The Gospel of St. John
GA 94
5 March 1906, Berlin
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The Gospel of St. John, tr. Unknown
Dritter Vortrag
Lecture III
[ 1 ] Die Betrachtungen, die wir einzeln über das Johannes-Evangelium anstellten, haben uns tief, sehr tief in das Wesen der christlichen Weltanschauung hineingeführt und uns auch gelehrt, welche tiefe mystische Kraft in der wirklichen Durchdringung der christlichen Urkunde liegt. Wir haben gesehen, daß das Johannes-Evangelium nicht bloß so gelesen werden soll wie eine äußere Geschichte, wie eine Nachricht oder eine Mitteilung, sondern daß es gelesen werden soll wie eine Lebensschrift, so daß jeder Satz, wenn wir ihn lebendig aufnehmen, in uns etwas verwandelt.
[ 1 ] What we have said so far about the Gospel of St. John has taken us deeply into the essence of Christianity, and has shown us what profound mystical power lies hidden within this Christian document. We have seen that it should not be read like a report of outer events, or an historical account, but a script engraved by life, so that every sentence re-lived, transforms something in us.
[ 2 ] Wir haben die sieben Stufen des geistigen Aufstiegs in diesem Johannes-Leben betrachtet. Heute möge ein kleiner Nachtrag uns zeigen, wie tief solche Dinge doch zu nehmen sind. Ich möchte Ihnen an einzelnen Beispielen zeigen, daß es wirklich nicht etwas Untergelegtes ist, was ich als einen so tiefen Sinn versuchte herauszuschälen aus dem Johannes-Evangelium, sondern daß wir mit den Mitteln der sogenannten Geheimlehre, mit den Mitteln des Okkultismus erst manche Dinge, die sonst dunkel und unverständlich erscheinen müssen, verstehen lernen. Ich darf Sie zunächst einmal an etwas erinnern, was ich schon öfter vorgebracht habe, nämlich daran, welches die sieben Einweihungsstufen waren gerade in derjenigen Zeit, in welche die Geburt des Christentums hineinfiel.
[ 2 ] We have followed the seven stages of spiritual ascent in the life of St. John. Today we will add something which goes even deeper. A few examples will show that I have not forced an arbitrary meaning on the gospel, but that by means of occult teaching we are able to understand many things that otherwise would remain dark and unintelligible. First I will remind you of the seven stages of initiation which existed at the time of the birth of Christianity.
[ 3 ] Wir haben die christliche Einweihung letztes Mal kennengelernt. Aber nicht nur ist durch das Christentum eine innere Einweihung möglich geworden, sondern es gab zu allen Zeiten, seitdem es Menschen in unserem Sinne auf der Erde gibt, die Möglichkeit, ein Eingeweihter zu werden, höhere Stufen des menschlichen Daseins zu erklimmen. Durch das Christentum sind alle diese Dinge noch mehr verinnerlicht worden. Der Mensch kann viel, sehr viel erreichen, seitdem das Christentum uns Urkunden gegeben hat, wie das Johannes-Evangelium eine ist, die er nur in sich wirken zu lassen braucht, in sich lebendig werden zu lassen braucht, um hinaufzusteigen zu gewissen Höhen. Solche Urkunden aber, wie sie das Christentum den Menschen in die Hand gegeben hat, gab es eigentlich vor der Entstehung des Christentums nicht. Da mußte man in geheime Einweihungstempel oder Kultstätten eingeführt werden, und nach den verschiedensten Völkern waren die untersten Stufen der Einweihung verschieden. Sie können sich aber denken, daß man dann über alle nationalen Eigentümlichkeiten hinauskommit. Die höheren Stufen waren deshalb bei allen Völkern, auch des Altertums, gleich.
[ 3 ] In the last lecture we came to know the Christian initiation, but it was not Christianity that first made initiation possible. At all times, ever since there were men as we know them on earth, it was possible to become an initiate—to ascend to higher stages of human existence. Through Christianity all these things became more inward. Since Christianity has provided us with such documents as the John Gospel—which only needs to be allowed to work and live in us—one can achieve much, and rise to spiritual heights. There were no such documents in pre-Christian times available. One had to be introduced into hidden mystery temples, or centres, and according to the various peoples, the lower stages of initiation differed. In the higher stages national peculiarities were of no account, and they were the same for all peoples even in much older times.
[ 4 ] Ich möchte die sieben Einweihungsstufen noch einmal nennen, wie sie in der persischen Mithras-Einweihung vorhanden waren. Das war eine Einweihungsart, die in ganz Vorderasien, auch über Griechenland und Rom hinaus, sogar bis in die Gegend des Donaugebietes, gepflegt worden ist. Sie wurde noch lange über die Zeit hinaus ausgeübt, in der das Christentum entstanden ist. Lange konnte man diese sieben Stufen durchmachen, auch in den Geheimkulten und Tempeln Ägyptens, die oft in Felsen hineingebaut waren. Sie waren niemandem zugänglich als denjenigen, die als geläuterte Schüler und Eingeweihte nach strenger Prüfung damit bekannt geworden waren. Zuerst gab es den Grad des «Raben». Als Rabe trug der Einweihungsschüler diejenigen Kenntnisse, die in der sinnlichen Außenweltgewonnen werden können, in das geistige Leben hinein. In den Mythen und Sagen hat sich der Begriff des Raben erhalten. Da gibt es die Raben des Wotan, die Raben des Elias, und auch in der deutschen Barbarossa-Sage sind die Raben die Vermittler zwischen dem im Berge verzauberten Kaiser und der Außenwelt. In den Mithras-Mysterien war also die Bezeichnung Rabe die Umschreibung für einen Einweihungsgrad.
[ 4 ] I would like to describe the seven stages of initiation as they were practised in the Persian Mithras cult. It was a form of initiation that was cultivated in the whole of Asia Minor, in Greece and Rome, and even as far as the Danube basin it was practised far into the Christian era. For a long time it was possible to go through these stages even in the hidden cultic centres and temples in Egypt which were often built into the solid rock. They were only accessible to those who came to know them as morally advanced pupils and initiates after strict tests. The first grade was the “Raven”. As a raven the neophyte carried the knowledge acquired in the outer sense world into spiritual life. The idea of the raven has lingered in myths and sagas. There are the Ravens of Wotan, the ravens of Elijah, and in the German Barbarossa saga ravens are the intermediaries between the emperor under a spell in the mountain and the outer world. In the Mithraic mysteries “Raven” signified a grade of initiation.
[ 5 ] Der zweite Grad war der des «Okkulten». So hießen diejenigen, welche schon einige wichtige, wesentliche okkulte Geheimnisse ausgeliefert erhielten.
[ 5 ] The second grade was that of the “Occult One”. This was the name for someone who had already received some important occult secrets.
[ 6 ] Der dritte Grad war der des «Streiters». Das waren Eingeweihte, in denen das höhere Selbst schon bis zu einem solchen Grade erfühlt wird, daß ihnen Sprüche von der Art, wie Sie sie in der zweiten Abteilung von «Licht auf den Weg» finden können - «Tritt zur Seite im kommenden Kampfe, und so du auch streitest, sei du nicht der Streiter» -, verständlich werden. Diese Sprüche verstehen kann erst ein im dritten Grade Eingeweihter. Damit soll nicht gesagt werden, daß sich nicht jedermann ein gewisses Verständnis aneignen kann. Jeder hat ein höheres Selbst, und wenn der Mensch imstande ist, sein niederes Selbst zu verleugnen und das, was er als niederes Selbst ist, in den Dienst des höheren Selbst zu stellen, so kann er in gewisser Weise sagen: So du auch streitest, bist du nicht der Streiter. - Aber erst dann, wenn der Mensch einen bestimmten Entwickelungsgrad erlangt hat, weiß er genau, was dieser Satz bedeutet. Dann fallen sogar Interessen ab, die man sonst als höhere Interessen bezeichnet. Sie werden bloße niedere Interessen und bloße Diener des Streiters.
[ 6 ] The third grade was that of the “Fighter”. These were initiates who felt their higher self to the extent that they understood sayings such as one finds in the second part of “Light on the Path”: “Stand aside in the coming battle, and though thou fightest, be not thou the warrior.” 1Light on the Path, Mabel Collins, Theosophical University Press. Pasadena, California, 1971. Only an initiate of the third grade can understand such sayings. This does not mean that the ordinary person cannot reach a certain comprehension. Everyone has a higher self, and if one is able to abnegate one's lower self and make it a servant of the higher self then one can say in a certain sense: “Though thou fightest thou art not the fighter”. But it is not until one has reached a particular stage of initiation that one really knows what this sentence signifies. What one formerly considered as higher interests become mere subsidiary interests, mere servants of the fighter.
[ 7 ] Der vierte Grad ist dann erreicht, wenn völlige innere Harmonie und Ruhe, Ausgeglichenheit und Kraft erlangt ist. Man nennt diese Stufe der Einweihung den Grad des «Löwen». Ein solcher Eingeweihter hat das okkulte Leben soweit in sich verwirklicht, daß er nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten für das Okkulte eintreten darf.
[ 7 ] The fourth grade was achieved when complete inner harmony and calm, equilibrium and strength are gained. This grade was called that of the “Lion”. Such an initiate had so developed the occult life in himself that he could represent the occult not only with words but with deeds.
[ 8 ] Indessen geht das Bewußtsein eines Menschen, der durch diese vier Stufen hindurchschreitet, immer weiter und weiter. Es identifiziert sich mit immer größeren und größeren Menschengruppen. Es haben alle diese Ausdrücke noch eine geheime Bedeutung. Nehmen Sie den Ausdruck «der Okkulte». Der Mensch, wie er gewöhnlich vor uns steht, um was handelt es sich bei ihm? Es handelt sich bei ihm um das, was in ihm ist. Als Rabe, als ein im ersten Grade Eingeweihter, sucht er zu überwinden, was nur in ihm ist; dann werden seine Interessen weiter. Was die Menschen seiner nächsten Umgebung sind, was diese empfinden, was sie wollen, das wird zu gleicher Zeit seine Empfindung und sein Wille. Die Ausdrücke sind geprägt worden in Zeiten, in denen es noch menschliche Gemeinschaften gab, die man als Sippen, als erweiterte Familien betrachtete. Was sagte man sich zum Beispiel von einer Sippe, von einer gemeinsamen Familie? Man sagte sich, das sind die Glieder einer Seelenfamilie bis zu einem gemeinschaftlichen Vorfahrenpaar hinauf. So betrachtete man eine solche Sippe als die Glieder eines verborgenen Ichs, als die Glieder einer Seelenfamilie.
[ 8 ] Meanwhile the consciousness of a person who has passed through these four stages of initiation extended further and further. He identified himself with ever larger groupings of people. All these names have a hidden meaning. For instance, the expression, “The Occult One”. What is a human being as we see him in front of us? He is what is in him. As a Raven an initiate of the first grade—he tries to overcome what is only in him. Then his interests become wider. What people around him are, what they feel and what they will, becomes his own feeling and his own will. The terms were coined in times when there were still communities which were kindred enlarged families. How did one regard such a family? One said they were members of a soul-family tracing right back to a common ancestral pair—members of a hidden ego.
[ 9 ] Jeder, der im zweiten Grade eingeweiht war, der Okkulte, hatte sein Ich veredelt bis zu dem Ich seiner Gemeinschaft, so daß er deren Interessen zu den seinigen machte. Das Okkulte einer Menschengemeinschaft vermochte in ihm zu leben. So wurde eine solche Menschengemeinschaft, deren Ich der einzelne Eingeweihte zu seinem Ich machte, die Wohnstätte für ihn. Der Streiter kämpfte für die größere Gemeinschaft. Im alten Palästina bezeichnete man denjenigen, der sich aufgeschwungen hatte, einen ganzen Stamm, das Bewußtsein eines ganzen Stammes, das Ich eines ganzen Stammes in sich aufzunehmen, als einen «Löwen». Der Löwe aus dem Stamme Juda, das ist ein Ausdruck für denjenigen, der auf einer solchen Einweihungsstufe angekommen war, daß er das Ich des ganzen Stammes aufgenommen hat.
[ 9 ] An initiate of the second grade, an “Occult One”, had so ennobled his ego that it became the ego of his community; he made their interests his own. The occult entity of a human community was able to live in him. When the ego of such a human community became the ego of an individual initiate then this community became his dwelling place. The “Fighter” fought for the larger community. In ancient Palestine one designated as a “Lion”, he who had raised himself up to encompass the consciousness, the ego, of a whole tribe. The “lion” of the tribe of Judah is the term applied to someone who had reached such a stage of initiation that he bore within himself the ego of the whole tribe.
[ 10 ] Der Eingeweihte des fünften Grades hatte seine Persönlichkeit soweit überwunden, daß er die Volksseele in sich aufnehmen konnte. In ihm lebte der Volksgeist. In Persien nannte man einen solchen Eingeweihten «Perser», in Griechenland würde man einen solchen Eingeweihten einen «Griechen» genannt haben, wenn es Gebrauch gewesen wäre. Was bedeutet also dieser Grad? Alles Einzelne ist für ihn geschwunden, und sein Bewußtsein ist identisch geworden mit dem Ganzen. Das ist ein höheres Bewußtsein.
[ 10 ] The initiate of the fifth grade had so overcome his personality that he could take up the folk-soul. The folk-spirit lived in him. In Persia such an initiate was called a “Persian”. In Greece one would have called him a “Grecian”, if it had been the custom. What does this grade signify? For him everything individual has vanished and his consciousness has become one with the whole. This constitutes a higher state of consciousness.
[ 11 ] Heute ist es nicht so. Wir gehen heute durch die Zerklüftung aller Gemeinschaften ganz anderen Stufen der Einweihung entgegen. Aber es hatte noch Bedeutung, als das Christentum entstand, wo von Seelen, im fünften Grade eingeweiht, die Rede ist. Davon können Sie sich im Johannes-Evangelium überzeugen. Ich bitte Sie, im Johannes-Evangelium zu lesen Kapitel 1, Vers 45:
[ 11 ] Today it is different. Because of the splitting up of all communal groups we meet with quite different stages of initiation. But at the time of the birth of Christianity it still had a meaning when one spoke of souls initiated to the fifth grade. You can verify this in the John Gospel. Take the first chapter, verse 45:
[ 12 ] «Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesum, Josephs Sohn von Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es! Jesus sah Nathanael zu sich kommen und spricht zu ihm: Siehe, ein rechter Israeliter, in welchem kein Falsch ist.»
[ 12 ] “Philip findeth Nathanael and saith unto him: We have found him of whom Moses in the law and the Prophets did write, Jesus of Nazareth the son of Joseph. And Nathanael said unto him: Can there any good thing come out of Nazareth? Philip saith unto him: Come and see. Jesus saw Nathanael coming to him and saith of him: Behold an Israelite indeed in whom is no guile!”
[ 13 ] Nathanael ist hier als ein Eingeweihter im fünften Grad bezeichnet. Er hat also kennengelernt dasjenige, was für uns Menschen die Kraft des Lebens ausmacht, den Baum des Lebens. Früher schon genießt man die Frucht von dem Baume der Erkenntnis. Die Frucht vom Baume der Erkenntnis genießt man, wenn man überhaupt zu sich «Ich» zu sagen vermag. Wenn aber das Höhere, das Geistige im Menschen erwacht, dann kann es dazu kommen, daß der Gott den Menschen behüten will. Sorge des Jehova war, daß die Menschen, nachdem sie von dem Baum der Erkenntnis genossen, nicht auch noch von dem Baume des Lebens genießen, wozu sie noch nicht reif sind. Der im fünften Grade Eingeweihte lernt aber das, was die Sorge gering macht und was über allen Tod und über alle Vergänglichkeit erhebt: das ist das geistige Element.
[ 13 ] Nathanael is here acknowledged as an initiate of the fifth grade. This means that he had learned to know what for us men is the essence of life, the Tree of Life. Earlier in life one tastes of the fruit of the Tree of Knowledge. One partakes of the fruit of the Tree of Knowledge the moment one is able to say “I” to oneself. When the higher, the spiritual, in man awakens it can happen that God has to protect man. Jehovah was concerned lest man, after having eaten of the Tree of Knowledge, should also eat of the Tree of Life before he was ready for it. The initiate of the fifth grade learns what relieves this concern and what raises one beyond all death and all that is transitory. This is the spiritual element.
[ 14 ] Wie kann dieses geistige Element sich im Menschen festsetzen? Dieses geistige Element ist für jeden, der tiefer in die Theosophie eindringt, etwas, was die ganze Welt durchflutet. Für denjenigen, der in den höheren Welten zu schauen vermag, drückt sich alles dasjenige, was zunächst ein innerer Entwickelungszustand ist, auch auf den höheren Planen, zuerst auf dem astralen Plan, als ein Bild aus. Wenn nun der Mensch den fünften Grad der Einweihung erlangt hat, dann sieht er immer ein Bild auf dem astralen Plan, das er früher nicht gesehen hat, nämlich das Bild eines Baumes, das Bild eines sich verästelnden weißen Baumes. Man nennt dieses Bild auf dem astralen Plan, das Sie als ein Sinnbild für die Einweihungsstufe des fünften Grades der Einweihung nehmen wollen, den Lebensbaum. Von dem, der es erreicht hat, wird gesagt, daß er unter dem Lebensbaume saß. So saß auch der Buddha unter dem Bodhibaum und Nathanael unter dem Feigenbaum. Das sind Ausdrücke für die Bilder auf dem astralen Plan. Das, was da gesehen werden kann, sind Spiegelungen für innere, jetzt auch körperlich innere Dinge. Dieser Bodhibaum ist nichts anderes als das astrale Spiegelbild des menschlichen Nervensystems. Der Mensch, der den Blick nach innen zu richten vermag durch die Einweihung, der sieht in die astrale Außenwelt sein Innenleben bis auf das Körperliche hineingespiegelt. Sie sehen, was hier gesagt werden soll, in diesem Kapitel des Johannes-Evangeliums: Nathanael soll angeredet werden als ein Sachverständiger. Es soll darauf hingewiesen werden: wir verstehen uns. «Jesus spricht zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.» Das heißt: Wir sind Brüder des fünften Einweihungsgrades. Es ist eine Erkennungsszene der Eingeweihten. «Nathanael spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel.» Sie sehen, die Erkennung ist vollzogen. Jesus antwortet ihm gleich darauf, daß er sich erweisen werde nicht nur im fünften Grade eingeweiht, sondern noch als ein anderer. Er sagt: «Du glaubest, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen!»
[ 14 ] How can the spiritual element become established in man? For someone who has penetrated more deeply into Theosophy it is something which flows through the whole world. For him whose vision is able to penetrate into higher worlds, all that is, to begin with, a stage of inner development even on higher planes, is expressed at first on the astral plane as a picture. When a person has reached the fifth grade of initiation he always sees a picture on the astral plane, which formerly he had not seen—the picture of a tree, a finely branched, white tree. This picture on the astral plane, which is to be taken as a symbol of the fifth grade of initiation, is called the Tree of Life. He who had reached this point is said to have sat under the Tree of Life. Thus Buddha sat under the Bodhi Tree and Nathanael under the Fig Tree. These are terms for the picture on the astral plane. What is seen are reflections of inner—even bodily inner things. The Bodhi Tree is but the astral mirror image of the human nervous system. He who through initiation is able to direct his gaze inward, sees his inner life, even his bodily inner life, projected, reflected into the outer astral world. So you see what is intended in this chapter of the John Gospel. Nathanael is addressed as one who knows. It is implied: We understand each other. “Jesus said unto him, ‘Before that, Philip called thee, when thou wast under the fig tree, I saw thee.’” This means, we are brothers of the fifth grade of initiation. It is a recognition between initiates. “Nathanael answered and saith unto him, ‘Rabbi, thou art the Son of God, thou art the King of Israel.’” You see the recognition is complete. Jesus answered him, and said that it will become apparent that he is more than an initiate of the fifth grade. He said, “Because I said unto thee I saw thee under the fig tree, thou believest; thou shalt see greater things than these.”
[ 15 ] Weiter möchte ich Sie hinlenken auf das Gespräch mit Nikodemus, welches Sie finden können im dritten Kapitel. Da wird das bedeutsame Wort gesprochen: «Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.» Was heißt das: von neuem geboren werden und das Reich Gottes sehen? — Das heißt, sein höheres Selbst auferweckt haben, das heißt, so geboren werden, daß der ewige Wesenskern erwacht ist. Was heißt eintreten in das Himmelreich? Das heißt, nicht nur die Spiegelung des Devachan hier sehen, wie es sich durch die physischen Augen darstellt, sondern unmittelbar dieses Reich sehen. Das kann nur derjenige, der nicht bloß für diese physische Welt geboren ist, sondern der zum zweiten Male geboren wird.
[ 15 ] I would also like to draw your attention to the conversation with Nicodemus, which you will find in the third chapter. There we have the significant words, “Verily, verily I say unto thee, except a man be born of water and of the spirit, he cannot enter into the Kingdom of God.” What does it mean to be born anew and to see the Kingdom of God? It means to have awakened the higher self, to be born so that the eternal core of one's being is awakened. What does it mean to enter the kingdom of heaven? It means to see not only the reflection of Devachan here on earth as we see it through our physical eyes, but to see this realm directly itself. He alone can do this who has not only been born for this physical world, but is born a second time.
[ 16 ] Nehmen Sie das, was ich schon einmal als Vergleich gebraucht habe, das aber mehr ist als ein Vergleich. Nehmen Sie es in gewissem Grade wörtlich. Geboren werden heißt: übergehen von dem Embryonalzustand zu dem Zustande, in dem man mit Sinnen die Außenwelt wahrnimmt. Derjenige, welcher nicht den Embryonalzustand durchmachen würde, könnte niemals reif sein, geboren zu werden. Wer diesen Zustand kennt, der weiß auch, daß das gewöhnliche Leben ein Embryonalzustand für das höhere Leben ist. Das führt uns tief hinein in die Bedeutung des gewöhnlichen Lebens. Sehr leicht könnten diejenigen, welche den Blick richten auf die geistige Welt, die Überzeugung gewinnen, daß es eine solche geistige Welt gibt, und daß der Mensch ein Bürger dieser geistigen Welt ist; sie könnten diese physische Welt mißachten und glauben, der Mensch könnte nicht schnell genug diese Welt verlassen, sich abtöten, um bald in die geistige Welt zukommen. Das ist nicht die richtige Erkenntnis. Das ist geradeso unsinnig, wie wenn man den menschlichen Keim nicht ausreifen lassen wollte, sondern ihn mit zwei Monaten holen wollte, damit er hier leben könne. Genau ebenso muß man für das höhere Leben reifen, reif werden. Das ist derjenige, der sein höheres Selbst ausgebildet hat. Hier in dieser physischen Welt ist die Ausbildungsstätte. Der, welcher das Ich hier ausgebildet hat, ist reif, einzutreten in die Reiche der Himmel, das heißt, wiedergeboren zu werden. Der Mensch muß durch Geburt und Tod immer wieder hindurchgehen, bis er sein volles Maß der Reife erlangt hat, um dann Eintritt zu erhalten in das geistige Reich selbst, so daß er dann keine physischen Organe mehr braucht. Daher müssen wir es einsehen, daß alles das, was unsere Augen und Ohren und die anderen Sinne hier leisten, Leistungen sind für das höhere Leben.
[ 16 ] Take what I have used as a comparison, but one which is more than a comparison. Take it literally. To be born means to proceed from an embryo to a stage at which one perceives the outer world with the senses. If one does not pass through an embryonic stage one can never be ready to be born. Those who know this stage also know that ordinary life is an embryonic stage for the higher life. This leads us deep into the meaning of ordinary life. It could be quite easy for someone who directs his gaze towards the spiritual world to become convinced that there is such a world and that man is a citizen of it. He could then proceed to disregard the physical world and to believe that one cannot depart from it quickly enough, and that one should mortify the flesh, the sooner to reach the spiritual world. This shows ignorance. It is as senseless as if one would not allow the human embryo to mature but would bring it into the world at two months, and expect it to live there. Likewise for the higher world, one has to develop to become mature. Such is he who has developed his higher self. The physical world is the school. He who has developed his ego here is ready to enter the kingdom of heaven, which means to be born again. Man has to go through birth and death ever and again, until he has gained his full maturity in order to enter the spiritual world itself, so that he no longer needs physical organs. Thus we have to realise that everything we do by means of our eyes, ears and other senses is work done for the higher life.
[ 17 ] Gewiß, wir haben oft und oft davon gesprochen, daß der Mensch höhere Sinne heranbilden muß, daß er die Chakrams oder heiligen Räder ausbilden muß, die ihn befähigen, in die geistige Welt zu kommen und sie zu sehen. Aber wodurch erlangt er diese heiligen Räder? Durch seine Arbeit hier auf dem physischen Plan. Hier ist die Zubereitungsstätte dafür. Was wir hier arbeiten, das bereitet uns die Organe für eine höhere Welt vor. So wie im Leibe der Mutter vorbereitet wird der Mensch, so wird im Leibe der großen Weltenmutter - und da sind wir, wenn wir unser physisches Leben führen -, im Leibe der großen Mutter vorbereitet dasjenige, was uns fähig machen muß, zu schauen und zu handeln in den höheren Welten. Es ist daher vollständig berechtigt, von einer höheren Welt zu sprechen und sie höher zu schätzen als unsere niedere Welt. Aber wir dürfen diesen Ausdruck nur in technischem Sinne nehmen. Alle Welten sind im Grunde genommen gleichberechtigte Ausgestaltungen des höchsten Prinzipes. Keine Welt dürfen wir so ansehen, daß wir sie verachten. So kommen wir dazu, daß wir uns richtig zu den niederen und richtig zu den höheren Welten verhalten. Das bildet die Voraussetzung für das dritte Kapitel des Johannes-Evangeliums.
[ 17 ] Certainly, we have, frequently said that man must develop higher senses, that he must develop the chakrams or holy wheels, which enable him to enter the spiritual world and see it. But how does he come to obtain these holy wheels? Through his work on the physical plane. Here is the place of preparation. Our work here prepares the organs for a higher world. As the human being is prepared in the mother's body, so in the body of the great world mother—where we are while leading our physical life—is prepared what is necessary to make it possible for us to see and act in higher worlds. One is perfectly justified to speak of a higher world and to value it higher than our lower world, but we should only use these terms in a technical sense. All worlds are, basically, equally valid expressions of the highest principle, in different forms. We should not despise any world. In this way we learn to relate ourselves rightly towards both the lower and the higher worlds. This is the requirement for entering into the third chapter of the John Gospel.
[ 18 ] Wir müssen uns klar sein darüber, daß Jesus zu Nikodemus von einer richtigen Wiedergeburt spricht, und daß er ihn vor allen Dingen mahnen will, daß das gewöhnliche Leben unter diesem Gesichtspunkte als ein höheres Leben geboren werden soll und so betrachtet werden muß. Wer intimer liest und genauer betrachtet dieses Kapitel, der wird sehen, daß es sich um eben dies handelt.
[ 18 ] It must be understood that Jesus speaks to Nicodemus of a genuine rebirth, and that, above all, he wishes to remind him that looked at in this way, the ordinary, everyday life must be reborn as a higher life and recognised as such. He who reads this chapter really carefully will see that this is what is meant.
[ 19 ] Am meisten haben gewisse Kreise einzuwenden gegen die Theosophie, weil sie die Wiederverkörperung lehrt, das allmähliche Heranreifen des Menschen zu der Wiedergeburt durch die wiederholten Erdenleben hindurch. Es wird gesagt, daß das Christentum nichts wisse von dieser Lehre der Wiedergeburt. Zunächst gibt es gerade im Johannes-Evangelium ein deutliches Zeichen dafür, daß Jesus, wenn er mit seinen Jüngern intim sprach, die Wiederverkörperung lehrte. Man kann nämlich mit dem neunten Kapitel - Heilung eines Blindgeborenen am Sabbath - nur dann einen Sinn verbinden, wenn man die Lehre von der Wiederverkörperung zugrunde legt. Man muß bedenken, daß er in der Sprache, die damals üblich war, sprach. Es war dazumal in Griechenland nicht üblich, anders zu sprechen als von der Kraft, die den Menschen im Innersten durchsetzt und im Innersten vorwärtsbringt. Die menschenbildende und menschenentwickelnde Kraft: das war für die Griechen der Gott, und auch bei allen Völkern der damaligen Zeit. Einen bloß äußeren Gott, einen Gott im Jenseits, kannten solche Zeiten noch gar nicht. Deshalb bezeichnete man vor allen Dingen das, was im Menschen lebt, als den Gott im Menschen. Wenn man also von dem Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs spricht, dann ist das höhere Selbst gemeint. Sie verstehen das Alte Testament nur, wenn Sie wissen, daß der Gott so aufzufassen ist. Auch Jesus spricht, wenn er zu seinen Jüngern intim spricht, von dem im Menschen lebenden Gott: «Seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? — Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm.»
[ 19 ] Many circles lay it against Theosophy that it teaches reincarnation—the gradual maturing of humanity through rebirth and repeated earth lives. It is said that Christianity knows nothing of this teaching of reincarnation. But actually in the John Gospel there is a clear indication that when he spoke intimately with his disciples, Jesus taught reincarnation. For instance, one can only make sense of the ninth chapter (the healing on the Sabbath of the man born blind) if one bases it on the idea of reincarnation. One must remember that he spoke in the language current at that time. In Greece it was then usual to speak of the power that permeates man's innermost being and leads it forward. For the Greeks and all other peoples of that time, the power that made man into man and caused him to develop was God. An outer God, a God in the next world, was unknown in those days. Therefore one called what lived in man, the God in man. Thus if one spoke of the God of Abraham, the God of Isaac and the God of Jacob, it was the higher self that was meant. One can only understand the Old Testament if one appreciates this conception of God. Jesus too speaks of the God living in man when talking intimately to his disciples: “His disciples asked him, saying, ‘Master, who did sin, this man or his parents, that he was born blind?’ Jesus answered, ‘Neither hath this man sinned nor his parents, but that the works of God should be made manifest in him.’”
[ 20 ] Diese drei Sätze sprechen klar genug. Es hat weder er gesündigt, also der physische Teil nicht, und auch seine Eltern nicht; daher gilt auch nicht das jüdische Gesetz, daß Gott die Sünden der Väter bis zum soundsovielten Gliede heimsucht. Aber die Werke des Gottes im Menschen sollen sichtbar werden, das heißt des Selbstes im Menschen, das durch alle Verkörperungen hindurchgeht. Es sind so klar wie nur möglich die Worte, die Jesus in dieser Weise zu seinen Jüngern gesprochen hat. Sie kennen ja die orthodoxe Auslegung. Denken Sie nur einmal, wenn jemand voraussetzen wollte, was hier gesagt werden sollte: Gottes Herrlichkeit solle an einem Blinden offenbar werden. -— Das setzt voraus, daß man veranstaltet hätte, daß einer blind geworden wäre, damit Jesus ihn kurieren kann, damit Gottes Herrlichkeit offenbar werden kann. Ist das mit einem vertieften Christentum verträglich? Nein. Denn das würde das Christentum im moralischen Sinne herabwürdigen. Theosophisch interpretiert, hat dieses Bild einen großen, einen schönen und herrlichen Sinn.
[ 20 ] These three sentences speak clearly enough. Neither had he sinned in his physical body, nor had his parents; therefore the Jewish law that God will visit the sins of the fathers upon the children unto so and so many generations does not hold good. But the works of God in man shall be made manifest, i.e. the self in man that passes through all his incarnations. These words which Jesus spoke to his disciples could not be clearer. You know the orthodox explanation. Think, if someone meant what is supposed to be said here: The glory of God should be made manifest in a blind person. This presumes that it was arranged that someone should be blind so that Jesus could heal him and the glory of God be made manifest. Can this be reconciled with true Christianity? No. Christianity would be morally degraded. Interpreted theosophically, this image carries a truly beautiful and noble meaning.
[ 21 ] So war es immer, wenn Jesus mit den Jüngern intim sprach. Daß das so war, das enthüllt sich vor allen Dingen bei einer Szene, die wir die Verklärungsszene nennen. Die steht aber nicht im JohannesEvangelium. Sie finden diese Verklärungsszene bei Matthäus im siebzehnten Kapitel, bei Markus im neunten Kapitel; bei Johannes finden wir sie nicht. Das einzige, was wir bei Johannes finden, das darauf Bezug haben könnte, ist die Stelle im zwölften Kapitel, Vers 28: «Vater, verkläre deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verkläret und will ihn abermals verklären.» Und weiter, Vers 31: «Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und Ich, wenn Ich erhöhet werde von der Erde, so will Ich sie alle zu mir ziehen. Das sagte er aber, um zu deuten, welches Todes er sterben würde. Da antwortete ihm das Volk: Wir haben gehört im Gesetz, daß Christus ewiglich bleibe; und wie sagst du denn: des Menschen Sohn muß erhöhet werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, daß euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingehet. Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid.»
[ 21 ] It was always so when Jesus spoke intimately with his disciples. That it was so, is especially revealed in the scene known as the transfiguration. It is, however, not in the John Gospel. We find it in the seventeenth chapter of St. Matthew and in the ninth chapter of St. Mark. In St. John it is not to be found. The only reference that could have any relation to it is the passage in the twelfth chapter, verse 28: “‘Father glorify thy name.’ Then came there a voice from heaven saying, ‘I have both glorified it and will glorify it again.’” And further in verse 31: “‘Now is the judgment of this world. Now shall the prince of this world be cast out. And I, if I be lifted up from the earth will draw all men unto me.’ Thus he said, signifying what death he should die. The people answered him, ‘We have heard out of the law that Christ abideth for ever, and how sayest thou: the Son of Man must be lifted up? Who is this Son of Man?’ Then Jesus said unto them, ‘Yet a little while is the light with you. Walk while ye have the light, lest darkness come upon you for he that walketh in darkness knoweth not whither he goeth. While ye have light, believe in the light, that ye may be the children of light.’”
[ 22 ] Bei allen Evangelisten finden Sie die Verklärungsszene, bei Johannes nicht. Das wird uns tiefer in diese Szene hineinführen. Machen wir uns den Sinn der Verklärungsszene ganz klar. Was geschieht da? Jesus geht mit drei Jüngern, mit Petrus, Jakobus und Johannes, auf den Berg, das heißt ins innere Heiligtum, da wo man eingeweiht wird in die höheren Welten, wo man also in okkulter Sprache spricht. Wenn gesagt wird: Der Meister ging mit seinen Jüngern auf den Berg-, so heißt das, er ging an den Ort, wo er ihnen das Gleichnis auslegte. Die Jünger wurden entrückt in einen höheren Bewußiseinszustand. Sie sehen darin, was nicht vergänglich, sondern ewig ist. Moses und Elias erscheinen, und Jesus selbst unter ihnen. Was heißt das? In der Geheimwissenschaft heißt das Wort Elias dasselbe wie EL — das Ziel, der Weg. Moses ist das geheimwissenschaftliche Wort für Wahrheit. Indem also Elias, Moses und in der Mitte Jesus erscheint, so haben Sie darin die urchristliche Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Jesus selbst sagt - das ist eine urchristliche mystische Wahrheit -: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.»
[ 22 ] We find the transfiguration scene in all the evangelists except St. John. This is significant. Let us clarify the meaning of this scene. What takes place? Jesus goes with three disciples Peter, James and John—up a mountain: this means into the inner sanctuary where one is initiated into higher worlds and where one also speaks in occult language. Then it is said: the master took his disciples up into a mountain—it means that he went to that place where he expounded the parable to them. The disciples were carried up into a higher state of consciousness. They saw then that which is not transitory but eternal. Moses and Elias appear and Jesus himself with them. What does this mean? In occult science the word Elias means the same as El—the goal, the way. Moses is the spiritual scientific word for truth. By the fact that Elias, Moses and Jesus appear you have the fundamental Christian truth: I am the Way, the Truth and the Life. Jesus himself says—this is a fundamental Christian mystical truth—“I am the Way, the Truth and the Life.” (John 14:6)
[ 23 ] Alledem liegt zugrunde, daß hier das Ewige gegenüber dem Zeitlichen vor Augen geführt wird, daß die Jünger hineinsehen in eine Welt, die jenseits dieser Welt liegt. Da sagten sie hinterher zu dem Meister: Das alles sollte doch erst geschehen, wenn Elias wiedergekommen ist. - Also sie sprachen mit ihm so, als ob es selbstverständlich wäre, daß es eine Wiederverkörperung gibt, wie auch an verschiedenen Stellen des Evangeliums die Lehre von der Wiederverkörperung besprochen wird. Johannes frägt: Bist Du der wiedererstandene Elias. - Da sagt ihm der Meister: «Elias ist wiedergekommen.» - Johannes der Täufer ist Elias. —- «Die Menschen haben ihn nur nicht erkannt.» — «Saget es aber niemandem, bis ich wiederkomme.» - Da haben Sie die allgemeine, weisheitsvolle, religiöse Wahrheit der Wiederverkörperung ausgesprochen im intimen Gespräch zwischen dem Meister und seinem Schüler. Zu gleicher Zeitistes eingesetzt wie eine Art Testament: Saget es niemandem, bis ich wiederkomme. —- Diese Wiederkehr deutet auf eine sehr viel spätere Zeit, auf die Zeit, wenn alle Menschen durch ihr höheres Verständnis den Christus wiedererkennen werden. Wenn das der Fall ist, dann wird er ihnen wiedererscheinen.
[ 23 ] The important thing is that here the eternal is shown as against the temporal, and the disciples see into a world which lies beyond this world. Afterwards they said to the master, “All this should only have come to pass once Elias has come again.” Thus they spoke to him as though reincarnation was taken as a matter of course, as also in many other passages in the gospels. John asked, “Art thou Elias come again?” Then answered the master, “Elias is indeed come again—John the Baptist is Elias. But the people did not recognise him. Say it unto no man until I come again.” Here we have the general, religious, profound truth of reincarnation uttered in the intimate conversation between the master and his disciples. At the same time it is set down as a testament: “Say it unto no man until I come again.” This coming again refers to a much later time, the time when all men will recognise Christ through their higher comprehension. When this comes about then will He reappear to them.
[ 24 ] Diese Zeit wird gerade durch die theosophische Weltanschauung vorbereitet. Der Christus wird wiedererscheinen in der Welt. Für diese Zeit aber soll die Lehre von Wiederverkörperung und von Karma als populäre Lehre aufgespart werden. Jetzt aber sollten die Menschen von der Lehre von Reinkarnation und Karma nichts wissen, dadurch sollten sie veranlaßt werden, das Leben zwischen Geburt und Tod als etwas besonders Wertvolles und Wichtiges zu nehmen. Alle Stadien der Lebenserfahrung müssen durchgemacht werden von den Menschen. Bis zu Christi Zeit war es so, daß man allgemein sprach von Wiederverkörperung. Das Leben zwischen Geburt und Tod war nur eine vorübergehende Episode. Nun sollte der Mensch aber lernen, dieses Leben hier auf der Erde als etwas Wichtiges zu betrachten. Eine radikale Ausgestaltung dieser Lehre war die Lehre von der ewigen Strafe und der ewigen Belohnung. Das ist eine ganz radikale Ausgestaltung. Worauf es ankam, war das, daß jede Menschenindividualität, jeder Menschengott, durchgehen sollte durch eine Inkarnation, in der er nichts weiß von Reinkarnation und Karma, durch eine Inkarnation, in der er das Leben zwischen Geburt und Tod aber als eminent wichtig erkenne.
[ 24 ] Thus time is being prepared through the theosophical world conception. Christ will reappear in the world. The doctrine of reincarnation and karma as a generally accepted idea was to be laid aside until this time. At that time people should know nothing of reincarnation and karma, so that they were obliged to take the life between birth and death as something of particular value and importance. Humanity had to pass through all stages of life experience. Up to the time of Christ, reincarnation was generally accepted. Life between birth and death was only a passing episode. But then man had to learn to take life on earth as something important. An extreme form of this teaching was the dogma of eternal punishment and eternal reward. This is an extreme form. What mattered was that each human individuality, each “God-man”, should pass through one incarnation in which he knew nothing of reincarnation and karma and in which he appreciated the vital importance of life between birth and death.
[ 25 ] Wenn Sie die theosophischen Bücher durchgehen, so werden Sie finden, daß die Zeit zwischen zwei Inkarnationen fünfzehn bis achtzehn Jahrhunderte ist. Das ist ungefähr die Zeit zwischen Jesu Geburt und unserer Zeit. Die zu jener Zeit gelebt haben, erscheinen jetzt wieder. Sie können also jetzt die neue Lehre wieder aufnehmen. Daher ist die theosophische Weltanschauung auf dem Berge Tabor vorbereitet durch den Christus Jesus. Wenn wir die Weltgeschichte im großen betrachten, dürfen wir nicht glauben, daß es sich um Wahres und Falsches handelt, das wir kritisieren können. Nicht um absolut Wahres und absolut Falsches kann es sich handeln, sondern darum, was den Menschen frommt. Wenn ich hier säße und hätte eine Schar Knaben, nicht älter als zehn Jahre, und würde sie Mathematik lehren, so wäre das, was ich lehrte, Wahrheit - und doch wäre es eine Torheit. Ich muß den Menschen geben, was den Menschen frommt für eine gewisse Entwickelungsepoche. Es ist also nicht richtig für uns als Späterlebende, einen Maßstab anzulegen und zu sagen, das Christentum hat Falsches gelehrt. Nein, man mußte, um den physischen Plan zu erobern, das eine Leben wichtig nehmen. Gewiß, große geistige Wahrheiten haben die chaldäischen Priester weisen ins Dasein gebracht. Ein ungeheures Wissen von der geistigen Welt haben sie heruntergebracht, aber sie lebten mit primitivsten Werkzeugen, ohne die Kenntnis der alltäglichen Naturkräfte. Der physische Plan war erst zu erobern. Um dieses zu tun, mußte die ganze Gefühlswelt darauf abgestimmt werden. Das Christentum hat die Menschheit darauf vorzubereiten gehabt, um die physische Welt zu erobern. Das war gesetzmäßig bestimmt, das ist das Testament vom Berge Tabor. So bewirkt das, was diesem Testament zugrunde liegt, etwas Wunderbares.
[ 25 ] If you read theosophical books you will find that the time between the two incarnations is fifteen to eighteen hundred years. This is about the same length of time as between the birth of Christ, and the present day. Those living then, appear again today. Because of this they are able again to accept the new teaching. Therefore, the theosophical outlook was really prepared on Mount Tabor by Christ Jesus. If we look at world history in broad lines, we should not think that we are dealing either with truth or with error which we can censure. It is not a question of absolute truth or error, but of what is right for man at any given time. If I sat here with a group of boys no more than ten years old, and set about teaching them higher mathematics, I would be teaching them truth and yet it would be folly. I must give a person what he needs, at any given stage of his development. It is not right for us today to say in retrospect, that the Christian teaching contained errors. No. In order to master the physical plane, one had to take this one life seriously. Certainly, the priestly sages of Chaldea taught great spiritual truths. They brought down a vast knowledge of the spiritual world, but they used the most primitive tools, and did not know how to use the forces of nature in everyday life. The physical plane had first to be mastered. To do this, man's whole life of feeling must be directed towards it. Christianity had to prepare mankind to master the physical world. This was decreed, it is the testament from Mount Tabor. What lies behind this declaration is something wonderful.
[ 26 ] Wer tiefer dringt, der wird noch auf allerlei kommen. Wenn wir religiöse Urkunden verstehen wollen, die aus solchen Zeiten stammen, die nicht materialistisch gedacht haben, sondern wirkliche Kenntnis vom geistigen Leben gehabt haben, müssen wir wissen, daß die Denkungsart eine ganz andere war, daß der Mensch, wenn er vom Menschen redete, in ganz anderer Weise geredet hat.
[ 26 ] If one penetrates deeper, one will find more and more. If we want to understand religious documents which came down to us from times which had true knowledge of spiritual life and not a materialistic way of thinking, we must realise that the mode of thought was so different, that if one spoke of man, one spoke in a completely different way.
[ 27 ] Jetzt muß ich Ihnen etwas sagen, was für den Verstand leicht, für die Seelenauffassung aber schwer zu begreifen ist für die heutigen Menschen. In der damaligen Zeit, als das Evangelium entstand, war das Morgenrot des Christentums. Da hat man noch Namen gebraucht, wie ich es jetzt bezeichnen will. Da hat man sich nicht an den physischen Organismus gewendet. Ein Mensch jener Zeit hat immer durch den physischen Organismus das Geistige, das Höhere, durchblicken gesehen. Er hat unter einem Namen nicht das, was wir heute darunter verstehen, empfunden, sondern sinnvoll hat man benannt. Denken Sie sich, man hat jemand Jakobus geheißen. Jakobus heißt eigentlich Wasser. Wasser ist der geheimwissenschaftliche Ausdruck für das Seelische, so daß, wenn ich jemand als Jakobus bezeichne, ich damit sage, daß das seelische Element durch seinen Körper durchscheint. Sinnvoll bezeichne ich ihn damit als einen zum Wasser Gehörigen. Wenn ich also einem als Eingeweihten diesen Namen Jakobus gebe, so ist er mir das Sinnbild für das Wasser (hebräisch = Jam). Jakobus ist nichts anderes als der wissenschaftliche Name für einen Eingeweihten, der die Kraft des okkulten Wassers im besonderen beherrscht.
[ 27 ] Now I must tell you something which though easy to understand intellectually, is difficult for the man of today to grasp with his whole soul. The time when the gospels were written was the dawn of Christianity. One used names then in a way which I will now explain. One did not look to the outer physical man, but one saw something higher, the spiritual, shining through it. A name was not used as it is today, it had a significance. Suppose someone was called James (Jacobus). James really means water. Water is the spiritual scientific term for the soul element. If I call somebody James, I say that his soul shines through his body. With this, I signify that he belongs to the watery element. If I give the name James to an initiate, he is to me the symbol for water (Hebrew—Jam). James is nothing but the technical name for an initiate who especially governs the force of water in its occult sense.
[ 28 ] Das waren die drei Jünger, mit ihrem Einweihungsnamen bezeichnet, die mitgenommen wurden nach dem Berge Tabor: Jakobus bedeutet das Wasser, Petrus bedeutet die Erde - der Fels (hebräisch = Jabbaschah), Johannes bedeutet Luft (Ruach). Johannes bezeichnet also den, der zum höheren Selbst gekommen ist. Das führt Sie tief hinein in die Geheimlehre. Versetzen Sie sich hinein in die Zeit, in der die Menschen nur die niederen Prinzipien hatten, also in die dritte Wurzelrasse, in die lemurische Zeit der Erde. Da haben die Menschen noch nicht Luft geatmet, sondern durch Kiemen. Die Lungen sind erst später entstanden und damit auch die Lungenatmung. Dieser Vorgang fällt zusammen mit der Befruchtung durch das höhere Selbst. Luft ist nichts anderes als nach hermetischem Grundsatz das Untere für das Obere, für das höhere Selbst. Bezeichne ich einen als Johannes, so ist er ein solcher, der das höhere Selbst zur Erweckung gebracht hat, einer, der die okkulten Kräfte der Luft beherrscht. Jesus ist der, welcher die okkulten Kräfte des Feuers (Nur) beherrscht. So haben Sie in den vier Namen die Repräsentanten für Erde, Wasser, Luft und Feuer. Das sind die Namen der vier, welche nach dem Berge 'Tabor hinaufgehen.
[ 28 ] Thus were the three disciples who were taken up to Mount Tabor called by their initiate names: James means water, Peter stands for earth, or rock (Hebrew—Jabascha), John signifies air (Ruach). Thus, John means he who has attained the higher self. This leads us deep into the secret doctrines. Transport yourself back into the time when man only possessed the lower principles—the third Root Race, the Lemurian epoch. Mankind did not then breath air, he breathed through gills. Lungs and breathing through lungs developed later. This process coincided with the impregnation by the higher self. Air is, according to the hermetic principle, the lower which represents the higher—the higher self. If I call somebody John (Johannes), then he is one who has awakened his higher self, who governs the occult forces of air. Jesus is the one who governs the occult forces of fire (Nur). Thus you have in these four names, the representatives of earth, water, air and fire. They are the names of the four who ascended Mount Tabor.


[ 29 ] Denken Sie sich einmal diese vier beisammen auf dem Berge der Verklärung, dann haben Sie zu gleicher Zeit die Eingeweihten, welche die vier Elemente beherrschen - die Herren der. vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft, Erde. Was geschieht also ? Es geschah dazumal, daß der geistige Beweis geliefert wurde, daß durch die Jesus-Erscheinung die ganze Kraft der Elemente in einer Weise erneuert wird, daß das Leben, das durch die Elemente pulsiert, einen neuen, wichtigen Punkt in der Entwickelung durchmacht. Das ist okkult die Verklärung. Wenn nun jemand in dieser Weise die Verklärung durchmacht, daß er in sich hat die Stufen von Wasser, Erde und Luft und selbst aufsteigt zu den Kräften des Feuers, dann ist er ein Wiederauferweckter, ein solcher, der die Kreuzigung durchgemacht hat. Daher ist diese Szene bei den anderen Evangelisten in Wahrheit nichts anderes als eine Vorbereitung der eigentlichen tieferen Einweihungsszene, der Kreuzigung selbst. Dagegen erscheint uns bei Johannes alles vorbereitet. Die Vorbereitungsszene erscheint überhaupt nicht, sondern der Tod auf dem Berge Golgatha. Jam - Nur Ruach - Jabbaschah = INRI - das ist die Bedeutung der Worte, die am Kreuze stehen.
[ 29 ] Think of these four together on the Mount of Transfiguration. There you have at the same time, the initiates who govern the four elements: fire, water, air and earth. What happened? It was made manifest spiritually that through the appearance of Jesus, the whole power of the elements was renewed in such a way that the life pulsing through the elements passed through a new, important phase of its development. This is the transfiguration seen occultly. If somebody goes through the transfiguration in this manner, if he has within himself the stages of water, earth and air, and even rises to the forces of fire, then he is a reawakened one, someone who has gone through the crucifixion. Thus, in the case of the other evangelists, this scene is but a preparation for the deeper initiation scene of the crucifixion itself. In the John Gospel, everything is already prepared. The preparatory scene does not appear, only the death on the Mount of Golgotha. Jam, Nur, Ruach, Jabascha—INRI—this is the meaning of the words on the cross.
[ 30 ] So können Sie tiefer und tiefer hineingehen, und Sie werden nie auslernen in den religiösen Schriften. Manchmal, wenn man so etwas hört, ist es wie eine erzwungene Erklärung. Aber jeder Schritt, den Sie tiefer hinein machen, wird Ihnen den Beweis liefern, daß es sich nicht um etwas Erzwungenes handelt. Gerade bei den trivialen Erklärungen werden Sie sehen, daß man damit die «Tiefe» zwangsweise abweisen will. Aber die Tiefe liegt in diesen Schriften. Wer etwas weiß, der kann immer zu sich sagen: Wahrscheinlich wird noch viel mehr darinnen sein, ich werde noch viel lernen müssen. - Das ist die Ehrerbietung, die wir den religiösen Schriften entgegenbringen können.
[ 30 ] One can go deeper and deeper into the religious texts and never finish learning. Sometimes when one hears an explanation like this it sounds forced. But every step that leads you deeper will furnish evidence that it is not forced. Superficial explanations seek to avoid the “depths” purposely. But there are depths in these writings. Those who know something can always say to themselves: probably there is much more in it, I have still much to learn. This is the attitude of reverence that we can bring to religious texts.
[ 31 ] Diese Ehrerbietung ist das Beste, da sie dann die Kraft wird, die wir aus den Tiefen gewinnen. Nur hinzudeuten vermag ich auf einen wichtigen Satz. Er steht im Johannes-Evangelium, neunzehntes Kapitel, 33. Vers: «Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht ... Denn solches ist geschehen», heißt es dann im 36. Vers, «daß die Schrift erfüllet würde: «Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.» Sie wissen, daß das anklingt an eine Moses-Stelle. Auch dort hat es schon, richtig verstanden, einen tiefen Sinn. Noch kurz diese Stelle möchte ich erklären, die von tiefer Symbolik ist.
[ 31 ] This reverence is of the utmost importance, for it will become strength in us drawn from the depths. There is one important sentence that I can only touch on. In chapter 19, verse 33, we find: “But when they came to Jesus and saw that he was dead already they brake not his legs ... ” and in verse 36, “For these things were done, that the scripture should be fulfilled. A bone of him shall not be broken.” You know that this reminds one of a passage in one of the books of Moses (Exodus 12:46). Rightly understood, it has a deep meaning. It is deeply symbolical, but I can only touch on it.
[ 32 ] Wenn Sie unsere ganze Welt überblicken, so werden Sie sich sagen, daß der Mensch, so wie er jetzt im Fleische inkarniert ist, zunächst keine Kraft hat über das Leben und keine Kraft hat über das, was über dem Leben steht. Was er beherrscht, ist die leblose Kraft, die unorganische Kraft. Der Mensch kann nicht eine Pflanze wachsen machen, sie nicht schneller wachsen machen. Die okkulten Kräfte dazu müßte er sich erst aneignen. Er vermag schon gar nicht über dasjenige, was noch höher ist als die Lebenskraft, eine Herrschaft auszuüben. Was der Mensch zu beherrschen vermag, ist draußen die unlebendige Welt. Daübt er seine Herrschaft aus, in dem Werke des Alltags, in den Stoffen, die ihm die Natur gibt. Er macht Kunstwerke, Bilder des Allerhöchsten, aber das Leben kann er ihnen nicht einhauchen. Er kann das Leben nur nachbilden. Er kann nur im Leblosen die Ahnung des Lebens erwecken, selbst in den höchsten christlichen Kunstwerken. Dies ist tatsächlich der Fall, weil der Mensch seine astrale und ätherische Kraft mit dem festen, dichten physischen Leib umgeben hat. Dadurch hat er dieses Verhältnis zur äußeren Umwelt bekommen, daß er nur Herr ist über das Leblose. Der Mensch muß sich seiner eigenen physischen Werkzeuge bedienen, und diese sind nur Herr über das Leblose. Die höheren Kräfte, die nicht an das Physische gebunden sind, müßten erwachen, dann würde der Mensch wieder Herr werden über das Leben. Die Menschen können Herr werden über die physischen Kräfte, nicht aber über das Leben selbst.
[ 32 ] If you look around the world you will have to admit that man as he is now incarnated in the flesh has no power over life, nor over what stands, above life. He is only master of the lifeless inorganic forces. Man cannot oblige a plant to grow, or to grow faster. He would have to acquire occult power, to do so. Far less is he able to master what is higher than life forces. What he is able to control is the lifeless outer world. There, he exerts his mastery in everyday work over the materials with which nature provides him. He creates works of art, pictures of the Almighty, but he cannot breathe life into them. He can only copy life. He cannot awaken an intimation of life in the lifeless, even in the most sublime Christian works of art. This is so because man has enfolded his astral and etheric forces in the solid, dense physical body. Thus he came to have this relation to the outer world—to be master only of the lifeless. The higher forces which are not tied to the physical must be awakened, and then man will again be able to master life. As it is, he can only control physical forces, and not life itself.
[ 33 ] Das hängt damit zusammen, daß des Menschen Körper einst weich und biegsam war, jetzt aber fester und fester geworden ist. Wenn Sie zurückgehen in der Entwickelung, dann werden Sie sehen, daß der Mensch ganz anders geworden ist. Das Knochensystem war noch nicht vorhanden in der lemurischen Zeit. Das hat sich erst später herausgebildet. So ist das Knochensystem das letzte, was aufgetreten ist im menschlichen Organismus. Es wird dem Menschen so lange eigen sein, bis er wiederum sich vergeistigt hat, bis er wiederum die inneren Kräfte erweckt hat und die Lektion gelernt hat, die er in seinem bis zum Knochensystem verdichteten Körper durchzumachen hat. Der Christus Jesus in seiner kosmischen Mission ist derjenige Geist, der in einem solchen Leib verkörpert ist, um den Menschen wieder den Weg zu zeigen aus dieser Welt hinaus in eine höhere Welt. Er ist der Führer, der Weiser in eine solche höhere Welt. Dabei ist das, was den Weg finden soll in diese höhere Welt, symbolisiert in dem Festen, in dem Knochengerüst des Menschen. Als der Mensch noch anders war, noch nicht so weit war bis zum festen Knochensystem, da brauchte er nicht einen Messias. Aber gerade für diese Epoche braucht er den Messias, den Erlöser.
[ 33 ] This is connected with the fact that the human body which was once soft and pliable has now become more and more solid. If you go back in evolution you will see that man has changed very much. In Lemurian times he had no skeleton. This was formed later. The bones were the last things to appear in the human organism. He will have them until he has spiritualised himself again, until he has awakened again his inner forces and learned the lesson which he can only learn in this dense body with its hard skeleton. Christ Jesus is that spirit whose cosmic mission it was to be incarnated in just such a body in order to show man the way out of this world into a higher world. He is the leader and guide into the higher world. That which has to find its way into the higher world is symbolised by the solid human skeleton. As long as man had not reached the stage of having a hard skeleton, he did not need a Messiah. But for this present epoch he needs the Messiah, the Redeemer.
[ 34 ] So ist es klar, daß für das jetzige Menschengeschlecht nicht in Betracht kommen die Kräfte in Jesus, die mit der höheren Welt zusammenhängen. Die Ausdrucksweise ist nun diese, daß man nennt das Knochengerüst = das Äußere, Wasser = Ätherkörper, Blut = Astralkörper, und dann Geist. Daher können Sie lesen bei Johannes: Drei sind, die da zeugen: Blut, Wasser und Geist. — Daher kann herausrinnen aus dem Leibe des Christus das Blut und das Wasser. Die kommen für den gegenwärtigen Menschheitszyklus nicht in Betracht. Dagegen ist dasjenige, was das Ganze halten muß, was den Menschen hinauf zu dem Throne des Ewigen bringen muß, worin die Lektion gelernt werden muß, in Unversehrtheit zu erhalten. Das ist das Knochengerüst, das Symbol für das Leblose in der Natur. Das hat jetzt durch das Knochensystem den Christus mit dem gegenwärtigen Menschheitszyklus zusammengebracht. Es ist das, was zusammengehalten werden muß bis zu der Zeit, wo die Menschheit die höheren Stufen erreicht hat. Wir könnten es noch verfolgen bis zu der entsprechenden Stelle der Bücher Moses. Aber das kann ein anderes Mal geschehen.
[ 34 ] Thus it is evident that the forces in Jesus which are connected with the higher world do not concern present day humanity. We can express it by calling the skeleton the exterior; water, the etheric body; blood, the astral body; and then the spirit.1First Epistle of John, ch. 5:8, (literally) “And there are three that bear witness: the spirit and the water and the blood.” Therefore blood and water can flow from the body of Christ. These are of no import for the present cycle of human development. On the other hand, that which supports the whole, which leads man upwards to the throne of the Eternal, what he needs in order to learn the lesson, that must be kept uninjured. This is the skeleton, the symbol for the lifeless in nature. Through this skeleton, Christ is connected with the present cycle of man's development. This is what must be kept intact until such time as man shall have reached higher stages. We can follow this back to the corresponding passages in the Books of Moses. But this can be done some other time.
[ 35 ] Ich wollte heute noch eine Ergänzung, eine nachträgliche Andeutung geben, die Ihnen zeigen wird, daß das Johannes-Evangelium nie auszuforschen ist; die Ihnen zeigen wird, wie es Kraft und Leben enthält. Indem wir es in uns aufnehmen, gibt es uns selbst Kraft und Leben. Dadurch wird es zu der Hauptschrift für alle diejenigen, die immer tiefer und tiefer in das theosophische Christentum eindringen wollen. Wenn daher die Theosophie für das Christentum wird wirken sollen, dann wird sie vor allen Dingen an dieses JohannesEvangelium anzuknüpfen haben. Dann allerdings — darüber müssen Sie sich klar sein —, wenn ich das Johannes-Evangelium vollständig erläutern wollte, müßte ich einen ganzen Winter zu Ihnen darüber sprechen. Ich müßte Zeile für Zeile durchnehmen, und dann würden Sie erst sehen, wie tief die Worte sind, die dem Johannes zugeschrieben werden, das heißt demjenigen, der schon durch seinen Namen andeutet, daß er ein Künder des höheren Selbst ist. Er ist Vertreter der Luft, der die höheren Kräfte beherrscht und aus den Anschauungen des höheren Selbst sein Johannes-Evangelium geschrieben hat.
[ 35 ] Today I wanted to add something which will have shown you that the John Gospel is inexhaustible, and how full it is of strength and life. As we take it in and absorb it, it gives us strength and life. This is why this gospel is the leading scripture for those who wish to penetrate deeper and deeper into theosophical Christianity. If theosophy is to work for Christianity it is from this, above all, that it must start. But clearly, if I were to explain the John Gospel in its entirety to you, I should have to take the whole winter. I should have to take it sentence by sentence and then you would see how deep are the words ascribed to John, i.e. to him whose very name indicates that he is a herald of the higher self. He is the representative of air, and master of the higher forces, who, from the perception of the higher self, wrote his Gospel according to St. John.
[ 36 ] Eitel und vergeblich wäre es, mit den Kräften des niederen Menschenverstandes das Johannes-Evangelium ergründen oder kritisieren zu wollen. In unserer Zeit feiert der Verstand große Triumphe, aber für den Verstand ist das Johannes-Evangelium nicht geschrieben. Erst der, welcher den niederen Verstand überwunden hat und ihn dann hinleiten kann in die Höhen der Geisteskräfte, wie sie Johannes hatte, der kann das Johannes-Evangelium auch verstehen. Das Richtige wird nicht sein, wenn die Theosophie sich entschließt, ein verstandesmäßiges Kritisieren des Johannes-Evangeliums zu beginnen, sondern wenn sie sich ganz und gar in die Tiefen desselben versenkt, um es selbst zu verstehen. Dann werden wir sehen, daß für uns ein neuer Geist des Christentums - nicht nur der Geist des vergangenen, sondern eines zukünftigen Christentums — aus dem Johannes-Evangelium hervorgehen kann, und wir werden etwas verspüren von den tiefen Wahrheiten eines der schönsten und bedeutsamsten der christlichen Aussprüche, der uns anzeigen soll aus dem Munde des Schöpfers des Christentums selbst, daß das Christentum nichts ist, was in der Vorzeit gelebt hat, sondern daß dieselbe Kraft noch lebt, denn - wahr ist, was der Christus gesagt hat: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeiten.»
[ 36 ] It would be futile and in vain, to attempt to fathom, or criticise this gospel with the powers of the ordinary intellect. In our time the intellect has achieved great things, but the John Gospel is not written for the intellect. Only he who has overcome the intellect and is able to lead it to the heights of spirit power as John did, can understand his gospel. Theosophy would be quite wrong to undertake an intellectual critique of this John Gospel. Instead, it should immerse itself in it, in order to understand it. Then we should see that a new spirit of Christianity—not only the spirit of the past, but a future Christianity, can proceed from the John Gospel. We will become aware of the deep truth of one of the most beautiful and profound sayings of Christ. Out of his mouth we are told that Christianity is not something that has merely lived in the past, but that the same power still lives today. True it is what Christ said: I am with you always, even unto the end of time.
