Vor dem Tore der Theosophie
GA 95
25 August 1906, Stuttgart
Vierter Vortrag
[ 1 ] Wir haben gesehen, wie der Mensch im Tode erst den physischen, dann den ätherischen und schließlich den niederen Astralleib als Leichname zurückläßt. Was bleibt nun dem Menschen nach dem Abstreifen dieser drei Leiber? Das Erinnerungsbild, das nach dem Tode vor die Seele tritt, verschwindet in dem Augenblicke, wo der Ätherleib sich heraushebt aus dem Astralleib; da sinkt es sozusagen ins Unbewußte, es verschwindet als unmittelbar seelischer Eindruck. Aber etwas Wichtiges bleibt davon zurück: das Bild schwindet, aber die Frucht bleibt. Wie eine Art Kraftextrakt bleibt das ganze Erträgnis des letztvergangenen Lebens in dem höheren Astralleib und ruht darin.
[ 2 ] Der Mensch hat aber schon sehr oft diesen Prozeß durchgemacht. Bei jedem Tode nach seinen verschiedenen Inkarnationen trat das Erinnerungsbild vor seine Seele und hinterließ diesen sogenannten Kraftextrakt. So hat ein Leben nach dem andern ein Bild hinzugefügt. Ein Mensch, der sich zum erstenmal verkörperte, hatte nach dem Tode das erste Erinnerungsbild, nach der zweiten Inkarnation das zweite Bild und dieses schon reicher als das erste und so fort. In diesen zusammengelegten Bildern haben wir eine Art von neuem Element des Menschen. Vor dem ersten Tode bestand der Mensch aus den vier Körpern; stirbt er zum ersten Male, so nimmt er das erste Bild mit sich. Nach seiner Wiederverkörperung hat er nicht nur die vier Wesensglieder, sondern auch noch dieses Erträgnis des früheren Lebens. Das ist der Kausalkörper. Es besteht nunmehr der Mensch aus fünf Körpern: dem physischen, ätherischen, dem Astralkörper, Ich und Kausalkörper. Wenn dieser Kausalkörper einmal da ist, dann bleibt er; aber er hat sich aus den Erträgnissen der Leben erst zusammengesetzt. Nun begreift man den Unterschied zwischen den einzelnen Menschen. Diejenigen, die oft gelebt haben, also schon viele Inkarnationen durchgemacht haben, die haben ihrem Lebensbuche viele Blätter beigefügt, sind hochentwickelt und haben einen reichen Kausalleib; die anderen sind erst durch wenige Leben hindurchgeschritten, haben daher weniger Früchte gesammelt und besitzen deswegen einen weniger entwickelten Kausalkörper.
[ 3 ] Welchen Sinn hat dieses wiederholte Erscheinen des Menschen auf der Erde? Wären die Inkarnationen ohne Zusammenhang, dann wäre dies freilich sinnlos. So ist es aber nicht. Bedenken wir die verschiedenen Lebensverhältnisse, die ein Mensch durchmacht, der ein paar Jahrhunderte nach Christi Geburt lebte und der sich heute wieder inkarniert. Heute ist des Menschen Lebenszeit vom sechsten bis vierzehnten Jahre schon ausgefüllt mit dem Erwerben von Kenntnissen: Lesen, Schreiben und so weiter. Der heutige Mensch hat ganz andere Gelegenheiten, seine Persönlichkeit zu kultivieren und heranzubilden. Es sind die Inkarnationen so geordnet, daß der Mensch erst dann wiedererscheint, wenn er in neue Verhältnisse hineinkommt, ganz andere Gelegenheiten und Entwickelungsmöglichkeiten vorfindet, und das ist immer schon nach einigen Jahrhunderten der Fall. Wie stark entwickelt sich die Erde in jeder Hinsicht! Vor wenigen tausend Jahren war die Gegend hier mit Urwäldern bedeckt, in denen wilde Tiere hausten. Die Menschen lebten in Höhlen, bekleideten sich mit Tierfellen und verstanden nur in primitiver Weise, Feuer zu machen und Werkzeuge herzustellen. Wie anders ist es heute! So verändert sich in verhältnismäßig kurzer Zeit das Antlitz der Erde. Ein Mensch, der zur Zeit der alten Germanen lebte, hatte ein ganz anderes Bild von der Welt als derjenige, der heute hier lesen und schreiben lernt. Mit der veränderten Erde lernt er ganz Neues und eignet es sich an.
[ 4 ] Wie lange dauert es nun, bis der Mensch in einer neuen Verkörperung erscheint? Von welchen Faktoren hängt das ab? Die Antwort ergibt sich aus der folgenden Betrachtung. Wir müssen sehen, was mit der Veränderung der Erde zusammenhängt.
[ 5 ] Im Laufe der Zeiten haben immer gewisse Wesenheiten als heilige Symbole eine besondere Verehrung genossen. So zum Beispiel verehrte man in Persien bis 3000 Jahre vor Christi Geburt die Zwillinge. Von 3000 bis 800 vor Christi verehrte man in Ägypten den heiligen Stier Apis und zugleich in Vorderasien den Mithrasstier. Von ungefähr 800 vor Christi an tritt ein anderes Tier in den Vordergrund, der Widder oder das Lamm, und damit entstand die Sage von Jason, der das Goldene Vlies vom heiligen Widder aus Asien, von jenseits des Meeres, herüberholte. Das geht noch weiter. Das Lamm wurde so heilig verehrt, daß Christus sich als das «Lamm Gottes» bezeichnete, und das erste christliche Symbol war nicht das Kreuz, an dem der Erlöser hing, sondern das Kreuz mit dem Lamm.
[ 6 ] Das alles bedeutet drei aufeinanderfolgende Kulturzustände, und das hängt zusammen mit bedeutungsvollen Vorgängen am Himmel. Der Gang der Sonne geht am Himmel entlang einer gewissen Zone, dem Tierkreis, und das Merkwürdige ist, daß die Sonne, die beim Anbruch des Frühlings in einem bestimmten Punkt des Tierkreises aufgeht, innerhalb einer bestimmten Epoche immer weiterrückt, so daß sie in einem Zeitraum von 2160 Jahren von einem Sternbild in ein anderes rückt. So ging die Sonne im Jahre 3000 vor Christi im Frühling auf im Sternbild des Stiers, noch früher im Sternbild der Zwillinge und ungefähr 800 Jahre vor Christi im Sternbild des Widders.
[ 7 ] Dieser Punkt rückt also jedes Jahr ein Stückchen weiter, nach 2160 Jahren tritt er in das nächste Sternbild ein, und die Völker wählten als Symbol ihrer Verehrung das Zeichen am Himmel, in dem die Sonne im Frühling aufgeht, und brachten ihm ihre Verehrung dar. Würden wir heute noch die gewaltigen Gefühle und erhabenen Stimmungen verstehen, welche die Alten damit verbanden, als sie diesen Augenblick des Eintrittes der Sonne in ein neues Sternbild erlebten, dann würden wir auch die Bedeutung des Momentes verstanden haben, als die Sonne in das Sternbild der Fische eintrat. Aber das kann unsere materialistische Zeit nicht.
[ 8 ] Was sah denn der damalige Mensch in diesem Vorgange? Die Alten sahen darin die Naturkraft verkörpert. Im Winter lag sie im Schlaf gebunden, und im Frühling wurde sie von der Sonne wieder ' hervorgerufen. Das Sternbild nun, in dem im Frühling die Sonne erschien, das der Sonne neue Kraft gab, das wurde als etwas Verehrungswürdiges empfunden. Das Sternbild symbolisiert also die auferweckende Kraft. Die Alten wußten, daß mit einem solchen Vorrücken der Sonne etwas ganz Wichtiges verbunden ist, denn die Sonnenstrahlen fallen dann unter ganz anderen Verhältnissen ein. Und wirklich bedeutet ein solcher Zeitraum von 2160 Jahren eben den Eintritt ganz anderer Verhältnisse auf der Erde. Diese Zeitperiode bringt nun der Mensch im Devachan zu, um vom Tode zu einer neuen Geburt zu kommen. Der Okkultismus hat diese 2160 Jahre von jeher als einen Zeitraum anerkannt, in dem die Zustände auf Erden sich derart ändern, daß der Mensch wiedererscheinen kann, um etwas Neues zu erleben.
[ 9 ] 2160 Jahre vergehen also zwischen zwei Verkörperungen. Hierbei ist aber in Betracht zu ziehen, daß in dieser Zeit von 2160 Jahren der Mensch eigentlich zweimal erscheint, so daß mithin schon tausend Jahre durchschnittlich den eigentlichen Zeitraum bilden, der zwischen zwei Verkörperungen liegt. Das geschieht darum, weil in der Regel beim Menschen eine Verkörperung männlich und eine weiblich ist. Es ist unrichtig, daß alle sieben Mal eine männliche und eine weibliche Inkarnation sich abwechseln. Die Erfahrungen einer Seele sind sehr verschieden, ob sie männlich oder weiblich inkarniert war; das ist ja begreiflich. Daher erscheint sie im Zeitraum von 2160 Jahren einmal männlich und einmal weiblich. Dann hat der Mensch alle Erfahrungen gemacht, die er in den gegebenen vorliegenden Verhältnissen machen kann. Da hatte er die Gelegenheit und Möglichkeit, seinem Lebensbuche ein neues Blatt hinzuzufügen. Solche radikale Veränderungen der Erde und der irdischen Verhältnisse sind eine Lehrzeit für die Seele. Das ist der Sinn des Wiedererscheinens, der Reinkarnation.
[ 10 ] Die Frucht des Erinnerungsbildes, der Kausalleib und der gereinigte Astralleib bleiben beim Menschen, er verliert sie fortan nie wieder. Bei seinem Eintritt in das Devachan nimmt er den Kausalleib und einen Teil seines Astralleibes mit, und zwar den gereinigten, denn das, was er sich erarbeitet hat, bleibt ihm im Devachan und immer. Nun macht er seine Devachanzeit durch. Der Wilde hat natürlich erst wenig an seinem Astralleibe gearbeitet und nur ein Flämmchen nimmt er mit ins Devachan, seine Erinnerungsbilder gehören ihm mehr unbewußt an. Ein Franz von Assisi hat sich dagegen einen vollkommen schön gegliederten Astralleib errungen und lebt mit diesem im Devachan. Wenn der Mensch den niederen Astralleib abgestreift hat, sieht er in gewisser Weise sich selbst wie außer sich stehend vor sich. Das ist der Moment, wo er ins Devachan eintritt. Das Devachan hat gleichsam vier Abteilungen, die wir nennen können:
1. die Kontinente
2. Flüsse und Meere
3. die Luft, den Ätherraum
4. die Region der geistigen Urbilder.
[ 11 ] In dem ersten Teil, den Kontinenten, sieht man alles in einem negativen Bilde, gleichsam wie auf einer photografischen Platte. Was hier auf Erden je physisch gewesen ist und noch ist, alles, was je auf dieser Erde an physischen Mineralien, Pflanzen und Tieren war und noch ist, erscheint als negative Gestalten. Und wenn man sich unter diesen negativen Gestalten selbst negativ sieht, dann ist man im Devachan. Was hat das für einen Sinn, daß man sich so selbst sieht?
[ 12 ] Man sieht sich nicht nur einmal, sondern nach und nach so, wie man in früheren Leben ausgeschaut hat, und das hat einen tiefen Sinn. Goethe sagt: Das Auge wird von dem Licht für das Licht gebildet. - Er meint damit, das Licht sei der Schöpfer des Auges, und das ist richtig. Das begreifen wir, wenn wir sehen, wie aus Mangel an Licht das Auge rückgebildet wird. Gewisse Tiere zum Beispiel wanderten einst in Kentucky in Höhlen ein, Sie brauchten kein Sehvermögen mehr, denn die Höhlen waren finster. Nach und nach verloren sie das Augenlicht, die Augen verkümmerten. Der Säftezufluß wandte sich einem anderen Organ zu, das sie jetzt nötiger gebrauchten. Weshalb haben sie das Augenlicht verloren? Weil ihre Welt ohne Licht war. Die Abwesenheit des Lichtes hat das Sehvermögen genommen. Wäre also kein Licht, so wäre kein Auge. In dem Licht selbst sind die schöpferischen Kräfte für das Auge, geradeso wie in der Tonwelt die schöpferischen Kräfte für das Ohr sind. Kurz, der ganze Leib, alle Organe wurden von den schöpferischen Kräften des Universums gebildet.
[ 13 ] Was hat das Gehirn aufgebaut? Gäbe es nichts nachzudenken, gäbe es auch kein Gehirn. Es gibt gewaltige Naturgesetze; ein Kepler, Galilei richteten den Verstand auf diese Gesetze. Wer schuf das Verstandesorgan? Die Weisheit in der Natur!
[ 14 ] Mit einer gewissen Vollkommenheit der Organe betritt der Mensch die irdische Welt. Aber es sind ja inzwischen neue Verhältnisse eingetreten; die verarbeite ich nun mit dem Geiste. Alles aber, was ich erlebe, ist schöpferisch. Die Augen, die ich schon habe, der Verstand, den ich schon habe, sind von den vorigen Inkarnationen gebildet. Komme ich nach dem Tode ins Devachan, so finde ich, wie gesagt, das Bild des Leibes, wie er im letzten Leben war, und habe noch in mir die Frucht des Erinnerungsbildes an das letzte Leben. Ich kann nun vergleichen, wie ich mich in verschiedenen Leben entwickelte, wie ich war, ehe ich die Erfahrungen des letzten Lebens hatte, und was aus mir werden kann, wenn ich die Erfahrungen des letzten Lebens hinzufüge. Danach gestalte ich mir nun im Bilde einen neuen Leib, der eine Stufe höher steht als mein voriger Körper.
[ 15 ] Auf der ersten Stufe im Devachan korrigiert also der Mensch das frühere Lebensbild: Er bereitet sich aus den Früchten des vorigen Lebens selbst das Bild seines Körpers für die nächste Inkarnation.
[ 16 ] Auf der zweiten Devachanstufe pulsiert das Leben als Wirklichkeit gleichsam in Flüssen und Strömen. Während des irdischen Daseins hat der Mensch das Leben in sich, es konnte nicht wahrgenommen werden; jetzt sieht er es dahinfluten, und er benutzt es, um die Form, die er auf der ersten Stufe gemacht hat, zu beleben.
[ 17 ] Auf der dritten Devachanstufe hat der Mensch um sich her alles, was früher in ihm war an Leidenschaften, Gefühlen und Affekten; wie Wolken, Donner und Blitze tritt es ihm hier entgegen. Das alles sieht er nun gleichsam objektiv, er lernt es kennen und beachten wie das Physische auf der Erde und sammelt seine Erfahrungen in bezug auf das seelische Leben. Durch dieses Sehen der Bilder des seelischen Lebens kann man sich die seelischen Eigentümlichkeiten einverleiben, man kann den auf der ersten Stufe gebildeten Körper beseelen. Das ist der Sinn des Devachans. Der Mensch muß im Devachan eine Stufe weiterkommen; so bereitet er sich selbst das Bild seines Körpers für die nächste Inkarnation. Das ist eine der Aufgaben, die der Mensch im Devachan hat.
[ 18 ] Aber der Mensch hat noch viele Aufgaben im Devachan. Er ist keineswegs nur mit sich selbst beschäftigt. Er tut das alles auch nicht ohne Bewußtsein. Der Mensch lebt bewußt im Devachan, und falsch ist die Behauptung des Gegenteils in theosophischen Büchern. Wie geht das aber zu?
[ 19 ] Wenn der Mensch schläft, ist der Astralleib aus dem physischen und Ätherleib herausgetreten, und dann hat der Mensch kein Bewußstsein, aber nur so lange, als der Astralleib seine gewöhnliche Arbeit verrichten muß: nämlich den abgearbeiteten und ermüdeten physischen Körper auszubessern und zu harmonisieren; so lange ist der Mensch ohne Bewußtsein. Wenn der Mensch aber gestorben ist, hat der Astralleib diese Tätigkeit nicht mehr auszuüben, und in demselben Maße, in dem er befreit wird von der Tätigkeit am physischen Körper, erwacht in ihm das Bewußtsein. Sein Bewußtsein wurde ja während des Lebens am Tage verdunkelt und eingedämmt durch die physische Macht des Körpers, und nachts mußte er arbeiten an diesem physischen Körper. Wenn nun nach dem Tode die Kräfte frei werden, dann treten am Astralleib sogleich ganz bestimmte Organe hervor. Diese Organe sind die sieben Lotusblumen, Chakrams. So entsteht an der Nasenwurzel, zwischen den Augenbrauen die zweiblättrige Lotusblume. Hellsehende Künstler haben das gewußt und ihren Kunstwerken das Symbol dafür gegeben: Michelangelo bildete seinen «Moses» mit zwei Hörnern. Die anderen Lotusblumen sind in folgender Weise verteilt:
die sechzehnblättrige Lotusblume in der Nähe des Kehlkopfes,
die zwölfblättrige Lotusblume in der Nähe des Herzens,
die acht- oder zehnblättrige Lotusblume in der Nähe der Magengrube,
eine sechs- und eine vierblättrige sind weiter unten.
[ 20 ] Diese astralen Organe sind beim gewöhnlichen heutigen Menschen kaum angedeutet zu sehen, aber wenn er hellsehend wird, oder bei Medien im Trancezustand, treten sie scharf hervor in lebhaften, leuchtenden Farben und bewegen sich.
[ 21 ] In dem Augenblick, wo die Lotusblumen sich bewegen, nimmt der Mensch in der Astralwelt wahr. Der Unterschied zwischen physischen und astralen Organen besteht darin, daß die physischen Sinnesorgane des Menschen passiv sind; sie lassen alles von außen auf sich einwirken. Auge, Ohr und so weiter sind zunächst im Zustande der Ruhe, sie müssen warten, bis ihnen etwas geboten wird, Licht, Töne und so weiter. Die geistigen Organe sind im Gegensatz dazu aktiv, sie umfassen klammerartig den Gegenstand. Diese Tätigkeit kann aber erst dann erwachen, wenn die Kräfte des Astralleibes nicht anderweitig gebraucht werden; dann aber strömen sie in die Lotusblumen ein. Auch in Kamaloka, solange die niederen Teile des Astralleibes noch mit dem Menschen verbunden sind, findet immer noch eine Trübung statt. Wenn aber der astrale Leichnam abgestoßen ist und nur das dauernd Erworbene zurückbleibt, also an der Pforte von Devachan, dann sind diese astralen Sinnesorgane zu voller Tätigkeit erwacht, und im Devachan lebt der Mensch in hohem Maße bewußt mit diesen Sinnesorganen. Es ist nicht richtig, wenn in theosophischen Büchern gesagt wird, daß der Mensch im Devachan schläft, und es ist auch nicht richtig, daß er nur mit sich selbst beschäftigt ist oder daß er die auf Erden angesponnenen Verhältnisse nicht fortgesetzt findet; eine echte, auf Geistesgemeinschaft gegründete Freundschaft setzt sich vielmehr mit größerer Intensität dort fort. Die Innigkeit der Freundschaft führt der geistigen Gemeinschaft im Devachan Nahrung zu, bereichert es mit neuen Formen. Das ist es gerade, was der Seele im Devachan Nahrung gibt. Auch das Verhältnis des Menschen zur Natur, ein edler, ästhetischer Naturgenuß, ist Nahrung für das Leben der Seele im Devachan.
[ 22 ] Davon lebt, wie gesagt, der Mensch dort. Die Freundschaftsverhältnisse sind gleichsam die Einrichtungsstücke, mit denen er sich umgibt. Die physischen Verhältnisse durchkreuzen auf Erden diese Beziehungen oft genug. Im Devachan wird die Art und Weise, wie zwei Freunde beisammen sind, nur durch die Intensität der Freundschaft bestimmt. Also solche Verhältnisse auf Erden anzuknüpfen bedeutet, Erlebnisse zuführen für das Leben im Devachan. So stellen sich die physischen Lebensverhältnisse als wirkliche Erlebnisse im Devachan dar.
