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Ancient Mysteries and Christianity
GA 87

15 February 1902, Berlin

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Antike Mysterien und Christentum, 1st ed.
  1. Ancient Mysteries and Christianity, tr. SOL

15. Das Christentum der Evangelien

15. Das Christentum der Evangelien

[ 1 ] [Sehr verehrte Anwesende!]

[ 1 ] [Sehr verehrte Anwesende!]

[ 2 ] In den vorhergehenden Vorträgen habe ich mich bemüht zu zeigen, aus welchen Bestandteilen das Christentum zusammengesetzt ist. Ich möchte nun wieder bemerken, dass ich das Christentum nur in derjenigen Weise zur Darstellung zu bringen versuche, in welcher es als mystisch-theosophische Lehre aufzufassen ist. Ich werde versuchen zu zeigen, dass die Erzählung, die uns vorliegt, auf der einen Seite in den drei Evangelien, in den Synoptikern—Matthäus, Markus und Lukas—und auf der anderen Seite in dem Evangelium des Johannes, dann aber auch namentlich in Bezug auf die christliche Lehre, wie sie uns vorliegt in den verschiedenen Glaubensbekenntnissen der abendländischen christlichen Kirchen—ich werde versuchen zu zeigen, wie dieser Lehrgehalt nichts anderes ist als ein Ergebnis der sogenannten ägyptischen Initiation, des ägyptischen Initiationsvorganges, dem sich jeder Einzelne, der zu einer theosophischen Weltanschauung aufsteigen wollte, zu unterwerfen hatte.

[ 2 ] In den vorhergehenden Vorträgen habe ich mich bemüht zu zeigen, aus welchen Bestandteilen das Christentum zusammengesetzt ist. Ich möchte nun wieder bemerken, dass ich das Christentum nur in derjenigen Weise zur Darstellung zu bringen versuche, in welcher es als mystisch-theosophische Lehre aufzufassen ist. Ich werde versuchen zu zeigen, dass die Erzählung, die uns vorliegt, auf der einen Seite in den drei Evangelien, in den Synoptikern—Matthäus, Markus und Lukas—und auf der anderen Seite in dem Evangelium des Johannes, dann aber auch namentlich in Bezug auf die christliche Lehre, wie sie uns vorliegt in den verschiedenen Glaubensbekenntnissen der abendländischen christlichen Kirchen—ich werde versuchen zu zeigen, wie dieser Lehrgehalt nichts anderes ist als ein Ergebnis der sogenannten ägyptischen Initiation, des ägyptischen Initiationsvorganges, dem sich jeder Einzelne, der zu einer theosophischen Weltanschauung aufsteigen wollte, zu unterwerfen hatte.

[ 3 ] Es wird dies zusammengefasst und als ein einzelnes geschichtliches Ereignis beschrieben, als das Leben, Leiden und Sterben eines Einzelnen, eines Heilandes, nicht als ein Vorgang, dem jeder Mensch unterworfen wird. Diese Initiationsvorgänge, die gradweise verschieden waren, sind abgeladen auf eine einzelne Persönlichkeit und zusammengefasst, zusammengelegt auf einen einzelnen Vorgang. Das ist es, was ich zu zeigen mich bestrebte.

[ 3 ] Es wird dies zusammengefasst und als ein einzelnes geschichtliches Ereignis beschrieben, als das Leben, Leiden und Sterben eines Einzelnen, eines Heilandes, nicht als ein Vorgang, dem jeder Mensch unterworfen wird. Diese Initiationsvorgänge, die gradweise verschieden waren, sind abgeladen auf eine einzelne Persönlichkeit und zusammengefasst, zusammengelegt auf einen einzelnen Vorgang. Das ist es, was ich zu zeigen mich bestrebte.

[ 4 ] Ich bemühte mich zu zeigen, wie die Sache zu einem geschichtlichen Ereignis geworden ist. Ich fasse den Initiationsvorgang nicht als eine Allegorie auf. Ich will hier Worte von Leadbeater wiederholen nicht als eine Auffassung von mir, sondern als eine theosophisch festgestellte Tatsache: «Da geschah es denn, dass über den geistigen Horizont der alten Welt eines der ungeheuerlichsten Missverständnisse aufdämmerte, das sich von da dann über den ganzen Menschenkreis ausgebreitet hat. Das enthielt allegorisch das Herabsteigen des Logos, das aber gar keine Allegorie, sondern die leibhaftige Herabsteigung sein sollte. Nichts konnte mehr in die Irre führen» und so weiter.

[ 4 ] Ich bemühte mich zu zeigen, wie die Sache zu einem geschichtlichen Ereignis geworden ist. Ich fasse den Initiationsvorgang nicht als eine Allegorie auf. Ich will hier Worte von Leadbeater wiederholen nicht als eine Auffassung von mir, sondern als eine theosophisch festgestellte Tatsache: «Da geschah es denn, dass über den geistigen Horizont der alten Welt eines der ungeheuerlichsten Missverständnisse aufdämmerte, das sich von da dann über den ganzen Menschenkreis ausgebreitet hat. Das enthielt allegorisch das Herabsteigen des Logos, das aber gar keine Allegorie, sondern die leibhaftige Herabsteigung sein sollte. Nichts konnte mehr in die Irre führen» und so weiter.

[ 5 ] Nachdem wir also wissen, wie der innere geistige Gehalt war, der den Menschen überliefert wurde und den Menschen einverleibt wurde im Initiationsvorgang, sehen wir ihn von einer Philosophie durchdrungen, mit der philonischen Philosophie, und dann wieder als Glaubensbekenntnis, als äußere Lebensauffassung bei den Therapeuten und Essäern. Bei diesen merkwürdigen Seelensuchern und Gottsuchern finden wir auf der einen Seite die Präparation und auf der anderen Seite die philosophische Vertiefung durch Philon. Nachdem wir also gesehen haben, woher das stammt, was wir in Jesus von Nazareth gesehen haben, obliegt es uns zuzusehen, wie Jesus von Nazareth, diese Persönlichkeit, mit der wir es zu tun haben, seine Mission selbst aufnimmt, wie sich Jesus von Nazareth in diese ganze Sache hineinpasst.

[ 5 ] Nachdem wir also wissen, wie der innere geistige Gehalt war, der den Menschen überliefert wurde und den Menschen einverleibt wurde im Initiationsvorgang, sehen wir ihn von einer Philosophie durchdrungen, mit der philonischen Philosophie, und dann wieder als Glaubensbekenntnis, als äußere Lebensauffassung bei den Therapeuten und Essäern. Bei diesen merkwürdigen Seelensuchern und Gottsuchern finden wir auf der einen Seite die Präparation und auf der anderen Seite die philosophische Vertiefung durch Philon. Nachdem wir also gesehen haben, woher das stammt, was wir in Jesus von Nazareth gesehen haben, obliegt es uns zuzusehen, wie Jesus von Nazareth, diese Persönlichkeit, mit der wir es zu tun haben, seine Mission selbst aufnimmt, wie sich Jesus von Nazareth in diese ganze Sache hineinpasst.

[ 6 ] Aufgrund der verschiedenen Studien, welche ich bei den Kirchenvätern, bei den Gnostikern und so weiter gemacht habe, habe ich die Auffassung gewonnen, dass es ganz unmöglich ist, mit der Auffassung der jetzigen Theologie durchzukommen. [Bunsen] hat über das Johannes-Evangelium geschrieben. Das Bekenntnis dieses Gelehrten entspricht so ziemlich dem theosophischen, muss aber etwas modifiziert werden, wie es hier folgt.

[ 6 ] Aufgrund der verschiedenen Studien, welche ich bei den Kirchenvätern, bei den Gnostikern und so weiter gemacht habe, habe ich die Auffassung gewonnen, dass es ganz unmöglich ist, mit der Auffassung der jetzigen Theologie durchzukommen. [Bunsen] hat über das Johannes-Evangelium geschrieben. Das Bekenntnis dieses Gelehrten entspricht so ziemlich dem theosophischen, muss aber etwas modifiziert werden, wie es hier folgt.

[ 7 ] Das Johannes-Evangelium ist entweder eine Mitteilung von Augenzeugen oder eine Offenbarung. Wer auf dem Standpunkte des exoterischen Christentums steht, welches der Standpunkt der sinnlichen Wahrnehmbarkeit der Persönlichkeit Jesu ist, der muss auf diesem sinnlichen Augenschein fußen. Wenn man aber auf dem positiven christlichen Standpunkt steht, so muss man über das Evangelium des Johannes die Ansicht [Bunsens] haben, der ungefähr so schließt: Ist das Johannes-Evangelium ein Mythos, so gibt es keinen geschichtlichen Christus, und ohne diesen ist das ganze Christentum ein Wahn, die Gottesverehrung ist eine Gaukelei, die Reformation ein Verbrechen.—Sie schen, dass dieser Gelehrte über die zwei Dinge nicht hinwegkommt: Entweder gilt uns das Evangelium des Johannes, oder es gilt uns nicht. Gilt es als etwas, was hinterher ersonnen ist. oder dergleichen, so kann die Grundidee, die Grundwesenheit des Christentums nicht aufrechterhalten werden.

[ 7 ] Das Johannes-Evangelium ist entweder eine Mitteilung von Augenzeugen oder eine Offenbarung. Wer auf dem Standpunkte des exoterischen Christentums steht, welches der Standpunkt der sinnlichen Wahrnehmbarkeit der Persönlichkeit Jesu ist, der muss auf diesem sinnlichen Augenschein fußen. Wenn man aber auf dem positiven christlichen Standpunkt steht, so muss man über das Evangelium des Johannes die Ansicht [Bunsens] haben, der ungefähr so schließt: Ist das Johannes-Evangelium ein Mythos, so gibt es keinen geschichtlichen Christus, und ohne diesen ist das ganze Christentum ein Wahn, die Gottesverehrung ist eine Gaukelei, die Reformation ein Verbrechen.—Sie schen, dass dieser Gelehrte über die zwei Dinge nicht hinwegkommt: Entweder gilt uns das Evangelium des Johannes, oder es gilt uns nicht. Gilt es als etwas, was hinterher ersonnen ist. oder dergleichen, so kann die Grundidee, die Grundwesenheit des Christentums nicht aufrechterhalten werden.

[ 8 ] Wir haben uns das Johannes-Evangelium den anderen gegenüber zu denken. Aus dem Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den anderen Evangelien werden wir eine Vorstellung bekommen, wie diese Persönlichkeit [des Evangelisten] sich zu der Begründung des Christentums gestellt hat. Wir alle wissen ja, dass im Johannes-Evangelium angeführt wird ein Passus, aus dem hervorgeht, dass der, von dem die Mitteilungen des Evangeliums herrühren, anzusehen ist als ein Augenzeuge, als einer, der bei den Vorgängen dabei war und über sie zu schreiben, sie zu beschreiben weiß, als einer, der dazu auserkoren war, am tiefsten die Lehren des Meisters zu erfassen.

[ 8 ] Wir haben uns das Johannes-Evangelium den anderen gegenüber zu denken. Aus dem Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den anderen Evangelien werden wir eine Vorstellung bekommen, wie diese Persönlichkeit [des Evangelisten] sich zu der Begründung des Christentums gestellt hat. Wir alle wissen ja, dass im Johannes-Evangelium angeführt wird ein Passus, aus dem hervorgeht, dass der, von dem die Mitteilungen des Evangeliums herrühren, anzusehen ist als ein Augenzeuge, als einer, der bei den Vorgängen dabei war und über sie zu schreiben, sie zu beschreiben weiß, als einer, der dazu auserkoren war, am tiefsten die Lehren des Meisters zu erfassen.

[ 9 ] Beachten wir den Schluss-Passus: «Was soll aber dieser?»—«So ich will, dass er bleibe, bis ich komme.» — «Dieser Jünger stirbt nicht.» Derjenige, von dem gesagt ist: «Ich will, dass er bleibe, bis ich komme», ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt. Er hat dieses geschrieben und wir wissen, dass dieses «Zeugnis wahrhaftig ist». [Mögen] wir die Möglichkeit finden, durch die mystisch-theosophische Vertiefung die Worte dieses Schluss-Passus des Johannes-Evangeliums so zu [verstehen], dass sie sich uns im rechten Lichte zeigen.

[ 9 ] Beachten wir den Schluss-Passus: «Was soll aber dieser?»—«So ich will, dass er bleibe, bis ich komme.» — «Dieser Jünger stirbt nicht.» Derjenige, von dem gesagt ist: «Ich will, dass er bleibe, bis ich komme», ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt. Er hat dieses geschrieben und wir wissen, dass dieses «Zeugnis wahrhaftig ist». [Mögen] wir die Möglichkeit finden, durch die mystisch-theosophische Vertiefung die Worte dieses Schluss-Passus des Johannes-Evangeliums so zu [verstehen], dass sie sich uns im rechten Lichte zeigen.

[ 10 ] Wir müssen uns klar sein darüber, dass die drei ersten Evangelien, wenn wir sie durchgehen, uns eine ganz andere Auffassung des Christentums zeigen als das Johannes-Evangelium. Das JohannesEvangelium zeigt uns eine viel vergeistigtere Auffassung des Christentums. Man kann da nicht anders als zu der Vorstellung kommen, dass die Evangelien hervorgingen aus zwei geistigen Strömungen. Erstens aus dem, was sie gehört haben von dem Meister selbst, um den es sich hier handelt; und zweitens aus dem, was sie damit verknüpft haben. Von Satz zu Satz, von Vers zu Vers, können wir unterscheiden zwischen den wahren, tieferen Lehren, dem geistigen Christentum und dem, was damit verknüpft worden ist. Die drei Verfasser der synoptischen Evangelien erzählen das, was sie vom Meister<>gehört und was sie aus den alten Anschauungen, aus dem Judentum übernommen haben. Sie lebten im traditionellen Judentum und haben herübergezogen von demselben so manche Vorstellung. Manche von diesen Vorstellungen wird ihnen bestätigt. Aber im Blute lebt ihnen die Idee des Messias, durch den das jüdische Volk wieder zu Macht und Herrlichkeit kommen sollte. Diese beiden Dinge haben sie zusammengeworfen, und diese beiden Dinge oder Strömungen müssen wir durchaus auseinanderhalten. Bei dieser Arbeit wird sich uns auch ergeben, zu welchen Stellen der drei ersten Evangelien keine entsprechenden Stellen im Johannes-Evangelium vorhanden sind.

[ 10 ] Wir müssen uns klar sein darüber, dass die drei ersten Evangelien, wenn wir sie durchgehen, uns eine ganz andere Auffassung des Christentums zeigen als das Johannes-Evangelium. Das JohannesEvangelium zeigt uns eine viel vergeistigtere Auffassung des Christentums. Man kann da nicht anders als zu der Vorstellung kommen, dass die Evangelien hervorgingen aus zwei geistigen Strömungen. Erstens aus dem, was sie gehört haben von dem Meister selbst, um den es sich hier handelt; und zweitens aus dem, was sie damit verknüpft haben. Von Satz zu Satz, von Vers zu Vers, können wir unterscheiden zwischen den wahren, tieferen Lehren, dem geistigen Christentum und dem, was damit verknüpft worden ist. Die drei Verfasser der synoptischen Evangelien erzählen das, was sie vom Meister<>gehört und was sie aus den alten Anschauungen, aus dem Judentum übernommen haben. Sie lebten im traditionellen Judentum und haben herübergezogen von demselben so manche Vorstellung. Manche von diesen Vorstellungen wird ihnen bestätigt. Aber im Blute lebt ihnen die Idee des Messias, durch den das jüdische Volk wieder zu Macht und Herrlichkeit kommen sollte. Diese beiden Dinge haben sie zusammengeworfen, und diese beiden Dinge oder Strömungen müssen wir durchaus auseinanderhalten. Bei dieser Arbeit wird sich uns auch ergeben, zu welchen Stellen der drei ersten Evangelien keine entsprechenden Stellen im Johannes-Evangelium vorhanden sind.

[ 11 ] Vor allem müssen wir die einzig wichtige Tatsache anführen, dass wir zu verschiedenen Stellen im Matthäus-, Markus- und LukasEvangelium keine Stellen im Johannes-Evangelium haben. Im Kapitel 24, Vers 32-33 des Matthäus-Evangeliums steht:

[ 11 ] Vor allem müssen wir die einzig wichtige Tatsache anführen, dass wir zu verschiedenen Stellen im Matthäus-, Markus- und LukasEvangelium keine Stellen im Johannes-Evangelium haben. Im Kapitel 24, Vers 32-33 des Matthäus-Evangeliums steht:

[ 12 ] «An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und die Blätter gewinnt, so wisset ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch wisset, wenn ihr das alles seht, dass nahe ist das Reich Gottes.»

[ 12 ] «An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis. Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und die Blätter gewinnt, so wisset ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch wisset, wenn ihr das alles seht, dass nahe ist das Reich Gottes.»

[ 13 ] Diese Worte, die sich bei den Synoptikern finden, haben keine entsprechende Stelle im Johannes-Evangelium. Das Gleichnis vom Feigenbaum symbolisiert das untergehende Judentum und das Aufgehen der neuen Lehre. Mit dieser Stelle könnte leicht gemeint sein, als wenn eine Weltordnung, wie sie in der exoterischen Lehre lebt, abgelöst würde durch eine neue rein irdische Weltordnung. Wie gesagt, ich meine, einzelne solcher Stellen können in dieser oder jener Weise, mehr oder weniger tief, aufgefasst werden. [Wir dürfen jedoch durchaus voraussetzen, dass in diesen Worten, wenn sie in der richtigen Weise aufgefasst werden, sich der «Meister» von Nazareth verbirgt.] Nehmen wir eine andere Stelle, Matthäus Kap. 16, Vers 28:

[ 13 ] Diese Worte, die sich bei den Synoptikern finden, haben keine entsprechende Stelle im Johannes-Evangelium. Das Gleichnis vom Feigenbaum symbolisiert das untergehende Judentum und das Aufgehen der neuen Lehre. Mit dieser Stelle könnte leicht gemeint sein, als wenn eine Weltordnung, wie sie in der exoterischen Lehre lebt, abgelöst würde durch eine neue rein irdische Weltordnung. Wie gesagt, ich meine, einzelne solcher Stellen können in dieser oder jener Weise, mehr oder weniger tief, aufgefasst werden. [Wir dürfen jedoch durchaus voraussetzen, dass in diesen Worten, wenn sie in der richtigen Weise aufgefasst werden, sich der «Meister» von Nazareth verbirgt.] Nehmen wir eine andere Stelle, Matthäus Kap. 16, Vers 28:

[ 14 ] «Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis dass sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.»

[ 14 ] «Wahrlich, ich sage euch, es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis dass sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.»

[ 15 ] Diese Stelle findet sich bei allen drei Synoptikern, aber nicht bei Johannes. Diese Worte werfen ein tief bedeutungsvolles Licht auf das Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den anderen. Johannes wird [von den Jüngern] als derjenige bezeichnet—[nicht] von Jesus selbst -, der nicht stirbt. «Dieser Jünger stirbt nicht.» Jesus sagt aber nicht: «Er stirbt nicht», sondern so: «Ich will, dass er bleibe, bis ich komme.» Johannes war der Liebling Jesu. Er wurde als derjenige angesehen, der nicht stirbt, bevor der Messias gekommen sein wird. Als Johannes also das Evangelium geschrieben hat, da hat er die äuRere Tatsache widerlegt—nicht äußerlich —, aber Johannes ist nicht gestorben, bevor er das Reich Gottes hat kommen sehen. Es hat sich also tatsächlich an Johannes erfüllt, was vorher gesagt worden ist in den früheren Evangelien, wie zum Beispiel bei Lukas:

[ 15 ] Diese Stelle findet sich bei allen drei Synoptikern, aber nicht bei Johannes. Diese Worte werfen ein tief bedeutungsvolles Licht auf das Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den anderen. Johannes wird [von den Jüngern] als derjenige bezeichnet—[nicht] von Jesus selbst -, der nicht stirbt. «Dieser Jünger stirbt nicht.» Jesus sagt aber nicht: «Er stirbt nicht», sondern so: «Ich will, dass er bleibe, bis ich komme.» Johannes war der Liebling Jesu. Er wurde als derjenige angesehen, der nicht stirbt, bevor der Messias gekommen sein wird. Als Johannes also das Evangelium geschrieben hat, da hat er die äuRere Tatsache widerlegt—nicht äußerlich —, aber Johannes ist nicht gestorben, bevor er das Reich Gottes hat kommen sehen. Es hat sich also tatsächlich an Johannes erfüllt, was vorher gesagt worden ist in den früheren Evangelien, wie zum Beispiel bei Lukas:

[ 16 ] «Die Kinder der Welt freien und lassen sich freien. Die aber auferstehen, werden weder freien noch sich freien lassen. Sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder.» [Lk 20,34-36]

[ 16 ] «Die Kinder der Welt freien und lassen sich freien. Die aber auferstehen, werden weder freien noch sich freien lassen. Sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder.» [Lk 20,34-36]

[ 17 ] Dafür gibt es wieder keine Stelle bei Johannes. Johannes wird also als derjenige bezeichnet, der die Auferstehung erlebt, bei der nicht mehr die Rede sein wird von Menschen mit irdischen Körpern, sondern von Menschen, welche Engeln gleich sein werden.

[ 17 ] Dafür gibt es wieder keine Stelle bei Johannes. Johannes wird also als derjenige bezeichnet, der die Auferstehung erlebt, bei der nicht mehr die Rede sein wird von Menschen mit irdischen Körpern, sondern von Menschen, welche Engeln gleich sein werden.

[ 18 ] [Das Ende des Johannes-Evangeliums wurde erst geschrieben, nachdem Johannes sein Evangelium verfasst hatte.] Und das alles klingt wie ein Jubelgesang durch das Evangelium hindurch. Johannes braucht von diesen Prophezeiungen nichts zu berichten, er hatte über ein viel bedeutungsvolleres Ereignis zu berichten. Er hatte die Stunde erlebt, von der gesagt wird, sie werde kommen wie ein Dieb in der Nacht, von der nur der Vater—nach Jesu eigenem Wort—etwas weiß.

[ 18 ] [Das Ende des Johannes-Evangeliums wurde erst geschrieben, nachdem Johannes sein Evangelium verfasst hatte.] Und das alles klingt wie ein Jubelgesang durch das Evangelium hindurch. Johannes braucht von diesen Prophezeiungen nichts zu berichten, er hatte über ein viel bedeutungsvolleres Ereignis zu berichten. Er hatte die Stunde erlebt, von der gesagt wird, sie werde kommen wie ein Dieb in der Nacht, von der nur der Vater—nach Jesu eigenem Wort—etwas weiß.

[ 19 ] Johannes hatte nicht zu erzählen von einer Prophetie, sondern von einer Erfahrung. Daher hatte er nur zu beschreiben eine Tatsache. Er brauchte nur zu sagen: Dasjenige, was Jesus vorausgesagt hat, ist an mir in Erfüllung gegangen; ich habe in mir erlebt das neue Reich und die geistige Auferstehung. Er konnte daher sagen, dass das Reich wirklich gekommen ist. Daher ist das Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den drei früheren das der geistigen Auffassung gegenüber der mit jüdischen Elementen durchtränkten Auffassung der drei Synoptiker.

[ 19 ] Johannes hatte nicht zu erzählen von einer Prophetie, sondern von einer Erfahrung. Daher hatte er nur zu beschreiben eine Tatsache. Er brauchte nur zu sagen: Dasjenige, was Jesus vorausgesagt hat, ist an mir in Erfüllung gegangen; ich habe in mir erlebt das neue Reich und die geistige Auferstehung. Er konnte daher sagen, dass das Reich wirklich gekommen ist. Daher ist das Verhältnis des Johannes-Evangeliums zu den drei früheren das der geistigen Auffassung gegenüber der mit jüdischen Elementen durchtränkten Auffassung der drei Synoptiker.

[ 20 ] Als sich die Zeiten erfüllt haben, kann er sagen:

[ 21 ] «Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und sterbe, so ist es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren, und wer es hasst, der wird es erhalten bis zum ewigen Leben.» [Joh 12,24-25]

[ 20 ] Als sich die Zeiten erfüllt haben, kann er sagen:

[ 21 ] «Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und sterbe, so ist es allein. Wenn es aber stirbt, so bringt es viele Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren, und wer es hasst, der wird es erhalten bis zum ewigen Leben.» [Joh 12,24-25]

[ 22 ] Das hatte Johannes erkannt. Er hatte erkannt das Wort des Meisters: Das Reich wird kommen und ich habe euch nichts zu verkündigen als das, was sich in euch selbst erfüllen muss. Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, spricht der Meister. Der hat den wahren Glauben, der nicht an mich glaubt, sondern an den, der mich gesandt hat.—Der kann nur, durch mich veranlasst, angeregt, in jedem selber geboren werden. «Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.»—[Der Vater] hat mir eingebaut, mitgegeben, was ich reden und tun soll.

[ 22 ] Das hatte Johannes erkannt. Er hatte erkannt das Wort des Meisters: Das Reich wird kommen und ich habe euch nichts zu verkündigen als das, was sich in euch selbst erfüllen muss. Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, spricht der Meister. Der hat den wahren Glauben, der nicht an mich glaubt, sondern an den, der mich gesandt hat.—Der kann nur, durch mich veranlasst, angeregt, in jedem selber geboren werden. «Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.»—[Der Vater] hat mir eingebaut, mitgegeben, was ich reden und tun soll.

[ 23 ] «Wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und er wird noch größere tun, denn ich gehe zum Vater.» [Joh 14,12]

[ 23 ] «Wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und er wird noch größere tun, denn ich gehe zum Vater.» [Joh 14,12]

[ 24 ] Es ist klar, dass der Meister, der dieses gesprochen hat, nicht gelehrt hat: Ich bin eins mit dem Vater.—Sondern er hat gelehrt: Ich bin gesandt vom Vater, um euch den Pfad zu lehren, der euch in die Unendlichkeit führen kann, euch zu lehren, Werke zu tun, die in die Unendlichkeit auslaufen.—Es hätte gar keinen Sinn zu sagen, dass er in der Lage ist, von dem anderen die Sünde wegzunehmen, von dem er selber sagt, er wird größere Werke tun als ich.

[ 24 ] Es ist klar, dass der Meister, der dieses gesprochen hat, nicht gelehrt hat: Ich bin eins mit dem Vater.—Sondern er hat gelehrt: Ich bin gesandt vom Vater, um euch den Pfad zu lehren, der euch in die Unendlichkeit führen kann, euch zu lehren, Werke zu tun, die in die Unendlichkeit auslaufen.—Es hätte gar keinen Sinn zu sagen, dass er in der Lage ist, von dem anderen die Sünde wegzunehmen, von dem er selber sagt, er wird größere Werke tun als ich.

[ 25 ] Wir stehen vor einem großen Erwecker, der den Jüngern den Pfad gewiesen hat. Wir sehen also in dem Meister einen Initiator, der seine Jünger eine bestimmte Bahn geführt hat, und wir schen, wie jeder die Worte seines Meisters aufgefasst wissen wollte. Sie sollten fortwirken wie Mächte, hinter denen ein tieferer Sinn ist. Dann werden die höheren Kräfte in den menschlichen Seelen aufgehen. Einige werden das Reich Gottes erleben, insbesondere der Lieblingsschüler Johannes. Und als er es erlebt hatte, da ließ er den Jubelruf erschallen, dass er die Wahrheit erkannt hat. Da schrieb er sein Evangelium hin. Er hatte begriffen, was heißt, Christus nachzufolgen. Er hatte begriffen, was es heißt, wirklich ein Christ zu sein. Er hatte begriffen, dass man nur dann auf den Weg, den Christus vorgezeichnet hat, kommt, wenn man im Geiste die Auferstehung feiert.

[ 25 ] Wir stehen vor einem großen Erwecker, der den Jüngern den Pfad gewiesen hat. Wir sehen also in dem Meister einen Initiator, der seine Jünger eine bestimmte Bahn geführt hat, und wir schen, wie jeder die Worte seines Meisters aufgefasst wissen wollte. Sie sollten fortwirken wie Mächte, hinter denen ein tieferer Sinn ist. Dann werden die höheren Kräfte in den menschlichen Seelen aufgehen. Einige werden das Reich Gottes erleben, insbesondere der Lieblingsschüler Johannes. Und als er es erlebt hatte, da ließ er den Jubelruf erschallen, dass er die Wahrheit erkannt hat. Da schrieb er sein Evangelium hin. Er hatte begriffen, was heißt, Christus nachzufolgen. Er hatte begriffen, was es heißt, wirklich ein Christ zu sein. Er hatte begriffen, dass man nur dann auf den Weg, den Christus vorgezeichnet hat, kommt, wenn man im Geiste die Auferstehung feiert.

[ 26 ] «Wer sein Leben lieb hat, wird es verlieren; wer es aber hasst, wird es nicht verlieren.» [Joh 12,25]

[ 26 ] «Wer sein Leben lieb hat, wird es verlieren; wer es aber hasst, wird es nicht verlieren.» [Joh 12,25]

[ 27 ] Dakob Böhme sagt:]

[ 27 ] Dakob Böhme sagt:]

[ 28 ] «Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.»

[ 28 ] «Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.»

[ 29 ] [Goethe sagt]:

[ 29 ] [Goethe sagt]:

[ 30 ] «Und so lang du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.»

[ 30 ] «Und so lang du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.»

[ 31 ] Das ist das Verhältnis von dem Johannes-Evangelium zu den drei synoptischen Evangelien. Johannes hat es verstanden, das Wort nicht exoterisch, sondern esoterisch zu fassen als Bewusstseinsgeschichte.

[ 31 ] Das ist das Verhältnis von dem Johannes-Evangelium zu den drei synoptischen Evangelien. Johannes hat es verstanden, das Wort nicht exoterisch, sondern esoterisch zu fassen als Bewusstseinsgeschichte.

[ 32 ] Wir verstehen auch, wie Johannes gleich im Anfang dieses Evangeliums seine esoterische Auffassung auseinandergesetzt hat, gleichsam um zu zeigen, dass seine Lehre nur in esoterischer Weise ihre Auslegung findet. Es wird darin gesprochen von dem Auferbauen des Tempels in drei Tagen. Jesus redet von dem Tempel seines Leibes. [Wenn Johannes da Jesus von dem Tempel reden lässt, so lässt er ihn reden von dem Verhältnis des Göttlichen zum Weltlichen.] Er lässt ihn reden von einem Gleichnis, von etwas, was symbolisch zum Ausdruck bringen soll, dass die göttliche Kraft herunterstieg zum Materiellen, um dann den Weg zur Gottheit wieder zurückzufinden. Alles, was er sagt, will Johannes esoterisch aufgefasst haben.

[ 32 ] Wir verstehen auch, wie Johannes gleich im Anfang dieses Evangeliums seine esoterische Auffassung auseinandergesetzt hat, gleichsam um zu zeigen, dass seine Lehre nur in esoterischer Weise ihre Auslegung findet. Es wird darin gesprochen von dem Auferbauen des Tempels in drei Tagen. Jesus redet von dem Tempel seines Leibes. [Wenn Johannes da Jesus von dem Tempel reden lässt, so lässt er ihn reden von dem Verhältnis des Göttlichen zum Weltlichen.] Er lässt ihn reden von einem Gleichnis, von etwas, was symbolisch zum Ausdruck bringen soll, dass die göttliche Kraft herunterstieg zum Materiellen, um dann den Weg zur Gottheit wieder zurückzufinden. Alles, was er sagt, will Johannes esoterisch aufgefasst haben.

[ 33 ] Wir werden noch sehen, was es zu bedeuten hat, warum Johannes der wahre Augenzeuge genannt wird, der zu bekräftigen hat, was er als Zeuge gesehen hat.

[ 33 ] Wir werden noch sehen, was es zu bedeuten hat, warum Johannes der wahre Augenzeuge genannt wird, der zu bekräftigen hat, was er als Zeuge gesehen hat.

[ 34 ] Von dem Johannes-Evangelium hängt der Bestand des Christentums ab. Das Christentum hat es müssen zugeben, dass es sich um eine bloße geistige Auffassung handelt, als sich die Vorhersagungen nicht erfüllt haben. Bei den seichten Aufklärern ist diese Erklärung zu finden. Bei Johannes werden wir es noch erleben, dass das Reich Gottes kommt, so dachte man. Aber auch bei Johannes hätte man es nicht erlebt, und so wäre man notgedrungen zu einer geistigen Auffassung gekommen. Das, was gemeint war, war die esoterische Auffassung des Christentums. Das Reich Gottes wird unerwartet kommen. Wachet und betet, damit ihr nicht versäumt, wenn das Reich Gottes kommt. Wenn er uns erzählt von dem Erleben des Kommens des Reiches, dann müssen wir zugeben, Johannes hat verstanden, was der Meister gesagt hat. Er hat gewusst, dass es etwas Geistiges war, was ihm der Meister mitgeteilt hat, und nicht eine exoterische Auffassung über das Judentum.

[ 34 ] Von dem Johannes-Evangelium hängt der Bestand des Christentums ab. Das Christentum hat es müssen zugeben, dass es sich um eine bloße geistige Auffassung handelt, als sich die Vorhersagungen nicht erfüllt haben. Bei den seichten Aufklärern ist diese Erklärung zu finden. Bei Johannes werden wir es noch erleben, dass das Reich Gottes kommt, so dachte man. Aber auch bei Johannes hätte man es nicht erlebt, und so wäre man notgedrungen zu einer geistigen Auffassung gekommen. Das, was gemeint war, war die esoterische Auffassung des Christentums. Das Reich Gottes wird unerwartet kommen. Wachet und betet, damit ihr nicht versäumt, wenn das Reich Gottes kommt. Wenn er uns erzählt von dem Erleben des Kommens des Reiches, dann müssen wir zugeben, Johannes hat verstanden, was der Meister gesagt hat. Er hat gewusst, dass es etwas Geistiges war, was ihm der Meister mitgeteilt hat, und nicht eine exoterische Auffassung über das Judentum.

[ 35 ] Nun möchte ich eine weitere Grundlage schaffen, die uns hinführen wird zu dem Tieferen, dem Geistigeren des Christentums. Ich möchte auf Tatsachen hinführen, die im Grunde genommen einfach liegen, aber gewöhnlich nicht beachtet werden. Wir haben geschen, dass in der Zeit, als das Christentum sich ausbreitete, es die Therapeuten in Nordägypten gab und die Essäer in Palästina, und wir haben die Lehren und auch die Lebensweise der Essäer kennengelernt. Die Essäer haben zweifellos einen tiefgehenden Einfluss ausgeübt mit ihren ganzen Anschauungen auf die Lehren des ersten Christentums. Und wenn wir die Evangelien durchnehmen, die uns überliefert sind als synoptische Evangelien, wenn wir sie uns vorhalten, dann werden Sie schen, dass wir es in den einzelnen synoptischen Evangelien durchaus zu tun haben mit Lehren, die ihren Ursprung in der Essäer-Sekte haben.

[ 35 ] Nun möchte ich eine weitere Grundlage schaffen, die uns hinführen wird zu dem Tieferen, dem Geistigeren des Christentums. Ich möchte auf Tatsachen hinführen, die im Grunde genommen einfach liegen, aber gewöhnlich nicht beachtet werden. Wir haben geschen, dass in der Zeit, als das Christentum sich ausbreitete, es die Therapeuten in Nordägypten gab und die Essäer in Palästina, und wir haben die Lehren und auch die Lebensweise der Essäer kennengelernt. Die Essäer haben zweifellos einen tiefgehenden Einfluss ausgeübt mit ihren ganzen Anschauungen auf die Lehren des ersten Christentums. Und wenn wir die Evangelien durchnehmen, die uns überliefert sind als synoptische Evangelien, wenn wir sie uns vorhalten, dann werden Sie schen, dass wir es in den einzelnen synoptischen Evangelien durchaus zu tun haben mit Lehren, die ihren Ursprung in der Essäer-Sekte haben.

[ 36 ] Ein Beispiel dafür ist das zehnte Kapitel des Matthäus:

[ 36 ] Ein Beispiel dafür ist das zehnte Kapitel des Matthäus:

[ 37 ] «Gehet aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Toten auf, treibet die Teufel aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebet es auch. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln haben. Auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zween Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.» [Mt 10,7-10]

[ 37 ] «Gehet aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Toten auf, treibet die Teufel aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebet es auch. Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln haben. Auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zween Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.» [Mt 10,7-10]

[ 38 ] Diese Worte gewinnen ein ganz besonderes Interesse, wenn wir sie zusammenhalten mit einer Stelle des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus, wo die Lebensweise der Essäer innerhalb ihrer Gemeindebildung uns wie folgt geschildert wird. «Sie haben nicht eine Stadt inne. Eigentlich wohnt jeder in vielen Städten. Den Ordensbrüdern steht das Haus jedes Ordensbruders offen wie das eigene. Sie gehen daher ein bei Leuten, die sie bis dahin nicht kannten, als ob sie sie schon lange kennten. Sie wechseln weder Kleider noch Schuhe, sie kaufen und verkaufen nicht untereinander. Jeder gibt und nimmt, was er hat und bedarf.»

[ 38 ] Diese Worte gewinnen ein ganz besonderes Interesse, wenn wir sie zusammenhalten mit einer Stelle des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus, wo die Lebensweise der Essäer innerhalb ihrer Gemeindebildung uns wie folgt geschildert wird. «Sie haben nicht eine Stadt inne. Eigentlich wohnt jeder in vielen Städten. Den Ordensbrüdern steht das Haus jedes Ordensbruders offen wie das eigene. Sie gehen daher ein bei Leuten, die sie bis dahin nicht kannten, als ob sie sie schon lange kennten. Sie wechseln weder Kleider noch Schuhe, sie kaufen und verkaufen nicht untereinander. Jeder gibt und nimmt, was er hat und bedarf.»

[ 39 ] Wenn wir diese Stelle vergleichen hiermit und ferner vergleichen mit der Stelle in Lukas, neuntes Kapitel:

[ 39 ] Wenn wir diese Stelle vergleichen hiermit und ferner vergleichen mit der Stelle in Lukas, neuntes Kapitel:

[ 40 ] «Er forderte aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle Teufel, und dass sie Seuchen heilen konnten, und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken. Ihr sollt nichts mitnchmen auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld. Es soll auch einer nicht zween Röcke, keine Schuhe und keinen Stecken haben. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.» [Lk 9,1-5]

[ 40 ] «Er forderte aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle Teufel, und dass sie Seuchen heilen konnten, und sandte sie aus, zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken. Ihr sollt nichts mitnchmen auf den Weg, weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld. Es soll auch einer nicht zween Röcke, keine Schuhe und keinen Stecken haben. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.» [Lk 9,1-5]

[ 41 ] Wir sehen, dass die Lebensweise, welche Josephus uns schildert, diejenige ist, welche Jesus den Jüngern zur Annahme empfiehlt. Gleichzeitig wissen wir, dass unter Juden eine solche Lebensweise nicht aus dem Judentum stammen kann. Es handelt sich hier also um eine Wiedergabe essenischer Lehren. Er spricht zu ihnen als einer der Essäer-Gemeinde, der bestrebt war, Essäer-Leben unter seinen Jüngern zu verbreiten.

[ 41 ] Wir sehen, dass die Lebensweise, welche Josephus uns schildert, diejenige ist, welche Jesus den Jüngern zur Annahme empfiehlt. Gleichzeitig wissen wir, dass unter Juden eine solche Lebensweise nicht aus dem Judentum stammen kann. Es handelt sich hier also um eine Wiedergabe essenischer Lehren. Er spricht zu ihnen als einer der Essäer-Gemeinde, der bestrebt war, Essäer-Leben unter seinen Jüngern zu verbreiten.

[ 42 ] Aber noch manches andere können wir vergleichen. Da gibt es eine Tatsache, welche wir auch von den Essäern wissen. Sie haben nicht teilgenommen am jüdischen Opferdienst. Sie haben zwar Opfertiere nach dem Tempel geschickt, um der politischen Macht ihren Tribut abzustatten, aber sie selber gingen nicht in den Tempel der Juden. Sie haben nicht teilgenommen an der jüdischen Religion, insofern sie vertreten war durch die Pharisäer und die Sadduzäer. Sie selber hatten steinerne Hallen, in denen ihre Lehrer die Lehren gelehrt haben, aber wir finden auch da wieder die Lehren, die wir im Johannes-Evangelium finden. Wir hören da vom Tempel reden und wissen, dass der Leib des Menschen damit gemeint ist. Und dann wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Gemeinschaftsgefühl der Essäer. Die Essäer empfanden es als einen Götzendienst, einen anderen Tempel zu haben als diesen.

[ 42 ] Aber noch manches andere können wir vergleichen. Da gibt es eine Tatsache, welche wir auch von den Essäern wissen. Sie haben nicht teilgenommen am jüdischen Opferdienst. Sie haben zwar Opfertiere nach dem Tempel geschickt, um der politischen Macht ihren Tribut abzustatten, aber sie selber gingen nicht in den Tempel der Juden. Sie haben nicht teilgenommen an der jüdischen Religion, insofern sie vertreten war durch die Pharisäer und die Sadduzäer. Sie selber hatten steinerne Hallen, in denen ihre Lehrer die Lehren gelehrt haben, aber wir finden auch da wieder die Lehren, die wir im Johannes-Evangelium finden. Wir hören da vom Tempel reden und wissen, dass der Leib des Menschen damit gemeint ist. Und dann wieder das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Gemeinschaftsgefühl der Essäer. Die Essäer empfanden es als einen Götzendienst, einen anderen Tempel zu haben als diesen.

[ 43 ] Wir könnten noch eine ganze Reihe von Stellen aus der EssäerLehre mitnehmen. Die Essäer hatten eine Abneigung gegen die Opfer der Juden, weil sie den Leib des Menschen und der Menschheit als Gottes-Tempel ansahen. Dies tritt uns im Johannes-Evangelium entgegen. Auch in den Paulinischen Briefen können wir finden, dass essenische Einflüsse wirksam waren und dass der Leib als Tempel Gottes aufgefasst werden sollte.

[ 43 ] Wir könnten noch eine ganze Reihe von Stellen aus der EssäerLehre mitnehmen. Die Essäer hatten eine Abneigung gegen die Opfer der Juden, weil sie den Leib des Menschen und der Menschheit als Gottes-Tempel ansahen. Dies tritt uns im Johannes-Evangelium entgegen. Auch in den Paulinischen Briefen können wir finden, dass essenische Einflüsse wirksam waren und dass der Leib als Tempel Gottes aufgefasst werden sollte.

[ 44 ] Wir finden ferner bei verschiedenen Schriftstellern des ersten Jahrhunderts merkwürdige Andeutungen, die wir uns kaum erklären können, die als selbstverständlich hingenommen werden und für welche die ersten christlichen Schriftsteller schon keine rechte Empfindung mehr haben, weil sie ihren Ursprung nicht mehr kennen. Es wird uns erzählt, dass die Christen ihr Antlitz nicht wenden beim Morgengebet nach dem Tempel von Jerusalem, wie die Juden, sondern zum Sonnenaufgang. Die christlichen Kirchenschriftsteller erachten es als selbstverständlich, dass die Christen das Antlitz gegen Osten richten. Die Essäer opferten nicht dem Judentum. Sie richteten das Antlitz nicht nach dem Tempel in Jerusalem, sondern nach Osten. Von hier ab bis zu dem Buche des Jakob Böhme «Die Morgenröte», bis zum «Faust», wo er die Morgenröte bewundert, führen alle diese Vorstellungen zurück auf die alte essenische Vorstellung vom Richten des Antlitzes nach Osten beim Gebet.

[ 44 ] Wir finden ferner bei verschiedenen Schriftstellern des ersten Jahrhunderts merkwürdige Andeutungen, die wir uns kaum erklären können, die als selbstverständlich hingenommen werden und für welche die ersten christlichen Schriftsteller schon keine rechte Empfindung mehr haben, weil sie ihren Ursprung nicht mehr kennen. Es wird uns erzählt, dass die Christen ihr Antlitz nicht wenden beim Morgengebet nach dem Tempel von Jerusalem, wie die Juden, sondern zum Sonnenaufgang. Die christlichen Kirchenschriftsteller erachten es als selbstverständlich, dass die Christen das Antlitz gegen Osten richten. Die Essäer opferten nicht dem Judentum. Sie richteten das Antlitz nicht nach dem Tempel in Jerusalem, sondern nach Osten. Von hier ab bis zu dem Buche des Jakob Böhme «Die Morgenröte», bis zum «Faust», wo er die Morgenröte bewundert, führen alle diese Vorstellungen zurück auf die alte essenische Vorstellung vom Richten des Antlitzes nach Osten beim Gebet.

[ 45 ] Noch eine andere Sache. Bei Clemens von Alexandrien finden wir über die Kleidung der ersten Christen eine Auslassung. Wir hören, die Farbenpracht der Kleidung verdirbt die Menschen, fördert die Üppigkeit, weil sie zur Augenlust anregt. Denen aber, welche rein sind, kommt es zu, weiße ungefärbte Kleider zu tragen. Auch diese Stelle bezüglich des Tragens der weißen Kleider können wir bei den ersten Christen zurückführen auf die Gepflogenheiten der Essäer.

[ 45 ] Noch eine andere Sache. Bei Clemens von Alexandrien finden wir über die Kleidung der ersten Christen eine Auslassung. Wir hören, die Farbenpracht der Kleidung verdirbt die Menschen, fördert die Üppigkeit, weil sie zur Augenlust anregt. Denen aber, welche rein sind, kommt es zu, weiße ungefärbte Kleider zu tragen. Auch diese Stelle bezüglich des Tragens der weißen Kleider können wir bei den ersten Christen zurückführen auf die Gepflogenheiten der Essäer.

[ 46 ] Dann sind auch die Taufe mit Wasser und das Abendmahl Abkömmlinge echter Essäer-Gebräuche. Die Essäer tauften mit Wasser, sie kannten kein anderes Opfer als die gemeinsame Mahlzeit. In dem Opfer, das Jesus einsetzte, sehen wir nichts anderes als das essenische Mahl, das wir bei den Essäern an jedem Sabbat feiern sehen.

[ 46 ] Dann sind auch die Taufe mit Wasser und das Abendmahl Abkömmlinge echter Essäer-Gebräuche. Die Essäer tauften mit Wasser, sie kannten kein anderes Opfer als die gemeinsame Mahlzeit. In dem Opfer, das Jesus einsetzte, sehen wir nichts anderes als das essenische Mahl, das wir bei den Essäern an jedem Sabbat feiern sehen.

[ 47 ] Dann kommt noch die Vorstellung von der Heiligkeit des Öles, welche zu einem Sakrament und zur Salbung mit Öl geführt hat. Sie entspricht ganz der Anschauungsweise der Essäer. Diese glauben, dass die Salbung mit Öl eine mystische Handlung sei, welche demjenigen, dem sie gegeben wird, mystische Kraft gibt. Die eigentümliche Scheu vor dem Öl in unserer Zeit ist durchaus zurückzuführen auf eine essenische Auffassung und nur aus solcher heraus zu begreifen.

[ 47 ] Dann kommt noch die Vorstellung von der Heiligkeit des Öles, welche zu einem Sakrament und zur Salbung mit Öl geführt hat. Sie entspricht ganz der Anschauungsweise der Essäer. Diese glauben, dass die Salbung mit Öl eine mystische Handlung sei, welche demjenigen, dem sie gegeben wird, mystische Kraft gibt. Die eigentümliche Scheu vor dem Öl in unserer Zeit ist durchaus zurückzuführen auf eine essenische Auffassung und nur aus solcher heraus zu begreifen.

[ 48 ] Und nun möchte ich, um diese Betrachtung des Verhältnisses des Essäertums zum Christentum wenigstens zu einem gewissen Abschluss zu bringen und dadurch eine Grundlage gewonnen zu haben für die Betrachtung des Meisters selbst, hinweisen—was zunächst als Andeutung erscheinen könnte—nämlich auf einige alte Mitteilungen, die wir finden bei Schriftstellern der ersten christlichen Jahrhunderte.

[ 48 ] Und nun möchte ich, um diese Betrachtung des Verhältnisses des Essäertums zum Christentum wenigstens zu einem gewissen Abschluss zu bringen und dadurch eine Grundlage gewonnen zu haben für die Betrachtung des Meisters selbst, hinweisen—was zunächst als Andeutung erscheinen könnte—nämlich auf einige alte Mitteilungen, die wir finden bei Schriftstellern der ersten christlichen Jahrhunderte.

[ 49 ] Vor allem möchte ich hinweisen auf eine Stelle bei Eusebius, auf eine alte Tradition von dem Bruder des Jesus, von Jakobus. Wir haben diese Mitteilungen nicht direkt, sondern auf Umwegen erhalten. Es wird uns mitgeteilt, dass er eine Lebensweise geführt hat von besonderer Art. Die wird uns dann näher beschrieben. Es ist keine andere als genau die Lebensweise, welche uns Philon von den Essäern beschreibt. Jener hat so gelebt wie diese. Wir verstehen diese ganze Erzählung nur, wenn wir annehmen, dass bei den Essäern eine solche Lebensweise ganz selbstverständlich war. Wir sehen Jesus selbst sprechen zu seinen Jüngern so, als wenn er ihnen Anweisung geben wollte, wie sie in der Essäer-Gemeinde überall gegeben werden. Johannes der Täufer taufte im Sinne der Essäer-Gemeinde. Die ersten christlichen Lehren und Anschauungen waren wie bei den Essäern.

[ 49 ] Vor allem möchte ich hinweisen auf eine Stelle bei Eusebius, auf eine alte Tradition von dem Bruder des Jesus, von Jakobus. Wir haben diese Mitteilungen nicht direkt, sondern auf Umwegen erhalten. Es wird uns mitgeteilt, dass er eine Lebensweise geführt hat von besonderer Art. Die wird uns dann näher beschrieben. Es ist keine andere als genau die Lebensweise, welche uns Philon von den Essäern beschreibt. Jener hat so gelebt wie diese. Wir verstehen diese ganze Erzählung nur, wenn wir annehmen, dass bei den Essäern eine solche Lebensweise ganz selbstverständlich war. Wir sehen Jesus selbst sprechen zu seinen Jüngern so, als wenn er ihnen Anweisung geben wollte, wie sie in der Essäer-Gemeinde überall gegeben werden. Johannes der Täufer taufte im Sinne der Essäer-Gemeinde. Die ersten christlichen Lehren und Anschauungen waren wie bei den Essäern.

[ 50 ] Ferner finden wir ein deutliches Bewusstsein von Persönlichkeiten, die einen tieferen Einfluss ausgeübt haben auf das erste Christentum. Bei Epiphanios finden wir eine neue Stelle, welche mir bedeutender erscheint als manches andere. Wir lesen da: Anfangs hießen alle Christen «Naziräer, doch hatten sie für eine kurze Zeit den Namen [Jessäer], ehe zu Antiochia der Ausdruck «Christianer» aufkam.—So haben wir hier eine Andeutung, die wir noch vertiefen werden, darüber, wie dort das Bewusstsein vorhanden war, dass die Christen oder Christianer, wie man sie nannte, nichts anderes sind als eine Fortsetzung der Essäer. Wir haben es also zu tun mit den ersten Zeiten unserer Zeitrechnung und da mit der Anschauung, dass in Palästina innerhalb des Judentums der essenische Einfluss immer größer und größer geworden ist und sich auslebte als eine neue religiöse Strömung. Wir haben da das Bewusstsein, dass die Essäer die ersten Christen waren und dann die späteren den Namen Christianer angenommen haben.

[ 50 ] Ferner finden wir ein deutliches Bewusstsein von Persönlichkeiten, die einen tieferen Einfluss ausgeübt haben auf das erste Christentum. Bei Epiphanios finden wir eine neue Stelle, welche mir bedeutender erscheint als manches andere. Wir lesen da: Anfangs hießen alle Christen «Naziräer, doch hatten sie für eine kurze Zeit den Namen [Jessäer], ehe zu Antiochia der Ausdruck «Christianer» aufkam.—So haben wir hier eine Andeutung, die wir noch vertiefen werden, darüber, wie dort das Bewusstsein vorhanden war, dass die Christen oder Christianer, wie man sie nannte, nichts anderes sind als eine Fortsetzung der Essäer. Wir haben es also zu tun mit den ersten Zeiten unserer Zeitrechnung und da mit der Anschauung, dass in Palästina innerhalb des Judentums der essenische Einfluss immer größer und größer geworden ist und sich auslebte als eine neue religiöse Strömung. Wir haben da das Bewusstsein, dass die Essäer die ersten Christen waren und dann die späteren den Namen Christianer angenommen haben.

[ 51 ] Nun gibt es ein Zeugnis, [zu dem sich jeder selbst eine Meinung] bilden kann, das aber nicht [ganz unbeachtet bleiben soll]. Klar ist es, dass es Essäer gegeben hat. Das ist nicht wegzuleugnen. Klar ist es auch, dass sie einen großen Einfluss auf das Christentum genommen haben. Wir hören im Neuen Testament von Pharisäern und Sadduzäern erzählen. Das ganze Neue Testament enthält kein Wort über die Essäer. Die Schriftsteller der ersten Jahrhunderte, selbst Philon, enthalten nichts über die Christen. Wir haben nichts, wir lesen da nichts über ein Christentum und in den ersten Schriften des Christentums nichts über die Essäer. Das ist eine wichtige Tatsache. Diese Tatsache ist nicht anders zu erklären als aus dem einfachen Umstande, dass die Ersten, welche im Sinne des Christentums geschrieben haben, sich bewusst waren, dass sie nur von anderen, nicht aber von sich selbst gesprochen haben. So erklärt es sich, dass von den ersten Christen nicht der Name der Essäer und von Philon nicht der Name «Christen» genannt wurde. Man sprach von den anderen, aber nicht von sich selbst.

[ 51 ] Nun gibt es ein Zeugnis, [zu dem sich jeder selbst eine Meinung] bilden kann, das aber nicht [ganz unbeachtet bleiben soll]. Klar ist es, dass es Essäer gegeben hat. Das ist nicht wegzuleugnen. Klar ist es auch, dass sie einen großen Einfluss auf das Christentum genommen haben. Wir hören im Neuen Testament von Pharisäern und Sadduzäern erzählen. Das ganze Neue Testament enthält kein Wort über die Essäer. Die Schriftsteller der ersten Jahrhunderte, selbst Philon, enthalten nichts über die Christen. Wir haben nichts, wir lesen da nichts über ein Christentum und in den ersten Schriften des Christentums nichts über die Essäer. Das ist eine wichtige Tatsache. Diese Tatsache ist nicht anders zu erklären als aus dem einfachen Umstande, dass die Ersten, welche im Sinne des Christentums geschrieben haben, sich bewusst waren, dass sie nur von anderen, nicht aber von sich selbst gesprochen haben. So erklärt es sich, dass von den ersten Christen nicht der Name der Essäer und von Philon nicht der Name «Christen» genannt wurde. Man sprach von den anderen, aber nicht von sich selbst.

[ 52 ] Wenn wir in irgendeiner Zeit leben und hören, dass von diesem oder jenem etwas erzählt wird, so müssen wir uns denken, der hat uns dies erzählt, aber er wird nicht von sich selber so ausführlich sprechen. Wir werden die Überzeugung gewinnen, dass er nicht von sich spricht, sondern dass er dieser Dritte ist. So können wir schlieRen, dass damals das Bewusstsein vorhanden war, dass der Essenismus und das Christentum ein und dasselbe waren. Und dieses wird uns den Quellpunkt des Christentums für das nächste Mal eröffnen.

[ 52 ] Wenn wir in irgendeiner Zeit leben und hören, dass von diesem oder jenem etwas erzählt wird, so müssen wir uns denken, der hat uns dies erzählt, aber er wird nicht von sich selber so ausführlich sprechen. Wir werden die Überzeugung gewinnen, dass er nicht von sich spricht, sondern dass er dieser Dritte ist. So können wir schlieRen, dass damals das Bewusstsein vorhanden war, dass der Essenismus und das Christentum ein und dasselbe waren. Und dieses wird uns den Quellpunkt des Christentums für das nächste Mal eröffnen.