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On the Astral World and Devachan
GA 88

18 August 1903, Berlin

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Über die astrale Welt und das Devachan, 1st ed.
  1. On the Astral World and Devachan, tr. SOL

12. Die Bhagavad Gita

12. Die Bhagavad Gita

[ ] Die Bhagavad Gita, welche in poetischem Gewande die erhabenste Tugendlehre der indischen Weltanschauung enthält, bildet eine in sich abgeschlossene Episode aus einem der berühmtesten und ältesten der beiden großen Heldenepen der Inder, dem Mahabharata, das heißt der große Krieg.

[ ] Die Bhagavad Gita, welche in poetischem Gewande die erhabenste Tugendlehre der indischen Weltanschauung enthält, bildet eine in sich abgeschlossene Episode aus einem der berühmtesten und ältesten der beiden großen Heldenepen der Inder, dem Mahabharata, das heißt der große Krieg.

[ ] Was den Griechen die homerischen Gesänge, den germanischen Völkern die Nibelungensage, das ist dem Sanskritvolke das Mahabharata. Ihren Kern bilden die uralten Kriegsgesänge und Heldensagen aus der Zeit der großen Wanderung und der Eroberungskämpfe am Ganges. Die Anfänge dieser Dichtung reichen hinauf bis ins 10. und 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und geben ein treues Sittengemälde dieser ältesten indischen Heldenzeit. Historische Tatsachen und Persönlichkeiten in poetischer Umhüllung liegen diesen Schilderungen gewiß ebenso zugrunde wie den anderen Volksgesängen.

[ ] Was den Griechen die homerischen Gesänge, den germanischen Völkern die Nibelungensage, das ist dem Sanskritvolke das Mahabharata. Ihren Kern bilden die uralten Kriegsgesänge und Heldensagen aus der Zeit der großen Wanderung und der Eroberungskämpfe am Ganges. Die Anfänge dieser Dichtung reichen hinauf bis ins 10. und 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und geben ein treues Sittengemälde dieser ältesten indischen Heldenzeit. Historische Tatsachen und Persönlichkeiten in poetischer Umhüllung liegen diesen Schilderungen gewiß ebenso zugrunde wie den anderen Volksgesängen.

[ ] Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe der beiden verwandten Geschlechter der Kurus und Pandus, die mit dem Untergange des Heldengeschlechtes der Kurus enden. Die Bhagavad Gita hat zum Inhalt ein wundervolles religionsphilosophisches Gespräch zwischen dem Helden Arjuna und Krishna, dem fleischgewordenen, inkarnierten Gotte. Die lichtvollen und erhabenen Weisheitslehren und das überaus fein differenzierte Empfindungs- und Unterscheidungsvermögen in den subtilsten ethischen Fragen lassen nicht nur auf eine noch unerreichte Kultur unserer Stammeseltern auf diesem Gebiete schließen, nein, sie wirken auch wie unmittelbare Offenbarungen des göttlichen Geistes. Wilhelm von Humboldt war so erschüttert von der unvergleichlichen Schönheit und Tiefe dieser Dichtung, daß er begeistert ausrief: Es lohnt, so lange zu leben, um ein solches Gedicht kennenzulernen. Im Beginn stehen sich die beiden feindlichen Heere kampfbereit gegenüber. Arjuna der Held läßt seinen goldenen, mit weißen Rossen bespannten Wagen in die Mitte des Kriegsfeldes lenken, um sich die kampfbegierigen Feinde näher zu betrachten. Als er aber in ihren Reihen Blutsverwandte entdeckt, Väter, Söhne, Enkel, Vettern und Brüder, die wutentbrannt sich gegenseitig morden wollen, da erbebt sein edles Herz in wildem Weh, und von Mitleid überwältigt, entfällt ihm der schon gespannte Bogen. Er schaudert vor dem Gedanken einer Blutschuld zurück, lieber will er auf Ruhm und Herrschertum verzichten, als diese Sünde auf sich laden; lieber möchte er von ihrer Hand sterben, als den Tod eines seiner Verwandten verschulden. Doch Krishna naht sich dem Verzagten und schlichtet den Kampf in seinem Innern, indem er ihn über seine Pflichten als Krieger, über sein Dharma aufklärt. Arjuna der Held ist der Mensch, und sein Inneres ist das Schlachtfeld, auf dem die harten Kämpfe der Seele ausgefochten werden. Schwankend zwischen dem irdischen und dem himmlischen Teile unseres Gemütslebens, im Widerstreit der Gefühle, von bangen Zweifeln geplagt, wissen wir oft nicht, wohin wir uns wenden sollen, was unsere Pflicht ist. Denn jedes Sonderwesen hat seine eigene besondere Pflicht, sein Dharma, das er erkennen muß.

[ ] Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe der beiden verwandten Geschlechter der Kurus und Pandus, die mit dem Untergange des Heldengeschlechtes der Kurus enden. Die Bhagavad Gita hat zum Inhalt ein wundervolles religionsphilosophisches Gespräch zwischen dem Helden Arjuna und Krishna, dem fleischgewordenen, inkarnierten Gotte. Die lichtvollen und erhabenen Weisheitslehren und das überaus fein differenzierte Empfindungs- und Unterscheidungsvermögen in den subtilsten ethischen Fragen lassen nicht nur auf eine noch unerreichte Kultur unserer Stammeseltern auf diesem Gebiete schließen, nein, sie wirken auch wie unmittelbare Offenbarungen des göttlichen Geistes. Wilhelm von Humboldt war so erschüttert von der unvergleichlichen Schönheit und Tiefe dieser Dichtung, daß er begeistert ausrief: Es lohnt, so lange zu leben, um ein solches Gedicht kennenzulernen. Im Beginn stehen sich die beiden feindlichen Heere kampfbereit gegenüber. Arjuna der Held läßt seinen goldenen, mit weißen Rossen bespannten Wagen in die Mitte des Kriegsfeldes lenken, um sich die kampfbegierigen Feinde näher zu betrachten. Als er aber in ihren Reihen Blutsverwandte entdeckt, Väter, Söhne, Enkel, Vettern und Brüder, die wutentbrannt sich gegenseitig morden wollen, da erbebt sein edles Herz in wildem Weh, und von Mitleid überwältigt, entfällt ihm der schon gespannte Bogen. Er schaudert vor dem Gedanken einer Blutschuld zurück, lieber will er auf Ruhm und Herrschertum verzichten, als diese Sünde auf sich laden; lieber möchte er von ihrer Hand sterben, als den Tod eines seiner Verwandten verschulden. Doch Krishna naht sich dem Verzagten und schlichtet den Kampf in seinem Innern, indem er ihn über seine Pflichten als Krieger, über sein Dharma aufklärt. Arjuna der Held ist der Mensch, und sein Inneres ist das Schlachtfeld, auf dem die harten Kämpfe der Seele ausgefochten werden. Schwankend zwischen dem irdischen und dem himmlischen Teile unseres Gemütslebens, im Widerstreit der Gefühle, von bangen Zweifeln geplagt, wissen wir oft nicht, wohin wir uns wenden sollen, was unsere Pflicht ist. Denn jedes Sonderwesen hat seine eigene besondere Pflicht, sein Dharma, das er erkennen muß.

[ ] Was versteht der Inder unter «Dharma»? Dharma hat viele Bedeutungen, die sich aber gegenseitig ergänzen und alle zueinander in Beziehung stehen. Dharma ist mit Karma eng verknüpft; sie verhalten sich zueinander wie Frucht und Samen. Dharma ist das Gewordene, das Resultat des vergangenen Karmas, der vergangenen Tätigkeit, und Dharma ist das gegenwärtige schaffende Prinzip in uns und erzeugt wieder das Karma der Zukunft. Dharma ist die Richtkraft unseres eigenen Denkens und Handelns, unsere eigene, persönliche Wahrheit. Es bezeichnet unsere innere Natur, charakterisiert durch den erreichten Grad der Entwicklung; es ist das Gesetz, welches das Wachstum für die zukünftige Entwicklungsperiode bestimmt, der fortlaufende Lebensfaden. Wie Ring an Ring reiht sich Inkarnation an Inkarnation, eine kontinuierliche Kette. Dharma ist unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich und wirkt in uns als Vater, Mutter und Sohn. Der Vater als Übersein, als höheres Selbst, als seine Wahrheit und sein Gesetz; die Mutter als das sich entwickelnde Wesen und der Sohn als das Künftige. Eine Inkarnation ist wertlos und verloren, die nicht durch Tätigkeit eine Übergangsstufe zur höheren Entwicklung wird; ebenso zwecklos ist das Streben, der Wunsch nach einer Vervollkommnung, die nicht durch vorangegangene Tätigkeit erworben ist. Es gibt in der Entwicklung keinen Sprung; geduldig weben wir uns Kleid auf Kleid auf dem Webstuhl der Zeit. Was auf einer vergangenen Stufe geübt wurde, wird Anlage auf einer künftigen, und Tätigkeit in einer früheren Periode wird Fertigkeit in einer späteren.

[ ] Was versteht der Inder unter «Dharma»? Dharma hat viele Bedeutungen, die sich aber gegenseitig ergänzen und alle zueinander in Beziehung stehen. Dharma ist mit Karma eng verknüpft; sie verhalten sich zueinander wie Frucht und Samen. Dharma ist das Gewordene, das Resultat des vergangenen Karmas, der vergangenen Tätigkeit, und Dharma ist das gegenwärtige schaffende Prinzip in uns und erzeugt wieder das Karma der Zukunft. Dharma ist die Richtkraft unseres eigenen Denkens und Handelns, unsere eigene, persönliche Wahrheit. Es bezeichnet unsere innere Natur, charakterisiert durch den erreichten Grad der Entwicklung; es ist das Gesetz, welches das Wachstum für die zukünftige Entwicklungsperiode bestimmt, der fortlaufende Lebensfaden. Wie Ring an Ring reiht sich Inkarnation an Inkarnation, eine kontinuierliche Kette. Dharma ist unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich und wirkt in uns als Vater, Mutter und Sohn. Der Vater als Übersein, als höheres Selbst, als seine Wahrheit und sein Gesetz; die Mutter als das sich entwickelnde Wesen und der Sohn als das Künftige. Eine Inkarnation ist wertlos und verloren, die nicht durch Tätigkeit eine Übergangsstufe zur höheren Entwicklung wird; ebenso zwecklos ist das Streben, der Wunsch nach einer Vervollkommnung, die nicht durch vorangegangene Tätigkeit erworben ist. Es gibt in der Entwicklung keinen Sprung; geduldig weben wir uns Kleid auf Kleid auf dem Webstuhl der Zeit. Was auf einer vergangenen Stufe geübt wurde, wird Anlage auf einer künftigen, und Tätigkeit in einer früheren Periode wird Fertigkeit in einer späteren.

[ ] Schwer ist es für uns immer, unser eigenes Dharma, das Gesetz unseres persönlichen Daseins zu finden, das Gebot «Erkenne dich selbst» zu erfüllen. Man muß sich lange gewöhnen, um unbeeinflußt von den Dingen der Sinnenwelt, von unseren eigenen Wünschen und bewunderten Vorbildern, sich still in sich selbst versenken zu können und auf die innere Stimme zu horchen, die uns den Weg unserer Pflicht weist, die unsere Stellung, unsere Beziehungen, der Kreis, in den wir hineingeboren sind, uns auferlegen. Wenn wir die Stufe unseres Seins, unseren Unvollkommenheitsgrad richtig erkennen, wenn wir uns über das, was Wahrheit und Pflicht auf unserer Entwicklungstufe ist, recht klarwerden, dann dient Selbsterkenntnis nicht dem Egoismus, sondern das ist Dharma, denn Dharma ist die Befolgung des Gesetzes im Sinne wahrer Selbsterkenntnis. Wir finden dann unsere persönliche Note und können sie in der ewigen Weltharmonie zum kräftigen Mittönen bringen. Wir müssen unseren innigen Zusammenhang mit dem Kosmos, als einen Teil desselben, begreifen lernen; unsere Schwingungen müssen harmonisch zu der rhythmischen Bewegung des Kosmos stimmen. Unrecht und Sünde ist ja nichts anderes als Disharmonie, wenn unsere unregelmäßigen Schwingungen Stockungen und Störungen in dem gesetzmäßigen Gang des kosmischen Geschehens verursachen. Je mehr wir uns eins mit dem Kosmos fühlen, je mehr wird er uns offenbaren. Nur der Geist spricht zu uns, den zu verstehen wir gelernt haben. Nach dem Maße unserer Erkenntnis wird uns göttliche Inspiration zuteil, offenbart sich uns das höhere Selbst, das göttlicher Natur ist.

[ ] Schwer ist es für uns immer, unser eigenes Dharma, das Gesetz unseres persönlichen Daseins zu finden, das Gebot «Erkenne dich selbst» zu erfüllen. Man muß sich lange gewöhnen, um unbeeinflußt von den Dingen der Sinnenwelt, von unseren eigenen Wünschen und bewunderten Vorbildern, sich still in sich selbst versenken zu können und auf die innere Stimme zu horchen, die uns den Weg unserer Pflicht weist, die unsere Stellung, unsere Beziehungen, der Kreis, in den wir hineingeboren sind, uns auferlegen. Wenn wir die Stufe unseres Seins, unseren Unvollkommenheitsgrad richtig erkennen, wenn wir uns über das, was Wahrheit und Pflicht auf unserer Entwicklungstufe ist, recht klarwerden, dann dient Selbsterkenntnis nicht dem Egoismus, sondern das ist Dharma, denn Dharma ist die Befolgung des Gesetzes im Sinne wahrer Selbsterkenntnis. Wir finden dann unsere persönliche Note und können sie in der ewigen Weltharmonie zum kräftigen Mittönen bringen. Wir müssen unseren innigen Zusammenhang mit dem Kosmos, als einen Teil desselben, begreifen lernen; unsere Schwingungen müssen harmonisch zu der rhythmischen Bewegung des Kosmos stimmen. Unrecht und Sünde ist ja nichts anderes als Disharmonie, wenn unsere unregelmäßigen Schwingungen Stockungen und Störungen in dem gesetzmäßigen Gang des kosmischen Geschehens verursachen. Je mehr wir uns eins mit dem Kosmos fühlen, je mehr wird er uns offenbaren. Nur der Geist spricht zu uns, den zu verstehen wir gelernt haben. Nach dem Maße unserer Erkenntnis wird uns göttliche Inspiration zuteil, offenbart sich uns das höhere Selbst, das göttlicher Natur ist.

[ ] Wir können ja nur einen Teil jener großen, ewigen Wahrheit erkennen, in dem Umfange und der Größe, als wir durch unsere eigene Tätigkeit, durch unser Karma, in uns zur Offenbarung gebracht haben. Leben für Leben steigert sich in unserem Entwicklungsgang dieser Umfang, wir schreiten in Wissen und Erkenntnis fort, denn unsere Bestimmung ist es, den ganzen Ideeninhalt unserer Welt, unseres Kosmos, nach und nach in uns aufzunehmen. Wir können das nie, ohne stufenweise in uns den ganzen Reichtum der Erscheinungswelt als Erfahrung zu durchleben. Die Natur lebt in uns, wenn wir sie ganz erfassen. Ruhe, Friede und Zufriedenheit mit seinem Lebenslose muß jeden überkommen, der klar erkennt, daß er in den Kreis hineingeboren ist, für den er sich durch sein vergangenes Karma selbst vorbereitet hatte und den er nun mit der ganzen Treue auszufüllen und dessen ganzen Umfang er durch seine Tätigkeit zu erschöpfen hat. Damit hat er durch eigenes Frleben ein Wissensgebiet sich errungen und arbeitet nun in seiner eigenen Linie an der Erweiterung desselben, um sich höhere und bessere Daseinsbedingungen für künftig zu schaffen. So wird er auch dem Bruder, der unter ihm auf der Stufenleiter der Wesen emporzuklimmen versucht, in liebevollem Verständnis die Hand reichen, um ihm zu helfen, denn er selbst stand ja vor kurzem noch auf derselben Sprosse und rang sich mühsam empor, die Hände ausstreckend nach den Brüdern, die ihm voraus emporgeschritten waren.

[ ] Wir können ja nur einen Teil jener großen, ewigen Wahrheit erkennen, in dem Umfange und der Größe, als wir durch unsere eigene Tätigkeit, durch unser Karma, in uns zur Offenbarung gebracht haben. Leben für Leben steigert sich in unserem Entwicklungsgang dieser Umfang, wir schreiten in Wissen und Erkenntnis fort, denn unsere Bestimmung ist es, den ganzen Ideeninhalt unserer Welt, unseres Kosmos, nach und nach in uns aufzunehmen. Wir können das nie, ohne stufenweise in uns den ganzen Reichtum der Erscheinungswelt als Erfahrung zu durchleben. Die Natur lebt in uns, wenn wir sie ganz erfassen. Ruhe, Friede und Zufriedenheit mit seinem Lebenslose muß jeden überkommen, der klar erkennt, daß er in den Kreis hineingeboren ist, für den er sich durch sein vergangenes Karma selbst vorbereitet hatte und den er nun mit der ganzen Treue auszufüllen und dessen ganzen Umfang er durch seine Tätigkeit zu erschöpfen hat. Damit hat er durch eigenes Frleben ein Wissensgebiet sich errungen und arbeitet nun in seiner eigenen Linie an der Erweiterung desselben, um sich höhere und bessere Daseinsbedingungen für künftig zu schaffen. So wird er auch dem Bruder, der unter ihm auf der Stufenleiter der Wesen emporzuklimmen versucht, in liebevollem Verständnis die Hand reichen, um ihm zu helfen, denn er selbst stand ja vor kurzem noch auf derselben Sprosse und rang sich mühsam empor, die Hände ausstreckend nach den Brüdern, die ihm voraus emporgeschritten waren.

[ ] So sehen wir, wie jeder verschieden von dem anderen seine eigenen Pflichten hat, wie klar wir unterscheiden lernen müssen, um nicht uns aus unserer Bahn lenken zu lassen, um unser Gleichgewicht zu bewahren, unser Gesetz zu befolgen. Mit weiser Voraussicht hatten die hohen Führer und erleuchteten Könige das indische Volk in Kasten geteilt. So grausam das uns an Freiheit und uneingeschränkte Wahl gewöhnte Abendländer auch erscheinen mag, so liegt doch diesem strengen Zwange ein tiefer Sinn zugrunde. Die Kasteneinteilung der alten Inder entspricht ganz der natürlichen Einteilung des Menschengeschlechts. Jeder wird durch sein eigenes Karma in die ihm gemäße Kaste hineingeboren, er hat erst den ganzen Umkreis der Pflichten innerhalb derselben zu erfüllen, ehe er für eine neue Inkarnation in die nächsthöhere Kaste reif wird. Solange auf einer niederen Stufe das eigene Urteil noch unentwickelt ist, muß der Mensch Gehorsam lernen, er muß im Dienen die Tugenden der Treue und Ergebenheit erwerben, und so bildet die Kaste der Sudra die Schule für unbedingten Gehorsam und Unterordnung - diese geübten Tugenden, die erst für Selbstbezwingung, Selbstbestimmung und eine liebevolle und milde Herrschaft befähigt machen.

[ ] So sehen wir, wie jeder verschieden von dem anderen seine eigenen Pflichten hat, wie klar wir unterscheiden lernen müssen, um nicht uns aus unserer Bahn lenken zu lassen, um unser Gleichgewicht zu bewahren, unser Gesetz zu befolgen. Mit weiser Voraussicht hatten die hohen Führer und erleuchteten Könige das indische Volk in Kasten geteilt. So grausam das uns an Freiheit und uneingeschränkte Wahl gewöhnte Abendländer auch erscheinen mag, so liegt doch diesem strengen Zwange ein tiefer Sinn zugrunde. Die Kasteneinteilung der alten Inder entspricht ganz der natürlichen Einteilung des Menschengeschlechts. Jeder wird durch sein eigenes Karma in die ihm gemäße Kaste hineingeboren, er hat erst den ganzen Umkreis der Pflichten innerhalb derselben zu erfüllen, ehe er für eine neue Inkarnation in die nächsthöhere Kaste reif wird. Solange auf einer niederen Stufe das eigene Urteil noch unentwickelt ist, muß der Mensch Gehorsam lernen, er muß im Dienen die Tugenden der Treue und Ergebenheit erwerben, und so bildet die Kaste der Sudra die Schule für unbedingten Gehorsam und Unterordnung - diese geübten Tugenden, die erst für Selbstbezwingung, Selbstbestimmung und eine liebevolle und milde Herrschaft befähigt machen.

[ ] In der zweiten Kaste, den Vaisya, wird der Mensch, Ackerbau und Viehzucht treibend, in innigsten Zusammenhang mit der umgebenden Natur treten. Er wird im Schweiße seines Angesichts den Mutterboden bearbeiten lernen, er wird säen und ernten und so die Nahrung für seine Mitbrüder erzeugen; er wird alle Tugenden eines Ackerbauers üben. Sodann wird er als Kaufmann Handel und Gewerbe treiben, Reichtümer sammeln und viele Untugenden seines Standes durchmachen müssen. Durch Selbstsucht und Geiz wird er oft erst weise Ökonomie erlernen und die richtige Verwendung seines Reichtums zum Nutzen und Frommen seiner Mitbürger. Hat er bis zur Vollkommenheit seine Lektion auf dieser Stufe erlernt, so wird er in der folgenden Inkarnation ein Kshatriya und in die Kriegerkaste hineingeboren. Hier muß er seine Kräfte zum Schutze und zur Verteidigung seines Vaterlandes einsetzen; durch Mut und Tapferkeit und Selbstverleugnung Stärke gewinnen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein. Das kann er nur, wenn er jeden Augenblick bereit ist, sein Leben der Pflicht zum Opfer zu bringen. Der Krieger muß das physische Leben hingeben, dann erwirkt seine Seele den Geist der Selbstentäußerung und ist Schöpfer eines Ideals. Der Körper ist einzig dazu bestimmt, der Entwicklung des inneren Lebens zu helfen; er muß verschwinden, wenn die Seele einen neuen Körper braucht, das heißt ein passenderes Kleid für ihre fortgeschrittene Entwicklung. Der Krieg ist die Schule, die durchgemacht werden muß, um in jene höchste Kaste der Brahmanen zu gelangen, für die — auf ihrer Stufe der Entwicklung und Erkenntnis - Kampf und Tötung eine Todsünde ist. «Töte deinen Feind» ist dem Kshatriya geboten, er weiß aber, daß er niemals in Wahrheit einen seiner Brüder töten noch von ihm getötet werden kann, wie Krishna tröstend zu Arjuna sagt.

[ ] In der zweiten Kaste, den Vaisya, wird der Mensch, Ackerbau und Viehzucht treibend, in innigsten Zusammenhang mit der umgebenden Natur treten. Er wird im Schweiße seines Angesichts den Mutterboden bearbeiten lernen, er wird säen und ernten und so die Nahrung für seine Mitbrüder erzeugen; er wird alle Tugenden eines Ackerbauers üben. Sodann wird er als Kaufmann Handel und Gewerbe treiben, Reichtümer sammeln und viele Untugenden seines Standes durchmachen müssen. Durch Selbstsucht und Geiz wird er oft erst weise Ökonomie erlernen und die richtige Verwendung seines Reichtums zum Nutzen und Frommen seiner Mitbürger. Hat er bis zur Vollkommenheit seine Lektion auf dieser Stufe erlernt, so wird er in der folgenden Inkarnation ein Kshatriya und in die Kriegerkaste hineingeboren. Hier muß er seine Kräfte zum Schutze und zur Verteidigung seines Vaterlandes einsetzen; durch Mut und Tapferkeit und Selbstverleugnung Stärke gewinnen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein. Das kann er nur, wenn er jeden Augenblick bereit ist, sein Leben der Pflicht zum Opfer zu bringen. Der Krieger muß das physische Leben hingeben, dann erwirkt seine Seele den Geist der Selbstentäußerung und ist Schöpfer eines Ideals. Der Körper ist einzig dazu bestimmt, der Entwicklung des inneren Lebens zu helfen; er muß verschwinden, wenn die Seele einen neuen Körper braucht, das heißt ein passenderes Kleid für ihre fortgeschrittene Entwicklung. Der Krieg ist die Schule, die durchgemacht werden muß, um in jene höchste Kaste der Brahmanen zu gelangen, für die — auf ihrer Stufe der Entwicklung und Erkenntnis - Kampf und Tötung eine Todsünde ist. «Töte deinen Feind» ist dem Kshatriya geboten, er weiß aber, daß er niemals in Wahrheit einen seiner Brüder töten noch von ihm getötet werden kann, wie Krishna tröstend zu Arjuna sagt.

[ ] Nur die Erreichung der höchsten Vollkommenheit in allen Pflichten der anderen Kasten gibt die Befähigung, in den Brahmanen- oder Priesterstand zu kommen. Der Brahmane hat sich von Kampf und Streit fernzuhalten, er sammelt und bewacht die höchsten Güter der Menschheit, er ist ihr geistiger Führer und Lehrer. Friede und Weisheit und Erkenntnis teilt er seinen schwachen Brüdern mit, in ihm ruhen alle die Erfahrungen der vergangenen Jahrhunderte als Befähigung, die Menschheit zu ihrer ewigen Bestimmung hinzuleiten.

[ ] Nur die Erreichung der höchsten Vollkommenheit in allen Pflichten der anderen Kasten gibt die Befähigung, in den Brahmanen- oder Priesterstand zu kommen. Der Brahmane hat sich von Kampf und Streit fernzuhalten, er sammelt und bewacht die höchsten Güter der Menschheit, er ist ihr geistiger Führer und Lehrer. Friede und Weisheit und Erkenntnis teilt er seinen schwachen Brüdern mit, in ihm ruhen alle die Erfahrungen der vergangenen Jahrhunderte als Befähigung, die Menschheit zu ihrer ewigen Bestimmung hinzuleiten.

[ ] So sehen wir, wie jede Entwicklungsstufe ihr eigenes Dharma erfüllen muß. Was auf der einen Stufe als gut gilt, hat die andere als böse zu meiden. Gut und Böse hat in der ewigen Weltordnung seinen Platz; in ihr verlieren sie jene Bedeutung, welche wir ihnen beilegen. Sie sind notwendig, denn sie sind die Pole der Entwicklung, sie sind aus einem Ursprung hervorgegangen. Gut und Böse, Wirkung und Gegenwirkung, bedingen und ergänzen sich wie Schlaf und Wachen, wie Ruhe und Tätigkeit, wie Licht und Schatten, wie Hell und Dunkel, und sie gehören zueinander wie Geist und Materie. Es ist Atma als reinstes Licht, Urquell alles Seins, und Aima als Spiegelbild, dunkelster Punkt und Keimkraft in der dichtesten Materie, welches den Anstoß zur Entwicklung und Verfeinerung der Materie in ewigem Wechsel der Formengebilde gibt, bis sich die Gegensätzlichkeit zur Lichtquelle des Geistes emporgerungen hat und in Nirwana sich mit seinem Ausganspunkt wieder vereinigt. Aus der ursprünglichen Einheit der Weltharmonie, des ewigen Grundes aller Dinge, des Seins, löst sich die Gegensätzlichkeit los - das ewige Werden der Materie, die sich in zahllosen wechselnden Formen aus sich heraus und hinauf entwickelt zur Erfüllung, um aus der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, dem Vielen, wieder zu einer Einheit zu verschmelzen, bereichert mit den unzähligen Erfahrungen der getrennten Einheiten. Mit Nirwana schließt sich der Kreis: Ausgang und Rückkehr zum ewigen Urgeist.

[ ] So sehen wir, wie jede Entwicklungsstufe ihr eigenes Dharma erfüllen muß. Was auf der einen Stufe als gut gilt, hat die andere als böse zu meiden. Gut und Böse hat in der ewigen Weltordnung seinen Platz; in ihr verlieren sie jene Bedeutung, welche wir ihnen beilegen. Sie sind notwendig, denn sie sind die Pole der Entwicklung, sie sind aus einem Ursprung hervorgegangen. Gut und Böse, Wirkung und Gegenwirkung, bedingen und ergänzen sich wie Schlaf und Wachen, wie Ruhe und Tätigkeit, wie Licht und Schatten, wie Hell und Dunkel, und sie gehören zueinander wie Geist und Materie. Es ist Atma als reinstes Licht, Urquell alles Seins, und Aima als Spiegelbild, dunkelster Punkt und Keimkraft in der dichtesten Materie, welches den Anstoß zur Entwicklung und Verfeinerung der Materie in ewigem Wechsel der Formengebilde gibt, bis sich die Gegensätzlichkeit zur Lichtquelle des Geistes emporgerungen hat und in Nirwana sich mit seinem Ausganspunkt wieder vereinigt. Aus der ursprünglichen Einheit der Weltharmonie, des ewigen Grundes aller Dinge, des Seins, löst sich die Gegensätzlichkeit los - das ewige Werden der Materie, die sich in zahllosen wechselnden Formen aus sich heraus und hinauf entwickelt zur Erfüllung, um aus der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, dem Vielen, wieder zu einer Einheit zu verschmelzen, bereichert mit den unzähligen Erfahrungen der getrennten Einheiten. Mit Nirwana schließt sich der Kreis: Ausgang und Rückkehr zum ewigen Urgeist.

[ ] Für die abendländische Weltanschauung, welche in der Entwicklung des gegenwärtigen Seins ihr höchstes Ziel sieht, bedeutet Nirwana das Nichts. Von dem, was ihr als vollkommenes Sein gilt, ist in Nirwana allerdings nichts vorhanden. Nirwana ist das Nichts von Karma; es kann kein Karma mehr entstehen, weil Dharma offenbar geworden ist.

[ ] Für die abendländische Weltanschauung, welche in der Entwicklung des gegenwärtigen Seins ihr höchstes Ziel sieht, bedeutet Nirwana das Nichts. Von dem, was ihr als vollkommenes Sein gilt, ist in Nirwana allerdings nichts vorhanden. Nirwana ist das Nichts von Karma; es kann kein Karma mehr entstehen, weil Dharma offenbar geworden ist.

[ ] Vergangene Weltanschauungen sahen auf das, was noch nicht ist, und das gegenwärtige Sein war ihnen ein unvollkommener Übergang zu Höherem. Jeden Tätigkeitszustand sahen sie als Zwischenglied zwischen der Unvollkommenheit und der absoluten Vollkommenheit in Nirwana an. Das Ziel und das Ideal für sie war der Zustand einer Wesenheit, die ihr ganzes Dharma offenbart und damit ihr Karma verbrannt hat und in Nirwana eingeht.

[ ] Vergangene Weltanschauungen sahen auf das, was noch nicht ist, und das gegenwärtige Sein war ihnen ein unvollkommener Übergang zu Höherem. Jeden Tätigkeitszustand sahen sie als Zwischenglied zwischen der Unvollkommenheit und der absoluten Vollkommenheit in Nirwana an. Das Ziel und das Ideal für sie war der Zustand einer Wesenheit, die ihr ganzes Dharma offenbart und damit ihr Karma verbrannt hat und in Nirwana eingeht.