Color Theory and Light
GA 91
3 August 1903, Berlin
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Kosmologie und menschliche Evolution, 1st ed.
Zur Farben- und Lichtlehre II
Zur Farben- und Lichtlehre II
[ 1 ] Wenn die Sonnenstrahlen durch ein Prisma gebrochen auf einer gegenüberliegenden Wand aufgefangen werden, so wird der Kreis der Sonnenscheibe in die Länge gezogen und ergibt an ihren Rändern alle Farben des Sonnenspektrums von Rot bis Violett. Dieses Spektrum übt eine dreifache Wirkung aus: als Wärme, als Licht und chemische Wirkung. Und zwar so, dass Rot am meisten Wärme ausstrahlt, die allmählich nach Gelb zu abnimmt. In der Mitte zwischen Gelb und Grün wäre das Lichtband (der Streifen mit der stärksten Lichtwirkung). Die blauen Nuancen, am stärksten Violett, bringen chemische Wirkungen hervor.
[ 1 ] Wenn die Sonnenstrahlen durch ein Prisma gebrochen auf einer gegenüberliegenden Wand aufgefangen werden, so wird der Kreis der Sonnenscheibe in die Länge gezogen und ergibt an ihren Rändern alle Farben des Sonnenspektrums von Rot bis Violett. Dieses Spektrum übt eine dreifache Wirkung aus: als Wärme, als Licht und chemische Wirkung. Und zwar so, dass Rot am meisten Wärme ausstrahlt, die allmählich nach Gelb zu abnimmt. In der Mitte zwischen Gelb und Grün wäre das Lichtband (der Streifen mit der stärksten Lichtwirkung). Die blauen Nuancen, am stärksten Violett, bringen chemische Wirkungen hervor.
[ 2 ] Wenn die Strahlen durch eine Glaskugel hindurchgehen, die eine Alaunlösung enthält, so wird der aufgefangene Lichtpunkt wohl leuchten, aber keine Wärme abgeben, weil die Alaunlösung sie aufgesogen hat und das Licht durchlässt.
[ 2 ] Wenn die Strahlen durch eine Glaskugel hindurchgehen, die eine Alaunlösung enthält, so wird der aufgefangene Lichtpunkt wohl leuchten, aber keine Wärme abgeben, weil die Alaunlösung sie aufgesogen hat und das Licht durchlässt.
[ 3 ] Jod in Schwefelkohlenstoff aufgelöst würde den Lichtpunkt als dunklen Punkt erscheinen lassen, der aber Hitze enthält und Stoffe entzünden kann. So hätte diese Lösung das Licht behalten und die Wärme abgegeben.
[ 3 ] Jod in Schwefelkohlenstoff aufgelöst würde den Lichtpunkt als dunklen Punkt erscheinen lassen, der aber Hitze enthält und Stoffe entzünden kann. So hätte diese Lösung das Licht behalten und die Wärme abgegeben.
[ 4 ] Dies beweist, dass die Materie eine mit bestimmen Eigenschaften begabte Wesenheit ist, die in freier Weise anzieht und abstößt.
[ 4 ] Dies beweist, dass die Materie eine mit bestimmen Eigenschaften begabte Wesenheit ist, die in freier Weise anzieht und abstößt.
[ 5 ] Ein Prisma mit Steinsalzlösung oder aus Steinsalz würde zeigen, dass die stärkste Wärmeentwicklung noch über das Rote hinausgeht, und so den Beweis liefern, dass noch Strahlen vorhanden sind, die wir mit unserem Auge nicht wahrnehmen können. Diese unsichtbaren Wärmestrahlen sind die ultraroten. Über das Violette hinaus lassen die chemischen Wirkungen noch unsichtbare ultraviolette Strahlen erkennen.
[ 5 ] Ein Prisma mit Steinsalzlösung oder aus Steinsalz würde zeigen, dass die stärkste Wärmeentwicklung noch über das Rote hinausgeht, und so den Beweis liefern, dass noch Strahlen vorhanden sind, die wir mit unserem Auge nicht wahrnehmen können. Diese unsichtbaren Wärmestrahlen sind die ultraroten. Über das Violette hinaus lassen die chemischen Wirkungen noch unsichtbare ultraviolette Strahlen erkennen.
[ 6 ] So würde ein Spektrum sich aus diesen drei verschiedenen Kräftefeldern zusammensetzen. Von der einen Seite die Wärmelinie, die nach der Mitte zu abnimmt; und von da das Aufsteigen der chemischen Kräftelinie, die im Ultravioletten am stärksten [ist]. In die Mitte von beiden ragt die Lichtlinie hinein.
[ 6 ] So würde ein Spektrum sich aus diesen drei verschiedenen Kräftefeldern zusammensetzen. Von der einen Seite die Wärmelinie, die nach der Mitte zu abnimmt; und von da das Aufsteigen der chemischen Kräftelinie, die im Ultravioletten am stärksten [ist]. In die Mitte von beiden ragt die Lichtlinie hinein.
[ 7 ] Das Auge nimmt Farben wahr, weil es so konstruiert ist, dass es Farben erzeugt. Wenn das Auge auf weißem Grunde einen roten Gegenstand wahrnimmt und nun fortsieht, so wird derselbe Gegenstand in der Illusion als Grün auf weißem Grunde erscheinen. Das Auge, das Rot gesehen [hat], verlangt nach Grün. Gelb verlangt Indigo, Gelbgrün [verlangt] Violett. Man nennt diese Farben, die nach Ergänzung verlangen, Komplementärfarben. Es sind Farben, die zusammen Weiß ergeben - sie fordern sich gegenseitig.
[ 7 ] Das Auge nimmt Farben wahr, weil es so konstruiert ist, dass es Farben erzeugt. Wenn das Auge auf weißem Grunde einen roten Gegenstand wahrnimmt und nun fortsieht, so wird derselbe Gegenstand in der Illusion als Grün auf weißem Grunde erscheinen. Das Auge, das Rot gesehen [hat], verlangt nach Grün. Gelb verlangt Indigo, Gelbgrün [verlangt] Violett. Man nennt diese Farben, die nach Ergänzung verlangen, Komplementärfarben. Es sind Farben, die zusammen Weiß ergeben - sie fordern sich gegenseitig.
[ 8 ] Ein Auge, das keine blaue Farben erzeugen kann, würde den Wald gelb sehen, und Violett würde ihm rot erscheinen /unleserlich].
[ 8 ] Ein Auge, das keine blaue Farben erzeugen kann, würde den Wald gelb sehen, und Violett würde ihm rot erscheinen /unleserlich].
[ 9 ] Jede Farbe fordert ihren Gegenpol, und ergänzende Farben üben eine ästhetische Wirkung aus.
[ 9 ] Jede Farbe fordert ihren Gegenpol, und ergänzende Farben üben eine ästhetische Wirkung aus.
