Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Consciousness — Life — Form
GA 89

3 July 1904

Translate the original German text into any language:

Evolution und Involution

Evolution und Involution

IIIIIIIVVVIVII
1
22
333
4444
55555
666666
7777777
88888
9999
101010
1111
1212
13
IIIIIIIVVVIVII
1
22
333
4444
55555
666666
7777777
88888
9999
101010
1111
1212
13

[ 1 ] Wenn wir uns die Entwickelung eines planetarischen Systems vorstellen, dann müssen wir folgendes berücksichtigen. Die Entwickelung geschieht in der Weise, daß zwei immer abwechseln für jedes Wesen: Evolution und Involution. Nun müssen wir die sieben uns vorstellen sich evolutionierend und involutionierend.

[ 1 ] Wenn wir uns die Entwickelung eines planetarischen Systems vorstellen, dann müssen wir folgendes berücksichtigen. Die Entwickelung geschieht in der Weise, daß zwei immer abwechseln für jedes Wesen: Evolution und Involution. Nun müssen wir die sieben uns vorstellen sich evolutionierend und involutionierend.

[ 2 ] Beim nächsten Planeten hat jeder von den Regierenden um eine Stufe weiterzugehen. 8 ist die evolutionierte 7. Indem sie sich weiterentwickeln, entwickeln sie sich in den andern hinein. Beim 7. angekommen kann es nicht weitergehen. Wenn 7 zu 8 würde, würde der Vorgang schon dagewesen sein, es ist nichts als Wiederholung des ersten, 7 auf einer andern Stufe. Indem wir weiterrükken, sehen wir, daß sich die Leiter selbst verändern. Wir kriegen 12 Regenten und einen 13. Überflüssigen. Dieser 13. bringt den ganzen Planeten in einen Zustand, wie er im Anfang war, nur in einen höheren.

[ 2 ] Beim nächsten Planeten hat jeder von den Regierenden um eine Stufe weiterzugehen. 8 ist die evolutionierte 7. Indem sie sich weiterentwickeln, entwickeln sie sich in den andern hinein. Beim 7. angekommen kann es nicht weitergehen. Wenn 7 zu 8 würde, würde der Vorgang schon dagewesen sein, es ist nichts als Wiederholung des ersten, 7 auf einer andern Stufe. Indem wir weiterrükken, sehen wir, daß sich die Leiter selbst verändern. Wir kriegen 12 Regenten und einen 13. Überflüssigen. Dieser 13. bringt den ganzen Planeten in einen Zustand, wie er im Anfang war, nur in einen höheren.

[ 3 ] Mit 12 müssen wir abschließen. So daß wir in jeder Verfassung einer planetarischen Kette nicht 7, sondern 12 erhabene führende Geister haben. Von denen ist nur beim ersten der 8. nicht in Aktion und so weiter. (Unsere Begriffe gehören der rupisch-mentalen Welt an, diese Wesenheiten liegen jenseits unserer Begriffe, so daß nicht von einem Hervorgehen die Rede ist, sondern von Verhältnissen zeitlos).

[ 3 ] Mit 12 müssen wir abschließen. So daß wir in jeder Verfassung einer planetarischen Kette nicht 7, sondern 12 erhabene führende Geister haben. Von denen ist nur beim ersten der 8. nicht in Aktion und so weiter. (Unsere Begriffe gehören der rupisch-mentalen Welt an, diese Wesenheiten liegen jenseits unserer Begriffe, so daß nicht von einem Hervorgehen die Rede ist, sondern von Verhältnissen zeitlos).

[ 4 ] Anerkannt hat man diese Wesen als 12 Regenten in Symbolen, zum Beispiel des Tierkreises, durch welche die Sonne geht. Entsprechend den Etappen des Makrokosmos ist auch die Bewußtseinssteigerung der mikrokosmischen Entwickelung. So daß die 12-Zahl immer maßgebend gewesen ist und es 12 führende Geister gegeben hat überall: 12 Stämme Israels, 12 Apostel, 12 Ritter vom Gral. Sowohl makrokosmisch wie mikrokosmisch ist also 12 die heilige Zahl, die allem zugrunde liegt. 7 sind in Aktion, 5 haben andere Aufgaben. Für den physischen Planeten kommen nur 7 in Betracht, daher auch von 12 nur 7 Prinzipien des Menschen gelehrt werden.

[ 4 ] Anerkannt hat man diese Wesen als 12 Regenten in Symbolen, zum Beispiel des Tierkreises, durch welche die Sonne geht. Entsprechend den Etappen des Makrokosmos ist auch die Bewußtseinssteigerung der mikrokosmischen Entwickelung. So daß die 12-Zahl immer maßgebend gewesen ist und es 12 führende Geister gegeben hat überall: 12 Stämme Israels, 12 Apostel, 12 Ritter vom Gral. Sowohl makrokosmisch wie mikrokosmisch ist also 12 die heilige Zahl, die allem zugrunde liegt. 7 sind in Aktion, 5 haben andere Aufgaben. Für den physischen Planeten kommen nur 7 in Betracht, daher auch von 12 nur 7 Prinzipien des Menschen gelehrt werden.

[ 5 ] Mentale Ableitung von Wesen, die jenseits des Mentalen liegen.

[ 5 ] Mentale Ableitung von Wesen, die jenseits des Mentalen liegen.

[ 6 ] Wir können uns den besten Begriff machen von dem, wie Evolution und Involution einander gegenüberstehen, indem wir einiges Geschichtliche anführen.

[ 6 ] Wir können uns den besten Begriff machen von dem, wie Evolution und Involution einander gegenüberstehen, indem wir einiges Geschichtliche anführen.

[ 7 ] Evolution und Involution stehen sich immer gegenüber. Betrachten wir die griechische Plastik: Die Form ist ausgeprägt, das eigentlich Wesentliche bleibt innen. Blicken wir nun auf die Malerei der Renaissance. Bei der griechischen Plastik: Involution der Farbe, Evolution der Form. Lassen wir aus der Plastik die Malerei sich entwickeln, so haben wir Form in Involution, Farbe in Evolution. Was früher in Involution war, geht später in Evolution über.

[ 7 ] Evolution und Involution stehen sich immer gegenüber. Betrachten wir die griechische Plastik: Die Form ist ausgeprägt, das eigentlich Wesentliche bleibt innen. Blicken wir nun auf die Malerei der Renaissance. Bei der griechischen Plastik: Involution der Farbe, Evolution der Form. Lassen wir aus der Plastik die Malerei sich entwickeln, so haben wir Form in Involution, Farbe in Evolution. Was früher in Involution war, geht später in Evolution über.

[ 8 ] Mit dem 16. Jahrhundert beginnt das Zeitalter der persönlich mentalen und der wissenschaftlichen Entwickelung. Ihm voran ging das Zeitalter der Malerei (seit Cimabue) in der Hochrenaissance. In Michelangelo erscheint das persönliche Kama-Manasische in Involution, dagegen Farbe und Plastik in Evolution. Das Prinzip von Kama-Manas spricht an, aber nicht durch sich selbst, es ist in Involution. Geht die Entwickelung weiter, so muß Kama-Manas, Intelligenz, sich evolvieren in der neuen Zeit. Daher sehen wir, daß das, was sich Wissenschaft nennt, die Malerei ablöst. Die Menschen steigen gleichsam von den Bildern herab und reden selbst. Die Maler haben gleichsam Zukunft vorausgesehen, aber in Form und Farbe. Die Menschen [der Neuzeit] haben in Wissenschaft umgesetzt, was dort involviert ist. Lassen wir Michelangelo auferstehen, so haben wir Galilei [1564-1642]. Während also der Verstand evolutioniert, war wieder involviert die Weisheit und evolviert sich in der Dichtung. Die Dichtung wird Bewahrerin des Weisheitsvollen. Daher ist Abschluß gegeben nicht mit einem Initüierten in der Theorie, sondern in der Dichtung. [Goethe?]

[ 8 ] Mit dem 16. Jahrhundert beginnt das Zeitalter der persönlich mentalen und der wissenschaftlichen Entwickelung. Ihm voran ging das Zeitalter der Malerei (seit Cimabue) in der Hochrenaissance. In Michelangelo erscheint das persönliche Kama-Manasische in Involution, dagegen Farbe und Plastik in Evolution. Das Prinzip von Kama-Manas spricht an, aber nicht durch sich selbst, es ist in Involution. Geht die Entwickelung weiter, so muß Kama-Manas, Intelligenz, sich evolvieren in der neuen Zeit. Daher sehen wir, daß das, was sich Wissenschaft nennt, die Malerei ablöst. Die Menschen steigen gleichsam von den Bildern herab und reden selbst. Die Maler haben gleichsam Zukunft vorausgesehen, aber in Form und Farbe. Die Menschen [der Neuzeit] haben in Wissenschaft umgesetzt, was dort involviert ist. Lassen wir Michelangelo auferstehen, so haben wir Galilei [1564-1642]. Während also der Verstand evolutioniert, war wieder involviert die Weisheit und evolviert sich in der Dichtung. Die Dichtung wird Bewahrerin des Weisheitsvollen. Daher ist Abschluß gegeben nicht mit einem Initüierten in der Theorie, sondern in der Dichtung. [Goethe?]

[ 9 ] So daß, wer seine Mission in bezug auf die Gegenwart erkennt, die dort involutionierte Weisheit umsetzen muß in gedachte Weisheit. Das sind die Wechselperioden von Involution und Evolution. Wir können eine Erscheinung erst richtig betrachten, wenn wir nicht nur berücksichtigen, was evolviert wird, sondern auch das Involutionierte.

[ 9 ] So daß, wer seine Mission in bezug auf die Gegenwart erkennt, die dort involutionierte Weisheit umsetzen muß in gedachte Weisheit. Das sind die Wechselperioden von Involution und Evolution. Wir können eine Erscheinung erst richtig betrachten, wenn wir nicht nur berücksichtigen, was evolviert wird, sondern auch das Involutionierte.

[ 10 ] Jeder folgende Evolutionszustand der Planeten bezeichnet also einen vorangegangenen Involutionszustand. Alles, was heute auf der Erde Verstand ist, war im vorangegangenen Planeten Involution. Dagegen evolutioniert das, was heute nach unten abgestoßen ist: Kama-Rupa [Astral- oder Begierdenleib], die sinnliche Natur, spielte damals dieselbe Rolle wie heute Kama-Manas [Verstandesbewußtsein].

[ 10 ] Jeder folgende Evolutionszustand der Planeten bezeichnet also einen vorangegangenen Involutionszustand. Alles, was heute auf der Erde Verstand ist, war im vorangegangenen Planeten Involution. Dagegen evolutioniert das, was heute nach unten abgestoßen ist: Kama-Rupa [Astral- oder Begierdenleib], die sinnliche Natur, spielte damals dieselbe Rolle wie heute Kama-Manas [Verstandesbewußtsein].

[ 11 ] Nicht alle Pitris hatten den Normalzustand erreicht. Deren höchstes Prinzip ist also heute noch Kama-Rupa und die streben vor allem an, Kama-Rupa zu veredeln. Ist also unser Ziel oder Ideal die Veredelung von Kama-Manas bis zum höchsten Gipfel, können wir nicht sagen, daß dieses Ziel von dieser Welt ist; es wird von uns erst evolviert. Was von dieser Welt ist, ist Kama-Rupa, es ist das Gegebene. Kama-Manas ist das Ideal. Deren Ideal ist von dieser Welt, die Kama-Rupa noch als Ideal betrachten.

[ 11 ] Nicht alle Pitris hatten den Normalzustand erreicht. Deren höchstes Prinzip ist also heute noch Kama-Rupa und die streben vor allem an, Kama-Rupa zu veredeln. Ist also unser Ziel oder Ideal die Veredelung von Kama-Manas bis zum höchsten Gipfel, können wir nicht sagen, daß dieses Ziel von dieser Welt ist; es wird von uns erst evolviert. Was von dieser Welt ist, ist Kama-Rupa, es ist das Gegebene. Kama-Manas ist das Ideal. Deren Ideal ist von dieser Welt, die Kama-Rupa noch als Ideal betrachten.

[ 12 ] Zweierlei ist also auf dieser Erde, neben allem übrigen: der Mensch, der sein Ideal nicht von dieser Welt hat. Versucher sind für ihn die, die ihm sagen: Halte dich an die Freuden dieser Welt. Diese Wesenheiten, deren höchste Natur mit unserer niedrigen verwandt ist, nennt man christlich-esoterisch Satan oder widerrechtlicher Fürst dieser Welt. Will also derjenige, der als Führer [auftritt], den man auch Sonnenläufer nennt, wirklich das Ideal zeigen, muß er vollständig den Versucher überwinden. Daher die sinnbildliche Andeutung, daß die Überwindung der letzten Evolutionsstufe durch die Versuchung dargestellt wird. Immer bekämpft das Wesen, das sich aus der Involution in die Evolution herausarbeitet, das schon evolutionierte Wesen: Ritter und Drachen, Siegfried und Lindwurm.

[ 12 ] Zweierlei ist also auf dieser Erde, neben allem übrigen: der Mensch, der sein Ideal nicht von dieser Welt hat. Versucher sind für ihn die, die ihm sagen: Halte dich an die Freuden dieser Welt. Diese Wesenheiten, deren höchste Natur mit unserer niedrigen verwandt ist, nennt man christlich-esoterisch Satan oder widerrechtlicher Fürst dieser Welt. Will also derjenige, der als Führer [auftritt], den man auch Sonnenläufer nennt, wirklich das Ideal zeigen, muß er vollständig den Versucher überwinden. Daher die sinnbildliche Andeutung, daß die Überwindung der letzten Evolutionsstufe durch die Versuchung dargestellt wird. Immer bekämpft das Wesen, das sich aus der Involution in die Evolution herausarbeitet, das schon evolutionierte Wesen: Ritter und Drachen, Siegfried und Lindwurm.