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The Rudolf Steiner Archive

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The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93

10 June 1904, Berlin

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Vorbemerkungen des Herausgebers zur 3. Auflage

Notes By The Editor of the German Edition

Die in dem vorliegenden Band zusammengefaßten Vorträge sind ihrem Inhalte nach eigentlich dem Lehrgut von Rudolf Steiners Esoterischer Schule zuzurechnen.1Die Esoterische Schule bestand von 1904 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 in drei Klassen, siehe GA 264, 265 und 266 (früher 245). Nach zehnjährigem Unterbruch wurde sie im Jahre 1924 neu begründet als «Freie Hochschule für Geisteswissenschaft», siehe «Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft - Der Wiederaufbau des Goetheanum», GA 2604. Allerdings konnte Rudolf Steiner infolge seiner bald darauf eingetretenen schweren Erkrankung nur noch die erste Klasse einrichten, deren Inhalte in GA 270 erscheinen werden. Denn es sollte mit ihnen auf eine darin von 1906 an gepflegte Form esoterischen Arbeitens vorbereitet werden.

The lectures assembled in this series form part of the teaching of Rudolf Steiner's Esoteric School in so far as in them a form of esoteric training was to have been prepared.

Durch die Erläuterungen des esoterischen Gehaltes der Bildersprache von Mythen, Sagen und Legenden, insbesondere mit der Tempellegende und der Kreuzesholzlegende, von Rudolf Steiner zumeist Goldene Legende genannt, sollte eine Grundlage geschaffen werden für die Pflege einer gewissen Kultsymbolik. Alles Kultusartige, «aber nicht nur das äußerlich Kultusartige, sondern das Verstehen der Welt in Bildern», das Meditieren in Bildern kann erst zu realer Selbst- und Welterkenntnis führen. (Vortrag Dornach, 27. 4. 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», Band II, Bibl.Nr. 236.) Denn aus Bildern, wie sie sich dem imaginativen Denken ergeben, ist alles geschaffen. «Bilder sind die wahren Ursachen der Dinge, Bilder liegen hinter allem, was uns umgibt... diese Bilder haben alle gemeint, die von geistigen Urgründen gesprochen haben» (Vortrag Berlin, 6. Juli 1915 in «Menschenschicksale und Völkerschicksale», Bibl.-Nr. 157). Diese Bilder wurden von den Wissenden früherer Zeiten in Mythen und Legenden gekleidet. Für das moderne Bewußtsein hängt die rechte Wirkung davon ab, inwieweit die Bildsprache mit dem ideellen Verständnis durchdrungen werden kann.

The Esoteric School itself was in existence from 1904 until the outbreak of the First World War in the summer of 1914 and consisted of three sections or classes. (It was reformed in 1924 as the Free High School for Spiritual Science.) Constructed on the basis of anthroposophical knowledge in the form of ideas, a teaching was to have been imparted about the higher stages of knowledge through imagination, inspiration and intuition, as later elaborated still further by Rudolf Steiner in his published writings (cf. Knowledge of the Higher Worlds: How is it Achieved?, Occult Science, etc.). At the same time members were to be given a real understanding that as members of the School they should regard themselves as responsible participants in anthroposophical affairs and in the dissemination of anthroposophical knowledge.

Da die Bilder der Tempellegende und der Goldenen Legende einen integrierenden Bestandteil der symbolisch-kultischen Abteilung bildeten, sind die hier vorliegenden Vorträge vornehmlich ihrer Interpretation gewidmet. Rudolf Steiner betrachtete es als eine dem Gegenwartsbewußtsein notwendige Voraussetzung für das Arbeiten mit Bildern respektive mit Symbolik, zuerst den esoterischen Gehalt dem ideellen Verständnis begreiflich zu machen. Das erfordert der von ihm gelehrte rosenkreuzerische Schulungsweg, dessen erste Stufe das Studium und dessen zweite erst das imaginative Denken ist.

The main contents of the instructions of the first section are already published in the book, Guidance in Esoteric Training, Rudolf Steiner Press 1972.

Zu den Äußerungen über die Freimaurerei ist insbesondere eines zu berücksichtigen: Rudolf Steiner stand damals im Begriff, die zweite, die symbolisch-kultische Abteilung seiner Esoterischen Schule einzusichten. Da in derselben die sich ihm aus seiner eigenen Geistesforschung ergebende neue Form der «Königlichen Kunst» gepflegt werden sollte, handelte es sich in den vorbereitenden Vorträgen darum, deren Geschichte und Wesen klarzulegen und darauf hinzuweisen, daß die Menschheit vor einer neuen Entwickelungsepoche dieser königlichen Kunst steht und was deren zukünftigen Inhalt bilden wird.

Preparation was made for the second and third sections through an elucidation of the esoteric content of the picture language of myths, sagas and legends. In particular, with regard to the Temple Legend and the Legend of the True Cross (usually referred to by Rudolf Steiner as the Golden Legend) a basis was to have been created for the fostering of a kind of cult symbolism. Everything in the nature of a cult, ‘but not merely the outward form of the cult, but the understanding of the world through pictures’, meditation in pictures, can lead to a true understanding of oneself and the world ( from a lecture given in Dornach, 27.4.1924 Karmic Relationships, Volume 2 ). For everything is created in picture form for imaginative thinking. ‘Pictures are the true origin of things, pictures underlie all that surrounds us, it is these pictures that are meant by all who speak of spiritual causes’ (Lecture given in Berlin, 6.7.1915). These pictures were clothed in myth and legend by the sages of old. For modern consciousness the right effect depends upon permeating the picture language with a conceptual content.

Wenn er sich dagegen in späteren Jahren in Vorträgen, die seit langem gedruckt vorliegen,2Vgl.z.B. die siebenbändige Reihe «Kosmische und menschliche Geschichte» (1914 bis 1917), Bibl.-Nr.170 bis 174 und b; «Die okkulte Bewegung im 19. Jahrhundert und ihre Beziehung zur Weltkultur» (1915), Bibl.-Nr. 254; «Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste» (1916), Bibl.-Nr.167; «Die soziale Grundforderung unserer Zeit - In geänderter Zeitlage», (1918), Bibl.-Nr.186; «Wie kann die Menschheit den Christus wiederfinden? Das dreifache Schattendasein unserer Zeit und das neue Christus-Licht» (1918), Bibl.-Nr.187; «Gegensätze in der Menschheitsentwickelung» (1920), Bibl.-Nr. 197: «Heilfaktoren für den sozialen Organismus» (1920), Bibl.-Nr. 198. scharf gegen gewisse freimaurerische Zusammenhänge wendete, so aus dem Grunde, weil er die Verquikkung von Okkultismus und Machtstreben, wo immer sie auch auftrat, streng verurteilte. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte ihm erwiesen, daß «die Grundlagen gewisser Erkenntnisse» durch bestimmte westliche Geheimgesellschaften «zu Antrieben einer die Weltkatastrophe vorbereitenden politischen Gesinnung und Beeinflussung der Weltereignisse» mißbraucht wurden. So sah er sich verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß eine ursprünglich gute und im Kern notwendige Sache, die «der ganzen Menschheit ohne Rassenund Interessenunterschiede» dienen sollte, zu einer schlechten Sache werden muß, wenn sie «zur Machtgrundlage einzelner Menschengruppen» gemacht wird.3Aus dem (nicht gezeichneten) Vorwort zu Karl Heise «Entente-Freimaurerei und Weltkrieg», Basel 1918.

As the pictures belonging to the Temple Legend and the Golden Legend form an integral part of the section dealing with cult and symbolism, the present series of lectures deal mainly with their interpretation. Rudolf Steiner regarded it as a necessary preliminary to working with pictures—that is, with symbols—that one should first become acquainted with their esoteric content. That entailed the Rosicrucian training as given by him, of which the first step is study and only the second is imaginative thinking.

Über eine von Gegnern Rudolf Steiners oft mißdeutete Verbindung in einer ganz bestimmten äußerlichen Form, die er für die symbolisch-kultische Abteilung mit der durch John Yarker vertretenen Memphis-Misraim-Maurerei eingegangen ist, vergleiche man den Dokumentationsband «Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule 1904-1914», GA 265.

Concerning the remarks about Freemasonry, one thing is to be especially noted: Rudolf Steiner was at that time about to inaugurate the second section of his Esoteric School, dealing with cult and symbolism. As a new form of the ‘Royal Art’, created out of his own spiritual investigation, was to have been presented in the School, the preparatory lectures were concerned with clarifying its history and nature, and pointing out that mankind is standing at the threshold of a new phase of evolution, indicating what its future content would be.

Da Rudolf Steiner zur Zeit der hier vorliegenden Vorträge noch im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft lehrte, gebrauchte er die damals übliche Terminologie. Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie dies nach der Verselbständigung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zur «Anthroposophischen Gesellschaft» auf ausdrückliche Angabe Rudolf Steiners zumeist vorgenommen wurde, ist hier aus historischen Gründen abgesehen worden. Der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß die von Rudolf Steiner gelehrte «Theosophie» - gemäß seinem grundlegenden 1904 erstmals erschienenen Werk «Theosophie - Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung» (Bibl.-Nr. 9) - von Anfang an identisch war mit dem, was er später nur noch Anthroposophie oder anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt hat.

When in later years he spoke in some of his lectures about what happened in connection with Freemasonry, it is because he always rigorously condemned the mixing of occultism and a striving after power, wherever it occurred. (Cf. e.g. The Karma of Human Vocation, Dornach, 4th to 27th November 1916, The Occult Movement in the Nineteenth Century, Dornach, 10th to 25th October 1915, The Challenge of the Times, Dornach, 29th November to 8th December 1918, How can Mankind find the Christ Again?, Dornach, 25th to 29th December 1918.)

In bezug auf die Texte muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß sie wie die meisten Nachschriften aus den frühen Jahren, in denen noch nicht von Berufsstenographen nachgeschrieben wurde, spürbar lückenhaft, manchmal nur notizenhaft sind. Stilistische und logische Unebenheiten dürfen daher nicht Rudolf Steiner zur Last gelegt werden. Aber auch wenn es sich nicht immer um wortwörtliche Nachschriften handelt, so bilden die überlieferten Inhalte doch einen einzigartigen und unentbehrlichen Bestandteil im Gesamtwerk Rudolf Steiners. Um so weit als möglich einen fehlerfreien Text zu gewährleisten, wurden jeweils sämtliche Unterlagen geprüft und soweit Originalstenogramme vorliegen, auch diese in die Prüfung einbezogen. In den Hinweisen ist für jeden Vortrag gesondert angegeben, welche Unterlagen für die Bearbeitung zur Verfügung gestanden haben. Einfügungen in eckigen Klammern [ ] sind Hinzufügungen des Herausgebers, wogegen Einfügungen in gewöhnlichen Klammern ( ) so in den Nachschriften enthalten sind. Die ausführlichen Hinweise möchten dazu dienen, die Mängel der Nachschriften soweit als möglich auszugleichen. Als literarisches Quellenmaterial wurden vor allem einschlägige Werke aus der Bibliothek Rudolf Steiners herangezogen.

The outbreak of the First World War had proved to him that ‘certain pieces of knowledge’ had been misused by particular occult brotherhoods of the West ‘to stir up the necessary political atmosphere conducive to bringing about the world catastrophe and influencing world events.’ Thus Rudolf Steiner saw himself obliged to draw attention to the fact that an originally good and necessary thing, which was intended to serve ‘the whole of mankind without distinction of race or personal interests’, must necessarily turn to something bad when used ‘as a means of power in the hands of isolated groups of people’ (from an unsigned foreword to Karl Heise's Entente-Freimaurerei und Weltkrieg, Basle 1918).

—Hella Wiesberger

Regarding the connection which Rudolf Steiner made in a quite definite external form with the Symbolic-Cultic Section of the Misraim-Memphis-Freemasonry of John Yarker, often deliberately misconstrued by his enemies, see Rudolf Steiner, An Autobiography, Chapter 36, as also a forthcoming publication on the history of the Esoteric School, containing letters, circulars and other documents.