsache das Gottmenschliche suchten. Sie wurden aber in der mannigfaltigsten Weise tendenziös in der abendländischen Philosophie behandelt.
[ 11 ] Hier können wir sehen, wie wir oft der Vater des Gedankens sind. Zunächst waren sie Einsiedler, welche die katholischen Priester im eminentesten Sinne als Vorfahren betrachten. Man hat ein Interesse daran gehabt, in diesen Vorläufer der christlichen Mönche zu sehen, um sagen zu können, dass Zeitgenossen Jesu bereits eine Art von Mönchswesen ausgebildet hatten. Der Katholizismus hat diese Schrift als Beweis dafür angesehen, wie alt das Mönchstum ist. Der Protestantismus hat den Nachweis zu führen gesucht, dass diese Schrift unecht ist und dem Philon untergeschoben wurde. Diese Ansicht hat sich in letzter Zeit als vollständig irrtümlich erwiesen. Die philologische Untersuchung kann nichts so recht auseinandersetzen; aber aus dem Sprachgebrauch und aus einzelnen Wendungen wurde der Nachweis erbracht, dass es sich um eine philonische Schrift handelt.
[ 11 ] Hier können wir sehen, wie wir oft der Vater des Gedankens sind. Zunächst waren sie Einsiedler, welche die katholischen Priester im eminentesten Sinne als Vorfahren betrachten. Man hat ein Interesse daran gehabt, in diesen Vorläufer der christlichen Mönche zu sehen, um sagen zu können, dass Zeitgenossen Jesu bereits eine Art von Mönchswesen ausgebildet hatten. Der Katholizismus hat diese Schrift als Beweis dafür angesehen, wie alt das Mönchstum ist. Der Protestantismus hat den Nachweis zu führen gesucht, dass diese Schrift unecht ist und dem Philon untergeschoben wurde. Diese Ansicht hat sich in letzter Zeit als vollständig irrtümlich erwiesen. Die philologische Untersuchung kann nichts so recht auseinandersetzen; aber aus dem Sprachgebrauch und aus einzelnen Wendungen wurde der Nachweis erbracht, dass es sich um eine philonische Schrift handelt.
[ 12 ] Es kann kein Zweifel sein, dass wir es mit einer wirklich philonischen Schrift zu tun haben. Für das Vorhandensein eines christlichen Mönchtums aber kann das nicht ein Beweis sein. Es ist nur die Rede von Einsiedler-Therapeuten. Diese Lebensweise war eher die Ursache, dass sich gewisse asketische Richtungen im Christentum ausgebildet haben. Aber sie dürfen nicht als Einrichtungen Christi angesehen werden.
[ 12 ] Es kann kein Zweifel sein, dass wir es mit einer wirklich philonischen Schrift zu tun haben. Für das Vorhandensein eines christlichen Mönchtums aber kann das nicht ein Beweis sein. Es ist nur die Rede von Einsiedler-Therapeuten. Diese Lebensweise war eher die Ursache, dass sich gewisse asketische Richtungen im Christentum ausgebildet haben. Aber sie dürfen nicht als Einrichtungen Christi angesehen werden.
[ 13 ] Damit haben wir eine ganze Sekte kennengelernt, aus welcher Philon seine Anregungen erhalten hat. Gerade in der Schrift [von Mead] über die Gnostiker, die jetzt erschienen ist und die eine Übersetzung der Schrift «Über das beschauliche Leben» enthält, können Sie nachlesen, wie dies von der englischen [Philologie] nachgewiesen worden ist. Aber auch in Deutschland ist seit Langem nicht an der Echtheit dieser Schrift gezweifelt worden. Wenn Sie sie lesen, werden Sie sehen, dass Philon in den Therapeuten eine Sekte beschreibt, welche nahe heranreicht an das, was Philon selbst gelehrt hat.
[ 13 ] Damit haben wir eine ganze Sekte kennengelernt, aus welcher Philon seine Anregungen erhalten hat. Gerade in der Schrift [von Mead] über die Gnostiker, die jetzt erschienen ist und die eine Übersetzung der Schrift «Über das beschauliche Leben» enthält, können Sie nachlesen, wie dies von der englischen [Philologie] nachgewiesen worden ist. Aber auch in Deutschland ist seit Langem nicht an der Echtheit dieser Schrift gezweifelt worden. Wenn Sie sie lesen, werden Sie sehen, dass Philon in den Therapeuten eine Sekte beschreibt, welche nahe heranreicht an das, was Philon selbst gelehrt hat.
[ 14 ] Wenn wir den Unterschied zwischen beiden uns klarmachen wollen, dann können wir sagen, dass Philon mehr philosophisch, die Therapeuten mehr religiös angelegt sind. Philon ist mehr dazu angelegt, die esoterische Auslegung des [Alten] Testamentes in eine philosophische Sprache zu übersetzen. Geradeso wie Philon das erste Buch Mose ausgelegt hat, so könnte es auch ein Anhänger der Therapeuten-Sekte ausgelegt haben. Philon geht aber darüber hinaus, indem er zeigt, dass man ein Recht hat, zu solcher Anschauungsweise zu greifen. Nicht anders ist dieser Seele Kraft gegeben als dadurch, dass das Gottmenschliche in der menschlichen Wesenheit selbst ist. Es tritt also zu dem verborgenen Göttlichen, zu dem Tiefsten des Weltengeistes bei Philon ein zweites Göttliches hinzu.
[ 14 ] Wenn wir den Unterschied zwischen beiden uns klarmachen wollen, dann können wir sagen, dass Philon mehr philosophisch, die Therapeuten mehr religiös angelegt sind. Philon ist mehr dazu angelegt, die esoterische Auslegung des [Alten] Testamentes in eine philosophische Sprache zu übersetzen. Geradeso wie Philon das erste Buch Mose ausgelegt hat, so könnte es auch ein Anhänger der Therapeuten-Sekte ausgelegt haben. Philon geht aber darüber hinaus, indem er zeigt, dass man ein Recht hat, zu solcher Anschauungsweise zu greifen. Nicht anders ist dieser Seele Kraft gegeben als dadurch, dass das Gottmenschliche in der menschlichen Wesenheit selbst ist. Es tritt also zu dem verborgenen Göttlichen, zu dem Tiefsten des Weltengeistes bei Philon ein zweites Göttliches hinzu.
[ 15 ] Bei Platon können wir noch nicht sagen, dass er ein klares Bewusstsein davon hat, wie sich seine Ideenwelt zu dem Göttlichen verhält. Bei Philon aber findet man genaue philosophische Gedanken darüber. Das Göttliche, das Unendliche nach jeder Richtung hin ist dasjenige, was niemals ausgeschöpft werden kann. Es ist dasjenige, zu dem der Mensch hinaufblicken kann, was aber auch restlos in die menschliche Seele einziehen kann. Das kann aber nur das Gottmenschliche, die Weisheit. Und das ist es, was in der menschlichen Seele sich auslebt, und das ist es, was im Inhalte des Alten Testamentes sich ausgelebt hat.
[ 15 ] Bei Platon können wir noch nicht sagen, dass er ein klares Bewusstsein davon hat, wie sich seine Ideenwelt zu dem Göttlichen verhält. Bei Philon aber findet man genaue philosophische Gedanken darüber. Das Göttliche, das Unendliche nach jeder Richtung hin ist dasjenige, was niemals ausgeschöpft werden kann. Es ist dasjenige, zu dem der Mensch hinaufblicken kann, was aber auch restlos in die menschliche Seele einziehen kann. Das kann aber nur das Gottmenschliche, die Weisheit. Und das ist es, was in der menschlichen Seele sich auslebt, und das ist es, was im Inhalte des Alten Testamentes sich ausgelebt hat.
[ 16 ] Nun kommt Philon von da aus dazu, dass sich in der menschlichen Seele das Gottmenschliche auslebt, dass es gleichsam zwei Göttliche gibt, die den Menschen zugänglich, den Menschen verwandt sind, und dass es doch im Grunde genommen ein verborgenes, unendliches Göttliches ist. Da kommt er zu der Anschauung, dass da, wo von der Erscheinung des Jehova gesprochen wird, es nicht der unendliche Gott selber ist, sondern das Göttlich-Menschliche, das er da entdeckt hat. So kommt er zu einer Art Personifikation des Göttlichen da, wo dem Moses das Göttliche in der Gestalt des brennenden Dornbusches erscheint.
[ 16 ] Nun kommt Philon von da aus dazu, dass sich in der menschlichen Seele das Gottmenschliche auslebt, dass es gleichsam zwei Göttliche gibt, die den Menschen zugänglich, den Menschen verwandt sind, und dass es doch im Grunde genommen ein verborgenes, unendliches Göttliches ist. Da kommt er zu der Anschauung, dass da, wo von der Erscheinung des Jehova gesprochen wird, es nicht der unendliche Gott selber ist, sondern das Göttlich-Menschliche, das er da entdeckt hat. So kommt er zu einer Art Personifikation des Göttlichen da, wo dem Moses das Göttliche in der Gestalt des brennenden Dornbusches erscheint.
[ 17 ] Würde ich da das Gottmenschliche, welches dem Moses erschienen ist - so sagte sich Philon -, zu dem unerreichbaren Göttlichen machen, zu dem nie Auszuschöpfenden, so würde ich nichts begreifen können, da man die tiefste Erkenntnis nur ahnen kann. Um es nicht herunterzuziehen in das Irdisch-Weltliche, um ihm das Göttliche zu lassen, trotzdem es nicht durchdrungen werden kann, setzt Philon dem höchsten Göttlichen das Göttlich-Menschliche gegenüber. Und dieses Göttlich-Menschliche stellt er dem «Vater als Sohn» gegenüber. Er sagt daher: Überall da, wo jemals im Alten Testament das «Göttliche erschienen ist, da ist es der Sohn gewesen. Da, wo Gott Hilfe oder Strafe gibt, da war für Philon es der «Sohn Gottes, der eingegriffen hat. Der ist es, welcher jetzt erst für denjenigen, welcher tiefer in das Gefüge der Welt hineinsieht, für den Menschen begreiflich wird.
[ 17 ] Würde ich da das Gottmenschliche, welches dem Moses erschienen ist - so sagte sich Philon -, zu dem unerreichbaren Göttlichen machen, zu dem nie Auszuschöpfenden, so würde ich nichts begreifen können, da man die tiefste Erkenntnis nur ahnen kann. Um es nicht herunterzuziehen in das Irdisch-Weltliche, um ihm das Göttliche zu lassen, trotzdem es nicht durchdrungen werden kann, setzt Philon dem höchsten Göttlichen das Göttlich-Menschliche gegenüber. Und dieses Göttlich-Menschliche stellt er dem «Vater als Sohn» gegenüber. Er sagt daher: Überall da, wo jemals im Alten Testament das «Göttliche erschienen ist, da ist es der Sohn gewesen. Da, wo Gott Hilfe oder Strafe gibt, da war für Philon es der «Sohn Gottes, der eingegriffen hat. Der ist es, welcher jetzt erst für denjenigen, welcher tiefer in das Gefüge der Welt hineinsieht, für den Menschen begreiflich wird.
[ 18 ] Im [Logos] haben die Juden nach Philons Anschauung den Mittler zwischen Vater und Welt begriffen. Jetzt aber hat die Menschheit sich auf geistige Weise mit ihm durchdrungen. Solche Sekten wie die der Therapeuten betrachtete Philon als die Pflegestätte von menschlichen Persönlichkeiten, die hinaufsteigen wollten zu jener erhöhten menschlichen Wesenheit, in der das Gottmenschliche in ihrem Innern zum Dasein kommen konnte.
[ 18 ] Im [Logos] haben die Juden nach Philons Anschauung den Mittler zwischen Vater und Welt begriffen. Jetzt aber hat die Menschheit sich auf geistige Weise mit ihm durchdrungen. Solche Sekten wie die der Therapeuten betrachtete Philon als die Pflegestätte von menschlichen Persönlichkeiten, die hinaufsteigen wollten zu jener erhöhten menschlichen Wesenheit, in der das Gottmenschliche in ihrem Innern zum Dasein kommen konnte.
[ 19 ] So betrachtet Philon das Leben der Therapeuten als eine Vorbereitung für das Erscheinen des Gottessohnes in der menschlichen Natur. Er betrachtet das Leben, wie es die Therapeuten anstrebten, als ein solches, welches das unmittelbare Einströmen der göttlichen Natur in die sinnliche Natur vollzieht.
[ 19 ] So betrachtet Philon das Leben der Therapeuten als eine Vorbereitung für das Erscheinen des Gottessohnes in der menschlichen Natur. Er betrachtet das Leben, wie es die Therapeuten anstrebten, als ein solches, welches das unmittelbare Einströmen der göttlichen Natur in die sinnliche Natur vollzieht.
[ 20 ] Noch in einer anderen Sekte vollzieht sich etwas Ähnliches. Drüben in Asien - Sie können es in Philons Schriften selbst nachlesen finden Sie bei den Essäern dieselbe Anschauung wie bei den Therapeuten. Diese Sekte, welche Philon besucht hat und, wie er selbst zugibt, von ihr gelernt hat die Schriftauslegung, wie er sie gepflogen hat, war geradeso wie die Sekte der Therapeuten, sie war bestrebt, das Göttlich-Menschliche im alttestamentlichen Mythos aufzusuchen. Diesen Logos, der bestimmt dazu war und der selbst gesucht hat, sich im Menschlichen auszuleben, der sollte Gestalt annehmen, wirklich im Menschengeist leben. Und diese Lehre hat in der Sekte der Essäer gelebt zwei, drei Jahrhunderte vor Christi Geburt.
[ 20 ] Noch in einer anderen Sekte vollzieht sich etwas Ähnliches. Drüben in Asien - Sie können es in Philons Schriften selbst nachlesen finden Sie bei den Essäern dieselbe Anschauung wie bei den Therapeuten. Diese Sekte, welche Philon besucht hat und, wie er selbst zugibt, von ihr gelernt hat die Schriftauslegung, wie er sie gepflogen hat, war geradeso wie die Sekte der Therapeuten, sie war bestrebt, das Göttlich-Menschliche im alttestamentlichen Mythos aufzusuchen. Diesen Logos, der bestimmt dazu war und der selbst gesucht hat, sich im Menschlichen auszuleben, der sollte Gestalt annehmen, wirklich im Menschengeist leben. Und diese Lehre hat in der Sekte der Essäer gelebt zwei, drei Jahrhunderte vor Christi Geburt.
[ 21 ] Die Therapeuten sind Ärzte der Seele. Wenn wir den Ursprung des Namens erforschen, so zeigt sich uns eine Sekte, welche ihren Namen herleitet von «Heilen», und es bedeutet dieses Heilen so viel wie «Arzt sein der Seele. Diese Therapeuten waren diejenigen, welche die Seele auf eine höhere Stufe hinaufbringen wollten. Sie waren der Anschauung, dass das Sinnliche etwas von Gott Wegführendes ist, etwas Krankmachendes, etwas, wogegen der Mensch einen Heilungsprozess durchmachen muss. Die Therapeuten waren solche Menschen, welche die Menschen von dem Sinnlichen befreien wollten. Ebenso war es bei den Essäern. Sie hatten eine Art kommunistischen Staates. Es gibt Anhaltspunkte, in den Essäern dasselbe zu sehen, was die Therapeuten waren, und es ist nachzuweisen, dass das chaldäische Wort «Essäer» nichts anderes bedeutet als «Heiler. Das ist aber weniger wichtig.
[ 21 ] Die Therapeuten sind Ärzte der Seele. Wenn wir den Ursprung des Namens erforschen, so zeigt sich uns eine Sekte, welche ihren Namen herleitet von «Heilen», und es bedeutet dieses Heilen so viel wie «Arzt sein der Seele. Diese Therapeuten waren diejenigen, welche die Seele auf eine höhere Stufe hinaufbringen wollten. Sie waren der Anschauung, dass das Sinnliche etwas von Gott Wegführendes ist, etwas Krankmachendes, etwas, wogegen der Mensch einen Heilungsprozess durchmachen muss. Die Therapeuten waren solche Menschen, welche die Menschen von dem Sinnlichen befreien wollten. Ebenso war es bei den Essäern. Sie hatten eine Art kommunistischen Staates. Es gibt Anhaltspunkte, in den Essäern dasselbe zu sehen, was die Therapeuten waren, und es ist nachzuweisen, dass das chaldäische Wort «Essäer» nichts anderes bedeutet als «Heiler. Das ist aber weniger wichtig.
[ 22 ] Nach den Andeutungen bei Josephus, Philon und Plinius können wir aber sagen, dass tatsächlich die Lehre der Essäer genau dieselbe ist wie die der Therapeuten. Nur im äußeren Leben unterschieden sich die Therapeuten, die Einsiedler und die Essäer. In der Nähe des Toten Meeres war ein Kommunistenstaat. Da herrschte vollständige Gütergemeinschaft und ein streng geregeltes, asketisches Leben. Die äußere Staatsform zu beschreiben hat für den Gang des Geisteslebens wenig Bedeutung. Was besonders wichtig ist, ist das, dass derjenige, welcher aufgenommen werden wollte, sich verpflichten musste, durch das sogenannte große Gelübde: Erstens: tatsächlich sich alledem zu unterwerfen, was gefordert wird von den Essäern, damit sie zu der höchsten Stufe aufstiegen; zweitens: nichts nach außen hin zu verraten von dem, wodurch die Essäer nach oben kamen.
[ 22 ] Nach den Andeutungen bei Josephus, Philon und Plinius können wir aber sagen, dass tatsächlich die Lehre der Essäer genau dieselbe ist wie die der Therapeuten. Nur im äußeren Leben unterschieden sich die Therapeuten, die Einsiedler und die Essäer. In der Nähe des Toten Meeres war ein Kommunistenstaat. Da herrschte vollständige Gütergemeinschaft und ein streng geregeltes, asketisches Leben. Die äußere Staatsform zu beschreiben hat für den Gang des Geisteslebens wenig Bedeutung. Was besonders wichtig ist, ist das, dass derjenige, welcher aufgenommen werden wollte, sich verpflichten musste, durch das sogenannte große Gelübde: Erstens: tatsächlich sich alledem zu unterwerfen, was gefordert wird von den Essäern, damit sie zu der höchsten Stufe aufstiegen; zweitens: nichts nach außen hin zu verraten von dem, wodurch die Essäer nach oben kamen.
[ 23 ] Dieses große Gelübde macht den Menschen zu einem eigentlichen [«Nasiräer], wie sie in der Essäer-Gemeinde genannt wurden. Mindestens zwei Jahrhunderte vor Christi Geburt haben wir es mit Anschauungen zu tun, die wir nicht anders [...] charakterisieren können, denn Philon würde zweifellos nicht in der Lehre der Essäer einen Beleg für seine Lehre suchen. Er setzt etwas als selbstverständlich voraus, was die Essäer selber von den alttestamentlichen Mythen haben. Er würde nichts als selbstverständlich voraussetzen, wenn es nicht der Fall wäre, dass die Essäer dieselbe Grundanschauung gehabt hätten, wie sie Philon seinerseits gepflogen hat.
[ 23 ] Dieses große Gelübde macht den Menschen zu einem eigentlichen [«Nasiräer], wie sie in der Essäer-Gemeinde genannt wurden. Mindestens zwei Jahrhunderte vor Christi Geburt haben wir es mit Anschauungen zu tun, die wir nicht anders [...] charakterisieren können, denn Philon würde zweifellos nicht in der Lehre der Essäer einen Beleg für seine Lehre suchen. Er setzt etwas als selbstverständlich voraus, was die Essäer selber von den alttestamentlichen Mythen haben. Er würde nichts als selbstverständlich voraussetzen, wenn es nicht der Fall wäre, dass die Essäer dieselbe Grundanschauung gehabt hätten, wie sie Philon seinerseits gepflogen hat.
[ 24 ] Philon hat um dieselbe Zeit gelebt, in die das Leben Jesu von Nazareth gelegt wird. Dieselben Lehren, die Lehre vom Fleisch gewordenen Logos, die Lehre vom Mittler zwischen Gottvater und der Welt, die Philon selbst gelehrt hat, wurden auch bei den Essäern gefunden. Zwei Jahrhunderte, zweifellos über ein Jahrhundert vor Christi Geburt, haben sie bei den Essäern bestanden. Wir können nichts anderes annehmen, als dass diese Lehre auf dem Umwege über Ägypten auf sie gekommen ist. Jede andere Möglichkeit ist ausgeschlossen. Sosehr man sich auch bemüht hat festzustellen, dass sich aus dem Judentum heraus eine derartige Schriftauslegung herausgebildet hat, wir haben es tatsächlich, wenn wir die ganze Anschauungsweise der Essäer uns vorhalten, mit nichts anderem zu tun als mit der Übertragung der griechisch-mystischen Denkweise auf die Betrachtung des Alten Testamentes durch einzelne Sekten.
[ 24 ] Philon hat um dieselbe Zeit gelebt, in die das Leben Jesu von Nazareth gelegt wird. Dieselben Lehren, die Lehre vom Fleisch gewordenen Logos, die Lehre vom Mittler zwischen Gottvater und der Welt, die Philon selbst gelehrt hat, wurden auch bei den Essäern gefunden. Zwei Jahrhunderte, zweifellos über ein Jahrhundert vor Christi Geburt, haben sie bei den Essäern bestanden. Wir können nichts anderes annehmen, als dass diese Lehre auf dem Umwege über Ägypten auf sie gekommen ist. Jede andere Möglichkeit ist ausgeschlossen. Sosehr man sich auch bemüht hat festzustellen, dass sich aus dem Judentum heraus eine derartige Schriftauslegung herausgebildet hat, wir haben es tatsächlich, wenn wir die ganze Anschauungsweise der Essäer uns vorhalten, mit nichts anderem zu tun als mit der Übertragung der griechisch-mystischen Denkweise auf die Betrachtung des Alten Testamentes durch einzelne Sekten.
[ 25 ] Die Veranlassung dazu ist daher gekommen, dass die griechische Philosophie auf dem Umwege über die platonische Philosophie über die Schule von Alexandrien in Nordägypten dahin gekommen ist und dass diese Philosophie dazu geführt hat, die griechischen Methoden auf das Alte Testament auszudehnen. Das führte zu einer Anschauung, die uns als Bekräftigung dieses Vorganges dienen kann, zu einer Anschauung, welche vor Philon schon geherrscht hat. Sie glauben, dass die ganze griechische Philosophie nichts anderes sei als ein Entwicklungsprozess, der ganz besonders hervorgegangen ist aus der griechisch-jüdischen Philosophie. Platon wird als Schüler von Moses und von den Propheten angesehen. Die haben die alttestamentlichen Mythen in griechische Mythen umgesetzt; und nun wird die griechische Philosophie so darauf bezogen, dass sie nichts ist als etwas, was aus dem Alten Testamente gewonnen ist.
[ 25 ] Die Veranlassung dazu ist daher gekommen, dass die griechische Philosophie auf dem Umwege über die platonische Philosophie über die Schule von Alexandrien in Nordägypten dahin gekommen ist und dass diese Philosophie dazu geführt hat, die griechischen Methoden auf das Alte Testament auszudehnen. Das führte zu einer Anschauung, die uns als Bekräftigung dieses Vorganges dienen kann, zu einer Anschauung, welche vor Philon schon geherrscht hat. Sie glauben, dass die ganze griechische Philosophie nichts anderes sei als ein Entwicklungsprozess, der ganz besonders hervorgegangen ist aus der griechisch-jüdischen Philosophie. Platon wird als Schüler von Moses und von den Propheten angesehen. Die haben die alttestamentlichen Mythen in griechische Mythen umgesetzt; und nun wird die griechische Philosophie so darauf bezogen, dass sie nichts ist als etwas, was aus dem Alten Testamente gewonnen ist.
[ 26 ] Diese Anschauung hat in Alexandrien geherrscht. Namentlich Philon vertritt sie. Die esoterische Methode wird dann angewendet auf das Alte Testament, namentlich auch auf die pythagoreische Philosophie. Auch Platon hat sich dann mit der Letzteren befasst. Man hatte lange Prüfungen durchzumachen. Diese Methode hat dazu geführt, dass die Therapeuten ähnliche Methoden einführten. Der eigentliche [esoterische] Gehalt der jüdischen Mythe ist dadurch gefunden worden, dass die griechische Mystik dazu geführt worden ist, diesen Gehalt aufzusuchen. Der eigentliche esoterische Kern der alttestamentlichen Mythe wurde durch sie gesucht. Daher haben wir es also zu tun bei den Essäern mit einer Sekte, die Esoterik treibt.
[ 26 ] Diese Anschauung hat in Alexandrien geherrscht. Namentlich Philon vertritt sie. Die esoterische Methode wird dann angewendet auf das Alte Testament, namentlich auch auf die pythagoreische Philosophie. Auch Platon hat sich dann mit der Letzteren befasst. Man hatte lange Prüfungen durchzumachen. Diese Methode hat dazu geführt, dass die Therapeuten ähnliche Methoden einführten. Der eigentliche [esoterische] Gehalt der jüdischen Mythe ist dadurch gefunden worden, dass die griechische Mystik dazu geführt worden ist, diesen Gehalt aufzusuchen. Der eigentliche esoterische Kern der alttestamentlichen Mythe wurde durch sie gesucht. Daher haben wir es also zu tun bei den Essäern mit einer Sekte, die Esoterik treibt.
[ 27 ] Es ist der Logos, der eigentlich Gott in der Welt darstellt. Der Logos ist der Vermittler zwischen dem Vater und den Menschen. Der Logos ist der Sohn Gottes. Das ist essenische Lehre. Philon hat diese Lehre bloß vertieft. Er war der Philosoph dieser Lehre. Er gesteht zu, dass er diese Lehre vorgefunden hat, dass sie schon da war. Bei den Essäern und Therapeuten waren solche Anschauungen schon gang und gäbe, Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Es muss einen gegeben haben, welcher das [Göttlich-Menschliche] im Alten Testament suchte. Innerhalb der Essäer-Gemeinde haben große Lehrer gelebt, welche ihr diese alte Weltanschauung beigebracht haben, dass sich der Allgeist auslebt in dem menschlichen Logos. Das Sich-Erfüllen [mit dem Logos] ist es, was der Mensch anzustreben hat. Das war es, was die Essäer-Sekte wollte und was in der EssäerSekte den Kern des tiefsten Strebens ausmachte.
[ 27 ] Es ist der Logos, der eigentlich Gott in der Welt darstellt. Der Logos ist der Vermittler zwischen dem Vater und den Menschen. Der Logos ist der Sohn Gottes. Das ist essenische Lehre. Philon hat diese Lehre bloß vertieft. Er war der Philosoph dieser Lehre. Er gesteht zu, dass er diese Lehre vorgefunden hat, dass sie schon da war. Bei den Essäern und Therapeuten waren solche Anschauungen schon gang und gäbe, Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Es muss einen gegeben haben, welcher das [Göttlich-Menschliche] im Alten Testament suchte. Innerhalb der Essäer-Gemeinde haben große Lehrer gelebt, welche ihr diese alte Weltanschauung beigebracht haben, dass sich der Allgeist auslebt in dem menschlichen Logos. Das Sich-Erfüllen [mit dem Logos] ist es, was der Mensch anzustreben hat. Das war es, was die Essäer-Sekte wollte und was in der EssäerSekte den Kern des tiefsten Strebens ausmachte.
[ 28 ] So müssen wir aus dem äußeren Zeugnis annehmen eine große Persönlichkeit, deren Name nicht auf uns gekommen sein kann. Er kann nicht genannt worden sein, weil jeder Essäer nur innerhalb seiner Essäer-Gemeinde, nur in der eigenen Bruderschaft das fortpflanzte, um was es sich im tiefsten Sinne handelt. Das eigentliche Sich-Durchdringen mit dem tieferen Kern, das wurde nur in der Essäer-Gemeinde geübt. Es in die Welt hinauszutragen, hielt das Gelübde zurück. Wir dürfen annehmen, dass ein Stifter vorhanden war, dass er alle mystischen Ausdeutungen des tiefsten Wesens der Mythologie zusammenfasste in einer Zentralgestalt des gott-menschlichen Logos, und dass er lehrte, dass dieser Logos dasjenige ist, von dem alle Erkenntnis, alle Wahrheit abhängt. Es muss eine Überzeugung der Essäer-Gemeinde gewesen sein, dass alle Weisheit des Menschen wertlos ist, wenn dieser Logos diese Weisheit nicht durchdringt.
[ 28 ] So müssen wir aus dem äußeren Zeugnis annehmen eine große Persönlichkeit, deren Name nicht auf uns gekommen sein kann. Er kann nicht genannt worden sein, weil jeder Essäer nur innerhalb seiner Essäer-Gemeinde, nur in der eigenen Bruderschaft das fortpflanzte, um was es sich im tiefsten Sinne handelt. Das eigentliche Sich-Durchdringen mit dem tieferen Kern, das wurde nur in der Essäer-Gemeinde geübt. Es in die Welt hinauszutragen, hielt das Gelübde zurück. Wir dürfen annehmen, dass ein Stifter vorhanden war, dass er alle mystischen Ausdeutungen des tiefsten Wesens der Mythologie zusammenfasste in einer Zentralgestalt des gott-menschlichen Logos, und dass er lehrte, dass dieser Logos dasjenige ist, von dem alle Erkenntnis, alle Wahrheit abhängt. Es muss eine Überzeugung der Essäer-Gemeinde gewesen sein, dass alle Weisheit des Menschen wertlos ist, wenn dieser Logos diese Weisheit nicht durchdringt.
[ 29 ] Es ist eine Narrheit der Naturforscher und eine Vermessenheit, Gott direkt kennen zu wollen. Die einzige Art und Weise, wie der Mensch Gott anschauen kann, ist die: «Ich und der Vater sind eins.» In dieser Erkenntnis ist der tiefste Kern der Essäer-Lehre beschlossen. So sehen wir den tiefsten geistigen Kern des esoterischen Christentums in groben Linien skizziert zwei Jahrhunderte vor Christi Geburt in der Essäer-Gemeinde sich ausprägen.
[ 29 ] Es ist eine Narrheit der Naturforscher und eine Vermessenheit, Gott direkt kennen zu wollen. Die einzige Art und Weise, wie der Mensch Gott anschauen kann, ist die: «Ich und der Vater sind eins.» In dieser Erkenntnis ist der tiefste Kern der Essäer-Lehre beschlossen. So sehen wir den tiefsten geistigen Kern des esoterischen Christentums in groben Linien skizziert zwei Jahrhunderte vor Christi Geburt in der Essäer-Gemeinde sich ausprägen.
[ 30 ] In der mannigfaltigsten Weise ist das Bedürfnis vorhanden gewesen innerhalb der Judenschaft nach einem Erlöser. Wir sehen, dass Lehrer des Alten Testamentes neben dieser Auffassung, neben diesem «Griechentum>, von den jüdischen Schriftstellern etwas ahnten. Wir finden daher Anspielungen auf eine Vergriechisierung der Essäer und gewisser Schulen. Mit Scheu und Abscheu reden jüdische Schriftsteller vom Griechentum. Einzelne Schulen und namentlich die Essäer-Gemeinde waren sich bewusst, dass etwas Fremdes aufgenommen worden war. In diesem Judentum entwickelte sich ein lebhaftes Bedürfnis nach einem Messias, welcher die Juden aus ihrer furchtbaren politischen Lage befreien könnte, in der sie sich befanden. Wir müssen uns vorstellen, dass neben der Essäer-Esoterik durchaus ringsherum auch eine exoterische Auslegung [des Alten Testamentes] existierte, welche so aufgefasst wurde, dass ein Messias kommen sollte, welcher das jüdische Volk erlöste aus der Schwäche und Schande, in die es im weltlichen Leben gefallen war. Diese Auffassung ging parallel zur Auffassung der Essäer.
[ 30 ] In der mannigfaltigsten Weise ist das Bedürfnis vorhanden gewesen innerhalb der Judenschaft nach einem Erlöser. Wir sehen, dass Lehrer des Alten Testamentes neben dieser Auffassung, neben diesem «Griechentum>, von den jüdischen Schriftstellern etwas ahnten. Wir finden daher Anspielungen auf eine Vergriechisierung der Essäer und gewisser Schulen. Mit Scheu und Abscheu reden jüdische Schriftsteller vom Griechentum. Einzelne Schulen und namentlich die Essäer-Gemeinde waren sich bewusst, dass etwas Fremdes aufgenommen worden war. In diesem Judentum entwickelte sich ein lebhaftes Bedürfnis nach einem Messias, welcher die Juden aus ihrer furchtbaren politischen Lage befreien könnte, in der sie sich befanden. Wir müssen uns vorstellen, dass neben der Essäer-Esoterik durchaus ringsherum auch eine exoterische Auslegung [des Alten Testamentes] existierte, welche so aufgefasst wurde, dass ein Messias kommen sollte, welcher das jüdische Volk erlöste aus der Schwäche und Schande, in die es im weltlichen Leben gefallen war. Diese Auffassung ging parallel zur Auffassung der Essäer.
[ 31 ] Wenn wir genau die Verhältnisse verfolgen, so sehen wir, dass in dem Judentum alle Bedingungen vorhanden waren für eine gute Aufnahme solcher Persönlichkeiten, die imstande waren, die Juden aus der Lage, in die sie gekommen waren, zu befreien. Man war leicht geneigt, sie zu Messiassen zu machen. Die mannigfaltigsten Persönlichkeiten werden als solche Messiasse aufgefasst. Es ist nicht Zeit genug da, um an der Persönlichkeit des Johannes des Täufers und an anderen Persönlichkeiten dieses Verhältnis darzulegen. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass die, welche innerhalb der Essäer-Gemeinde lebten, als Philon diese Lehre zur Grundlage seiner Philosophie gemacht hatte und davon etwas durchsickerte, jenes Gelübde nicht mehr aufrechterhalten konnten. Jetzt war es nicht mehr möglich, sich abzuschließen. Jetzt war dem, der auf eine philosophische Weise den Weg suchte, alles offen. Jetzt konnte man nicht mehr Essäer sein nur dadurch, dass man sich der Essäer-Gemeinde anschloss.
[ 31 ] Wenn wir genau die Verhältnisse verfolgen, so sehen wir, dass in dem Judentum alle Bedingungen vorhanden waren für eine gute Aufnahme solcher Persönlichkeiten, die imstande waren, die Juden aus der Lage, in die sie gekommen waren, zu befreien. Man war leicht geneigt, sie zu Messiassen zu machen. Die mannigfaltigsten Persönlichkeiten werden als solche Messiasse aufgefasst. Es ist nicht Zeit genug da, um an der Persönlichkeit des Johannes des Täufers und an anderen Persönlichkeiten dieses Verhältnis darzulegen. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass die, welche innerhalb der Essäer-Gemeinde lebten, als Philon diese Lehre zur Grundlage seiner Philosophie gemacht hatte und davon etwas durchsickerte, jenes Gelübde nicht mehr aufrechterhalten konnten. Jetzt war es nicht mehr möglich, sich abzuschließen. Jetzt war dem, der auf eine philosophische Weise den Weg suchte, alles offen. Jetzt konnte man nicht mehr Essäer sein nur dadurch, dass man sich der Essäer-Gemeinde anschloss.
[ 32 ] Wenn wir das Entstehen des Christentums selbst begreifen wollen, so müssten wir uns klarmachen, dass durch die philonische Philosophie, durch diese Tat der Aufnahme etwas wesentlich Neues geschaffen worden ist. Es wurden sozusagen die Menschen mit neuen Feuerzungen ausgestattet. Nun war es möglich, wieder zu reden, wie in den alten griechischen Mysterien geredet worden ist, nämlich das, was sich ihnen als [inneres] Erlebnis dargestellt hat, in dem Mythos zur Darstellung zu bringen durch [die Schilderung] äußere[r] sinnliche[r] Tatsachen. Das konnten sie lernen durch die Strömungen, die sich aus der griechischen Philosophie heraus entwickelten.
[ 32 ] Wenn wir das Entstehen des Christentums selbst begreifen wollen, so müssten wir uns klarmachen, dass durch die philonische Philosophie, durch diese Tat der Aufnahme etwas wesentlich Neues geschaffen worden ist. Es wurden sozusagen die Menschen mit neuen Feuerzungen ausgestattet. Nun war es möglich, wieder zu reden, wie in den alten griechischen Mysterien geredet worden ist, nämlich das, was sich ihnen als [inneres] Erlebnis dargestellt hat, in dem Mythos zur Darstellung zu bringen durch [die Schilderung] äußere[r] sinnliche[r] Tatsachen. Das konnten sie lernen durch die Strömungen, die sich aus der griechischen Philosophie heraus entwickelten.
[ 33 ] Protagoras meinte, dass alle Menschen gemeinschaftlich das Gefühl für Tugend, für Sittlichkeit und für gesellschaftliches Zusammenleben haben, dass aber nur wenige Menschen die Fähigkeit haben, zu den höchsten Stufen aufzusteigen. Deshalb wird in der platonischen Zeit das durch den Mythos dargestellt, sodass einstmals nur Götter auf der Erde lebten als Feuer. Tiere und Menschen hatten keine Fähigkeit mehr, im Feuer zu leben. Daher hatten sie keine Lebensmöglichkeit. Deshalb wurde es dem Prometheus übertragen, ihnen Leben einzupflanzen. Epimetheus übertrug aber alles auf die Tiere, sodass für die Menschen nichts übrig geblieben ist.
[ 33 ] Protagoras meinte, dass alle Menschen gemeinschaftlich das Gefühl für Tugend, für Sittlichkeit und für gesellschaftliches Zusammenleben haben, dass aber nur wenige Menschen die Fähigkeit haben, zu den höchsten Stufen aufzusteigen. Deshalb wird in der platonischen Zeit das durch den Mythos dargestellt, sodass einstmals nur Götter auf der Erde lebten als Feuer. Tiere und Menschen hatten keine Fähigkeit mehr, im Feuer zu leben. Daher hatten sie keine Lebensmöglichkeit. Deshalb wurde es dem Prometheus übertragen, ihnen Leben einzupflanzen. Epimetheus übertrug aber alles auf die Tiere, sodass für die Menschen nichts übrig geblieben ist.
[ 34 ] [Prometheus] überbrachte den Menschen das Feuer. Das bedeutet die Gabe der Künste, die Gabe der Weisheit. Ich meine, in dieser Sage wird uns mythisch veranschaulicht ein innerer Vorgang. Das zeigt uns die Art und Weise, wie die Sage weitergeführt wird. Die Fähigkeiten sind verteilt, der eine hat mehr, der andere weniger. Da wurde noch Hermes geschickt mit der Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Diese haben sie alle in gleicher Weise. Innere menschliche Tatsachen des Seelenlebens drückt der griechische Philosoph in Mythen aus.
[ 34 ] [Prometheus] überbrachte den Menschen das Feuer. Das bedeutet die Gabe der Künste, die Gabe der Weisheit. Ich meine, in dieser Sage wird uns mythisch veranschaulicht ein innerer Vorgang. Das zeigt uns die Art und Weise, wie die Sage weitergeführt wird. Die Fähigkeiten sind verteilt, der eine hat mehr, der andere weniger. Da wurde noch Hermes geschickt mit der Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Diese haben sie alle in gleicher Weise. Innere menschliche Tatsachen des Seelenlebens drückt der griechische Philosoph in Mythen aus.
[ 35 ] Derjenige, der sich für befähigt ansah, so etwas zu übernehmen, das war der Apostel Johannes. In seinem Evangelium ist für uns das Wichtigste gegeben — trotz moderner theologischer Forschung. Er gibt uns - vom Standpunkte der [philonischen] Philosophie aus nach praktischen esoterischen Methoden die Lebensgeschichte des Gottmenschen. Er übersetzt uns den innerlichen Gottmenschen. Er selber kennt die Lehre der Essäer und er gibt uns das, was er in der Essäer-Gemeinde gelernt hat. Das, was er nicht hat sagen können in offener Rede, gibt er uns in mythischer Form. Er zeigt uns das Herauswachsen der christlichen Idee aus der Philosophie Philons, der Therapeuten und der Essäer-Sekte. Man hat [das Johannes-Evangelium] als das letzte angesehen, als dasjenige, welches am wenigsten sicher ist. Das ist aber nicht haltbar.
[ 35 ] Derjenige, der sich für befähigt ansah, so etwas zu übernehmen, das war der Apostel Johannes. In seinem Evangelium ist für uns das Wichtigste gegeben — trotz moderner theologischer Forschung. Er gibt uns - vom Standpunkte der [philonischen] Philosophie aus nach praktischen esoterischen Methoden die Lebensgeschichte des Gottmenschen. Er übersetzt uns den innerlichen Gottmenschen. Er selber kennt die Lehre der Essäer und er gibt uns das, was er in der Essäer-Gemeinde gelernt hat. Das, was er nicht hat sagen können in offener Rede, gibt er uns in mythischer Form. Er zeigt uns das Herauswachsen der christlichen Idee aus der Philosophie Philons, der Therapeuten und der Essäer-Sekte. Man hat [das Johannes-Evangelium] als das letzte angesehen, als dasjenige, welches am wenigsten sicher ist. Das ist aber nicht haltbar.
[ 36 ] Wir werden sehen, wenn wir es vergleichen mit den anderen Evangelien, dass wir sagen müssen, es stellt uns die heilige Sage dar, wie sie sich gebildet haben muss. Aber derjenige, welcher im tiefsten Sinne eingeweiht war in die Lehre der Essäer-Gemeinde, der also [aus der] Idee des Gottmenschen herauswachsen lassen konnte [den] Fleisch gewordenen Logos, der dies erklären konnte, das war Johannes. Daher beginnt es auch mit den Worten: «Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und ein Gott war das Wort» und so weiter. Es sind dies Ideen, welche die Grundlage der philonischen Philosophie ausmachen. Die Idee des Vaters und das, was sich damit verbinden kann, der Fleisch gewordene Logos. Die Worte: «Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt» sind nicht anders zu deuten, als dass er die essenische Auffassung hatte und sich bewusst war der Bedeutung der Essäer-Lehre.
[ 36 ] Wir werden sehen, wenn wir es vergleichen mit den anderen Evangelien, dass wir sagen müssen, es stellt uns die heilige Sage dar, wie sie sich gebildet haben muss. Aber derjenige, welcher im tiefsten Sinne eingeweiht war in die Lehre der Essäer-Gemeinde, der also [aus der] Idee des Gottmenschen herauswachsen lassen konnte [den] Fleisch gewordenen Logos, der dies erklären konnte, das war Johannes. Daher beginnt es auch mit den Worten: «Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und ein Gott war das Wort» und so weiter. Es sind dies Ideen, welche die Grundlage der philonischen Philosophie ausmachen. Die Idee des Vaters und das, was sich damit verbinden kann, der Fleisch gewordene Logos. Die Worte: «Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt» sind nicht anders zu deuten, als dass er die essenische Auffassung hatte und sich bewusst war der Bedeutung der Essäer-Lehre.
[ 37 ] Durch allerlei äußere Gründe kann zwar festgehalten werden daran, dass [das Johannes-Evangelium] ein späteres Produkt ist. Aber im Grunde genommen zeigt der ganze Tenor, die ganze Darstellung des Evangeliums, dass es unmittelbar aus der tiefsten Auffassung des Christentums herausgewachsen ist. Das zeigt uns auch die durchaus bescheidene Art, wie Johannes [das Evangelium beJendet, indem er sagt, dass er bei diesen Dingen dabei gewesen ist, dass er sozusagen Ohren- und Augenzeuge gewesen ist, dass es ihm aber nicht darauf ankommt, persönlich Erlebtes, Augenscheinliches mitzuteilen, sondern den tieferen Kern, also das, was in der Essäer-Gemeinde gelehrt worden ist. Deshalb können wir die Sache so auffassen, dass wir ein esoterisches Christentum Jahrhunderte vor Christus finden und dass wir in dem Evangelium Johanni die exoterische Auslegung davon haben.
[ 37 ] Durch allerlei äußere Gründe kann zwar festgehalten werden daran, dass [das Johannes-Evangelium] ein späteres Produkt ist. Aber im Grunde genommen zeigt der ganze Tenor, die ganze Darstellung des Evangeliums, dass es unmittelbar aus der tiefsten Auffassung des Christentums herausgewachsen ist. Das zeigt uns auch die durchaus bescheidene Art, wie Johannes [das Evangelium beJendet, indem er sagt, dass er bei diesen Dingen dabei gewesen ist, dass er sozusagen Ohren- und Augenzeuge gewesen ist, dass es ihm aber nicht darauf ankommt, persönlich Erlebtes, Augenscheinliches mitzuteilen, sondern den tieferen Kern, also das, was in der Essäer-Gemeinde gelehrt worden ist. Deshalb können wir die Sache so auffassen, dass wir ein esoterisches Christentum Jahrhunderte vor Christus finden und dass wir in dem Evangelium Johanni die exoterische Auslegung davon haben.
Fragenbeantwortung:
Fragenbeantwortung:
[ 38 ] Philon kannte Jesus nicht. In seinen Schriften ist nichts davon zu finden. Andeutungen sind in seinem Buche «Quod omnis probus liber» zu finden. Diese Andeutungen besagen - sie sind ganz klar —, dass das «Was oder «Wie er gelehrt hat, bei den Essäern gang und gäbe war. Es ist nirgends die Rede von irgendeiner Persönlichkeit, die er als einen Zeitgenossen gekannt hatte. Dagegen gibt es eine fortlaufende Tradition, abgesehen von inneren Gründen. Diese ganz andere Art und Weise des Erklärens des Alten Testamentes. Dies führt auf bestimmte Persönlichkeiten zurück, bezüglich welcher eingeräumt werden muss, dass sie vor unserer Zeitrechnung gelebt haben müssen. Ich meine, es gibt eine fortlaufende Tradition. Diese ist am schönsten ausgeprägt bei dem Volke der Drusen. Es hat eine eigentümliche Art von Religion, eine Religionsform, welche alle diese Dinge enthält, die man als essenisches Christentum ansprechen kann. - Außerdem hat dieses Volk auch noch eine gewisse Schattierung durch den Mohammedanismus aufgenommen. - In dieser Sekte findet sich eine Sage von Christus, der etwa zur Zeit der [Lücke in der Mitschrift] nach dieser Sage gelebt hat. Das ist eine Anschauungsweise der Drusen. Wir haben aber überhaupt keine historische Grundlage außer der bekannten Josephus-Stelle für die Annahme eines Jesus von Nazareth in den Jahren 1 bis 33. Das Johannes-Evangelium kann nicht anders genommen werden, sonst wird es das, was es seit fünfzig Jahren bei den protestantischen Theologen geworden ist, ein vollständiges Nichts. Die ersten drei Evangelien stellen dann nur eine heilige Sage dar. Ich will noch ausführen, wie es sich mit der Entstehung des Johannes-Evangeliums und mit Philon verhält. Man könnte meinen, dass Philon eine polemische Stellung gegen diese neue Weltanschauung hat. Aber nein, die neue Lehre tritt da gar nicht so auf, dass er als Philosoph sich veranlasst gesehen hätte, sie zu bekämpfen. Bei ihnen ist die Grundlage das, was später Christentum geworden ist. Das Leben des Johannes, Moses’ Auffassung von der Weltschöpfung, ferner einige Elemente aus dem Persischen, Einflüsse aus dem Judentum, seine Dämonologie, die altjüdisch ist. Ebenso ist auf persischen Einfluss manches zurückzuführen.
[ 38 ] Philon kannte Jesus nicht. In seinen Schriften ist nichts davon zu finden. Andeutungen sind in seinem Buche «Quod omnis probus liber» zu finden. Diese Andeutungen besagen - sie sind ganz klar —, dass das «Was oder «Wie er gelehrt hat, bei den Essäern gang und gäbe war. Es ist nirgends die Rede von irgendeiner Persönlichkeit, die er als einen Zeitgenossen gekannt hatte. Dagegen gibt es eine fortlaufende Tradition, abgesehen von inneren Gründen. Diese ganz andere Art und Weise des Erklärens des Alten Testamentes. Dies führt auf bestimmte Persönlichkeiten zurück, bezüglich welcher eingeräumt werden muss, dass sie vor unserer Zeitrechnung gelebt haben müssen. Ich meine, es gibt eine fortlaufende Tradition. Diese ist am schönsten ausgeprägt bei dem Volke der Drusen. Es hat eine eigentümliche Art von Religion, eine Religionsform, welche alle diese Dinge enthält, die man als essenisches Christentum ansprechen kann. - Außerdem hat dieses Volk auch noch eine gewisse Schattierung durch den Mohammedanismus aufgenommen. - In dieser Sekte findet sich eine Sage von Christus, der etwa zur Zeit der [Lücke in der Mitschrift] nach dieser Sage gelebt hat. Das ist eine Anschauungsweise der Drusen. Wir haben aber überhaupt keine historische Grundlage außer der bekannten Josephus-Stelle für die Annahme eines Jesus von Nazareth in den Jahren 1 bis 33. Das Johannes-Evangelium kann nicht anders genommen werden, sonst wird es das, was es seit fünfzig Jahren bei den protestantischen Theologen geworden ist, ein vollständiges Nichts. Die ersten drei Evangelien stellen dann nur eine heilige Sage dar. Ich will noch ausführen, wie es sich mit der Entstehung des Johannes-Evangeliums und mit Philon verhält. Man könnte meinen, dass Philon eine polemische Stellung gegen diese neue Weltanschauung hat. Aber nein, die neue Lehre tritt da gar nicht so auf, dass er als Philosoph sich veranlasst gesehen hätte, sie zu bekämpfen. Bei ihnen ist die Grundlage das, was später Christentum geworden ist. Das Leben des Johannes, Moses’ Auffassung von der Weltschöpfung, ferner einige Elemente aus dem Persischen, Einflüsse aus dem Judentum, seine Dämonologie, die altjüdisch ist. Ebenso ist auf persischen Einfluss manches zurückzuführen.
