Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

At the Gates of Theosophy
GA 95

22 August 1906, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Es soll in diesen Vorträgen ein allgemeiner Überblick über das Gesamtgebiet der theosophischen Weltanschauung gegeben werden. Nicht immer ist Theosophie so wie heute gelehrt worden in Vorträgen und Büchern, die jedem zugänglich sind. Früher wurde Theosophie als etwas angesehen, das nur in kleinen intimen Zirkeln gelehrt werden konnte. Das Wissen beschränkte sich auf die Kreise von Eingeweihten, auf okkulte Brüderschaften; die Allgemeinheit sollte nur die Früchte dieses Wissens haben. Weder von ihrem Wissen und von ihren Taten noch von dem Ort ihres Wirkens war viel bekannt. Was die Welt an großen geschichtlichen Menschen kennt, das waren eigentlich nicht die größten. Die Größten, die Eingeweihten, hielten sich zurück.

[ 1 ] These lectures are intended to provide a general overview of the entire field of theosophical worldview. Theosophy has not always been taught as it is today in lectures and books that are accessible to everyone. In the past, theosophy was regarded as something that could only be taught in small, intimate circles. Knowledge was restricted to circles of initiates, to occult brotherhoods; the general public was only supposed to reap the fruits of this knowledge. Little was known about their knowledge and their deeds, nor about the place where they worked. The great historical figures known to the world were not actually the greatest. The greatest, the initiates, kept themselves in the background.

[ 2 ] So trat im 18. Jahrhundert ein solcher Eingeweihter einmal in einem Augenblick, der gar nicht beachtet wurde, vor einen Schriftsteller hin, wurde mit ihm flüchtig bekannt und sprach Worte, die der andere gar nicht besonders beachtete, die aber dennoch in ihm nachwirkten und gewaltige Gedankenbilder erzeugten, deren schriftstellerische Früchte heute in unzähligen Händen sind. Dieser andere war Jean-Jacques Rosseau. Er war kein Eingeweihter, aber die Quelle seines Wissens ging auf einen solchen zurück.

[ 2 ] Thus, in the 18th century, one such initiate appeared before a writer at a moment that went completely unnoticed, made brief acquaintance with him, and spoke words that the other did not pay much attention to, but which nevertheless had a lasting effect on him and produced powerful images of thought, the literary fruits of which are now in countless hands. That other person was Jean-Jacques Rousseau. He was not an initiate, but the source of his knowledge went back to one.

[ 3 ] Ein anderes Beispiel: Jakob Böhme war als Schusterlehrling allein im Laden, in welchem er noch nichts verkaufen durfte. Da kam eine Persönlichkeit zu ihm, die einen tiefen Eindruck auf ihn machte; sie sagte einige Worte und entfernte sich dann wieder. Gleich darauf hörte er seinen Namen rufen: Jakob, Jakob, du bist jetzt noch klein, du wirst aber groß werden. Merke dir, was du heute gesehen hast. — Es blieb eine geheime Anziehung zwischen ihm und jener Persönlichkeit, die ein großer Eingeweihter war. Von ihm stammten die mächtigen Inspirationen Böhmes.

[ 3 ] Another example: Jakob Böhme was alone in the shop as a cobbler's apprentice, where he was not yet allowed to sell anything. Then a personage came to him who made a deep impression on him; she said a few words and then left again. Immediately afterwards, he heard his name being called: Jakob, Jakob, you are still small now, but you will grow up. Remember what you have seen today. — A secret attraction remained between him and that person, who was a great initiate. It was from him that Böhme's powerful inspirations originated.

[ 4 ] Es gab auch noch andere Mittel, durch die früher ein Eingeweihter gewirkt hat. Jemand hat zum Beispiel einen Brief bekommen, der dazu bestimmt war, irgendeine Tat zu veranlassen. Er war vielleicht Minister und hatte die äußere Macht, irgend etwas auszuführen, aber nicht den Gedanken dazu. In dem Briefe stand etwas, was gar nichts zu tun hatte mit dem, was übermittelt werden sollte, vielleicht ein Bittgesuch. Man hätte aber den Brief noch auf eine andere Art lesen können: Man brauchte nur immer vier Worte auszustreichen und das fünfte stehen zu lassen, dann gab der Rest einen neuen Zusammenhang, den natürlich der Empfänger gar nicht bemerkte, der aber zum Inhalt hatte, was geschehen sollte. Waren nun die Worte die richtigen, so wirkten sie, auch ohne daß der Leser den Sinn im Tagesbewußtsein aufgenommen hatte. In ähnlicher Weise schrieb ein deutscher Gelehrter, der zugleich ein Eingeweihter war, der Lehrer von Agrippa von Nettesheim, Trithem von Sponheim. In seinen Werken, mit dem richtigen Schlüssel gelesen, steht vieles, was heute in der Theosophie gelehrt wird.

[ 4 ] There were also other means by which an initiate used to work. For example, someone received a letter that was intended to prompt some kind of action. He may have been a minister and had the external power to carry out something, but not the idea to do so. The letter contained something that had nothing to do with what was to be communicated, perhaps a request. But the letter could have been read in another way: one only had to cross out every fourth word and leave the fifth, then the rest gave a new context, which of course the recipient did not notice, but which contained what was to happen. If the words were the right ones, they had an effect even without the reader having grasped their meaning in their everyday consciousness. In a similar way, a German scholar who was also an initiate, the teacher of Agrippa von Nettesheim, Trithem von Sponheim, wrote. In his works, read with the right key, there is much that is taught today in theosophy.

[ 5 ] Es war damals notwendig, daß nur einige wenige, die genügend vorbereitet waren, in diese Dinge eingeweiht wurden. Wozu war dieses Geheimhalten notwendig? Gerade um dem Wissen die richtige Stellung zu verschaffen, konnte man es nur den genügend Vorbereiteten geben; die anderen empfanden nur die Segnungen. Es war ja kein Wissen für die Befriedigung der Neugierde oder der bloßen Wißbegierde. Dieses Wissen sollte in die Tat umgesetzt werden, es sollte arbeiten an den staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen, es sollte die Welt praktisch gestalten. Und so gehen alle großen Fortschritte in der Menschheitsentwickelung zurück auf die Impulse von Okkultem. Deshalb wurden auch alle, die der theosophischen Lehren teilhaftig werden sollten, schweren Proben und Prüfungen unterworfen, ob sie auch würdig dafür seien, und dann wurden sie stufenweise eingeweiht, ganz langsam von unten nach oben geführt.

[ 5 ] At that time, it was necessary that only a few who were sufficiently prepared were initiated into these things. Why was this secrecy necessary? Precisely in order to give the knowledge its proper place, it could only be given to those who were sufficiently prepared; the others only felt the blessings. After all, it was not knowledge for the satisfaction of curiosity or mere thirst for knowledge. This knowledge was to be put into practice, it was to work on state and social institutions, it was to shape the world in a practical way. And so all great advances in human development can be traced back to impulses from the occult. That is why all those who were to share in the theosophical teachings were subjected to severe trials and tests to see whether they were worthy of it, and then they were gradually initiated, very slowly guided from the bottom up.

[ 6 ] Von dieser Methode ist in letzter Zeit abgegangen worden; man lehrt jetzt die elementaren Lehren öffentlich. Die Veröffentlichung war notwendig, weil die früheren Mittel, die Früchte einfließen zu lassen in die Menschheit, versagen würden. Zu diesen Mitteln gehörten auch die Religionen, und in allen Religionen ist diese Weisheit enthalten; heute aber spricht man von einem Gegensatz zwischen Wissen und Glauben. Wir haben heute nötig, auf den Wegen des Wissens zu der höheren Erkenntnis zu kommen.

[ 6 ] This method has been abandoned in recent times; the elementary teachings are now taught publicly. Publication was necessary because the earlier means of bringing the fruits to humanity would fail. These means also included religions, and all religions contain this wisdom; but today there is talk of a contradiction between knowledge and faith. Today we need to arrive at higher knowledge through the paths of knowledge.

[ 7 ] Die eigentlichste Ursache aber für die Veröffentlichung ist die Erfindung der Buchdruckerkunst. Vorher wurden die theosophischen Lehren mündlich, von Person zu Person erteilt; kein Unreifer oder Unwürdiger hörte davon. Aber durch die Bücher hat das Wissen von den sinnlichen Dingen Verbreitung gefunden, und durch sie ist es populär geworden. Daher entstand auch der Zwiespalt zwischen Wissen und Glauben.

[ 7 ] However, the most fundamental reason for publication is the invention of printing. Previously, theosophical teachings were imparted orally, from person to person; no one who was immature or unworthy heard about them. But through books, knowledge of sensual things has spread and become popular. This has also given rise to the conflict between knowledge and faith.

[ 8 ] Solche Ursachen aber machen es notwendig, daß aus dem großen Schatze des Geheimwissens aller Zeiten jetzt vieles veröffentlicht werden muß. Fragen wie: Woher kommt der Mensch? Was ist sein Ziel? Was verbirgt die sichtbare Gestalt? Was geschieht nach dem Tode? — mußten beantwortet werden, und zwar nicht durch Hypothesen und Theorien und Mutmaßungen, sondern durch die Tatsachen.

[ 8 ] Such causes, however, make it necessary that much of the great treasure of secret knowledge of all ages must now be published. Questions such as: Where does man come from? What is his goal? What does the visible form conceal? What happens after death? — had to be answered, not by hypotheses and theories and conjectures, but by facts.

[ 9 ] Das eigentliche Rätsel des Menschen zu enthüllen, das war es, um was es sich bei aller Geheimwissenschaft handelte. Alles, was hierüber gesagt werden soll, wird gegeben von dem eigentlichen Standpunkt des praktischen Okkultismus aus; nicht irgendeine Theorie soll es sein, die man im Praktischen nicht brauchen kann. Solche Theorien sind dadurch entstanden und in die theosophische Literatur eingedrungen, daß im Anfang die Leute, welche die Bücher schrieben, selbst nicht genau verstanden, was sie schrieben. Solches mag ja für die Wißbegier recht nützlich sein. Die Theosophie aber soll Leben werden.

[ 9 ] To reveal the true mystery of man was the purpose of all secret science. Everything that is to be said about this is given from the actual standpoint of practical occultism; it is not meant to be some theory that cannot be used in practice. Such theories arose and found their way into theosophical literature because, in the beginning, the people who wrote the books did not themselves understand exactly what they were writing. This may well be useful for the thirst for knowledge. But theosophy should become life.

[ 10 ] Wir wenden uns zuerst dem Wesen des Menschen zu. Wenn uns ein Mensch entgegentritt, so sehen wir zunächst mit unseren äußeren Sinnesorganen das, was wir in der theosophischen Sprache den physischen Leib nennen. Dieser physische Leib ist etwas, was der Mensch mit der gesamten Umwelt gemeinsam hat. Das ist das einzige, was die äußere Wissenschaft gelten läßt, und doch ist es nur ein kleiner Teil des Menschen. Wir müssen tiefer eindringen in das Wesen des Menschen, denn schon eine bloße Überlegung lehrt, daß es mit diesem physischen Menschen eine ganz besondere Bewandtnis haben muß. Es gibt eben noch andere Dinge, die man sehen, betasten kann und so weiter; jeder Stein ist schon ein physischer Körper. Aber der Mensch kann sich bewegen, er kann fühlen, denken, er wächst, er ernährt sich, pflanzt sich fort. Das alles ist beim Stein nicht der Fall, wohl aber entsprechend bei der Pflanze und dem Tier. Mit allen Pflanzen hat der Mensch die Ernährung, das Wachstum, die Fortpflanzung gemeinsam. Hätte er nur einen physischen Körper wie der Stein, so könnte er nicht wachsen, sich ernähren, sich fortpflanzen. Er muß also etwas haben, was ihn fähig macht, die physischen Kräfte und Stoffe so zu verwerten, daß sie ihm Mittel werden, zu wachsen und so weiter. Das ist der Ätherleib.

[ 10 ] We first turn to the nature of man. When we encounter a human being, we first see with our external senses what we call in theosophical language the physical body. This physical body is something that man has in common with his entire environment. This is the only thing that external science recognizes, and yet it is only a small part of the human being. We must penetrate deeper into the nature of the human being, for mere reflection teaches us that there must be something very special about this physical human being. There are other things that can be seen, touched, and so on; every stone is already a physical body. But human beings can move, they can feel, think, grow, feed themselves, and reproduce. None of this is the case with stones, but it is with plants and animals. Human beings have nutrition, growth, and reproduction in common with all plants. If they only had a physical body like a stone, they could not grow, feed themselves, or reproduce. So they must have something that enables them to utilize physical forces and substances in such a way that they become means for them to grow and so on. That is the etheric body.

[ 11 ] So hat der Mensch seinen physischen Leib mit allem Mineralischen gemeinsam, den Ätherleib nur mit den Pflanzen und Tieren. Das ist zunächst durch eine bloße Überlegung festgestellt. Nun ist aber noch eine andere Möglichkeit vorhanden, sich davon zu überzeugen, daß es einen Ätherleib gibt. Diese Fähigkeit hat nur der, der seine höheren Sinne ausgebildet hat. Solche höheren Sinne sind nicht anders aufzufassen, als eine höhere Ausbildung dessen, was in jedem Menschen schlummert.

[ 11 ] Thus, human beings have their physical body in common with all minerals, but their etheric body only with plants and animals. This is initially established by mere consideration. However, there is another way to convince oneself that the etheric body exists. Only those who have developed their higher senses have this ability. Such higher senses are nothing more than a higher development of what lies dormant in every human being.

[ 12 ] Es ist wie beim Blindgeborenen, der operiert wird; nur daß nicht jeder Blindgeborene operiert werden kann, daß die geistigen Sinne aber bei jedem Menschen entwickelt werden können, wenn er die nötige Geduld hat und die entsprechende Vorbereitung durchmacht. Schon um dieses Prinzip des Lebens, von Wachstum, Fortpflanzung und Ernährung wahrzunehmen, gehört eine ganz bestimmte höhere Wahrnehmung. An dem Beispiel des Hypnotisierens können wir uns klarmachen, was gemeint ist.

[ 12 ] It is like a person born blind who undergoes surgery; except that not every person born blind can undergo surgery, but the spiritual senses can be developed in every human being if they have the necessary patience and undergo the appropriate preparation. Just to perceive this principle of life, of growth, reproduction, and nutrition, requires a very specific higher perception. We can understand what this means by looking at the example of hypnosis.

[ 13 ] Der Hypnotismus, der den Eingeweihten immer bekannt war, bedeutet einen anderen Bewußtseinszustand als der gewöhnliche Schlaf. Ein Hypnotisierter ist im Rapport mit dem Hypnotiseur. Man kann nun unterscheiden zwischen positiver und negativer Suggestion, die beim Hypnotisierten auftreten. Die erstere läßt etwas wahrnehmen, was nicht vorhanden ist. Die negative Suggestion besteht darin, daß die Aufmerksamkeit abgelenkt wird von dem, was vorhanden ist. Es ist das nur eine Steigerung eines anderen Zustandes: Im gewöhnlichen Leben können wir auch unsere Aufmerksamkeit von einem Dinge abwenden, so daß wir es nicht sehen, trotzdem unsere Augen geöffnet sind. Das passiert uns ja unwillkürlich täglich, wenn wir vertieft in etwas sind. Die Theosophie will nichts zu tun haben mit solchen Zuständen, bei denen der Bewußtseinszustand des Menschen abgestumpft ist und er sich in einem Dämmerzustand befindet. Der Mensch, der zu theosophischen Wahrheiten kommen will, muß beim Untersuchen der höheren Welten seiner Sinne ebenso mächtig sein wie beim Untersuchen der alltäglichen Dinge. Die großen Gefahren der Einweihung können nur dann über den Menschen kommen, wenn sein Bewußtsein herabgedämpft wird.

[ 13 ] Hypnosis, which has always been known to the initiated, means a different state of consciousness than ordinary sleep. A hypnotized person is in rapport with the hypnotist. A distinction can be made between positive and negative suggestion in the hypnotized person. The former causes the person to perceive something that is not there. Negative suggestion consists in distracting attention from what is there. It is only an intensification of another state: in ordinary life, we can also turn our attention away from something so that we do not see it, even though our eyes are open. This happens to us involuntarily every day when we are absorbed in something. Theosophy wants nothing to do with such states in which the human consciousness is dulled and the person is in a twilight state. The person who wants to arrive at theosophical truths must be as powerful in investigating the higher worlds as in investigating everyday things. The great dangers of initiation can only come upon the person when his consciousness is dulled.

[ 14 ] Wer den Ätherleib aus eigener Anschauung kennenlernen will, der muß imstande sein, bei voller Aufrechterhaltung des gewöhnlichen Bewußtseins sich selbst durch eigene Willensstärke den physischen Leib abzusuggerieren. Dann aber ist der Raum für ihn trotzdem nicht leer; vor sich hat er dann den Ätherleib, der in einer rötlich-bläulichen Lichtform, wie ein Schemen, aber glänzend, leuchtend, etwas dunkler als junge Pfirsichblüten, erscheint. Diesen Ätherleib können wir niemals sehen, wenn wir einen Kristall betrachten, wohl aber bei der Pflanze und beim Tier, denn dieser Teil ist es ja, der die Ernährung, das Wachstum und die Fortpflanzung bewirkt.

[ 14 ] Those who wish to get to know the etheric body from their own experience must be able to suggest themselves out of the physical body through their own strength of will, while fully maintaining their ordinary consciousness. But then the space is not empty for them; before them they see the etheric body, which appears in a reddish-bluish form of light, like a shadow, but shining, luminous, somewhat darker than young peach blossoms. We can never see this etheric body when we look at a crystal, but we can see it in plants and animals, for it is this part that causes nutrition, growth, and reproduction.

[ 15 ] Der Mensch aber hat nicht nur diese Fähigkeiten, er hat auch die Fähigkeit der Empfindung von Lust und Schmerz. Die hat die Pflanze nicht. Der Eingeweihte kann das durch eigene Erfahrung untersuchen, weil er sich mit der Pflanze identifizieren kann. Das Tier jedoch hat diese Fähigkeit, denn es hat ein weiteres Glied mit dem Menschen gemeinsam: das ist der Astralleib. Er umfaßt alles, was wir als Begierde, Leidenschaft und so weiter kennen. Das ist nun wieder durch eine Überlegung klar, durch ein inneres Erlebnis. Für den Eingeweihten aber kann es ein äußeres Erlebnis werden. Dieses dritte Glied des Menschen schaut der Eingeweihte als eiförmige Wolke, die sich in einer fortwährenden inneren Bewegung befindet; es ist das eine Wolke, die den Körper umgibt, in der der physische Körper und der Ätherleib darinstecken. Es ist so, daß, wenn man physischen Leib und Ätherleib absuggeriert, alles ausgefüllt ist von einer feinen Lichtwolke mit innerer Beweglichkeit. In dieser Wolke, in dieser Aura sieht der Eingeweihte jede Begierde, jeden Trieb und so weiter als Farbe und Gestalt des Astralleibes; so sieht er zum Beispiel heftige Leidenschaft als blitzartige Strahlen aus dem Astralleib hervorschießen.

[ 15 ] But humans not only have these abilities, they also have the ability to feel pleasure and pain. Plants do not have this ability. The initiate can investigate this through his own experience, because he can identify with the plant. Animals, however, have this ability, because they have another limb in common with humans: the astral body. It encompasses everything we know as desire, passion, and so on. This is again clear through reflection, through inner experience. For the initiate, however, it can become an outer experience. The initiate sees this third member of the human being as an egg-shaped cloud in constant inner motion; it is a cloud that surrounds the body, in which the physical body and the etheric body are embedded. When the physical body and etheric body are removed, everything is filled with a fine cloud of light with inner mobility. In this cloud, in this aura, the initiate sees every desire, every impulse, and so on as the color and shape of the astral body; for example, he sees violent passion shooting out of the astral body like flashes of lightning.

[ 16 ] Die Tiere haben einen Astralleib, der je nach der Gattung verschiedene Grundfarben hat; der Astralleib des Löwen hat eine andere Grundfarbe als derjenige des Lammes. Und auch beim Menschen ist die Grundfarbe nicht stets die gleiche, und wenn man für feinere Unterschiede einen Sinn hat, kann man beim Menschen das Temperament, die Grundstimmungen in seiner Aura erkennen. Nervöse Menschen haben eine getigerte, von Punkten durchsetzte Aura. Diese Punkte sind nicht ruhig, sondern leuchten immer auf und verschwinden wieder. So ist es immer, und deshalb kann man auch die Aura nicht malen.

[ 16 ] Animals have an astral body that has different basic colors depending on the species; the astral body of a lion has a different basic color than that of a lamb. And even in humans, the basic color is not always the same, and if one has a sense for finer differences, one can recognize the temperament, the basic moods in a person's aura. Nervous people have a tiger-striped aura interspersed with dots. These dots are not static, but constantly light up and disappear again. This is always the case, and that is why it is impossible to paint the aura.

[ 17 ] Aber der Mensch unterscheidet sich auch noch vom Tiere. Da kommen wir zu dem vierten Gliede der menschlichen Wesenheit. Dieses vierte Glied liegt ausgesprochen in einem Namen, der sich von allen übrigen Namen unterscheidet: «Ich» kann ich nur zu mir selbst sagen. Es gibt in der ganzen Sprache keinen Namen, den nicht jeder andere auch zu dem gleichen Gegenstand sagen könnte. Nicht so das Ich; das kann der Mensch nur zu sich selber sagen. Das haben diejenigen, die eingeweiht waren, von jeher empfunden. Der hebräische Eingeweihte nannte so den «unaussprechlichen Namen Gottes», des Gottes, der im Menschen wohnt, denn er ist nur in dieser Seele für diese Seele auszusprechen. Er muß aus der Seele hervortönen, sie muß sich einen eigenen Namen geben; kein anderer kann ihr einen Namen geben. Daher die wunderbare Stimmung, die durch die Zuhörer ging, wenn der Name «Jahve» ausgesprochen wurde; denn Jahve oder Jehova bedeutet «Ich» oder «Ich bin». In dem Namen, den sich die Seele gibt, beginnt der Gott in der eigenen Seele zu sprechen.

[ 17 ] But humans also differ from animals. This brings us to the fourth member of the human being. This fourth member is expressed in a name that differs from all other names: I can only say “I” to myself. There is no name in the entire language that everyone else could not also say for the same object. Not so with the “I”; only human beings can say this to themselves. Those who were initiated have always felt this. The Hebrew initiate called this the “inexpressible name of God,” the God who dwells in human beings, for it can only be spoken in this soul for this soul. It must resound from the soul; it must give itself its own name; no one else can give it a name. Hence the wonderful mood that swept through the audience when the name “Yahweh” was uttered; for Yahweh or Jehovah means ‘I’ or “I am.” In the name that the soul gives itself, God begins to speak in one's own soul.

[ 18 ] Diese Eigenschaft hat der Mensch vor dem Tiere voraus. Das Tier besitzt nicht die Fähigkeit, zu sich «Ich» zu sagen. Die Fähigkeit, sich selbst einen Namen zu geben, hat der Mensch allein. Man muß sich einmal die ungeheure Bedeutung dieses Wortes vor die Seele rücken. Jean Paul erinnert sich in seiner Selbstbiographie, wie er als ganz kleiner Junge vor einer Scheune stand und ihm bewußt wurde, daß er ein Ich sei. Er wußte, daß er das Unsterbliche in sich erfahren hatte.

[ 18 ] This is what sets humans apart from animals. Animals do not have the ability to say “I” to themselves. Only humans have the ability to give themselves a name. One must consider the tremendous significance of this word. In his autobiography, Jean Paul recalls how, as a very young boy, he stood in front of a barn and became aware that he was an “I.” He knew that he had experienced the immortal within himself.

[ 19 ] Wiederum drückt sich dies für den Seher in einer eigentümlichen Weise aus. Wenn er den Astralleib untersucht, ist alles in fortwährender Bewegung bis auf einen einzigen kleinen Raum; der bleibt, wie eine etwas in die Länge gezogene eiförmige bläuliche Kugel, etwas hinter der Stirne, bei der Nasenwurzel. Sie findet sich nur beim Menschen. Bei dem Gebildeten ist sie nicht mehr so wahrnehmbar wie bei dem Ungebildeten; am deutlichsten ist sie bei den in der Kultur tiefstehenden Wilden. An dieser Stelle ist in Wahrheit nichts, ein leerer Raum. Wie die Mitte der Flamme, die leer ist, durch den Lichtkranz blau erscheint, so erscheint auch diese dunkle leere Stelle blau, weil das aurische Licht ringsherum strahlt. Das ist der äußere Ausdruck für das Ich.

[ 19 ] Again, this is expressed in a peculiar way for the seer. When he examines the astral body, everything is in constant motion except for a single small space; it remains, like a somewhat elongated egg-shaped bluish sphere, slightly behind the forehead, at the root of the nose. It is found only in humans. In educated people, it is no longer as perceptible as in uneducated people; it is most clearly visible in savages who are culturally backward. In truth, there is nothing at this point, only empty space. Just as the center of a flame, which is empty, appears blue through the halo of light, so this dark, empty spot also appears blue because the auric light shines all around it. This is the outer expression of the ego.

[ 20 ] Diese vier Teile hat jeder Mensch. Aber es ist ein Unterschied zwischen einem Wilden und einem europäischen Kulturmenschen, zwischen diesem und einem Franz von Assisi oder einem Schiller. Die Veredelung der Sitten bildet auch edlere Farben in der Aura. Das Wachstum in der Unterscheidung von Gut und Böse zeigt sich auch in der verfeinerten Aura. Um kultiviert zu werden, hat das Ich gearbeitet am Astralleib und die Begierden veredelt. Je höher ein Mensch in moralischer und intellektueller Kultur steht, desto mehr hat das Ich hineingearbeitet in den Astralleib. Der Seher kann sagen: Dies ist ein Entwickelter, dies ist ein Unentwickelter.

[ 20 ] Every human being has these four parts. But there is a difference between a savage and a cultured European, between the latter and a Francis of Assisi or a Schiller. The refinement of morals also forms nobler colors in the aura. Growth in the distinction between good and evil is also reflected in a more refined aura. In order to become cultivated, the ego has worked on the astral body and refined the desires. The higher a person stands in moral and intellectual culture, the more the ego has worked into the astral body. The seer can say: This is a developed person, this is an undeveloped person.

[ 21 ] Was der Mensch selbst in den Astralleib hineingearbeitet hat, das nennt man Manas; das ist der fünfte Grundteil. So viel also der Mensch selbst in sich hineingearbeitet hat, so viel ist in ihm Manas; daher ist immer ein Teil seines Astralleibes Manas. Aber es ist dem Menschen nicht unmittelbar gegeben, auch auf seinen Ätherleib einen Einfluß auszuüben. So wie man lernt, auf eine höhere moralische Stufe zu kommen, so kann man auch lernen, in seinen Ätherleib hineinzuarbeiten. Wer dies lernt, ist ein Schüler, ein Chela. Dadurch wird der Mensch Herr über seinen Ätherleib, und so viel er in diesen hineingearbeitet hat, so viel ist in ihm vorhanden von Budhi. Das ist der sechste Grundteil, der umgewandelte Ätherleib.

[ 21 ] What the human being has worked into the astral body is called manas; this is the fifth fundamental part. The amount that the human being has worked into themselves is the amount of manas within them; therefore, part of their astral body is always manas. But it is not immediately given to the human being to exert an influence on his etheric body. Just as one learns to reach a higher moral level, so one can also learn to work into one's etheric body. Those who learn this are disciples, chelas. In this way, the human being becomes master of his etheric body, and the more he has worked into it, the more Budhi is present in him. This is the sixth fundamental part, the transformed etheric body.

[ 22 ] Einen solchen Chela können wir an etwas erkennen. Der gewöhnliche Mensch ist nicht ähnlich seiner früheren Verkörperung, weder in Gestalt noch Temperament; der Chela aber hat dieselben Gewohnheiten, dasselbe Temperament wie in der früheren Verkörperung. Er bleibt sich ähnlich. Er hat bewußt hineingearbeiter in den Leib, der Fortpflanzung und Wachstum trägt.

[ 22 ] We can recognize such a chela by something. The ordinary person is not similar to their former incarnation, neither in form nor temperament; but the chela has the same habits, the same temperament as in their former incarnation. They remain similar to themselves. They have consciously worked into the body that carries procreation and growth.

[ 23 ] Die höchste Gabe, die der Mensch auf dieser Erde erreichen kann, ist, daß er in seinen physischen Leib hinunterarbeitet. Das ist das Allerschwerste. Auf den physischen Leib arbeiten heißt, seinen Atem beherrschen lernen, seinen Blutumlauf bearbeiten, die Nervenarbeit verfolgen, auch den Denkprozeß regeln. Derjenige, der auf dieser Stufe steht, heißt in theosophischer Sprache ein Adept, und dieser hat dann das, was man Atma nennt, an sich ausgebildet. Das ist der siebente Grundteil.

[ 23 ] The highest gift that man can attain on this earth is to work down into his physical body. This is the most difficult thing of all. To work on the physical body means to learn to control one's breath, to work on one's blood circulation, to follow the work of the nerves, and also to regulate the thought process. In theosophical language, someone who has reached this stage is called an adept, and has developed what is called the Atma. This is the seventh fundamental part.

[ 24 ] Jeder Mensch hat vier Teile ausgebildet, den fünften teilweise, die anderen in der Anlage. Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Manas, Budhi, Atma, das sind die sieben Glieder der menschlichen Wesenheit. Durch sie hat der Mensch Anteil an den drei Welten: der physischen Welt, der astralischen Welt und der Devachan- oder Geisteswelt.

[ 24 ] Every human being has developed four parts, the fifth partially, and the others in potential. Physical body, etheric body, astral body, ego, manas, buddhi, Atma – these are the seven members of the human being. Through them, the human being participates in the three worlds: the physical world, the astral world, and the Devachan or spiritual world.