Ancient Mysteries and Christianity
GA 87
1 March 1902, Berlin
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Antike Mysterien und Christentum, 1st ed.
17. Der Christusgedanke im Ägyptischen Geistesleben
17. Der Christusgedanke im Ägyptischen Geistesleben
[ 1 ] Es wird kaum etwas einen so erhabenen Eindruck machen können wie der Ewigkeitsgedanke der Ägypter, dass der Mensch den Pfad der Ewigkeit betreten kann. Und auf der anderen Seite wird es kaum eine Übereinstimmung von zwei Persönlichkeiten des geistigen Lebens in allen Einzelheiten so geben, wie wir sie verfolgen konnten zwischen Buddha auf der einen Seite und der Persönlichkeit des Christus auf der anderen Seite.
[ 1 ] Es wird kaum etwas einen so erhabenen Eindruck machen können wie der Ewigkeitsgedanke der Ägypter, dass der Mensch den Pfad der Ewigkeit betreten kann. Und auf der anderen Seite wird es kaum eine Übereinstimmung von zwei Persönlichkeiten des geistigen Lebens in allen Einzelheiten so geben, wie wir sie verfolgen konnten zwischen Buddha auf der einen Seite und der Persönlichkeit des Christus auf der anderen Seite.
[ 2 ] Allerdings, wer noch weiter zurückgehen wollte in die alten Vorstellungen der indischen Religion, der würde finden, dass der Buddha als Persönlichkeit, so wie er uns entgegentritt und wie es auch nach den Vorstellungen der indischen Religion vorliegt, nur der letzte Buddha [von vielen] ist. Es handelt sich da also mehr um eine Wiederholung als um ein erstes Auftreten einer [Persönlichkeit von solcher Natur]. Bei den Christen ist dieser Gedanke verloren gegangen, da sie nur den einen kennen. Wir können die verschiedenen Buddhafiguren nicht verfolgen im Leben der indischen Religion.
[ 2 ] Allerdings, wer noch weiter zurückgehen wollte in die alten Vorstellungen der indischen Religion, der würde finden, dass der Buddha als Persönlichkeit, so wie er uns entgegentritt und wie es auch nach den Vorstellungen der indischen Religion vorliegt, nur der letzte Buddha [von vielen] ist. Es handelt sich da also mehr um eine Wiederholung als um ein erstes Auftreten einer [Persönlichkeit von solcher Natur]. Bei den Christen ist dieser Gedanke verloren gegangen, da sie nur den einen kennen. Wir können die verschiedenen Buddhafiguren nicht verfolgen im Leben der indischen Religion.
[ 3 ] Über die Entstehungsweise der christlichen Welt bietet sich uns erst ein Einblick, wenn wir uns über die Entstehung des jüdischchristlichen Gedankens klargeworden sind, soweit das bei einer [esoterisch]-mystischen Vertiefung möglich ist. Namentlich werden wir uns klarwerden darüber, wie dieser in der ägyptischen Religion lebende Christusgedanke sich umgewandelt hat zu einem historischen Ereignis.
[ 3 ] Über die Entstehungsweise der christlichen Welt bietet sich uns erst ein Einblick, wenn wir uns über die Entstehung des jüdischchristlichen Gedankens klargeworden sind, soweit das bei einer [esoterisch]-mystischen Vertiefung möglich ist. Namentlich werden wir uns klarwerden darüber, wie dieser in der ägyptischen Religion lebende Christusgedanke sich umgewandelt hat zu einem historischen Ereignis.
[ 4 ] Der ägyptische Christusgedanke tritt uns in der Form entgegen, dass jeder, welcher von der ägyptischen Priesterschaft geeignet befunden wurde und durch seine Begabung die Fähigkeit erwecken konnte, den Aufstieg zu unternehmen, von den ägyptischen Priestern, den tief Eingeweihten, dem Prozess der Initiation unterzogen wurde.
[ 4 ] Der ägyptische Christusgedanke tritt uns in der Form entgegen, dass jeder, welcher von der ägyptischen Priesterschaft geeignet befunden wurde und durch seine Begabung die Fähigkeit erwecken konnte, den Aufstieg zu unternehmen, von den ägyptischen Priestern, den tief Eingeweihten, dem Prozess der Initiation unterzogen wurde.
[ 5 ] Was bedeutet dieser Prozess der Initiation? Man muss sich erst klar sein, was die ganze Grundidee der Initiation ist. Nach den Anschauungen der ägyptischen Priesterschaft sollte sie den Menschen einführen in die tiefsten Geheimnisse des Daseins, in die Urrätsel der Welt. Es handelt sich also dabei um die Einführung desjenigen, welcher zur Initiation zugelassen wurde, in das, was sorgfältig der großen Menge gegenüber von den ägyptischen Priestern verborgen gehalten wurde und was nur denjenigen mitgeteilt wurde, welche Fortschritte machen wollten. Wer sich in den ägyptischen Priesterschulen und Kulten zu den höchsten Wahrheiten, die da vermittelt werden konnten, erheben, zu der Tiefe der Welträtsel hinabsteigen wollte, der konnte es nur auf einem genau vorgeschriebenen Wege, weil man der Anschauung war, dass nur der, welcher die ganze Stufenfolge durchgemacht hat, jenes innere Leben haben kann, um gewisse Anschauungen lebendig in sich zu haben.
[ 5 ] Was bedeutet dieser Prozess der Initiation? Man muss sich erst klar sein, was die ganze Grundidee der Initiation ist. Nach den Anschauungen der ägyptischen Priesterschaft sollte sie den Menschen einführen in die tiefsten Geheimnisse des Daseins, in die Urrätsel der Welt. Es handelt sich also dabei um die Einführung desjenigen, welcher zur Initiation zugelassen wurde, in das, was sorgfältig der großen Menge gegenüber von den ägyptischen Priestern verborgen gehalten wurde und was nur denjenigen mitgeteilt wurde, welche Fortschritte machen wollten. Wer sich in den ägyptischen Priesterschulen und Kulten zu den höchsten Wahrheiten, die da vermittelt werden konnten, erheben, zu der Tiefe der Welträtsel hinabsteigen wollte, der konnte es nur auf einem genau vorgeschriebenen Wege, weil man der Anschauung war, dass nur der, welcher die ganze Stufenfolge durchgemacht hat, jenes innere Leben haben kann, um gewisse Anschauungen lebendig in sich zu haben.
[ 6 ] Das ist, abstrakt ausgedrückt, der Grundgedanke, welcher zur ägyptischen Initiation führt. Man glaubte, dass der Betreffende nicht bloß geistige Lehren, nicht bloß geistige Schalen übermittelt erhalten sollte, zu deren Aufnahme es genügt, wenn er logisch denken konnte, nein, man glaubte, dass auch das ganze Körperliche so umgestaltet [werden sollte], dass seine ganze sinnliche Auffassung in viel höherem Grade dem Geiste diente, als dies bei einem anderen der Fall war.
[ 6 ] Das ist, abstrakt ausgedrückt, der Grundgedanke, welcher zur ägyptischen Initiation führt. Man glaubte, dass der Betreffende nicht bloß geistige Lehren, nicht bloß geistige Schalen übermittelt erhalten sollte, zu deren Aufnahme es genügt, wenn er logisch denken konnte, nein, man glaubte, dass auch das ganze Körperliche so umgestaltet [werden sollte], dass seine ganze sinnliche Auffassung in viel höherem Grade dem Geiste diente, als dies bei einem anderen der Fall war.
[ 7 ] Der geistige Vorgang, der sich abspielte, wenn der Jünger in die Mysterien eingeführt werden sollte, erinnerte vielfach an das Eleusinische Drama bei den Griechen und an das alte Osiris-Drama. Der ganze Mythos des Osiris und der Isis, in welchem die alten Priester wahrhafte - ich sage nicht bloß Phantasie, sondern - Imagination, Einsicht in die tiefsten Weltgeheimnisse gebracht haben, der sollte praktisch ausführen, was in diese Weisheit hineinführen sollte.
[ 7 ] Der geistige Vorgang, der sich abspielte, wenn der Jünger in die Mysterien eingeführt werden sollte, erinnerte vielfach an das Eleusinische Drama bei den Griechen und an das alte Osiris-Drama. Der ganze Mythos des Osiris und der Isis, in welchem die alten Priester wahrhafte - ich sage nicht bloß Phantasie, sondern - Imagination, Einsicht in die tiefsten Weltgeheimnisse gebracht haben, der sollte praktisch ausführen, was in diese Weisheit hineinführen sollte.
[ 8 ] Das Kosmologische, Physiologische, Astronomische hielt man nicht für genügend. Man glaubte, der ganze Körper des Menschen müsse umgeprägt werden, man glaubte, dass der Mensch eine ganz andere Anschauung bekommen müsse. Man hatte nicht den Glauben, dass der Mensch mit voll entwickelten Fähigkeiten zur Welt kommt, wie die abendländische Wissenschaft es glaubt. Man glaubte, dass der Mensch, so wie er sich stufenweise bis jetzt entwickelt hat, auch noch weitergeführt werden müsse, damit das Leben nicht verloren ist. Es handelt sich also darum, Körper und Geist so umzubilden, dass der Mensch die höchsten Erkenntnisse nicht nur logisch, abstrakt verstehen könne, sondern dass er das tiefste [Leben] der Welt miterleben könne.
[ 8 ] Das Kosmologische, Physiologische, Astronomische hielt man nicht für genügend. Man glaubte, der ganze Körper des Menschen müsse umgeprägt werden, man glaubte, dass der Mensch eine ganz andere Anschauung bekommen müsse. Man hatte nicht den Glauben, dass der Mensch mit voll entwickelten Fähigkeiten zur Welt kommt, wie die abendländische Wissenschaft es glaubt. Man glaubte, dass der Mensch, so wie er sich stufenweise bis jetzt entwickelt hat, auch noch weitergeführt werden müsse, damit das Leben nicht verloren ist. Es handelt sich also darum, Körper und Geist so umzubilden, dass der Mensch die höchsten Erkenntnisse nicht nur logisch, abstrakt verstehen könne, sondern dass er das tiefste [Leben] der Welt miterleben könne.
[ 9 ] Der Priester stellte in drei Symbolen die ganze Weltentwicklung dar. Zunächst in dem Symbol der Pyramide. Sie hat vier Seiten. Diese entsprechen den vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Oben laufen diese Seiten in eine Spitze zusammen. Jede Seite wird also durch ein Dreieck repräsentiert, in welchen der Priester äußerlich die drei Welten dargestellt sah.
[ 9 ] Der Priester stellte in drei Symbolen die ganze Weltentwicklung dar. Zunächst in dem Symbol der Pyramide. Sie hat vier Seiten. Diese entsprechen den vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Oben laufen diese Seiten in eine Spitze zusammen. Jede Seite wird also durch ein Dreieck repräsentiert, in welchen der Priester äußerlich die drei Welten dargestellt sah.
[ 10 ] In der Pyramide sah er die physische Natur, die Urelemente [und ihre] Zusammensetzung. In der Sphinx, wo Tier und Mensch verbunden sind, sah er das Symbol der Menschwerdung. Dass eine organische Entwicklung von Tier zu Mensch stattgefunden hat, ist auch heute wieder theosophische Anschauung.
[ 10 ] In der Pyramide sah er die physische Natur, die Urelemente [und ihre] Zusammensetzung. In der Sphinx, wo Tier und Mensch verbunden sind, sah er das Symbol der Menschwerdung. Dass eine organische Entwicklung von Tier zu Mensch stattgefunden hat, ist auch heute wieder theosophische Anschauung.
[ 11 ] Endlich in dem Vogel Phönix, der sich im Feuer verzehrt und dann aus der Asche wieder emporsteigt. Er ist das Symbol der Seele. Sie setzt sich zusammen aus dem [mythischen] Urgeist, dem [materialistischen] Skelett der Welt, aus dem rein natürlichen Dasein der Zwischenstufen und der menschlichen Seele, welche gleichsam den Geist wieder aus der Natur erlösen soll. In drei Stufen stellt sich die Entwicklung dar: in Urgeist, menschlicher Seele und dann in der Natur.
[ 11 ] Endlich in dem Vogel Phönix, der sich im Feuer verzehrt und dann aus der Asche wieder emporsteigt. Er ist das Symbol der Seele. Sie setzt sich zusammen aus dem [mythischen] Urgeist, dem [materialistischen] Skelett der Welt, aus dem rein natürlichen Dasein der Zwischenstufen und der menschlichen Seele, welche gleichsam den Geist wieder aus der Natur erlösen soll. In drei Stufen stellt sich die Entwicklung dar: in Urgeist, menschlicher Seele und dann in der Natur.
[ 12 ] Der einzelne Mensch ist nun eingeschlossen, eingegliedert in diese ganze Entwicklungskette, und er soll sein Leben nicht nur, wie die ägyptischen Priester sich klar waren, dazu benützen, um die Welt zu erkennen, sondern um sie ein Stück vorwärts zu bringen. Sie glaubten nämlich, dass, wenn der Mensch sich der ungeheuren Verantwortlichkeit gewiss ist, er das Leben nicht bloß hinzunehmen hat, sondern dass er es dazu zu verwenden hat, dass er göttliche Taten tut, wenn er arbeitet, dass er die Taten der Götter weiterführt.
[ 12 ] Der einzelne Mensch ist nun eingeschlossen, eingegliedert in diese ganze Entwicklungskette, und er soll sein Leben nicht nur, wie die ägyptischen Priester sich klar waren, dazu benützen, um die Welt zu erkennen, sondern um sie ein Stück vorwärts zu bringen. Sie glaubten nämlich, dass, wenn der Mensch sich der ungeheuren Verantwortlichkeit gewiss ist, er das Leben nicht bloß hinzunehmen hat, sondern dass er es dazu zu verwenden hat, dass er göttliche Taten tut, wenn er arbeitet, dass er die Taten der Götter weiterführt.
[ 13 ] Mit dem, der auf genügend hoher Stufe war, der so weit war, wie ich es eben angedeutet habe, wurde die Initiation vorgenommen. Diese Initiation bedeutet nichts anderes als eine Wiederholung des alten Mythos von Isis und Osiris. Wir wissen, dass Osiris einer der ältesten Götter des Himmels und der Erde ist. Mit der Isis regiert er Himmel und Erde. «Osirisse können sich auch in menschlicher Gestalt inkarnieren, sodass sie einmal gelebt haben als wirkliche Menschen. Sie sollen auf unserer Erde geherrscht haben, bevor die Hyksos eingefallen sind. Sie sind daher mit den inkarnierten Gottheiten identisch. Später aber hatten sich alle zurückgezogen in den Dienst. Das, was früher weltlich war, zog sich zurück und wurde im Gottesdienst verehrt.
[ 13 ] Mit dem, der auf genügend hoher Stufe war, der so weit war, wie ich es eben angedeutet habe, wurde die Initiation vorgenommen. Diese Initiation bedeutet nichts anderes als eine Wiederholung des alten Mythos von Isis und Osiris. Wir wissen, dass Osiris einer der ältesten Götter des Himmels und der Erde ist. Mit der Isis regiert er Himmel und Erde. «Osirisse können sich auch in menschlicher Gestalt inkarnieren, sodass sie einmal gelebt haben als wirkliche Menschen. Sie sollen auf unserer Erde geherrscht haben, bevor die Hyksos eingefallen sind. Sie sind daher mit den inkarnierten Gottheiten identisch. Später aber hatten sich alle zurückgezogen in den Dienst. Das, was früher weltlich war, zog sich zurück und wurde im Gottesdienst verehrt.
[ 14 ] Osiris wird von seinem Bruder Seth-Typhon, der der Gott des Abgrundes und Feuers ist, ermordet. Durch Hinterlist wurde es zuwege gebracht, dass der Gott Seth-Typhon den Osiris [in einem Sarg] ermordete. Dann wurde er zerstückelt und hinausgeworfen in alle Welt.
[ 14 ] Osiris wird von seinem Bruder Seth-Typhon, der der Gott des Abgrundes und Feuers ist, ermordet. Durch Hinterlist wurde es zuwege gebracht, dass der Gott Seth-Typhon den Osiris [in einem Sarg] ermordete. Dann wurde er zerstückelt und hinausgeworfen in alle Welt.
[ 15 ] Als Isis das merkte, rüstete sie ein Schiff aus und suchte die Stücke wieder zusammen. Wo sie ein Stück fand, setzte sie eine Kirche darauf, wo dieses Stück verehrt werden konnte. Dann hatte sie auch das Herz wiedergefunden und konnte es durch ihre Liebe wieder beleben. Es ist geradeso wie in der griechischen Dionysos-Sage, wo auch das Herz die Entwicklung weitergeführt hat. Noch einmal wird der Gott Osiris durch ihre Liebe auferweckt, noch einmal sieht [Isis] sein Haupt, noch einmal leuchtet ein Strahl des Lichts.
[ 15 ] Als Isis das merkte, rüstete sie ein Schiff aus und suchte die Stücke wieder zusammen. Wo sie ein Stück fand, setzte sie eine Kirche darauf, wo dieses Stück verehrt werden konnte. Dann hatte sie auch das Herz wiedergefunden und konnte es durch ihre Liebe wieder beleben. Es ist geradeso wie in der griechischen Dionysos-Sage, wo auch das Herz die Entwicklung weitergeführt hat. Noch einmal wird der Gott Osiris durch ihre Liebe auferweckt, noch einmal sieht [Isis] sein Haupt, noch einmal leuchtet ein Strahl des Lichts.
[ 16 ] Durch den Strahl des Lichtes, der Liebe, gebiert sie ihren Sohn Horus, der also gewissermaßen ein jungfräulich geborener Sohn ist. Er [ersetzt] seinen Vater. Isis und Horus regieren weiter. Isis kann sogar [die Auferstehung des Osiris] in einem neuen Leibe feiern. Über seinem Sarge vollzieht sich etwas, was als eine Art von Gottesdienst immer wieder vollführt worden ist. So wird uns erzählt, während ihr Sohn Horus die Menschen auf der Erde beherrscht, obwohl er, dem Aufenthalt nach, seine Wandelbahn auf der Erde vollendet, gleichsam auch zur Rechten des Vaters sitzt.
[ 16 ] Durch den Strahl des Lichtes, der Liebe, gebiert sie ihren Sohn Horus, der also gewissermaßen ein jungfräulich geborener Sohn ist. Er [ersetzt] seinen Vater. Isis und Horus regieren weiter. Isis kann sogar [die Auferstehung des Osiris] in einem neuen Leibe feiern. Über seinem Sarge vollzieht sich etwas, was als eine Art von Gottesdienst immer wieder vollführt worden ist. So wird uns erzählt, während ihr Sohn Horus die Menschen auf der Erde beherrscht, obwohl er, dem Aufenthalt nach, seine Wandelbahn auf der Erde vollendet, gleichsam auch zur Rechten des Vaters sitzt.
[ 17 ] Ich meine, der Gott Horus erscheint uns als derjenige, welcher in geistiger Art die ganze Welt durchdringt und nach der Anschauung der ägyptischen Priester die Seele der Welt ausmacht. Dies ist eine Anschauung, welche nicht nur als Mythos lebte, sondern auch tatsächlich in einer ungeheuer großartigen und feierlichen Weise dramatisch vorgeführt wurde denjenigen, welche in das ägyptische Priestertum aufgenommen werden sollten. Wenn dann in bildlicher Weise die Einbildungskraft geschult war und der menschliche Geist die Form angenommen hatte, dass in dieser ganz sich ausleben, ganz aufgehen konnte der Gott Osiris in dem Weltenstaub und aufsteigen und geboren werden konnte auf der anderen Seite, wenn der Schüler sich eingelebt hatte in diese Vorstellungen, dann konnte er erst über den Mythos hinausgeführt werden, dann wurde ihm gezeigt, was im Mythos enthalten ist, dann wurde ihm gesagt, dass es nichts anderes ist als der Logos selbst, der sich in das unendliche Weltenmeer ausgegossen hat.
[ 17 ] Ich meine, der Gott Horus erscheint uns als derjenige, welcher in geistiger Art die ganze Welt durchdringt und nach der Anschauung der ägyptischen Priester die Seele der Welt ausmacht. Dies ist eine Anschauung, welche nicht nur als Mythos lebte, sondern auch tatsächlich in einer ungeheuer großartigen und feierlichen Weise dramatisch vorgeführt wurde denjenigen, welche in das ägyptische Priestertum aufgenommen werden sollten. Wenn dann in bildlicher Weise die Einbildungskraft geschult war und der menschliche Geist die Form angenommen hatte, dass in dieser ganz sich ausleben, ganz aufgehen konnte der Gott Osiris in dem Weltenstaub und aufsteigen und geboren werden konnte auf der anderen Seite, wenn der Schüler sich eingelebt hatte in diese Vorstellungen, dann konnte er erst über den Mythos hinausgeführt werden, dann wurde ihm gezeigt, was im Mythos enthalten ist, dann wurde ihm gesagt, dass es nichts anderes ist als der Logos selbst, der sich in das unendliche Weltenmeer ausgegossen hat.
[ 18 ] Zum Zeichen, dass der Geist in das unendliche Weltenmeer ausgegossen ist - Materie wurde als See vorgestellt -, wurden die Zeremonien an Orten vorgenommen, wo ein See vorhanden war, der vorstellte das Weltenmeer, in welchem der Weltgeist Materie geworden war.
[ 18 ] Zum Zeichen, dass der Geist in das unendliche Weltenmeer ausgegossen ist - Materie wurde als See vorgestellt -, wurden die Zeremonien an Orten vorgenommen, wo ein See vorhanden war, der vorstellte das Weltenmeer, in welchem der Weltgeist Materie geworden war.
[ 19 ] Horaus sollte nichts anderes sein als die göttlich-menschliche Seele, die ausgegossen ist in die Materie und die Materie wieder zurückbringen soll in ihr Urdasein. Diese kosmologische und auf den einzelnen Menschen bezügliche Wahrheit wurde dem Schüler überliefert. Wenn er sie nicht bloß in abstrakter Weise aufgenommen hat, sondern wenn er sich in sie so recht eingelebt hat, dann wurde er für würdig gehalten, da er nicht bloß die äußere Verstandessache fasst, sondern die große Heiligkeit der Kosmologie begreift als etwas Erhabenes, wodurch er selbst besser geworden zu sein glaubte.
[ 19 ] Horaus sollte nichts anderes sein als die göttlich-menschliche Seele, die ausgegossen ist in die Materie und die Materie wieder zurückbringen soll in ihr Urdasein. Diese kosmologische und auf den einzelnen Menschen bezügliche Wahrheit wurde dem Schüler überliefert. Wenn er sie nicht bloß in abstrakter Weise aufgenommen hat, sondern wenn er sich in sie so recht eingelebt hat, dann wurde er für würdig gehalten, da er nicht bloß die äußere Verstandessache fasst, sondern die große Heiligkeit der Kosmologie begreift als etwas Erhabenes, wodurch er selbst besser geworden zu sein glaubte.
[ 20 ] Wenn der Schüler so weit war, dann erst wurden die realen Vorgänge mit ihm vorgenommen, dann erst sollte er erfahren, dass er als Mensch nicht nur dazu berufen ist zu erkennen, in die Erkenntnis eingeführt zu werden, sondern dass diese Erkenntnis Leben zu gewinnen hat.
[ 20 ] Wenn der Schüler so weit war, dann erst wurden die realen Vorgänge mit ihm vorgenommen, dann erst sollte er erfahren, dass er als Mensch nicht nur dazu berufen ist zu erkennen, in die Erkenntnis eingeführt zu werden, sondern dass diese Erkenntnis Leben zu gewinnen hat.
[ 21 ] Dies ist in einem tiefsinnigen Symbol im Osiris-Mythos und namentlich im Kultus ausgedrückt. Isis und Horus wurden darin dargestellt als Personen, welche auf dem Boden liegend die Hände seitwärts ausstreckten. Darunter legten sie das Kreuz [...]. Das war das Symbol für die Wiedererweckung von dem, was dem Staub verfallen war. Im Kreuz haben wir dieselbe Vorstellung, wie wir sie bei der platonischen Philosophie haben, in welcher Gott, der Allgeist, gekreuzigt ist. Hier wird es Symbol und zu gleicher Zeit der Erwecker. Durch das Kreuz hindurchgehend, am Sarge des Osiris wird er auferstehen und dann von Neuem Herrscher sein.
[ 21 ] Dies ist in einem tiefsinnigen Symbol im Osiris-Mythos und namentlich im Kultus ausgedrückt. Isis und Horus wurden darin dargestellt als Personen, welche auf dem Boden liegend die Hände seitwärts ausstreckten. Darunter legten sie das Kreuz [...]. Das war das Symbol für die Wiedererweckung von dem, was dem Staub verfallen war. Im Kreuz haben wir dieselbe Vorstellung, wie wir sie bei der platonischen Philosophie haben, in welcher Gott, der Allgeist, gekreuzigt ist. Hier wird es Symbol und zu gleicher Zeit der Erwecker. Durch das Kreuz hindurchgehend, am Sarge des Osiris wird er auferstehen und dann von Neuem Herrscher sein.
[ 22 ] Dieser Vorgang spielte sich jahrhundertelang in den ägyptischen 'Tempeln ab. Der junge Priester wurde tatsächlich in eine neue Welt eingeführt. Bloßes Erkennen wäre etwas Egoistisches. Aber in dem Augenblicke, wo der Mensch sich klar wird darüber, dass er dann nur ein Stückchen in der Entwicklung vorwärtsrückt, kommt er zu der Einsicht, dass er lebendig dazu beigetragen hat, die Gottheit aus ihrer Umhüllung zurückzuholen in ihre ursprüngliche Gestalt.
[ 22 ] Dieser Vorgang spielte sich jahrhundertelang in den ägyptischen 'Tempeln ab. Der junge Priester wurde tatsächlich in eine neue Welt eingeführt. Bloßes Erkennen wäre etwas Egoistisches. Aber in dem Augenblicke, wo der Mensch sich klar wird darüber, dass er dann nur ein Stückchen in der Entwicklung vorwärtsrückt, kommt er zu der Einsicht, dass er lebendig dazu beigetragen hat, die Gottheit aus ihrer Umhüllung zurückzuholen in ihre ursprüngliche Gestalt.
[ 23 ] Sobald er hier angekommen war, sollte dem Priester gezeigt werden, dass er nicht nur zu erkennen, sondern dass er die Materie selbst zu durchdringen hat, dass er die Materie zu vergöttlichen hat, dass er den Geist nicht bloß für sich behalten darf, sondern dass er von dem Geist zur Rettung der Materie auszugehen und auszugeben hat.
[ 23 ] Sobald er hier angekommen war, sollte dem Priester gezeigt werden, dass er nicht nur zu erkennen, sondern dass er die Materie selbst zu durchdringen hat, dass er die Materie zu vergöttlichen hat, dass er den Geist nicht bloß für sich behalten darf, sondern dass er von dem Geist zur Rettung der Materie auszugehen und auszugeben hat.
[ 24 ] Das ist einer der wichtigsten Akte, der unauslöschlich eingetragen, eingeschrieben werden sollte in eine Seele, welche Initiation sucht. Erst wenn dieser Akt absolviert war, erst wenn der Mensch in physisch-geistiger Weise begriffen hatte, dass er ein Symbol darzustellen hatte, das die Ewigkeit, den Inhalt der Ewigkeit darzustellen hat nach ägyptischer Darstellung, erst wenn der Schüler begriffen hat, dass er hier als Mensch in diesem Leben nichts anderes darzustellen hat als ein Symbol dieser ewigen Weltvorgänge, dann war er fähig und würdig, den Pfad anzutreten, welcher der Pfad der ägyptischen Initiation war.
[ 24 ] Das ist einer der wichtigsten Akte, der unauslöschlich eingetragen, eingeschrieben werden sollte in eine Seele, welche Initiation sucht. Erst wenn dieser Akt absolviert war, erst wenn der Mensch in physisch-geistiger Weise begriffen hatte, dass er ein Symbol darzustellen hatte, das die Ewigkeit, den Inhalt der Ewigkeit darzustellen hat nach ägyptischer Darstellung, erst wenn der Schüler begriffen hat, dass er hier als Mensch in diesem Leben nichts anderes darzustellen hat als ein Symbol dieser ewigen Weltvorgänge, dann war er fähig und würdig, den Pfad anzutreten, welcher der Pfad der ägyptischen Initiation war.
[ 25 ] Dieser Vorgang bestand tatsächlich darinnen, dass der Mensch den Vorgang der Wiedererweckung auch im Physischen an sich vollziehen ließ. Das ist der Punkt, zu dem die ägyptischen Priester vorgeschritten sind, und das ist es auch, wodurch sie den tiefsten Eindruck bei ihren Schülern gemacht haben. Sie haben den Schüler in einen dreitägigen Schlaf versetzt. Sie haben völlig freigemacht den Organismus. Der Geist sollte [während dieser Zeit] für sich leben und dann von Neuem Besitz ergreifen von seinem Körper. Und dann, wenn er von dem Körper wieder Besitz ergriff, hatte er den Körper in einer neuen, vergeistigten Weise. Deshalb bat man den, der die Initiation suchte, dass er sich auf ein Holzkreuz legte oder einfach auf den Boden sich legte und die Arme ausbreitete. In dieser Lage ließ man ihn drei Tage verharren. Dass er sich selbst als lebendiges Symbol des Wiederauferstehens betrachtete, das wurde dadurch symbolisiert, dass er entgegengetragen wurde der aufgehenden Morgensonne. Die aufgehende Morgensonne erweckte den drei Tage dem Leben Abgestorbenen zu einem neuen Dasein.
[ 25 ] Dieser Vorgang bestand tatsächlich darinnen, dass der Mensch den Vorgang der Wiedererweckung auch im Physischen an sich vollziehen ließ. Das ist der Punkt, zu dem die ägyptischen Priester vorgeschritten sind, und das ist es auch, wodurch sie den tiefsten Eindruck bei ihren Schülern gemacht haben. Sie haben den Schüler in einen dreitägigen Schlaf versetzt. Sie haben völlig freigemacht den Organismus. Der Geist sollte [während dieser Zeit] für sich leben und dann von Neuem Besitz ergreifen von seinem Körper. Und dann, wenn er von dem Körper wieder Besitz ergriff, hatte er den Körper in einer neuen, vergeistigten Weise. Deshalb bat man den, der die Initiation suchte, dass er sich auf ein Holzkreuz legte oder einfach auf den Boden sich legte und die Arme ausbreitete. In dieser Lage ließ man ihn drei Tage verharren. Dass er sich selbst als lebendiges Symbol des Wiederauferstehens betrachtete, das wurde dadurch symbolisiert, dass er entgegengetragen wurde der aufgehenden Morgensonne. Die aufgehende Morgensonne erweckte den drei Tage dem Leben Abgestorbenen zu einem neuen Dasein.
[ 26 ] Jetzt müssen wir den Mitteilungen Glauben schenken, welche wir haben, denn das, was ich jetzt sage, ist nicht experimental zu beweisen. Jetzt war er durchgegangen durch die Pforte des Todes. Jetzt war er würdig, in die tiefsten Mysterien eingeweiht zu werden. Dieser Vorgang, der den Menschen zum Symbol machte und wodurch das einzelne, kleine Ich ausgelöscht war, dieser Vorgang war es, der ihn in den Dienst der göttlichen Weltordnung gestellt hat. Er war zum Symbol geworden für die ewige große Welttatsache.
[ 26 ] Jetzt müssen wir den Mitteilungen Glauben schenken, welche wir haben, denn das, was ich jetzt sage, ist nicht experimental zu beweisen. Jetzt war er durchgegangen durch die Pforte des Todes. Jetzt war er würdig, in die tiefsten Mysterien eingeweiht zu werden. Dieser Vorgang, der den Menschen zum Symbol machte und wodurch das einzelne, kleine Ich ausgelöscht war, dieser Vorgang war es, der ihn in den Dienst der göttlichen Weltordnung gestellt hat. Er war zum Symbol geworden für die ewige große Welttatsache.
[ 27 ] Dadurch hat der Mensch praktisch das erlebt, was Jakob Böhme sagen wollte mit den Worten: «Wer nicht stirbt, eh’ er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.» Dadurch dass sein Geist den Körper verlassen und wieder von ihm Besitz ergreifen konnte, konnte er in ganz anderer Weise den Weg zur der Vergottung, zu dem OsirisWerden selber antreten. Wir haben gesehen nach den Vorstellungen des ägyptischen Totenbuches, wie sich die Ägypter das ewige Leben im Gegensatze zum physisch-sinnlichen Dasein vorstellten; wir haben gesehen, wodurch diese Initiation herbeigeführt wurde.
[ 27 ] Dadurch hat der Mensch praktisch das erlebt, was Jakob Böhme sagen wollte mit den Worten: «Wer nicht stirbt, eh’ er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.» Dadurch dass sein Geist den Körper verlassen und wieder von ihm Besitz ergreifen konnte, konnte er in ganz anderer Weise den Weg zur der Vergottung, zu dem OsirisWerden selber antreten. Wir haben gesehen nach den Vorstellungen des ägyptischen Totenbuches, wie sich die Ägypter das ewige Leben im Gegensatze zum physisch-sinnlichen Dasein vorstellten; wir haben gesehen, wodurch diese Initiation herbeigeführt wurde.
[ 28 ] Jetzt handelt es sich darum, diesen Priester zu einem Diener der Menschheit zu machen, sodass man es schon in diesem Leben ein Stück auf dem Osiris-Pfade weiterbrachte, dass er nicht bloß Wahrheit überlieferte, sondern seinen Geist präparierte, umwandelte, sodass das, was für die anderen bloß äußere Wahrheit ist, für ihn eine heilige Wahrheit war, die mit ganz anderen Gefühlen und Empfindungen verknüpft war. Tatsächlich war ein ägyptischer Priester etwas ganz anderes als ein anderer Mensch. Er war ein Mensch, welcher in seinem Leben ein vergeistigtes, ein verinnerlichtes Leben führte, weil er durchgemacht hatte den Prozess des Hinabgestiegenseins zu den Toten. Er hatte seinen Körper verlassen und war in den Gefilden der Unendlichkeit gewesen, und er hatte nach drei Tagen wieder Besitz ergriffen von seinem Körper, erweckt durch die aufgehende Sonne und durch den Vater des Himmels und der Erde, den Gott Ra. Dieser Vorgang, der die Initiation auf der untersten Stufe bedeutet, war zweifellos das, was bei den Essäern auch gelebt hat in einem höheren Grade. Sie haben den Initiationsvorgang gekannt und zweifellos mit den Anschauungen und Gebräuchen von Ägypten herübergenommen.
[ 28 ] Jetzt handelt es sich darum, diesen Priester zu einem Diener der Menschheit zu machen, sodass man es schon in diesem Leben ein Stück auf dem Osiris-Pfade weiterbrachte, dass er nicht bloß Wahrheit überlieferte, sondern seinen Geist präparierte, umwandelte, sodass das, was für die anderen bloß äußere Wahrheit ist, für ihn eine heilige Wahrheit war, die mit ganz anderen Gefühlen und Empfindungen verknüpft war. Tatsächlich war ein ägyptischer Priester etwas ganz anderes als ein anderer Mensch. Er war ein Mensch, welcher in seinem Leben ein vergeistigtes, ein verinnerlichtes Leben führte, weil er durchgemacht hatte den Prozess des Hinabgestiegenseins zu den Toten. Er hatte seinen Körper verlassen und war in den Gefilden der Unendlichkeit gewesen, und er hatte nach drei Tagen wieder Besitz ergriffen von seinem Körper, erweckt durch die aufgehende Sonne und durch den Vater des Himmels und der Erde, den Gott Ra. Dieser Vorgang, der die Initiation auf der untersten Stufe bedeutet, war zweifellos das, was bei den Essäern auch gelebt hat in einem höheren Grade. Sie haben den Initiationsvorgang gekannt und zweifellos mit den Anschauungen und Gebräuchen von Ägypten herübergenommen.
[ 29 ] Die Frage ist nun: Warum, wie kam es, dass dazumal die Vertiefung dieser alten Religionsform so eingetreten ist, dass der zweifellos viel exoterischere Gottesdienst der Juden wieder angenähert worden ist an die großartigen Gottesdienste der Ägypter?
[ 29 ] Die Frage ist nun: Warum, wie kam es, dass dazumal die Vertiefung dieser alten Religionsform so eingetreten ist, dass der zweifellos viel exoterischere Gottesdienst der Juden wieder angenähert worden ist an die großartigen Gottesdienste der Ägypter?
[ 30 ] An geschichtlichen, äußeren Anhaltspunkten findet sich zunächst nichts. Dieselbe Grundlage hat vor soundso viel hundert Jahren zur Geburt eines Buddha geführt und dieselbe Grundlage hat später zur Geburt eines Christus geführt. Wir müssen uns klar sein darüber, dass das ganze jüdische Geistesleben aus dem ägyptischen Geistesleben herausgewachsen ist. Wer die ersten Kapitel der Genesis verfolgt und verfolgt die Gebote im ägyptischen Totenbuch, der findet dieselbe frappierende Übereinstimmung wie zwischen Buddha und Jesus, die ich neulich angeführt habe. Er findet in den fünf ersten Kapiteln der Genesis dasjenige, was in der ägyptischen Priesterwelt gang und gäbe war. Nur müssen wir uns klar sein darüber, auf welchem Wege die Genesis zu den Juden gekommen ist und wie sie von diesen fortgepflanzt ist.
[ 30 ] An geschichtlichen, äußeren Anhaltspunkten findet sich zunächst nichts. Dieselbe Grundlage hat vor soundso viel hundert Jahren zur Geburt eines Buddha geführt und dieselbe Grundlage hat später zur Geburt eines Christus geführt. Wir müssen uns klar sein darüber, dass das ganze jüdische Geistesleben aus dem ägyptischen Geistesleben herausgewachsen ist. Wer die ersten Kapitel der Genesis verfolgt und verfolgt die Gebote im ägyptischen Totenbuch, der findet dieselbe frappierende Übereinstimmung wie zwischen Buddha und Jesus, die ich neulich angeführt habe. Er findet in den fünf ersten Kapiteln der Genesis dasjenige, was in der ägyptischen Priesterwelt gang und gäbe war. Nur müssen wir uns klar sein darüber, auf welchem Wege die Genesis zu den Juden gekommen ist und wie sie von diesen fortgepflanzt ist.
[ 31 ] Das eine muss dem klar sein, der die Genesis zu lesen versteht, dass Moses wohl den Dekalog in der Form, wie er ihn gegeben hat, [vorher] kannte. Das ergibt sich aus dieser großartigen Übereinstimmung, wie wir sie haben im Dekalog und in den Geboten des ägyptischen Totenbuches. Und wir müssen uns klar sein, dass man im alten Ägypten auf keine andere Weise das vermittelt bekommen hat als dadurch, dass man eingeweiht worden ist.
[ 31 ] Das eine muss dem klar sein, der die Genesis zu lesen versteht, dass Moses wohl den Dekalog in der Form, wie er ihn gegeben hat, [vorher] kannte. Das ergibt sich aus dieser großartigen Übereinstimmung, wie wir sie haben im Dekalog und in den Geboten des ägyptischen Totenbuches. Und wir müssen uns klar sein, dass man im alten Ägypten auf keine andere Weise das vermittelt bekommen hat als dadurch, dass man eingeweiht worden ist.
[ 32 ] Moses war ein Initiierter. Seine Aufgabe war, in der jüdischen Priesterschaft andere Initiierte zu schaffen. Ich will nun zeigen, wie selbst in Äußerlichkeiten eine Ähnlichkeit zwischen der Genesis und den alten ägyptischen Mythen besteht. Ich will einen äußeren Zug angeben, der genügend sprechen wird für das Ganze. Sie werden sehen, in welcher Weise die Mythen umgewandelt worden sind. Eine Beweisführung würde aber hier viel zu weit führen.
[ 32 ] Moses war ein Initiierter. Seine Aufgabe war, in der jüdischen Priesterschaft andere Initiierte zu schaffen. Ich will nun zeigen, wie selbst in Äußerlichkeiten eine Ähnlichkeit zwischen der Genesis und den alten ägyptischen Mythen besteht. Ich will einen äußeren Zug angeben, der genügend sprechen wird für das Ganze. Sie werden sehen, in welcher Weise die Mythen umgewandelt worden sind. Eine Beweisführung würde aber hier viel zu weit führen.
[ 33 ] Der Osiris-Mythos kennt Osiris auf der einen und Seth-Typhon auf der anderen Seite. Beide sind eine Art von Bruderpaar. Sie sind einander feindlich. Beide stammen sie ab vom Himmel. Sie sind Söhne des Himmels. Sie werden vorgestellt als inkarnierte Gottheiten. Neben Osiris haben wir Seth-Typhon. Dieses Bruderpaar haben Sie auch in der Genesis als Kain und Abel.
[ 33 ] Der Osiris-Mythos kennt Osiris auf der einen und Seth-Typhon auf der anderen Seite. Beide sind eine Art von Bruderpaar. Sie sind einander feindlich. Beide stammen sie ab vom Himmel. Sie sind Söhne des Himmels. Sie werden vorgestellt als inkarnierte Gottheiten. Neben Osiris haben wir Seth-Typhon. Dieses Bruderpaar haben Sie auch in der Genesis als Kain und Abel.
[ 34 ] Dass wir in der Genesis noch Spuren haben aus der ägyptischen Priesterreligion, das beweist die Stelle im fünften Kapitel, das vom Menschengeschlecht handelt. Adam war 130 Jahre alt, zeugte einen Sohn und hieß ihn Seth. Es ist dieselbe Figur. Sie haben in ihm einen echten Sohn Adams. In Adam haben wir nur eine Art Gottmensch zu erkennen, eigentlich nur eine mehr ins Menschliche übersetzte Figur des Ra, des höchsten Himmelsgottes. Seine Söhne sind gleichzustellen mit den Söhnen des Ra. [In dem Seth der Kain-und-AbelGeschichte hätten wir den Seth des Osiris-Mythos zu sehen.] Diese Übereinstimmung ist keine zufällige. Es ist klar, dass wir es zu tun haben mit einer tiefgehenden Übereinstimmung.
[ 34 ] Dass wir in der Genesis noch Spuren haben aus der ägyptischen Priesterreligion, das beweist die Stelle im fünften Kapitel, das vom Menschengeschlecht handelt. Adam war 130 Jahre alt, zeugte einen Sohn und hieß ihn Seth. Es ist dieselbe Figur. Sie haben in ihm einen echten Sohn Adams. In Adam haben wir nur eine Art Gottmensch zu erkennen, eigentlich nur eine mehr ins Menschliche übersetzte Figur des Ra, des höchsten Himmelsgottes. Seine Söhne sind gleichzustellen mit den Söhnen des Ra. [In dem Seth der Kain-und-AbelGeschichte hätten wir den Seth des Osiris-Mythos zu sehen.] Diese Übereinstimmung ist keine zufällige. Es ist klar, dass wir es zu tun haben mit einer tiefgehenden Übereinstimmung.
[ 35 ] Ich habe dies nur angeführt, um die Methode zu zeigen. Man kann in der Genesis die alte ägyptische Priesterreligion wiedererkennen. Auf diese Weise entstand die Genesis. Die ägyptische Priesterreligion ist verloren [gegangen], ist aber aus dem durch die Tradition Fortgepflanzten später wieder aufgebaut worden. Daher kommt es, dass wir nur schwer die ursprüngliche Gestalt zu erkennen vermögen aus dem, was Moses uns überliefert hat. Aber innerhalb der ägyptischen Priesterreligion können wir das. Wenn wir sie uns rekonstruieren, so stimmen sie überein mit den alten Mythosformen, mit den ältesten Formen, sodass wir in der Tat darüber ebenso überrascht sind, wie wir überrascht waren durch die Übereinstimmung des Buddhalebens mit dem Leben des Christus.
[ 35 ] Ich habe dies nur angeführt, um die Methode zu zeigen. Man kann in der Genesis die alte ägyptische Priesterreligion wiedererkennen. Auf diese Weise entstand die Genesis. Die ägyptische Priesterreligion ist verloren [gegangen], ist aber aus dem durch die Tradition Fortgepflanzten später wieder aufgebaut worden. Daher kommt es, dass wir nur schwer die ursprüngliche Gestalt zu erkennen vermögen aus dem, was Moses uns überliefert hat. Aber innerhalb der ägyptischen Priesterreligion können wir das. Wenn wir sie uns rekonstruieren, so stimmen sie überein mit den alten Mythosformen, mit den ältesten Formen, sodass wir in der Tat darüber ebenso überrascht sind, wie wir überrascht waren durch die Übereinstimmung des Buddhalebens mit dem Leben des Christus.
[ 36 ] Diese Betrachtung wird uns den Ausblick eröffnen auf den eigentlichen Grund der Entstehung der Christus-Figur. Wenn wir zurückgehen auf die heiligen Bücher der Inder, die zweitausend Jahre vor Christi Geburt abgeschlossen worden sind, dann finden wir eine höchst merkwürdige Sage, die uns in der Gestalt der indischen Veden-Literatur entgegentritt. Sie führt uns ein in die ganze indische Weltanschauung. Sie finden da die Sage von [Adhima] und [Heva]. Die beiden wurden als Menschen geschaffen auf Ceylon im Paradies. Sie werden uns vorgestellt in voller Unschuld. Zu ihnen tritt eine Schlange. Sie sagt ihnen: Warum wollt ihr innerhalb dieser Gefilde bleiben? Sie wandern dann durch diese Gebiete und [Adhima] sagt zu [Heva]: Wir wollen doch einmal sehen, was das für ein Land ist, das wir in der Ferne sehen. - Die Schlange hat sie auch dazu aufgefordert und sagte: Ihr werdet, wenn ihr dahin kommt, wie Brahma sein und die tiefsten Geheimnisse der Welt erkennen. - Großartig erscheint ihnen das alles. Aber als sie hinkommen, löst sich das Ganze in eine Art Fata Morgana auf und sie sind in rauen, öden Gefilden. Sie werden aber getröstet von Brahma, welcher ihnen sagt, nachdem als wesenlose Spiegelung ihnen die Welt erschienen war: Ich will euch Vishnu senden.
[ 36 ] Diese Betrachtung wird uns den Ausblick eröffnen auf den eigentlichen Grund der Entstehung der Christus-Figur. Wenn wir zurückgehen auf die heiligen Bücher der Inder, die zweitausend Jahre vor Christi Geburt abgeschlossen worden sind, dann finden wir eine höchst merkwürdige Sage, die uns in der Gestalt der indischen Veden-Literatur entgegentritt. Sie führt uns ein in die ganze indische Weltanschauung. Sie finden da die Sage von [Adhima] und [Heva]. Die beiden wurden als Menschen geschaffen auf Ceylon im Paradies. Sie werden uns vorgestellt in voller Unschuld. Zu ihnen tritt eine Schlange. Sie sagt ihnen: Warum wollt ihr innerhalb dieser Gefilde bleiben? Sie wandern dann durch diese Gebiete und [Adhima] sagt zu [Heva]: Wir wollen doch einmal sehen, was das für ein Land ist, das wir in der Ferne sehen. - Die Schlange hat sie auch dazu aufgefordert und sagte: Ihr werdet, wenn ihr dahin kommt, wie Brahma sein und die tiefsten Geheimnisse der Welt erkennen. - Großartig erscheint ihnen das alles. Aber als sie hinkommen, löst sich das Ganze in eine Art Fata Morgana auf und sie sind in rauen, öden Gefilden. Sie werden aber getröstet von Brahma, welcher ihnen sagt, nachdem als wesenlose Spiegelung ihnen die Welt erschienen war: Ich will euch Vishnu senden.
[ 37 ] Es ist dasselbe, was wir in der Genesis finden als die Weissagung Gottes, der das Kommen des Christus vorhersagt. Sie können die Sagen der alten Veden-Literatur auch in der Genesis finden. Diese Sage steht in innigem Zusammenhang mit der indischen Weltanschauung. Dieser Adam-und-Eva-Mythos ist im tiefsten Einklang mit der Lehre, welche bis herauf zum Buddhismus sich fortgepflanzt hat und in Buddha zum Persönlichen geworden ist, mit der Weltanschauung, dass das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, im Grunde genommen eine Fata Morgana ist, ein Schein, ein trügerisches Bild und dass der Mensch ein ganz anderes Ziel hat im Ewigen, im Nirwana. Was außer dem Nirwana ist, ist nichtiger Schein.
[ 37 ] Es ist dasselbe, was wir in der Genesis finden als die Weissagung Gottes, der das Kommen des Christus vorhersagt. Sie können die Sagen der alten Veden-Literatur auch in der Genesis finden. Diese Sage steht in innigem Zusammenhang mit der indischen Weltanschauung. Dieser Adam-und-Eva-Mythos ist im tiefsten Einklang mit der Lehre, welche bis herauf zum Buddhismus sich fortgepflanzt hat und in Buddha zum Persönlichen geworden ist, mit der Weltanschauung, dass das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, im Grunde genommen eine Fata Morgana ist, ein Schein, ein trügerisches Bild und dass der Mensch ein ganz anderes Ziel hat im Ewigen, im Nirwana. Was außer dem Nirwana ist, ist nichtiger Schein.
[ 38 ] Gott selber hat sich zum Menschen gemacht, das ist der Sinn der alten Mythen. Brahma schafft nach seinem Bilde den ersten Menschen. Es ist Brahma, welcher sich im Urmenschen inkarniert. Das Urmenschenpaar steigt dann weiter herunter. Es verbindet sich weiter mit der Materie, und aus dem Einprägen des Geistes in den Staub entsteht jenes Leben, das wir als menschliches Leben erkennen.
[ 38 ] Gott selber hat sich zum Menschen gemacht, das ist der Sinn der alten Mythen. Brahma schafft nach seinem Bilde den ersten Menschen. Es ist Brahma, welcher sich im Urmenschen inkarniert. Das Urmenschenpaar steigt dann weiter herunter. Es verbindet sich weiter mit der Materie, und aus dem Einprägen des Geistes in den Staub entsteht jenes Leben, das wir als menschliches Leben erkennen.
[ 39 ] Nichtig ist dieses menschliche Leben, da es nur den Zweck hat, das Göttliche wieder zu gebären. Aber ein Opfer ist es, sich hinunterzubegeben, um die Materie zu durchdringen. [Brahma] muss hinuntergehen, um zu seinem wahren, großen Leben zu gelangen. Das drückt sich in dem alten indischen Mythos aus und das ist auch ausgedrückt in der indischen Weltanschauung, welche alles in der Welt als trügerisch anschaut.
[ 39 ] Nichtig ist dieses menschliche Leben, da es nur den Zweck hat, das Göttliche wieder zu gebären. Aber ein Opfer ist es, sich hinunterzubegeben, um die Materie zu durchdringen. [Brahma] muss hinuntergehen, um zu seinem wahren, großen Leben zu gelangen. Das drückt sich in dem alten indischen Mythos aus und das ist auch ausgedrückt in der indischen Weltanschauung, welche alles in der Welt als trügerisch anschaut.
[ 40 ] So haben Sie also auch eine ähnliche Harmonie zwischen dem alten Mythos der Veden und der [jüdischen] Weltanschauung. Sie stimmen vollständig miteinander überein.
[ 40 ] So haben Sie also auch eine ähnliche Harmonie zwischen dem alten Mythos der Veden und der [jüdischen] Weltanschauung. Sie stimmen vollständig miteinander überein.
[ 41 ] Diese Anschauung von der Nichtigkeit, von der bloßen Scheinbarkeit der Welt zu begreifen, das war mit eine derjenigen Erkenntnisse, welche den Initiierten in lebendiger Art und Weise beigebracht werden sollte. Dasjenige, was in grober, derber Weise zu sehen war, das sollte er nicht sehen. Dasjenige, was die [nicht-initiierten] Menschen aber nicht sehen, das sollte er sehen. Da, wo zurückgegangen wird auf die mystischen Quellen, sei es in den alten Veden oder in der Genesis, überall da, wo ein tieferes Verständnis vorhanden ist, da ist auch die Anschauung vorhanden, dass wir es zu tun haben — wie im Indischen - mit einer bloßen Fata Morgana. [Und diese kann nur dadurch werden], was sie werden muss, wenn die Gottheit in ihrer Gestalt erscheint und wenn der Mensch nicht nur dazu beiträgt, Erkenntnisse in die Welt zu bringen, sondern auch die Materie mit Geist zu durchdringen, damit nicht nur der Geist lebendig wird, sondern dass auch die Materie mit dem Geist zugleich lebendig wird.
[ 41 ] Diese Anschauung von der Nichtigkeit, von der bloßen Scheinbarkeit der Welt zu begreifen, das war mit eine derjenigen Erkenntnisse, welche den Initiierten in lebendiger Art und Weise beigebracht werden sollte. Dasjenige, was in grober, derber Weise zu sehen war, das sollte er nicht sehen. Dasjenige, was die [nicht-initiierten] Menschen aber nicht sehen, das sollte er sehen. Da, wo zurückgegangen wird auf die mystischen Quellen, sei es in den alten Veden oder in der Genesis, überall da, wo ein tieferes Verständnis vorhanden ist, da ist auch die Anschauung vorhanden, dass wir es zu tun haben — wie im Indischen - mit einer bloßen Fata Morgana. [Und diese kann nur dadurch werden], was sie werden muss, wenn die Gottheit in ihrer Gestalt erscheint und wenn der Mensch nicht nur dazu beiträgt, Erkenntnisse in die Welt zu bringen, sondern auch die Materie mit Geist zu durchdringen, damit nicht nur der Geist lebendig wird, sondern dass auch die Materie mit dem Geist zugleich lebendig wird.
[ 42 ] Dass Gott selbst zu Staub geworden ist, das ist die Schuld der Schlange, die immer und immer wieder Staub aufnehmen muss. Das Staubgeborene ist nichts anderes als die in der Materie sich inkarnierende und wieder aus ihr herausstrebende Gottheit. Wir haben es hier zu tun mit etwas, was nicht nur ein Abfallen, sondern ein Opfer ist. Die Gottheit selbst gießt sich aus, um wieder erlöst werden zu können. Dieses Abfallen wird uns dargestellt. Die Schlange ist nichts anderes als das Gegenbild der Gottheit, sie ist die Gottheit in anderer Gestalt. Deshalb ist die Schlange in allen Religionen das Symbol für den Initiationsvorgang. Er besteht darin, dass der Mensch nicht nur erkennt, sondern dass er erkennend die Materie erlöst vom bloßen Materiesein, dass er aus der bloßen Materie heraus den Geist gebiert. Für diesen Vorgang ist die Schlange das Symbol.
[ 42 ] Dass Gott selbst zu Staub geworden ist, das ist die Schuld der Schlange, die immer und immer wieder Staub aufnehmen muss. Das Staubgeborene ist nichts anderes als die in der Materie sich inkarnierende und wieder aus ihr herausstrebende Gottheit. Wir haben es hier zu tun mit etwas, was nicht nur ein Abfallen, sondern ein Opfer ist. Die Gottheit selbst gießt sich aus, um wieder erlöst werden zu können. Dieses Abfallen wird uns dargestellt. Die Schlange ist nichts anderes als das Gegenbild der Gottheit, sie ist die Gottheit in anderer Gestalt. Deshalb ist die Schlange in allen Religionen das Symbol für den Initiationsvorgang. Er besteht darin, dass der Mensch nicht nur erkennt, sondern dass er erkennend die Materie erlöst vom bloßen Materiesein, dass er aus der bloßen Materie heraus den Geist gebiert. Für diesen Vorgang ist die Schlange das Symbol.
[ 43 ] Goethe hat im «Märchen» ebenfalls das Symbol der Schlange gebraucht, aber erst in der Zeit, als er die mystischen Symbole gekannt hat. In dem Sündenfall-Mythos haben wir es mit einer Anschauung zu tun, die wir verfolgen können sowohl in den alten ägyptischen Priesteranschauungen als auch in der Genesis. Wir haben es dazu tun mit uralten Anschauungen, aus welchen sich dann der Buddhismus und das Christentum erheben. Und wenn wir auf die ägyptische Priesterreligion sehen, so haben wir es zu tun mit einer Vergottung des Menschen - wie [bei] Heraklit.
[ 43 ] Goethe hat im «Märchen» ebenfalls das Symbol der Schlange gebraucht, aber erst in der Zeit, als er die mystischen Symbole gekannt hat. In dem Sündenfall-Mythos haben wir es mit einer Anschauung zu tun, die wir verfolgen können sowohl in den alten ägyptischen Priesteranschauungen als auch in der Genesis. Wir haben es dazu tun mit uralten Anschauungen, aus welchen sich dann der Buddhismus und das Christentum erheben. Und wenn wir auf die ägyptische Priesterreligion sehen, so haben wir es zu tun mit einer Vergottung des Menschen - wie [bei] Heraklit.
[ 44 ] Dieses Unsterblich-Werden, dieses Gottwerden war die Aufgabe, welche mit der dreitägigen Grablegung und dem Auferstehungsvorgang symbolisiert werden soll. Diesen Vorgang sehen wir in der Christus-Geschichte als geschichtliches Ereignis wieder aufleben. Wir sehen das, was jeder, der in die ägyptischen Geheimnisse eingeweiht werden wollte, durchmachen musste, das Lebendigwerden nach der Aufnahme des Kreuzsymboles, [im Christus-Ereignis] in aller [Öffentlichkeit] an einem Einzelnen hervortreten.
[ 44 ] Dieses Unsterblich-Werden, dieses Gottwerden war die Aufgabe, welche mit der dreitägigen Grablegung und dem Auferstehungsvorgang symbolisiert werden soll. Diesen Vorgang sehen wir in der Christus-Geschichte als geschichtliches Ereignis wieder aufleben. Wir sehen das, was jeder, der in die ägyptischen Geheimnisse eingeweiht werden wollte, durchmachen musste, das Lebendigwerden nach der Aufnahme des Kreuzsymboles, [im Christus-Ereignis] in aller [Öffentlichkeit] an einem Einzelnen hervortreten.
[ 45 ] Es konnte sich das nur in einer Zeit und in einer Gemeinschaft abspielen, welche vorgearbeitet hatte, wie im Essäertum, welches verstehen konnten, was sich da abspielte. Daran sehen wir, dass sich ein notwendiger Vorgang abspielte, ein Vorgang, der immer eintreten muss, wenn man — wie sich der Vorgang bei Johannes dem Täufer abspielte - sagen konnte, das ist ein Christus, wie es der Brahma bei Buddha sagen konnte. Es musste also vorgearbeitet werden.
[ 45 ] Es konnte sich das nur in einer Zeit und in einer Gemeinschaft abspielen, welche vorgearbeitet hatte, wie im Essäertum, welches verstehen konnten, was sich da abspielte. Daran sehen wir, dass sich ein notwendiger Vorgang abspielte, ein Vorgang, der immer eintreten muss, wenn man — wie sich der Vorgang bei Johannes dem Täufer abspielte - sagen konnte, das ist ein Christus, wie es der Brahma bei Buddha sagen konnte. Es musste also vorgearbeitet werden.
[ 46 ] In dem Essäertum lebte der Glaube [der ägyptischen Eingeweihten], dass der Mensch göttlich werden konnte, der hintrat vor die Richterstufen des Osiris, um selbst Gott zu werden. Diese höchste Aufgabe, welche sich der Mensch stellt, einmal als geschichtlichen Vorgang vor sich zu haben als etwas Bleibendes, das ist es, was uns auf dem Grunde des Essäertums entgegentritt.
[ 46 ] In dem Essäertum lebte der Glaube [der ägyptischen Eingeweihten], dass der Mensch göttlich werden konnte, der hintrat vor die Richterstufen des Osiris, um selbst Gott zu werden. Diese höchste Aufgabe, welche sich der Mensch stellt, einmal als geschichtlichen Vorgang vor sich zu haben als etwas Bleibendes, das ist es, was uns auf dem Grunde des Essäertums entgegentritt.
[ 47 ] Nun kommen wir dazu, das zu verfolgen. Sie müssen sich vor Augen halten, dass dasjenige, was in dem ägyptischen Priester vor Jahrhunderten vorgegangen ist, was sich abspielte bei unzähligen Menschen, sich in einem einzelnen Vorgange abspielte, aber so, dass wir darin genau den Plan des ägyptischen Ewigkeitsgedankens wiedererkennen.
[ 47 ] Nun kommen wir dazu, das zu verfolgen. Sie müssen sich vor Augen halten, dass dasjenige, was in dem ägyptischen Priester vor Jahrhunderten vorgegangen ist, was sich abspielte bei unzähligen Menschen, sich in einem einzelnen Vorgange abspielte, aber so, dass wir darin genau den Plan des ägyptischen Ewigkeitsgedankens wiedererkennen.
[ 48 ] Diesen einen Zug lassen Sie mich noch einfügen, um einen Anknüpfungspunkt für das nächste Mal zu haben, nämlich dass der, welcher den Eingang suchte durch die Todespforte, um in das Land des Osiris zu kommen, eine Reihe von Prüfungen durchzumachen hatte. Vor 42 Totenrichter wird er geführt. Diese sind nichts anderes als die im Totenreich «Osiris gewordenen Menschen; Menschen, die einmal gelebt haben und schon «Osiris» geworden sind. Vor denen erscheint er, sodass derjenige, welcher die jenseitige Welt aufsucht, vor seinen vornehmsten Ahnen erscheint. Und der, welcher berufen ist, ein «Osiris zu werden, ist nichts anderes als eine neue Gestalt, eine erneuerte Gestalt, ein Glied in der zweiundvierziggliedrigen Reihe.
[ 48 ] Diesen einen Zug lassen Sie mich noch einfügen, um einen Anknüpfungspunkt für das nächste Mal zu haben, nämlich dass der, welcher den Eingang suchte durch die Todespforte, um in das Land des Osiris zu kommen, eine Reihe von Prüfungen durchzumachen hatte. Vor 42 Totenrichter wird er geführt. Diese sind nichts anderes als die im Totenreich «Osiris gewordenen Menschen; Menschen, die einmal gelebt haben und schon «Osiris» geworden sind. Vor denen erscheint er, sodass derjenige, welcher die jenseitige Welt aufsucht, vor seinen vornehmsten Ahnen erscheint. Und der, welcher berufen ist, ein «Osiris zu werden, ist nichts anderes als eine neue Gestalt, eine erneuerte Gestalt, ein Glied in der zweiundvierziggliedrigen Reihe.
[ 49 ] Diese Reihe spielt in der Essäer-Gemeinde eine Rolle. Sie ist nichts anderes als dasjenige, was hier auf der Erde schon vorhanden war. Diese 42 Totenrichter treten uns nun im Evangelium gleich anfangs in veränderter Gestalt entgegen. Sie sind nichts anderes als die 42 Vorfahren des Jesus. Er ist «Osiris» geworden, der Zweiundvierzigste in der Reihe. Er ist es, der dazu berufen ist, die Lebendigen und die Toten zu richten. Deshalb werden die wichtigsten Stammväter des Menschengeschlechtes auch als Stammväter des Jesus angeführt. Es ist direkt eine Übertragung einer Essäer-Tradition, die unmittelbar in dem Evangelium des Matthäus zu verfolgen ist. Es ist nichts anderes als die Übersetzung der Totenrichter in ägyptischer Anschauung.
[ 49 ] Diese Reihe spielt in der Essäer-Gemeinde eine Rolle. Sie ist nichts anderes als dasjenige, was hier auf der Erde schon vorhanden war. Diese 42 Totenrichter treten uns nun im Evangelium gleich anfangs in veränderter Gestalt entgegen. Sie sind nichts anderes als die 42 Vorfahren des Jesus. Er ist «Osiris» geworden, der Zweiundvierzigste in der Reihe. Er ist es, der dazu berufen ist, die Lebendigen und die Toten zu richten. Deshalb werden die wichtigsten Stammväter des Menschengeschlechtes auch als Stammväter des Jesus angeführt. Es ist direkt eine Übertragung einer Essäer-Tradition, die unmittelbar in dem Evangelium des Matthäus zu verfolgen ist. Es ist nichts anderes als die Übersetzung der Totenrichter in ägyptischer Anschauung.
[ 50 ] Dass daneben uns die Menschwerdung des Jesus entgegentritt, unmittelbar nachdem das Geschlechtsregister vorgeführt wurde: «[Mattan] zeugt Jakob, Jakob Joseph» und so weiter, kann uns auffallen. Den Grund davon wollen wir das nächste Mal durchnehmen und kennenlernen.
[ 50 ] Dass daneben uns die Menschwerdung des Jesus entgegentritt, unmittelbar nachdem das Geschlechtsregister vorgeführt wurde: «[Mattan] zeugt Jakob, Jakob Joseph» und so weiter, kann uns auffallen. Den Grund davon wollen wir das nächste Mal durchnehmen und kennenlernen.
[Fragenbeantwortung:]
[Fragenbeantwortung:]
[ 52 ] Ich wollte nur darauf hinweisen, dass wir es mit zwei Geschlechtsregistern zu tun haben. Das eine ist durch die Essäer-Anschauung durchgegangen und das andere von Matthäus gehört einer anderen Vorstellungsreihe an und hat sich damit verknüpft.
[ 52 ] Ich wollte nur darauf hinweisen, dass wir es mit zwei Geschlechtsregistern zu tun haben. Das eine ist durch die Essäer-Anschauung durchgegangen und das andere von Matthäus gehört einer anderen Vorstellungsreihe an und hat sich damit verknüpft.
[ 53 ] 42 Glieder = 3 mal 14 = 6 mal 7 - an der Grenze der sechsten Runde und am Eingang der siebenten Runde. Die sieben Teile, in welche die alten Ägypter den Menschen einteilen. Die Zahl 7 ist nicht deshalb heilig, weil sie eine Siebenzahl ist, sondern weil sie darin das Weltgeheimnis erkannten. Es ist also kein Aberglaube. Entwicklung ist ein fortwährendes Überwinden der Materie durch den Geist. Wie der Erdball früher keine Menschen getragen hat, jetzt aber Menschen darauf leben, so werden diese Menschen sich immer mehr entwickeln und zu größerer Geistigkeit fortschreiten.
[ 53 ] 42 Glieder = 3 mal 14 = 6 mal 7 - an der Grenze der sechsten Runde und am Eingang der siebenten Runde. Die sieben Teile, in welche die alten Ägypter den Menschen einteilen. Die Zahl 7 ist nicht deshalb heilig, weil sie eine Siebenzahl ist, sondern weil sie darin das Weltgeheimnis erkannten. Es ist also kein Aberglaube. Entwicklung ist ein fortwährendes Überwinden der Materie durch den Geist. Wie der Erdball früher keine Menschen getragen hat, jetzt aber Menschen darauf leben, so werden diese Menschen sich immer mehr entwickeln und zu größerer Geistigkeit fortschreiten.
