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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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At the Gates of Theosophy
GA 95

25 August 1906, Stuttgart

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Vierter Vortrag

4. Devachan

[ 1 ] Wir haben gesehen, wie der Mensch im Tode erst den physischen, dann den ätherischen und schließlich den niederen Astralleib als Leichname zurückläßt. Was bleibt nun dem Menschen nach dem Abstreifen dieser drei Leiber? Das Erinnerungsbild, das nach dem Tode vor die Seele tritt, verschwindet in dem Augenblicke, wo der Ätherleib sich heraushebt aus dem Astralleib; da sinkt es sozusagen ins Unbewußte, es verschwindet als unmittelbar seelischer Eindruck. Aber etwas Wichtiges bleibt davon zurück: das Bild schwindet, aber die Frucht bleibt. Wie eine Art Kraftextrakt bleibt das ganze Erträgnis des letztvergangenen Lebens in dem höheren Astralleib und ruht darin.

[ 1 ] We have seen how at his death a man leaves behind him the corpse, first of his physical body, then of his etheric body and finally of his lower astral body. What is then left when he has shed these three bodies? The memory-picture which comes before the soul at death vanishes at the moment when the etheric body takes leave of the astral. It sinks into the unconscious, so to speak, and ceases to have any significance for the soul as an immediate impression. But although the picture itself vanishes, something important, something that may be called its fruit, survives. The total harvest of the last life remains like a concentrated essence of forces in the higher astral body and rests there.

[ 2 ] Der Mensch hat aber schon sehr oft diesen Prozeß durchgemacht. Bei jedem Tode nach seinen verschiedenen Inkarnationen trat das Erinnerungsbild vor seine Seele und hinterließ diesen sogenannten Kraftextrakt. So hat ein Leben nach dem andern ein Bild hinzugefügt. Ein Mensch, der sich zum erstenmal verkörperte, hatte nach dem Tode das erste Erinnerungsbild, nach der zweiten Inkarnation das zweite Bild und dieses schon reicher als das erste und so fort. In diesen zusammengelegten Bildern haben wir eine Art von neuem Element des Menschen. Vor dem ersten Tode bestand der Mensch aus den vier Körpern; stirbt er zum ersten Male, so nimmt er das erste Bild mit sich. Nach seiner Wiederverkörperung hat er nicht nur die vier Wesensglieder, sondern auch noch dieses Erträgnis des früheren Lebens. Das ist der Kausalkörper. Es besteht nunmehr der Mensch aus fünf Körpern: dem physischen, ätherischen, dem Astralkörper, Ich und Kausalkörper. Wenn dieser Kausalkörper einmal da ist, dann bleibt er; aber er hat sich aus den Erträgnissen der Leben erst zusammengesetzt. Nun begreift man den Unterschied zwischen den einzelnen Menschen. Diejenigen, die oft gelebt haben, also schon viele Inkarnationen durchgemacht haben, die haben ihrem Lebensbuche viele Blätter beigefügt, sind hochentwickelt und haben einen reichen Kausalleib; die anderen sind erst durch wenige Leben hindurchgeschritten, haben daher weniger Früchte gesammelt und besitzen deswegen einen weniger entwickelten Kausalkörper.

[ 2 ] But a man has often gone through all this in the past. At each death, at the end of each incarnation, this memory-picture has appeared before his soul and left behind what I have called a concentrated essence of forces. So with each life a picture is added. After his first incarnation a man had his first memory-picture when he died; then came the second, richer than the first, and so on. The sum-total of these pictures produces a kind of new element in man. Before his first death a man consists of four bodies, but when he dies for the first time he takes the first memory-picture with him. Thus on reincarnating for the first time he has not only his four bodies but also this product of his former life. This is the “causal” body. So now he has five bodies: physical, etheric, astral, ego and causal. Once this causal body has made its appearance, it remains, though it was first constituted from the products of previous lives. Now we can understand the difference between individuals. Some of them have lived through many lives and so have added many pages to their Book of Life. They have developed to a high level and possess a rich causal body. Others have been through only a few lives; hence they have gathered fewer fruits and have a less developed causal body.

[ 3 ] Welchen Sinn hat dieses wiederholte Erscheinen des Menschen auf der Erde? Wären die Inkarnationen ohne Zusammenhang, dann wäre dies freilich sinnlos. So ist es aber nicht. Bedenken wir die verschiedenen Lebensverhältnisse, die ein Mensch durchmacht, der ein paar Jahrhunderte nach Christi Geburt lebte und der sich heute wieder inkarniert. Heute ist des Menschen Lebenszeit vom sechsten bis vierzehnten Jahre schon ausgefüllt mit dem Erwerben von Kenntnissen: Lesen, Schreiben und so weiter. Der heutige Mensch hat ganz andere Gelegenheiten, seine Persönlichkeit zu kultivieren und heranzubilden. Es sind die Inkarnationen so geordnet, daß der Mensch erst dann wiedererscheint, wenn er in neue Verhältnisse hineinkommt, ganz andere Gelegenheiten und Entwickelungsmöglichkeiten vorfindet, und das ist immer schon nach einigen Jahrhunderten der Fall. Wie stark entwickelt sich die Erde in jeder Hinsicht! Vor wenigen tausend Jahren war die Gegend hier mit Urwäldern bedeckt, in denen wilde Tiere hausten. Die Menschen lebten in Höhlen, bekleideten sich mit Tierfellen und verstanden nur in primitiver Weise, Feuer zu machen und Werkzeuge herzustellen. Wie anders ist es heute! So verändert sich in verhältnismäßig kurzer Zeit das Antlitz der Erde. Ein Mensch, der zur Zeit der alten Germanen lebte, hatte ein ganz anderes Bild von der Welt als derjenige, der heute hier lesen und schreiben lernt. Mit der veränderten Erde lernt er ganz Neues und eignet es sich an.

[ 3 ] What is the purpose of man's repeated appearance on Earth? If there were no connection between the various incarnations, the whole process would of course be senseless, but that is not how it goes. Think how different life was for a man who was incarnated a few centuries after Christ, compared with the conditions he will find when he reincarnates today. Nowadays a child's life between the sixth and fourteenth years is taken up with acquiring knowledge: reading, writing, and so on. Opportunities for the cultivation and development of human personality are very different from what they were in the past. A man's incarnations are ordered in such a way that he returns to the Earth only when he will find quite new conditions and possibilities of development, and after a few centuries they will always be there. Think how quickly the Earth is developing in every respect: only a few thousand years ago this region was covered with primeval forests, full of wild beasts. Men lived in caves, wore animal skins and had only the most primitive knowledge of how to light a fire or make tools. How different it all is today! We can see how the face of the Earth has been transformed in a relatively short time. A man who lived in the days of the ancient Germanic people had a picture of the world quite different from the picture which prevails today among people who learn to read and write. As the Earth changes, man learns quite new things and makes them his own.

[ 4 ] Wie lange dauert es nun, bis der Mensch in einer neuen Verkörperung erscheint? Von welchen Faktoren hängt das ab? Die Antwort ergibt sich aus der folgenden Betrachtung. Wir müssen sehen, was mit der Veränderung der Erde zusammenhängt.

[ 4 ] What is the usual period between two incarnations and on what does it depend? The following considerations will give us the answer and we shall see how the changing conditions of the Earth come into it.

[ 5 ] Im Laufe der Zeiten haben immer gewisse Wesenheiten als heilige Symbole eine besondere Verehrung genossen. So zum Beispiel verehrte man in Persien bis 3000 Jahre vor Christi Geburt die Zwillinge. Von 3000 bis 800 vor Christi verehrte man in Ägypten den heiligen Stier Apis und zugleich in Vorderasien den Mithrasstier. Von ungefähr 800 vor Christi an tritt ein anderes Tier in den Vordergrund, der Widder oder das Lamm, und damit entstand die Sage von Jason, der das Goldene Vlies vom heiligen Widder aus Asien, von jenseits des Meeres, herüberholte. Das geht noch weiter. Das Lamm wurde so heilig verehrt, daß Christus sich als das «Lamm Gottes» bezeichnete, und das erste christliche Symbol war nicht das Kreuz, an dem der Erlöser hing, sondern das Kreuz mit dem Lamm.

[ 5 ] In the course of time certain Beings have enjoyed peculiar honours. For example, in Persia in 3000 B.C. the Twins (Gemini) were specially honoured; between 3000 B.C. and 800 B.C. the sacred Bull Apis (Taurus) was revered in Egypt and the Mithras Bull in Asia Minor. After 800 B.C. another Being came into the foreground and the Ram or Lamb (Aries) was honoured. So arose the legend of Jason, who went to fetch the Golden Fleece from the sacred Ram in Asia beyond the sea. The lamb was so highly revered that in due time Christ called Himself the “Lamb of God”, and the first Christian symbol was not the Cross with the Saviour hanging on it, but the Cross together with the Lamb.

[ 6 ] Das alles bedeutet drei aufeinanderfolgende Kulturzustände, und das hängt zusammen mit bedeutungsvollen Vorgängen am Himmel. Der Gang der Sonne geht am Himmel entlang einer gewissen Zone, dem Tierkreis, und das Merkwürdige ist, daß die Sonne, die beim Anbruch des Frühlings in einem bestimmten Punkt des Tierkreises aufgeht, innerhalb einer bestimmten Epoche immer weiterrückt, so daß sie in einem Zeitraum von 2160 Jahren von einem Sternbild in ein anderes rückt. So ging die Sonne im Jahre 3000 vor Christi im Frühling auf im Sternbild des Stiers, noch früher im Sternbild der Zwillinge und ungefähr 800 Jahre vor Christi im Sternbild des Widders.

[ 6 ] This means that there were three successive periods of civilisation, each associated with important happenings in the heavens. The Sun takes his course in the sky along a particular path, the Ecliptic, and at the beginning of Spring in a given epoch the Sun rises at a definite point in the Zodiac. So in the year 3000 B.C. the Sun rose in Spring in the constellation of the Bull; before that in the constellation of the Twins, and about 800 B.C. in the constellation of the Ram.

[ 7 ] Dieser Punkt rückt also jedes Jahr ein Stückchen weiter, nach 2160 Jahren tritt er in das nächste Sternbild ein, und die Völker wählten als Symbol ihrer Verehrung das Zeichen am Himmel, in dem die Sonne im Frühling aufgeht, und brachten ihm ihre Verehrung dar. Würden wir heute noch die gewaltigen Gefühle und erhabenen Stimmungen verstehen, welche die Alten damit verbanden, als sie diesen Augenblick des Eintrittes der Sonne in ein neues Sternbild erlebten, dann würden wir auch die Bedeutung des Momentes verstanden haben, als die Sonne in das Sternbild der Fische eintrat. Aber das kann unsere materialistische Zeit nicht.

[ 7 ] This vernal point moves slowly backwards round the Zodiac year by year, taking 2,160 years to pass from one constellation to the next, and people chose as the symbol of their reverence the heavenly sign in which the vernal Sun appeared. If today we were able to understand the powerful feelings and the exalted states of mind which the ancients experienced as the Sun passed on into a new constellation, we should understand also the significance of the moment when the Sun entered the sign of Pisces. But for the materialism of our time no such understanding is possible.

[ 8 ] Was sah denn der damalige Mensch in diesem Vorgange? Die Alten sahen darin die Naturkraft verkörpert. Im Winter lag sie im Schlaf gebunden, und im Frühling wurde sie von der Sonne wieder ' hervorgerufen. Das Sternbild nun, in dem im Frühling die Sonne erschien, das der Sonne neue Kraft gab, das wurde als etwas Verehrungswürdiges empfunden. Das Sternbild symbolisiert also die auferweckende Kraft. Die Alten wußten, daß mit einem solchen Vorrücken der Sonne etwas ganz Wichtiges verbunden ist, denn die Sonnenstrahlen fallen dann unter ganz anderen Verhältnissen ein. Und wirklich bedeutet ein solcher Zeitraum von 2160 Jahren eben den Eintritt ganz anderer Verhältnisse auf der Erde. Diese Zeitperiode bringt nun der Mensch im Devachan zu, um vom Tode zu einer neuen Geburt zu kommen. Der Okkultismus hat diese 2160 Jahre von jeher als einen Zeitraum anerkannt, in dem die Zustände auf Erden sich derart ändern, daß der Mensch wiedererscheinen kann, um etwas Neues zu erleben.

[ 8 ] What was it, then, that people saw in this process? The ancients saw it as an embodiment of the forces of nature. In Winter these forces were asleep, but in Spring they were recalled to life by the Sun. Hence the constellation in which the Sun appeared in Spring symbolised these reawakening forces; it gave new strength to the Sun and was felt to be worthy of particular reverence. The ancients knew that with this movement of the Sun round the Zodiac something important was connected, for it meant that the Sun's rays fell on the Earth under quite different conditions as time went on. And indeed the period of 2,160 years does signify a complete change in the conditions of life on Earth. And this is the length of time spent in Devachan between death and a new birth.

[ 9 ] 2160 Jahre vergehen also zwischen zwei Verkörperungen. Hierbei ist aber in Betracht zu ziehen, daß in dieser Zeit von 2160 Jahren der Mensch eigentlich zweimal erscheint, so daß mithin schon tausend Jahre durchschnittlich den eigentlichen Zeitraum bilden, der zwischen zwei Verkörperungen liegt. Das geschieht darum, weil in der Regel beim Menschen eine Verkörperung männlich und eine weiblich ist. Es ist unrichtig, daß alle sieben Mal eine männliche und eine weibliche Inkarnation sich abwechseln. Die Erfahrungen einer Seele sind sehr verschieden, ob sie männlich oder weiblich inkarniert war; das ist ja begreiflich. Daher erscheint sie im Zeitraum von 2160 Jahren einmal männlich und einmal weiblich. Dann hat der Mensch alle Erfahrungen gemacht, die er in den gegebenen vorliegenden Verhältnissen machen kann. Da hatte er die Gelegenheit und Möglichkeit, seinem Lebensbuche ein neues Blatt hinzuzufügen. Solche radikale Veränderungen der Erde und der irdischen Verhältnisse sind eine Lehrzeit für die Seele. Das ist der Sinn des Wiedererscheinens, der Reinkarnation.

[ 9 ] Occultism has always recognised these 2,160 years as a period during which conditions on Earth change sufficiently for a man to reappear there in order to gain new experience. We must remember, however, that during this period a person is generally born twice, once as a man and once as a woman, so that on average the interval between two incarnations is in fact about 1,000 years. It is not true that there is a change from male to female at every seventh incarnation. The experiences of the soul are obviously very different in a male incarnation from those it encounters in a female incarnation. Hence the general rule is that a soul appears once as a man and once as a woman during this period of 2,160 years. It will then have had all the experiences available to it under the conditions of that period; and the person will have had the possibility and opportunity to add a new page to his Book of Life. These radical changes in the conditions on Earth provide a schooling for the soul. That is the purpose of reincarnation.

[ 10 ] Die Frucht des Erinnerungsbildes, der Kausalleib und der gereinigte Astralleib bleiben beim Menschen, er verliert sie fortan nie wieder. Bei seinem Eintritt in das Devachan nimmt er den Kausalleib und einen Teil seines Astralleibes mit, und zwar den gereinigten, denn das, was er sich erarbeitet hat, bleibt ihm im Devachan und immer. Nun macht er seine Devachanzeit durch. Der Wilde hat natürlich erst wenig an seinem Astralleibe gearbeitet und nur ein Flämmchen nimmt er mit ins Devachan, seine Erinnerungsbilder gehören ihm mehr unbewußt an. Ein Franz von Assisi hat sich dagegen einen vollkommen schön gegliederten Astralleib errungen und lebt mit diesem im Devachan. Wenn der Mensch den niederen Astralleib abgestreift hat, sieht er in gewisser Weise sich selbst wie außer sich stehend vor sich. Das ist der Moment, wo er ins Devachan eintritt. Das Devachan hat gleichsam vier Abteilungen, die wir nennen können:

[ 10 ] A man takes with him into Devachan his causal body and the purified, ennobled parts of his astral and etheric bodies; these belong to him permanently and he never loses them. At a particular moment, just after he has laid aside his astral corpse, he stands face to face with himself as if he were looking at himself from the outside. That is the moment when he enters Devachan. Devachan has four divisions:

1. die Kontinente
2. Flüsse und Meere
3. die Luft, den Ätherraum
4. die Region der geistigen Urbilder.

The continents
The rivers and oceans
The airy region; etheric space
The region of spiritual archetypes

[ 11 ] In dem ersten Teil, den Kontinenten, sieht man alles in einem negativen Bilde, gleichsam wie auf einer photografischen Platte. Was hier auf Erden je physisch gewesen ist und noch ist, alles, was je auf dieser Erde an physischen Mineralien, Pflanzen und Tieren war und noch ist, erscheint als negative Gestalten. Und wenn man sich unter diesen negativen Gestalten selbst negativ sieht, dann ist man im Devachan. Was hat das für einen Sinn, daß man sich so selbst sieht?

[ 11 ] In the first division everything is seen as though in a photographic negative. Everything physical that has ever existed on this Earth, whether as mineral, plant or animal, and everything physical that still exists, appears as a negative. And if you see yourself in this negative form, as one among all the others, you will be in Devachan. What is the point of seeing yourself in this way?

[ 12 ] Man sieht sich nicht nur einmal, sondern nach und nach so, wie man in früheren Leben ausgeschaut hat, und das hat einen tiefen Sinn. Goethe sagt: Das Auge wird von dem Licht für das Licht gebildet. - Er meint damit, das Licht sei der Schöpfer des Auges, und das ist richtig. Das begreifen wir, wenn wir sehen, wie aus Mangel an Licht das Auge rückgebildet wird. Gewisse Tiere zum Beispiel wanderten einst in Kentucky in Höhlen ein, Sie brauchten kein Sehvermögen mehr, denn die Höhlen waren finster. Nach und nach verloren sie das Augenlicht, die Augen verkümmerten. Der Säftezufluß wandte sich einem anderen Organ zu, das sie jetzt nötiger gebrauchten. Weshalb haben sie das Augenlicht verloren? Weil ihre Welt ohne Licht war. Die Abwesenheit des Lichtes hat das Sehvermögen genommen. Wäre also kein Licht, so wäre kein Auge. In dem Licht selbst sind die schöpferischen Kräfte für das Auge, geradeso wie in der Tonwelt die schöpferischen Kräfte für das Ohr sind. Kurz, der ganze Leib, alle Organe wurden von den schöpferischen Kräften des Universums gebildet.

[ 12 ] You do not see yourself once only, but by degrees you come to see yourself as you were in former lives, and this has a deep purpose. Goethe says: “The eye is formed by the light for the light.” 18Goethe says ...” Literally, “And so the eye is formed by the light for the light.” He means that light is the creator of the eye, and this is perfectly true. We see how true it is if we observe how the eye degenerates in the absence of light. For example, in Kentucky certain creatures went to live in caves; the caves were dark and so the creatures did not need eyes. Gradually they lost the light of the eyes, and their eyes atrophied. The vital fluids which had formerly nourished their eyes were diverted to another organ which was now more useful for them. These creatures, then, lost their sight because their whole world was without light: the absence of light destroyed their power of sight. Thus if there were no light, there would be no eyes. The forces which create the eye are in the light, just as the forces which create the ear are in the world of sound. In short, all the organs of the body are built up by the creative forces of the universe.

[ 13 ] Was hat das Gehirn aufgebaut? Gäbe es nichts nachzudenken, gäbe es auch kein Gehirn. Es gibt gewaltige Naturgesetze; ein Kepler, Galilei richteten den Verstand auf diese Gesetze. Wer schuf das Verstandesorgan? Die Weisheit in der Natur!

[ 13 ] If you ask what has built the brain, the answer is that without thinking there would be no brain. When a Kepler19Johannes Kepler, 1571–1630, astronomer and mathematician. Established the three laws concerning the movements of the planets. or Galileo20Galileo Galilei, 1564–1642. Laid the foundations of mechanics, discovered the laws of free fall, of the pendulum, of ballistics. directed his reasoning power to the great laws of nature, it was the wisdom of nature which had created the organ of understanding

[ 14 ] Mit einer gewissen Vollkommenheit der Organe betritt der Mensch die irdische Welt. Aber es sind ja inzwischen neue Verhältnisse eingetreten; die verarbeite ich nun mit dem Geiste. Alles aber, was ich erlebe, ist schöpferisch. Die Augen, die ich schon habe, der Verstand, den ich schon habe, sind von den vorigen Inkarnationen gebildet. Komme ich nach dem Tode ins Devachan, so finde ich, wie gesagt, das Bild des Leibes, wie er im letzten Leben war, und habe noch in mir die Frucht des Erinnerungsbildes an das letzte Leben. Ich kann nun vergleichen, wie ich mich in verschiedenen Leben entwickelte, wie ich war, ehe ich die Erfahrungen des letzten Lebens hatte, und was aus mir werden kann, wenn ich die Erfahrungen des letzten Lebens hinzufüge. Danach gestalte ich mir nun im Bilde einen neuen Leib, der eine Stufe höher steht als mein voriger Körper.

[ 14 ] Ordinarily a man enters the earthly world with his organs to a certain extent perfected. During the interval since his last incarnation, however, new conditions have arisen, and he has to work upon them with his spirit. In all his experiences there is a creative power. His eyes, and the understanding which he already possesses, were formed in an earlier incarnation. When after death he reaches Devachan, he finds, as we have seen, the picture of his body as it was in his last life, and within him he still carries the fruits of the memory-picture of his last life. It is now possible for him to compare the course of his development in his various lives: what he was like before the experiences of his last life and what he can become when the experiences of this latest life are added to those of the others. Accordingly he forms for himself a picture of a new body, standing one step higher than his previous bodies.

[ 15 ] Auf der ersten Stufe im Devachan korrigiert also der Mensch das frühere Lebensbild: Er bereitet sich aus den Früchten des vorigen Lebens selbst das Bild seines Körpers für die nächste Inkarnation.

[ 15 ] At the first stage in Devachan, therefore, a man corrects his previous life-picture, and out of the fruits of his former lives he prepares the picture of his body for his next incarnation.

[ 16 ] Auf der zweiten Devachanstufe pulsiert das Leben als Wirklichkeit gleichsam in Flüssen und Strömen. Während des irdischen Daseins hat der Mensch das Leben in sich, es konnte nicht wahrgenommen werden; jetzt sieht er es dahinfluten, und er benutzt es, um die Form, die er auf der ersten Stufe gemacht hat, zu beleben.

[ 16 ] At the second stage in Devachan, life pulsates as a reality, as though in rivers and streams. During earthly existence a man has life within him and he cannot perceive it; now he sees it flowing past and he uses it to animate the form he had built up at the first stage.

[ 17 ] Auf der dritten Devachanstufe hat der Mensch um sich her alles, was früher in ihm war an Leidenschaften, Gefühlen und Affekten; wie Wolken, Donner und Blitze tritt es ihm hier entgegen. Das alles sieht er nun gleichsam objektiv, er lernt es kennen und beachten wie das Physische auf der Erde und sammelt seine Erfahrungen in bezug auf das seelische Leben. Durch dieses Sehen der Bilder des seelischen Lebens kann man sich die seelischen Eigentümlichkeiten einverleiben, man kann den auf der ersten Stufe gebildeten Körper beseelen. Das ist der Sinn des Devachans. Der Mensch muß im Devachan eine Stufe weiterkommen; so bereitet er sich selbst das Bild seines Körpers für die nächste Inkarnation. Das ist eine der Aufgaben, die der Mensch im Devachan hat.

[ 17 ] At the third stage of Devachan, a man is surrounded by all the passions and feelings of his past life, but now they come before him as clouds, thunder and lightning. He sees all this as it were objectively; he learns to understand it, and to observe it as he observes physical things on Earth; and he gathers all his experiences into the life of his soul. By dint of seeing these pictures of the life of soul he is able to incorporate their particular qualities, and thus he endows with soul the body he had formed at the first stage. That is the purpose of Devachan. A man has to advance a stage further there, so he himself prepares the image of his body for his next incarnation.

[ 18 ] Aber der Mensch hat noch viele Aufgaben im Devachan. Er ist keineswegs nur mit sich selbst beschäftigt. Er tut das alles auch nicht ohne Bewußtsein. Der Mensch lebt bewußt im Devachan, und falsch ist die Behauptung des Gegenteils in theosophischen Büchern. Wie geht das aber zu?

[ 18 ] That is one of his tasks in Devachan; but he has many others also. He is by no means concerned only with himself. Everything he does is done in full consciousness. He lives consciously in Devachan, and statements to the contrary in theosophical books are false. How is this to be understood?

[ 19 ] Wenn der Mensch schläft, ist der Astralleib aus dem physischen und Ätherleib herausgetreten, und dann hat der Mensch kein Bewußstsein, aber nur so lange, als der Astralleib seine gewöhnliche Arbeit verrichten muß: nämlich den abgearbeiteten und ermüdeten physischen Körper auszubessern und zu harmonisieren; so lange ist der Mensch ohne Bewußtsein. Wenn der Mensch aber gestorben ist, hat der Astralleib diese Tätigkeit nicht mehr auszuüben, und in demselben Maße, in dem er befreit wird von der Tätigkeit am physischen Körper, erwacht in ihm das Bewußtsein. Sein Bewußtsein wurde ja während des Lebens am Tage verdunkelt und eingedämmt durch die physische Macht des Körpers, und nachts mußte er arbeiten an diesem physischen Körper. Wenn nun nach dem Tode die Kräfte frei werden, dann treten am Astralleib sogleich ganz bestimmte Organe hervor. Diese Organe sind die sieben Lotusblumen, Chakrams. So entsteht an der Nasenwurzel, zwischen den Augenbrauen die zweiblättrige Lotusblume. Hellsehende Künstler haben das gewußt und ihren Kunstwerken das Symbol dafür gegeben: Michelangelo bildete seinen «Moses» mit zwei Hörnern. Die anderen Lotusblumen sind in folgender Weise verteilt:

[ 19 ] When a man is asleep, his astral body leaves the physical and etheric bodies, and consciousness leaves him also. But that is true only while the astral body is engaged on its usual task of repairing and restoring harmony to the weary and worked out physical body. When a man has died, his astral body no longer has this task to perform, and in proportion as it is released from this task, consciousness awakens. During the man's life his consciousness was darkened and hemmed in by the physical forces of the body and at night he had to work on this physical body. When the forces of the astral body are released after death, its own specific organs immediately emerge. These are the seven lotus-flowers, the Chakrams. Clairvoyant artists have been aware of this and have used it as a symbol in their works: Michaelangelo 21Michelangelo Buonarroti, 1475–1564. His “Moses”, intended for the tomb of Pope Julius II, is in the church of S. Pietro in Vincoli, Rome. created his statue of Moses with two little horns. The lotus-flowers are distributed as follows:

die sechzehnblättrige Lotusblume in der Nähe des Kehlkopfes,
die zwölfblättrige Lotusblume in der Nähe des Herzens,
die acht- oder zehnblättrige Lotusblume in der Nähe der Magengrube,
eine sechs- und eine vierblättrige sind weiter unten.

The 2-petalled lotus-flower at the base of the nose, between the eyebrows;
The 16-petalled lotus-flower in the region of the larynx;
The 12-petalled lotus-flower in the neighbourhood of the heart;
The 8- or 10-petalled lotus-flower in the region of the stomach;
A 6- and a 4-petalled lotus-flower are to be found lower down.

[ 20 ] Diese astralen Organe sind beim gewöhnlichen heutigen Menschen kaum angedeutet zu sehen, aber wenn er hellsehend wird, oder bei Medien im Trancezustand, treten sie scharf hervor in lebhaften, leuchtenden Farben und bewegen sich.

[ 20 ] These astral organs are hardly observable in the ordinary man of today, but if he becomes clairvoyant, or goes into a state of trance, they stand out in shining, living colours, and are in motion.

[ 21 ] In dem Augenblick, wo die Lotusblumen sich bewegen, nimmt der Mensch in der Astralwelt wahr. Der Unterschied zwischen physischen und astralen Organen besteht darin, daß die physischen Sinnesorgane des Menschen passiv sind; sie lassen alles von außen auf sich einwirken. Auge, Ohr und so weiter sind zunächst im Zustande der Ruhe, sie müssen warten, bis ihnen etwas geboten wird, Licht, Töne und so weiter. Die geistigen Organe sind im Gegensatz dazu aktiv, sie umfassen klammerartig den Gegenstand. Diese Tätigkeit kann aber erst dann erwachen, wenn die Kräfte des Astralleibes nicht anderweitig gebraucht werden; dann aber strömen sie in die Lotusblumen ein. Auch in Kamaloka, solange die niederen Teile des Astralleibes noch mit dem Menschen verbunden sind, findet immer noch eine Trübung statt. Wenn aber der astrale Leichnam abgestoßen ist und nur das dauernd Erworbene zurückbleibt, also an der Pforte von Devachan, dann sind diese astralen Sinnesorgane zu voller Tätigkeit erwacht, und im Devachan lebt der Mensch in hohem Maße bewußt mit diesen Sinnesorganen. Es ist nicht richtig, wenn in theosophischen Büchern gesagt wird, daß der Mensch im Devachan schläft, und es ist auch nicht richtig, daß er nur mit sich selbst beschäftigt ist oder daß er die auf Erden angesponnenen Verhältnisse nicht fortgesetzt findet; eine echte, auf Geistesgemeinschaft gegründete Freundschaft setzt sich vielmehr mit größerer Intensität dort fort. Die Innigkeit der Freundschaft führt der geistigen Gemeinschaft im Devachan Nahrung zu, bereichert es mit neuen Formen. Das ist es gerade, was der Seele im Devachan Nahrung gibt. Auch das Verhältnis des Menschen zur Natur, ein edler, ästhetischer Naturgenuß, ist Nahrung für das Leben der Seele im Devachan.

[ 21 ] Directly the lotus-flowers are in motion, a man perceives the astral world. But the difference between physical and astral organs is that physical organs are passive and allow everything to act on them from outside. Eye, ear and so on have to wait until light or sound brings them a message. Spiritual organs, on the other hand, are active; they hold objects in their grip. But this activity can awaken only when the forces of the astral body are not otherwise employed; then they stream into the lotus-flowers. Even in Kamaloka, as long as the lower parts of the astral body are still united to the man, the astral organs are dimmed. It is only when the astral corpse has been discarded and nothing remains with the man except what he has acquired as permanent parts of himself—i.e. at the entrance to Devachan—that these astral sense-organs wake to full activity; and in Devachan man lives with them in a high degree of consciousness. It is incorrect for theosophical books to say that man is asleep in Devachan; incorrect that he is concerned only with himself, or that relationships begun on Earth are not continued there. On the contrary, a friendship truly founded on spiritual affinity continues with great intensity. The circumstances of physical life on Earth bring about real experiences there. The inwardness of friendship brings nourishment to the communion of spirits in Devachan and enriches it with new patterns; it is precisely this which feeds the soul there. Again, an elevated aesthetic enjoyment of nature is nourishment for the life of the soul in Devachan.

[ 22 ] Davon lebt, wie gesagt, der Mensch dort. Die Freundschaftsverhältnisse sind gleichsam die Einrichtungsstücke, mit denen er sich umgibt. Die physischen Verhältnisse durchkreuzen auf Erden diese Beziehungen oft genug. Im Devachan wird die Art und Weise, wie zwei Freunde beisammen sind, nur durch die Intensität der Freundschaft bestimmt. Also solche Verhältnisse auf Erden anzuknüpfen bedeutet, Erlebnisse zuführen für das Leben im Devachan. So stellen sich die physischen Lebensverhältnisse als wirkliche Erlebnisse im Devachan dar.

[ 22 ] All this is what human beings live on in Devachan. Friendships are as it were the environment with which a man surrounds himself there. Physical conditions all too often cut across these relationships on Earth. In Devachan the way in which two friends are together depends only on the intensity of their friendship. To form such relationships on Earth provides experiences for life in Devachan.