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The Rudolf Steiner Archive

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Vor dem Tore der Theosophie
GA 95

24 August 1906, Stuttgart

Dritter Vortrag

[ 1 ] Wie ist der Aufenthalt des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt?

[ 2 ] Der Tod wird nicht mit Unrecht der ältere Bruder des Schlafes genannt, denn zwischen Schlaf und Tod besteht eine gewisse Verwandtschaft. Aber ebenso besteht wieder ein großer, gewaltiger Unterschied zwischen beiden.

[ 3 ] Betrachten wir einmal, was mit dem Menschen vorgeht vom Moment des Einschlafens bis zum Moment des Erwachens. Diese Zeit stellt sich dar als eine Art Bewußtlosigkeitszustand. Nur spärliche, manchmal verworrene, manchmal klarere Erinnerungen an ein Traumbewußtsein tauchen auf. Um den Schlaf recht zu verstehen, müssen wir uns erinnern an die einzelnen Teile der menschlichen Wesenheit. Wir sahen, daß der Mensch aus sieben Gliedern besteht, von denen vier ganz entwickelt sind, das fünfte nur zum Teil, und daß vom sechsten und siebenten nur Keime und Anlagen vorhanden sind:

1. der physische Leib, den wir mit unseren Sinnen wahrnehmen
2. der Ätherleib, der fein leuchtend, durchlässig den ersten durchdringt
3. der Astralleib
4. der Ich-Leib oder Bewußtseinsleib.

[ 4 ] In dem Ich-Leib ist enthalten:

5. das Geistselbst oder Manas, zum Teil entwickelt, zum Teil keimhaft
6. der Lebensgeist oder Budhi
7. der Geistesmensch oder Atma, die beiden letzteren aber nur im Keime.

[ 5 ] Ein wacher Mensch hat die vier untersten Leiber in dem Raume, den er einnimmt. Der Ätherleib ragt an allen Seiten ein wenig aus dem physischen Leibe heraus. Der Astralleib ragt etwa zweieinhalb Kopflängen über den physischen Leib heraus, umgibt ihn wie eine Wolke und verliert sich nach unten hin. Wenn ein Mensch einschläft, dann bleibt im Bette liegen der physische Leib und der Ätherleib; sie bleiben miteinander so verbunden wie am Tage. Dagegen tritt eine Lockerung ein für den Astralkörper; es findet gleichsam ein Herausheben des Astralleibes und des Ich-Leibes aus dem physischen Leibe statt. Da nun alle Empfindungen, Vorstellungen und so weiter im Astralkörper bewirkt werden, dieser aber jetzt außerhalb des physischen Leibes ist, deshalb ist der Mensch im Schlafe bewußtlos; denn in diesem Leben braucht der Mensch, um bewußt zu werden, das physische Gehirn als Instrument. Ohne dieses kann der Mensch sich nicht bewußt werden.

[ 6 ] Was macht nun der losgelöste Astralkörper während der Nacht? Der Hellseher kann beobachten, wie sich der Astralleib in der Nacht am Schläfer beschäftigt; er hat seine bestimmte Aufgabe. Nicht schwebt er, wie es oft von Theosophen gelehrt wird, tatenlos, träge, als ein untätiges Gebilde über dem Menschen, sondern er ist fortwährend am physischen Leibe tätig. Und was tut er? Der physische Leib wird während des Tages ermüdet, abgenutzt, und diese Abnützung, die Ermüdung, macht der Astralleib während der Nacht wieder gut. Der Astralleib bessert den physischen Leib nachts wieder aus und ersetzt die verbrauchten Kräfte. Daher die Notwendigkeit des Schlafes und daher auch das Erquickende, Erfrischende und Heilende des Schlafes. Wie es sich mit den Träumen verhält, davon werden wir später noch sprechen.

[ 7 ] Wenn nun der Mensch stirbt, ist es anders. Dann trennen sich nicht bloß der Astralleib und der Ich-Leib von dem physischen Körper, sondern auch der Ätherleib. Diese drei Körper heben sich heraus und bleiben nach dem Tode des physischen Körpers noch eine Zeitlang zusammen. Die Erscheinung des Todes geht so vor sich, daß sich im Moment des Todes der Zusammenhang, der zwischen dem Äther- und Astralleib einerseits und dem physischen Leib anderseits besteht, namentlich im Herzen löst. Eine Art Aufleuchten findet statt im Herzen, und dann hebt sich über den Kopf heraus Ätherleib, Astralleib und Ich. Im Augenblick des Todes tritt aber für den Menschen etwas Merkwürdiges ein: Für eine kurze Spanne Zeit erinnert sich der Mensch aller seiner Erlebnisse im eben verflossenen Leben. Wie ein großes Tableau steht in einem einzigen Augenblick sein ganzes Leben vor seiner Seele. Etwas ähnliches geschieht bei Lebzeiten dem Menschen nur in sehr seltenen Fällen, und zwar dann, wenn er in Todesgefahr schwebt oder einen großen Schreck bekommt; zum Beispiel ein Ertrinkender, ein Abstürzender sieht im Moment der Todesnähe sein Leben vor seiner Seele stehen.

[ 8 ] Eine andere ähnliche Erscheinung ist das eigentümliche, prikkelnde Gefühl, wenn ein Glied eingeschlafen ist. Woher kommt das? Das kommt durch eine Lockerung des Ätherleibes. Wenn ein Glied, zum Beispiel ein Finger, einschläft, dann sieht der Hellseher neben dem Finger einen Fingerling herausragen; das ist der Ätherleib, der sich an dieser Stelle gelockert hat und herausragt. Darin liegt auch die große Gefahr des Hypnotisierens, weil hierbei das Gehirn demselben Vorgang unterliegt wie der eingeschlafene Finger. Auf beiden Seiten des Kopfes sieht der Hellseher, wie zwei Lappen oder Säcke, den gelockerten Ätherleib heraushängen. Wird nun das Hypnotisieren häufig wiederholt, so entsteht die Neigung des Ätherleibes, sich zu lockern, die große Gefahren mit sich bringen kann. Die Betreffenden werden meist unfrei, träumerisch, haben Schwindelanfälle und so weiter. Eine solche Lockerung des ganzen Ätherkörpers findet statt in der Todesgefahr. Das hängt so zusammen: Der Ätherkörper ist der Träger des Gedächtnisses; je feiner der Ätherkörper, desto ausgebildeter, desto besser ist das Gedächtnis. Steckt nun der Ätherkörper in dem physischen Körper fest, wie dies beim gewöhnlichen Menschen der Fall ist, dann können seine Vibrationen nicht genügend auf das Gehirn wirken und dem Menschen zum Bewußtsein kommen, weil der physische Leib mit seinen gröberen Schwingungen sie gleichsam zudeckt. In Todesgefahr aber, wo sich der Ätherleib lockert, ist er mit seinen Erinnerungen vom Gehirn entlastet. Das ganze verflossene Leben steht einen Augenblick vor der Seele des Sterbenden. Im Moment also, wo der Ätherleib sich lockert, tritt alles hervor, was jemals in den Ätherleib hineingeschrieben worden ist. Daher auch die Erinnerung an das verflossene Leben unmittelbar nach dem Tode. Es dauert dann einige Zeit, bis sich der Ätherleib vom Astralleib und Ich trennt.

[ 9 ] Beim gewöhnlichen Menschen löst sich der Ätherleib nach und nach im Weltenäther auf. Beim ungebildeten, noch tiefstehenden Menschen geht diese Auflösung des Ätherleibes langsam vor sich, beim Gebildeten rasch, beim Chela oder Schüler wieder langsam und immer langsamer, je höher der Mensch steigt, und endlich kommt ein Stadium in der Entwickelung, wo er sich überhaupt nicht mehr auflöst.

[ 10 ] Nun haben wir beim gewöhnlichen Menschen schon zwei Leichname, den des physischen Körpers und den des Ätherleibes; es bleiben übrig Astralleib und Ich.

[ 11 ] Wir müssen uns nun vergegenwärtigen, daß das ganze Bewußtsein des Menschen im irdischen Leben von seinen Sinnen abhängt. Wir werden uns eine Vorstellung machen können, wie anders der Bewußtseinszustand jetzt sein muß. Denken wir uns nach und nach alle Sinne dahinschwinden: Finsternis tritt ein nach Verlust der Augen, Tonlosigkeit nach Verlust der Ohren, weder Kälte noch Wärme gibt es nach Verlust des entsprechenden Sinnes. Was bleibt nun von dem, was die Seele belebt, was das Tagesbewußitsein erfüllt, was wir dem Körper verdanken von früh bis spät, nun, wo alle physischen Organe fehlen? Der seelische Inhalt; und gerade, wenn wir uns das klarmachen, werden wir begreifen, wie der Lebenszustand ist nach dem Tode, wenn der Mensch diese beiden Leichname abgelegt hat.

[ 12 ] Man nennt diesen Zustand Kamaloka, das heißt Begierdenorrt. Aber das ist kein Ort irgendwo draußen, nein, wo wir sind, ist auch Kamaloka, und fortwährend umschweben uns und leben um uns die Geister der Verstorbenen. Aber dem physischen Menschen entgeht deren Anwesenheit. Wie empfindet nun ein Toter? Ein einfacher Fall wird uns das klarmachen: Ein Mensch ißt mit Begierde und wirklichem Genuß. Der Hellseher sieht bei ihm im oberen Teil seines Astralleibes die Befriedigung des Genusses als eine bräunlichrote Gedankenform. Nun stirbt dieser Mensch; was ihm erhalten bleibt, ist die Begierde und Genußfähigkeit. An dem Physischen haftet nur das Physische, das Material des Genusses; wir müssen einen Gaumen und so weiter haben, um essen zu können. Der Genuß und die Begierde aber sind etwas Seelisches; daher bleiben Genußfähigkeit und Begierde auch nach dem Tode. Nur hat der Mensch dann keine Möglichkeit mehr, die Begierde zu befriedigen, denn die Organe zur Befriedigung fehlen. So ist es mit allen Genüssen und Wünschen: Es hat einer Begierde nach schönen Farbenzusammenstellungen - es fehlen die Augen; nach harmonischer Musik — es fehlen die Ohren.

[ 13 ] Wie kommt das der Seele nach dem Tode zum Bewußtsein? Wie ein Wüstenwanderer, von brennendem Durst gepeinigt, umherirrt und eine Quelle sucht, um den Durst zu löschen, so leidet die Seele brennenden Durst, weil sie keine Organe, keine Werkzeuge zur Befriedigung mehr hat. Sie muß alles entbehren, daher ist «brennender Durst» eine sehr treffende Bezeichnung, und gerade darin drückt sich der Zustand von Kamaloka aus. Es ist das nicht eine Quälerei von außen, sondern die Qual der Unerfüllbarkeit der noch vorhandenen Genußfähigkeit.

[ 14 ] Warum muß die Seele diese Qual leiden? Damit der Mensch sich nach und nach diese sinnlichen Begierden und Wünsche abgewöhnt, damit die Seele sich loslöse von der Erde, sich läutere und reinige. Wenn es so weit ist, dann ist die Kamaloka-Zeit zu Ende, dann steigt der Mensch auf zum Devachan.

[ 15 ] Wie durchlebt nun die Seele das Leben im Kamaloka? Der Mensch durchlebt im Kamaloka noch einmal sein ganzes Leben, aber er durchlebt es rückwärts. Er durchläuft die ganze Lebenszeit von der Todesstunde bis zur Geburt rückwärts, Tag für Tag mit allen Erlebnissen, Geschehnissen und Taten. Und was ist der Sinn davon? Es hat den Sinn, daß er sozusagen bei jedem Ereignis Halt macht, um sich das Hängen am Physisch-Materiellen abzugewöhnen. Er durchlebt nochmals alle Genüsse, aber so, daß er sie entbehren muß, daß er sie nicht befriedigen kann. Dadurch gewöhnt er sich heraus aus dem physischen Leben. Und wenn er so sein Leben durchlebt hat bis zur Geburt, dann kann er, mit den biblischen Worten, eingehen in das «Reich der Himmel», wie Christus sagt: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnt ihr nicht kommen in die Reiche der Himmel.» Alle Evangelienworte sind sehr tief, und man lernt ihre Tiefe kennen, wenn man nach und nach in die göttliche Weisheit eindringt.

[ 16 ] Einzelne Momente müssen wir noch herausheben aus diesem Kamaloka-Leben, die besonders wichtig und lehrreich sind.

[ 17 ] Zu den verschiedenen Gefühlen, die dem Menschen im Leben anhaften, gehört besonders das eigentliche Daseinsgefühl, das Lebensgefühl, die Freude am Leben überhaupt, am Drinnenstecken im physischen Körper. Darum ist es eine Hauptentbehrung, keinen physischen Körper mehr zu haben. Wir werden nun dadurch das furchtbare Schicksal und die entsetzlichen Qualen jener Unglücklichen verstehen, welche durch Selbstmord aus dem Leben scheiden. Beim natürlichen Tod ist die Trennung der drei Körper verhältnismäßig eine leichte. Selbst bei Schlagfluß oder sonst einer schnellen natürlichen Todesart ist in Wirklichkeit schon längst die Trennung dieser höheren Glieder voneinander vorbereitet worden; sie trennen sich leicht, und die Entbehrung des physischen Leibes ist dann nur eine sehr geringe. Aber bei einer so gewaltsamen plötzlichen Trennung vom Körper wie bei einem Selbstmörder, wo noch alles gesund ist und noch fest zusammenhält, da tritt unmittelbar nach dem Tode eine starke Entbehrung des physischen Körpers auf, die furchtbare Leiden verursacht. Es ist ein furchtbares Schicksal. Der Selbstmörder fühlt sich wie ausgehöhlt und beginnt nun ein grausiges Suchen nach dem so plötzlich entzogenen physischen Körper. Nichts läßt sich damit vergleichen.

[ 18 ] Es wird nun mancher sagen: Der Lebensüberdrüssige hängt ja gar nicht mehr am Leben, sonst hätte er es sich nicht genommen. — Das ist eine Täuschung, denn gerade der Selbstmörder hängt zu sehr am Leben; weil es ihm aber die Befriedigung gewohnter Genüsse nicht mehr bietet, weil es ihm vielleicht durch veränderte Verhältnisse manches versagt, darum geht er in den Tod, und darum ist ihm nun die Entbehrung des physischen Körpers unsagbar groß.

[ 19 ] Aber nicht für alle ist das Kamaloka-Leben so schwer. Wer weniger an materiellen Genüssen hing, für den ist natürlich auch das Abgewöhnen, die Entbehrung keine so schwere. Aber auch er muß ganz heraus aus seinem physischen Leben, denn das KamalokaLeben hat noch einen anderen Sinn.

[ 20 ] Der Mensch vollbringt während seines Lebens nicht nur solche Dinge, welche Genuß bereiten, sondern er lebt hier zusammen mit anderen Menschen und Geschöpfen; bewußt oder unbewußt, absichtlich oder unabsichtlich verursacht er Menschen und Tieren Freude und Leid, Lust und Schmerz. Auch das trifft man wieder beim Durchlaufen der Kamaloka-Zeit. Man kommt zurück an die Stelle, den Ort und Moment, wo man den anderen Wesen Schmerz bereitete. Damals machte man den Schmerz anderen fühlbar, nunmehr muß man dieselben Schmerzen in der eigenen Seele erleiden. All die Qualen, die ich je einem anderen Wesen bereitet habe, muß ich nun in der eigenen Seele durchmachen. Ich stecke gleichsam in dem Menschen, in dem Tiere drinnen und lerne kennen, was das andere Wesen durch mich gelitten hat, und nun muß ich alle diese Qualen und Schmerzen selbst erleiden. Dem kann man nicht entgehen. Das ist aber nicht etwa die Wirkung von Karma, sondern nur das Loslösen vom Irdischen. Ganz besonders fürchterlich ist dadurch das Kamaloka des Vivisektors. Der Theosoph darf nicht Kritik üben an dem, was die Welterscheinungen bieten, wohl aber kann er begreifen, wie der moderne Mensch zu solchen Dingen kommen konnte. Im Mittelalter würde kein Mensch daran gedacht haben, und in alter Zeit würde es jeder Arzt für den größten Unsinn gehalten haben, das Leben zu zerstören, um das Leben kennenzulernen, denn wahr ist es, daß noch im Mittelalter ein großer Teil der Menschen hellsehend war und die Ärzte den Menschen durchschauen konnten und sahen, was in ihm beschädigt war und was ihm fehlte. So zum Beispiel Paracelsus; er durchschaute den physischen Leib. Aber die Zeit der materiellen Kultur mußte kommen, wo das Hellsehen verlorenging. Namentlich bei den heutigen Ärzten und Naturforschern sehen wir dies, und die Vivisektion war eine Folge davon. Somit ist sie zu begreifen, aber niemals zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Unfehlbar treten die Folgen eines solchen Qualen verursachenden Lebens ein: Der Vivisektor muß nach dem Tode selbst genau alle die Qualen durchmachen, die er den Tieren zugefügt hat, seine Seele steckt gleichsam drinnen in jedem Schmerz, den er bereitet hat. Seine Absichtslosigkeit, das Vorschieben der Wissenschaft, «der gute Zweck», sind keine Entschuldigungen. Das Gesetz des geistigen Lebens ist unbeugsam.

[ 21 ] Wie lange bleibt nun der Mensch in Kamaloka? Ein Drittel seiner Lebenszeit. Wurde der Mensch fünfündsiebzig Jahre alt, so dauert der Aufenthalt in Kamaloka etwa fünfundzwanzig Jahre.

[ 22 ] Was geschieht dann? Die Astralkörper der Menschen sind sehr verschieden in Farbe und Form. Der Astralkörper eines niedrigstehenden Menschen ist durchdrungen von allen möglichen Gebilden, von niederen Trieben; er hat eine rötlich-graue Grundfarbe mit rötlich-grauen Ausstrahlungen und unterscheidet sich in der Form nicht von gewissen Tieren. Ganz anders ist es bei einem Gebildeten oder gar bei einem Idealisten wie Schiller, oder bei einem Heiligen wie Franz von Assisi; sie versagten sich manches, veredelten ihre Triebe und so weiter. Je mehr aber der Mensch von seinem Ich aus an sich arbeitet, desto mehr Strahlungen gehen aus von der bläulichen Kugel, dem Ich-Zentrum; diese Strahlungen bedeuten Kräfte, durch die der Mensch den Astralkörper in seine Gewalt bekommt. Daher kann man sagen: Der Mensch hat zwei Astralleiber, einen Teil, der mit den tierischen Begierden geblieben ist, und einen anderen Teil, den der Mensch selbst hineingearbeitet hat.

[ 23 ] Wenn der Mensch seine Kamaloka-Zeit durchgemacht hat, dann ist er reif, den veredelten Teil seines Astralkörpers herauszuheben aus dem niederen. Dieser niedere Teil bleibt zurück, und was er aus sich gemacht hat, das zieht er heraus. Beim Wilden und wenig kultivierten Menschen bleibt ein großer Teil als niederer Astralleib zurück, beim Gebildeten weniger. Wenn zum Beispiel ein Franz von Assisi stirbt, bleibt sehr wenig zurück, und ein mächtiger, hoher Astralleib wird herausgezogen, denn er hat viel an sich gearbeitet. Das, was zurückbleibt, ist der dritte Leichnam des Menschen: die niederen Triebe und Instinkte, die der Mensch noch nicht veredelt hat. Dieser Leichnam schwebt fortan überall im Astralraum umher, und mancher schädliche Einfluß geht von ihm aus.

[ 24 ] Das ist auch ein Zweites, was in spiritistischen Sitzungen erscheinen kann. Dieser Astralleichnam bleibt nämlich oft lange Zeit erhalten und kann sich mittels eines Mediums kundgeben, und oft glauben die Leute dann, es sei der Verstorbene selbst; es ist aber nur sein Astralleichnam. Wie in einer Hülse enthält er dessen niedere Triebe und Gewohnheiten; er kann auf Befragen auch Antwort geben, er kann Auskunft erteilen und kann ebenso vernünftig reden und sein, wie der niedere Mensch vernünftig war. Viele Verwechslungen kommen dadurch vor. Ein eklatantes Beispiel bietet die Broschüre des Spiritisten Langsdorff, in der er behauptet, eine Zusammenkunft mit A.P.B. gehabt zu haben. Auf Langsdorff wirkt nämlich die Idee der Wiederverkörperung wie das rote Tuch auf den Stier; er möchte alles in Bewegung setzen, um diese Lehre zu widerlegen. Er haßt H.P.B,., weil sie diese Lehre gelehrt und verbreitet hat. Nun berichtet er in dieser Broschüre, daß er H.P.B. zitierte und daß sie ihm sagte, daß nicht nur die Reinkarnationslehre falsch sei, sondern auch, wie sehr sie es bedaure, dieselbe gelehrt zu haben. Das kann alles richtig sein, nur daß Langsdorff nicht H. P. B., sondern deren niederen Astralleichnam zitiert und befragt hat. Und daß dieser niedere Astralleichnam von H.P.B. derartig antwortete, ist jetzt ganz begreiflich, wenn man weiß, daß sie in der ersten Zeit ihrer Entwickelung in der «Isis Unveiled» wirklich die Wiederverkörperungslehre verwarf und bekämpfte. Sie selbst stieg in ihrer Erkenntnis, aber ihr Irrtum blieb mit der astralen Hülle zurück.

[ 25 ] Dieser dritte Leichnam, die Astralhülle, löst sich nach und nach auf, und es ist wichtig, daß er ganz aufgelöst ist, wenn der Mensch wiederum zu einer neuen Verkörperung zurückkommt. In den allermeisten Fällen tritt das auch zu. Aber es gibt Ausnahmen, wo ein Mensch sich schnell wiederverkörpert, ehe sein astraler Leichnam zerronnen ist. Das gibt dann für diesen Menschen schwierige Lagen, wenn er bei seiner Wiederverkörperung seinen eigenen Astralleichnam noch vorfindet, der alles das noch enthält, was in seinem vorigen Leben noch unvollkommen war.